Journal Samstag, 1. Mai 2021 – Schöner Wohnen

Sonntag, 2. Mai 2021 um 8:51

Wenn ein Feiertag auf einen Samstag fällt, ist das für mich als Büro-Arbeitnehmerin ein Ärgernis: Nicht nur bekomme ich keinen zusätzlichen freien Tag, auch noch sind die Pläne für meinen Samstag eingeschränkt.

Gestern war aber eh ein Arbeitstag: Meine Eltern kamen, um uns bei weiteren Schritten der Wohnlichmachung mit Handwerkskunst und Erfahrung zu unterstützen.

Noch vor ihrer Ankunft statteten wir den Balkon mit dem neuen Teppich aus – ein Geschenk meiner Eltern.

Die Bücherschränke, die wir gestern gemeinsam aufbauten, waren ihr Weihnachtsgeschenk zum Einzug. Der erste Schrank kostete ganz schön Anstrengung, uns passierte ein dummer Fehler (trotz wirklich guter Bauanleitung): Wir vergaßen die Blende und merkten das erst, als der Schrank stand – da ein Auseinandernehmen bis zu diesem Schritt nicht nur aufwändig gewesen wäre, sondern die Substanz auch sehr klar nicht auf mehrfache Montage ausgelegt, behalfen wir uns mit einem Winkel von hinten (mein Vater hatte vielfältigstes Material dabei). Als der Schrank endlich stand, war es bereits Mittag. Herr Kaltmamsell servierte Shakshuka, ich holte in der frisch umgezogenen Bäckerei Sultan in der Goethestraße Fladenbrot dazu.

Nach der Mittagspause ging’s deutlich schneller, Schrank 2 und 3 waren im sprichwörtlichen Handumdrehen aufgebaut. Ich ließ mir von meinem Vater möglichst viel erklären. Herr Kaltmamsell hatte währenddessen meine Schlafzimmerlampe zusammengefriemelt: Wie so’ne Ikea-Anfängerin hatte ich angenommen, dass dieses Modell lediglich zusammengelegt verkauft würde – nein, jedes Element musste einzeln gebastelt werden, die Lampe kam als Bausatz mit Kleinteiligkeit ähnlich Revell. Genau für sowas brauchte es die Geduld und den Gleichmut des Herrn Kaltmamsell (der als Kind eine Revell-Phase hatte); ich wäre in mehrere Wutanfälle geraten und holte mir lieber durchs Schraubendrehen beim Schrankzusammenbauen eine Blase im Prinzessinnenhändchen (dieselbe Stelle übrigens, an der ich mal bei einer Party – PARTY! BUHUHU! – eine vom Mojito-Stößeln hatte).

Mein zauberhafter Elektrikervater brachte die Lampe überm Bett an.

Besonders schön finde ich die Schatten an der Decke.

Feiertag hin oder her, wir beschlossen, uns bei den Nachbarinnen und Nachbarn durch Bohren unbeliebt zu machen. Jetzt gibt es auch im vorderen Flurteil eine Lampe (die zumindest eine vage Anmutung von dieser im Treppenhaus hat, die mir so gut gefällt).

Während mein Vater sie anbrachte, außerdem eine Vorhangschiene, entsorgte ich mit meiner Mutter die Styropor- und Papp-Verpackung der Schränke; durch ordentliche Zerkleinerung brauchten wir für die sechs großen Kartons nicht mal eine halbe Papiertonne, also kein weiteres Unbeliebtmachen bei der Nachbarschaft.

Abschließend setzten wir uns nochmal zusammen: Herr Kaltmamsell hatte zum Kaffee ein Matzen-Tiramisu gemacht.

Voilà. Mein Vater wird uns noch Längsstangen zum Zwischenstützen der Regalbretter basteln, damit sie nicht schon bald unter der Last der Bücher durchhängen. Selbst die edlen und deutlich dickeren Paschen-Bretter biegen sich nach über 15 Jahren leicht.

Für Sport war gestern keine Zeit, doch beim Möbelmontieren bekam ich ziemlich sicher genug Bewegung (aus dem Stand in Bauchlage immer im mittlerweile routinierten Ablauf Vorbeuge -> Kobra, während mein Vater in der Krankengymnastik gelernt hatte, aus einem Bodensitz knieschonend über offensichtlich sowas wie einen Herabschauenden Hund aufzustehen).

Ich wusch noch den alten Vorhang, den ich für die eben angebrachte Schiene am Flurfenster zum Hof vorgesehen hatte und war sehr, sehr erledigt. Nach dem Abendessen (Reste Shakshuka und Tiramisu) ging ich noch früher als unter der Woche ins Bett.

§

Heiraten in Zeiten von Corona, am Beispiel München Maxvorstadt geschildert von Anke Gröner.
„Freitag, 30. April 2021 – Mein erstes Livekonzert seit März 2020“.

die Kaltmamsell

21 Kommentare zu „Journal Samstag, 1. Mai 2021 – Schöner Wohnen“

  1. Ilka meint:

    Super, ich mag solche ergiebigen Tage mit dem leichten Ziehen in den Muskeln.
    Sieht fein aus!

  2. lihabiboun meint:

    … und dieser tolle Vorhang mit den Federn …..

  3. Joël meint:

    Eine sehr schöne Schrankwand. Das wird alles sehr chic! Wenn das Zimmer noch von der anderen Seite ein wenig ausgeleuchtet wäre, könnte man das Foto glatt für einen Möbelkatalog verwenden.
    Ich bin sehr gespannt das alles irgendwann in echt zu sehen.

  4. Croco meint:

    Diese Deckenreflexe sind zauberhaft.
    Und das ist ja eine tolle Hochzeit bei Frau Gröner!
    Als einzige Livemusik in den letzten 14 Monaten sind mir nur die Orgelstücke eingefallen bei der Beerdigung.
    Die paar Menschen, die da sein durften, waren sehr ergriffen.
    Gibt es eigentlich Straßenmusikanten in den großen Städten zur Zeit?
    Ich bin da ja nicht mehr.

  5. Sandra meint:

    Für meine Nerven war es eindeutig die bessere Entscheidung, in ein freistehendes Haus zu ziehen- mit Handwerksarbeiten in Ruhezeiten komme ich nicht gut klar. Ich selbst schränke mich schließlich auch ein und reagiere sehr gereizt, wenn mir dann jemand meine Ruhezeit kürzt. Die Denkweise „dann mach ich mich halt unbeliebt“ scheint aber verbreitet zu sein und man gilt eher als überempfindlich, wenn man ist, wie ich :)

    Wie werden Sie die Lampe mit den schönen Schatten sauberhalten? Das hält mich immer davon ab, solche Ikea-Lampen zu kaufen, obwohl ich sie oft schön finde.

  6. Alexandra meint:

    Mit „Ramsele“ habe ich auch einmal geliebäugelt, die ist mitsamt ihren Lichteffekten wirklich hinreißend!

    Ich will nicht „rumunken“, kann mir aber trotzdem nicht verkneifen, anzumerken, dass ich mich letzlich wegen des Gedankens an Staub und Spinnweben auf weißem Filz für die pflegeleichtere „PS“ entschieden habe.

  7. Croco meint:

    @Sandra Wir haben auch so eine Lampe aus Papier von Ikea. Man kann sie gut abstaubsaugen mit der Polsterdüse.

    Ach ja: der Teppich ist toll!

  8. Gaga Nielsen meint:

    Ja, super der Balkonteppich! Die kugelige Schlafzimmerlampe überrascht mich auch mit den aparten Reflexen, sieht nicht wie Putzlicht aus!

  9. Monika meint:

    Ich würde an Sonn- und Feiertagen höchstens kurz bohren. Die Nachbarn machen es in der Regel auch nicht. Einer informierte uns, dass er nur jetzt Zeit hat. Dann nimmt man das halt hin.

    Allerdings gibt es in einem Mietshaus ständig irgendwelchen Baulärm. Jemand zieht aus und die Wohnung wird grundsaniert. Dann wird die Fassade saniert. Man hat ein Gerüst samt Verkleidung vor den Fenstern. Besonders toll im Hochsommer, weil null Luftdurchzug mehr möglich. Dann müssen die Handwerker in die Wohnung, weil sie auch von dort an die Fenster müssen, bzw. Rollladen austauschen. Dann wird eine neue Heizungsanlage im Keller eingebaut. Der Dachstuhl muss wegen Kriegsschäden saniert werden, damit man den zu Wohnungen ausbauen kann. Das ist alles nur ein kleiner Ausschnitt, den man als Mieter in München erduldet. Von den Arbeiten an Häusern in der Nachbarschaft oder Strassensanierungen gar nicht zu reden.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Meine Haltung, Sandra, (um mich mal wieder vor einer fremden stichelnden Kommentatorin zu rechtfertigen) kommt durchaus daher, dass ich sehr auf Ruhezeiten achte, aber viele andere von den 16 Parteien im Haus das nicht tun. Gleichzeitig macht es mir gar nichts aus, wenn spät abends musiziert wird, hin und wieder am Sonntag gebohrt und gehämmert: Ich habe diese Ruhezeiten lediglich verinnerlicht, weil ich einen Großteil meiner Kindheit im Wohnblock drumrum planen musste. Gleichzeitig ist mir der quietschende Crosstrainer wegen der Nachbarn unangenehm – völlig unabhängig von offiziellen Ruhezeiten, aus Rücksicht. Jetzt habe ich mal mein Empfinden des Macht-nichts-aus auf die Nachbarschaft projiziert und zum ersten Mal in 34 Jahren Leben in eigener Wohnung an einem Ruhetag sechs Löcher gebohrt. Hätte ich die Wahl, in einen freistehenden dritten Stock mit Blick über einen Park zu ziehen, würde ich möglicherweise auch damit liebäugeln.

  11. PaulineM meint:

    Tolle Eltern haben Sie!
    Ich mag solche Generationen-Projekte sehr. Ich bin in einer Familie mit 5 Kindern aufgewachsen und meine Großmutter kam jeden Sommer für einen Monat zu Besuch und hat Kinderkleidung geflickt, umgeändert, neu genäht, beim Einkochen für den Winter geholfen und allen Kindern Skatspielen beigebracht.

    In meiner ersten eigenen Wohnung nach dem Studium haben meine Eltern ein Bett gebaut, Vorhänge genäht und einen alten Bauernschrank abgebeizt und liebevoll mit Bienenwachs eingelassen. Heute, 40 Jahre später, steht der Schrank immer noch in unserem Schlafzimmer. Dafür bekamen sie eine Woche Urlaub bei mir in Passau.
    Als meine Tochter und mein Schwiegersohn ihr erstes Kind erwarteten, haben wir zusammen mit ihren Freunden an einem Wochenende die ganze Wohnung umgeräumt, damit ein neues Kinderzimmer entstehen konnte. Und die Freunde staunten, „dass deine Eltern das mitmachen.“

  12. die Kaltmamsell meint:

    Oh ja, PaulineM, sehr tolle Eltern! Bei Umzügen und Renovierungen stehen sie immer schon parat, ich nutze noch heute die bunten Stoffservietten, die meine Mutter mir zum Auszug nähte, und den sensationellen Werkzeugkasten, den mein Vater mir zum Auszug zusammenstellte (und fortlaufend aktualisierte). Und mir ist sehr klar, dass die Zeit, in der ich von ihnen lernen kann, begrenzt ist. Ihre Familienprojekt lesen sich aber auch ganz zauberhaft.

  13. Lotti meint:

    Super Eltern! Schön, wenn man immer noch gerne von ihnen etwas lernen kann und will. Ehrlich, junge Familien sind oft laut ( wir auch, leider oft viel lauter als uns lieb ist) und das zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten. Wenn zwei Vollzeitberufstätige am 01.05. mal Bohren müssen, wirds die Nachbarschaft sicher verkraften. Ausserdem wird Familie Kaltmamsell es sicher nicht zur heiligen Mittagsruhe gemacht haben. Und wie mein Mann manchmal sagt, wenn ich sehr streng mit den Ruhezeiten bin: hier leben Menschen.

  14. Julia meint:

    Also ich habe mir den Kommentar von Sandra jetzt mehrfach durchgelesen, aber ein „sticheln“ konnte ich nicht entdecken.

  15. Sandra meint:

    Danke für den Tipp!

  16. Nina meint:

    Ja, es gibt noch an jeder Ecke Straßenmusik. Zumindest in Berlin. Aber hier gehen die Leute auch eher lax mit dem Abstandhalten und die Behörden mit den entsprechenden Kontrollen um. Personalmangel x Größe der Stadt, Sie verstehen :/

  17. Nina meint:

    In Berlin exakt auch so. Plus Altglasentsorgen in der im Hof stehenden Tonne Sonntagmorgen um 9. Oder für mich noch ärgerlicher, weil direkt unterm Kinderzimmerfenster: abends um 9. was ich auch liebe, sind die Jungs, die mit röhrenden Karren mitten in der Nacht ne halbe Stunde mit umz-umz-Mucke und sich lauthals unterhaltend vorm Haus stehen. Das finde ich alles wesentlich störender als kurzer Bohrlärm. Aber mei, ist halt Großstadt. Wenn’s mich wirklich aufregen tät, müsst ich eben aufs Land ziehen – zu Rasenmähern und Odlgeruch. Irgendwas ist halt immer.

  18. Berit meint:

    Nuja, ist ein Feiertag am Samstag überhaupt ein richtiger Feiertag? Ich glaube mir wäre das gar nicht in den Sinn gekommen, dass da jemand ein erhöhtes Ruhebedürfnis haben könnte, weil.. Naja ist am Ende ein Samstag wie jeder andere auch.

  19. Mila meint:

    @Sandra
    Man braucht keine Papier-Plastiklampe von Ikea zusammenzufriemeln um schöne Schatten an den Wanden zu erzeugen. Es reicht auch eine Glaskugellampe mit Verzierung (meist eine Kugel – Lampenfassung – 3 Schrauben) eingelassen, geätzt, geschliffen, oder auch Kristall, auch die Fassung kann viele Akzente erzeugen. Kann einfach abgewischt werden, oder auch gewaschen werden. Ebay kleinanzeigen ist da sehr ergiebig und trotz allem billiger.

  20. Susann meint:

    Ich gehe immer davon aus, dass die Leute einen guten Grund haben, GERADE JETZT zu bohren, auch, wenn Samstag oder Mittagszeit ist. Meine unteren NAchbarn packt es in regelmäßigen Abständen, und dann fantasiere ich gerne darüber, was sie sich jetzt wieder an die Decke schrauben. Ich muss aber auch sagen, unseres ist generell ein leiseres, unproblematisches Haus mit wenigen Parteien, wir kennen uns alle gegenseitig und ich habe nicht den Eindruck, dass da jemand dabei ist, der zu wenig Rücksicht nimmt. Insofern würde ich auch sofort davon ausgehen, dass Sie, liebe Kaltmamsell, Gründe haben. Ist halt so, mei, wir sind Menschen und können nicht geräuschlos leben.

  21. Alexandra meint:

    So ist das Empfinden verschieden. Ich finde im Übrigen meinen eigenen Kommentar zu der Lampe stichelig. Und den von Sandra auch.

    Alles sehr subjektiv.

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