Journal Sonntag, 22. August 2021 – Bayerischer Wald 1: Reise in den Regen

Montag, 23. August 2021 um 8:08

Ganz wunderbar geschlafen, und das bis halb acht, so schön.

Dadurch wurde allerdings das Kofferpacken etwas konfus, denn meine Eltern wollten vormittags vorbeikommen, meine Mutter würde für ein paar Tage Münchenurlaub bleiben.

Als es klingelte, war ich noch nicht mit Morgentoilette fertig, und der Koffer war noch nicht zu Ende gepackt. Mit Begrüßen, Erzählen, Wohnungzeigen und meiner ohnehin derzeit sehr schlechten Reizverarbeitung stand ich dann nach Verabschiedung mit den Koffern vorm Haus und war nicht sicher, ob wir alles eingepackt hatten. Zum Glück ging Herr Kaltmamsell nochmal hoch: Ich hatte meinen gesamten Kulturbeutel im Bad vergessen. Wetter grau, aber warm.

Der Zug Richtung Bayerischer Wald fuhr pünktlich los, mit Rausschauen (vier Falken innerhalb der ersten Stunde Fahrt!) und Zeitunglesen wurde ich ruhiger. Umsteigen in Plattling und Zwiesel (jeder Zug mit Durchsagen von Frauenstimmen in tiefstem Niederbayerisch, „Mia kemmon jetz noch Plottling“), um halb drei waren wir in Bodenmais. Auf den letzten Kilometern sah ich ein großbuchstabiges Brücken-Graffiti: „Proletarier aller Länder vereinigt euch“, man ist hier nicht von gestern (höchstens von vorvorgestern. In meiner Jugend wurde noch gescherzt, die letzten Missionare seien im Bayerischen Wald erst vor 50 Jahren abgezogen.).

Der überraschend große Ort liegt zwischen Bergen, der Spaziergang zur Unterkunft führte uns bereit ordentlich hoch und runter – und praktisch ausschließlich an Hotels, Pensionen, Restaurants, Ferienwohnungen, Cafés vorbei. Unsere ist eine sehr schicke Pension, der Wirt (ausgesprochen unbayerisch, es fiel die Formulierung, etwas gehe „über die Wupper“) erzählte unter anderem, dass sie erst im Frühjahr vergangenen Jahres geöffnet hatte. Vorgreifend auf die Corona-Regeln, die ab Montag für Beherbergungsbetriebe in Kraft treten, mussten wir unsere Impfzertifikate vorzeigen, das Datum der zweiten Impfung wurde in einem Formular festgehalten.

Wir checkten das Funktionieren des WLANs, packten aus, ich legte mich ein wenig hin. Draußen begann es zu regnen, bald verstärkt durch Donner.

Trotzdem nochmal raus, irgendwann musste ich ja doch was essen – das ist schlecht eingerichtet. Unterm Regenschirm (ich) und in Regenjacke (Herr Kaltmamsell) gingen wir zu einem riesigen Wirtshaus an der örtlichen Adam-Brauerei.

Highlight auf dem Weg: Ein Denkmal der örtlichen Weißwurstkönigin, im Hintergrund ein Video über Wurstherstellung in Dauerschleife. Fleisch wird hier schon sehr gefeiert.

Zum Abendessen gab es eine Halbe dunkles Bier (gut! aber wirklich gut war das Pils des Herrn Kaltmamsell, es schmeckte geradezu blumig) und ein mit Käse überbackenes Schnitzel – wenn ich in den nächsten Tagen auf meine Gemüsekosten kommen möchte, werde ich mich anstrengen müssen. Die zwei fleischlosen Gerichte auf der Karte waren Kässpatzen und Nudeln mit Gorgonzola-Sauce, der einzige Salat war ein Backhendl-Salat – dass man Gemüse in Speisen verwandeln kann, ist hier möglicherweise noch nicht angekommen.

Zurück in die Pension kamen wir in einer Regenpause. Abendunterhaltung war ein Film im Fernsehen, auf den sich der Fanboy an meiner Seite schon lange gefreut hatte: Der Oscar-prämierte Spider-Man: A New Universe, ein Zeichentrick-Spider-Man-Film, der nicht nur die gesamte Comic-Geschichte um diese Figur verarbeitete, sondern sehr kreativ mit Comic-Elementen spielte, ganz ausgezeichnet.

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Journal Sonntag, 22. August 2021 – Bayerischer Wald 1: Reise in den Regen“

  1. Christine meint:

    Schönen Urlaub!

    Das mit dem fehlenden Gemüse ist auch in den meisten Restaurants so, in die mein Kunde/Arbeitgeber einlädt. Da ich kein Getreide esse und die „Salatbeilage“ nicht mag, bestelle ich mir meist einen Beilagenteller gedünstetes Gemüse „statt Salat“. Das irritiert die Bedienung in aller Regel, aber es klappt eigentlich immer. Manchmal ist es sogar sehr schön gemischt.

  2. Nina meint:

    Einen schönen Urlaub Ihnen!

  3. Hauptschulblues meint:

    Ja dann wünsche ich ein gutes Eintauchen in die niederbayrisch-oberpfälzerische Mentalität. Das Problem mit fleischarmem-losen Essen wird sich vielleicht in den nächsten 50 Jahren ändern.
    Die Beilagensalate liegen meist in viel Brühe.
    Hin und wieder gibt es ja auch ein italienisches Restaurant.

  4. Eva meint:

    Mir ging’s kürzlich in Vorarlberg genauso, was vegetarisches Essen angeht. Nix gegen Kässpätzle, aber wie oft kann frau die im Urlaub essen? Erstaunlich, wie wenig sich da in den vergangenen Jahrzehnten getan hat. Den Kaltmamsells schönen Urlaub, ich freu mich schon auf die Berichte!

  5. Lempel meint:

    Ich verbringe die Sommerferien zur Zeit auch im Bayerischen Wald. Erst sind wir 180 km den Regen von Bayerisch Eisenstein nach Regensburg entlang geradelt und sind jetzt noch eine Woche in Bayerisch Eisenstein. Auf dem Weg von Regensburg zurück nach Eisenstein habe ich Sie und Herrn Rau gestern sogar im Zug nach Zwiesel entdeckt. War lustig, Sie mal in Echt zu sehen.
    Im wunderbar renovierten und imposanten Grenzbahnhof von Bayerisch Eisenstein aus dem Jahr 1877 haben wir gestern übrigens gut gegessen. Der Pächter ist ganz neu und die Karte vergleichsweise gemüselastig und untypisch für den Bayerischen Wald. Und schon allein das Bahnhofsgebäude war einen Besuch wert. Heute und am Dienstag ist das Gasthaus zu, aber ab Mittwoch kann ich einen Besuch empfehlen.

  6. Croco meint:

    Im Frankenland gab es auch nahezu pflanzenfreies Essen. Ich glaube, da sind Knödel schon Gemüse.
    Herr Lempel, Sie haben sich nicht zu erkennen gegeben? Ist das so wie wenn man seinen Star nicht in der Sommerfrische behelligen will?

  7. Petra S. meint:

    Das ist doch ein chilliges Ankommen.
    Checken (WLAN hihi), Erkunden, Essen gehen und dann noch kuscheln vor dem Fernseher, weil es die Situation gebietet.
    Ich finde das schön gemütlich für den ersten Tag.
    Ein wunderschönen Urlaub noch!

  8. Lempel meint:

    Croco, ich wollte die „Sommerfrösche“ in der Tat nicht stören. Außerdem bin ich schüchtern und spreche andere Leute nur ungern an. Da geht es mir wie Herr Rau, wer mich aus der Schule kennt, würde mir die Schüchternheit gar nicht zutrauen. Frau Lempel, übrigens.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Das ist ja wirklich ein witziger Zufall, Lempel – el mundo es un pañuelo. Vielen Dank für den Essenstipp!

  10. Rainer meint:

    Kleine Besserwisser Bemerkung: der Impfnachweis, alternativ Genesenen oder Getestet Status muss schon immer bei Check-In in Bayern vorgelegt werden… neu ist ab heute, dass der Negative Test alle 72 Stunden vorgelegt werden muss… schönen Urlaub!!

  11. crocodylus niloticus meint:

    Sorry, Frau Lempel. Ich dachte an den Lehrer Lempel.

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