Journal Dienstag, 5. Oktober 2021 – Wieder kein Zivilisationsuntergang: 25 Jahre Rechtschreibreform

Mittwoch, 6. Oktober 2021 um 6:39

Ziemlich unruhige Nacht, in den Morgenstunden gestört durch mehrstimmiges Rufen und Gröhlen im Park.

Verregneter Morgen. Gelernt: Bei Lehrern klingelt das Telefon beruflich auch mal vor halb sieben.

Arbeitsweg unterm Regenschirm. In der Arbeit viel Menschliches, so und so.

Mittags gab es Pumpernickel mit Frischkäse und eine kleine Honigmelone.

Gestern trug ich mein Sportzeug nicht unbenutzt heim, nach Feierabend ging ich in erneutem Regen zum Verein und strampelte eine Stunde auf dem Crosstrainer auf der Galerie, Filmmusik auf den Ohren, in der Halle unter mir Badminton-Training, von dem hin und wieder ein Federball bis auf Augenhöhe flog. Tat mir gut.

Verschwitzter Heimweg, daheim duschte ich. Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Pakchoi aus Ernteanteil mit anderem Gemüse als Füllung für gebratene Sommerrollen – sehr gut. Nachtisch viel Eierlikörkuchen.

Die mittägliche Lektüre der Süddeutschen hatte mich daran erinnert: Vor 25 Jahren ging mal wieder die Zivilisation unter, diesmal die deutsche, die Zeitungsfeuilletons schäumten wie heute Twitter, denn vor 25 Jahren trat die deutsche Rechtschreibreform in Kraft. In der mir eigenen Art von kindischem Trotz, aber auch aus ehrlicher Neugier auf Veränderung fand ich sie erst mal klasse: Ich war vorher überdurchschnittlich firm in deutscher Rechtschreibung gewesen (Zeitungsausbildung samt Angst vor dem dortigen Korrektorat, regelmäßige Lektoratsjobs als Hiwi am Augsburger Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft), jetzt hatte ich den Ehrgeiz, mir so schnell wie möglich die neue Schreibung draufzuschaffen. Auch noch die erste Änderung der Änderung machte ich mit Verve mit. Als es noch eine und noch eine gab, erlahmte allerdings mein Ehrgeiz. Aber: Während einiges jetzt halt anders kompliziert und unlogisch ist als vorher, frage ich mich bei vielem Grundsätzlichen heute, wie wir das früher nur durchgehalten haben. Zum Beispiel die frühere ss/ß-Schreibung, damals musste man ja jedes Wort damit auswendig lernen. Auch gefällt mir sehr, dass es in der Kommasetzung mehr Kann-Regeln gibt – über die lässt sich herrlich streiten. Und die Zivilisation muss sich neue Anlässe zum Untergang suchen; ich bin sicher, dass sie dem Feuilleton nicht ausgehen werden.

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UI! Isa Bogdans zweiter Roman Laufen wird verfilmt, wie aufregend. Auch wenn ich misstrauisch bin: Der Roman ist durch seine Schriftlichkeit so hervorragend, durch die Erzählperspektive und Sprache. Aber vielleichts schafft das Drehbuch dasselbe mit anderen Mitteln – oder der Film ist einfach ganz anders.

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Facebook war in der europäischen Nacht auf Dienstag down, inklusive den aufgekauften Diensten WhatsApp und instagram. Hier eine Erklärung des technischen Hintergrunds:
„What Happened to Facebook, Instagram, & WhatsApp?“

Ich bin solch ein Internet-Dinosaurier, dass mich das nur bei einer Kurzrecherche auf instagram traf, die nicht ging. Aber die Witzeleien auf Twitter waren sehr lustig. Auch lustig: Die Twitter-Unterhaltung, die währenddessen so begann.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Dienstag, 5. Oktober 2021 – Wieder kein Zivilisationsuntergang: 25 Jahre Rechtschreibreform“

  1. Friederike meint:

    Ja, das mit ß/ss habe ich auch definitiv als Gewinn erlebt. Und auch die Logik, dass zwei f in „Schiff“ und ein f in „Fahrt“ zusammen eben drei f in Schifffahrt ergeben, unabhängig von Vokal oder Konsonant danach (was war das früher für ein Quatsch!).
    Mit Getrennt- und Zusammenschreibung bin ich mir allerdings oft nicht sicher. (dazu kommen immer wieder Fälle von spontaner Individual-Orthographie – was doch viel netter klingt als „Tippfehler“ …!)

  2. Diethilde Neff meint:

    Möchte nicht schulmeisterlich klingen, aber : grölen geht besser als gröhlen…
    Freu mich täglich auf den neuen Eintrag, offenbart er doch andere Sichtweisen und Erfahrungen.
    Danke

  3. Hauptschulblues meint:

    H. hatte sich extra eine Schulnummer zugelegt, damit das Telefon nicht in den Ferien, am Wochenende, früh oder spät klingelte. Das funktionierte gut.

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