Journal Montag, 4. Oktober 2021 – Schwurbelfreie Apotheke gewünscht

Dienstag, 5. Oktober 2021 um 6:22

Eher grauer Morgen, aber mild. Ich genoss den Fußmarsch ins Büro.

Vormittags arrangierte ich einen spontanen Besuch bei der Ärztin, den Anruf nahm eine „digitale Assistentin“ entgegen, also eine Maschinenstimme. Sie verstand meine Auswahl „akute Beschwerden“ zum Glück (es waren auch „Corona-Impfung“ und „Terminanfrage“ im Angebot), nahm meine kurze Schilderung und mein Geburtsdatum auf. Wenige Minuten später rief die Praxis zurück, ich möge gleich vorbeikommen – aber Zeit zum Warten mitbringen. Die brauchte ich nach Anfahrt mit der U-Bahn gar nicht: Das Wartezimmer war leer, ich wurde umgehend versorgt. Unter anderem bekam ich zwei Rezepte, das grüne davon, also das selbst zu zahlende, schaffte nur ganz knapp meine Schwurbel-Hürde (ich google Medikamente auf grünen Rezepten immer, und zwar in Kombination mit dem Stichwort „Evidenz“). Für Mittwochmorgen bekam ich einen Folgetermin („Abklärung“). Möglicherweise wird es zum zweiten Mal nach der jahrelangen Entzündung im rechten Hüftgelenk irreführend, dass ich jegliche Schmerzen in der unteren Körpermitte mit den verschobenen Bandscheiben der Lendenwirbelsäule erkläre. Vorerst macht mich Bauchweh also ein wenig unruhig.

U-Bahn zurück ins Büro, vorher noch schnell in die Apotheke. Nachdem ich mich für meine Fragen zum grünen Rezept bei der Apothekerin erst entschuldigt hatte („Jaja, ich weiß: Sie haben das jahrelang studiert, und ich möchte nach zwei Minuten Internet-Recherche gleich mitreden können HAHAHA.“), nahm ich die Entschuldigung innerlich zurück, als sie „Und demnächst machen wir am besten auch noch eine Darmsanierung“ sagte: Dank Helmholtz-Podcast zum Thema weiß ich, dass das reine Geldmacherei ist. Mag GWUP vielleicht irgendwann Zertifikate „schwurbelfreie Apotheke“ verleihen?

Mittags gab’s im Büro einen Ernteanteil-Apfel und restliches Ofengemüse mit Couscous vom Freitagabend.

Nach Feierabend ging ich direkt nach Hause (es war kühler geworden), denn ich hatte der Einkaufszettel-App entnommen, dass Herr Kaltmamsell alle Zutaten für Eierlikör-Gugelhupf besorgt hatte, den ich seit Tagen gern mal machen wollte. Also buk ich erst mal.

Bei Crowdfarming Granatäpfel und Ziegenkäse aus Spanien bestellt (bei zwei verschiedenen Anbieterinnen) – noch müssen die enttäuschenden Melonen vom Sommer wiedergutgemacht werden.

Während der Kuchen im Ofen war, gab’s eine halbe Stunde Dehn- und Entspann-Yoga.

Das Abendessen servierte wieder Herr Kaltmamsell: Aus Ernteanteil-Kartoffeln und –Grelos-Kraut hatte er mit Kichererbsen und spanischer Blutwurst (morcilla) einen Eintopf gekocht – gut!

Nachtisch Pralinen und Schokolade.

Worauf ich am Samstag mit der Familie angestoßen hatte: Ein Jahr künstliches Hüftgelenk! Ich hatte von A bis Z Glück bei dem Eingriff, alles ist besser als zuvor, nicht mal Migräne hatte ich seither! Beim Abschlusstermin in der Klinik Anfang Dezember werde ich durchaus erwähnen, dass ich immer noch Schmerzen an der OP-Stelle habe, bei Druck auf die Narbe und bei manchen Bewegungen, gehe aber davon aus, dass sich keiner der Fachleute deshalb sorgt.

Wahlergebnis plus Stand der Koalitionsverhandlungen (plus CDU zerlegt sich gerade öffentlich selbst): Noch traue ich mich ja nicht, mein Herz von Jubel durchpusten zu lassen – aber vielleicht bekommen wir wirklich, wirklich keinen Kanzler Laschet? (Und dürfen weiterhin laut hilflos und verzweifelt lachen über Boris Johnson.)

§

Tüpfelmuräne erjagt Klippenkrabbe vor Sonnenuntergang.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Montag, 4. Oktober 2021 – Schwurbelfreie Apotheke gewünscht“

  1. Mareike meint:

    Könnte es da denn tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen der Migräne und den Hüftbeschwerden geben? Das fände ich höchst interessant! Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass die Migräne fern bleibt und auch gute Besserung bzgl. der Bauchschmerzen!

  2. Sanníe meint:

    Ach krass, keine Migräne mehr ist ja toll!
    (Meine verschwand, als ich aufhörte, die Pille zu nehmen, und ist heute nur noch eine verschwommene Erinnerung an durchwimmerte Wochenenden. Viel zu viele.)

  3. Huflaikhan meint:

    Was für ein schöner Moment, in den Tag mit so einem unaufgeregten, wohlformulierten Text zu beginnen. Erinnerungen an die beste aller Bloggerinnenzeiten vor 16/17 Jahren.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Aber Herr Huf – Sie machen mich erröten.

    (Ich kann mir nicht vorstellen, Mareike, dass Hüfte und Migräne in einem ursächlichen Zusammenhang stehen, ich vermute eher die gleichzeitigen hormonellen Umbrüche des Klimakteriums.)

  5. Pippilotta meint:

    „Könnte es da denn tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen der Migräne und den Hüftbeschwerden geben? Das fände ich höchst interessant!“

    Oder vielleicht doch eher mit den Blutdrucksenkern, von denen, wenn ich mich recht erinnere, vor der OP mal die Rede war?

    Aber ich fürchte, wir geraten mit diesem Thema hier schon wieder in gefährliche Fahrwasser… ;)

  6. Nina meint:

    @Pippilotta nicht-selektive Betablocker und bestimmte Kalzium-Antagonisten werden in der Tat zur Migräne-Prophylaxe verschrieben. Das ist auch wissenschaftlich gut erforscht. Sie können eine Verringerung der Häufigkeit, Dauer und Intensität von Anfällen um die Hälfte bewirken. Ziel ist wohl meist, die Einnahme der Akutmedikation zu reduzieren. So hat es mir mein Neurologe zumindest erklärt.

  7. Christine Othmer meint:

    „Und demnächst machen wir am besten auch noch eine Darmsanierung“ sagte: Dank Helmholtz-Podcast zum Thema weiß ich, dass das reine Geldmacherei ist.

    Wohl nicht richtig zugehört?

  8. die Kaltmamsell meint:

    Wohl doch, Christine Othmer.

  9. Halbblut meint:

    Ach, ich hätte so gerne eine schwurbelfreie Apotheke im näheren Umfeld. Leider ist hier keine gewillt, auf den erheblichen Umsatz durch Zuckerkügelchen und Co. zu verzichten. Seufz.

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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