Journal Sonntag, 26. Juni 2022 – Der Bachmannpreis, Heimfahrt

Montag, 27. Juni 2022 um 8:30

Früh aufgewacht, aber ausgeschlafen. Mir wurde bewusst, wie unglaublich ruhig die Wohnung war: Ich hörte keine Autos fahren und auch sonst nichts außer Vogelgezwitscher – in einem sehr zentral gelegenen Wohnblock.

Balkonaussicht der Ferienwohnung. Irgendjemand auf einem anderen Balkon hatte Fahrenheit aufgetragen, unverwechselbar seit 30 Jahren (ich vermisse in dieser Beschreibung die Note “Saunaaufguss”, die seinerzeit bewirkte, dass ich den Duft lange für ein medizinisches Mittel hielt). Später telefonierte eine sehr alte, weibliche Stimme weit weg so laut, dass es die Sonntagsruhe übertönte.

Die Preisverleihung begann erst um elf. Ich rollkofferte deutlich früher mit der Mitbewohnerin zum ORF-Garten, wir hatten nach Wohnungräumen und Aufteilen der Essensvorräte ja sonst nichts zu tun.

Das neue Verfahren zur Bestimmung der Preisträger*innen gefiel mir gut, auch wenn das frühere Durcheinander von Favoriten der Jury samt Begründungen etwas herrlich Klamaukiges hatte. Hier alle Gewinner und die Gewinnerin. Dass meine Favoritin Ana Marwan mit ihrem Text “Die Wechselkröte” (für mehr Tiere in Bachmannpreistexten!) den eigentlichen Bachmannpreis bekam, erfuhr ich allerdings erst im Zug: Ich hatte den ORF-Garten vorher verlassen müssen, um ihn zu erreichen. Davor noch Abschied von den Schlachtenbummler*innen, Spaziergang durch prügelndes Sonnenlicht.

Anstrengende Heimreise. Der IC-Zug Klagenfurt-Salzburg war pünktlich, aber ungekühlt (niemand außer mir trug Maske). Da mein reservierter Platz zudem auf der Sonnenseite lag, musste ich den Vorhang vors Fenster ziehen und bekam kaum Aussicht. Brotzeit um halb zwei: Äpfel, Körnersemmel mit einem Rest Liptauer, Aprikosen.
Die Regionalbahn ab Salzburg war zwar gekühlt, aber immer voller (ich war sehr froh über die Maskenpflicht, die auch durchgesetzt wurde). Eine Kontrolle der Bundespolizei hielt den Zug eine Weile in Freilassing fest, wenig später musste er nochmal anhalten wegen einer Baustelle.

Ich ließ mich von Wortspielen am Wegesrand unterhalten.

Und von Wandmalerei. Meine Reiselektüre war Colson Whitehead, The underground railroad, als E-Book besser transportabel als das Papierbuch The Drunken Botanist, das ich eigentlich gerade lese.

Den Hauptbahnhof München erreichten wir mit einer halben Stunde (in diesem Fall nenne auch ich das) Verspätung, nach sechs Stunden Fahrt war ich ziemlich durch. Herr Kaltmamsell holte mich ab, große Freude.

Während ich daheim den Koffer auspackte (gab es mal Zeiten, in denen ich das nicht sofort nach Heimkehr machte, machen wollte? ich erinnere mich nicht), bereitete Herr Kaltmamsell das Abendessen zu. Und die Drinks davor: Erdbeer-GinTonic.

Ich testete die Metall-Halme, die samt Reinigungsbürstchen zu den Geschenken für akkreditierte Bachmannpreisbeobachtende gehörten.

Herr Kaltmamsell hatte Pasta mit Fenchelbällchen (neues Rezept aus dem Guardian, Resultat ein wenig zu pomfig und zu weich) und Tomatensauce gemacht, servierte “unassembliert”.

Nachtisch Erdbeeren, Schokolade.

Der Sommertag endete in angenehmer Abendkühle, wir konnten bereits beim Zu-Bett-Gehen Fenster und Balkontüren öffnen.

die Kaltmamsell

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