Journal Freitag, 22. Juli 2022 – Meine gescheiterten Fix und vierzig, jetzt aber wirklich letzter Krankheitstag

Samstag, 23. Juli 2022 um 8:40

Unruhiger Schlaf. Mein Unterbewusstsein machte mir klar, wie sehr mich der Tod des ehemaligen Mitschülers mitnimmt. Außerdem plagten mich die seltsamen oberen Rückenschmerzen links jetzt auch im Liegen. Strecken im Stehen mit anschließender Yoga-Vorbeuge verschaffte immer wieder Linderung.

Noch vor sechs erklärte ich die Nacht für beendet. Und musste einsehen, dass ich halt immer noch nicht gesund war. Gestern gab es nichts Arbeitsseitiges, das mich mehr belastete als das Kränkeln, also meldete ich mich nochmal krank. (Außerdem hatte ich den Arbeitsrechner eingepackt und konnte zu meiner Entspannung immer wieder reinlinsen.)

Ich versuchte es mal wieder mit Milchkaffee auf dem angenehm kühlen Balkon. Und legte mich dann wieder hin, nicht zum Schlafen, sondern einfach zum Liegen. Das tut man nämlich beim Genesen.

Mit Hochsommerausblick hörte ich die aktuelle Podcast-Folge von Fix und vierzig (der Untertitel “für Frauen ab 40 und alle, die es werden wollen” ist allein schon wundervoll), Thema “19. Wie können wir die Diätkultur überwinden, Melodie Michelberger?”. Die Standard-Eingangsfrage an den Gast machte mich wieder traurig, denn wie immer kam als Antwort auf “Was machen die 40er besser als die 30er?” eine Geschichte von Selbstfindung, Selbstverwirklichung, Überwindung falscher Ziele, Finden der richtigen, von Durchstarten in ein erfülltes Leben etc. pp. Und ich denke (mit durchaus gemischten Gefühlen) zurück an die wahnsinns Energie, die ich in den 30ern hatte, die Verve, mit der ich mich in Neues stürzte, die Lust an Einfluss, an der Macht, Dinge zu bewegen, gerade als Frau. Wie ich mich im Agenturleben zunächst geradezu wie von der kurzen Leine gelassen fühlte und vor Power nur so sprühte. Wie ich mich auch auf die Gesellschaft von Menschen stürzte, neugierig war. Was mich dann alles unterm Strich so kaputt machte (inlusive dem einen oder anderen Depressionstief zu viel), dass ich in den 40ern immer kleiner wurde, mich immer mehr zurückzog, bitte nichts mehr bewegenmüssen wollte, kein Potenzial entfalten, sondern einfach meine Ruhe. Mit Mitte 30 hätte ich sehr wahrscheinlich deutlich mehr Leistungen aufzählen können als Mitte 40, als ich gerade alles bisher scheinbar Erreichte hingeschmissen hatte und einer wiedergefundenen Freundin in England mein Leben zusammenfasste: “I’m a complete failure.” ABER! Mein Lidstrich ist heute deutlich sicherer und schöner als in den 30ern.

Dann mein sinkendes Herz beim eigentlichen Thema des Podcasts, “Diätkultur”: I can’t believe I’m still discussing this shit. Meine eigene Blogserie zum Thema Diätterror begann ich vor 19 Jahren, geben Sie einfach mal “Diätterror” links ins Suchfeld des Blogs ein (Achtung: Nicht hinter allen Aussagen stehe ich noch). Es macht mich tieftraurig, dass der Podcast beweist, wie wenig weiter wir hier sind – wahrscheinlich durch instagram und Co. sogar einige Schritte zurück. (Andererseits muss ich ja nur in den Absatz drüber lesen: Warum sollte das Thema besser vorangekommen sein als ich, hahaha, Spässle.)

Selbst bin ich ja gerade aus Versehen so dünn wie möglicherweise erst einmal zuvor in meinem Leben, doch es würde meinem… sagen wir 17-jährigen Ich weder helfen, nicht mal würde es dieses Ich überraschen, wenn ich ihm mitteilte: Dünnsein macht nicht glücklich. Es erweitert die Styling-Optionen, mehr nicht.

Vormittags beschloss ich gegen die Rückenschmerzen eine Runde Yoga – die ganz wunderbar gut tat und den Schmerz linderte. Duschen und Anziehen, ich fühlte mich fit für einen kleinen Spaziergang. Vorher Telefonat mit Neffe 1, vielleicht wird ein sehr lang gehegter Reisetraum nächsten Frühling wahr.

Der Spaziergang in steigender, aber noch gut erträglicher Hitze wurde nicht so lang wie erhofft, weil mich wieder der obere linke Rückeschmerz packte, AUA! Sowas kenne ich ja sonst gar nicht – erinnere mich aber an Kolleginnen, die wegen Beschwerden, deren Beschreibung sehr gut auf meine passten, tagelang krank geschrieben waren.

Zu Hause dehnte ich mich durch alle Übungen, die mir als Schwimmerin und Yoga-nicht-mehr-ganz-Anfängerin zum Oberkörper allgemein und zum Rücken einfielen, das brachte ein wenig Besserung. Zum Frühstück kochte ich mir Porridge; als er noch “Haferschleim” hieß, war das ja magenschonende Krankenkost (und ich mache ihn eh immer mit Wasser). Es gab ihn mit einigen Löffeln Joghurt, gesüßt mit Zuckerrüben-Sirup.

Nachmittags hatte ich nur einmal das Bedürfnis mich hinzulegen. Sonst Zeitunglesen, sonstiges Lesen, das Verdauungssystem schien mir wieder eingerenkt.

Weil’s so gut getan hatte, turnte ich abends die vormittägliche Yoga-Runde nochmal, war ja auch nur ein Viertelstündchen rundum. Direkt danach wieder völlig schmerzfrei – aber nicht lange.

Nachtmahl serviert von Herrn Kaltmamsell:

Erst wurde die erste Aubergine aus Ernteanteil gefeiert: gegrillt mit Safranjoghurt. Dann gab es ein Stückchen gekochtes Rindfleisch mit Kartoffeln und Meerrettich. Endlich konnte ich wieder essen, was Herr Kaltmamsell uns kocht. Die paar Tage mit fast nichts haben mir gezeigt, wie genau kalkuliert wir beide einkaufen, so dass bei uns praktisch nie Lebensmittel verderben: Die Brotzeiten, die ich für die Woche eingekauft hatte, blieben liegen, ich musste Herrn Kaltmamsell um Aufessen bitten.

Abendprogramm: Von Festplatte die Doku von 2018 Depeche Mode und die DDR – endlich mal. Unter anderem weil darin eine Freundin vorkommt, die gestern Geburtstag hatte. (Mein claim to fame: Ich habe einige Goldene Schallplatten von Depeche Mode mit eigenen Augen gesehen. Mehrfach.)

§

Technikgeschichte wie ich sie liebe (ich bin ja der Überzeugung, dass das 20 Jahre, proprietäre und hand-gecodede alte ERP-System in der Arbeit, das am 1. Januar durch ein zeitgemäßes System ersetzt wurde, mindestens eine Doktorarbeit über die Geschichte meines Arbeitgebers und/oder des Programmierens abgeben würde).
“I’ve been sitting on a weird epic ramble about Etsy homepages from the middle 2000’s for the better part of 15 years now so I figured I would write it up as a thread”.

In Wirklichkeit verlinke ich das hier ja nur, weil ich ungemein stolz darauf bin, dass ich ca. ein Drittel davon zur Hälfte verstehe.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Freitag, 22. Juli 2022 – Meine gescheiterten Fix und vierzig, jetzt aber wirklich letzter Krankheitstag“

  1. Barbara Götz meint:

    Depeche Mode und der Begriff „Diätterror“ in einem Beitrag. You made my day!

  2. Susanne meint:

    “Dünnsein macht nicht glücklich. Es erweitert die Styling-Optionen, mehr nicht.”
    Das kann ich leider nicht bestätigen. Der Blick in den Spiegel mit ein paar Kilos weniger macht mich immer eine Spur zufriedener. Wenn ich das – meiner Meinung nach – optimale Gewicht habe, fühle ich mich besser und bin glücklicher.

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