Journal Dienstag, 27. September 2022 – San Sebastián 12: Ein Stückerl Camino

Mittwoch, 28. September 2022 um 8:45

Eine etwas unruhige Nacht mit unangenehmen Träumen, macht bei all dem guten Schlaf nichts aus.

Wir planten eine weitere Wanderung, auch wenn für den Tag wechselhaftes Wetter angekündigt war: Das bedeutete für gestern wenigstens regenfreie Abschnitte, Mittwoch und vor allem Donnerstag war durchgehender heftiger Regen vorhergesagt.

Den verregneten Vormittag verbrachte ich mit Morgenkaffee, Wäschewaschen, Bloggen, einer Runde Yoga, einem café con leche im vertrauten Bar, Brotzeit- und Desserteinkäufen in der kleinen Eck-Panadería/Pastelería.

Wir vertrauten dem Regenradar und brachen mittags in Wanderausrüstung auf: Wir wollten das Stück Camino Santiago ab San Sebastián westwärts wandern.

Auf der ersten halben Stunde entlang der Concha wurden wir noch angeregnet, dann erst wieder Stunden später auf der zweiten Hälfte der Strecke – völlig ok.

Beginn unseres Stücks Camino de Santiago am Fuß des Monte Igueldo. Mir fiel ein, dass mein Vater vor 20 Jahren hier gegangen sein musste, als er kurz nach seiner Pensionierung mit zwei Freunden den Jakobsweg ab der französischen Seite der Pyrenäen bis Santiago de Compostela gewandert war – er erzählt bis heute von seinen Erlebnissen, und ich höre sie immer wieder gerne.

Die Wanderung war gut zu machen und bereitete Vergnügen; für knapp 19 Kilometer brauchten wir mit einer Brotzeitpause fünf Stunden. Wir bekamen einiges an Tieren geboten: Im heftigen Wind an der Küste Greifvögel zwischen den Möwen, einen riesigen mit hellbrauner Oberseite sahen wir direkt vor uns aus einer Wiese starten (sicher kein Milan – vielleicht sogar ein Adler?), Falken, Schwalben, Krähen, Spatzen, Grasmücke, Kühe, Pferde, Schafe. Zudem sahen wir besonders viele Obstbäume mit Früchten: Ich weiß jetzt, wie Kaki- und Kiwibaum aussehen, dazu kamen vertraute Apfel-, Esskastanien-, Pfirsichbäume, auch einen Weingarten passierten wir. Was es in dem schlechten Wetter nicht gab: Weite Aussichten in die Berge, da alles von Wolken und Regen verschleiert war. Dann wiederum: Kaum andere Wanderer, wir begegneten genau zwei (der Ausrüstung nach echte Jakobsweg-Pilger*innen).

Meine Zufriedenheit mit der neuen Wanderhose ist mittlerweile leider getrübt: Die Einstecktaschen fürs Smartphone sind seitlich so weit unten angebracht, das sich das Gerät zu weit runterleiert – und beim Gehen außen unangenehm ans Knie dotzt. Ich hielt mein Smartphone deshalb die meiste Zeit lieber in der Hand.

Blick zurück auf den Monte Igueldo.

Kiwis am Baum.

Kühe auf Weide und Herr Kaltmamsell pointing at things.

Meine Brotzeit um halb drei nach einem köstlichen Apfel vom Samstagsmarkt: ein lazo, Blätterteiggebäck mit ordentlich Aprikosenmarmelade drauf.

Bankerl hat man ja leider nicht am Camino, wir waren froh um zwei trockene Steine, auf die wir uns setzen konnten.

Wir kamen an Unmengen Esskastanien vorbei – die mich in dieser Dichte auf dem Weg an Tribbles erinnerten (und die sehr spitze Stacheln haben, wie ich beim Versuch merkte, eine in die Hand zu nehmen).

Lange Abschnitte des Wegs waren sehr matschig, definitiv keine Tour für Turnschuhe.

Laut unserem Wanderführer eine Straße aus dem Mittelalter.

In unserem Zielort Orio kamen wir auf den Punkt genau zur Abfahrt des Regionalzugs zurück nach San Sebastián an. (Sonst hätten wir halt eine halbe Stunde warten müssen.)

Auf dem Heimweg zu unserer Ferienwohnung hielt ich an der Casa del café an, um Vorräte für hier aufzufüllen und mich auch gleich für daheim einzudecken, nämlich mit dem für Spanien typischen torrefacto, was hier mit Zucker gerösteter Kaffee ist. Ich bekam bei der Gelegenheit den Tipp, ihn nicht allein zu mahlen, da der Zucker die Mühle verkleben könne.

Fürs Abendessen steuerten wir eine empfohlene Bodega an – die aus allen Nähten vor Touristen platzte, keine Aussicht auf einen Sitzplatz oder überhaupt geruhsames Essen. Statt dessen gingen wir in das Lokal, in dem wir unseren Morgenkaffee trinken, und bekamen zu einem Glas Txakoli anständige Raciones Ensaladilla rusa, Calamares fritos und richtig gute Albóndigas (über die Kartoffeln sehen wir mal hinweg).

In der Ferienwohnung wartete als Dessert eine weitere tarta de queso auf uns, diese aus der Panadería/Pastelería vom Morgen: eine interessante Kombination von Sahnigkeit und leicht. Favorit ist weiterhin die Version vom Markt.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Dienstag, 27. September 2022 – San Sebastián 12: Ein Stückerl Camino“

  1. Neeva meint:

    Und Sie konnten der Versuchung widerstehen, die Kastanien fürs Abendessen zu sammeln? Ich wäre da mit einem vollen Rucksack weitergelaufen. :-)

  2. Croco meint:

    Diese Wege sind so schön, vor allem der mit der mit den Wackersteinen und der mit dem Kastanienrasen.
    Könnte es sein, dass es ein spanischer Kaiseradler war, den ihr habt starten sehen?
    https://garten-tiere.de/adlerarten/

  3. die Kaltmamsell meint:

    Die Beschreibung passt, Croco, doch wir fanden keine Belege für Sichtungen an der baskischen Küste, deshalb die Vorsicht (SO! ein Oschi!).

  4. Croco meint:

    Dann hattet ihr als die erste Sichtung. Hab gelesen, dass es sogar eine Sichtung aus den Niederlanden gibt. Einer muss der erste sein ;).

  5. Alexandra meint:

    Eine Spannweite von 180 cm habe ich auch – da die seitlich ausgestreckten Arme von Mittelfingerspitze zu Mittelfingerspitze der Körpergröße entsprechen.

    Das als Größenvergleich parat zu haben, kann nützlich sein. Auch, um Baumumfänge zu wissen und mit Kenntnis der Art das Alter zu ermitteln etc.

    Klugschiss Ende.

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