Archiv für März 2026

Journal Montag, 2. März 2026 – Tiefenverspannt

Dienstag, 3. März 2026

Beim Aufstehen (nach eher guter Nacht) fühlte sich mein Körper so zerschlagen an, als wäre ich am Sonntag einen Marathon gelaufen (was ich eh nie tun werde, aber so stelle ich mir die Folgen vor – einer der Gründe, warum ich das nie tun werde): Kreuz, Hüften, Beinrückseiten, Achillessehnen, Füße waren anscheinend alle in verklebte Faszien gewickelt und schmerzten. Ich sah einen Bürotag mit viel Tisch-hoch und Tisch-runter vor mir.

Es tagte viel freundlicher als am Sonntag, die Luft beim Marsch in die Arbeit allerdings knackig frisch.

Im Arbeits-Postfach lediglich eine größere Überraschung, die war problemlos und flott weggearbeitet.

Launeaufhellung hatte ich per Strumpfhose sichergestellt (und neue Turnschuhe, ich hatte mir nach zwei Jahren Zögern dann doch silberne bestellt).

Geordneter Vormittag, Platz für Mittagscappuccino an einem Ort im Westend, an dem die Betreiber gewechselt hatten: Aus Fika war das vegane A Littel West geworden.

Cappuccino also mit Hafermilch, für meinen Geschmack zu Milch-lastig. Sehr angenehm aber der Marsch hin und zurück.

Zu Mittag gab es Birnchen, Nüsse, restlichen Gelbe-Bete-Salat vom Sonntag. Und einen Schreck, als es rechts in der Oberlippe bitzelte: umgehender Griff zur frischen Tube Herpes-Salbe in der Büroschublade.

Die regelmäßige Beteuerung in meinem Arbeitsumfeld, etwas sei “kein Hexenwerk” setzt doch eigentlich voraus, dass es hier auch Hexenwerke gibt; die sähe ich jetzt gerne endlich mal, welche sind das denn? Suchen im Intranet und auf verschiedenen Laufwerken blieb erfolglos, ich fand nicht mal eine Ansprechperson fürs Thema Hexenwerk.

Neues altes Goldkettchen an Handgelenk im Einsatz: Bislang nicht unangehm, vielleicht ist es einfach zierlich genug. Die Rücken- und Hüftgürtelprobleme waren gut erträglich, ich fühlte mich lediglich tiefenverspannt. (Inklusive Geist mit seiner Panik vor der Wahlhilfe am Sonntag und Montag.)

Nach Feierabend spazierte ich zu einer Abendessen-Verabredung in die Maxvorstadt, ich traf mich mit Freundin im Café Puck (ganz selten, dass ich da abends hinging). Den einstündigen Weg genoss ich in nicht allzu milder Luft (Handschuhe!) und dem Vollmond am klaren Himmel entgegen ganz besonders – was auch bedeutet, dass Schuhe, die mir solche Strecken nicht ermöglichen, immer weiter nach hinten im Schrank rücken und neu gar nicht mehr gekauft werden.

Ich aß einen Teller voll Falaffel, Hummus, Krautsalat mit Pitta, trank dazu zwei alkoholfreie Weißbiere, vor allem aber tauschte ich mich aus über Leben im Privaten und in der Welt. Wir endeten mit den Aussichten auf unsere Urlaube dieses Jahr und einer noch undatierten Verabredung zum Wandern.

U-Bahn nach Hause, schnelle Vorbereitungen für den nächsten Arbeitstag.

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Sichtbares Altern und der Umgang damit sind gerade bei Frauen ein heikles Thema.
Hier ein Plädoyer, “sie sieht 20 Jahre jünger aus!” als Kompliment zu hinterfragen.
Selbst gehöre ich ja auch zu den Frauen, die ganz echt ehrlich nicht schlimm finden, so alt auszusehen, wie sie sind (Körpertüchtigkeit anderes Thema, siehe oben).
Aber ich stelle mich auch vor die Frauen, denen jugendliches Aussehen weit nach jeglicher Jugend wichtig ist: Ja, einerseits sind sie wahrscheinlich vom schädlichen Jugend-Kult unserer Gesellschaft geprägt, aber ich möchte bittegerne, dass sie ihr Aussehen selbst entscheiden dürften. Wie die Dame in dem Reel ja selbst sagt: Wir altern sehr unterschiedlich – das gehört für mich zu den Unterschieden, es lebe die Vielfalt.
Das Interview mit Ildikó von Kürthy über das Altern in der Wochenend-Süddeutschen (€) brach ich ab, als sie ihr eigenes Jugendlich-Ich mit Partys, teurem und aufwändigem Styling, sexueller Attraktivität als allgemeingültig prämittierte.1 Nein, cariño, die ersten Jahrzehnte als erwachsene Frau können auch ganz andere Schwerpunkte haben.

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Niemand, der oder die hier liest, sollen sagen können, das hätten sie nicht gewusst (dieser Volkskultur-Newsletter ist definitv mein Liebling): Das Kulturrefarat München lädt ein zu einem Maultrommelworkshop am 14. März, hier der Link zur Anmeldung.
(Mit Jean-Jacques Rammerl an der Tenorsaubladern, nehme ich an.)

  1. WOHL gibt’s dieses Wort! []

Journal Sonntag, 1. März 2026 – Häuslicher Sonntag im Trüben

Montag, 2. März 2026

Gut geschlafen, aber einmal zu oft durch Aufwachen unterbrochen und zu früh zu Ende.

Ein trüber Tag, doch ich freute mich sehr auf eine Laufrunde. Aber erstmal bloggte ich, las die Mastodon-Timeline nach und wartete ab, bis die morgens eingeschaltete Waschmaschinenladung durchgelaufen war.

Die Luft fühlte sich nur wenig mild an, ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen. Schon bald nach Loslaufen Richtung Süden merkte ich, dass es kühler war als erwartet und dass Handschuhe eine gute Idee gewesen wären. Der Körper machte gut mit, ich hatte ausführlich vorgedehnt und mobilisiert (vor allem weil ich recht lang auf die U-Bahn warten musste). Das endete allerdings vor Ende meiner Laufrunde, dann wurde es anstrengend. Und ich musste über den Rest des Tages mit Schmerzen und Steifigkeit zahlen.

Ein wenig haben Regen und Schnee der jüngsten Zeit die Isar aufgefüllt.

Da hat jemand Fledermäuse aber wirklich sehr lieb: Auf diesem kleinen Abschnitt am Isarhochufer vor Pullach sah ich mindestens zwei Dutzend solcher Häuschen.

Bei diesem trüben Wetter wurde das Alpenpanorama gar nicht erst aufgebaut.

Floßlände.

Thalkirchen kurz vor der U-Bahn.

Daheim ausführliche Körperpflege, kurz nach zwei gab es zum Frühstück Birnchen (eine ohne und eine mit Geschmack) und zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Ich wurde steinmüde, und weil Sonntag war, ich zudem erwachsen bin und meine Zeit frei einteilen kann – legte ich mich zu einer Siesta hin. Ich schlief sofort ein.

Unspektakulärer restlicher Sonntag: Gelbe Bete aus Ernteanteil gekocht und Salat daraus bereitet, Wochenend-Süddeutsche gelesen (weite Teile hatten sich durch den kriegerischen Angriff am Samstag von USA und Israel auf Iran und die Gegenschläge auf Israel und Golfstaaten sensationell überholt), gebügelt – mehr als erwartet, es nervte mich wie schon lang nicht mehr. Vor dem Abendessen war gerade noch Zeit für Briefwahl.

Ächz jetzt beim Stadtratwählen (80 Sitze, also 80 Stimmen), viel, viel Ächz nächstes Wochenende beim Auszählen.

Zum Nachtmahl schmorte Herr Kaltmamsell die Ingolstädter Beinscheiben und kochte die einzig passenden Nudeln dazu.

Das Fleisch hatte noch etwas zu viel Biss (hatte aber zwei Stunden geschmort), schmeckte aber gut, auch die Gelben Bete. Nachtisch Schokolade, während die Tagessschau aufzählte, welche Golfstaaten Teil dieser nächsten kriegerischen Eskalation geworden waren.

Im Bett las ich noch Granta 174, Therapy, eine sehr unentschlossene Bearbeitung des Themas (u.a. werden Psychotherapie und Psychoanalyse gleichgesetzt – meistens), möglicherweise wieder eines, das Herausgeber Thomas Meany eigentlich doof findet.

Journal Samstag, 28. Februar 2026 – Familie in Schön

Sonntag, 1. März 2026

Gutes Bett im Gästezimmer meiner Eltern, trotz ein paar Mal Aufwachen schlief ich darin gut und lang.

Na also: Echt Ingolstädter Nebel – der sich allerdings schon bald auflöste und Platz machte für einen sonnigen und milden Tag.

Meine Eltern waren bereits emsig mit Vorbereitungen beschäftigt: Um zehn sollte die Bruderfamilie eintreffen für ein Gesamtfamilienfrühstück, wobei Frühstück als Einladung in den Kreisen meiner Eltern schon seit vielen Jahren immer “Brunch” genannt wird.

Selfie im schönen Gästezimmer meiner Eltern, das einst das Zimmer meines Bruders war (aus meinem wurde Mutters Näh- und Bügelzimmer, bietet aber eine weitere Schlafgelegenheit).

Ich nutzte die Zeit vor dem großen Frühstück für einen Abstecher zur nahe gelegenen Metzgerei, um fürs Sonntagessen Rinderbeinscheiben einzukaufen, an den Ingolstädter Ausfallstraßen gibt es noch mehr Metzgereien als in der Münchner Innenstadt (dort aber geballt am Viktualienmarkt).

Kurz nach zehn klingelte die Bruderfamilie, und jetzt gab es reichlich Gelegenheit für Austausch über Wurst, Semmeln und Brezen, Blätterteigsternen, Lachs, Fleischsalat, weichen und harten Eiern, Hummus, frischem Obst und Gemüse (ich bedauerte sehr, dass es meinem Appetit ein paar Stunden zu früh für all das war). Die liebe Schwägerin testete eine neue Hörgerättechnik mit Extra-Aufnahmekästchen auf dem von ihr entfernten Teil des Tisches (funktionierte nur mittel), von den Nifften weiß ich jetzt unter anderem Details von Umzugsplänen nach Würzburg, Auszugsplänen in Ingolstadt, mittelfristigen Berufsplänen in Berlin, langfristigen Ausbildungsplänen in Berlin, aktueller Berufstätigkeit. Außerdem leidenschaftliche Diskussion, ob die aktuelle Tyopgrafie-Verwendung des Stadttheaters Ingolstadt besonders geschickt oder besonders furchtbar ist, es gab MEINUNGEN.

Mein Vater wiederum erzählte aufgehängt am vorhergehenden Theaterabend ein weiteres Bisschen aus seiner ersten Zeit als Gastarbeiter in Nürnberg und Ingolstadt, nahm auch das Fotoalbum mit Bildern davon in die Hand.

Der fast skulpturale Treppenturm des elterlichen Reihenhauses.

Um halb zwei nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn zurück nach München, aus dem Frühstücksangebot hatte ich mir eine Semmel mit Schinken belegt und einen Apfel eingesteckt, denn jetzt hatte ich Hunger und Appetit: Brotzeit auf der Zugfahrt. Nach Ankunft erledigt ich noch ein paar Lebebensmittel-Einkäufe.

Erst um vier schloss ich den Blogpost über Freitag ab und veröffentlichte ihn: Bitte nicht verpassen, denn ich empfehle darin ein sehr superes Theaterstück. Beim Schreiben und später beim Zusammenstellen der Lieblings-Microblogging-Posts vom Februar ließ ich die Musik von Sezen Aksu dazu laufen und freute mich sehr daran.

Familienmysterien: Die Nichte hielt mir gestern ein goldenes Armkettchen hin und fragte, ob ich es wiederhaben wolle. Meine Mutter, also ihre Großmutter, habe es ihr gegeben mit der Erklärung, mein italienischer Onkel habe es mir geschenkt, ich hätte es aber nicht gewollt.

Ich htte das Kettchen noch nie im Leben gesehen, der italienische Onkel ist vor mindestens 15 Jahren gestorben. Es gefällt mir, nur macht mich Handgelenksschmuck eigentlich wahnsinnig. Der gestrige Test über mehrere Stunden funktionierte allerdings ganz gut.

Schließlich rief ich meine Mutter doch an und fragte sie nach dem Hintergrund: Den Schmuck hatte mir mein italienischer Onkel (die Schwester meiner Mutter hatte sehr jung nach Italien geheiratet) über meine Eltern geschenkt, als ich im Grundschulalter war. Meine Mutter fand ihn unpassend für ein kleines Mädchen und hielt den Schmuck ohnehin nicht für echt (ist aber gestempelt), hatte ihn dann wohl gut 50 Jahre vergessen und erst kürzlich wiederentdeckt. Ich merkte, wie ich mir umgehend eine Erinnerung dazu baute – die unwahrscheinlich ist: Meine Mutter erwähnte ein zweites Goldkettchen von diesem Onkel, zart und aus Gold und Süßwasserperlen, das ich in sehr wohl in meiner Schmuckschatulle habe. Allerdings hätte ich nicht sagen können, woher es stammt, nur dass ich es als Kind bekommen hatte.

Vor dem Abendessen eine halbe Stunde Pilates, tat sehr gut.

Herr Kaltmamsell bereitete zum Nachtmahl aus Ernteanteil-Kartoffeln spanische Tortilla und schnitt den ganzen edlen Jamón Pata negra an, den er von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hatte, ich schüttelte als Aperitif Cosmopolitans und öffnete zur Tortilla eine Flasche unseres Lieblings-Tempranillos Dehesa La Granja aus Castilla y León. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir den Klassiker Das Wirtshaus im Spessart laufen.

Und jetzt leben wir wieder mit einem Tier in der Küche.