Archiv für Juli 2026
Journal Donnerstag, 30. Juli 2026 – Erneute Brutalhitze
Freitag, 31. Juli 2026Ach meia: Ich fühle mich so gestresst und unter Druck, dass ich die nächsten Wochen mit eigentlich hocherfreulichen Unternehmungen einfach nur hinter mich bringen möchte. Auf Brighton freue ich mich schon, habe immer öfter Bilder von Strand, Ort, Wohnung vor Augen. Aber Pläne schmiede ich so richtig für die drei freien Tage nach Rückkehr, für die ersten Arbeitstage nach Urlaub, für die folgenden Wochenenden. Und bin bei diesen Gedanken bis ins Mark erschöpft. Hin und wieder blitzt die Sorge um die Reise nach Brighton durch, Züge fallen ja auch mal kurzfristig einfach aus. Ab Ankunft Brighton stürzt mein Sorgenlevel steil: Infos zur Ferienwohnung sind eingetroffen, unterscheiden sich nicht von denen vor einem Jahr. Wettervorhersage für Brighton: Eher Sonne, Höchsttemperaturen zwischen 23 und 25 Grad, liest sich perfekt.
Balkonkaffee im Nachthemd.
Gestern Morgen (noch brachten die geöffneten Fenster und Türen Morgenkühle) weitere Handgriffe Urlaubsvorbereitung, Kleidungsauswahl nach den Kriterien Wetter (HEISS!), Packplänen, Style-Bedürfnis.
Beim Verlassen des Hauses: Die Herren Bauarbeiter hatten tatsächlich am Vorabend noch ihre Bauarbeit abgeschlossen, sogar Maschinen und Werkzeug waren weggeschafft.
Schon auf dem Marsch in die Arbeit war es unter wolkenlosem Himmel heiß. Keine Mauersegler mehr.
Aufgabenabarbeitung am Schreibtisch bei großer Schlappheit und fast migränigem Kopf. Aber die Aufmerksamkeit reichte, um das wohltemperierte Büro zu genießen.
Mittags ging ich trotz Wissen um die Hitze raus auf einen Marsch um die Blöcke. Mit Nutzen zweier kühler U-Bahnhöfe und Schattensuchen dann doch erträglich.
Mittagessen eingeweichtes Muesli mit Joghurt, Pfirsiche (überraschend gut, ich hatte ihrer Knallhärte misstraut). Noch während ich aß, setzte ein per E-Mail, MS Teams und Telefon ein Querschuss-Gewitter ein, das mich eine Weile beschäftigte. Außerdem bereitete ich das Team auf meine Abwesenheit ohne Vertretung vor, so gut es halt ging.
Nachmittags mal wieder deutliche LWS-Ungemütlichkeit, die mich zu häufigem Wechsel zwischen Arbeit im Stehen und im Sitzen brachte. Die Aussicht auf viele, viele Stunden Reise im Sitzen am Samstag beklemmend.
Telefonat mit Bruder. Er musste seine so lange ersehnte und geplante Radtour nach Spanien ja leider wegen Erkrankung nach einer Woche abbrechen, klang auch eine knappe Woche später nicht wirklich gesund. Was für ein Pech!
Heim musste ich ja auch noch. Für die Hitze um diese Zeit passte die Bezeichnungn sengend (ca. 36 Grad, keine Wolke am Himmel, windstill), ich ging langsam und nutzte wieder zwei U-Bahnhöfe als kühle Unterführungen.
Fertig!
Dennoch kam ich völlig erledigt zu Hause an. Wie geplant tat ich Haushaltliches (Wäsche abnehmen, Wäsche aufhängen = die letzte Maschine Helles), wobei mir trotz angenehm kühler Wohnung schnell klar wurde, dass ich weder Yoga noch Pilates hinkriegen würde. Also weiter geräumt und vorbereitet.
Challenge für Donnerstag und Freitag: Ernteanteil wegessen. Dieser machte es uns aber einfach, unter anderem weil ohne Blattsalat (wir hatten die ersten Tomaten statt der Aubergine): Gestern servierte Herr Kaltmamsell Zucchini-Sellerie-Salat mit Feta, außerdem den größten Teil der Tomaten. (Am Freitag nehme ich Kohlrabi und Gurke als Brotzeit in die Arbeit, abends gibt es ein Kohlrabi-Fenchel-Gericht sowie restliche Tomaten und Gurke.) Der Zucchini-Sellerie-Salat schmeckte sehr gut, die gelben Tomaten waren sensationell aromatisch. Nachtisch Eiscreme-Rest und Schokolade.
In der 20-Uhr-Tagesschau waren ein Themenschwerpunkt die aktuellen Waldbrände, Korrespondentenberichte aus Frankreich, Spanien, Türkei, Griechenland.
Früh ins Bett zum Lesen.
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Sehr viel 1980er-Nostalgie geht an mir vorbei, weil das nicht meine 1980er waren. (Dabei verstehe ich nichtmal, warum ein Rückblick auf meine und die Erinnerung daran mich so tief traurig machen, siehe meine Reaktion auf den Film Call Me by Your Name von 2017.)
Definitv meine 1980er war das Mega-Konzert Live Aid im Juli 1985, deshalb freute mich die Foto-Show von Gofugyourself (bis zu der mir nicht bewusst war, wie sehr Vokuhila die Herrenhaarmode dominierte).
Journal Mittwoch, 29. Juli 2026 – Goldener Abschied vom Lerchenlauf
Donnerstag, 30. Juli 2026Der Juli ist ganz schön lang.
Extrafrüher Wecker nach mittelguter Nacht (eine laute Unterhaltung vor meinem Schlafzimmerfenster weckte mich nicht genug, dass ich zum Fensterschließen aufstand, ließ mich aber auch nicht wieder richtig einschlafen), aufgestanden zu fast noch Nacht: Wahrscheinlich letzte Chance auf einen Lerchenlauf vor der Arbeit für diese Saison. Es war deutlich zu frisch für Balkonkaffee (die Schreie der Gebärenden durch offene Fenster der benachbarten Klinik hörte ich aber), als Laufkleidung wählte ich zur Capri-Hose trotzdem ein Trägershirt.
Beim Kreuzen des Nußbaumparks von Drogis, no rest for the wicked, angebettelt worden (“‘nen Zehner?” – Inflation überall), leider bissig “Seh ich aus, als hätte ich Geld bei mir?” geblafft (statt Ignorieren).
Es wurde ein herrlicher Lauf, unter anderem sah ich zum ersten Mal einen Graureiher mitten in München. Der Körper war praktisch nicht vorhanden (gutes Zeichen), erst nach einer Weile erinnerte ich mich daran, die Füße bewusst zu heben.
Graureiher!
Bei kürzeren Tagen stieg die Sonne erst auf den letzten paar hundert Metern an der Isar über die Baumwipfel der Uferauen.
Alter Südfriedhof.
Für den Körper waren die 80 Minuten wahrscheinlich grad recht, keinerlei Erschöpfung und Schmerzen. Aber mein Gemüt wäre so gerne länger gelaufen.
Die Baustelle am Wohnhaus ist fast beendet. Am Dienstagabend war bis nach 18 Uhr gewerkelt worden, gestern waren die vier Herren deutlich vor acht wieder aktiv.
Arbeitsweg mit zwei Stationen U-Bahn-Fahrt beschleunigt, die Luft unter wolkenlosem Himmel immer noch angenehm. Im Büro gleich losgewirbelt, mich dann von einer lieben temporären Kollegin verabschiedet.
Mittagscappuccino nicht allzu weit entfernt, jetzt stach die Sonne bereits wirklich unangenehm. ABER! Ich hörte nochmal Mauersegler.
Nach einigem weiteren Werkeln gab es zu Mittag Hüttenkäse mit Joghurt, restliche Kirschen (Bauch kurz danach wieder not amused, der soll sich nicht so anstellen).
Wie ich mal meinte: “Oh, wenn derzeit dieser zarten Goldschmuck so in ist,1 kann ich doch das alte Süßwasserperlen-Armkettchen aus Kindertagen wiederbeleben. Merke: “Zart” und ich funktionieren nicht zusammen.2
Nach Feierabend war es unangehm heiß, direkter Weg nach Hause. An den Briefkästen traf ich die Zweitnachmieterin unserer früheren Wohnung im 1. Stock, sie stellte sich vor – eine sehr nette Begegnung. Daheim weitere Urlaubsvorbereitungen: Beine epilieren, Wäsche aufhängen (letzte Ladung Dunkles vor Abreise).
Herr Kaltmamsell kam vom Sommerfest seiner Schule, zusammen spazierten wir zum aushäusigen Abendessen: Es gab asiatische Nudeln bei Honghong Ramen.
Für mich wieder breite Nudeln mit Auberginen und Tomaten (ich kann mich nicht erinnern, dass mir das zuvor schon passiert ist: beim ersten Besuch eines Lokals etwas bestellt, das mir so gut schmeckte, dass ich es jedesmal essen möchte). Davor Gurkensalat, dazu Aloe-Vera-Drink.
Beim Heimkommen war die Baustelle am Haus immer noch aktiv, da wollte jemand unbedingt fertig werden (sie sah auch fast abgeschlossen aus).
Daheim als Dessert Schokolade.
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Ich freue mich weiter über die Odyssee-Verflmung von Christopher Nolan, weil sie so viele lesenswerte Auswirkungen hat. Auf Bluesky beschließt Emily Wilson: “This is a film about living in LA.”
Auf ihrem Bluesky-Kanal schreibt sie auch über die Gedankengänge hinter ihren Übersetzungen – sofort gefolgt.
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Interessante neue junge Comedy.
https://youtu.be/5NOedI5Vf4E?si=7LS2keRvkjk-HsIg
Journal Dienstag, 28. Juli 2026 – Urlaubsvorbereitungen und viel Beifang aus dem Internet
Mittwoch, 29. Juli 2026Nach mehrfach unterbrochener Nacht deutlich vor Weckerklingeln aufgewacht. Bockig beschlossen, dass der Körper also wohl genug geschlafen hatte.
Pflanzengießen, doch mal wieder Balkonkaffee (in dicker Strickjacke, aber wundervoller Morgenluft), Wäsche aufhängen. Marsch in die Arbeit unter wolkenlos blauem Himmel und in frischer Luft im Sommerkleid.
Am Schreibtisch gemischte Orga, Besprechungen, Ärger. Teilnahme an Geselligkeit, bedrückende Informationen. Mittagscappuccino im Westend, noch vor zwölf war die Temperatur auf Hochsommerhitze gesprungen.
Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Joghurt und Leinsamenschrot (Hüjolei), dann reichlich Kirschen (vielleicht zu viele, Bauch anschließend Fragezeichen-förmig).
Emsiger Arbeitsnachmittag mit Ideen. Das Stockwerks-Sommerfest hatte ich abgesagt (aber erst nach 24 Stunden Bedenken!), meine übersichtliche Menschen-Energie benötige ich für Leute, die mir am Herzen liegen. Der Geräuschkulisse nach wurde Spaß gehabt, das freute mich.
Nach Feierabend fuhr ich mit einer U-Bahn in die Innenstadt. Zum einen besorgte ich ein Mitbringsel für die geplagte Ferienwohnung-Nachbarin in Brighton: Wir werden im selben Apartment unterkommen wie ich vergangenen Oktober, und damals hatte ich ja gelernt, dass die Erdgeschoß-Bewohnerin die einzige feste unter zwei Ferienwohnungen ist – das stelle ich mir wirklich ungemütlich vor. Diesmal möchte ich ihr Pralinen vom Dallmayr mit einer netten Karte vor die Tür stellen.
Außerdem sah ich mich beim Sport Schuster nach Badeschuhen um: Ich würde in Brighton gerne nochmal im Meer schwimmen, diesmal aber anders als vor drei Jahren auf dem Kiesstrand nicht auf allen vieren rein- und rausgehen. Es gab Badeschuhe, allerdings nicht in meiner Größe. Ich beschloss, alte Sandalen mitzunehmen und ihnen durch den Einsatz in Salzwasser den Gnadenschuss zu setzen.
Daheim telefonische Abstimmung mit meiner Mutter zu ihrem Wohnunghüten während unserer Abwesenheit. Dann reichlich Räumen und sonstige Häuslichkeiten. Wieder servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Er hatte die Ernteanteil-Aubergine chinesisch geschmort, es gab sie sauer-scharf mit Reis. Nachtisch Heidelbeereis, Schokolade.
Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre Angelika Klüssendorf, Das Mädchen. Der Roman nahm mich mit in eine elende Kindheit der späteren DDR mit prügelnder Mutter und Verwahrlosung.
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Fast schon Routine bei vielen Arbeitgebern:
“PR-Kampagne XY ist jetzt online -> bitte liken und teilen!”
Haben wirklich so wenige Menschen noch ein echtes Leben im Internet? Online-Präsenz = Beruf?
Ich halte diese Aufforderung für problematisch: Wenn die Online-Kanäle von Mitarbeitenden als Werkzeuge des Arbeitgebers genutzt werden – könnten dann nicht alle ihre Posts automatisch in Verbindung mit dem Arbeitgeber gesetzt werden? Auch wenn sie zum Beispiel der offiziellen Policy widersprechen?
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LLMs als Werkzeug in Forschung und Lehre kann man durchaus als Weiterführung des Didaktik-Konzepts Kompetenzorientierung betrachten: Niemand muss mehr Fakten wissen, sondern nur, wo man sie findet. Oder wie man sie erpromptet. Hier das Ergebnis:
“Opinion: I Was Not Allowed To Type Prompts Into ChatGPT During My Chalk Talk And This Is Discrimination”.
via Herr Rau
My own words? I haven’t used my own words since 2022. I’m not even sure I have my own words anymore. When I try to think without a prompt box in front of me, my mind returns only a vague sense of fog and the faint echo of a cursor blinking. My thoughts are not organized into paragraphs. They do not have topic sentences. They are just fragments. Impressions. My job is just… prompt.
I tried to explain this to the committee. I told them that the chalk talk format was outdated and did not reflect the realities of modern scientific practice. I noted that in my actual job, I would have access to AI tools at all times, and that evaluating me without those tools was like evaluating a carpenter without allowing them to use a hammer. I pointed out that memorizing information is not the same as understanding it, and that my ability to construct effective prompts demonstrated a sophisticated grasp of my field.
(…)
I was not offered the position.
In the rejection email, the committee cited “concerns about independent thinking” and “questions about foundational knowledge.” Independent thinking? I think independently all the time. Just last week, I independently decided to ask ChatGPT to “compare the advantages and disadvantages of optogenetic versus chemical-genetic approaches for my research” and then I independently selected the option that sounded best. That is independence. That is scientific judgment. The AI presents options; I choose among them. This is the same thing humans have always done, except the options used to come from reading papers, which is slow and inefficient and, frankly, boring.
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Geschenkter Krautreporter-Artikel 1: Die aktuellen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben ein dort nie erlebtes Ausmaß. Und ich lese viele Erklärungs-Reflexe, die mich skeptisch machen. Deshalb empfehle ich:
“Waldbrände, verständlich erklärt”.
Den Klimawandel können wir nicht sofort aufhalten, wie wir mit unseren Wäldern umgehen und auf Brände reagieren, könnten wir aber sofort ändern.
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Na, Sie wollen doch sicher auch wissen, was Altphilologie-Professorin und Homer-Übersetzerin Emily Wilson zur aktuellen Nolan-Verfilmung zu sagen hat. Hier sehr, sehr ausführlich (ich habe viel über die Vorlage von Homer gelernt) in der London Review of Books:
“An Uncomplicated Man”.
Am öftesten zitiert sah ich daraus:
Nolan’s Odyssey lacks many of the elements that make the poem great. It has nothing convincing to say about time, memory, history, war, or about the relationship between one warrior’s glorious return and the lives of his family, adversaries, comrades, friends and neighbours. It lacks psychological, emotional, political and ethical depth. Its narrative structure is gimmicky. The writing is abysmal. None of the characters has convincing motivation for their actions or words. There are no sex scenes, and all the food looks horrible.
Aber Wilson äußert auch ihre Freude, dass sich durch die Aufmerksamkeit für diese Verfilmung ihre Odyssey-Übersetzung verkauft wie geschnitten Brot und sich voraussichtlich mehr Menschen für das Studienfach Altphilologie entschieden werden.
(Insgesamt geht die Rezeption in meinem Blickfeld erstaunlich weit auseinander: Zwischen SAUGEIL! und VOLL SCHEISSE! sehe ich nichts.) (Ich bin immer noch desinteressiert.)
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Vielleicht doch für mehr Menschen interessant, als ich vor der Lektüre dieses Krautreporter-Artikels gedacht hätte, deshalb hier geschenkt:
“Viele Menschen unterschätzen ständig, wie sympathisch andere sie nach einem Gespräch finden. Das ist sogar durch Studien belegt.”
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Und dann noch eine Geschichte zum Freuen.
“99-jährige Mathematikerin löste Problem, an dem Generationen scheiterten”.
Das Spezialgebiet von Mathematikerin Joan Birman ist Knotentheorie, genauer:
Ihre Arbeiten machten das bis dahin eher randständige Gebiet der Zopftheorie überhaupt erst populär.
Wer den Originalaufsatz von Bharathram, Birman, Brendle nachlesen will (PDF):
“The Burau representation is faithful for n = 4″.
Journal Montag, 27. Juli 2027 – Regnerischer Lerchenschwumm und Arbeitstag
Dienstag, 28. Juli 2026Letzte Arbeitswoche vor Urlaub, ab sofort zähle ich Tage.
Wecker auf früher wegen Schwimmplänen, nachts hatte ich mal wieder das Fenster wegen irrem Gebrüll im Park schließen müssen.
Die Wettervorhersage stand seit dem Vortag auf Bewölkung und Regen, also schlüpfte ich in einen Badeanzug (statt Bikini mit mehr freier Besonnungsoberfläche für Vitamin-D-Produktion) und nahm eine Bademütze mit gegen Frieren wegen Wind. Die Luft war aber mild.
U-Bahnhof-Kiosk am Westfriedhof (sah ich vergangene Woche morgens zum ersten Mal in Betrieb). Oder doch ein Raumschiff?
Diesmal wurde die Tür zum Schwimmbad bereits wenige Minuten vor sieben geöffnet. Brachte aber wenig, da das Eincheck-Terminal erst ab 7 Uhr bedienbar war.
Auf meine fast leere Schwimmbahn schien zunächst sogar die Sonne, doch bald zog der Himmel zu, und auf den zweiten 1.000 Metern regnete es eine Weile – gar nicht unangenehm.
Sehr guter Schwumm, auf den letzten 1.000 Metern (nach Klo-Unterbrechung – der Morgenkaffee trieb) war ich so schön im Status Schwimmen, dass ich mir ein Ende schier nicht vorstellen konnte. Das Thermometer zeigte über der Sprudelschnecke 20 Grad an.
An der Stempeluhr meines Bürohauses war ich wieder deutlich vor Kernzeit, und ich legte am Schreibtisch umgehend los: zum Glück keine unangenehmen Überraschungen.
Regnerischer Vormittag, der zudem recht kühl wurde. Doch mittags zog es mich raus, ich marschierte eine Runde um die Blöcke. Mittagessen Bananen, Skylei (-jo- war aus). Zeitungslektüre dazu leider beschränkt, weil meine Papierzeitung morgens nicht geliefert worden war und ich nur ein wenig in den frei zugänglichen Meldungen der Süddeutschen-Website rumlas.
Arbeitsnachmittag mit Aufgaben und Menschlichem, das Wetter sehr wechselhaft mit Regendrohung.
Den Heimweg genoss ich in milder Luft und immer wieder Ahnung von Sonne. Daheim eine Runde Yoga, ich ließ mich zur Abwechslung mal wieder von Jessica Richburg mobilisieren.
Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Chinakohl zu einem Pastagericht (mit einem Mascarpone-Rest statt Sahne, funktionierte sehr gut), ausgesprochen wohlschmeckend.
Da ich auf dem instagram-Account der Woidlerin Petra gesehen hatte, dass die Blaubeeren reif sind, hatte ich Herrn Kaltmamsell gebeten, auf dem Viktualienmarkt danach zu suchen.
Das, liebe Kinder, sind Blaubeeren, norddeutsch Heidelbeeren. Nicht die Haselnuss-großen Kugeln in Müsli-„Bowls“. Es gab sie zum Nachtisch leicht gezuckert und mit Schlagsahne – Ultra-Luxus!
Im Bett Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else ausgelesen – die Theaterinszenierung, die mich so beeindruckt hatte, hat schon das Wichtigste rausgeholt. Die Erzählform in innerem Monolog war gut gemacht, doch bis zum Schluss haderte ich mit dem Wissen, dass sich hier ein über-60-jähriger Mann die Gedanken und Gefühle einer 19-jährigen vorstellt. Ein Künstler kann natürlich erfinden, was er will, doch das sagt meist viel über seine Zeit aus.
Journal Sonntag, 26. Juli 2026 – Ausklingende Hombroich-Seligkeit
Montag, 27. Juli 2026Noch vor Wecker (weil Abreisetermin) aufgewacht, deutlich mehr Partykater wegen vielem und intensiven Menschenaustausch als Alkohol-Kater, ganz ohne Kopfweh. Zu meiner Erheiterung schmerzten meine Sitzbeinhöcker von den vielen Stunden auf der harten, lehnenlosen Bierbank, anders formuliert: Mir tat der Arsch weh.
Abschied von den liebevollen Ausstattungsdetails des Gästhauses Kloster.
Ein wenig versuchte ich mich noch bei Aufräumen und Abwasch nützlich zu machen – wie in vermutlich jeder Gruppe hatten sich sehr schnell einige wenige besonders darum gekümmert (mit Beteuerung, sie machten das gern), ich hatte am Samstag geradezu Tücke anwenden müssen, um für Spül- und Räumarbeiten eine Helfer-leere Küche zu nutzen.
Unsere Rückreise brauchte ein zusätzliches Umsteigen, um nach Düsseldort Hauptbahnhof zu gelangen, wir verabschiedeten uns früh und sehr herzlich – auch bei einigen Menschen, die ich erst an diesem Wochenende kennen und mögen gelernt hatte. Dieses Wochenende war ein riesiges Geschenk für mich. (Langjährige und innige Freundschaft: Wenn zum Anekdotenschatz der Freundinfamilie Geschichten aus meiner Familie gehören.)
Spaziergang zwischen Zuckerrüben- und Stoppelfeldern in milchigem Sonnenlicht nach Holzheim Neuss, wo uns von einer Haltestelle Holzheim Bahnhof (nicht zu verwechseln mit dem Zug-Halt) ein Bus zum Neusser Hauptbahnhof brachte. Ab jetzt fuhren wir Schiene, zunächst nach Düsseldorf. Genug Umsteigezeit für einen Cappuccino, bevor wir in unseren ICE nach München stiegen. Beim Warten darauf sah ich nach Nachrichten: Dass irgendwas mit dem CSD in Berlin war, hatte ich bereits nachts von Gästen mitbekommen (von denen einige ihre Beteiligung an diesen Feiern dem Geburtstagswochenende geopfert hatten). Jetzt erwischte mich das Attentat mit zu diesem Zeitpunkt einer Toten und vielen Verletzten, großes Entsetzen.
Im ICE-WLAN fertig gebloggt. Beim Hochladen der Bilder musste ich zwar deutlich länger warten als daheim, aber es funktionierte. Frühstück um zwei: Ich hatte mein Brotzeitglas von der Hinfahrt mit Partysalat-Resten gefüllt.
Die Farben der Landschaft vor dem Zugfenster sahen bereits sehr nach August aus. Drinnen im Ruheabteil wurde mit Abfragen auf die theoretische Führerscheinprüfung gelernt, außerdem Kleinkindtum sehr vergnügt krähend gefeiert. Und es war mir zu warm. Ein anderer Passagier sprach die Schaffnerin darauf an, doch die konnte nur erklären, dass die Klimaanlage bereits am Anschlag laufe. Willkommen in der nächsten Hitzewelle.
Pünktliche Ankunft in München, Heimweg in Sonne und angenehm kühlem Wind.
Den Restnachmittag verbrachte ich mit Räumen, Textilpflege (ich fürchte, diese riesigen Rotweinflecken kriege ich nie aus meiner weißen Jeans), Lektüre der Wochenend-Süddeutschen. Während ich Pilates turnte, eine Folge mit Schwerpunkt Mobilisierung, verarbeitete Herr Kaltmamsell die ersten Ernteanteil-Roten-Bete der neuen Saison zu einem Risotto.
Köstlich betig, der Thymian (Ernteanteil) und die gerösteten Mandelblättchen machten sich ganz ausgezeichnet. Nachtisch Fruchtgummi und Schokolade.
Müde früh ins Bett zum Lesen, noch einige Zeit mit Arthur Schnitzlers Fräulein Else verbracht.
Journal Samstag, 25. Juli 2026 – Geburtstagsfeier in der Raketenstation Hombroich, Teil 2
Sonntag, 26. Juli 2026Mit Freundinnen und Freunden so viel Zeit verbringen, dass auch mal nichts passiert, dass man sich auch mal zurückzieht und erst nach einer Weile wiederkommt – das hatte ich lange nicht mehr und genoss es sehr. Gestern war ein wundervoller Tag mit herrlichem Sommerwetter und einer Flut von Eindrücken.
Zu diesem Anblick wachte ich auf. Und über den Tag hatte ich Gelegenheit zu begreifen, wie sehr unsere Unterkunft und der Ort des Geburtstagswochenendes, das Gästehaus Kloster in der Raketenstation Hombroich, Teil des gestalterischen Gesamtkonzepts Hombroich ist.
Die beiden Programmpunkte des Tages waren nur der Besuch der Museumsinsel Hombroich und das Abendessen mit Konzert – genug Zeit für Gemächlichkeit. Nach dem Aufstehen bloggte ich erstmal, trank viel Wasser gegen die deutliche Verkaterung. Frühstückbestandteile standen im Esszimmer, jemand hatte Porridge gekochte, man versorgte sich selbst, setzte sich wieder an den Biertischen im Hof zusammen.
Es war fast schon Mittag, als eine größere Gruppe hinüberspazierte, eine andere mit dem Auto fuhr zur Insel Hombroich: Sie ist ein weitläufiges Museum, eingerichtet in den 1980ern von Karl-Heinrich Müller für seine Kunstsammlung. Die Landschaftsgestaltung mit dem Fluss Erft ist Teil davon, tragender Teil des Museumskonzepts sind auch die nur scheinbar schlichten Backstein-Bauten von Erwin Heerich (die alle “Begehbare Skulptur” heißen).
Die nächsten Stunden erkundeten wir allein, zu zweit, in größeren Gruppen das Museumsgelände.
Die Cafeteria.
Im Labyrith, dem größten Ausstellungsbau der Insel.
Was mich besonders begeisterte: Selten so perfekt für Kunst ausgeleuchtete Räume erlebt.
Allerdings für mich irritierend (aber gewollt und Teil des Konzepts): Kein Exponat auf der gesamten Insel wird bezeichnet oder ist mit sonst einer Information versehen. Ich ertappte mich dabei, auf Gemälden nach wenigstens einer Signatur oder Jahreszahl zu suchen – so sehr bin ich an andere Präsentation gewöhnt.
Der Turm.
Die ziemlich sicher größte Platane, die mir je begegnet ist (Herr Kaltmamsell dient dem Größenabgleich). Ohnehin trafen wir immer wieder auf beeindruckende Bäume und Gartenabschnitte.
Ein Nutria, der uns später auch auf einem Weg begegnete. Später erfuhren wir, dass man diesen Nutria kennt und er fester Bestandteil des Hombroich-Erlebnisses ist.
Orangerie
Graubner-Pavillon von innen.
Graubner-Pavillon von außen.
Ein weiteres Ausstellungsgebäude namens Schnecke.
Rückweg zum Gästehaus wieder zu Fuß geschlendert.
Gegen drei hatte ich endlich richtigen Frühstückshunger und holte mir eine große Portion des bunten Couscous-Salats mit Gemüse, Trauben, Feta vom Vorabend. Es gab jetzt auch verschiedene Kuchen, zum Teil von nahe wohnender Familie der Jubilarin gebacken und mitgebracht, zum Teil vormittags in der Küche des Gästehauses gebacken.
Sonniger und im Schatten dennoch angenehmer Nachmittag mit Plaudern, Ausruhen, Handyladen – bis der angelieferte Grill in Betrieb genommen wurde. Ich schenkte mir wieder schöne Weine ein (allerdings achtete ich auf Beschränkung und ließ den Rotwein wegen Katerverursachungsverdacht ganz aus), aß ungeheure Mengen gegrilltes Fleisch (Steaks, Ribs, Hähnchen, Wurst), dazwischen aber auch einen Teller Gemüse.
In erster Dämmerung um neun (das Foto ist viel zu hell) gab es es ein kurzes und schönes Konzert einer Liedermacherin mit Tenorsaxophon-Begleitung – aus den Gesprächen des Tages wusste ich, dass nicht nur die Jubilarin aus der Musikindustrie kommt. Ich lernte weitere Gäste kennen, erfuhr eine spanische Einwanderergeschichte, viel auch aus der Familiengeschichte der Jubilarin: Ein Geburtstagsgeschenk ihrer Schwester war ein Kistlein mit Briefen und Fotos gewesen, dass sie im Nachlass ihrer gemeinsamen Mutter zu ihrer Geburt und ihrer Kindheit gefunden hatte.
Eine neu hinzugekommene Gästin fragte die Jubilarin, seit wann und woher wir einander kennten – und aus der Antwort erfuhr ich die Geschichte unserer Freundschaft mal aus ihrer Sicht. Das war hochinteressant und an einigen Stellen überraschend.
Nicht ganz so spät wie am Vorabend und deutlich weniger alkoholisiert zog ich mich mit Herrn Kaltmamsell zum Schlafen zurück.








































































