Journal Mittwoch, 1. Juli 2026 – Ein sehr lautes Kleid und mehr aus der Kartoffelkombinat-Generalversammlung

Donnerstag, 2. Juli 2026 um 6:24

Zu spät eingeschlafen, zu früh aufgwacht: Ich fürchtete mich bereits beim Aufstehen vor Müdikeitsanfällen in der Arbeit.

Das Draußen düster und kühl, ich versuchte so viel von der Kühle wie möglich in die Wohnun zu bringen.

Kleiderwahl. Ich assoziierte: The queen deliberately chose bright colours in one tone, worn from head to toe, to stand out in large crowds.

(Foto aufgenommen am Abend.)

In diesem Fall keine Absicht sondern Nebeneffekt: Während ich gewohnt bin, dass Kleidung in Echt deutlich unauffälliger wirkt als auf den Verkaufsfotos, stellte sich dieser Impulskauf (stark reduzierter Preis) beim Auspacken als mindestens so laut heraus wie abgebildet. Doch bei allen sonstigen Veränderungen meiner Persönlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten: Ich habe immer noch überhaupt kein Problem damit, in der Öffentlichkeit mit schöner Kleidung sehr sichtbar zu sein.
(Bei der Rocklänge bin ich noch unschlüssig, ob sie so bleiben soll.)

Auf dem Weg in die Arbeit (ab jetzt und für die kommenden fünf Monate Oktoberfest-bedingt wieder außen um die Theresienwiese herum) machten mir zweimal fremde Frauen ein Kompliment für das Kleid.
Gegen den angekündigten Regen hatte ich einen Schirm in der Hand: Er wirkte, ich blieb unberegnet.

Arbeitsstart am Schreibtisch eher durcheinander, doch das mag sich auf der Basis meiner Grundgereiztheit nur so angefühlt haben. ABER! Eine Arbeitsaufgabe, die am Donnerstag fällig war, belastete mich seit Tagen, und JETZT, als ich ein neues Textdokument für Materialsammlung öffnete, hatte ich eine Idee für die Lösung. Große Erleichterung, ab jetzt war es nur noch Emsigkeit und Zeitaufwand.

Währenddessen begann es zu regenen, immer heftiger.

Um die Mittagszeit beschloss ich, dass der Regen abgenommen hatte und ging unterm Schirm raus auf einen Mittagscappuccino – auch jetzt über zwei U-Bahnhöfe zum großen Teil unterirdisch.

Umständehalber spätes Mittagessen: eingeweichtes Muesli mit Joghurt, Flachpfirsiche.

Nachmittags noch ordentlich etwas weggeschafft. Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, er hinterließ auf 19 Grad abgekühlte Luft – ich empfand das als wohltuend. U-Bahnen brachten mich zu Espressokauf im Caffe Fausto. Auf dem Rückweg von dort zum U-Bahnhof begegnete ich einem Arbeitskollegen – genauer: Ex-Kollegen, wir hatten ihn vor wenigen Wochen in dern Wohlverdientenruhestand verabschiedet. Ein nettes Treffen.

Beim Sendlinger Tor noch Lebensmitteleinkäufe. Daheim Häuslichkeiten, für Yoga war es mir zu spät.

Als ein klassisches Sommerabendessen servierte Herr Kaltmamsell Wurstsalat mit Brot, ich aß dazu die Salzgürkchen auf. Nachtisch Schokolade.

Jetzt schloss ich dann doch die Balkontür: Mir wurde zu kalt.

Früh ins Bett zum Lesen – bei 22 Grad Raumtemperatur unter einer richtigen Bettdecke! Überraschend las ich Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten aus: Der ohnehin schmale und mit viel Weißraum gesetzte Roman endete bereits bei 70 Prozent – das ist ein neuer Rekord.

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Zurück zur Generalversammlung Kartoffelkombinat am Dienstagabend (Mit-Gründer Simon war da, ich freute mich SO, ihn zu sehen).
Zusmmenfassung: Es geht uns gut!

Da ist die Zahl der Ernteanteile, die weiter wächst , die Finanzen sind superstabil (2025 Pflichtprüfung des Genossenschaftsverbands -> anstandslos / 87 Prozent Eigenkapitalquote / unsere Genossenschaft hat 3611 Mitglieder
-> dieses Projekt wird von vielen Schultern getragen), der Vorstand ist sich der Risiken wie komplexere Prozesse (auch digital) bei Wachstum oder Auswirkungen des Klimawandels mit neuen Schädlingen und Krankheiten bewusst, merkt zwar die Normalisierung des Konzepts Solidarische Landwirtschaft, doch wir sind weiterhin Pioniere.

Vorstand Daniel und Jana sowie der Aufsichtsrat wurden komplett probmelos entlastet (mittlweile vor einer PPT-Folie, die kurz erklärt, was “Entlastung” bedeutet, nämlich Verzicht auf rückwirkende Schadensersatzansprüche – in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Verwirrung gegeben).

Nach der Pause erfuhr ich weniger Formelles über unsere Genossenschaft und die Gärtnerei. Zum Beispiel berichteten die Logistik-Verantwortlichen Anna und Almut (sie managen 140 Verteilerpunkte) vom erfolgreichen Test eines Super-Lastenrads: Bald wird es vier von 16 wöchentlichen Touren übernehmen, E-Bike statt Diesel-Lieferwagen – das ganz andere Wege nehmen kann, allerdings nicht so viele Kisten fasst und eine andere Logik hinter der Logistik benötigt.

Die Gärtnerinnen, die den Gewächshausanbau verantworten, Sophie und Agnes, berichteten Status – und ich lernte unter anderem etwas über Gewächshaus-Systeme aus den 1960ern, die nicht wie damals gedacht funktionieren.

Regelmäßig wird aus dem Publikum nach dem Saatgut gefragt, das wir in unserer Gärtnerei verwenden, bislang noch jedes Mal mit der Prämisse, dass samenfestes Saatgut und “alte Sorten” vorzuziehen seien. Wie so viele andere ist das ein komplexes Thema und in einer Gärnerei, die 2.500 Haushalte versorgt, noch viel komplexer. Ich freute mich deshalb sehr, dass unsere Fachleute vergangenes Jahr die Haltung des Kartoffelkombinats dazu gut verständlich zusammenfassten, die Erklärung steht mittlerweile auch auf der Kartoffelkombinat-Website:
“Saatgut und Jungpflanzen”.
Denn bei uns ist das einfach eine ganz andere Nummer als Selbstversorgung im Schrebergarten.

Gestern lernte ich über einen aktuellen Test unterschiedlicher Kürbissorten im Vergleich, aus einer Mischung von samenfesten und Hybrid-Sorten. Denn wie Freilandgärnter Felix erklärte: In der Literatur findet man viele Informationen, aber es ist nochmal was anderes, wenn man die Sorten selbst unter den wirklich eigenen Bedingungen anbaut.

Felix berichtete auch über Maschinenanschaffungen, darunter eine GPS-gesteuerte Lenkung, die die Arbeit der Freiland-Gärtner enorm erleichtert, zudem Boden und Pflanzen schont. Ohnehin freute ich mich sehr, fast das gesamte Team aus der Gärtnerei zu sehen, dass die eigentliche Arbeit im Kartoffelkombinat macht. Wichtig: Wir sorgen für ein Gehalt über Tarif, beschäftigen sie das ganze Jahr durch, und wir kommen ohne Saisonarbeiter*innen aus.

Natürlich war ich hochgespannt, wie es dem Regenwasserüberlaufbecken geht, an dem ich mitgebaut habe. Es gab seit meinem Einsatz durchaus Überraschungen, doch alles ist im Griff, derzeit werden Zu- und Ableitungen verlegt, um das Gesamtsystem in Betrieb nehmen zu können. Bis dahin füllt sich das Becken nur durch Regen direkt von oben – und den gab es nicht, auch der erholsame Regenguss von Montagnacht hat es nicht bis hinaus nach Spielberg in unsere Gärtnerei geschafft. Wird also noch dauern, bis man die Umsetzbarkeit der zahllosen Swimmingpool-Scherze testen kann.

Was ich auch lernte: Kommunikationsplattformen wie instagram werden inzwischen sehr gezielt eingesetzt, inklusive Messung vom Reichweit und Interaktionen.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich dem Kartoffelkombinat anzuschließen, ist der instagram-Account eine gute Möglichkeit für einen Einblick: Unter anderem wird der wöchentliche Ernteanteil gepostet und Sie können ein Bild bekommen, ob er etwas für Sie wäre.
Auch auf Mastodon ist das Kartoffelkombinat zu finden.

Schöne Zukunftsaussichten 1: Es wird dieses Jahr Artischocken geben!
Schöne Zukunftsaussichten 2: Eine AG Bildung erstellt derzeit ein Konzept für die Vorstellung von Kartoffelkombinat speziell und Solidarischer Landwirtschaft allgemein in Form von Workshops, um den vielen Anfragen aus Bildungseinrichtungen und Unternehmen entgegenzukommen.
Schöne Zukunftsaussichten überhaupt: Die Existenz vom und Mitgliedschaft beim Kartoffelkombinat ist ein kleines Lichtlein in meinem Leben, vielleicht doch nicht alles falsch gemacht zu haben.
Aktueller Slogan: Sei Teil der Lösung statt des Problems.

§

Außerdem erzählte mir Herr Kaltmamsell am Ende der Generalversammlung von neuen beruflichen Plänen, die mich komplett überraschten. Und die ich sensationell großartig finde.

die Kaltmamsell

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