Archiv für September 2026

Journal Mittwoch, 2. September 2026 – Existenzlinderungen

Donnerstag, 3. September 2026

Gute Nacht, wenige Minuten vor Weckerklingeln aufgewacht, dennoch war ich am Vormittag bleiern müde.

Wolkenloser Morgen, doch bald zog der Himmel zu.

Emsiger Vormittag, ich freute mich über den Marsch in kühler, frischer Luft auf einen Mittagscappuccino.

Mittagessen einmal durch den Obstkorb: Banane, Feigen, Flachpfirsiche, Mangos. Und ein paar Nüsse als Substanz in der Hoffnung, dass die Sättigung anhält. Funktionierte ganz gut, ich bekam erst nach Stunden wieder Hunger. Nachmittag dennoch mit immer weiter sinkender Stimmung.

Auf dem Heimweg Phantasien von Selbstauflösung, einfach ins Nichts, in Luft (die habe ich seit Kindertagen). Was gemeinerweise halt nicht geht.

Einkäufe beim Vollcorner. Zu Hause nur kurzes Auspacken und Waschmaschinefüllen, fürs Abendessen war ich mit Herrn Kaltmamsell aushäusig verabredet: Wir fuhren mit der Tram zum Müller’schen Volksbad in die Rustikeria.

Zu meiner Erleichterung bekamen wir auch ohne Reservierung einen Platz (ich hätte aber einen Plan B gehabt).

Es gab Drinks (ich erinnerte mich, dass ich hier die alkoholfreien besonders mochte) und schwer auszusprechende Schiacciata.

Für mich mit Grillgemüse und Mozzarella, ganz hervorragend. Das und die Erzählungen von Herrn Kaltmamsells Überlegungen zu seinen kürzlichen Lektüren (Ilias, Odyssee, Terry Pratchett) versöhnten mich ein wenig mit dem Existierenmüssen.

Dazu Aussicht.

Tram nach Hause, dort zum Nachtisch Schokolade.

Ins Bett mit Laufplänen für den nächsten Morgen: Wenn ich nach Lerchenschwumm um kurz vor halb zehn in die Arbeit kommen kann, geht doch noch eine Laufrunde spät genug für genügend Morgenlicht. Mal sehen, wann mich das an den Schreibtisch lässt, derzeit dürfte morgens nichts anbrennen.

§

Die Recherchen der Tagesschau-Redaktion ergeben: Bundeskanzler (!) Friedrich Merz hat hauptsächlich Schmarrn geredet:
“Das Interview mit Merz im Faktencheck”.

Das Schlimme ist: Ich vermute bei Merz weniger Manipulationsabsicht als echte Unkenntnis. Mein Bild von ihm: Er liest so gut wie keine Unterlagen und Informationen aus erster Hand, sondern verlässt sich auf das vage Reporting seiner Entourage. Doch wenn es stimmt (leider lässt sich das belegen), dass Wahlentscheidungen und politische Ansichten mehrheitlich eh nicht auf Fakten fußen, macht Merz ja auch nichts falsch.

§

Der ADFC führt wieder seinen Fahrradklima-Test durch, “Wie fahrradfreundlich ist dein Ort?”: Je mehr Radler*innen daran teilnehmen, desto aussagekräftiger, diesmal mit Extra-Befragung von Jugendlichen – vielleicht mögen Sie auch?

Journal Dienstag, 1. September 2026 – Ich weiß ja nicht

Mittwoch, 2. September 2026

September, ich weiß ja nicht. Ist ein bisschen Wundertüte: Es kann noch Sommer drinstecken, aber auch scheißkalter, nasser, windiger Herbst. Über mir Münchnerin hängt als Damoklesschwert der Beginn von Armageddon aka des Oktoberfests Ende September.

Als Bayerin wiederum verbinde ich mit dem Monat aber auch den Beginn eines neuen Schuljahrs (diesen Rhythmus mag ich mir lebendig gehalten haben, weil ich mein Leben seit Jahrzehnten mit einem Lehrer teile), fühle in mir noch die damalige Gymnasiastin zwar mit spanischer Urlaubsbräune von Sommerferien, aber in warmer Kleidung. Die Tage werden zügig kürzer, daran mag ich überhaupt nichts. Uneingeschränkt gut heiße ich allerdings dieses (meine Füße und Hüften wollen sofort in ChaCha ausbrechen):

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/Gs069dndIYk?si=9U2vmx4krTysyWZ4

§

Recht gute Nacht, auch wenn mich ein Arbeitsproblem beschäftigte. In einer Halbwachphase fiel mir dafür zumindest eine temporäre Lösung ein, Erleichterung.

Wieder ein sonniger Tag, es waren Temperaturen weit unter Hitze angekündigt. Entsprechend genussvoller Marsch in die Arbeit.

Die Bedrückung durch das Arbeitsproblem wurde mir nach Hochfahren des Rechners durch eine Krankmeldung erstmal genommen. Schlagartige Entspannung.

Einiges weggeschafft, raus auf einen Mittagscappuccino im Westend – überrascht von der immer noch frischen Luft.

Spätes Mittagessen, weil Termin auf meinem eigentlichen Slot: Karotte, Banane, Feigen, Skyjolei. Diesmal meldete sich die rohe Karotte ab Nachmittag dann doch wieder mit Bauchweh, Mist. Passte zu meiner Gesamtlaune, Exitistieren ist derzeit wieder besonders lästig.

Nach Feierabend marschierte ich in angenehmen Temperaturen zu den Fotoautomaten unterm Stachus für eine Fortsetzung meines Fotoprojekts. Und wurde jäh ausgebremst: Beide Automaten out of order, davon einer ganz stumm und dunkel, der andere scheiterte an der Bezahlfunktion. Ach meia. Ja, ich schickte eine E-Mail mit dieser Information an den Aufsteller. (Ich war ja schon als Studentin diejenige, die bei Dysfunktion des Fotokopierers in der Bibliothek nicht nur Kommiliton*innen Bescheid gab, sondern auch der Haustechnik.)

Daheim knurrend eine Einheit Yoga geturnt, besänftigender wirkte dann das gute Abendessen: Herr Kaltmamsell servierte die Ernteanteil-Zucchini gebraten auf Ricotta mit gerösteten Haselnüssen und die restlichen Ernteanteil-Karotten als Ofen-Fritten. Nachtisch viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, die aktuelle Lektüre, Sanditz, auch nicht gerade ein Sonnenstrahl, sondern eine weitere Variante DDR- und Post-DDR-Tristesse.

§

Lilly Schröder macht sich Gedanken, warum der Vergewaltigungsprozess um Frank S., der “größte Vergewaltigungsprozess, der je vor einem Berliner Gericht verhandelt wurde”, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommt:
“Keine Heldin, keine Empörung”.

Dass im Fall von Frank S. keines der Opfer öffentlich in Erscheinung tritt, hat vermutlich auch mit Scham und Stigmatisierung zu tun. Denn der 68-jährige Elektriker S., der sich mal als Polizist, mal als Hubschrauberpilot ausgab, lernte die Frauen auf Onlinedatingplattformen kennen, mit einigen führte er eine Beziehung. Während Gisèle Pelicot und Collien Fernandes die „perfekten Opfer“ für einen Massenaufschrei darstellten, weil ihnen zweifellos keine Mitschuld zugeschoben werden konnte, greift bei den Opfern von Frank S. leichter das misogyne Victim-Blaming-Narrativ: Warum waren die Frauen überhaupt auf diesen Plattformen? Warum haben sie sich auf solch eine gefährliche Situation eingelassen?

(…)

Frank S. erfüllt das Täterklischee geradezu perfekt: ein fremder Mann aus dem Internet, der sich als Serienvergewaltiger entpuppt. Das Problem: Die Täter sind meist keine Monster. In der Regel sind es die eigenen Partner, Ex-Partner, Brüder, Väter.

(…)

Es fühlt sich an, als hätten wir als Gesellschaft hingenommen: Männer vergewaltigen halt Frauen. Boys will be boys. Nur ist das nicht zu akzeptieren, denn „die Vergewaltigung ist Bürgerkrieg“, wie Virginie Despentes schreibt. „Sie ist die politische Organisation, durch die ein Geschlecht dem anderen erklärt: Ich habe alle Rechte über dich, ich zwinge dich, dich unterlegen, schuldig und entwürdigt zu fühlen.“ Das ist eine Realität, die wir niemals hinnehmen dürfen.

Journal Montag, 31. August 2026 – Rückkehr der rohen Karotte

Dienstag, 1. September 2026

Wow, welch turbulente Nacht. Diesmal brauchte ich nicht mal äußere Einflüsse: Wüste Träume und die Samba im Bauch, die Radieserln, Frühlingszwiebeln und Schnittlauch aus Okroschka tanzten, reichten völlig. Als der Wecker klingelte, war ich einerseits froh um das Ende der Nacht, andererseits völlig benommen.

Ich stand zu nassen Straßen auf, aber zu milder Luft.

Unerwartet zackiger Arbeitsvormittag. Ich schaffte es dennoch mittags auf einen Marsch um die Blöcke, jetzt war die leicht windige Luft unter wenigen Schäfchenwolken am blauen Himmel perfekt für tiefes Durchschnaufen.

Zu Mittag gab es nochmal rohe Karotte (RISIKO!), dann restliches Wassermelönchen und Skyjolei. Wieder kein Bauchweh von der rohen Karotte – vielleicht war das nur eine mehrjährige Phase? Es würde mich sehr freuen, denn ich esse sie wirklich gerne.

Highlight des Arbeitstags: Neue Kopfhörer. Ich benutzte immer noch die allerersten, die noch vor Corona bei der Umstellung auf Computer-Telefonie verteilt wurden (und habe das Naturell von Schlachtrössern, die jedes Equipment bis zum letzten Hansaplast-Flicken benutzen – wobei ich darauf echt nicht stolz bin, sondern mich immer mehr wie eine Plastiktüten-bügelnde Greisin fühle). Jetzt bröselte der Schaumstoff am einzigen Hörer, und nachdem meine Recherchen ergeben hatten, dass der Schaumstoff-Überzieher nicht auswechselbar war (geplante Obsoleszenz!), bestellte ich halt neue Kopfhörer. Seit gestern telefoniere und höre ich STEREO! Mal sehen, ob die bis zur Rente halten – oder ich irgendwann noch KABELLOSE erlebe.

Währenddessen verfolgte Herr Kaltmamsell das angekündigte DHL-Auto, das meinen Pulli nochmal geladen hatte, zum Teil auch in Echt und zu Fuß. Mit Erfolg, er passte den Wagen vor unserem Haus ab! Und jetzt weiß ein weiterer Paketbote, dass es an unserem Eingang Klingeln an ZWEI Seiten der Tür gibt.

Nach Feierabend genoss ich die wunderbare Spätsommerluft und die Sonne. Auf dem Weg nach Hause stockte ich bei Aldi unsere Schokoladenvorräte auf. Gründlich.

Daheim eine angenehme Runde Yoga, langsam löste sich meine zur Faust geballte Hüftgegend.

Lesen auf dem Balkon bis zum Abendessen: In der Münchner Stadtbibliothek war ein bestelltes Buch verfügbar (Lukas Rietzschel, Sanditz), wie praktisch, dass ich gerade ein Literatur-Magazin las, das ich zwischen zwei Texten einfach unterbrechen konnte.

Fürs Nachtmahl war Herr Kaltmamsell wieder einer Bitte von mir gefolgt und hatte ein Rindergulasch im Schnellkochtopf zubereitet.

Ganz hervorragend!

Nachtisch sehr viel Schokolade.

Im Bett Start der neuen Lektüre; Sanditz überraschte mich mit einem nicht-realistisch erzählten Beginn.