Fotos

Journal Dienstag, 9. Juni 2026 – Regen und Arbeit

Mittwoch, 10. Juni 2026

Sehr zerhackte Nacht, mit gefühlt mehr Halbschlaf und Aufwachen als richtigem Schlaf – aber ich litt nicht. Und dass ich einmal Regenprasseln ans Fenster hörte, freute mich richtig.

Erster Einsatz des neuen Rocks (zu dunkel blau für ein gutes Foto).

In die Arbeit ging ich nach diesem Wetterwechsel in Jacke und unterm Schirm, doch es regnete nicht so heftig, dass ich danach meine Ersatzsocken (ich lerne!) gebraucht hätte.

Ziemlich emsiges Losarbeiten, mehr Querschüsse als förderlich.

Dennoch schaffte ich es locker auf einen Mittagscappuccino ins Westend, Timing auf eine Regenpause abgestimmt – und zwar perfekt, kurz nach meiner Rückkehr ins Büro ging ein Wolkenbruch nieder.

Der verblichene Blumenladen Las Flores am Heimeranplatz wird entkernt.

Zu Mittag gab es Gurke, Aprikosen (überraschen gut) und zwei Scheiben Finnenbrot vom Rischart. Das war eine zu viel, aber die Gier war stärker als die Sättigung.

Der Arbeitsnachmittag wurde ausgesprochen anstrengend, ich musste einiges auf Mittwoch verschieben.

Unterlagen ausgedruckt, mit bunten Stiften und Arbeits-Laptop eingesteckt: Ein Arzttermin am Nachmittag macht es Mittwoch ratsam, von daheim zu arbeiten – bis Aufbruch Arzttermin eh bloß bis Mittag, zum Glück, denn wenn mir nur ein kleiner Laptop-Bildschirm zur Verfügung steht, werde ich selbst mit Ausdruck-Hilfe sehr schnell wahnsinnig. Und den höhenverstellbaren Schreibtisch vermisste ich bereits beim Einpacken, derzeit wieder gesteigertes Unwohlsein um den Hüftgürtel (innen, außen, alles untenrum).

Heimweg im Trockenen über ein paar Besorgungen unterm Stachus. Daheim eine Runde Gymnastik, Pilates bei Gabi Fastner, auf die ich mich den ganzen Tag SO gefreut hatte – und die auch ungeheuer wohl tat.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Mairübchen mit Kartoffeln aus selber Quelle zu einer Suppe verarbeitet, darüber geröstete Brotwürfel. Dann noch Käse. Nachtisch sehr viele Erdbeeren, etwas Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Bislang wusste ich nur, dass meine polnische Oma (als Zwangsarbeiterin nach Nazi-Deutschland verschleppt) staatenlos war und meine in Deutschland geborene Mutter dadurch bis zur Eheschließung mit einem Spanier (-> spanische Staatsangehörigkeit) ebenfalls. Dorin Popa hat eine Generation später als Sohn von politischen Flüchtlingen rumänischer Herkunft ebenfalls Kenntnisse aus erster Hand über Staatenlosigkeit und schreibt sie auf:
“Staatenlos? Ein paar ungeordnete Gedanken und persönliche Erfahrungen dazu”.

Jetzt möchte ich meine Mutter doch mal nach Details fragen, wie das bei ihr eigentlich konkret aussah. (Sie ist gerade verreist, die Frage wird bis zu ihrer Rückkehr warten müssen. Aber da sie hier mitliest, kann sie sich ja schonmal Gedanken machen – BUSSI!)

§

Ist es “KI” oder einfach ein Algorithmus? Hier in einer Mastodon-Konversation schön nachvollziehbar unterschieden.

Journal Montag, 8. Juni 2026 – Post-Trauer

Dienstag, 9. Juni 2026

Start in die erste von acht elenden 5-Tage-Arbeitswochen bis endlich Sommerurlaub. Ich werde mich wieder darauf verlegen müssen, für jede Woche mindestens ein Feierabend-Highlight zu finden.

Schön war schonmal das Sommerwetter, laut Vorhersage wird es ab Dienstag kalt.

Im Büro überfiel mich wie erwartet aus dem Postfach die Arbeit der Leute, die nicht vier Tage frei hatten. Nahmen. Entsprechend wirbelte ich die Arbeit von ca. drei Tagen in einem Vormittag. Bis eine Hälfte gelöst war, der Ball eines Viertels auf der andere Seite lag, ein Viertel zumindest begriffen und geplant war.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später ein Marsch um die Blöcke – in wunderbarer Sommerluft und umgeben von Lindenblütenduft.

Zu Mittag gab es Banane, ein Kartönchen voll Physalis (ausgezeichnet), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Auch am Nachmittag schaffte ich einiges weg.

Heimweg über Besorgungen, darunter Abholung eines nicht zugestellten Päckchens bei der Post am Hauptbahnhof. Beim Warten in der Schlange (nicht lange, alle Schalter waren besetzt) sah ich die Ankündigung, dass auch diese Filiale bald schließt.

Wenn’s in der Millionenstadt München nicht mal am Bahnhof mehr eine Post gibt! Ich war wirklich bestürzt. Eine erste Filialsuche führte mich später daheim nur zu “Post Shops”, also Post als Nebendienstleistung in einem eigentlich anderen Geschäft, und mit denen haben wir wohl alle sehr gemischte Erfahrungen gemacht. Mir verweigerte zuletzt einer die Annahme einer Sendung ins Ausland. Die Deutsche Post schließt also ernsthaft alle eigenen Standorte. Die immer so gefragt waren, dass die Schlangen sprichwörtlich wurden? Jajaja, statt dessen Automaten – so fehleranfällig, dass sie definitiv Teil der Enshittification sind, und so kompliziert zu bedienen, dass sie geschätzt 70 Prozent der Kundschaft überfordern. Gestern beobachtete ich wie so oft eine völlig hilflose Kundin, die sehr auf menschliche Beratung angewiesen war: Diese konkrete hatte Päckchen-Inhalt und Verpackung einzeln dabei, ein Postler half ihr (wenn auch unwillig) durch die Schritte Zoll-Unterlagen, Verpacken, wahrscheinlich auch Ausfüllen des Paketscheins und Portoberechnung, aber da war ich bereits draußen.

Entsprechend bedrückt vom Schlechterwerden der Welt fühlte ich mich bei meiner Heimkehr.

Fürs Abendessen bereitete ich die letzten beiden Crowdfarming-Artischocken zu, Herr Kaltmamsell reichte eine Vinaigrette und eine auf meine Bitte Knoblauch-freie (Rücksicht auf Kolleginnen) Joghurt-Majo zum Dippen an. Zum Sattwerden gab’s noch Käse. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, im Granta Scandinavia lernte ich über sechs sehr gute Kurzgeschichten die Autorin Helle Helle kennen, setzte gleich mal einen ihrer Romane auf meine Wunschliste. (Und lernte aus dem deutschen Wikipedia-Eintrag über sie, dass es in Dänemark ein “lebenslanges Künstlereinkommen des Dänischen Kunstfonds” gibt.)

§

Wenn schon Pride Month ist, schaun wir doch mal extrig in die queere Richtung. Und nehmen den Hinweis auf Florencio Pla Meseguer auf, antifaschistischer und intersex Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg – hier der (englischsprachige) Wikipedia-Eintrag. Ich stimme der Fundstelle auf Mastodon zu: “Meinetwegen schlachte jemand das aus für historischen Roman, wär auch ok. Besseres Material gibts kaum.”

Journal Sonntag, 7. Juni 2026 – Rückreisetag aus Oldenburg

Montag, 8. Juni 2026

Ganz gut geschlafen, nur wenig übernächtigt und verkatert vom Wecker geweckt worden. Nach Morgenkaffee geordnetes Räumen des Ferienapartments.

Wir nahmen für das erste Stück den früheren Regionalzug, um ganz, ganz sicher in Bremen nicht in Umsteige-Hetzerei zu geraten. Die viele Zeit im Bahnhof Bremen nutzten wir zum Umherstreifen.

Und zum Nutzen eines verspiegelten Ladenleerstands. Außerdem weiß ich jetzt, dass die vor Jahren auf Dienstreisen geschätzte italienische Espressobar genauso verschwunden ist wie der Ableger des Tee Handelskontors Bremen – was ein Glück, dass es besser erreichbar einen unterm Münchner Stachus gibt (ist eh eine Berliner Firma).

Auf der Regionalbahnfahrt nach Hannover den Blogpost über Samstag geschrieben und die Fotos dafür bearbeitet – offline, den das Handynetz auf dieser Strecke ist löchrig wie eine Netzstrumpfhose.

Die reichliche Umstiegszeit in Hannover nutzte ich für einen Mittagscappuccino im MacDonalds (leider keine Tassen) und für Endbearbeitung sowie Veröffentlichen des Blogposts. Blieb noch genug Zeit für Besorgen von Brotzeit.

Der ICE nach München fuhr pünktlich ab und war so überfüllt wie angekündigt. Zu Mittag gab es um halb zwei eine Kürbiskern-Breze und ein Franzbrötchen.

Endlich Louise Erdrich, The Sentence ausgelesen. Eher unbefriedigende Lektüre, denn mir schien, als sei der Roman als etwas anderes gestartet, als dann rauskam. Eigentlich beginnt er als Geschichte der US-Amerikanerin Tookie, die als Ich spricht und sich nach wilden Lebensjahren und langer Gefängnis-Inhaftierung gerade gefangen hat, in Minneapolis in einem Buchladen für indianische Literatur arbeitet.1 Eine Stammkundin stirbt und sucht den Laden als Geist heim; eigentlich sehr geschickt wird an ihr der immer wieder auftretende Fall von Weißen durchgespielt, die sich mit indianischer Kultur überidentifizieren und lästig werden. Doch dann bricht die Covid-Pandemie aus, kurz darauf wird George Floyd von Polizisten umgebracht, was zusätzlich zu Unruhen und Gewalt führt. Das übernimmt die Romanhandlung quasi in Echtzeit mit vielen Alltagsdetails, die ich aus dem Abstand von sechs Jahren fast schon wieder vergessen hatte – und tut ihr nicht gut.

Dieses Jahr habe ich kein rechtes Glück mit meiner Lektürewahl, es war bislang kaum etwas dabei, was mir so richtig gefiel. Und als nächstes ist erstmal das aktuelle Granta-Magazin dran.

Je weiter wir nach Süden fuhren, desto schöner wurde das Wetter.

Dennoch strengte das Sitzen nach den vielen Stunden ziemlich an, ich war schon arg froh, als wir mit nur wenigen Minuten Verpätung um halb sechs in München eintrafen. Schnelle Abendbroteinkäufe im Untergeschoß des ehemaligen Hauptbahnhofs, auch in München gibt es sonntags diese Möglichkeit.

Kurzes Telefonat mit meiner Mutter, weil meine Eltern am heutigen Montag in den Urlaub fliegen – was mich sehr freut.

Abendessen richtete ich an, im Zentrum der niederländische Käse aus Oldenburg.

Nachtisch Eiscreme und Schokolade.

Im Bett also als neue Lektüre das Granta Scandinavia.

§

Liebe ist auf so vielen Ebenen seltsam. Zum Beispiel das Gefühl. Dieses ganz starke Ziehen, bei mir tatsächlich in der Herzgegend, bis zum Nicht-mehr-Denken können. In jüngster Zeit fällt mir auf, dass es sich nicht unterscheidet, ob es beim Gedanken an eine Freundin auftritt, an einen Verwandten, an den Partner.

Oder Liebe in der ganz kleinen Dosierung in Form von Wohlwollen, dem Gegenüber wohl wollen – und das durch ein Lächeln ausdrücken, durch ein vorausschauendes Öffnen einer Bürotür, durch das eine Extra-Detail beim Erfüllen einer Bitte.

Mira hat beruflich damit ganz besondere Erfahrungen gemacht:
“Love Changes Everything”.

Ich möchte das wirklich nicht so kitschig oder pathetisch formuliert haben, aber es ist wahr, es ist überall beobachtbar, nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch unter Freund*innen und Kolleg*innen, sogar bis in die kleinsten und unbedeutendsten Alltagskontakte hinein. Jedes Lächeln kann ein Schmetterlingsflügelschlag für eine weitreichende Veränderung der Liebeswetterlage sein. Ich glaube nicht, dass uns das bewusst ist oder dass wir diesem Umstand in unserem Leben immer angemessen Rechnung tragen.

§

Fotografin Carola Schulze zeigt Fotos – aber die hat ihr Vater gemacht, vor 40 Jahren in Istanbul:
“Reisefotos Istanbul im Frühling 1986”.

Gleich die ersten Aufnahme vom großen Basar ist mein Liebling: Sie wirkt auf mich wie ein Standfoto aus einem damaligen James-Bond-Film, so ausgedacht.

  1. Sich und die Kultur auch als “Indian” bezeichnet, wenn es nicht gerade um ein konkretes Volk und seine Bräuche geht. []

Journal Samstag, 6. Juni 2026 – In Oldenburg geguckt und gefeiert

Sonntag, 7. Juni 2026

Im angenehmen Ferienwohnungsbett schlief ich zwar zerstückelt, aber lang. Großer Genuss von selbstgekochtem Morgenkaffee in Ferienwohnung als Erstes nach dem Aufwachen.

Die Gartenparty, zu der wir nach Oldenburg gereist waren, begann um 17 Uhr, bis dahin wollten wir ein wenig durch Oldenburg streifen. Zwar waren wir schon einige Male hier gewesen, aber immer an der Hand von unseren Freundinnen unterwegs: Gestern sah ich die Chance, eigene Orientierung herzustellen.

Das Wetter meinte es gut mit uns: Sonnig und mild, allerdings warnten uns wechselnd dunkle Wolken, dass Veränderung jederzeit möglich war.

Als Ziel wählten wir typisch touristisch zunächst Märkte. Der größte, lasen wir, war der am Pferdemarkt.

Schöner Spaziergang dorthin, sehr schöner Markt. Auf Mastodon sehe ich fast jeden Samstag die Ausbeute der gestrigen Gastgeberinnen von genau diesem Markt. In München fehlt mir sowas: Der Viktualienmarkt hat nicht damit zu tun. Er war schon bei meinem Zuzug nach München 1999 ein eher touristischer Ort, haute mich einmal zu oft übers Ohr, hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter zu einer instagramablen Snackeria entwickelt. Und die Wochenmärkte in den Münchner Stadtvierteln sind winzig. Allerdings werde ich mir mal den samstäglichen Bauernmarkt am Mariehilfplatz ansehen müssen, bevor ich wirklich jammere.

Highlight: Wir trafen die Gastgeberinnen beim Beutemachen für den Abend. Erste große Wiedersehensfreude, Umarmungen und Knutschen, Geschichten über den einen und die andere Standlerin. An einem der Käsestände kaufte ich drei niederländische Käsesorten in großen Stücken fürs Sonntagabendessen in München.

Zum kleineren Markt am Rathausplatz mäanderten wir die Oldenburger Altstadt gründlich ab.

Historisches Rathaus.

Jetzt hatte ich ungewöhnlich früh, nämlich noch vor eins, ungewöhnlich deutlich Frühstückshunger. Ich war online über ein Lokal gestolpert, das dafür Egg Drop Sandwiches anbot: Herr Kaltmamsell hatte davon bereits als aktuellem heißen Scheiß gelesen, es handelt sich um einen Frühstückstrend aus Korea. Brioche mit Rührei klang gut, wir spazierten an Parks, Gründerzeitbauten, Teichen vorbei ins Café Molk.

Ich bestellte eine Version mit Avocado (sehr gut!), dazu Süßkartoffelfritten (die ich eh liebe) und eine besonders gute Inger-Limette-Limo. Sehr zufriedenstellendes Frühstück.

Wir spazierten noch zum Schlossgarten auf eine Runde riesige Bäume, eben verblühende Rhododendren, Rosengarten.

Und wirklich riesigen Blättern.

Ausruhen in der Ferienwohnung, bevor wir zur Geburtstagsfeier aufbrachen.

Was für ein schöner Abend das wurde! Über allem liegt im Rückblick meine ganz persönliche und verquere Erleichterung, dass ich ja doch noch Menschen kann – einige schlimme Tage lang musste ich mit der Angst leben, dass mein sich immer enger verknotendes Gemüt mir auch diese Bereicherung nimmt.

Ich sprach mit sehr unterschiedlichen Leuten, wenn auch die meisten aus der akademischen Welt kamen. Aber ich nahm ja nicht nur Geschichten aus dem aktuellen Universitätsalltag mit (weiterhin für mich ausgesprochen spannend, weil sich seit meinen Studientagen unter anderem durch Bologna und die Exzellenzstrategie fast alles geändert hat). Sondern auch Tageserlebnisse, Urlaubsgeschichten – und einige Lebens-Updates von Menschen, die ich von vorherigen Festen der Gastgeberinnen kannte. Das genoss ich so!

Spaß immer wieder, wenn mich jemand fragte, woher ich die Jubilarin kannte: “Aus dem Internet.” Was halt stimmt: Wir sind einander auf Twitter begegnet, als sie noch in München wohnte. Auch mit dieser Freundin aus dem Internet verbinden mich inzwischen gut anderthalb Jahrzehnte Lebensbegleitung und innige Zuneigung, wenn auch meist aus der Ferne.

Außerdem Besichtigung des Gartens, ich hatte das damals frisch renovierte Haus zuletzt 2020 gesehen. Abendessen vom Buffet, dazu reichlich Cremant Bouvet Tresor. Auch mit den Gastgeberinnen konnte ich plaudern, genug, um einen nächsten Besuch bei ihnen im Januar ins Auge zu fassen.

Regen hatte die Feiergesellschaft einige Male nach drinnen getrieben, aber niemand machte den Eindruck, als schmälerte das die Feierfreude. Nur wenig vor Mitternacht gehörten Herr Kaltmamsell und ich zu den vorletzten, die sich verabschiedeten. Wir erwischten eine Regenpause für den Heimweg. Reichlich Wassertrinken vor dem Schlafen zur Kater-Prävention.

§

Einen Hinweis von der re:publica umgesetzt: Die Flut künstlich generierter Inhalte werde im Web so erdrückend, dass eine Kennzeichnungspflicht “KI-generiert” müßig sei, denn Maschinen-erzeugte Inhalte seien bereits zügig auf dem Weg zur Norm. Sinnvoller sei es, Menschen-generierte Inhalte als solche zu kennzeichnen. Siehe also Seitenleiste links (in der Browser-Version des Blogs).

Journal Freitag, 5. Juni 2026 – #WMDEDGT: St. Brück mit Reise weit nach Norden

Samstag, 6. Juni 2026

Wie an jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen wieder “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt die Antworten unter #WMDEDGT? in ihrem Blog.

Auch diesmal nahm mein Körper die Chance auf reichlich Schlaf nicht an: Lang nicht eingeschlafen, oft aufgewacht, und die Nacht war zu Arbeitstagszeit zu Ende – da hatte auch das als beruhigend geltende Regenrauschen vorm Fenster nicht geholfen.

Kalt war es, ich brauchte dicke Socken beim Morgenkaffee. Nach frühem Aufstehen und Bloggen tritschelte ich herum, denn der Ausflug mit Herrn Kaltmamsell nach Oldenburg war bereits gut vorbereitet, ich brauchte keine zusätzliche Zeit. Die Abfahrt um die Mittagszeit verschaffte mir die Möglichkeit eines Isarlaufs, der Regen war mir egal.

In Regenlaufjacke und mit Schirmmütze nahm ich eine U-Bahn zum Hofgarten.

Der Regen hatte gerade aufgehört, setzte auch nicht mehr ein.

Ich lernte: Nasser Lindenblütenduft ist besonders fein.

Oben am Monopteros war mir die Jacke bereits zu warm: Ich rollte sie zusammen und wickelte sie um den Bauch, lief in Kurzarmshirt weiter. Auf leeren Wegen trabte ich an die Isar, lief nach Norden. Doch weder Körper noch Geist wollten in Selbstvergessenheit finden, das Laufen fühlte sich wie Arbeit an. Kein Grund irgendwas abzukürzen, wenn ich schon mal unterwegs war, dann halt als Sport.

Zurück daheim war ich rechtzeitig für gemütliches Packen und gemütlichen Spaziergang zum Münchner Gleisende, holte mir wie geplant einen Mittagscappuccino. Pünktliche Abfahrt.

Hopfen-Check in der Holledau. Auch dieses Jahr viele unbestellte Hopfengärten.

Ereignislose Reise bis Hannover, ich las Zeitung, auch liegengebliebene Teile von Vortagen, und um halb drei brotzeitete ich Apfel und Hüttenkäse. Langes Sitzen aber ist für mein Kreuz und meine Hüften einfach gar nichts.

Wenn man in Hannover umsteigt, noch dazu mit so viel Zeit wie wir sie hatten, dann – so hat man mir beigebracht – holt man sich ein Mettbrötchen. Ich denke sonst nie an Mettbrötchen, aber auf dieses freute ich mich seit Tagen.

Außerdem habe ich gelernt: Knappe Anschlüsse bei Verspätung immer dennoch versuchen. Das bewährte sich bei der verzögerten Ankunft in Bremen: Die App hatte ein Erreichen des Anschlusszugs bereits als unmöglich deklariert, wir schafften ihn dennoch. Allerdings beherzigten diesen Rat so viele Menschen aus nicht nur unserem verspäteten Zug, dass die Abfahrt sich um fünf Minuten verzögerte: “Wegen hohem Fahrgastaufkommen.” Der Zug war bummvoll, noch voller als die Regionalbahn von Hannover hierher gewesen war.

Auch das hatte ein Ende, nur wenige Minuten später als im Reiseplan trafen wir in Oldenburg ein – wo es nach einigem Regenprasseln an die Zugfenster in der vorherigen Stunde sogar trocken war. Diesmal hatte ich aus einem Impuls heraus Herrn Kaltmamsell die Reiseplanung und -buchung zugeschoben, er hatte als Unterkunft ein Ferienapartment in Bahnhofsnähe gebucht.

Fürs Abendessen hatten wir die Zutaten eingesteckt, Herr Kaltmamsell machte sich umgehend an die Zubereitung.

Und so standen keine 45 Minuten nach unserer Ankunft am Bahnhof noch vor halb zehn Orecchiette mit Ernteanteil-Brokkoli auf dem Tisch, eine große Freude. Zum Nachtisch hatte ich bei Ankunft noch schnell zwei Schokoriegel besorgt, alles hatte seine Ordnung. Zwar vorhergesehen, dennoch erstaunlich: Wie viel länger hell es hier oben im Norden ist, das wird am Samstag eine wunderbare Gartenparty.

Journal Mittwoch, 3. Juni 2026 – Ende der Drei-Tage-Arbeitswoche mit Regen

Donnerstag, 4. Juni 2026

Ein Mittwoch mit Aussicht auf langes Wochenende, also ein Freitag ehrenhalber – ich wurde in Unwilligkeit geweckt und freute mich auf die Aussicht Ausschlafen am Folgetag.

Das Draußen stimmte jetzt mit der Vorhersage überein: Es war sehr kühl, und der gemischt dunkelgraue Himmel machte die angekündigten Regenschauer wahrscheinlich. In die Arbeit kam ich fast trocken, erst auf den letzten 50 Metern erwischten mich Tropfen.

Sehr emsiges, aber geordnetes Losarbeiten – bis ein Querschuss mich in Hektik versetzte. Scharfsinn, Festbeißen und freigebige Kolleginnenhilfe führten unerwartet zügig zu einer Lösung: tiefe Erleichterung, zu oft brauche ich sowas echt nicht.

Marsch zu Mittagscappuccino in einer Regenpause – fast: Auf dem Hinweg bewarf mich der Himmel mit einigen dicken Regentropfen, auf dem Rückweg wurde ich kurz angesprüht.

Eher spätes Mittagessen: Apfel, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – von mehreren Querschüssen unterbrochen, zum Glück erst, als ich schon beim Skyr war, der sich schnell runterschlucken ließ, um ans Telefon zu gehen (ja, ich habe einen Job mit Telefonieren – und mich mittlerweile daran gewöhnt). Der Arbeitsnachmittag zog sich unangenehm.

Eher früher Heimweg, auf dem ich zunächst einen Regenschirm benötigte. Erstmal machte ich an der Änderungsschneiderei Halt: Man hatte einen Weg gefunden, den zu engen neuen Rock passend zu machen.

Ganz wunderbar, jetzt kann ich ihn endlich tragen – den jetzt besonders teuren Rock, der mich hoffentlich lehrt, im Zweifel immer eine Nummer größer zu bestellen (nein: gleich eine Auswahl an Größen zu bestellen und immer eine Rücksendung zu verursachen, ist für mich aus Umstands- und Umweltgründen keine Option).

Dann Einkauf im Weinladen (wieder eine Empfehlung eingefangen und umgesetzt – aber wenn sie doch bislang immer so super waren!) und in der Balkanbäckerei. Jetzt war die Regenphase wirklich vorbei, ich steckte den Schirm ein.

Daheim Yoga-Turnen, dann machte ich mich an die Zubereitung des Abendessens zur Feier des langen Wochenendes. Herr Kaltmamsell reichte als Aperitif Pimm’s an, dessen Existenz wir vorübergehend vergessen hatten, während ich zwei große Crowdfarming-Artischocken fürs Kochen zurichtete, Knoblauch-Majo anrichtete, Ernteanteil-Salat wusch, für den zweiten Gang damit ein Orangen-Haselnussmusdressing rührte.

Zur Artischocke öffnete ich unsere letzte Flasche Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022 – der mit seiner Mineralizität und Unblumigkeit ganz hervorragend zu den legendär schwer zu kombinierenden Artischocken passte. Auch der Salat schmeckte gut. Ich schaffte sogar noch Schokolade zum Nachtisch, war dann aber überfressen.

Ins Bett mit großer Freude auf Feiertag und Ausschlafen.

Journal Sonntag, 31. Mai 2026 – Sommerhitze unvermutet

Montag, 1. Juni 2026

Ok geschlafen, nur leicht verkatert nach der Feier eines 60. Geburtstags am Vorabend aufgewacht.

Der Morgen draußen sonniger und wärmer als angekündigt, auch ein Gewitter und Regen hatte es nachts nicht gegeben.

Balkonkaffee, die beiden neuen Wasserschüsselchen auf der Brüstung wurden zumindest von einer Amsel und einem Amslerich bereits besucht – beide besonders hübsch und mit einer besonders gekrümmten Oberschnabelspitze, ich bildete mir ein, sie individuell zu erkennen.

Ein Isarlauf würde in Hitze stattfinden, aber ich hatte großen Bedarf an Kopffreikriegen nach dem Vorabend mit Reizüberflutung und innerer Blockade. Schon beim Radeln zum Friedensengel fühlte sich jeder Sonnenstrahl wie ein Fausthieb an, ich nutzte beim Laufen alles, was ich an Schatten kriegen konnte. Ohnehin lief ich so benebelt, dass ich erst nach über einer Stunde den ersten fotografierenswerten Anblick wahrnahm.

Unter der Leinthalerbrücke.

Der Trampelpfad unten an der Isar versprach mehr Schatten als der Schotterweg weiter oben.

Und tatsächlich hatte sich hier sogar Matsch gehalten. Das Laufen strengte mich an und ich war sehr durstig, genehmigte mir ein paar Handvoll Wasser von einem sprudelnden und eingefassten Zufluss. Das waren am Ende ein paar mehr als die geplanten 100 Minuten, doch das Wechseln zum Gehen, das ich meinem Körper mehrfach angeboten hatte, wurde nicht angenommen. Heimradeln in Hitze mit heimischem Wasserhahn vor Augen, es waren gar nicht mal so viele Leute unterwegs (verreist wegen Pfingstferien?).

Die Müncher Robinien sind allen Ernstes duftlos verblüht, in mir regt sich leichte Empörung. Jetzt müssen die Linden aber echt hinmachen.

Zu Hause Wassertrinken, Körperpflege inklusive Pediküre, auch eine große Tasse lösliche Gemüsebrühe trank ich für Salznachschub. Frühstück um halb drei: Etwas Rote-Bete-Salat aus Ernteanteil mit frischem Ernteanteil-Majoran (was halt nicht in das Schraubglas für die Montagsbrotzeit passte), überreife Mango (überraschend, denn die Schale war grün geblieben) mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot. Der Himmel hatte zugezogen, donnernd gegrollt, aber nur ein paar Tropfen Regen gespendet.

Ausführliches Brudertelefonat. Beim anschließenden Internetlesen fühlte ich mich so abgrundtief müde, dass ich mich trotz fortgeschrittenem Nachmittag ein wenig hinlegte.

Eine Yoga-Folge 6, nach einem sonnigen Abschnitt war es draußen wieder düster geworden, erneute Hoffnung auf Regen.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Agretti aus Ernteanteil als Pastagericht, ganz wunderbar. Nachtisch Marzipan und Schokolade. Jetzt regnete es wirklich, Hoffnung auf Ausdauer.

Früh ins Bett zum Lesen. Die Aussicht auf eine Drei-Tage-Woche deutlich weniger belastend als auf fünf Tage, schau an.

§

Manches ist immer noch wie früher. Leider GANZ früher.
Im österreichischen Bezirk Neusiedl warnte die Polizei ganz offiziell vor “fahrendem Volk”.

“Schließen Sie keine ‘Haustürgeschäfte’ ab”, heißt es darin: “Lassen Sie keine fremden Personen in ihr Haus oder ihre Wohnung. Notieren Sie sich, wenn möglich, eventuelle Fahrzeugkennzeichen und Personenbeschreibungen!”

Irene Brickner im Standard:
“Besuch bei durchreisenden Roma in Parndorf: Sie sind zu Recht misstrauisch”.

via crocodylus

Beim selber Hinschauen und Nachhaken (wie sich das für Journalismus gehört) stellt sich dann sogar sehr Interessantes heraus:

Die Gruppe gehöre zum Umfeld der Evangelischen Mission “Vie et Lumière”, die in der 1950er-Jahren in Frankreich entstanden ist, sagt er: einer evangelikalen, stark an der Bibel orientierten Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder nicht nur Sinti und Roma sind, sondern auch Menschen aus vielen anderen Gruppen: Kalderasch, Lovara, Kalé und andere. Allein in Frankreich haben sich rund 100.000 Personen diesem Glauben angeschlossen.

(…)

Evangelikale Glaubensrichtungen ziehen derzeit europaweit auch unter Roma und Sinti viele Menschen an. Das habe wohl mit den weniger hierarchischen Strukturen der Freikirchen zu tun, die das Predigen in der eigenen Sprache und das Singen traditioneller Volkslieder erleichtern, sagt Mirjam Karoly, Politologin und Mitglied des Volksgruppenbeirats für Roma und Sinti in Österreich. In der Regel haben Roma und Sinti die Religionen ihrer Heimatländer übernommen: katholisch in Österreich, orthodox in Serbien, muslimisch in der Türkei. Der Trend zu den Freikirchen sei insofern etwas anderes, auch wenn es dazu keine Forschungsdaten gebe.

§

Mit dem Werk von James Krüss bin ich groß geworden: Sein Buch der sieben Sachen zum Staunen und zum Lachen hat bislang alle Aussortieraktionen überstanden, und die Verfilmung von Tim Thaler hat mich tief geprägt. Auch über den Autor hatte ich einiges gelesen – doch ein zentrales Detail seines Lebens ging auch in den Artikeln zu seinem 100. Geburtstag unter: James Krüss liebte Männer und musste mit den gesellschaftlichen Folgen kämpfen.
“James Krüss zum Hundertsten: Queerness zwischen den Zeilen”.

(Allein schon, dass sein langjähriger Lebenspartner verschwiegen wird, zeigt in meinen Augen, dass Krüss’ Schwulsein sehr wohl relevant ist.)