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Journal Montag, 22. Juni 2026 – Start in Hitzewoche

Dienstag, 23. Juni 2026

Start der Woche 6 vor Urlaub.

Als ich bereits kurz nach fünf aufwachte und ein Wiedereinschlafversuch in Angststrudeln landete, ließ ich die Nacht Nacht sein. Herr Kaltmamsell neben mir (geteiltes Bett, weil meines den Gast beherbergte) war ebenfalls schon munter, wir standen auf. Ab gestern werden die Tage wieder kürzer, zumindest Helligkeit versuche ich aus diesen übel heißen Tagen rauszuholen.

Der vorzeitige Start in den Morgen war mir ganz recht, denn ich hatte am Vortag den Journal-Post im Blog noch nicht mal begonnen. Nach Pflanzengießen setzte ich mich auf den angenehm kühl umwehten Balkon und bloggte los.

Auch auf dem Weg ins Büro fühlte sich das Draußen noch schön an.

Geordnet losgearbeitet, doch schnell stellte ich fest, dass ich ohne das Adrenalin von Querschüssen ganz schön müde war, durch das frühe Aufwachen und Aufstehen in den vergangenen Tagen fehlte mir dann doch Schlaf.

Wie mag dieses Heupferd wohl in den 13. Stock geraten sein, wo ich ihm bei meinem Treppengang begegnete?

Mittagsspaziergang um die Blöcke, im Schatten war es gut auszuhalten (Sonne sehr unangenehm).

Spätes Mittagessen, weil ich einen Job nicht unterbrechen wollte: Aprikosen, Nektarinen, Buttermilch.

Zu Feierabend besonders unauffälliger Aufbruch: Gestern feierte der Arbeitgeber seine Sommergeselligkeit (auf Basis von Mitgebrachtem und Selbstzahlen, er darf Mitarbeitende nicht einladen), für mich ein Spezial-Foltereck des Höllenfeuers, doch diesmal konnte ich für meine Abwesenheit sogar die Rechtfertigung Übernachtungsbesuch vorweisen – ich musste die Karte aber nur zweimal ziehen.

Heimweg in mittelunangenehmer Hitze über Einkäufe.

Zu Hause erneute Begrüßung von Übernachtungsbesuch, ich ließ mir die München-Eindrücke des Tages erzählen: Ja, die höchst hinderliche Verbaustellung der Münchner Innenstadt fällt auch Externen auf, wir Einheimischen stellen uns nicht nur an.

Herr Kaltmamsell hatte ein Festmahl zubereitet und servierte Rinderrippen auf selbsterfunden mexikanische Art mit Cornbread.

Sehr gutes Essen in wohltemperierter Wohnung, Austausch mit Gast bis frühe Müdigkeit.

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Vorreiterin im Kampf gegen tief verwurzeltes Unrecht: Nevenka Fernández war vor 25 Jahren in Spanien die erste Frau, die ihren Chef erfolgreich gegen sexuelle Belästigung verklagte.
“Vorkämpferin für Frauenrechte in Spanien
25 Jahre Schweigen”.

Wofür sie bis heute büßt. Hören wir bitte nicht auf darüber zu sprechen, warum nur ein Bruchteil der Opfer sich wehrt oder gar an die Öffentlichkeit geht:

„Dass ich darüber gesprochen habe, hat mich gerettet“, erklärte die junge Frau nach dem Urteil, das sich schnell als Pyrrhussieg erweisen sollte. Denn der gerichtliche Erfolg war ihre soziale Niederlage. Ein Großteil der Bevölkerung der Kleinstadt drehte ihr den Rücken zu, feindete die couragierte Frau an. Der Fall spaltete eine ganze Region. Arbeit zu finden war für Fernández in Spanien fortan unmöglich. Sie musste gehen. Erst nach England, dann nach Irland, wo sie bis heute lebt.

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Am Sonntag war ich auf der Bahnfahrt doch noch zum Zeitunglesen gekommen. Ich hatte mir das SZ-Magazin vom Freitag für eine ruhige Minute aufgehoben: Die Titelgeschichte des deutschen Schriftstellers Navid Kermani würde mich sehr wahrscheinlich ziemlich mitnehmen, die konnte ich nicht mal kurz dazwischen weglesen. Und so war es dann auch (€):
“Der vergessene Bürgerkrieg im Sudan”.

Laut den Vereinten Nationen die derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit (und das bei einer großen Auswahl). Was den Artikel besonders lesenswert macht: Kermani kennt den Sudan von einer vorherigen Reise im Frieden als Student und hatte bereits ein Bild und Hintergrundwissen.

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Sophie Duvernoy hat Die Effingers von Gabriele Tergit (das mir sehr gut gefiel) ins Englische übersetzt. Für die London Review of Books hat Michael Hofmann den epischen Familienroman besprochen, mit lesenswerten Beobachtungen:
“Let me count the geese”.

Journal Sonntag, 21. Juni 2026 – Johannistag im Elterngarten

Montag, 22. Juni 2026

Ein Tag mit Programm: Angrillen bei meinen Eltern, Übernachtungsbesuch aus Berlin. Da ich sehr gerne an der Isar Laufen gehen wollte, und das bei der Hitze frühmorgens eh am besten war, legte ich die Runde vor dieses Programm und stellte mir einen Wecker.

Ich trank meinen Balkonkaffee, ein Amslerich trank aus der Wasserschale.

Gut vor acht verließ ich das Haus in ganz kurzen Laufhosen, um über Alten Südfriedhof an die Wittelbacherbrücke zu traben. Schon jetzt heizte die Sonne so stark, dass ich mich für die Schattenstrecke im Westen entschied.

Ich lief leicht und gut, schon jetzt war neben den erwarteten Hundgassiführer*innen viel Laufvolk unterwegs.

Auch gestern was gelernt dank der App Flora Incognita: Moschus-Malve heißt das vertraute Blümelein am Wegesrand, hier fotografiert am Westermühlbach (habe jetzt die Ortungsfunktion der App freigeschaltet, um mich am Datensammeln für Forschung zu beteiligen).

Hier erlebte ich zum ersten Mal einen Hund mit Höhenangst: Er wurde von seiner Besitzerin unter vielen lieben Worten über den Flauchersteg gezogen und guckte exakt so panisch und verängstigt, wie ich es von Familie mit Höhenangst kenne, wenn sie eine Brücke betreten muss, durch die sie durchsehen kann – die Planken des Flaucherstegs lassen genau solche Lücken.

Lay-down-Floaten statt Stand-up-Paddeln im Isarwerkkanal.

Um den Brunnen am Schleusenwärterhäusl war nicht nur ich froh für Wassernachschub: Es wurde Schlange gestanden.

Einmal um den Hinterbrühler See und dann zurück nach Hause.

Verbindung zwischen altem und neuerem Teil des Alten Südfriedhofs.

Zum Münchner Gleisende spazierte ich allein in Prügelhitze: Herr Kaltmamsell blieb daheim, um mittags den Übernachtungsbesuch zu begrüßen.

Angenehme Fahrt in der klimatisierten Regionalbahn nach Ingolstadt, allerdings musste ich den hartnäckigen Gesprächsversuchen des Herrn gegenüber ausweichen, der meine Signale des Zeitungsleseversuchs inklusive fehlendem Einstieg auf seine Antwort-Prompts einfach nicht wahrnehmen wollte.

In Ingolstadt sehr langsamer Weg zum Elternhaus in prügelnder Hitze. Aber dann wurde es wirklich schön: Meine Eltern erzählten von ihrer kürzlichen Reise, die Bruderfamilie war dreiköpfig dabei, ich erfuhr unter anderem Vorbereitungen einer weiteren Reise.

Auch wenn es im Haus meiner Eltern wunderbar kühl war: Wenn gegrillt wird, sitzt man draußen. Dort servierte meine Mutter vom Grill Brotscheiben, Garnelen, Schweinebauch, Koteletts vom Altmühltaler Lamm (so viel besser als am Freitag die im Restaurant), dazu gab es einen Grillgemüsesalat, den meine Mutter in der Provence kennengelernt hatte und der ebenfalls hervorragend schmeckte. Ich aß so reichlich, dass ich beim Dessert Erdbeerkuchen passen musste und beim Espresso blieb.

Zwar machte am Himmel die eine oder andere Wolke samt Donnergrollen Hoffnung auf Abkühlung, erfüllte sie aber nicht. Zurück zum Bahnhof Ingolstadt Nord ging ich in weiterhin prügelnder Hitze. Umso angenehmer war die klimatisierte Regionalbahn, kurz blitzte die Idee auf, einfach bis zur nächtlichen Abkühlung darin sitzen zu bleiben, schließlich habe ich ein Deutschlandticket. Die Verspätung, mit der wir in München eintrafen, war nie willkommener. Wobei ich beim Verlassen des Zugs erleichtert feststellte, dass es in München nicht ganz so brutal heiß war.

Daheim saß der Besuch und bereitete Freude. Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmal aus Ernteanteil-Mangold und -Brokkoli Rachel Roddys Picknick Pie, ich machte dazu Gurkensalat. Vor allem aber Austausch mit Besuch bis Schlafengehen.

Journal Samstag, 20. Juni 2026 – Langsames Einstellen auf lange Hitze

Sonntag, 21. Juni 2026

Nicht so lange geschlafen, wie ich mir nach dem späten Einschlafen gewünscht hatte, dafür hatte ich mehr vom Morgen.

Und konnte nach Morgenkaffee und Häuslichkeiten früher als sonst zum Schwimmen aufbrechen, denn ich fürchtete mich vor Hitze und Menschenmassen.

Obwohl ich deutlich vor zehn ankam, stand an der Kasse die längste Schlange, die ich bislang am Dantebad erlebt habe. (Mochte mir der Einzelbesetzung zu tun haben, an Freibadtagen gibt es sonst eine weitere Kasse außen am Gebäude.) Ich spazierte mit meiner Bäderkarte an all den vor allem Familien mit kleineren Kindern vorbei, an denen wie im Ali-Mitgutsch-Wimmelbuch meines kleinen Bruders viel aufgeblasenes Badegetier und sonstige sichtbare Freibadausstattung hing.

Im Sportbecken war bereits sehr viel los, doch es wurde ein schönes Schwimmen: lauter freundliche Leute auf der Bahn, dann geht’s. Markante Schwimmfigur gestern, die ich immer wieder sehe: Schwarzer Ganzkörper-Anzug und Badehaube, an den Händen große Paddel, darin schwimmt sie bäuchlings, wobei bei jedem Zug die Beine fast geschlossen einmal abgeknickt werden, die Arme schräg nach unten einmal das Wasser umrühren. Sie kommt damit so langsam voran, dass ich sie oft überhole und mich jedesmal an der Eigenwilligkeit der Fortbewegung freue.

Ein Stündchen Sonnenbaden auf der noch überwiegend grünen Liegewiese. Die Hitze war mit Kappe gut aushaltbar, auf den Ohren hatte ich Thomas Newmans Musik zum Film Road to Perdition, den mir kürzlich eine überraschende Nachwuchs-Filmmusik-Kennerin empfohlen hatte.

Heimradeln über Semmelkauf war dann allerdings bereits an der Grenze zu unangenehm, sobald ich in die Sonne geriet.

Frühstück kurz nach zwei: Vollkornsemmeln mit Butter und Tomatenscheiben – Sommerfrühstück!

Außerdem aß ich eine der roten Aprikosen, die ich beim Lidl gekauft hatte: Sensationell! Ich verließ das Haus nochmal, um beim nächstgelegenen Lidl Nachschub zu besorgen. Da draußen war es wirklich, wirklich heiß, nicht schön.

Zurück daheim fühlte ich mich sehr wacklig und müde, ich legte mich aufs Sofa und schlief richtig ein.

Zeitunglesen, Häuslichkeiten, eine Runde Yoga.

Zum Nachtmahl gab es Hitzeessen, Co-Produktion von Herr Kaltmamsell und mir:

Tomaten-Nektarinen-Salat mit Burrata und Basilikum (Salz, Pfeffer, Olivenöl), dazu Toskana-Brot, im Glas Rosé aus Gols, Pittis Koenig (Blaufränkisch, St.Laurent), der hervorragend passte.

Nachtisch Schokolade.

Als ich ins Bett ging, war in der Wohnung die Temperatur immer noch angenehm, draußen viel zu warm. Nachdem für die nächsten Tage ähnliches Wetter angekündigt ist, sehe ich eine Woche mit geschlossenen Fenstern auf uns zukommen.

Journal Freitag, 19. Juni 2026 – Vorgezogenes Sonnwendfeiern, diesmal bei Hitze

Samstag, 20. Juni 2026

Sommerhitze heißt: Balkonkaffee an Werktag.

Arbeitsweg in Hochsommerkleidung, noch war es angenehm frisch in der Morgensonne.

GUTE Neuigkeiten! An der Theresienwiese (Ostseite, bei der Beethovenstraße) gibt es jetzt einen Trinkwasserbrunnen. An den vorherigen Morgen hatte ich Menschen daran trinken und sich kühlen sehen, gestern diesen Hund.

Überm Westend schrillten Mauersegler-Schwärme, zum ersten Mal nahm ich wahr, dass es auch Varianten des schlichten SCHRILL! gibt, nahezu melodiös.

Mein Styling-Kompliment an eine fremde Frau lief diesmal ins Leere: Ich sah zu spät, dass die Passantin ihre Ohren mit Kopfhörern verschlossen hatte, meine Geste und Worte führten lediglich zu einem verwirrtem Blick.

Überraschend emsiger Vormittag, aber nach einer Besprechung fand ich Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend: Weg in der Hitze immer schön im Schatten und nicht zu schnell.

Mein Büro lies sich mit geschlossenem Fenster und offener Tür ins luftige Atrium gut temperieren, dennoch begann um die Mittagszeit massiver Schwindel. Dagegen konnte ich eh nichts machen, also versuchte ich es mit Ignorieren.
Mittagessen Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Banane und Aprikosen.

Überfallartig emsiger Nachmittag, das lenkte mich zumindest vom Schwindel ab.

Pünktlicher Feierabend, sehr gemächlicher Heimweg über nötigste Einkäufe. Zum zweiten Mal in einer Woche sprachen mich amerikanische Missionare an (sehe ich als kosmischen Ausgleich für das Missionarsunheil, das meine angestammte katholische Religion historisch begangen hat): Diese waren Mormonen mit dem Buch Mormon in der Hand, Einstiegsfrage, ob ich dieses Buch kenne. Wie immer blieb ich freundlich, beendete das kurze Gespräch dann aber doch mit einem ehrlichen: “Es freut mich für Sie, dass sie etwas erfunden haben, das Sie glücklich macht, weiterhin alles Gute.”

Zu Hause nach Abkühlen eine Folge Yoga – in Adrienes letzem 30-Tage-Programm “Flow” sind sie mir mit 15 bis 23 Minuten wirklich zu kurz: So wenig bewege ich mich nicht, dass die sich nach Wirkung anfühlen.

Für den Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell zum leicht vorgezogenen Sonnwend-Essen verabredet, im Romans mit weiterhin einem der schönsten Gastgärten eines Restaurants in München. Diesmal mussten wir keine Regenströme befürchten, sondern die große Hitze. Irgendwas ist immer, Wetter können wir halt nicht kontrollieren, und das erleichtert mich sogar.

Dritter Einsatz der Hochzeitsschuhe von 2024. Wir brachen so rechtzeitig auf, dass ich langsam gehen konnte.

U-Bahn nach Neuhausen. Mit uns trafen noch viele, viele weitere Gäste ein, die ebenfalls um sieben reserviert hatten. Ich machte mich auf lange Wartezeiten für alles gefasst, doch das freundliche Personal hatte den Ansturm gut im Griff.

Zwei verschiedene Spritz als Aperitif (meiner mit Sarti), als Vorspeise hatte ich von der Tageskarte (-tafel) einen Ziegenkäse-Cheesecake mit Lachs und Kaviar gewählt.

War gut – aber wie eigentlich das meiste auf der Speisekarte nicht so richtig italienisch. Hauptsache gut. Als Wein hatte ich mir schon vorher mal wieder einen Vermentino gewünscht und bestellte einen sardischen solchen. Der Alkohol tat mir sehr gut. Mit seiner Entspannung konnte ich Herrn Kaltmamsell ein wenig von der vergangenen Woche erzählen, ließ mir von ihm Details seiner berichten.

Als Hauptgang ließ sich Herr Kaltmamsell hausgemachte Ravioli mit Kabeljau-Füllung servieren, ich Lammkoteletts mit Kartoffel-Provolone-Plätzchen und Spinat.

Zu meiner Erleichterung sank die Temperatur deutlich und wurde lediglich angenehm warm. Es ließ sich hervorragend aushalten, ich vermisste meinen vergessenen Fächer nicht. Sogar auf Dessert hatte ich noch Lust und überredete Herrn Kaltmamsell, mich zu begleiten: Schokoküchlein mit flüssigem Kern (Foto vergessen). Jetzt war ich aber wirklich sehr voll.

Daheim war die Wohnung weiterhin schön kühl, wir ließen Fenster und Türen nach draußen zu, Ausnahme Fenster in den kühlen Innenhof.

Journal Donnerstag, 18. Juni 2026 – Hitzeeinbruch

Freitag, 19. Juni 2026

Bis drei sehr gut, dann nur noch unruhig geschlafen.

Noch kam es vom sonnigen Draußen frisch rein: Ich öffnete viele Fenster und Türen, machte die Wohnung erst kurz vor Aufbruch hitzefest mit Rollläden und geschlossenen Fenstern – denn heiß sollte es auf jeden Fall werden.

Auf dem Weg in die Arbeit genoss ich erstmal das Hochsommerlicht.

Doch schon bei einem Dienstgang kurz vor zehn wogte die Hitzewelle an.

Verabredung mit meinen Eltern fürs Sonntagmittagessen: Sie sind zurück von ihrer Reise und ich habe große Sehnsucht nach ihnen.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später spazierte ich eine Runde um die Blöcke. Obwohl ich in der jetzt nicht mehr anders zu nennenden Hitze lieber nicht schnell ging, war mir am Ende kreislaufwacklig schwindlig. In der Gollierstraße hatte ich beobachtet, wie ein recht großer, angeleinter Hund sich neben seiner stehengebliebenen Besitzerin einfach rücklings auf den schattigen Gehweg legte, Beine mit abgeknickten Pfoten in die Luft. Vielleicht hätte ich nicht nur laut “Vorbild!” scherzen sollen, sondern es ihm exakt nachmachen.

Zu Mittag gab es eingeweichtes Muesli mit Joghurt, außerdem Aprikosen und Nektarinen. Ruhig wegzuarbeitender Nachmittag. Während es draußen wie angekündigt richtig heiß wurde, hielt ich mein Büro angenehm temperiert – was bei meinem Kreislauf nicht recht ankam, er wackelte dennoch wie in Hitze.

Direkter Heimweg – gemessenen Schrittes.

Die dreireihigen Linden um die Theresienwiese in Blüte und Duft.

Daheim riss ich mir wieder die Beinhaare aus, dann turnte ich eine neue Folge Pilates von Gabi Fastner – wieder mit neuen unbekannten Übungen, spannend.

Der Ernteanteil hatte keinen Salat gebracht, also bereitete Herr Kaltmamsell die chinesische Keule aus Ernteanteil als Nachtmahl zu und servierte sie mit Bratkartoffeln und Spiegeleiern. Gut! Zum Nachtisch schlossen wir die Erdbeer-Saison ab, dann gab’s noch Schokolade.

Auffallend dieses Jahr: Wie sehr sich immer weiter von der Standard-Erdbeerschachtel entfernt wird.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, ich amüsiere mich weiterhin, wie Vicki Baum in Zwischenfall in Lohwinckel einen Landarzt erschafft, so gar nicht das Zeug zum TV-Serienhelden hat, grantig und fachlig untermittelmäßig (er ist aber nicht die dominierende Figur).

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Die herzzereißende Geschichte eines offenen Port 22 und wen Arman Hossain damit anlockte.
“I Left Port 22 Open on the Internet for 54 Days.
Here’s Who Showed Up.”

via @herr_rau

Ich verstehe die Technik fast gar nicht, nur genug, um die Geschichte zu erfassen und super zu finden.
Hat denn niemand ein IoT-Maschinchen, das 3245gs5662d34 und 345gs5662d34 eine Heimat geben könnte?!

Together, they account for over 11,000 attempts.

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Jemand mit beruflicher Expertise in diesen Dingen schreibt:

Autonomie ist in jedem Alter wichtig. Noch wichtiger ist es, Hilfe annehmen zu können, damit die Helfenden nicht aufgeben und man selbst nicht in seiner Angst versinkt und damit dann schon jede Autonomie verloren hat.

Hier der zugehörige Blogpost, oben der Anlass des Hinweises:
“Posthornschnecken”.

Puh. Bislang berücksichtige ich als Vorbereitung für ein möglichst Leid-armes Alter bereits:
– Bewegung (das ist das Einfachste für mich, weil eh ein Bedürfnis, etwas Aufmerksamkeit erfordert lediglich, alle Bereiche Kraft, Cardio, Mobilität abzudecken)
– Aktive Pflege menschlicher Kontakte inklusive Nachschubsicherung (wofür ich mein starkes Eigenbrötlertum überwinden muss, aber Wirkung wissenschaftlich erwiesen)

Jetzt wird mir klar, dass ich rechtzeitig lernen muss, Hilfe einzukalkulieren. Das ist für mich, die mit SELBER! praktisch geboren wurde, ausgesprochen schwer. (Bislang so: No man is an island? Das wollen wir doch mal sehen.)

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Where you’ll see a rare bird.

Journal Mittwoch, 17. Juni 2026 – David Hockney und wenn ich malen könnte

Donnerstag, 18. Juni 2026

Der Wecker klingelte extrafrüh, ich plante einen Lerchenlauf. Für den verließ ich kurz nach sechs das Haus, lief angenehm leicht in feuchten Sommermorgendüften (es hatte nachts geregnet), bekam endlich mal wieder den Laufgenuss, wegen dem ich das doch eigentlich mache.

Die David-Hockney-Doku ging mir weiter durch den Kopf. Meine Gedanken kreisten um die zentrale Funktion, die Umsetzung von Wahrnehmung für Hockney hatte (darauf wies in der Doku Kurator Andrew Wilson von Tate Britain hin, im Gegensatz zum anderen Geschwurbel auf der Basis von Hockneys eigenen Aussagen). Hockneys Bilder versuchen seine Wahrnehmung wiederzugeben, vor allem seine visuelle Wahrnehmung – und nein: Das ist keineswegs Anliegen aller Künstler*innen. Manche setzen etwas um, was sie vor ihrem inneren Auge, in ihrer Vorstellung haben. Manche arbeiten eher prozesshaft und wissen selbst nicht, was das Ergebnis sein wird. Wieder andere starten mit Einzelelementen, Gegegenständen, Material, das sie zu einem Ergebnis kombinieren. Plus unzählige andere Ansätze als das Ziel, Wahrnehmung wiederzugeben.

Zum Beispiel die Linien des Sonnenlichts im Wasser gebrochen auf dem Boden eines Swimming Pools. Hockneys Pool-Bilder waren seine ersten Werke, die ich kennenlernte. Herr Kaltmamsell und ich arbeiteten Anfang der 1990er beide als Hiwis an der Augsburger Uni am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft. Wir waren noch kein Paar, als der heutige Herr Kaltmamsell mich während eines gemeinsamen Hiwi-Dienstes in die Uni-Bibliothek bat, nur zwei Büro-Gänge vom Lehrstuhl entfernt: Er wolle mir etwas zeigen. Dieses etwas stellte sich als Bildbände von David Hockney heraus, er wollte mich auf die Pool-Bilder hinweisen (hier eines der berühmtesten, “Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)”). Ich war sofort gefangen (und sehr beeindruckt von Herrn Kaltmamsell), vor allem von den Linien, die das Sonnenlicht auf den Boden des Pools warf: Erst durch die Wahrnehmung ihrer unvergleichlichen Schönheit und deren Abbildung sah auch ich sie – und denke jetzt bei jedem Schwumm mit sonnenglitzerndem Schwimmbeckenboden an Hockney.

Oder wie Andrew Wilson bemerkte: Als er zum ersten Mal nach Los Angeles und diese Gegend Kaliforniens reiste, habe er das Gefühl gehabt, durch Bilder von David Hockney zu fahren. Hockney hatte die Essenz dieser Anblicke wahrgenommen und in seinen Kalifornien-Bildern umgesetzt.

Das Umwerfende dabei: Mit seiner Kunst geht David Hockney weit darüber hinaus, was Fotografie einfangen kann. Am besten sieht man das an seinen Kunstwerken, die er aus Fotos zusammengebaut hat, zum Beispiel an diesem Portrait von Billy Wilder, das die Wahrnehmung des Menschen deutlich präziser einfängt, als das ein konventionelles Foto von ihm könnte. Obwohl Hockney im Zweidimensionalen bleibt, hält das Porträt auch Bewegung fest.
Ähnliches gilt für Hockneys Doppel-Porträts, zum Beispiel dieses von Christopher Isherwood and Don Bachardy: Neben visuellen Wahrnehmungen transportieren sie auch die Wahrnehmung von Gefühlen, der Beziehung zwischen den beiden Portraitierten (die allerdings wiederum bei der Betrachterin andere sein könnten als beim Maler).

Und als ich so in den Isarauen vor mich hin trabte und darüber nachdachte, begann ich mir nach Jahrzehnten wieder zu wünschen, ich könnte malen. Denn das Wahrnehmen samt Bedürfnis, dieses festzuhalten und anderen zu zeigen – das kenne ich sehr gut. Ich versuche es halt mit unbeholfenen Handy-Fotos. Jetzt wurde mir bewusst, wie vieles von meiner Wahrnehmung ich beim Fotografieren weglassen muss oder ich nie die Chance habe festzuhalten, weil es bis zum Zücken des Handy längst vorbei ist. Oder wie oft das Foto überhaupt nicht wiedergibt, was ich eigentlich sah. Bislang fand ich mich halt damit ab, dass sich manches nicht einfangen lässt – oder machte mir Vorwürfe, weil ich immer zu faul war, mich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen.

Malerei gäbe mir die Chance, das innerlich festgehaltene Bild zu äußern oder den Schwerpunkt meiner Wahrnehmung, das, was mich hinsehen ließ, in den Vordergrund zu stellen – viel mehr als jedes Foto. Zum Beispiel beim Wandern vergangenen Samstag der Sonnen-beschienene Mückenschwarm im Wald vor einem Stück blauem Himmel mit Wolken (der mich umgehend stehenbleiben und nach dem Mückenspray kramen ließ): Keine Chance, das in ein Foto zu bannen. Aber malen könnte man das, ich dachte an David Hockneys Yorkshire-Bilder (hier ein Beispiel aus seinem Sketch Book).

Ein Beispiel von meinem gestrigen Lauf:

Könnte ich malen, stellte ich die Beziehung zwischen den Pastelltönen an der jungen Frau und den Fassaden heraus, verschöbe die Frau ein wenig nach links. (Nein, sowas mit Prompts eine Maschine machen zu lassen, ist nicht dasselbe.)

Hier würde ich die Elemente verdichten, die Stadt-Silhouette und den Badenden zusammenrücken – weil DAS meine eigentliche Wahrnehmung war: Mitten in der Stadt, von einer Brücke sichtbar und vor einer sehr städtischen Kulissen ein nackter Männeroberkörper im Fluss.

Ein Element meiner Wahrnehmung bei beiden Motiven: Ich finde sie lustig! Und Humor ist etwas, was ich auch in Hockney Werk sehe – was meiner Meinung nach in den Nachrufen auf ihn viel zu wenig Raum einnimmt.1

Weitere Wahrnehmungen auf meiner Runde, nicht alle sah ich automatisch mit David-Hockney-Filter (so wie ich vor einem Jahr nach Besuch der Ausstellung japanischer Holzschnitte alles mit Holzschnitt-Filter sah).

Ich beendete meine Laufrunde inspiriert und fröhlich. Schnelles Duschen und Fertigmachen, Arbeitsweg mit U-Bahn-Unterstützung.

Im Büro geordnetes Wegarbeiten, das war eine schöne Abwechslung. Mittagscappuccino im Westend, sehr komisches Wetter: Die Hitzewelle kündigte sich bereits an, doch noch waren die Temperaturen angenehm, lediglich drückte die Luft bereits wie in Hitze.

Wie schon am Montag ein Kompliment für mein Outfit bekommen – von einer völlig fremden entgegenkommenden Passantin. Das freute mich – und bestärkte mich darin, das auch weiterhin selbst zu tun.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Nektarinen: Am Montag unreif eingekauft, jetzt waren sie perfekt nachgereift.

Arbeitsamer Nachmittag, das Fenster nach draußen schloss ich lieber gegen dieses seltsame Drücken. Ich fühlte mich müde und konzentrierte mich nur schwer; da bei meinen gestrigen Aufgaben Fehler sehr peinlich wären, checkte ich alles dreimal.

Nach Feierabend holte ich ein UPS-Paket in einem kleinen Laden an der Landwehrstraße ab, in dem ich vor lauter auf dem Boden verstreuter und überall wild gestapelter Ware nicht mal bis an die Theke kam. Aber hey! Das Paket wurde nach einer Weile gefunden.

Zum Nachtmahl war ich mit Herrn Kaltmamsell zu einem weiteren Versuch Schnitzelgarten verabredet. Und wir hatten Glück: Es gab genug freie Tische, niemand stand Schlange.

Zu einem alkoholfreien Weißbier gab es hervorragende Pommes, sehr gutes Cordonbleu mit Gorgonzola-Füllung. Und es blieb genug übrig für ein reichliches Frühstück für Herrn Kaltmamsell.

Zurück daheim zum Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, bei noch hellem Himmel zum Schlafen gelegt.

  1. Es ist hoffentlich klar, dass ich nicht versuche, mich mit David Hockney zu vergleichen? []

Journal Dienstag, 16. Juni 2026 – Wirklich kurze Haare!

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Arbeitssorgen, die mich beim Zu-Bett-gehen gehörig umgetrieben hatten, störten meinen Schlaf glücklicherweise erst in der letzten Phase. Ab dann aber durchgehend bis zur Verzweiflung auch auf dem Arbeitsweg (kühl, gemischtwolkig, aber eher freundlich) und bei Arbeitsanfang. Am Schreibtisch bestärkte mich ein neues Detail dazu in meinem Postfach zumindest darin, mich auf meine (wirklich echt ehrliche) Nicht-Zuständigkeit zu konzentrieren: Aus Verzweiflung wurde zumindest lediglich Unglück. Meinen komisch turbulenten Bauch konnte ich allerdings nicht so einfach damit erklären, den hatte ich vor einer Woche auch schon ohne dieses Schlamassel.

Und ich hielt mich daran fest, dass ich meinen schönsten Rock mit meinen schönsten Schuhen trug.

Mittagscappuccino inklusive Marschrunde im Westend.

Nachmittag mit mühsamer Arbeit und einem kleinen Ausrutscher in meiner Servicehaltung. (Daran gelernt: Selbst ich habe eine Trivialitätsgrenze bei Aufgaben, nämlich wenn sie sich zu weit unter sogar Kaffeekochen anfühlen.)

Große Freude auf das Wochen-Highlight: Endlich ein Haarschnitt.

Vorher nochmal die Mähne festgehalten. Auf dem Weg aus dem Bürohaus kam ich an einem Besprechungsraum vorbei, in dem Chor gesungen wurde (ca. sechs bis acht Leute) – das war unerwartet.

Der vertraute Familienfriseur hatte wieder Spaß mit meinem dicken Haar (und mit meinem Vergleich, dass ich mich fühlte wie dieses eine Schaf, das für ein paar Jahre in den Bergen verschwunden war und völlig von seiner Wolle eingewachsen gefunden wurde).

Ich war hochzufrieden mit dem Haarschnitt. Auf dem Heimweg noch eine Runde Milchprodukteinkäufe beim Alnatura.

Daheim eine Einheit Yoga mit ein wenig Anstrengung. Zum Nachtmahl setzte Herr Kaltmamsell eine Abmachung um: Nach unserem Besuch im Mix Market mit seinen osteuropäischen Produkten hatten wir ein Abendessen mit verschiedenen gefüllten Teigwaren von dort geplant. Und gestern servierte er: Vareniki (Sauerkrautfüllung) in Brühe, dann Pierogi (Hackfleischfüllung) und Khinkali (Spinat/Mozzarella) mit Butter. Gut und sättigend.

Nachtisch erst der Rest Apricot Crisp, dann Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Am Montagabend hatte ich das Granta mit skandinavischer Literatur beendet (interessant, unter anderem: auch woanders gibt es alte weiße Theatermacher mit Entitlement-Problem), die neue Lektüre, Vicki Baums Zwischenfall in Lohwinckel, nahm mich mit in die deutschen 1920er in Form des Haushalts eines nicht mehr jungen Provinz-/Landarztes mit junger Frau, kleiner Tochter und Problemen – deutlicher Gegensatz zum Fernseh-Landarzt-Idyll mit nostalgischer Note.