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Journal Freitag, 20. Februar 2026 – Besonders dick Schnee, der Kampf der Wahlvorsteherin

Samstag, 21. Februar 2026

Beim Aufstehen immer noch dicker, nasser Schnee, Weg in die Arbeit in weiterem leichten Schneefall von oben und wadenhohem Matsch unten (Winterdienste in vollem Einsatz, viel bereits freigeräumt).

Hier die erwartbaren Fotomotive.

Ihr nennt es Winterzauber, ich nenne es Isgutjetz.

Arbeitsvormittag mit einer großen Stressaufgabe (Stress ganz individuell persönlich, denn eigentlich ein Routinejob für Assistenzen). Ich hielt mich sehr an der Aussicht auf einen Freitagabend mit Freunden, gutem Essen und Alkohol fest.

Wieder war ich so zittrig, dass ich den Mittagscappuccino lieber bleiben ließ. Deshalb auch gestern mittags nur Marsch um die Blöcke, der Matsch mittlerweile nur noch knöchelhoch. Alles suppte, von den Bäumen rutschte der Schnee in Brocken. Ich hoffe, dass alles bis Sonntag weggeschmolzen und versickert ist, damit ich an der Isar mit Genuss laufen kann.

Zu Mittag gab es Apfel, vorgeschnittene Orangen, gemischte Nüsse.

Nach nahezu pünktlichem Feierabend unter düsterem Himmel und in gluckernder Schneeschmelze direkt nach Hause.

Gestern telefonierte ich mein Wahlhilfeteam für die Kommunalwahl am 8. März (fast) durch, sprach mit acht sehr unterschiedlichen Menschen, versprühte eisern Zuversicht und gute Laune – die gerahmte Leutseligkeit. (@novemberregen aus dem Gedächtnis: “Die stärkste Energie bestimmt den Raum.”)
Einer davon war leider komplett überrascht, dass die Wahl a) am 8. März stattfindet, b) zwei Tage Einsatz bedeutet – da könne er nicht. Ich bat ihn, das beim Wahlamt zu melden, damit Ersatz gesucht wurde.
Danach war ich komplett fertig mit der Welt. Alles für das Gefühl, Demokratie nicht nur zu konsumieren. (Das war sowas von das letzte Mal, dass ich mich melde.)

Mit den Freunden waren Herr Kaltmamsell und ich im italienischen (kalabresischen) Restaurant Friulana verabredet, das wir bereits kannten und schätzten (und wo wir, wie wir uns im Lauf des Abends erinnerten, den Jahreswechsel 2019/2020 gefeiert hatten – naturgemäß ohne Ahnung, dass uns in diesem 2020 die Corona-Pandemie ereilen würde und manch anderer tiefer Einschnitt im Leben).

Wir vier waren so schnell in so freudige und intensive Gespräche vertieft, dass ich die Fotos vom wirklich guten Essen vergaß. Es gab erstmal gemischte Vorspeisen für alle mit extra Gemüse, dann teilten sich Herr Kaltmamsell und ich von der handgeschriebenen Speisekarte(-tafel) Pasta quattro formaggi (ganz wunderbar), ich hatte als Secondo Spanferkel-Rollbraten mit Birne und Walnuss (ausgezeichnet).

Als Aperitiv hatte ich um einen Spumante gebeten und einen Franciacorta bekommen, der mir so gut schmeckte, dass ich den Abend über dabei blieb. Santo Palamara, der Wirt und Koch des Friulana, ist berühmt für sein selbst hergestelltes Eis, um mich herum wurde unter anderem das saisonale Bergamotte- und Mandarineneis als Dessert gegessen – selbst war ich leider zu voll für Nachtisch (keine Ahnung, wo der wissenschaftlich belegte Dessertmagen geblieben war).

Dazu aber vor allem fröhliche und weniger fröhliche Gespräche über kürzliche Urlaube, Berufssituation, die allgemeine Weltlage und wie viel davon man ins eigene Leben lässt.

Erst um Mitternacht verabschiedeten wir uns.

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Das Techniktagebuch gibt es auch zu diesem Geburtstag wieder als Buch, diesmal mit ganz besonders schönem Titel:
“Ãoebersichtlicheres, benutzerfreundliches Design, auch verfügbar für alle führenden Mobilgeräte”.
(Echte Frage: Muss man alt sein, um das lustig zu finden oder können auch Junge darüber lachen?)

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Lustige Tiere mal ohne Säugetier-Beteiligung.

Journal Donnerstag, 19. Februar 2026 – Schnee, Schnee, Schnee

Freitag, 20. Februar 2026

Nachdem ich schwer eingeschlafen war (der Fernsehfilm arbeitete in mir), schlief ich gut und wurde vom Wecker unwillig geweckt.

Die Luft ein wenig milder: Die Pfützen auf der Theresienwiese waren nicht mehr gefroren.

Der Arbeitsvormittag kam wieder mit Turbulenzen, ich war wieder so gestresst hibblelig, dass sich Koffein in Form von Mittagscappuccino verbot (und ich den Extra-Stress wegen Mitarbeitenden-Gespräch, sonst Stressfaktor auf Höhe Wurzelbehandlung, fast nicht mehr spürte).

Dringend nötig hatte ich aber mittags den Marsch um die Blöcke, boah. Nachdem die Last des Mitarbeitenden-Gesprächs von mir abgefallen war, flog ich fast, auch Treppen hoch – dass es schon wieder schneite, war völlig egal.

Zu Mittag gab es neben vorgeschnittenen Orangen Quark mit Leinsamenschrot.

Jetzt wurde der Schneefall ernst- und dauerhaft.

Nachmittag auch noch geschafft, darin auch belastendes Menschliches.

Heimweg in nassem Schneefall über kurze Lebensmitteleinkäufe (Kapuzen sind super).

Schwanthalerhöhe mit Blick Richtung Theresienwiese.

Daheim eine Waschmaschine mit Handtüchern gefüllt und gestartet, eine Folge Yoga geturnt – die so zackig getaktet war, dass es sich geradezu hektisch anfühlte, zumal einiges sehr überraschend kam. Die möchte ich nochmal machen, um sie auskosten zu können.

Herr Kaltmamsell nahm die Erntanteil-Herausforderung Schwarzer Rettich an (mögen wir beide nicht besonders) und servierte ihn in zwei Gängen:

Hühnerbrühe asiatisch mit gehobeltem Rettich. Hervorragend.

Hühnchen-Gemüsepfanne asiatisch-süßlich mit Sherry, das Bittere des Rettichs störte nichtmal. Nachtisch Schokolade.

Briefwahlunterlagen angefordert (per QR-Code und wenigen Klicks), mich dann ins Wahlhelfer-Portal eingeloggt (ächz: Website -> Ausweisapp auf dem Handy -> Ausweisprogramm auf dem Computer), per Rumprobieren zu der Seite gefunden, auf der mein Wahlhilfe-Team einsehbar war, mit Namen und Telefonnummern: Früher waren diese Infos Teil Berufung auf Papier gewesen, diesmal war ich zufällig auf sie gestoßen, als ich mich nach Berufung online für die Schulung angemeldet hatte – stellte aber fest, dass zu diesem Zeitpunkt noch eine wichtige Rolle unbesetzt war. Deshalb gestern neues Checken: Jetzt war die Liste vollständig, und ich kann mich daran machen, alle anzurufen und die Schichten für 8. März einzuteilen. In der Wahlhilfeschulung hatte man uns Wahlvorsteherinnen empfohlen, für das Team eine WhatsApp-Gruppe einzurichten. Kann ich nicht, weil ich WhatsApp konsequent den Zugriff auf meine Kontakte verwehre und mir so nur sehr eingeschränkte Funktionen zur Verfügung stehen. Zum Beispiel kann ich niemandenen konktaktieren, der oder die nicht vorher mich kontaktiert hat. Mal sehen, ob’s auch ohne geht.

Es schneite weiter, nass und schwer; ich sorgte mich bereits wieder um die Bäume und befürchtete abbrechende Äste.

Journal Aschermittwoch, 18. Februar 2026 – Arbeitseinstieg mit Kampf

Donnerstag, 19. Februar 2026

Ein bisschen später losgekommen als sonst (Bett abgezogen, Waschmaschine gefüllt und angeschaltet, das Aufhängen übernahm Herr Kaltmamsell mit seinen Faschingsferien) – und länger gebraucht als sonst, weil es auf dem leicht angeschneiten, knackig frostigen Weg in der Morgensonne so viele interessante Anblicke gab.

(Schon Mark Rothko, oder?) Außerdem war es scheißglatt.

Im Büro verschärfter Kampf mit Outlook, und zwar beim Versuch, eine Kalender-Einladung an sechs Personen zu schicken.
– Einmal gesamter Verteiler beim Senden gelöscht.
– Einmal ging die Einladung nur an eine namensähnliche Kollegin (zum Glück intern, zum Glück fragte sie verdutzt nach).
– Nach dem dritten Versuch (mit Screenshot vor Absenden wie bereits bei Versuch 2) hakte ich bei den Eingeladenen nach (Internet like 2001, second screen Telefon: “Ich hab Ihnen gerade eine E-Mail geschickt, ist die angekommen?”)

Aber um mal wieder (WIE IMMER) das Positive abzuleiten: Assistenzen wie ich werden noch lang nicht durch Algorithmen ersetzbar sein, wenn sie neben ihrem eigentlichen Job immer genauer prüfen müssen, ob die technischen Systeme gerade Mist bauen.

Blöderweise schubste mich diese Verunsicherung plus eine weitere spontane Heikelkeit derart aus der Bahn (wichtige Einladung, wichtige Leute), dass ich lange brauchte, um mich zu beruhigen und konzentriert weiterzuarbeiten. Zur üblichen Zeit meines Mittagscappuccinos hatte ich einen Termin, mit meiner Hibbeligkeit hätte mir Koffein eh nicht gut getan. Statt dessen nutzte ich die Mittagszeit für einen ausgedehnten Marsch um mehrere Blöcke.

Als Mittagessen gab es vorgeschnittene Orangen (das wird wohl erstmal so bleiben) sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Emsiger Arbeitsnachmittag, zum Glück nervenschonender als der Morgen.

Nach Feierabend fuhr ich mit der U-Bahn zu Espressokauf im Caffe Fausto an den Candidplatz. Zurück am Sendlinger Tor weitere Lebensmitteleinkäufe. Dadurch war es schon fast sieben, als ich daheim ankam: Ich ließ Yoga aus, machte mich an Bettüberziehen und Brotzeitvorbereitung.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig mit Freunden, hatte aber nachmittags den Ernteanteil-Lauch zum Favoriten Lauch-Bohnen-Romesco verarbeitet, und zwar mit Riesenbohnen, die wir im Wiener polnischen Supermarkt gekauft hatten. Schmeckte ausgesprochen super.

Dieses Jahr fallen der Beginn der christlichen Fastenzeit und der Beginn von Ramadan zusammen – finde ich sehr charmant.

Abendunterhaltung: Der Fernsehfilm Damen, von dem ich in der Süddeutschen Gutes gelesen hatte, hier in der Mediathek.
So viele schöne München-Bilder im Frühsommer! (Unter anderem aus dem Volkstheater.) Hinreißende Hauptdarstellerin Salka Weber, sehr beeindruckt war ich auch von Mai-Phuong Kollath, und ich mochte die Geschichten von Freundschaft und Familie in einer fast schon realistischen Buntheit und ohne viel Action.

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Dass bei Kindern und Jugendlichen “Social Media” alles dasselbe ist und nicht Austausch/Information/Konsum/Kreativität/Vernetzung/Unterhaltung – wie halt bei Erwachsenen auch, kann ich mir nicht vorstellen. Nur dass ein Internet-Endgerät im Spiel ist, reicht mir nicht als Definition. Medienwissenschaftlerin Ulla Autenrieth differenziert, deshalb gefällt mit dieses Interview mit ihr.
“Mit Verboten werden Jugendliche zum Schweigen gebracht”.

Inklusive einem Argument gegen Alarmismus, das meiner Ansicht nach zu wenig beachtet wird: Alarm ist laut und bekommt dadurch mehr Aufmerksamkeit – auch kommerzielle.

Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und dem Wohlbefinden von Kindern? Als Laiin stelle ich mir vor: je länger, desto schlechter.
Auch hier muss man sagen: Es kommt eben sehr darauf an. Was wird denn während der Bildschirmzeit gemacht? Fernsehen, in der App lernen, mit Freunden chatten: Was zählt da alles dazu? Je mehr soziale Interaktion, je mehr Kreativität in etwas steckt, desto positiver ist es letztlich. Wenn ich mir Tag und Nacht negative Dinge anschaue, hat es natürlich einen negativen Effekt.

Der amerikanische Moralpsychologe Jonathan Haidt behauptet in seinem Bestseller «Generation Angst», Social Media mache junge Menschen psychisch krank. Haben Sie als Medienwissenschaftlerin sein Buch gelesen?
Oh ja. Von Anfang bis Ende.

Wie schätzen Sie als Expertin es ein?
Haidt greift Ängste auf, die viele Eltern teilen, und präsentiert diese in einer sehr zugespitzten Weise. Dabei muss man beachten, dass er Bücher schreibt, um Bestseller zu landen. Haidt lehrt an einer Business School. Das Konzept des Buches erinnert mich an die Bücher von Manfred Spitzer, der mit seinen Thesen ja auch immer sehr präsent ist. Diese Autoren greifen Ängste auf und setzen das Ganze sehr schlagwortartig und marktorientiert um. Die Thesen finden viel Anklang, weil sie Themen und Herausforderungen aufgreifen, die im Raum stehen.

(Außerdem wird Kathrin Passig darin zitiert <3)

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Der am breitesten getanzte Volkstanz Spaniens? Nein, ganz sicher nicht Flamenco, den tanzt die Minderheit der Gitanes. Es ist die Jota!
Hier eine ganze Plaza in Zaragoza voll Tänzer*innen (Charity-Aktion zum Tag des Kinderkrebses) – sähe in Tracht noch schöner aus, aber die haben natürlich nur wenige (es gibt ja keine Schwundstufe für sowas wie Oktoberfest).

Journal Dienstag, 17. Februar 2026 – Heimreise und der Raglanmantel am Besitzer plus Umfrage

Mittwoch, 18. Februar 2026

Sehr gut geschlafen bis fünf, dann mit zugeschwollener Nase nicht mehr recht eingeschlafen.

Unser Zug zurück nach München ging erst um halb elf ab Wien Meidling, ich konnte noch bloggen. Packen und Auschecken gingen schnell, es gab Morgen-Cappuccino im Westbahnhof, wo wir auch Brotzeit für die Fahrt besorgten.

Zu den vielen Details, die mir in Wien positiv auffielen, gehörten die viel wenigeren LALÜs als in München. Ja, auch hier machten sich Krankenwagen (aka “die Rettung”) durch Martinshorn vor roten Ampeln an Straßenkreuzungen bemerkbar, aber immer nur ganz kurz und nicht wie in München ganze Straßenzüge lang.

Wir trafen viel zu früh in Meidling ein, zudem zeigte meine App wechselnd lange Verspätung der Abfahrt an. Tatsächlich starteten wir nahezu pünktlich.

Wenn man erstmal akzeptiert, dass dieser Winter nie mehr aufhören wird, geht’s eigentlich.

Ereignisarme Fahrt mit Zeitung- und Internet-Lesen durch Bahnhöfe wie Redl-Zipf – Ortsnamen sind einfach immer für einen Lacher gut, und das auf der ganzen Welt. Auf halber Strecke lag die Verspätung bei gut 20 Minuten, doch beim Blick aus dem Fenster mit erneutem und waagrechten Schneefall dachte ich mal wieder: “Am Steuer eines Autos und auf einer Straße möchte ich gerade noch viel weniger sitzen.” (Was bei mir nicht ganz güldet, weil ich eigentlich nie am Steuer eines Autos sitzen möchte, aber Sie wissen, worauf ich hinaus will.) Zu Mittag aß ich um halb zwei einen Apfel (Geschenk des Hotels) sowie ein Kornspitz mit dick Käse.

Daheim in München schien die Sonne (wie sie es auch unterwegs hin und wieder getan hatte). Und vor der Wohnungstür wartete eine Kiste Orangen – leider nicht wie vereinbart gestern geliefert, sondern bereits am Samstag davor. So konnten wir erst jetzt den Inhalt Frucht für Frucht checken, und ja: ein halbes Dutzend hatte bereits matschige Stellen, Herr Kaltmamsell presste erst mal ein großes Glas Orangensaft aus.

Ein paar Häuslichkeiten, dann bat ich Herrn Kaltmamsell zum Mantel-Modeln – mit verschiedenen seiner Mützen und Hüte.

Was meinen Sie: Welche Kopfbedeckung passt am besten zu dem Mantel?

  • Keine Kopfbedeckung (2%, 13 Stimmen)
  • Flat Cap (42%, 294 Stimmen)
  • Fedora (37%, 261 Stimmen)
  • Bowler Hat (19%, 132 Stimmen)

Abgestimmt bisher: 700

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Die edlen inneren Werte des Mantels:

Außerdem hat Herr Kaltmamsell (natürlich) den historischen und sprachlichen Wurzeln des Kleidungsstücks hinterherrecherchiert.

Das letzte Tageslicht nutzte ich für eine Bügelrunde. (Nach den vier Tagen Gemeinsamkeit mit Herrn Kaltmamsell und vielen anregenden Gesprächen und Austauschen, in denen ich von dem Vielen profitierte, was ich an ihm mag und schätze, verschwanden wir zu Hause wieder in unsere separaten Welten. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir immer wieder zu zweit solche und ähnliche – Wanderung, Museumsbesuch, Restaurantessen – Unternehmungen unternehmen.)

Nach vier Tagen ohne checkte ich, ob Yoga noch funktionierte: Ja, tat es.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell eine Sensation, die vor einiger Zeit durch mein Internet gegangen war: Paradeiserkraut. Und zwar erst jetzt und damit nach allen, allen anderen, weil wir das nächste Weißkraut im Ernteanteil abwarteten.

Statt Semmelnknödeln gab es bei uns dazu ein leichtes Eiergebäck (knuspriger Biskuit), das wir in der Wiener Bäckerei Ohel gesehen hatten, und das uns als Beilage zu Suppen und Eintöpfen erklärt worden war. Schmeckte ganz hervorragend, kommt auf die Liste der Lagerweißkrautrezepte.

Nachtisch Hamantaschen (gut!) und Schokolade. Seufzende Vorbereitung des ersten Arbeitstags nach Faschingsurlaub.

§

Gisèle Pelicot hat ein Buch geschrieben, ihre Perspektive der Gewalt, die ihr angetan wurde, und des Gerichtsverfahrens, das sie dadurch historisch gemacht hat, dass sie die Öffentlichkeit zuließ. Die New York Times interviewt sie darüber.
“The Interview
‘They All Tried to Break Me’: Gisèle Pelicot Shares Her Story”.

Ich bitte Sie: Lesen Sie dieses Interview mit all seinen Ungeheuerlichkeiten und Abgründen. (Vermutlich am besten wie ich in kleinen Abschnitten.) Die Scham muss die Seite wechseln.
Und was die unglaubliche Resilienz von Gisèle Pelicot angeht: Wie sie selbst gehe ich davon aus, dass es viel damit zu tun hat, dass sie keine eigene Erinnerung an die zahllosen Vergewaltigungen hat. Sie weist meiner Meinung nach zurecht darauf hin, dass es eine ganz andere Belastung ist, wenn man tatsächlich, weil bewusst durch musste.

Journal Montag (Rosenmontag), 16. Februar 2026 – Wien mit Tierpark Schönbrunn im Schnee und meinem ersten Panda

Dienstag, 17. Februar 2026

Bevor wir diesen Wien-Urlaub buchten, hatten wir uns bei Einheimischen erkundigt, wie Wien es mit dem Fasching hält: Gibt es nicht, wird nicht gefeiert, keine Beeinträchtigungen zu befürchten, hieß es. Also kamen wir her. Beeinträchtigt werden wir zwar tatsächlich nicht (keine Sperrungen und Schließungen), aber so ganz abwesend ist er nicht hier, der Fasching. Angefangen mit dem deutlichen Angebot von Faschingskrapfen in Bäckereien sehen wir ihn in vereinzelter Faschings-Deko in Form von Luftschlamgen und Lampions in den Schaufenstern Inhaber-geführter Geschäfte (von denen es in Wien ja erfreulich reichlich gibt), in Form eines riesigen Ladens für Faschingskostüme und
-Ausstattung in der Leopoldstadt bis hin zu echten Maschkerern am Sonntag auf der Straße.

Nach Ausschlafen und sehr gemütlichem Bloggen waren die gestrigen Tagespläne:
– Besichtigung exotischer Supermarkt
– Cappuccino in Café
– Tierpark Schönbrunn
– Abholung altmodischer Raglan-Regenmantel
– Israelisches Abendessen

Der Supermarkt Bedronka gegenüber vom Hotel präsentierte eine sensationeller Auswahl osteuropäischer Lebensmittel, viele aus Polen, unter anderem einen ganzen Kühlschrank voll Pierogi, aber auch Kopytka und Kluski. Die Kassendame grüßte auch mit “dzień dobry”, was mir von meiner polnischen Oma (deren Todestag sich im Januar zum 20. Mal jährte) so vertraut ist, dass ich ohne zu zögern mit “dzień dobry” antwortete. Wir kauften lediglich superdicke getrocknete Bohnen, gewürztes Apfelkompott und Schokolade, die von Wawel hatte ich in sehr guter Erinnerung.

In dichtem, nassen Schneefall spazierten wir zu sehr spätem Frühstückscappuccino ins Café Kriemhild, gestern bekamen wir problemlos Platz.

Herr Kaltmamsell frühstückte gleich richtig.

Und blickt auf dem Foto in diese Aussicht.

Den Besuch des Tierparks hatte ich mir sehr gewünscht, unter anderem weil ich von einigen frischen Jungtieren gelesen hatte. Als für den dafür geplanten Wien-Tag Schnee und Kälte angekündigt wurden, bremste das diesen Wunsch keineswegs. Bittere Kälte blieb uns auch erspart, es hatte lediglich Temperaturen um Null. Wir gingen zu Fuß die Dreiviertelstunde hinüber.

Palmenhaus des Schlossparks Schönbrunn, merkten wir uns für den nächsten Wien-Urlaub. Beim Eintrittskartenkauf hörte der Schneefall auf.

Der Tierpark erwies sich als wunderschön. Großzügig angelegt mit viel Platz in den Gehegen, viele Bauwerke im Stil des Schlosses Schönbrunn. Und wir bekamen mehr Tiere zu sehen, als ich erwartet hatte. (Und wenige Menschen, es war an diesem Montag im Winter herrlich leer.)

Den Flamingos sah ich eine Zeit lang hingerissen und ganz nah zu (und hörte ihnen zu, sie ware LAUT).

Das Elefantenkalb ist erst im August 2025 zur Welt gekommen.

Wir folgten dem offiziellen Rundweg durch den Tierpark und stiegen hoch zum Tirolerhof mit vielen Haustierrassen. Jetzt kurz nach zwei beschloss ich, dass ich doch mal etwas essen musste. In diesem Tirolerhof wurden neben sehr einladendem heimischen Gerichen (z.B. Erdäpfelgulasch) auch Snacks angeboten, im kleinen Laden kaufte ich Nuss-gefülltes Dinkelgebäck und plauderte mit der freundlichen Verkäuferin. Das Gebäck schmeckte ausgezeichnet.

Auch Stallhasen gehörten zu den Haustierrassen.

Leider war ein spannender Teil des Rundwegs wegen der Witterung gesperrt, der Baumwipfelweg. Es gab auch keine Alternative, wir mussten denselben Weg zurück gehen.

Am Boden des Wasserbeckens im Eisbär-Gehege (kein Eisbär zu sehen) entdeckte ich diesen kleinen Fischschwarm beim Chillen.

Jetzt riss der Himmel auf, ein paar Sonnenstrahlen verschönten die Anlage zusätzlich.

Den Flusspferden sahen wir eine Weile zu – bis sie an ein Fenster schwammen und den Besucher*innen zusahen.

Erdmännchen immer eine Wonne.

Nach gut zwei Stunden waren meine Niedlichkeitsvorräte aufgefüllt, mit dem Vorsatz, im Nichtwinter wiederzukommen, gingen wir Richtung Ausgang – und hätten fast den Panda verpasst, hätte nicht eine kleine Gruppe aufgeregt vor dem Gehege gestanden.

Ich hatte noch nie einen Panda gesehen und freute mich sehr, dass dieser sich auch noch breit thronend beim Bambusfressen präsentierte.

Winterhimmel über Hietzing.

Erstmal genug gesehen, durch das regelmäßige Aufwärmen in beheizten Tierhäusern hatten wir auch nicht viel gefroren. Eine U-Bahn brachte uns zum Opernring und zum Herrenausstatter:

Der Raglanmantel für Herrn Kaltmamsell war fertig gekürzt, er probierte ihn nochmal an und sah wunderbar darin aus.

Spaziergang zum Hotel die Mariahilfer entlang, Abstecher durch die zauberhafte Raimundpassage. Im Hotel ruhten wir uns aus und lasen, bis wir zum Abendessen zu einem israelischen Lokal in der Nähe aufbrachen, von dem ich gelesen hatte: Makom. Dort bekamen wir auch ohne Reservierung einen Tisch und aßen erfreulich viel Gemüse zu einer Flasche Gemischtem Satz (ordentlich) von Pferschy-Seper (in 5. Frauengeneration geführt – die Weinkarte listete nur Winzerinnen auf).

Zur Vorspeise teilten wir uns israelischen Schnipselsalat und Labneh.

Meine Hauptspeise war gebratener Brokkoli scharf mit frischem Babyspinat, Granatapfel und Feta – sehr gut. Gegenüber aß Herr Kaltmamsell eine gebratene Aubergine mit Tomatensauce. (Ich merke mir: Wenn ich im Urlaub dringend Gemüse essen möchte
-> israelisches Restaurant.)

Nachtisch: Knafeh für Herrn Kaltmamsell (überbackene Fadennudel mit Käse, kannten wir süß als Kodafa mit Couscous), Brownie für mich. Gutes Abendessen.

Journal Sonntag, 15. Februar 2026 – Wien mit Sonntagsbraten und meinem ersten Mal Burgtheater

Montag, 16. Februar 2026

Gut und lang geschlafen, wieder leuchtete bereits Tageslicht durch die Ränder der zugezogenen Vorhänge – leuchtete besonders intensiv trotz bedecktem Himmel, weil es nachts ein wenig geschneit hatte.

Blick aus unserem großen Hotelzimmerfenster (mit Fliegengitter) auf den Innenhof, der im Sommer traumhaft sein muss.

Pläne für den Tag:
– Cappuccino in Café
– Einkauf jüdische Backwaren
– Sonntagsessen im Gasthaus Stern
– Theaterbesuch im Burgtheater

Am Samstag waren wir auf dem Weg zum Karmelitermarkt in der Leopoldstadt an der jüdischen Bäckerei Ohel vorbeigekommen – natürlich am Sabbat geschlossen. Doch das Angebot sah sehr verlockend aus (Rugelach!), und weil sie sonntags geöffnet ist, war das gestern unser erstes Ziel. Noch erster ein Cappuccino, doch das angesteuerte Café hatte vor lauter Sonntagsfrühstücker*innen keinen Platz. Also wurde es der MacDonald’s im Westbahnhof: Spannende Aussicht, guter Cappuccino, und um uns herum saßen einige interessante Menschengruppen, die auf mich den Eindruck machten, als würden sie sich immer sonntagvormittags hier treffen.

Cappuccino mit Aussicht.

Wenn man im Urlaub die U-Bahn in die falsche Richtung erwischt, macht das gar nichts aus: Mehr Zeit zum Schauen und Entdecken, zum Beispiel sehr lokale Understreetart (später erfuhr ich, dass das Graffiti schon recht lang hier prangt, wird offensichtlich respektiert).

Es war deutlich kälter geworden, der Wind schnitt unangenehm, also nahmen wir eine U-Bahn zum Stephansplatz und spazierten von dort zur Leopoldstadt und zur koscheren Bäckerei. Mittelerfolgreicher Einkauf: Rugelach waren schon aus (man beschied uns, dass die immer besonders schnell weggingen), wir kauften zwei Sorten Hamantaschen und zwei frische Quarktaschen für nach der Theatervorstellung.

Sonntagsbraten im Gasthaus Stern, das uns im August Freunde vorgestellt hatten und das bleibenden Eindruck hinterließ (genau meine aktuelle Lieblingssorte gehobene Küche: Mit Ehrgeiz und Anspruch bei Zutaten und Zubereitung, aber außerhalb der Sternewelt). Die U3 brachte uns praktisch vor die Haustür.

Der Wirtshaus-Gastraum war lebhaft besucht, vor allem von größeren Gruppen, die nach Familien aussahen, angenehme Atmosphäre.

Die Deko im Fenster ist ein Hinweis: Der Stern-Wirt Christian Werner jagt selbst.

Eine Kuriosität hatte ich schon vergessen: Das gesamte Personal trägt graue Hausmeisterkittel.

Kartoffelbrot mit geschlagener Butter, wunderbare Begleitung.

Ich bestellte als Vorspeise die lauwarme Kalbszunge mit Chili und Yuzu: Eine ganz hervorragende Kombination, der zarten Zunge standen sowohl Schärfe als auch Zitrussäure. Gegenüber aß Herr Kaltmamsell Hirn gebacken mit Kaisergranat-Bisque, Haselnuss und Zwetschkenröster – war sehr angetan. Das Glas Wein, das wir uns dazu empfehlen ließen, war ein Grüner Veltliner aus der Wachau, der perfekt passte. (Wasser dazu gleich aus der Leitung angeboten, immer ein riesiger Pluspunkt für ein Lokal.)

Hauptgericht Hirsch, also Cerf de Bourguignon mit Serviettenknödel: Ich hatte im August mitgekommen, dass der Wirt selbst jagt und sein eigenes Wild serviert – das gefiel mir. Und ich liebe Wild. Schmeckte dann auch sehr gut (die Sauce für meinen persönlichen Geschmack vielleicht ein bisschen zu sehr angedickt). Dazu öffnete der Wirt eine Flasche Bordeaux Château Durfort-Vivens (entschuldigte sich, weil sie keinen Burgunder hatten), der mir ausgezeichnet gefiel.

So sehr nämlich, dass ich mir statt Dessert noch ein Glas davon einschenken ließ, während Herr Kaltmamsell ein Gedeck mit Espresso und Crème brûlée orderte. Dann waren wir sehr satt und entspannt.

Auf dem Rückweg hatte ich eine Vision (inspiriert von Wein und Situation) von Herrn Kaltmamsell und mir in der Rente, wie wir in München einen Import von englischem Käse aufziehen. Wenn es Stilton aus handwerklichen Käsereien an Käsetheken zu kaufen gibt, ist ein Inport ja grundsätzlich möglich. Ich sah uns bereits
– Neal’s Yard Dairy als Kooperationspartner einholen
– die Münchner Fine-Dining-Gastronomie zu Verkostungsveranstaltungen einladen (mit Neal’s Yard Dairy als Name, der zieht)
– Presse-Infos an Food-Redaktionen aussenden, Verkostung für sie veranstalten (plus englische Weine? die allerdings nur als zusätzliche Kuriosität, sie sind noch lang nicht international konkurrenzfähig)
– parallel Direktkontakte zu britischen Käsereien knüpfen, Modalitäten des Inports recherchieren, uns in den zugehörigen Bürokratie-Dschungel stürzen
– parallel eine Website mit Online-Shop einrichten, auf der es natürlich eine Ecke für englische Küche gäbe
– Kontakt zu britischen und irischen Expats in München knüpfen, vielleicht ist ja jemand mit Käse-Hintergrund dabei?
– ein Ladengeschäft suchen.
Nichts davon ist realistisch, nichts davon wird passieren, aber das Ausmalen machte Spaß.

Ich wollte gern in Wien ins Theater, und weil ich erstmal die Sehenswürdigkeiten von Weltruhm abhaken wollte, bevor ich mich ernsthaft mit der Wiener Theaterwelt befasste, hatte ich das Programm von Burgtheater und Theater in der Josefstadt nachgeschlagen. In unsere Pläne passte am besten die gestrige Vorstellung von Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti im Burgtheater. Bei der Platzwahl fühlte ich mich überfordert von all den Rängen und Logen, und weil fast exakt mein Platz im Kammerspielabo im Parkett noch zu haben war, nahm ich halt den und den daneben – ähnliche Rahmenbedingungen für besseren Vergleich.

Die Sonntagsvorstellung begann auch hier um 18:30 Uhr angenehm früh, eine Trambahn brachte uns zum prächtigen Gebäude des Burgtheaters.

Wir hatten reichlich Zeit, uns in den Gängen umzusehen, die Gemälde und Büsten verblichener Angestellter der Burg zu betrachten, im Zuschauerraum peinlicherweise erst mal die falschen Plätze zu besetzen (es gab zwei Reihen 4) und auch dort viel um uns zu schauen.

Die Inszenierung selbst – war nicht so mein Fall. Ich sah puren Klamauk und Durcheinander um ein Thema, das ohnehin andere Dramen viel greifbarer verarbeiteten und das hier mit dem Alkoholismus eher psychologisiert wird, als das Klassen-Problem zu verdeutlichen. Beeindruckend für mich die gemalten Hintergründe und wechelnden schematischen Hütten des Bühnenbilds (Matthias Koch), und unter den Darsteller*innen allen voran Marie-Luise Stockinger, die Puntilas Tochter Eva zwischen Potscherl, Wohlstandsverwahrloster und Leidenschaft schwanken ließ. Aber! Ich langweilte mich in den drei Stunden der Inszenierung keine Sekunde lang, und die Kühe/Bauernhoftiere, als die alle Darsteller*innen gleich zu Anfang auf der Bühne herumstanden, mochte ich sehr. Wichtiger Nachtrag: Lob den wirklich bequemen Sesseln.

In der Pause Gebäudebewunderung.

Weil die Tram gerade wegfuhr, brachte uns eine U-Bahn zurück zum Hotel. Richtigen Abendessenshunger hatten wir nicht, ich aß einen Apfel und die Ohel-Quarktasche (sehr gut!).

§

Was ich an der Süddeutschen unter anderem schätze: Dass sie mir immer wieder Themen nahebringt, die ich nicht auf dem Schirm hatte. Von “habe ich noch nie drüber nachgedacht” bis zu “stimmt eigentlich”. Zu Letzterem gehört eine detaillierte Übersicht, dass die USA mehr militärische Stützpunkte im Ausland unterhält als alle anderen Nationen zusammengezählt und insgesamt 180.000 US-Soldaten außerhalb der USA stationiert sind. Plus historische Herleitung. Alles keine Enthüllung, doch ein krasser Gegensatz zu den Erzählungen über Bedrohtheit des aktuellen Trump-Regimes (€):
“US-Militärbasen
Weltmacht, noch immer”.

Journal Samstag, 14. Februar 2026 – Weitere Wien-Verliebung inklusive Albertina

Sonntag, 15. Februar 2026

Gut und in mehreren Abschnitten vor allem lang geschlafen.

Dieser Wien-Ausflug zu einer Jahreszeit, in der das Wetter mit großer Wahrscheinlichkeit keine Schönheit erwecken oder verstärken kann, soll ja der Prüfung meiner Sturzverliebtheit in diese Stadt von vergangenem August dienen. Und ich kann gleich mal vorweg nehmen: Weniger ist sie nicht geworden.

Nach Bloggen (zu einem geteilten Kaffee aus einem bereitgestellten Packerl löslichen zum Wasserkocher) und Morgentoilette verließen wir das Hotel kurz nach zehn. Erste Anlaufstelle sollte der Schweizer Käseladen in der Wollzeile sein, der führte laut eigener Website auch englischen Käse. Und den wiederum wollte ich fürs Abendessen kaufen, denn: Dafür hatte ich selbst vor drei Wochen keine Tischreservierung in den gewünschten Lokalen bekommen – woraus ich lernte, dass der gestrige Valentinstag in Wien wohl recht ernst genommen wird.

Wir spazierten unter düsterem Himmel und in entsättigten Farben, aber milder Luft die Felberstraße entlang und vorbei unter anderem an einem eleganten Laden mit italienischen Spezialitäten, darunter besonders Zitrusfrüchten aller abgefahrenen Art (Neuverliebung 1).

Und Baukunst mit Fledermaus.


Typoliebe.

Am Opernring passierten wir einen altmodischen Herrenbekleidungsladen, im Schaufenster war unter anderem ein altmodischer Herren-Regenmantel mit typischen Raglan-Ärmeln ausgestellt, wie ich ihn aus Spielfilmen der 1940er bis 50er kenne, ob Hollywood oder Europa. Ich wies Herrn Kaltmamsell darauf hin und äußerte, dass der jedem Mann stehen würden. Woraufhin er beschloss, genau so einen jetzt sofort haben zu wollen und die Ladentür öffnete.

Ein Herr, exakt wie ich ihn in solch einem Laden als Besitzer erwarte, brauchte nur einen Versuch für die passende Größe, und der Mantel kleidete Herrn Kaltmamsell tatsächlich ungemein. Also wurden Ärmel und Saum abgesteckt (beides zu lang, Kürzung im Preis enthalten), am Montag wird das neue schöne Stück abholbereit sein (Neuverliebung 2).

Der Weg zum Käseladen brachte uns in die höchste Menschen- und Touristendichte der Stadt, für den Mittagscappuccino erinnerte ich mich an die guten Erfahrungen mit McDonalds: In der Nähe des Stephansplatzes wurden wir in einem wieder besonders herzlich bedient, der Cappuccino schmeckte gut, Herr Kaltmamsell bekam ein Stück Frühstückstorte dazu.

Typo- und Tierliebe.

Der Besuch im winzigen Käseladen (wirklich winzig: es passten nur zwei Menschen hinein) war dann eher enttäuschend: An englischem Käse gab es nur Stilton, doch auch sonst sprach der Herr Verkäufer von Frischkäse, den sie manchmal aus England hätten, konnte mit meinem Wunsch Caerphilly nicht mal etwas anfangen. Abendessen brauchten wir ja trotzdem, ich nahm Stilton mit und halt etwas Schweizerisches.

Im Februar wirkt nicht mal Graffiti am Donaukanal wirklich bunt.

Nächstes Ziel Karmelitermarkt. Kurz davor blieb mein Blick an dieser Sammlung alter Schriftzüge hängen:

Ein Kommentator auf Mastodon informierte mich, dass dahinter der Verein Stadtschrift steckt:

Der Verein Stadtschrift wurde im März 2012 als Initiative gegründet, obsolet gewordene historische Wiener Geschäftsbeschriftungen zu dokumentieren und vor der Verschrottung zu bewahren. Unser Anliegen ist, das Bewusstsein für die „Handschrift“ unserer Stadt zu fördern, indem ­wir obsolet ­gewordene Schriftzüge mit identitätsstiftender ­Bedeutung sammeln und für die Öffentlichkeit wieder zugänglich machen.

Neuverliebung 3: WAS FÜR EINE GROSSARTIGE STADT!

Wir spazierten über die Marktstände (deutlich mehr los als vergangenen August), kauften in der Tofu-Manufaktur nur Nachtisch für Abends, weil uns auf Nachfrage beschieden wurde, dass die Tofus des Hauses bei Raumtemperatur bis zu unserer Rückreise nächsten Dienstag verderben würden.

Eher frühes Mittagessen gab es bei Liwei’s Kitchen, das uns im August mit den Gerichten mit selbstgemachtem Tofu (-> Tofu-Manufaktur) so glücklich gemacht hatte.

Erstmal gab es für mich Seidentofu-Suppe – Texturfestival! Der leichte Tofu in kräftiger Miso-Brühe, darin unter anderem gehackte Pilze, Algenblätter, frische Frühlingszwiebel, ein echtes Erlebnis. Herr Kaltmamsell aß Misosuppe.

Dann für mich gebratenen Tofu mit Gemüse (nach dem Fleischberg vom Vorabend jetzt zufällig ein veganes Mittagessen), gegenüber das Mapu Tofu mit Rindfleisch, das mich im August so begeistert hatte.

Sehr satt spazierten wir in die Richtung, aus der wir kamen. Ich hatte von einer Ausstellung in der Albertina gelesen, die mich sehr interessierte: Die Wiener Fotografin Lisette Model (1901–1983) bekam eine Retrospektive.

Auf dem Weg dorthin lernte ich das Griechen-Eck kennen.

In der sehr gut besuchten Albertina steuerten wir gleich die Model-Ausstellung im 2. Stock an.

Mir gefiel die Retrospektive gut, die chronologisch nach Lisette Models Hauptprojekten unterteilt war, fast alle mit Schnappschüssen von Menschen. Außerdem Street Photography im Wortsinne mit Spiegelungen in Schaufenstern oder der Perspektive aus Kellerfenstern auf Beine.

Auch Models Arbeitsweise wurde beleuchtet: Auf Kontaktabzügen markierte Bildausschnitte zeigten ihre tatsächliche Entfernung beim Fotografieren und was davon sie zum Motiv gemacht hatte. Das belegte wieder einmal, wie sehr der Bildausschnitt für den Abzug das eigentliche Kunstwerk ausmacht (was ja bei einer posthum entdeckten Künstlerin wie Vivian Maier wegfällt, die nur von einem winzigen Bruchteil ihrer Negative überhaupt Abzüge gemacht hat – hier sind es Dritte, die entscheiden, was als ihr Werk gilt).

Wenn wir schonmal da waren, sahen wir uns in der Albertina auch unter Impressionisten und Pablo Picasso um (ich muss immer daran denken, welch ein Gkücksfall für die Museumswelt ist, dass Picasso so produktiv war und so lange lebte: Es ist für jedes etwas da) aber wirklich interessiert war ich an der Ausstellung von Leiko Ikemura, “Motherscape”.

Wenn sie dir einen riesigen Spiegel ins Museum stellen, nimmst du ein Spiegelselfie auf und postest es. Ich habe die Regeln nicht gemacht.

Wir streiften also im Erdgeschoß durch die Ikemura-Ausstellung, doch ich hatte nicht mehr sehr viel Aufmerksamkeit übrig. Fasziniert war ich von der Materializiät der Gemälde (Ikemura arbeitet viel auf Jute und anderen groben Stoffen) und von den Skulpturen. Die Erklärungen mit der Künstlerinnenabsicht gingen ziemlich an mir vorbei, doch ich bin überzeugt, dass sie mir als Laien-Betrachterin einfach egal sein dürfen.

“Gelbe Figur mit drei Armen”

“Pinkes Haar II”

Wir spazierten gemütlich durch belebte Straßen und mit einem Umweg zurück, passierten tatsächlich auffallend viele Blumenstraußtragende (Valentinstag), waren am späten Nachmittag zurück im Hotelzimmer.

Gemütliches Lesen nur getrübt von Hackebeil-Kopfschmerzen rechts – dagegen half eine Ibu.

Abendessen also Käse und Dinkelbrot vom Karmelitermarkt (den Käse eher wüst mit Kaffeelöffeln zerteilt – wir hatten das Taschenmesser ebenso daheim vergessen wie Brotzeitbretter, oder: warum wir Ferienwohnung bevorzugen), zum Nachtisch gab es Tofu-Cheesecake.

Ich machte früh das Licht aus zum Schlafen weil steinmüde.