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Journal Mittwoch, 29. Juli 2026 – Goldener Abschied vom Lerchenlauf

Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Juli ist ganz schön lang.

Extrafrüher Wecker nach mittelguter Nacht (eine laute Unterhaltung vor meinem Schlafzimmerfenster weckte mich nicht genug, dass ich zum Fensterschließen aufstand, ließ mich aber auch nicht wieder richtig einschlafen), aufgestanden zu fast noch Nacht: Wahrscheinlich letzte Chance auf einen Lerchenlauf vor der Arbeit für diese Saison. Es war deutlich zu frisch für Balkonkaffee (die Schreie der Gebärenden durch offene Fenster der benachbarten Klinik hörte ich aber), als Laufkleidung wählte ich zur Capri-Hose trotzdem ein Trägershirt.

Beim Kreuzen des Nußbaumparks von Drogis, no rest for the wicked, angebettelt worden (“‘nen Zehner?” – Inflation überall), leider bissig “Seh ich aus, als hätte ich Geld bei mir?” geblafft (statt Ignorieren).

Es wurde ein herrlicher Lauf, unter anderem sah ich zum ersten Mal einen Graureiher mitten in München. Der Körper war praktisch nicht vorhanden (gutes Zeichen), erst nach einer Weile erinnerte ich mich daran, die Füße bewusst zu heben.

Graureiher!

Bei kürzeren Tagen stieg die Sonne erst auf den letzten paar hundert Metern an der Isar über die Baumwipfel der Uferauen.

Alter Südfriedhof.

Für den Körper waren die 80 Minuten wahrscheinlich grad recht, keinerlei Erschöpfung und Schmerzen. Aber mein Gemüt wäre so gerne länger gelaufen.

Die Baustelle am Wohnhaus ist fast beendet. Am Dienstagabend war bis nach 18 Uhr gewerkelt worden, gestern waren die vier Herren deutlich vor acht wieder aktiv.

Arbeitsweg mit zwei Stationen U-Bahn-Fahrt beschleunigt, die Luft unter wolkenlosem Himmel immer noch angenehm. Im Büro gleich losgewirbelt, mich dann von einer lieben temporären Kollegin verabschiedet.

Mittagscappuccino nicht allzu weit entfernt, jetzt stach die Sonne bereits wirklich unangenehm. ABER! Ich hörte nochmal Mauersegler.

Nach einigem weiteren Werkeln gab es zu Mittag Hüttenkäse mit Joghurt, restliche Kirschen (Bauch kurz danach wieder not amused, der soll sich nicht so anstellen).

Wie ich mal meinte: “Oh, wenn derzeit dieser zarten Goldschmuck so in ist,1 kann ich doch das alte Süßwasserperlen-Armkettchen aus Kindertagen wiederbeleben. Merke: “Zart” und ich funktionieren nicht zusammen.2

Nach Feierabend war es unangehm heiß, direkter Weg nach Hause. An den Briefkästen traf ich die Zweitnachmieterin unserer früheren Wohnung im 1. Stock, sie stellte sich vor – eine sehr nette Begegnung. Daheim weitere Urlaubsvorbereitungen: Beine epilieren, Wäsche aufhängen (letzte Ladung Dunkles vor Abreise).

Herr Kaltmamsell kam vom Sommerfest seiner Schule, zusammen spazierten wir zum aushäusigen Abendessen: Es gab asiatische Nudeln bei Honghong Ramen.

Für mich wieder breite Nudeln mit Auberginen und Tomaten (ich kann mich nicht erinnern, dass mir das zuvor schon passiert ist: beim ersten Besuch eines Lokals etwas bestellt, das mir so gut schmeckte, dass ich es jedesmal essen möchte). Davor Gurkensalat, dazu Aloe-Vera-Drink.

Beim Heimkommen war die Baustelle am Haus immer noch aktiv, da wollte jemand unbedingt fertig werden (sie sah auch fast abgeschlossen aus).

Daheim als Dessert Schokolade.

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Ich freue mich weiter über die Odyssee-Verflmung von Christopher Nolan, weil sie so viele lesenswerte Auswirkungen hat. Auf Bluesky beschließt Emily Wilson: “This is a film about living in LA.”

Auf ihrem Bluesky-Kanal schreibt sie auch über die Gedankengänge hinter ihren Übersetzungen – sofort gefolgt.

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Interessante neue junge Comedy.

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https://youtu.be/5NOedI5Vf4E?si=7LS2keRvkjk-HsIg

  1. Ich habe den Goldpreis als Ursache im Verdacht. []
  2. Es gibt ein paar Freundinnen, um die ich mich deshalb bei jeder Begegnung sorge. []

Journal Sonntag, 26. Juli 2026 – Ausklingende Hombroich-Seligkeit

Montag, 27. Juli 2026

Noch vor Wecker (weil Abreisetermin) aufgewacht, deutlich mehr Partykater wegen vielem und intensiven Menschenaustausch als Alkohol-Kater, ganz ohne Kopfweh. Zu meiner Erheiterung schmerzten meine Sitzbeinhöcker von den vielen Stunden auf der harten, lehnenlosen Bierbank, anders formuliert: Mir tat der Arsch weh.

Abschied von den liebevollen Ausstattungsdetails des Gästhauses Kloster.

Ein wenig versuchte ich mich noch bei Aufräumen und Abwasch nützlich zu machen – wie in vermutlich jeder Gruppe hatten sich sehr schnell einige wenige besonders darum gekümmert (mit Beteuerung, sie machten das gern), ich hatte am Samstag geradezu Tücke anwenden müssen, um für Spül- und Räumarbeiten eine Helfer-leere Küche zu nutzen.

Unsere Rückreise brauchte ein zusätzliches Umsteigen, um nach Düsseldort Hauptbahnhof zu gelangen, wir verabschiedeten uns früh und sehr herzlich – auch bei einigen Menschen, die ich erst an diesem Wochenende kennen und mögen gelernt hatte. Dieses Wochenende war ein riesiges Geschenk für mich. (Langjährige und innige Freundschaft: Wenn zum Anekdotenschatz der Freundinfamilie Geschichten aus meiner Familie gehören.)

Spaziergang zwischen Zuckerrüben- und Stoppelfeldern in milchigem Sonnenlicht nach Holzheim Neuss, wo uns von einer Haltestelle Holzheim Bahnhof (nicht zu verwechseln mit dem Zug-Halt) ein Bus zum Neusser Hauptbahnhof brachte. Ab jetzt fuhren wir Schiene, zunächst nach Düsseldorf. Genug Umsteigezeit für einen Cappuccino, bevor wir in unseren ICE nach München stiegen. Beim Warten darauf sah ich nach Nachrichten: Dass irgendwas mit dem CSD in Berlin war, hatte ich bereits nachts von Gästen mitbekommen (von denen einige ihre Beteiligung an diesen Feiern dem Geburtstagswochenende geopfert hatten). Jetzt erwischte mich das Attentat mit zu diesem Zeitpunkt einer Toten und vielen Verletzten, großes Entsetzen.

Im ICE-WLAN fertig gebloggt. Beim Hochladen der Bilder musste ich zwar deutlich länger warten als daheim, aber es funktionierte. Frühstück um zwei: Ich hatte mein Brotzeitglas von der Hinfahrt mit Partysalat-Resten gefüllt.

Die Farben der Landschaft vor dem Zugfenster sahen bereits sehr nach August aus. Drinnen im Ruheabteil wurde mit Abfragen auf die theoretische Führerscheinprüfung gelernt, außerdem Kleinkindtum sehr vergnügt krähend gefeiert. Und es war mir zu warm. Ein anderer Passagier sprach die Schaffnerin darauf an, doch die konnte nur erklären, dass die Klimaanlage bereits am Anschlag laufe. Willkommen in der nächsten Hitzewelle.

Pünktliche Ankunft in München, Heimweg in Sonne und angenehm kühlem Wind.

Den Restnachmittag verbrachte ich mit Räumen, Textilpflege (ich fürchte, diese riesigen Rotweinflecken kriege ich nie aus meiner weißen Jeans), Lektüre der Wochenend-Süddeutschen. Während ich Pilates turnte, eine Folge mit Schwerpunkt Mobilisierung, verarbeitete Herr Kaltmamsell die ersten Ernteanteil-Roten-Bete der neuen Saison zu einem Risotto.

Köstlich betig, der Thymian (Ernteanteil) und die gerösteten Mandelblättchen machten sich ganz ausgezeichnet. Nachtisch Fruchtgummi und Schokolade.

Müde früh ins Bett zum Lesen, noch einige Zeit mit Arthur Schnitzlers Fräulein Else verbracht.

Journal Samstag, 25. Juli 2026 – Geburtstagsfeier in der Raketenstation Hombroich, Teil 2

Sonntag, 26. Juli 2026

Mit Freundinnen und Freunden so viel Zeit verbringen, dass auch mal nichts passiert, dass man sich auch mal zurückzieht und erst nach einer Weile wiederkommt – das hatte ich lange nicht mehr und genoss es sehr. Gestern war ein wundervoller Tag mit herrlichem Sommerwetter und einer Flut von Eindrücken.

Zu diesem Anblick wachte ich auf. Und über den Tag hatte ich Gelegenheit zu begreifen, wie sehr unsere Unterkunft und der Ort des Geburtstagswochenendes, das Gästehaus Kloster in der Raketenstation Hombroich, Teil des gestalterischen Gesamtkonzepts Hombroich ist.

Die beiden Programmpunkte des Tages waren nur der Besuch der Museumsinsel Hombroich und das Abendessen mit Konzert – genug Zeit für Gemächlichkeit. Nach dem Aufstehen bloggte ich erstmal, trank viel Wasser gegen die deutliche Verkaterung. Frühstückbestandteile standen im Esszimmer, jemand hatte Porridge gekochte, man versorgte sich selbst, setzte sich wieder an den Biertischen im Hof zusammen.

Es war fast schon Mittag, als eine größere Gruppe hinüberspazierte, eine andere mit dem Auto fuhr zur Insel Hombroich: Sie ist ein weitläufiges Museum, eingerichtet in den 1980ern von Karl-Heinrich Müller für seine Kunstsammlung. Die Landschaftsgestaltung mit dem Fluss Erft ist Teil davon, tragender Teil des Museumskonzepts sind auch die nur scheinbar schlichten Backstein-Bauten von Erwin Heerich (die alle “Begehbare Skulptur” heißen).

Die nächsten Stunden erkundeten wir allein, zu zweit, in größeren Gruppen das Museumsgelände.

Die Cafeteria.

Im Labyrith, dem größten Ausstellungsbau der Insel.

Was mich besonders begeisterte: Selten so perfekt für Kunst ausgeleuchtete Räume erlebt.
Allerdings für mich irritierend (aber gewollt und Teil des Konzepts): Kein Exponat auf der gesamten Insel wird bezeichnet oder ist mit sonst einer Information versehen. Ich ertappte mich dabei, auf Gemälden nach wenigstens einer Signatur oder Jahreszahl zu suchen – so sehr bin ich an andere Präsentation gewöhnt.

Der Turm.

Die ziemlich sicher größte Platane, die mir je begegnet ist (Herr Kaltmamsell dient dem Größenabgleich). Ohnehin trafen wir immer wieder auf beeindruckende Bäume und Gartenabschnitte.

Ein Nutria, der uns später auch auf einem Weg begegnete. Später erfuhren wir, dass man diesen Nutria kennt und er fester Bestandteil des Hombroich-Erlebnisses ist.

Orangerie

Graubner-Pavillon von innen.

Graubner-Pavillon von außen.

Ein weiteres Ausstellungsgebäude namens Schnecke.

Rückweg zum Gästehaus wieder zu Fuß geschlendert.

Gegen drei hatte ich endlich richtigen Frühstückshunger und holte mir eine große Portion des bunten Couscous-Salats mit Gemüse, Trauben, Feta vom Vorabend. Es gab jetzt auch verschiedene Kuchen, zum Teil von nahe wohnender Familie der Jubilarin gebacken und mitgebracht, zum Teil vormittags in der Küche des Gästehauses gebacken.

Sonniger und im Schatten dennoch angenehmer Nachmittag mit Plaudern, Ausruhen, Handyladen – bis der angelieferte Grill in Betrieb genommen wurde. Ich schenkte mir wieder schöne Weine ein (allerdings achtete ich auf Beschränkung und ließ den Rotwein wegen Katerverursachungsverdacht ganz aus), aß ungeheure Mengen gegrilltes Fleisch (Steaks, Ribs, Hähnchen, Wurst), dazwischen aber auch einen Teller Gemüse.

In erster Dämmerung um neun (das Foto ist viel zu hell) gab es es ein kurzes und schönes Konzert einer Liedermacherin mit Tenorsaxophon-Begleitung – aus den Gesprächen des Tages wusste ich, dass nicht nur die Jubilarin aus der Musikindustrie kommt. Ich lernte weitere Gäste kennen, erfuhr eine spanische Einwanderergeschichte, viel auch aus der Familiengeschichte der Jubilarin: Ein Geburtstagsgeschenk ihrer Schwester war ein Kistlein mit Briefen und Fotos gewesen, dass sie im Nachlass ihrer gemeinsamen Mutter zu ihrer Geburt und ihrer Kindheit gefunden hatte.

Eine neu hinzugekommene Gästin fragte die Jubilarin, seit wann und woher wir einander kennten – und aus der Antwort erfuhr ich die Geschichte unserer Freundschaft mal aus ihrer Sicht. Das war hochinteressant und an einigen Stellen überraschend.

Nicht ganz so spät wie am Vorabend und deutlich weniger alkoholisiert zog ich mich mit Herrn Kaltmamsell zum Schlafen zurück.

Journal Freitag, 24. Juli 2026 – Geburtstagsfeier in der Raketenstation Hombroich, Teil 1

Samstag, 25. Juli 2026

Was für ein großartiger Einstieg in ein Geburtstagsfeier-Wochenende!

Für richtig guten Schlaf waren es ein bis zwei Aufwachen zu viel. Von draußen kam es sehr kühl reingeweht, die für Samstag angekündigten 30 Grad in München konnte ich mir nur schwer vorstellen.

Fertigpacken für das Geburtstagsfeier-Wochenende in der Raketenstation Hombroich, ich würde mich mittags mit Herrn Kaltmamsell am Zug treffen und nahm das Gepäck gleich mit. Weil ich eh eine Jacke mitnehmen wollte (Feier-Location eher ländlich), trug ich sie schon auf dem Weg in die Arbeit – und war sehr froh drum.

Mal wieder hörte ich ein “Ich mag keine Menschen” von jemandem, der wirklich freundlich und umgänglich ist – und fand heraus, dass auch hier die Corona-Einschränkungen zu dieser Erkenntnis geführt hatten: Die erzwungene Vereinzelung bewirkte beim ihm spürbar mehr Wohlfühlen. (So wie andere dadurch merkten, wie sehr ihr Wohlbefinden von menschlichen Kontakten abhängt.)

Im Büro legte ich zackig los, der halbe Arbeitstag musste für alles reichen. Pünktlich um Mittag eingepackt, U-Bahn zur Haltestelle Hauptbahnhof. Mit Herrn Kaltmamsell den sehr langen ICE Richtung Essen bestiegen; unsere Sitzplätze lagen im vordersten Wagen, der gerade noch an den Bahnsteig passte. Pünktlich abgefahren.

Hopfencheck in der Holledau.

In einem pünktlichen ICE, der mit fast 300 Stundenkilometern die Autos auf der parallel verlaufenden Autobahn überholt, konnte ich zwischen Ingolstadt und Nürnberg dem Zungerausstreck-Impuls Richtung Fenster nicht widerstehen. Uns begleitete sommerblauer Himmel.

Pünktliche Ankunft in Düsseldorf, von dort brachte uns eine Regionalbahn nach Neuss Holzheim. Und das letzte halbe Stündchen zum Gästehaus der Raketenstation Hombroich spazierten wir zu Fuß.

Nach Herzen und Küssen der Freundin, die wenige Tage davor 60 geworden war, und erstem Hallo an die anderen Gäste bezogen wir unser schlichtes, schönes Zimmer – und stürzten uns ins Feiern.

Köstliches Essen, das einige Gäste gekocht hatten (große Selbstversorgerküche), wunderbare Weine dazu (mein Favorit war der rote Didier Desvignes Brouilly Retour aux Sources), vor allem aber Unterhaltungen. Unter anderem erzählte mir die Jubilarin, wie es mit der einen oder anderen Bekanntschaft und Freundschaft aus unseren gemeinsamen Studientagen weitergegangen war.

Erst deutlich nach Mitternacht kam ich ins Bett.

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Southpark reist weiter in Litauen und berichtet von einem weiteren Tag in Vilnius – mit hochinteressanten Eindrücken und Informationen:
“27-07-23 Eishockey, Basketball, Deportationen (Vilnius)”.

In der Sowjetunion gingen Menschen zur Toilette und kamen danach nicht wieder. Sie waren dem KGB in die Hände gefallen. In Litauen gingen Menschen zur Toilette und kamen nicht wieder. Sie waren der Toilettentechnik zum Opfer gefallen. Aber das passierte erst auf dem zweiten Teil der „Vilnius in Soviet Times“-Tour, die harmlos begann.

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Gabriel Yoran, der das Buch Die Verkempelung der Welt geschrieben hat, im Interview mit Matthis Füssler, Geschäftsführer des Schweizer Werkbunds, über Dinge, Gestaltung und Konsum:
“Ein Bund gegen Schund”.

Journal Donnerstag, 23. Juli 2026 – Unauffälliger Arbeitstag

Freitag, 24. Juli 2026

Eher unruhige Nacht, aber ich kam zu Schlaf.

Gemischtes Sommerwetter war vorhergesagt, ich wagte mich nochmal in Kleidchen und Sandalen. Und fröstelte auf dem Weg in die Arbeit nur ein bisschen.

Die Mauersegler waren noch da! Sowohl über meinem Wohnviertel als auch über dem Westend flogen schrillend große Schwärme.

Auf der Theresienwiese wird weitergebaut.

Hochkonzentrierter Arbeitsvormittag, doch für meinen Mittagscappuccino im Westend hatte ich gerade einen Durchschnaufer. Draußen war es sonnig, aber weiterhin kühl.

Mittagessen: Nüsse, Honigmelone, Ayran.

Auch gestern gab es einen Feierabend. Nach diesem spazierte ich in weiterhin kühler Luft nach Hause.

Neues vom Heimeranplatz: Aus dem früheren langjährigen Blumenladen Las Flores wird also ein Friseurladen.

Besorgungen unterwegs und am Stachus.

Fortschritt auch auf der Baustelle vorm Haus.

Daheim endlich mal wieder Yoga, jetzt bin ich mit Adrienes “Flow” nochmal durch (minus Folge 30 ohne Ansagen) – mache ich eher nicht wieder.

Donnerstagssalat aus Ernteanteil war diesmal ein Kopf Eisbergsalat. Den gab es mit Minigurken und Orangensaft-Haselnussmus-Dressing. Außerdem Käse und dann Schokolade. Dazu Abstimmung mit Herrn Kaltmamsell zu Freitag und unserer Reise nach bei Düsseldorf für eine große Geburtstagsfeier.

In später Abenddämmerung sah ich nochmal Mauersegler am Himmel und zwischen den Bäumen vorm Balkon reichlich Fledemäuse.

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Herzbruch ist zwar körperlich immer noch kaputt, und diese Dinge sehen nicht positiv aus.
Aber zum einen hat sie kürzlich ihren 50. Geburtstag gefeiert, dass es die Mosel rauf und runter gekracht hat. Zum anderen hat sie eine professionelle Meinung zur deutschen Gesundheitspolitik. Und als sie mal eben nicht aufpasste, schrieb sie diese in ihr Blog – zu unserem Glück:
“Wenn man schonmal die Logindaten für diese Seite hier hervorgekramt hat, kann man natürlich auch direkt einmal alles sagen, was gesagt werden muss.”

§

Dass ein Treiber für den KI-Boom die Halbleiter-Industrie sein könnte, deren Rechen-Power sich durch technischen Fortschritt seit einiger Zeit nicht mehr so recht verkauft – darauf wäre ich nicht von allein gekommen. Doch die Ausführungen von Kristian Köhntopp sind selbst für eine Laiin wie mich nachvollziehbar:
“Moore’s Law und die AI Blase”.

Der IT-Markt, mit dem viele von uns groß geworden sind, ist seit ungefähr 2015 vorbei.

Was wir gerade beobachten, ist eine Reihe von Blasen, getrieben von Investorenverzweiflung. Da ist sehr viel Kapital, das nicht weiß wohin, aber Erträge liefern muss. Ein Teil gehört Einzelinvestoren. Ein anderer Teil steckt in Fonds, mit denen eine Generation Boomer ihren Ruhestand finanzieren will.

Journal Mittwoch, 22. Juli 2026 – Lerchenlauf / Arzt am Ende der Galaxie / Arbeit / Pediküre / Schnitzelgarten

Donnerstag, 23. Juli 2026

Das war gestern ein sehr voller Tag. Aber ich setzte alle Pläne um, ohne mich gestresst oder genervt zu fühlen.

Wecker auf extrafrüh, denn gestern war die beste Chance der Woche auf einen Lerchenlauf: Wegen eines vormittäglichen Arzttermins ganz weit draußen würde ich morgens von daheim aus arbeiten, davor passte wunderbar eine Laufrunde an der Isar.

Ich wachte kurz vor Weckerklingeln auf und freute mich sofort über die Aussicht auf Laufrunde. Draußen war der wolkenlose Himmel dämmrig, der Tagesanbruch wandert bereits deutlich nach hinten. Ich war auf niedrige Temperaturen gefasst und reaktivierte mein Merino-Laufshirt (immer noch ungewaschen und unstinkig, ich bin beeindruckt).

Das Licht war sensationell, die Laufzeit verflog geradezu, kaum hatte ich ein paar Fotos gemacht, klingelte mein Handy schon für Halbzeit (40 Minuten) und umkehren. Kurz davor Sichtung eines Mäuseleins direkt auf dem Weg vor mir, SO NIEDLICH.

Wittelsbacherbrücke gestern mit Krähen-Deko.

Beim Heimkommen wurde die Baustelle am Haus gerade von zwei Herren betrieben, ich musste ein wenig um Gruben hangeln, um zur Haustür zu kommen.

Letzte Handgriffe Morgentoilette am hochfahrenden Arbeitsrechner – der auch diesmal in Homeoffice-Umgebung mehrere Neustarts und 20 Minuten benötigte, bis ich arbeitsfähig war (währenddessen schon mal gepackt für später und die Wohnung fertiggeräumt).

Rechtzeitig für Arzttermin am Ende der Galaxie Abbruch der Arbeit, Arbeits-Laptop eingesteckt. Die Öffentlichen Verkehrsmittel verkehrten (ist ja egal, wenn ich statt der geplanten eine sehr verspätete S-Bahn erwische, die zur Planzeit fährt), auch wieder los kam ich in guter Zeit, noch deutlich vor Mittag saß ich an meinem Büroarbeitsplatz und packte dort an. Mittagscappuccino aus der Cafeteria, um mal ein bisschen PEPP! in meinen Arbeitstag zu bringen, bestellte ich EINEN GROSSEN.

Online-Besprechungen, dann Mittagessen: Nektarine, Nüsse, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, jemand hatte schlechte Nachrichten bekommen, ich versuchte sie durch Unterricht abzulenken.

Pünktlicher Feierabend: Ich hatte einen Vor-Urlaub-Pediküre-Termin (schon jetzt fühlte es sich an, als sei ich nicht am selben, sondern am Vortag an der Isar gelaufen). Auf dem Weg durchs Westend (jetzt war es warm) aufmerksames Horchen: Nein, keine Mauerseglerpfiffe mehr, die letzten hatte ich Dienstagmorgen gehört.

Heimweg mit schönen Füßen, ich holte Herrn Kaltmamsell für Abendessen im Schnitzelgarten ab.

Nein, wir schafften unsere Cordonbleus nicht (jemand hat morgen Brotzeit), aber das war sehr gutes Abendessen.

Der Himmel über dem Biergarten.

Daheim gab es als Nachtisch Honigmelone – fast so gut wie die meiner Kindheitsurlaube in Spanien. Und ein wenig Schokolade.

Im Bett die nächste Lektüre: Arthur Schnitzler, Fräulein Else. Berühmt für die Erzählweise in stream of consciousness, doch ich fand vor allem reizvoll, wie sich der über-60-jährige Schnitzler das Innenleben einer 19-jährigen ausmalte.

§

Maximilian Buddenbohm als Hamburgbewohner in Bahnhofsnähe bekommt es täglich mit, ich als Anwohnerin des Münchner Nußbaumparks (in deutlich geringerem Umfang) ebenfalls: Deutsche Großstädte haben ein massiv wachsendes Drogenproblem.

Gestern widmete die Süddeutsche Zeitung ihre Seite Drei dem Thema Crack und dem Zürcher Modell des kontrollierten Konsums (€):
“Eine Crack-Pfeife am Klettergerüst”.

Um Crack geht es auch in diesem ausführlichen Text (mit vielen, vielen Quellen am Ende) von Stefan A K Weichelt, Schwerpunkt Frankfurt.
“Willkommen in Zombieland”.
Hier mit der zusätzlichen Bitterkeit, dass Frankfurt in den 1990ern die Heroin-Krise in den Griff bekam – eben mit demselben Modell, das auch Zürich anwendet. Aber:

Für Heroinabhängige gibt es Methadon, Buprenorphin, in der Schweiz sogar ärztlich verschriebenes Heroin. Für Crack gibt es: nichts. Kein zugelassenes Substitut, keine etablierte medikamentöse Behandlung. Der Werkzeugkasten, mit dem Frankfurt einst zum Vorbild wurde, passt nicht mehr zum Schloss.

Er beschreibt das Vorgehen in Frankfurt, in Paris, in Brüssel, São Paulo – nennt sie “Freiluftlabore der Verdrängung”.

Verdrängung funktioniert nicht, das ist die vielleicht am besten belegte Erkenntnis der europäischen Drogenpolitik. Die Menschen lösen sich nicht auf, wenn man sie wegschiebt. Sie tauchen hundert Meter weiter wieder auf, kränker als zuvor, weil unterwegs der Kontakt zu Ärzten und Sozialarbeitern abreißt.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf eine Zahl, die in keinem Influencer-Video vorkommt und die man zweimal lesen muss. 2023 starben in Frankfurt, der Stadt mit Deutschlands größter offener Drogenszene, 32 Menschen an ihrer Sucht. In München, wo das Straßenbild ordentlich ist und keine Crackpfeifen aufblitzen, waren es 86.

München hat keine Konsumräume. Bayern hat sie als Bundesland nie zugelassen, ebenso wie die Hälfte der deutschen Länder. Konsumiert wird trotzdem – nur eben in Parks, auf Bahnhofstoiletten, in Wohnungen, dort, wo niemand einen Notruf absetzt, wenn jemand aufhört zu atmen. Das Elend ist nicht kleiner, es ist nur besser versteckt. Und im Versteck stirbt es sich leichter.

Was allen, auch uns Anwohnenden bei der Betrachtung gemein ist: Bestürzung und komplette Ratlosigkeit. Weichelt nennt zumindest ein paar Ansätze, die schonmal funktioniert haben – die allerdings nichts weniger als einen gesellschafltichen Umbau bedeuten.

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Bei Frau Klugscheisser Schulbuchbeispiele von “Ist doch nix passiert!”, also Belästigungen von Frauen und Mädchen, die sie in ihrer alltäglichen Freiheit einschränken: Keine soll sich so wehren müssen, so vorbereiten, ausrichten müssen. Vor allem Menners: Bitte lesen.
“Ampersand”.

§

Workaround beim Kampf gegen Chatbots.

Geheimtipp beim Kampf gegen Chatbots von xkcd.

Bei mir half schon mehrfach beherztes Singen, um Service-telefonisch an einen echten Menschen zu kommen.

Journal Montag, 20. Juli 2026 – Lerchenschwumm genossen

Dienstag, 21. Juli 2026

Arbeitswoche 2 vor Urlaub, darin als Ablenkungen geplant: Lerchenschwumm, Lerchenlauf (plus am selben Tag Arzttermin am Rand der Galaxie), Fahrt zu einem Geburtstagsfeier-Wochenende in Düsseldorf.

Unruhige Nacht, unter anderem wachte ich trotz Ohrstöpseln von Torjubel draußen auf: Selbst ich wusste, dass Sonntagnacht das Endspiel der Männerfußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, selbst bis in meine Wahrnehmung hatte sich gedrängt, dass es zwischen den Nationalmannschaften von Argentinien und Spanien stattfand. Ich wurde wach genug für den Scharfsinn: In München leben deutlich mehr Spanien- als Argentinien-Stämmige, Spanien wird wohl gewonnen haben. Doofer fand ich dann schon, dass mich nach halb fünf bis zum etwas früheren Wecker abwechselnd die schmerzende rechte Hüfte (WAS ERLAUBE? DIE IST NEU!) und mein eigenes Schnarchen weckte.

Etwas früherer Wecker, denn ich wollte vor der Arbeit ins Dantebad zum Schwimmen. An den nächsten beiden Wochenenden werden nämlich weder Laufen noch Schwimmen drin sein, mein Körper bittet dringend um Ersatz. Mo/Mi/Fr öffnet das Dantebad schon um sieben, aber Mittwochmorgen ist aus Gründen ideal für einen Isarlauf, Freitag ist bereits ab Mittag Reisetag, also Lerchenschwumm Montag, also gestern. Angekündigt waren 13 Grad Morgentemperatur, aber so schlimm würde das schon nicht werden, ich verließ das Haus in kurzärmligem Kleid.

Eine U-Bahn furh mich zum Westfriedhof, um 06:52 Uhr warteten bereits Frühschwimmer*innen vor der Tür. Zum meiner Überraschung handelte es sich durchwegs um Menschen im Alter weit nach Erwerbsleben, also mit recht freier Zeiteinteilung. Das war also eine Genuss-Entscheidung. Man kannte sich, ich hörte interessante Austausche über Enkelkontakte.

Die Tür gleich links führt zu den Damen-Toiletten und -Duschen. Das Sportbecken liegt ganz rechts von der Wiese, die man geradeaus sieht.

Die Schwimmbahn war dann erfreulich licht, vielleicht ist Montag DER Tipp für Morgensport, weil an diesem Tag nicht viele Vor-Arbeit-Schwimmer*innen unterwegs sind.

Oft schien sogar die Sonne, sie kam so früh ganz von Osten, also die Schwimmbahn entlang, statt wie sonst um die frühe Mittagszeit gewohnt seitlich von Süden. Doch sie schien nicht oft genug und nicht stark genug: Nach den ersten tausend Metern begann ich nach langem mal wieder zu frösteln. War aber auszuhalten, ich zog meine 3.000 Meter durch (as if).

Zackiges Fertigmachen (nur wenige Zusatz-Sekündchen unter der heißen Dusche zum Aufwärmen) inklusive Schminken, per U-Bahn in die Arbeit (in der U-Bahn Anlegen Ohrschmuck), Einstempeln im Bürohaus um 9:26 Uhr knapp vor Kernzeit. Blick ins E-Mail-Postfach ergab, dass ich trotz Wochenendtagen davor nichts verpasst hatte.

Es kursierte auf mittlerweile dem vierten Medienweg die Ankündigung eines “Stockwerks-Sommerfestes” (1. Plakat in der Teeküche, 2. Nachricht im Abteilungs-MS Teams-Chat, 3. E-Mail mit Erklärung, 4. Outlook-Termineinladung). Anmeldung nötig für Catering-Bestellung, die Teilnehmende selbst bezahlen. Ich fing meinen “Ablehnen”-Klickreflex diesmal ein, weil ich ja vielleicht doch den einen oder anderen Punkt auf meinem Socialising-Tracker mit Job-Kontakten einholen könnte, it’s good for you! Zumindest lasse ich mir die Sache diesmal 24 Stunden durch den Kopf gehen und wäge Nutzen (positive Stoffwechsel-Produkte durch gegenseitige Fellpflege) gegen Aufwand (Lächeln und Klappe-halten mit aller Kraft, danach mehrere Tage rückblicken, welchen Scheiß ich trotzdem wieder gesagt und wen ich vor den Kopf gestoßen habe) ab.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, Mittagsrunde um die Blöcke unter wenigen Wolken und in frischen Temperaturen, ich suchte den Sonnenschein. Noch hörte und sah ich Mauersegler überm Westend. Zu Mittag gab es ein paar Nüsse, etwas selbstgebackenes Brot, Nektarine, Kirschen.

Ermüdender Arbeitsnachmittag, aber ich konnte das Fenster durchgehend gekippt lassen, weil wunderbar temperierte frische Luft hereinkam.

Auf dem Heimweg durch die Sonne ein paar Einkäufe.

Direkt vor dem Wohnhaus wurde ich abrupt gestoppt: Absperrung zum Tor aufs Grundstück, die gepflasterte Einfahrt bis zum Hinterhof mit wenigen Garagen war komplett entpflastert, im Sand darunter Reifenspuren von Baugerät. Der Zugang für mich Fußgängerin war zum Glück passierbar. Ich erklärte Herrn Kaltmamsell meine Verwunderung über die Kommunikationspolitik der Hausverwaltung, die zwar über Neu-Einzüge und vorübergehende Warmwasserabschaltung per Aushang informiert, aber über massive Bauarbeiten nicht – als sich herausstellte: Er hatte vor einigen Tagen eine E-Mail mit Ankündigung dieser Bauarbeiten bekommen, die Information lediglich nicht weitergegeben. (Lässlich, passiert mir umgekehrt genauso.)

Ich hatte weder Lust auf Yoga noch auf Pilates, räumte lediglich ein wenig herum und wartete aufs Abendessen. Das servierte Herr Kaltmamsell in Form eines Currys aus den Ernteanteil-Bundmöhren mit Kokos-Erdnusssauce, dazu Reis.

Weil müde sehr früh ins Bett zum Lesen, vor Schlafenlegen Fensterschließen, weil schon jetzt auf der Straße herumgebrüllt wurde.

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Jede Krankheit braucht eine Geschichte – die britische Schriftstellerin Susanna Clark schreibt über sprachliche Grenzen, wenn es um schwere Krankheit geht, und weitere überraschende Aspekte:
“‘I had been ill for 11 years. I felt like I was about to fall off the world’”.

via Bingereader