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Journal Samstag, 7. Januar 2023 – Vaterspaziergang ums westliche Ingolstadt

Sonntag, 8. Januar 2023

Wecker auf sechs: Teil des Weihnachtsgeschenks für meinen Vater war ein Spaziergang gewesen, und zwar die Strecke im Westen Ingolstadts, die er seit Jahren einmal wöchentlich mit seinem besten Freund als Sport marschiert (er nennt regelmäßig die Zeit, die sie dafür brauchen).

Die Wettervorhersage hatte eher Hochnebel angekündigt, doch schon auf der Zugfahrt durch die Holledau vergoldete die Morgensonne meine Ausblicke.

Mein Vater holte mich mit dem Auto am Ingolstädter Nordbahnhof ab, wir fuhren zum Parkplatz des Nordfriedhofs, von dem aus er auch sonst immer startet: Sein Freund wohnt in einer angrenzenden Reihenhaussiedlung, dort holt er ihn sonst ab.

Wir spazierten durch die Siedlung, in der ich meine ersten neun Lebensjahre verbrachte, tauschten Erinnerungen aus – und begegneten einer Nachbarin von damals, die gerade vom Einkaufen kam. Großes Hallo, mit ihrem Sohn in meinem Alter habe ich seit einem zufälligen Wiedersehen in München vor über zehn Jahren lose über Facebook Kontakt (jetzt erst fällt mir ein, dass das EINMAL ein wirklich angemessener Anlass für ein Selfie gewesen wäre, zur dritt und für die Nachwelt – vorbei).

Nach kurzem Plaudern gingen wir durch die Wohnblöcke des nordwestlichen Piusviertels (mehr Erinnerungen) und über das damalige Donaucenter (immer noch ein Einkaufszentrum) durch die seit meiner Kindheit neu errichteten Wohn- und Einkaufsviertel mit neuem Piuspark. Ab hier erläuterte mein Vater, ich hatte diese Gebiete nur als Felder in Erinnerung.

Weiter über die Degenhartstraße Richtung Antoniusschwaige, wir begegneten einer Sportstudio-Bekanntschaft meines Vaters, weiteres kurzes Plaudern. Nicht nur hier wurde mir mal wieder bewusst, wie eng und dicht eingebunden meine Eltern menschlich und historisch in Ingolstadt sind, wie vielfältig vernetzt: Zu so vielen Häusern hatte mein Vater eigene Erlebnisse zu erzählen, hatte mit den elektrischen Installationen zu tun, kannte Bewohner*innen, hatte eine*n davon kürzlich besucht.

Die Antoniusschwaige kannte ich von Feiern auch in ihrer jetzigen Funktion, überrascht werden konnte ich aber von den beiden Straußen auf dem Grundstück gegenüber.

Übers Fischerheim gelangten wir an den Baggersee, der eine zentrale Rolle in meiner Kindheit und somit in der Vaterschaft des Herrn neben mir gespielt hatte: Wir verbrachten dort viele Wochenenden im Sommer, in den Sommerferien auch Wochentage (für ihn die Feierabende nach Frühschicht).

Gegenüber, links vom roten Wasserwacht-Häusl mit Kiosk war unser Stammplatz vor 40 bis 50 Jahren.

Diese Bedeutung hat der Baggersee schon seit Jahrzehnten nicht mehr, heute liegt er auch im Sommer nahezu verlassen.

Über den Baggersee-Zufluss spazierten wir weiter zum benachbarten Stausee, mein Vater zeigte mir die neu gebaute Fischtreppe, die die beiden Gewässer verbindet. Auch der Damm, auf dem wir gingen, wurde kürzlich erneuert, wir sahen die letzten Bauarbeiten – immer noch Nacharbeiten nach dem Pfingsthochwasser von 1999, das den Donaupegel auf einen historischen Höchststand gebracht hatte, gefolgt von weiteren Hochwassern 2002 und 2005.

Wir kreuzten über das Stauwehr, gingen an der nördlichen Donauseite bis zur Glacisbrücke – die dritte Donaubrücke, um die viele Jahre lokalpolitisch gerungen worden war, bis sie 1994 endlich genutzt werden konnte.

Blick von der Glacisbrücke Richtung Neues Schloss.

Über diese ganze Zeit erzählte mein Vater dies und das, wir sahen erste Schneeglöckchen (viel zu früh!), außerdem Kormorane, Gänsesäger, vorm Baggersee flog eine vielköpfige Phalanx Gänse recht niedrig über uns hinweg.

Abgeschirmt von einer Lärmschutzmauer spazierten wir die Westliche Ringstraße entlang, gingen über ein Stück Westfriedhof zu einem Seitenausgang, der uns über die Gerolfinger Straße hinüber durch ein Einfamilienhausgebiet zur Neuburger Straße brachte. Nach der Überquerung lotste mein Vater uns über Fußgängerwege zu einem weitere wichtigen Gebiet meiner Kindheit: Hier hatten spanische Freunde gewohnt, taten das zum Teil immer noch. Auch hier hatte sich natürlich sehr viel verändert.

Jenseits der großen Ausfallstraße Richard-Wagner-Straße tauschten wir weitere Kindheitserinnerungen unter anderem an Wochenmarktbesuche mit meiner Mutter aus – und nahezu genau an der Stelle wie eben vor zweieinhalb Stunden begegneten wir derselben Nachbarin von damals nochmal, viel Gelächter.

Mit meinem Vater fuhr ich zum Elternhaus, meine Mutter wartete mit Mittagessen auf uns. Eigentlich war geplant gewesen, dass zwei spanische Freunde der Familie seit schon immer dabei sein würden, doch leider war einer davon in der Woche davor an Corona erkrankt. So gab es nur für uns drei fränkischen Krautbraten, meine Mutter hatte das Rezept von einer fränkischen Freundin: Ein Gericht aus Weißkraut und Hackfleisch aufs Blech gestrichen und aus dem Backofen, optisch wirklich nicht attraktiv, aber ausgesprochen wohlschmeckend.

Ich machte mich auf den Weg zurück zum Nordbahnhof. In der Sonne und bei 10 Grad roch es überhaupt nicht nach Winter, am ehesten noch nach Fasching.

Gemütliche Zugfahrt, ich las die Wochenend-Süddeutsche aus. Auch in München war es sonnig und mild.

Vor dem Abendessen turnte ich nochmal die Folge 3 von Adrienes “Center”, am Vorabend war ich sehr abgelenkt von Kreislaufkapriolen gewesen. Nachtmahl (Aperitif Manhattans) bestand zum einen aus Resten: Herr Kaltmamsell briet Scheiben vom freitäglichen Hackbraten, wir aßen sie auf selbstgebackenem Bauernbrot. Zum Nachtisch hatte ich Vanillepudding gekocht, den gab es mit Rumtopf, Geschenk von Freunden. Danach noch Pralinen und spanischen Turrón.

§

Sehr gut recherchierter und geschriebener Langtext in der Süddeutschen zum Thwaites-Gletscher (€).
“Dieser Gletscher bestimmt die Zukunft der Menschheit”.

Alle Forschenden müssen

ein von den Amerikanern vorgeschriebenes Antarktis-Überlebensprogramm absolvieren: Wie baue ich im Schneesturm ein Zelt auf? (Schwierig.) Wie rette ich jemanden aus einer Gletscherspalte? (Superschwierig.) Wie finde ich zur Basis zurück, wenn ich mich mit dem Schneemobil verfahren habe? (Unmöglich.)

(Typisch für den Tonfall des Artikels. Hatte ihn zunächst für eine Übersetzung aus dem Englischen gehalten.)

Journal Freitag, 6. Januar 2023 – Dreikönigstag mit Schwimmen und zwei spannenden Hörstücken

Samstag, 7. Januar 2023

Ausgeschlafen, beim Wachwerden, diesem langsamen Auftauchen aus dem Schlaf, bedauerte ich aber den Abschied.

Gemütlicher Morgen, die Sonne schien, die Luft war mild.

Ich hatte eine Schwimmrunde geplant, brach vormittags mit dem Radl Richtung Olympabad auf. Herr Kaltmamsell wünschte mir beim Abschied “warmes Wasser!” – und sein Wunsch wurde erfüllt: Das Becken war weniger kühl gefüllt als sonst, mich fröstelte erst Mitte der letzten 1.000 von meinen 3.000 Metern.

Sehen Sie links, wie viel Schwimmspielzeug da zwischen den Startblöcken liegt? Ich wähle meine Bahn meist auch danach, dass ich möglichst wenig davon sehe.

Gemütlich war das Schwimmen aber nicht, dafür herrschte zu viel Betrieb (Neujahrsvorsätze oder Feiertag?). Und dass man auch als Erwachsener in der Gruppe zum Schwimmen loszieht, verstehe ich ja noch (weniger Überwindung nötig) – aber dass man dann auch als Gruppe auf derselben Bahn schwimmt?

Sonniges Heimradeln, doch die Nord-Süd-Umfahrung des Hauptbahnhofs ist für den Radverkehr immer noch ein Albtraum und mit weiten Umwegen verbunden.

Frühstück um zwei: Zwei mächtige Scheiben selbstgebackenes Bauernbrot aus der Gefriere mit Nocilla (spanische Schoko-Haselnuss-Creme), eine Schüssel Mango, Maracuja, Clementine mit Sojajoghurt.

Gestern war wohl ein Extra-Feiertagsschippchen Chlor ins Schwimmbad gekippt worden: Selbst Herr Kaltmamsell, der sonst gern nach dem Schwimmen an mir schnuppert, meinte, von mir kämen ganze Wolken Chlorgeruch. Und als ich nach einer angenehmen Siesta die Bettdecke zurückschlug, stieg ebenfalls deutlich so eine Wolke auf.

Ich hatte schon einige Wochen nicht mehr gebügelt, gestern brauchte ich für seither angesammelte Wäsche fast zwei Stunden. Dabei hörte ich zwei sehr interessante Sendungen, siehe unten.

Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell zu, davor war aber noch Zeit für eine Runde Yoga. Zum Abendessen steuerte ich eine Joghurt-Majo-Knoblauch-Salatsauce zu Salatherzen bei.

Und dann aßen wir englischen Hackbraten nach Delia Smith mit aufgetauter Sauce vom Thanksgiving-Truthahnbraten und Nudeln, sehr gut. Wein dazu: Ein spannender sächsischer Dornfelder vom Weingut Loosen – so deutlich hatte ich Tabak und Leder noch nie in einem Wein geschmeckt, die Rauchnote machte sich besonders gut zum Braten.

Abendunterhaltung: Dokus über Rosi Mittermaier im Bayerischen Fernsehen.

§

Der erste Podcast, den ich beim Bügeln hörte, kommt aus USA und greift ein Thema auf, an dem ich auch schon mal rumgedacht und -gebloggt habe: Kalorien.
“The Trouble With Calories”.

Ich fand den klamaukigen Tonfall zwar schwer erträglich, doch den Inhalt interessant. Die beiden Herren nehmen die oft verwendete Formel “calories in – calories out” auseinander, die Menschen wohl reflexartig empfohlen wird, wenn sie abnehmen wollen; also die Annahme, man müsse gegessene und verbrauchte Kalorien lediglich gegeneinander aufwiegen. Erst mal führen sie aus, wie oft Diskussionen darunter leiden, dass “science” missbraucht wird: Eine Aussage mag schon wissenschaflich korrekt sein – aber ist sie auch an dieser Stelle für Erkenntnisgewinn nützlich?

Beim Teil “calories in” hinterfragen sie, wie der Kaloriengehalt von Lebensmitteln überhaupt bestimmt wird: Oh ja, sie werden buchstäblich verbrannt, um den Brennwert zu bestimmen. Der Haken ist, dass Menschen Lebensmittel aber sehr unterschiedlich “verbrennen”. Beispiel Alkohol: Es gibt mittlerweile zahlreiche Hinweise, dass nicht alle Menschen überhaupt Kalorien aus Alkohol aufnehmen. Unsicher ist wohl auch, ob die gesamte Kalorienmenge von Fett aufgenommen werden kann. (Sowohl Alkohol als auch bestimmte Fette mögen aber aus anderen Gründen als Nahrung problematisch sein.) Vor allem aber gibt es immer noch keine sichere Methode, die Kalorienaufnahme eines konkreten Menschen überhaupt zu bestimmen.

“Calories out”: Immer mehr zeigt die Evidenz, wie individuell Stoffwechsel ist, wie viele Kalorien der konkrete Mensch für welche Tätigkeiten verbraucht. Ein einzurechnender Faktor ist sicher Genetik, dazu kommen zahllose andere. Den meisten ist bewusst, dass im Alter der Grundverbrauch niedriger ist, dass also Menschen mit gleichbleibenden Essgewohnheiten und unveränderter Bewegung in höherem Alter zunehmen. Oder der Einfluss von Hormonen: In den Wechseljahren erleben die meisten Frauen, dass sie an Körperumfang zulegen – ebenfalls bei unveränderter Nahrungsaufnahme und auch sonst gleichbleibendem Lebenswandel. Und dass Diäten in Form von Nahrungsreduzierung den Stoffwechsel dazu bringen, seinen Verbrauch zu senken, ist wissenschaftlich belastbar dokumentiert. Kalorienverbrauch ist offensichtlich etwas sehr schwer zu Bestimmendes. Dennoch wird Übergewicht weiterhin als persönliches Versagen angesehen und gesellschaftlich geächtet.

§

Das zweite Hörstück beim Bügeln hatte ein komplett anderes Thema. “Bayerisches Feuilleton” nennt es der Bayerische Rundfunk. Aus dieser Reihe hörte ich eine Folge, die mich persönlich betrifft:
“Das fränkische ‘R’ – Sprich das ‘R’ und ich sage Dir, wer Du bist!”

Eine sehr schöne und liebevoll strukturierte Sendung mit persönlichem Erzählrahmen, vielen guten Quellen, sogar die Rolle von Einwanderung in den vergangenen Jahrzehnten wird behandelt. (Unbedingt auch den Abspann anhören.)

Mein R ist zwar nicht fränkisch, sondern oberbayerisch (eingekuschelt in spanische und polnische Wurzeln), und ich akzeptiere es als Teil von mir. Aber ich habe darin durchaus immer ein Hindernis für Sprechaufnahmen gesehen. In meiner kurzen Radiozeit 1987/88 war das wirklich egal, weil der Sender ein Ingolstädter Lokalsender war (allerdings nehme ich an, dass dort inzwischen niemand mehr das R rollt), doch für eine spätere Tätigkeit in dem Bereich dachte ich erst mal Sprechunterricht nehmen zu müssen.

Journal Sonntag, 1. Januar 2023 – Erlebnis Jungfraujoch

Montag, 2. Januar 2023

Wir begannen das Jahr 2023 sehr zeitig: Unsere Gastgeber hatten einen Ausflug zum Jungfraujoch geplant und vorbereitet – bei dem ich sehr viel lernte, unter anderem dass dieses touristische Ziel für viele, vor allem außereuropäische Reisende ein Muss ist.

Ein ganzer Strauß von Verkehrsmitteln brachte uns hin: Nach schnellem Kaffee stiegen wir im Morgengrauen ins Auto nach Thun. Von dort nahmen wir einen Zug nach Interlaken Ost, eine erste Zahnradbahn fuhr bis Kleine Scheidegg – schon ziemlich weit oben in den Bergen. Dann ging’s mit einer weiteren Zahnradbahn aufs Jungfraujoch. In jedem Abschnitt Fahrkartenkontrolle – immer mit zarter Slapstick-Note: Unsere Gastgeber hatten uns bereits für die Fahrt in die Schweiz zum Halb-Tax der SBB verholfen (was sehr wahrscheinlich Auswirkungen auf unsere Urlaubsplanung 2023 hat), diese vorläufigen Dokumente mussten wir vorzeigen, dazu natürlich die eigentlichen Zugtickets, unsere Gastgeber besaßen weitere Vergünstigungsausweise, die ebenfalls kontrolliert wurden. Ich war ungemein dankbar, dass sie diese ganze Orga übernommen hatten.

Das Wetter kam uns entgegen, in jedem Teil der Strecke waren die Anblicke großartig – tatsächlich ab Haustür Gastgeber, denn auf den Wiesen und Feldern standen ausgesprochen dekorative Reiher.

Thuner See.

Eiger Nordwand beim Umsteigen in Kleine Scheidegg.

Zwischenstopp Eismeer mit Foto-Op.

Das letzte Stück steile Fahrt nach oben verlief durch Tunnel, Unterhaltung gab es über Bildschirme, die uns auf die Attraktionen des weitläufigen Gebäudes auf dem Jungfraujoch vorbereiteten: Aussichtsplattformen, Geschäfte für Uhren, ein „Eispalast“ mit verschlungenen Eisgängen, in Nischen Eisskulpturen, Geschäfte für Souvenirs, Restaurants, eine bunt beleuchtete Ausstellung zur Geschichte der Jungfraubahn und des Gebäudes, Geschäfte für Schokolade.

Kurz nach elf trafen wir ein und sahen uns das dann auch an – in allererster Linie die atemberaubenden Ausblicke.

Durch die Scheibe der Aussichtsplattform innen, es gab Brotzeit mit mitgebrachten Sandwiches.

Aussichtsplattform außen mit reichlich Gebirgsdohlen, denen der scharfe Wind offensichtlich nichts ausmachte.

Blick ins Berner Oberland.

Selfie muss man hier halt (aber, darauf möchte ich hinweisen, muss es nicht ausschließlich – wir waren die Ausnahmen).

Links die höchste Bergspitze: Jungfrau.

Blick auf die Aussichtsebene im Freien, auf die auch uns die Tour durchs Gebäude brachte.

Dort standen die Leute zwölf Meter Schlange für ein Bild mit Fahne „Jungfraujoch“ (rechts).

Wir waren auf mehr als 3.400 Metern über Meereshöhe, auf der Fahrt war durchaus darauf hingewiesen worden, dass man das körperlich spüren könnte. Dennoch brauchte ich eine Weile, um meine Kurzatmigkeit beim Treppensteigen, den leichten Schwindel und das leichte Kopfweh damit in Verbindung zu bringen: Außer beim Flugzeugfliegen war ich mit Abstand noch nie so hoch gewesen.

Den Rückweg hatten unsere Gastgeber variiert: Mit der Zahnradbahn fuhren wir nur bis Eigergletscher (abwärts ein deutlich seltsameres Gefühl der Steile als nach oben), stiegen dort in eine Gondel nach Gruindelwald Terminus, von dort brachte uns eine Zahnradbahn bis Interlaken Ost, hier ging ein deutscher ICE zurück nach Thun, Auto zurück nach bei Bern.

Gondel-Blick.

Skifahren in Zeiten des Klimawandels: Kunstschnee zwischen grünen Wiesen.

Auch an diesem Abend wurden wir viergängig bekocht – kulinarischer Luxusurlaub.

Es gab nach einem Absinth-Cocktail Erbsenhummus (Erbsen aus Eigenanbau) mit selbst gebackenen Brötchen, dann Kürbis-Ingwer-Suppe (wunderbar), ein sämig-aromatisches Safran-Risotto mit Steinpilzen.

Die Einführung der Gastgeberin in Schweizer Weine (so spannend!) führte gestern Abend nach Wallis und Tessin nach Neuchâtel/Neuenburg: Erst gab es einen Pinot gris vom Château d’Auvernier (dunkel, blumig kräutrig ohne Parfümiertheit), dann vom selben Weingut einen Pinot noir, der ganz besonders meinen derzeitigen Geschmack traf und hervorragend mit den Steinpilzen harmonierte. Wie ärgerlich, dass die Schweiz nur zwei Prozent ihrer Weinproduktion exportiert.

Dessert war ein Töpfchen Absinth-Soufflé glacé Mitterrand mit Geschichte, sehr besonders und sehr gut.

Obwohl wir uns den Tag über nicht viel bewegt hatten, waren wir (von der Höhenluft?) so erledigt, dass wir uns schon um zehn zur guten Nacht verabschiedeten.

Journal Samstag, 31. Dezember 2022 – Schokolade bei Cailler, Giger in Gruyères

Sonntag, 1. Januar 2023

Gut, aber nicht so lang geschlafen, wie möglich gewesen wäre im ausgesprochen bequemen Gästebett unserer Freunde in bei Bern.

Sie hatten einen Ausflug nach Gruyères und das dortige Giger-Museum vorgeschlagen. Herr Kaltmamsell, der drei Bildbände von Giger besitzt, war sofort darauf angesprungen. Und weil es in der Nähe auf dem Weg lag, außerdem das Giger-Museum erst nach Mittag öffnete, war auch ein Besuch bei Cailler geplant.

Nach Morgenkaffee ließen wir uns bei hellem und milden Wetter im Auto der Gastgeber hinchauffieren.

Wir hatten Tickets für die 11.30-Uhr-Führung dabei, rechts vom Gebäude auf dem Foto ging es in den Besucherbereich. Er bestand aus einem riesigen und sehr gut besuchten Shop (ich hörte Sprachen aus fast aller Herren Länder) und dem Zugang zur Führung, für den wir als Gruppe von zwölf einen Audio-Guide in Wunschsprache umgehängt bekamen. Und dann öffnete sich die Tür zu einer Show in acht Räumen, in denen es Erläuterungen zur Geschichte der Schokolade und der von Cailler gab:

In jedem der Räume gab es ein Kapitel in Form von Bühnenbild mit Bewegung und Lichtführung, wirklich liebevoll und eindrücklich gestaltet (eines der Kapitel spielte in einem Schiffsbauch, in dem die kleine Schifflaterne über unseren Köpfen sogar schwankte).

Die Tür des letzten Raums (es war immer spannend, was im Raum sich als Tür zum nächsten öffnen würde) ging in einen Raum mit Erläuterungen zu den Rohstoffen, die verarbeitet wurden (Kakaobohnen, Zucker, Mandeln, Nüsse, Milch), von Anbau über Beispiele zum Anfassen und Riechen. Es gab auch eine kleine Show-Produktion, die die einzelnen Schritte der Schokoladenproduktion im Haus vorführte. Und schließlich eine angeleitete Verkostung eines Stückchens Cailler-Schokolade, von Ansehen über Anhören (wie klingt das Knacken einer Zartbitter- im Vergleich zur Vollmilchtafel), Riechen, Schmecken, Nachschmecken. Das war alles wirklich liebevoll und professionell gemacht.

Im Shop hatte ich mich beim Warten auf unseren Termin-Slot bereits gründlich umgesehen, die abschließende Einkaufs-Eskalation verlief sehr strukturiert.

Weiter im Auto nach Gruyères, einem kleinen mittelalterlichen Örtchen auf dem Gipel eines Hügels (ja: auch der Käse Gruyère kommt von da, wir passierten Herstellungs- und Verkaufsstellen; und überall wird Fondue angeboten).

Der Parkplatz am Fuß des Hügels war reichlich belegt, entsprechend ging es in den wenigen idyllischen Gässchen zu.

Das Giger-Museum liegt in einem dieser idyllischen Häuser. Das Gebäude war sehr interessant, die Ausstellung schon auch – aber erwartbar.


Na gut: Mit unerwarteten Ausnahmen.

“Visual Design”, die Disziplin, für die H.R. Giger seinen Alien-Oscar bekam, beschreibt sein Werk vielleicht am besten.

Sehr schön waren die Aussichten aus den Fenstern des Museums.

Wir gaben uns die volle Packung und kehrten anschließend in das Giger-Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf Getränke ein.

Abschließender Spaziergang durch Gruyères und um die Burg.

Nach Rückkehr gelassender Silvesterabend bei den Freunden bei Bern. Herr Kaltmamsell erkundete die Bibliothek.

Es gab köstliches Abendessen, das mit Franciacorta begann (die Gastgebenden argumentierten, dass bei unserer Veranlagung nicht sicher sei, ob wir zu Mitternacht noch anstoßfähig sein würden, also zogen wir den guten Schaumwein lieber vor).

Ein Schälchen örtlichen Feldsalat mit Tomätchen, würzige griechische Auberginen aus der Pfanne, Rinderzunge mit Kapernsauce und Reis (meine erste Rinderzunge natur, ich kenne sie sonst nur gepökelt, geräuchert – oder beides, ohne schmeckt sie viel intensiver nach Rind), Vermicelles mit Meringe und Sahne – alles ganz wunderbar und von Weinen aus dem Tessin begleitet.

Es waren definitiv die idealen Freunde zum Silvesterfreiern: Wir gingen ganz normal vor elf ins Bett, am Sonntag ist ein Ausflug auf einen Berg geplant.

Foto-Rückblick 2022

Samstag, 31. Dezember 2022

Joël regt wieder an: Zeigt euer Jahr mit einem Fotorückblick.

Januar

Fine dining vegetarisch im Green Beetle.

Die erste Wanderung des Jahres führte uns an den Tegernsee.

Februar

Geisterpassagiere am Heimeranplatz – kurz bevor von der Fassade des geschlossenen Sheraton Hotels gegenüber das ikonische Logo verschwand.

Wanderung um die Osterseen.

März

Gelber Sahara-Sand-Himmel über München. Da es danach wochenlang nicht regnete, blieben Wege, Autos, Fenster lange sandig.

Fertig zum Tanztee am Bavariapark, noch mit Mund-Nasen-Masken.

April

Später Schnee.

Obstblüte auf der Wanderung Obst- und Kulturwanderweg Ratziger Höhe.

Mai

Im Museum Fünf Kontinente.

Lieber Besuch aus Berlin.

Juni
(im Juni steckten Ereignisse für ein halbes Jahr, dafür muss ich die Regeln sprengen)

Berlin-Reise zur re:publica: Essen im Restaurant des KaDeWe.

Wanderung zum Brudergeburtstag.

Augsburgwochenende mit Eltern bei Schwiegers, Besichtigung des historischen Wasserturms.

Im ORF-Studio zum Bachmannpreislesen.

Juli

Mauerseglerrettung.

Beerdigung eines Mitabiturienten in Ingolstadt.

August

Drecks-Corona – zum Glück mit wenig Symptomen und keinen Nachwirkungen.

Freunde besucht in Freiburg, Wanderung im Schwarzwald.

Mit Familienbesuch aus Florida im Hirschgarten.

September

Der große Urlaub startete in Paris.

Fast drei Wochen in San Sebastián, hier mein Ausguck in der Ferienwohnung.

Oktober

Calima kommt nach San Sebastián.

Jubiläumskonzert des Jugendkammerchors Ingolstadt.

Apfelernte beim Kartoffelkombinat.

November

Letztes Wandern bei Ebersberg.

Thanksgiving mit Familie bei uns.

Dezember

Erster großer Schneefall an der Isar.

Bei Freunden über Silvester in Bern.

Journal Freitag, 30. Dezember 2022 – Fahrt nach Bern, erstes Freundekuscheln

Samstag, 31. Dezember 2022

Sehr früher Wecker, um vor Aufbruch zum Bahnhof noch Zeit für Blogdinge und Räumen zu haben.

Zugfahrt nach Bern mit der SBB ohne größere Ereignisse. Wir kamen zwar mit Verspätung im Umsteigebahnhof Zürich an (Erklärung über Durchsage nach Passieren der Schweizer Grenze zunächst “wegen erhöhten Verkehrsaufkommens in der Schweiz” – ? -, dann aber “wegen eines Ereignisses im Ausland”: SBB macht klar, WIR WARN’S NICHT!), nahmen halt eine spätere Verbindung nach Bern und gaben den abholenden Gastgebern dort Bescheid.

Im Berner Bahnhof (ziemlich verwirrender Bahnhofstypus Einkaufszentrum mit Gleisanschluss) freuten wir uns erst mal sehr über das Wiedersehen nach viel zu vielen Jahren. Dann stellten wir unser Gepäck unter (interessantes und sehr praktisches Schließfachsystem), um erst mal eine Runde durchs gestern düstere und regnerische Bern zu drehen.

Einkehren auf einen kleinen Snack wurde uns verwehrt: Die Lokale in der Innenstadt waren alle proppenvoll. Aber es gab einen ausgezeichneten Cappuccino im Adrianos, dort erjagten wir ein paar Barhocker.

Weitere Spazierschleifen, dann holten wir unser Gepäck und gingen zum geparkten Auto der Gastgeber: Sie wohnen eine halbe Fahrtstunde von Bern entfernt. Wiedersehen mit einem besonders schönen Haus, wir machten es uns gemütlich.

Abendessen aus Gastgebers Hand: Scharf-süß-sauer eingelegte Gurke als Vorspeise, Berner Lammhaxe mit Senfsauce und Spätzle zum Hauptgang, ein Töpfchen Schokocreme hinterher – und dazu heimische Weine aus dem Wallis: Ein weißer Niklaus Wittwer Fendant und ein Pinot Noir vom selben Winzer, beide wunderbar passend und interessant.

Dazu Austausch von Situation und erster Abgleich Durchstehen der bisherigen Corona-Zeiten.

§

Herr Rau schließt mit einem dritten Teil die Berufsgeschichte seiner Mutter in den 1960ern und 70ern bei NCR ab, mit vielen schönen Fotos von Messen.
“Meine Mutter als Programmiererin 3: Spätere Maschinen”.

Journal Donnerstag, 29. Dezember 2022 – Letzter Isarlauf 2022, Reisevorbereitung

Freitag, 30. Dezember 2022

Gut und ausgeschlafen.

Morgens erst mal Brotbacken fürs Gastgeschenk, wir werden am Freitag über Silvester zu Freunden in der Schweiz reisen. Und ein 7-Pfünder-Hausbrot mitbringen.

Herr Kaltmamsell übernahm das Rausholen aus dem Ofen, so konnte ich schon um halb elf raus zum Laufen. Ich nahm die U-Bahn nach Thalkirchen. Der Himmel war düster, ließ nur hin und wieder Licht durch, aber die Luft war nicht kalt.

Schon auf dem ersten Stück sah ich auf dem Boden einen Tiger-Sperling. Zumindest sollte das Vögelchen mit schwarz-gelb-braun-weißem Gefieder und schwarzer Tiger-Zeichnung im Gesicht so heißen (ich fand daheim auf die Schnelle keine korrekte Bestimmung).

Blick von der Großhesseloher Brücke, für die (Wasserstands-)Akten.

Die kahlen Bäume ermöglichten einen seltenen Blick von dieser Richtung auf Burg Schwaneck.

Pullacher Blick übers Isartal, inklusive Alpenkette.

Und dann kam auch noch die Sonne heraus und wärmte mich. Hier ein Blick in die Großhesseloher Brücke.

Es waren sehr wenige Menschen und außer mir keine Jogger*innen unterwegs, ich genoss die Weite und Leere. Und mein Körper (Muskelkater noch spürbar) spielte problemlos mit.

Im U-Bahnhof Thalkirchen.

Daheim gab’s zum Frühstück um halb drei Birne und Mandarine mit Joghurt, Pumpernickel mit Butter.

Das Brot war sehr gut geraten, es geht als Gastgeschenk durch.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Zeitunglesen, Zubereitung eines weiteren Gastgeschenks, Jahresrückblick fürs Blog, Zusammenstellung von Lieblingstweets und -tröts: Ich schrieb schon mal vor, denn ich möchte in der Schweiz möglichst viel Zeit für die Freunde haben.

Fürs Abendessen steuerten wir den nahegelegenen Vietnamesen Chi Thu an – doch es herrschte Hochbetrieb (keine Reservierung möglich), es bestand keine Aussicht auf einen Tisch. Also holten wir uns wie sonst auch Essen für daheim. Meine Glasnudeln mit gebratenem Zitronengras-Tofu, frischem Gemüse und frischen Kräutern schmeckten hervorragend. Nachtisch das letzte Stückchen Christmas Cake, Pralinen.

Packen für Bern. Auch dort sind für Silvester und Neujahr 13 Grad angesagt, die ganz dicken Stiefel und Pullis bleiben daheim.

§

Die nächste Folge über die erstaunliche Berufsvergangenheit meiner Schwiegermutter: Viel über die damaligen Buchungsmaschinen und ihre Technik – im O-Ton erklärt von Frau Schwieger. (Ich überlege noch, ob ich “Frühstückssaldo” nicht auch für besonders lange hochfahrende Software verwenden kann.)
“Meine Mutter als Programmiererin 2: Die frühen Maschinen”.


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