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Journal Donnerstag, 1. Januar 2026 – Sonnenlauf und La storia von Elsa Morante

Freitag, 2. Januar 2026

Gut geschlafen und lang, um Mitternacht dank Ohrstöpseln und geschlossenem Fenster nur wenig gestört von der Knallerei draußen. Lang genug geschlafen, dass der wolkenlose (hurra!) Himmel vorm Fenster bereits ein wenig hell wurde.

Nach dem Bloggen noch die Foto-Ordner auf dem Laptop archiviert/aktualisiert – fürs Sortieren hat der Jahreswechsel also auch für mich Bedeutung.

Eher spät losgekommen zu meinem Isarlauf. Eigentlich hatte ich die Tram zum Tivoli nehmen wollen und besonders weit nach Norden laufen, doch die angekündigte Tram verschwand auf einmal von der Anzeige, es gab Verkehrsstörungen. Also doch eine U-Bahn zum Odeonsplatz und über Hofgarten und Englischen Garten zum Tivoli. Schon nach 20 Minuten kam ich innere Laufruhe und trabte gedankenverloren.

Die sonnigen Uferwege waren bald recht belebt, vor allem von Gruppen, die sehr mit sich selbst beschäftigt waren und denen ich deshalb nur durch Sprünge in die Botanik ausweichen konnte.

Die schlaue Läuferin denkt an Sonnenbrille.

Die Gesamtlaufzeit geriet unbeabsichtigt wieder knapp unter zwei Stunden, mein Körper sagte: 20 Minuten zu viel. Ich werde mir beim nächsten Lauf lieber wieder einen Timer auf 50 Minuten stellen, nach denen ich umkehre.

Zurück erwischte ich gleich eine Tram.

Frühstück um halb drei: Marmeladenbrot, sauer eingelegtes Blaukraut, außerdem Mango und Datteln (wieso vergesse ich immer wieder, dass gute Datteln nach so viel mehr als nur Süß schmecken?) mit Joghurt.

Gemütlicher Nachmittag mit Lesen verschiedener Art. UND Herr Kaltmamsell ließ mich bei der Zubereitung des Abendessens helfen, Rinderrouladen: Ich durfte das Saucengemüse zubereiten.

Elsa Morante, Hannelise Hinderberger (Übers.), La Storia ausgelesen. Die letzten 100 Seiten, die 1947 spielten, waren eher mühsam, weil sie vor allem aus den Schilderungen von Träumen und dem Zitieren agitatorischer, aber wahnsinniger politischer Reden bestanden. Doch bis dahin gefiel mir der Roman sehr gut, der sich um die einfache und meist hilflose Volksschullehrerin Ida und ihre beiden Söhne im Rom der 1940er dreht. Viele Alltagsdetails, liebevolle Beschreibungen von Menschen und ihren inneren Vorgängen, es entsteht ein nachvollziehbares Bild ihres Ausgeliefertseins.
Nachtrag: Diese liebevolle Perspektive zeigt sich unter anderem in dem großen Verständnis für kindliches Verhalten: Sowohl die handelnden Personen als auch die Erzählstimme befassen sich ernsthaft und zugewandt mit kleinen Kindern, die ausrasten, toben, sich sonstwie sozial inkompatibel verhalten; nicht Disziplinierung oder Sanktionierung stehen im Vordergrund, sondern Sorge und das Bemühen herauszufinden, was den oder die Kleine gerade quält. Das hatte ich weder in der Handlungszeit noch in der Entstehungszeit des Romans erwartet.

Jedem der acht Jahreskapitel ist eine Zusammenfassung der Weltereignisse dieses Jahres aus linker Perspektive vorausgestellt (und in meiner Ausgabe in noch winzigerer Schrift), und hin und wieder taucht eine Erzählinstanz als “Ich” auf, die Personen, Orte und Vorfälle aus eigenem Miterleben kennt, aber bis zum Schluss nicht identifiziert wird. Ich kann gut verstehen, dass der Roman Geschichte gemacht hat.

Die lange Laufrunde steckte mir in den Knochen, genauer: in den Gelenken. Ich suchte mir eine halbe Stunde “Runner’s Yoga” von Adriene raus: War einen gute Idee.

Erstes Rauslegen von Kleidung zum Packen für Berlin. Die ICE-Supersparpreis-Tickets hatte ich Mitte Oktober gekauft – und bis jetzt keine Nachricht dazu, keine Änderung. Völlig verunsichert checkte ich, ob die Verbindung am Freitagmorgen überhaupt existierte.

Dann aber: Abendessen!

Rinderrouladen mit Blaukraut und Kartoffelpü, ein Festessen. Nachtisch Schokolade.

Im Bett begann ich die nächste Lektüre: Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.

§

Oh wie traurig: Der SZ-Lokalredakteur Franz Kotteder ist gestorben.
“Immer echte SZ im besten Sinne”.

In der Schule gab er eine “Art Schülerzeitung” heraus, wie er es selbst einmal genannt hat: ein Heft, das er mit seinem Banknachbarn erstellte und das den Namen “Der kleine Brunnenvergifter” trug.

Ich werde ihn sehr vermissen.

§

Manuela Heim hat für die taz mit Anama Fronhoff gesprochen, die nach einem Hirnstamminfarkt sehr anders kommuniziert als die Mehrheit.
“Locked-In-Syndrom und Kommunikation
‘Manche Leute schreien mich an'”.

Journal Mittwoch, 31. Dezember 2025 – Sonnenschwimmen draußen

Donnerstag, 1. Januar 2026

Letzter Auftritt der Jahreszahl 2025 in der Überschrift.

Beim einzigen Aufwachen in der guten Nacht (Klogang) blinkten immer noch Sterne am Himmel, ich begann auf einen Sonnentag an Silvester zu hoffen: Den bekam ich dann auch zu meiner großen Freude und plante meine gestrige Schwimmrunde unter freiem Himmel im Dantebad.

Dazu machte ich mich besonders früh auf den Weg, denn an Silvester schlossen die Münchner Bäder bereits am frühen Nachmittag. Meine Fehleinschätzung: Ich hatte eher weniger Leute auf den Schwimmbahnen erwartet, es waren dann so viele, wie ich möglicherweise noch nie erlebt habe. Aber wir kamen gut miteinander klar, und schon bereiteten mir Sonnenschein, Gleiten durchs warme Wasser und Atemholen in kalter Winterluft so großes Vergnügen, dass ich mein Tagesziel auf 3.300 Meter erhöhte – mühelos erreicht.

In meiner Mastodon-Timeline wurde sich aus konkretem Anlass gerade verstärkt übers Schwimmen ausgetauscht. Auch ich würde ja bei Sehnsucht nach längeren Strecken / besserer Technik Kurse empfehlen, doch dann kam mir der Gedanke: Vielleicht ist Vergnügen am Schwimmen Voraussetzung für Erfolg von, nicht das Ergebnis von Kursen? Ich sehe im Dantebad so oft wiedererkennbare Menschen offensichtlich vergnügt viele Bahnen ziehen, deren Stil allen Regeln widerspricht (oder gibt es eine Schwimmart Rückenfrosch? Sitzschwimmen mit Flossen? Wasserrühren?), dass Spaß und Strecke eventuell nicht von Technik abhängen.

Nach dem herrlichen Schwimmen kam ich in der Umkleide mit gleich zwei anderen Schwimmerinnen ins Geplauder (nacheinander), ich mag die Mini-Vertrautheit in diesem Bad.

Zurück nahm ich eine Tram, um mehr von der Sonne zu sehen. Am Stiglmaierplatz stieg ich für den Kauf von Frühstückssemmeln aus, spazierte von dort zu Fuß nach Hause.

Plakat der Rosa Liste für die Stadtratswahl Anfang März. Ich freue mich bei jeder Sichtung an der Erinnerung, dass 1996 mit Thomas Niederbühl in München europaweit erstmals ein Vertreter einer schwul-lesbischen Wählergruppe in ein Kommunalparlament einzog – und versuche seit meinem Zuzug nach München 1999 bei jeder Stadtrats- und Bezirksausschusswahl mit meiner Stimme sicherzustellen, dass die Rosa Liste in diesen Gremien vertreten ist. Den aktuellen Stadtratskandidaten Bernd Müller (Thomas Niederbühl tritt nicht mehr an) kenne ich sogar persönlich.

Kurzer Halt in der Schillerstraße für Mittagscappuccino in einem Eckcafé, das mir aufgefallen war: Terramoon.

Boah, die Preise im Central Quartier (bitte französisch aussprechen, wenn sie meinem Viertel einen neuen Namen aufdrücken, bestimme ich zumindest, wie er klingt) sind ja ganz schön g’salzn, 4,50 Euro für einen Cappuccino? Sammer in Berlin?

Frühstück kurz nach eins: Körnersemmel mit Crowdfarming-Manchego, Seele mit Butter.

Es blieb sonnig, ich las im Wohnzimmer Zeitung, kuratierte Lieblings-Microbloposts, las Roman – und atmete viel durch den Mund, denn der Preis für das großartige Schwimm-Erlebnis war wieder Chlorschnupfen.

Gestern hatte das Böllerverbot keine Wirkung: Es knallte wie eh und je am 31. Dezember, je später am Tag und Abend, desto mehr.

Der letzte Tag des Jahres verabschiedete sich mit Abendrot.

Den Unsichtbaren Salat zum Nachtmahl bereitete ich zu, tagesaktuelle Abwandlungen: Viel mehr Vogerlsalat (gab’s an der Einkaufsstelle nur in einem größeren Pack), Apfelessig (war halt da), Mandelblätter statt -stiften (weil ebenfalls vorhanden; für den Crunch sorgte der Chicoree, das Aroma von gerösteten Mandeln blieb), und wie schon seit einigen Malen ersetzte ich den Honig durch Ahornsirup, weil sich bei mir der Honig nie in der Marinade auflöst.

Großartiges Essen. Silvesterlich hielten wir das Getränk des Abends:

Der Albet i Noya Espriu Brut Reserva schmeckte mir überdurchschnittlich gut für einen Schaumwein, merken. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Die Gräfin von Hongkong laufen, den ich als berühmt abgespeichert hatte, aber noch nie gesehen. Schon nach wenigen Minuten wollte ich wissen, von wem dieses hinkende Drehbuch war: Oh, ich hatte vergessen, dass das 1967 der letzte Film von Charlie Chaplin war, der Regie führte, für das Drehbuch verantwortlich war und auch selbst auftrat. Wirklich kein Meisterwerk.

Mit Ohrstöpseln und bei geschlossenen Fenstern ins Bett zum Lesen. Wünsche einen schönen komplett neuen Kalender.

Journal Dienstag, 30. Dezember 2025 – Gladiatoren archäologisch

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Bis fünf sehr guter Schlaf, dann aber schlief ich nicht wieder ein.

Gestern hatte ich sogar einen Termin: Friseur, diesmal für einen Zeitpunkt nach dem vorherigen Schnitt vereinbart, zu dem die Erfahrung berechnet hatte, dass ich erstmals den Wunsch nach einem neuen entwickeln würde. Traf ins Schwarze, seit ein paar Tagen wünschte sich mein Spiegelbild Kürzung.

Davor hatte ich noch Zeit für Einkäufe: Die Silvesterplanung hatte als Abendessen Unsichtbaren Salat ergeben, gestern sollte Herr Kaltmamsell Spinat mit roter Paprika und Erdnusssauce machen, für all das brauchte es Zutaten. Ich spazierte zum Süpermarket Verdi und besorgte dort, was sich dort besorgen ließ, also fast alles. Den Rest inklusive Zutaten fürs Neujahrsessen (Rinderrouladen) überließ ich Herrn Kaltmamsell.

Während er unterwegs war, kam aber der Anruf des lieben Friseurs: Er war erkrankt und musste unseren Termin absagen, der arme. Wirklich nicht schlimm, bei der aktuellen Mützenkälte ist Haareschön eh schwierig. Und wir konnten früher den zweiten Tagesplan angehen: Die Archäologische Staatssammlung zeigt derzeit eine Sonderausstellung zu Gladiatoren, die wollte ich sehen. Die Hollywoodfilme zum Thema, Spartacus, Gladiator kenne ich nicht, mein Wissen basiert auf lang vergangenem Lateinunterricht und natürlich auf Asterix als Gladiator (-> Zuckerpüppchen von Tifus).

Wir spazierten unter Hochnebelhimmel quer durch die Innenstadt und über Hofgarten dorthin, unterwegs gab es Mittagscappuccino. In der Luft gelangweilte Schneeflocken.

Mal wieder Besuch beim einzigen Spatzenvölkchen innerhalb des Münchner Altstadtrings, die in diesem einen Busch hinterm Rathaus wohnen, tschilp!

Die Sonderausstellung im Untergeschoß der Archäologischen Staatssammlung erklärt multimedial die Zeit, in der in Rom Gladiatorenkämpfe stattfanden, das Kolosseum, Struktur und Ausstattung der Kämpfe, Stellung und Leben der Gladiatoren. Dazu werden archäologische Fundstücke gezeigt (bildliche Darstellungen, Helme, ein Grabstein),1 der lokale Bezug ist die Nachbildung eines weiteren Amphitheaters, das 2003 in Künzing in Niederbayern entdeckt wurde und aus Holz bestand. Dazu viele Nachbildungen von Ausrüstung, wie schon in der Dauerausstellung einige eigens zum Anfassen und Ausprobieren.

Zudem Infos auf Tafeln, auf Bildschirmen zum Selbertippen, auf Videoleinwänden in Deutsch und Englisch.

Das Interessanteste aber: Ein Mann und eine Frau mit hochspezialisiertem Fachwissen (auch zu zeitgenössischem Nachspielen von Gladiatorenkämpfen) führten gerade eine Gruppe durch die Ausstellung. Mir ging schon das Herz auf, wie die beiden lateinische Begriffe aussprachen, nämlich in dem tiefen Bayrisch, das sie auch sonst sprachen: Genau so klang mein Lateinunterricht an einem oberbayerischen humanistischen Gymnasium Ende der 1970er, Anfang der 80er. Ich hielt mich einige Zeit in der Nähe der Gruppe auf, um Infos aufzuschnappen. (Wichtigstes Klugscheißer-Detail aus dieser Führung: Das ikonische Daumen hoch oder Daumen runter gab es nicht. Wenn ein Gladiator um Gnade bat, hob er den Zeigefinger. Und das Publikum bekundete sein Urteil durch Wedeln mit Taschentüchern.)

Auch zurück nach Hause gingen wir zu Fuß, war eh nur eine halbe Stunde. Kurz vor daheim erwischte uns ein Schwall harter Schneegrieselkörner.

Frühstück kurz nach halb drei: Orange, Persimon, außerdem Früchtebrot und Stollen – die Müsliriegel der Weihnachtszeit.

Den Nachmittag nahm ich mir gezielt, um endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück Roman zu lesen, La storia von Elsa Morante, übersetzt von Hannelise Hinderberger ist wieder ein 620 Seiten dickes, zudem ungewöhnlich klein gedrucktes Buch.Es nahm mich mit ins Rom der 1940er, in die römische Variante des Zweiten Weltkriegs und der ersten Jahre danach mit vielen Alltagsdetails. Wenn der Roman 1974 erschien, wurde er keine 30 Jahre nach Ende des Kriegs geschrieben, die Erinnerung und die Geschichten waren noch lebendig. Ich kenne Rom nicht gut genug, um mich mit den Ortsangaben im Roman genau orientieren zu können, doch hatte ich zu einigem Bilder vor Augen.

Richtig hell wurde es draußen unter dem Hochnebel nie, Licht brauchte es noch vor vier.

Was schön war und ist: Das Böllerverbot innerhalb des Mittleren Rings wird wohl mehrheitlich beachtet, es hörte sich deutlich ruhiger an als auch schon mal um diese Zeit.

Nachdem ich schon wieder fast durchgehend im Wohnzimmer fror mit zwei Heizkörpern auf VOLLE PULLE bei geschlossener Wohnzimmertür zum Rest der Wohnung, angezogen mit Thermorolli, Kashmir-Hoodie, Wolljacke, zwei Paar dicken Wollsocken, holte ich doch mal meinen alten Digitalwecker mit Temperturanzeige rüber und maß (nicht geeicht) die Lufttemperatur: Yoah, 19 Grad waren nicht wirklich kuschlig.
Es hat wohl doch Auswirkungen, dass die Wohnungen über und unter uns meist dunkel und leer sind – und wahrscheinlich nur minimal beheizt. Die ersten Jahre in diesem Haus wohnten wir unter einer alten Dame, die wohl bis zum Anschlag durchheizte (und sehr laut mit ihrem ebenso lauten Fernseher sprach, das war lustig); als sie ins Pflegeheim kam, merkten wir das deutlich an erhöhtem Heizbedarf in unserem damaligen Wohnzimmer.

Vor dem Abendessen dehnte und kräftigte ich mich mit einer Runde Yoga, die mir nach dem langen Lesesitzen besonders gut tat.

Nachtmahl wie geplant Spinat mit roter Paprika und Erdnusssauce, davor snackte ich sauer eingelegte Gurken (gekauft) und sauer eingelegtes Blaukraut (von Herrn Kaltmamsell aus einem halben Ernteanteil-Blaukraut), danach gab es Stollen und Schokolade.

Ins Bett ging ich zu Mondsichel am klaren Himmel – nachts konnte er mir nun auch gestohlen bleiben.

  1. Grabsteine auch in diesem Fall eine zentrale Quelle für Fakten und Details des Gladiatorenlebens; ich bin inzwischen sicher, dass der Lateinunterricht für mich viel fesselnder gewesen wäre, hätte man mir das Lesenkönnen von lateinischen Grabsteinen in ganz Europa als Karotte vor die Nase gehängt. []

Journal Montag, 29. Dezember 2025 – Ferientag mit Schwimmen und Nebelspaziergang

Dienstag, 30. Dezember 2025

Recht guter Nachtschlaf, beendet von Weckerklingeln, denn ich hatte Pläne.

Hell wurde es auch gestern zu grauem Licht unter Hochnebel.

Ich hängte die Wäsche ab, wendete die Jeans auf rechts (Jeans wasche ich immer auf links, diese hatte ich wegen starker Verknitterung beim Waschen noch nass gebügelt) – und sah dieses.

Es war das erste Waschen dieser Hose überhaupt, und ich hatte sie einheitlich grau gekauft.
Ich überlege noch, ob ich mir die Aufregung einer Reklamation im Laden antue. Kassenzettel habe ich nicht mehr, aber das Kaufdatum kann ich einfach rekonstruieren, und ich habe mit Karte gezahlt.

Plan 1: Schwimmen. Ich nahm eine U-Bahn zum Olympiabad.

Diesmal waren die Bahnen beschwommen wie an einem durchschnittlichen Samstag, doch wir kamen gut miteinander zurecht, und im Mittelteil waren wir einige hundert Meter lang nur zu zweit. Meine 3.000 Meter fühlten sich leicht an, ich genoss das elegante Gleiten durchs Wasser.

Auf den U-Bahn-Fahrten las ich Zeitung. Zu Hause Häuslichkeiten, zum Frühstück um eins gab es Birne und Banane, außerdem eine Scheibe selbstgebackenes Brot mit dem letzten Meyer Lemon Curd.

Plan 2: Treffen mit Freundin zu Spaziergang durch den Westpark. Ich hatte den Ort vorgeschlagen, weil man beim Durchqueren des Parks von West nach Ost sowie weiter bis zur Theresienhöhe mitten in der Stadt eine Verkehrsinfrastruktur kennenlernt, die nur auf den Fuß- und Radverkehr ausgerichtet ist; hörte man die mehrspurigen Straßen drumrum und drunterdurch nicht hin und wieder, könnte man ihre Existenz vergessen.

Wir trafen uns am U-Bahnhof und starteten unterm Rosengarten.

Es war nicht zu kalt, wir waren beide warm eingepackt, und mehr als das Licht auf den Fotos gab es halt unterm Hochnebel nicht. In den Gesprächen tauschten wir unter anderem Geschichten über junge Leute(TM) aus, die Vieles sehr viel richtiger als wir machen und uns Hoffnung und Zuversicht geben.

Einkehren wollte ich auf der Theresienhöhe in meinem Mittagscappuccino-Café Notting Hill – doch das war geschlossen. Also weiter zu etwas richtig Lokalem: die Balkan-Bäckerei Adriatik hat auch ein paar Tische. Und, wie sich herausstellte, guten Kaffee zum Balkan-Hefegebäck (ich aß eine Schnecke mit weißem Käse, wunderbar).

Nach Abschied ins neue Jahr schöner Spaziergang nach Hause, dort war Herr Kaltmamsell geschäftig: In der Mitte der vier Putzmann-losen Wochen hatte er sich erboten, zumindest mal durchzusaugen – hochwillkommen.

Die nächsten Stunden arbeitete ich an einem weiteren Jahres-Rückblick: Bücher 2025, kommt später am Tag.

Eine Einheit Yoga mit Öffnung Schultergürtel, schließlich will ich diese Woche nochmal schwimmen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die letzten Ernteanteil-Karotten als Curry mit Reis. Davor ein Schüsselchen Kimchi (SO gut!), danach restlichen Apple Crumble und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Sonntag, 28. Dezember 2025 – Fast missglücktes Brot, Nebellauf

Montag, 29. Dezember 2025

Wieder erst vom 7-Uhr-Läuten geweckt worden, diesmal nach einer überdurchschnittlich guten Nacht. Allerdings hatte mich Chlorschnupfen einmal zum Nasenspray greifen lassen.

Erstmal nächster Schritt Idiotenbrot (aber mit reichlich bemehltem Gärkörbchen, und eine ganze Stunde muss der Ofen nun wirklich nicht vorheizen, um einen gusseisernen Topf heiß zu bekommen), dann erst Café con leche für Herrn Kaltmamsell und mich.

Es tagte zu Hochnebel; als das Brot im Ofen war, erschien es noch möglich, dass er wegsinken würde.

Als das Brot aus dem Ofen war, sah es leicht missglückt aus:

Ich vermute Übergare, ich hatte frische Hefe verwendet und davon eventuell ein Gramm zu viel.

Telefonat mit Mutter (fühlt sich wieder ok), die Sonne aus Ingolstadt schicken wollte (was soll denn das bitte, dass der Himmel in München trüber und nebliger ist als im Nebelloch Ingolstadt?). Doch während meines Laufs ab Haustür über Alten Südfriedhof an die Isar nach Süden wurde aus Hochnebel lediglich zeitweise Nebel-Nebel.

Das Laufen machte Spaß, und nach einer halben Stunde kam ich so richtig in die fröhliche Leichtigkeit, für die ich immer dankbar bin. In Thalkirchen entschied ich mich, weiter nach Süden zu laufen und zurück nur bis zum U-Bahnhof Thalkirchen. Es war frostig, aber nicht unangenehm kalt – lediglich kalt genug, die Mountainbiker fernzuhalten, also traute ich mich, auf den Pfad hinter der Großhesseloher Brücke in die Isarauen abzubiegen.

Vor der Großhesseloher Brücke.

Ein Stück dahinter nach links abgebogen.

Abenteuer!

Aber es blieb neblig.

Auf dem Hinterbrühler See hatte es schon gefroren.

Viel <3<3<3 für den Läufer, der mich auf meinem letzten Stück überholte und offensichtlich zur Musik in seinen altmodischen Kopfhörern ein wenig mitbrummte. Drei Brummer reichten zur Identifikation des Stücks – sofortiger Ohrwurm.

Am Thalkirchner U-Bahnhof stellte sich heraus, dass ich schon wieder deutlich über 1:50 Stunden gelaufen war, ich hatte eigentlich weniger angepeilt. Ging aber problemlos (erst am Nachmittag machte mein Körper mir mit Hüft- und LWS-Steifheit klar, dass er nach dieser Einheit lieber keine Gymnastik wollte).

Frühstück kurz nach zwei: Kimchi, Birne, selbstgebackenes Brot mit Butter und Marmelade.

Anschnitt mittel-ok, zumindest hatte das Brot nicht den befürchteten Wasserrand.

Kurz vor drei kam die Sonne endlich durch – genau in der Position, in der sie mich von Südwesten blendete.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Rücklesen im Blog für Jahresrückblick (und ein bisschen Wäscheaufhängen), und ich machte fürs Abenddessert Apple Crumble (seit einer Woche geplant).

Ich hatte zum Aperitif wieder Lust auf einen Drink und rührte uns Negronis.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell eine Misosuppe mit übrigen Champignons und Stangensellerie – sehr gut. Von mir kam ein wenig restlicher Endiviensalat mit Joghurtdressing, außerdem der Apple Crumble zum Dessert. Abschließend noch ein wenig Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir die aktuelle Folge Kitchen Impossible laufen: mit Jamie Oliver. Den ich ja in erster Linie von seinen Kochbüchern kenne, die Show habe ich nie gesehen, die ihn berühmt gemacht hat. Schon interessant, aber wie alle diese “Challenges” viel zu breit künstlich ausgewalzt: Nur halb so oft der Kamera erzählt, wie aufgeregt man ist etc., würde reichen.

§

Eine kleine Weihnachtsgeschichte, sehr britisch: Chloe Fox beschreibt, wie sie dieses Jahr in Wiltshire, Südwest-England, ihren ersten Buchladen eröffnet hat.
“I opened a bookshop. It was the best, worst thing I’ve ever done”.

Herzlichen Glückwunsch und danke für die vielen praktischen Details! Hoffentlich erfahre ich in fünf Jahren, wie dieses Abenteuer weitergegangen ist. (Ich musste natürlich an Pia Ziefle denken und ihren Buchladen in Mössingen.)

Journal Freitag, 26. Dezember 2025 – Familienweihnacht in Ingolstadt

Samstag, 27. Dezember 2025

Gut und über neun Stunden geschlafen – Ultra-Luxus! Weitere Freude: Das Zahnweh war weg, es blieb Beiß-Empfindlichkeit.

Dennoch reichlich Zeit für gemütliches Bloggen und Mastodon-Lesen, bevor es Zeit zum Fertigmachen für Aufbruch nach Ingolstadt war: Im Gepäck Weihnachtsgeschenkverpackung zur Wiederverwertung, außerdem der vegane Beitrag zum Festessen sowie der Nachtisch. Der Himmel über München hochneblig grau, die Luft eisig.

Gemütliche und pünktliche Fahrt nach Ingolstadt. In der Holledau Übergang von Nebel zu Sonne.

Dieselbe Sonne schien auch in Ingolstadt, ganz wunderbar.

Bei meinen Eltern waren wir die ersten Gäste, dann kamen zum Teil zu Fuß, zum Teil per Auto die Mitglieder der Bruderfamilie.

Umarmungen und Weihnachtswünsche, outfit appreciation (u.a. war die Schwägerin ganz in Silber selbsterklärt als Christbaumkugel gekommen), während Sektgläser gefüllt mit Alkoholischem oder Alkoholfreiem verteilt wurden. Zum Anstoßen mussten bereits die ersten in Gespräche vertieften aus Nebenräumen gezerrt werden.

Und dann begann das Schlemmen.

Vegane Pilzsuppe (ließ ich aus, um möglichst viel Platz für die Gans zu haben – ein wirklich saisonales Essen, das ich besonders liebe).

Gans vor Tranchieren (das Herr Kaltmamsell übernahm).

Gans mit Knödel, Blaukraut, Wirsing, davor steht die vegane Festspeise: Gedämpfter Lauch-Pudding, den Herr Kaltmamsell aus englischen Rezepten erarbeitet hatte (wir erinnern uns: pudding war ursprünglich etwas Herzhaftes, das im heißen Wasser oder Wasserdampf gegart wurde), vom Esser als hervorragend gepriesen (Blaukraut und Knödel waren eh vegan). Dazu spanischer Rotwein, Weißwein, auch in Alkoholfrei, und intensive Gespräche. Diese zogen sich auch über Espresso, Rotweincreme, Mousse au chocolat, nach Pause anschließenden Plätzchenteller. Durch Gespräche abgelenkt (es gibt jetzt in der Familie neben mir noch jemanden, der beruflich den Begriff “parlamentarischer Abend” verwendet und sich für die Entstehung von Koalitionsverträgen interessiert – und es ist nicht der Naheliegende!) merkte ich, dass ich hin und wieder sogar auf der bösen linke Seite kaute – Wunderheilung! Aber im Universum geht ja leider nichts verloren: Jetzt war es meiner Mutter unwohl, sie musste sich zurückziehen. Im Ablauf des Festes kein Ausfall, wir halfen eh alle zusammen bei allem, aber es tat mir für sie so leid!

Bei letzter Dämmerung wurden die Reste des Mahls aufgeteilt (unser Samstagessen ist mehr als gesichert), Aufbrüche nach Hause. Auch unsere Heimfahrt verlief ruhig und pünktlich, München empfing uns deutlich weniger frostig als am Morgen.

Ich hatte abends sogar nochmal Appetit: Apfel, Früchtebrot, Lebkuchen. Mit beidseitigem Kauen. (Das Haushaltsmitglied mit deutlich mehr Zahnschmerzerfahrung verwies darauf, dass mal auftauchende und dann wieder verschwindende Schmerzen durchaus üblich sind.)

§

Auf der Bahnfahrt hatte ich liegengebliebene SZ-Magazine gelesen, in der vorletzten Ausgabe fand ich zwei Geschichten bemerkenswert:

Andreas Unger schreibt über seinen christlichen Glauben in einer für mich ausgesprochen nachvollziehbaren Form. Anlass seiner Überlegungen (€):
“Ich wünsche meinen Kindern, dass sie an Gott glauben”.

Denn er merkt, dass er sich dafür erstmal klarwerden muss, was er seinen Kindern eigentlich genau wünscht.

Vielleicht würde uns insgesamt mehr Dürfen helfen: Nicht-sicher-sein-Dürfen, Staunen-Dürfen, Tasten-Dürfen. Weniger Richtig, weniger Falsch. Mehr Wundern als Wunder. Wer uns daran hindert, das sind wir selbst. Es hat uns aber auch niemand gezeigt, wie es geht, das Dürfen-Dürfen.

Aber halt! Geht hier nicht schon die Saat der Beliebigkeit auf, ist hier nicht der erste Schritt in die »Diktatur des Relativismus« getan, von der Papst Benedikt XVI. sprach, in der jeder sich herausklaubt, was ihm frommt? Dann schließt sich der Himmel, Gottes Wille schrumpft zu Moral, und Jesus, von dem in diesem Text bisher verdächtig wenig die Rede war, wird zum Sonntags­prediger. Von dort ist es nicht mehr weit zu Martin Walsers resignierend-schönem Wort: »Ich bin an den Sonntag gebunden / wie an eine Melodie / Ich habe keine andere gefunden / Ich glaube nichts / aber ich knie.«

Das erinnerte mich an den Selbstbedienungs-Glauben, den ich an manchen Religiösen beobachte, unverbindliches find what feels good wie bei Yoga with Adriene.

§

Der zweite bemerkenswerte Artikel thematisiert, was auch mich bewegt: Bahnhöfe in Deutschland. Vivien Timmler und Dorothea Wagner nehmen sich für ihre Recherche den Hauptbahnhof Bonn genauer vor (€):
“Warum Bahnhöfe so trostlose Orte geworden sind”.

§

Sarah Bosetti nennt gute Gründe, die AfD zu wählen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=DcZlgoAx_o4

Journal Donnerstag, 25. Dezember 2025 – Fast schon besinnlicher Weihnachtsfeiertag

Freitag, 26. Dezember 2025

Gut und lang geschlafen. Ich spürte das Nachlassen der Ibu-Wirkung an Zahnweh, legte zum Morgenkaffee nach.

Unsere Familienweihnacht bei meinen Eltern in Ingolstadt war auch dieses Jahr auf den 2. Weihnachtsfeiertag gelegt, ein terminloser Tag lag vor mir. Nach sehr gemütlichem Bloggen kam ich erst spät los zu meiner Laufrunde. Ich nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz, lief über den Hofgarten an die Isar. Es war frostig, die Wege hatten viele glatte Stellen. Ich lief etwas verkrampft und mit kleineren Schritten. Schöne Überraschung: Nach einer halben Stunde kam die Sonne raus, ich sah blauen Himmel – jetzt war auch der kalte Wind nicht mehr schlimm.

Start an der Residenz.

Fotograf mit Profi-Ausrüstung vor Monopteros.

Blick vom Monopteros.

Sonne am Föhringer Wehr!

Der Körper spielte gut mit, gegen Ende ziepte und zwickte es allerdings um Hüfte, Kreuz und Oberschenkel. Erst an der Tram-Haltestelle sah ich auf die Zeit, die mein Lauf gedauert hatte: Na gut, 1:56 Stunden waren doch ein bisschen viel.

Bis daheim fröstelte ich – und hatte das seltene Verlangen nach einem Vollbad. Diesmal war ich dafür ausgestattet und badete MIT! Badezusatz (Arnica). Ich genoss es, trauerte aber der Badewanne in der vorherigen Wohnung im 1. Stock nach: Sie hatte ein erheblich größeres Fassungsvermögen. In der aktuellen Badewanne muss ich mich entscheiden zwischen kalten Knien, kalten Füßen oder kalten Schultern, es passt nicht alles unter den Wasserspiegel bis Überlaufschutz.

Frühstück um halb drei: Apfel, Persimon, Früchtebrot von der lieben Frau Schwieger mit Butter, Plätzchen.
Nachmittag im sonnenbeschienenen Wohnzimmer mit Lesen der Feiertags-Süddeutschen. Herr Kaltmamsell bereitete für das Familienfest am Freitag einen veganen Lauchpudding zu, danach übernahm ich die Küche für den Weihnachtsnachtisch: Mousse au chocolat.

Jetzt erst ist dieser Balkon ein echter Balkon.

Romanlesen ohne Zahnweh bis zum Nachtmahl (Kauen aber weiterhin nur auf einer Seite möglich): Es gab das restliche Ossobuco vom Vorabend mit restlichem Risotto. Zum Nachtisch wurde es wieder so richtig festlich: Herr Kaltmamsell übte sich an Iles flottandes.

Hervorragend. Ein paar Weihnachtsplätzchen passten aber noch dazu. (Hätten besser nicht: Überfressen.)

Früh ins Bett, da ich dorthin steinmüde und wie betrunken torkelte (kein Tropfen Alkohol), ohne Lesen Lichtaus.

§

@evatroelenberg hat sich in Altötting mal wieder unter den Votivtafeln umgesehen – und wunderbare Entdeckungen gemacht. (Sie dachten vielleicht, dass die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in den 1980ern durch demokratischen Protest und zivilen Widerstand verhindert wurde. Tja.)