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Journal Mittwoch, 13. Oktober 2021 – Wiedergefundene Pflaumen

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Geweckt worden aus einem Traum, in dem eine riesige Muräne bei einem Tauchgang eine Rolle gespielt hatte.

Draußen war es regnerisch kalt, doch die Wolken verzogen sich pünktlich zu meinem Aufbruch ins Büro.

Mittags huschte ich raus in den nächstgelegenen Supermarkt; ich hatte zum Abendbrot (Herr Kaltmamsell war beruflich aushäusig) gefrorenen Rahmspinat für eine Suppe mit verlorenen Eiern besorgen wollen, doch die Tiefkühltruhe gähnte nahezu leer (sind das diese Lieferkettenprobleme, von denen ich so viel lese?). Also eine Dose Linseneintopf gekauft.

Mittagessen war Dickmilch, eine Scheibe Roggenbrot, Granatapfelkerne.

Morgens hatte ich voller Elan den Rucksack mit Sportzeug für eine Rückkehr nach zweieinhalb Jahren zu Hot Iron im Verein gepackt, doch nachdem ich schon am Vormittag wacklig gewesen war, wurde mir über den Nachmittag immer schwindliger. Das nahm mir jede Sportlust: Ich ließ die Pläne fahren und ging nach Feierabend direkt nach Hause.

Weiterhin ganz schön kalt, es ging auch ein unangenehmer Wind.

Daheim reichte die Stabilität für 45 Minuten Yoga. Bei denen ich feststellte, dass ich auch ein Jahr nach Hüft-OP nicht auf der operierten Seite liegen kann, weil das zu sehr schmerzt – zumindest nicht auf der dünnen Yogamatte und nicht mit Belastung.

Ich sah mich noch mal bei Crowdfarming um (weiterer Pluspunkt: Dort kaufe ich auch Obst und Gemüse, das den Schönheitskriterien von Supermärkten nicht entspricht und im konventionellen Vertrieb weggeworfen würde.). Die gestrige Entdeckung: Es werden Pruneaux d’Agen angeboten! Diese Köstlichkeit, halbgetrocknete und superaromatische Trockenpflaumen, hatte ich vor Jahren als Reisemitbringsel entdeckt, der Anbieter versendet leider schon lang nicht mehr ins Ausland (zuletzt hatte ich welche bei Manufactum gefunden). Gestern adoptierte ich einen Pflaumenbaum.

Dazu kam ein Orangenbaum von einer Plantage mit verschiedenen Sorten, die nicht nur unterschiedlich schmecken, sondern auch nacheinander von November bis Januar reif werden: Neben der Kiste, die im Adoptionspreis enthalten ist, bekomme ich diese über die Zeit zum Kauf angeboten.

Als Abendbrot machte ich die Dosenlinsen heiß, erinnerte mich sogar rechtzeitig daran, dass wir ja von den Vormietern eine eingebaute Mikrowelle übernommen haben (schon vergangenen Samstag hatte ich darin für die Schwarzwälder Kirschtorte Kuvertüre und Butter geschmolzen). Nachtisch war ein Apple-Crumble-Eis, das Herr Kaltmamsell gekauf hatte, und Schokolade.

Zur Abendunterhaltung ein YouTube-Video, das ich seit vielen Wochen als Tab offen hatte:

Morgan Donner, deren Thema sonst das Nähen historischer Kleidung ist, führt 500 Jahre Frisurenmode vor – an sich selbst.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/Wao0_uB4Zw4

§

Im Feuilleton der Süddeutschen gute und reflektierte Gedanken von Nele Pollatschek zur Bewertung des Werks von Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah (€):
“Ist der gut?”

Egal wie gerne Leser und Kritiker es vergessen: Geschmack ist Sozialisierung, ist Gewohnheit, ist das Ergebnis von Übereinkünften innerhalb einer Rezipientengemeinde. Wenn sogar Essen, welches immerhin physiologische Grundbedürfnisse stillen muss, keinen universellen Bewertungskriterien unterliegt, wie soll man dann Literatur bewerten? Wie sollte jemand, der in den europäischen Literaturtraditionen sozialisiert wurde, die Qualität eines tansanischen Autors beurteilen?

Skepsis gegenüber dem diesjährigen Literaturnobelpreisgewinner Abdulrazak Gurnah ist auch Skepsis gegenüber den eigenen Kriterien, ein Verweis auf die Begrenztheit der eigenen Position, nicht aufgrund einer rassistischen Charakterschwäche, sondern weil auch die Einsicht in die Beschränktheit der eigenen Kriterien einen nicht über diese Beschränktheit hinausträgt.

§

Wie eine Bibliothek damit umgeht, dass die Frage nach Büchern zu bestimmten Themen viel Überwindung kostet: “Tough topics”. (Die Tafel steht hoffentlich auch noch in einem diskreten Teil der Bibliothek.)

Journal Dienstag, 12. Oktober 2021 – Herbst- und Winterkleidung

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Gut geschlafen, aber morgens kämpfte meine Verdauung immer noch mit den mehreren Dezilitern Chiliöl vom Vorabendessen – bis in den Vormittag hinein.

Draußen herbstlicher Nebel, noch eher feucht als eisig.

Neben dem warmen Janker holte ich auch meine Kopfbedeckung mit der schönsten spanischen Bezeichnung heraus: mi boina, so richtig mit Hutband, vor vielen Jahren in einem Augsburger Hutladen gekauft, Ecke Karolinenstraße/Ludwigstraße, den es schon lang nicht mehr gibt.

Erst gestern fand ich heraus, dass das ursprünglich ein Wuppertaler Hersteller war und der Markenname Codeba die Abkürzung für “Companie deutscher Baskenmützenhersteller” ist, nach eigenen Angaben einst der “größte Militärmützenhersteller Deutschlands”.

Der Tag blieb grau bis dunkelgrau, im Büro brauchte ich immer wieder Licht.

Mittags gab es Apfel, Butterbrot aus Selbstgebackenem (Vorrat der Gefriere) und Granatapfelkerne.

Nach Feierabend spazierte ich in die Fußgängerzone, denn ich wünschte mir ein Büro-taugliches Strickkleid für diesen Winter. Die Sichtung des Angebots ergab: Man trägt heuer Stricksack, das gefällt mir nicht. Als ich schon aufgegeben hatte, sah ich im Erdgeschoss vom Konen doch noch ein Modell mit ein wenig Form. Es passte (die Fachverkäuferinnen dort kann man immer noch vertrauensvoll um Rat bei der Wahl der Größe fragen, die für die Abteilung zuständige Dame konnte mir die Kriterien nennen, die ihr sagten, dass ich die richtige trug), und jetzt habe ich ein hellgraues Strickkleid.

Auf dem Heimweg regnete es nonchalant herbstlich. Zu Hause Granatäpfel entkernt für Mittwochbrotzeit, während Herr Kaltmamsell Abendbrot kochte. Zum Nachtmahl servierte er Pakchoi aus Ernteanteil mit zugekauften Champignons und gebratenem Seidentofu – hoppla, versehentlich vegan. Und besonders wohlschmeckend. Dann Schokolade.

Früh ins Bett, um weiter Effingers zu lesen.

Journal Sonntag, 10. Oktober 2021 – Muttergeburtstag in Familienrunde

Montag, 11. Oktober 2021

Eigentlich gut geschlafen, doch körperlich so zerschlagen aufgewacht, als hätte ich statt auf einer handgenähten Luxusmatratze auf dem Boden gelegen. Und extrem gestresst, ich hatte nämlich zuletzt geträumt, dass ich gleich von einem Freund für eine lange geplante Urlaubsreise abgeholt würde und mir in letzter Sekunde einfiel, dass ich dafür Reisepass und Handy mitnehmen sollte, die ich dann aber nicht fand, weil jeder Ort, an dem ich in der Wohnung suchte, ein chaotischer Krusch-Haufen war.

Draußen ein strahlender Herbsttag, wenn auch sehr kalt (laut Herrn Kaltmamsell, der eine Laufrunde absolvierte). Mein Morgensport war eine Runde Bauchtraining bei Fitnessblender – die mich ungeheuer anstrengte: Mir war schwindlig, ich brauchte einige Extrapausen.

Vormittags spazierten wir zum Bahnhof: Meine Mutter hatte zum Feiern ihres Geburtstags vergangene Woche eingeladen. Die Schwarzwäler Kirschtorte transportierte Herr Kaltmamsell, das sollte die Wahrscheinlichkeit eines Verkackens auf den letzten Metern vermindern.

Vorm Zugfenster wolkenlose Sonne über der Holledau, traumhaftes Wanderwetter.

Das Haus meiner Eltern war voller noch mehr Familie als erwartet: Neben den lieben Schwiegers war auch die gesamte Bruderfamilie da, wie wunderschön. Es wurde mit Sekt angestoßen, einander angeguckt: Neffe 2 hatte die Locken abschneiden lassen und sich passend zur neuen Frisur “in FDP-Look” gekleidet, die jugendliche Nichte war offensichtlich nochmal gewachsen (ich erlaubte mir zum allerersten Mal im Leben der Nifften die Tanten-Bemerkung “Du bist aber groß geworden!”), Schwägerin trug eine sensationell schöne Bluse.

Gegessen wurde in einem italienischen Restaurant, ich hatte venezianische Leber mit Tagliatelle. Anschließendes KaffeeundKuchen im Haus meiner Eltern.

Die Torte schmeckte ganz hervorragend, meine Mutter hatte außerdem reichlich Strauben gebacken.

Ich ließ mir von Neffe 1 die ersten Erlebnisse in politischer Gremienarbeit erzählen, auch sonst hörte ich Spannendes aus der Familie. Als wir uns am späten Nachmittag zum Zug nach Hause verabschiedeten, konnte ich mich schon auf den nächsten Besuch in zwei Wochen freuen.

Daheim Vorbereitung der Arbeitswoche, Räumen für den Putzmann. Ich hatte fürs Abendessen schon wieder Hunger, es gab Käse.

Journal Samstag, 9. Oktober 2021 – Schwimmfrieren und Tortenpanik

Sonntag, 10. Oktober 2021

Eher unruhige Nacht, aber ohne Pause.

Lang geschlafen, zum Morgenkaffee erst mal ordentlich die Heizung aufgedreht, weil es so kalt war. Bettwäsche gewaschen. Nach dem Bloggen buk ich die Böden für Schwarzwälder Kirschtorte – nach dem feineren von beiden Rezepten aus meinem handgeschriebenen Kochbuch (Mandeln im Mürbteig, Wiener Boden statt Biskuit, von Anette). Wenn alles klappt, wird es dieses ersetzen.

Ganz erstaunlich, wie sehr ich mich mittlerweile vor dem Tortenbacken fürchte: Bei jedem Schritt rechnete ich mit Scheitern (Knetteig zu weich oder zu trocken und nicht ausrollbar / löst sich nach Backen nicht von Unterlage / Eiertrennen geht daneben / Rührteig geht nicht auf / lässt sich nicht in der Mitte halbieren / irgendwas fällt mir runter und geht kaputt). Deshalb begann ich rechtzeitig, um bei Totalverkacken Zutaten für einen Neustart einkaufen zu können. Auch beim Tortenbacken ist mein früheres unbeschwertes und zuversichtliches Ich verschwunden. (Sonore Erzählerinnenstimme aus dem Off, vielleicht die von Emma Thompson: “Es ging nichts daneben.”)

Mittags wurde wie angekündigt die bestellte Kiste Granatäpfel aus Spanien geliefert – in exakt den fünf Minuten, in denen ich in den Fahrradkeller gegangen war, um die Reifen aufzupumpen. ABER ES WAR JA NOCH HERR KALTMAMSELL DAHEIM, FANARRRRRHAHAHA! Sehen ungewohnt aus, ist auch eine ungewohnte Sorte (Acco).

Das ist etwa ein Drittel Kisteninhalt.

Ich radelte ins Olympiabad für eine Schwimmrunde. Bei sich lichtendem Hochnebel war es so kalt, dass ich dafür Mütze und Handschuhe brauchte.

Jetzt sind auch die Fenster der Olympiahalle fertigrenoviert, ich schwamm in Sonnenlicht. Allerdings nicht ganz so lange wie geplant, weil ich wieder fror – auch als ich einen Zahn zulegte. Dabei hatte ich mich anfangs noch gefreut, weil das Wasser warm war: Das mag ich zwar nicht besonders, doch nachdem ich im Schyrenbad bei den letzten Malen Schwimmen immer gefroren hatte, glaubte ich mich jetzt davor geschützt. Irrtum. (Was soll denn das?)

Die restliche Baustelle links habe ich weggeschnitten, und ja: Das Becken war die meiste Zeit so herrlich leer.

Auf dem Heimweg hielt ich für Einkäufe beim Basitsch und beim Bäcker. Daheim um drei Frühstück: Eiersalat von Herrn Kaltmamsell (darin das Grün des Gesamtselleries aus Ernteanteil), Semmel mit Butter und Marmelade, Granatapfelkerne – letztere hart erkämpft, denn diese Sorte hat eine dicke Außenwand, aber dünne Innenwände und eher kleine Kerne, ich musste ganz schön fieseln. Der Geschmack der Kerne war dann ausgezeichnet, sie sind recht süß. (Aus den nächsten paar versuche ich aber Saft zu pressen.) Zwei Lebkuchen.

Ich sah mich etwas gründlicher auf der Crowdfarming-Website um, fand besonders diesen Artikel interessant, der einige meiner Sorgen beruhigte:
“Die Umweltauswirkungen des Transports beim Direktverkauf von Lebensmitteln”.
Also adoptierte ich gleich mal einen Mandelbaum in der Nähe von Granada und freue mich jetzt auf zwei Kilo Mandeln Anfang Dezember, eine Mischung der Sorten Guara und Marta. Im Grunde ist diese “Adoption” eine verspieltere Variante der Solidarischen Landwirtschaft, in der die Endabnehmerin sich bereits an den Kosten den Anbaus beteiligt. Nur halt nicht konsequent, denn sollte mein Baum eingehen, bekomme ich trotzdem Mandeln – in Solidarischer Landwirtschaft trüge ich auch dieses Risiko mit.

Immer noch ängstlich stellte ich die Schwarzwälder Kirschtorte fertig.

Jetzt kann noch der Transport am Sonntag schiefgehen.

Zum Nachtmahl verwandelte Herr Kaltmamsell die Sellerieknolle aus Ernteanteil in knusprige Sellerieschnitzel, ich hatte Eichblattsalat besorgt und machte ihn mit der letzten grünen Paprika aus Ernteanteil und Joghurtdressing an. Dazu ein Glas Bad Mergentheimer Acolon – gut, aber mit ein wenig unzusammenhängenden Geschmäckern. Nachtisch Schokolade.

§

UK hat nicht nur einen Premierminister, über den man lachen kann (aus Verzweiflung), sondern immer noch wirklich gute Komikerinnen. Zum Beispiel Rosie Jones.
https://twitter.com/Channel4/status/1446474295824236547

Journal Freitag, 8. Oktober 2021 – Italienischer Abend mit Fisch

Samstag, 9. Oktober 2021

Wieder guter und tiefer Schlaf, der Wecker störte erheblich. Unter anderem weil ich im Traum gerade mit vier anderen Frauen auf einer ISS-ähnlichen Raumstation war, ich bemerkt hatte, dass in der Station lediglich deutlich verminderte Schwerkraft, aber nicht Schwerelosigkeit herrschte, ich gerade die anderen darauf hinwies und fragte, ob eine das erklären könne. Die Erklärung hätte mich wirklich interessiert!

Das Draußen herbstlich düster, ich trug erstmals ein Winterkleid (von dem ich bereits wieder vergessen hatte, wie sackartig und unförmig es war – im Grunde ein Fehlkauf) und dicke Strumpfhosen.

Mittagessen eine grüne Ernteanteil-Paprika (himmlisch aromatisch) mit einem Frischkäse-Restl, außerdem Quark und Joghurt satt.

Einem Assoziationsblitzen nachgegangen und doch mal nachgeguckt, warum beim Stichwort Pegasus (Späh-Trojaner) mein Hirn immer mit dem spanischen “Pegaso” dazwischenfunkt: Das war während meiner Kindheitsurlaube bei spanischer Familie noch eine heimische Lkw-Marke. (Warum ich das französische Michelin immer auf Spanisch denke, weiß ich hingegen: Mein spanischer Vater nannte Speckrollen am Bauch nach dem Firmen-Maskottchen immer “michelines”.)

Nach Feierabend Einkäufe beim Vollcorner. Weil gerade ein wenig die Sonne herauskam, schlug ich einen Extra-Bogen über die Theresienwiese.

Sie blüht immer noch, ich nahm mir ein kleines Sträußerl mit heim.

Zum Abendessen hatte ich Herrn Kaltmamsell und mir einen Tisch im italienischen Lokal an der Hackerbrücke Il Castagno reserviert. Sie erinnern sich vielleicht: In dem Gebäude arbeitete ich zwei Jahre lang, mein Bürofenster ging auf den zugehörigen Biergarten.

Wir folgten der Empfehlung des Kellners und aßen Zitronenpasta mit Meeresfrüchten als ersten Gang, teilten uns einen Wolfsbarsch als Hauptspeise (für Herrn Kaltmamsell mit Gemüse als Beilage, für mich mit Salat).

Hausgemachter Nachtisch (da lohnt es sich immer nachzufragen: die Desserts beim Italiener sind meist zugekauft) war ein riesiges Stück Tiramisu für mich – Herr Kaltmamsell half mir dabei – und eine Bayerisch Creme für ihn. Dazu ein Glas im Fass gereifter Grappa Caffo (Il Castagno ist eigentlich ein kalabresisches Restaurant) – der aus einer riesigen Flasche mit eigenem Hahn ausgeschenkt wurde. Ich nahm mir vor, mal mit Freunden zu einem komplett kalabresischen Essen herzukommen, das ist laut Wirt bei Vorbestellung möglich.

Schöner Spaziergang nach Hause durch herbstliche, aber klare Luft.

§

Cory Doctorow listet auf, welch perversen Kräft “der Markt” und der auch hierzulande gerne verherrlichte Entrepreneur-Geist entwickeln können.
“DoS a federal agency, then charge for access”.

Journal Sonntag, 3. Oktober 2021 – Ausflug Dinkelsbühl und Harburg

Montag, 4. Oktober 2021

Früh aufgewacht nach eher unruhiger Nacht. Die Familie genoss das Frühstück (Semmeln, Butter, Marmelade, Wurst-Käse-Teller auf einer Etagere für alle, der Rest an einem kleinen Buffet), ich freute mich über einen Cappuccino.

Wieder mit dem Auto machten wir uns auf den Rückweg und fuhren erst mal Dinkelsbühl an. Das ist ein Fixpunkt in der Schwiegerfamilie, ausländischer Besuch wurde schon immer dorthin geführt, vor allem weil der idyllische Ort weniger überlaufen sei als das nahe gelegene Rothenburg ob der Tauber.

Wetter: Grau, aber trocken und nicht zu kühl. Die lieben Schwiegers setzten sich wieder in ein Café, Herr Kaltmamsell und ich erkundeten die “schönste Altstadt Deutschlands”.

Es war sehr schnell klar, dass es strenge Vorgaben für Veränderungen an den historischen Häusern gab, besonders amüsierten mich die offensichtlichen Schriftvorgaben.

Doch das Städtchen bietet wirklich hübsche Anblicke – gestört von Autos.

Diese Ansicht von der Stadtmauer ist laut Frau Schwieger das berühmteste Fotomotiv von Dinkelsbühl, wer es ignoriert, darf nicht wiederkommen.

Zeughaus.

Segringer Tor.

Nachdenken, was eigentlich das angestrebte Ziel der gestalterischen Maßnahmen und Vorgaben ist oder auch nur welcher Eindruck – also nicht das erklärte Ziel, sondern das tatsächliche, das sich aus den Ergebnissen ableiten lässt. Historische Authentizität ja sicher nicht, denn die Infrastruktur der Gebäude ist mit Elektrizität und modernden sanitären Anlagen zeitgenössisch. Und auch nicht der historische Eindruck einer bestimmten Zeit kann das Ziel sein, denn Autos sind überall zugelassen und in großen Mengen allgegenwärtig (nächstgelegener Bahnhof 22 Kilometer entfernt in Crailsheim). Wahrscheinlich wird alles auf einen möglichst vermarktbaren Eindruck ausgerichtet, auf Besuchererwartungen. Und die stören sich nicht an Autos, möchten aber eine blitzblank saubere und intakte Filmkulisse – mit einer Schriftart, die zu ihrem inneren Film passt.

In diesem Lokal trafen wir uns zu viert zum Mittagessen. Die angebotene Küche war fränkisch, zu meiner großen Freude entdeckte ich eine eigene Karpfen-Karte – und bestellte einen halben Karpfen blau.

Schmeckte gut, mir war der Sud allerdings zu stark gewürzt (Piment, Wacholder, Lorbeer, Nelken schmeckte ich heraus) – das zarte Karpfen-Aroma hatte keine Chance dagegen. Wohlgesättigt setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren weiter nach Harburg: Die dortige Burg Harburg war in Herrn Kaltmamsells Kindheit ein regelmäßig angesteuertes Ziel.

Wir zahlten vor dem Tor zur Burg Eintritt – und stellten erst später fest, dass dieser wirklich nur für den Durchgang durchs Tor galt: Die Räume der Burg selbst durfte man nur gegen eine weitere Gebühr im Rahmen einer Führung betreten. Das ärgerte mich, denn so war das nirgends kommuniziert.

Wir freuten uns an den möglichen Anblicken.

Weiter ging’s dann Richtung Augsburg, wo wir einen Zug nach München nahmen. Ich fühlte mich nicht ganz auf der Höhe, weil mich Bauchschmerzen plagten.

In München war es überraschend warm, ich öffnete daheim Balkontüren und Fenster. Eine Runde Yoga, die Bauchschmerzen blieben.

Essen musste ich aber schon noch etwas, auch ohne Appetit, sonst würde ich nicht schlafen können. Herr Kaltmamsell machte Spaghetti mit Tomaten-Oliven-Sauce, ich dazu etwas grünen Salat mit Joghurt-Dressing. Zum Nachtisch ein paar Konditor-Pralinen, die ich in einem Dinkelsbühler Café gekauft hatte.

Journal Samstag, 2. Oktober 2021 – Ausflug nach Bad Mergentheim

Sonntag, 3. Oktober 2021

Bad Mergentheim ist eine feste Größe in der Schwiegerfamilie: Ein Ableger von Frau Schwiegers Familie stammt von dort, Herr Kaltmamsell kennt es von Kindheitsbesuchen, außerdem waren dieser Familienteil und sein Garten Quell eines stetigen Stroms von Gemüse und Obst. Am wichtigsten waren davon die Quitten, aus denen Frau Schwieger jedes Jahr das köstlichste Quittengelee herstellte – ich kenne kein besseres.

Vor ein paar Jahren starb die direkte Linie dieses Familienteils allerdings aus, es wurde nur noch zum Kauf des örtlichen Weins aus der Weingärtnergenossenschaft Markelsheim hingefahren. Als die Schwiegereltern vorschlugen, mit Herrn Kaltmamsell und mir ein Wochenende dort zu verbringen, freute ich mich sehr.

So standen wir gestern früh auf und nahmen einen Zug nach Augsburg.

Dort holten uns die Schwiegers mit dem Auto ab und wir fuhren eine Panoramastrecke nach Norden. Dabei kreuzten wir Dinkelsbühl mit seinem mittelalterlichen Stadtkern (vielleicht ein Halt auf der Rückfahrt) und ließen uns auch sonst links und rechts des Wegs auf Interessantes hinweisen – die Schwiegers kannten die Strecke und ihre Ausblicke gut.

In Markelsheim gab es erst Mittagessen (wie in jedem zeitgemäßen Wirtshaus gab es neben fleischiger Hausmannskost auch Vegetarisches, ich hatte Kürbis-Kartoffelnocken mit Rahmspinat und Käse), dann wurde bei den Weingärtnern eingekauft. Tatsächlich findet gerade die Lese statt, vor der Kellerei standen die Traktoren mit Wannen voll Trauben Schlange: Sie sind reine Anbauer und liefern die Trauben lediglich ab, zu (regional typischem, konventionellen) Wein machen ihn andere, die wiederum mit dem Anbau nichts zu tun haben.

Markelsheim.

Mittagessen gegenüber im Gasthof Lochner.

Weinberge hinter Weingärtnergenossenschaft.

Lokale Variante des Getränkeautomaten.

Nach umfangreicher Bestellung fuhren wir weiter nach Stuppach, weil die Schwiegers gerne die berühmte Stuppacher Madonna sehen wollten. Tatsächlich waren wir eher unterwältigt, das Gemälde, vor allem die Gesichter, schien durch zahlreiche Überarbeitungen jegliche Dreidimensionalität verloren zu haben. Spätere Recherche ergab: Ja, viel Pfusch.

Fahrt nach Bad Mergentheim selbst. Während die nicht so laufflotten Schwiegers im Café im Schlossgarten das herrliche Wetter genossen, spazierten Herr Kaltmamsell und ich durch Kurpark und Stadt.

Ausgefallendstes Pappelspalier jemals.

Ausgang vom Schlosshof.

Am Münsterturm beobachteten wir eine Weile zwei Falken, einer davon wahrscheinlich ein Jungtier mit viel WIWIWIWI!

Überall in der Stadt Spuren des Deutschordens.

Residenzschloss Mergentheim.

Wir trafen im Hotel wieder auf die Schwiegers, ruhten uns eine Weile aus.

Zum Abendessen gingen wir ins Hotelrestaurant und aßen überraschend gut: Steinpilzsuppe, Krebssuppe, Lammkarree mit Wirsing, Hirschfilet mit Spätzle, geräuchertes Lachsforellenfilet auf Linsen – letzteres war meines. Dazu trank auch ich einen Wein, eine fränkische Scheurebe-Riesling-Cuvée Nachschlag vom Winzerhof Stahl.


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