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Journal Freitag, 27. Februar 2026 – Was Theater kann, Teil 2 dieser Woche: Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın Emanuel Şipal, Istanbul am Ingolstädter Stadttheater

Samstag, 28. Februar 2026

Nach dem zweiten Aufwachen kurz vor vier mit Verzögerung nochmal eingeschlafen, nur so tief, dass ich mich von Herzen darüber freuen konnte, im Traum der superschlauen und entzückenden Laurie Penny zu begegnen und mich mit ihr zu unterhalten.

Es tagte zu einem weiteren angesagten sonnigen Frühlingstag. Kurz überlegte ich, ob ich bei den auch weiterhin angekündigten milden Temperaturen auf den leichten Janker zurückgreifen sollte, merkte aber, dass ich innerlich noch bei offenen Mantelschößen bin. Es blieb beim Ledermantel. Ich genieße diese milden Frühlingstage wirklich sehr – es soll aber bitte nochmal kalt werden. Wegen Natur und so. Ansonsten ist die Wahl meiner Tops derzeit leider wieder von einer erneuten Stinkephase geprägt, ich greife bevorzugt zu locker Sitzendem.

Auf dem Weg hörte ich erst den Technologie-offenen Specht auf einer Peitschenlampe, sah dann diese Krokantenwiese in den Startlöchern.

Emsiger Arbeitsvormittag, bald hatte ich eigentlich keine Lust mehr. Musste ja.

Mittagscappuccino im Westend, ein Jogger kam mir in kurzen Hosen und mit nacktem Oberkörper entgegen – das ging mir nun wirklich zu schnell. Selbst beschränkte ich mich auf die geplanten wehenden Rockschöße und auf tiefe Atemzüge begleitet von Altfrauenseufzern.

Zu Mittag gab es eine Weile später Birnchen (überraschend schmackhaft), Apfel, außerdem Quark mit Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, zu dem ich immer wieder das Bürofenster öffnete, um sonnengewärmte Außenluft reinzulassen.

Pünktlicher Feierabend, ich spazierte zum Bahnhof, um dort Brotzeit einzukaufen und Herrn Kaltmamsell am Zug nach Ingolstadt zu treffen. Apfel und Käsesemmel gab es im Zug als Abendessen, dazu wachsende Unruhe, weil die Ankunft sich nach „verzögerter Bereitstellung“ immer weiter verzögerte. Doch wir erreichten Ingolstadt Hauptbahnhof dann doch rechtzeitig, um die 25 Minuten zum Theater zu Fuß zu gehen, unter anderem über die zeitweise legendäre dritte Donaubrücke.

Im Ingolstädter Stadttheater war ich seit vielen Jahren nicht mehr, möglicherweise seit Jahrzehnten. Doch das markante Brutalismus-Gebäude (hier schöne historische Fotos), mit dem ich groß wurde, das ich mit seinen vielen vor allem Innendetails liebe und das meinen Architekturgeschmack geprägt hat, ist gar nicht mehr die Spielstätte: Es muss dringend generalsaniert werden, und da die Stadt Ingolstadt das in derzeit angespannter Haushaltslage nicht priorisiert, ist völlig offen, ob und wann es je wieder bespielt wird.
In einem Bürgerentscheid hatten sich die Ingolstädter*innen zudem 2022 gegen den Bau eines Ausweichtheaters entschieden, das nach der Generalsanierung weiter genutzt worden wäre – in meinen Augen ein typisches Symptom der kleingeistigen Wohlstandsverwahrlosung, die ich mit Ingolstadt verbinde (not all Ingolstädters, schon klar). Denn die Geschichte zeigt: In schlimmen Zeiten echter Entbehrung hielten sich die Menschen seit jeher an Kunst und Kultur fest, nicht umgekehrt, fragen sie mal die Leute in Kiew.

Gestern erlebte ich in Ingolstadt also eine der Ausweich-Spielstätten und war sehr gespannt darauf, nämlich das Theater am Glacis (sogar die Grammatik ist nicht mehr dieselbe wie zu meiner Ingolstädter Kindheit und Jugend, damals war das die Glacis, “d’Glasí”).

Verortung in meiner persönlichen Geografie: Alter Volksfestplatz, wo das Hallenbad stand (das jetzige steht nebenan, wo das Eisstadion war – sehr verwirrend).

Im Foyer trafen wir auf Bruderfamilie (minus Nichte), meine Eltern, Freunde der Bruderfamilie, einige hatten das Stück, Istanbul von Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın Emanuel Şipal, bereits in der vorherigen Spielzeit auf der kleinen Bühne gesehen.

Mein Bruder wies uns auf die erste Überraschung hin: Stellwände im Foyer zeigten Fotos von Gastarbeitern in Ingolstadt, darunter einige von meinem Vater und seinem besten spanischen Freund.

Fotomotiv Bruder zeigt (auf meine Bitte) auf Zeitungsartikel über meinen Vater.

Auch vor anderen Stellwänden wurde fotografiert, eine Gruppe hatte den Vater aus der Türkei entdeckt.

Freie Platzwahl, doch wir schafften es ohne Kampf alle in dieselbe Reihe.

Und dann sahen wir zwei Stunden wundervolles Theater. In viel Musik (mehr, als ich erwartet hatte) war die Geschichte von Klaus Gruber aus Ingolstadt eingebettet, der Anfang der 1960er das Angebot der Türkei annimmt, als Gastarbeiter der heimischen wirtschaftlichen Not zu entkommen und in Istanbul auf dem Bau Geld zu verdienen. In dieser alternative history werden der Schmerz des Abschieds von Frau und Kind erzählt, die Erniedrigung der ärztlichen Untersuchungen, die Einsamkeit in einer fremden Kultur und Sprache. Doch wie schon in Play Auerbach! am Mittwoch zuvor schafft die nicht-realistische Form einen Rahmen, in der die (ohnehin großartige) Grundidee funktioniert: Auf der Bühne werden zur Illustration von Gefühlen und Umständen die Lieder von Sezen Aksu, einer sehr populären türkischen Pop-Sängerin und Komponistin, gespielt und vor allem gesungen. Allein die extreme Exotik, dass deutsche Schauspieler*innen (ganz wunderbar Ralf Lichtenberg und Sarah Horak) auf Türkisch singen, führte mehr über den Stand der deutschen Gesellschaft vor, als es jedes Essay hätte transportieren können. Dazu kam in der gestrigen Vorstellung als besondere Herzerfrischung: Teile des Publikums sangen mit! (Und lachten an Stellen, die ich nicht verstand.) In den weiteren Hauptrollen sehenswert: Berna Celebi, Okan Cömert, Manuel Karadeniz.

Das Nationaltheater Mannheim hat die Lieder als Playlist auf Spotify gestellt – was mich sehr freut, mir gefielen sie fast durchgängig. Stehend jubelnder Beifall am Ende, eine große Theaterfreude. Das Stück wird wohl auf einigen Bühnen gespielt, lässt sich ja problemlos auf viele westdeutsche Städte übertragen, ich empfehle einen Besuch blind überall. In der Ingolstädter Version mochte ich besonders einige klamaukige Einfälle der Requisite.

Anschließend im Foyer noch Austausch von Eindrücken, bei meinem Vater hatte das Stück durchaus Erinnerungen wachgerufen. Meine Eltern nahmen uns zur Übernachtung mit, Lichtaus nicht zu spät.

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Sehen Sie: DAS ist die Art Connections, um die ich Leute beneide. Wenn man mit U-Bahn-Piloten befreundet ist, bekommt man auch mal eine
“Exklusive Ansage”.
(Erinnerung an den Neffen der markanten Frauenstimme, die zu meiner Augsburger Studienzeit die Straßenbahn-Ansagen einsprach, mit deutlichem lokalen Akzent. Und der sie dazu brachte, für Freund*innen Anrufbeantworter-Ansagen aufzunehmen.)

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Niemand wundert sich weniger als ich: Es gibt Therapie-Meerschweine.

Journal Mittwoch, 25. Februar 2026 – Vorläufiger Winterabschied

Donnerstag, 26. Februar 2026

Endlich mal wieder eine gute Nacht, die anbrandende Angstwelle nach nächtlichem Klogang bekam ich durch inneres Begehen meiner wundervollen Wohnung in Augsburg weg.

Wie angekündigt tagte es nahezu wolkenlos. Das führte zu verzauberten Ansichten auf meinem Marsch in die Arbeit.

Für das zweite Foto machte ich extra einen Schlenker über den Bavariapark, als ich die Nebelfetzen zwischen den kahlen Bäumen erahnte.

Im Büro ackerte ich wie geplant los, es gab zu räumen, zu sortieren und wegzuwerfen.

Außerdem hatte ich eine Aufgabe, die zwischen Basteln und Ingenieuren lag – eigentlich wieder eine klassische Sekretärinnensache, doch ich war unsicher und hätte mich gerne mit einer anderen Assistenz/Sekretärin beraten. Das bin ich seit einem halben Jahr als einzige für 60 Menschen, also griff ich zu einer Kollegin, die sowas bis zur jüngsten Umstrukturierung vor anderthalb Jahren gemacht hatte: Volltreffer, sie hatte Erfahrung mit exakt dieser Aufgabe.

Auf meinen Mittagscappuccino zog mich der Sonnenschein mit Macht hinaus ins Westend, ich atmete die milde Luft bis in alle Lungenbläschen.

Fokus-Varianten (langsam kommt Farbe zurück!).

Aber auch eine traurige Entdeckung: Der Blumenladen Las Flores am Heimeranplatz, wo ich in den vergangenen zehneinhalb Jahren immer wieder Berufs-, aber auch Privatblumen gekauft hatte, mit deren beiden Betreiberinnen ich oft geplaudert hatte (der Name des Ladens ist Resultat ihrer großen Cádiz-Liebe) – hat zugemacht.

Nach weiterem Gebastel im Büro gab es zu Mittag Apfel, Orange, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot. Große Freude über das Geschenk einer Kollegin: Gurken eingelegt von bulgarischer Oma.

Emsiger, aber kurzer Nachmittag: Ich machte superpünktlich Feierabend, weil ich abends Theaterabo-Vorstellung hatte – Kneifen aus Unlust diesmal eh keine Option, weil ich Herrn Kaltmamsell fürs Mitkommen hatte interessieren können. Also verließ ich das Bürohaus nicht nur bei echtem Tageslicht, sondern auch in wunderbarer Sonne.

In der Apotheke ließ ich mir gegen die absurd zuschwellende Nase ein Spray mit Salz und Hyaluronsäure empfehlen, dann spazierte ich über die Theresienwiese.

Daheim räumte ich ein wenig, begann zwischen zwei Yoga-Programmen wieder eine Woche Pilates.

Zum Theater-bedingt vorgezogenen Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den letzten Bestandteil des Ernteanteils: Süßkartoffeln. Auf meinen Wunsch als Liebling Macaroni-and-cheese.

Spaziergang in dann doch noch winterlicher Luft zu den Kammerspielen. Gegeben wurde Avishai Milstein, Play Auerbach!, und mit dem Untertitel “Erinnerungsrevue” hatte ich Herrn Kaltmamsell gelockt.

Die Vorstellung war ausverkauft – und ich erlebte einen so großartigen Theaterabend wie seit vielen Jahren nicht mehr, genau dafür gibt es Theater, das halt kann, was nur Theater kann. Für Details möchte ich mir Zeit nehmen, Ausführlicheres lesen Sie hier morgen.

Ins Bett kam ich so mehr als eine Stunde später als sonst (hoffentlich erinnere ich mich dran, mein Abo auf Sonntag zu wechseln) (und aufs Resi).

§

Derzeit schreibe ich neben Bloggen noch etwas: Lebenserinnerungen. An einem Ort (in einer Datei), so die Idee, sammle ich, woran ich mich aus meiner Kindheit erinnere – also im Gegensatz zu einer Autobiografie, die meiner Ansicht nach mit Recherche, Nachprüfen von Fakten, Abgleich von Erinnerungen mit Geschichtsschreibung oder mit den Erinnerungen anderer Beteiligter einher geht. Bei allem Faible für Alltagsgeschichte weiß ich, dass mein Leben echt nicht genug für sowas hergibt. Aber Erinnerungen festzuhalten, stelle ich mir reizvoll vor, vielleicht sogar mipfleiß nicht gecheckt.

Ich war überzeugt, dass das Aufschreiben meiner eigenen Erinnerungen schnell gehen müsste, merke ich doch immer wieder, dass andere Mescnhen so viel mehr aus ihrer Kindheit aus erster Hand erzählen können. Ein Irrtum, denn das Bremsen und Strukturieren des Erinnerns durch Aufschreiben erzeugt bei mir genau die Geschwindigkeit, die das Gedächtnis fürs Verküpfen mit weiteren Erinnerungen braucht, an die ich sehr lange nicht gedacht hatte (die Hausmeisterin des Wohnblocks meiner Kindheit hieß Frau Kagerer, wäre mir auf direkte Frage nie eingefallen). Und es bereitet mir Freude auszusortieren, was ich zur Zeit des Erlebens wusste, was mir erzählt wurde (ich erinnere mich also an Erzähltes) und was erst viele Jahre oder Jahrzehnte später Wörter und Einordnung bekam. Chronologie, so der Vorsatz, ist dabei irrelevant, es dürfen sich Assoziationen in alle Richtungen ergeben.

Mal sehen, wie lange ich Spaß daran habe.

Journal Sonntag, 22. Februar 2026 – Digitalisierung aus der Hölle, Sport in Wolle, Anatomie eines Falls

Montag, 23. Februar 2026

Schlecht geschlafen, weil meine Nase trotz Spray immer wieder zuschwoll, kurz nach sechs ließ ich es gut sein.

Aufgestanden zu Regen mit Wind. Ich bloggte gemütlich und las ausführlich Internet, denn ich wollte sehr gerne raus zu einem Lauf und hoffte auf ein Nachlassen des Regens.

Im dritten Anlauf (über Monate, zweimal aufgegeben) schaffte ich es, an meinen persönlichen Online-Bereich der Audi BKK ranzukommen. UX aus der Hölle, am schlimmsten: Dieselben Dinge werden verschieden bezeichnet, also z.B. mal als “PIN”, mal als “Sicherheitsnummer”. Zudem brauchte ich zwei Web- und zwei Handy-Apps, die aufeinander verwiesen.

Los ging es im November 2025 mit der Papier-Info, dass der Name der “Service-App” geändert werde (nu? Glückwunsch?), “Ihre bisherigen Zugangsdaten zur Service-App verlieren ihre Gültigkeit” – WTF?!

Wie sich gestern herausstellte, spielte beim Neu-Anlegen/Verifizieren/Mit-Funktionen-verknüpfen meines Bereichs ein Papier-Schreiben der Krankenkasse vom vergangenen August eine zentrale Rolle: Mit dem Betreff “PIN für Ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK)” hatte ich eine PIN und eine PUK zum Freirubbeln bekommen. No na, ich nahm mir vor, das Schreiben zum nächsten Einsatz der Kassenkarte mitzunehmen, vielleicht musste ich ab jetzt eine PIN zum Einlesen angeben. (Musste ich nicht.)

Gestern erwies sich, dass die wohl überhaupt nichts mit irgendeiner Karte zu tun hat. DAS war nämlich die Nummer, auf die ich seit dem zweiten Versuch im Dezember wartete, als ich im Prozess bis an einen Punkt gekommen war, an dem es hieß: Jetzt fehlte nur noch die Bestätigung per Geheimzahl, die mir innerhalb der folgenden zwei Wochen zugeschickt würde. Doch dann kam nichts. Es war eine dieser Zahlen vom August, die an zwei Stellen des Online-Registrierprozesses eingegeben werden muss, einmal eben als “PIN”, einmal als “Sicherheitsnummer”. Erstmal hatte hatte ich natürlich andere Ziffern ausprobiert (die auch nicht “Sicherheitsnummer” hießen), auf der Kassenkarte stehen ja fünf verschiedenen Zahlenfolgen, zwei davon waren ebenfalls für den Registrier-Prozess relevant – unter anderen Bezeichnungen als auf der Karte, ich folgerte aus der Anzahl der Stellen.

Wenn mal wieder fehlende digitale Prozesse in deutschen Verwaltungsabläufen angeprangert werden, verweise ich neben Bayern-ID auf diesen der Audi BKK, der offensichtlich der aktiven Abschreckung dient. (Mittlerweile weiß ich, dass Barmer und Techniker ähnlich abschrecken, it’s not a bug, it’s a feature).

Jetzt war ich so geladen, dass ich wirklich Bewegung brauchte. Draußen war es mild, ich schlüpfte zum ersten Mal in ein neues Lauf-Shirt: Nachdem mir monatelang Online-Werbung leichte Woll-Shirts als körperfreundlich und geruchsarm für Sport angepriesen hatte (für eine Starkschwitzerin wie mich sehr attraktive Verkaufsargumente), nahm ich eine perönliche Empfehlung und ein Sonderangebot zum Anlass, ein solches zu bestellen. Drüber die Regenjacke.

Ich nehme vorweg: Bei meiner Rückkehr warf ich das Shirt also nicht in die Wäsche (waschen soll man das Woll-Shirt möglichst selten), sondern hängte es zum Trocknen auf. Und tatsächlich roch es abends nicht nach Schweiß.

Der Regen erwischte mich trotzdem, nur im Mittelteil meiner Runde hatte ich 45 Minuten ohne Kapuze. Meine Strecke legte ich über möglichst viele asphaltierte Wege in der Innenstadt, ich rechnete gestern mit Matsch und Pfützen. Der Körper spielte recht gut mit, aber bei dem Wetter war das Vergnügen überschaubar. Ich versuchte, mich auf den Genuss der Bewegung an der frischen Luft zu konzentrieren.

Na also, endlich Winterlinge (die Krokanten waren noch geschlossen).

Nu, besser als kein Lauf.

Nach dem Duschen lackierte ich meine Zehennägel – zum einen, weil ich sie dann lieber ansehe (Altern verändert auch Zehennägel, und nicht zum Schöneren), zum anderen weil mich Frau Pediküre Ende Dezember darauf hinwies, dass der rechte Zehennagel sich ablöst und eine neue Version nachwächst, mich warnte, dass ein vorzeitiges Wegfallen des alten das mögliche und schmerzhafte Einwachsen des neuen begünstigt; der Nagellack soll als Klebstoff fungieren.

Frühstück um zwei: Äpfelchen (aus jüngstem Ernteanteil und ganz besonders gut), zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot.

Das Wetter blieb regnerisch, statt ins Kino zu gehen, sah ich mir einen Kinofilm von 2023 in der ARD-Mediathek an (Tab seit Wochen offen):
Anatomie eines Falls.
Obwohl ich praktisch alles über Film und Handlung wusste (ich hatte die Award-Saison 2024 mit Sandra Hüller sehr eng verfolgt), waren Drehbuch und Darsteller*innen so gut, dass er mich fesselte, das ist ein wirklich guter Film. Und ich konnte ihn unsynchronisiert mit Untertiteln ansehen: Dass in ihm Französisch und Englisch gesprochen wird, zu fast gleichen Teilen, spielt in vielen Szenen eine Rolle (die deutsche Version übersetzt beide Sprachen gleich, das finde ich schlecht).

Als Nachtmahl verwendete Herr Kaltmamsell einige Crowdfarming-Orangen für das Orangen-Schwein, das uns beim ersten Versuch sehr gut geschmeckt hatte.

Auch diesmal sehr gut.

Und zum Nachtisch servierte er gebackene Riesen-Marshmallows mit geschmolzener Schokolade zwischen Vollkorn-Keksen – davon hatte er lange geträumt. Ergab beim Essen eine rechte Sauerei. Dann noch etwas Schokolade.

Journal Freitag, 20. Februar 2026 – Besonders dick Schnee, der Kampf der Wahlvorsteherin

Samstag, 21. Februar 2026

Beim Aufstehen immer noch dicker, nasser Schnee, Weg in die Arbeit in weiterem leichten Schneefall von oben und wadenhohem Matsch unten (Winterdienste in vollem Einsatz, viel bereits freigeräumt).

Hier die erwartbaren Fotomotive.

Ihr nennt es Winterzauber, ich nenne es Isgutjetz.

Arbeitsvormittag mit einer großen Stressaufgabe (Stress ganz individuell persönlich, denn eigentlich ein Routinejob für Assistenzen). Ich hielt mich sehr an der Aussicht auf einen Freitagabend mit Freunden, gutem Essen und Alkohol fest.

Wieder war ich so zittrig, dass ich den Mittagscappuccino lieber bleiben ließ. Deshalb auch gestern mittags nur Marsch um die Blöcke, der Matsch mittlerweile nur noch knöchelhoch. Alles suppte, von den Bäumen rutschte der Schnee in Brocken. Ich hoffe, dass alles bis Sonntag weggeschmolzen und versickert ist, damit ich an der Isar mit Genuss laufen kann.

Zu Mittag gab es Apfel, vorgeschnittene Orangen, gemischte Nüsse.

Nach nahezu pünktlichem Feierabend unter düsterem Himmel und in gluckernder Schneeschmelze direkt nach Hause.

Gestern telefonierte ich mein Wahlhilfeteam für die Kommunalwahl am 8. März (fast) durch, sprach mit acht sehr unterschiedlichen Menschen, versprühte eisern Zuversicht und gute Laune – die gerahmte Leutseligkeit. (@novemberregen aus dem Gedächtnis: “Die stärkste Energie bestimmt den Raum.”)
Einer davon war leider komplett überrascht, dass die Wahl a) am 8. März stattfindet, b) zwei Tage Einsatz bedeutet – da könne er nicht. Ich bat ihn, das beim Wahlamt zu melden, damit Ersatz gesucht wurde.
Danach war ich komplett fertig mit der Welt. Alles für das Gefühl, Demokratie nicht nur zu konsumieren. (Das war sowas von das letzte Mal, dass ich mich melde.)

Mit den Freunden waren Herr Kaltmamsell und ich im italienischen (kalabresischen) Restaurant Friulana verabredet, das wir bereits kannten und schätzten (und wo wir, wie wir uns im Lauf des Abends erinnerten, den Jahreswechsel 2019/2020 gefeiert hatten – naturgemäß ohne Ahnung, dass uns in diesem 2020 die Corona-Pandemie ereilen würde und manch anderer tiefer Einschnitt im Leben).

Wir vier waren so schnell in so freudige und intensive Gespräche vertieft, dass ich die Fotos vom wirklich guten Essen vergaß. Es gab erstmal gemischte Vorspeisen für alle mit extra Gemüse, dann teilten sich Herr Kaltmamsell und ich von der handgeschriebenen Speisekarte(-tafel) Pasta quattro formaggi (ganz wunderbar), ich hatte als Secondo Spanferkel-Rollbraten mit Birne und Walnuss (ausgezeichnet).

Als Aperitiv hatte ich um einen Spumante gebeten und einen Franciacorta bekommen, der mir so gut schmeckte, dass ich den Abend über dabei blieb. Santo Palamara, der Wirt und Koch des Friulana, ist berühmt für sein selbst hergestelltes Eis, um mich herum wurde unter anderem das saisonale Bergamotte- und Mandarineneis als Dessert gegessen – selbst war ich leider zu voll für Nachtisch (keine Ahnung, wo der wissenschaftlich belegte Dessertmagen geblieben war).

Dazu aber vor allem fröhliche und weniger fröhliche Gespräche über kürzliche Urlaube, Berufssituation, die allgemeine Weltlage und wie viel davon man ins eigene Leben lässt.

Erst um Mitternacht verabschiedeten wir uns.

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Das Techniktagebuch gibt es auch zu diesem Geburtstag wieder als Buch, diesmal mit ganz besonders schönem Titel:
“Ãoebersichtlicheres, benutzerfreundliches Design, auch verfügbar für alle führenden Mobilgeräte”.
(Echte Frage: Muss man alt sein, um das lustig zu finden oder können auch Junge darüber lachen?)

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Lustige Tiere mal ohne Säugetier-Beteiligung.

Journal Donnerstag, 19. Februar 2026 – Schnee, Schnee, Schnee

Freitag, 20. Februar 2026

Nachdem ich schwer eingeschlafen war (der Fernsehfilm arbeitete in mir), schlief ich gut und wurde vom Wecker unwillig geweckt.

Die Luft ein wenig milder: Die Pfützen auf der Theresienwiese waren nicht mehr gefroren.

Der Arbeitsvormittag kam wieder mit Turbulenzen, ich war wieder so gestresst hibblelig, dass sich Koffein in Form von Mittagscappuccino verbot (und ich den Extra-Stress wegen Mitarbeitenden-Gespräch, sonst Stressfaktor auf Höhe Wurzelbehandlung, fast nicht mehr spürte).

Dringend nötig hatte ich aber mittags den Marsch um die Blöcke, boah. Nachdem die Last des Mitarbeitenden-Gesprächs von mir abgefallen war, flog ich fast, auch Treppen hoch – dass es schon wieder schneite, war völlig egal.

Zu Mittag gab es neben vorgeschnittenen Orangen Quark mit Leinsamenschrot.

Jetzt wurde der Schneefall ernst- und dauerhaft.

Nachmittag auch noch geschafft, darin auch belastendes Menschliches.

Heimweg in nassem Schneefall über kurze Lebensmitteleinkäufe (Kapuzen sind super).

Schwanthalerhöhe mit Blick Richtung Theresienwiese.

Daheim eine Waschmaschine mit Handtüchern gefüllt und gestartet, eine Folge Yoga geturnt – die so zackig getaktet war, dass es sich geradezu hektisch anfühlte, zumal einiges sehr überraschend kam. Die möchte ich nochmal machen, um sie auskosten zu können.

Herr Kaltmamsell nahm die Erntanteil-Herausforderung Schwarzer Rettich an (mögen wir beide nicht besonders) und servierte ihn in zwei Gängen:

Hühnerbrühe asiatisch mit gehobeltem Rettich. Hervorragend.

Hühnchen-Gemüsepfanne asiatisch-süßlich mit Sherry, das Bittere des Rettichs störte nichtmal. Nachtisch Schokolade.

Briefwahlunterlagen angefordert (per QR-Code und wenigen Klicks), mich dann ins Wahlhelfer-Portal eingeloggt (ächz: Website -> Ausweisapp auf dem Handy -> Ausweisprogramm auf dem Computer), per Rumprobieren zu der Seite gefunden, auf der mein Wahlhilfe-Team einsehbar war, mit Namen und Telefonnummern: Früher waren diese Infos Teil Berufung auf Papier gewesen, diesmal war ich zufällig auf sie gestoßen, als ich mich nach Berufung online für die Schulung angemeldet hatte – stellte aber fest, dass zu diesem Zeitpunkt noch eine wichtige Rolle unbesetzt war. Deshalb gestern neues Checken: Jetzt war die Liste vollständig, und ich kann mich daran machen, alle anzurufen und die Schichten für 8. März einzuteilen. In der Wahlhilfeschulung hatte man uns Wahlvorsteherinnen empfohlen, für das Team eine WhatsApp-Gruppe einzurichten. Kann ich nicht, weil ich WhatsApp konsequent den Zugriff auf meine Kontakte verwehre und mir so nur sehr eingeschränkte Funktionen zur Verfügung stehen. Zum Beispiel kann ich niemandenen konktaktieren, der oder die nicht vorher mich kontaktiert hat. Mal sehen, ob’s auch ohne geht.

Es schneite weiter, nass und schwer; ich sorgte mich bereits wieder um die Bäume und befürchtete abbrechende Äste.

Journal Aschermittwoch, 18. Februar 2026 – Arbeitseinstieg mit Kampf

Donnerstag, 19. Februar 2026

Ein bisschen später losgekommen als sonst (Bett abgezogen, Waschmaschine gefüllt und angeschaltet, das Aufhängen übernahm Herr Kaltmamsell mit seinen Faschingsferien) – und länger gebraucht als sonst, weil es auf dem leicht angeschneiten, knackig frostigen Weg in der Morgensonne so viele interessante Anblicke gab.

(Schon Mark Rothko, oder?) Außerdem war es scheißglatt.

Im Büro verschärfter Kampf mit Outlook, und zwar beim Versuch, eine Kalender-Einladung an sechs Personen zu schicken.
– Einmal gesamter Verteiler beim Senden gelöscht.
– Einmal ging die Einladung nur an eine namensähnliche Kollegin (zum Glück intern, zum Glück fragte sie verdutzt nach).
– Nach dem dritten Versuch (mit Screenshot vor Absenden wie bereits bei Versuch 2) hakte ich bei den Eingeladenen nach (Internet like 2001, second screen Telefon: “Ich hab Ihnen gerade eine E-Mail geschickt, ist die angekommen?”)

Aber um mal wieder (WIE IMMER) das Positive abzuleiten: Assistenzen wie ich werden noch lang nicht durch Algorithmen ersetzbar sein, wenn sie neben ihrem eigentlichen Job immer genauer prüfen müssen, ob die technischen Systeme gerade Mist bauen.

Blöderweise schubste mich diese Verunsicherung plus eine weitere spontane Heikelkeit derart aus der Bahn (wichtige Einladung, wichtige Leute), dass ich lange brauchte, um mich zu beruhigen und konzentriert weiterzuarbeiten. Zur üblichen Zeit meines Mittagscappuccinos hatte ich einen Termin, mit meiner Hibbeligkeit hätte mir Koffein eh nicht gut getan. Statt dessen nutzte ich die Mittagszeit für einen ausgedehnten Marsch um mehrere Blöcke.

Als Mittagessen gab es vorgeschnittene Orangen (das wird wohl erstmal so bleiben) sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Emsiger Arbeitsnachmittag, zum Glück nervenschonender als der Morgen.

Nach Feierabend fuhr ich mit der U-Bahn zu Espressokauf im Caffe Fausto an den Candidplatz. Zurück am Sendlinger Tor weitere Lebensmitteleinkäufe. Dadurch war es schon fast sieben, als ich daheim ankam: Ich ließ Yoga aus, machte mich an Bettüberziehen und Brotzeitvorbereitung.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig mit Freunden, hatte aber nachmittags den Ernteanteil-Lauch zum Favoriten Lauch-Bohnen-Romesco verarbeitet, und zwar mit Riesenbohnen, die wir im Wiener polnischen Supermarkt gekauft hatten. Schmeckte ausgesprochen super.

Dieses Jahr fallen der Beginn der christlichen Fastenzeit und der Beginn von Ramadan zusammen – finde ich sehr charmant.

Abendunterhaltung: Der Fernsehfilm Damen, von dem ich in der Süddeutschen Gutes gelesen hatte, hier in der Mediathek.
So viele schöne München-Bilder im Frühsommer! (Unter anderem aus dem Volkstheater.) Hinreißende Hauptdarstellerin Salka Weber, sehr beeindruckt war ich auch von Mai-Phuong Kollath, und ich mochte die Geschichten von Freundschaft und Familie in einer fast schon realistischen Buntheit und ohne viel Action.

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Dass bei Kindern und Jugendlichen “Social Media” alles dasselbe ist und nicht Austausch/Information/Konsum/Kreativität/Vernetzung/Unterhaltung – wie halt bei Erwachsenen auch, kann ich mir nicht vorstellen. Nur dass ein Internet-Endgerät im Spiel ist, reicht mir nicht als Definition. Medienwissenschaftlerin Ulla Autenrieth differenziert, deshalb gefällt mit dieses Interview mit ihr.
“Mit Verboten werden Jugendliche zum Schweigen gebracht”.

Inklusive einem Argument gegen Alarmismus, das meiner Ansicht nach zu wenig beachtet wird: Alarm ist laut und bekommt dadurch mehr Aufmerksamkeit – auch kommerzielle.

Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und dem Wohlbefinden von Kindern? Als Laiin stelle ich mir vor: je länger, desto schlechter.
Auch hier muss man sagen: Es kommt eben sehr darauf an. Was wird denn während der Bildschirmzeit gemacht? Fernsehen, in der App lernen, mit Freunden chatten: Was zählt da alles dazu? Je mehr soziale Interaktion, je mehr Kreativität in etwas steckt, desto positiver ist es letztlich. Wenn ich mir Tag und Nacht negative Dinge anschaue, hat es natürlich einen negativen Effekt.

Der amerikanische Moralpsychologe Jonathan Haidt behauptet in seinem Bestseller «Generation Angst», Social Media mache junge Menschen psychisch krank. Haben Sie als Medienwissenschaftlerin sein Buch gelesen?
Oh ja. Von Anfang bis Ende.

Wie schätzen Sie als Expertin es ein?
Haidt greift Ängste auf, die viele Eltern teilen, und präsentiert diese in einer sehr zugespitzten Weise. Dabei muss man beachten, dass er Bücher schreibt, um Bestseller zu landen. Haidt lehrt an einer Business School. Das Konzept des Buches erinnert mich an die Bücher von Manfred Spitzer, der mit seinen Thesen ja auch immer sehr präsent ist. Diese Autoren greifen Ängste auf und setzen das Ganze sehr schlagwortartig und marktorientiert um. Die Thesen finden viel Anklang, weil sie Themen und Herausforderungen aufgreifen, die im Raum stehen.

(Außerdem wird Kathrin Passig darin zitiert <3)

§

Der am breitesten getanzte Volkstanz Spaniens? Nein, ganz sicher nicht Flamenco, den tanzt die Minderheit der Gitanes. Es ist die Jota!
Hier eine ganze Plaza in Zaragoza voll Tänzer*innen (Charity-Aktion zum Tag des Kinderkrebses) – sähe in Tracht noch schöner aus, aber die haben natürlich nur wenige (es gibt ja keine Schwundstufe für sowas wie Oktoberfest).

Journal Dienstag, 17. Februar 2026 – Heimreise und der Raglanmantel am Besitzer plus Umfrage

Mittwoch, 18. Februar 2026

Sehr gut geschlafen bis fünf, dann mit zugeschwollener Nase nicht mehr recht eingeschlafen.

Unser Zug zurück nach München ging erst um halb elf ab Wien Meidling, ich konnte noch bloggen. Packen und Auschecken gingen schnell, es gab Morgen-Cappuccino im Westbahnhof, wo wir auch Brotzeit für die Fahrt besorgten.

Zu den vielen Details, die mir in Wien positiv auffielen, gehörten die viel wenigeren LALÜs als in München. Ja, auch hier machten sich Krankenwagen (aka “die Rettung”) durch Martinshorn vor roten Ampeln an Straßenkreuzungen bemerkbar, aber immer nur ganz kurz und nicht wie in München ganze Straßenzüge lang.

Wir trafen viel zu früh in Meidling ein, zudem zeigte meine App wechselnd lange Verspätung der Abfahrt an. Tatsächlich starteten wir nahezu pünktlich.

Wenn man erstmal akzeptiert, dass dieser Winter nie mehr aufhören wird, geht’s eigentlich.

Ereignisarme Fahrt mit Zeitung- und Internet-Lesen durch Bahnhöfe wie Redl-Zipf – Ortsnamen sind einfach immer für einen Lacher gut, und das auf der ganzen Welt. Auf halber Strecke lag die Verspätung bei gut 20 Minuten, doch beim Blick aus dem Fenster mit erneutem und waagrechten Schneefall dachte ich mal wieder: “Am Steuer eines Autos und auf einer Straße möchte ich gerade noch viel weniger sitzen.” (Was bei mir nicht ganz güldet, weil ich eigentlich nie am Steuer eines Autos sitzen möchte, aber Sie wissen, worauf ich hinaus will.) Zu Mittag aß ich um halb zwei einen Apfel (Geschenk des Hotels) sowie ein Kornspitz mit dick Käse.

Daheim in München schien die Sonne (wie sie es auch unterwegs hin und wieder getan hatte). Und vor der Wohnungstür wartete eine Kiste Orangen – leider nicht wie vereinbart gestern geliefert, sondern bereits am Samstag davor. So konnten wir erst jetzt den Inhalt Frucht für Frucht checken, und ja: ein halbes Dutzend hatte bereits matschige Stellen, Herr Kaltmamsell presste erst mal ein großes Glas Orangensaft aus.

Ein paar Häuslichkeiten, dann bat ich Herrn Kaltmamsell zum Mantel-Modeln – mit verschiedenen seiner Mützen und Hüte.

Was meinen Sie: Welche Kopfbedeckung passt am besten zu dem Mantel?

  • Keine Kopfbedeckung (2%, 13 Stimmen)
  • Flat Cap (42%, 294 Stimmen)
  • Fedora (37%, 261 Stimmen)
  • Bowler Hat (19%, 132 Stimmen)

Abgestimmt bisher: 700

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Die edlen inneren Werte des Mantels:

Außerdem hat Herr Kaltmamsell (natürlich) den historischen und sprachlichen Wurzeln des Kleidungsstücks hinterherrecherchiert.

Das letzte Tageslicht nutzte ich für eine Bügelrunde. (Nach den vier Tagen Gemeinsamkeit mit Herrn Kaltmamsell und vielen anregenden Gesprächen und Austauschen, in denen ich von dem Vielen profitierte, was ich an ihm mag und schätze, verschwanden wir zu Hause wieder in unsere separaten Welten. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir immer wieder zu zweit solche und ähnliche – Wanderung, Museumsbesuch, Restaurantessen – Unternehmungen unternehmen.)

Nach vier Tagen ohne checkte ich, ob Yoga noch funktionierte: Ja, tat es.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell eine Sensation, die vor einiger Zeit durch mein Internet gegangen war: Paradeiserkraut. Und zwar erst jetzt und damit nach allen, allen anderen, weil wir das nächste Weißkraut im Ernteanteil abwarteten.

Statt Semmelnknödeln gab es bei uns dazu ein leichtes Eiergebäck (knuspriger Biskuit), das wir in der Wiener Bäckerei Ohel gesehen hatten, und das uns als Beilage zu Suppen und Eintöpfen erklärt worden war. Schmeckte ganz hervorragend, kommt auf die Liste der Lagerweißkrautrezepte.

Nachtisch Hamantaschen (gut!) und Schokolade. Seufzende Vorbereitung des ersten Arbeitstags nach Faschingsurlaub.

§

Gisèle Pelicot hat ein Buch geschrieben, ihre Perspektive der Gewalt, die ihr angetan wurde, und des Gerichtsverfahrens, das sie dadurch historisch gemacht hat, dass sie die Öffentlichkeit zuließ. Die New York Times interviewt sie darüber.
“The Interview
‘They All Tried to Break Me’: Gisèle Pelicot Shares Her Story”.

Ich bitte Sie: Lesen Sie dieses Interview mit all seinen Ungeheuerlichkeiten und Abgründen. (Vermutlich am besten wie ich in kleinen Abschnitten.) Die Scham muss die Seite wechseln.
Und was die unglaubliche Resilienz von Gisèle Pelicot angeht: Wie sie selbst gehe ich davon aus, dass es viel damit zu tun hat, dass sie keine eigene Erinnerung an die zahllosen Vergewaltigungen hat. Sie weist meiner Meinung nach zurecht darauf hin, dass es eine ganz andere Belastung ist, wenn man tatsächlich, weil bewusst durch musste.