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Journal Montag, 10. August 2026 – Brighton 10 mit Ausflug nach Hastings

Dienstag, 11. August 2026

Erst am Sonntag habe ich gemerkt, dass die Nummerierung der Brighton-Aufenthaltstage dem August-Datum entspricht und ich nicht jedesmal beim vorherigen Post nachsehen muss, welche Nummer dran ist. Manchmal frage ich mich schon, wie ich je durchs Abitur kommen konnte.

Gestern schliefen wir beide besonders lang, wenn auch ich eher unruhig. Plan war ein Ausflug nach Hastings: Mehrmals die Stunde direkt mit dem Zug in einer Stunde erreichbar und klang interessant. Wieder war keinerlei unerträgliche Hitze angekündigt, die 25 Grad Tageshöchsttemperatur mit Sonne passten wunderbar.

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der Ausflug lohnte sich sehr, Hastings erwies sich als sympathischer und sehenswerter Ort.

Vormittags spazierten wir also rüber zum Bahnhof.

Diesmal fuhren wir von einem hölzernen Bahnsteig ab.

Ich las das Sunday Times Magazine vom Vortag, freute mich über diese Bildunterschrift. Der Artikel dazu (€) war ausgesprochen interessant: Wie es ist, wenn man nie nach seiner 51-jährigen Partnerschaft und Ehe mit der Liebe seines Lebens gefragt wird (Peter Schlesinger und Eric Boman), sondern nur nach seiner wenigjährigen Jugendliebe David Hockney, weil der halt ein Weltstar wurde. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass das Sunday Times Magazine mehrfach und schon sehr früh gemeinsame Projekte mit David Hockney gemacht hat.

Aber jetzt zu Hastings. Die Stadt liegt auf und zwischen zwei Hügeln, wir spazierten vom Bahnhof erstmal auf den mit der Burgruine (1070 William the Conquerer).

Ganz zur Ruine (die beiden Spitzen ganz oben auf dem Foto) allerdings nicht, weil das Eintritt gekostet hätte. Und eigentlich waren wir eh vor allem auf die Aussicht aus, um einen Überblick über die Stadt und Orientierung zu bekommen.

Gegenüber eine der beiden Standseilbahnen, die auf die Hügel führen.

Jetzt konnten wir mit ein wenig mehr Plan mäandern und gingen in die Old Town.

Ein bezauberndes winziges Programmkino – mit handgeschriebenem Programm auf der Tafel neben dem Eingang.

Sehr viele Antiquitätenläden, viele kleine Lokale. Von denen wir jetzt eines ansteuerten, weil wir Hunger hatten. Es wurde eine Cornish Bakery, und es gab klassische Cornish Pastys (Füllung Rindfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Steckrübe – ist inzwischen eine EU-geschützte Ursprungsbezeichung), sogar eine sehr gute. Die Pflaumen-Kirsch-Limo dazu war gut gegen Durst, aber Limo ist einfach nicht so meines.

Das Besondere an Hastings, hatten wir vorher angelesen, ist die Fischerei. Und dabei die Net Shops, in denen die Fischer früher mangels Fläche am Strand ihre Netze hängend trockneten.

Wir spazierten die Küste entlang, so weit es nach Westen ging.

Zurück bogen wir ins Fischereimuseum ab – eigentlich ohne große Hoffnung, mei, so ein lokales Amateurmuseum halt.

Eingangstür

Doch das wurde ein echtes Erlebnis: Ja, das Museum war voller Zeugs, aber neben dem zentralen Exponat, einem ganzen alten hölzernen Fischerboot, stellte es vor allem Menschen vor, Fischer aus Hastings nämlich – mit einer deutlich überdurchschnittlichen Quote an Originalen.

Und anhand dieses (wichtig: rund gestrickten) Fischerpullis wurden die Sprache der Muster erklärt und weitere Besonderheiten.

Fischerei war und ist Männersache, doch auch die Frage “What about the women?” hatte Platz. Ohnehin war an vielen Details nachvollziehbar, dass dieses Museum, eine ehemalige Kirche, das Zentrum der lokalen Community ist. Ich stellte mir ein bayerisches ländliches Heimatmuseum mit ähnlichem Schwerpunkt vor: Örtliche Landwirt*innen, Originale des Dorflebens, Exponate mit ganz persönlichem Bezug – das würde mich interessieren.

Als ich ihm das erzählte, regte Herr Kaltmamsell eine solche Abteilung fürs Münchner Stadtmuseum am: Aus den verschiedenen Stadtvierteln die besonderen Persönlichkeiten, die alle kennen, von denen viele eine Geschichte zu erzählen wissen, die für das Viertel Bedeutung haben – vorgestellt mit Foto-Portrait der einen oder anderen dieser Geschichten. Hausmeisterinnen, Pfarrer, Dönerladen-Betreiber, Grattler, Schulweg-Lotsinnen, Edeka-Kassierinnen. Zum Beispiel.

Den Rest der Seafront wollten wir aber auch noch sehen, darunter den Pier.

Irgendwer musste den ja mal machen.

Auch diesen Pier hatte ein Feuer erwischt und zerstört, 2010, man hatte ihn eher schlicht und funktional wiederaufgebaut.

Weitere Besonderheit in Hastings: eine zweigeschoßige Promenade.

Das schattige Unten war nach der vielen Sonne bis dahin sehr willkommen.

Eine extra zur Verfügung gestellte Schloss-Anbring-Gelegenheit.

Letzter Blick auf die Burg, wir spazierten zurück zum Bahnhof.

In Brighton Einkäufe: Ich holte mir bei Decathlon die Laufwasserflasche (nur eine Nachfrage beim Personal nötig), Foto gibt’s morgen. Und wir besorgten Lebensmittel unter anderem fürs Abendbrot.

Zu diesem hatte ich um eine Schüssel Salat gebeten, ich bin schwer untersalatiert. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit, etwas bei einem chinesischen Imbiss zu holen, dessen Hühnchen-Angebote abgefahren aussahen.

Es gab also grünen Salat mit Gurke, Tomate, roter Paprika (klassische Vinaigrette mit Zitronensaft) und panierte, frittierte Hühnermägen (Herr Kaltmamsell, der dafür rausgegangen war, hatte zudem japanische Bällchen mit Calamri mitgebracht.

Nachtisch: Golden Sponge Puddings aus der Kühltheke/Mikrowelle (seit ich die vor über 30 Jahren in England entdeckte, liebe ich diesen warmen, gedämpften Rührkuchen mit Sauce), frische kleine grüne Feigen vom türkischen Obsthändler. (Und nur wenig Schokolade.)

§

Die Wetteraussichten laut Wetter Online:

Brighton:

München:

Ich würde gerne bis nächsten Montag hier bleiben.

§

Jetzt aber echt ehrlich und zum Einmerken: Es wird wieder eine Bloglesung geben, am Samstag, 24. Oktober, um 19 Uhr im Müncher Boxwerk, Schwindstr. 14.
Line-up: Initiatorin und Organisatorin Frau Klugscheißer, außerdem Novemberregen, aus Berlin Mequito, aus Haltern Vanessa Giese und ich.

Journal Sonntag, 9. August 2026 – Brighton 9 mit Lauf-Schatten und nochmal Sunday Roast

Montag, 10. August 2026

Für gestern waren rapide steigende Temperaturen angekündigt, also ging ich vernünftig (nach Morgenkaffee) erst Laufen, bevor ich den Vortag verbloggte. Der Lohn für Start um 8:20 Uhr: Grad noch so okaye Temperatur, vor allem aber ein paar Mal mehrere Meter echter Schatten.

Die Karussels schliefen noch.

Schatten unterm riesigen Feigenbaum am Anfang des Undercliff Walks.

Klippenschatten

Steinschlagzaunschatten

Badehüttenschatten

Umkehren hinter Rottingdean.

Es waren bereits zahlreiche Jogger*innen unterwegs (Radler*innen kamen erst am Ende, meist in Ausflugsgruppen); wie schon in den Jahren zuvor fielen mir ihre Plastikwasserflaschen in Ringform auf, in die man so praktisch reingreifen kann, hier ein Beispiel. Nachdem ich viele Jahre lang mit einem Fotoapparat in der Hand gelaufen bin, stelle ich mir so eine Flasche auch nicht hinderlicher vor. (Im Sommer tränke ich gerne unterwegs Wasser, doch Trinkflaschengürtel wackelten mir zu sehr, und extra einen Rucksack mit Wasserbeuteln will ich mir nicht umschnallen.)

Den Rückweg nach Laufende legte ich so, dass ich für Herrn Kaltmamsell Sonntagszeitungen besorgen konnte (neben der bestellten Sunday Times nahm ich noch den Sunday Telegraph mit). Plan war eigentlich anschließendes Bad im Meer gewesen. Doch auf dem Weg vom Supermarkt zur Ferienwohnung, langsam und in rapide zunehmender Hitze immer Schatten suchend, musste ich mir gestehen: Ich mochte nicht. Sehr nicht. Erstmal wollte ich nicht mehr raus.

Also ausführliches Duschen und Pflegen, die Wohnung kühlend abgedunkelt.

Herr Kaltmamsell wünschte sich nochmal Sunday Roast, hatte im angepeilten Pub Lion & Lobster aber nur noch für 15 Uhr eine Reservierung bekommen. Dann wurde halt so lange gehungert, Appetit hatte ich eh keinen.

Beim Verlassen der Wohnung die Überraschung: Es hatte abgekühlt, statt wie erwartet immer wärmer zu werden. (Sage ich doch: völlig neue Wettererfahrungen hier.)

Im Pub wurden wir aber nach oben ins Restaurant geschickt, also kein richtiger Pub Sunday Roast.

Ich war neugierig auf das vegetarische Angebot: Veggie wellington (scheint derzeit der vegetarische Standard zu sein).

Schmeckte herrlich gemüsig-linsig. Dazu ein Pint Lager Shandy (Radler). Herr Kaltmamsell hatte Porcetta und Cider. Ich überredete ihn noch zu einem Sticky Toffee Pudding als Nachtisch – als Vergleich zu seinem.

Anschließendes Bummeln, unter anderem im Einkaufszentrum am Churchill Square (viel Leerstand). In einem Sportbekleidungsladen fragte ich nach der Wasserflasche oben: Sie führten gar keine, auf Nachfrage schickte man mich zum örtlichen Decathlon. Da der gerade am Schließen war, komme ich wieder.

Diese Netz-Ballerinas aus allen möglichen Materialien sehe ich hier auffallend häufig an den Füßen eher junger Frauen (kannte sie bereits aus instagram-Werbung und in München sehr vereinzelt auch getragen). Ebenfalls auffallend häufig: Permanent clothing, im Sommer naturgemäß sichtbarer als in angezogeneren Jahreszeiten, bis hin zu schlicht komplett schwarz tätowierten Armen und Beinen, Männer auch mal inklusive Kopf tintenbekleidet.

Gechillter Restsonntag mit Lesen, mühevolles Buchen der nächsten Bahnreise im August zu Freunden in der “(Sieg)”-Gegend.

Abends hatte ich nochmal richtig Hunger, aß Skyr und Joghurt mit Nektarinen, ein Stück Käse, Süßigkeiten.

§

Nils Minkmar fällt in seinem aktuellen Newsletter ein schöner Vergleich ein für die politische Tatenlosigkeit angesichts der derzeit nicht zu übersehenden Auswirkungen der Klimakatastrophe:
“Nichts in Ordnung”.

Journal Samstag, 8. August 2026 – Brighton 8 mit Southdowns-Wanderung und Ginger Pig

Sonntag, 9. August 2026

Ein weiteres Mal gut und lang geschlafen (nur einmal Klogang), davon verspreche ich mir am meisten Erholung in diesem Urlaub. Wieder zu ausgesprochen frischer Luft aufgestanden.

Tagesplan war eine Wanderung in den Southdowns, davor Wäschewaschen, abends feines Essen im örtlichen Restaurant Ginger Pig – für das wir bei den vorherigen Versuchen nie einen Tisch bekommen hatten.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem von vieler Nutzung bereits zerfledderten Wanderbüchl, das unsere Southdowns-Wanderungen inspiriert hatte, die Strecke vorgeschlagen, die meiner (höchst unzuverlässigen) Erinnerung nach vor gut 20 Jahren unsere allererste gewesen ist: Von Falmer über Stanmer, ein Stück Southdowns Way bis Ditchling Beacon und die Runde zurück. Das machten wir.

Das kurze Stück rauf nach Falmer ließen wir uns vom Zug bringen, Bus hätte es auch gegeben. Dort wollte sich Herr Kaltmamsell erstmal umsehen: In Falmer liegt die University of Sussex – nicht zu verwechseln mit der University of Brighton -, in der er 1990/91 sein Auslandsstudienjahr verbracht hatte. Natürlich hatte sich viel verändert, unter anderem hat jetzt auch die University of Brighton in Falmer Gebäude, allerdings auf der anderen Seite der Bahnlinie. Aber Herr Kaltmamsell erkannte Vieles wieder.

Alumnus mit Alma Mater.
“Red Brick” University ernst genommen.

Jetzt wanderten wir rüber nach Stanmer durch Stanmer Park – wie auch den Rest des Tages in perfektem Wanderwetter mit Sonne, frischem Wind, keinerlei Hitze. Und ich merkte schnell, wie gut mir Wandern tut, auf einer richtigen Wanderstrecke mit Auf und Ab, Aussichten und Abwechslung.

In Stanmer, einem hübschen und touristisch gut erschlossenen Örtchen, nutzten wir die Gelegenheit für Mittagscappuccino.

Das mittlere Drittel der Strecke führte den Southdowns Way entlang – und erinnerte mich an meine Wanderung vergangenen September, als das die (geistig) eher ermüdenden Abschnitte waren.

Ab Ditchling Beacon wurden die Ansichten und Aussichten wieder reizvoller.

Die Brombeerbüsche hingen voller reifer Früchte, nach zwei Stunden hatte ich auch Appetit darauf.

Auf einem kruden Bankerl (lehnenlose Holzplatte) mit dieser Aussicht machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeitpause, ich aß gemischte Röstnüsse und eine Nektarine.

Nach gut dreieinhalb Stunden Wanderung erreichten wir den Bahnhof von Falmer, wo wenige Minuten später ein Zug nach Brighton eintraf.

Bei Rückkehr in die Ferienwohnung trank ich erstmal ein großes Glas Wasser – und sah beim Schuhe-Ausziehen, wie dreckig ich auf der Wanderung geworden war. Also zog ich das Frischmachen fürs abendliche Ausgehen vor, duschte und zog mich um – seltener Fall von Ganzkörper-Einseifen.

Gemütlicher Lesenachmittag, bis wir uns auf den längeren Fußweg raus nach Hove und zum Abendessen machten.

Im Ginger Pig verbrachten wir einen schönen Abend mit angenehmen Speisen und Getränken.

Aperitif ein Kirsch-Manhattan und ein Yuzu-Wodka-Drink, beide sehr gut.

Vorspeisen: Für mich eine Schnitte Panisse mit Babaghanoush, Tahini, Chillis (schon gut, nur schmeckte ich leider nichts vom Panisse), Herr Kaltmamsell hatte eine ausgezeichnet abgeschmeckte Makrelen-Paté.

Als Wein wählte ich aus der interessanten Karte mit vielen glasweisen Angeboten einen ungarischen Furmint (die Rebsorte habe ich mehrfach im Münchner Broeding getrunken):

Voll und kräftig, leicht animalisch und mineralisch, ein guter Begleiter.

Hauptspeisen: Für mich Meerbrasse (wunderbar) mit gebratenen Trauben und Gnocchi (letztere hätten für meinen Geschmack lieber frisch gekochte Frühkartoffeln sein dürfen), für Herrn Kaltmamsell ein Pie mit Füllung aus Pökelschwein und Räucherkäse, er schmeckte ihm sehr gut.

Als Dessert teilten wir uns eine frisch gemachte Tarte tatin.

Satt und angetrunken schlenderten wir durch die warme Samstagnacht und viel Ausgeh-Volk auf den Straßen, in der Außengastronomie und in den Lokalen die Dreiviertelstunde zurück in die Ferienwohnung.

Journal Freitag, 7. August 2026 – Brighton 7 mit zweimal Undercliff Walk

Samstag, 8. August 2026

Ich mache hier völlig neue Wettererfahrungen. Die 17 Grad am Morgen waren bei aller Sonnigkeit durchs offene Fenster sehr frisch, bei angekündigten 22 Grad Tagesspitze sah ich keinen Anlass, meine Laufrunde vorzuziehen. (Nur vorübergehende Frische in Südengland, ab Samstag sind auch hier steigende Tageshöchstwerte abgekündigt.)

Doch als ich dann auf der Strandpromenade lostrabte, prügelte die Sonne ausgesprochen unangenehm auf mich ein (Sie erinnern sich: kein Schatten, überhaupt keiner), da half auch die fehlende Hitze nicht. Ich sah bereits ein eisernes Duchhalten statt Laufvergnügen auf mich zukommen. Doch als ich wie geplant nach 45 Minuten umdrehte, lief ich überraschenderweise gegen wunderbaren frischen Wind, der auch noch geradezu gesund nach Seeluft roch – jetzt hatte ich wirklich Spaß.

An der Seafront gibt es ein paar Ecken, die fürs Sporttreiben ausgelegt sind, ich hatte dort bereits Yogis in Aktion gesehen. Diesmal brachte meine Wahrnehmung aus den Augenwinkeln mich zum Umdrehen: Ich wollte wissen, was das war.

Vergessen Sie Rückbildungsgymnastik, hier gibt‘s “Press Ups + Prams”! Am Strand!

Auf dem Rückweg hoch zur Ferienwohnung erledigte ich noch die nötigsten Lebensmitteleinkäufe. Plan des Tages war ein Spaziergang mit Herrn Kaltmamsell den Undercliff Walk entlang; ich hatte nichts gegen ein zweites Mal, Spazier-Tempo bewirkt erfahrungsgemäß ganz andere Eindrücke als Jogging-Tempo, außerdem hoffte ich auf bis dahin etwas gestiegene Flut.

Bis dahin pressierte es uns überhaupt nicht. Herr Kaltmamsell hatte bereits die Maschine Wäsche versorgt, die ich morgens eingeschaltet hatte, jetzt lasen wir so vor uns hin. Gegen halb zwei hatte ich endlich Frühstücks-Appetit, es gab eine Tomate sowie Skyr und Joghurt mit Trauben.

Mit Herrn Kaltmamsell suchte ich neue Wege hinunter ans Meer.

Das Royal Albion, durch einen Brand im Juli 2023 fast zerstört, steht immer noch vor einer unklaren Zukunft.

Die Sea Lanes sahen mich schon sehr verlockend an, ich hoffe auf eine nochmalige Gelegenheit zur Beschwimmung.

Wir spazierten also einen Teil des kürzlich eröffneten King Charles III England Coast Path, hier wohl nicht das malerischste Stück.

Das wurde ein sehr schöner Spaziergang: Sonne nicht schlimm, frischer Wind, der vor allem durch und durch nach salziger Meeresbrise roch.

Abschließendes Einkehren im Pub in Rottingdean:

Ein Pint Best Bitter für Herrn Kaltmamsell, ich hatte nach Langem mal wieder Lust auf Cider. Und er schmeckte mir ganz besonders gut. Blöderweise machte er auch betrunken: Nach dem ersten Drittel des Glases war ich sicher, dass ich ein weiteres Pint davon wollte, nach dem ganzen Glas war ich mir nicht sicher, ob ich noch geradeaus laufen konnte. Nebenwirkung des Pints Bitter bei Herrn Kaltmamsell: Er wollte JETZT fish’n chips.

Praktischerweise war der Chippy gegenüber vom Pub geöffnet, man frittierte ganz frisch für ihn. Damit setzten wir uns mit Meerblick in die Sonne; mein Job war es, Herrn Kaltmamsell beim Essen die diebischen Möwen vom Leib zu halten. Was ich mit Untertützung begeisterter Kinder erfolgreich erledigte.

Zurück nach Brighton ließen wir uns von einem Bus fahren.

Meer, dass sich in Busfenster vor Stoppelfeld spiegelt.

Abendessen in der Ferienwohnung: Herr Kaltmamsell erwärmte einen gekaufte Pie mit Wildfleisch-Bier-Füllung, den wir uns teilten, ich aß noch reichlich Käse, rote Paprika, Brot, Trauben. Nachtisch wieder gemeinsam:

Trifle aus dem Supermarkt, gut! Und Süßigkeiten.

Fernsehbildung gestern: Herr Kaltmamsell blieb bei BBC2 an “Gardeners World” hängen (das kam unerwartet). Aber ich lernte eine Menge an dieser Folge,1 zum Beispiel, dass Blumenerde englisch “compost” heißt. Und dann kam eine Doku über die Schrebergarten-Kolonie (allotment community) in Birmingham von Einwanderern aus Punjab (die junge Nachkommin erklärte, dass sich hier besonders viele Sikh von dort angesiedelt hätten, weil es Arbeit in den Gießereien gab): Es wurde vorgestellt, dass sie dort Gemüse und Kräuter aus ihrer Heimat anbauen (sofern mit dem englischen Klima kompatibel) und wie sich die Community organisiert.

  1. Für nicht UK-Steuerzahlende wahrscheinlich gesperrt. []

Journal Donnerstag, 6. August 2026 – Brighton 6 mit Wanderung nach Worthing und Food for friends

Freitag, 7. August 2026

Lang geschlafen, das war schön.

Das Programm für gestern: Brightons Nachbarstadt Worthing kennenlernen, und da ich gesehen hatte, dass es dorthin nur 16 Kilometer sind, es sogar einen ausgeschilderten Wanderweg “England Coast Path” gibt, gingen wir zu Fuß.

Der Tag begann ausgesprochen frisch, ich bloggte mit Jacke. Doch die angekündigten Sonne und Wolken bei 21 Grad Höchsttemperatur versprachen ideales Wanderwetter, wir starteten fröhlich um zehn mit der ersten Teilstrecke hinunter ans Meer, ich trug auch hier gegen die Frische unter 20 Grad Jeansjacke. Unsere Recherchen hatten bereits ergeben, dass wir ein gutes Stück stark befahrene Straßen entlang gehen würden – egal, Abenteuer.

Und so wurden das auch vier anregende Stunden Wanderung – ja, darunter eine Stunde durch das Hafenindustrieviertel von Shoreham und seine Hauptstraße entlang, aber hey, alles anders als bei uns in Bayern. Danach gingen wir noch anderser, nämlich einen Uferweg vorbei an wunderbar vielfältigen Ferienhäusern und Strandhütten. Wir blickten immer wieder hinter uns, und schnell war klar, warum diese Wanderung im Web fast ausschließlich in die Gegenrichtung Worthing-Brighton auftaucht: Dabei hat man die ganze Zeit das malerische Brighton und die markanten Kreidefelsen der Küste östlich davon im Blick, inklusive Seven Sisters.

Startfoto muss immer der West Pier sein.

Hove.

Auch Industrieviertel bieten Fotomotive.

Am Ende der Hafenanlage von Shoreham-by-Sea führte der Fußweg über zahlreiche Schleusen.

An einem Trockendock vorbei.

Das lange Stück die Straße entlang endete an einer viel genutzten Fußgängerbrücke zum Kiesstrand:

Selfie Time! (Ich vermisse meine Sonnenbrille sehr, und weil fehlsichtig, kann ich mir nicht einfach eine kaufen.)

Nach gut zwei Stunden machten wir Pause auf einem Bankerl, ich aß ein paar Aprikosen.

An einem Eiswagen holte sich Herr Kaltmamsell ein 99 Flake – seit Jahren Gegenstand von Diskussionen über steigende Preise, in der Juli-Hitzewelle berichtete die Daily Mail von 6 Pfund für ein Softeis mit kleinem Schokoriegel. Herr Kaltmamsell kam mit 3,50 Pfund noch gut weg.

Ankunft in Worthing nach vier Stunden, andere Städte haben auch Amusement Piers! Dieser hier sogar besonders gut gepflegt.

Blick zurück nach Brighton.

Jetzt brauchte ich aber doch etwas zu essen. In den hübschen Sträßchen von Worthing setzten wir uns kurz vor drei in ein Café.

Vor mir ein ausgezeichneter Mushroom Melt, in der weichen Käseschicht aromatische Senfkörner.

Zurück nach Brighton nahmen wir einen Bummelzug, der uns mit einer Vielzahl von Zwischenhalten überraschte – die Strecke kam uns viel länger vor als zu Fuß.

Ausruhen und lesen in der Ferienwohnung, bis wir uns fürs Abendessen fertig machten: Ich hatte in unserem Lieblingsrestaurant Food for friends reserviert.

Wir aßen wieder sehr gut, gestern gab es nur ein Durcheinander im Service – wir vermuteten Personalknappheit (Vorspeisen serviert vor dem Aperitif, lange Wartezeiten, Dessert-Karte angeboten vor dem Hauptgang, andere Gäste mussten Besteck von Nebentischen mopsen, weil sie zum nächsten Gang keines bekamen). Da wir sonst alles unverändert vorfanden, inklusive der Freundlichkeit, war das sicher eine Ausnahme.

Vorspeisen: Herr Kaltmamsell hatte Preserved Lemon Butterbeans (mit einer Salzzitronen-Pinien-Sauce), ich gegrillte Feigen auf Ziegenfrischkäse und Sauerteigtoast, zwischen uns der Favorit knuspirger Tofu mit einem sensationellen Dip. Dazu trank Herr Kaltmamsell einen Cocktail mit Rum, Campari, Ananassaft, ich hatte einen Sussex Spritz, der sich nur durch Ingwer von unserem Hugo unterschied.

Hauptspeisen zu einem Glas leichten italienischen Chardonnay: Bei Herrn Kaltmamsell gefüllt Champignons mit Kartoffelgratin und Brokkoli, ich hatte einen Auberginen-Parmigiana.

Als Nachtisch Ananas-Tarte-tatin gegenüber, für mich baskischer Käsekuchen mit Pistaziensauce.

Und trotz der Wartezeiten wurde uns nicht langweilig: Von unserem Fensterplatz aus sahen wir reichlich Menschen in immer abendlicherem Outfit.

§

In Brighton spazierte ich dieser Tage an einer Frau vorbei, die einen Kinderwagen schob, darin ein Kind von ungefähr einem Jahr. Das Besondere: Diese Frau interagierte intensiv mit dem Kind, das zu ihr gerichtet in dem Wagen saß. Sie sang ihm ein Lied vor, animierte es zum Mitsingen, stellte ihm Fragen (in normalem, interessierten Tonfall, nicht in singender Mit-kleinen-Kindern-sprech-Stimme), erklärte ihm Dinge. Das war für mich so ungewohnt, dass mir nur einfiel: Muss eine Kinderbetreuerin sein, die sowas von Berufs wegen macht, eine Nanny. Denn ich kenne Kinderschiebfrauen, die ich für Mütter des geschobenen Kindes halte, nur entweder schweigend in Gedanken versunken, oder meistens telefonierend respektive bei anderer Beschäftigung mit ihrem Handy.

§

Es weist alles darauf hin, dass es nach 20 Jahren nochmal eine Bloglesung in München geben wird:
“It Ain’t Over Till it’s Over”.

Also dann: 24. Oktober im Münchner Boxwerk.
(Gerüchte besagen, dass Frau Klugscheißer diese Cyd-Charisse-Nummer nachtanzen wird – WENN sie genug sangesfreudige Boxer zusammenkriegt.)

Journal Dienstag, 4. August 2026 – Brighton 4: London-Ausflug mit British Rumpelkammer und St. John Bread and Wine

Mittwoch, 5. August 2026

Gestern war ein London-Ausflug geplant, verankert in der abendlichen Reservierung eines Tischs im St. John Bread and Wine (wir waren wenig abenteuerlustig, hatten in den vergangenen Jahren zweimal sehr gut dort gegessen und dabei etwas gelernt – warum nicht das sichere Vergnügen wählen?). Als Ziel des vorherigen Museumsbesuchs entschieden wir uns 20 Jahre nach meinem ersten und bislang einzigen Besuch dort fürs British Museum (dem ich mich nahe fühlte, weil ich über deren instagram-Kanal immer wieder Aktuelles oder Hintergründe mitbekomme).

Schon um neun schloss ich in der Ferienwohnung beim Bloggen das Fenster gegen Hitze. Und das, wo in Brighton 24 Grad Höchsttemperatur angekündigt waren, im Gegensatz zu den 28 Grad in London. An sich hatte ich ein bestimmtes Kleid für den Ausflug und vor allem den Restaurantbesuch eingeplant, doch in dem wäre es mir zu warm geworden. Also schlüpfte ich in Rock und Trägerhemd.

Der Bahnhof von Brighton mit seiner schönen Eisenkonstruktion.

Im Zug nach London fror ich dann aber: Er war extrem runtergekühlt. Das sollte das Muster des Tages werden: sehr große Temperaturunterschiede. In London war die Außenluft ok, solange wir im Schatten blieben. Die Luft in den Ausstellungsräumen des British Museums war fast unerträglich heiß und stickig (die Website wies sogar darauf hin, dass manche Räume wegen Hitze geschlossen sein könnten), ebenso zu meiner Überraschung die in der Londoner U-Bahn, sowohl in den Gängen als auch in den Fahrzeugen.1 Großes Frieren dann wieder nachts auf dem Bahnsteig London Bridge und im Zug zurück nach Brighton. Mal sehen, ob es stimmt, dass “Erkältung” eigentlich eine irreführende Bezeichnung ist.

Englische Landschaft vorm Zugfenster.

Nach einem Mittagscappuccino am Bahnhof Spaziergang die Themse entlang, dann abgebogen durch das Viertel City of Westminster zum British Museum, dort durch Absperrbänder und Partyzelte geregelte Menschenmassen (Herr Kaltmamsell hatte uns einen – kostenlosen – Eintritts-Slot gebucht, doch das wäre offensichtlich nicht nötig gewesen).

Der weiterhin berückend schöne Innenhof.
Ich frühstückte zur Hungerberuhigung eine Handvoll Walnüsse (Rest vom Vorabendessen).

Wir hatten uns vorher überlegt, welches Thema uns diesmal interessierte. Die Gassenhauer aus Ägypten und Griechenland (inklusive ihrem zweifelhaften Weg hierher) kannten wir bereits, gestern entschieden wir uns für europäische Geschichte: Sutton Hoo and Europe, 300 vor der Zeitrechnung bis Gegenwart.

In den vergangenen 20 Jahren hatte sich das Museum konzeptuell nicht wirklich weiterentwickelt: Eher British Rumpelkammer, bei der ich mich fragte, was mir hier eigentlich erzählt wurde. Diese Räume waren nach geschichtlichen Zeiträumen sortiert, die Vitrinen darin allerdings weniger nach einem roten Faden oder einer Erzählung, sondern nach dem, welche Sammlungen das Museum halt hat. Die ständige Ausstellung heißt ja ehrlicherweise “Collection” – die sie irgendwie zeigen.

Inklusive mittendrin zeitgenössische künstlerische Reflexion eines historischen Vorfalls (die Exponate links und rechts) – nicht etwa als durchgehendes Thema, sondern nur einmal. Ich nehme an, am meisten profitiert man von einem Besuch bei einer thematischen Fachführung, denn für die Forschung ist die Sammlung des British Museums natürlich großartig.

Noch viel weniger zeitgemäß als das Ausstellungskonzept: Das komplette Fehlen kritischer Reflexion von Provenienz. In den britischen Medien sehe ich durchaus regelmäßiges Kritisches und Hinterfragen, im Museum selbst – nix. Die Exponate wurden halt “erworben”, “gesammelt”, ins Museum “gebracht”. Das überraschte mich. Ein Beispiel:

Zum einen: “Chief Wiah sold the pole” – ähnlich wie bei manchen Exponaten im Münchner Museum Fünf Kontintente frage ich mich, ob er überhaupt dazu befugt war und ob es das Konzept “Verkaufen” in seiner Kultur überhaupt gab. Zum anderen: “after the local community was devastated by epidemics of intruduced diseases” ist schon eine arg lapidare Umschreibung der kolonialen Auslöschung.

Das wichtigste Exponat in jedem Raum war ohnehin dieses:

Riesige, laute Ventilatoren in verschiedenen Ausfertigungen in jedem Raum.

Nach den geplanten zwei Stunden waren wir reichlich durch und fertig.

Bis zu unserer Abendessen-Reservierung hatten wir Zeit, in der wir in Neals’s Yard Dairy beim Borough Market Käse zu kaufen, hin brachte uns eine U-Bahn (großartiges Bezahlsystem: wir hielten unsere Kreditkarten einfach beim Eingang und Ausgang vor den Sensor).

Wow, das war eine gap, die man wirklich minden musste.

Im Käseladen beriet uns kurz vor Ladenschluss um fünf ein ebenfalls bereits völlig erledigter Herr (der sich aber sehr zusammennahm), wir kamen mit reichlich Abendessen für Mittwoch raus. Recht schnell und überraschend hatte der Himmel zugezogen, während unseres Einkaufs und der Besichtigung der schließenden Stände in Borough Market regnete es sogar ein bisschen. Dann suchte uns Herr Kaltmamsell, der gestern die komplette Reiseleitung übernommen hatte, ein schattiges Plätzchen im Hof einer Kirchenruine (St. Dunstan) für Ausruhen und Lesen.

Immer wieder schön in London: Das Nebeneinander von uralt und ganz neu.

Und dann verbrachten wir einen sehr schönen Abend im St. John Bread and Wine, berühmt (wie das Haupthaus) für seine Innereienküche, dieses aber mit dem Konzept sharing plates.

Herzlicher Empfang, schöner Raum (den ich später bei voller Besetzung zum ersten Mal als sehr laut empfand), superinteressantes Angebot (PDF). Aus der rein französischen Weinkarte entschied ich mich für einen Sauvignon Blanc aus dem Burgund: Saint-Bris Les Malandes, der mit seiner Kraft und Säure gut passte.

Unsere vier geteilten Vorspeisen:

Von links oben im Uhrzeigersinn: Ochsenzungen-Krokette mit Brown Sauce / kalte Taubenbrust mit Radieschen, Brunnenkresse und Quitte / gegrilltes Ochsenherz mit jungen Roten Beten samt Blättern und Meerrettich (mein Favorit des Abends) / der Klassiker Deviled Kidneys on Toast, also gepfefferte Lammnierchen. Diesmal war ich so schlau gewesen, die Brotscheibe zur Begrüßung aufzuheben und nicht gleich zu essen: Ich wusste, dass es kein weiteres Brot geben würde, jetzt hatte ich etwas zum Sößchen-Auftunken.

Als Hauptgang teilten wir uns den den Rabbit, Smoked Bacon and Trotter Pie, also den Pie mit Kaninchen-Räucherspeck-Schweinefuß-Füllung: Die Pastry besonders super, die Füllung ganz hervorragend (Schweinefuß wohl nur zum Eindicken verwendet, weder kau- noch schmeckbar).

Nachtisch ging unbedingt auch:

Gegenüber Himbeer-Buttermilch-Pudding, bei mir ein Eton Mess mit Nektarinen und Lemon Curd – sowie erfrischenderweise Frischkäse unter die Sahne gemischt.

Rückweg zum Bahnhof London Bridge über Abendsonne-vergoldete Ansichten.

Die Züge nach Brighton fahren von hier so oft, dass wir gar keinen bestimmten angesteuert hatten, sondern einfach den nächsten nahmen.

Im Bett noch vor elf Uhr.

  1. Nachtrag: Hier die Erklärung für die hohen, sogar immer weiter steigenden Temperaturen in der Londoner U-Bahn. []

Journal Montag, 3. August 2026 – Brighton 3 mit Hitze, in der man eigentlich nicht joggen sollte

Dienstag, 4. August 2026

Gestern gelernt: Ich hätte erst auf meine Laufrunde rausgehen sollen und danach bloggen. Andersrum war es bei Verlassen des Hauses um 10:30 Uhr eigentlich viel zu heiß für Cardio-Sport. Die Temperatur in der Ferienwohnung hatte sich so angenehm kühl angefühlt, dass ich das nicht ahnte, und die 25 Grad, die meine App als Lufttemperatur draußen anzeigte, sahen auch nicht abschreckend aus. Doch tatsächlich prügelte die Sonne die ganze Strecke am Meer entlang schattenlos auf mich ein.

Obwohl sich kein Blatt an Bäumen oder Blumen bewegte, kühlte zunächst ein Wind, und ich nahm bereits an, dass das dieser Überall-Gegenwind war, den ich bei unbewegten Blättern vom Radlfahren kenne. Als ich nach 45 Minuten hinter Ovingdean umdrehte, stellte ich aber fest: Nein, in die Gegenrichtung spürte ich überhaupt keinen Wind, die Sonne prügelte noch erbarmungsloser. Zwar sagte ich mir vor, dass ich ja auch schlendern könnte statt zu traben, aber wie so oft probierte ich aus, ob es ging. Und es ging halt.

Reflektierende Sonnenschirme im Knirps-Format verbreiten sich sichtlich.

Hurra! Die (auch durch Crowdfunding finanzierte) Restaurierung der historischen Madeira Terrace hat begonnen.

Ich freute mich schon auch über diese lieb gewonnenen Anblicke, war aber durch die Hitze ziemlich abgelenkt.

Trink-Stopp in Ovingdean – ohne Trinken, denn das Wasser kam HEISS aus den Hähnen (dass “no drinking water” drüber stand, hatte mich noch nie gestört). Ich machte meine Kappe nass und hoffte auf Verdunstungskälte (die ich dann nicht spürte).

Ich WUSSTE es SCHON IMMER!

Die einzigen Paar Meter Schatten auf der Strecke – wirklich.

Das Stück hoch die Straßen entlang zurück zur Ferienwohnung ging ich dann aber sehr langsam und konsequent im Schatten. Weiteres Handicap: Ich habe meine Sonnenbrille daheim vergessen (vielleicht nehme ich das Packen mittlerweile auf die zu leichte Schulter und sollte wieder konsequent mit Listen arbeiten, siehe vergessene Zahnbürsten-Ladestation und ein bislang unerwähntes vergessenes Oberteil), nur der Schirm meiner Kappe hielt das gleißende Licht ein wenig von meinen Augen ab.

In der Wohnung brauchte ich eine ganze Weile und einen Liter Wasser, bis ich wieder zu Kräften kam.

Die Unten-Nachbarin hatte sich mit einem Brieflein für die Pralinen bedankt – sie schien sich wirklich gefreut zu haben, wie schön.

Plan für gestern war lediglich, durch Brighton zu streifen, Schwerpunkt North Laine mit seinen Gässchen voller kleiner Geschäfte.

Auch wenn man dem englischen Rasen diesen nicht mehr ansieht: Hier vorm Royal Pavillon wird gelounget.

Erstmal gingen wir aber nach Kemptown, um in einem italienischen Café zu frühstücken.

Um halb zwei gab es Cappuccino und Focaccia sowie ein Törtchen für mich, das nach Tahini schmeckte (aus der Backstube hörte ich auch Arabisch, nicht Italienisch – völlig ok, “authentisch” hat viele Schattierungen).

In North Laine deckten wir uns wie seit Jahrzenten mit frei mischbaren Süßigkeiten ein und sichteten weitere Läden. Das Wetter war seltsam: Mal wehte ein richtig kühlender Wind, dann erschlug einen wieder die Sonne mit Hitze.

Nach Ausruhen und Nachtrinken in der Ferienwohnung eine weitere Einkaufsrunde fürs Abendessen.

Dieses Gericht, Borani Esfenaj – persischer Spinatjoghurt mit Walnüssen, wollte ich machen/essen, seit ich es las. Aber daheim kam mir wochenlang der Ernteanteil dazwischen, der erstmal wegmusste. Also halt in der Ferienwohnung und im Urlaub. Dafür schüttete ich daheim die Gewürze in einem Gläschen zusammen und nahm die kleine Zitronenreibe mit, die restlichen Zutaten kauften wir vor Ort, weil eh beim Kochen aufgebraucht.

Schmeckte tatsächlich ganz ausgezeichnet, dazu Toast. Nachtisch: Aprikosen, gemischte Süßigkeiten.

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Was man mit den Hinterhöfen unser Ferienwohnungs-Hauszeile machen kann:

Einen zusätzlichen Aufenthaltsraum.

Das ist der Hinterhof unserer Ferienwohnung (und den Rechner tauschte ich am Sonntag bald gegen mein Papierbuch: Das WLAN reichte nicht so weit).

Oder nebenan halt eine Rumpelkammer. Selbst ich beginne bei diesem Anblick Ideen zu spinnen.

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Klar stolpere ich immer, wenn mein Geburtsort Ingolstadt in großen Medien auftaucht. Doch diese Reportage ist auch sonst interessant:
“Das ewige Z
Sie heißen Fröhlich, Landsberger, Höllenreiner – und sind von Auschwitz geprägt. Ein Besuch bei Sinti in Ingolstadt, die sich nicht mehr verstecken wollen.”

Wie so oft: Ich hatte ja keine Ahnung.

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In der Leimutterschaftsdebatte habe ich keine klare Meinung, weil wenige Gefühle (geradezu entspannend, da ich ja auch nicht zuständig für irgendwelche Regelungen bin), hätte allerdings gerne gehabt, dass Kinderhabenwollen/Kinderkriegen und Jens-Spahn-loskriegen als voneinander getrennten Angelegenheiten diskutiert worden wären. Doch ich wusste, dass die kluge Antje Schrupp eine lesenswerte und fundierte Perspektive haben würde – weil sie zu der akuten Zeit gerade im Urlaub war, gibt’s die erst jetzt:
“Leihmutterschaft Bullshit Bingo”.
Genau zwischen diesen beiden Werten, also weibliche Selbstbestimmung und Vermarktung von Reproduktionsfähigkeit, schwankt meine Haltung ebenfalls.