Fotos

Journal Samstag, 5. Oktober 2019 – #WMDEDGT

Sonntag, 6. Oktober 2019

Am 5. jedes Monats möchte Frau Brüllen wissen: #WMDEDGT Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Gesammelt wird hier. Und so gibt es heute noch mehr Alltagsdetails als sonst.

Ausgeschlafen bis halb acht – das tat gut. Gleich nach dem Aufstehen die eine Qi-Gong-Schulterübung, die ich seit der Reha jeden Morgen versuche zu machen. In einen von meinen beiden Nicky-Hausanzügen geschlüpft, jetzt ist es morgens kalt genug dafür. Wie immer hatte ich am Vorabend die Cafetera gefüllt und auf den Herd gestellt, so dass ich ihn nur anschalten musste. Milch dazu mit dem Brummsummsel geschäumt, daraus große Tassen Milchkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich bereitet, den wir wie immer an unseren jeweiligen Rechnern tranken, er an seinem Schreibtisch, ich am Esstisch.

Während der Espresso durchlief, hatte ich eine Waschmaschine mit dunkler Wäsche gefüllt und angeschaltet. Ich war mit Kopfweh aufgewacht, doch es verschwand mit einer Aspirin.

Gebloggt, dann noch die Twitter-Timeline seit Vorabend nachgelesen. Die Waschmaschine gab piepend bekannt, dass sie durchgelaufen war: Ihren Inhalt hängte ich zum Teil auf einem Klappständer im Wohnzimmer auf, zum Teil lud ich ihn in den Trockner.

Zähneputzen, Sportzeug angezogen: Erst nutzte ich ausführlich die Faszienrolle, dann wärmte ich mich zehn Minuten auf und turnte eine halbe Stunde Bauch- und Rückenübungen mit einer vertrauten Fitnessblender-Routine. Ca. 20 Prozent der Übungen hätten Hüfteinsatz erfordert, den mir die Schmerzen verwehren, während der Zeit dehnte ich ein bisschen herum.

Duschen, Schminken, Anziehen. Da es draußen greislich war, dunkel und regnerisch, wählte ich sehr praktische Kleidung: Jeans, bügelfreies T-Shirt, alten schwarzen Baumwollpulli. Für draußen schlüpfte ich in meinen Ledermantel und legte ein Halstuch um, zog feste Schuhe an.

Einkaufsrunde zu Fuß durch die Innenstadt: Nachdem ich Altglas in die Container am Nußbaumpark geworfen hatte, marschierte ich durch heftigen Regen unterm Schirm zu Hugendubel wegen einer Geburtstagsidee, holte Laugenzöpferl beim Zöttl, dann Lebensmittel (gemeinsame Einkaufsliste mit Herrn Kaltmamsell in der Smartphone-App Wishlist) beim Alnatura: Croissants und Semmeln, Kresse, Zwiebel, Zitrone, Bananen, Käse, Mehl 405, Milch, Hüttenkäse, Sahne, Feta, Räucherlachs, Kapern.

Es regnete jetzt weniger, ich machte noch einen Abstecher zum Sendlinger Tor, weil ich beim Vorbeigehen die vertraute Blumenstandlfrau gesehen hatte: Blumen für die schönste Vase.

Daheim lud ich alles ab und huschte nochmal schnell raus zum Briefkasten: Ich hatte die Post vergessen (u.a. Feedbackbogen zur Reha von der Deutschen Rentenversicherung – der mir zumindest ermöglicht hatte auch durchzugeben, dass es mir nach der Reha recht steil schlechter ging und dass nicht auf meine Bedürfnisse eingegangen worden war).

Die Blumen in die Vase drapiert.

Frühstück! Croissant mit Kirschmarmelade, Laugenzöpferl mit Chorizo, dann eine kleine Banane und eine noch vorhandene Mandarine mit Joghurt.

Eine Weile bastelte ich am Rechner Geburtstagsgeschenk, bis alles zu meiner Zufriedenheit gelöst war. Die Wäsche vom Morgen war weit genug getrocknet – oder ganz trocken aus dem Trockner -, dass ich sie gleich wegbügeln konnte.

Ich setzte mich in einen Sessel unter eine Lampe (durch die Fenster kam an diesem Regentag zu wenig Licht zum Lesen) und las die SZ vom Wochenende. Für Herrn Kaltmamsell als Leseempfehlung hob ich das Buch zwei zum Stand der deutschen Wikipedia auf, außerdem die Feuilletonseite über die vertraute Münchner Nußbaumstraße.

Beim Lesen aß ich noch eine Kürbissemmel mit Himbeermarmelade. Mir war kalt, ich wechselte in meinen neuen Kashmir-Hoodie. (Schlafzimmertür bleibt zu, Schlafzimmer ungeheizt. Was bei meiner Oma jahrzehntelang ohne Schimmelproblem funktioniert hat, sollte auch in unserer Wohnung klappen – ihr Wohnblock und der, in dem ich jetzt wohne, wurden zur fast gleichen Zeit kurz nach dem Krieg mit Ziegeln gebaut.)

Internet gelesen.

Das Abendessen wurde diesmal wieder von Herrn Kaltmamsell serviert: Chinakohl-Lachs-Nudeln.

Pflichtteil des Abends: Das Entspannungsbad. Ich hatte am Freitag einen muskelentspannenden Badezusatz gekauft, den wendete ich erstmals an. Und da ich eh schon nass und durchweicht war, zog ich Rasieren und Haarewaschen vom Sonntagmorgen vor.

Direkt zu Bett, dort noch ein wenig Buchlesen.

§

Nachruf auf Karel Gott in der New York Times (auf Englisch funktionieren zum Glück keine „Gott“-Kalauer):
„Karel Gott, Pop Singer Called ‘Sinatra of the East,’ Dies at 80“.

via @AnkeGroener

§

Interessantes Thema, über das ich noch nie nachgedacht habe:

Unser Autor arbeitet als Psychiater in Brandenburg und trifft öfter auf Patienten mit rechter Gesinnung. Wie soll er als Therapeut damit umgehen?

Der Artikel dazu in der taz (gestern mal wieder einen Fünfer rübergeschoben):
„Rechts im Stuhlkreis“.

via @antjeschrupp

§

Kleine Erinnerung, wo wir mit dem Brexit derzeit stehen (Ja, ich weiß: Auch mein Hirn versucht umgehend sonstwohin zu fliehen, sobald das Thema erwähnt wird. Blöderweise steckt es in meinem Kopf auf meinem Körper, und der gehört zur EU, sogar aus Überzeugung.) von Michael Spicer:
„the room next door – Liz Truss and Brexit“.

§

Ein Interview mit der wundervollen Maggie Smith von 2017:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/detAlTL9sbM

Journal Freitag, 4. Oktober 2019 – Warmschwumm und Puckfrühstück an St. Brück

Samstag, 5. Oktober 2019

Obwohl ich St. Brück feierte, stand ich früh wie immer auf: Es hätte mich geschmerzt, Herrn Kaltmamsell keinen Milchkaffee kochen zu können.

Ernsthafter Beginn der Heizperiode. Nachdem mehrere Analysen der Klimafreundlichkeit meines Lebensstils ergeben haben, dass meine weitaus größte Schwachstelle die Wohnung ist, versuche ich dieses Saison mal bewusst weniger zu heizen. Das wird bedeuten: Die Tür zu nicht genutzten Räumen zu schließen – und damit auf das Gefühle der Großzügigkeit und Fülle zu verzichten, das ich bei durchwegs offenen Türen zu allen Räumen (außer Klo) in unserer großen Wohnung immer genossen habe. Es bedeutet auch: Noch ein Pulli und noch ein Paar Socken statt Höherdrehen der Heizung. Mal sehen, ob das funktioniert, denn an manchen Wintertagen, nicht mal unbedingt den eisigsten, war das Wohnzimmer nur mit beiden voll aufgedrehten Heizungen plus dickem Pulli warm zu bekommen. (Und ich halte mich wirklich nicht für verfroren.)

Der früher Start in den Tag ermöglichte mir einen verhältnismäßig frühen Aufbruch zu ein bisschen Bewegung nicht lange nach neun: Ich radelte wieder ins warme Dantebad. Da das Wetter grau und kalt war, wählte ich den direkten Weg über die Dachauerstraße. Am leicht dampfigen Schwimmbecken Enttäuschung: Die Bahnen waren noch voller als vergangenen Sonntag. Doch ich war vermutlich in die Schnittmenge zweier Schwimmschichten geraten, das Becken wurde bald leerer, ich schwamm meine wieder nur 2000 Meter relativ ungestört.

Danach versuchte ich nochmal das mit den Entspannen im warmen Strömungsbecken. Es war kaum genutzt, so konnte ich tatsächlich ein wenig herumwabern, auf der Wasserliege auslockern (derzeit arbeitet es um meinen Hüftbeuger und die obere Gesäßmuskulatur herum – ich hoffe innig, dass das ein Besserungsprozess ist).

Beim Radeln hinüber in die Maxvorstadt stieß ich wiederholt auf ein weiteres Ärgernis, das beweist, wie wenig die Verkehrsplanung für Radler und Fußgängerinnen denkt: Fahrradwege an Ampeln. Wenn drei bis 13 Radln auf dem Radweg an einer roten Ampel warten, blockieren sie mehrere Meter – und Fußgänger, die an der Querstraße gerade grün haben, kommen nicht durch. Oft blockieren bei Rot wartende Radler auch die Wege für Fahrräder, die gerade grün haben – ohne Alternative. Ich träume davon, dass man bei größeren Straßenbauarbeiten in der Stadt zumindest als Planspiel mal durchkonstruiert, wie die Kreuzung mit Priorität Nicht-Autos aussehen müsste. Zum Beispiel die Kreuzung am Sendlinger Tor, die gerade wegen Umbaus des U-Bahnhofs völlig neu gebaut wird. Wenn sich da mal Fachleute hinsetzten und eine Kreuzung mit Lebensqualität daraus erträumten?

Zum Frühstück steuerte ich das Café Puck an – und war verdutzt, dass sich darin die Gäste drängten, viele davon Cosplayer. Zum ersten Mal kam ich für ein Wochentagsfrühstück nur in dem Raum hinter der Theke zu sitzen, den es erst seit dem Umbau gibt.

Ich bekam Käsefrühstück und las Zeitung, umgeben von jungen Gesprächen in verschiedenen Sprachen.

Daheim häusliche Geschäftigkeit. Zwei offene Aufgaben lasteten ein wenig auf mir: Für beide fand ich Lösungen, auf einmal hatte ich wirklich frei.

Das Nachtmahl bestand hauptsächlich aus Ernteanteil, den Herr Kaltmamsell frisch geholt hatte – wegen des Feiertags erst gestern.

Grüner Salat mit Mandarinen-Tahini-Dressing und schwarzen Oliven; Tomaten mit Basilikum und Feta. Und danach ein großes Stück Schokoladenkuchen.

Abends ein paar Symptome, die mich befürchten ließen, ich könnte mir die derzeit grassierende Erkältung eingefangen haben; unter anderem spürte ich Muskelkater-ähnliches Ziehen vom Schwimmen. Nun, die nächsten Tage werden zeigen, ob meine Abwehrkräfte ausreichen.

Kein Bad vor dem Schlafen, einmal in warmem Wasser entspannen am Tag musste reichen.

§

Die große Titelgeschichte des gestrigen SZ-Magazins ist die 1,99 Euro fürs Tagesabo wert:
„Sie waren das Volk“ – über die Protagonisten der Ostberliner Demo am 4. November 1989. (Sonderapplaus für die Überschrift.)

Auch in Ostdeutschland, fürchte ich, haben die Menschen vergessen, worum es der friedlichen Revolution in der DDR ging. Wer die Kräfte und welche die Ideen dahinter waren. Beides ist weit, ganz entfernt von dem, was als Gründe fürs AfD-Wählen angegeben wird.

Ich würde ja gerne ein paar Leserinnen und Lesern – sagen wir 50 – die Lektüre des Artikels spendieren. Also 20 Mal 1,99 Euro, denn auch die Print-Ausgabe wird ja von mehr als einem Menschen gelesen, und es sind ja die Verlage, die alles Digitale an den Lesegewohnheiten in Print festmachen. Aber ein Spendieren von digitaler Zeitungslektüre ist halt technisch nicht vorgesehen. Hier habe ich meinen Spendier-Wunsch nach dem Weihnachtskripperl-Modell schon vor vielen Jahren erläutert. (Heftiger Rempler in die Rippen des Süddeutschen Verlags.)

Journal Mittwoch, 2. Oktober 2019 – Regen und Schokokuchen

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Mittelgute Nacht. Das Wetter war umgeschlagen und düster. Auf meinem Weg in die Arbeit begann es zu regnen, ich wurde feucht.

Arbeit in der Arbeit. Für die langen und oft sehr fundierten Diskussionen zur Interpretation wichtiger E-Mails konnte mich selbst mein Literaturstudium nur unzureichend schulen: Es hätte zusätzlich ein Psychologie-, Soziologie- und Marketing-Studium gebraucht.

Viele Schmerzen in der Arbeit (Hüfte runter zum Knöchel in jeder Haltung) trotz Beinaushängen, ich hatte bereits Visionen davon, mittags für ein entspannendes Vollbad heim zu fahren. Das Aua wurde erst gelindert, als ich meinem Bedürfnis nach Brustmuskeldehnung nachgab (Sie erinnern sich: Ich versuche zum ersten Mal im Leben auf meinen Körper zu hören) und die Arme angewinkelt nach hinten drückte: Da krachte es im Brustkorb und mein Bein schmerzte deutlich weniger. Ich kann mittlerweile verstehen, wenn Menschen mit orthopädischen Problemen zu Esoterik neigen: Der Schritt von „Der Arzt hat an meinem Kopf geruckelt, dann tat mein Knie nicht mehr weh“ (Erlebnis meiner Mutter) zu Wasseradern unterm Bett ist kein großer.

Ich nutzte eine Regenpause, um Feierabend zu machen und zum Vollcorner zu radeln; dummerweise begann es ein paar hundert Meter vorm Laden heftig zu regnen. Mit eingepackten Einkäufen wartete ich ab, ob der Regen schwächer würde (Blick auf das Regal mit Flyern, u.a. zu den Strahlen-Gefahren von WLAN in Schulen – ich halte die Gefahren mangelnder Physik-Grundkenntnisse für gravierender), doch der Himmel sah nach allen Seiten bis zum Horizont dunkelgrau aus. Na, dann würde ich halt nass.

Slalom durch Oktoberfest-Cosplayer unter Schirmen oder Plastikmänteln. Daheim stieg ich erst mal aus der nassen Kleidung (hätte schlimmer kommen können, die Unterwäsche war trocken geblieben) und versorgte sie.

Print is nämlich keineswegs dead.

Herr Kaltmamsell war aushäusig, ich läutete das lange Wochenende (morgen Nationalfeiertag, Freitag St. Brück) in der Küche ein und buk einen seit Wochen offenen Tab weg: Saftiger Schokoladenkuchen.
Klappte problemlos, während der Backzeit (eher 35-40 Minuten, nach 30 Minuten wabbelte er noch flüssig) erledigte ich Pediküre.

Zum Abendessen machte ich mir aus gefrorenem Rahmspinat und Ernteanteil-Pak Choi eine Suppe mit zwei darin verlorenen Eiern. Nachtisch war dann der Schokoladenkuchen: Sehr gut.

Auf die Hausaufgabe Vollbad hatte ich überhaupt keine Lust und begann zu verstehen, wie sich der sprichwörtliche innere Schweinehund für Menschen anfühlt, die keine Lust auf Sport haben: Man weiß, dass es gut tut und es einem danach besser gehen wird, doch die Überwindung scheint riesig. Natürlich war ich brav und legte mich ins heiße Wasser.

Anschließende Dehnversuche wieder eher schmerzhaft als angenehm. Im Bett las ich ins nächste Buch: Friedrich Ani, Süden und das heimliche Leben.

§

Schickes aus der Forschung: Woher kam die Pest?
„Alte Genome geben Einblick in die genetische Geschichte der zweiten Pestpandemie“.

Da nur wenige Daten zu frühen Ausbrüchen der Pest vorliegen und ein Mangel an veröffentlichten genetischen Daten historischer Pestgenome besteht, ist trotz der Allgegenwart des Schwarzen Todes in historischen Texten und im allgemeinen Bewusstsein nicht klar, von wo und über welche Route das Y. pestis-Bakterium zu dieser Zeit nach Europa gelangte und wie es sich über den Kontinent ausbreitete. In der aktuellen Studie rekonstruierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Pestgenom aus den Zähnen von 34 Pestopfern, darunter zwei aus Laishevo, in der Wolga-Region Russlands. Bei der Analyse dieser Pestgenome gelang es ihnen, einen Bakterienstamm zu identifizieren, von dem alle weiteren Bakterienstämme der zweiten Pandemie abstammen.

§

Chinesische Küche aus ganz anderem Blickwinkel und im Gegensatz zur europäischen:
„The right way to order a Chinese meal: it’s all in the balance“.

via @vinoroma

§

In der Süddeutschen anlässlich 30 Jahre Mauerfall ein Artikel über den damaligen Spiegel-Journalisten Ulrich Schwarz, der gegen viele Hindernisse und Widerstände dafür sorgte, dass der Westen von den Bürgerprotesten in der DDR erfuhr:
„Der Kronzeuge“.

Mutiger Journalismus wird immer wichtig bleiben.

Journal Dienstag, 1. Oktober 2019 – Verschiedene Wärme und Anfassen

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Nochmal ein strahlender Tag, der fast bis zu Sommerwärme aufheizte.

Vor der Arbeit radelte ich bei der Praxis der Hausärztin vorbei, um ein Rezept für mein Migränemittel abzuholen.

Die Beschilderung ums Oktoberfest hat sich der Zeit angepasst (Foto vom Montagmorgen).

Emsiges bis gehetztes Arbeiten, denn ich hatte einen aushäusigen Nachmittagstermin. Mittags Pastareste vom Vorabend und eine weitere rote SPitzpaprika.

Der Nachmittagstermin war wieder bei Frau Physio in S-Bahn-Entfernung, beim Warten am Bahnhof Hirschgarten schwitzte ich in der Sonne auch ohne Jacke.

Eine Stunde Kneten, Drücken, Saugen, Lockern; ich bekam als Hausaufgabe abendliche Wannenbäder mit anschließendem gezielten Dehnen und Entspannung im Bett, weiterhin regelmäßges Beinaushängen an einer Stufe. Auch diese Anfasserin musste Geduld einfordern: Ein Zustand, der sich gemäß meiner Schilderung über Jahre entwickelt hatte, werde sich nicht innerhalb weniger Wochen umkehren lassen.

Im Büro nochmal Wegarbeiten von Zeitkritischem. Heimradeln in großem Bogen um die rechte belebte Theresienwiese.

Zum Abendessen ging ich mit Herrn Kaltmamsell Pizzaessen zum Italian Shot, wir konnten draußen sitzen.

Abendprogramm dann weisungsgemäß ein heißes Bad – das tatsächlich so schmerzbefreiend und entspannend war, dass ich mir wünschte, ich könnte so schlafen. Das Dehnen ging dann nicht so gut, ich werde mich wirklich sehr langsam vorarbeiten müssen.

Kent Haruf, Eventide ausgelesen, vorab schon mal große Empfehlung. Und ich freue mich auf ein Gespräch über die Erzählperspektive.

§

„‘Arsenic and Old Lace’ and the Incomparable Comedic Talents of Cary Grant“.

via @Cynx

While Grant was often cast as someone who keeps cool no matter the situation, Arsenic and Old Lace takes the inverse position and reveals the chaos that can so quickly become unleashed in the right circumstances. This serves dual purposes by both showcasing Grant’s talent for absolutely bonkers comedic roles and utilizing a common conception of the Cary Grant brand to help us form an understanding of Mortimer as a character and his fears of his constructed persona failing.

Ich muss den Film unbedingt mal wieder sehen – nicht nur wegen Cary Grant, dem John Cleese hier offensichtlich seine besten Monty Python Moves abgeguckt hat, sondern auch wegen der hinreißenden Josephine Hull und Jean Adair, die die beiden tödlichen Tanten spielen.

Journal Sonntag, 29. September 2019 – Sportvermissung

Montag, 30. September 2019

Ich versuche mich ja durch die derzeitige Malaise und Sportverhinderung mit „Ist halt so“ und „Hoffentlich nur vorübergehend“ hochzuhalten. Aber gestern, an diesem leuchtenden und milden Frühherbsttag, wurde ich dann doch gründlich traurig, weil ich nicht an die Isar zum Laufen oder auch nur Spazierengehen konnte, kein Wandertag möglich war.

Zumindest radelte ich raus ins Dantebad, über einen schönen Umweg durch Neuhausen und Gern, um wenigstens ein wenig in besonders warmem Wasser zu schwimmen und in weiterem warmem Wasser herumzufloaten. Also den Anweisungen von Frau Physio folgend, sowohl was den Umfang sportlicher Bewegung betraf als auch die Wärme und Entspannung.

Die Fahrt war wirklich wundervoll: Das Licht! Die Farben! Die Luft! Im Dantebad zeigte sich, dass Brustschwimmen gar nicht mehr geht, selbst angedeutete Scherenbewegungen schmerzen zu sehr. Ich kraulte dann brav nur 2000 Meter, das Vergnügen dabei war überschaubar, weil im Dantebad die Sportschwimmerbahnen dieses nicht sind und eher gepritschelt wird – und mein Bein schmerzte. Schön war aber das Gleiten im Sonnenlicht von oben und Glitzern von unten. Anschließend ins Warmbecken zum Lockern und Entspannen – oh mei, da stelle ich mich an. Selbst als ich einen Platz auf den Unterwasser-Liegen bekam, fühlte sich das weniger entspannt an als in meiner Badewanne. Irgendwann kam leichter Sprudel von unten, ohne Effekt.

Bis 12 Uhr war es überraschend voll geworden, beim Umziehen waren alle Spinde in der Damenumkleide belegt.

Das Heimradeln mit Umwegen genoss ich wieder sehr, nahm mir vor, die Villensiedlung Gern mal zu Fuß zu erkunden. (Mir fiel auf, dass ich noch nie jemanden kennengelernt habe, die in Gern wohnen.)

Daheim war es noch früh genug für weiteren Milchkaffee, zudem gab es Birnen, Pain d’epice und morgens gebackenen Hefezopf.

Irgendwo, fürchte ich, bin ich beim zweisträngigen Flechten dann doch falsch abgebogen (das nächste Mal versuche ich es mit dieser Rechte-Hand-Linke-Hand-Methode). Tat dem Geschmack keinen Abbruch.

Ich las die Sonntagszeitung im Sessel auf dem sonnigen Balkon.

Dann wollte ich aber doch nochmal dringend raus, der Tag war gar zu schön. Ich humpelte langsam über den Südfriedhof (viele, viele Eichhörnchen) und an die Isar (viele, viele Menschen – aber nur ca. 10 Prozent davon Bajuwaren-Cosplayer, ganz wie früher auf dem Oktoberfest), über die Fraunhoferstraße zurück.


Insgesamt fast ein Sporttag.

Am Samstag hatte ich beim Vorbeilaufen gesehen, dass das Auroom während des Oktoberfests seine „keine Dirndl- und Lederhosenträger“-Türpolitik aufgegeben hat: Dieses Jahr ist die Bar über die Oktoberfestzeit ganz geschlossen.

Nochmal auf dem Balkon gelesen (Kent Haruf, Eventide, lese ich sehr gern), bis es zu kühl wurde. Nicht gebügelt.

Herr Kaltmamsell servierte als Nachtmahl Mangoldröllchen mit Hirse-Salsicce-Füllung in Tomatensoße, sehr schmackhaft.

Journal Sonntag, 22. September 2019 – Elterngrillen mit Spanienurlaubsbildern

Montag, 23. September 2019

Ausschlafen dauerte bis fast acht Uhr. Nach dem Bloggen war gerade noch Zeit für Duschen und Ankleiden, dann bereits Aufbruch zum Bahnhof: Wir waren bei meinen Eltern eingeladen. Ein Fußweg zum Zug war auch gestern unmöglich: Trachtenumzug (Super-Cosplay!) anlässlich Oktoberfest. Wir mussten die U-Bahn nehmen.

Unterwegs zeigte sich das Draußen in 70er Kodachrome – praktisch natürlicher instagram-Filter.

In Ingolstadt trafen wir uns bei meinen Eltern mit der Bruderfamilie. Meine Eltern grillten heftig auf; wir aßen auf der Terrasse in milden Temperaturen unter meist bewölktem Himmel: Zucchini, Auberginen, Maiskolben, Tomaten, Calamari, Garnelen, Lammkoteletts, Schweinebauch, Salsicce. Dazu Gespräche über Fridays for Future – kann es sein, dass Greta Thunberg unter den Gegnern des Klima-Aktivismus‘ deutlich wichtiger genommen wird als unter Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten?

Danach bekamen wir die Bilder des kürzlichen Spanienurlaubs der Bruderfamilie (von Laptop auf riesigen Elternfernseher): Paris, Feriensiedlung bei Madrid, Madrid, Sevilla, andalusischer Strand, Granada, noch ein Strandtag in Frankreich. Sie sahen nach viel Spaß aus, ich freute mich, einen Teil der spanischen Vaterfamilie zumindest auf Fotos zu sehen.

Kaffeeundkuchen mit der Linzertorte, die ich mitgebracht hatte, Aufbruch zurück zum Bahnhof. In München ging es durch nicht zu schlimme Oktoberfest-Cosplayer heim. Arbeitstag vorbereiten, Wohnung putzbar aufräumen, im Bett fing ich Isa Bogdans neuen Roman Laufen an.

Journal Samstag, 21. September 2019 – Die Sprache des Körpers und Bogenhausener Italien

Sonntag, 22. September 2019

Vorsichtige Versuche in der Disziplin „Hören auf den eigenen Körper“. Sie wissen: Wir haben ein fundamentales Kommunikationsproblem, mein Körper und ich – ich bestehe aber darauf, dass er angefangen hat. Sich außerdem furchtbar undeutlich ausdrückt und meinen Vorschlag ablehnt, das ganze schriftlich zu machen.

Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, ihm mal zuzuhören, zumindest was das akute Problem betrifft. So richtig zum Problem wurde es ja vor viereinhalb Jahren: Ich hatte beim Laufen Hüftschmerzen (ein paar Jahre davor auch schon, aber da waren sie von selbst wieder weggegangen). Doch zwei Orthopäden sagten: An der Hüfte ist nichts. Also schob ich das Problem auf den alten Bandscheibenvorfall.

Jetzt bin ich bereit, meinen Körper und sein damaliges Signal wieder ernst zu nehmen: Es ist die Hüfte, zefix. Wenn ich ihn richtig verstehe, sagt mir mein Körper: Es ist nichts kaputt, nur irgendwas fürchtlich verklemmt – so sehr, dass mittlerweile das gesamte Bewegungssystem in Mitleidenschaft gezogen ist.

Und damit gehe ich in den kommenden Wochen zu Anfasserinnen mit so unterschiedlichen Ausbildungshintergründen, dass ich sie als „Anfasserinnen“ zusammenfasse. Wenn das nichts bringt, kann ich mich diesen (scheinbaren?) Körpersignalen ja wieder verschließen.

Gestern wollte ich eigentlich Schwimmen gehen. Doch so wie mein Körper mir vergangene Woche signalisiert hatte, dass er keine weite Strecken mehr gehen wollte, meinte er gestern, dass er für eine Schwimmrunde zu erschöpft war. (Die nächtliche Migräne-Attacke nach nur einem wirklich kleinen Glas Rotwein mag das unterstützt haben.) Vielleicht brauche ich wirklich mal eine echte Sportpause. Eine, die nicht durch einen Atemwegsinfekt erzwungen ist (während dem sich ein Körper ja auch nicht so richtig erholt, oder?). Auch wenn sich das wie eine Kapitulation anfühlt. Ich misstraue solchen Körpersignalen nach Ruhebedürfnis zutiefst, weil ich immer meine angeborene Faulheit und Trägkeit dahinter vermute, die es seit Kindertagen zu bekämpfen gilt – damals durch meine Eltern, seit ein paar Jahrzehnten durch mich.

Mittlerweile kann ich mir vorstellen: Wenn ich wirklich jemals wieder Wandern, Tanzen, vielleicht sogar Joggen will, braucht es erst mal eine Zäsur.

Jede pickt sich ja aus ärztlichen Anweisungen diejenige, die ihr ohnehin am nächsten kommt. Bewegung ist gut? Super, mache ich. Und überhöre vielleicht, dass bei akuten Beschwerden Bewegung nicht so gut ist?

§

Gestern brach das Oktoberfest aus. Und ich fand auf Twitter endlich ein Framing, mit dem auch ich drüber hinweg komme.

Oktoberfest-Cosplayer.

§

Herr Kaltmamsell machte sich vormittags nach Augsburg auf einen Krankenbesuch auf (und musste zum Bahnhof die U-Bahn nehmen, weil der Fußweg durch den Einzug der Wiesnwirte blockiert war). Ich spazierte/hinkte nach Wäschewaschen und -aufhängen zum Semmelholen.

Ein prachtvoller Sonnentag, der über den Nachmittag auch nochmal mild wurde.

Nach dem mittäglichen Frühstück setzte ich mich vor den Balkon und las Zoë Becks Brixton Hill.

Danach knapp zwei Stunden Bügeln, jetzt lag der Wäscheberg wieder auf Normalnull.

Abends war ich in Bogenhausen mit einer Freundin beim feinen Italiener verabredet: Martinelli. Ich radelte mit offener Jacke durch goldenes Sonnenlicht die Isar entlang und hinauf zum Effnerplatz, dann rüber nach Bogenhausen (und kam so ja doch hin und zurück zu einer guten Stunde Radeln, die andere bereits als sportliche Bewegung ansehen würden).

Auf der Max-Joseph-Brücke. Ich vermisse die Isar ohne meine Laufrunden schon sehr.

Weiß die Kunstwelt, dass wir diese Skulptur in München liebevoll „Strickliesl“ nennen, und gibt es bereits Forschung zu Volksbenamsung von Kunst im öffentlichen Raum?

Im italienischen Restaurant aßen wir ein ausgesprochen köstliches Menü und wurde ungemein freundlich und herzlich umsorgt. Die angebotene Weinbegleitung (große Empfehlung der Freundin) versagte ich mir aus Angst vor Migräne – doch zu meiner großen Freude bot mir die Wirtin eine alkoholfreie Begleitung an: Ich bekam als Aperitiv Pfirsichpüree mit Bitter Lemon (statt Bellini), dann Apfelsäfte (von reinsortig Elstar über einen roten Apfelsaft bis zu einer Mischung mit Minze, alle aus Südtirol von Kohl), einmal Crodino, außerdem ein Ginger Ale mit Holunder.

Ein kaltes herbstliches Gemüsesüppchen mit Gemüsesorbet.

Lachsforelle mit Mango, Cocos, Zwiebel.

Carpaccio vom Wagyu-Rind mit Parmesancreme.

Spaghetti mit sensationeller Tomatensoße.

Seeteufel, Garnele, Pilznocke.

Obstsalat mit Basilikum-Sorbet.

Fürs Heimradeln noch vor Mitternacht knöpfte ich zwar meine Jeansjacke zu, brauchte aber weder das eingesteckte Halstuch noch die Handschuhe.

Sonst halte ich mich beim Radeln ja mit passiv-aggressiver Engstirnigkeit an die Verkehrsregeln, doch auf der anderen Seite der Kennedybrücke wusste ich wirklich nicht, wie ich regelgerecht an der Isar gen Süden hätte radeln können: Einen Radweg gibt es nur nach Norden oder in den Englischen Garten, zum Radweg auf der richtigen Straßenseite hätte ich zweimal zwei Autospuren mit Grünstreifen dazwischen überwinden müssen. Bei kürzeren Strecken schiebe ich mein Rad in solchen Situationen, diesmal gab ich auf und radelte auf dem linken Fahrradweg einige Minuten bis zur nächsten Ampel, die mich auf die korrekte Seite brachte. An dieser Stelle (wie an vielen anderen komplexeren Knotenpunkten) hat schlicht niemand für den Fahrradverkehr mitgedacht.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen