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Journal Samstag, 20. Juni 2026 – Langsames Einstellen auf lange Hitze

Sonntag, 21. Juni 2026

Nicht so lange geschlafen, wie ich mir nach dem späten Einschlafen gewünscht hatte, dafür hatte ich mehr vom Morgen.

Und konnte nach Morgenkaffee und Häuslichkeiten früher als sonst zum Schwimmen aufbrechen, denn ich fürchtete mich vor Hitze und Menschenmassen.

Obwohl ich deutlich vor zehn ankam, stand an der Kasse die längste Schlange, die ich bislang am Dantebad erlebt habe. (Mochte mir der Einzelbesetzung zu tun haben, an Freibadtagen gibt es sonst eine weitere Kasse außen am Gebäude.) Ich spazierte mit meiner Bäderkarte an all den vor allem Familien mit kleineren Kindern vorbei, an denen wie im Ali-Mitgutsch-Wimmelbuch meines kleinen Bruders viel aufgeblasenes Badegetier und sonstige sichtbare Freibadausstattung hing.

Im Sportbecken war bereits sehr viel los, doch es wurde ein schönes Schwimmen: lauter freundliche Leute auf der Bahn, dann geht’s. Markante Schwimmfigur gestern, die ich immer wieder sehe: Schwarzer Ganzkörper-Anzug und Badehaube, an den Händen große Paddel, darin schwimmt sie bäuchlings, wobei bei jedem Zug die Beine fast geschlossen einmal abgeknickt werden, die Arme schräg nach unten einmal das Wasser umrühren. Sie kommt damit so langsam voran, dass ich sie oft überhole und mich jedesmal an der Eigenwilligkeit der Fortbewegung freue.

Ein Stündchen Sonnenbaden auf der noch überwiegend grünen Liegewiese. Die Hitze war mit Kappe gut aushaltbar, auf den Ohren hatte ich Thomas Newmans Musik zum Film Road to Perdition, den mir kürzlich eine überraschende Nachwuchs-Filmmusik-Kennerin empfohlen hatte.

Heimradeln über Semmelkauf war dann allerdings bereits an der Grenze zu unangenehm, sobald ich in die Sonne geriet.

Frühstück kurz nach zwei: Vollkornsemmeln mit Butter und Tomatenscheiben – Sommerfrühstück!

Außerdem aß ich eine der roten Aprikosen, die ich beim Lidl gekauft hatte: Sensationell! Ich verließ das Haus nochmal, um beim nächstgelegenen Lidl Nachschub zu besorgen. Da draußen war es wirklich, wirklich heiß, nicht schön.

Zurück daheim fühlte ich mich sehr wacklig und müde, ich legte mich aufs Sofa und schlief richtig ein.

Zeitunglesen, Häuslichkeiten, eine Runde Yoga.

Zum Nachtmahl gab es Hitzeessen, Co-Produktion von Herr Kaltmamsell und mir:

Tomaten-Nektarinen-Salat mit Burrata und Basilikum (Salz, Pfeffer, Olivenöl), dazu Toskana-Brot, im Glas Rosé aus Gols, Pittis Koenig (Blaufränkisch, St.Laurent), der hervorragend passte.

Nachtisch Schokolade.

Als ich ins Bett ging, war in der Wohnung die Temperatur immer noch angenehm, draußen viel zu warm. Nachdem für die nächsten Tage ähnliches Wetter angekündigt ist, sehe ich eine Woche mit geschlossenen Fenstern auf uns zukommen.

Journal Freitag, 19. Juni 2026 – Vorgezogenes Sonnwendfeiern, diesmal bei Hitze

Samstag, 20. Juni 2026

Sommerhitze heißt: Balkonkaffee an Werktag.

Arbeitsweg in Hochsommerkleidung, noch war es angenehm frisch in der Morgensonne.

GUTE Neuigkeiten! An der Theresienwiese (Ostseite, bei der Beethovenstraße) gibt es jetzt einen Trinkwasserbrunnen. An den vorherigen Morgen hatte ich Menschen daran trinken und sich kühlen sehen, gestern diesen Hund.

Überm Westend schrillten Mauersegler-Schwärme, zum ersten Mal nahm ich wahr, dass es auch Varianten des schlichten SCHRILL! gibt, nahezu melodiös.

Mein Styling-Kompliment an eine fremde Frau lief diesmal ins Leere: Ich sah zu spät, dass die Passantin ihre Ohren mit Kopfhörern verschlossen hatte, meine Geste und Worte führten lediglich zu einem verwirrtem Blick.

Überraschend emsiger Vormittag, aber nach einer Besprechung fand ich Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend: Weg in der Hitze immer schön im Schatten und nicht zu schnell.

Mein Büro lies sich mit geschlossenem Fenster und offener Tür ins luftige Atrium gut temperieren, dennoch begann um die Mittagszeit massiver Schwindel. Dagegen konnte ich eh nichts machen, also versuchte ich es mit Ignorieren.
Mittagessen Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Banane und Aprikosen.

Überfallartig emsiger Nachmittag, das lenkte mich zumindest vom Schwindel ab.

Pünktlicher Feierabend, sehr gemächlicher Heimweg über nötigste Einkäufe. Zum zweiten Mal in einer Woche sprachen mich amerikanische Missionare an (sehe ich als kosmischen Ausgleich für das Missionarsunheil, das meine angestammte katholische Religion historisch begangen hat): Diese waren Mormonen mit dem Buch Mormon in der Hand, Einstiegsfrage, ob ich dieses Buch kenne. Wie immer blieb ich freundlich, beendete das kurze Gespräch dann aber doch mit einem ehrlichen: “Es freut mich für Sie, dass sie etwas erfunden haben, das Sie glücklich macht, weiterhin alles Gute.”

Zu Hause nach Abkühlen eine Folge Yoga – in Adrienes letzem 30-Tage-Programm “Flow” sind sie mir mit 15 bis 23 Minuten wirklich zu kurz: So wenig bewege ich mich nicht, dass die sich nach Wirkung anfühlen.

Für den Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell zum leicht vorgezogenen Sonnwend-Essen verabredet, im Romans mit weiterhin einem der schönsten Gastgärten eines Restaurants in München. Diesmal mussten wir keine Regenströme befürchten, sondern die große Hitze. Irgendwas ist immer, Wetter können wir halt nicht kontrollieren, und das erleichtert mich sogar.

Dritter Einsatz der Hochzeitsschuhe von 2024. Wir brachen so rechtzeitig auf, dass ich langsam gehen konnte.

U-Bahn nach Neuhausen. Mit uns trafen noch viele, viele weitere Gäste ein, die ebenfalls um sieben reserviert hatten. Ich machte mich auf lange Wartezeiten für alles gefasst, doch das freundliche Personal hatte den Ansturm gut im Griff.

Zwei verschiedene Spritz als Aperitif (meiner mit Sarti), als Vorspeise hatte ich von der Tageskarte (-tafel) einen Ziegenkäse-Cheesecake mit Lachs und Kaviar gewählt.

War gut – aber wie eigentlich das meiste auf der Speisekarte nicht so richtig italienisch. Hauptsache gut. Als Wein hatte ich mir schon vorher mal wieder einen Vermentino gewünscht und bestellte einen sardischen solchen. Der Alkohol tat mir sehr gut. Mit seiner Entspannung konnte ich Herrn Kaltmamsell ein wenig von der vergangenen Woche erzählen, ließ mir von ihm Details seiner berichten.

Als Hauptgang ließ sich Herr Kaltmamsell hausgemachte Ravioli mit Kabeljau-Füllung servieren, ich Lammkoteletts mit Kartoffel-Provolone-Plätzchen und Spinat.

Zu meiner Erleichterung sank die Temperatur deutlich und wurde lediglich angenehm warm. Es ließ sich hervorragend aushalten, ich vermisste meinen vergessenen Fächer nicht. Sogar auf Dessert hatte ich noch Lust und überredete Herrn Kaltmamsell, mich zu begleiten: Schokoküchlein mit flüssigem Kern (Foto vergessen). Jetzt war ich aber wirklich sehr voll.

Daheim war die Wohnung weiterhin schön kühl, wir ließen Fenster und Türen nach draußen zu, Ausnahme Fenster in den kühlen Innenhof.

Journal Donnerstag, 18. Juni 2026 – Hitzeeinbruch

Freitag, 19. Juni 2026

Bis drei sehr gut, dann nur noch unruhig geschlafen.

Noch kam es vom sonnigen Draußen frisch rein: Ich öffnete viele Fenster und Türen, machte die Wohnung erst kurz vor Aufbruch hitzefest mit Rollläden und geschlossenen Fenstern – denn heiß sollte es auf jeden Fall werden.

Auf dem Weg in die Arbeit genoss ich erstmal das Hochsommerlicht.

Doch schon bei einem Dienstgang kurz vor zehn wogte die Hitzewelle an.

Verabredung mit meinen Eltern fürs Sonntagmittagessen: Sie sind zurück von ihrer Reise und ich habe große Sehnsucht nach ihnen.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später spazierte ich eine Runde um die Blöcke. Obwohl ich in der jetzt nicht mehr anders zu nennenden Hitze lieber nicht schnell ging, war mir am Ende kreislaufwacklig schwindlig. In der Gollierstraße hatte ich beobachtet, wie ein recht großer, angeleinter Hund sich neben seiner stehengebliebenen Besitzerin einfach rücklings auf den schattigen Gehweg legte, Beine mit abgeknickten Pfoten in die Luft. Vielleicht hätte ich nicht nur laut “Vorbild!” scherzen sollen, sondern es ihm exakt nachmachen.

Zu Mittag gab es eingeweichtes Muesli mit Joghurt, außerdem Aprikosen und Nektarinen. Ruhig wegzuarbeitender Nachmittag. Während es draußen wie angekündigt richtig heiß wurde, hielt ich mein Büro angenehm temperiert – was bei meinem Kreislauf nicht recht ankam, er wackelte dennoch wie in Hitze.

Direkter Heimweg – gemessenen Schrittes.

Die dreireihigen Linden um die Theresienwiese in Blüte und Duft.

Daheim riss ich mir wieder die Beinhaare aus, dann turnte ich eine neue Folge Pilates von Gabi Fastner – wieder mit neuen unbekannten Übungen, spannend.

Der Ernteanteil hatte keinen Salat gebracht, also bereitete Herr Kaltmamsell die chinesische Keule aus Ernteanteil als Nachtmahl zu und servierte sie mit Bratkartoffeln und Spiegeleiern. Gut! Zum Nachtisch schlossen wir die Erdbeer-Saison ab, dann gab’s noch Schokolade.

Auffallend dieses Jahr: Wie sehr sich immer weiter von der Standard-Erdbeerschachtel entfernt wird.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, ich amüsiere mich weiterhin, wie Vicki Baum in Zwischenfall in Lohwinckel einen Landarzt erschafft, so gar nicht das Zeug zum TV-Serienhelden hat, grantig und fachlig untermittelmäßig (er ist aber nicht die dominierende Figur).

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Die herzzereißende Geschichte eines offenen Port 22 und wen Arman Hossain damit anlockte.
“I Left Port 22 Open on the Internet for 54 Days.
Here’s Who Showed Up.”

via @herr_rau

Ich verstehe die Technik fast gar nicht, nur genug, um die Geschichte zu erfassen und super zu finden.
Hat denn niemand ein IoT-Maschinchen, das 3245gs5662d34 und 345gs5662d34 eine Heimat geben könnte?!

Together, they account for over 11,000 attempts.

§

Jemand mit beruflicher Expertise in diesen Dingen schreibt:

Autonomie ist in jedem Alter wichtig. Noch wichtiger ist es, Hilfe annehmen zu können, damit die Helfenden nicht aufgeben und man selbst nicht in seiner Angst versinkt und damit dann schon jede Autonomie verloren hat.

Hier der zugehörige Blogpost, oben der Anlass des Hinweises:
“Posthornschnecken”.

Puh. Bislang berücksichtige ich als Vorbereitung für ein möglichst Leid-armes Alter bereits:
– Bewegung (das ist das Einfachste für mich, weil eh ein Bedürfnis, etwas Aufmerksamkeit erfordert lediglich, alle Bereiche Kraft, Cardio, Mobilität abzudecken)
– Aktive Pflege menschlicher Kontakte inklusive Nachschubsicherung (wofür ich mein starkes Eigenbrötlertum überwinden muss, aber Wirkung wissenschaftlich erwiesen)

Jetzt wird mir klar, dass ich rechtzeitig lernen muss, Hilfe einzukalkulieren. Das ist für mich, die mit SELBER! praktisch geboren wurde, ausgesprochen schwer. (Bislang so: No man is an island? Das wollen wir doch mal sehen.)

§

Where you’ll see a rare bird.

Journal Mittwoch, 17. Juni 2026 – David Hockney und wenn ich malen könnte

Donnerstag, 18. Juni 2026

Der Wecker klingelte extrafrüh, ich plante einen Lerchenlauf. Für den verließ ich kurz nach sechs das Haus, lief angenehm leicht in feuchten Sommermorgendüften (es hatte nachts geregnet), bekam endlich mal wieder den Laufgenuss, wegen dem ich das doch eigentlich mache.

Die David-Hockney-Doku ging mir weiter durch den Kopf. Meine Gedanken kreisten um die zentrale Funktion, die Umsetzung von Wahrnehmung für Hockney hatte (darauf wies in der Doku Kurator Andrew Wilson von Tate Britain hin, im Gegensatz zum anderen Geschwurbel auf der Basis von Hockneys eigenen Aussagen). Hockneys Bilder versuchen seine Wahrnehmung wiederzugeben, vor allem seine visuelle Wahrnehmung – und nein: Das ist keineswegs Anliegen aller Künstler*innen. Manche setzen etwas um, was sie vor ihrem inneren Auge, in ihrer Vorstellung haben. Manche arbeiten eher prozesshaft und wissen selbst nicht, was das Ergebnis sein wird. Wieder andere starten mit Einzelelementen, Gegegenständen, Material, das sie zu einem Ergebnis kombinieren. Plus unzählige andere Ansätze als das Ziel, Wahrnehmung wiederzugeben.

Zum Beispiel die Linien des Sonnenlichts im Wasser gebrochen auf dem Boden eines Swimming Pools. Hockneys Pool-Bilder waren seine ersten Werke, die ich kennenlernte. Herr Kaltmamsell und ich arbeiteten Anfang der 1990er beide als Hiwis an der Augsburger Uni am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft. Wir waren noch kein Paar, als der heutige Herr Kaltmamsell mich während eines gemeinsamen Hiwi-Dienstes in die Uni-Bibliothek bat, nur zwei Büro-Gänge vom Lehrstuhl entfernt: Er wolle mir etwas zeigen. Dieses etwas stellte sich als Bildbände von David Hockney heraus, er wollte mich auf die Pool-Bilder hinweisen (hier eines der berühmtesten, “Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)”). Ich war sofort gefangen (und sehr beeindruckt von Herrn Kaltmamsell), vor allem von den Linien, die das Sonnenlicht auf den Boden des Pools warf: Erst durch die Wahrnehmung ihrer unvergleichlichen Schönheit und deren Abbildung sah auch ich sie – und denke jetzt bei jedem Schwumm mit sonnenglitzerndem Schwimmbeckenboden an Hockney.

Oder wie Andrew Wilson bemerkte: Als er zum ersten Mal nach Los Angeles und diese Gegend Kaliforniens reiste, habe er das Gefühl gehabt, durch Bilder von David Hockney zu fahren. Hockney hatte die Essenz dieser Anblicke wahrgenommen und in seinen Kalifornien-Bildern umgesetzt.

Das Umwerfende dabei: Mit seiner Kunst geht David Hockney weit darüber hinaus, was Fotografie einfangen kann. Am besten sieht man das an seinen Kunstwerken, die er aus Fotos zusammengebaut hat, zum Beispiel an diesem Portrait von Billy Wilder, das die Wahrnehmung des Menschen deutlich präziser einfängt, als das ein konventionelles Foto von ihm könnte. Obwohl Hockney im Zweidimensionalen bleibt, hält das Porträt auch Bewegung fest.
Ähnliches gilt für Hockneys Doppel-Porträts, zum Beispiel dieses von Christopher Isherwood and Don Bachardy: Neben visuellen Wahrnehmungen transportieren sie auch die Wahrnehmung von Gefühlen, der Beziehung zwischen den beiden Portraitierten (die allerdings wiederum bei der Betrachterin andere sein könnten als beim Maler).

Und als ich so in den Isarauen vor mich hin trabte und darüber nachdachte, begann ich mir nach Jahrzehnten wieder zu wünschen, ich könnte malen. Denn das Wahrnehmen samt Bedürfnis, dieses festzuhalten und anderen zu zeigen – das kenne ich sehr gut. Ich versuche es halt mit unbeholfenen Handy-Fotos. Jetzt wurde mir bewusst, wie vieles von meiner Wahrnehmung ich beim Fotografieren weglassen muss oder ich nie die Chance habe festzuhalten, weil es bis zum Zücken des Handy längst vorbei ist. Oder wie oft das Foto überhaupt nicht wiedergibt, was ich eigentlich sah. Bislang fand ich mich halt damit ab, dass sich manches nicht einfangen lässt – oder machte mir Vorwürfe, weil ich immer zu faul war, mich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen.

Malerei gäbe mir die Chance, das innerlich festgehaltene Bild zu äußern oder den Schwerpunkt meiner Wahrnehmung, das, was mich hinsehen ließ, in den Vordergrund zu stellen – viel mehr als jedes Foto. Zum Beispiel beim Wandern vergangenen Samstag der Sonnen-beschienene Mückenschwarm im Wald vor einem Stück blauem Himmel mit Wolken (der mich umgehend stehenbleiben und nach dem Mückenspray kramen ließ): Keine Chance, das in ein Foto zu bannen. Aber malen könnte man das, ich dachte an David Hockneys Yorkshire-Bilder (hier ein Beispiel aus seinem Sketch Book).

Ein Beispiel von meinem gestrigen Lauf:

Könnte ich malen, stellte ich die Beziehung zwischen den Pastelltönen an der jungen Frau und den Fassaden heraus, verschöbe die Frau ein wenig nach links. (Nein, sowas mit Prompts eine Maschine machen zu lassen, ist nicht dasselbe.)

Hier würde ich die Elemente verdichten, die Stadt-Silhouette und den Badenden zusammenrücken – weil DAS meine eigentliche Wahrnehmung war: Mitten in der Stadt, von einer Brücke sichtbar und vor einer sehr städtischen Kulissen ein nackter Männeroberkörper im Fluss.

Ein Element meiner Wahrnehmung bei beiden Motiven: Ich finde sie lustig! Und Humor ist etwas, was ich auch in Hockney Werk sehe – was meiner Meinung nach in den Nachrufen auf ihn viel zu wenig Raum einnimmt.1

Weitere Wahrnehmungen auf meiner Runde, nicht alle sah ich automatisch mit David-Hockney-Filter (so wie ich vor einem Jahr nach Besuch der Ausstellung japanischer Holzschnitte alles mit Holzschnitt-Filter sah).

Ich beendete meine Laufrunde inspiriert und fröhlich. Schnelles Duschen und Fertigmachen, Arbeitsweg mit U-Bahn-Unterstützung.

Im Büro geordnetes Wegarbeiten, das war eine schöne Abwechslung. Mittagscappuccino im Westend, sehr komisches Wetter: Die Hitzewelle kündigte sich bereits an, doch noch waren die Temperaturen angenehm, lediglich drückte die Luft bereits wie in Hitze.

Wie schon am Montag ein Kompliment für mein Outfit bekommen – von einer völlig fremden entgegenkommenden Passantin. Das freute mich – und bestärkte mich darin, das auch weiterhin selbst zu tun.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Nektarinen: Am Montag unreif eingekauft, jetzt waren sie perfekt nachgereift.

Arbeitsamer Nachmittag, das Fenster nach draußen schloss ich lieber gegen dieses seltsame Drücken. Ich fühlte mich müde und konzentrierte mich nur schwer; da bei meinen gestrigen Aufgaben Fehler sehr peinlich wären, checkte ich alles dreimal.

Nach Feierabend holte ich ein UPS-Paket in einem kleinen Laden an der Landwehrstraße ab, in dem ich vor lauter auf dem Boden verstreuter und überall wild gestapelter Ware nicht mal bis an die Theke kam. Aber hey! Das Paket wurde nach einer Weile gefunden.

Zum Nachtmahl war ich mit Herrn Kaltmamsell zu einem weiteren Versuch Schnitzelgarten verabredet. Und wir hatten Glück: Es gab genug freie Tische, niemand stand Schlange.

Zu einem alkoholfreien Weißbier gab es hervorragende Pommes, sehr gutes Cordonbleu mit Gorgonzola-Füllung. Und es blieb genug übrig für ein reichliches Frühstück für Herrn Kaltmamsell.

Zurück daheim zum Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, bei noch hellem Himmel zum Schlafen gelegt.

  1. Es ist hoffentlich klar, dass ich nicht versuche, mich mit David Hockney zu vergleichen? []

Journal Dienstag, 16. Juni 2026 – Wirklich kurze Haare!

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Arbeitssorgen, die mich beim Zu-Bett-gehen gehörig umgetrieben hatten, störten meinen Schlaf glücklicherweise erst in der letzten Phase. Ab dann aber durchgehend bis zur Verzweiflung auch auf dem Arbeitsweg (kühl, gemischtwolkig, aber eher freundlich) und bei Arbeitsanfang. Am Schreibtisch bestärkte mich ein neues Detail dazu in meinem Postfach zumindest darin, mich auf meine (wirklich echt ehrliche) Nicht-Zuständigkeit zu konzentrieren: Aus Verzweiflung wurde zumindest lediglich Unglück. Meinen komisch turbulenten Bauch konnte ich allerdings nicht so einfach damit erklären, den hatte ich vor einer Woche auch schon ohne dieses Schlamassel.

Und ich hielt mich daran fest, dass ich meinen schönsten Rock mit meinen schönsten Schuhen trug.

Mittagscappuccino inklusive Marschrunde im Westend.

Nachmittag mit mühsamer Arbeit und einem kleinen Ausrutscher in meiner Servicehaltung. (Daran gelernt: Selbst ich habe eine Trivialitätsgrenze bei Aufgaben, nämlich wenn sie sich zu weit unter sogar Kaffeekochen anfühlen.)

Große Freude auf das Wochen-Highlight: Endlich ein Haarschnitt.

Vorher nochmal die Mähne festgehalten. Auf dem Weg aus dem Bürohaus kam ich an einem Besprechungsraum vorbei, in dem Chor gesungen wurde (ca. sechs bis acht Leute) – das war unerwartet.

Der vertraute Familienfriseur hatte wieder Spaß mit meinem dicken Haar (und mit meinem Vergleich, dass ich mich fühlte wie dieses eine Schaf, das für ein paar Jahre in den Bergen verschwunden war und völlig von seiner Wolle eingewachsen gefunden wurde).

Ich war hochzufrieden mit dem Haarschnitt. Auf dem Heimweg noch eine Runde Milchprodukteinkäufe beim Alnatura.

Daheim eine Einheit Yoga mit ein wenig Anstrengung. Zum Nachtmahl setzte Herr Kaltmamsell eine Abmachung um: Nach unserem Besuch im Mix Market mit seinen osteuropäischen Produkten hatten wir ein Abendessen mit verschiedenen gefüllten Teigwaren von dort geplant. Und gestern servierte er: Vareniki (Sauerkrautfüllung) in Brühe, dann Pierogi (Hackfleischfüllung) und Khinkali (Spinat/Mozzarella) mit Butter. Gut und sättigend.

Nachtisch erst der Rest Apricot Crisp, dann Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Am Montagabend hatte ich das Granta mit skandinavischer Literatur beendet (interessant, unter anderem: auch woanders gibt es alte weiße Theatermacher mit Entitlement-Problem), die neue Lektüre, Vicki Baums Zwischenfall in Lohwinckel, nahm mich mit in die deutschen 1920er in Form des Haushalts eines nicht mehr jungen Provinz-/Landarztes mit junger Frau, kleiner Tochter und Problemen – deutlicher Gegensatz zum Fernseh-Landarzt-Idyll mit nostalgischer Note.

Journal Samstag, 13. Juni 2026 – Wanderung ab Geltendorf, Sankt Ottilien mit Missions- und jüdischer Geschichte

Sonntag, 14. Juni 2026

Gut und ausgeschlafen, aufgestanden zu gemischten Wolken, aber deutlichem Temperaturanstieg. Alles wies darauf hin, dass das ein hervorragender Wandertag würde, das stellte sich später auch als richtig heraus.

Zu dieser Wanderung war ich um zehn am Münchner Gleisende verabredete, genug Zeit für einen gemütlichen Morgen mit Bloggen und Mastodon-Lesen. Länger als bei jeder Wanderung zuvor dachte ich über angemessene Wanderkleidung nach: Zwar war der sichtbare Wetterumschwung angekündigt gewesen, doch die vorherigen sehr kalten und dann auch noch regnerischen Tage musste ich erstmal aus dem Kopf bringen. Schließlich entschied ich mich für kurze Wanderhose und kurzärmliges Oberteil, schlüpfte aber in meinen leichten Windbreaker.

Münchner Nicht-Hauptbahnhof.

Die Windjacke zog ich gleich bei Ankunft am Gleis aus: Es war viel zu warm dafür.

Die Mitwanderin hatte als Ziel unserer Tour Sankt Ottilien bei Geltendorf vorgeschlagen, dessen ungewöhnliche Geschichte im 20. Jahrhundert ich bereits von ihr kannte: In der Nachkriegszeit diente das Benediktinerkloster als Krankenhaus für jüdische Häftlinge aus dem KZ Dachau. Außerdem interessierten wir uns für das dortige Missionsmuseum. Ich fand eine Wanderung drumrum, die uns einige Stunden in Bewegung halten sollte.

Es wurden schöne Stunden, auch wenn die erste Hälfte über Kaltenberg fast ausschließlich auf asphaltierten Wegen führte. Doch es ging ein angenehmer Wind, meist schien die Sonne, mit kürzen Ärmeln und Sonnenkappe war ich genau richtig ausgestattet.

Zwischen Geltendorf und Kaltenberg bewunderten wir die Wellen, die der Wind in die grünen Kornfelder blies: Nur in dieser Phase zeigten sie ihren ganzen Zauber, weil die Blätter der Halme verschiedene Grüntöne trugen; bei weiterer Reife der Pflanzen ins Gelbe verschwindet der Effekt.

Bilderbuch-Bayern

Zwar wird es auch dieses Jahr das Kaltenberger Ritterturnier geben (das ich vor 38 Jahren auch mal besuchte – das erste Mal wurde es schon 1980 veranstaltet), doch jetzt lagen die Anlagen noch ruhig da.

Ebenfalls Bilderbuch – mit starkem Verdacht, dass erst das Bilderbuch da war, und die Anlagen diesem Wunschbild angepasst wurden. Diesmal hatte ich sogar eine Kunsthistorikerin bei der Hand, die das bestätigen konnte.

Nach einer Schleife zurück und hinter dem Ort Kaltenberg ging es endlich auf Feldwege und in den Wald. Wo ich bereits nach wenigen Metern zum Mückenspray griff, das seinen festen Wohnsitz in meinem Wanderrucksack hat: Das malerische Sonnenlicht durchs Grün der Bäume machte Mückenschwärme sichtbar, mit denen ich nichts Engeres zu tun haben wollte. Ansonsten waren die Wege aber nach den Regenfällen der Vortage überraschend wenig matschig.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Gehen setzten wir uns auf ein passendes Bankerl und machten Pause, ich frühstückte Apfel und Hüttenkäse. Vor uns mal ein Falke, mal ein Rotmilan (den wir noch an zwei weiteren Stellen am Himmel sahen – vielleicht waren es natürlich auch drei verschiedene). Vorher hatten wir bereits recht nah zwei Hirschtiere im Wald gesehen, die ich früher Rehe genannt hätte, bevor ich lernte, dass Rehe genau genommen nur eine ganz kleine und eher seltene Gruppe Hirsch bilden. (Noch verbinde ich mit “Hirsch” zu sehr Geweih, als dass ich die Bezeichnung unbefangen verwenden könnte.)

In einem großen Bogen (und zwei Extra-Abstechern, weil der GPS-Pfad auf meinem Handy-Display nicht ganz mit der Gegend übereinstimmte) gingen wir nach Eresing, das wir in diesem Bogen immer im Blick hatten. Auf die dortige Kirche war ich gespannt, denn je näher wir kamen, desto mehr sah sie in Details untypisch für eine Bilderbuch-Barockdorfkirche aus.

Der Eingang zu dieser Kirche St. Ulrich lag erhöht auf der Rückseite. Innen schöne Rokkokko-Gestaltung mit überraschend gut gemalten Fresken (erst vor wenigen Jahren renoviert), der Hauptbau sichtlich von einem ursprünglichen gotischen Bau übernommen. Wir fanden auch die Treppe hinunter ins Erdgeschoß mit einer Kapelle.

Nicht viel später gelangten wir bereits nach Sankt Ottilien – ich war überrascht, wie weitläufig die Anlage ist.

Eingang zum Missionsmuseum.

In dem mir wie immer beim Thema christliche Mission ausgesprochen unwohl war (Kolonialismus, Machtmissbrauch, Gewalt, Unterdrückung, Rassismus). Diese Ausstellung ist allerdings in vielerlei Hinsicht vorbildlich in Reflexion und Transparenz, unter anderem zieht sich der Aspekt Restitution der Exponate durch die gesamte Ausstellung.

Wir durchstreiften das Gelände, meine Begleiterin kaufte im Automatenladen der Gärtnerei Gemüse, wir besuchten den jüdischen Friedhof als einen Teil des Rundgangs zur jüdischen Geschichte Sankt Ottiliens.

Mit dem ich mich bei einem eigenen Besuch ausführlich beschäftigen möchte, jetzt weiß ich ja, wie schnell ich vom Bahnhof Geltendorf hier bin.

Zu diesem spazierten wir abschließend und ließen uns von einer Regionalbahn mit Umstieg in Pasing zurück nach München fahren. Das waren gut 20 Kilometer in knapp fünf Stunden gewesen, die immer wieder schöne Aussichten geboten hatten.

Auch über München blauer Himmel, darin Wind und angenehme Temperaturen. Ich ruhte mich ein wenig auf dem Balkon aus, bevor ich meinen Anteil zum Abendessen aus Resten beitrug: Kohlrabigemüse aus Ernteanteil, restlichen Salat angemacht. Dazu servierte Herr Kaltmamsell ein wenig Fleisch und Kartoffelbrei vom Vorabend. Ich bekam das restliche Glas Rosé.

Nachtisch Vin Santo (hervorragend) und Cantuccini, außerdem Schokolade. Wieder sehr früh ins Bett zum Lesen, ich war dann doch vom Wandern müde.

Journal Freitag, 12. Juni 2026 – Außer Atem über die Wochen-Ziellinie

Samstag, 13. Juni 2026

Ich hatte mich so oft morgens erinnert “noch NICHT Freitag”, dass ich gestern bei Weckerklingeln erstmal überlegen musste bis “FREITAG!”.

Das kalte Regenwetter ging in die Verlängerung, allerdings erwischte ich für meinen Marsch in die Arbeit (Woll-Janker, Schal) eine Regenpause. Gleich danach setzte wieder heftiger und windiger Regen ein.

Aber bis dahin bekam ich auf der Theresienwiese nicht nur Lindenblütenduft, sondern auch die Kamillenblüte in die Nase.

Am Schreibtisch überfielen mich gleich mal besonders unangenehme Aufträge, die mich von den eigentlich geplanten Arbeiten abhielten. Weil ich mit ihnen aber eh nicht vorankam (was sie noch unangenehmer machte), arbeitete ich Geplantes ab, immer mit einem Auge auf eine mögliche erlösende Information auf welchem Kanal auch immer, maximal unentspannt. Für Mittagscappuccino traute ich mich nicht weiter weg von meinem Schreibtisch als Cafeteria.

Sommer, aber in greislich.

Um die Mittagszeit endlich Erlösung, ich schnappte mir einen Schirm, um die Aufregung mit einer Runde im Regen um die Blöcke wegzulaufen.

Als ich zurückkam, ging’s grad so crazy weiter, was ist bloß aus Freitag geworden? Ich war sehr versucht, den nächsten Anruf mit “WER STÖRT?” entgegenzunehmen. (Was der technische Fortschritt AUCH kaputt gemacht hat, die Antwort steht ja heutzutage bereits auf Display/Bildschirm.)
Und dann schon wieder ein erzwungener Neustart für Updates! Wohin sind die Zeiten, in denen die Nacht für Software-Updates genutzt wurde?!

Parallel letzte Abstimmungen mit Freundin zu Samstag: Wir sind seit Monaten zum Wandern verabredet, das Wetter soll sich akkrat dafür einkriegen.

Mittagessen Flachpfirsiche und Aprikosen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Eine Besprechung am Nachmittag spülte dann eine weitere Welle Zeugs über mich. Ich arbeitete auf dem Zahnfleisch weg, war eigentlich zu erschöpft für Heimgehen, machte in erster Linie aus Angst vor weiteren Auftragswellen Feierabend, Montag musste dafür auch noch reichen.

Auf dem Heimweg (ohne Bedarf für Schirm, vielleicht war’s das tatsächlich erstmal mit Regen, außerdem war es milder geworden) die geplanten Lebensmitteleinkäufe – ich bin sicher, dass andere Leute auch solche gemeinsamen Einkaufslisten haben.

Zu Hause erstmal dramatisch mit dem Gesicht nach unten auf das Bett von Herrn Kaltmamsell gekippt. (Er legte sich zu mir, das war sehr schön.) Dann eine Folge Pilates “Kraft und Balance / Für Fortgeschrittene”, MIPFLEISS! Überforderung riskierend. Innere Logik: Wenn ich die trotzdem schaffe, habe ich an diesem Tag zumindest irgendwas geleistet. Wenn ich sie nicht schaffe, kann ich wenigstens meinen Selbsthass rechtfertigen. WIN WIN!

Resultat: Nur eine Übung funktionierte auf einer Seite nicht befriedigend – vor allem aber taten sowohl Gabi Fastner als auch die Übungen wirklich gut.

Jetzt von Herzen Wochenende gefeiert, ich schüttelte Cosmopolitans.

Alkohol! So nützlich!

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Rinderippe geschmort.

Es gab sie mit Ernteanteil-Brokkoli und Kartoffelstampf, köstlich. Dazu hatte ich einen empfohlenen Rosé aufgemacht: den unfiltrierten Rosza libre von Claus Preisinger aus Gols. Schmeckte fruchtig, frisch und gut – aber in jüngster Zeit hatte ich Rosés im Glas, die mir noch besser schmeckten.

Nachtisch Schokolade, früh und völlig erledigt ins Bett zum Lesen.

§

Nebenwirkung von Papierpost: Eine liebe Urlaubspostkarte bescherte mir den ersten Anblick einer britischen Briefmarke, auf der NICHT die Queen abgebildet war! (Starkes Störgefühl bis ich begriff: Sie zeigte ihren Sohn.)

Außerdem bemerkenswert: König Karl trägt auf dem Briefmarkenbild, anders als seine Mutter, keine Krone (er hat vermutlich nur die offizielle, während die Königin ihre mit einem Diadem andeuten konnte).