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Journal Mittwoch, 1. Juli 2026 – Ein sehr lautes Kleid und mehr aus der Kartoffelkombinat-Generalversammlung

Donnerstag, 2. Juli 2026

Zu spät eingeschlafen, zu früh aufgewacht: Ich fürchtete mich bereits beim Aufstehen vor Müdikeitsanfällen in der Arbeit.

Das Draußen düster und kühl, ich versuchte so viel von der Kühle wie möglich in die Wohnung zu bringen.

Kleiderwahl. Ich assoziierte: The queen deliberately chose bright colours in one tone, worn from head to toe, to stand out in large crowds.

(Foto aufgenommen am Abend.)

In diesem Fall keine Absicht sondern Nebeneffekt: Während ich gewohnt bin, dass Kleidung in Echt deutlich unauffälliger wirkt als auf den Verkaufsfotos, stellte sich dieser Impulskauf (stark reduzierter Preis) beim Auspacken als mindestens so laut heraus wie abgebildet. Doch bei allen sonstigen Veränderungen meiner Persönlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten: Ich habe immer noch überhaupt kein Problem damit, in der Öffentlichkeit mit schöner Kleidung sehr sichtbar zu sein.
(Bei der Rocklänge bin ich noch unschlüssig, ob sie so bleiben soll.)

Auf dem Weg in die Arbeit (ab jetzt und für die kommenden fünf Monate Oktoberfest-bedingt wieder außen um die Theresienwiese herum) machten mir zweimal fremde Frauen ein Kompliment für das Kleid.
Gegen den angekündigten Regen hatte ich einen Schirm in der Hand: Er wirkte, ich blieb unberegnet.

Arbeitsstart am Schreibtisch eher durcheinander, doch das mag sich auf der Basis meiner Grundgereiztheit nur so angefühlt haben. ABER! Eine Arbeitsaufgabe, die am Donnerstag fällig war, belastete mich seit Tagen, und JETZT, als ich ein neues Textdokument für Materialsammlung öffnete, hatte ich eine Idee für die Lösung. Große Erleichterung, ab jetzt war es nur noch Emsigkeit und Zeitaufwand.

Währenddessen begann es zu regenen, immer heftiger.

Um die Mittagszeit beschloss ich, dass der Regen abgenommen hatte und ging unterm Schirm raus auf einen Mittagscappuccino – auch jetzt über zwei U-Bahnhöfe zum großen Teil unterirdisch.

Umständehalber spätes Mittagessen: eingeweichtes Muesli mit Joghurt, Flachpfirsiche.

Nachmittags noch ordentlich etwas weggeschafft. Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, er hinterließ auf 19 Grad abgekühlte Luft – ich empfand das als wohltuend. U-Bahnen brachten mich zu Espressokauf im Caffe Fausto. Auf dem Rückweg von dort zum U-Bahnhof begegnete ich einem Arbeitskollegen – genauer: Ex-Kollegen, wir hatten ihn vor wenigen Wochen in den Wohlverdientenruhestand verabschiedet. Ein nettes Treffen.

Beim Sendlinger Tor noch Lebensmitteleinkäufe. Daheim Häuslichkeiten, für Yoga war es mir zu spät.

Als ein klassisches Sommerabendessen servierte Herr Kaltmamsell Wurstsalat mit Brot, ich aß dazu die Salzgürkchen auf. Nachtisch Schokolade.

Jetzt schloss ich dann doch die Balkontür: Mir wurde zu kalt.

Früh ins Bett zum Lesen – bei 22 Grad Raumtemperatur unter einer richtigen Bettdecke! Überraschend las ich Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten aus: Der ohnehin schmale und mit viel Weißraum gesetzte Roman endete bereits bei 70 Prozent – das ist ein neuer Rekord.

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Zurück zur Generalversammlung Kartoffelkombinat am Dienstagabend (Mit-Gründer Simon war da, ich freute mich SO, ihn zu sehen).
Zusammenfassung: Es geht uns gut!

Da ist die Zahl der Ernteanteile, die weiter wächst, die Finanzen sind superstabil (2025 Pflichtprüfung des Genossenschaftsverbands -> anstandslos / 87 Prozent Eigenkapitalquote / unsere Genossenschaft hat 3611 Mitglieder
-> dieses Projekt wird von vielen Schultern getragen), der Vorstand ist sich der Risiken wie komplexere Prozesse (auch digital) bei Wachstum oder Auswirkungen des Klimawandels mit neuen Schädlingen und Krankheiten bewusst, merkt zwar die Normalisierung des Konzepts Solidarische Landwirtschaft, doch wir sind weiterhin Pioniere.

Vorstand Daniel und Jana sowie der Aufsichtsrat wurden komplett problemlos entlastet (mittlerweile vor einer PPT-Folie, die kurz erklärt, was “Entlastung” bedeutet, nämlich Verzicht auf rückwirkende Schadensersatzansprüche – in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Verwirrung gegeben).

Nach der Pause erfuhr ich weniger Formelles über unsere Genossenschaft und die Gärtnerei. Zum Beispiel berichteten die Logistik-Verantwortlichen Anna und Almut (sie managen 140 Verteilerpunkte) vom erfolgreichen Test eines Super-Lastenrads: Bald wird es vier von 16 wöchentlichen Touren übernehmen, E-Bike statt Diesel-Lieferwagen – das ganz andere Wege nehmen kann, allerdings nicht so viele Kisten fasst und eine andere Logik hinter der Logistik benötigt.

Die Gärtnerinnen, die den Gewächshausanbau verantworten, Sophie und Agnes, berichteten Status – und ich lernte unter anderem etwas über Gewächshaus-Systeme aus den 1960ern, die nicht wie damals gedacht funktionieren.

Regelmäßig wird aus dem Publikum nach dem Saatgut gefragt, das wir in unserer Gärtnerei verwenden, bislang noch jedes Mal mit der Prämisse, dass samenfestes Saatgut und “alte Sorten” vorzuziehen seien. Wie so viele andere ist das ein komplexes Thema und in einer Gärnerei, die 2.500 Haushalte versorgt, noch viel komplexer. Ich freute mich deshalb sehr, dass unsere Fachleute vergangenes Jahr die Haltung des Kartoffelkombinats dazu gut verständlich zusammenfassten, die Erklärung steht mittlerweile auch auf der Kartoffelkombinat-Website:
“Saatgut und Jungpflanzen”.
Denn bei uns ist das einfach eine ganz andere Nummer als Selbstversorgung im Schrebergarten.

Gestern lernte ich über einen aktuellen Test unterschiedlicher Kürbissorten im Vergleich, aus einer Mischung von samenfesten und Hybrid-Sorten. Denn wie Freilandgärnter Felix erklärte: In der Literatur findet man viele Informationen, aber es ist nochmal was anderes, wenn man die Sorten selbst unter den wirklich eigenen Bedingungen anbaut.

Felix berichtete auch über Maschinenanschaffungen, darunter eine GPS-gesteuerte Lenkung, die die Arbeit der Freiland-Gärtner enorm erleichtert, zudem Boden und Pflanzen schont. Ohnehin freute ich mich sehr, fast das gesamte Team aus der Gärtnerei zu sehen, das die eigentliche Arbeit im Kartoffelkombinat macht. Wichtig: Wir sorgen für ein Gehalt über Tarif, beschäftigen sie das ganze Jahr durch, und wir kommen ohne Saisonarbeiter*innen aus.

Natürlich war ich hochgespannt, wie es dem Regenwasserüberlaufbecken geht, an dem ich mitgebaut habe. Es gab seit meinem Einsatz durchaus Überraschungen, doch alles ist im Griff, derzeit werden Zu- und Ableitungen verlegt, um das Gesamtsystem in Betrieb nehmen zu können. Bis dahin füllt sich das Becken nur durch Regen direkt von oben – und den gab es nicht, auch der erholsame Regenguss von Montagnacht hat es nicht bis hinaus nach Spielberg in unsere Gärtnerei geschafft. Wird also noch dauern, bis man die Umsetzbarkeit der zahllosen Swimmingpool-Scherze testen kann.

Was ich auch lernte: Kommunikationsplattformen wie instagram werden inzwischen sehr gezielt eingesetzt, inklusive Messung vom Reichweit und Interaktionen.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich dem Kartoffelkombinat anzuschließen, ist der instagram-Account eine gute Möglichkeit für einen Einblick: Unter anderem wird der wöchentliche Ernteanteil gepostet und Sie können ein Bild bekommen, ob er etwas für Sie wäre.
Auch auf Mastodon ist das Kartoffelkombinat zu finden.

Schöne Zukunftsaussichten 1: Es wird dieses Jahr Artischocken geben!
Schöne Zukunftsaussichten 2: Eine AG Bildung erstellt derzeit ein Konzept für die Vorstellung von Kartoffelkombinat speziell und Solidarischer Landwirtschaft allgemein in Form von Workshops, um den vielen Anfragen aus Bildungseinrichtungen und Unternehmen entgegenzukommen.
Schöne Zukunftsaussichten überhaupt: Die Existenz vom und Mitgliedschaft beim Kartoffelkombinat ist ein kleines Lichtlein in meinem Leben, vielleicht doch nicht alles falsch gemacht zu haben.
Aktueller Slogan: Sei Teil der Lösung statt des Problems.

§

Außerdem erzählte mir Herr Kaltmamsell am Ende der Generalversammlung von neuen beruflichen Plänen, die mich komplett überraschten. Und die ich sensationell großartig finde.

Journal Dienstag, 30. Juni 2026 – Blick durch Laim, Generalversammlung Kartoffelkombinat

Mittwoch, 1. Juli 2026

Wie herrlich kühl es durch die offenen Fenster und Türen in die Wohnung wehte! Bis zum Verlassen des Hauses (10 Minuten früher als sonst, um bei einer Veranstaltung rechtzeitig für Spontanhilfe parat zu stehen) stand das Thermometer in meinem Schlafzimmer bereits bei unter 24 Grad.

Jetzt machte der Oktoberfestaufbau trotz weiterhin aktiver Baustellen ernst: Die Querung war gesperrt, ich ging einen Umweg.

Nach dem Gewitter:

So eine große Wasserfläche steht dem vollverpflasterten Platz zwischen Verkehrsmuseum und Bavariapark eigentlich gut.

Im Büro öffete ich endlich mal wieder das Fenster völlig, herein kam frische Luft, die dieses Attribut zurecht trug.

Emiger Vormitteg, Cappuccino aus der Cafeteria.

Für meinen Mittagsmarsch fand ich diesmal eine berufliche Rechtfertigung: Ein fußläufig zu erreichendes Hotel hatte bei mehreren Versuchen keine formal korrekte Rechnung zuwege gebracht, telefonisch erreichte ich nur einen Chatbot, dem menschliches Verständnis fehlte – da ging ich doch einfach persönlich hin.

Das wurde ein schöner Marsch durch eine bislang fremde Gegend Münchens, nämlich Laim, doch gleich zum Mitnehmen bekam ich die Rechnung durch persönliches Auftauchen nicht: Man schrieb alle nötigen Angaben mit, vertröstete mich aber auf Lieferung per E-Mail: Nicht nur am Telefon ist offensichtlich in dieser Hotelkette menschliches Personal rar.

Zurück am Schreibtisch gab es zu Mittag Salzgürkchen, Apfel, Flachpfirsich, Hüttenkäse. Am besten schmeckte das Knoblauch-Zehlein, mit dem die Salzgürkchen eingelegt werden und das ich mitgenommen hatte.

Kurz darauf zog der Himmel zu, es wurde klebrig schwül.

Nahezu pünktlicher Feierabend, weil Abendtermin: jährliche Generalversammlung des Kartoffelkombinats. Nachdem die eh schon übersichtliche Zahl an teilnehmenden Genossenschaftler*innen in den vergangenen Jahren auch noch sank, verlegte der Vorstand sie auf einen Werktag-Abend – vielleicht wollten die Mitglieder ja nur nicht einen Sonntag dafür opfern? Für mich war ein Werktagabend erheblich umständlicher als ein Sonntag, doch ich konnte ja die Ausnahme sein.

Ich nahm einen direkten Bus zum Leonrodplatz, wir trafen uns wieder in der Mucca-Halle, dieses Jahr war auch Herr Kaltmamsell dabei und hatte fürs vegetarische Buffet Empanada mitgebracht. Abendessen in der Pause der Versammlung von diesem Buffet, es gab reichlich.

Die Generalversammlung war wieder hochinformativ und teilnehmenswert – Details im nächsten Blogpost. Die Verschiebung des Termins hatte zu erheblich mehr Anmeldungen geführt (190), tatsächlich gekommen waren aber nur eine Hand voll mehr als vergangenes Jahr: 94. Ich lerne, wie viele Menschen ein komplett anderes Verständnis von Anmeldung haben und wie viele entweder nicht wissen, welche Auswirkungen das auf das Orga-Team hat, oder wie vielen das egal ist.

Kurz nach neun waren wir durch, eine Tram brachte Herrn Kaltmamsell und mich nach Hause. Ich war überhaupt nicht müde, nutzte meine Aufgekratztheit für viel zu langes Lesen im Bett.

Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern

Montag, 29. Juni 2026

Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.

Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.

Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.

Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.

An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.

Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.

In Thalkirchen ging’s hoch.

In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.

Streetart in Giesing

Unterm Nockherberg

An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.

Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.

Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?

Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.

Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.

Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.

Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.

Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.

Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.

Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem weil das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.

§

Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.

Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder ein Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)

Journal Freitag, 26. Juni 2026 – Lindenblütenkleben und Too darn hot!

Samstag, 27. Juni 2026

In dieser Nacht störten die Sturzfolgen dann doch meinen Schlaf – allerdings schwer abzugrenzen vom zwickenden und bis ins rechte Knie stechenden LWS-Schmerz (KÖRPER!).

Die Lindenblüte ist fast vorbei, nur an der Nordwest-Ecke der Theresienwiese rieche ich sie noch.
Von den abgeworfenen Blüten auf dem Foto nahmen die Sohlen meiner Sandalen etwa ein Drittel mit: fest angepappt von Blattlauskleber.

Die Theresienwiese weiter verbaustellt und mit Absperrgittern versehen, diese aber an den wichtigsten Passagen noch nicht verschlossen.

Das Büro erleichternd temperiert, Arbeit vorhanden, aber machbar.

Irgendwas ritt mich mittags und ließ mich das Haus für einen Mittagscappuccino im Westend verlassen (ich verdächtige den Schrittzähler, aber ich wollte auch eine Postkarte einwerfen). Und siehe da: Jetzt fühlte sich der leichte Wind sogar noch erfrischend an. Im Schatten.

Total gestelltes Foto, so sitze ich nie beim Cappuccino-Trinken.

Zu Mittag gab es die erste Minigurke aus der Kartoffelkombinat-Gärtnerei (mit Salz, weil bei all dem Trinken Salz nicht vergessen!), Ernteanteil-Apfel (langsam nimmt der Geschmack der letztjährigen Ernte trotz phänomenaler Lagertechnik ab), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Am Nachmittag erreichte mich ein Arbeitsauftrag, den ich sehr gern erfüllte: Erbeten war eine Aufstellung von Daten zu einem Thema, bei dem ich mich immer wieder lächerlich überstrukturiert fühle, weil das doch eh niemanden interessiert, solange alles läuft. Fast hätte ich Fanfaren geschmettert beim Rausziehen der Ordner.
Ich war mehrere Stunden konzentriert und sehr fröhlich beschäftigt. Auch hatte ich viele Ideen, wie man diese Daten zielführend nutzen könnte, aber das gehört bereits nicht mehr zu meiner Rolle als nur die Sekretärin.

Draußen war es wie angekündigt prügelheiß, aber ich musste ja nach Hause kommen. Wieder nutzte ich U-Bahnhöfe für ein geschätztes Fünftel meines Heimwegs, ging langsam, absolvierte Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner und der Balkanbäckerei, schlug lieber einen Umweg, wenn ich dadurch Schatten abgreifen konnte. Auf dem letzten Viertel des Wegs erinnerte ich mich dennoch intensiv an die kleinen Kinder, die sich einfach auf den Gehweg setzen und sich weigern, auch nur einen Schritt weiter zu gehen – ich konnte diesen Impuls sehr stark fühlen.

Daheim musste ich mich erstmal sammeln. Fürs Abendessen hatte ich mich zuständig erklärt, hobelte Ernteanteil-Fenchel zu einem Salat mit Orangen, Kichererbsen, Zitronensaft, Olivenöl. Während dieser durchzog, turne ich Yoga – die blöden Rippenschmerzen vom Sturz waren dann doch stärker statt schwächer beworden und beeinträchtigten mich. Restliche Anrichtung des Abendessens:

Bei geschlossenen Fenstern und nach Westen herabgelassenen Rollläden gab es Netzmelone mit Jamón ibérico, Balkanbrot, Fenchelsalat – und vor allem dazu tinto de verano: Schon der erste Schluck transportierte mich ins Kastilien meiner Kindheits-Familienurlaube. Nachtisch Schokolade, die eine oder andere waren Kühlschrank-gekühlt.

Meine Pläne fürs Wochenende kalkulieren die Stunden nach Sonnenaufgang ein, zu anderen Zeiten habe ich nicht vor, die Wohnung zu verlassen. Irgendwelche Vorteile muss meine Lerchennatur ja haben, wenn ich schon nie Geschichten aus dem Nachtleben erzählen konnte und kann (kurze Ausnahmen bei Hochverliebtheit und zu Studienzeiten für Poker-Nächte).

Lesen im Bett (Schlafzimmertemperatur trotz aller Prävention über 26 Grad): Vivian Gornicks Fierce Attachments nahm mich mit in die 1980er Jahre und zu den jüdischen New-York-Bewohnerinnen, deren Mütter noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, in eine Wohnblock-Frauengemeinschaft mit sehr eigenen Regeln.

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Auf Mastodon sah ich über die Kommentare dazu die Lesungen zum Bachmannpreis vorbeifließen. Die Kommentare zu und Zitate aus Lena Schättes Text ließen mich aufhorchen, denn es geht ums extreme Dicksein. Ist dann auch ein sehr lesenwerter Text, hier das PDF:
“Was wir tragen”.

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UI! Die aktuelle Meisterstunde portraitiert den Mann, der meinen Bräter (den schönsten der Welt) gefertigt hat:
“Künstler Berthold Hoffmann über seine gusseisernen Kochgeräte:
“Die einfache Form bündelt Energie'”

Zusätzlich gibt es Fotos aus der Gießerei – und aus einem vergangenen Beruflseben weiß ich: Gießerei-Fotos sind immer Schmankerl; eines von damals habe ich drucken und rahmen lassen, es hängt in unserem Wohnungsflur.

(Ich hatte ganz vergessen, dass Berthold Hoffmann seinerzeit meinen verlinkten Original-Blogpost von 2008 sogar selbst kommentiert hatte. Achja – andere Blog- und andere Kommentierzeiten.)

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Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

Mit solchen Filmkritiken kann ich etwas anfangen, diese von Southpark über den Horrofilm Backrooms.

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Gardenwithjohnny goes Celeste Barber. Manche “Influencerinnen” sind ja bereits ihre eigene Parodie – danke! (Das nächste Mal aber im Kleidchen, bitte.)

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Um es mit der großen Naturphilosophin Ann Miller zu sagen (die meiner Erinnernung nach damit in diesem Blog bereits auftrat):
TOO! DARN! HOT!

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https://youtu.be/WS_YAKZH3lw?si=pjAuowD9JHB6xEJ2

Journal Mittwoch, 24. Juni 2026 – Reiher überm Glockenbachviertel

Donnerstag, 25. Juni 2026

Der Reiher, den ich am Anfang meines Lerchenlaufs beim Abbiegen von der Pestalozzistraße an den Westermühlbach am Himmel sah, war zwar nicht das Wichtigste des Tages, gibt aber die schönste Überschrift her.

Nach mittelunruhiger Nacht (dreimal Aufwachen, beim zweiten Mal um halb zwei öffnete ich Fenster und Türen nach draußen, irgenwann brauchte ich sogar eine echte Decke) ließ ich mich extrafrüh wecken: Lust auf einen Isarlauf vor der Arbeit.

Ich kam ein paar Minuten später los als ideal in meiner Tagesplanung, weil ich noch ein paar getrocknete Wäschestücke verräumte und den Geschirrspüler leerte, dennoch meine täglichen Bank- und Seitstützübungen durchzog.

An der Isar war schon jetzt auffallend viel los: Es wurde sportgeradelt, gejoggt, Hund gelüftet. Nach einer kleinen Weile mit störenden Schmerzen um den Hüftgürtel kam ich in einen schönen Fluss, genoss nochmal den Duft von Lindenblüten, das herrlich klare Licht der schrägen Morgensonne.

Den Namen einer alten Bekannten gelernt: Wiesen-Flockenblume.

Wer Streetart festhalten will, muss schnell sein: So sah der Ort vor einer Woche aus, das in dieser Umgebung fast zynisch wirkende “Heimat” ist verschwunden.

Bis ich nach nicht mal der Hälfte meiner Runde auf dem Damm beim Flaucher schon wieder stolperte und stürzte. Diesmal klappte das Abrollen nach links nur im Ansatz, ich musste erstmal sitzenbleiben und mich sammeln. Ein Läufer und eine Läuferin sahen unabhängig voneinander nach mir, bis klar war, dass ich mich nicht verletzt hatte und weiterlaufen konnte. Was ich dann in geplanter Weise tat, jetzt aber dann doch immer wieder innerlich “Scheiße” fluchend.

Am Ende meiner Runde hielten mich auch noch ungnädig rote Fußgängerampeln auf, nach Körperflege und Anziehen hatte ich ebenfalls Pech mit Ampeln und musste lange auf die eigentlich als Abkürzung gedachte U-Bahn warten: Arbeitsanfang stark verzögert.

Die linke Rippenseite und die Schwellung des linken Arms am Ellbogen schmerzten beim Atmen / bei Bewegung (in Ruhe nicht, und ich habe mir ja gemerkt: dann ist nichts kaputt), die Handballen hatten auch etwas abbekommen, weil eben nicht wirklich abgerollt. Vor allem machte mich der erneute Unfall aber niedergeschlagen und bedrückt: Da stimmt doch irgendwas nicht. Und sehr wahrscheinlich irgendwas, was sich weder einfach so diagnostizieren noch beheben lässt. Ich müsste halt besser aufpassen und die Füße beim Joggen mehr heben – aber Selbst- und Körpervergessenheit gehören doch zu den zentralen Attraktionen meiner Lauferei. Zudem verdüsternd: Wenn ich gleich nach dem Sturz die Folgen so deutlich spürte, konnten die nächsten Nächte und Tage ja lustig werden.

Apropos lustig: Die fortgesetzten Schmerzen um LWS und Hüfte wollte mein Körperhirn (oh doch, das gibt es) auch gleich mit dem Sturz verbinden, ich musst ihm in expliziten Gedanken klarmachen, dass ich mit denen bereits aufgestanden war und sie nicht davon herrühren konnten. Außerdem war ich mit schmerzendem linken Daumen aufgestanden, er hatte sich wahrscheinlich im Schlaf unter Kissen/Kopf verkantet. Auch den musste ich meinem Körperhirn als Sturzverletzung ausreden.

Mit dieser Grundlaune arbeitete ich Wegzuarbeitendes weg, ließ mir aber auch von einem London-Urlaub erzählen.

Noch hielt mich die Hitze nicht von Mittagscappuccino im Westend ab, doch angenehm war der Weg nicht.

Zu Mittag gab es auch gestern Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Flachnektarinen.

Mittel-emsiger Arbeitsnachmittag, körperlich eingeschränkt fühlte ich mich vor allem von der schmerzenden Rippe unter der linken Brust (Prellung? sehr lustig, wie sofort das Nies-Versuche abbricht).

Rumfragen und Rumsuchen nach möglichen Ursachen der Stolperei beim Joggen ergab unerfreuliche Möglichkeiten. Fußheberschwäche würde zu meinen LWS-Problemen passen. Ich brauche eh wieder neue orthopädische Einlagen, also holte ich mir einen Termin in der orthopädischen Sammelpraxis.

Heimweg wieder mit U-Bahnhof-Wegen und über einen Lebensmitteleinkauf schon für Freitag: Das Wochenende soll mit tinto de verano gefeiert werden.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig. Ich überredete mich zu Pediküre mit einmal alles.

Es ist übrigens keineswegs so, dass Tampons mit der Menopause ihren Nutzen völlig verlieren.

Ob und wie Pilates oder Yoga mit Sturzbeschwerden funktionierten, würde ich erst Donnerstagabend herausfinden.

Als Abendessen machte ich mir Linsensalat aus Dosenlinsen, Tomaten, Gurke, Paprika. Nachtisch 1 war ein Stückchen restliche Wassermelone, Nachtisch 2 Schokolade und Sirupwaffeln.

Vicki Baum, Zwischenfall in Lohwinckel ausgelesen, wirklich schön und indirekt ausgesprochen informativ für den Zeithintergrund (1930 veröffentlicht). Immer wieder aufregend: Auswahl der nächsten Lektüre (die beiden Romane von meiner Wunschleseliste, die mich aktuell sehr interessieren und die ich auch in der Stadtbibliothek fand, sind erst im Juli verfügbar, konnte ich lediglich vormerkten). Sollte möglichst nicht zu nah an der zuletzt gelesenen sein (sonst komme ich durcheinander) und zu aktuellen Neigungen passen. Es wurde Vivian Gornick, Fierce Attachments.

Schlagartig bleimüde, selbst Zähneputzen kostete Anstrengung. Ob sich der Sturz auf das Bettliegen auswirken würde?

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Die laufende Männerfußball-WM belästigt mich so wenig wie noch kein Fußball-Großereignis zuvor: Keine Leinwände in Biergärten, auf die Spiele übertragen werden, wenn ich gerade gemütlich biergarteln möchte, nachts keine Polonaise hupender Autos in Hörweite (wurde der “Corso” von der Lindwurmstraße wegverlegt?). Danke schön!

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Der Bayerische Rundfunk versucht es hartnäckig mit dem, was menschliche Entscheidungen am wenigsten beeinflusst: Fakten. Zum Glück, denn dafür haben wir ja Journalismus. Genauso blauäugig empfehle ich:
“#Faktenfuchs: Klimawandel oder ‘Sommer wie früher’?”
(Auch wenn ich selbst mittlerweile hilflos einfach das Thema wechsle, wenn selbst wirklich kluge Wissenschaftsredakteurinnen mit “früher gab es auch schon heiße Sommer” daherkommen.)

“Das, was früher seltene Ereignisse waren, sind jetzt gewöhnliche Sommer. Das, was ohne Klimawandel unmöglich gewesen wäre, sind jetzt die neuen Extremereignisse”, sagte die Physikerin Friederike Otto vom Grantham Institute for Climate Change am Imperial College London dem Science Media Center.

Karsten Haustein, Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Universität Leipzig, erklärt, woran das liegt: “Erwärmung durch verschwindende Schmutzpartikel und der Treibhauseffekt überlagern sich, das führte dazu, dass sich innerhalb von 50 Jahren die Temperaturen um zwei Grad erhöht haben”, sagte er dem #Faktenfuchs. “Global hat sich Stand 2025 der Planet um 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Alles menschengemacht, daran gibt es keinen Zweifel mehr.”

In Westeuropa, auch Deutschland, ist der Effekt sogar deutlicher. “Da liegen wir bei 2,5 Grad mehr seit vorindustrieller Zeit”, sagte Haustein. Davon seien knapp über zwei Grad seit Mitte der 1970er dazugekommen – dem gerne zitierten “früher”.

(…)

Stephan Lewandowsky ist Professor für Kognitionspsychologie an der University of Bristol und derzeit an der Universität Potsdam Leiter des Projekts Protecting the Democratic Information Space in Europe. Er beschäftigt sich in seiner Forschung damit, wie Falschinformationen sich verbreiten und was dazu führt, dass Menschen wissenschaftliche Belege akzeptieren oder nicht – auch in Bezug auf den Klimawandel.

Der Vergleich von “Sommer heute” mit “Sommer früher” greife an einer wesentlichen Stelle an, die uns alle betreffe: an der Kluft, die sich auftut zwischen unserem eigenen Erleben und Statistik. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass Datenauswertung und Statistik für viele Menschen eher etwas Fremdes ist. “Die Menschen wachsen nicht mit dem Wissen über das Messen von Dingen auf. Das ist für die meisten Menschen nicht wirklich wichtig in ihrem Leben”, sagt Lewandowsky. “Und genau das macht es für manipulative Politiker sehr einfach, das auszunutzen. Und andere dazu zu bringen, diese Ideen nachzuplappern.”
Erinnerung ist kein Abbild der Statistik – und auch nicht ihr Ersatz

Gerade beim Klima ist die Auswertung von Daten aber zentral. Beate Ratter ist Expertin für Klimaanpassung und Professorin für Integrative Geographie an der Universität Hamburg und Abteilungsleiterin am Helmholtz Zentrum Hereon. Sie sagt: “Klima ist eine Statistik, Klima ist ein dreißigjähriger Mittelwert.” Aber: “Eine Statistik können Sie nicht fühlen. Was Sie fühlen, sind Einzelereignisse, mit denen Sie etwas verbinden.”

Journal Dienstag, 23. Juni 2026 – Steigende Hitze

Mittwoch, 24. Juni 2026

Zerstückelte Nacht (so viel hatte ich doch gar nicht getrunken), aber Schlaf bis ganz kurz vor Weckerklingeln.

Den Übernachtungsgast sah ich auch noch kurz und konnte ihn verabschieden: Die Freundin fuhr gestern weiter nach Klagenfurt zum Bachmannpreislesen. Ich hingegen ging in die Arbeit.

Die Theresienwiese ist immer noch Oktoberfest-vorbereitende Baustelle. Jetzt wird’s spannend, ob die das noch bis zum offiziellen Start des Aufbaus am 25. Juni schaffen. (Leider ja doch keine Verschiebung durch den gerichtlichen Zank um die Vergabe von Bierzelt-Genehmigungen.)

Die Büro-Temperatur war weiterhin angenehm, Kühldecken exakt für mein persönliches Wohlbefinden eingestellt.

Dennoch wollte ich raus, tat das auch ins Westend auf meinen Mittagscappuccino.

Es war nicht schön da, viel zu heiß. Auf dem Rückweg erinnerte ich mich an einen Trick, den ich schonmal bei Starkregen angewendet hatte: Ich ging fast die Hälfte unterirdisch, nämlich die U-Bahnhöfe Theresienhöhe und Heimeranplatz entlang – gut gekühlt, bei einfahrenden U-Bahnen sogar mit Ventilation.

Zu Mittag gab es Aprikosen und eine Flachnektarine, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Über den Nachmittag wurde es auch im Büro immer wärmer, ich sah meinen Knöcheln beim Anschwellen zu. Gleichzeitig: “Ich kann nicht mehr sitzen” / “Ich kann nicht mehr stehen” in 15-Minuten-Zyklen.

Heimweg jeden Schatten suchend (und wieder zweimal unterirdisch), möglicherweise büßte ich hitzegebeugt fünf Zentimeter Körpergröße ein. Einkäufe für die nächsten Abendessen beim (herrlich gekühlten) Süpermarket Verdi.

Zu Hause Yoga, Wäscheaufhängen, dann bereitete ich das vereinbarte Abendessen zu, genauer: richtete es an.

Wassermelone und Minze (beides vom Verdi) mit Feta und Crema di Balsamico. War tatsächlich genau das Richtige. Nachtisch Honigwaffeln und Schokolade.

Beunruhigende Nachrichten aus der Tagesschau: Es wird noch heißer werden, am Wochenende reißt praktisch ganz Deutschland die 40-Grad-Grenze. Die Temperatur in der Wohnung war noch gut erträglich, steigt aber spürbar.

Im Bett wechselte ich zu leerem Überzug zum Zudecken, alles andere war bei gemessenen 25 Grad im Schlafzimmer zu viel.

§

Material, Preis, Passform, Absatzhöhe – schön und gut. Ich möchte künftig als Info über Sandalen auch das Geräusch beim Gehen wissen, bevor ich über Kauf entscheide.
Hiermit liefere ich nach: Die Cloudstepper von Clarks machen Squasch-Schlap, ziemlich laut. Muss man mögen – und besser vor Kauf wissen.
@giardino lieferte den Link zum Blogtext von 2006 dazu, der das Thema abschließend erfasst:
“mein rechter schuh.”

Journal Montag, 22. Juni 2026 – Start in Hitzewoche

Dienstag, 23. Juni 2026

Start der Woche 6 vor Urlaub.

Als ich bereits kurz nach fünf aufwachte und ein Wiedereinschlafversuch in Angststrudeln landete, ließ ich die Nacht Nacht sein. Herr Kaltmamsell neben mir (geteiltes Bett, weil meines den Gast beherbergte) war ebenfalls schon munter, wir standen auf. Ab gestern werden die Tage wieder kürzer, zumindest Helligkeit versuche ich aus diesen übel heißen Tagen rauszuholen.

Der vorzeitige Start in den Morgen war mir ganz recht, denn ich hatte am Vortag den Journal-Post im Blog noch nicht mal begonnen. Nach Pflanzengießen setzte ich mich auf den angenehm kühl umwehten Balkon und bloggte los.

Auch auf dem Weg ins Büro fühlte sich das Draußen noch schön an.

Geordnet losgearbeitet, doch schnell stellte ich fest, dass ich ohne das Adrenalin von Querschüssen ganz schön müde war, durch das frühe Aufwachen und Aufstehen in den vergangenen Tagen fehlte mir dann doch Schlaf.

Wie mag dieses Heupferd wohl in den 13. Stock geraten sein, wo ich ihm bei meinem Treppengang begegnete?

Mittagsspaziergang um die Blöcke, im Schatten war es gut auszuhalten (Sonne sehr unangenehm).

Spätes Mittagessen, weil ich einen Job nicht unterbrechen wollte: Aprikosen, Nektarinen, Buttermilch.

Zu Feierabend besonders unauffälliger Aufbruch: Gestern feierte der Arbeitgeber seine Sommergeselligkeit (auf Basis von Mitgebrachtem und Selbstzahlen, er darf Mitarbeitende nicht einladen), für mich ein Spezial-Foltereck des Höllenfeuers, doch diesmal konnte ich für meine Abwesenheit sogar die Rechtfertigung Übernachtungsbesuch vorweisen – ich musste die Karte aber nur zweimal ziehen.

Heimweg in mittelunangenehmer Hitze über Einkäufe.

Zu Hause erneute Begrüßung von Übernachtungsbesuch, ich ließ mir die München-Eindrücke des Tages erzählen: Ja, die höchst hinderliche Verbaustellung der Münchner Innenstadt fällt auch Externen auf, wir Einheimischen stellen uns nicht nur an.

Herr Kaltmamsell hatte ein Festmahl zubereitet und servierte Rinderrippen auf selbsterfunden mexikanische Art mit Cornbread.

Sehr gutes Essen in wohltemperierter Wohnung, Austausch mit Gast bis frühe Müdigkeit.

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Vorreiterin im Kampf gegen tief verwurzeltes Unrecht: Nevenka Fernández war vor 25 Jahren in Spanien die erste Frau, die ihren Chef erfolgreich gegen sexuelle Belästigung verklagte.
“Vorkämpferin für Frauenrechte in Spanien
25 Jahre Schweigen”.

Wofür sie bis heute büßt. Hören wir bitte nicht auf darüber zu sprechen, warum nur ein Bruchteil der Opfer sich wehrt oder gar an die Öffentlichkeit geht:

„Dass ich darüber gesprochen habe, hat mich gerettet“, erklärte die junge Frau nach dem Urteil, das sich schnell als Pyrrhussieg erweisen sollte. Denn der gerichtliche Erfolg war ihre soziale Niederlage. Ein Großteil der Bevölkerung der Kleinstadt drehte ihr den Rücken zu, feindete die couragierte Frau an. Der Fall spaltete eine ganze Region. Arbeit zu finden war für Fernández in Spanien fortan unmöglich. Sie musste gehen. Erst nach England, dann nach Irland, wo sie bis heute lebt.

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Am Sonntag war ich auf der Bahnfahrt doch noch zum Zeitunglesen gekommen. Ich hatte mir das SZ-Magazin vom Freitag für eine ruhige Minute aufgehoben: Die Titelgeschichte des deutschen Schriftstellers Navid Kermani würde mich sehr wahrscheinlich ziemlich mitnehmen, die konnte ich nicht mal kurz dazwischen weglesen. Und so war es dann auch (€):
“Der vergessene Bürgerkrieg im Sudan”.

Laut den Vereinten Nationen die derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit (und das bei einer großen Auswahl). Was den Artikel besonders lesenswert macht: Kermani kennt den Sudan von einer vorherigen Reise im Frieden als Student und hatte bereits ein Bild und Hintergrundwissen.

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Sophie Duvernoy hat Die Effingers von Gabriele Tergit (das mir sehr gut gefiel) ins Englische übersetzt. Für die London Review of Books hat Michael Hofmann den epischen Familienroman besprochen, mit lesenswerten Beobachtungen:
“Let me count the geese”.