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Journal Sonntag, 15. Februar 2026 – Wien mit Sonntagsbraten und meinem ersten Mal Burgtheater

Montag, 16. Februar 2026

Gut und lang geschlafen, wieder leuchtete bereits Tageslicht durch die Ränder der zugezogenen Vorhänge – leuchtete besonders intensiv trotz bedecktem Himmel, weil es nachts ein wenig geschneit hatte.

Blick aus unserem großen Hotelzimmerfenster (mit Fliegengitter) auf den Innenhof, der im Sommer traumhaft sein muss.

Pläne für den Tag:
– Cappuccino in Café
– Einkauf jüdische Backwaren
– Sonntagsessen im Gasthaus Stern
– Theaterbesuch im Burgtheater

Am Samstag waren wir auf dem Weg zum Karmelitermarkt in der Leopoldstadt an der jüdischen Bäckerei Ohel vorbeigekommen – natürlich am Sabbat geschlossen. Doch das Angebot sah sehr verlockend aus (Rugelach!), und weil sie sonntags geöffnet ist, war das gestern unser erstes Ziel. Noch erster ein Cappuccino, doch das angesteuerte Café hatte vor lauter Sonntagsfrühstücker*innen keinen Platz. Also wurde es der MacDonald’s im Westbahnhof: Spannende Aussicht, guter Cappuccino, und um uns herum saßen einige interessante Menschengruppen, die auf mich den Eindruck machten, als würden sie sich immer sonntagvormittags hier treffen.

Cappuccino mit Aussicht.

Wenn man im Urlaub die U-Bahn in die falsche Richtung erwischt, macht das gar nichts aus: Mehr Zeit zum Schauen und Entdecken, zum Beispiel sehr lokale Understreetart (später erfuhr ich, dass das Graffiti schon recht lang hier prangt, wird offensichtlich respektiert).

Es war deutlich kälter geworden, der Wind schnitt unangenehm, also nahmen wir eine U-Bahn zum Stephansplatz und spazierten von dort zur Leopoldstadt und zur koscheren Bäckerei. Mittelerfolgreicher Einkauf: Rugelach waren schon aus (man beschied uns, dass die immer besonders schnell weggingen), wir kauften zwei Sorten Hamantaschen und zwei frische Quarktaschen für nach der Theatervorstellung.

Sonntagsbraten im Gasthaus Stern, das uns im August Freunde vorgestellt hatten und das bleibenden Eindruck hinterließ (genau meine aktuelle Lieblingssorte gehobene Küche: Mit Ehrgeiz und Anspruch bei Zutaten und Zubereitung, aber außerhalb der Sternewelt). Die U3 brachte uns praktisch vor die Haustür.

Der Wirtshaus-Gastraum war lebhaft besucht, vor allem von größeren Gruppen, die nach Familien aussahen, angenehme Atmosphäre.

Die Deko im Fenster ist ein Hinweis: Der Stern-Wirt Christian Werner jagt selbst.

Eine Kuriosität hatte ich schon vergessen: Das gesamte Personal trägt graue Hausmeisterkittel.

Kartoffelbrot mit geschlagener Butter, wunderbare Begleitung.

Ich bestellte als Vorspeise die lauwarme Kalbszunge mit Chili und Yuzu: Eine ganz hervorragende Kombination, der zarten Zunge standen sowohl Schärfe als auch Zitrussäure. Gegenüber aß Herr Kaltmamsell Hirn gebacken mit Kaisergranat-Bisque, Haselnuss und Zwetschkenröster – war sehr angetan. Das Glas Wein, das wir uns dazu empfehlen ließen, war ein Grüner Veltliner aus der Wachau, der perfekt passte. (Wasser dazu gleich aus der Leitung angeboten, immer ein riesiger Pluspunkt für ein Lokal.)

Hauptgericht Hirsch, also Cerf de Bourguignon mit Serviettenknödel: Ich hatte im August mitgekommen, dass der Wirt selbst jagt und sein eigenes Wild serviert – das gefiel mir. Und ich liebe Wild. Schmeckte dann auch sehr gut (die Sauce für meinen persönlichen Geschmack vielleicht ein bisschen zu sehr angedickt). Dazu öffnete der Wirt eine Flasche Bordeaux Château Durfort-Vivens (entschuldigte sich, weil sie keinen Burgunder hatten), der mir ausgezeichnet gefiel.

So sehr nämlich, dass ich mir statt Dessert noch ein Glas davon einschenken ließ, während Herr Kaltmamsell ein Gedeck mit Espresso und Crème brûlée orderte. Dann waren wir sehr satt und entspannt.

Auf dem Rückweg hatte ich eine Vision (inspiriert von Wein und Situation) von Herrn Kaltmamsell und mir in der Rente, wie wir in München einen Import von englischem Käse aufziehen. Wenn es Stilton aus handwerklichen Käsereien an Käsetheken zu kaufen gibt, ist ein Inport ja grundsätzlich möglich. Ich sah uns bereits
– Neal’s Yard Dairy als Kooperationspartner einholen
– die Münchner Fine-Dining-Gastronomie zu Verkostungsveranstaltungen einladen (mit Neal’s Yard Dairy als Name, der zieht)
– Presse-Infos an Food-Redaktionen aussenden, Verkostung für sie veranstalten (plus englische Weine? die allerdings nur als zusätzliche Kuriosität, sie sind noch lang nicht international konkurrenzfähig)
– parallel Direktkontakte zu britischen Käsereien knüpfen, Modalitäten des Inports recherchieren, uns in den zugehörigen Bürokratie-Dschungel stürzen
– parallel eine Website mit Online-Shop einrichten, auf der es natürlich eine Ecke für englische Küche gäbe
– Kontakt zu britischen und irischen Expats in München knüpfen, vielleicht ist ja jemand mit Käse-Hintergrund dabei?
– ein Ladengeschäft suchen.
Nichts davon ist realistisch, nichts davon wird passieren, aber das Ausmalen machte Spaß.

Ich wollte gern in Wien ins Theater, und weil ich erstmal die Sehenswürdigkeiten von Weltruhm abhaken wollte, bevor ich mich ernsthaft mit der Wiener Theaterwelt befasste, hatte ich das Programm von Burgtheater und Theater in der Josefstadt nachgeschlagen. In unsere Pläne passte am besten die gestrige Vorstellung von Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti im Burgtheater. Bei der Platzwahl fühlte ich mich überfordert von all den Rängen und Logen, und weil fast exakt mein Platz im Kammerspielabo im Parkett noch zu haben war, nahm ich halt den und den daneben – ähnliche Rahmenbedingungen für besseren Vergleich.

Die Sonntagsvorstellung begann auch hier um 18:30 Uhr angenehm früh, eine Trambahn brachte uns zum prächtigen Gebäude des Burgtheaters.

Wir hatten reichlich Zeit, uns in den Gängen umzusehen, die Gemälde und Büsten verblichener Angestellter der Burg zu betrachten, im Zuschauerraum peinlicherweise erst mal die falschen Plätze zu besetzen (es gab zwei Reihen 4) und auch dort viel um uns zu schauen.

Die Inszenierung selbst – war nicht so mein Fall. Ich sah puren Klamauk und Durcheinander um ein Thema, das ohnehin andere Dramen viel greifbarer verarbeiteten und das hier mit dem Alkoholismus eher psychologisiert wird, als das Klassen-Problem zu verdeutlichen. Beeindruckend für mich die gemalten Hintergründe und wechelnden schematischen Hütten des Bühnenbilds (Matthias Koch), und unter den Darsteller*innen allen voran Marie-Luise Stockinger, die Puntilas Tochter Eva zwischen Potscherl, Wohlstandsverwahrloster und Leidenschaft schwanken ließ. Aber! Ich langweilte mich in den drei Stunden der Inszenierung keine Sekunde lang, und die Kühe/Bauernhoftiere, als die alle Darsteller*innen gleich zu Anfang auf der Bühne herumstanden, mochte ich sehr. Wichtiger Nachtrag: Lob den wirklich bequemen Sesseln.

In der Pause Gebäudebewunderung.

Weil die Tram gerade wegfuhr, brachte uns eine U-Bahn zurück zum Hotel. Richtigen Abendessenshunger hatten wir nicht, ich aß einen Apfel und die Ohel-Quarktasche (sehr gut!).

§

Was ich an der Süddeutschen unter anderem schätze: Dass sie mir immer wieder Themen nahebringt, die ich nicht auf dem Schirm hatte. Von “habe ich noch nie drüber nachgedacht” bis zu “stimmt eigentlich”. Zu Letzterem gehört eine detaillierte Übersicht, dass die USA mehr militärische Stützpunkte im Ausland unterhält als alle anderen Nationen zusammengezählt und insgesamt 180.000 US-Soldaten außerhalb der USA stationiert sind. Plus historische Herleitung. Alles keine Enthüllung, doch ein krasser Gegensatz zu den Erzählungen über Bedrohtheit des aktuellen Trump-Regimes (€):
“US-Militärbasen
Weltmacht, noch immer”.

Journal Samstag, 14. Februar 2026 – Weitere Wien-Verliebung inklusive Albertina

Sonntag, 15. Februar 2026

Gut und in mehreren Abschnitten vor allem lang geschlafen.

Dieser Wien-Ausflug zu einer Jahreszeit, in der das Wetter mit großer Wahrscheinlichkeit keine Schönheit erwecken oder verstärken kann, soll ja der Prüfung meiner Sturzverliebtheit in diese Stadt von vergangenem August dienen. Und ich kann gleich mal vorweg nehmen: Weniger ist sie nicht geworden.

Nach Bloggen (zu einem geteilten Kaffee aus einem bereitgestellten Packerl löslichen zum Wasserkocher) und Morgentoilette verließen wir das Hotel kurz nach zehn. Erste Anlaufstelle sollte der Schweizer Käseladen in der Wollzeile sein, der führte laut eigener Website auch englischen Käse. Und den wiederum wollte ich fürs Abendessen kaufen, denn: Dafür hatte ich selbst vor drei Wochen keine Tischreservierung in den gewünschten Lokalen bekommen – woraus ich lernte, dass der gestrige Valentinstag in Wien wohl recht ernst genommen wird.

Wir spazierten unter düsterem Himmel und in entsättigten Farben, aber milder Luft die Felberstraße entlang und vorbei unter anderem an einem eleganten Laden mit italienischen Spezialitäten, darunter besonders Zitrusfrüchten aller abgefahrenen Art (Neuverliebung 1).

Und Baukunst mit Fledermaus.


Typoliebe.

Am Opernring passierten wir einen altmodischen Herrenbekleidungsladen, im Schaufenster war unter anderem ein altmodischer Herren-Regenmantel mit typischen Raglan-Ärmeln ausgestellt, wie ich ihn aus Spielfilmen der 1940er bis 50er kenne, ob Hollywood oder Europa. Ich wies Herrn Kaltmamsell darauf hin und äußerte, dass der jedem Mann stehen würden. Woraufhin er beschloss, genau so einen jetzt sofort haben zu wollen und die Ladentür öffnete.

Ein Herr, exakt wie ich ihn in solch einem Laden als Besitzer erwarte, brauchte nur einen Versuch für die passende Größe, und der Mantel kleidete Herrn Kaltmamsell tatsächlich ungemein. Also wurden Ärmel und Saum abgesteckt (beides zu lang, Kürzung im Preis enthalten), am Montag wird das neue schöne Stück abholbereit sein (Neuverliebung 2).

Der Weg zum Käseladen brachte uns in die höchste Menschen- und Touristendichte der Stadt, für den Mittagscappuccino erinnerte ich mich an die guten Erfahrungen mit McDonalds: In der Nähe des Stephansplatzes wurden wir in einem wieder besonders herzlich bedient, der Cappuccino schmeckte gut, Herr Kaltmamsell bekam ein Stück Frühstückstorte dazu.

Typo- und Tierliebe.

Der Besuch im winzigen Käseladen (wirklich winzig: es passten nur zwei Menschen hinein) war dann eher enttäuschend: An englischem Käse gab es nur Stilton, doch auch sonst sprach der Herr Verkäufer von Frischkäse, den sie manchmal aus England hätten, konnte mit meinem Wunsch Caerphilly nicht mal etwas anfangen. Abendessen brauchten wir ja trotzdem, ich nahm Stilton mit und halt etwas Schweizerisches.

Im Februar wirkt nicht mal Graffiti am Donaukanal wirklich bunt.

Nächstes Ziel Karmelitermarkt. Kurz davor blieb mein Blick an dieser Sammlung alter Schriftzüge hängen:

Ein Kommentator auf Mastodon informierte mich, dass dahinter der Verein Stadtschrift steckt:

Der Verein Stadtschrift wurde im März 2012 als Initiative gegründet, obsolet gewordene historische Wiener Geschäftsbeschriftungen zu dokumentieren und vor der Verschrottung zu bewahren. Unser Anliegen ist, das Bewusstsein für die „Handschrift“ unserer Stadt zu fördern, indem ­wir obsolet ­gewordene Schriftzüge mit identitätsstiftender ­Bedeutung sammeln und für die Öffentlichkeit wieder zugänglich machen.

Neuverliebung 3: WAS FÜR EINE GROSSARTIGE STADT!

Wir spazierten über die Marktstände (deutlich mehr los als vergangenen August), kauften in der Tofu-Manufaktur nur Nachtisch für Abends, weil uns auf Nachfrage beschieden wurde, dass die Tofus des Hauses bei Raumtemperatur bis zu unserer Rückreise nächsten Dienstag verderben würden.

Eher frühes Mittagessen gab es bei Liwei’s Kitchen, das uns im August mit den Gerichten mit selbstgemachtem Tofu (-> Tofu-Manufaktur) so glücklich gemacht hatte.

Erstmal gab es für mich Seidentofu-Suppe – Texturfestival! Der leichte Tofu in kräftiger Miso-Brühe, darin unter anderem gehackte Pilze, Algenblätter, frische Frühlingszwiebel, ein echtes Erlebnis. Herr Kaltmamsell aß Misosuppe.

Dann für mich gebratenen Tofu mit Gemüse (nach dem Fleischberg vom Vorabend jetzt zufällig ein veganes Mittagessen), gegenüber das Mapu Tofu mit Rindfleisch, das mich im August so begeistert hatte.

Sehr satt spazierten wir in die Richtung, aus der wir kamen. Ich hatte von einer Ausstellung in der Albertina gelesen, die mich sehr interessierte: Die Wiener Fotografin Lisette Model (1901–1983) bekam eine Retrospektive.

Auf dem Weg dorthin lernte ich das Griechen-Eck kennen.

In der sehr gut besuchten Albertina steuerten wir gleich die Model-Ausstellung im 2. Stock an.

Mir gefiel die Retrospektive gut, die chronologisch nach Lisette Models Hauptprojekten unterteilt war, fast alle mit Schnappschüssen von Menschen. Außerdem Street Photography im Wortsinne mit Spiegelungen in Schaufenstern oder der Perspektive aus Kellerfenstern auf Beine.

Auch Models Arbeitsweise wurde beleuchtet: Auf Kontaktabzügen markierte Bildausschnitte zeigten ihre tatsächliche Entfernung beim Fotografieren und was davon sie zum Motiv gemacht hatte. Das belegte wieder einmal, wie sehr der Bildausschnitt für den Abzug das eigentliche Kunstwerk ausmacht (was ja bei einer posthum entdeckten Künstlerin wie Vivian Maier wegfällt, die nur von einem winzigen Bruchteil ihrer Negative überhaupt Abzüge gemacht hat – hier sind es Dritte, die entscheiden, was als ihr Werk gilt).

Wenn wir schonmal da waren, sahen wir uns in der Albertina auch unter Impressionisten und Pablo Picasso um (ich muss immer daran denken, welch ein Gkücksfall für die Museumswelt ist, dass Picasso so produktiv war und so lange lebte: Es ist für jedes etwas da) aber wirklich interessiert war ich an der Ausstellung von Leiko Ikemura, “Motherscape”.

Wenn sie dir einen riesigen Spiegel ins Museum stellen, nimmst du ein Spiegelselfie auf und postest es. Ich habe die Regeln nicht gemacht.

Wir streiften also im Erdgeschoß durch die Ikemura-Ausstellung, doch ich hatte nicht mehr sehr viel Aufmerksamkeit übrig. Fasziniert war ich von der Materializiät der Gemälde (Ikemura arbeitet viel auf Jute und anderen groben Stoffen) und von den Skulpturen. Die Erklärungen mit der Künstlerinnenabsicht gingen ziemlich an mir vorbei, doch ich bin überzeugt, dass sie mir als Laien-Betrachterin einfach egal sein dürfen.

“Gelbe Figur mit drei Armen”

“Pinkes Haar II”

Wir spazierten gemütlich durch belebte Straßen und mit einem Umweg zurück, passierten tatsächlich auffallend viele Blumenstraußtragende (Valentinstag), waren am späten Nachmittag zurück im Hotelzimmer.

Gemütliches Lesen nur getrübt von Hackebeil-Kopfschmerzen rechts – dagegen half eine Ibu.

Abendessen also Käse und Dinkelbrot vom Karmelitermarkt (den Käse eher wüst mit Kaffeelöffeln zerteilt – wir hatten das Taschenmesser ebenso daheim vergessen wie Brotzeitbretter, oder: warum wir Ferienwohnung bevorzugen), zum Nachtisch gab es Tofu-Cheesecake.

Ich machte früh das Licht aus zum Schlafen weil steinmüde.

Journal Sonntag, 8. Februar 2026 – Langsames Milderwerden, endlich mal wieder Kino

Montag, 9. Februar 2026

Mit Unterstützung herabgelassener Rollläden lang geschlafen, aber ich war lange nicht eingeschlafen (der wunderbare Espresso bei der Samstagabend-Einladung war das wert gewesen) und brauchte nachts gegen zugeschwollene Nasenschleimhäute wieder Spray.

Draußen war es weiter mild, für meine mittägliche Laufrunde reichten Lauf-Hoody und Weste – leichte Mütze und Handschuhe waren aber recht.

U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort ab an die Isar.

Ich gönnte mir den Ausblick vom Monopteros.

Recht versunkenes Laufen fast ohne Fotografieren.

Mein Körper machte mittel mit, störte mal mit Fußschmerz rechts, mal mit Schmerzen um den Hüftgürtel und die Lendenwirbel, meldete auch die letzte halbe Stunde Erschöpfung, doch mein Geist hatte noch nicht genug.

Heimweg ab Tivoli mit Bus bis Giselastraße und von dort U-Bahn.

Frühstück kurz nach zwei: Apfel und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Roggenbrot mit Butter und Zuckerrübensirup/ Lemon Curd. In Köln hat’s bereits Brutalstfrühling, in München nicht mal grüne Spitzen von Schneeglöckchen.

Nachmittags ging ich endlich mal wieder ins KINO! (Punkte auf dem Kultur-Tracker.) Im City-Kino ums Eck sah ich Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (und fand es mal wieder cool so zu wohnen, dass ich fast im Bademantel ins Kino gehen könnte; außerdem kaufte ich nach Langem mal wieder die Eintrittskarte vor Ort an der Kinokasse – hatte mich allerdings vorher auf der Website versichert, dass noch reichlich Plätze frei waren). Eine wirklich schöne filmische Umsetzung des Romans, der mir ja gefallen hatte. Senta Berger hinreißend, Bruno Alexander als Hauptdarsteller bezaubernd. Und das Drehbuch ist mehr als in Ordnung: Nachdem ich mich zunächst an sprachlichen historischen Ungenauigkeiten wie “Hey!” als Begrüßung oder “genau” gestoßen hatte, weil man das in den 1980ern ganz sicher nicht sagte, beschloss ich, dass der Film sich ja zeitlich gar nicht explizit festlegt (ein wenig in der Technik mit Telefon und Fernseher, doch Münchner Außenaufnahmen wurden in der Jetztzeit gelassen) und dass das nicht so wichtig ist.

Eine ruhige, kurze Folge Yoga. Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Karoffeln Reiberdatschi.

Klassisch bei uns mit Apfelmus – aber im Ruhrgebiet hatten wir vor anderthalb Jahren gelernt, dass sie dort mit Zuckerrübensirup gegessen werden. Wir kommen beide aus kulinarisch überdurchschnittlich aufgeschlossenen Familien, haben ja bereits vorbehaltlos Exoten wie Grie Soß oder Himmel und Äd in unseren Speiseplan integriert: Wir testeten Zuckerrübensirup, er stellte sich als echte Bereicherung heraus und passt super.

Im Bett die nächste Lektüre: Fatima Daas, Sina de Malafosse (Übers.), Die jüngste Tochter – fragmentarische Schlaglichter auf das Leben einer jungen Einwanderertochter in Paris.

§

Für mich aus persönlichen Gründen interessant (mein Vater, also nicht himmlischer, sondern biologischer Vater, heißt Jesús – und obwohl mit einer gehörigen Portion Schabernack auf die Welt gekommen, scheut er sich meist, auch damit Schabernack zu treiben):
“Warum (fast) niemand Jesus heißt – außer in spanischsprachigen Ländern”.

via @wolfseule

Familien-Details: Außerdem heißt einer meiner spanischen Kusins Jesús, wurde aber in Abgrenzung zu meinem Vater, also seinem Onkel, von Klein auf “Jesusito” gerufen, mit Diminutiv. Was zeitweilig bis zu “Susi” (bitte mit zwei scharfen, also stimmlosen S) verballhornt wurde.

Journal Samstag, 7. Februar 2026 – Wie ich lernte, dass auch Schwimmbrillen sich auflösen können

Sonntag, 8. Februar 2026

Recht lang geschlafen, ich fühlte mich aber nicht ganz ausgeruht.

Meine ersten Handgriffe galten dem Brotteig, für den ich am Vorabend den Sauerteig angesetzt hatte: Es sollte dieses Roggenmischbrot 79/30 geben. Das verzögerte mein Bloggen, der Post über den Vortag ging erst deutlich nach neun online.

Verwunderung beim Nachlesen meiner Mastodon-Timeline: Darin interessierten sich deutlich mehr Menschen für die frisch gestarteten olympischen Winterspiele, als ich prognostiziert hätte. Schnittmenge mit Menschen, die sich für den European Song Contest interessieren? Weil irgendeine Art große, internationale Show?

Wohl geraten.

Pläne für den Tag nach Brotbacken:
– Radeln (!!!) zur
– Schwimmrunde
– Kauf von Kochschinken auf dem Rückweg fürs Frühstück
– aushäusiges Abendessen bei privater Einladung

Nachdem ich mein Radl seit September nicht mehr genutzt hatte, checkte ich es erstmal. Ergebnis: Es wurde nichts mit dem Radeln, denn mein Aufpumpversuch scheiterte, der Vorderreifen ist platt. Also
– U-Bahn zur Schwimmrunde
Die Luft gestern angenehm mild, noch aber ohne Frühling in den Düften.

Geduscht und mit Schwimmbrille in der Hand trat ich an ein sensationell dicht beschwommenes Becken. Ein Grund war vermutlich, dass die äußersten beiden Bahnen für Vereine gesperrt waren – das hatte ich am Wochenende noch nie erlebt. Hier, aber auch an allen anderen Bahnen war der Rand unpassierbar vollgestellt mit Schwimmspielzeug aller Art, ich balancierte dazwischen ins Becken.

Gleich nach dem Abdrücken hatte ich Wasser in der rechten Seite der Schwimmbrille, nach der ersten Bahn setzte ich sie schnell neu an. Doch auch jetzt stand diese rechte Seite voller Wasser. Nach der zweiten Bahn stellte ich mich also fest hin und nahm sie ab – um zu entdecken, dass sich der Dichtungsgummi halb vom der Plastikschale gelöst hatte.

(Foto nach Schwimmrunde)

Völlig entgeistert hielt ich die Brille den fremden beiden Frauen am Rand der Nebenbahn hin (gestern wurde viel am Rand gestanden): “Was mach ich jetzt?!” Sie lachten und wussten natürlich keine Antwort. Außerhalb der Bezahlschranke hätte ich am Kiosk eine Schwimmbrille kaufen können, aber nicht hier.

Also versuchte ich, so zu schwimmen: linkes Auge geschützt, rechtes verkrampft zugekniffen. So schaffte ich 2.000 Meter, die eigentlich sehr gut taten, doch dann sorgte ich mich um mein Auge und brach ab.

Dass ich mit dem armen Auge nur verschwommen sah, legte sich zum Glück bald.

Vor der BMW-Welt wurde fotografiert, eine Gruppe aus fast ausschließlich Frauen. (?)

Eher enttäuscht als verärgert saß ich in der U-Bahn nach Hause. Ich guckte nach E-Mails – und jetzt machte mich traurig, dass ich auf eine künstlich generierte alte Frau reingefallen war. In meinen Augen ist das aktiver Betrug: Der Text unterm Video behauptet zunächst lange und detailreich, es handle sich um einen ganz konkreten Menschen und “Real takeaways. No pretending.” Erst ganz weit unten steht dann: “The person in this video is AI-generated, not a real individual.” Die Kommentare unter dem Video zeigen, dass niemand davon so weit gelesen hat.

Am Sendlinger Tor kaufte ich noch im Alnatura ein, ich wünschte mir aufs frischgebackene Roggenbrot dick Butter und gekochten Schinken. Dieses Frühstück gab es nach einem Apfel um kurz nach zwei.

Nachmittag mit Lesen: Zum einen die Wochenend-Süddeutsche, zum anderen las ich Ursula K. Le Guin: Tehanu: The Fourth Book of Earthsea aus. Es gefiel mir bis zum Ende gut, ich ließ mich in dieser klugen Variante in eine Märchen-Zeit und -Welt mitnehmen mit Zauberern, Hexen, Machtkämpfen. Und mir fiel auf, wie viel dieser 1990 veröffentlichte Roman der sieben Jahre später erschienenen Harry-Potter-Welt vorweg nimmt: Es gibt eine Zauberer-Schule (die in diesem Band allerdings nicht gezeigt, sondern nur erwähnt wird), konstruktive und zerstörerische Zauber-Menschen, eine magische Sprache (allerdings nicht mit Schlangen, sondern Drachen), magische Wesen, und der Graben zwischen verschiedenen Zaubermensch-Herkünften verläuft nicht zwischen Witches und Muggles, sondern zwischen Männern und Frauen.

Vor der Abendeinladung turnte ich noch Yoga: Ich nahm die übernächste, sportliche Folge vorweg, weil ich gestern bei weitem nicht ausgepowert war; die ruhige nächste Folge hob ich für Sonntagabend auf, wenn ich nach einer geplanten Laufrunde dankbar dafür sein würde (für diese Einblicke klicke ich die Folgen vorher durch).

U-Bahn nach Bogenhausen, wo ich mit Herrn Kaltmamsell einen sehr schönen Abend mit zwei interessanten Frauen verbrachte (beruflicher Kontakt über den Herrn), von einer der beiden köstlich italienisch bekocht: Zu einem Glas Ferrari Spumante gab es Antipasti in Form von Wurst, Schinken, Käse, gegrilltem Gemüse, dann als Primo Pasta mit selbstgemachtem Pesto, Wein ab jetzt ein eleganter Roter aus der Maremma, als Secondo Hühnchen cacciatore, und nach einem richtig guten Espresso als abschließende Sensation Mandelkuchen mit Vanille-Orangencreme und karamellisierten Pinienkernen.

Dazu angeregte Unterhaltung, unter anderem über den Alltag einer Orchestermusikerin.

U-Bahn nach Hause, es war immer noch mild. Gegen Mitternacht im Bett.

§

Alle medizinischen Diagnosen und Tipps zu meinem Fuß unter dem Post zum Freitag habe ich dann doch gelöscht.

(Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

steht über dem Kommentarfeld (Serviceblog mit betreutem Lesen).

Sollte mein Hausarzt hier in den Kommentaren damit auftauchen, überlege ich, ob ich eine Ausnahme mache.

§

Bei geschichtlichen Meilensteinen lohnt sich immer wieder der feministische Blick. Dieser ist von Barbara Vorsamer:
“Unsichtbare Erfinderinnen: Wie Frauen die Medizin revolutionierten”

Journal Freitag, 6. Februar 2026 – Abenteuer Körper

Samstag, 7. Februar 2026

Unruhiger Schlaf (wirbelnde Party-Eindrücke), eine Stunde vor Wecker aufgewacht.

Körper sind seltsam, neue Runde: Donnerstagabend hatte mein rechter Vorderfuß auf dem Heimweg von der Party beim Gehen stark geschmerzt, ich hinkte. (Dabei ist schmerzender Vorderfuß eigentlich linke Sache, der rechte ist für Fersen-/Plantarfaszien-Gezicke zuständig.) Morgens hinkte ich immer noch und sah diesen blauen Fleck prangen.

Zwar bekomme ich viele Rempler und Dotzer nicht mit, bin aber sicher, dass mir nichts auf den Fuß gefallen war. Auch gestern auf dem Fußmarsch in die Arbeit hinkte ich zunächst, zwang mich aber zu symetrischem Gang, um meine LWS-Probleme nicht zu verstärken. Das in Kombination mit der Kälte beseitigte den Fußschmerz erstmal. Über den Tag Schmerzen nur beim Gehen, die aber deutlich und unangenehm. Wenn die Anwort eines der vielen Orthopäden in meiner Vergangenheit, woran ich bei Körperschmerzen denn erkenne, ob etwas kaputt ist, nämlich “Ruheschmerz”, korrekt war, war nichts kaputt, denn in Ruhe schmerzte da gar nichts.

Der Winter besann sich auf sein Hauptthema in dieser Münchner Runde: eisiger Nebel. Beim Einstempeln im Bürohaus Fehlermeldung: Angeblich fehlende Zeitmeldung (ich bin sehr sicher, dass ich am Vorabend korrekt ausgestempelt hatte, inklusive Ziffern der Uhrzeit 17:23 vor meinem inneren Auge – weil mir noch zum wiederholten Mal aufgefallen war, wie viel Zeit zwischen “heute gehe ich Viertel nach” und tatsächlichem Verlassen des Hauses lag).

Diese Woche hatte ich gelernt, dass Menschen, die wegen Jugend mit der Vorläufertechnik “Stempeln” keine Berührung hatten, das Wort “einlesen” für den Vorgang verwenden. Na ja: Zumindest ein Mensch. Selbst kenne ich echtes Zeitstempeln auf Papierkarten ja auch nur aus Filmaufnahmen, dokumentarisch oder fiktiv: Nach Angestelltenverhältnissen ohne Arbeitszeiterfassung bei Zeitung, Radio, in der Uni funktionierte meine erste solche 2003 bereits mit elektronischem Einlesen.
Moment: 1986 bei Audi, als ich nach dem Abi einige Wochen lang einen Brotzeitkiosk in der Produktion führte, müsste ich eigentlich auch gestempelt haben. Daran erinnere ich mich aber nicht mehr – ich freue mich schon aufs hohe Alter, wenn mir solche Details hoffentlich wieder einfallen.

Ich freute mich sehr auf das Ende der Arbeitswoche, spürte bereits vormittags Anspannung abfallen, konnte nur hoffen, dass Querschüsse sie nicht wieder anziehen würden. Nächste Folge der abfallenden Anspannung: aufsteigende Müdigkeit, na super.

Mittagscappuccino im Westend, Mittagessen später am Schreibtisch Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Auch der Nachmittag verschonte mich mit Querschüssen, ich konnte ruhig abarbeiten. Zudem legten sich die Fußschmerzen beim Gehen auf ein Maß, bei dem ich nicht mehr zum Hinken neigte, es blieb seltsam.

Heimweg über Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner. Zu Hause eine Runde Yoga. Beim Umziehenn zeigte sich, dass der blaue Fleck auf dem rechte Fuß deutlich größer geworden war.

Körper! Doch der Schmerz behinderte mich beim Yoga nicht, auch nicht bei Balance- oder Zehenspitzen-Übungen.

Zum Anstoßen auf das Wochenende schenkte ich Herrn Kaltmamsell und mir Calvados-Tonic ein, apfliger kenne ich Calvados in keinem Drink. Dazu arabische Nüsschen, die auf dem Heimweg in der Landwehrstraße gekauft hatte.

Knollen aus Ernteanteil (rote Bete, Karotte, Pastinake) verwendete Herr Kaltmamsell für ein Rezept, das ich ihm zugeworfen hatte: Eine Art Toad in the Hole. Als Vorspeise gab es aber erst mal nachgereifte Crowdfarming-Avocados.

Das Rüben-Gericht war ok, der Teig deutlich herzhafter als im klassischen Toad in the Hole, der ja eigentlich leichter Yorkshire Pudding ist. Wissen wir das also. In der Weinbegleitung hatte ich mich geirrt: Zu den durchwegs süßlichen Lager-Rüben hatte ich als Gegensatz einen mineralischen Gallo aus Sizilien gewählt – doch der schmeckte in dieser Kombination vor allem bitter.

Abschluss des Freitagabend-Festmenüs war Grießflammerie mit Armagnac-Zwetschgen aus eigener Produktion, sehr gut.

Früh ins Bett, wir waren beide von der Woche erledigt. Zumindest ich war noch wach genug für eine Runde Lesen.

§

Die US-Amerikanerin Lorraine ist 92 und gibt in diesen 20 Minuten sehr persönlich und sehr nachvollziehbar weiter, was sie sich wünscht, schon in ihren 50ern und 60ern gewusst zu haben.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/vVk2rfkaD5w?si=o0TfvL0lgBf74TRT

via HotelMama

Nicht alles davon wird für jede passen, doch vor allem den Nutzen, gerade jetzt aktiv neue Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen, sehe ich und möchte ich beherzigen. (Andere Erkenntnisse wie die Kürze des restlichen Lebens kommen allerdings bei mir völlig anders an als beabsichtigt, Zwinkersmiley.)

Nachträgliche Warnung: “The person in this video is AI-generated, not a real individual.” steht sehr weit unten im Text unter dem Filmchen. Nun bin also auch ich auf eine künstlich erzeugte Figur hereingefallen. Es gibt keine Lorraine, nichts an den 20 Minuten ist persönlich. Sondern im Gegenteil der Durchschnitt von allen Äußerungen alter weißer US-Amerikanerinnen zu dem Thema (ich nehme an, so ungefähr lautete der Prompt), die sich im Internet finden ließen. Was auch interessant ist, aber auf eine komplett andere Art und Weise, als ich das zunächst wahrnahm.

§

Apropos:

Weil ich grundsätzlich keine Kontakte aus meinem Adressbuch lösche, tauchen in Signal und WhatsApp viele Leute auf, an die ich mich nur noch vage erinnern kann. Das lasse ich wegen der Apokalypse so. Sollte ich mal alleine auf diesem Planeten sein, wird dieser Tag kommen, an dem ich mein komplettes Adressbuch durchpingen werde. Hallo, bist du noch da? Wenn dann niemand antwortet, sieht es wirklich düster aus.

Schreibt Mek, und ich verstehe ihn völlig.

Aus Anlass mal wieder darüber nachgedacht, dass es immer noch für Überraschung sorgt, wenn die Antwort auf die Frage, woher man Freundin X oder Freund Y kennt, “aus dem Internet” lautet.

Journal Donnerstag, 5. Februar 2026 – Neuhausen alpin

Freitag, 6. Februar 2026

Sehr gut und tief geschlafen, der Wecker holte mich gemeinerweise aus einem besonders interessanten Traum, in dem mal wieder das Haus mit der einst schönsten Wohnung der Welt eine Rolle spielte (meine Wohnung während des Studiums in Augsburg): Sie war wieder frei, jetzt mehr als doppelt so groß, in erbärmlich baufälligem Zustand (ein paar Bodenbretter weggebrochen), doch die Besitzer planten gründliche Instandsetzung und sagten mir die Wohnung zu. Ich war gerade dabei, Herrn Kaltmamsells Einwilligung zu erbitten, mit ihm dort einzuziehen.

Es tagte zu fahlem Licht und kalter, aber nicht allzu kalter Luft.

In der Arbeit Arbeit. Zu einem grundproblematischen Thema zeichnet sich grundlegende Verbesserung ab, das ist eine große Erleichterung.

Auf Mastodon wurden weiter #HerzSoliSneaker gesammelt: Frau Herzbruch steht vor ihrer hoffentlich letzten (zwölften) OP, viele Menschen sorgen sich und wollen irgendwas tun.

Meinen Mittagscappuccino holte ich in der Cafeteria (lauwarm, ich verliere langsam die Geduld), Bewegung in aufkommendem Sonnenschein holte ich mir mit einer Einkaufsrunde auf dem Markt. Das Draußen roch immer noch leer nach Winter, ich kaufte Pinowa-Äpfel vom Bodensee.

Später gab es als Mittagessen Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, nach Feierabend marschierte ich direkt nach Hause: Abends war ich mit Herr Kaltmamsell eingeladen, davor sollte noch eine Einheit Yoga passen (ging gut, sogar eine Balance-Übung).

Eingeladen waren wir zu einer Geburtstagsfeier unter dem Motto “Alpin”. Dazu waren mir als Allererstes Hüttenschuhe eingefallen, und zwar die aus meiner Kindheit: dick gestrickt, vor meinem inneren Auge unbedingt in Blau, Rot und Weiß, als Sohle Kunstleder aufgenäht – Nachbarskinder trugen die in den frühen 1970ern, selbst hatte ich als Kind aber richtige Hausschuhe und neidete sie lediglich (ich glaube, meine Mutter wies zurecht darauf hin, wie rutschig und unpraktisch Hüttenschuhe waren). Doch meine Online-Suche hatte nichts gefunden, selbstverständlich gab es auch im Hüttenschuh-Sektor in den vergangenen 50 Jahren enorme Entwicklungen. Am Styling Hütten-Look hielt ich gestern dennoch fest:

Mit Schüttelbrot und Alpenveilchen als Gastgeschenke machte ich mich mit Herr Kaltmamsell auf den Weg ins alpine Neuhausen. Und es gab durchaus Gäste, die das Party-Thema gründlich durchzogen und mit umfassender Kletterausstattung aufkreuzten. Zu Essen gab es unter anderem nepalesischen Sherpa-Eintopf (köstlich!) und Alpenspeisen von herzhaft bis süß, ich unterhielt mich unter anderem mit lebender Münchner Geschichte ab den 1970ern. Ein Thema auch: Die unterschiedliche Wirkung von Hochgebirge. Ein gebürtiger Garmischer war so früh wie möglich weggezogen, weil er sich sich (wie ich tendenziell) von den umgebenden Felsmassiven bedrängt und eingesperrt fühlte, seine Geschwister, so erzählte er, empfinden die Berge (wie Frau Brüllen) “beruhigend und beschützend”.

Herr Kaltmamsell und ich brachen schweren Herzens als erste auf, während neue Gäste gerade erst eintrafen: Wir müssen halt am heutigen Freitag früh in die Arbeit.

§

The kids are alright.
“Skelette an Schulen
Woher stammen die Menschenknochen?”

via @jens2go

Journal Samstag, 31. Januar 2026 – Wie Joggen echt keinen Spaß macht

Sonntag, 1. Februar 2026

Nur wenig unruhig geschlafen (der Alkohol), durch rechtzeitiges Herablassen des Rollladens gegen Morgenhelle aber ausreichend lang.

Ich hielt mich ein bisschen ran mit Bloggen und Kaffee-/Wasser-/Teetrinken, sandelte nicht zu sehr: Draußen schien die Sonne, ich wollte nicht zu spät zu meinem Isarlauf loskommen. Was ich dann ab Haustür tat.

Eines der prominentesten Gräber auf dem Alten Südfriedhof, in 1A Lage am Mittelgang: Das der Familie Pschorr. Als Brauereien die Macht in der Stadt waren.

Scheiß Winter: Die ersten 20 Minuten hatte ich wenig Probleme mit eisigen Stellen, die Innenstadtwege waren völlig frei. Doch dann kam ich an unasphaltierte Wege und musste genau hinschauen, um nicht von Eisglätte überrascht zu werden. Echter Horror begann hier hinterm Tierpark:

Geforener Matsch. Ich rutschte bei fast jedem Abdrücken ein Stück nach hinten, verlegte mich auf mehr Hüpfen als Joggen, glitschte und balancierte (es fühlte sich an wie Gymnastikübungen auf der Halbkugel bei der Physio – WEHE das war nicht zumindest gesund!). Das war ein 20-minütiger, sehr anstrengender Horror, den ich ganz sicher nicht nochmal zurück laufen wollte. Ich plante also um und wechselte über die Großhesseloher Brücke auf die andere Isarseite.

Um auf die Brücke zu gelangen, zog ich mich am Geländer hoch: Die Stufen waren lückenlos scheiße rutschig.

Auf dem Isarhochufer und um den Hinterbrühler See hatte ich mit einer Mischung aus Eis und Matschdreck zu tun, die nicht ganz so anstrengend war, aber auch keinen echten Spaß machte. Ich lief ein paar Umwege und stückelte, um insgesamt auf meine gewünschte Lauflänge von 1 Stunde 45 Minuten zu kommen.

Nach Eis kommt Matsch.

Außen und innen.

Bevor ich eine U-Bahn nach Hause nahm, holte ich noch Frühstückssemmeln.

Die gab’s nach einem Apfel um zwei mit Frischkäse und Bergamotte Lemon Curd.

Gebühr für ein weiteres Jahr Münchner Stadtbibliothek gezahlt: 20 Euro. (Tiefe Dankbarkeit, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die das ermöglicht.)

Gemütliches Zeitunglesen, das Wohnzimmer wurde dabei gestern endlich warm genug, dass ein dicker Pulli und zwei Paar Socken gegen Frieren reichten.

Bei (deutlich nach hinten geschobenem) Einbruch der Dunkelheit kochte ich das Dessert fürs Sonntagessen mit allen Eltern: Englische Orangencreme. Herr Kaltmamsell hatte bereits den Großteil des Nachmittags in der Küche verbrachte, um das Bœuf bourguignon und die Spätzle für Sonntag zuzubereiten. Die schlichte Vorspeise kam wieder von mir: Makrelen-Peté nach Delia Smith (wenn ich am Sonntag an ein Foto denke, stelle ich das Rezept in meine Rezepte-Ecke).

Dann war Zeit für einen Aperitif: Den letzten Saft der direktimportierten Bergamotte verschüttelte ich zu einem Whiskey Sour. So ein Naturalientausch erzeugt eine ganz eigene Art von Nähe und wärmt mir ja immer besonders das Herz, auch unter Kolleginnen in der Arbeit, dort z.B. Quitten gegen Ajvar gegen Orangenmarmelade gegen Honig gegen Rakija gegen Zwetschgen etc. Vielleicht weil bei den Beteiligten die landwirtschaftlichen Wurzeln durchschlagen, die wir auf lange Sicht zurück ja dann doch fast alle haben?

Als Nachtmahl verwertete Herr Kaltmamsell die Hälfte des Ernteanteil-Blaukrauts und servierte es mit Linsen (und ein paar missratenen Spätzle), darüber geröstete gehackte Mandeln – sehr gut. Dazu ein Glas Burgunder, der vom Kochen übrig war. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Tropc Thunder von 2008 laufen – eine Vietnamkriegverfilmung-Actionkomödie mit sensationeller Starbesetzung (die die Filmhandlung spiegelt), von der ich noch nie gehört hatte: Komplett wahnsinnig mit immer noch einer Metaebene.

Früh ins Bett zum Lesen einer ganz anderen Darstellung von Erlebnissen im Vietnamkrieg, nämlich der von Sigrid Nunez.