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Journal Samstag, 24. Januar 2026 – Winterkalte Wochenend-Häuslichkeit

Sonntag, 25. Januar 2026

Nicht so lang geschlafen wie ersehnt: Als ich beim Aufwachen einen Ängste-Angriff bemerkte, stand ich lieber früh auf. Zudem hatte ich eh Pläne: Erstmal füllte ich die Waschmaschine mit Handtüchern und sonstigem Weißen. Dann knetete ich Brotteig, es sollte Altsauerteig-Weizenmischbrot geben. Neben eingeweichtem Leinsamenschrot warf ich auch ein Restl Kürbiskerne sowie den Bodensatz einer Packung Mohn in die Schüssel (das ist mein Sautrog-Brotrezept) – beim Mohn hätte ich wohl besser bis zur letzten Knetphase gewartet, die Zutaten wollten sich nicht recht mischen.

Jetzt Standardprogramm Milchkaffee und Bloggen, draußen wurde es fast richtig hell mit etwas kaltem Nebel.

Brot fertig, Wäsche aufgehängt.

Mein Sportplan für gestern: Endlich wieder schwimmen, ich nahm eine U-Bahn zum Olympiabad. Sobald ich mich vom Beckenrand abdrückte, fühlte sich die Bewegung im Wasser wundervoll und elegant an. Es war nicht zu viel los, ich kraulte nahezu ungestört meine 3.100 Meter (nahezu, weil zweimal ausdauernde Beckenrandsteher*innen ein Wenden erschwerten).

Zurück daheim schnitt ich um zwei das Brot für Frühstück (plus einer gelben Kiwi) an, aß dicke Scheiben mit Käse, Butter und Orangenmarmelade.

War gelungen, schmeckte gut – den Mohn merkte ich aber nicht.

Angenehm versandelter Nachmittag mit Lesen (Wochenend-Süddeutsche, Internet), draußen kämpfte sich die Sonne ein wenig durch den Nebel.

Abendessen war wieder meine Sache, aus der zweiten Hälfte der gewürzten, ofengebackenen Kürbisschnitze bereitete ich Kürbis-Ricotta-Quiche zu; den Teig hatte ich gleich nach meinem Frühstück geknetet.

Kulinarisches Abenteuer des Abends: Aus dem Uhudler-Paket, das Herr Kaltmamsell bei Mirth bestellt hatte, probierten wir den Frizzante. Den unverkennbaren Uhudler-Geschmack muss man halt mögen, doch mir schien er besonders gut zum Sprudligen zu passen; würde ich als Kuriosität auch Gästen servieren (mit Alternative in der Hinterhand).

Am Dienstag war ein Kistlein Crowdfarming-Avocados eingetroffen; gestern waren genügend davon reif, dass Herr Kaltmamsell als Vorspeise seine legendäre Guacamole batzen konnte (waren aber auch besonders gute Avocados). Dazu gab es wunderbares Knabbergebäck vom Mainbäcker Heinrich.

Auch die Quiche war geraten und schmeckte gut, es passte nur noch wenig Schokolade hinterher.

Früh ins Bett zum Lesen, ich beendete Nora Gomringers Am Meerschwein übt das Kind den Tod. Gefiel mir gut in seiner Vorläufigkeit und Fragmentiertheit: So erinnert man sich, bevor aus größerem Abstand die Erinnerungen an die verstorbenen Eltern rund-gedacht und -erzählt sind, die eigenen Position darin beschlossen. Auch enthielt die Erzählung viele praktische Details des letzten Lebensabschnitts greiser Eltern, des Umgangs mit wachsender Hilfsbedürftigkeit – sie gingen mir nahe.

§

Große Enttäuschung: Ich darf immer noch kein Blut spenden. Nachdem Kommentatorin Beate von einer Änderung der Regeln geschrieben hatte, die das künftig auch Menschen ermöglichen, die wie ich zwischen 1980 und 1996 länger in Großbritannien lebten, hatten meine ersten Recherchen mich Hoffnung schöpfen lassen. Aber gestern stieß ich im Fragebogen des Bayerischen Roten Kreuzes dann doch wieder darauf:

Es gibt also immer noch genug Blut- und Knochenmarkspender*innen, dass kein Test wie in UK eingeführt wurde.

§

Natürlich war das absehbar. Dennoch bleibt es schlimm:
“Science Is Drowning in AI Slop”.

via @aleks

The editors and unpaid reviewers who act as guardians of the scientific literature are newly besieged. Almost immediately after large language models went mainstream, manuscripts started pouring into journal inboxes in unprecedented numbers. Some portion of this effect can be chalked up to AI’s ability to juice productivity, especially among non-English-speaking scientists who need help presenting their research. But ChatGPT and its ilk are also being used to give fraudulent or shoddy work a new veneer of plausibility, according to Mandy Hill, the managing director of academic publishing at Cambridge University Press & Assessment. That makes the task of sorting wheat from chaff much more time-consuming for editors and referees, and also more technically difficult. “From here on, it’s going to be a constant arms race,” Hill told me.

(…)

Conference proceedings are the main publishing venue for articles in AI and other computer sciences, and in recent years they’ve been overrun with submissions. NeurIPS, one of the top AI conferences, has seen them double in five years. ICLR, the leading conference for deep learning, has also experienced an increase, and it appears to include a fair amount of slop: An LLM-detection start-up analyzed submissions for its upcoming meeting in Brazil and found more than 50 that included hallucinated citations. Most had not been caught during peer review.

That might be because many of the peer reviews were themselves done by AI. Pangram Labs recently analyzed thousands of peer reviews that were submitted to ICLR, and found that more than half of them were written with help from an LLM, and about a fifth of them were wholly AI-generated. Across the academic sciences, paper authors have even started using tiny white fonts to embed secret messages to LLM reviewers. They urge the AIs to rave about the paper they’re reading, to describe it as “groundbreaking” and “transformative,” and to save them the trouble of a tough revision by suggesting only easy fixes.

Journal Dienstag, 20. Januar 2026 – Frost, Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 21. Januar 2026

Nachts zog nochmal meine Nase zu, ich griff 36 Stunden nach dem eigentlich letzten Mal zum Nasenspray, um nicht durch den Mund atmen zu müssen – was bei mir erfahrungsgemäß umgehend auf die Bronchien gehen würde.

Schöner Marsch in die Arbeit, gerade bei klarem Himmel ist deutlich der bereits frühere Tagesanbruch zu bemerken.

Theresienwiese.

Das Wetter blieb den ganzen Tag sonnig, aber auch knackig frostig. (Frostkalt soll es bis auf Weiteres bleiben. Ich erlaube mir erst nach Fasching Maulen.)

Meine Mastodon-Timeline war voller Polarlicht-Fotos aus ganz Deutschland – so schön! (“Zu viele Polarlichtfotos” gibt’s nicht.)

Mittagscappuccino aus Termingründen wieder in Halbscharig aus der Cafeteria. Nach zwölf ging ich aber auf eine Runde um den Block in den Sonnenschein.

Zu Mittag gab es Apfel, Clementine, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Nachmittags war ich sehr, sehr müde, wie ich es an Arbeitstagen eigentlich nicht kenne.

Heimweg über Lebensmitteleinkäufe und unter weiterhin klarem Frosthimmel.

Als Abendessen sollte es Mohnnudeln geben, die wollte ich zusammen mit Herrn Kaltmamsell zubereiten. Bei meiner Ankunft kochten die Kartoffeln gerade, Herr Kaltmamsell schickte mich zum Yoga-Turnen. Als ich damit durch war, war auch der Nudelteig bereit zum Wuzeln, es wurden gute Mohnnudeln. Dahinter passte aber noch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Eine bloggende Zugbegleiterin, wie großartig!
“Der neue Giruno im Alltag – Eine Zugbegleiterin erzählt”.

via iberty.de

Uschi erzählt nicht nur aus ihrem Berufsalltag, sondern teilt auch technische und sonstige Hintergründe – superinteressant für freudige Bahnreisende wie mich.

Was wirklich neu war, war der Einsatz in Doppeltraktion bis Hamburg: zwei Giruno-Einheiten, die wie ein einziger Zug gefahren werden. Technisch komplex – und in der Anfangszeit leider auch fehleranfällig. Es gab zahlreiche Störungen, die sich später als Softwareproblem herausstellten. Nach mehreren Tagen mit ICE-Ersatzzügen kam ein Update – und danach wurde es spürbar ruhiger.

Von außen sah man Chaos. Von innen sah man einen neuen Zug, der erwachsen wurde. Für Laien mag das unprofessionell wirken, das sowas nicht vorher ausgetestet wird. Aber das ist im internationalen Fernverkehr gar nicht möglich, man kann nicht einfach einen leeren Zug durch Deutschland oder halb Europa schicken. Es lässt sich nicht vermeiden das manche Fehler und Probleme erst im normalen Betrieb entdeckt werden.

Und Uschis Jahresrückblick 2025 entnehme ich, dass wir sehr unterschiedlich sind – eine umso größere Bereicherung meiner Blogroll.

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Einblicke im Newsletter Arbeit in der Wissenschaft:
“Lebensglück nur mit Professur? Gegen die Verklärung eines kaum erreichbaren Ziels”.

Da ich mit einer Professorin befreundet bin, kenne ich so ein Arbeitsleben seit vielen Jahren. Und ich weiß vor allem: Es ist bei weitem fremdgesteuerter, als ich das gedacht hätte – und als es noch meine Professoren (damals keine einzige -in dabei) hatten.

Dabei ist ein Detail dieser Karriere nicht mal erwähnte: Dass man sich den Arbeitsort praktisch nicht aussuchen kann. Wenn die einzige freie Stelle für dein Fachgebiet 600 Kilometer von deinem jetzigen Wohnort (evtl. mit Familie) entfernt liegt, ziehst du halt hin.

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Breaking: Die neue Horst Evers beim Kabarettistischen Jahresrückblick in Berlin heißt Kirsten Fuchs! Hier liest sie ihr Bewerbungsschreiben, ihre Abschiedsrede und ihre Antrittrede vor.
Ich halte sie für eine ausgezeichnete Wahl.

Journal Sonntag, 18. Januar 2026 – Maximilian Schafroth, Wachse oder weiche in den Kammerspielen

Montag, 19. Januar 2026

Gut und lang geschlafen, darin ein ausführlicher Traum, der mich denken ließ: “Das ist aber mal ein interessanter Traum!” Worum es ging, weiß ich aber nicht mehr.

Wieder wurde es zu eisigem Nebelgrau Tag.

Aufziehender Muskelkater wie vorhergesehen, sogar schon vor der klassischen 24-Stunden-Frist. Dass auch die Bauchmuskeln betroffen waren, beleidigte mich zunächst ein wenig, denn Rumpf trainiere ich nun wirklich sehr konsequent – allerdings, das fiel mir dann ein, nicht plus Hantelgewicht wie am Samstag.

Ich fühlte mich fit genug für eine Laufrunde, also probierte ich das aus.

Während Herr Kaltmamsell für die diesjährige Orangenmarmeladenproduktion sorgte, brachte mich eine U-Bahn nach Thalkirchen, von dort aus lief ich mit nur wenigen eisglatten Passagen nach Süden, kehrte auf der Großhesseloher Brücke um und lief ganz nach Hause (Zwischenstopp am Ende beim Bäcker Wimmer für Frühstückssemmeln). Die gut anderthalb Stunden gingen problemlos, mein Kreislauf war nicht mehr von Erkältungsinfekt belastet, der Gesamtkörper fühlte sich mit der Bewegung in leichtem Frost gut an.

An drei Stellen sah ich Eisbader*innen in der Isar, eine schwamm sogar richtig, Respekt.

Frühstück kurz vor zwei: Apfel, Clementinen, zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Eine Runde Textilpflege, genauer: Ich flickte an zwei dicken Strumpfhosen die Löcher zu, die meine rechte große Zehe gerissen hatte. Mir blieb gerade mal Zeit für die Lektüre der Wochenendzeitung, bevor ich zur nachgeholten Theatervorstellung in den Kammerspielen aufbrach, ich hatte meinen Abo-Termin von Maximilian Schafroths Wachse oder weiche von Dezember auf diesen Sonntag verschoben. Ein Vorteil: Die Vorstellung begann schon um 16 Uhr, das kam meinem Sonntagsrhythmus sehr entgegen.

Es wurde ein wirklich netter Abend in vollbesetztem Saal, in dem das Publikum mit Volksmusik vom Trio Reiwas (ohne Schlagzeug) empfangen wurde: Schafroth hatte ein kabarettistisches Stück mit viel Musik geschrieben über Landwirtschaft im Allgäu, spielte selbst einen selbstausbeuterischen konventionellen Landwirt am Rande des Burn-outs (selten thematisiert), baute einen Demeter-Landwirt ein, besserwisserische Städter, einen Baywa-Vertriebler, eine alteingesessene Gutsbesitzerin mit spinnertem Neffen. Ich glaubte halt schon zu merken, dass da jemand am Werk war, der den Alltag in der heutigen bayerischen Landwirtschaft gut kennt. Und er selbst kam ungemein liebenswert rüber, freute sich am Ende nach Schlussapplaus darüber, dass tatsächlich Leute außerhalb MVV-Radius angereist waren und sich mit denen innerhalb mischten (er hatte davor Handzeichen erbeten), darum sei es ihm doch gegangen. Und ich freute mich wie immer darüber, allgäuer Dialekt auf einer Bühne zu hören, ich halte ihn für unterrepräsentiert.

In etwas knackigerem Frost spazierte ich nach Hause, mehr als rechtzeitig fürs Abendessen (diese Sonntags-Vorstellungszeit ist wirklich ideal): Herr Kaltmamsell hatte ein Carrot Bake zubereitet, auf der Basis der Ernteanteil-Karotten, die ich ja seit einigen Jahren roh leider nicht mehr vertrage.

Drumrum Einbrenn mit Knoblauch und Kapern, drüber eine Semmelbrösel-Käse-Mischung. Mir schmeckte das gut als eine ungewöhnliche Variante Karotten-Auflauf, Herr Kaltmamsell war nicht überzeugt.

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Prognosen sind gefährlich, aber ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass dieses Foto in die Geschichte eingeht.

Fotograf John Abernathy wurde in Minneapolis bei einer Demo von der Gestapo Angehörigen der United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) niedergeworfen. Um zu verhindern, dass ICE ihm seine Kamera wegnimmt, warf er sie einem anderen Fotografen, Pierre Lavie, zu – der diesen Moment festhielt.

Regelmäßig wird ja in meinem Blickfeld das Fehlen von großen US-Protesten gegen das Trump-Regime kritisiert; mich beeindruckt der mannigfaltige zivile Widerstand gegen die militanten Einschüchterungen, vor allem durch ICE. Hier ein kleines Beispiel: Bürger*innen lösen ihren Auto-Alarm aus, wenn sie ICE-Angehörige in ihrer Wohngegend bemerken – und signalisieren damit zum einen “Wir sehen euch!”, zum anderen warnen sie vor den Deportationen der ICE.

Journal Samstag, 17. Januar 2026 – Lob des Nachbarschaftsfriseurs

Sonntag, 18. Januar 2026

Aktuelle Erkältungsphase: Wird sie gerade besser oder fängt sie von vorn an?

Erst als es hell wurde, sah ich aus dem Wohnzimmerfenster über den Laptopbildschirm, wie düster der Tag war. Das blieb auch so.

Tagesplan:
– Heimsport
– Blumenkauf
– KaffeeundKuchen bei Schwiegers in bei Augsburg
– Haareschneiden

Nach gemütlichem Bloggen trat ich nach langer Pause mal wieder ein Freihanteltraining an, angeleitet wie früher regelmäßig von Fitness Blender. Ich wählte eine Folge mit Übungen für alle Körperpartien aus, wärmte mich dafür mit Musik auf. Die Übungen brachten mich ins Schwitzen, doch ich hielt gut durch, meine Grenzen kamen nicht mal in Sichtweite. Dennoch rechnete ich mit ausführlichem Muskelkater, einfach weil ich diese Übungen und Hantel-Widerstand nicht mehr gewohnt bin. Und fürs nächste Mal suche ich nach irgendwas, das ich noch nicht kenne, so richtig Spaß machte mir die Dutzende Male durchgeturnte Folge nicht mehr.

Ausführliche Körperpflege inklusive Pediküre.

Ich wollte der lieben Frau Schwieger gerne Mimosen mitbringen, die für mich viel besser in den Januar passen als Tulpen, habe Blüten und Duft mal auf Mallorca im Januar kennengelernt. Zu meiner großen Freude bot der Nachbarschafts-Blumenladen in seiner Filiale im Sendlinger-Tor-Untergeschoß wundervolle Mimosen an.

Herr Blumenhändler freute sich so über meine Freude, dass er mir drei Ranunkeln dazuschenkte.

Pünktliche Bahnfahrt nach Augsburg durch Eisnebellandschaft, vor allem vorbeiziehende Nadelbäume sahen wunderschön aus.

Kaffeetafel bei Schwiegers.
Ergebnis Crostata nach Rachel Roddy: Schmeckte gut, aber der Teig war mir zu ledrig, die Schwarzkirschenmarmelade (stand im Regal, musste weg) nicht die ideale Füllung, weil ihr jede Säure fehlte. Die nächste Crostata werde ich anders machen (und auf jeden Fall machen: Der Kuchen ist sehr gute Gelegenheit, Marmeladen zu verwenden).

Neben Austausch von Neuigkeiten befassen wir uns auch mit Familiengeschichte: Herr Schwieger hatte weitere Super-8-Filme aus der Vorzeit und Kindheit von Herrn Kaltmamsell digitalisiert und bereinigt, ein bisschen guckten wir am Fernseher hinein (stimmt! diese weißen Luftpolster-Badekappen mit breiten Mittelstreifen!) und freuten uns an den Zeitzeugnissen (u.a. aus einem jugoslawischen Badeort in den frühen 1960ern in der Nähe der Grenze zu Albanien, als die Frauen dort noch weite Hosen mit Bündchen an den Fußknöcheln trugen).

Die Fahrt zurück nach München war ein wenig anstrengender: Der Zug so voll, dass wir stehen mussten.

Abends spazierte ich zum Friseur. Er liegt ja in einer Friseurladenstraße (sieben Läden auf 200 Meter), alle anderen waren bereits dunkel und hatten Feierabend. Als ich den lieben Herrn Haarschneider darauf ansprach, gab er zu, dass er nur wegen mir noch blieb: Schließlich sei er es gewesen, der mir den eigentlich vereinbarten Termin Ende Dezember absagen musste. Und wie auch sonst, wenn ich nach meinem Feierabend zu ihm komme und er seit 10 Uhr bereits Kunden um Kundin versorgt hat (ich habe ja sein Terminbuch gesehen), war er gelassen, freundlich, alert und fokussiert, konzentrierte sich ganz auf mich.

Ohnehin habe ich diesen Herrn und seinen Laden (er hat keine Angestellten, manchmal arbeiten wechselnde Friseur*innen dort, denen er Stühle vermietet) liebgewonnen: Unter den vielen schicken bis abgefahrenen Läden in der Straße ist er der Nachbarschaftsfriseur im besten Sinne. Die Kundschaft vor oder nach meinen Terminen geht quer durch alle Altersschichten, gestern versorgte er direkt vor mir eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen, lockigen Mädchen. Neuesten heißen Scheiß hat er wahrscheinlich nicht im Angebot, dafür Sorgfalt, Fleiß und Geschick für individuelles Haar an individueller Kopfform, dazu offensichtlich Freude an der Arbeit (unvergessen sein Blick zu mir in den Spiegel während des Schneidens, als er mit fröhlichem Lächeln kommentierte: “Viele Haare! Macht Spaß!”) – ich habe über die Monate gemerkt, wie angenehm sich das auf mich überträgt.

Zufrieden mit dem Ergebnis kam ich zurück nach Hause, wo Herr Kaltmamsell bereits das Nachtmahl zubereitet hatte. Vorher wünschte er sich einen Negroni: Rührte ich ihm, mir auch gleich einen.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell die Pastinaken aus Ernteanteil verwendet, es gab sie mit Linsen und spanischer Blutwurst Morcilla.

Eine sehr gute Idee. Nachtisch Schokolade.

§

Confirmation bias, also Bestätigungsfehler heißt die Tendenz in der menschlichen Wahrnehmung, Informationen stärker zu gewichten, die eigene Annahmen und Haltungen bestätigen, als solche, die sie widerlegen. Und so war mein inneres HA! schon sehr laut, als ich diesen Text von Barbara Vorsamer las:
“The Real Housewives of Germany”.

Medien versuchen oft, Frauen zu Wort kommen zu lassen, die sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmern. Das Problem: Sie finden selten eine. Stattdessen befragen sie Influencerinnen, Buchautorinnen, Verbandsfunktionärinnen. Denn den angeblichen Trend zur Vollzeitmutter gibt es gar nicht.

Zum Glück sind Barbara Vorsamers Argumente und Belege stichhaltig genug, dass mein Selbst-Misstrauen am Ende der Lektüre verschwunden war.

Journal Freitag, 16. Januar 2026 – Das Schreiben über nichts zu schreiben

Samstag, 17. Januar 2026

Ein weiterer Tag, der fürs Blog einfach so gar nichts hergibt. Am liebsten würde ich alle Vorbeilesenden mit einem “Gehen Sie einfach weiter” fortschicken, um niemandem die Zeit zu stehlen. Für mich selbst haben die Posts als Teil dieser öffentlichen Langzeitchronik eines durchschnittlichen Lebens ja wenigstens wissenschaftlichen Wert.
Vielleicht arbeite ich künftig mit verschiedenen Schriftfarben und formatiere die “Hier gibt’s nichts zu sehen”-Posts in Grau.
Wenn schon so wenig los ist, dass ich darüber schreibe, wie wenig los ist. (Siehe Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, und die dann Romane über Schriftsteller schreiben, denen nichts mehr einfällt, siehe aktuelle Glattauer-Lektüre. Das Lesen meiner Texte kostet wenigsten kein Geld.)

Noch war der Frost nur mit einem Fuß in der Tür zurück, ich marschierte durch einen herrlich klaren, aber nicht zu kalten Morgen in die Arbeit.

Mein elektronisches Postfach war seit Feierabend am Donnerstag gut gefüllt worden, ich arbeitete nach Dringlichkeit ab. Und haderte wie so oft in den jüngsten Jahren mit der IT-Verkrempelung der Welt: Es werden immer aberwitziger mächtige und disruptive neue Systeme eingeführt, während Alltags-IT, also normales Handwerkszeug, immer unzuverlässiger wird und immer mehr Work-arounds erfordert. Ich kann mir gut vorstellen, wie viel mehr Spaß Ersteres macht, aber es wird doch auch in der IT ein paar Hausmeisternaturen geben, die berufliche Befriedigung im Ermöglichen flüssiger Abläufe finden?

Das Wetter blieb sonnig, ich freute mich an meinem Marsch zu Mittagscappuccino.

Eine Runde später freute ich mich an meinem Mittagessen: Orange (ich bin schon wieder sauer-empfindlich), süße Clementine, Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Der Nachmittag brachte einige berufliche Planung durcheinander. Ich möchte mich hiermit beschweren, dass man mich einen Workshop nicht “wegen verzögerter Bereitstellung” absagen ließ (was exakt gestimmt hätte).

Bei pünktlichem Feierabend war es es noch hell, in weiterhin sonnigem Wetter brach die Abenddämmerung gerade erst an. Wunderbarer Heimweg mit kurzem Einkaufsabstecher im Vollcorner. Seit dem Vorabend hatte meine Schnupfennase kein Nasenspray mehr benötigt, auch das hob meine Laune.

Zu Hause machte ich mich erstmal ans Kuchenbacken und stellte die Crostata nach Rachel Roddy fertig, die es am Samstag zu KaffeeundKuchen bei den lieben Schwiegers geben soll.

Der Teig ließ sich gut verarbeiten, jetzt muss der Kuchen nur noch schmecken.

Eine sportliche Runde Yoga, dann mixte ich auf Herrn Kaltmamsells Wunsch Cocktails fürs Wochenendfeiern: Green Monkey, zum Ausprobieren mit Clementinensaft.

Freitagabend-Stillleben. Mandolinen und Fasane waren aus, als memento mori muss der leere Sahnebecher herhalten.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell nach sehr langem mal wieder Pulpo besorgt und servierte ihn a la gallega mit Kartoffeln, Spitzpaprika, blättrigem Knoblauch, pimentón de la vera.

Der Tintenfisch hatte die perfekte Konsistenz zwischen zart und Biss, sehr gutes Abendessen. Dazu hatte ich einen Verdejo aus Rueda aufgemacht, passte sehr gut. Nachtisch Panettone und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich brachte Daniel Glattauer, In einem Zug zu Ende. Überflüssig wie eine deutsche TV-Vorabendserie und etwa so Klischee-beladen (und für dieselbe Zielgruppe?), u.a. mit einem Ich-Erzähler und Protagonisten, der sich als “glücklich verheiratet” bezeichnet – sagt man das wirklich noch? Um zu betonen, dass die bekanntlich schlimme und unausweichliche Fessel der Ehe auch gute Seiten haben kann? Einem handwerklichen Aspekt zolle ich Respekt: Glattauer versucht die Einheit von Ort und Zeit, die Lektüredauer des Buchs entspricht etwa der Dauer der Handlung.

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Wikipedia wird 25 Jahre alt, und als Internet-Greisin habe ich natürlich auch dazu einen persönlichen Bezug: Damals fühlte sich das Web ja noch an, als gehörte es uns User*innen (ganz werde ich dieses Gefühl nie verlieren), und Wikipedia war eine von vielen großartigen Ideen, diese neue weltweite Verbindung mit ALLEN (die damals tatsächlich nur eine winzige Gruppe waren) zu nutzen. So beteiligte auch ich mich gleich mal mit kleinen Verbesserungen, Korrekturen, Ergänzungen, wenn mir etwas auffiel oder ich halt was wusste. Allerdings reichte meine Energie (im Gegensatz zu der von Herrn Kaltmamsell) nicht für echte Autorinnenschaft, also neue Artikel oder auch nur Absätze zu meinen Fachgebieten.

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Eine bemerkenswerte Fotografin auf instagram bei @womeninstreet, @sawadicat: Sie schreibt, dass sie zwar in Farbe fotografiert, aber ihre Bilder in Schwarz/Weiß bearbeitet, das Ergebnis finde ich sehr interessant. Auch diese Serie Schaufensterpuppen.

Ich gestehe, dass ich einiger, wie ich es empfinde, Topoi der Street Photography müde geworden bin: bestimmte Perspektiven, bestimmte harte Licht-Schatten-Kontraste. Die oben verlinkten Bilder empfinde ich als erfrischende Alternative, aber das mag mein persönlicher Geschmack sein: Mich interessiert vor allem die Geschichte, die ein Foto erzählt.

Journal Sonntag, 11. Januar 2026 – Eingeschränktes Schneevergnügen

Montag, 12. Januar 2026

Die startende Erkältung hatte mich gut schlafen lassen, das war schonmal was. Aufgestanden zu Winteraussicht – und dem Gefühl, einen endlos verfügbaren freien Tag vor mir zu haben, weil ich keinen Sport treiben konnte und keinen Termin darin hatte. Leise Trauer um den verpassten Sonnenschwumm im Dantenad.

Auch diesen Winter die schöne Visualisierung: Menschen, die nicht an Sackgassenschilder glauben.

Nach Bloggen mit Milchkaffee machte ich mich in der Küche zu schaffen: Abends sollte es Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat geben, dafür bin ganz fest ich zuständig, ich setzte die Kartoffeln aus Ernteanteil auf. Nach einem besonders schlechten Kartoffeljahr 2024 war das vergangene ein besonders gutes Kartoffeljahr gewesen mit deutlicher Überproduktion und abgestürzten Marktpreisen für Kartoffeln. Ein Anbauer in Sachsen verschenkt jetzt einfach 4000 Tonnen, bei uns im Kartoffelkombinat als Anbaugenossenschaft bedeutet die überreiche Ernte, dass halt mehr Kartoffeln im Ernteanteil landen.

Draußen strahlte die Sonne auf frisch Beschneites, da wollte ich hin.

Ich spazierte zur Theresienwiese und von dort rüber zum Westpark. Jede schräge Fläche wurde zum Schlittenfahren genutzt, es war mords was los.

Hochbetrieb im Gans am Wasser.

Hier war eben eine Frau auf Plastikwannenschlitten runtergesaust – mit Schwung über den Gehweg und über den zugefrorenen Teich, ein Riesenspaß. Im Landlebenblog und bei Croco gibt’s mehr Schlittengeschichten.

Stellte sich heraus: Mit Erkältung spaziert es sich gar nicht so schnell und so weit wie ohne. Eigentlich waren die Verhältnisse so, wie sie mich zu freudigsten Märschen verlocken: Schnee, Farben, Sonne, windstill, nicht zu kalt. Und ich war ohnehin schon vernünftig in langsamerem Tempo unterwegs als sonst. Doch schon nach nicht mal einer Stunde fühlte ich mich schwach und traurig, dann fröstelte mich auch noch. Ich begann mit mir zu verhandeln, bis wohin ich mich motivieren würde, fing mich aber dann doch: Mein Körper war einfach mit anderem beschäftigt als Bewegungsfreude, er wollte nicht mehr und ich sollte ihn heimbringen. Außerdem zog der Himmel eh gerade zügig zu.

Heimfahrt also mit der U-Bahn ab Westpark – mit hochgezogenem Schal, denn ich hatte keine Maske dabei.

Daheim um eins zum Frühstück: Kartoffelsalat (er schmeckte mir beim Abschmecken so gut, dass ich gleich ein Schälchen abzweigte), restlicher Waldorfsalat vom Vorabend, Zwetschgendatschi (trotz Hefeteig auch am nächsten Tag noch gut).

Nachmittags lenkte ich mich mit Lesen von meiner Erkältung ab: SZ-Magazin, Michael Eckerts Biografie Joseph von Baader zu Ende (mir war nicht klar, mit wie viel persönlichem Gezänk der technische Fortschritt in Bayern um die Jahrhundertwende 18./19. verbunden war, heutiges Manager-Gehackel Dreck dagegen). Kurze Bügelrunde – aber lang genug, dass ich mir durch einen Fehlgriff eine Brandblase am linken Mittelfinger holte.

Vor dem Abendessen eine Runde Yoga, die belastete meinen Körper gar nicht.

Auch die Fleischpflanzerl gelangen mir besonders gut, köstliches Abendessen. Nachtisch Zwetschgendatschi und Schokolade.

Wohnungräumen für den ersehnten Putzmanneinsatz nach vier Wochen.

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Kathrin Passig schreibt über
“Lebst du noch?”

Mir fällt auf, dass ich mir selten Sorgen um Herrn Kaltmamsell mache, wenn ich nichts von ihm höre – also wenn er oder ich mit Ankündigung woanders sind. Nur überraschende Abwesenheit löst Unruhe aus, eine verpasste Verabredung wäre Anlass für Alarm. Allerdings gibt es ja auch kein Tier zu versorgen.

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Politikwissenschaftlerin Antja Schrupp macht sich Gedanken:
“Wie durchgeknallt ist Donald Trump?”

Ich glaube, wenn Linke und Liberale über die Trump-Administration lachen, dann reden sie sich die Sache schön. Slogans wie „Make America think again“ oder Darstellungen von Trump als Clown oder Psycho suggerieren, dass das alles nicht ernstgemeint sein kann. Man ruht sich gewissermaßen darauf aus, objektiv rechtzuhaben und hofft, dass das Gute und Wahre sich schlussendlich schon durchsetzen wird. Die Wissenschaft hat schließlich festgestellt, dass Fleischessen schädlich ist, der menschengemachte Klimawandel real, und die binäre Geschlechterlogik sozial konstruiert.

Aber Politik funktioniert so nicht. Wie wir die Welt sehen, was wir für wahr und was für falsch halten, ist nicht in erster Linie ein Ergebnis vernünftigen Nachdenkens, rationalen Argumentierens, wobei am Ende gewinnt, wer objektiv recht hat. Sondern Politik funktioniert über Emotionen, über Narrative, über kollektive Dynamiken. Was wissenschaftlich betrachtet „wahr“ ist, ist ebenso zweitrangig wie das, was sich „gehört“. Man kann das alles über den Haufen werfen – und Donald Trump und seine Regierung haben das gemacht: Sie sind der reale Beweis dafür, dass Wahrheiten sozial hervorgebracht werden. Wissenschaftliche Evidenz? They don’t give a shit.

Für die MAGA-Base sind Dinge wahr, die wir für objektiv falsch halten, und das ist alles, was zählt. Dass wir nach wissenschaftlichen Maßstäben „recht haben“, spielt für den politischen Ausgang der Geschichte schlichtweg keine Rolle. (Für den faktischen schon, denn die Klimakatastrophe wird reale Folgen haben usw. aber das sind andere Zeitdimensionen. Bei Politik geht es um Monate und Jahre, nicht Jahrzehnte und Jahrhunderte, und wie wir im Rückgriff auf Corona sehen, kann dann die Realität auch rückwirkend durch politische Narrative geprägt und verzerrt werden, aber das nur als Einschub).

Journal Samstag, 10. Januar 2026 – Erkältungsüberfall

Sonntag, 11. Januar 2026

Recht guter Schlaf – nachdem ich bald nach Lichtaus das Fenster geschlossen hatte: Brüllerei im Park hielt mich trotz Ohrstöpseln wach, das wird wohl nur durch deutlichere Minusgarde verhindert.

Als Allererstes morgens Hefeteig für Zwetschgendatschi geknetet: Die dafür abgemessene Portion Zwetschgen von elterlichem Baum hatte Herr Kaltmamsell vergangenen September eingefroren, seine Kühl-Gefrierschrankreinigung am Freitag hatte sie in Erinnerung gebracht, die sollte nun wirklich weg.

Ich belegte den Hefeteig mit den gefrorenen Früchten, sie suppten beim Backen sehr – also goss ich die Suppe nach dem Backen in eine Tasse.

Es tagte düster und windig, aber weiterhin mit Plusgraden: Das sollte für eine rutsch-arme Laufrunde reichen, ich steuerte eine Route an der Innenstadt-Isar entlang an und trabte ab Haustür über Alten Südfriedhof zur Wittelsbacherbrücke, um von dort nach Norden zu laufen.

Ich nehme vorweg: Des war nix. Zwar kam ich so auf weitgehend eisfreie Wege, doch zum einen war es sehr düster und regnete immer wieder ein wenig (manchmal als Schnee getarnt) -> blind getropfte Brille plus tränenblinde Augen, zum anderen gab es genug eisige Abschnitte, um das Laufen angespannt zu machen. Nach einer guten Stunde, ich hatte am Föhringer Wehr umgedreht, war ich kurz davor abzubrechen, die fast konstante Anspannung verhinderte ja auch gutes Atmen. Ein längeres eisfreies Stück machte aber genug Spaß, dass ich meine Runde beendete. Und jetzt war ich gespannt auf den Sonder-Muskelkater, den ich durch diese Art Joggen davontragen müsste.

Aussicht von der Wittelsbacherbrücke: Komplett eisiger Weg, den wollte ich nicht.

Daneben auf dem Hochwasserdamm: Viel besser.

Wappen am Müller’schen Volksbad.

Kabelsteg und St. Lukas.

Bester Abschnitt.

An der Reichenbachbrücke bog ich ab in die Fraunhoferstraße und ließ mich eine Station mit der U-Bahn heimfahren.

Auffallender Lauf-Styling-Trend: Sturmhaube – obwohl es so kalt wirklich nicht war (Sturmhaube übrigens auch Aufhänger von Kurt Kisters aktuellem SZ-Newsletter).

Es ist sehr unüblich, dass ich von einer Laufrunde mit vergnaztem Grundgefühl heimkomme. Mein Frühstück kurz vor zwei bog das gerade: Nach einer gelben Kiwi gab es reichlich frischen Zwetschgendatschi mit Schlagsahne, ganz hervorragend.

Doch dann überfielen mich unverkennbar Erkältungssymptome: laufende Nase, Ganzkörper-Niesen. Die auch die Unfitheit beim Laufen bis hin zu sehr ungewöhnlichen Abbruch-Gedanken erklärten. Ganz kurz hatte ich die Hoffnung, dass mein Körper auch diese Viren-Attacke niederkämpfen würde wie die vorherigen Male, doch da saß ich bereits ein wenig verdutzt in einem kleinen Berg vollgerotzter Taschentücher, spürte das gesamte Atemwegsystem zuziehen und fühlte bombensicher, dass es das vorläufig mit Sport gewesen war. Nun, nach anderthalb Jahren ohne richtige Erkältung war das schon ok, wenn auch nicht schön.

Nachmittag mit Zeitunglesen. Wegen Tauwetter hatte ich ab morgens das Wasserschälchen auf dem Balkonsims für die Vögelchen aufgefüllt – und stellte offensichtlichen Badebedarf fest: Bis Sonnenuntergang musste ich es fünfmal nachfüllen. (Keine größere Schale, um die Tauben nicht anzulocken; persönlich habe ich nichts gegen sie, aber die Hausverwaltung untersagt jede Art von Duldung.) Als allerdings auch bei Dunkelheit das Schüsselchen kurz nach Nachfüllen leer war, endeckte ich: Keine Vogelbadeorgien, das Schüsselchen war zerbrochen, der Untersetzer hatte ebenfalls einen Sprung.

Was kein Sport war und auch gestern Abend ging: Yoga. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell einen Teil des Ernteanteil-Lauchs als Füllung gebratener Brote, aus einem Teil des riesigen Ernteanteil-Sellerie hatte er dazu Waldorfsalat zubereitet.

Gutes Abendessen, Nachtisch Schokolade.

Als Abendunterhaltung sahen wir die Folge 2 von Twin Peaks, jetzt glaube ich ein Gefühl für das Werk zu haben.

Wenig nach neun fühlte ich mich mit der nächsten Zündstufe Halsweh wirklich krank und ging früh schlafen.

§

Ganzseitiges Interview von Alex Rühle in der SZ mit Gerhard Polt anlässlich seines allerletzten Auftritts an den Münchner Kammerspielen – in dem er unter anderem erzählt, wie er überhaupt auf die Bühne gekommen ist (€):
“Ich war nie sonderlich ambitioniert, das ist alles eher so geschehen”.