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Journal Dienstag, 4. August 2026 – Brighton 4: London-Ausflug mit British Rumpelkammer und St. John Bread and Wine

Mittwoch, 5. August 2026

Gestern war ein London-Ausflug geplant, verankert in der abendlichen Reservierung eines Tischs im St. John Bread and Wine (wir waren wenig abenteuerlustig, hatten in den vergangenen Jahren zweimal sehr gut dort gegessen und dabei etwas gelernt – warum nicht das sichere Vergnügen wählen?). Als Ziel des vorherigen Museumsbesuchs entschieden wir uns 20 Jahre nach meinem ersten und bislang einzigen Besuch dort fürs British Museum (dem ich mich nahe fühlte, weil ich über deren instagram-Kanal immer wieder Aktuelles oder Hintergründe mitbekomme).

Schon um neun schloss ich in der Ferienwohnung beim Bloggen das Fenster gegen Hitze. Und das, wo in Brighton 24 Grad Höchsttemperatur angekündigt waren, im Gegensatz zu den 28 Grad in London. An sich hatte ich ein bestimmtes Kleid für den Ausflug und vor allem den Restaurantbesuch eingeplant, doch in dem wäre es mir zu warm geworden. Also schlüpfte ich in Rock und Trägerhemd.

Der Bahnhof von Brighton mit seiner schönen Eisenkonstruktion.

Im Zug nach London fror ich dann aber: Er war extrem runtergekühlt. Das sollte das Muster des Tages werden: sehr große Temperaturunterschiede. In London war die Außenluft ok, solange wir im Schatten blieben. Die Luft in den Ausstellungsräumen des British Museums war fast unerträglich heiß und stickig (die Website wies sogar darauf hin, dass manche Räume wegen Hitze geschlossen sein könnten), ebenso zu meiner Überraschung die in der Londoner U-Bahn, sowohl in den Gängen als auch in den Fahrzeugen.1 Großes Frieren dann wieder nachts auf dem Bahnsteig London Bridge und im Zug zurück nach Brighton. Mal sehen, ob es stimmt, dass “Erkältung” eigentlich eine irreführende Bezeichnung ist.

Englische Landschaft vorm Zugfenster.

Nach einem Mittagscappuccino am Bahnhof Spaziergang die Themse entlang, dann abgebogen durch das Viertel City of Westminster zum British Museum, dort durch Absperrbänder und Partyzelte geregelte Menschenmassen (Herr Kaltmamsell hatte uns einen – kostenlosen – Eintritts-Slot gebucht, doch das wäre offensichtlich nicht nötig gewesen).

Der weiterhin berückend schöne Innenhof.
Ich frühstückte zur Hungerberuhigung eine Handvoll Walnüsse (Rest vom Vorabendessen).

Wir hatten uns vorher überlegt, welches Thema uns diesmal interessierte. Die Gassenhauer aus Ägypten und Griechenland (inklusive ihrem zweifelhaften Weg hierher) kannten wir bereits, gestern entschieden wir uns für europäische Geschichte: Sutton Hoo and Europe, 300 vor der Zeitrechnung bis Gegenwart.

In den vergangenen 20 Jahren hatte sich das Museum konzeptuell nicht wirklich weiterentwickelt: Eher British Rumpelkammer, bei der ich mich fragte, was mir hier eigentlich erzählt wurde. Diese Räume waren nach geschichtlichen Zeiträumen sortiert, die Vitrinen darin allerdings weniger nach einem roten Faden oder einer Erzählung, sondern nach dem, welche Sammlungen das Museum halt hat. Die ständige Ausstellung heißt ja ehrlicherweise “Collection” – die sie irgendwie zeigen.

Inklusive mittendrin zeitgenössische künstlerische Reflexion eines historischen Vorfalls (die Exponate links und rechts) – nicht etwa als durchgehendes Thema, sondern nur einmal. Ich nehme an, am meisten profitiert man von einem Besuch bei einer thematischen Fachführung, denn für die Forschung ist die Sammlung des British Museums natürlich großartig.

Noch viel weniger zeitgemäß als das Ausstellungskonzept: Das komplette Fehlen kritischer Reflexion von Provenienz. In den britischen Medien sehe ich durchaus regelmäßiges Kritisches und Hinterfragen, im Museum selbst – nix. Die Exponate wurden halt “erworben”, “gesammelt”, ins Museum “gebracht”. Das überraschte mich. Ein Beispiel:

Zum einen: “Chief Wiah sold the pole” – ähnlich wie bei manchen Exponaten im Münchner Museum Fünf Kontintente frage ich mich, ob er überhaupt dazu befugt war und ob es das Konzept “Verkaufen” in seiner Kultur überhaupt gab. Zum anderen: “after the local community was devastated by epidemics of intruduced diseases” ist schon eine arg lapidare Umschreibung der kolonialen Auslöschung.

Das wichtigste Exponat in jedem Raum war ohnehin dieses:

Riesige, laute Ventilatoren in verschiedenen Ausfertigungen in jedem Raum.

Nach den geplanten zwei Stunden waren wir reichlich durch und fertig.

Bis zu unserer Abendessen-Reservierung hatten wir Zeit, in der wir in Neals’s Yard Dairy beim Borough Market Käse kauften, hin brachte uns eine U-Bahn (großartiges Bezahlsystem: wir hielten unsere Kreditkarten einfach beim Eingang und Ausgang vor den Sensor).

Wow, das war eine gap, die man wirklich minden musste.

Im Käseladen beriet uns kurz vor Ladenschluss um fünf ein ebenfalls bereits völlig erledigter Herr (der sich aber sehr zusammennahm), wir kamen mit reichlich Abendessen für Mittwoch raus. Recht schnell und überraschend hatte der Himmel zugezogen, während unseres Einkaufs und der Besichtigung der schließenden Stände in Borough Market regnete es sogar ein bisschen. Dann suchte uns Herr Kaltmamsell, der gestern die komplette Reiseleitung übernommen hatte, ein schattiges Plätzchen im Hof einer Kirchenruine (St. Dunstan) für Ausruhen und Lesen.

Immer wieder schön in London: Das Nebeneinander von uralt und ganz neu.

Und dann verbrachten wir einen sehr schönen Abend im St. John Bread and Wine, berühmt (wie das Haupthaus) für seine Innereienküche, dieses aber mit dem Konzept sharing plates.

Herzlicher Empfang, schöner Raum (den ich später bei voller Besetzung zum ersten Mal als sehr laut empfand), superinteressantes Angebot (PDF). Aus der rein französischen Weinkarte entschied ich mich für einen Sauvignon Blanc aus dem Burgund: Saint-Bris Les Malandes, der mit seiner Kraft und Säure gut passte.

Unsere vier geteilten Vorspeisen:

Von links oben im Uhrzeigersinn: Ochsenzungen-Krokette mit Brown Sauce / kalte Taubenbrust mit Radieschen, Brunnenkresse und Quitte / gegrilltes Ochsenherz mit jungen Roten Beten samt Blättern und Meerrettich (mein Favorit des Abends) / der Klassiker Deviled Kidneys on Toast, also gepfefferte Lammnierchen. Diesmal war ich so schlau gewesen, die Brotscheibe zur Begrüßung aufzuheben und nicht gleich zu essen: Ich wusste, dass es kein weiteres Brot geben würde, jetzt hatte ich etwas zum Sößchen-Auftunken.

Als Hauptgang teilten wir uns den den Rabbit, Smoked Bacon and Trotter Pie, also den Pie mit Kaninchen-Räucherspeck-Schweinefuß-Füllung: Die Pastry besonders super, die Füllung ganz hervorragend (Schweinefuß wohl nur zum Eindicken verwendet, weder kau- noch schmeckbar).

Nachtisch ging unbedingt auch:

Gegenüber Himbeer-Buttermilch-Pudding, bei mir ein Eton Mess mit Nektarinen und Lemon Curd – sowie erfrischenderweise Frischkäse unter die Sahne gemischt.

Rückweg zum Bahnhof London Bridge über Abendsonne-vergoldete Ansichten.

Die Züge nach Brighton fahren von hier so oft, dass wir gar keinen bestimmten angesteuert hatten, sondern einfach den nächsten nahmen.

Im Bett noch vor elf Uhr.

  1. Nachtrag: Hier die Erklärung für die hohen, sogar immer weiter steigenden Temperaturen in der Londoner U-Bahn. []

Journal Montag, 3. August 2026 – Brighton 3 mit Hitze, in der man eigentlich nicht joggen sollte

Dienstag, 4. August 2026

Gestern gelernt: Ich hätte erst auf meine Laufrunde rausgehen sollen und danach bloggen. Andersrum war es bei Verlassen des Hauses um 10:30 Uhr eigentlich viel zu heiß für Cardio-Sport. Die Temperatur in der Ferienwohnung hatte sich so angenehm kühl angefühlt, dass ich das nicht ahnte, und die 25 Grad, die meine App als Lufttemperatur draußen anzeigte, sahen auch nicht abschreckend aus. Doch tatsächlich prügelte die Sonne die ganze Strecke am Meer entlang schattenlos auf mich ein.

Obwohl sich kein Blatt an Bäumen oder Blumen bewegte, kühlte zunächst ein Wind, und ich nahm bereits an, dass das dieser Überall-Gegenwind war, den ich bei unbewegten Blättern vom Radlfahren kenne. Als ich nach 45 Minuten hinter Ovingdean umdrehte, stellte ich aber fest: Nein, in die Gegenrichtung spürte ich überhaupt keinen Wind, die Sonne prügelte noch erbarmungsloser. Zwar sagte ich mir vor, dass ich ja auch schlendern könnte statt zu traben, aber wie so oft probierte ich aus, ob es ging. Und es ging halt.

Reflektierende Sonnenschirme im Knirps-Format verbreiten sich sichtlich.

Hurra! Die (auch durch Crowdfunding finanzierte) Restaurierung der historischen Madeira Terrace hat begonnen.

Ich freute mich schon auch über diese lieb gewonnenen Anblicke, war aber durch die Hitze ziemlich abgelenkt.

Trink-Stopp in Ovingdean – ohne Trinken, denn das Wasser kam HEISS aus den Hähnen (dass “no drinking water” drüber stand, hatte mich noch nie gestört). Ich machte meine Kappe nass und hoffte auf Verdunstungskälte (die ich dann nicht spürte).

Ich WUSSTE es SCHON IMMER!

Die einzigen Paar Meter Schatten auf der Strecke – wirklich.

Das Stück hoch die Straßen entlang zurück zur Ferienwohnung ging ich dann aber sehr langsam und konsequent im Schatten. Weiteres Handicap: Ich habe meine Sonnenbrille daheim vergessen (vielleicht nehme ich das Packen mittlerweile auf die zu leichte Schulter und sollte wieder konsequent mit Listen arbeiten, siehe vergessene Zahnbürsten-Ladestation und ein bislang unerwähntes vergessenes Oberteil), nur der Schirm meiner Kappe hielt das gleißende Licht ein wenig von meinen Augen ab.

In der Wohnung brauchte ich eine ganze Weile und einen Liter Wasser, bis ich wieder zu Kräften kam.

Die Unten-Nachbarin hatte sich mit einem Brieflein für die Pralinen bedankt – sie schien sich wirklich gefreut zu haben, wie schön.

Plan für gestern war lediglich, durch Brighton zu streifen, Schwerpunkt North Laine mit seinen Gässchen voller kleiner Geschäfte.

Auch wenn man dem englischen Rasen diesen nicht mehr ansieht: Hier vorm Royal Pavillon wird gelounget.

Erstmal gingen wir aber nach Kemptown, um in einem italienischen Café zu frühstücken.

Um halb zwei gab es Cappuccino und Focaccia sowie ein Törtchen für mich, das nach Tahini schmeckte (aus der Backstube hörte ich auch Arabisch, nicht Italienisch – völlig ok, “authentisch” hat viele Schattierungen).

In North Laine deckten wir uns wie seit Jahrzenten mit frei mischbaren Süßigkeiten ein und sichteten weitere Läden. Das Wetter war seltsam: Mal wehte ein richtig kühlender Wind, dann erschlug einen wieder die Sonne mit Hitze.

Nach Ausruhen und Nachtrinken in der Ferienwohnung eine weitere Einkaufsrunde fürs Abendessen.

Dieses Gericht, Borani Esfenaj – persischer Spinatjoghurt mit Walnüssen, wollte ich machen/essen, seit ich es las. Aber daheim kam mir wochenlang der Ernteanteil dazwischen, der erstmal wegmusste. Also halt in der Ferienwohnung und im Urlaub. Dafür schüttete ich daheim die Gewürze in einem Gläschen zusammen und nahm die kleine Zitronenreibe mit, die restlichen Zutaten kauften wir vor Ort, weil eh beim Kochen aufgebraucht.

Schmeckte tatsächlich ganz ausgezeichnet, dazu Toast. Nachtisch: Aprikosen, gemischte Süßigkeiten.

§

Was man mit den Hinterhöfen unser Ferienwohnungs-Hauszeile machen kann:

Einen zusätzlichen Aufenthaltsraum.

Das ist der Hinterhof unserer Ferienwohnung (und den Rechner tauschte ich am Sonntag bald gegen mein Papierbuch: Das WLAN reichte nicht so weit).

Oder nebenan halt eine Rumpelkammer. Selbst ich beginne bei diesem Anblick Ideen zu spinnen.

§

Klar stolpere ich immer, wenn mein Geburtsort Ingolstadt in großen Medien auftaucht. Doch diese Reportage ist auch sonst interessant:
“Das ewige Z
Sie heißen Fröhlich, Landsberger, Höllenreiner – und sind von Auschwitz geprägt. Ein Besuch bei Sinti in Ingolstadt, die sich nicht mehr verstecken wollen.”

Wie so oft: Ich hatte ja keine Ahnung.

§

In der Leimutterschaftsdebatte habe ich keine klare Meinung, weil wenige Gefühle (geradezu entspannend, da ich ja auch nicht zuständig für irgendwelche Regelungen bin), hätte allerdings gerne gehabt, dass Kinderhabenwollen/Kinderkriegen und Jens-Spahn-loskriegen als voneinander getrennten Angelegenheiten diskutiert worden wären. Doch ich wusste, dass die kluge Antje Schrupp eine lesenswerte und fundierte Perspektive haben würde – weil sie zu der akuten Zeit gerade im Urlaub war, gibt’s die erst jetzt:
“Leihmutterschaft Bullshit Bingo”.
Genau zwischen diesen beiden Werten, also weibliche Selbstbestimmung und Vermarktung von Reproduktionsfähigkeit, schwankt meine Haltung ebenfalls.

Journal Sonntag, 2. August 2026 – Brighton 2 mit Sunday Roast

Montag, 3. August 2026

Nun habe ich doch eine Idee für digitalen Urlaubs-Detox: Schrittzähler ignorieren. Ich habe beschlossen, erst bei Heimkehr wieder auf den Schritt-/Kilometer-/Treppenstufenzähler meines Handys zu gucken. Ich bewege mich gern, auch im Urlaub, will aber mal ausprobieren, wie ich lebe, wenn ich die Zahlen dazu nicht kenne. Werden ja weiter getrackt, kann ich mir im Nachhinein ansehen und analysieren.

Gut und lang geschlafen, erfrischt aufgewacht zu einem sonnigen, frischen Sommermorgen.

Fester Programmpunkt war lediglich unsere Reservierung für Sunday Roast. Ich finde diese Einrichtung, dass Wirtshäuser Sonntagsbraten anbieten, immer noch nachahmenswert, und sei es als Anlass für Familien- und Freundeskreistreffen. Vorher war noch reichlich Zeit für einen Spaziergang nach Hove – und dringende Einkäufe: Zum einen hatten wir entdeckt, dass die Drittelrolle Klopapier die einzige in der Ferienwohnung war, zum anderen hatte ich entgegen meiner festen Überzeugung das Ladegerät für meine elektrische Zahnbürste nicht eingesteckt und brauchte eine Zahnbürste.

Eindrücke vom Spaziergang.

Clocktower mal wieder kaputt (es war erst halb elf).

Neue Kunst hinterm Churchill Square.

Die Dürre sichtbar auch außerhalb der großen Hitzewellen, die England dieses Jahr geplagt haben.

Die Uferpromenade wird auf Höhe Hove gerade restauriert: Viele Schilder mit Informationen, sogar ein Häuschen, in dem (manchmal wohl) jemand auch persönlich Fragen zum Projekt beantwortet.

Die Ruine des West Pier steht immer noch.

Die Drogeriemarktkette Boots führt kein Klopapier (ich hatte nach einigem Suchen zu zweit das Personal gefragt), also abschließendes Einkehren in einem kleinen Supermarkt. Mit einem inneren Verzweiflungs-Aufschrei:

Selbstzahlkassen mag ich, habe aber eine immer dringendere Bitte:
STANDARDS!
In jeder Supermarktkette ist ein anderer Prozess vorgeschrieben: Mal ablegen links, einpacken rechts, mal umgekehrt. Und Verwechslungen blockieren das Weiterkommen. In diesem Sainsbury’s war die “packing area”, in die ich meinen Einkauf legen sollte, bevor ich zahlen durfte, direkt unterm Bildschirm/Scanner (ein Angestellter musste mir helfen).
Das geht so nicht.

Die mitgebrachten Dallmayr-Pralinen hatten wir mit Karte und freundlicher Erklärung vor die Tür der Unter-Bewohnerin gelegt, bei unserer Rückkehr war die Gabe weg – und erfüllt hoffentlich ihren besänftigenden Zweck.

Jetzt spazierten wir in weiterhin herrlichem Wetter zum Pub Haus on the hill, in dem wir vor drei Jahren sehr guten Sunday Roast bekommen hatten.

Wieder mal der Versuch, die starke Hügeligkeit von Brighton einzufangen.

Wunderschöner Türklopfer.

Im Haus on the hill freute ich mich sehr über mein Pint Stout (Herr Kaltmamsell hatte Porter).

Wir übten weiter Selfies.

Sunday Roast war gut, aber nicht so liebevoll und gut wie vor drei Jahren: Wirklich frisch zubereitet war nur der Yorkshire Pudding (das UFO oben auf), und mein Lamm war so verkocht, dass es keine Form mehr hatte. Schmeckte aber.

Rückweg über Umwege nach Kemptown und in Pride-Feiern; die 26 Grad reichten, um es in der Sonne unangenehm heiß werden zu lassen.

Basque cheesecake has jumped the shark (dann wieder: wenn er eh eine Markting-Erfindung ist, dann ist die Matcha-Variante nur eine logische Konsequenz).

Royal Pavillion.

Was ich in all dem Pride-Glitzern vermisste: Federboas. Und doch zeigte debris der Parade vom Samstag, dass es welche gegeben haben muss.

Nachmittag mit Lesen in der Ferienwohnung, auch draußen im Hinterhof.

Herr Kaltmamsell erfüllte seinen Auftrag, mich zum Fernsehen zu bringen.
Der hiesige Lokalsender drehte sich um Pride Weekend, Schwerpunkt waren trans Menschen, die in Brighton leben – und den Ort als Insel der Seligen beschrieben. Eigentlich bitter, aber nehmen wir die Schilderungen halt als utopischen Vorgriff, in dem so gelebt wird, wie es eigentlich sein sollte. Allerdings hatte ich schon vergessen, dass es vergangenes Jahr in Großbritannien massive Rückschläge in der Gleichstellung von trans Menschen gegeben hat.

Unter anderem wurden ein Laden und ein Label für Genderfree Clothing vorgestellt – was mir sofort einleuchtete: Hier wird sich auf Körperformen konzentriert, an denen Kleidung sitzen soll, nicht auf Vorstellungen, was welches Gender tragen sollte.

Abendessen gab es auch, allerdings eher übersichtlich, weil das Mittagessen noch gut vorhielt: Rote Paprika, Tomaten, scharf eingelegte Rote Bete aus dem Kühlregal (gute Idee), dazu gebutterter Toast. Und zum Nachtisch 1 Sticky Toffee Pudding (Mikrowelle), Nachtisch 2 Apple Pie, nur noch wenig Schokolade.

Wir guckten weiter Fernsehen und blieben an einer Antiquitäten-Show hängen, die wie Kunst und Krempel im Bayerischen Rundfunk funktionierte, nur als Speed-Version in einem schottischen Schlossgarten, in dem Anwohnende mit ihren Schätzen Schlange standen, die dann von Expert*innen begutachtet wurden: Herrlicher Schmuck, vorrecherchierte Waffen – alles halt mit der örtlichen Geschichte als Hintergrund, unter anderem ein paar Jahrhunderten Kolonialgeschichte (die in UK immer noch kein wirklich schlechtes Gewissen auszulösen scheint).

§

Nils Minkmar erlebt seinen Sommerurlaub in den französischen Waldbränden und schreibt darüber:
“Meine Ferien im Megafeuer”.

Der Himmel färbte sich orange, im Garten fiel eine Taube tot vom Baum und auf die Tischen draußen rieselten Asche und Ruß. Wir packten die Notfallrucksäcke. Viele machten sich schon auf den Weg. Ich besuchte die 92jährige Mutter eines Freundes, die um die Ecke wohnt und schlug vor, sie mitzunehmen. Sie saß kerzengerade und perfekt zurechtgemacht in ihrem Sessel, eine elegante, breite Handtasche mit ihren Papieren und Medikamenten zu ihren Füßen. Sie war gut im Bilde und lächelte: “Eben gab es so einen Moment der Panik. Die Nachbarin wollte mich schon mitnehmen. Aber jetzt –“ Sie warf einen Blick zum Himmel ”ist dieser Moment auch schon wieder vorbei.” Schlimmer war es jedenfalls nicht geworden, im Gegenteil. Es klarte auf. Der Wind hatte sich neue Opfer gesucht. Sie blieb, wir blieben.

Ein Nachbar erklärte die Krisenlogik: Erst dann evakuieren, wenn die Präfektin Sophie Brocas dazu auffordert, das tut sie per Direktsignal FR-Alert an alle Mobiltelefone. Man braucht keine App. Die Präfektin findet dich. Solange sie dich aber nicht evakuiert, bleibst du, wo du bist und verstopfst nicht die Landstraße.

Das Vertrauen in die Institutionen war intakt und die Kommandokette so unverbrüchlich wie zu Zeiten des Kaisers Augustus im römischen Imperium.

Journal Samstag, 1. August 2026 – Anreise nach Brighton in Selfies

Sonntag, 2. August 2026

Gestern fuhren wir nach Brighton, ohne Probleme. Irgendwann unterwegs wies Herr Kaltmamsell bewundern auf meine Souveränität und Gelassenheit hin: Das war einfach, denn alle Aufregung, alles Kopfzerbrechen und mich Anstellen hatte ich schon im September des Vorjahrs durchgespielt, als ich die Bahnreise München-London zum ersten Mal machte. Und jetzt kannte ich mich ja aus und wusste Bescheid.

Für uns ganz konkret ist Zug für eine Reise nach Brighton tatsächlich die bequemere Variante:
– Fußweg Wohnung-Zug 15 Minuten,
– nach Paris einmal umsteigen (gestern mit Anschluss am selben Gleis in Vaihingen)
– in Paris zweites Mal umsteigen mit 5 Fußminuten vom Ankunftsbahnhof Paris Est nach Gare du nord
– von London St. Pancras, drittes Mal umsteigen, direkt nach Brighton.

Das wäre mit Flugzeug umständlicher:
– Lange Anfahrt zum Flughafen München Erding mit erstem Mal Umsteigen unterwegs, Ankunft mindestens zwei Stunden vor Abflug,
– zweites Mal Umsteigen ins Flugzeug.
– Direktflüge nach London Gatwick gibt es der derzeit nicht (von dort gäbe es direkte Zugverbindungen nach Brighton), also drittes Mal umsteigen nach London rein,
– viertes Mal Umsteigen zum passenden Bahnhof,
– fünftes Mal Umsteigen in den Zug nach Brighton.
(Alternativ mit doppelter Fahrtzeit: Drittes Mal Umsteigen am Flughafen London in einen National-Express-Bus nach Brighton.)
Wobei unterwegs auch noch Gepäck verloren gehen kann, das man bei der Zugreise durchgehend bei sich trägt.

Zurück zur tatsächlichen Reise gestern: Ich nahm bei jedem Abschnitt Selfies von Herrn Kaltmamsell und mir auf:

Pünktliche Abfahrt 4:20 Uhr von München (nach einem Gewitter am Vorabend hatte es angenehm abgekühlt, wir machten die Wohnung dennoch hitzefest mit geschlossenen Fenstern und herabgelassenen Rollläden bis zum Eintreffen meiner Mutter).

Umstieg mit vielen anderen Reisenden in Vaihingen – wo NIX ist: In der knappen halben Stunde Wartezeit sah ich mich gründlich um, entdeckte sogar einen angeschlossenen Kiosk mit Kaffeeverkauf, doch der öffenete erst um sieben.

Bahnfahren kann so cool sein. Im Zugrestaurant holte ich uns ersten Cappuccino.

In Paris trafen wir pünktlich ein und hatten gut zwei Stunden Aufenthalt bis zur Weiterfahrt mit dem Eurostar unterm Kanal durch. Diese nutzten wir für die umständliche, aber flüssige Eincheck-Prozedur (Ticket-Check, Pass-Kontrolle Ausreise, Pass- und Visa-Kontrolle Einreise, Gepäck-Kontrolle) und für Frühstück kurz vor elf:

Herr Kaltmamsell erjagte Milchkaffee, Schinken-Käse Baguette.

Jetzt die erste Verspätung: Der Eurostar verließ Paris 20 Minuten nach geplanter Abfahrtszeit. Diese Eurostar-Fahrt bescherte mir das erste Sprachbad Londonerisch: Dropped Heitsches und Glottal Stops all over the place.

Auf unserer gesamten Fahrt sahen wir nur bereits abgeerntete Getreidefelder.

In London St. Pancras international warteten wir nur wenige Minuten auf den Anschluss nach Brighton.


Sehr voller Zug, weil viele zum Unterwegs-Halt London Gatwick unterwegs waren, andere zum Pride-Wochenende in Brighton.

Am Weg ein bisschen London.

In Brighton wenige Minuten Fußweg zur bereits bekannten Ferienwohnung, Ankunft kurz vor vier. Ich hatte bereits vergessen, wie dominant in der hiesigen Sound-Kulisse das Möwen-Geschrei ist.

Während ich aus München Tipps las, wie man die fortdauernde Hitze um die 30 Grad mit möglichst wenig Leid übersteht, hatte es in Brighton die angenehmen 24 Grad, bei denen man gerne alle Fenster aufließ.

Begrüßung im sonnigen Hinterhof der Wohnung.

Nach Auspacken und Check der Bestände gingen wir auf Einkäufe zum großen Supermarkt Waitrose – mit gewollten Umwegen durch viel glitzerndes Party-Volk.

Schwäbischer Kolonialismus.

Die ganz gründliche Besichtigung des Supermarkt-Angebots verschoben wir auf einen nächste Besuch, arbeiteten lediglich die Einkaufsliste ab.

Abendessen musste sich Herr Kaltmamsell überlegen und entschied sich für Bratwürste und Black Pudding aus der Pfanne, ich schnitt ein wenig Gemüse dazu.

An sich hatten wir mit edlem heimischen Schaumwein auf den Urlaub anstoßen wollen, doch das Gefrierfach war nicht fest geschlossen gewesen und ließ vor lauter Vereisung keinen Platz für eine Flasche zum Kühlen. Also gab es einen roten Primitivo di Manduria.

Nachtisch kleine Apple Pies und Schokolade. Herr Kaltmamsell klickte sich auf meine Bitte durchs Live-Fernsehprogramm, doch ich wurde früh so sturzmüde, dass ich bald ins Bett ging und nur noch wenig las.

§

Nächste Lektüre: Ein nach Langem Wiederlesen von John Irvings The World According to Garp. Er war der erste Roman, den ich von ihm je las, hatte zuvor die wunderbare Verfilmung mit Glenn Close und Robin Williams gesehen (die ich beide bei dieser Gelegenheit kennenlernte), las ihn auf Deutsch.

Irvings Romane nach A Widow for One Year halte ich für immer schlechter, The Last Chairlift brach ich ab und beschloss, dass es das mit uns war. Aber davor sind viele seiner Werke hervorragendes Handwerk,1 und in meiner Erinnerung war Garp der kunstfertigste davon, in dem viele seiner folgenden gelungenen Romane bereits angelegt waren. Das wollte ich jetzt endlich mal überprüfen.

John Irving schreibt besonders gute erste Sätze, einige kann ich auswendig. Nicht, wie ich jetzt feststellte, den von The World According to Garp:

Garp’s mother, Jenny Fields, was arrested in Boston in 1942 for wounding a man in a movie theater.

Großartig, und er enthält in einem Satz zahlreiche Elemente, die mich Irvings Büchern so lange verfallen ließen. Zu meiner großen Freude überraschte mich das erste Kapitel noch in weiterer Hinsicht. Ich kann mich also an wenig erinnern und freue mich sehr auf die Lektüre.

An John Irving lernte ich auch, dass es für meine Literatur-Rezeption ausgesprochen schädlich sein kann, zu viel über den Autor zu wissen: In einer Film-Doku kam er als eitler und aufgeblasener Menschen rüber. Es brauchte eine Weile, bis ich meine Wahrnehmung seiner Romane davon befreien konnte. (Die zahlreichen Interviews, die ich zuvor mit ihm gelesen hatte, hatten diesen Eindruck nicht erweckt.)

  1. Ich schrieb meine Magisterarbeit über “John Irving in der Erzähltradition von Charles Dickens”. []

Journal Freitag, 31. Juli 2026 – Ende Arbeit vor Urlaub

Samstag, 1. August 2026

Immer noch Juli.

Aber schon deutlich später hell.

Erst unterwegs merkte ich, dass keine Zeitung geliefert worden war (Urlaubspause definitiv erst ab 1. August beantragt). Vor Ärger und Seufzen wollte ich aber checken, ob vielleicht der Urlaubs-Zugriff auf die Online-Ausgabe schon freigeschaltet war – war er!

Vorerst Abschied von der Theresienwiese.

Das Büro erreichte ich heiser vom enormen Schreckensschrei, weil in der Heimeranstraße ein Krankenwagen direkt neben mir losLALÜ!t hatte, in voller Lautstärke (ich weiß inzwischen, dass es verschiedene Stufen gibt). Dabei hatte ich diese Gafahr gebannt geglaubt: Es hatte deutlich hinter mir ein LALÜ gegeben, ich hielt mir die Ohren zu und sah mich nach der Quelle um: Nichts zu sehen, und das LALÜ verstummte. Um halt direkt neben mir erneut loszubrüllen. Ich bin ja eh auf auch noch so entfernte LALÜs geeicht, berechne umgehend die Wahrscheinlichkeit einer Annäherung. Am wenigsten nehme ich übrigens Polizei-Autos die Notwendigkeit ab, um jede Tages- und Nachtzeit ohrenbetäubend über rote Ampeln oder überhaupt Straßenzüge lang dahinlärmen zu müssen.

Mühsames Arbeiten, weil es mein Hirn bereits nach Brighton zog, es Pläne machte (was läuft im Kino? gibt es dieses eine Lokal noch? ist der Undercliff Walk offen?) und nur schwer zu anderen Themen zu überreden war. (Nick Cave übernimmt am heutigen Samstag das Programm des Programmkinos Duke of York. Wohnt ja dort.)

Für Mittagscappuccino raus in die Hitze, die im Schatten noch erträglich war. Das Schicksal drohte mir zweimal mit Haxenbruch:
1. Die Bäckerei, in der ich eine Semmel kaufte, war gerade nass durchgewischt worden. Das merkte ich, als ich ausrutschte und nur knapp nicht stürzte.
2. Umknicken auf Pflastersteinen (kann ich auch mit ganz flachen Schuhen), ich fing mich gerade noch mit sehr un-ballettösen Verrenkungen.

Bei Rückkehr an den Arbeitsplatz ging eine eigentlich unlösbare Aufgabe ein, für deren Bewältigung ich mich bei zahlreichen Menschen lästig machen musste.

Dadurch verspätetes Mittagessen (und kompletter Appetitverlust, aber half ja nichts): Gurke, Kohlrabi (der sich über den Nachmittag immer wieder mit Rülpsluft zurückmeldete), Vollkornsemmel (erfreulich), Pfirsich (besonders erfreulich).

Emsiger Nachmittag mit physischem und digitalem Aufräumen für zwei Wochen Abwesenheit. Als der Feierabend näher kam, wartete ich noch auf eine abschließende Information. Und ertappte mich bei der Idee, dass ich bis dahin ja schonmal meinen Arbeitsrechner einpacken könnte. Ich bin offensichtlich urlaubsreif (oder echt blöd, auch eine Erklärung).

U-Bahn-Fahrt in die Innenstadt für letzte Erledigungen. Die Hitze (Thermometer an zwei Apotheken zeigten 36 Grad an) war nur schwer erträglich, ich bewegte mich schleichend. Auch gestern erreichte ich die heimische Wohnung völlig erledigt, musste mich eine ganze Weile setzen. Dann Koffer aus dem Keller geholt, gepackt. Jetzt war ich sogar so weit wiederhergestellt, dass ich Lust auf Pilates bekam – tat sehr gut.

Letzte Abstimmung mit meiner Mutter zu ihrem Münchenurlaub in unserer Wohnung – hoffentlich hat sie es schön. Abendessen war ein Fenchel-Kohlrabi-Pfannengemüse aus Ernteanteil, wohlschmeckend, Tomate, Gurke. Auf meine Bitte hatte Herr Kaltmamsell auf dem Viktualienmarkt nochmal echte Blaubeeren besorgt: Die gab es wieder mit Sahne, köstlich. Und Schokolade.

Sehr früh ins Bett, weil Wecker auf 3 Uhr.

Journal Mittwoch, 29. Juli 2026 – Goldener Abschied vom Lerchenlauf

Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Juli ist ganz schön lang.

Extrafrüher Wecker nach mittelguter Nacht (eine laute Unterhaltung vor meinem Schlafzimmerfenster weckte mich nicht genug, dass ich zum Fensterschließen aufstand, ließ mich aber auch nicht wieder richtig einschlafen), aufgestanden zu fast noch Nacht: Wahrscheinlich letzte Chance auf einen Lerchenlauf vor der Arbeit für diese Saison. Es war deutlich zu frisch für Balkonkaffee (die Schreie der Gebärenden durch offene Fenster der benachbarten Klinik hörte ich aber), als Laufkleidung wählte ich zur Capri-Hose trotzdem ein Trägershirt.

Beim Kreuzen des Nußbaumparks von Drogis, no rest for the wicked, angebettelt worden (“‘nen Zehner?” – Inflation überall), leider bissig “Seh ich aus, als hätte ich Geld bei mir?” geblafft (statt Ignorieren).

Es wurde ein herrlicher Lauf, unter anderem sah ich zum ersten Mal einen Graureiher mitten in München. Der Körper war praktisch nicht vorhanden (gutes Zeichen), erst nach einer Weile erinnerte ich mich daran, die Füße bewusst zu heben.

Graureiher!

Bei kürzeren Tagen stieg die Sonne erst auf den letzten paar hundert Metern an der Isar über die Baumwipfel der Uferauen.

Alter Südfriedhof.

Für den Körper waren die 80 Minuten wahrscheinlich grad recht, keinerlei Erschöpfung und Schmerzen. Aber mein Gemüt wäre so gerne länger gelaufen.

Die Baustelle am Wohnhaus ist fast beendet. Am Dienstagabend war bis nach 18 Uhr gewerkelt worden, gestern waren die vier Herren deutlich vor acht wieder aktiv.

Arbeitsweg mit zwei Stationen U-Bahn-Fahrt beschleunigt, die Luft unter wolkenlosem Himmel immer noch angenehm. Im Büro gleich losgewirbelt, mich dann von einer lieben temporären Kollegin verabschiedet.

Mittagscappuccino nicht allzu weit entfernt, jetzt stach die Sonne bereits wirklich unangenehm. ABER! Ich hörte nochmal Mauersegler.

Nach einigem weiteren Werkeln gab es zu Mittag Hüttenkäse mit Joghurt, restliche Kirschen (Bauch kurz danach wieder not amused, der soll sich nicht so anstellen).

Wie ich mal meinte: “Oh, wenn derzeit dieser zarten Goldschmuck so in ist,1 kann ich doch das alte Süßwasserperlen-Armkettchen aus Kindertagen wiederbeleben. Merke: “Zart” und ich funktionieren nicht zusammen.2

Nach Feierabend war es unangehm heiß, direkter Weg nach Hause. An den Briefkästen traf ich die Zweitnachmieterin unserer früheren Wohnung im 1. Stock, sie stellte sich vor – eine sehr nette Begegnung. Daheim weitere Urlaubsvorbereitungen: Beine epilieren, Wäsche aufhängen (letzte Ladung Dunkles vor Abreise).

Herr Kaltmamsell kam vom Sommerfest seiner Schule, zusammen spazierten wir zum aushäusigen Abendessen: Es gab asiatische Nudeln bei Honghong Ramen.

Für mich wieder breite Nudeln mit Auberginen und Tomaten (ich kann mich nicht erinnern, dass mir das zuvor schon passiert ist: beim ersten Besuch eines Lokals etwas bestellt, das mir so gut schmeckte, dass ich es jedesmal essen möchte). Davor Gurkensalat, dazu Aloe-Vera-Drink.

Beim Heimkommen war die Baustelle am Haus immer noch aktiv, da wollte jemand unbedingt fertig werden (sie sah auch fast abgeschlossen aus).

Daheim als Dessert Schokolade.

§

Ich freue mich weiter über die Odyssee-Verflmung von Christopher Nolan, weil sie so viele lesenswerte Auswirkungen hat. Auf Bluesky beschließt Emily Wilson: “This is a film about living in LA.”

Auf ihrem Bluesky-Kanal schreibt sie auch über die Gedankengänge hinter ihren Übersetzungen – sofort gefolgt.

§

Interessante neue junge Comedy.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/5NOedI5Vf4E?si=7LS2keRvkjk-HsIg

  1. Ich habe den Goldpreis als Ursache im Verdacht. []
  2. Es gibt ein paar Freundinnen, um die ich mich deshalb bei jeder Begegnung sorge. []

Journal Sonntag, 26. Juli 2026 – Ausklingende Hombroich-Seligkeit

Montag, 27. Juli 2026

Noch vor Wecker (weil Abreisetermin) aufgewacht, deutlich mehr Partykater wegen vielem und intensiven Menschenaustausch als Alkohol-Kater, ganz ohne Kopfweh. Zu meiner Erheiterung schmerzten meine Sitzbeinhöcker von den vielen Stunden auf der harten, lehnenlosen Bierbank, anders formuliert: Mir tat der Arsch weh.

Abschied von den liebevollen Ausstattungsdetails des Gästhauses Kloster.

Ein wenig versuchte ich mich noch bei Aufräumen und Abwasch nützlich zu machen – wie in vermutlich jeder Gruppe hatten sich sehr schnell einige wenige besonders darum gekümmert (mit Beteuerung, sie machten das gern), ich hatte am Samstag geradezu Tücke anwenden müssen, um für Spül- und Räumarbeiten eine Helfer-leere Küche zu nutzen.

Unsere Rückreise brauchte ein zusätzliches Umsteigen, um nach Düsseldort Hauptbahnhof zu gelangen, wir verabschiedeten uns früh und sehr herzlich – auch bei einigen Menschen, die ich erst an diesem Wochenende kennen und mögen gelernt hatte. Dieses Wochenende war ein riesiges Geschenk für mich. (Langjährige und innige Freundschaft: Wenn zum Anekdotenschatz der Freundinfamilie Geschichten aus meiner Familie gehören.)

Spaziergang zwischen Zuckerrüben- und Stoppelfeldern in milchigem Sonnenlicht nach Holzheim Neuss, wo uns von einer Haltestelle Holzheim Bahnhof (nicht zu verwechseln mit dem Zug-Halt) ein Bus zum Neusser Hauptbahnhof brachte. Ab jetzt fuhren wir Schiene, zunächst nach Düsseldorf. Genug Umsteigezeit für einen Cappuccino, bevor wir in unseren ICE nach München stiegen. Beim Warten darauf sah ich nach Nachrichten: Dass irgendwas mit dem CSD in Berlin war, hatte ich bereits nachts von Gästen mitbekommen (von denen einige ihre Beteiligung an diesen Feiern dem Geburtstagswochenende geopfert hatten). Jetzt erwischte mich das Attentat mit zu diesem Zeitpunkt einer Toten und vielen Verletzten, großes Entsetzen.

Im ICE-WLAN fertig gebloggt. Beim Hochladen der Bilder musste ich zwar deutlich länger warten als daheim, aber es funktionierte. Frühstück um zwei: Ich hatte mein Brotzeitglas von der Hinfahrt mit Partysalat-Resten gefüllt.

Die Farben der Landschaft vor dem Zugfenster sahen bereits sehr nach August aus. Drinnen im Ruheabteil wurde mit Abfragen auf die theoretische Führerscheinprüfung gelernt, außerdem Kleinkindtum sehr vergnügt krähend gefeiert. Und es war mir zu warm. Ein anderer Passagier sprach die Schaffnerin darauf an, doch die konnte nur erklären, dass die Klimaanlage bereits am Anschlag laufe. Willkommen in der nächsten Hitzewelle.

Pünktliche Ankunft in München, Heimweg in Sonne und angenehm kühlem Wind.

Den Restnachmittag verbrachte ich mit Räumen, Textilpflege (ich fürchte, diese riesigen Rotweinflecken kriege ich nie aus meiner weißen Jeans), Lektüre der Wochenend-Süddeutschen. Während ich Pilates turnte, eine Folge mit Schwerpunkt Mobilisierung, verarbeitete Herr Kaltmamsell die ersten Ernteanteil-Roten-Bete der neuen Saison zu einem Risotto.

Köstlich betig, der Thymian (Ernteanteil) und die gerösteten Mandelblättchen machten sich ganz ausgezeichnet. Nachtisch Fruchtgummi und Schokolade.

Müde früh ins Bett zum Lesen, noch einige Zeit mit Arthur Schnitzlers Fräulein Else verbracht.