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Journal Sonntag, 14. April 2019 – 4000 Meter geschwommen und Beifang aus dem Internet

Montag, 15. April 2019

Wieder ausgeschlafen, aber mit Kopfweh aufgewacht. Ich fürchtete schon, dass ich das Glas Rotwein vom Vorabend mit Migräne würde zahlen müssen, doch eine Aspirin vertrieb das Kopfweh.

Meine Kopfkissen gewaschen: Im frischen Sommerüberzug merkte ich erst, wie verschwitzt und versabbert sie müffelten.

Ich freute mich auf eine Schwimmrunde. Es war kalt geblieben, für die Fahrradfahrt zum Olympiabad trug ich Winterjacke, Mütze und Handschuhe.

Ich schwamm leicht und kraftvoll los. Nach 2000 Metern brauchte ich eine Pinkelpause. Als ich zurück ins Becken kam, fühlte sich das Schwimmen an, als sei ich gerade erst warm geworden. Also testete ich, ob der Spaß auch für nochmal 2000 Meter reichte – jederzeit bereit, wegen Schmerzen (Nacken oder Bandscheibenbein), Verschlucken oder Langeweile aufzuhören. Doch die 4000 Meter waren gar kein Problem. So viel war ich noch nie geschwommen.

Das war ein tolles Gefühl, das den ganzen Tag anhielt – auch als ich abends merkte, dass ich wahrscheinlich einen Muskelkater davontragen würde.

So kam ich natürlich noch später nach Hause, mein Frühstück nahm ich erst nach drei.

Nachmittags bei grauem Himmel gelesen, Wäsche gewaschen. Fürs Abendbrot sorgte Herr Kaltmamsell und servierte „Pizza rustica“ nach Rachel Roddy, eher einen Pie.

Schmeckte sehr gut (wenn auch gar nicht italienisch), nachdem Herr Kaltmamsell große Mühe mit dem Teig gehabt hatte.

Im Fernsehen kam Doctor Strange; ich guckte, bis mein Liebling, der cloak of levitation seinen großen Auftritt hatte.

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Man könnte es nicht schlechter erfinden: Dr. Katie Bouman, die Wissenschaftlerin, die mit ihrem Team hinter dem Algorithmus für die erste Fotografie eines schwarzen Lochs steht, war den Frauenhassern wohl zu sichtbar. Also starteten sie die Verleumdungskampagne, dass der Algorithmus in Wirklichkeit von jemandem anderem stamme (einem Mann).

Mehr dazu.

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Langer Text im New Yorker, aber ausgezeichnet und nahbar geschrieben. Wenn Sie auch nur das leiseste Interesse an Dinosauriern oder Erdgeschichte haben: Empfehlung.
„The Day the Dinosaurs Died“.

Ich habe daraus sehr viel gelernt: Unter anderem, dass die These, Dinosaurier seien durch den Aufprall eines gigantischen Asteroiden ausgestorben, keineswegs so lange Schulmeinung ist, wie ich es angenommen hatte – das ist sie erst seit 2010. Dass sie immer noch umstritten ist, weshalb, und welche Entdeckung sie jetzt tatsächlich belegen könnte.

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Verdammt, wieder eine etablierte Annahme gesprengt:
„Your cotton tote is pretty much the worst replacement for a plastic bag“.

via @kriegundfreitag

Dass dünne Plastiktüten umweltfreundlicher sind (über den gesamten Lebenszyklus gerechnet) als Papiertüten, wusste ich (und bin entsprechend ungehalten, dass mancher Biosupermarkt Papiertüten forciert). Das dänische Umweltministerium hat 2018 alle Transporttaschen für Einkäufe auf ihre Umweltbelastung über den gesamten Lebenszyklus durchgerechnet, also von Herstellung (inklusive Rohstoffbezug) bis Vermüllung. Und alle vorherigen Untersuchungen bestätigt, in denen ausgerechnet die beliebten Baumwolltaschen am schlechtesten abschneiden: Wenn sie auch noch aus Biobaumwolle hergestellt wurden, müsste man sie 20.000 Mal verwenden, bis sie die Umweltbelastung einer dünnen Plastiktüte unterschreiten. Biobaumwolle schneidet deshalb am schlechtesten ab, also noch schlechter als konventionell angebaute, weil weniger Ausbeute pro Quadratmeter Fläche und deshalb höherer Aufwand an Ressourcen wie Wasser.

Und jetzt?

The simplest advice for individuals seems to be this: Whatever you have in your house now — be it a pile of cotton totes, or a jumble of plastic bags — don’t throw them out. Keep using them until they fall apart. Whatever the material, use it as a garbage bag once you can’t use it for other purposes any more. And whatever you do, try not to buy new ones.

Übersetzt: Benutzen sie alles, was sie im Moment schon im Haus haben, so lange wie möglich – egal ob Plastik, Papier oder Stoff. Hauptsache Sie holen sich nichts Neues.

Journal Samstag, 13. April 2019 – Kalter Frühlingslauf

Sonntag, 14. April 2019

Mein nächtlicher Wechsel in das Bett von Herrn Kaltmamsell hatte Folgen: Er wachte deutlich vor mir auf, kam aber weder an seinen Morgenmantel noch an seine Elektronik, befand sich ja alles in seinem Zimmer. Und Morgenkaffee kriegte er auch keinen, das ist ja mein Job. Als ich mich also wohlig ausgeschlafen aus den Decken schälte, stand ein nur halb gespielt aufgebrachter Herr Kaltmamsell vor mir, der auf all diese Unbillen hinwies und forderte, ich möge deshalb doch bitte ihn wegschicken in sein Bett, wenn er mich am Einschlafen störe.

Ich bloggte gemütlich und ausführlich über dem Morgenkaffee, wusch Bettwäsche (Wechsel von Winter- zu Sommerüberzügen) machte mich dann lauffertig, ging aber erst mal ein Runde Einkaufen auf den Klenzemarkt (verschiedene Almkäsen und -butter, Putenunterkeulen, Ruccola) und beim Bäcker (Semmeln fürs spätere Frühstück). Der Bäcker Wimmer am Klenzemarkt ist ja umgezogen in die westliche Westermühlstraße, an seinem früheren Standort ist jetzt statt dessen ein Bäcker Schmidt (der sich „Brotmanufaktur“ nennt, aber diese Albernheit übersehen wir höflich). Ich begrüße diese Bereicherung der Bäckereilandschaft im Glockenbachviertel. In diesem konkreten Fall war mir die Schlange zu lang gewesen; hätte ich in den Regalen eine Mohn-Challah gesehen, hätte ich mich sogar angestellt, doch da war keine.

Als ich die Einkäufe heimbrachte, sah ich von unserem Vorgarten eine Mönchsgrasmücke abfliegen – und freute mich sehr, direkt bei uns hatte ich noch keine gesehen.

Auf der Einkaufsrunde hatte ich festgestellt, dass es ganz schön kalt war. Von Twitter und instagram wusste ich, dass es woanders in Deutschland sogar schneite, doch in München kam zu meinem Laufstart gegen elf sogar die Sonne heraus.

In der U-Bahn nach Thalkirchen zwei Beispiele für Großstädter, die anscheinend kein eigenes Auto brauchen (wobei der Herr mit Großeinkauf zu zweit war). Der Surfer stieg an der Brudermühlbrücke aus – vielleicht gibt es da doch auch ohne Hochwasser eine Welle?

Vor dem U-Bahnhof Thalkirchen ein AfD-Stand. Ihm gegenüber in drei Meter Abstand ein Grüppchen bunter Menschen mit Schildern wie „München ist bunt“.

Ich lief leicht und mit Genuss über Großhesselohe nach Pullach und zurück, entzückt über die vielen blühenden Bäume und Blumen. Ich sah und hörte Wasseramseln, Buchfinken, Meisen, Buntspechte, Krähen, sah einen Bussard weit oben kreisen.

Die Isar steht immer noch viel zu niedrig. Zwar hat vielleicht einfach die Schneeschmelze noch nicht eingesetzt, aber auch aus unserer Kartoffelkombinat-Gärtnerei in Spielberg kommen Nachrichten, dass die Trockenheit schon wieder Probleme bereitet.

Gemütlicher Nachmittag mit Frühstück, Internetlesen, Zeitunglesen im sonnenbeschienenen Sessel, bis es Zeit war, die Putenkeulen ofenfertig zu machen (würzen mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, Knoblauch, in Alufolie in den Ofen).

Sie gelangen gut und schmeckten wunderbar, nur dass manche von uns mit der vielen Arbeit haderten, die die harten Sehnen beim Schneiden bereiten. Für mich gehört das zum Nose-to-tail-Essen dazu, ich werde aber andere Zubereitungsarten recherchieren.

Erkenntnis: Bunter Nagellack sieht bereits nach dem ersten Backblechschrubben nicht mehr vorzeigbar aus.

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Dr Sarah Taber („Crop scientist“) antwortet in einem Twitter-Strang auf die Frage, in welcher Weise in den USA Baumwollerntemaschinen die „Second Great Migration“ verursacht haben. Kurzfassung: Haben sie nicht, sondern umgekehrt machte erst die Abwanderung von billigen Arbeitskräften den Einsatz von Maschinen rentabel. Taber führt dann weitere Beispiele aus der US-amerikanischen Geschichte bis heute an, in denen erst eine Ende der Ausbeutung von Arbeitskräften Automatisierung bedingt hat. Und räumt bei dieser Gelegenheit mit dem Narrativ auf, dass die Landwirtschaft im Norden der Vereinigten Staaten früher in den Händen kleiner Familienfarmen gelegen habe. Alles sehr aufschlussreich, hier der ganze Strang.

via @TiniDo

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@fragmente erinnert an eine alte Geschichte von novemberregen, die auch mich nochmal sehr erheiterte. Inklusive der Kommentare.
„Kontrolleur 1: Diiieeeee Fahrkarten bitte.“

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Unser Kartoffelkombinat wird im Fürstenfeldbrucker Lokalteil der Süddeutschen vorgestellt:
„Regional, saisonal, solidarisch“.

Wenn Sie Lust haben, das auch mal auszuprobieren: Wir sind gerade wieder offen für neue Haushalte als Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler. Hier ist erklärt, wie das funktioniert.
Hier kann man herausfinden, wo der nächst gelegene Verteilerpunkt ist.
Und niemand muss überstürzte Entscheidungen treffen: Wir bieten eine sechswöchige Testphase an.

Journal Freitag, 12. April 2019 – #12von12

Samstag, 13. April 2019

Gestern würde ich wegen eines Arzttermins später in die Arbeit kommen, wegen eines Nachmittagstermins früher Feierabend machen – müsste genug Nichtarbeitstag übrig bleiben, um mich an #12von12 beteiligen zu können.

Der ganz normale Frühstückstisch.

Eine meiner inzwischen seltenen U-Bahn-Fahrten. Die Kennerin sieht bereits am Fußboden, dass es sich um eine U-Bahn der ersten Münchner Generation handelt.

Beim Orthopäden holte ich mir eine weitere Spritze an die Nervenwurzel ab und unterhielt mich unter anderem über die Komplexität des biophysiologischen Systems menschlicher Körper: Ich hatte ein wenig gejammert, dass ich einfach keine Korrelation zwischen meinem Verhalten (Bewegung, Haltung, eben diese Spritzen, Temperatur, sonstigem Befinden) und den Schmerzen herausfand. Mal geht’s gut, mal kann ich vor Schmerzen nicht schlafen – einen Zusammenhang mit was auch immer finde ich nicht heraus. Freundlich und doch nüchtern äußerte Dr. Orth. Verständnis für diese grundmenschlichen Gedankengänge, die immer nach Ursachen und Zusammenhängen suchen. Meinte aber, dass man die ob der ungemeinen Komplexität des Gesamtsystems auch mal fahren lassen müsse – unter anderem könne eine vorgefallene Bandscheibe selbst bei kleinsten Verschiebungen Verschiedenes anrichten.

Kurz vor Arbeit.
Von links lächelte mich freundlich ein junger Mann an, der wohl schon meinen vorherigen Fotoversuch auf der unteren Treppe des U-Bahnhofs beobachtet hatte.
Ob ich Menschen auf Treppen fotografierte?
Ich erklärte kurz, dass doch #12von12 sei, der Tag, an man über den Tag 12 Fotos aufnimmt.
Menschen von hinten?
Nein, sagte ich, einfach den Tagesverlauf.

Wetter weiterhin kalt und grau.

Zum Mittagessen hatte ich mir Bircher Müesli mitgenommen: Am Vorabend Fertigbircher (das von Rapunzel mag ich am liebsten) ins Glas, mit Wasser aufgegossen, am Morgen Joghurt drauf, vor Ort Obst (in diesem Fall zwwi Mandarinen) untergerührt.

Nach frühem Feierabend marschierte ich Richtung Innenstadt, kam unter anderem an diesem Flieder vor dem Pfarrhaus St. Paul vorbei, der aufs Spannendste in den Startlöchern steht.

Anlass des frühen Feierabends: Ein Termin im Projekt „Kleidung für das große Fest“. Von den Vorbereitungen erzähle ich nachträglich, es soll ja die eine oder andere Überraschung für die Gäste bleiben.

Mit Herrn Kaltmamsell feierte ich das anbrechende Wochenende und seinen Start in die Osterferien: Champagner, den mir eine ganz bezaubernde Französischlehrerin geschenkt hatte, zum Dank für einen Gefallen, den ich ihr tun konnte. Dazu die besten libanesischen Mischnüsse, die die Landwehrstraße zu bieten hat. Entdeckten wir vor vielen Jahren in einem der zahlreichen Lebensmittelläden an der Straße, die damals erst begannen, von türkischer Hand in Hände aus dem arabischen Raum überzugehen. Als aus dem Merhaba zur Bergüßung immer häufiger ein Salaam wurde. Der derzeitige Wandel: Langsam nehmen die Läden zu, die afrikanische Ware anbieten. Ich hätte viel mehr Fotos aufnehmen sollen, um den Wandel und damit die Entwicklung der Einwanderung zu dokumentieren.

Foto: Herr Kaltmamsell
Es war immer noch früh am Abend, ich hatte Zeit, mir die Nägel zu schneiden, zu feilen, klar zu lackieren. Die Kanten splittern mittlerweile so schnell, dass ich sie sogar noch früher kürzen muss, als mich ihre Länge nerven würde – und das ist bei mir ja bereits sehr früh.

Auf meine Bitte hatte Herr Kaltmamsell als Freitagsmahl die jahreszeitliche Grie Soß zubereitet – köstlich.

Zur Abendunterhaltung ließen wir uns von Harald Lesch eine gute Stunde lang schwarze Löcher erklären und warum das erste Foto für die Wissenschaft von so großer Bedeutung ist. (YouTube über ChromeCast auf den Fernsehbildschirm.) Mal wieder verstand ich nur Bruchteile, und die lediglich metaphorisch, mir fehlen halt weiterhin die grundsätzlichsten Grundlagen. Kinder, passt im Physikunterricht auf! Dann habt ihr später viel mehr Spaß!

Ich machte mir einen Jux und wählte als zweite Schicht meines Fingernagellacks Farbe. Dann Klarlack drüber.

Wie immer das anstrengendste Foto: Abschließendes Lesen im Bett. Joseph Conrads The Secret Agent fängt schon mal sehr vielversprechend an, sehr 19. Jahrhundert. Die Bleistiftanmerkungen sind von Herrn Kaltmamsell; es ist sein Buch, die Notizen folglich aus seinem Studium.

Blöderweise war das wieder eine Nacht, in der mich der kleinste Mucks von Herrn Kaltmamsell weckte. Ich packte mein Kopfkissen und zog in sein Bett gegenüber.

Und sonst so?
Während ich auf die Menopause hoffe, gibt meine Gebärmutter nochmal alles.

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via GIPHY

Ist gut jetzt!

Journal Donnerstag, 11. April 2019 – Grau, aber erfüllter Artikelwunsch

Freitag, 12. April 2019

Morgensport abgeblasen, lieber länger geschlafen.

Es blieb kalt und grau. Mittags Birnen mit Manouri, nachmittags als Snack Nüsse.

Jetzt steht auch im Programm, warum ich Anfang Mai nun doch zur re:publica nach Berlin fahre. Ich freue mich schon sehr.

Daheim wartete der Ernteanteil. Den Salat (der erste echte Salatkopf des Jahres!) machte ich mit einem Zitronensaft-Knoblauch-Olivenöl-Dressing an, der Spinat (Spinat!) kam gedünstet mit einem verlorenen Ei auf den Tisch.

Sehr grünes Abendessen, sehr wohlschmeckend (dazu das Ergebnis des Versuchs von Herrn Kaltmamsell, mit Buchweizenmehl zu backen – so lala). Danach viel Schokolade.

Pläne für die Ostertage gemacht, welcher Feiertag bei welchen Eltern.

§

Ein weiterer Versuch, das Brexit-Schlamassel in Form einer Analogie zu verstehen:
„At last, Brexit explained in two words: Basil Fawlty“.

In a crumbling edifice, a farce plays out. The hapless central character fawns on an aristocrat who turns out to be a conman. He then fails to disguise his unease when confronted with his European neighbours, doesn’t bother to mask a thorough contempt for the Irish, and enters a love-hate relationship with ostentatiously wealthy Americans. Meanwhile, there are questions over food safety and supply (specifically kippers, duck and veal cutlets) as workers scurry around trying to pretend that nothing out of the ordinary is happening. Always disaster hovers at the edge of vision.

§

Oh, das ist schön: Artikel bestellt, Artikel bekommen.

Hier online nachzulesen:
„‚Wir brauchen nur Wasser und Zuschauer'“.

§

Am Mittwoch wurde das erste Foto eines Schwarzen Lochs veröffentlicht. Den Algorithmus für die Verarbeitung der zugrunde liegenden Daten hat ein Team um Katie Bouman erarbeitet. In einem TED Talk von 2017 erklärt Bouman als Doktorandin, wie das funktioniert (bis auf die letzten Minuten bilde ich mir ein, ihr folgen zu können, doch warum man die Wahrscheinlichkeit der Darstellung an Teilen von Familienbildern überprüfen kann, war mir zu hoch).
„How to take a picture of a black hole“.

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https://youtu.be/BIvezCVcsYs

Journal Mittwoch, 10. April 2019 – Pizza und die Wirksamkeit von Selbstverpflichtung statt Quote

Donnerstag, 11. April 2019

Sehr müde aufgewacht. Ich brauchte bis nachmittags, um richtig da zu sein.

Ein grauer, kühler Tag, nicht mehr mild.

Doch nochmal Menstruation. Seit Jahren denke ich bei jeder, das könnte doch jetzt mal die letzte sein. Diesmal kam ich mit ein paar Tagen PMS-Brustschmerzen davon – er kann es noch, der Zyklus. Zumindest werden die Abstände länger. Und um Krämpfe bin ich die letzten Male auch rumgekommen.

Auf dem Heimweg kam ich wieder an diesem Wohlplakat vorbei, wieder lächelte ich.

Ich finde, Die Partei hat der Europapolitik gut getan und sich deutlich konstruktiver als nur als Hofnarr gemacht, der halt alles sagen darf, auch mal die Wahrheit.

Im Vollcorner eingekauft: Birnen, gemischte Nüsse fürs Büro, Darjeeling, Dickmilch, Joghurt.

Langsamer Abschied von der Magnolienblüte.

Zum Nachtmahl durfte ich aus dem Dienstagabend angesetzten Teig Pizza machen (sonst hat Herr Kaltmamsell meist schon andere Ideen ausgebrütet, bis ich den Vorschlag Pizza anbringen kann).

Schmeckte gut, das nächste Mal Temperatur auf 280 Grad hoch und von Anfang an in der Mitte einschieben – dann könnte auch der Teig richtig gut werden.

§

Vielleicht erinnern Sie sich: Die damalige Familienministerin Kristina Schröder hatte 2011 eine Frauenquote für DAX-Konzerne abgewendet, indem sie eine freiwillige Selbstverpflichtung einführte, nach der Konzerne eine „verbindlicher Zielvorgabe“ für Frauenbeteiligung in ihren Vorständen vorlegen müssen. Sie hatte sich gegen die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen durchgesetzt.

Die Albright-Stiftung hat sich diese Zielvorgaben für 2019 angesehen und festgestellt, dass zahlreiche Konzerne die verbindliche Selbstverpflichtung erfüllen, indem sie als Zielvorgabe einfach Null eintragen. Keine Pointe.

Und das geht quer durch alle Branchen und Unternehmensarten, da können sie sich noch so hip und offen geben. Sogar das Handelsblatt meint:
„Start-ups sollten auch bei der Frauenquote Vorreiter sein“.

via @fraeulein_tessa

Die Gründer, alles junge, weiße Turnschuhträger, können sehr schön präsentieren, wie sie mit ihren Produkten die Welt, mindestens aber eine ganze Branche revolutionieren wollen. Sie scheren sich nicht um Dresscodes oder übermäßige Regeln. Wenn sie es nicht schaffen, ein längst überholtes Rollenmodell umzukrempeln, wer denn dann?

(…)

Gründe dafür gibt es viele. Einer davon ist, dass auch die Geldgeber zum überwiegenden Teil männlich sind. Die Investoren waren früher oft selbst Gründer, sie haben an den gleichen Unis studiert wie die Männer, an deren Ideen sie glauben. Sie vermitteln einander Deals, Jobs und das gute Gefühl, es schon alles richtig zu machen. Es ist ein Buddy-Netzwerk, so, wie das bei ihren Vätern schon war.

Sie können nichts dafür, sagt die Psychologie, es ist der „unconscious bias“, der Männer und übrigens auch Frauen in Stereotypen denken lässt. Aber, Moment mal: Wer eine Künstliche Intelligenz programmieren kann, der wird doch wohl einen Bias in den Griff kriegen.

Der muss doch begreifen, dass er auch die Frauen braucht, wenn er die besten Ergebnisse erzielen will. Und dass er die Guten nur gewinnt, wenn er eine Kultur schafft, in der sie sich wertgeschätzt und beteiligt fühlen. Und auch auf der obersten Ebene repräsentiert sehen.

§

Den Klimawandel zu bremsen oder gar zu stoppen, wird sich auf viele unserer Annehmlichkeiten auswirken. Der Spiegel hat die Geldseite von einigen ausgerechnet:
„Forderungen von „Fridays for Future“
Langstreckenflüge würden bis zu 2000 Euro teurer“.

Fernreisen, Benzin, Fleisch: Die von „Fridays for Future“ geforderte CO2-Steuer würde klimaschädliche Güter drastisch verteuern. Was würde das für Verbraucher bedeuten?

§

Jetzt aber noch was Schönes: Es gibt eine Web-Application, die alle blühenden Bäume in Washington anzeigt.

Journal Dienstag, 9. April 2019 – Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen

Mittwoch, 10. April 2019

Wieder sehr gut geschlafen, selbst nach einem Klogang Viertel nach fünf nochmal bis sechs tief eingeschlafen.

Nach einem Arbeitstag mit viel Manuellem in milder Luft nach Hause spaziert. Dieser Frühling hat nach zwei Jahren Sommer im März und April endlich wieder angemessene Temperaturen, es wärmt sich langsam und mit Rückschlägen auf.

Daheim nur kurz pausiert und gewerkelt, dann mit Herrn Kaltmamsell zum Treffen unserer Leserunde spaziert. Es gab wieder gut zu essen.

Frühlingssalat mit gekochten Kerndln, Spargel und Karotten aus dem Ofen mit Knusperpolenta und Ziegenkäse.
Wichtiger Nachtrag: Dazu gab es großartige Geschichten über Autounfälle und Polizeibegegnungen in Deutschland und Australien.

Geredet wurde über Maja Lunde, Ursel Allenstein (Übers.), Die Geschichte der Bienen, das ich in England gelesen hatte – an einem Tag, denn es sieht nur dick aus, hat aber wenige Buchstaben pro Seite. Und ist inhaltlich dann doch dünner, als man bei der Beschreibung vermuten möchte: Drei Bienengeschichten zu drei verschiedenen Zeiten werden ineinander geschoben. Eine spielt in der Viktorianik und dreht sich um einen Ich-Erzähler, der ein neuartiges Bienenhaus entwickelt. Die zweite spielt in unserer Gegenwart in den USA bei einem hauptberuflichen Bienenzüchter, der das Aussterben der Bienen miterlebt. Die letzte in einer nicht zu fernen Zukunft in einem dystopisch gemeinten China, in dem alle Arbeitskraft in das manuelle Bestäuben von Blüten gesteckt wird, damit die Bevölkerung nicht verhungert.

Wozu diese Handlungsstränge abwechselnd erzählt werden, erschloss sich mir nicht, denn sie beleuchten einander nicht (erst am Schluss stellt sich heraus, wodurch sie zusammenhängen, und selbst dann wird das nicht ganz klar), man hätte sie auch hintereinander hängen können. Und dann sind die Szenerien und vor allem die Personen platt und holzschnittartig. Als Leserin rollte ich nicht nur über die Kurzsichtigkeit der Ich-Protagonisten die Augen, sondern auch über die plumpe Vermittlung derselben. Sogar ärgerlich machte mich die Schilderung des Zukunfts-Chinas: In der zweiten Hälfte dieses Handlungsstrangs soll ein oppressiver Staat geschildert werden – der allerdings in seinem Totalitarismus hinter dem heutigen China zurücksteht und im Grunde das Individuum freier sein lässt als heute. Das wies für mich auf eine peinliche Unkenntnis bestehender Verhältnisse hin.

Der Empfehler des Buches blieb bei seiner Empfehlung, der Rest der Runde war sich einig, dass der Roman überflüssig ist. Aber: Jetzt habe ich auch mal norwegische Literatur gelesen.

Nächtlicher Spaziergang nach Hause, immer noch in angenehm milder Luft.
Daheim noch Pizzateig mit wenig Hefe für Mittwochabend angesetzt.

§

Don Reisinger entdeckt, dass das Internet aus Menschen besteht:
„I Thought I Understood Facebook. Then My Dad Died“.

via @tknuewer

Wir uralten Hasen des Pleistozän-Web wissen das. Es ist rührend zu lesen, wie jemand das nachträglich erkennt.

Journal Montag, 8. April 2019 – Grau mit Fehlern

Dienstag, 9. April 2019

Gut und schmerzfrei geschlafen! Früher Wecker für Frühsport, der dann auch angemessen anstrengend war.

Der Tag war grau und kühl, die meiste Zeit brauchte es im Büro künstliches Licht.

Zu Mittag ein gewaltiges Butterbrot aus dem sonntags gebackenen Laib; genau so stellte ich mir etwas vor, das woanders „Butterbemme“ heißt.

Nachmittags festgestellt, dass ich in der Vorwoche einen Fehler gemacht hatte; wo genau ich mich verhauen hatte, kann ich nicht sagen, aber das Resultat war ein Serienbrief, der mit der falschen Adressdatei verknüpft war (die aber den richtigen Namen trug). Nichts, was nicht korrigierbar wäre, aber ausgesprochen unangenehm, noch dazu nicht nur für mich.

Auf dem Heimweg noch schnell meine Referenzkirschbäume fotografiert, bevor sie Blütenblätter regnen.

Daheim große Lust auf einen Schluck Wein; es wurde ein spanischer Macabeo. Herr Kaltmamsell verarbeitete den Sellerie aus Ernteanteil zu Schnitzeln, ich komplettierte den am Vorabend hergestellten Kartoffelsalat (Kartoffeln aus Ernteanteil) mit zugekaufter Gurke. Die selbst angebaute Petersilie mischte ich auch unter – eine gute Idee.

Früh ins Bett, um noch zu lesen.


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