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Journal Freitag, 12. Juni 2026 – Außer Atem über die Wochen-Ziellinie

Samstag, 13. Juni 2026

Ich hatte mich so oft morgens erinnert “noch NICHT Freitag”, dass ich gestern bei Weckerklingeln erstmal überlegen musste bis “FREITAG!”.

Das kalte Regenwetter ging in die Verlängerung, allerdings erwischte ich für meinen Marsch in die Arbeit (Woll-Janker, Schal) eine Regenpause. Gleich danach setzte wieder heftiger und windiger Regen ein.

Aber bis dahin bekam ich auf der Theresienwiese nicht nur Lindenblütenduft, sondern auch die Kamillenblüte in die Nase.

Am Schreibtisch überfielen mich gleich mal besonders unangenehme Aufträge, die mich von den eigentlich geplanten Arbeiten abhielten. Weil ich mit ihnen aber eh nicht vorankam (was sie noch unangenehmer machte), arbeitete ich Geplantes ab, immer mit einem Auge auf eine mögliche erlösende Information auf welchem Kanal auch immer, maximal unentspannt. Für Mittagscappuccino traute ich mich nicht weiter weg von meinem Schreibtisch als Cafeteria.

Sommer, aber in greislich.

Um die Mittagszeit endlich Erlösung, ich schnappte mir einen Schirm, um die Aufregung mit einer Runde im Regen um die Blöcke wegzulaufen.

Als ich zurückkam, ging’s grad so crazy weiter, was ist bloß aus Freitag geworden? Ich war sehr versucht, den nächsten Anruf mit “WER STÖRT?” entgegenzunehmen. (Was der technische Fortschritt AUCH kaputt gemacht hat, die Antwort steht ja heutzutage bereits auf Display/Bildschirm.)
Und dann schon wieder ein erzwungener Neustart für Updates! Wohin sind die Zeiten, in denen die Nacht für Software-Updates genutzt wurde?!

Parallel letzte Abstimmungen mit Freundin zu Samstag: Wir sind seit Monaten zum Wandern verabredet, das Wetter soll sich akkrat dafür einkriegen.

Mittagessen Flachpfirsiche und Aprikosen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Eine Besprechung am Nachmittag spülte dann eine weitere Welle Zeugs über mich. Ich arbeitete auf dem Zahnfleisch weg, war eigentlich zu erschöpft für Heimgehen, machte in erster Linie aus Angst vor weiteren Auftragswellen Feierabend, Montag musste dafür auch noch reichen.

Auf dem Heimweg (ohne Bedarf für Schirm, vielleicht war’s das tatsächlich erstmal mit Regen, außerdem war es milder geworden) die geplanten Lebensmitteleinkäufe – ich bin sicher, dass andere Leute auch solche gemeinsamen Einkaufslisten haben.

Zu Hause erstmal dramatisch mit dem Gesicht nach unten auf das Bett von Herrn Kaltmamsell gekippt. (Er legte sich zu mir, das war sehr schön.) Dann eine Folge Pilates “Kraft und Balance / Für Fortgeschrittene”, MIPFLEISS! Überforderung riskierend. Innere Logik: Wenn ich die trotzdem schaffe, habe ich an diesem Tag zumindest irgendwas geleistet. Wenn ich sie nicht schaffe, kann ich wenigstens meinen Selbsthass rechtfertigen. WIN WIN!

Resultat: Nur eine Übung funktionierte auf einer Seite nicht befriedigend – vor allem aber taten sowohl Gabi Fastner als auch die Übungen wirklich gut.

Jetzt von Herzen Wochenende gefeiert, ich schüttelte Cosmopolitans.

Alkohol! So nützlich!

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Rinderippe geschmort.

Es gab sie mit Ernteanteil-Brokkoli und Kartoffelstampf, köstlich. Dazu hatte ich einen empfohlenen Rosé aufgemacht: den unfiltrierten Rosza libre von Claus Preisinger aus Gols. Schmeckte fruchtig, frisch und gut – aber in jüngster Zeit hatte ich Rosés im Glas, die mir noch besser schmeckten.

Nachtisch Schokolade, früh und völlig erledigt ins Bett zum Lesen.

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Nebenwirkung von Papierpost: Eine liebe Urlaubspostkarte bescherte mir den ersten Anblick einer britischen Briefmarke, auf der NICHT die Queen abgebildet war! (Starkes Störgefühl bis ich begriff: Sie zeigte ihren Sohn.)

Außerdem bemerkenswert: König Karl trägt auf dem Briefmarkenbild, anders als seine Mutter, keine Krone (er hat vermutlich nur die offizielle, während die Königin ihre mit einem Diadem andeuten konnte).

Journal Mittwoch, 10. Juni 2026 – Zu viel für einen Tag

Donnerstag, 11. Juni 2026

Schon lang stand fest, dass gestern ein komplizierter Tag werden würde: Facharzttermin weit draußen UND Theaterabend. Daraus hatte ich fast ebensolang abgeleitet, dass ich mal besser von daheim arbeiten würde – was der Vereinfachung der Wege diente, in Wirklichkeit noch mehr Abweichung von Gewohntem und Alltag bedeutete. Nahezu zwingend logische Konsequenz: Mir fiel eine weitere Komplikation ein und ich plante einen Lerchenlauf vor der Arbeit. Das Universum hatte den Wink verstanden und legte ein Schippchen drauf: Kurz nach superfrühem Weckerklingeln setzte heftig prasselnder Regen ein, der laut Regenradar bis auf absehbare Zeit anhalten würde.

Dann stattete ich mich halt mit Schirmmütze und Regenjacke aus. Nur wenigen weiteren Läufer*innen begegnete ich beim agilen Pfützenspringen, die meisten hatten sich auf die Regenausstattung in Form von möglichst wenig Kleidung und barem Haupt verlegt: Nachvollziehbar, nass ist nass, und es war ja nicht wirklich kalt – aber das ist halt für Brillenträgerinnen keine Option.

Sehr nass.

Aber auch schön leer.

Weichzeichner nasse Linse.

Die letzten zehn Laufminuten meiner 80 wurden doch noch unangenehm: Die reichliche Nässe zog über die Beine der Laufhose hoch in die Unterhose. Nach Öffnen der Wohnungstür zog ich schnell alles Tropfende aus, ab in die heiße Dusche.

Recht pünktlich saß ich an meinem Arbeitsrechner (zwei paar Wollsocken, dickster Wollpulli über Baumwoll-Oberteil), Herr Kaltmamsell hatte seinen (höhenverstellbaren!) Schreibtisch für mich freigeräumt. Doch dann kämpfte ich erstmal eine knappe Stunde mit der Technik; unter anderem musste ich herausfinden, wie das aktuelle System heißt, das mich per VPN mit dem Arbeitsserver verbindet – nein, “VPN” ist kein Namensbestandteil. (Ebensowenig wie Software für E-Mail, Internetzugang oder Bildbearbeitung diese Funktionen im Namen trägt – muss man halt wissen.) Doch endlich erlebte ich einen wirklichen Vorteil von Homeoffice: Ich konnte die sonst untätige Zeit der erzwungenen Neustarts wegen Updates oder Fehlfunktionen sinnvoll nutzen! (Füllen und Starten der Waschmaschine, mittags Wäscheaufhängen.)

Die Arbeit war dann doch mehr als vorhergesehen, manche Spontanbitten konnte ich nicht erfüllen, weil keine Zeit oder weil mir die (aus Gründen papierenen und das Büro nie verlassenden) Unterlagen fehlten. Von der ausgedruckt mitgenommenen Arbeit konnte ich nur einen Bruchteil erledigen. Zudem saß mir der harte Schluss mittags im Nacken, weil halt Arzttermin. Aber für einen schnellen und heimisch guten Mittagscappuccino war Platz.

Schnelles und frühes Mittagessen: Flachpfirsiche mit Joghurt, dann signalisierte mein Bauch bereits Überfüllung. Ich musste eh schon los zum Arzttermin am Rande des Universums – unterm Schirm, denn es regnete immer noch heftig.

Der Nachmittag gestaltete sich mühsam und aufwendig, zumindest hatte der Regen nach Verlassen der Praxis (mit einer weiteren Überweisung in der Tasche) aufgehört. Aber ich fühlte mich völlig erledigt, hatte zudem einen komischen Bauch; auf der S-Bahn-Fahrt nach Hause wurde mir klar, dass ich keine Energie für über vier Stunden Theater (allein die Vorstellung von über vier Stunden Sitzen auf den mörderischen Kammerspiel-Stühlen!) und Zu-Bett-Gehen nach Mitternacht aufbringen würde. Diese Kulturpunkte muss ich für meinen Tracker anders reinholen.

Am Stachus hielt ich die Erschöpfung im Fotoautomaten fest.

Noch sechs Tage bis Haarschnitt.

Mit hängenden Flügeln schleppte ich mich nach Hause, bat Herrn Kaltmamsell um Verschiebung des Abendessens auf übliche Zeit statt früher für Theater. Für eine Stunde setzte ich mich nochmal an den Arbeitsrechner, tatsächlich konnte ich mich nützlich machen. Währenddessen kam der Regen zurück.

Eine sehr ruhige Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch zum Nachtmahl Mohnnudeln servierte (Lagerkartoffeln aus Ernteanteil aufbrauchend) – sehr gut. Nachtisch Amarena-Eiscreme und etwas Schokolade.

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Eine “KI” (Large Language Model), die in praktisch jeder Software Lücken finden kann – und gleich mal ausnützt: Das klingt schon ziemlich bedrohlich. Allerdings, so habe ich jetzt gelernt, sollte man misstrauisch werden, wenn diejenigen am lautesten auf die Bedrohlichkeit hinweisen, die sie verkaufen. Hier ein Interview mit Thorsten Holz, wissenschaftlichem Direktor des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre:
“Claude Mythos, ChatGPT-5.5 und die Cybersicherheit”.

Werden Privat-User bald auf Knopfdruck eine Bank hacken können?

„Nein, Privatuser können mit Claude Mythos keine Bank hacken. So einfach ist es nicht“, sagt Thorsten Holz. Für einen realen Angriff muss man zunächst ein Ziel auswählen. Man braucht unter anderem einen initialen Zugriff auf das fremde System, Infrastruktur und Netzwerk-Kenntnisse. Zudem muss man Detektionsmechanismen umgehen, um nicht erwischt zu werden.

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Für mich, ich betone es immer wieder gerne, liegt die Attraktion des Bloglesens im Blick in völlig fremde Alltagswelten. Zum Beispiel in dasnufs
“Sommer in Berlin”.

Journal Dienstag, 9. Juni 2026 – Regen und Arbeit

Mittwoch, 10. Juni 2026

Sehr zerhackte Nacht, mit gefühlt mehr Halbschlaf und Aufwachen als richtigem Schlaf – aber ich litt nicht. Und dass ich einmal Regenprasseln ans Fenster hörte, freute mich richtig.

Erster Einsatz des neuen Rocks (zu dunkel blau für ein gutes Foto).

In die Arbeit ging ich nach diesem Wetterwechsel in Jacke und unterm Schirm, doch es regnete nicht so heftig, dass ich danach meine Ersatzsocken (ich lerne!) gebraucht hätte.

Ziemlich emsiges Losarbeiten, mehr Querschüsse als förderlich.

Dennoch schaffte ich es locker auf einen Mittagscappuccino ins Westend, Timing auf eine Regenpause abgestimmt – und zwar perfekt, kurz nach meiner Rückkehr ins Büro ging ein Wolkenbruch nieder.

Der verblichene Blumenladen Las Flores am Heimeranplatz wird entkernt.

Zu Mittag gab es Gurke, Aprikosen (überraschen gut) und zwei Scheiben Finnenbrot vom Rischart. Das war eine zu viel, aber die Gier war stärker als die Sättigung.

Der Arbeitsnachmittag wurde ausgesprochen anstrengend, ich musste einiges auf Mittwoch verschieben.

Unterlagen ausgedruckt, mit bunten Stiften und Arbeits-Laptop eingesteckt: Ein Arzttermin am Nachmittag macht es Mittwoch ratsam, von daheim zu arbeiten – bis Aufbruch Arzttermin eh bloß bis Mittag, zum Glück, denn wenn mir nur ein kleiner Laptop-Bildschirm zur Verfügung steht, werde ich selbst mit Ausdruck-Hilfe sehr schnell wahnsinnig. Und den höhenverstellbaren Schreibtisch vermisste ich bereits beim Einpacken, derzeit wieder gesteigertes Unwohlsein um den Hüftgürtel (innen, außen, alles untenrum).

Heimweg im Trockenen über ein paar Besorgungen unterm Stachus. Daheim eine Runde Gymnastik, Pilates bei Gabi Fastner, auf die ich mich den ganzen Tag SO gefreut hatte – und die auch ungeheuer wohl tat.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Mairübchen mit Kartoffeln aus selber Quelle zu einer Suppe verarbeitet, darüber geröstete Brotwürfel. Dann noch Käse. Nachtisch sehr viele Erdbeeren, etwas Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Bislang wusste ich nur, dass meine polnische Oma (als Zwangsarbeiterin nach Nazi-Deutschland verschleppt) staatenlos war und meine in Deutschland geborene Mutter dadurch bis zur Eheschließung mit einem Spanier (-> spanische Staatsangehörigkeit) ebenfalls. Dorin Popa hat eine Generation später als Sohn von politischen Flüchtlingen rumänischer Herkunft ebenfalls Kenntnisse aus erster Hand über Staatenlosigkeit und schreibt sie auf:
“Staatenlos? Ein paar ungeordnete Gedanken und persönliche Erfahrungen dazu”.

Jetzt möchte ich meine Mutter doch mal nach Details fragen, wie das bei ihr eigentlich konkret aussah. (Sie ist gerade verreist, die Frage wird bis zu ihrer Rückkehr warten müssen. Aber da sie hier mitliest, kann sie sich ja schonmal Gedanken machen – BUSSI!)

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Ist es “KI” oder einfach ein Algorithmus? Hier in einer Mastodon-Konversation schön nachvollziehbar unterschieden.

Journal Montag, 8. Juni 2026 – Post-Trauer

Dienstag, 9. Juni 2026

Start in die erste von acht elenden 5-Tage-Arbeitswochen bis endlich Sommerurlaub. Ich werde mich wieder darauf verlegen müssen, für jede Woche mindestens ein Feierabend-Highlight zu finden.

Schön war schonmal das Sommerwetter, laut Vorhersage wird es ab Dienstag kalt.

Im Büro überfiel mich wie erwartet aus dem Postfach die Arbeit der Leute, die nicht vier Tage frei hatten. Nahmen. Entsprechend wirbelte ich die Arbeit von ca. drei Tagen in einem Vormittag. Bis eine Hälfte gelöst war, der Ball eines Viertels auf der andere Seite lag, ein Viertel zumindest begriffen und geplant war.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später ein Marsch um die Blöcke – in wunderbarer Sommerluft und umgeben von Lindenblütenduft.

Zu Mittag gab es Banane, ein Kartönchen voll Physalis (ausgezeichnet), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Auch am Nachmittag schaffte ich einiges weg.

Heimweg über Besorgungen, darunter Abholung eines nicht zugestellten Päckchens bei der Post am Hauptbahnhof. Beim Warten in der Schlange (nicht lange, alle Schalter waren besetzt) sah ich die Ankündigung, dass auch diese Filiale bald schließt.

Wenn’s in der Millionenstadt München nicht mal am Bahnhof mehr eine Post gibt! Ich war wirklich bestürzt. Eine erste Filialsuche führte mich später daheim nur zu “Post Shops”, also Post als Nebendienstleistung in einem eigentlich anderen Geschäft, und mit denen haben wir wohl alle sehr gemischte Erfahrungen gemacht. Mir verweigerte zuletzt einer die Annahme einer Sendung ins Ausland. Die Deutsche Post schließt also ernsthaft alle eigenen Standorte. Die immer so gefragt waren, dass die Schlangen sprichwörtlich wurden? Jajaja, statt dessen Automaten – so fehleranfällig, dass sie definitiv Teil der Enshittification sind, und so kompliziert zu bedienen, dass sie geschätzt 70 Prozent der Kundschaft überfordern. Gestern beobachtete ich wie so oft eine völlig hilflose Kundin, die sehr auf menschliche Beratung angewiesen war: Diese konkrete hatte Päckchen-Inhalt und Verpackung einzeln dabei, ein Postler half ihr (wenn auch unwillig) durch die Schritte Zoll-Unterlagen, Verpacken, wahrscheinlich auch Ausfüllen des Paketscheins und Portoberechnung, aber da war ich bereits draußen.

Entsprechend bedrückt vom Schlechterwerden der Welt fühlte ich mich bei meiner Heimkehr.

Fürs Abendessen bereitete ich die letzten beiden Crowdfarming-Artischocken zu, Herr Kaltmamsell reichte eine Vinaigrette und eine auf meine Bitte Knoblauch-freie (Rücksicht auf Kolleginnen) Joghurt-Majo zum Dippen an. Zum Sattwerden gab’s noch Käse. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, im Granta Scandinavia lernte ich über sechs sehr gute Kurzgeschichten die Autorin Helle Helle kennen, setzte gleich mal einen ihrer Romane auf meine Wunschliste. (Und lernte aus dem deutschen Wikipedia-Eintrag über sie, dass es in Dänemark ein “lebenslanges Künstlereinkommen des Dänischen Kunstfonds” gibt.)

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Wenn schon Pride Month ist, schaun wir doch mal extrig in die queere Richtung. Und nehmen den Hinweis auf Florencio Pla Meseguer auf, antifaschistischer und intersex Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg – hier der (englischsprachige) Wikipedia-Eintrag. Ich stimme der Fundstelle auf Mastodon zu: “Meinetwegen schlachte jemand das aus für historischen Roman, wär auch ok. Besseres Material gibts kaum.”

Journal Sonntag, 7. Juni 2026 – Rückreisetag aus Oldenburg

Montag, 8. Juni 2026

Ganz gut geschlafen, nur wenig übernächtigt und verkatert vom Wecker geweckt worden. Nach Morgenkaffee geordnetes Räumen des Ferienapartments.

Wir nahmen für das erste Stück den früheren Regionalzug, um ganz, ganz sicher in Bremen nicht in Umsteige-Hetzerei zu geraten. Die viele Zeit im Bahnhof Bremen nutzten wir zum Umherstreifen.

Und zum Nutzen eines verspiegelten Ladenleerstands. Außerdem weiß ich jetzt, dass die vor Jahren auf Dienstreisen geschätzte italienische Espressobar genauso verschwunden ist wie der Ableger des Tee Handelskontors Bremen – was ein Glück, dass es besser erreichbar einen unterm Münchner Stachus gibt (ist eh eine Berliner Firma).

Auf der Regionalbahnfahrt nach Hannover den Blogpost über Samstag geschrieben und die Fotos dafür bearbeitet – offline, den das Handynetz auf dieser Strecke ist löchrig wie eine Netzstrumpfhose.

Die reichliche Umstiegszeit in Hannover nutzte ich für einen Mittagscappuccino im MacDonalds (leider keine Tassen) und für Endbearbeitung sowie Veröffentlichen des Blogposts. Blieb noch genug Zeit für Besorgen von Brotzeit.

Der ICE nach München fuhr pünktlich ab und war so überfüllt wie angekündigt. Zu Mittag gab es um halb zwei eine Kürbiskern-Breze und ein Franzbrötchen.

Endlich Louise Erdrich, The Sentence ausgelesen. Eher unbefriedigende Lektüre, denn mir schien, als sei der Roman als etwas anderes gestartet, als dann rauskam. Eigentlich beginnt er als Geschichte der US-Amerikanerin Tookie, die als Ich spricht und sich nach wilden Lebensjahren und langer Gefängnis-Inhaftierung gerade gefangen hat, in Minneapolis in einem Buchladen für indianische Literatur arbeitet.1 Eine Stammkundin stirbt und sucht den Laden als Geist heim; eigentlich sehr geschickt wird an ihr der immer wieder auftretende Fall von Weißen durchgespielt, die sich mit indianischer Kultur überidentifizieren und lästig werden. Doch dann bricht die Covid-Pandemie aus, kurz darauf wird George Floyd von Polizisten umgebracht, was zusätzlich zu Unruhen und Gewalt führt. Das übernimmt die Romanhandlung quasi in Echtzeit mit vielen Alltagsdetails, die ich aus dem Abstand von sechs Jahren fast schon wieder vergessen hatte – und tut ihr nicht gut.

Dieses Jahr habe ich kein rechtes Glück mit meiner Lektürewahl, es war bislang kaum etwas dabei, was mir so richtig gefiel. Und als nächstes ist erstmal das aktuelle Granta-Magazin dran.

Je weiter wir nach Süden fuhren, desto schöner wurde das Wetter.

Dennoch strengte das Sitzen nach den vielen Stunden ziemlich an, ich war schon arg froh, als wir mit nur wenigen Minuten Verpätung um halb sechs in München eintrafen. Schnelle Abendbroteinkäufe im Untergeschoß des ehemaligen Hauptbahnhofs, auch in München gibt es sonntags diese Möglichkeit.

Kurzes Telefonat mit meiner Mutter, weil meine Eltern am heutigen Montag in den Urlaub fliegen – was mich sehr freut.

Abendessen richtete ich an, im Zentrum der niederländische Käse aus Oldenburg.

Nachtisch Eiscreme und Schokolade.

Im Bett also als neue Lektüre das Granta Scandinavia.

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Liebe ist auf so vielen Ebenen seltsam. Zum Beispiel das Gefühl. Dieses ganz starke Ziehen, bei mir tatsächlich in der Herzgegend, bis zum Nicht-mehr-Denken können. In jüngster Zeit fällt mir auf, dass es sich nicht unterscheidet, ob es beim Gedanken an eine Freundin auftritt, an einen Verwandten, an den Partner.

Oder Liebe in der ganz kleinen Dosierung in Form von Wohlwollen, dem Gegenüber wohl wollen – und das durch ein Lächeln ausdrücken, durch ein vorausschauendes Öffnen einer Bürotür, durch das eine Extra-Detail beim Erfüllen einer Bitte.

Mira hat beruflich damit ganz besondere Erfahrungen gemacht:
“Love Changes Everything”.

Ich möchte das wirklich nicht so kitschig oder pathetisch formuliert haben, aber es ist wahr, es ist überall beobachtbar, nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch unter Freund*innen und Kolleg*innen, sogar bis in die kleinsten und unbedeutendsten Alltagskontakte hinein. Jedes Lächeln kann ein Schmetterlingsflügelschlag für eine weitreichende Veränderung der Liebeswetterlage sein. Ich glaube nicht, dass uns das bewusst ist oder dass wir diesem Umstand in unserem Leben immer angemessen Rechnung tragen.

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Fotografin Carola Schulze zeigt Fotos – aber die hat ihr Vater gemacht, vor 40 Jahren in Istanbul:
“Reisefotos Istanbul im Frühling 1986”.

Gleich die ersten Aufnahme vom großen Basar ist mein Liebling: Sie wirkt auf mich wie ein Standfoto aus einem damaligen James-Bond-Film, so ausgedacht.

  1. Sich und die Kultur auch als “Indian” bezeichnet, wenn es nicht gerade um ein konkretes Volk und seine Bräuche geht. []

Journal Samstag, 6. Juni 2026 – In Oldenburg geguckt und gefeiert

Sonntag, 7. Juni 2026

Im angenehmen Ferienwohnungsbett schlief ich zwar zerstückelt, aber lang. Großer Genuss von selbstgekochtem Morgenkaffee in Ferienwohnung als Erstes nach dem Aufwachen.

Die Gartenparty, zu der wir nach Oldenburg gereist waren, begann um 17 Uhr, bis dahin wollten wir ein wenig durch Oldenburg streifen. Zwar waren wir schon einige Male hier gewesen, aber immer an der Hand von unseren Freundinnen unterwegs: Gestern sah ich die Chance, eigene Orientierung herzustellen.

Das Wetter meinte es gut mit uns: Sonnig und mild, allerdings warnten uns wechselnd dunkle Wolken, dass Veränderung jederzeit möglich war.

Als Ziel wählten wir typisch touristisch zunächst Märkte. Der größte, lasen wir, war der am Pferdemarkt.

Schöner Spaziergang dorthin, sehr schöner Markt. Auf Mastodon sehe ich fast jeden Samstag die Ausbeute der gestrigen Gastgeberinnen von genau diesem Markt. In München fehlt mir sowas: Der Viktualienmarkt hat nicht damit zu tun. Er war schon bei meinem Zuzug nach München 1999 ein eher touristischer Ort, haute mich einmal zu oft übers Ohr, hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter zu einer instagramablen Snackeria entwickelt. Und die Wochenmärkte in den Münchner Stadtvierteln sind winzig. Allerdings werde ich mir mal den samstäglichen Bauernmarkt am Mariehilfplatz ansehen müssen, bevor ich wirklich jammere.

Highlight: Wir trafen die Gastgeberinnen beim Beutemachen für den Abend. Erste große Wiedersehensfreude, Umarmungen und Knutschen, Geschichten über den einen und die andere Standlerin. An einem der Käsestände kaufte ich drei niederländische Käsesorten in großen Stücken fürs Sonntagabendessen in München.

Zum kleineren Markt am Rathausplatz mäanderten wir die Oldenburger Altstadt gründlich ab.

Historisches Rathaus.

Jetzt hatte ich ungewöhnlich früh, nämlich noch vor eins, ungewöhnlich deutlich Frühstückshunger. Ich war online über ein Lokal gestolpert, das dafür Egg Drop Sandwiches anbot: Herr Kaltmamsell hatte davon bereits als aktuellem heißen Scheiß gelesen, es handelt sich um einen Frühstückstrend aus Korea. Brioche mit Rührei klang gut, wir spazierten an Parks, Gründerzeitbauten, Teichen vorbei ins Café Molk.

Ich bestellte eine Version mit Avocado (sehr gut!), dazu Süßkartoffelfritten (die ich eh liebe) und eine besonders gute Inger-Limette-Limo. Sehr zufriedenstellendes Frühstück.

Wir spazierten noch zum Schlossgarten auf eine Runde riesige Bäume, eben verblühende Rhododendren, Rosengarten.

Und wirklich riesigen Blättern.

Ausruhen in der Ferienwohnung, bevor wir zur Geburtstagsfeier aufbrachen.

Was für ein schöner Abend das wurde! Über allem liegt im Rückblick meine ganz persönliche und verquere Erleichterung, dass ich ja doch noch Menschen kann – einige schlimme Tage lang musste ich mit der Angst leben, dass mein sich immer enger verknotendes Gemüt mir auch diese Bereicherung nimmt.

Ich sprach mit sehr unterschiedlichen Leuten, wenn auch die meisten aus der akademischen Welt kamen. Aber ich nahm ja nicht nur Geschichten aus dem aktuellen Universitätsalltag mit (weiterhin für mich ausgesprochen spannend, weil sich seit meinen Studientagen unter anderem durch Bologna und die Exzellenzstrategie fast alles geändert hat). Sondern auch Tageserlebnisse, Urlaubsgeschichten – und einige Lebens-Updates von Menschen, die ich von vorherigen Festen der Gastgeberinnen kannte. Das genoss ich so!

Spaß immer wieder, wenn mich jemand fragte, woher ich die Jubilarin kannte: “Aus dem Internet.” Was halt stimmt: Wir sind einander auf Twitter begegnet, als sie noch in München wohnte. Auch mit dieser Freundin aus dem Internet verbinden mich inzwischen gut anderthalb Jahrzehnte Lebensbegleitung und innige Zuneigung, wenn auch meist aus der Ferne.

Außerdem Besichtigung des Gartens, ich hatte das damals frisch renovierte Haus zuletzt 2020 gesehen. Abendessen vom Buffet, dazu reichlich Cremant Bouvet Tresor. Auch mit den Gastgeberinnen konnte ich plaudern, genug, um einen nächsten Besuch bei ihnen im Januar ins Auge zu fassen.

Regen hatte die Feiergesellschaft einige Male nach drinnen getrieben, aber niemand machte den Eindruck, als schmälerte das die Feierfreude. Nur wenig vor Mitternacht gehörten Herr Kaltmamsell und ich zu den vorletzten, die sich verabschiedeten. Wir erwischten eine Regenpause für den Heimweg. Reichlich Wassertrinken vor dem Schlafen zur Kater-Prävention.

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Einen Hinweis von der re:publica umgesetzt: Die Flut künstlich generierter Inhalte werde im Web so erdrückend, dass eine Kennzeichnungspflicht “KI-generiert” müßig sei, denn Maschinen-erzeugte Inhalte seien bereits zügig auf dem Weg zur Norm. Sinnvoller sei es, Menschen-generierte Inhalte als solche zu kennzeichnen. Siehe also Seitenleiste links (in der Browser-Version des Blogs).

Journal Freitag, 5. Juni 2026 – #WMDEDGT: St. Brück mit Reise weit nach Norden

Samstag, 6. Juni 2026

Wie an jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen wieder “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt die Antworten unter #WMDEDGT? in ihrem Blog.

Auch diesmal nahm mein Körper die Chance auf reichlich Schlaf nicht an: Lang nicht eingeschlafen, oft aufgewacht, und die Nacht war zu Arbeitstagszeit zu Ende – da hatte auch das als beruhigend geltende Regenrauschen vorm Fenster nicht geholfen.

Kalt war es, ich brauchte dicke Socken beim Morgenkaffee. Nach frühem Aufstehen und Bloggen tritschelte ich herum, denn der Ausflug mit Herrn Kaltmamsell nach Oldenburg war bereits gut vorbereitet, ich brauchte keine zusätzliche Zeit. Die Abfahrt um die Mittagszeit verschaffte mir die Möglichkeit eines Isarlaufs, der Regen war mir egal.

In Regenlaufjacke und mit Schirmmütze nahm ich eine U-Bahn zum Hofgarten.

Der Regen hatte gerade aufgehört, setzte auch nicht mehr ein.

Ich lernte: Nasser Lindenblütenduft ist besonders fein.

Oben am Monopteros war mir die Jacke bereits zu warm: Ich rollte sie zusammen und wickelte sie um den Bauch, lief in Kurzarmshirt weiter. Auf leeren Wegen trabte ich an die Isar, lief nach Norden. Doch weder Körper noch Geist wollten in Selbstvergessenheit finden, das Laufen fühlte sich wie Arbeit an. Kein Grund irgendwas abzukürzen, wenn ich schon mal unterwegs war, dann halt als Sport.

Zurück daheim war ich rechtzeitig für gemütliches Packen und gemütlichen Spaziergang zum Münchner Gleisende, holte mir wie geplant einen Mittagscappuccino. Pünktliche Abfahrt.

Hopfen-Check in der Holledau. Auch dieses Jahr viele unbestellte Hopfengärten.

Ereignislose Reise bis Hannover, ich las Zeitung, auch liegengebliebene Teile von Vortagen, und um halb drei brotzeitete ich Apfel und Hüttenkäse. Langes Sitzen aber ist für mein Kreuz und meine Hüften einfach gar nichts.

Wenn man in Hannover umsteigt, noch dazu mit so viel Zeit wie wir sie hatten, dann – so hat man mir beigebracht – holt man sich ein Mettbrötchen. Ich denke sonst nie an Mettbrötchen, aber auf dieses freute ich mich seit Tagen.

Außerdem habe ich gelernt: Knappe Anschlüsse bei Verspätung immer dennoch versuchen. Das bewährte sich bei der verzögerten Ankunft in Bremen: Die App hatte ein Erreichen des Anschlusszugs bereits als unmöglich deklariert, wir schafften ihn dennoch. Allerdings beherzigten diesen Rat so viele Menschen aus nicht nur unserem verspäteten Zug, dass die Abfahrt sich um fünf Minuten verzögerte: “Wegen hohem Fahrgastaufkommen.” Der Zug war bummvoll, noch voller als die Regionalbahn von Hannover hierher gewesen war.

Auch das hatte ein Ende, nur wenige Minuten später als im Reiseplan trafen wir in Oldenburg ein – wo es nach einigem Regenprasseln an die Zugfenster in der vorherigen Stunde sogar trocken war. Diesmal hatte ich aus einem Impuls heraus Herrn Kaltmamsell die Reiseplanung und -buchung zugeschoben, er hatte als Unterkunft ein Ferienapartment in Bahnhofsnähe gebucht.

Fürs Abendessen hatten wir die Zutaten eingesteckt, Herr Kaltmamsell machte sich umgehend an die Zubereitung.

Und so standen keine 45 Minuten nach unserer Ankunft am Bahnhof noch vor halb zehn Orecchiette mit Ernteanteil-Brokkoli auf dem Tisch, eine große Freude. Zum Nachtisch hatte ich bei Ankunft noch schnell zwei Schokoriegel besorgt, alles hatte seine Ordnung. Zwar vorhergesehen, dennoch erstaunlich: Wie viel länger hell es hier oben im Norden ist, das wird am Samstag eine wunderbare Gartenparty.