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Journal Donnerstag, 27. August 2026 – Endlich Hirschgarten

Freitag, 28. August 2026

Herr Kaltmamsell und ich führen ja seit einiger Zeit eine Liste (er auch physisch) von Unternehmungen, die nur bei Sommerwetter funktionieren, und auf der sind dieses Jahr erstaunlich viele noch nicht unternommen, wenn man die bisherige Länge und Intensität des Sommers bedenkt.

Okaye Nacht, ich fühlte mich aber nicht ausgeschlafen. Freude allerdings über die frische Zimmertemperatur, die mir Einmummeln in die (ganz leichte) Sommerdecke erlaubte.

Die Morgenröte rutscht langsam zurück hinter St. Matthäus; im Höchstsommer findet sie einige Wochen links außerhalb meines Blickfelds statt.

Trotz Morgenfrische marschierte ich jackenlos ins Büro; es waren 30 Grad für den Tag angekündigt, die wollte ich nicht durch Jackenrumschleppen belasten.

Emsiger Vormittag, ich war trotz Augustruhe nützlich.

Mittagscappuccino unweit vom Markt am Georg-Freundorfer-Platz, anschließend aber wieder kein Käsekauf auf dem Markt, weil der Stand immer noch urlaubsabwesend war. Die Luft war bereits deutlich sommerlich, zu unangenehme Sonne aber durch Schleierwolkenfilter verhindert.

Mein Mittagessen bestand aus Nektarinen, Aprikosen, Renekloden, außerdem Skyjolei.

Nachmittag Online-Seminar mit einigen Erkenntnissen, kurz vor Feierabend kratzte ich nochmal meine Konzentration für einen Querschuss zusammen.

Direkter Weg nach Hause in schwülwarmer Luft unter dichten Wolken: Ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen im Hirschgarten verabredet, diesen Punkt von unserer Sommerunternehmungsliste hatten wir noch nicht durchgenommen. Trotz der Schwüle zeigte der Regenradar weder Gewitter noch Niederschlagsgefahr an, ich verließ mich darauf.

Wir nahmen eine Tram raus zum Hirschgarten, und zu meiner großen Freude wurde sogar Steckerlfisch angeboten – hatte ich unter der Woche wirklich nicht erwartet. Die Makrele war auch noch frisch gegrillt und saftig!

Ausschenker an der Bierschänke auf die Frage eines Herrn, ob es auch Halbe gebe: “Naa. Mir san a Biergarten, koa Kindergarten.” (Gibt es im Hirschgarten natürlich schon, aber an Ausgaben, wo man auch andere Getränke bekommt.)

Hirsch bei der Arbeit.

Blasmusik gab es auch, sogar besonders gute und leicht unkonventionelle (Blas & Band, gleichmal notiert, man weiß ja nie, wann man mal eine anständige Musi braucht) – ein Stück nur knapp am Pasodoble vorbei.

Medienmix auf den Notenständern.

Sehr satt von der Tram nach Hause geschaukelt worden. Dort wirbelte ich noch ein einige Zeit Vorbereitungen für Freitag, ich wollte ein weiteres Mal vor der Arbeit Schwimmen.

Ein wenig Süßigkeiten als Dessert.

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Nochmal Dolly Parton – und ich freue mich sehr darüber, wie viele Menschen jetzt überrascht merken, dass sie großartig war.

1977 interviewte Barbara Walters Dolly Parton – zwei Welten trafen aufeinander. Und es war nicht etwa die toughe und erfahrene Reporterin, die dabei gut wegkam. Communication Coach Alexander Lyon analysiert, warum das so ausging und was man hier von Dolly Parton lernen kann.

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https://youtu.be/dwtzw0s-5BI?si=im7ZZi78VnvB9Qr6

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Auch Tim Curry ist mit 80 Jahren gestorben (für mich weniger überraschend, ich wusste um seinen Schlaganfall 2012 und seinen schlechten Zustand).

Sein Dr. Frank N. Furter in der Rocky Horror Picture Show hat mich als Teenager tief geprägt: Dass ich Tim Currys ganz konkrete Darstellung nicht im geringsten als unmännlich empfand, wird mir erst jetzt bewusst (RRRRRRRrrrrr). Extra Applaus für das Make-up von Pierre La Roche (und für Costume Designer Sue Blane).

Deswegen empfehle ich auch Ihnen den intensiven Genuss hiervon:

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https://youtu.be/ZCZDWZFtyWY?si=9alJBhwFJK6VHwa0

(Warum war ich eigentlich nur einmal bei einer Vorführung in den Münchner Museum Lichtspielen? Und das vor 40 Jahren? Wobei ich die Musik zu dieser Zeit bereits komplett auswendig konnte, der Soundtrack hatte es über meine damalige Freundin Andrea längst in mein Jung-Mädchen-Zimmer geschafft. Und wie viele Altersgenoss*innen habe auch ich eine Schul-Geschichte: Wie wir unsere – feine, elegante frankophile – LK-Englisch-Leistungskursleiterin dazu brachten, den Film mit uns anzuschauen, ca. 1985. Uns an ihrer kompletten Entgeisterung ergötzend.)

Journal Mittwoch, 26. August 2026 – National treasure Dolly Parton

Donnerstag, 27. August 2026

Endlich mal wieder eine gute Nacht mit spürbar tiefen und langen Schlafphasen.

Aufgestanden zu Regentröpfeln und Kühle, doch bereits auf dem Weg in die Arbeit (in Turnschuhen, nicht Sandalen) wurde die Luft zwischen den vereinzelten Regentropfen langsam wärmer.

Emsiger Arbeitsvormittag, ich konnte mein Gehalt wert sein.

Mittags zum Sanitätshaus gehuscht, um endlich mein Rezept für neue orthopädische Einlagen einzulösen. Jetzt brauchte ich schon keine Jacke mehr. Bei dieser Gelegenheit zum Mittagscappucino abgebogen: Wegen langer Schlange weitergebogen zu einer selten genutzten Quelle.

Was mich freute: Es wachsen mir Ideen für den Bloglesungstext.

Zu Mittag gab es Banane, Zuckeraprikosen, rote Aprikosen, Renekloden (so gut!), außerdem Skyjolei.

Geordneter Arbeitsnachmittag, auf dem Heimweg war es fast schon sommerlich warm.

Zu Hause Yoga, wieder sportlich. Vor dem Abendessen war noch Zeit, ich setzte mich auf den Balkon zum Lesen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell einen Quiche-Teig aus der Gefriere aufgebraucht für eine Gemüse-Quiche.

Sehr gut! Nachtisch Süßigkeiten, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, beschienen durchs offene Fenster vom Vollmond am Sommernachthimmel.

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Dolly Parton war eine Jahrhundert-Begabung, sowohl als Musikerin als auch als echter Mensch.
Die Social-Media-Kanäle, in denen ich lese, waren und sind voll von Trauerbekundungen – in einem Maß und einer Breite, wie ich es noch nie erlebt habe. Niemand in den USA kam dem Status national treasure wohl näher als Dolly Parton – und hatte es sich verdient.

Mir ist am stärksten in Erinnerung geblieben, wie sie in einem Interview die Frage beantwortete, woher ihr Look eigentlich kam. Da erzählte sie, dass es in der verlassenen und bitterarmen Gegend Pittman Center, Tennessee, in der sie groß wurde, eine Frau gab, deren auffallende Aufmachung sie als kleines Mädchen unendlich bewunderte: Laute Farben, Glitzer, kurze Röcke, hohe Schuhe, riesige Haare. Dass man ihr erklärte, das sei die town tramp, die Dorf-Nutte, hinterließ genau gar keinen Eindruck: Genau so wollte sie einmal aussehen, fertig.
Diese Offenheit und diese selbstgewisse Subversivität bewunderte wiederum ich an Dolly Parton bis zuletzt.

Deshalb als meine Verneigung:

Dolly Parton Breaks Down 11 Looks From 1975 to Now | Life in Looks | Vogue

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https://youtu.be/ohvN75BaY1I?si=RX0YhyiFJMQmM_cp

Zudem ein ausführlicher Nachruf auf die Musikerin Dolly Parton im Guardian:
“Dolly Parton’s peerless career turned country music cliches inside out”.

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Künstlerin Katja Kelm hat in Hamburg einen Vortrag über ihre vier letzten Arbeitsgruppen gehalten und wie sie entstanden sind. Freundlicherweise hat sie ihn zusätzlich aufgenommen.

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https://youtu.be/z9VNJjaLRCU?si=lpg9WEoSuKwL5G7G

Journal Samstag, 22. August 2026 – Reise im Bullerbü-ICE zum Westerwald

Sonntag, 23. August 2026

Eine recht gute Nacht – morgens erinnerte ich mich an keine bemerkenswerten Erlebnisse.

Angenehm früh zu sehr zapfig frischer Luft von draußen aufgestanden, für die Reise nach Wochen erstmals an sowas wie eine Jacke gedacht.

Schon auf dem Weg zum Zug war ich froh um diese Jacke. Wir bestiegen den ICE mit Ziel Köln, fuhren pünktlich ab – und ahnten da noch nicht, dass wir einen verzauberten Bullerbü-ICE erwischt hatten, mit dem Bahnfahrende vermutlich nur einmal in ihrem Reiseleben beschenkt werden.

Das begann damit, dass ich mich über die Sitz-Ausstattung freute, bei der sich jemand wirklich Gast-orientierte Gedanken gemachte hatte (und die vor allem eine vermutlich byzantinische Entscheidungskette tatsächlich durchbrachte).

Eindeutig zivilisatorischer Fortschritt: Ein Jackenhaken, mit dem das Hängut nicht die Aussicht verdeckt; ein Miniregal für Tablet/Handy mit Haltklammer zum Bewegtbildgucken während der Fahrt. (Kannte ich in einer edlen Holz-Ausführung schon an einem anderen ICE-Modell, diese Version ließ mich auf Serien-Einrichtung hoffen.)

Es ging weiter mit dem Personal dieses Zugs, das von einer Liebenswürdigkeit, Zuvorkommenheit und Eleganz war, dass damit mindestens ein schief laufendes Infrastrukturprojekt der Deutschen Bahn ausgeglichen wurde:
– Zweimal kamen Speisewagen-Mitarbeiterinnen durch und verkauften frische Kaffee-Getränke, beim zweiten Mal trug die Dame eine Haar-Schur in drei Ebenen, verschieden gefärbt, die ein abstraktes Landschaftsbild ergab – sensationell.
– Als ich im Bord-Bistro selbst für Herrn Kaltmamsell und mich Mittagscappuccino holte, erlebte ich beim Anstehen einen Barista, der das Kleinstkind auf dem Arm seiner Mutter aufs Charmanteste umgarnte (und die erbetene Milch aus frisch geöffneter Packung erstmal selbst testete, ob sie auch bestimmt in Ordnung war), beim Cappuccino-Zubereiten mit dem US-amerikanischen Gast vor mir plauderte und sicherstellte, dass er sich wohl fühlte. Auch der Austausch mit mir machte den ganzen Speisewagen gleich ein Stückchen heller.
– Schaffner 1 im perfekt sitzenden weinroten Uniform-Dreiteiler: freundlich und souverän, hilfsbereit bei der Suche nach einem nicht reservierten Platz.
– Dann kündigte eine Durchsage eine Runde Steckerleis für alle an, im pünktlichen Zug, einfach so – das auch wirklich verteilt wurde.
– Schaffner 2 jackenlos, die Ärmel des weißen Hemds ungemein elegant hochgekrempelt, der durch den Wagen schlenderte, Blick wechselnd zwischen Passagieren und Display – „Eingecheckt, schon eingecheckt, eingecheckt – ein Traum.“ – auch er hatte ein Steckerleis in der Hand.

Insgesamt wirkte diese Fahrt dann doch wie eine Fernseh-Inszenierung. Aber eine gute.

Dazwischen Holledau.

Pünktlich stiegen wir in Siegburg aus, die 45 Minuten Aufenthalt nutzten wir für ein wenig Umsehen in dem Städtchen – an einem Samstag-Frühnachmittag ausgesprochen quirlig und sympathisch, es wurde gehochzeitet, in Außengastronomie gesessen, eingekauft.

Letzter Abschnitt in den Westerwald mit der Regionalbahn entlang lauter Orten mit “(Sieg)” und entlang dem gleichnamigen Fluss, der aufs Malerischste durch Idyll mäanderte.

Ab Ankunft und Aussteigen genossen wir den Zweck der Reise: Zeit mit Freunden. Sie war gefüllt mit:
– Sightseeing-Autofahrt
– Kaffeeundkuchen (Apfelkuchen aus Frühäpfeln des eigenen Gartens)
– Gartenbesichtigung

Aussicht von selbigem aus.

Fallapfelbuntheit wie Schatzhöhle.

– Dorfbesichtigung mit viel Hintergrund zu gesellschaftlichen Mechanismen (und Kühen, Kälbern, Pferden, wunderschönen Bressehühnern)
– Sightseeing-Autofahrt zu den beruflichen Wirkstätten der Freunde
– Abendessen beim freundlichen und köstlichen Lieblingsitaliener (bei mir Fettuccine mit Birne und Käse, dazu ein frischer Pinot grigio)
– Spaziergang durch die abendliche Fußgängerzone mit viel historischer Information
– viele Stunden Zusammensitzen über mehr Weißwein mit Gesprächen bis weit jenseits Mitternacht

Was insgesamt bedeutete: Austausch, Nähe, Verbindung mit so wunderbaren Menschen – überlaufendes Herz.

Journal Mittwoch, 19. August 2026 – Ungeschminkte Zehennägel

Donnerstag, 20. August 2026

Wieder eine erlebnisreiche Nacht, dennoch hatte ich beim Weckerklingeln das Gefühl, dass dazwischen Schlaf gewesen war.

Dass ich nicht zum frühem Schwimmen kam, schmerzte dann nicht einmal: Ich fühlte mich energielos, und von draußen kam es sehr kühl herein. Aber ich freute mich über den Anblick der nassen Straßen und Wege. Über die ging ich mit sogar einem leichten Jäckchen in die Arbeit.

Zu meiner Überraschung gefallen mir diesmal meine ungeschminkten Zehennägel (sie profitieren noch von der professionellen Pediküre vor wenigen Wochen inklusive Nägel-Polieren).

An meinem Arbeitsplatz tobte der Einrichtungsirrsinn des neuen Laptops weiter, zwischen all den freiwilligen (weil: vielleicht geht das irrlichternde Verhalten davon weg?) und erzwungenen Neustarts versuchte ich, die dringendsten Angelegenheiten im E-Mail-Postfach zu erhaschen. Auch sonst war ich erleichtert, jetzt schon zur Verfügung zu stehen und nicht erst um halb zehn nach einer Schwimmrunde.

Entsprechend emsiger Vormittag, doch einer der Termine war auch Mittagscappuccino mit einer Kollegin. Dennoch trieb es mich am späteren Mittag nach draußen auf eine jetzt sonnig-windige Runde um die Blöcke.

Zu Mittag gab es Aprikosen und Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Es blieb sonnig und wurde wieder sommerlich warm, aber nicht unangenehm heiß – wie ich feststellte, als ich nach Feierabend mit der U-Bahn an den Odeonsplatz gefahren war und von dort zum Hofbräuhausmühlenladen spazierte: Ich kaufte Roggenmehl Type 1370, das bekomme ich in den immer besser mit Mehlen bestückten Biosupermärkten nicht. Nächstes Brotbacken plane ich allerdings erst am übernächsten Wochenende.

Zu Hause Beine epiliert (liebe Evolution: behaarte Knie – warum?), Wäsche aufgehängt, eine Folge 6 Yoga (= core work) geturnt, bei der allerdings eher meine Hüftbeuger als die Bauchmuskeln jammerten.

Aus weiteren kastilischen Familien-Kichererbsen hatte Herr Kaltmamsell zwei Sorten Hummus bereitet (marokkanisch und mit Haselnussmus statt Tahini), die gab es mit Gurke und roter Paprika, außerdem weitere Reste aus dem Kühlschrank von den vergangenen Tagen. Nachtisch Mochi (Herr Kaltmamsell war auf meine Gelüste hin suchen gegangen) und Fruchtgummi.

Früh ins Bett zum Lesen, meine nächste Lektüre ist von Amal El-Mohtar und Max Gladstone This Is How You Lose the Time War, eines der Bücher, die ich im Science-Fiction-Bereich des Waterstone in Brighton entdeckt hatte. Ich ließ mich nicht davon abschrecken, dass es mit “Twitter sensation” vermarktet wird: Der Roman erschien 2019 und wird immer noch empfohlen, das flößte mir Vertrauen ein.

Neues Buch, neues Glück – das funktioniert bei mir auch noch fast 53 Jahre nach Lesenlernen.

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Ben, also Stadtneurotiker, lernte ich vor vielen, vielen Jahren (“mer zälle ja net” sagt die Hessin) u.a. als Rock-tragenden Blogger kennen. Damals hätte ich nicht erwartet, dass er diese vielen, vielen Jahre später immer noch der einzige ist, den ich namentlich kenne. Eben bloggte er mal wieder etwas über Röcke an Männern (nicht sein Hauptthema, zu anderen hat er viel öfter Interessantes zu sagen).
“Sich anti-kapitalistisch anziehen”.

Journal Sonntag, 16. August 2026 – Hoffentlich Abschied von der Brüllhitze und von Ferien

Montag, 17. August 2026

Nachts will ich eigentlich nicht so viel erleben: Fenster auf, weil es von Draußen endlich kühl kommt / Türen der Wohnung lieber zu, weil Wind aufkommt / Klo 1, 2, 3 / Aufwachen von Gebrüll im Nußbaumpark. Ein halbwegs durchschlafene Nacht würde dem Spiel gut tun.

Früh aufgestanden zu bedecktem Himmel, meine ersten Handgriffe galten dem Brotbacken. Blumengießen, Kaffeekochen, Balkonkaffee, Ibu 600 gegen Zahn-/Gesichtsschmerzen (wirkte überraschend schnell, war wohl die genau richtige Dosis). Schlechter Schlaf und Schmerzen am Kopf sind in meinem Assoziationsnetz weiterhin eng mit Verkaterung verdrahtet, ich musste mich immer wieder aktiv daran erinnern, dass ich am Vortag und -abend keinerlei Alkohol getrunken hatte.

Ärger über einen ungegebetenen Gesundheisttipp einer random Blogleserin per E-Mail nach dem üblichen Muster: Irgendeine random Ärztin wurde zitiert mit vagem Bezug zu meinen Beschwerden. Erntshaftes Grübeln: Warum und wozu schreibt mir jemand sowas? Sind das diese parasozialen Beziehungen, die ihr ein Verhältnis zu mir wie zu einer vertrauten Kollegin vorgaukeln, bei deren Gesundheitsbeschwerden man in der Bürotür einfach daherplappert? Zumindest musste ich die Mail nicht ganz lesen – im Gegensatz zu früheren Kommentaren hier im Blog.

Plan war eine Schwimmrunde im Dantebad, Aufbruch nach Brotfertigstellung. Da wieder deutlich über 30 Grad angekündigt waren, ließ ich das Fahrrad lieber im Keller und nahm die wohltemperierte U-Bahn raus zum Westfriedhof (mit Umsteigen in Gern: Ferienzeit ist Baustellenzeit).

Unter weiterhin bedecktem Himmel war auf den Schwimmbahnen überraschend viel los, und nicht alle erwiesen sich als freundlich. Doch ich genoss das Schwimmen, kraulte so gedankenverloren, dass mich mehrfach das Bahn-Ende überraschte. Also legte ich gleich mal 200 Meter auf meine 3.000 drauf. Gegen Ende riss der Himmel auf und ließ die Sonne durch. Ich merkte, dass ich in den vergangenen beiden Wochen wirklich genug Sonnenschein abbekommen und keinerlei Lust auf ein Bad darin hatte. Also gleich gründliches Duschen und Pflegen.

Rückweg mit Spaziergang bis Gern, U-Bahn zum Sendlinger Tor; das Apothekenthermometer zeigte im Schatten 33 Grad an. Aber gestern sollte ja der Tag des Umschwungs ins Kühle sein.

Balkon-Situation: Herr Kaltmamsell setzte ein Parmigiana-Rezept um, das ich ihm geschickt hatte (€) und in dem die Auberginenscheiben vor dem Braten in der Sommersonne angetrocknet werden. Da er gestern seine Eltern besuchte, übernahm das Wenden ich.

Frühstück kurz vor zwei: frischgebackenes Brot mit
– Butter
– Butter und Orangenmarmelade
– Butter und Zuckerrübensirup (bei diesen Temperaturen für meinen Geschmack zu dünnflüssig)

Auch gestern probierte ich Siesta, diesmal klappte sie eine halbe Stunde lang.

In der Hoffnung auf Verbesserung des Nachtschlafs auf den Arbeitsmontag fuhr ich den Arbeitsrechner hoch und checkte meine Mails. Keine wirklich bösen Überraschungen, aber deutliche Erinnerung, wie viel schöner Urlaub ist als Arbeiten.

Um wenigstens unbelastet von Bügelwäsche in die Arbeitswoche zu starten, machte ich klar Schiff und genoss Musik auf den Ohren.

Ich freute mich wieder auf Yoga, musste das aber etwas verschieben, weil mein Kreislauf eigene Pläne hatte und mich zweimal durchs ganze Programm mit Schwindel, Schweißausbruch, Frieren schubste.

Rechtzeitig zum Abendessen war ich wieder wohlauf.

Diese Parmigiana mit Sonnenbrand schmeckte ganz hervorragend, dank des verwendeten Scamorza sogar nach Schinken.

Anschließend lud ich Herrn Kaltmamsell zum Dessert auf einen Eisbecher beim benachbarten Eisdieler ein – doch der hatte geschlossen, erklärungslos. War gestern wieder ein wichtiges Fußballspiel (meine Wissens ein valider Grund für ihn, vorzeitig zu schließen)? Also gab es daheim wieder Schokolade.

Aufräumen für den Putzmann und für die Arbeitswoche. Tiefer Seufzer.

Journal Samstag, 15. August 2026 – Mariä Einschulung im Familienkreis

Sonntag, 16. August 2026

Ich möchte bittegerne wieder den guten Nachtschlaf aus Brighton, nicht dieses halbgare Mittelschlafen mit Unterbrechungen und Dankbarkeit für das Ende der Nacht. Den ganzen Tag fühlte ich mich benommen – und das wo ich mich so auf die Einladung bei der Familie meines Bruders samt meinen Eltern freute.

Die dritte Maschine Wäsche aufgehängt, jetzt war ich vorerst mit allem durch.

Sehr frischer Morgen, doch am Tag wurde es wieder deutlich über 30 Grad heiß. Schon auf dem Weg zum Zug nach Ingolstadt suchten wir den Schatten.

Kranballett über weggem Münchner Hauptbahnhof.

Die Holledau überraschte uns beim Durchfahren mit saftigem Grün.

Der Hopfen sah gut aus, der Mais stand hoch mit großen Kolben. Das fiel uns vor allem im Vergleich mit den ausgedorrten Landschaften auf, die wir in Südengland durchwandert und durchfahren hatten.

Beim Spaziergang vom Bahnhof Ingolstadt Audi nach Etting zur Einladung kurz vor dem Mittagsläuten von Sankt Michael war es in der Sonne bereits ausgesprochen unangenehm – und die Strecke ist fast schattenlos.

Anlass der Einladung (nicht dass es dafür Anlässe bräuchte) war die Rückkehr aller aus Urlaub: Jetzt erzählten wir einander davon. Am meisten interessierte der Spanienurlaub der Nifften und meines Bruders bei unserer kastilischen Familie auf dem Land mit vielen Details.

Unter anderem die übliche Abfolge großer festlicher Familienmahlzeiten, bei denen sich vor der eigentlich angekündigten Hauptmahlzeit (z.B. Paella) bereits der Tisch unter Vorspeisen biegt. Vor diesem Hintergrund kündigte mein Bruder an, dass gegrillt werde – und servierte spanische Vorspeisen von frisch zubereiteter Tortilla über Oliven und Fischkonserven bis besonders feinem mitgebrachtem Käse mit Trüffel.

Irgendwann zogen wir an den Tisch unter dem mächtigen Walnussbaum (und mehreren Sonnenschirmen) im Garten um, weil tatsächlich gegrillt wurde. Es gab vom Grill Lammkoteletts, Schweinefilet, Schweinerippchen, Rinderrippchen, Pimientos de padrón, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Fladenbrot, dazu Salate.

Und wir spielten ein wenig “Klimakatastrophe ganz persönlich”:
– Hitzewelle verkürzt Münchenurlaub, weil sie jede Energie nimmt.
– Waldbrände in näherer Sichtweite am Gardasee erschweren Entspannung.
– Warum man wirklich, wirklich keinen Kontakt mit Blaualgen will.
– Müde landwirtschaftliche Verwandtschaft in Kastilien, die wegen Funken- und dadurch Brandgefahr zwischen 12 und 20 Uhr die Felder nicht bearbeiten darf – und auf die Zeiten dazwischen ausweichen muss.

Abschließendes Verteilen der Mitgebsel der kastilischen Familie: Selbst angebaut Knoblauch und Kichererbsen (letztere mit der Empfehlung, sie bis zum Gebrauch einzufrieren), selbst gebackener Kuchen, außerdem Schokolade und Wurstwaren. Viel wichtiger noch: Vorlesen des dazu geschriebenen Briefleins an meinen Vater.

Zur Rückfahrt ließen wir uns in der über 30 Grad prügelnden Hitze von meinen Eltern mit dem Auto bringen, nur wenig verspätet kamen wir mit vielen anderen am Starnberger Flügelbahnhof in München an. Langsam schoben wir uns durch das Baustellen-bedingte Gedränge an den Bahnsteigen zum nördlichen Bahnhofsviertel – ich bin schon sehr gespannt, wie sich die bereits jetzt immer wieder gefährlichen Zustände zur Oktoberfestzeit entwickeln, wenn die sich drängenden Menschen auch noch stark alkoholisiert sind (das Alkoholverbot am Bahnhof wird sich ja wohl nicht auf den Alkoholgehalt im Blut beziehen?).

Daheim turnten alle Yoga (nacheinander, weil nur eine Matte) – wie ich dieses Durchdehnen vor allem der Beinrückseite vermisst hatte! Ich hatte sogar noch Abendessensappetit: Gurke aus Schwägerins Garten (in dem wegen der Dürre seit einer ganzen Weile nur noch Nutzpflanzen gegossen werden), Skyr mit Joghurt, kastilischer Kuchen, Schokolade.

Doof: Seit Freitag habe ich wieder diese merkwürdigen Zahnschmerzen (alle neurologischen Untersuchungen o.B.), die ja nichts mit Zähnen zu tun haben, diesmal mit Schwerpunkt rechts oben und sich über die rechte Gesichtshälfte erstreckend. Ibu 400 kamen bereits an ihre Grenzen, ich werde wohl wieder auf die 600er hochschrauben müssen.

Journal Freitag, 14. August 2026 – Letzter Urlaubstag auf Hitze eingestellt

Samstag, 15. August 2026

Schlechte Nacht, obwohl bald durch die offenen Fenster richtig kühle Luft hereinkam, die mich sogar zu einer Decke greifen ließ. Beim Aufwachen war die Temperatur in meinem Schlafzimmer auf wenig über 23 Grad gesunken.

Langes Ausschlafen hätte mir eh nicht in die Pläne gepasst. Erstmal versorgte ich die Pflanzen, die meine Mutter beim Wohnungshüten gepflegt und gepäppelt hatte. Dann Heimkommschritt mit Balkonkaffee.

So früh wie ohne Hetzen möglich wollte ich die Morgenfrische für einen Lauf nutzen, die wahrscheinlich letzte Gelegenheit für die nächsten beiden Wochen.

Laufen endlich wieder mit Sonnenbrille! (Liebe Tippgeber*innen für Alternativen: Wenn ich das Haus verlasse, habe ich genau drei Dinge IMMER dabei, nämlich Brille – auf der Nase, zählt eigentlich als Kleidung – , Hausschlüssel, Handy. An alles andere muss ich aktiv denken und es einstecken, also auch an Aufsätze oder Überzieher. Da kann ich gradsogut an die Sonnenbrille selbst denken.)

Ich nahm die Strecke Mehr-Netto-vom-Brutto in der Schattenversion: ab Haustür über den Alten Südfriedhof, Westermühlbach entlang unter der Kapuzinerstraße durch, Isarufer über Flaucher nach Thalkirchen. Und weil jedes Bisschen Sonne unangenehm war, lief ich ebenso schattig zurück. Zunächst waren meine Beine schwer, und meine Lungen vermissten die Seeluft. Doch nach einer Weile mit Konzentration auf Füßeheben kam ich doch in den ersehnten Fluss und genoss die Bewegung. Außerdem gab’s reichlich Schatten (im Gegensatz zu der Strecke im nördlichen Englischen Garten entlang der Isar, deren relative Schattenarmut mich an heißen Hochsommertagen schon mehrfach überraschte).

Schatten zwischen Wittelsbacher- und Brudermühlbrücke.

Schatten kurz vorm Flaucher.

Kein Schatten auf dem Flauchersteg.

Niedrigststand der Isar von Maria Einsiedel aus.

Schatten beim Tierpark Hellabrunn.

Dieses Grün! Dieses Blau! Ich merke, dass ich bereits wieder Farben sammle für den fahlen Winter.

Schatten am Westermühlbach.

Unterwegs begegneten mir auffallend viele Läufer*innen mit der Hautfarbe, die ich vor allem an den Nackerten auf den Isarbänken kenne, Tönung überwürztes Brathendl. Habe ich die Hautkrebs-Olympiade verpasst?

(Schnell aus der Hüfte geschossen, ich wollte den Herrn nicht bei der Arbeit stören.)
Auf dem Alten Südfriedhof mal wieder etwas gelernt. Weil es gerade restauriert wurde, fiel mein Blick auf das Grabmal links mit der Aufschrift “GRABSTAETTE DER CHURPFALZ BAIRISHEN EDELKNABEN” (SIC!).
Die was? Recherche zurück daheim ergab, dass es sich um Edelknaben der königlich bayerischen Pagerie handelte, und dazu finden sich Informationen bei Wikipedia (tl;dr Kadettenanstalt für Adelige).

Im Nußbaumpark wird der erhebliche Polizeidruck fortgeführt, wie schon vor unserer Reise. Auch beim gestrigen Kreuzen sah ich eine Leibes-Durchsuchung. Offensichtlich setzt die Stadtpolitik also tatsächlich auf Verdrängung, wie sie schon am Hauptbahnhof und im Alten Botanischen Garten umgesetzt wurde – mit dem Ergebnis, dass die elenden Gestalten von dort sich zu den bereits vorhandenen im Nußbaumpark gesellten. Weil sie sich bei allem Polizeidruck einfach nicht in Luft auflösten. Jetzt steigt die Spannung, wo sie sich nach erfolgreicher Verdrängung sammeln werden. Am Gollierplatz sehe ich erste Anzeichen.

Kurz nach Mittag hatte ich einen Friseurtermin. Vor zwei Wochen war ich versucht gewesen ihn abzusagen, weil mir die Haare noch kurz genug vorkamen. Doch dann merkte ich, dass mir allein die Menge Fell auf dem Kopf zu viel wurde. Und es war tatsächlich ganz erstaunlich, wie viel Zeug beim Schnitt von kurz auf ganz kurz abfiel.

Ich war ganz besonders zufrieden.

Auf dem Rückweg mit Lebensmitteleinkäufen im Alnatura zeigte das Apothekenthermometer um halb drei 32 Grad im Schatten an.

Frühstück kurz vor drei: Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, darin zwei Birnen (gibt’s schon aus Italien). Aha, ist also auch weiterhin die Speise, auf die ich gegen Hungerbauchweh bei Appetitlosigkeit am meisten Lust habe.

Danach war ich sehr müde, beschloss also eine Siesta – ausnahmsweise zur korrekten Jahreszeit bei korrektem Wetter zur korrekten Zeit. Und konnte dann nicht schlafen, meia.

Gammeln und Lesen in der gut temperierten Wohnung, Start eines neuen Yoga-Programms: mal wieder “Move” mit Adriene.

Herr Kaltmamsell hatte den Tag mit vielen Einkäufen verbracht. Zum Nachtmahl servierte er Farinata gewürzt mit gebratenen Zwiebeln und Thymian, ich schnitt ein paar Tomaten dazu auf. Wein dazu ein österreichischer Rosé Zorra von den Nittnaus. Und dann hatte er extra mir zuliebe frischen Zuckermais gejagt und im Ofen gegrillt: Mich hatte arg geschmerzt, dass wir den raren (weil im Anbau unerwartet anstrengenden) Zuckermais im Ernteanteil verpasst hatten. Begeistert nagte ich zwei Kolben ab. Und verbrachte dann viel Zeit mit Zahnseide.
Nachtisch Honigmelone, Schokolade.

Abendunterhaltung: Auf Phoenix erwischten wir eine dreiteilige Doku von 2023 über die Neue Deutsche Welle. Mit Herrn Kaltmamsell glich ich Erinnerungen ab, lernte aber auch Neues vor allem über die ostdeutsche Seite der NDW, die ich als Zeitzeugin natürlich nicht selbst mitbekommen hatte.

Beim Zu-Bett-Gehen kurz vor elf hatte es draußen gerade mal genug abgekühlt, dass wir die Fenster öffnen konnten.