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Journal Donnerstag, 8. Oktober 2026 – Style-Abenteuer und Beifang aus dem Internetz

Freitag, 9. Oktober 2026

Einmal zu oft nachts aufgewacht für wirklich erholsamen Schlaf.

Angekündigter düsterer Morgen, was ich allerdings erst kurz vor Verlassen des Hauses sah, weil es erst dann genug getagt hatte.

Wieder dotzten Wespen von außen gegen die Fenster aller beleuchteter Räume, wieder lüftete ich lieber nur in den Innenhof.

Meine Art Abenteuer: Ich versuchte mich auch mal in French Tuck. Ich war nicht überzeugt, schon gar nicht vom versprochenen Effekt “mühelos cool”. Ließ das aber so, weil sonst die Gürtelschließe beim Sitzen Kontakt mit meinem Bauch gehabt hätte – und das verursacht zuverlässig Ausschlag (Nickel-Verdacht).

In der Arbeit fragte ich vorsichtshalber eine Kollegin, die ich regelmäßig mit diesem Style sehe, ob ich auch alles richtig machte. Sie gab mir Daumen hoch. (Für sie war diese Art des vorderen Reinstopfens so selbstverständlich, dass sie nichtmal die Bezeichnung French Tuck kannte – Generationenunterschiede.)

Der Marsch ins Büro war noch mild genug für offene Jeansjacke.

Aber düster. Wie jedes Jahr im Oktober beginne ich mich nach der Winterzeit zu sehnen.

Hauptbeschäftigung des Vormittags: Reise-Orga. Wieder kämpfte ich mit absurd hohen Hotelpreisen in München, diesmal für 10. bis 12. November, wieder vermisste ich eine zentrale Website “Großveranstaltungen in München” zur Ursachenrecherche. Also fragte ich meine kleinen Internet-Freunde auf Mastodon – und bekam postwendend1 die Info: Messe electronica. Also buchte ich etwas nur doppelt so teures wie laut Liste erlaubt und schrieb einen kleinen Erklärungsaufsatz dazu, inklusive Screenshots.

Mittags ging ich raus auf Cappuccino im Westend, auf dem Markt kaufte ich Käse für den Abend – keine Bodensee-Äpfel, weil im gestrigen Ernteanteil Äpfel angekündigt waren. Es war immer noch mild.

Erst noch einiges weggearbeitet, dann gab es zu Mittag den letzten Bodensee-Apfel der Vorwoche, außerdem Granatapfelkerne mit Sojajoghurt und Mohn, von Letzterem hatte ich noch eine ganze Weile danach was.

Jetzt endlich kippte das Wetter und echter Regen setzte ein (aber nur für wenige Stunden – so wird unser Regenrückhaltebecken in der Gärtnerei ja NIE voll!).

Nachmittag unter anderem Kampf mit der Maschine: Einer der Großdrucker kaprizierte sich auf Papierfalten. Ich kam einer Kollegin zu Hilfe, knurrend: “Bis jetzt bin ich noch mit jedem Papierstau ferig geworden.”
Drucker: “Challenge accepted.”
Jede Papierstau-Beseitigung wurde von einer noch elaborierteren gefolgt, irgendwann zeigte das Display DREI Fehlercodes an. Ich knickte ein und gab ein Störungs-Ticket auf, wieder eine Superheldinnenkraft weniger.

Auf meinem Heimweg war es weiterhin düster, doch es regnete nicht – gar nicht gut. Unterwegs Einkäufe im Süpermarket Verdi.

Zu Hause Häuslichkeiten, eine Viertelstunde Rückengymnastik, wieder mit abgefahrenen Übungen und Tipps. Zwei weitere Granatäpfel meditativ entkernt und zu Brotzeit für Freitag verarbeitet.

Donnerstag ist Ernteanteiltag, gestern bestand er aus diesem (den gigantischen Blumenkohl werde ich fotografieren müssen). Ich freute mich über den Romanasalat und hatte extra eine süße Zwiebel dazu gekauft, um ihn auf spanische Art anzumachen. Von voriger Woche war noch ein Hokaido-Kürbis übrig, den buk Herr Kaltmamsell in Schnitzen im Ofen.

Dazu den Käse vom Markt. Nachtisch noch eine geteilte Quitte mit Joghurt und Honig, ich hatte am Mittwochabend gleich zwei in den Ofen gesteckt. Und Schokolade.

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Nicole Diekmann nimmt den Jahrestag des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober zum Anlass, auf den tiefen und im Grunde reflexhaften Antisemitismus in unserer Gesellschaft hinzuweisen. Ihre Beweismittel: Kommentare im Web unter Posts über diesen Terrorangriff:
“An einem Wort erkennt man den Unterschied”.

Denn unter solchen Posts breitet sich der Hass aus. Und der ist nicht nur sichtbar, der ist auch in Zahlen vermessen. Das Projekt “Decoding Antisemitism” an der TU Berlin wertet seit 2020 Kommentarspalten etablierter Medien aus, darunter “Zeit”, der britische “Guardian” und die französische “Le Monde”. Schmuddelecken des Netzes sind das nicht. Nach dem 7. Oktober 2023 verdreifachte sich dort die Zahl antisemitischer Kommentare. In deutschen YouTube-Kommentarspalten fanden sie sich in bis zu jedem vierten.

Gegenhalten, wie Nicole Diekmann zurecht fordert, schaffe ich im konkreten Fall leider nur selten, weil meine Empörung zu schnell mit mir durchgeht. Zumindest reiche ich ihre Bestandsaufnahme und ihren Appell weiter.

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Eva Troelenberg bereist gerade Usbekistan und postet Fotos davon auf instagram – hier geht’s los. Bei den Bildern vom Bahnhof Samarkand musste ich ein bisschen weinen. Jajaja, Deutsche Bahn, erstmal zuverlässige Verbindungen. Aber dann machen wir die großen Bahnhöfe schön, ja? Also welche, die nicht nur “Muss ja” und “Wenigstens kriegen wir durch Ladenmiete Geld rein” ausstrahlen.

§

Einer der Newsletter, die ich abonniert habe, ist vom USA-Medium Vox “Log off”: Jeden Werktag EINE relevante Trump-Nachricht, kundig eingeordnet – und nur WENN es Relevantes gibt. Den ganzen Scheiß drumrum lassen sie weg. Und dazu weisen sie immer noch auf etwas Aufmunterndes hin, zum Beispiel auf niedliche Tiere.

Gestern gab es nichts Relevantes von Trump, dafür einen Link zu Überlegungen, warum (in USA) (in diesen Kreisen) Dinner Partys aussterben.
Es mag sich durchaus um ein Symptom der belegbaren Vereinzelung von Menschen in westlichen Kulturen handeln (mögliche Ursachen Corona, Smartphonisierung von zwischenmenschlichen Kontakten). Auch ich beobachte eine Abnahme von Dinner Partys – bei mir. Deshalb bin ich Herrn Kaltmamsell sehr dankbar, dass er in den vergangenen Monaten zweimal Kolleg*innen zum Abendessen eingeladen hat. (Und ich habe noch eine Einladung zu Short Ribs an zwei Freunde offen – KOMMT NOCH!)

Denn an sich bin ich völlig auf Gastgeben gepolt, siehe meine Ausführungen vor drei Jahren: “Vom Gastgeben”. Und als wir vor fünf Jahren unsere jetzige Wohnung einrichteten, war die unausgesprochene Vorgabe fürs Wohnzimmer: Dinnerparty-Tauglichkeit, also ausziehbarer Tisch und sechs Stühle (weitere sechs stehen an anderen Stellen einsatzbereit). Ich hoffe sehr, dass wir sie noch häufig nutzen.
(Diese Angst kenne ich allerdings überhaupt nicht: “Don’t let a messy house stop you from hosting”. Richtig eklig dreckig wird es bei mir schon seit Jahrzehnten nicht mehr.)

  1. Schöner sprachlicher Atavismus. [↩]

Journal Mittwoch, 7. Oktober 2026 – Wespentage

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Trotz spätem Einschlafen (Aufgekratztheit vom Familienabend verhinderte eine Weile lang Einschlafen) bereits einige Minuten vor Wecker aufgewacht.

Ich zwang mich, mir nahezu ohne Hektik die Zeit fürs Bloggen zu nehmen (sonst an Arbeitstagen bereits am Vorabend erledigt, morgens lediglich finalisiert mit Gegenlesen und der einen oder anderen Nachrecherche): Es war wirklich, wirklich unerheblich, wenn ich eine halbe Stunde später als sonst am Schreibtisch ankäme.

Versuchte Wespen-Übernahme der Wohnung: An Balkontür und
-fenster zum beleuchteten Wohnzimmer hingen Dutzende Wespen (und richteten durch Rumspucken eine rechte Sauerei auf dem Glas an), durchs geöffneten Schlafzimmerfenster waren bereits einige hereingekommen. An allen anderen Fenstern beleuchteter Räume hörte ich sie andotzen. Gestern ließ ich das mit dem morgendlichen Wohnungs-Durchpusten durch geöffnete Fenster lieber mal bleiben.

Angenehmer Marsch in die Arbeit, ich leistete mir nochmal nackte Beine unter Baumwollkleid, denn es waren bis zu 23 Grad angekündigt. Am Donnerstag soll das Wetter aber jetzt wirklich echt ehrlich in Herbst umschlagen. MIT Regen! (Ja bitte.)

Im Büro gesteigerte Geschäftigkeit, etwas getrübt durch Brummschädel; Ibu half zumindest gegen den Schmerz.

Raus auf meinen Mittagscappuccino ins Westend, wieder durch einen herrlichen Tag.

Hier erste Sichtung Halloween-Deko des Jahres. Gerhard Polts Behauptung, dass auf dem Oktoberfest in die letzte Mass Bier bereits der erste Zimtstern getunkt wird, muss aktualisiert werden: Es gibt seit einiger Zeit ein Fest dazwischen.

Zu Mittag aß ich später Apfel und Skyjolei.

Anstrengender Nachmittag, der schier nicht enden wollte. Aber es dann doch tat.

Auf dem Heimweg durch den heuer scheinbar ewigen Spätsommer stoppte ich für Einkäufe im Drogeriemarkt (u.a. Eisentabletten: Symptome wie wunde Mundwinkel lassen mich vermuten, dass der Eisenwert meines Bluts mal wieder wie so oft zu niedrig liegt) und beim Vollcorner.

Zu Hause Häuslichkeiten (darunter Beseitigung eines Dutzends toter Wespen vom Schlafzimmer-Fensterbrett), ein Viertelstündchen Gymnastik mit Gabi Fastner (Faszien!), Brotzeitvorbereitung (Granatapfelkern-Meditation). Vom Ernteanteil waren noch ein Kohlrabi und Kartoffeln übrig, die servierte Herr Kaltmamsell mit klassischer Einbrenn als Abendbrot – gut!

Nachtisch von mir: Ofenquitte mit griechischem Joghurt und Honig (aus derselben Quelle wie die Quitten: what grows together goes together). Und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Tourismus prägt Städte – Hamburg-Innenstädtler Maximilian Buddenbohm und ich als München-Innenstädtlerin wissen das sehr gut. (Und finden einen möglichst erfreulichen Umgang damit.)

Unerwartet war allerdings ein Tourismus-Ereignis vergangenen Sonntag. Nach meiner Laufrunde an der Isar spazierte ich zum großen Bäcker Wimmer (inklusive, wie heute üblich, Café-Bereich) in der Wagmüllerstraße für Frühstückssemmeln. Direkt vor mir betrat eine etwa 20-köpfige Tourist*innengruppe den Laden (vermutlich nach Besuch der Sehenswürdigkeit Eisbachwelle – für das viel spannendere Bayerische Nationalmuseum interessiert sich ja kaum jemand), spanischsprachig und alle sehr interessiert am Angebot in der Vitrine. Ja mei, doofes Timing, musste ich halt länger warten – ich hatte doch Zeit. Zum Glück stellte sich die Gruppe als eine geführte heraus: Die Reiseleiterin brachte sie durch geschicktes Umkreisen (wahrscheinlich bei Herdenhütehunden abgeschaut) weg von der Theke und fragte Wünsche für eine Sammelbestellung ab: “¿Una breze para cada uno?” So kam ich dann doch ganz schnell zu meinen Frühstückssemmeln. (Breze definitiv zeigenswertes Münchner Kulturgut.)

Journal Dienstag, 6. Oktober 2026 – Geburtstagsfeier in Ingolstadt

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Ziemlich unruhige Nacht, ohne dass ich Anlässe und Ursachen wüsste, Laune bei Weckerklingeln aber ok.

Der Tagesanfang verschiebt sich weiter, erst beim Anziehen nach Duschen (und Bloggen an Morgenkaffee und Morgengymnastik) konnte ich erkennen, dass es wolkenlos hell wurde.

Entsprechend schön wurde mein Marsch in die Arbeit.

St. Paul in rosigem Morgenlicht.

In der Arbeit Arbeit, außerdem lernte ich Tricks fürs byzantinischste unserer vielen byzantinischen IT-Systeme.

Großer Schreck, weil ich schon wieder einen Fehler gemacht hatte – zwar korrigierbar, aber schlichte Schludrigkeit. Bitten um Entschuldigung ringsum, inneres großes ZEFIX.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich mittags wieder möglichst lange und weit raus in die Sonne kam. Allso geschah es, ich bekam Sonne, angenehm frische Luft und einen Abstecher in einen Blumenladen. Dort lernte ich von der Floristin, dass es gerade KEINE gute Idee ist, für den Transport die Enden von Schnittblumen mit nassem Papiertuch zu umwickeln: Laut ihr ist das Papier nicht nass genug und entzieht den Blumenenden sogar Feuchtigkeit; sie riet zu einem Einmachglas mit Wasser, in das man die Blumen für den Transport stecken sollte. Wie praktisch, dass ich ein solches im Büro hatte – zu diesem Zeitpunkt noch voll Brotzeit, aber das würde sich bis zur Reise geändert haben.

Aus der Reihe wegge Dinge: Wegger Stromkasten.

Zu Mittag gab es Granatapfelkerne aus der ersten Lieferung 2026 des adoptierten Crowdfarming-Baums: Ich war vorher per E-Mail vor möglicherweise schimmligem Inneren gewarnt worden, für diese Eventualität gab’s zwei Granatäpfelchen als Dreingabe – und der erste Granatapfel war gleich mal zu 2/3 schimmlig gewesen. Der zweite gar nicht. Außerdem aß ich Hüttenkäse.

Emsiger Nachmittag mit pünktlichem Abschluss: Abends war ich in Ingolstadt auf eine Geburtstagsfeier eingeladen. Für die Fahrt dorthin traf ich mich mit Herrn Kaltmamsell am Zug, wir warteten um diese Zeit zwischen vielen, vielen Pendler*innen. Lustige Gleiswechselspielchen, bis wir mit genügend Vorlauf auf Sitzplätzen saßen, bis zur Abfahrt des Zugs standen Menschen um uns herum.

Fahrt durch sonnige, abgeerntete Landschaften und nur wenig bunte Bäume. Kurz vor Ingolstadt Hauptbahnhof passierte mir dann doch das Malheur, dass ich die Behelfsblumenvase auf meinem Schoß umstieß; ich verließ den Zug mit nassem Jackenärmel und einem großen Wasserfleck auf meiner Hose, der genau dem Bild Einnässen entsprach.

Doch wir hatte genügend Zeit für einen halbstündigen Spaziergang in die Innenstadt zur Verabredung, die Hose konnte trocknen.

Die Donau von Ingolstadt an der Donau, darin rechts unten ein Graureiher.

Vorbei an der legendären Metzgerei Meixner, seit vielen Jahren aufgegeben – aber man schätzt die Legende hier so sehr, dass man den Schriftzug erhalten hat. (Nicht genug allerdings, um genügend für einen Geschäftserhalt dort einzukaufen, weil’s doch im Supermarkt billiger ist, “ich bin doch nicht blöd”.)

Treffen mit meinen Eltern und Bruderfamilie (Enkelgeneration vertreten durch Neffe 2) in einem türkischen Restaurant in der Dollstraße. Große Freude über Wiedersehen, regester Austausch über geteilten Meze und für mich einem Teller Manti. Sehr kuschlige Gefühle.

Auch zurück zum Ingolstädter Hauptbahnhof (der ja aus militärtaktischen Gründen weit außerhalb liegt, Synonym von Ingolstadt nicht zufällig “Die Schanz”) gingen wir zu Fuß, leisteten uns nach München aber diesmal einen ICE, der uns eine Dreiviertelstunde frühere Heimkehr ermöglichte als die nächste Regionalbahn, für die wir mit unseren Deutschlandtickets (Deutschlandticket ist super!) nichts extra hätten zahlen müssen.

So kamen wir nur unerheblich nach üblicher Vor-Arbeitstag-Zeit ins Bett.

Journal Montag, 5. Oktober 2026 – Post aus Marbach

Dienstag, 6. Oktober 2026

Recht gute Nacht, nachdem mich ein Stechmücken-Summen aus dem Einschlafen gerissen hatte: Aufstehen, Mückenspray aus dem Wanderrucksack fischen, gründlich einsprühen. Danach konnte ich allerdings von der Aufregung und dem aufdringlichen Geruch des Sprays lange nicht wieder einschlafen. Zur Entschädigung bekam ich eine Reihe sehr angenehmer Träume, den beim Weckerklingeln hätte ich gerne weitergeträumt, darin kamen sowohl Benedict Cumberbatch als auch ein nach Hannover verzogener Freund und San Sebastián vor.

Mit ganz erstaunlich schmerzender Hüft-/LWS-Gegend aufgestanden.

Die Straßen waren nass, die Luft draußen kühl, aber nicht wirklich kalt; ich marschierte nochmal mit nackten Beinen unterm Rock in die Arbeit.

Endlich vorbei.

Sogar die Boulevardmedien können jetzt mit anderen Themen für sich werben.

Im Büro mehr Entertainment durch Schmerzen (Tisch rauf, Tisch runter), aber auch höchst erfreulicher Menschenkontakt. Irgendwann erinnerte ich mich an die Existenz von Ibu, die half auch schnell.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich die Mittagszeit für einen Marsch um die Blöcke in jetzt wieder sonnigem Wetter nutzen konnte. Das war auch eine gute Idee, die kühle Luft atmete sich herrlich.

Mittagessen Apfel, Skyjolei.

Aus unerfindlichen Gründen wurde ich aus meinem Windows-Konto ausgesperrt (nein wirklich: Natürlich fragte der Admin erstmal, ob ich mein Passwort dreimal falsch eingegeben hätte – hatte ich aber definitiv nicht, gleich der erste Eingabeversuch nach der Mittagspause ergab “Konto gesperrt. Wenden Sie sich an Ihren Admin”).

Während ich auf die Wiederherstellung meines Zugangs wartete, sah ich in mein privates Postfach und fand eine
„Archivierungsanfrage aus Marbach“.

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach hat den Auftrag, die Literatur und das literarische Leben der Gegenwart zu dokumentieren und öffentlich zugänglich zu machen. Aus diesem Grund verzeichnet und archiviert die Bibliothek des DLA literarische Online-Publikationen. Auf diese Weise wird das Online-Angebot Ihrer Publikation dokumentiert, archiviert und der Öffentlichkeit nachhaltig zugänglich bleiben, und zwar ohne weiteren Arbeits- und Kostenaufwand für Sie.

Vor diesem Hintergrund bittet man um meine Erlaubnis, dieses Blog zu archivieren. Mein erster Reflex war: Aber das ist doch nur irrelevantes Geschreibsel! Dann fiel mir ein: Das können die Leute dort besser einschätzen als ich. Und jetzt fühle ich mich ungeheuer geehrt, Tag gerettet. Aber ich verspreche Ihnen (*bebende Unterlippe*): Ich werde nie vergessen, woher ich komme.

Mittelinteressante Körperlichkeiten: Erst gestern Nachmittag schlug der Schwimm-Wadenkrampf vom Samstag so richtig mit Schmerzen zu. Ich hinkte lustig die Bürogänge entlang.

Feierabend zu goldenem Sonnenlicht.

Zieräpfel vorm Bürogebäude.

Besorgungen: U-Bahnen brachten mich zum Candidplatz, damit ich in der Kaffeerösterei Fausto Espresso-Nachschub kaufen konnte.

Goldenes Sonnenlicht auch auf dem benachbarten Templer-Kloster.

Auf dem Heimweg weitere Lebensmittel-Einkäufe. Fürs Abendessen war ich zuständig: Restliche gekochte Kichererbsen (von eigener kastilischer Familie! ich finde das immer noch saucool) vom Freitag wurden ein Salat mit Tomaten, Gurken, Frühlinszwiebeln, Petersilie, frischer Minze, Zitronensaft, Olivenöl. Schmeckte sehr gut. Nachtisch viel Schokolade.

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Von Tobias Müllers Newsletter “Gruß aus der Küche” habe ich hier möglicherweise noch nicht genug geschwärmt: Die Verkostungen, Marktberichte, Suchen nach optimalen Zubereitungsweisen in diesen Nachrichten aus Wien zeugen von Kenntnis, Leidenschaft, Genussfreude und kompletter Abwesenheit von Firlefanzigkeit. Die aktuelle Ausgabe ist Paywall-frei, weil sich Tobias Müller möglichst vielen Input erhofft.
“Sieben Restaurants, die Wien gut täten”.
Woraus Sie nicht nur die bereits bestehende Flughöhe der Wiener Gastronomie und Kulinarik entnehmen können (da gibt’s, weiß ich aus vorherigen Newslettern, Leute, die Bambus anbauen und FRISCHE Bambusschößlinge verkaufen!), sondern auch enorm viel kundigen Hintergrund.

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Lustige Tierbilder aus der Wildnis:
“Comedy Wildlife Photography”.

Journal Sonntag, 4. Oktober 2026 – Sonnensonntag und ein Familienstück

Montag, 5. Oktober 2026

Gut und lang geschlafen, nur einmal länger unterbrochen von Gebrüll aus dem Park vorm Schlafzimmer – also vom üblichen Gebrüll, Oktoberfest-unabhängig.

Vom angekündigten Tief war draußen nichts zu sehen, es wurde sonnig und warm. Meine Laufrunde legte ich wieder in den nördlichen Englischen Garten entlang der Isar, hier müsste ich am wenigsten vom Oktoberfest mitbekommen – und so war es dann auch.

Auf der Kennedybrücke Baureferatshumor (aber gut!).

Am Isarkanal.

Ich sah viele, viele Libellen und lernte von der App Flora incognita:

Echtes Seifenkraut.

Der Körper spielte hervorragend mit, ich kam auf meine Laufkosten. Im Spaziertempo verlängerte ich die Strecke zu einem Bäcker Wimmer und kaufte Frühstück ein.

Frühstück kurz vor zwei: Apfel, Trauben, Orange, außerdem Vollkornsemmeln mit Butter und Marmelade.

Nachmittag auf dem Balkon – den ich dadurch wieder den trink- oder badewilligen Vögelein wegnahm, das bedauerte ich. Die Sonne wärmte sehr, ich schützte mich mit Markise. Die fortdauernden Oktoberfestvolk-Geräusche veratmete ich, gestern war der letzte Tag. Terry Pratchett, Guards! Guards! ausgelesen, ausgesprochen vergnüglich und mit philosophischem Abschluss.

Eine Einheit Rückengymnastik von Gabi Fastner, Vorbereitungen für die Arbeitswoche.

Zum Nachtmahl briet Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Pakchoi chinesisch: Mit Knoblauch, Chili und Rinderfett vom Freitags-Entrecôte – schmeckte ganz hervorragend und sehr chinesisch. Dazu gab es Wildreis. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre: Siri Hustvedt, What I Loved.

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Familienstücke.

Diese Tagesdecke hat meine Mutter gehäkelt, über viele Jahre, Quadrat um Quadrat, meiner Erinnerung nach vor allem auf einer Sonnenliege am Baggersee oder Strand. Das Garn hatte sie günstig in Strängen in Spanien gekauft, ich musste meine Arme reinstecken, damit sie daraus Knäuel wickeln konnte. In meiner Erinnerung fluchte sie über das elende Projekt, dessen Aufwand sie völlig unterschätzt hatte – doch als ich sie gestern am Telefon danach fragte, erinnerte sie sich vor allem an das Vergnügen des Häkelns. Das Material, ungebleichte Baumwolle, kaufte sie natürlich nicht auf einmal in diesem einen Handarbeitsladen in Madrid, das wäre viel zu viel gewesen, sondern auf verschiedenen Urlauben dort, oder sie ließ es sich mitbringen oder schicken. Wenn eines der Quadrate fertig war, wurde es gleich ans Gesamtstück angehäkelt.

Doch irgendwann, ich war längst von daheim ausgezogen, wurde die Decke tatsächlich auch fertig. Und sehr wahrscheinlich gewaschen, denn weißes Garn wird einfach bei der Verarbeitung schmutzig. Meine Mutter wusste nicht mehr genau, wie diese Säuberung erfolgte: In eine Waschmaschine passte das Trumm ganz sicher nicht, vielleicht, meinte sie, habe sie es in eine Reinigung gegeben.

Und dann bekam ich diese Tagesdecke – ein atemberaubendes Geschenk, das ich ungeheuer wertschätze. Wir waren uns beim gestrigen Telefonat einig: Das ist das handarbeitliche Vermächtnis meiner Mutter. (Sonst war sie an der Nähmaschine und beim Töpfern kreativ, aus letzterem gibt es sehr Schönes.)
Tägliche Verwendung ist mir zu mühsam, das Ding ist sehr schwer. Aber bevor Besuch kommt, verschönere ich mein Schlafzimmer damit; die Tür dazu steht eh immer offen.

§

Sehr spezielles Spezialinteresse, aber wie’s die bayerische Toleranz-Maxime ausdrückt: Wer’s mog, für den is as Hegste. In diesem Fall: Apfelkunde, Pomologie. Im Scientific American ein ausführlicher Artikel zu einer aktuellen Entdeckung, aber auch Geschichte und Hintergrund – in USA deshalb interessant, weil der Apfelbaum dort erst von europäischen Einwanderern eingeführt wurde, es also eine Stunde Null gibt.
“How apple detectives solved the mystery of an ancient tree—and rewrote the history of fruit”.

One tree in the University of Copenhagen’s collection had an especially interesting story. Larsen believed it was a variety named and described in a French pomological text in 1628. A later account said it was so prized in French farming that trees had been hidden in a botanical garden to protect them when the French Revolution ravaged aristocratic estates.

Journal Samstag, 3. Oktober 2026 – Feiertagsschwimmen, Feiertagsspaziergang

Sonntag, 4. Oktober 2026

Recht gute Nacht, aber mit überraschend brummigem Kopf aufgestanden – so viel Alkohol war das doch gar nicht?

Mit Herrn Kaltmamsell räumte ich weiter die Reste der Vorabendeinladung auf, ich freute mich am Anblick der mitgebrachten Blumen.
Mich würde mal eine Aufstellung typischer Gastgeschenke verschiedener Länder im Vergleich interessieren. Für Deutschland nenne ich als typisch und kann-man-nichts-falsch-machen bei Essens-Einladung daheim: Blumenstrauß, Flasche Wein, Süßigkeit (gern auch selbst gemacht).

Ich freute mich auch auf die geplante Schwimmrunde, jetzt zurück im Olympiabad. Wegen anhaltenden Oktoberfest-Unruhen (am gestrigen Samstag musste der Zugang zum Gelände wie schon am Samstag zuvor kurzzeitig wegen Überfüllung gesperrt werden) nahm ich lieber die U-Bahn zum Olympiapark.

Ja, das Gebäude Olympiabad ist schöner als das Dantebad, aber die Aussichten beim Schwimmen im Dantebad sind VIEL schöner als im Olympiabad.

Schwimmen ging flüssig und gut, auf meiner Bahn war es immer schön ruhig und freundlich, allerdings erwischte mich auf den drittletzten 100 Metern ein Krampf in der rechten Wade, mein unterdrücktes Aufjaulen am Beckenrand sorgte für besorgte Mienen, die ich mit der Erklärung “Sorry, Krampf” beruhigte. Da das Befolgen des Standard-Rats Fußanziehen bei mir lediglich weitere Krämpfe in Fuß- und anderen Wadenmuskeln auslöst und ich schön länger davon ausgehe, dass das alles eh irgendwie von der Lendenwirbelsäule verursacht wird, rollte ich mich im Wasser ein und zog die Knie an: Der Krampf löste sich, ich konnte meine 3.000 Meter zu Ende kraulen.

Heimfahrt in der U-Bahn in Begleitung von 80 Prozent Oktoberfest-Cosplayern.

Zum Frühstück gab es kurz vor zwei Birne und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot mit Butter.

Herr Kaltmamsell hatte um einen Spaziergang gebeten, um seine Gehtauglichkeit mit Ziel Wandern zu testen, ich schlug den Schlosspark Nymphenburg vor. Auf der Trambahnfahrt dorthin begegneten wir früheren Mitlesenden unserer Leserunde, die dasselbe Ziel hatten.

Wie auch viele, viele andere dauerhafte Münchner*innen oder Besucher*innen – kein Wunder an einem Feiertag mit schönem Wetter.

An der Porzellanmanufaktur Nymphenburg ging ich gezielt vorbei und schaute ein wenig in die Fenster – ich vermisse den Laden am Odeonsplatz.

Am Geranienhaus folgten wir den Hinweisschildern zur Ausstellung über Geschichte, Gestaltung und Pflege des Schlossparks (wenn’s was zu lesen gibt, lesen wir – auch im Park).

Wir kamen schlauer raus, als wir reingegangen waren.

An wen sich dieses “Bitte nicht fällen” wohl richtet?

Ich genoss Luft und Bewegung, fühlte mich allerdings weiterhin sehr müde und verkatert. Herr Kaltmamsells Körper erwies sich leider als bei weitem noch nicht wandertauglich, ich mache mir weiterhin Sorgen.

Daheim Zeitunglesen auf dem Balkon, die Feiertagsausgabe war wieder auf Papier geliefert worden. Vorm Balkon die Lärm-Ausläufer des Oktoberfests in Form von Musik-beschallten Radl-Rikschas, Gegröle, berstendem Glas.

Ein Viertelstündchen Rücken-Gymnastik mit Gabi Fastner, dann öffnete ich für den Abend eine weitere Flasche Ziereisen Grauer Burgunder – ebenfalls oxidiert. Also griff ich nach der nächsten Flasche Weißwein im Kühlschrank: Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022. Der war zwar nicht oxidiert, schmeckte aber seltsam, definitiv nicht wie wir ihn kannten und wie er gehört. Kippt gerade der gesamte Jahrgang 2022 um?

Zum Wein gab es erstmal arabische Nüsschen, dann Reste vom Vorabend: Kichererbsen (aus kastilischem Familienanbau) mit Spinat, kaltes Entrecôte, ganz wunderbar. Nachtisch reichlich Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Oppenheimer laufen; auch nach der Hälfte des Films wusste ich noch nicht, was mir hier erzählt oder gezeigt werden sollte außer schönen Bildern und Kostümen, die dichte Beregnung des Werks mit Oscars verstehe ich nicht. Vielleicht gehen einfach Christopher Nolans Filme an mir vorbei. Ich widmete mich lieber wieder dem Riesendrachen in Terry Pratchetts Guards! Guards!.

Journal Freitag, 2. Oktober 2026 – Oktoberfestflucht ins Homeoffice, Abendgäste

Samstag, 3. Oktober 2026

Guter Nachtschlaf, der Wecker unterbrach einen lebhaften Traum, in dem ich in der Arbeit gerade in ein neues Gebäude umzog. Lobby und Atrium aus glänzendem Holz boten so aufregende Ansichten, dass ich mit dem Fotografieren schier nicht hinterher kam. Wohnungsträume kenne ich ja und mag ich besonders, ich weiß noch nicht, was ich von Büroträumen halten soll – Hauptsache Architektur?

Morgenroutine durchbrochen, weil ich ja daheim arbeiten würde. Also richtete ich nach Morgentoilette und Ankleiden einen Arbeitsplatz am Schreibtisch von Herr Kaltmamsell ein – der mir sogar Arbeiten im Stehen ermöglicht. Und dachte fast rechtzeitig an doppelte dicke Socke und Wollpulli, weil Homeoffice heißt frieren.

Draußen tagte es wie angekündigt düster, bald verschwand auch die anfängliche Milde der Luft und ich schloss die Fenster.

Ebenfalls erwartet hatte ich die mehrfachen Neustarts, bis ich wirklich arbeitsfähig war: Ich nutzte sie wieder zum Brotbacken.

Die Situation im Mehlschrank hat sich übrigens verändert. Einen eigenen Mehlschrank haben wir, weil die eine Küche, die wir vor zwölf Jahren selbst einrichteten, vor dem Heinzkörper Platz für einen nur wenig tiefen Schrank bot – genau richtig für die vielen Mehlsorten einer abenteuerlustigen Brotbäckerin. Das war das einzige Küchenmöbel, das wir beim Umzug zwei Stockwerke nach oben mitnahmen: Diese bereits bestehende Küche bot dafür einen Winkel hinter der Tür.

Seit einigen WochenMonaten erschlugen Herr Kaltmamsell und ich in der Küche regelmäßig Mehlmotten. Herr Kaltmamsell hatte vergangenes Wochenende den Mut, das Verdrängen bleiben zu lassen und forschte nach der Ursache. Mit erwartbarem Ergebnis. Auf Mastodon fragte ich nach einer selbst erprobten Dauerlösung, die möglichst kein Umfüllen erforderte – und bekam viele, wunderbar hilfreiche Vorschläge.

Wir entschieden uns für das System von Mepal; auch den Tipp, in die Schränke Klebefallen zu hängen, setzte ich um.

Beim Arbeiten war mir dann gar nicht so kalt wie sonst immer, ich wechselte in eine leichte Jacke. Aus dem Düster wurde draußen ein wenig Regen, viel zu wenig. Aber die Geräuschkulisse war den ganzen Tag und den Abend von Oktoberfestfeiernden geprägt, ich sah mich in meiner Entscheidung für Homeoffice bestätigt.

Doch auch diesmal behagte mir das Arbeiten daheim überhaupt nicht. Dieses Einsickern von Arbeitsthemen, -sorgen, -mühen in mein heimisches Refugium und Rückzugsgebiet fühlt sich nach Vergiftung an.

Mittagscappuccino gab’s aus der heimischen Cafetera, für die eigentliche Mittagspause stempelte ich mich aus und ging auf eine Runde in die Innenstadt. Fast wäre ich wieder umgekehrt, weil mir eine Frau aus den ewigen Spenden-Akquise-Geschwadern am Sendlinger Tor die Laune verhagelte, genauer: Meine aggressiv unfreundliche Reaktion auf ihr fröhlich-munteres Angelaber verhagelte mir die Laune, so jemand will ich eigentlich wirklich, wirklich nicht sein – es gibt ja wohl weniger anständige Arten Geld zu verdienen als ihre. Was auch meine ungelenke Schluss-Aussage war.

Nach einer Weile Fußgängerzone-Laufen war ich zumindest so weit wiederhergestellt, dass ich meinen Vorsatz Blumenkauf (Dahlien) umsetzte – zur eigenen Erfreuung, als Deko für die Abendessensgäste und um mal wieder mit dem Blumenladen in unserer Straße Geschäfte zu machen. Dort bekam ich einen besonders schönen Strauß sowie ein ausführliches Gespräch mit der Inhaberin: Die deutlich nicht Deutsch-Muttersprachlerin erzählte, wie sie im Großmarkt immer bei den heimschen Anbauern kauft, so lange die Saison dauert, weil sie möchte, dass es die weiterhin gibt. Woraufhin ich ihr verriet, dass ich meine Dahlien ja woanders auch günstiger bekäme – aber ich bittegerne möchte, dass es weiterhin in meiner Straße einen Blumenladen gibt. Wir strahlten einander an, jetzt BFF.

Zu Mittag gab es Trauben, Birne, Apfel, außerdem Skyr mit Joghurt.

Am frühen Nachmittag kam Herr Kaltmamsell heim von Arbeit und Einkaufen. Er überließ mir seinen Schreibtisch weiterhin, denn jetzt hielt er sich in der Küche auf, um das Abendessen für die Gäste zu kochen – sich hin und wieder versichernd, dass ich damit zurechtkommen würde, wenn er viel zu viel zu essen machte.

Freitäglich pünktlich klappte ich den Arbeits-Laptop zu und verräumte mein Handwerkszeug. Mit dem Räumen machte ich dann gleich weiter. Gemütlich richtete ich die Wohnung für die Abendessengäste her, Arbeitskolleg*innen von Herrn Kaltmamsell: Tisch ausziehen und decken (Einmerker: Vom Christkind wünsche ich mir dann doch eine passende Tischdecke. Die viele Tischwäsche für den früheren runden/ovalen Tisch wird endlich weggegeben, aber eine Tischdecke für unausgezogenen, eine für ausgezogenen Tisch sollten wir wirklich haben), Papiernester (überraschend wenige) und andere Nester verstecken, ein bisschen staubsaugen.

Die Gäste kamen, brachten Blumen, Wein, Süßigkeit als Gastgeschenke. Fröhliches Plaudern über Aperitiv (Negroni oder alkoholfreiem Campari Soda), dann servierte Herr Kaltmamsell als Vorspeise Zucchini auf Ricotta-Creme (dazu das Brot von mir), als Hauptspeisen Kichererbsen mit Spinat, Ottolenghi-Kürbiscreme, und wer mochte, bekam gebratenes Entrecôte – alles ganz hervorragend. Eine Enttäuschung war der Weißwein, den ich eigens für den Abend nachbestellt hatte: Der Ziereisen Grauer Burgunder 2022 war gekippt und oxidiert, ungenießbar – dabei hatte er nicht mal in unserem Kammerl gelagert. Ich kam nicht auf die Idee, eine weitere Flasche zu öffnen (hoffentlich ist nicht das ganze 6er-Kistlein verdorben), sondern wir hielten uns an den ebenfalls bereitgestellten roten Côtes du Rhône. Zum Nachtisch gab es von mir den Flan de queso und Trauben. Ich lernte freundliche und kennenlernenswerte Menschen kennen und einen Hund.

Noch vor Mitternacht waren wir wieder zu zweit und räumten noch eine Weile, um die erste Ladung Geschirrspüler starten zu können – und am nächsten Morgen nicht noch alles vor uns zu haben.