Essen & Trinken

Journal Samstag, 23. Januar 2021 – Auf den Spuren des schwulen 80er-Pop

Sonntag, 24. Januar 2021

Ausgeschlafen – nach zerstückelter Nacht war die Stunde morgens zwischen 6.45 und 7.45 Uhr die beste.

Auf dem Sportplan stand Cardio mit Crosstrainer. Bereits in Sportkleidung, aber mit Winter drüber ging ich vorher noch zur Post: Wieder ein paar Bücher losgeworden. (Das Angebot steht weiterhin: Große Mengen Belletristik auf Deutsch und Englisch gegen Porto abzugeben.)

Auf dem Crosstrainer stellte ich fest, dass sich meine In-Ear-Kabelkopfhörer endgültig verabschieden: Immer wieder ist ein Kanal unhörbar, zudem fallen sie trotz Kabelführung übers Ohr raus, ich schwitze sie weg. Ich werde für heftiges Gehoppel ein Modell mit Klammer/Bügel ums Ohr brauchen.

Noch nassgeschwitzt buk ich den Wochenendkuchen: Amerikanische Apfeltorte. Wurde gut, allerdings waren mir die Äpfel noch ein wenig zu knackig.

Das Wetter war recht konsequent greislig: Düstere Wolken, hin und wieder Regen, hin und wieder ein paar Schneeflocken. Ich blieb den Rest des Tages drin, las, hörte, guckte, im Dunklen noch eine Runde Yoga.

Zum Frühstück gab es ein Stück Hartweizling vom Vorabend.

Dazu versuchte ich den Schimmelkäse Sorte Seife-mit-Reißnägeln zu retten, indem ich ein paar Stücke mit Mascarpone verknetete, salzte und mit etwas Ahornsirup süßte. Wurde essbar. Nachmittags gab es Apfelkuchen und die Kerne eines Granatapfels.

Bis zum Abendessen packte ich die diesjährige Meldung von Blogposts bei der VG Wort an, auf dass es wieder reichlich Ausschüttung (GELD!) geben möge.

Nachtmahl war Gockel, Teil 2: Hühnerschenkel mit Paprika-Tomaten-Sauerrahmsoße.

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Den Morgen hatte ich mit „Tainted Love“ und Soft Cell verbracht (vielen Dank für die Tipps!). Mir wurde klar, wie schwul die 80er waren, musikalisch und ästhetisch – wobei die Definierbarkeit einer schwulen Ästhetik und Szene natürlich Ergebnis der Ausgrenzung und Diskriminierung von Homosexualität ist, die sich in geschützten Nischen verstecken musste. (Nein, Schwule kommen nicht mit einer Federboa / mit einem Nietenhalsband auf die Welt.) (Oder? Was weiß denn ich Vanilla-Hete schon…)

Auch Erscheinungen wie Madonna kamen ja aus der Schwulenszene, in diesem Fall der in New York. Die Londoner Kajal-Schwulen wie Boy George, die Herren Synthie-Pop und androgyne Ästhetik wie die der Eurythmics gehörten ebenfalls zusammen. Waren Lesben damals überhaupt schon erfunden? Ich meine im popkulturellen Sinn. (Wobei mir dazu „Mujer contra mujer“ der spanischen Pop-Band Mecano einfällt, das kam 1988 raus.) Blühte lesbische Kultur erst im Grunge der 90er auf? Ist hier eine Kulturwissenschaftlerin im Publikum, die sagen kann, ob es dazu Forschung gibt?

Einer der Tipps war dieses Guardian-Interview von 2016:
„Marc Almond: ‘I’ve had the chance to be subversive in the mainstream’“.

Wobei der Soft Cell-Gründer Marc Almond darauf hinweist, dass wir als Gesellschaft noch einen langen Weg vor uns haben:

Being a gay artist back then was tough, Almond says, and although things are better now, they’re not as good as they should be. “The less mainstream press are a lot more accepting, but in other areas there’s still a tendency to accept the gay stereotype – I call it the gay clown – who’s prepared to do a gay performance for straight people, and that bothers me.” He rails at The X Factor’s treatment of gay contestants particularly. “There’s this homophobic side to it – they pick a gay person who’s going to be super-super-camp. What they’re saying is ‘Let’s just have a bit of a laugh at them’, really.” He is visibly riled. “I would never have got through these auditions. I’d be one of the quirky ones they’d stick in as a novelty act.”

The “acceptable face of gayness” in general culture gets him bristling too. “You’ve got to be good looking, chiselled, have a bit of Botox, and wear a designer outfit to be accepted – and you’ve got to be married, preferably. Where does the loner outsider in Castleford fit into all that? In the north, camp is still a weapon and a survival mechanism, but it’s still derided. At least the gay community was more unified back then. Parts of the gay community are not valued as much as other parts in 2016… It’s very divided these days.”

Wobei auch das frühere schwule Gemeinschaftsgefühl sehr wahrscheinlich Ergebnis der Diskriminierung und Verfolgung war. Je gesellschaftlich akzeptierter Homosexualität wird, desto individueller kann sie sein.

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Durch einen Hinweis im SZ-Feuilleton kam ich auf dieses Gespräch zwischen Jodie Foster und Anthony Hopkins zum Start von Silence of the Lambs vor 30 Jahren:

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https://youtu.be/u2QjdRaLfa8

Hier nachzulesen:
„Jodie Foster and Anthony Hopkins Reunite for ‘Silence of the Lambs’ 30th Anniversary“.

Eine faszinierende Unterhaltung zwischen zwei völlig verschiedenen Künstler*innen. Auf der einen Seite Hopkins als Vollblut-Schauspieler, der eisern behauptet, er täte doch gar nicht mehr als ans Set zu kommen und seinen Text zu sprechen. (Dann aber doch auf Nachbohren beschreibt, woraus sich die Ausgestaltung seines Hannibal Lecter speiste.) Auf der anderen Seite Foster als Intellektuelle, die plant, analysiert, reflektiert, strukturiert. Die vor der Kamera stand, seit sie drei war – weil das halt das Familiengeschäft war (und nebenher erzählt, wie sie sich als Kind am Set damit beschäftigte, mit welcher Linse was aufgenommen wurde und welchen Unterschied das machte). Die laut eigener Aussage wöchentlich beschließt, nie wieder zu schauspielen, weil sie eigentlich keine Schauspielerin sei, sondern Filmemacherin. Ihre Analyse der Figur Clarice Starling fand ich brillant.

Worin sich beide einig sind: Dass der Schlüssel zu einem außergewöhnlich guten Film ein außergewöhnlich gutes Drehbuch ist. Und dass Silence of the Lambs genau das hatte (von Ted Tally).

Journal Freitag, 22. Januar 2021 – Gockel, erstes Kapitel

Samstag, 23. Januar 2021

Die Nacht war wieder kurz nach fünf zu Ende, doch sie hatte fünf durchgeschlafene Stunden enthalten – erfrischend. Ich spürte die ausführliche Gymnastik des Morgens davor (nach Langem mal wieder Liegestütz sowie Fliegende und Überzieher mit Hanteln).

Wie nach jedem Blumenkauf freue ich mich ganz arg, wenn mein Blick auf den Strauß fällt.

Die milden Temperaturen hielten an, mein Weg in die Arbeit war schneefrei und trittsicher. Unterwegs kaufte ich beim Bäcker Zöttl ein Humusbrot für die Brotzeit. Das gab es mittags vor einer Orange mit Hüttenkäse und sättigte aufs Angenehmste.

Im Büro Telefonate auf interessanter Flughöhe.

Ich machte pünktlich Schluss, um einen Feierabend zu bekommen. Auf dem Heimweg war Süßigkeitenkauf geplant. Ich steuerte dafür den Edeka Theresienhöhe an, weil es bei dem in einem Sonderaufsteller Trockenfrüchte und Nüsse in Schokolade von Meienburg gibt, die wir sehr mögen (ansonsten ist der Laden mir für eine Pandemie eigentlich zu eng). Jetzt sollte wir auf einige Wochen mit Süßkram versorgt sein.

Daheim schaltete ich sofort den Backofen ein, um die Hartweizlinge zu backen, die seit 24 Stunden im Kühlschrank garten. (Vorteil des Arbeitens von daheim: Ich konnte am Vortag den Teig ansetzen.) Wie es mir meist geht: Eine Zeit lang stieß ich fast nur auf Brotrezepte mit Hartweizenmehl, doch nachdem ich ein Kilo in der Hofbräumühle gekauft hatte, waren sie alle verschwunden. Nach diesem hatte ich gezielt suchen müssen.

Anstoßen aufs Wochenende mit Schaumwein.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den ersten Teil von viererlei Gerichten, die aus einem Bio-Gockel werden: Die Hühnerbrüste a la Kim. Mit Erbsen und einem Stück frisch gebackenem Hartweizenbrot. (Die anderen werden Paprikahuhn aus den Keulen, Hühnerbrühe mit Tortellini, aus dem Suppenfleisch Sandwich-Füllung.)

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„«Wir befehlen Ihnen, die sieben Bundesräte in Gefängnisse einzusperren»“

Ein Gastro-Unternehmer fordert die Nummer zwei der Armee in einem Einschreiben dazu auf, die Schweizer Regierung zu verhaften und vor ein Kriegsgericht zu stellen. Und hält in einem Keller seiner Restaurant-Kette ein Treffen ab, an dem der Systemumsturz besprochen wird. Was geht da genau vor?

Zunächst schwankte ich, ob mich vielleicht sogar beruhigen soll, dass es selbst in der Basisdemokratie Schweiz Demokratie-feindliche Realitätsverdreher gibt. Doch leider verstärkte es doch nur den Eindruck, dass die ganze Welt immer weiter aus den Fugen gerät. Erst kürzlich unterhielt ich mich darüber, welche Pendants zur deutschen Reichsbürgerbewegung es wohl in anderen Staaten gibt.
(Nebenbei: Drehbuchschreiber*innen von Katastrophenfilmen haben sowas von ausgeschissen. Letzthin lief mein Favorit Arrival im Fernsehen, und obwohl sich hier die Darstellung apokalyptischer Vorgänge angenehm vom Genre-Stereotyp unterscheidet, gab es auch hier das Versatzstück der Fernsehmeldung über einbrechende Börsenkurse. Schallendes Gelächter, denn es hat sich mittlerweile erwiesen, dass gewissenlose Gier auch die Apokalypse in erster Linie als Möglichkeit zur Kapitalanhäufung sieht.)

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Wahrscheinlich eine Ausnahme, aber eine interessante: Im Techniktagebuch schildert Vater Georg Passig seinen Homeoffice-Alltag mit fünf distanzbeschulten Kindern (1. bis 12. Klasse, Grundschule, Realschule, 2x Gymnasium, Fachoberschule – alle Bayern). Und was er dadurch über die tatsächliche Funktion von Präsenzunterricht gelernt zu haben meint.
„Entspanntes Familienleben dank Homeschooling“.

Mir bricht ja der Schweiß aus allein schon bei dem Gedanken, diese fünf Kinder-Tagesrhythmen zusätzlich zu meiner Arbeit im Blick zu behalten zu müssen.

Journal Donnerstag, 21. Januar 2021 – Esstischbüro

Freitag, 22. Januar 2021

Gestern also Arbeiten daheim, sehr unbequem (kleiner Laptopbildschirm, Laptoptastatur, Esstisch, Esstischstuhl).

Die gewonnene Zeit ohne Arbeitsweg nutzte ich morgens für eine Runde Reha-Übungen.

Gelernt: Wenn man mit Laptop und Ausdrucken arbeiten muss, ist ein runder Tisch ganz besonders blöd.

Draußen leuchtete ein sonniger Tag.

Mittags rote Paprika und ein Stück Käse, Grapefruit und Orange. Später eine Schüssel Haferflocken mit Milch (weil kein Brot im Haus war).

Während ich im Nebenzimmer Herrn Kaltmamsell unterrichten und konferieren hörte, hatte ich Telefonate, Meetings, viel Datenbankarbeit – ich war bei Feierabend erledigt.

Vor allem wollte ich dringend raus an die berühmte frische Luft. Im bereits Dunklen marschierte ich um die Theresienwiese herum, das tat sehr gut (einmal aus der angehenden Entspannung gerissen, als neben mir ein Krankenwagen das Martinhorn einschaltete und ich vor Schreck schrie, sprang, und mir schlagartig übel wurde). Daheim eine Runde Yoga mit Adriene, dann war ich wiederhergestellt. Doch ich wundere mich, dass ich zum ersten Mal im Leben unter ganzflächigen Rückenschmerzen leide (nicht schlimm, aber vorhanden) – an genau denen, die immer mit mangelnder Bewegung erklärt werden und gegen die genau die Gymnastik empfohlen wird, die ich seit Monaten in meinem Programm habe. Derzeit erkläre ich mir das noch mit der Ganzkörperumstellung durch das neue Hüftgelenk, in der sich alle Muskeln zurechtjuckeln müssen.

Zum Abenessen machte ich Salat: Radicchio, rote Paprika – und ein bemerkenswerter Bio-Blauschimmelkäse. Er schmeckte zunächst mild, weil fast salzlos, doch dann biss er zu wie ein Stück Seife mit Reißnägeln. Wir pickten ihn beide aus dem Salat und legten ihn zur Seite (zum Glück hatte ich große Stücke geschnitten), vielleicht kann man ihn mit viel Mascarpone noch zu einem Brotaufstrich/Dip retten. Wir aßen uns an Süßigkeiten satt.

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„Tainted Love“ von Soft Cell war ein Lieblingslied meiner Jugend, sogar eines der Hand voll, die ich mir als Single auf Platte kaufte. Hier noch jemand mit dieser großen Liebe. Und genug Nerdtum.
via @misscaro

Journal Mittwoch, 20. Januar 2021 – Gegen Rückenzwicken

Donnerstag, 21. Januar 2021

Der zerstückelte Nachtschlaf endete kurz nach fünf, als mich ein Rumpeln im Müllkammerl unter meinem Schlafzimmer weckte.

Weg in die Arbeit unter leuchtend blauem Morgenhimmel mit rosa Rand. Es hatte weiter getaut, was viele Wege frei, manche sogar trocken machte, doch die vorher nicht geräumten, festgetretenen Abschnitte waren superglatt und rutschig.

In der Arbeit viel Sekretariats-Jonglieren. Mittags Käse mit Birne, dazu eine Breze, ein Apfel, nachmittags Hüttenkäse.

Ein sonniger Tag, mittags drehte ich eine Runde im Hof mit milder Luft. Zu Feierabend packte ich Rechner und ein wenig Zeug ein, da ich am Donnerstag daheim arbeiten würde – ein bisschen Kontakte reduzieren.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Supermarkt. Ich kam nicht an den Blumen vorbei (sehr wahrscheinlich Ausbeuterblumen, ich weiß) und nahm gelbe Rosen mit, außerdem kaufte ich von unserer Liste, was ich fand.

Daheim gönnte ich mir wieder Yoga, allerdings nicht das Programm von Adriene: Da es weiterhin in meinem Rücken zwickt und zwackt, erinnerte ich mich an ein Rücken-Special von Mady. Das funktionierte viel besser als vor der Hüft-OP und tat sehr gut.

Abendessen: schlechte Pizza. Zumindest war das die Ansage von Herrn Kaltmamsell. Es hilft zu wissen, dass Herr Kaltmamsell sehr gerne Pizza isst, auch kalt, sogar sagt: „Schlechte Pizza ist immer noch besser als keine Pizza.“ (Das geht mir nicht so.) Zu der Ansage kam es, weil er Pizza von einer Pizzeria holen wollte, bei der wir siet vielen Jahren keine gute bekommen hatten. Im vorletzten Moment bot er mir noch an, auf Vietnamesisch zu wechseln, doch ich kniff nicht.

War dann auch gar nicht schlimm. Sicher keine gute, aber auch keine grauslige Pizza (Rätsel: woraus war der Teig gemacht, der etwas von durchweichtem Knäckebrot hatte?). Herr Kaltmamsell war ganz konsequent pervers und holte eine Pizza Hawaii, ich hatte eine mit Parmesan und Rucola.

Im Fernsehen ließen wir auf arte einen Wes-Anderson-Film laufen, den wir noch nicht gesehen hatten: Die Tiefseetaucher. Sehr schön Wes Anderson (Willem Dafoe schwäbisch synchronisiert, warum nicht; ansonsten typisch: die Schauspieler*innen lächeln praktisch nie), leider war ich zu müde, um ihn ganz zu sehen.

Journal Sonntag, 17. Januar 2021 – Schneetag drinnen

Montag, 18. Januar 2021

Zerstückelte Nacht, dennoch fühlte ich beim Aufwachen kurz vor sieben erfrischt.

Ich meldete mich online zur Covid-19-Impfung an, für Bayern geht das auf dieser Website. Dazu muss man sich erst mal registrieren, dann mit diesen Daten einloggen, Online-Formular ausfüllen (der Risikofaktor Bluthochdruck verbirgt sich hinter dem Fachbegriff „arterielle Hypertension“ – ich hatte den Verdacht, das sollte ein aktives Verstecken sein, weil der wohl auf viele zutrifft), abschicken.
Bestätigungsmail: „Ihre Anmeldung zur COVID-19 Impfung wurde erfolgreich entgegengenommen.“
Jetzt heißt es warten, bis ich in ein paar Monaten dran bin. Doch sehr wahrscheinlich komme ich durch aktive Anmeldung schneller an eine Impfung als durch Warten, dass man mich findet.

Sport war gestern eine Stunde Reha-Kraftsport. Ich hoffe, es wirft mich nicht in der Heilung zurück, wenn ich ihn nur einmal die Woche schaffe.

Draußen schneite es ein wenig, eigentlich den ganzen Tag über.

Gegen Mittag machte ich einen vereinbarten Abstecher zu den Mietern unserer künftigten Wohnung, um ein paar Wände auszumessen (einmal für den Schreiner, der den Einbauschrank anfertigen soll, zum anderen für Herrn Kaltmamsells Buchregalplanung). Der Ausblick aus meinem künftigen Schlafzimmer:

Zum Frühstück gab’s Brot aus eigener Fertigung (auch am Tag nach Backen sehr gut) mit Butter und Schinken, eine Schüssel Granatapfelkerne.

Einen unangenehmen Brief geschrieben, um den ich mich seit Wochen drücke (es geht um die Einforderung einer ausstehenden Rückzahlung). Ehrlich gesagt seit Monaten. Wenn das nicht funktioniert, muss ich mich nach professioneller Unterstützung umsehen.

Im Sessel die Wochenend-Zeitung gelesen, immer wieder raus in den Schnee geschaut. Ich beschloss, dass mir das so gefiel: aus dem gemütlichen Drinnen rauszuschaun. Und nach Langem mal einen Tag nicht rauszugehen.

Statt dessen bügelte ich ein Stündchen, mehr hatte sich in den vergangenen Wochen nicht gesammelt. Dabei hörte ich ein Stück Podcast Plötzlich Bäcker von Lutz Geißler mit Holger Klein, es ging um „Faule Brote für faule Bäcker“.

Im bereits Dunkeln gönnte ich mir eine Runde Yoga, die Einheit 8 bestand aus purer Sanftheit (mache ich nicht ein zweites Mal, hebe ich mir für Bedarf nach Entspannung auf).

Als Nachmittagssnack ein Schüsselchen Zwetschgen – ohne Teig, ganzganz ausnahmsweise warfen wir gestern ein Lebensmittel weg.

Ich las weiter in Bernardine Evaristo, Girl, Woman, Other, das mir sehr viel Vergnügen bereitet. Passend dazu stand anlässlich des Erscheinens der deutschen Übersetzung im jüngsten SZ-Magazin ein Interview mit ihr (€):
„‚Ältere Frauen sind viel interessanter als junge Leute'“.
Unglücklich gewählte Überschrift, dass ist sicher nicht die zentrale Aussage des Interviews: Evaristo geht es viel mehr um das Sichtbarmachen nicht-weißer Menschen in der britischen Gesellschaft – wie sie schon nach der Auszeichnung mit dem Booker Price 2019 betonte.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die spanischen Wurstwaren aufgebraucht, die ich vor Monaten gekauft hatte und dann im Kühlschrank vergessen: Es gab Kutteln auf Madrider Art (Callos a la Madrileña).

§

Antje Schrupp dröselt auf, wie wir so tief ins Pandemie-Schlamassel geraten konnten:
„Warum Corona tödlicher ist als Ebola“.

Bei einem Virus wie Corona haben Chefs ein persönliches Interesse, ihre 100 Mitarbeiter:innen ins Büro zu holen. Denn selbst wenn dort Corona zirkuliert und sich die Hälfte der Leute ansteckt, stirbt statistisch nur einer oder zwei. Ein Risiko, das viele bereit sind, einzugehen. Würde es sich hingegen um Ebola handeln, müsste der Arbeitgeber damit rechnen, dass im Fall eines Ausbruchs die Hälfte der Belegschaft hinterher tot wäre – dieses Risiko wird er nicht eingehen, nicht nur aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus reinem betrieblichem Eigeninteresse. Wäre Corona Ebola, wären längst alle im Homeoffice, die das nur irgend könnten.

(…)

In Europa herrscht eine Art Common Sense darüber, dass es falsch ist, moralische Ansprüche an Menschen (also zum Beispiel auch sich selbst) zu stellen, dass es in ethischer Hinsicht völlig okay ist, egoistisch zu handeln, solange man nichts Illegales tut. Aus diesem illusionären Traum wurden wir nun von Corona unsanft geweckt. Corona hat uns gezeigt, dass unsere Kultur, in der es als moralisch legitim gilt, in erster Linie die eigenen Interessen zu verfolgen, solange es im Rahmen einer formal-demokratischen Rechtsstaatlichkeit geschieht, nicht in der Lage ist, externe Herausforderungen zu bewältigen.

Journal Samstag, 16. Januar 2021 – Hefeteig-Fiasko und Winterspaziergang

Sonntag, 17. Januar 2021

Ausgeschlafen, nach einem Aufwachen um fünf aber nur bröckerlweise.

Den Vormittag im Haushaltswirbel verbracht:
– Zwei Maschinen Wäsche waschen, in Aufhängen und Trockner sortiert, entsprechend verarbeitet.
Abend-Brot in allerlei Einzelschritten gebacken.
– Zwetschgendatschi aus dem letzten Tiefkühl-Paket elterlicher Zwetschgen zubereitet.
– Bank- und Seitstütz, eine Runde Cardio auf dem Crosstrainer mit Blick in einen hellen Wintertag, an dem ganz selten die eine oder andere deko-hübsche Schneeflocke trudelte.

Das Brot geriet hervorragend.

Der Zwetschgendatschi aber nicht: Seltener Fall von komplett totem Hefeteig (Hefe war frisch und hatte im Brot gewirkt, Milch nicht zu heiß). Er hatte sich auch nach 90 Minuten Gehen im Warmen nicht einen Millimeter bewegt, und während ich mich selbst in diesem Fall sonst auf eine Reaktion im Backofen verlassen konnte, blieb der Teig auch nach 40 Minuten bei 180 Grad flach. (Jajaja, der Bäckervater von Novemberregen lehrt, dass man dem Hefeteig einfach genug Zeit lassen müsse, irgendwann werde er sich schon rühren. Doch ich hatte nicht unendlich Zeit, weil ich mit Herrn Kaltmamsell zum Spazierengehen verabredet war.)

Diesmal stimmte nicht mal „schmeckte trotzdem“: Der Teig hatte die Konsistenz einer dicken gekochten Lasagneplatte, und das war unter Zwetschgen schon arg seltsam. Im schlechten Sinn.

Zum Frühstück aß ich Birchermuesli mit Joghurt und zwei echten Mandarinen (köstlich, aber voller Kerne).

Für einen Spaziergang nahm ich Herrn Kaltmamsell mit zu der Strecke überm Isartal, die ich schon mal nach Weihnachten gegangen war. Wir ließen uns von einer (entspannend leeren) S-Bahn durch die Sonne nach Großhesselohe fahren und gingen los.

Am Isarfräulein.

Anders als bei meinem letzten Spaziergang stiegen wir in Pullach eine Treppe hinunter zur Isar (zum Glück mit Geländer zum Festhalten, sie war durch Schnee und Eis sehr rutschig) und spazierten auf dem Damm zwischen Isarwerkkanal und Isar zurück.

Burg Schwaneck.

Wir sahen einen Bussard im schrägen Sonnenlicht auf einer Nadelbaumspitze landen, nach einer Umschau nochmal auffliegen, wieder landen – ganz schön beeindruckend.

Auf der Rückfahrt trug ich wie schon auf der Hinfahrt erstmals eine FFP2-Maske (beide Bestellungen sind mittlerweile eingetroffen, ich kann den Anbieter Siegmund Care empfehlen). Bloß: Das ist schon eine ganz andere Nummer als die leichten OP-Masken, die ich in der Arbeit oder auf meinen Wegen durch die Innenstadt fast nicht spürte. Damit sie ordnungsgemäß abschließen kann, sind die Bänder der Maske eng und drücken hinter den Ohren, durch den deutlich dickeren Stoff fällt das Atmen schwer – ich fühlte mich sehr unwohl und bekam Kopfschmerzen. Mal wieder höchsten Respekt vor dem medizinischen Personal, das seine ohnehin anstrengenden Arbeitstage dadurch erschwert. Allerdings werde ich wohl für längeres Tragen ein Band über den Hinterkopf verwenden, das sollte bequemer sein.

Ich freute mich wieder an der Temperatur: Beim Spazierengehen war mir in ganz normaler Winterkleidung (gefütterte Stiefel, Jeans, T-Shirt und Wollpulli, Mantel, Schal, Mütze, Fäustlinge) wohlig warm. Daheim begann ich trotz Heizung zu frieren und musste mir heißen Tee kochen. Wie praktisch, dass das Gewebe um die lange OP-Narbe immer wieder heiß wird und ich meine rechte Hand daran wärmen kann.

Im Abendlicht aß ich Zwetschgen…dings, kein echter Genuss, aber sättigend.

Gestern fand der erste CDU-Parteitag im Internet statt. Meine Twitter-Timeline schien ihn zu einem großen Teil zu verfolgen – was mich überraschte. Ich bilde mir ein, dass Nicht-CDU-Wähler die Bestimmung eines neuen Parteivorsitzenden bislang nicht in allen Details so mitnahm (es wurde Armin Laschet).

Herr Kaltmamsell sorgte fürs Nachtmahl, es gab aus Ernteanteil Rote-Bete-Suppe, dazu frisches Brot und aufgetauten Weihnachtsschinken. Dazu die letzte Flasche Gut Oggau Atansius 2013.

§

Nach dieser Berechnung (via Crocodylus) und Berücksichtigung meines Bluthochdrucks ist das meine Aussicht auf Covid-19-Impfung.

Damit kann ich gut leben.

Journal Freitag, 15. Janaur 2021 – Ende der ersten vollen Arbeitswoche

Samstag, 16. Januar 2021

Wieder ein recht eisig-rutschiger Arbeitsweg, ich bewunderte vor allem die Radlfahrerinnen und Radler.

Eisiger und schöner Nebel über der Theresienwiese, dann wurde es sonnig, blieb allerdings kalt.

In der Arbeit nützlich gewesen, das ist ein gutes Gefühl. Vormittags eine Butterbreze, mittags eine Breze, Joghurt mit Orangen, nachmittags Kekse.

Auch der Heimweg war eisig, doch wieder litt ich nicht unter der Kälte. Zu Hause setze ich zwei Sauerteige fürs samstägliche Brotbacken an, es wird Abend-Brot aus dem Plötzblog geben. Weizen- und Roggensauerteig hatte ich Donnerstagabend aufgefrischt. Dazu bin ich in letzter Teig übergegangen: Die Sauerteige nicht alle paar Tage zu füttern und dann wegen seltener Verwendung große Mengen wegzuwerfen, sondern sie vor ihrem Einsatz aufzufrischen – das verbraucht weniger Mehl (macht sie aber wahrscheinlich auch weniger triebstark).

Meine erste Ganztages-Fünftagewoche seit Ende September war gut erträglich, aber vor allem in diesen Pandemiezeiten kein wirklich schönes Leben. Auf jeden Fall werde ich versuchen, den einen oder anderen Tag die Woche von daheim zu arbeiten, irgendwie meine damit kompatiblen Tätigkeiten dafür zu sammeln – das sind mir im Büro dann doch zu viele Kontakte.

Zur Feier des Wochenendes gab’s Prosecco zu lustiger Unterhaltung mit Herr Kaltmamsell, als Thekenersatz in der Küche an die Arbeitsfläche gelehnt (ergab sich so).

Das Nachtmahl, wieder von Herrn Kaltmamsell serviert: Kalbsleber mit Apfel und Zwiebel, Bratkartoffeln, dabei Zwiebeln und Kartoffeln aus Ernteanteil.

§

Ein Podcast über seltene und sehr seltene Tiere (in idealer Länge von sechseinhalb Minuten), in dieser Folge:
„Kreaturen Podcast – Folge 16: Die Bayerische Kurzohrmaus mit Kathrin Passig“.

Bereits in der ersten Minute rief ich zweimal „NEIN!“, denn 1. wurde diese Maus vom Leiter der Vogelwarte Garmisch entdeckt, die es also wirklich gibt (mein seinerzeitiger Standardscherz beim Melden am dauerklingelnden Stationärtelefon von Kolleg*innen: „Vogelwarte Garmisch.“ BRÜLLER!), 2. wurde auf dem Fundort des Viecherls das Klinikum Garmisch gebaut, dem ich mein neues Hüftgelenk verdanke. Möglicherweise ist die Bayerische Kurzohrmaus mein Patronus.


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