Essen & Trinken

Journal Dienstag, 19. Mai 2026 – Berlin 6: 2. Tag re:publica plus Ausstellung

Mittwoch, 20. Mai 2026

Ein wenig hatte ich mich zeitlich verschätzt: Zur ersten re:publica-Session, “Reden wir noch oder canceln wir schon?” mit Igor Levit, Jouanna Hassoun, Johannes Volkmann und moderiert von Deutsche-Welle-Redakteur*innen Jennifer Wilton und Jaafar Abdul karim kam ich zwei Minuten zu spät.

Unterschätzt hatte ich zum einen, wie lange ich für den Einlass aufs Gelände schlangestehen musste: mehr als 15 Minuten (ich notiere das zum Merken für eventuelle nächste Male). Zum anderen wurde ich auf meinem – wieder sensationell sonnig frühlingshaften – Marsch zur Station charmant aufgehalten. Am Rolandufer überholte ich ein Quintett junger Burschen, die auf US-Englisch miteiander plänkelten. Aus diesem Plänkeln erahnte ich bereits, was dann als Ansprache von hinten kam: “Entschuldigung!” Die Burschen wollten ihr Deutsch üben. Ich ließ mich darauf ein, sie waren auch zu niedlich, aber viel hatten sie noch nicht zu bieten. Bis ich ihnen dann doch beibringen musste: “Ich möchte nicht unhöflich sein – I don’t want to be impolite – but I am in a hurry.”

Da drüben am Märkischen Ufer lag das Restaurant-Schiff, auf dem ich am Freitag zuvor so gut gegessen hatte; es sind die beiden rechts vor der Brücke.

Diese erste Session war eine Bereicherung: Die Teilnehmenden sprachen wirklich miteinander, auch wenn manchmal spürbar die Luft brannte wegen gegenteiliger Ansichten, deren Äußerung offensichtlich reflexartige Unterstellungen erzeugte. Aber die drei Diskutand*innen wollten sehr zeigen, wie Reden statt Canceln geht (selbstverständlich wurde um eine Definition von “Canceln” gerungen – ohne eindeutiges Ergebnis): Sie differenzierten, klärten, hakten nach. Und mit CDU-MdB Johannes Volkmann würde ich mich sehr gern ausführlich unterhalten um herauszufinden, worin unsere Ansichten sich in Wirklichkeit unterscheiden. (Außerdem kann ich jetzt nachvollziehen, warum Pianist Igor Levit ein so gefragter Diskussionsteilnehmer ist: Er formuliert nicht nur zuhörenswert, sondern stellt auch kluge Bezüge her.)

Ich eilte in einen anderen Saal für “Der Innovations-Maschinenraum Deutschlands: 11 Pioniere live auf einer Bühne”, in erster Linie aus beruflichem Interesse. Die Pitches waren alle extrem dicht und kurz, ich weiß nicht, ob irgendeine der hochtechnischen Innovationen wirklich verstanden wurde und ankam – relevanter war eigentlich der Rahmen, den Alexandra-Gwyn Paetz vom Bundesforschungsministerium (bei der Fotoafnahme oben bereits weitergeeilt) und Jeanne Rubner als Vize-Präsidentin der Technischen Universität München (oben ganz rechts) spannten – aber das erzähle ich in der Arbeit.

Jetzt machte ich eine re:publica-Pause: Ich wollte ohnehin unbedingt die Ausstellung “Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?” im Dokumentationszentrum Topografie des Terrors sehen und hatte auf meinem Fußmarsch zu Station entdeckt, dass sie fast auf dem Weg und nur 15 Fußminuten von der re:publica entfernt lag. Dorthin spazierte ich also, mit kurzem Abstecher für Mittagscappuccino.

Eine ganz ausgezeichnete Aufbereitung des Themas: Sauber und akribisch anhand von Quellen befasst sich die Ausstellung in drei Kapiteln damit.

“Propaganda” beleuchtet, was das NS-Regime über die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden öffentlich bekannt gab. “Hinweise im Alltag” rückt Gerüchte und inoffizielle Nachrichten über die Massenmorde in den Blick. “Vom Puzzleteil zum Bild” zeigt, wie einzelne Personen Informationen zusammenfügten, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen.

Die Quellen sind die Exponate der Ausstellung und belegen: Niemand konnte nichts gewusst haben.

Was zur Frage führte:

Auch darauf werden Antworten gesucht, wird um Antworten gerungen.

Wenn ich schonmal da war, sah ich mich auch im Außenbereich des Dokumentationszentrums um, dessen Inneres ich mit Herrn Kaltmamsell Ende 2024 besichtigt hatte – allerdings nur kursorisch.

Auf dem Rückweg zur re:publica machte ich um halb zwei Mittagspause im Mendelssohn-Bartoldy-Park (Berlin hat SO viel schöne kleine und große Parks) und aß Apfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Zurück auf dem Veranstaltungsgelände traf ich weitere meiner kleinen Internetfreund*innen, riss mich aber rechtzeitig los für: “Onlinehandel, Stadtzentren und nachhaltiger Konsum – Wie passt das alles zusammen?”

Lisa Frien-Kossolobow und Jan Gimkiewicz vom Umweltbundesamt berichteten über Pilotprojekte dazu – durchaus herzerfrischend.

Ich machte weiter mit “Das skaliert nicht!”: Vor allem der Lokaljournalismus (im Panel u.a. Marc Rath, Chefredakteur Mitteldeutsche Zeitung und Magdeburger Volksstimme) versucht echte Nähe zu den Menschen in ihrem Zeitungsgebiet herzustellen mit Hilfe von vielen kleinen, originellen Aktionen (u.a. regelmäßige Redaktionstage im Hauptbahnhof, ein Redakteur fährt mit einer Elektro-Schwalbe über die Dörfer, ein Stand in einer Plattenbausiedlung) , das hörte sich überzeugend und vielversprechend an.

Als ich mich in die Session “How-to Aufhören: Ein Gespräch über bessere Enden im Arbeitsleben” setzte, wusste ich noch nicht, dass es meine letzte des Tages sein würde: Ich war elend müde und konnte mich nicht darauf konzentrieren. Umso attraktiver erschien mir ein Heimweg zu Fuß in der immer noch herrlichen und eher frischen Frühlingsluft. Ich bin erwachsen und kann machen was ich will, also machte ich das – ich war einfach over capacity. (Schade, ich erinnere mich an re:publicas, auf denen ich viel aufnahmefähiger war.)

Ich nahm nochmal einen anderen Weg, kreuzte dabei die Zossener Brücke, kam am legendären Prinzenbad vorbei,

entdeckte Berliner Wanderwege

und ließ mir von der App Flora incognita diese ungewöhnliche und hübsche Blume in der Grünanlage um die Kirche St. Thomas bestimmen: Dolden-Milchstern, ganz bezaubernd.

In der Unterkunft nur kurzes Bilderrunterladen und -sortieren, dann folgte ich einer Empfehlung zum Abendessen in ein italienisches Hotelrestaurant.

Das zum einen wusste, dass italienische Restaurants außerhalb von Italien bitteschön mit rot-weiß-karierten Tischdecken arbeiten, zum anderen einen hervorragenden Spargel-Spinat-Salat servierte. Die anschließenden “Spaghetti Carbonara” ware weder Spaghetti noch Carbonara, sondern Linguine (wahrscheinlich aus eigener Herstellung) in Käsesauce mit Speck, aber schmackhaft und sättigend. Dazu genehmigte ich mir ein Glas Vermentino. Zurück in der Unterkunft gab es noch Schokolade.

Im Hinterkopf arbeiteten bereits die Pläne für die Rückreise am Mittwoch, wird ein langer Tag.

§

Auch Initiator Alexander Matzkeit hat über unsere Session zum “Mythos Blogosphäre” gebloggt – der halt für uns Zeitzeug*innen kein Mythos war (und ich kann mich erinnern, wie irritiert ich mich vor vielen Jahren auf Twitter äußerte, dass Sascha Lobo auf einer Veranstaltung als “Blogger” vorgestellt wurde: Er musste mich selbst auf seine Beteiligung an der Riesenmaschine hinweisen, die ich eher als Online-Magazin wahrgenommen hatte denn als Blog).

Journal Freitag, 15. Mai 2026 – Berlin 2: Take your aunt to work day

Samstag, 16. Mai 2026

Mittelgute Nacht, ich schwitzte sehr – zum Glück ist das Bett breit genug, dass ich mich zwischendrin von der verschwitzten Seite weglegen konnte.

Verdutzung beim (nahezu) ersten Handgriff nach Aufstehen: Auch die kleinere der zwei Induktionsherdplatten akzeptierte meine mitgebrachte Cafetera nicht als ausreichend große Fläche. Ich musste mit einem größeren Topf arbeiten, in den ich sie stellte.

Sonniges Wetter, ich freute mich auf Marsch zu TOP 1: Verwandtschaft, die für eine Bundestagsabgeordnete arbeitet, hatte sich bereit erklärt, mir ihren Arbeitsplatz zu zeigen – und alles, was dazu gehört.

Touri-Pflichten erfüllen.

Wir trafen uns am Eingang zum Bürogebäude, hier erster Ausweis- und Security-Check (ich war natürlich angemeldet). Und der erste Schwung hochinteressanter Alltagsinformationen aus der Arbeit für eine Spitzenpolitikerin. Ich bekam sogar Bundestags-Merchandise! (NIEMAND erinnert sich an die Parole KEINE WEITEREN STOFFTASCHEN – es gibt klare Prioritäten.) Da dieses Bürogebäude nicht mit dem restlichen Gebäudekomplex des Bundestags durch unterirdischen Gang verbunden ist, gingen wir obenrum. Das hieß auch: Nochmaliger Eingang mit nochmaligem Ausweis- und Security-Check (super sweetes Personal!).

Die Verwandtschaft war gründlich vorbereitet und erzählte zu praktisch allem und jedem Eck, Gebäude, Gang, Raum, Kunstwerk “Fun Facts”, Hintergründe, Anekdoten, Geschichte – ich glaube, da arbeitet jemand gern hier und ist sich der Tragweite bewusst.

Das Gebäude, in dem die Verwandtschaft arbeitet – diese Variante 1930er-Architektur kriegt mich immer wieder.

Die Architektur bot immer wieder beeindruckende Aus-, Runter-, Rüber-, Überblicke. (Und die Verwandtschaft hat einen Sinn dafür und führte an die entsprechenden Guck-Punkte.)

Ja, schon auch Gefängnisgang-Assoziationen – Verbindung ist wohl der Transparenz-Wunsch.
Die Leere auf den Fluren erklärt sich zum einen damit, dass keine Sitzungswoche war, zum anderen damit, dass sich viele den Brückentag frei genommen hatten.

Eines der wenigen historischen Gebäude, die in den Gesamtkomplex integriert sind.

In einem der vielen unterirdischen Verbindungsgänge, dieser gleichzeitig Kunst am Bau.

Links der Garten der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, rechts die Terrasse, auf der die Sommer-Interviews stattfinden.

Lesesaal der Bibliothek des Deutschen Bundestags.

Hier wird wohl auch getanzt.

Links der Kindergarten des Bundestags (wusste die Verwandtschaft alles auswendig!).

Die Ausschusssäle.

An vielen Stellen Kunst, die wäre einen eigenen Besuch wert.

Bibliothek der Parlamentsprotokolle im Reichstag.

Im Reichstagsgebäude taten es mir besonders die Türklinken an. (Sollte ich nochmal die Gelegenheit zu einem Besuch haben, folge ich der Empfehlung der Verwandtschaft, die Klos in den verschiedenen Gebäuden zu besichtigen, weil auch diese wohl sorgfältig und sehr unterschiedlich gestaltet sind.)

Fraktionssaal der Linken, Otto-Wels-Saal, unter dem linken Turm des Reichstags mit Deutschlandflagge.

Austausch über den städtebaulichen Charakter des Regierungsviertels zwischen Sicherheitsbedürfnis und Volksnähe. Verwandtschaft erzählte einerseits von viel Security und Kameras, wenig Einladung zum Aufenthalt, dann wieder von Social-Media-Geschäftsleuten, die die teils sensationellen Perspektiven und Locations als Dreh-Orte nutzen, oder von regelmäßigen Tanztreffs direkt vor den Glaswänden, hinter denen sich die Sitzungssäle der Bundestagsausschüsse befinden (einen durfte ich von innen sehen).

Über drei Stunden waren wir unterwegs gewesen, als die reichhaltige Führung in der Kantine des Bundestags endete – und mit einem großen Teller gebratener Zucchini, Ofen-Süßkartoffeln, Hummus; die Verwandtschaft erklärte sich mit dem veganen Angebot der Kantine sehr zufrieden. Jetzt war auch Gelegenheit zu mehr Austausch über Befinden und Pläne. Rundum viel Liebe.

Nachdem sich unsere Wege trennten, erledigte ich TOP 2: Nachkauf des japanischen Mamecha-Tees (im gleichnamigen Laden), den ich vor einem Jahr über eine Freundin kennengelernt hatte und sehr schätze. Klar könnte ich den auch online bestellen, so fühlt es sich aber besser an. Weg dorthin durch viele Menschen in Mitte, die Geschäfte und Cafés waren seit meinem letzten Besuch noch einen Tick schicker geworden.

Auch zurück zur Unterkunft spazierte ich, das Wetter war weiterhin angenehm, wenn sich auch der Himmel bewölkte.

Dort eine Runde Ausruhen (haha = Bilder runterladen und schon mal bloggen). Bevor ich mich zu meiner Abendverabredung aufmachte, TOP 3: Die Einheimische hatte ein Restaurant in echter Fußweite von meiner Unterkunft vorgeschlagen, das Spree Fumée – auf einem Schiff im Historischen Hafen Berlin. Eigentliche Idee war Abendessen unter freiem Himmel mit Touri-Blick auf der Terrasse gewesen, doch die kühle Luft wehte uns ins Innere des Schiffs – ausgesprochen schöne Umgebung.

Foto: Ute Schirmack

Ich suchte mir einen der besonders angepriesenen Cocktails aus, meine Verabredung und ich teilten uns die Zusammenstellung des Hauses für zwei – plus Klebreis und ein paar Grillspieße, ebenfalls Spezialität des Hauses.

Foto: Ute Schirmack

Schmeckte alles wirklich liebevoll zubereitet und gut. War allerdings nur der Hintergrund für Austausch von aktuellem Leben, kürzlichen Entwicklungen (die mich durchaus besorgt zurückließen), was dieses Jahr sonst noch geplant ist.

Erst bei fast ganz dunkler Nacht spazierte ich zurück in meine Unterkunft.

Journal Donnerstag, 14. Mai 2026 – Berlin 1: Anreise an Christi Himmelfahrt

Freitag, 15. Mai 2026

Ich hatte mir trotz Feiertag den Wecker gestellt, um alle Vorhaben vor der mittäglichen Abreise nach Berlin unterzubringen, der Schlaf davor war eher unruhig gewesen und dreimal (!) von Waden-/Fußkrämpfen unterbrochen.

TOP 1:1 Pflanzengießen, Bloggen, Kofferinhalt rauslegen.

Hier war bereits die Entscheidung gefallen, keine Lauf-Ausstattung mitzunehmen, sondern lediglich Schwimmzeug.

TOP 2: Laufrunde ab Haustür über Alten Südfriedhof an die Isar und dort nach Süden. Es war so kühl, dass ich zu den Lauf-Caprihosen meinen Sport-Hoodie trug, das passte. Gegen mögliche Regenschauer setzte ich die Schirmmütze auf, benötigte ihre Dienste aber nur ganz kurz auf der Brücke Maria Einsiedel. Der Körper spielte gut mit, das Wetter machte einen auf England mit vielen Wechseln der Himmelsfarben und Stimmung.

Große Freude, als ich um die Wittelsbacherbrücke endlich Schwalben sah. Über der Thalkirchner Brücke flogen dann Schwalben und Mauersegler gemischt in Schwärmen.

Angeber-Raps

Weißdorn-Pracht

Südlich von Hellabrunn. Es ist SO! SCHÖN!, dass alles wieder grün ist und die kahle, fahle Zeit hinter uns liegt.

Kurzer Regenduscher über Thalkirchen.

Gefolgt von Sonne.

TOP 3: Kofferpacken, Marsch zum ehemaligen Hauptbahnhof, Besteigen des ICE-Sprinters nach Berlin.

Beim Starbucks holte ich mir heiße Milch mit Milchschaum: Der erste Schluck auf meinem Sitz im ICE verriet bereits, dass es der bestellte und bezahlte Extra-Shot Espresso nicht in den kleinen „Cappuccino“ geschafft hatte, der ihn erst zu einem erkennbar solchen machen würde. Große Enttäuschung, denn auf diesen Cappuccino hatte ich mich gezielt gefreut.

Ich hatte – möglicherweise zum ersten Mal – einen Platz ganz hinten im letzten Wagen, also den ersten am Bahnsteig. Wohin offenbar ohne Reservierung schwer zu finden war: Trotz zahlreicher Durchsagen mit Bitten um Verräumen von Handgepäck, weil es so voll sei, blieb ein Drittel der Sitze in diesem Wagen leer. Dennoch stellte ich bei jedem Halt meine Tasche vom leeren Nebensitz auf den Boden vor mir, für alle Fälle: So gern ich einen leeren Nebensitz mag, erinnere ich mich noch stärker an dringende Sitzplatzsuchen und die Erleichterung beim Finden.

Winken nach Ingolstadt. Auch diese Ansicht hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.

In Sachsen-Anhalt bekam ich ordentlich Raps zu sehen.

Ich las erstmal liegengebliebene Zeitungsteile auf, dann Mastodon-Timeline seit Vortag.
Mittagessen kurz vor zwei: Apfel, Birne, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. Unterwegs Festklopfen meiner Verabredung für Samstag, sie wurde ein Museumsbesuch mit anschließendem KaffeeundKuchen.

Merkwürdiges Gefühl: Der ICE war durchgehend und störungsfrei auf die Minute pünktlich. Ich fürchte, das werde ich mit irgendeiner anderen Reisekatastrophe bezahlen müssen. (Echt kein Unken, wie so viele Bahnfahrende empfinde ich mittlerweile bereits Verspätungen bis zehn Minuten als pünktlich.) Doch wenn es so läuft, ist die Bahn als Reisemittel unschlagbar.

In Berlin hatte ich ja ein überraschend günstiges Ferien-Appartment gebucht (sehr klein, aber Hauptsache Kochgelegenheit), dafür brauchte ich ein paar Lebensmittel. Recherchen hatten ergeben, dass die Supermärkte um meine Unterkunft den gestrigen Feiertag einhielten, ich sah mich auf den Rewe im Berliner Hauptbahnhof angewiesen. Und bekam einen rechten Schrecken, als davor eine Schlange stand: Der kleine Laden mit schmalen Gängen war überfüllt, Einkaufswillige wurden immer nur in Gruppen eingelassen, wenn ihn genügend Kundschaft verlassen hatte. Das ging aber zum Glück schnell, ich schnappte mir das Dringendste (u.a. Espresso!), auch an den Kassen wurde systematisch und wohlgeordnet schnell gearbeitet.

S-Bahn Richtung Osten (unterwegs Festklopfen meiner Tagesverabredung für Freitag, besonders aufregend), zehn Minuten rollkoffern (der Schirm in meiner Tasche als Talisman wirkte: kein Regentropfen, doch den großen Pfützen sah ich an, dass die Regenvorhersage eingetroffen war), problemloses Einchecken mit Menschenkontakt in mein Zimmer mit Kochnische.

Allerdings wünschte ich mir fürs Abendessen (mein Ferienwohnungsklassiker Nicht-Nudelsalat mit roter Paprika, Gurke, Joghurt) dann doch noch Geschmacksverstärkung (Majo? Senf?), recherchierte also Spätis in der Nähe. Um im angesteuerten von einem freundlichen Herrn zum Ostbahnhof geschickt zu werden, hier gebe es sowohl einen 7-Tage-Penny also auch -Rewe. Menschenauskunft schlug Google-Recherche, ich konnte gemütlich einkaufen.
Jetzt letztes Festklopfen der Freitagabend-Verabredung – auf einem SCHIFF!

Apartmenthaus

Ich hatte große Sehnsucht nach Gymnastik, turnte also nochmal die Pilates-Folge Gabi Fastners vom Dienstag, dafür hatte ich Reise-Yogamatte und Kleidung dabei. Ich brauchte dann doch mehr Platz als für Yoga, musste mich ein paar Mal für Übungen zwischen den Möbeln umarrangieren.

Abendessen also mit Senf UND Majo UND Cocktailtomaten aufgeppter Nicht-Nudelsalat, Nachtisch reichlich Schokolade.

Zimmerausblick – die Erklärung für den niedrigen Preis?

  1. Bis ich endlich begriffen hatte, dass das die Abkürzung von Tagesordnungspunkt ist! Jahrzehnte! []

Journal Mittwoch, 13. Mai 2026 – Erschöpftes Arbeiten in den Urlaub

Donnerstag, 14. Mai 2026

Gut geschlafen, dennoch Stressgefühl beim Aufwachen: Weil letzter Arbeitstag vor Urlaub (ohne Vertretung), weil Tag vor Reise.

Kalter, düsterer Tag.

Das Frühlingsfest ist noch nicht ganz abgeräumt, da werden bereits wieder weite Teile der Theresienwiese aufgerissen, um an der drunterliegenden Oktoberfest-Infrastruktur zu arbeiten.

Am Schreibtisch Start mit Turbo – weil letzter Arbeitstag vor Urlaub. Kurzer Schreck (das englische dismay enhält auch das gefühlte Sinken des Herzes): Ich wollte für eine dringende Erledigung während meines Urlaubs eine Liste weitergeben, deren Aktualisierung sehr viel Arbeit gekostet hatte, und hielt sie kurz für verschwunden (dass Microsoft Office 365 eine Vielzahl von parallelen Speicherorten und -systematiken enthält, erschwert alles) (boshaftes Amüsement, dass Office 365 zudem ein so großes Sicherheitsrisiko darstellt, dass ihm in der aktuellen IT-Sicherheitsschulung ein eigenes Kapitel gewidmet wurde). Gründliches Suchen brachten mich zum Glück doch dorthin: Selber schuld, mein eigener Fehler bei der Dateibenennung hatte zu dem Schreck geführt.

Vormittags Unterbrechung durch spontane Geselligkeit – der Anlass, ein Abschied, war mir wichtig genug, dass ich meine anti-geselligen Befindlichkeiten beiseite schob und teilnahm.

Keine Lust auf Mittagscappuccino, weil eh überdreht, statt dessen Marsch um die Blöcke – in kühlem, aber trockenen Wetter, da ich diesmal an einen Schal gedacht hatte, fühlte ich mich warm.

Der Genossenschaftsbau Heimeranblock nach der Renovierung und Aufstockung auch bepflanzt, jetzt freue ich mich auf den späteren Anblick mit hochgekletterten und dichteren Pflanzen.

Zu Mittag gab es Apfel (fast so gut wie aus Ernteanteil) sowie Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, ich hing deutlich vor Arbeitsende erschöpft in den Seilen, man möchte meinen, ich sei urlaubsreif. Lass nachrechnen: Jepp, mehr als vier Tage am Stück hatte ich zuletzt in den Weihnachtsferien frei. Hoffentlich habe ich meine Berlin-Tage vor re:publica nicht zu voll gepackt, ich brauche echt Erholung.

Erledigtsein machte mich langsam, ich kam nicht ganz so früh aus der Arbeit wie geplant. Da bis zuletzt keine Vertretungslösung für meinen Urlaub auftauchte, hinterließ ich lediglich eine Mail mit Links zu den Ablageorten relevanter Unterlagen.

Heimweg im Kühlen über Abendessenseinkäufe – und Bestellung der Rosentagsrosen für nächsten Donnerstag (Floristin freute sich, als ich ihre entsprechende Frage mit “Nein, für einen Herrn.” beantwortete).

Mein persönliches re:publica-Programm hatte ich finalisiert (Trauer, weil ich durch eigenen Auftritt zwei Frauen auf der Bühne verpasse, die ich wirklich gern gesehen hätte), diesmal dran gedacht, vor dem Ausdrucken bei allen Sessions gelb zu markieren, warum ich mich dafür interessiere (vergangenes Jahr zu häufiges “Hä? Wie kommt das da hin?”). Auch markiert: Wann Angela Merkel auftritt, denn um diese Zeit herum wird vor lauter Sicherheit kein Queren der Location oder sonstwie freie Bewegung möglich sein.

Schon am Dienstagabend hatte ich meine Knochenkopfhörer startklar gemacht: Das erratische Ladeverhalten der alten kabellosen Bügel-Kopfhörer war mir ein zu großes Ausfall-Risiko, und ich brauche doch was für die Funk-Bühnen auf der re:publica (plus Option Musikhören im Zug).

Eine Runde Pilates wäre mir zu gehetzt geworden, nach Räumen für Berlin-Urlaub ging ich sofort zum Alkohol über: Erstmal Manhattans mit arabischen Nüsschen. Zum Nachtmahl (grüner Spargel und wunderbares, glückliches Entrecôte) öffnete ich Schweizer Rotwein aus Direktimport: Nez Noir Rouge Domaine Rouvinez aus dem Wallis, also Schwarznasenschafwein – direktimportiertes Geschenk.

Schön rund und aromatisch, passte auch zum Spargel. Nachtisch viele Erdbeeren (sie werden immer besser) und reichlich Schokolade.

Sehr früh ins Bett, nicht mal mehr gelesen.

§

Begrüßenswerter Service für Müncher*innen von @heibie:

Auf rathausmuc.de findet ihr eine aufbereitete Übersicht mit allen Mitgliedern des neuen Stadtrates und allen 25 Bezirksausschüssen. Angereichert mit den Wahlergebnissen pro Person und ein paar statistischen Daten zum jeweiligen Stadtbezirk.

Journal Samstag, 9. Mai 2026 – Genossener Frühsommermaiensamstag

Sonntag, 10. Mai 2026

Recht lang geschlafen, aufgewacht mit der Freude, dass jetzt aber wirklich Wochenende und frei war. (Außer Pflichtpläne wie Schwimmen, Einkaufen, Laufen, Bügeln, Kochen.)

Ich fühlte mich verkatert, nahm das aber hin, weil halt der Preis des freitäglichen Wochenend-Feierns. Bis mir einfiel, dass ich ja gar nicht gefeiert hatte, seit einer Woche gar keinen Alkohol getrunken.

Amüsement über Verpackungsbetrug: Der linke “VORRATSPACK” enthält drei Stück weniger als der rechte normale eines anderen Herstellers, das obere Drittel des linken ist schlicht leer.

Die angekündigte strahlende Sonne versteckte sich noch gründlich hinter Wolken, doch bis zu meinem Aufbruch zur Schwimmrunde war sie rausgekommen. Sensation des Morgens: Obwohl ich am Vorabend keine dritte Ibu des Tages genommen hatte, war ich nahezu schmerzfrei. Nicht mal der mehr als warme Morgenkaffee löste Zahn-Toberei aus. Und schon begann etwas in mir mir Vorwürfe wegen der Riesenwelle mit Arztterminen zu machen, die ich gestartet hatte. Bis die Schmerzen und die Berührungsempflindlichkeit des zuletzt hauptsächlich schmerzenden Zahns sich doch wieder meldeten, ich war paradoxerweise erleichtert: Doch nicht nur angestellt. Und warf eine Ibu ein.

Gründliches Sonnencremen mit Hilfe von Herrn Kaltmamsell, gemütliches Radeln zum Dantebad, noch war ich um Jacke und Halstuch froh. Ich hatte extra Zeit mitgebracht, denn: Die Münchner Bäder stellen ihr Kassensystem jetzt und in den nächsten Monaten um, das Dantebad gehört zu ersten beiden umgestellten (wohl der Grund der besonders frühen Schließung für den Umbau zum Sommerbetrieb). Die Kommunikationskampagne dazu hatte mich früh erreicht, ich hatte Details nachgelesen. Und tauschte gestern meine bisherige aufladbare Bäderkarte gegen die neue. Das funktionierte etwas manueller als erwartet: Im Kassenbereich des Dantebads nahm eine SWM-Angestellte an Extra-Tischchen meine alte Karte entgegen und füllte mit mir ein Papierformular für die Rücküberweisung des Guthabens auf mein Konto aus. Dann ging ich wie eine Neukundin an die Kasse und kaufte eine neue Bäderkarte, belastete sie mit 100 Euro. Dort bekam ich auch einen Tipp für die Bedienung des neuen Eingangs-Automaten: Jetzt hält man die Karte nicht nur davor, man muss den Eingangswunsch zusätzlich durch ein”Ja”-Tippen auf einem Bildschirm bestätigen.

Schwimmen war schön: Becken gerade nicht zu stark beschwommen, und in exakt diesen anderthalb Stunden schien die Sonne von wolkenlosem Himmel. Allerdings fühlte ich mich die ganze Zeit müde, erklärte mir das wieder reflexhaft mit dem freitäglichen Wochenend-Feiern – das es auch weiterhin gar nicht gegeben hatte. Auf der allerletzten Bahn meiner 3.000 Meter ein Wadenkrampf, der mir jede Lust auf eventuelle Zusatzmeter nahm.

Heimradeln unter herrlichstem blau-weißen Himmel mit Umweg über einen Bäcker Wimmer: Ich wollte dringend nach langer Pause mal wieder deren Kernige (Handsemmeln mit Karotten und Körnern). Nerviges Stop-and-Go-Radeln, gestern war wieder Tag der Roten Ampel.

Frühstück um zwei mit zügigem Esstempo, um nicht vor Ende all der Dinge, die ich zu essen plante, satt zu sein. Das klappte: Hausgemachtes Weißkraut-Kimchi, zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade, letztes Kirsch-Tapioka mit Vanille-Dickmilch. Großartig, ich genoss alles davon sehr. Und hatte selige zehn Minuten danach, bis sich mein Bauch drückend empörte, dass das ja wohl zu viel gewesen sei.

Lesen und Häuslichkeiten (u.a. Umstellen auf Sommerbettzeug, wegen leichterer Winterbettdecke nicht mehr so dringlich wie früher), aber es zog mich nochmal raus ins herrliche Wetter. Ich nahm einen schwieriger zu bekommenen Posten auf unserer Einkaufsliste als Anlass, zur Schwanthalerhöhe zu spazieren, bekam das Gesuchte (großes Glas Dijon-Senf, bisherige Quellen führten nur kleine). Wenn ich schon mal zu Öffnungszeiten in der Gegend war, besuchte ich den Laden von Wir2liebenWein, um zwei Lieblinge nachzukaufen. Wie immer wurden mir Probierschlücke angeboten, und da es mir noch zu früh für Alkohol war, bestanden diese aus Beispielen des alkoholfreien Angebots an fermentierten Getränken. Sehr gut! Jetzt weiß ich, was ich bei der nächsten festlichen Gelegenheit als Alternativen zu Schaumwein und Wein anbieten werde.

Daheim setzte ich mich lesend auf den Balkon (genau richtige Temperatur, dass auch Sonnenschein sich angenehm anfühlte), turnte vor dem Abendessen eine wohltuende Einheit Pilates, immer wieder entzückt von Gabi Fastners Lob “fleißig!”.

Ich öffnete die nachmittags geholte Flasche Amphoren-Rosé Pittnauer Dogma: Der aktuelle Jahrgang mit neuem Etikett, aber immer noch ein Knaller. Dazu arabische Nüsschen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch (er hatte mir nach Aufessen des Ernteanteils angeboten, ein Pasta-Gericht zu bestellen) Mafaldine mit Aubergine und Ricotta salata, ganz wunderbar. Nachtisch Erdbeeren und dann Schokolade. Insgesamt wieder zu viel.

Im Fernsehen ließen wir auf 3sat die aktuelle Mephisto-Inszenierung der Münchner Kammerspiele laufen, die ich in meinem Abo vor einem Jahr bereits gesehen hatte. In diesem Fall funktionierte das Filmen überhaupt nicht: Auf der Bühne spielt alles im Theater, auf der Bühne, hinter der Bühne – verfilmt wirkten die Schauplätze der Szenen statt dessen beliebig, die Inszenierungsidee war nicht erkennbar. Dadurch wirkte auch das meiste andere durcheinander und beliebig. Man könnte die (sehr guten) Konzepte hinter dieser Inszenierung schon auch filmisch umsetzen, aber halt mit ganz anderen, filmischen Mitteln.

Vor dem Zu-Bett-Gehen holte ich mir noch einen Schwung Fledermausflattern zwischen den Bäumen vor Herrn Kaltmamsells Fenster – SO NIEDLICH!

Journal Freitag, 8. Mai 2026 – Josef Hader bringt mich zum Nachdenken über Erzählhaltungen im Kabarett

Samstag, 9. Mai 2026

Schlaf nur wenig unruhig (bei jedem halben Aufwachen Schmerz- und Lage-Check) und nur wenig zu kurz, noch ein Glück (!) half Ibu auch in dieser Nacht gegen die Zahn-Sperenzchen.

Aufgestanden zu freundlichem Wetter, das sich beim Marsch in die Arbeit allerdings als knackig kalt herausstellte.

Bilderbuch-Biergarten am Bavariapark.

Morgens ein anstrengender Termin, aber auch morgens: schwächer werdender Schmerz! In Kombination mit Ende des Termins ein Enorphin-Schub.

Die Frühlingsluft zog mich mächtig raus: Mittagscappuccino im Westend.

Nach einigen verspäteten Tätigkeiten (Verspätung nicht von mir verursacht) gab’s zu Mittag Trockenpflaumen sowie Quark mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Geregelt abzuarbeitender Nachmittag, pünktlicher Feierabend. Ich nahm U-Bahnen zum Candidplatz, um im Caffe Fausto unsere Espresso-Vorräte aufzufüllen, zurück am Sendlinger Tor ein paar Lebensmitteleinkäufe fürs Abendbrot.

Daheim empfingen mich Blütenpracht und -duft:

Herr Kaltmamsell hatte auch dieses Jahr geschafft, mir Flieder zu besorgen.

Abendessen gab es früher als sonst: Wir hatten Tickets für einen Kabarett-Abend mit Josef Hader in den Kammerspielen. Ich bereitete aus Ernteanteilsalat und -Radiserln (plus die schönsten Radiserl-Blätter) mit Orangensaft-Haselnussmus-Dressing Salat zu, Herr Kaltmamsell briet zugekauften grünen Spargel sowie Grillkäse – der, wie sich herausstellte, vielleicht grillbar, sicher aber nicht bratbar war und einfach wie anderer Käse zerlief. Trotzdem gutes Abendessen.

Die Kammerspiele waren gestern ausverkauft, ich hatte Mitte März nur noch wenig Auswahl gehabt und mich für die letzte Reihe entschieden. Im Theater Erinnerung an meinen allerersten Besuch der Kammerspiele: 1986 Dieter Dorns Inszenierung von Der zerbrochne Krug. Damals hatten wir die letzte Reihe gewählt, weil a) billig und b) man für bessere Sicht auf die Bühne aufstehen konnte, ohne jemandem die Sicht zu verstellen.

Um uns herum alte Leute, also wie wir: Herr Kaltmamsell und ich dürften exakt im Altersdurchschnitt dieses typischen Kabarettpublikums gelegen haben. Und sahen Hader on Ice.

Ein gutes Programm mit über die beiden Stunden immer größerem körperlichen Einsatz – und es brachte mich dazu, über die verschiedenen Formen von Ein-Personen-Kabarett nachzudenken, also über das kabarettistische Ich. Hier ein erster Versuch der Einteilung in drei kabarettistische Erzählhaltungen:

1. Kabarettist*in trägt pointierte Texte vor, in denen es vor allem auf Analyse und Sprache ankommt, Bühnen-Ich und Person sind offensichtlich identisch. Beispiele: Dieter Hildebrandt und seine Generation politischer Kabarettist*innen, Hanns Dieter Hüsch, Sarah Bosetti.

2. Schauspiel mit offensichtlichem Schlüpfen in andere Figuren, oft inklusive Kostümierung, die Figuren werden damit karikiert, entblößt, der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Beispiele, die mir einfallen, überschneiden sich mit Comedy: Luise Kinseher, Waltraud und Mariechen, Monika Gruber (glauben Sie es oder nicht: die war mal gut), Misfits.

3. Haders Technik wiederum wird gerne mit “dem Publikum den Spiegel vorhalten” umschrieben: Das machte Gerhard Polt in seinen langen besten Zeiten, Helmut Qualtinger auf die bösartigste und meisterlichste Weise immer. Hader erzählt so vor sich hin, witzelt oder schimpft über Umstände, verlockt das Publikum immer wieder dazu, sich mit dieser Persona zu identifizieren – bis es dann vielleicht doch die eine oder andere eskalierende Übertreibung nicht mehr mitgeht. Aber Schimpfen auf entlegene Gegenden, die romantisiert werden, aber in Wirklichkeit dann doch gruslig sind? Geht immer.

Nur manchmal ist das kabarettierende Ich offensichtlich weit entfernt von Josef Hader, zum Beispiel als Verschwörungs-Mystiker oder wenn er das Zerbrechen seiner letzten Ehe mit einer sehr jungen Frau berichtet und die Beziehungs-Interaktion über zwei bis drei Generationen darlegt. Dabei wechselt Hader nicht mal den Habitus: Er stellt sich zur Verfügung für diese Geschichte, die man ihm – wüsste man nicht, wer er ist – bei einer flüchtigen Bekanntschaft als seine abnehmen würde.

Draufgebracht hat mich ein kurzer Abschnitt im Programm, in dem er sich über Facebook-Gruppen lustig machte, inklusive Lästern, wie zu viel Zeit die Leute dort ja wohl haben müssen: Der irritierte mich als 15 Jahre veraltet und offene Türen einrennend – außer Hader äffte damit eine bestimmte seit vielen Jahren immer nur wiederholte und nachgeplapperte Haltung zu Online-Plattformen nach.

Und er hatte sowohl Bühne als auch Publikum im Griff, auch wenn Hader immer stärkere Alkoholisierung und Kontrollverlust spielte. Der Abschlussapplaus toste – aber nur genau so lang, wie Hader es zuließ, bevor er uns alle nach Hause schickte.

Herr Kaltmamsell und ich waren von Arbeitswoche und überhaupt völlig erledigt; während ich mir in der Pause noch Nachtischschokolade beim Heimkommen wünschte, war ich dann tatsächlich daheim um elf nur noch froh, ins Bett zu kommen.

§

Entzückende 20 Minuten Sally Fields:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/GwSnqkV7eY0?si=gdsYuFHruPV1a6-3

via @joel.lu

Fields stellt sich als jemand heraus, mit der ich mich sehr gern einen Abend lang unterhalten würde (zum Beispiel über Teilchenphysik) – das geht mir bei den allerwenigsten Hollywood-Schauspielerinnen so. Unter anderem wegen ihrer sehr klugen Reflexionen darüber, was öffentlicher Ruhm und stardom bewirken, auch über ihr Schauspielen.

Schade, dass sie nicht über Not Without My Daughter spricht – der mein Bild von ihr lange Zeit und fälschlich dominierte. Und nicht über ihre Rolle in Emergency Room, die mir zeigte, was sie drauf hat. Kann ich sie ja bei unserem gemeinsamen Abend fragen.

Journal Mittwoch, 6. Mai 2026 – Morgens Lerche, abends Uigure

Donnerstag, 7. Mai 2026

Extrafrüher Wecker, das eigentlich noch frühere Aufwachen energisch weggedrückt.
Mich beim Aufstehen an die Schmerzattacke mitten in der Nacht erinnert – war ich auf der falschen Seite gelegen?

Beim Hellwerden sah ich auf den Straßen, dass es nachts geregnet haben musste. Es war auch kühler geworden, zum kurzärmligen Lauf-Shirt schlüpfte ich in eine Weste – das erwies sich als genau richtig.

Diesmal lief ich auf der westlichen Isarseite nach Süden, also in den Auen, der bedeckte Himmel machte eh keine große Hoffnung auf weite Blicke. Freude an der Bewegung stellte sich schnell ein mit dem Glücksgedanken: I’m really doing this! Der Boden war noch vom Regen feucht, die Pfade zwischen den Bäumen federten herrlich.

Ich passierte mehrere so abgezäunte Bereiche, vermutete Schutz gegen Biber.

Dominanter Blütenduft: Weißdorn und Bärlauch.

80 Minuten Lauflänge waren optimal – wenn ich öfter zum Laufen käme, könnte ich mich wahrscheinlich leichter darauf beschränken.

Zackige Körperpflege, dennoch beschleunigte ich meinen Arbeitsweg lieber durch U-Bahn für die zweite Hälfte: Ich wusste, dass jemand auf mich wartete.

Über den Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung erjagte ich einen frühren Neurologen-Termin (Umkreis auf 20 Kilometer eingestellt) – aber auch bis zu dem muss ich noch fünf Wochen durchhalten (statt acht). (Las dann gestern von jemandem im Großraum München, die – wahrscheinlich mit der gleichen Methode – den ersten Termin Kinderpychiatrie in 15 Monaten bekam. Das ist deutlich schlimmer auf vielen Ebenen.)

Turbulenter Arbeitsvormittag, dennoch marschierte ich auf einen nahegelegenen Mittagscappuccino, bei all dem abgelenkt von Schmerzen (wenigstens deutlich unter Toben).

Auch dieses Jahr bereitet mir dieser Anblick in der Anglerstraße große Freude.

Zu Mittag gab es ein drittes Mal in Folge Apfel (ein letzter köstlicher aus Ernteanteil) sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, immer noch nicht langweilig und genau richtig bei eigentlich keinem Appetit.

Nachmittags verdüsterte sich der Himmel massiv: Hoffnung auf echten Regen, auch wenn mir das persönlich überhaupt nicht in die Pläne passte. Kurz nach vier hörte ich Donner, dann endlich Regenprasseln.

Auf einer Bewusstseinsebne das ständige Beobachten von möglichen Kausalitäten des Schmerzverhaltens, vor allem bei beglückendem Nachlassen: War es das Senken des Kopfes mit Nackendehnen? War es das Massieren des Knochens über der Schläfe? Bislang nichts davon reproduzierbar.

Ich hatte Glück, der Regen hörte wenige Minuten vor meinem Verlassen des Hauses auf. Heimweg über Einkauf von Süßigkeiten (Aldi) und Milchprodukten (Vollcorner). Die stellte ich daheim nur ab, dann ging ich wie verabredet mit Herrn Kaltmamsell zu dem uigurischen Lokal, das wir im Vorbeigehen in der Implerstraße gesehen hatten.

Vorspeisen Gurkensalat und scharfer Bohnenpudding, als Hauptspeisen hausgemachte Nudeln einmal klein mit Rind, einmal lang mit Huhn.

Schmeckte alles ok, ein wenig lieblos, vor allem kein Vergleich zum seinerzeitigen Taklamakan am Hauptbahnhof, bei dem wir uigurisches Essen kennengelernt hatten und begeistert waren. Gibt es leider schon lang nicht mehr, auch dessen Nachfolger ist kein Vergleich.

Zurück daheim Brotzeitvorbereitung und noch ein wenig Schokolade.

Die Telekom, bei der ich immer noch meinen Handy-Vertrag habe und der ich mühsam jede Art von Kontaktaufnahme untersagt habe, kündigt einfach mal an:

Künftig möchten wir Sie per E‑Mail und SMS über Empfehlungen zu vertragsähnlichen Produkten und Diensten der Telekom Deutschland GmbH informieren.
Wenn Sie künftig keine Empfehlungen per E‑Mail und SMS mehr erhalten möchten, können Sie bei jeder Ansprache widersprechen. Klicken Sie hierzu auf „Widerspruch“ und melden Sie sich im Kundencenter an.

Und was passiert, wenn ich mich mühsam einlogge und “Widerspruch” anklicke?

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Mehrfach. Ihr Saukerle. Einmal probiere ich es noch, dann geht Beschwerde an das Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht (ist Ländersache), ich hab den Hals echt voll.

Neue Lektüre Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch: Amerika, auf diesen Posten meines Wunschzettels hatte ich gerade am meisten Lust. Beim Zu-Bett-Gehen eine Schmerzattacke zur Abwechslung im rechten unteren Kiefer.