Essen & Trinken

Journal Sonntag, 16. Januar 2022 – Gemütlicher Tag mit viel Sonne

Montag, 17. Januar 2022

Nach dem Ausschlafen (kein Kater, keine Migräne – das ist so schön!) geräumt, draußen herrlichster Sonnenschein. Vor allem anderen aber zog ich mein Bett ab und steckte die Bettwäsche in die Waschmaschine, damit sie über den Tag möglichst viel Zeit zum Trocknen hatte. Klar: Notfalls würde ich halt mit der Sommerbettwäsche überziehen, das Risiko war also nicht allzu hoch.

Gemütliches Bloggen, immer wieder sah ich raus. Zu meiner Laufrunde an der Isar brach ich erst nach elf auf, ich nahm die U-Bahn nach Thalkirchen.

Laufen ging gut und leicht, weder Hüfte noch Wade bereiteten mir Probleme, eher schon die rutschende Laufhose. Ich war sehr froh um meine Sonnenbrille.

Von Thalkirchen lief ich über den Hinterbrühler See hoch zur Großhesseloher Brücke, einmal drüber und zurück, dann über den Flaucher bis zur Wittelsbacherbrücke und nach Hause. Erst nach 100 Minuten wechselte ich am Alten Südfriedhof ins Spazieren.

Von der Großhesseloher Brücke Richtung Innenstadt: Der Isarwehrkanal links führte mehr Wasser als die Isar.

Blick von der Thalkirchner Brücke Richtung Flaucher.

Zu Hause hatte Herr Kaltmamsell Geschirr und Gläser gespült, die Küche in Vor-Gäste-Zustand gebracht. Ich duschte und pflegte mich, erst kurz vor drei setzte ich mich zum Frühstück: Apfel, Salatreste vom Vorabend, eine dicke Scheibe Idiotenbrot. Das machte mich nochmal bettschwer, ich legte mich zu einer Siesta hin (Bettzeug geliehen von Herrn Kaltmamsell).

Freude an den Ranunkeln und ersten Tulpen der Saison des Gastgeschenk-Straußes in der schrägen Wintersonne.

Ich las die Wochenend-Süddeutsche, ein paar liegengebliebene Zeitungsteile, alles gemütlich. Das Tageslicht räumte den Himmel für Wolken und Nebel.

Abendessen war restliche Polenta vom Vorabend, Herr Kaltmamsell hatte dazu eine Tomatensauce gekocht.

Nachtisch war auch noch da (Sticky Toffee Pudding), außerdem Schokolade.

Telefonat mit Bruder, Austausch von Sorgen und Beruhigung.

Die Bettwäsche hatte es nur zum Teil geschafft trocken zu werden: Überzüge ja, Spannbettlaken nein. Aber dafür hatte ich ja Ersatz im Schrank.

Journal Samstag, 15. Januar 2022 – Die letzte Lampe, endlich wieder Gäste

Sonntag, 16. Januar 2022

Für gestern Morgen hatte ich den Wecker gestellt, denn es gab Programm.

Zum einen reisten vormittags meine Eltern an, bei trockenem, kalten Wetter mit gelegentlich Nebel (auch im Park vorm Haus) ganz entspannt. Der Übergangs-Lichtschalter bekam einen echten, außerdem brachte mein Elektrikerpapa die letzte fehlende Lampe an (aufwändig, weil er erst eine Leitung dafür legen musste).

Diesmal beim Handwerkereinsatz gelernt: Eine Eisenfeile sägt in unter einer Minute eine Aussparung für Kabel in leichtes Metall (mir gleich mal gemerkt, welche ich also meinem Vater für einen eventuell nötigen Gefängnisausbruch ins Brot backen muss). Zudem:
“Immer erst die Erdung.”
(“Und woran erkenne ich die?”
“Gelb-grünes Kabel.”)

Meine Mutter hatte aus ihrem Bestand mögliche Vorhang-Schals fürs Arbeitszimmer dabei. Auch in diesem Fall zeigte sich, dass ihre Anbringung dem Zimmer gut tun würde, meine Mutter wird sie an ihrer Nähmaschine auf die passende Länge bringen und ein Vorhangband ergänzen. Bereits mit dem Mittagsläuten machten sich meine lieben Eltern wieder auf den Heimweg, ich bin SO dankbar für ihre Unterstützung.

Nicht mal ein Jahr nach Einzug hängen/stehen alle Lampen, das finde ich eine echte Leistung. Eingerichtet ist allerdings noch lang nicht fertig, als nächstes kommen der Esstisch und weitere Stühle, ganz oben auf der Erledingungsliste stehen jetzt ein Teppich für unterm Esstisch sowie eine große Pflanze für mein Schlafzimmer.

Ich räumte die Spuren der Handwerkerei auf, warf Verpackungsmaterial weg. Es folgte die Vorbereitung des Abendprogramms: Wir hatten endlich mal wieder Gäste zum Abendessen eingeladen – nahe genug stehende Freunde, denen wir den Balkontisch zur Bewirtung zumuten konnten. Zur Begleitung der Vorspeise buk ich Idiotenbrot, angesetzt am Vortag von Herrn Kaltmamsell. (Wie lang her es mir erscheint, dass mich 20 Stunden Gare noch erstaunten konnten; heute backe ich Brote, deren Vorteige bis zu drei Tage gären.)

Während das Brot abkühlte, ging ich für letzte Einkäufe zum Supermarkt. Frühstück nach zwei. Ich hatte aus Faulheit doch wieder beim Bäcker Mauerer Frühstückssemmeln gekauft: Yep, immer noch so staubtrocken wie seit über 20 Jahren, weshalb ich den Einkauf dort eigentlich meide.

Ein paar gemütliche Stunden mit Internetlesen, bevor ich den Tisch deckte, mich umzog und die Vorspeise vorbereitete: Unsichtbaren Salat (aka Wintersalat mit Datteln), in der Vinaigrette allerdings den Honig, der sich immer so schlecht auflöst, durch Ahornsirup ersetzt. Vorbereitung hieß in diesem Fall: Alles so weit, dass ich vor dem Servieren nur noch Avocado schälen/schneiden musste und die Zutaten mit Dressing vermischen.

Als die beiden Gäste kamen (für die Kulturwissenschaft der Zukunft: es hat sich etabliert, dass man einander vor Treffen ein Bild des negativen Schnelltests schickt, habe ich bereits mehrfach erlebt), war erst mal umfangreiches Wohnungzeigen. Dann gab’s Whiskey Sour mit Meyer Lemon zum Aperitif, bevor gesessen und Salat gegessen wurde. Den Hauptgang hatte Herr Kaltmamsell zubereitet: Ochsenbackerl mit Wirsinggemüse (Ernteanteil), ich steuerte cremige Polenta bei (zum Merken für mich selbst: 700 gr Wasser und 400 gr Milch auf 200 gr Polenta, mit Knoblauchzehe und Lorbeerblatt aufgekocht, vor Quellphase der Polente ein Essl. Thymian eingerührt, abschließend mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt). Auch die Nachspeise hatte Herr Kaltmamsell gemacht: Sticky Toffee Pudding.

Das waren ein paar sehr schöne Stunden, in denen ich endlich wieder ein bisschen vom Leben dieser Freunde mitbekam, ihren freundlichen und wohlerzogenen Hund flauschen konnte (der alle Teppiche mit ausgiebigem Schubbern einweihte), Geselligkeit erlebte.

Nach dem mitternächtlichen Abschied räumten wir noch ein wenig, um die erste Spülmaschine starten zu können.

Wenn wir tatsächlich ohne Wäschetrockner auskommen wollen (vorübergehend oder auf lange Sicht), brauche ich zusätzliche Bettwäsche. Bislang habe ich eine Garnitur für Sommer und eine für Winter, beide in England gekauft, wo 200×200 cm große Bettdecken nicht so preistreibend exotisch sind wie in Deutschland, Kissenbezüge außerdem als Standard für schmale Kissen geschnitten sind und nicht quadratisch. Beide Garnituren auch nach über zehn Jahren Nutzung in tiptop Zustand (na gut, die Sommervariante franst ein ganz kleines Bisschen an den Ecken). Gewaschen wurde bisher am Wochenende oder sonst einem freien Tag: Morgens abziehen und waschen, im Trockner trocknen, wieder überziehen. Doch wenn die Bettwäsche an der Luft in Innenräumen trocknen muss (wir verfügen weder über Garten noch über einen Trockenraum), wird sie nicht verlässlich in zwölf Stunden trocken. Weitere Folge: Ich muss auf flauschige Handtücher und Nicki-Anzüge verzichten.

Journal Freitag, 14. Januar 2022 – Produkte fürs Leben

Samstag, 15. Januar 2022

Gut geschlafen, an der Länge arbeiten wir noch.

Der klarkalte Morgen knackte frostig mit hellem Himmel1, über den Kaminen standen im Gegenlicht schräge Rauchsäulen.

Die Arbeit strengte mich gestern sehr an. Zwar gab es angenehm wenige Querschüsse, ich hätte eigentlich Raum für zügiges Wegarbeiten gehabt, doch es fehlte an Konzentration und Energie. Doch ich schaffte das Nötigste, ermöglichte anderen die Weiterarbeit, lernte weitere Details über neue Softwaresysteme.

Und: Gestern fand die Über- und damit Weggabe einer beschwerlichen Aufgabe statt, beim Übergeben bemerkte ich, wie viel ich dabei trotz allem gelernt hatte.

Zu Mittag gab es Pumpernickel, Orange, Grapefruit, das Obst daheim vorbereitet und im Glas dabei: Ich freue mich im Büro immer sehr, wenn ich die Brotzeit nicht erst noch erarbeiten muss, sondern gleich essen kann.

Sonniger Nachmittag, der Januar machte auf hübsch. Und ja: Die Tage sind bereits merklich länger. Beim Verlassen des Hauses zu Feierabend war es nicht mehr so frostig, roch aber eindeutig nach Winter.

Auf dem Heimweg Einkäufe beim Vollcorner.

Zauberhaftes Abendlicht fiel auf St. Paul.

Schmerzliche Familiennachrichten. Dabei soll es doch bitte! allen! gut gehen!

Beim Heimkommen war es war früh genug für eine geruhsame Runde Yoga. Ich machte eine Schüssel Chicorée-Salat zu dem Nachtmahl, auf das ich mich schon den ganzen Tag freute: Herr Kaltmamsell hatte klassische Lasagne angekündigt.

Na gut nicht ganz klassisch: Statt Hackfleisch hatte er Sojabrösel verwendet, da wir schon vor Längerem festgestellt hatten, dass die Funktion in lang geköcheltem Ragú vor allem Textur ist. Die Sauce enthielt aber zudem Leber (Funktion Geschmack), also keine vegetarische Version. Die Lasagne schmeckte sehr gut. Dazu ein Glas Lemberger/Merlot: Auch auf den Alkohol hatte ich mich gefreut, wollte aber nach dem ersten Kick keinen weiteren. Nachtisch zu viel Schokolade, mein Bauch zwickte. (Wenn ich über die fehlende Lernfähigkeit anderer Menschen stolpere, brauche ich nur an meine eigene zu denken.)

§

Ein kleiner Fernseh-Beitrag vom BR über die Werkstatt, aus der mein edler Bräter kommt: Hoffmann Metallgefäße.

via @giardino

Ich bin eine sehr zufriedene Kundin, aber wie Berthold Hoffmann in dem Beitrag konstatiert: Er hat keine Stammkunden, weil fast alle nur einmal im Leben bei ihm einkaufen – die Produkte halten mehrere Generationen. Umso lieber empfehle ich ihn.

§

Apropos Produkte fürs Leben: Herzbruch erzählt die Geschichte hinter dem Ding, das auf Fotos von ihrer Wohnung immer wieder auftaucht und jedes Mal für einen Saugroboter gehalten wird. In Wirklichkeit handelt es sich um das Schlafzimmer ihrer Eltern.

§

Herbert Achternbusch ist gestorben, war Donnerstagabend der Tagesschau eine lange Meldung wert, gestern der Süddeutschen die obere Titelseite. Er war schon was sehr Besonderes.

Bereits von 2016 stammt dieser Beitrag von Kathrin Passig zum Thema.

  1. LYRISCH ODER WAS?! []

Journal Montag, 10. Januar 2022 – Wunderheilung

Dienstag, 11. Januar 2022

Am Sonntagabend hatte ich beim Vorbereiten meines Krankheitstags für die Arbeit noch gescherzt: “Außer es tritt Wunderheilung ein.”
Und dann bekam ich sie (tät ich beten oder nähme ich Zuckerkügelchen, wüsste ich warum). Schon in der Nacht auf Montag schlief ich tief, und bei den beiden Malen Aufwachen merkte ich deutlich: Nicht mehr krank.

Als der Wecker um sechs läutete, sprang ich wirklich munter und gesund auf, machte Milchkaffee, entfernte den Zettel für den Putzmann “Bin krank!” von meiner Zimmertür. Die nächsten Stunden fühlte ich mich lediglich light headed, schließlich hatte ich schon ziemlich lang nichts mehr gegessen, aber nicht mal richtig schwindlig. Hurra!

Ich kam erst so spät von Zuhause los, dass ich in den Schulradlverkehr geriet – und mehrfach vor den in Gruppen auf dem Gehweg radelnder Kindern auf die Straße ausweichen musste. Es war kalt, vereinzelte Schneeflocken in der Luft.

In der Arbeit ging es genauso heftig zu wie erwartet, wenn auch nicht in der Art und Weise wie erwartet. (Außer den Postbergen: Die hatte ich genau so erwartet. Waren aber nachmittags zügig weggeschafft.) Aber da ich auf Tumult und Durcheinander gefasst war, fest entschlossen, dabei locker in den Knien zu bleiben, da ich zudem alles Vorbereitbare vor Weihnachten vorbereitet hatte, war ich für meine Verhältnisse auch innerlich geradezu gelassen. Außerdem stellte sich heraus, dass über die Weihnachtsferien Menschen regelnd und konzipierend aktiv gewesen waren, mit denen ich nicht gerechnet hatte, und dass so eine Baustelle zumindest strukturiert war.

Mittags aß ich Hokkaido milk bread (wenn das Hefezopf ist, ist es der saftigste, fluffigste, den ich je hatte), Tarocco-Orange, Granatapfelkerne – also ganz normal. Das war wohl voreilig nach dem Infekt: Ich wurde extrem müde davon und fühlte mich nicht mehr so gesund wie mit leerem Magen. (Hätte vielleicht doch erst mal mit Salzstangen anfangen sollen?)

Nachmittags ging es heftig weiter, zum späten Feierabend hing ich ziemlich in den Seilen.

Doch draußen war die Luft gut und nicht zu kalt, ich genoss den Spaziergang nach Hause über Paketabgabe und Vollcorner. Daheim eine Runde Yoga, darin eine Reihe Übungen, die ich nicht schaffte.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das Mufflon-Curry mit französischen Trockenpflaumen, das er schon am Sonntag zubereitet hatte. Ich bat vorsichtshalber um viel trockenen Reis, zu dem ich ein wenig davon versuchen wollte. Es schmeckte sehr gut, wahrscheinlich nahm ich den einen oder anderen Löffel zu viel. Auch Fruchtgummi zum Nachtisch traute ich mich.

Im Fernsehen lief aus Anlass von Sidney Poitiers Tod Rat mal, wer zum Essen kommt. Hatte ich vor vielen Jahren schon mal gesehen, dabei war mir aber nicht aufgefallen, dass Poitier eine doch vielschichtige Rolle hat, Katharine Houghton als seine Verlobte aber nicht mehr Merkmale als jung, hübsch, naiv bekommt. Zum Thema Rassismus/Antirassismus ist der Film von 1967 ein interessantes Zeitdokument; mittlerweile weiß man, dass “ich sehe keine Hautfarben” keineswegs zu Gleichberechtigung führt.

Sehr früh ins Bett weil müde.

Journal Samstag/Sonntag, 8./9. Januar 2022 – Nymphenburg und ein Tag krank im Bett

Montag, 10. Januar 2022

Der Sonntag war leider ein Komplettausfall: Nachdem ich mich morgens nach einem Aufwachen und Klogang um fünf wieder hinlegte, wurde mir schlagartig sehr schlecht. Den Vormittag verbrachte ich hauptsächlich im Bett liegend, mit regelmäßigen Ausflügen zur Kloschüssel – inklusive Komplett-Sauerei, die Kloputzen, Duschen und Kleidungwaschen nach sich zog. Ab Mittag beruhigte sich mein Körper, ich konnte längere Abschnitte schlafen. Nachdem ich erst ein paar Schluck Wasser bei mir behielt, blieb dann auch Fencheltee drin, den der fürsorgliche Herr Kaltmamsell auf meine Bitte zubereitet hatte.

Durch die herabgelassenen Rolläden hörte ich es am Morgen erst regnen und stürmen, später leuchtete sogar ein wenig Sonne durch die Ritzen. Der Kirchturm von St. Matthäus schlug die vollen Stunden und ließ den Nachmittag vorbeiziehen.

Kurz nach sechs probierte ich das mit dem Aufstehen. Zwar gähnte ich immer noch, war erschlagen und litt unter Kopfweh und Bauchzwicken – aber wenn ich in der folgenden Nacht schlafen wollte, musste doch eine Wachphase davor liegen? Außerdem taten mir die Knochen von 20 Stunden Liegen weh. Nahrungsaufnahme stand außer Frage (Herr Kaltmamsell kochte des geplante Abendessen trotzdem, jetzt hatte er mehr Zeit als am Montag, doch allein der Geruch ließ meinen Magen sich bedrohlich ballen), ich war froh, dass ich mit Tee zumindest Flüssigkeit in den dehydrierten Körper brachte. Zur Tagesschau schaffte ich sogar lösliche Gemüsebrühe für den Salznachschub.

Geplant hatte ich den Start des gestrigen Sonntags und letzten Tag vor Arbeitsanfang mit dem Backen des legendären Hokkaido Milk Bread, Roux dafür am Samstagabend gekocht, Butter und Ei zum Temperieren aus dem Kühlschrank genommen. Nachdem sich abzeichnete, dass ich dazu gestern nicht in der Lage sein würde, übernahm nachmittags Herr Kaltmamsell.

Ins Bett um halb acht, ich hatte bereits Nachrichten und Anweisungen für Kolleginnen und Chef vorbereitet, weil ich mir nicht vorstellen konnte, am nächsten Tag arbeitsfähig zu sein. Auch wenn der erste Tag nach Urlaub und dieser Tag ganz speziell aus einigen Gründen ausgesprochen ungeschickt für ungeplante Abwesenheit war.

§

Auch der Samstag verlief anders als geplant, allerdings nicht komplett. Meine Eltern hatten für einen weiteren Handwerkseinsatz anreisen wollen, doch der anhaltende Schneefall machte es klüger, keine 80 Kilometer mit dem Auto zu fahren, sondern den – eh nicht pressierigen – Einsatz zu verschieben.

Statt dessen turnte ich eine Runde Yoga, holte Semmeln, frühstückte sie.

Nachmittags war ich zu einem Spaziergang am Nymphenburger Schloss verabredet und trug gleich mal meine neue Sonnenbrille: Im Winter und reflektiert von Schnee oder Wasser plagt mich das Sonnenlicht deutlich mehr als im Sommer von oben.

Rechts neben diesem Gebäude führte ein Weg zum alten kleinen Friedhof der Englischen Fräulein, den besichtigten wir erst mal – und enteckten unter anderem das Grab von Ruth Leuwerik.

Es war ziemlich viel los auf den Wegen ums Schloss, da die Temperaturen gleichzeitig feucht-klamm waren, hielten wir den Spaziergang kurz.

Auf dem Rückweg gerieten wir mit der Tram in Verkehrsbehinderung durch einen Autocorso von Impfgegnern mit vielen, vielen Deutschlandfahnen (vielleicht noch von einem Fußballturnier?). Das letzte Stück ab Hackerbrücke ging ich entlang der Theresienwiese zu Fuß nach Hause und musste deshalb die Botschaften aus den Lautsprechern des Autocorsos hören, darunter Falschaussahen wie “die Regierung” habe erst behauptet, die Impfung helfe, dann die Impfung helfe nicht, oder dass sie behaupte, Virus-Mutationen würden durch die Geimpften verursacht. Nein, ich glaube nicht, dass an diese Leute durch Diskussionen ranzukommen ist.

Cocktail-Abend: Ich hatte Herrn Kaltmamsell informiert, dass es Whiskey Sour mit einer eigens dafür gekauften Bergamotte-Zitrone und Ciao Bella geben würde, er müsse allerdings die Reihenfolge bestimmen. Es wurde zuerst der Whiskey Sour (gut! den nächsten probiere ich aber mit weniger Zuckersirup), dann die Negroni-Variante.

Zu Essen gab es Irish Stew mit heimischem Mufflon (vor Weihnachten beim Wildhändler auf dem Viktualienmarkt gekauft und eingefroren) – wir hatten uns von diesem Fleisch das Hammelaroma erhofft, das ein Stew erst richtig authentisch macht. Funktionierte nur so halb, mir gefielen vor allem die typischen Gerstengraupen im Irish Stew.

Abendunterhaltung war im Fernsehen Reise ins Labyrinth von 1986, aus Bildungsgründen, denn ich hatte den Film nie gesehen. Meine Güte! Wirklich ein Kuriosum der Filmgeschichte, bizarr schlecht.

Journal Freitag, 7. Januar 2022 – Vegetarisches fine dining im Green Beetle

Samstag, 8. Januar 2022

Ausgeschlafen, und das auch noch gut.

Am dritten Tag konnte ich die Augen nicht mehr davor verschließen: Das ist tatsächlich eine leichte Blutung, meine blöde Gebärmutter will es doch noch mal wissen und hat ordentlich Schleimhaut geklöppelt, der Zähler der Tage seit letzter Menstruation saust von 335 zurück auf 0, keine Menopausenfeier im Februar, zefix.

Gestern war nochmal Schwimmen im Dantebad geplant, doch als ich bereits gepackt hatte und vor Anziehen und Losradeln nur kurz duschen wollte, hatte ich eine superoriginelle Idee: Ich könnte einfach nicht zum Schwimmen gehen und statt dessen alle sonstigen Vorhaben (Einkäufe, Frühstück, Zeitunglesen) supergemütlich und ohne genaue Taktung durchführen. Das machte ich dann einfach!

Das Wetter war hell und kalt, aber nicht unter Null, manchmal sah ich Schneeflocken, manchmal Sonne. Ich zog los zu einer Runde Lebensmitteleinkäufe für die nächsten Tage, besorgte auch Frühstückssemmeln.

Meine zweite Runde in die Innenstadt legte ich über den Odeonsplatz, um mal wieder Automatenfotos für mein Langzeitprojekt zu machen; aus dem Jahr 2021 gibt es nur eine einzige Aufnahme, das sollen dieses Jahr wieder mehr werden.

Leider musste ich feststellen, dass auch dieser Automat überbelicht (neben dem am Josephsplatz und dem am Goetheplatz) – eigenartig, vor neun Jahren bekam ich in dem Automat derselben Firma am Sendlinger Tor noch Passfoto-Qualität.

Nächster Einkaufspunkt: Haushaltswaren-und-alles-Geschäft Kustermann auf der Suche nach einer besonders großen Seifendose (für meine Lavendel-Peelingseife) – vergeblich, ich bestellte später dann doch eine aus der großen Auswahl im Internet.

Zuletzt spazierte ich zum Eataly wegen Spaghetti chitarra – und in der Hoffnung, den einen oder anderen hochwertigen Panettone für die Hälfte abzustauben. Doch die Weihnachtsware war bereits verschwunden.

Zu Hause hatte Herr Kaltmamsell die Orangensauce aus den vielen Gläsern zurück in den Topf geschüttet und kochte sie nochmal. Die Marmelade wurde recht dunkel, und nun befürchtete er, Orangenkonfekt (wie Quittenbrot) produziert zu haben. Test beim Semmelfrühstück ergab: Perfekte Konsistenz, keineswegs schnittfest.

In aller Ruhe las ich Twitter und Zeitung. Anruf des Optikers, meine Sonnenbrille sei fertig. Die holte ich in früher Winterdunkelheit und bei leichtem Schneefall ab, auf dem Rückweg gönnte ich mir einen Strauß Blumen: Der Blumenladen in unserer Straße hatte schon vor einer Weile mit neuem Besitzer wiedereröffnet, jetzt dachte ich endlich mal zu seinen Öffnungszeiten an einen Einkauf.

Für den Abend und zum Feiern des Ferienabschlusses hatten wir einen Tisch im neuen vegetarischen Ableger des Käfer-Restaurants reserviert, im Green Beetle – wir sind ja beide immer noch auf der Suche nach einem Münchner Pendant unseres Restaurant-Lieblings in Brighton, dem vegetarischen/veganen Food for friends. Wir nahmen die U-Bahn, auf den letzten 500 Metern zu Fuß schneite es nass.

Wir wurde herzlich in sehr angenehmen und luftigen Räumlichkeiten begrüßt (und auf Impfstatus überprüft), dann verbrachten wir drei ausgesprochen schöne Stunden mit guten Speisen und Getränken.

Die Karte holten wir uns über QR-Code auf unsere Handys – die so bei den Speisen ganz gut lesbar war, die Weinkarte las sich damit allerdings sehr mühsam, ich sehnte mich nach einer klickbaren Navigation. Als Aperitif bestellte wir beide den “Signature Drink” Cinnamon Wiskey Sour – den gab es gestern allerdings nicht, sondern nur die klassische Version. Schmeckte frisch und gut. Wir entschieden uns für das vegetarische Menü in vier Gängen, dazu bat ich von der Weinkarte um den 2020 Sauvignon Blanc vom rheinhessischen Weingut Keth, das ich von ein paar anderen Weinen kannte. Doch auch den gab es nicht, auch nicht einen anderen Jahrgang, uns wurde statt dessen ein Gelber Muskateller Fiedesser aus dem österreichischen Weinviertel empfohlen – passte gut, schmeckte ganz wunderbar.

Als Gruß aus der Küche gab es Papierbrot und saures Gemüse, ein Schälchen mit Zwiebel-Hack und Karottenreduktionn – sehr gut.

Der erste Gang war gleich mein Favorit des Abends: Französische Brioche (schmeckbar die Version mit viel Butter) mit hauchdünner Steckrübe und mit Apfel, ein Viertel karamellisierter Chicorée.

Zur schön wärmenden und intensiven Champignon-Essenz wurde eine Polenta-Schnitte mit Estragon serviert, ganz wunderbar.

Das Krautwickerl war mit Sauerkraut gefüllt, ergänzt mit Birne, Pastinaken, Zimt – klasse.

Als Dessert gab es “Münchner Honig”: Mais-Ganache, Fingerlimette, Toffee Eis – eine erfreuliche Mischung aus knusprig und cremig. Zum Espresso stellte uns der aufmerksame Service ein Tellerchen mit Canelé, die seit einiger Zeit durch die Foodblogs geistern, jetzt weiß ich endlich, wie die schmecken (eher ein Textur- denn ein Geschmackserlebnis).

Satt und zufrieden gingen und fuhren wir heim durch nassen Schnee. Ein Münchner Food for friends hatten wir zwar nicht gefunden, das Green Beetle ist viel edler, doch zumindest eine ernst zu nehmende Anlaufstelle für ambitionierte und Zutaten-zentrierte Gemüseküche.

§

Einen Clip von ihm habe ich ja schon verlinkt, jetzt empfehle ich den gesamten Tiktok von @adrianbliss – er ist ZU gut. Aktueller Liebling: Shrimp on Noah’s ark. (Wie er immer wieder in die Kamera guckt, wie so Passanten, die vom Fernsehen interviewt werden <3 <3 <3)

Journal Mittwoch, 5. Januar 2021 – Ausflug ins Ingolstädter Medizinhistorische Museum

Donnerstag, 6. Januar 2022

Nach gutem Schlaf vom Wecker geweckt worden – den ich gestellt hatte, um vor unserem Ausflug zum Ingolstädter Medizinhistorischen Museum noch ein wenig Ruhe zu haben. Es regnete.

Nach einer Woche Pause machte ich nach all den Unternehmungen mal wieder einen Covid-Schnelltest. Der von der Arbeit gestellte von Lepu Medical zeigte wieder einmal gar nichts an, also auch keinen Kontrollstreifen: Diese Sorte hat bei mir eine Ausfall-Quote von über 20 Prozent. Ich ließ mir einen von Herrn Kaltmamsells Tests geben.

Mit dem Zug nach Ingolstadt, draußen blieb es greislich. Ingolstadt liegt gerne mal in einer anderen Wetterzone als München, bis Ankunft gab ich die Hoffnung nicht auf, dass wir die halbe Stunde von Hauptbahnhof ins Stadtzentrum zu Fuß gehen würden. (Zur Erinnerung: Der Hauptbahnhof von Ingolstadt liegt ungefähr so zentral wie der Flughafen von München, begründet in der Geschichte Ingolstadts als wichtiger Militärstützpunkt.) Doch in Ingolstadt war schlagartig Winter: Es ging ein eisiger, schneidender Wind, in der Luft ein wenig Schneeregen. Wir nahmen also die einzige hochfrequente Busverbindung der Öffi-feindlichen Autostadt, nämlich die zwischen Hauptbahnhof und Zentrum (Busbahnhof).

Erst in der Vorbereitung auf den Ausflug hatte ich gelernt, dass es das Ingolstädter Medizinhistorische Museum erst seit 1973 gibt und dass es ohne eigene Sammlung eröffnet hatte, also Exponate aus anderen Sammlungen zeigte. Das heißt, dass mein erster Besuch als Kind mit meinen Eltern kurz nach dieser Eröffnung stattgefunden haben muss. Ich glaube mich zu erinnern, dass in erster Linie Präparate in Glaszylindern ausgestellt waren, dazu historische Geburtswerkzeuge. Dass meine Mutter mir vieles so kindgerecht wie möglich erklärte, dass ich neugierig und fasziniert war. Sicher bin ich, dass sowohl meine Mutter als auch ich die Auswirkungen aufs kindliche Seelchen komplett unterschätzt hatten: Ich erinnere mich an eine lange Phase mit schlimmen Albträumen, dass ich einmal nachts hochschreckte und im Fenster meines Kinderzimmers ein Skelett zu sehen glaubte. (Sehe ich heute als Hinweis, dass ich schon als Kind nicht gut mit mir umgehen konnte: Die meisten anderen kleinen Kinder hätten sich rechtzeitig vor Ort gegruselt und gestreikt.)

Heute zeigt das Museum einen kleinen, aber interessanten Ausschnitt der mittlerweile großen eigenen Sammlung (im Herbst 2020 fertiggestellt und mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet). Er ist thematisch sortiert, beleuchtet auch kulturelle und soziologische Aspekte. Daraus und aus dem hilfreichen Audioguide lernte ich u.a., dass die Ingolstädter Anatomie eine der am spätesten gegründeten in Europa war (dafür eine der wenigen mit eigenem Bau), dass es fast keine historischen Zeugnisse von Einrichtung und Abläufen gibt (zur multimedialen Erläuterung wurden deshalb die anderer Universitäten gezeigt). Und mir wurde bewusst, dass im Grunde erst seit nicht mal 200 Jahren mikroskopische Betrachtungen medizinische Forschung ermöglicht, wie wir sie heute kennen, dass bis dahin alle Therapien sich auf das “Herausziehen” von Krankheiten aus dem Körper konzentrierten, in Form von Aderlass, Schröpfen, Einläufen – was so manche Pseudo-Medizin auch heute wieder verkauft, aber die bestreitet ja auch gerne, dass es sowas wie Viren überhaupt gibt.

Christus anatomicus von 1700, Mischung aus Kruzifix und Anatomie-Lehre.

Die stillende Bettlerin – uneheliche Schwangerschaft konnte ein Frau bis vor gar nicht allzulanger Zeit komplett aus der Gesellschaft werfen.

Thematisiert wurde auch die Heldenverehrung berühmter Ärzte – mit einem echten Lacher.

Info für @Mirabilia: Schöne Garderobe im Untergeschoß, schöne Toiletten. Das Café mit Ausblick auf den Kräutergarten öffnete erst nach Mittag.

Die Sonderausstellung in einem Raum im Obergeschoß des Erweiterungsbau (der mir ebenfalls neu war) lautete “In the Name of Love – AIDS-Gedenktücher als Zeichen von Trauer und Protest”. Sie thematisierte vor allem die gesellschaftliche Seite von AIDS seit Ausbruch.

Abschließend spazierten wir durch den schönen Heilpflanzengarten.

Im Hintergrund das Liebfrauenmünster (ein Turm kürzer, weil das Geld ausging).

Klassische Ansicht der Alten Anatomie.

Fürs Mittagessen steuerten wir aus nostalgischen Gründen das griechische Lokal an, in dem ich in meiner Ingolstädter Zeit wohl am häufigsten gegessen habe, und das es möglicherweise fast 40 Jahre gibt: das Poseidon. Unsere Impf-Zertifikate wurden löblich gründlich geprüft, wir aßen Grillfleisch mit Salat (Herr Kaltmamsell) und Salatteller mit Scampi und Tintenfisch, dazu Pita mit Knoblauch. Alles gut. Hier gibt es sogar immer noch griechischen Mokka, den ich liebe, wir bekamen ein Gläschen Metaxa dazu und die Empfehlung, beides zusammen zu genießen.

Mittlerweile hatte sich das Wetter beruhigt, sogar die Sonne blinzelte ein wenig. Doch es war weiter eisig und windig, eine ausführliche Runde durch die Innenstadt (die mir schon lang fremd geworden ist, es fällt mir sogar schwer mich zu erinnern, was da früher war) verschob ich auf den Sommer. Den Fußweg zurück zum Bahnhof machten wir also möglichst direkt.

Gab es zu meiner Zeit auch nicht: Kormorane auf der Donau (auf dem Felsen im Fluss).

Auf dem Heimweg Lebensmitteleinkäufe, zu Hause erst mal eine Kanne Tee – gegen den Durst und zum Aufwärmen. Eine Runde Yoga, dann bereitete ich das Abendessen zu: Ein Teil der restlichen Meatballs vom Vortag wurde Pastasauce, ich wollte endlich mal die ikonischen amerikanisch-italienischen spaghetti with meatballs (die Susi-und-Strolch-Szene?).

Nachtisch Pralinen.

Auf der Hinfahrt nach Ingolstadt hatte ich mich mit Herrn Kaltmamsell unter anderem über seine aktuelle Lektüre unterhalten: Er liest Wolfgang Herrndorfs Sand zehn Jahre nach Erscheinen nochmal. Vor allem sein Urteil, dass sich der Roman ausgezeichnet gehalten habe, machte mir Lust darauf, es ihm gleichzutun.

§

Großer Dank an Anke Gröner, die mit Überlegungen und Recherche dem manchmal bis zur Verzweiflung peinigenden gesellschaftlichen Unwohlsein nachgegangen ist, das auch mich in den vergangenen Monaten beutelt:
“Diskontinuität und Konsensfiktion”.


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