Essen & Trinken

Journal Samstag, 13. April 2024 – Pannobile-Besuch in München

Sonntag, 14. April 2024

Nach einer gut und tief durchschlafenen Nacht weckte mich der morgenhelle Himmel – an einem Tag mit schönem Wetter ist es mir ohne geschlossenem Rollladen also mittlerweile schon um halb sieben zu hell zum Weiterschlafen.

Ich knetete erst mal Teig, gestern sollte es nach langer Pause wieder selbstgebackenes Brot geben, ich hatte mich für ein 14 Jahre lang gespeichertes Rezept für Mecklenburger Landbrot entschieden. Und beim Stöbern festgestellt, dass Lutz Geißler seine Online-Rezepte im Plötzblog seit Kurzem kostenpflichtig macht – was er gut begründet, ich empfehle die Lektüre, weil daraus das ganze Dilemma eines gut gemachten Rezeptblogs deutlich wird, das kein klickibunti Werbe- oder PR-Objekt sein soll. Was allerdings für mich persönlich bedeutet, dass all die Links zu seinen Rezepten, die ich mir fürs Ausprobieren gespeichert hatte, unnütz geworden sind.

Zwei längliche Brotlaibe auf Kuchengitter auf schwarzer Kopchplatte.

Ob ich in diesem Leben die Anweisung “halbieren” jemals hinkriege?

Einer der Brotlaibe aufgeschnitten.

Hm, wird nicht mein Lieblingsbrot: Die Kruste war mir ein wenig zu hart, anfangs länger bedampfen? Und der Geschmack ging mir ein bisschen zu sehr Richtung “gesund”.

Während ich meinen Sportrucksack packte, machte sich Herr Kaltmamsell fertig für Frühstücksverabredung und Münchenspaziergang mit zwei anderen bloggenden Lehrern. Bei diesem herrlichen Wetter wollte ich meine Schwimmrunde wieder im Freien drehen und radelte (wieder kurzärmlig) zum Dantebad. Als ich ans Becken kam, war es noch voller als am Samstag der Vorwoche, doch noch vor Ende der ersten 1.000 Meter beruhigte sich der Schwimmverkehr. Ich schwamm mit Vergnügen und nur wenig Kreuzzwicken (Schulter gar kein Problem), legte 300 Meter auf meine üblichen 3.000 drauf. Die neue Schwimmbrille funktionierte hervorragend: Den super Sitz kannte ich ja von diesem Modell, die Verspiegelung schützte mich vorm Geblendetwerden.

Diesmal wäre sogar ein Sonnenbad drin gewesen: Man hatte ein kleines Stück der Liegewiese gemäht und geöffnet.

Beim Heimradeln war auf der Dachauer Straße so viel Radverkehr unterwegs, dass nur Kolonnefahren ging (nur einmal versuchte jemand die Autotechnik des Ausscherens und vorne Einquetschens – um an der nächsten roten Ampel im selben Pulk zu stehen). Zentrumsnah begegneten mir immer wieder Männerchöre in Fußball-Oberteilen, gestern spielte anscheinend Rewe.

Für den gestrigen Sonnentag hatte ich mir Entwintern des Balkons vorgenommen, packte daheim nur kurz die nassen Schwimmsachen aus und startete gleich durch: Balkon saugen, Balkonmöbel mit Grüner Seife und Bürste auf dem Balkon abschrubben (ich hatte leider schon wieder vergessen, dass ich damit die – relativ kürzlich gereinigten – Glasscheiben zum Balkon versaute), Balkonmöbel ins Wohnzimmer schleifen, Balkonboden reinigen (ich habe zu wenig Erfahrung mit dem professionellen Bodenwischer unserer Putzmänner, arbeitete lieber mit Schüssel, Spüli-Wasser und Spülschwamm auf Knien, abschließend mit klarem Wasser und Schwammtuch).

Blick von innen auf einen leeren Balkon mit oranger herabgelassener Markise.

Dauerte mit anderthalb Stunden ein wenig länger als vorhergesehen (unter anderem vergesse ich immer, die Reinigung der Putzwerkzeuge einzukalkulieren). Zwar ist nur noch für Sonntag Balkonwetter angekündigt, aber das ist ja ein ganzer nutzbarer Tag. Ein Rausstellen der Balkonpflanzen erschien mir allerdings noch zu riskant, für die nächste Woche ist ein weiterer Temperatursturz angekündigt.

Um drei aber endlich Frühstück: Mecklenburger Landbrot mit Butter und Honig, Orangen. Während ich aß, kam Herr Kaltmamsell von seinem Ausflug heim. Er half mir, den sauberen Balkon zu möblieren.

Balkon mit Bank und Tisch, auf dem Tisch eine aufgeschlagene Zeitung, dahinter eine Frau mit weißen Haaren und schwarzem Oberteil, die diese Zeitung liest.

Erstes Balkonnutzen durch Zeitunglesen (Foto: Herr Kaltmamsell).

Für den Abend hatten wir Karten: Die Wir2liebenWein hatten Pannobile-Winzer*innen aus dem österreichischen Gols nach München geschafft, unter anderem gab es ein Flying Dinner mit Weinen von ihnen, und für das hatte ich Herrn Kaltmamsell und mich eingebucht (der Newsletter hatte sich schonmal gelohnt!).

Wir spazierten in der Abenddämmerung durchs geschäftige Bahnhofsviertel in die Bambule-Bar (die, wie ich jetzt beim Recherchieren fürs Blog feststelle, irgendwie zum Mural gehört).

Moderner Innenhof, im Vordergrund Holztischlein mit zwei Weißweingläsern, im Hintergrund sitzt ein Mann mit grünem Hemd und grauem Sakko, verschränkten Armen, weiter im Hintergrund stehende und gehende Menschen.

Es war draußen eingedeckt, wie setzten uns an einen Zweier-Tisch – und dann startete ein Abend mit viel Weinlernen durch Probieren und köstlichen Tellerchen.

Vier Weinflaschen mit Etikett

Vier Weinflaschen mit Etikett

Acht der elf probierten Weine. Von den einschenkenden Winzer*innen erkannte ich Claus Preisinger, dessen Weingut ich 2010 mal besucht hatte, der junge Herr, der Heinrich-Weine in der Flasche hatte, war wohl auch vom Weingut. Da wir wirklich immer nur einen Schluck nahmen, waren wir auch nach dem elften nicht betrunken, das mochte ich.

Meine Favoriten:
1. Der Heinrich Petnat Oh when the Saints 2021, gleich als erster im Glas. Bislang waren mir Petnats immer zu vordergründig hefig (wenn nicht sogar “gesund”) schmeckend, doch dieser war fein vielfältig blumig – will ich haben.
2. Gsellmann Traminer, maischevergoren – sowas hatte ich ja noch nie gerochen und geschmeckt, sehr vielschichtig.
3. Rennersistas Waiting for Tom, mein liebster Roter des gestrigen Abends. Eine Cuvée, die richtig spritzig rüberkam (die Rotweine wurde sehr kalt ausgeschenkt), sauerkirschig.

Ein erstes Mal: Der Heinrich Blaufränkisch 2014, vorgestellt als besonders kalter Jahrgang, roch intensiv nach Zündholzkopf.

Jetzt endlich explizit ausdiskutiert, dazu sind solche Pärchenabende ja da: In unserem Rotweingeschmack unterscheiden sich Herr Kaltmamsell und ich deutlich. Während er die typischen Spanier und Übersee-Weine liebt (Holz, Wucht), sind mir die filigranen Österreicher am liebsten. Man muss als Paar ja nicht in allem harmonieren. Und zum Glück trinke ich durchaus auch gerne Mal ein Glas Wucht, es ist keineswegs so, dass ich die nicht mag.

Vier Tellerchen mit Essen

Drei Tellerchen mit Essen

Die Speisen in kleinen Portiönchen waren fast durchgehend Thai-beeinflusst, Ausnahme der Tafelspitz ganz klassisch. Besonders mochte ich die Ceviche und den saftigen Reiskuchen. Wir wurden gut satt. (Der Anblick, den Herr Kaltmamsell am späteren Abend hatte.)

Rückweg durchs jetzt stillere Bahnhofsviertel bei Nacht.

§

Ich stimme Nele Pollatschek oft nicht zu, will aber immer lesen, was sie schreibt: Weil es wohl überlegt ist. In der Wochenend-Süddeutschen schreibt sie über toxische Weiblichkeit (und ein gleichnamiges Buch) und bringt mich zum Nachdenken (€):
“Was ist toxische Weiblichkeit?”

Bei aller Systemkritik kann man sagen: Wer trotz Klimawandel und Verkehrstoter mit 220 Sachen über die Autobahn brettert, verhält sich ein bisschen asozial. Und weil dieses Verhalten eben häufig das Resultat dessen ist, was man in feministischen Kreisen eine “männliche Sozialisierung” nennt – also die Erziehung zum Mann, in der Kindern eingeredet wird, dass ihr Wert als Mensch an bestimmten “männlichen”, draufgängerischen, mitunter gefährlichen Verhaltensweisen hängt – kann man hier von “toxischer” (also giftiger) Männlichkeit sprechen.

(…)

Genauso wahr: Wer trotz Fachkräftemangels medizinisches Personal mit der persönlichen Eitelkeit beschäftigt, wer sich die Nase machen lässt, während Pfleger für die Herz-OP fehlen, wer die Nachfrage kreiert, aus der einige der besten Dermatologen sich auf medizinisch unnötige Eingriffe spezialisieren, sodass Kassenpatientinnen auf Krebsvorsorge warten müssen – besonders Frauen sind von Altersarmut betroffen, können nicht einfach draufzahlen -, verhält sich ein bisschen asozial. Und weil dieses Verhalten häufig das Resultat dessen ist, was man in feministischen Kreisen eine “weibliche Sozialisierung” nennt – also die Erziehung zur Frau, in der Kindern eingeredet wird, dass ihr Wert als Mensch an bestimmten “weiblichen”, dekorativen, mitunter eitlen Verhaltensweisen hängt -, könnte man hier von “toxischer” (also giftiger) Weiblichkeit sprechen. Man tut es nur nicht.

Irgendwie haben sich die sichtbarsten Teile des Gegenwartsfeminismus darauf geeinigt, dass es wichtig sei, die ästhetische Selbstoptimierung weiblich sozialisierter Menschen nicht zu stigmatisieren – also nicht auf die Art über überfüllte Gesichter zu urteilen, wie man über Porschefahrer urteilt.

(…)

Irgendwie ist der Teil des Diskurses, der sich darauf spezialisiert hat, die Stellen zu benennen und zu bekämpfen, an denen die Sozialisierung zum Mann eine giftige Wirkung ausübt, bislang nicht gut darin zu erkennen, wie viel am Weiblich-Sozialisierten tatsächlich sehr giftig ist. Ist ja auch verständlich, man musste ja erst mal die mächtigen Männer entgiften und die Frauen ermächtigen. Nur jetzt, wo man sich in vielen Ländern des Westens einer gleich-ermächtigten Welt nähert, wäre es an der Zeit zu erkennen, welche weiblich-sozialisierten Verhaltensweisen schädlich sind. Damit man am Ende nicht lauter toxischen Kram ermächtigt, nur weil er von Frauen kommt.

Journal Freitag, 12. April 2024 – #12von12

Samstag, 13. April 2024

Am 12. jeden Monats sammelt die Bloggeria 12 Fotos vom Tag und trifft sich hier zum Austausch.

Gemischte Nacht, hoffentlich klappt am Wochenende das ersehnte Ausschlafen. Ich räkelte mich erst mal – und roch dabei leicht mein Deo, das ich am Vormorgen aufgetragen hatte. Aber keinerlei Schweiß. Die leisen Schweißstink-Whiffs, die ich in den vergangenen Tagen immer wieder an mir roch, waren also Reste vergangener Stink-Phasen, keine neuerliche. Vielleicht muss ich doch mal konsequent Oberteile ausmisten. (TMI, ich weiß, hahaha.)

Wie angekündigt wurde es zu einem sonnigen Tag hell, ich ließ vor dem Verlassen der Wohnung ein paar Rollläden halb herunter, vor allem um Lebensmittel vor den Sonnenstrahlen zu schützen.

Das Wetter passte, also trug ich gleich mal die neuen Glitzerschuhe.

Frau fotografiert sich im Ganzkörperspiegel eines Wohnungsflurs, kurze weiße Haare, Brille, dunkelblaues Shirt, dunkle, enge Jeans, an den Füßen glitzernde rote Schuhe.

#1von12 – Angedeutete Steptanzhaltung. Noch traute ich mich nicht, die Fersen zusammenzuschlagen. Auf dem Marsch in die Arbeit erwiesen sich die Glitzerschuhe auch noch als bequem (wie ich es von Lola-Ramona-Schuhen gewohnt bin, das ist mein drittes Paar – entdeckt durch einen Hinweis aus der trans Community: Lola Ramona bietet nämlich manche ihrer herrlich lauten Modelle bis Größe 46 an).

Erfrischender Marsch in die Arbeit.

#2von12 – Café Colombo. Wie so oft freute ich mich an dem orangen Farbklecks der frühstückenden Männer.

Emsiger Vormittag, es war auch wieder viel körperlichen Räumens. Es zog mich raus auf einen Mittagscappuccino in die Sonne.

In einer Bürohaushalle mit großen Fenstern links stehen Stehtische in einer Reihe, rechts ihre scharfen Schatten auf dem Steinboden.

#3von12 – Arbeitswelt trifft Frühlingssonne.

Kleiner Raum eines Cafés, im Vordergrund auf dem Tisch ein Tablettchen mit Wasserglas und Cappuccino, im Hintergrund Blick auf die sonnige Straße.

#4von12 – Guter Cappuccino. Die Barista fragte mich, ob ich Dorothy hieße – und ich schaltete nicht! No na, jetzt haben wir uns zumindest einander vorgestellt.
(Kann ich natürlich nie wieder hin.)

Wegen der einen oder anderen ungeplanten (aber sehr nützlichen) Besprechung wurde es spät für mein Mittagessen: Apfel, Hüttenkäse, Orangen.

So bequem die neuen Schuhe auch sind: Nach fast 10.000 Schritten meldeten sich dann doch potenzielle Blasenstellen.

Zwei Paar Schuhe auf grauem Teppich, links ein leeres Paar rote Glitzerschuhe, rechts Jeansbeine, die Füße stecken in weißen Turnschuhen.

#5von12 – Zum Glück war ich schlau genug gewesen, Ersatzschuhe einzustecken, in die schlüpfte ich vor ersten Verletzungen.

Seit 48 Stunden hatte ich lustiges Muskelzucken im linken Unterarm. Lustig im Sinne von wahnsinnig machend.

Pünktlicher Feierabend, ich freute mich darauf, die Arbeitswoche hinter mir zu lassen.

Wiese mit großen Bäumen, darauf eine gelbe Hüpfburg und viele bunte Menschen.

#6von12 – Auf dem Georg-Freundorfer-Platz war Kinderfest, gut besucht.

Einkäufe im Weinladen, Einkäufe im Vollcorner am Forum Schwanthalerhöhe. Mein Weg führte durchs Einkaufszentrum.

Blick von oben auf einen ca. 6 Meter langen Plastik-Dinosaurier mit Sattel in einem Einkaufszentrum, auf den Sattel gelangt man mit Hilfe einer Treppe mit Geländer.

#7von12 – Ich erinnere mich noch sehr gut an die kleinen, motorgewackelten Plastiktiere vor Kaufhäusern meiner Kindheit, Elefanten oder Hasen, die man als kleines Kind gegen Münzeinwurf reiten konnte (was ich, “So ein Schmarrn”, nur sehr selten durfte). Schaun Sie mal, wo das mittlerweile hingeführt hat. Dieses Vieh, ich durfte mehr als einmal glückliche Kinder darauf beobachten, bewegt auch Schwanz und Kopf!

Durch einen altmodischen schmiedeeisernen Zaun sieht man in den Vorgarten eines Gründerzeithauses und auf eine Buchsbaum-gesäumte Blumenrabatte mit weißen Tulpen und Vergissmeinnicht, dahinter das erste Stockwerk der Fassade it einem Fenster, in dem sich die Sonnen-beschienene Fassade des gegenüberliegenden Hauses spiegelt.

#8von12 – Vorgarten in der Pettenkoferstraße, ich bewunderte die Vergissmeinnicht.

Fast lebensgroße Bronzefigur im Garten eines weißen Jugendstil-Gebäudes mit großen Terrassentüren, sie stellte eine Frau in Kleid und mit einem Stock dar, die sich mit einem Arm den Schweiß von der Stirn wischt.

#9von12 – Die Patronin des Freitagabends vor der Medizinischen Lesehalle am Beethovenplatz.

Zu Hause Auspacken der Einkäufe, Wäscheaufhängen aus der programmierten Waschmaschine, eine Runde Yoga-Gymnastik.

Zimmerecke mit Parkettboden, von hinten ein weißer Bücherschrank, davor ein Fernsehbildschirm, der eine Frau in Vierfüßlerstand zeigt, davor eine blaue Yogamatte.

#10von12 – Meine fast tägliche Yoga-Situation, ich bin am Ende des nochmaligen Durchturnens von Adrienes diesjährigen 30-Tage-Programms “Flow” angelangt.

Jetzt aber ernsthafter Wochenabschluss: Alkohol! Ich machte uns den ersten Aperol Spritz der Saison, wischte Saharastaub von der Balkonbank, erster Freitagabenddrink der Saison auf dem (noch unentwinterten) Balkon.

Balkonbrüstung, auf der zwei Stilgläser mit oranger Flüssigkeit stehen, links davon eine tönerne Wasserschale, rechts davon ein Mann in dunkelblauem Polohemd, dahinter ergrünende Bäume, durch die Sonne scheint.

#11von12 – Herr Kaltmamsell im Abendlicht. Zum Drink hatte ich eingelegte Oliven und Artischocken mitgebracht.

Gestern gab es nach Langem mal wieder das eigentlich übliche Freitagsfleisch. Ich hatte glückliches Rib-Eye-Steak mitgebracht, das Herr Kaltmamsell briet, als Beilage buk er die Ernteanteil-Pastinaken nach Ottolenghi im Ofen, und ich hatte mir Sauce Café de Paris gewünscht.

#12von12 – Schmeckte alles ganz hervorragend, die Sauce noch besser, als ich sie in Erinnerung hatte – ein Festmahl. Nachtisch Schokolade, nicht zu viel!

§

Schon zu meiner Grundschulzeit war alles Neue in der Schule schlecht. Ich bin ja Generation Mengenlehre und bilde mir ein mich zu erinnern, wie komplett bescheuert meine Eltern das fanden. Hier ein Spiegel-Artikel von 1974 (ich kam 1973 in die Schule):
“Mengenlehre: »3 + 5 = 5 + 3«”

via @kathrinpassig

Definitv aber erinnere ich mich an den Gedanken: “Wie Mengenlehre!”, als ich erste Bekanntschaft mit dem Konzept “Klassen” in der Informatik machte.
Schlagartig ergab alles Sinn.

Geschweifte Klammern und Ellipsen, in die immer neue und immer andere Mengen geschrieben oder gezeichnet werden, füllen viele Hefte. Väter und Mütter, die pflichtbewußt den Bestseller »Eltern lernen die neue Mathematik« oder ein anderes der fünf Dutzend Elternbücher gelesen oder einen Kurs an der Volkshochschule besucht haben, sind ihren Kindern wenigstens in der Erkenntnis voraus, daß es Mengen in Unmengen gibt: unter anderem Grund-, Teil-, Vereinigungs-, Ergänzungs-, Schnitt-, »Unterschieds-, Null-, Verbindungs-, Rest-, Produkt-Lösungsmengen.

Aber selbst allabendlich strebend bemühten Eltern fällt es oft schwer, mit ihren Sprößlingen mitzuhalten oder ihnen zu helfen, wenn sich die Begriffe verwirren.

Von Mächtigkeit reden Achtjährige und meinen nicht Könige oder Kanzler, sondern Mengen von Haselnüssen und Rosinen. Und wenn sie sagen, irgend etwas sei irgend etwas anderem »eineindeutig« zuzuordnen, dann stottern sie nicht, sondern sind stolz darauf, daß sie dem Vater auch dann überlegen sind, wenn er Abitur und Doktortitel besitzt. Laut Mengenlehre-Gegner Hans Stahl (Stuttgart) »sehen die Kinder früh, zu früh, ihre Eltern hilflos und unwissend. Damit schwindet die Achtung, die Kinder können nicht mehr ihre Eltern fragen, deren Vorbild verblaßt«.

Außerdem interessant in dem Artikel: Der damalige Forschungsstand zu Legasthenie.

§

Jetz noch harter Stoff. Falls noch jemand Illusionen über das US-amerikanische Sozialsystem hatte. In der New York Times schreibt eine Ärztin über “Armut im Endstadium” als Todesursache:
“Many Patients Don’t Survive End-Stage Poverty”.

Medical textbooks usually don’t discuss fixing your patient’s housing. They seldom include making sure your patient has enough food and some way to get to a clinic. But textbooks miss what my med students don’t: that people die for lack of these basics.

(…)

I love reading about medical advances. I’m blown away that with a brain implant, a person who’s paralyzed can move a robotic arm and that surgeons recently transplanted a genetically modified pig kidney into a man on dialysis. This is the best of American innovation and cause for celebration. But breakthroughs like these won’t fix the fact that despite spending the highest percentage of its G.D.P. on health care among O.E.C.D. nations, the United States has a life expectancy years lower than comparable nations—the U.K. and Canada— and a rate of preventable death far higher.

(…)

I used to teach residents about the principles of internal medicine — sodium disturbances, delirium management, antibiotics. I still do, but these days I also teach about other topics — tapping community resources, thinking creatively about barriers and troubleshooting how our patients can continue to get better after leaving the supports of the hospital.

Journal Mittwoch, 10. April 2024 – Robert Menasse, Die Vertreibung aus der Hölle

Donnerstag, 11. April 2024

Eine gute Nacht, wunderbar. Allerdings begleitet beim Einschlafen und nächtlichem Klogang von wiederholtem Motoraufheulen eines (mehrerer?) Autos vorm Schlafzimmer. Ein neues Signal der Drogendealer vom Park? (Und auch etwas, was mit Verbrennungsmotor-Pkw aussterben wird, hähähä).

Ein kalter Morgen, ein kalter Tag, ich marschierte in dicker Jacke in die Arbeit, vermisste eine Mütze und ging noch schneller als eh, damit mir warm wurde. Ich begegnete glitzernd aufgebrezelten Menschen – erster Hinweis auf den gestrigen Start des Zuckerfests.

Zackiges Wegarbeiten am Morgen, denn um 9 Uhr startete eine Info-Veranstaltung online, die mich sehr interessierte. In einer Pause ging ich schnell auf einen Cappuccino bei Nachbars.

Dort wahrte eine neue Barista auch bei langer Schlange ihre Berufsehre.

Mehr interessante Info aus der Veranstaltung, nebenher die eine oder andere Anfrage aufgefangen. Zu Mittag gab es Apfel, Orangen, dann noch eine Mango (endlich mal wieder eine richtig gute) mit Sojajoghurt.

Am Nachmittag Veranstaltungsabschluss, dann berufliches Hantieren mit Heikelkeiten (meine Nerven – doch die sollten sich besser mal daran gewöhnen, das wird ab 1. Mai Tagesgeschäft). Doch unterm Strich, also bei Feierabend (am Ende des Tages, thihi) fühlte sich der Tag produktiv an.

Heimweg über Lebensmitteleinkäufe für die nächsten Tage beim Vollcorner und unter dunkel drohendem Himmel – doch ich kam trocken nach Hause.

Dort Häuslichkeiten und Yoga-Gymnastik. Zum Nachtmahl erfüllte Herr Kaltmamsell mir wieder einen Wunsch: Ich hatte im Magazin brandeins von dem rumänischen Polenta-Gericht Mămăligă gelesen, und wir hatten ja bayerische Polenta vom Biohof Lex im Schrank. Dazu stellte ich mir gebratenen Chicoree vor.

Wurde noch besser als erwartet: Die grobe Polenta schmeckte mehr nach Mais als die gewohnte feine und biss sich interessant, der gebratene Chicoree passte hervorragend zum Wermuth, mit dem er abgelöscht worden war und zum schwarzen Sesam.

Früh ins Bett zum Lesen, Reinhard Kaiser-Mühleckers Wilderer nahm mich mit aufs österreichische Dorf und in den unromantischen Alltag zeitgenössischer Landwirtschaft.

§

Robert Menasse, Die Vertreibung aus der Hölle

Ich las das Buch angeregt und gern, tue mich dennoch schwer, dazu etwas zu schreiben.

Der Roman verläuft auf drei Erzählebenen:
Die erste spielt Ende der 1990er, als Viktor auf einem Klassentreffen (25 Jahre nach dem Abitur) statt etwas über seinen eigenen Werdegang zu erzählen, die Namen einiger der früheren Lehrer nennt und ihre NSDAP-Mitgliedsnummer. Umgehender Eklat, empörte Abgänge, nur er und eine Klassenkameradin bleiben zurück. Sie unterhalten sich, erinnern sich an ihre Schul- und revolutionäre Uni-Zeit.

Der zweite, damit verwobene Strang erzählt von Viktors Kindheit, Schulzeit und Jugend als Scheidungskind in den frühen 1960ern und Enkel von jüdischen Holocaust-Überlebenden in Wien.

Und dann die weite, in großen Kapiteln eingeschobene dritte Ebene: Die historische Geschichte des Rabbiners Samuel Manasseh ben Israel, geboren 1604 in Lissabon, aufgewachsen als vermeintlicher Christ, dessen Eltern von der Inquisition gefangen und gefoltert wurden, mit denen und seiner Schwester er nach Amsterdam floh.

Alle drei Handlungen werden personal und sehr nah am jeweiligen Protagonisten erzählt, vielschichtig und mit vielen Details in präzise-poetischer Sprache geschildert, nachvollziehbar und erlebbar gemacht.

Das las ich gefesselt, und doch. Sehr wahrscheinlich habe ich derzeit ein Problem mit Fiktionalisierung von geschichtlichen Epochen, je länger her, desto mehr (vielleicht eine Nebenentwicklung meiner Abneigung gegen based on a true story). Ständig stehen mir historisch fragwürdige Spielszenen aus populären Fernseh-Geschichtsdokus vor Augen. Aber das kann ich ja wirklich nicht dem Roman vorwerfen.

Denn: Ganz hervorragend erzählt fand ich das Großwerden von Viktor, der weder aus seinen Großeltern herausbekam, wie sie die Verfolgung im Dritten Reich überlebten, noch aus seinem Vater, deren Sohn, Details seines Kindertransports nach England. Sie schoben diese Schrecklichkeiten weit von sich, wollten nicht darüber sprechen. Erst am Schluss des Romans, bei seinen Großeltern erst nach deren Tod, erfährt er durch Begräbniswünsche Details dieser Vergangenheit.

Ähnlich das unermessliche Leid, das die Inquisition unter den verbliebenen Juden auf der iberischen Halbinsel im 17. Jahrhundert anrichtete (und das zu diesem wunderbaren Romantitel führte). In relativer Sicherheit nach der Flucht taten sie den Teufel, die erlittenen Grausamkeiten zu reflektieren, sondern konzentrierten sich einzig auf ihr Fortkommen und die Zukunft.

§

Manche Menschen freut es, ihre Ausdrucksweise zu verbessern. Wenn Sie dazu gehören, vielleicht regelmäßig beruflich sprechen, mögen Sie dies hier lesen:
“Beeindruckungsrhetorik”.

Oder die aufgeschwurbelte Version (ich lerne ja von den besten): Manche Menschen holen sich positive Erlebnisse, wenn sie auf bessere Formulierungen hinarbeiten können. Sollten Sie sich mit dieser Gruppe identifizieren, in gewisser Regelmäßigkeit auch in beruflicher Umgebung als Sprecher oder Sprecherin auftreten, wollen Sie sich hier vielleicht Tipps für Verbesserungsmöglichkeiten holen.

§

Celeste Barber demonstriert den Unterschied zwischen Menschen, die an “Beauty Routine” glauben und die Kosmetikindustrie (Arbeitsplätze!) am Leben halten (nicht ich) und Menschen ohne (ich).

Journal Freitag, 5. April 2024 – #WMDEDGT mit Sommerausbruch und Abend beim Ederer

Samstag, 6. April 2024

An jedem 5. im Monat fragt Frau Brüllen “WMDEDGT? (kurz und knackig für “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”) – außer sie vergisst es mal, hihi. Ich versuche trotz Arbeitstag mitzuspielen, es wird also noch langatmig detaillierter als eh schon.

Sehr gut und tief geschlafen, der Wecker riss mich in die Orientierungslosigkeit. Das Draußen zeigte sich regnerisch und nur mittelmild, ich war gespannt auf den angekündigten Sommerausbruch.

Milchkaffee erst für mich zubereitet, dann kam trotz Osterferien Herr Kaltmamsell aus seinem Zimmer, ich servierte auch ihm Milchkaffee. Beim Kaffee- und Wassertrinken finalisierte ich meinen Blogpost des Vortages, las ein wenig Mastodon und verlinkte Texte.

Cafetera gereinigt, Bett gemacht, Tageskleidung aufs Bett gelegt. Die Morgentoilette bestand diesmal aus Zähneputzen, Duschen ohne Haarewaschen (gleich nach dem Aufstehen hatte ich die nächtliche Verlegenheit der Frisur mit ein wenig Wasser und Kämmen geradegerückt), Auftragen von Hormon-Gel und Deo, Cremen, Schminken.

Nach dem Anziehen wollte ich meinen Blogpost bei der VG Wort eintragen – die Plattform war immer noch “wegen Wartungsarbeiten” geschlossen. Nachdem es jetzt seit vielen Monaten jeden Morgen unvorhersehbar ist, ob ich die Seite nutzen kann, hatte ich vergangene Woche doch mal eine (hoffentlich freundliche) Mail an die VG Wort geschrieben und um die offiziellen Öffnungszeiten gebeten (ich hatte darin durchaus gestanden, “dass ich diese Website mit Öffnungszeiten gerne als Beispiel für den Stand der Digitalisierung in Deutschland anführe”). Mir war umgehend und wirklich freundlich beschieden worden: “das Wartungsfenster ist jeden Tag von 3:00 bis ca. 6:30 Uhr”, manchmal könne der Import größerer Datenmengen allerdings für Verzögerungen sorgen. (Als Laie frage ich mich, warum dafür der gesamte Dienst offline genommen werden muss, und bleibe bei meiner Theorie, dass in Wirklichkeit Dutzende Minions Nacht für Nacht die Daten manuell transferieren.) Die Antwort enthielt außerdem die Ankündigung, demnächst würden “andere Lösungen” eingesetzt, ich bin gespannt.

Fußmarsch in die Arbeit, ich verließ mich auf Regenlosigkeit und zog ohne Schirm los.

In der Arbeit kochte ich mir erst eine Kanne Tee (gestern grüner Roibusch), machte mich dann ans Abarbeiten, führte eine Besprechung in Präsenz.

Draußen wurde es immer sonniger, mittags ging ich mittelweit raus auf einen Cappuccino.

Auf dem Rückweg war er dann da, der Sommer: Ich trug meine Jacke überm Arm.

Meine komplexen Überlegungen zu gleichzeitig formeller und bewegungsfreier Bürokleidung waren im letzten Moment überflüssig: Terminabsage aus oberstem Stockwerk, Sie kennen das sicher. Also zog ich das Räumen im Lager vor. Zum Mittagessen gab es Quark mit Joghurt – geplant waren zwei Bananen dazu, doch die hatte ich auf dem Schränkchen im heimischen Flur vergessen, musste auch so reichen.

Nachmittags mittlere Emsigkeit, aus dem Augenwinkel sah ich den Zieräpfeln vorm Büro beim Aufblühen zu.

Und bewunderte den stylischsten Schoko-Osterhasen meines Lebens, Geschenk einer lieben Kollegin.

Heimweg in seltsamer Wärme über Vollcorner-Einkäufe. Ich war mit Herrn Kaltmamsell zu einem aushäusigen Abendessen verabredet, vorher turnte ich noch eine Runde Yoga-Gymnastik und packte die nun angelieferte elektrische Zahnbürste aus, um sie zum Laden an die Steckdose zu bringen.

Ich hatte einen Tisch im nahen Restaurant Ederer reserviert, verfeinerte mein Outfit durch edlere Schuhe. Auf dem Weg dorthin sahen wir, dass in der Lindwurmstraße seit unserem #Lindwurmessen 2022/23 einige neue Lokale aufgetaucht waren, vielleicht starten wir eine Runde nur mit diesen.

Beim Ederer wurden wir herzlich empfangen und verbrachten einen sehr schönen Abend.

Zum Anstoßen ließen wir uns von der Nahe einen Poss Pinot brut Rosé empfehlen, der mir sehr gut gefiel. In den Tässchen der Gruß aus der Küche: Spargelcreme-Champignonsuppe.

Als Vorspeise teilten wir uns hausgemachte Entenstopfleber mit Chicorée-Tarte und Portweinsauce sowie ein Beuschel von dem Zicklein, das Herr Kaltmamsell als Hauptspeise bestellt hatte, mit Erbsen.

Als Wein hatte ich mir einen österreichischen Roten vorgestellt, war mit dem empfohlenen Wagram Fritsch Foggathal Nr. 23 von 2017, einer Cuvée Zweigelt / Cabernet Sauvignon, sehr zufrieden. Dazu gab es Gespräche über Datenbanken, ich wünschte, ich hätte mich vor drei Jahren wenigstens ein bissl mit Access ausgekannt, dann hätte ich eine andere und dauerhaftere Lösung für ein mittelgroßes Problem in der Arbeit gefunden.

Das Zicklein für Herrn Kaltmamsell.

Selbst hatte ich das geschmorte Rind (Ochsenschwanz und -schulter), ganz ausgezeichnet.

Als Dessert gab es einmal das Sorbet mit Quittenschnaps für Herrn Kaltmamsell und den Topfenknödel mit Zwetschgenragout und einem Glas Süßwein für mich. Abschließendes Plaudern mit Herrn Ederer, dann spazierten wir durch die warme Nacht nach Hause. Nur noch wenig Lesen im Bett.

§

Zum Status des Fahrrads als Verkehrsmittel in der Schweiz:
“Strassenkampf”.

In Schweizer Städten sind täglich fast doppelt so viele Velos unterwegs wie 2010. Es scheint, als hätte das Velo seine Rolle als Freizeit­gerät überwunden und stünde erneut davor, ein ernst zu nehmendes und beliebtes Verkehrs­mittel für alle zu werden.

Doch der Schein trügt. Sobald das Velo die Sphäre des Privaten verlässt und in die Sphäre der Politik eindringt, wird der Ton rauer. Dann wandelt sich das Velo plötzlich vom harmlosen Freizeit­gerät zu einem Verkehrs­mittel mit Gestaltungs­anspruch und wird zum Gegenstand des medial-politischen Diskurses.

(…)

Eine solche Utopie wird gerade an der ETH Zürich geschmiedet. Seit 2022 forschen hier Wissenschaftlerinnen an der Frage, wie eine fahrrad­gerechte Stadt in Vollendung aussehen kann. E-Bike-City heisst das Projekt mit einer radikalen Ausgangs­frage: Wie funktioniert eine Stadt, in der 50 Prozent der Verkehrs­flächen dem Auto und 50 Prozent dem Fahrrad gehören? Dazu sollen die meisten Strassen zu Einbahn­strassen umgewandelt werden.

«Unser Ansatz ist provokant, aber ohne Provokation würden die Leute gar nicht erst darüber reden», sagt Catherine Elliot, eine der Projekt­leitenden. Mit der E-Bike-City wolle man der Stadt und den Menschen eine Vision an die Hand geben und einen Entwurf für andere Städte entwickeln. «Wir müssen das Narrativ umschreiben», sagt Elliot. «Über Jahrzehnte hiess es, dass wir nur mehr Strassen bauen müssten, um unsere Verkehrs­probleme zu lösen. Diese Denkweise hat sich als völlig falsch rausgestellt.» Stattdessen brauche es viel mehr Platz für umwelt­freundliche Verkehrsträger.

(…)

Seit vergangenem Jahr erkennt der Bund offiziell die landesweite Bedeutung des Verkehrs­mittels an und verpflichtet mit dem Veloweg­gesetz alle Kantone, bis 2042 ein flächen­deckendes und sicheres Velonetz zu bauen. Auch regionale Gerichts­urteile stellen die Dominanz des Autos infrage. Anfang 2023 entschied das Zürcher Verwaltungs­gericht, dass die Abschaffung von Parkplätzen zugunsten von Velowegen rechtens sei. Ein bedeutsamer Schritt, um die motorisierte Hoheit über den öffentlichen Raum zu brechen. Denn erst wenn die Flächen der Stadt neu verteilt werden, ändern sich die Kräfte­verhältnisse auf der Strasse.

§

Sehr lustige Folge “Reden wir über Geld” in der Süddeutschen (€) mit Extrem-Kajakerin Freya Hoffmeister (59).
“‘Bei meiner letzten Tour bin ich in Honduras entführt worden'”.

“Warum sind Sie aufs Kajak umgesteigen?”
“Ich war schwanger und konnte nicht mehr Fallschirm springen.”

Hoffmeister finanziert ihren Extermsport-Spaß mit den beiden Eiscafés, die sie besitzt.

Wenn Sie in Husum sind, stehen Sie dann auch hinter dem Tresen und verkaufen Eis?

Nein, das mache ich schon seit 20 Jahren nicht mehr. Dafür habe ich keine Zeit. Und ich bin nicht so ein Menschen-Mensch.

Journal Mittwoch, 3. März 2024 – Gemischte Offline-Besorgungen

Donnerstag, 4. April 2024

Zerhackte Nacht, ich wachte mehrfach auf, nur einmal wegen Blasendruck.

Moderner Kirchturm vor Morgenrot, im Vordergrund Bäume mit grünem Schleier.

Gelbrosaoranger Sonnenaufgang, doch der Tag wurde düster. Mittags wollte ich dennoch raus, ich ging auf einen sehr guten Cappuccino in die Leckerei am Georg-Freundsdorfer-Platz.

Später Mittagessen: Pumpernickel mit Butter, Grapefruit mit Hüttenkäse.

Nachmittags erfreuliche Austausche und Begegnungen. Doch zudem begann es ernsthaft zu regnen und hörte auch nicht wieder auf. Nach Feierabend hatte ich Besorgungen in der Innenstadt vor, ich nahm lieber die U-Bahn zum Stachus.

Die erste Besorgung verlief problemlos: Tee beim Bremer Teekontor. Die nächste war eigentlich auch nichts Besonderes: Ich wollte eine neue elektrische Zahnbürste (Verdacht, dass das Zusammenfallen von Expertinnen-Kritik an meiner Zahnhygiene – nachdem ich jahrelang immer nur gelobt worden war! – und Wechsel des Zahnbürstenmodells kein Zufall war), hatte ein bestimmtes Modell recherchiert, wollte dieses beim Saturn kaufen, der es führt. Doch ich fand nur das Ausstellungsmodell unter den vielen, vielen recht durcheinander ausgestellten, in den Regalen darunter lagen aber nur wenige andere Modelle (ebenfalls kreuz und quer, ich musste gründlich wühlen). Also doch im Internet kaufen, obwohl sich das für mich Innenstadtbewohnerin an der Quelle bescheuert anfühlt.

Kurzer Check beim Kaufhof am Marienplatz, ob unter der reduzierten Osterschokolade auch welche von Venchi angeboten wurde: Ja, aber nur große Eier aus weißer Himbeerschokolade mit Crisps – nicht mein Geschmack. Der Abschluss meiner Besorgungen war wieder einfacher und wie geplant: Beim Sport Schuster ein Zweit-Badeanzug fürs Schwimmen. (Unterwegs hatte ich im sterbenden SportScheck – ebenfalls mitgerissen von der Benko-Pleite – nach Ausverkauf-Modellen gesucht, doch meine Größe war bereits durchgehend weg.)

Daheim eine Runde Yoga-Gymnastik (diesmal hatte ich vorher kurz durchgeschaut und wurde von der Balance-Einlage nicht überrascht).

Die Ernteanteile kommen gerade aus der Lagerwurzel-Phase, es gibt viele, viele Karotten. Aus der jüngsten Lieferung bereitete Herr Kaltmamsell ein mittelscharfes Curry mit Kokosmilch.

Aufsicht auf einen weißen Teller, darauf Karotten-Curry, Reis, Korianderblätter, daneben ein Löffel auf einer blauen Stoffserviette.

Dazu Auberginen- und Lime-Chutney, eine sehr schmackhafte Mahlzeit. Nachtisch reichlich Schoko-Ostereier (evtl. bisi zu viel).

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London-Historikerin J. Draper hat ein neues Video online gestellt, diesmal untersucht sie:
“Did London Have Segregation?”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/V8tIv2cyjdk?si=IMlbGFFbzUwq8QS0

Darunter sehr viele interessante und überraschende Details (z.B. die Ausnahmen fürs britische Königshaus).

via @giardino

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Einmal am Tag öffne ich Twitter – um dort den Link zum täglichen Blogpost zu posten. Gestern reichte das, um dies hier zu erwischen (gab’s schon mal so ähnlich, aber nicht so ausführlich):
“People who accidentally found their doppelgängers in museums – a thread”.

via @nicolediekmann

Journal Dienstag, 2. April 2024 – Osterschokolade-um-die-Hälfte-Tag

Mittwoch, 3. April 2024

Recht gute Nacht. Beim Weckerklingeln merkte ich die zurückgekehrte Morgendunkelheit nach Sommerzeitumstellung deutlich, erinnere mich aber daran, dass der Ausgleich nurmehr wenige Wochen dauert.

Marsch in die Arbeit frisch, aber ich vermisste weder Mütze noch Handschuhe.

Leichte Unruhe wegen meines instagram-Accounts: Am Montagabend erschienen auf meinem Smartphone überraschend Sicherheitsabfragen, die mich erst nach mehreren Runden inklusive Code-Zusendungen an die hinterlegte Handynummer und Zwangsverknüpfung mit meinem Facebook-Account an mein Konto ließen. Dienstagmorgen erzeugte ein Start der App erneute Sicherheitsabfragen – die jetzt behaupteten, ich hätte keine Telefonnummer hinterlegt. Rumfragen auf Mastodon ergab: Diese Probleme haben auch andere, mit ähnlich unerklärlichen Anforderungen. Zudem bekommen immer mehr Nutzerinnen Warnungen, ihr Content sei problematisch – was mich daran erinnerte, dass mir in letzter Zeit immer wieder nicht alle Kommentare zu einem Post angezeigt werden, weil sie problematisch seien; und wenn ich sie öffne, steht da durch und durch Harmloses, das auch nicht missverstanden werden kann.
Spielt da jemand mit KI?

Emsiger Vormittag, in kühlem Wind marschierte ich zu meinem Mittagscappuccino im Westend.

Frühling in der Gollierstraße.

Mittagessen zurück im Büro: Apfel (2) und Ei (2 hartgekochte).

Arbeitsreicher Nachmittag.

Schmale Wohnstraße mit grellgrün blühenden Ahornbäumen gesäumt, parkende Autos, darüber knallblauer Himmel.

Frühling in der Heimeranstraße.

Ich fürchte, ich habe einen ganz schlimmen Anfall von Erwachsen. Dieses Jahr fieberte ich nicht wie sonst auf den Dienstag nach Ostermontag, auf den Osterschokolade-um-die-Hälfte-Tag und damit höchsten Feiertag des Jahres. Das konnte nicht daran liegen, dass ich das Jahr über ja auch immer viel Schokolade esse, schließlich ist das schon länger so. Eher pro forma ging ich nach der Arbeit zum Edeka und sah mich in der reduzierten Osterschokolade um – dieses Jahr war ich mit bislang einem Schoko-Osterhasen (der aber ein importierter Ovomaltine-Hase und damit besonders) weit unter meinem Durchschnitt gewesen.

Aufsicht auf einen gefüllten Einkaufskorb mit Ostersüßigkeiten.

Zum Glück fiel mir rechtzeitig ein, wie das nochmal ging mit der Osterschokolade um die Hälfte.

Daheim Häuslichkeiten, Yoga-Gymnastik, ein wenig Salatbereitung. Das eigentliche Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus der zweiten Hälfte den Ernteanteil-Blaukrauts hergestellt: Blaukrautsuppe.

Aufsicht auf einen weißen Teller, darin dunkelrote Suppe, Dill, ein weißer Klecks Sauerrahm, links daneben ein Schüsselchen grüner Salat.

Darauf Pecannüsse, Dill, Sauerrahm.

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Sollen wir versuchen, das als Teil gesellschaftlicher Integration zu sehen? Nur halt die dunkle Seite? Hussam Al Zaher in der taz:
“Kommerzialisierung des Ramadan:
Ausverkauf statt Besinnung”.

Der Ramadan wird langsam wie Weihnachten, wo es hauptsächlich um Geschenke, Einkauf und Konsum geht. Für viele Geschäfte ist ab Oktober die Zeit für Angebote, damit die Leute mehr kaufen und sie mehr verdienen. Der Ramadan ist da nicht ganz so einfach einzuplanen, da sich sein Beginn und sein Ende jedes Jahr um ein paar Tage verschieben. Aber trotzdem: Auch viele multinationale Marken haben mittlerweile verstanden, dass sie mit Ramadan Geld verdienen können. Zum Beispiel eine Kosmetikfirma, die Duschgel mit Dattelgeruch verkaufte, oder Modemarken, von H&M bis Gucci, mit einer eigenen „Ramadan-Kollektion“ für Frauen.

Viele dieser Produkte kommen erst allmählich auf den deutschen Markt. Ich frage mich warum, denn in anderen Ländern wie Großbritannien läuft das Geschäft mit der Toleranz schon sehr gut. Aber selbst wenn sie kommen, weiß ich nicht, wie ich das finden soll.

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Interessant vor allem vor der Europawahl: Das bisherige Abstimmungsverhalten der AfD im Europaparlament. Der Bayerische Rundfunk hat es für die laufende Legislaturperiode (Juli 2019 bis März 2024) ausgewertet, bei insgesamt über 18.000 Abstimmungen.
“AfD im Europaparlament: Radikaler als die Radikalen”.

Journal Ostermontag, 1. April 2024 – Großfamilie um Frühstückstafel vereint

Dienstag, 2. April 2024

Ich hatte einen Wecker gestellt, da ich zum Osterfrühstück bei Elterns einen frisch gebackenen Zopf mitbringen wollte, dessen Teig über Nacht im Kühlschrank ging. Herr Kaltmamsell allerdings vertraute offensichtlich meiner Zeitplanung nicht und stand eine halbe Stunde vorher in meinem Schlafzimmer, um mich vor dem Verschlafen zu bewahren. Na, wo ich schonmal wach war – gegen einen dadurch gemütlicheren Morgen hatte ich ja nichts.

Die Zopflanleitung zum Rezept ist glasklar, die ersten Male konnte ich sie problemlos nachvollziehen. Doch die letzten Male, auch gestern, kapierte ich sie nicht und verlegte mich irgendwann auf Wurschteln. Ich werde nicht um einen Kurs rumkommen.

Mit dem warmen Zopf im Gepäck setzten wir uns in einen Zug nach Ingolstadt, kamen nahezu pünktlich an. Es folgten Herzen und Küssen von enger Verwandtschaft, Zusammensetzung wie vor einem Jahr auf Großfamilienurlaub in Spanien.

Hastig abfotografierte Frühstückstafel. Das bunte Gebäck rechts ist ein Geschenk ukrainischer Nachbarn, bitte beachten Sie Rote-Bete-Püree und frisch geriebenem Meerrettich (seit vielen jahren opfert sich und seine Tränen dafür mein Bruder) als polnische Note. Nicht im Bild: Die Platte mit veganer Wurst. Dazu viel Austausch und Gespräche, ich konnte Neffe 1 für das Ausleihen von Larissa Kikols Signed danken. Draußen immer wieder Regenschauer.

Osterspaziergang in eher unangenehmem kalten Wind:

Die Neffen kennen hier jeden Stein und jedes Spielplatzdetail: Sie und ihre Schwester verbrachten ihre ganze Kindheit hindurch einen Tag die Woche bei den Großeltern, die mit ihnen die Umgebung nutzten. Mehr Gespräche mit Updates, zurück bei meinen Eltern sahen wir zusammen das Fotoalbum unseres Großfamilienurlaubs vor einem Jahr an.

Eine warme Mahlzeit gab es auch:

Besonders zartes Lamm, nach kastilischer Art nur mit Salz langsam im Ofen gegart, ganz köstlich. Dazu hatte ich Lust auf Rotwein, mein Vater schenkte einen spanischen aus. Nachtisch Schokolade aus einem großen Korb voller Ostereier.

Rückfahrt nach München in gar nicht mal so vollem Zug, ich hatte mehr Rückreiseverkehr befürchtet. Ankunft mit unwesentlicher Verspätung.

Daheim erstmal Häuslichkeiten, unter anderem reinigte ich meine von Schwiegers ererbte Kaffeemühle (KRUPSCH!): Ich mahlte darin altes Weißbrot, das nahm die Kaffeepulverreste mit, abschließendes Auskehren mit altem Zahnbürstl.

Meine diesmal besonders schönen Osterferien waren vorbei, ich bereitete den Arbeitstag vor. Und wechselte währenddessen wieder in die Birkenstocks als Hausschuhe – derzeit tausche ich ständig zwischen warmen Puschen und den offenen Pantoffeln, wie halt die Anforderungen des Wetters wechseln.

Früh ins Bett zum Lesen, die Geschichte von Robert Menasses Die Vertreibung aus der Hölle fesselt mich.