Essen & Trinken

Journal Samstag, 10. April 2021 – Ausflug nach Pasing an die Würm

Sonntag, 11. April 2021

Ganz gut geschlafen, vor allem aber genoss ich das Aufwachen ohne Aktionszwang.

Nach dem Bloggen buk ich erst mal Kuchen, auf den Wunsch von Herrn Kaltmamsell („wenn mal wieder Karotten im Ernteanteil sind“) englischen Passion Cake. Das Anstrengendste am Rezept ist das Karottenraffeln (das immer nur enttäuschend wenige 150 Gramm Karotten wegbekommt – kennen Sie ein Rezept, das deutlich mehr verlangt?), ansonsten geht es ja ratzfatz.

Während der Backzeit absolvierte ich eine Runde Krafttraining von Fitnessblender, wieder rundum und ohne Probleme (außer dass ich weiterhin die Rückenschmerzen seit Weihnachten haben, die als neues Feature nicht nur die bekannten Hotspots verwachsene LWS und einklemmende HWS betreffen, sondern auch den hinteren Brustkorb).

Nach dem Duschen ging ich mit Herrn Kaltmamsell zum Corona-Schnelltest in die Sendlinger Straße; da ich ja wegen Büroarbeit doch Kontakte habe (außerdem öfter im Supermarkt bin als dringenst nötig), mache ich den jetzt sicherheitshalber wöchentlich. Der Herr an meiner Seite muss ab Montag wieder in die Schule und parallel Wechsel- (also er dabei immer vor Ort) und Distanzunterricht geben (zum Teil aus Zeitgründen von der nicht darauf ausgelegten Schule aus) und sich bitte zweimal die Woche testen lassen.

Mit ihm war ich auch zu einem Ausflug verabredet, wir wollten die angekündigte Frühlingsphase nutzen. Ich hatte einen Spaziergang an der Würm ausgesucht. Die Würm (nach der die Würm-Eiszeit benannt ist) fließt vom Starnberger See (der ja bis 1962 Würmsee hieß, ein schönes Beispiel für Standortmarketing?) bis nach Dachau. Ich hatte diesen Ausschnitt gewählt, weil er gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und weil mich sowohl der Pasinger Stadtpark als auch die Blutenburg interessierten.

Das mit dem öffentlichen Nachverkehr war etwas unbequem: Wegen Bauarbeiten und daher reduziertem Angebot warteten wir am Stachus recht lange auf eine S-Bahn, die nicht infektionsbedrohlich voll war.

Ab Pasinger Bahnhof war das Ganze aber ein Genuss in milder Luft und hauptsächlich Sonne.

Ich entdeckte, dass es einen Wanderweg (eigentlich Radwanderweg) nach Starberg gibt, diese 20 Kilometer ab Pasing nahmen wir uns für die erste richtige Wanderung mit neuem Hüftgelenk vor.

An der Blutenburg war ich tatsächlich noch nie gewesen (Herr Kaltmamsell hatte bereits mal einen Betriebsausflug zur dortigen internationalen Jugendbibliothek unternommen).

Auch hier zogen die Gefangenen des KZs Dachau auf ihrem Todesmarsch 1945 vorbei.

Inklusive Weg vom Bahnhof (die S-Bahn hielt ganz außen an den Starnberger Gleisen) waren das dann 12 Kilometer, die ich durchaus spürte – obwohl wir dieses Mal Wasser dabei hatten und nach der halben Strecke ein Päuschen einlegten.

Daheim gab es Karottenkuchen und Tee, nach denen ich so steinmüde war, dass ich mich kurz schlafen legte, auch wenn es schon nach sechs war und Herr Kaltmamsell bereits in der Küche das Abendessen zubereitete. Ich schlief eine gute halbe Stunde tief, das hatte es wohl gebraucht.

Nämliches Abendessen war ein Cheese and Onion Pie, englischer Klassiker der alten Schule, den Herr Kaltmamsell mal ausprobieren wollte. Dazu bereitete ich aus Radiserln (Ernteanteil) und roten Paprika ein Salätchen.

Die Füllung besteht aus Zwiebeln, sehr viel Käse (klassisch ist Cheddar, hier wurde unter anderem Red Leicester verwendet), Frühlingszwiebeln, und ist sehr herzhaft. Schmeckte ok, sättigte wohlig, aber Herr Kaltmamsell war enttäuscht. Nach dem Kuchen am Nachmittag hatte ich nicht mal Lust auf Schokolade zum Dessert.

Ruhiger Abend mit Internetlesen.

Journal Ostersonntag, 4. April 2021 – Kleines Ostern mit Eltern

Montag, 5. April 2021

Noch vor sechs vom energischen, aber sonoren Geläut der benachbarten Kirchenglocken geweckt worden (auf dieser Seite des Hauses sind sie deutlich lauter) – da feierte aber jemand seinen und ihren Herrgott, halleluja!

Nach Corona-Schnelltest früher Aufbruch mit dem Großteil Pinzen und dem Mazurek zum Bahnhof (sonnige, kalte, aber leere Straßen): Auf der Bahnstrecke München-Nürberg wurde gebauarbeitet, die Fahrtzeit zum Osterfrühstück verdoppelte sich. Der Anschluss zum Schienenersatzverkehr ab Reichertshausen und die Busfahrt nach Ingolstadt verliefen aber reibungslos. Tiersichtungen unterwegs: Bussard, mehrere Fasane, davon zwei in Turbotempo hintereinander über eine Wiesen stiebend (Silhouette sehr Dinosaurier), und kurz vor Ingolstadt ein weghoppelnder Feldhase.

Große Freude über das Wiedersehen mit meinen Eltern, polnische Ostertafel mit reichlich Schinken und Wurst (meine Mutter hatte sogar echt polnische Kiełbasa aufgetrieben), geriebene Rote Bete, wie immer von Bruderhand geriebener Meerrettich (heftige Vermissung des Osterfrühstücks in ganz großer Familienrunde *fiep*), Brot, gefüller Osterzopf von Mutter, meine Pinzen, schwarzer Tee (eine weitere polnische Note), Weißwein. Abschließend ein Stück Mazurek, der überraschend gut schmeckte (ohne die Osterdeko wäre er nicht mal so süß gewesen – merke ich mir für auch abseits von Ostern).

Videotelefonat mit der Tante in Italien (die Dame rechts), die immer weiter neben der Kappe ist. Das ist traurig, doch sie wirkte fröhlich und aufgeräumt. Und ich hörte zum ersten Mal seit ca. 40 Jahren, ich sei „ja SO groß geworden!“.

Das Wetter war freundlich sonnig, wir sind eine Rausgehfamilie, und so bot mein Vater einen Spaziergang an. Er blickte zwar besorgt auf meine feinen Schuhe (ich hatte mich zum ersten Mal in Pumps mit Absatz getraut, seit mir vor ca. anderthalb Jahren meine Hüftbeschwerden Absätze unmöglich gemacht hatten), doch ich wusste aus Erfahrung, dass ich in ihnen lange bequem gehen kann.

Wir spazierten den Mailinger Bach entlang und schlugen eine große Schleife. Mein Vater plauderte über die Neubauten, an denen wir vorbeikamen, erklärte zeitgenössische Bauvorschriften und die Stadtteilentwicklung. Auch er war erstaunt, wie wenige Menschen wir trafen – vielleicht war es für den Osterspaziergang noch recht früh am Tag.

In Unterhaunstadt passierten wir die 700 Jahre alte Kirche St. Georg (Zwiebelturm allerdings aus dem 18. Jahrhundert).

Nach anderthalb Stunden gaben meine Schuhe ihre Bequemlichkeit auf, meine Fußballen schmerzten und ich war sehr froh über unsere Rückkehr.

Eine zweite Mahlzeit gab es auch: Lammschulter – auf kastilische Art nur mit Salz und Pfeffer gewürzt, langsam im Ofen gegart.

(Jetzt auch in meinem Elternhaus: „Magst es nicht fotografieren?“) Das Lamm war zart und köstlich, dazu gab es gebratene grüne Paprika und Hirse mit Auberginen, ein Glas portugiesischen Rotwein. Beim Nachtisch (auch in diesem Hause waren Torrijas gebacken worden) kniff ich.

Die Rückfahrt war anders umständlich: Statt Bus gab es per Zug einen Umweg mit Umsteigen in Augsburg Hochzoll. Beim Heimkommen war es bereits dunkel. Schönes Ostern.

Journal Karsamstag, 3. April 2021 – Osterbäckerei Teil 2 und 3: Mazurek und Pinzen

Sonntag, 4. April 2021

Wieder gemischte Nacht, doch morgens hatte ich das Gefühl, genug Schlaf bekommen zu haben.

Weitere Osterbäckerei: Zum ersten Mal polnischen Osterkuchen Mazurek (meine Mutter erzählte auf meine Ankündigung, meine polnische Oma habe immer in Erinnerungen daran geschwelgt, ihn dann aber doch nie gemacht; da meine Oma ja sehr jung war, als die Nazis sie aus Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppten, nehme ich an, dass sie daheim nie einen selbst gemacht hatte und das einfach nicht konnte). Die Anweisung des beratenden Lieblingspolen war gewesen 1. unten Mürbteig, 2. oben Belag – Hauptsache knallsüß, beim Recherchieren war mir dieses Rezept am sympatischsten gewesen.

Funktionierte wunderbar (zum ersten Mal Schokolade in der Mikrowelle geschmolzen – wie super ist DAS denn!), Geschmacksbeurteilung gibt’s erst am Ostersonntag. (Sind Sie vertraut mit Mazurek? Haben vielleicht ein Familienrezept? Ich würde mich über Weitergabe freuen.)

Jetzt wurde die Sehnsucht nach richtig schweißtreibender Bewegung doch zu groß: Ich mutete meiner Umwelt eine Stunde Crosstrainer-Klackquietschknarz zu – Herr Kaltmamsell zog sich in die Küche zurück zum Lesen. Ich genoss die Stunde sehr.

Frühstück: Rest Rote-Bete-Gratin, Käse, Orange. Nachmittags aß ich das letzte Stück Colomba.

Wäschewaschen/-aufhängen/-trocknen, Zeitunglesen. Das Draußen war gemischtwolkig und kühl, ich mied es einen zweiten Tag, um mich für einen Osterbesuch bei meinen (geimpften) Eltern zu quarantänisieren.

Am späteren Nachmittag startete ich das letzte Osterbackprojekt: Endlich mal Pinzen nach Katharina Seisers Rezept. Ich begann so spät wie möglich, um sie am Sonntag noch frisch meinen Eltern mitbringen zu können. Den Anis hatte ich bereits am Freitag in Wein eingelegt. Das Rezept ließ sich gut umsetzen (ich erschrak nur kurz, als ich den aromatisierten Wein in die Milch gießen sollte, weil sie dabei ja ausflockte – aber das tat dem Teig wie erwartet keinen Abbruch). Die ersten Stunde Teig-Gehen nutzte ich für eine Runde Yoga.

Dazu bitte den Duft von warmem, zitronigem Hefegebäck vorstellen – eine Pracht.

Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell eine Suppe aus gerösteten Pastinaken (Ernteanteil), dazu machte ich Ruccola-Salat (Ernteanteil).

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Ich zitiere @misscaro:

Die Politik des Zögerns (sehr sinnvoller Begriff von @mspro) führt dazu, dass Kliniken jetzt gezwungen sind, selbst zu zeigen, wie es bei ihnen ist, weil die Politik die Sachlage offensichtlich nicht versteht und kommunizieren kann.

Hier Einblicke in eine der vier Covid-Intensivstationen der München Klinik.

Und hier die Online-Ausstellung des Universitätsklinikums Tübingen:
„Intensiv-Zeit“.

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Eines meiner Lieblingsleider der Beatles, „Blackbird“, gesungen von Emma Stevens, in der Sprache der Miꞌkmaq, die in Nova Scotia, Kanada leben.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/99-LoEkAA3w

via @AndreasSchepers

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Mehr Musik! Hier drei coole Georgierinnen (das Trio Mandili) und ein nur mittel kooperativer Esel.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/EDK9KOfknTw

via @fragmente

Journal Gründonnerstag, 1. April 2021 – Frühsommerspaziergang und Gründonnerstagkulinarik

Freitag, 2. April 2021

Gut geschlafen, davon einmal fast vier Stunden am Stück, beim Zwischenaufwachen schien mir der Mond ins Gesicht und ich fand das sensationell. Entspanntes Aufstehen, weil FREI!

Draußen war ein letzter strahlender Frühlingstag angekündigt mit Wärme deutlich über 20 Grad – und so geschah es. Meine Freude über die Frühsommersonne war ein wenig getrübt, weil ich die Fenster nicht lange offenlassen konnte: Der Baustellenlärm (Erneuerung Fernwärmeleitungen vorm Haus) war zu laut.

Eigentlich hatte ich den Tag frei genommen, um zusammen mit Herrn Kaltmamsell beim Umzug aussortiertes Zeugs (von viel alter Technik, meist kaputt, bis Farbreste und Renovierungsmaterial vom Einzug vor 21 Jahren) zum Wertstoffhof zu bringen – doch der Herr hatte das bereits in den Tagen davor mit mehreren Straßenbahnfahrten allein erledigt. (Wie bisher immer schon, dabei sehe ich das wirklich nicht als seine Aufgabe an.)

Ich schritt zum nächsten Ostergebäck: Spanische Torrijas.

Die neue Küche eignet sich hervorragend für eine Produktionsstraße: Aufgeschnittenes Brot, gesüßte und aromatisierte Milch, mit Eigelb vermischter Eischnee, Pfanne mit viel Fett, Reine, Zucker und Zimt zum Drüberstreuen.

Mit dem neuen Herd, Induktion, hatte ich allerdings noch ein bisschen Schwierigkeiten, weil die Pfanne nicht auf der ganzen Fläche gleichmäßig erhitzt wurde: Ein paar Torrijas wurden sehr dunkel – eine konnte man nicht anders als verbrannt nennen, ich sortierte sie aus. (Gegessen hat sie Herr Kaltmamsell, der Verbranntes gerne einfach „knusprig“ nennt.)

Selbst hatte ich gar keinen Appetit darauf, aber ich freute mich jedesmal, wenn ich in die Küche kam, an dem Duft: eindeutig kurz vor Ostern.

Für letzte Einkäufe ging ich nochmal los, in kurzen Ärmeln: Mehl im Hofbräuhaus-Mühlenladen, in der dazugehörigen Bäckerei Frühstückssemmeln, in einem Supermarkt Milch bis einschließlich Dienstag. Die Innenstadt war erträglich voll, mehr als 90 Prozent hielten sich an die Maskenpflicht. (München hat am Mittwoch die 100er-Inzidenz gerissen, das blieb gestern so, da die Infektionszahlen weiter stiegen.)

Daheim gab’s zum Frühstück Semmeln und eine Orange. Ich hatte mir ein Milchhörnchen mitgebracht: Zwar wusste ich, dass ich die in meiner Kindheit immer enttäuschend fand, wollte die Erinnerung aber auffrischen. Es ist halt recht trocken, hat aber viel Aroma.

Nachdem ich die Zusammenstellung der Lieblingstweets für März nachgeholt hatte, nutzte ich endlich das herrliche Wetter: Ich wollte an der nördlichen Münchner Isar meine frühere Laufstrecke entlang spazieren. Dafür stieg ich zum ersten Mal seit Hüft-OP Anfang Oktober wieder aufs Rad. Fühlte sich nur bei den ersten Tritten komisch an, dann war’s wie Radlfahren: verlernt man nicht.

Mittlerweile hat sich ja eine Unterstellmöglichkeit gefunden: Nachbarn hatten dafür gesorgt, dass ein kleiner Betriebsraum, vom Müllhäuschen aus zugänglich, zum Abstellen genutzt werden darf, jetzt haben wir einen Schlüssel dazu. Das ist deutlich bequemer als ein Hochtragen in den dritten Stock (der aktuelle Mietvertrag untersagt das Abstellen von Fahrrädern in der Wohnung, verpflichtet zum Abstellen im Fahrradkeller – den es halt nicht gibt).

Die Radwege waren sehr belebt, ich fuhr lieber langsam und vorsichtig statt auf Tempo (Radeln nach Hüft-OP ist ja deshalb im Stadtverkehr riskant, weil man abrupt abspringen müssen könnte). Unterwegs stieg ich kurz ab, um dieses Foto aufzunehmen.

Maximilianswerk mit Zulauf des Auer Mühlbachs.

Ich stellte mein Rad an der Luitpoldbrücke ab, bat den Friedensengel, ein Auge darauf zu behalten, und marschierte los. Anderthalb wundervolle Stunden mit Bewegung in kurzen Ärmeln, mit einer Brise voll Frühlingsdüften, Wassergeräuschen (die Isar hatte Normalstand), Vögeln, nicht allzu vielen Menschen – allein dafür hatte sich der Urlaubstag gelohnt.

Beim Heimkommen sah ich, dass die Kastanien vorm Haus Pfötchen geben.

Die dunklen Wolken wurden immer mehr, es gab sogar ein kurzes Gewitter.

Mit dem Abendessen rundete Herr Kaltmamsell den Gründonnerstag kulinarisch ab:

Grie Soß. Zum Nachtisch hatte ich dann doch Lust auf Torrijas.

Der Herr war abends mit Freunden zu einem Online-Treffen verabredet, ich las Internet und Buch.

Journal Mittwoch, 31. März 2021 – Frühling mit aller Wucht, Start in die Osterferien

Donnerstag, 1. April 2021

Gemischte Nacht, vor dem Weckerklingeln benommen aufgewacht.

Herrlich sonniger Frühlingsmorgen.

Frühlingsausbruch auf dem Heimeranplatz.

Vormittags ergaben sich zwei Gelegenheiten, beruflich das Büro zu verlassen: Herrlichste Frühlingslüfte, Sonnenschein. Mönchsgrasmücken hörte ich erst, bevor ich drei in einem kahlen Baum über mir sah.

Mittags gab es die letzte (sehr gute) Avocado der zweiten Lieferung, dazu eine Breze, danach noch eine Orange. Nachmittags eine Birne. Übergaben, letzte Absprachen – FERIEN! (Na ja, bis Dienstag halt.)

Wegen großen Back- und Kochvorhaben und dem Plan von Quarantäne-Tagen hatten wir uns die lange Einkaufsliste aufgeteilt – doch Herr Kaltmamsell hatte sie bis zu meinem Feierabend so gründlich leerbesorgt, dass mir auf dem Heimweg nur Kuchendeko und Spezialmehle blieben.

Mehr Frühling am Bavariaring.

Daheim gab es erst eine eher gemütliche Runde Yoga, dann Wodka Ananas: Ich hatte im Supermarkt Lust darauf bekommen und Ananassaft mitgebracht. Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ofen-Auberginen mit Miso (eventuell zu viel Paste) und Reis.

Nachtisch war das nächste Kapitel Ostergebäck, italienische Colomba pasquale vom Eataly.

Sie duftete schon beim Öffnen verdächtig wie Panettone, schmeckte dann auch so – aber hey, Panettone ist super.

Wir sahen die letzten beiden Folgen Good Omens: Ich fand die Mini-Serie unterhaltsam, vermisste aber die laute Originalität des Romans. Während in der Vorlage sehr schön herausgearbeitet war (unter anderem mit einer dominanten allwissenden Erzählstimme), wie schwer Gut und Böse abzugrenzen sind und dass der scheinbar offensichtliche Einfluss des Teufels dann doch schlichtes menschliches Versagen ist, schien der Gegensatz in der Verfilmung eher zwischen Bürokratie (teuflisch oder himmlisch) und menschlich liebenswertem Gewurschtel zu bestehen. Andererseits gefiel mir, wie anhand des jungen Antichristen dargestellt wurde, dass Superschurkentum ganz schön einsam macht und dass man sich das gut überlegen sollte.

Im Bett fiel mir ein, dass ich die Lieblingstweets für März vergessen hatte. Werde ich halt nachholen.

Journal Samstag, 27. März 2021 – Schneller Netzkabel-Kauf in Zeiten der Pandemie

Sonntag, 28. März 2021

Nicht so lang geschlafen wie erhofft, mit Kopfweh aufgewacht (der Alkohol?).

Nach dem Morgenkaffee machte ich mich ans erste Brotbacken in neuer Küche, vor allem mit neuem Ofen: Meine Häusemer Bauerekrume machte keinerlei Probleme.

Backen bei Tageslicht! Ich bin immer noch geflasht.

Während das Brot im Ofen buk, wieder eine Stunde die Nachbarschaft mit Crosstrainerstrampeln bequietschknarzklackt. Herr Kaltmamsell hatte seine Einkaufsrunde darauf abgestimmt, ich musste also seinetwegen kein schlechtes Gewissen haben.

Zum Frühstück gab es gekauftes Baguette mit Resten des Avocado-Salats vom Vorabend, das Durchziehen über Nacht hatte dem Geschmack gut getan (vielleicht zweite Chance?).

Das Netzkabel meines Laptops hatte am Vorabend den Geist aufgegeben – Katastrophe, weil ohne Strom kein Computer. Ich hatte noch vor dem Schlafengehen online ein neues gekauft, zum Abholen im Apple Store am Marienplatz. Für dieses Abholen hatte ich gleich einen Termin buchen müssen.

Das Wetter hatte wie angekündigt umgeschlagen, es regnete mit teils heftigem Wind, war deutlich kühler geworden. Am frühen Nachmittag spazierte ich zum Marienplatz, vor vielen Geschäften in der Sendlinger Straße standen Schlangen. So auch vor dem Apple-Laden, ein freundlicher Security-Mitarbeiter stellt neu eintreffende Kundinnen und Kunden auf Bodenmarkierungen. Ich bekam mit, dass es Termine für Reparatur, Abholen und „Shoppen“ gab. Ein weiterer freundlicher Mitarbeiter am Eingang und mit Kopfhörerverbindung zu anderen Stellen im Haus glich die Angaben der Anstehenden auf einem iPad mit seiner Terminliste ab. Bevor ich zu einem Verkäufer vorgelassen wurde, maß ein weiterer Mitarbeiter meine Temperatur, ich musste meine Hände desinfizieren, dann an einer Theke in der Nähe des Eingangs bei einem weiteren freundlichen Mitarbeiter meine Kontaktdaten angeben. Der Verkäufer veranlasste auf seinem Smartphone das Bringen meines Netzkabels, bis es da war, machte er Technik-Smalltalk; die Erkundigung nach meinem aktuellen Rechner endete – wie ich es bei Apple gewohnt bin – mit der Freude über die Haltbarkeit meines Geräts („So ist es gut.“), nicht etwa mit Neukauf-Überredung. (Ob das Gespräch auch so verlaufen wäre, wenn es sich um iPhones gedreht hätte?)

Herr Kaltmamsell hatte kurzfristig kandierte Früchte als Backzutat auf die Einkaufsliste gesetzt, ich spazierte durch die Fußgängerzone (deutlich zu voll für enstpanntes Gehen) zum Stachus und in den dortigen Edeka (leer, Hauptkundschaft sind hier halt doch Touristen und Pendlerinnen). Ich hatte anschließend eine Radfahrt in die Maxvorstadt geplant, doch der heftige Wind und die dunklen Wolken ließen mich umplanen: Am Hauptbahnhof nahm ich eine U-Bahn. Espressokauf in der Augustenstraße, zurück nach Hause ging ich zu Fuß. Mit der Zeit verstand ich das derzeitige Corona-Einkaufssystem: Für das Betreten von Läden braucht man einen zuvor vereinbarten Termin.

Zu Hause hatte ich wieder Hunger, es gab Brot sowie Orange und Apfel mit Joghurt.

Gemütliches Zeitunglesen im Sessel. Die Wochenend-Süddeutsche hatte meinen Wehlaut „Warum hört denn keiner auf die Experten, die seit einem Jahr Recht hatten!“ zu ihrem Aufmacher gemacht:
„Die Politik versucht es ohne die Wissenschaft“.

Während Herr Kaltmamsell in der Küche stand und das Abendessen kochte, holte ich die Yoga-Einheit vom Freitag nach – minus der sechs Anfangsminuten, in denen Adriene über das Atmen redet, allein schon, weil so langer Schneidersitz dann doch meinen Hüftgelenken weh tut. Und weil ich mit ihren Ausführungen nichts anfangen konnte.

Nachtmahl war auf meinen Wunsch ein Garnelen-Kokosmilch-Curry (aus der Lameng, kein Rezept), köstlich. Dazu ein Gläschen Verdejo vom Vorabend.

Dann versuchten wir es mit Seriengucken: Seit mir der Roman so gut gefallen hatte, hatte ich Good Omens im Hinterkopf, Herr Kaltmamsell hatte das zum Angucken nötige Abo bei Amazon abgeschlossen. Die erste Folge war schon mal nett, die Off-Erzählerin (Frances McDormand!) sorgte dafür, dass einiges vom Sprachwitz der Romanvorlage übertragen werden konnte.

Journal Freitag, 26. März 2021 – Sharon Dodua Otoo, Adas Raum, plus Containerschiffhumor

Samstag, 27. März 2021

Noch eine gute Nacht, ich wachte kurz vor dem Weckerklingeln auf. Mittlerweile weckt mich die Tageshelle, ich werde zumindest fürs Wochenende die Rollläden nachts dagegen herablassen müssen – nach der Zeitumstellung sollte es wieder ein paar Tage ohne gehen.

Im neuen Bad fehlt noch ein Regal, deshalb stehen meine Parfüms in einer Schachtel auf dem Fensterbrett. Aus dem Flacon mit dem Restchen eines Lieblingsparfüms von vor 30 Jahren war ein wenig ausgelaufen und duftete mich hin und wieder ganz leise an – ich entdeckte, dass es mir wieder ganz ausgezeichnet gefiel: Scherrer 2. Gestern benutzte ich es, und war über den Tag so begeistert, dass ich mir ein frisches Fläschchen bestellte (gab es zum Glück bereits 25 ml klein, bei meinem geringen Verbrauch ist alles andere überdimensioniert).

Ruhiger Tag in der Arbeit, draußen war es mild und meist sonnig. Auf dem Heimweg sah ich viele kurze Ärmel – das ging vom Schnee am Wochenanfang sehr schnell. Kurze Einkäufe im Vollcorner, Check meiner Referenzmagnolie, die sich jetzt voll ins Zeug wirft.

Daheim schneller Wechsel in Yogakleidung. Die Einheit musste ich allerdings im letzten Drittel abbrechen, weil die Übertragung meines Rechners zum Fernseher plötzlich weg war – Umbau oder Fehlersuche waren mir zu umständlich, ich verschob die Runde auf Samstag.

Zum Abendessen gab es Artischocken mit Ajoli-Dip, dann einen Avocado-Salat aus der New York Times.

(Nein, das schaffte ich bei Weitem nicht.)

Die Artischocken waren sehr gut, der Salat eher enttäuschend, unter anderem weil ihm die Säure fehlte. Davor Cosmopolitans, dazu Verdejo.

§

Donnerstag hatte ich Sharon Dodua Otoo, Adas Raum ausgelesen. Ich mochte, wie die Geschichten der verschiedenen Adas durch die Jahrhunderte ineinander verschwammen, wie in einem Absatz die scheinbar selbe Figur im Ghana des 15. Jahrhunderts und im heutigen Berlin ein Kind von Cash erwartet. Auch mochte ich die Vielfalt und Vielschichtigkeit der zahlreichen Frauenfiguren (für männliche Figuren blieb leider nur Holzschnitt). Mir gefiel der rote Faden des Perlenschmucks, der in jeder der Geschichten auftaucht, auch wie komplett unterschiedliche Konzepte von Familie, Gemeinschaft und Alltag unerklärt nebeneinander gestellt wurden. Die Zeitschleifen dieser Handlungen und Personen finden sich auch in den Kapitelüberschriften, von denen einige „Schleife“ enthalten.

Am lebendigsten wurde der Roman für mich im letzten Fünftel, das in Berlin spielt: Diese Ada ist eine Einwanderin aus Ghana mit britischem Pass und sucht zusammen mit ihrer deutschen Schwester eine Wohnung. Vielleicht konnte ich deshalb am meisten damit anfangen, weil ich diese Welt aus eigenem Erleben kenne.

Doch ich kam nicht mit der Erzählperspektive zurecht: Otoo gibt die Stimme Gegenständen aus der Ich-Perspektive – einem Besen, einem Zimmer, einem Türklopfer, einem Reisepass, einem Windstoß. Das könnte poetisch wirken, doch mich befremdete es bis zum Eindruck der Albernheit: Sprechende Gegenstände kenne ich sonst aus Disneyfilmen (siehe Beauty and the Beast mit Kaminuhr, Teekanne, Kerzenleuchter als Charaktere) oder der Werbung („Ich war eine Dose“). Ich kann mir die Technik zwar als Alternative zum allwissenden Erzähler erklären (sogar eine Motivation dieser Allwissenheit gibt es: Gott taucht regelmäßig auf), doch das kam nicht gegen das Kindergeschichten-Gefühl an. Auch Shirin Sojitrawalla fragt in ihrer Rezension im Deutschlandfunk:

Bei Licht betrachtet ergibt sich aus ihrem Verfahren jedoch wenig inhaltlicher Mehrwert, die Dinge erzählen nicht viel über das Offensichtliche hinaus, was zur Frage führt, welchen Zweck dieses Erzählen erfüllt?

Diese für mich so befremdliche Erzählhaltung hatte Otoo schon in der Geschichte verwendet, mit der sie 2016 den Bachmannpreis gewonnen hatte (außerdem seltsam angestaubte Kultur-Klischees).
„Herr Gröttrup setzt sich hin“.

§

Sie haben ja sicher inzwischen alle das Containerschiff-Drama im Suezkanal mitbekommen: Seit 24.3. blockiert die auf Grund gelaufene Ever Given, siebtgrößtes Containerschiff der Welt, den Suezkanal und damit den weltweiten Warenverkehr. Da ich eine Vergangenheit im Schiffsmotorenbau habe, bin ich nicht so leicht davon zu überraschen, wie hoch die Menge an Gütern ist, die in riesigen Containerschiffen zu uns transportiert wird. (Weswegen ich mir ja immer auf die Zunge beiße, wenn wieder jemand die entsetzlichen Mengen klimaschädlicher Gase durch Schweröl-betriebenen Schiffsverkehr entdeckt: Runtergerechnet aufs Kilo Ware ist Lkw-Transport klimaschädlicher. Was nicht bedeutet, dass man lange Transportwege nicht meiden sollte. Aber wie bei halt allem: Es ist kompliziert. Unter anderem weil das böse – und verführerisch billige – Schweröl ein Abfallprodukt der Erdölverarbeitung ist, das so oder so anfallen würde und auf diesem Weg zumindest zu etwas nützt. Ob die Reinigung der resultierenden Emissionen verbessert werden müsste, ist wieder eine andere Frage.)

Vor allem aber stürzt sich mein Internet mit Verve auf das Thema, weil es eine hochwillkommene Abwechslung zu allem Corona-Bezug bietet. Der Guardian hat englischsprachige Memes gesammelt:
„Suez canal drama – and a tiny bulldozer – inspire wave of memes“.
(Hier ein Bonus-Scherz von @DB_Cargo.)

Es gibt eine Website, die zu nichts anderem dient als herauszufinden:
„Is that ship still stuck?“

Und nachdem Zehntausende letztes Jahr von Bundestrainer auf Epidemiologen umgelernt haben, werden jetzt alle Technisches Hilfswerk und haben Ideen, wie man die Ever Given freibekommen könnte.

Ich stelle mir vor, dass an Bord durchgehend diese Variante des Wellerman gesungen wird.

Und wie man das Viech freikriegt, wüsste ich auch.


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