Essen & Trinken

Journal Samstag, 20. Februar 2021 – Wärmeeinbruch mit Folgen, völlig neuer Brotfehler

Sonntag, 21. Februar 2021

Ausgeschlafen, und das auch noch gut. In zwei Wochen wäre ich schon in der neuen Wohnung aufgewacht.

Draußen entfaltete sich ein herrlicher Sonnentag. Vormittags buk ich Brot (es wurde wieder eine Häusemer Bauerekrume) und strampelte Crosstrainer.

Beim Einschießen des Brots in den heißen Ofen passierte mir ein Missgeschick: Der Teigling rutschte vom Brotschieber auf die offene Ofentür. Ich wurschtelte ihn mithilfe des Schiebers irgendwie auf Backstein mit Backpapier. Das Ergebnis war – denkwürdig. (Und verdient ganz sicher einen eigenen Eintrag unter den Brotfehlern im Plötzblog.)

Von oben.

Von unten.
Aber hey! essbares Brot. (Das Backpapier ließ sich vorsichtig am Stück entfernen.)

Die Kochpläne des Wochenendes machten eine kurz Einkaufsrunde nötig. Das Draußen überraschte mich mit einem Wärmeeinbruch, statt des Ledermantels hätte ein Pulli genügt. Anblicke auf der Runde:
– Krokanten in allen verfügbaren Farben
– Spaghettiträger um nackte Schultern
– nackte Füße in Badelatschen
(Bonus: Wintergoldhähnchen im Nußbaumpark)

Als ich dieses Foto aufnahm, sah ich aus dem rechten Augenwinkel etwas Winziges heranflattern: Ein Wintergoldhähnchen, das ich dann noch ein wenig beim Turnen auf Tannenzweigen beobachten konnte.

Die Straßen und Wege des Glockenbachviertels waren so bevölkert (Eisdielen ZACK! offen), dass ich die FFP2-Maske lieber durchgehend trug, Abstand war praktisch unmöglich.

Frühstück um halb drei: Frische Semmeln.

Jetzt war aber Schluss mit lustig, es gab ja einen Umzug vorzubereiten. Gestern sortierte ich Geschirr und Gläser aus: Es wurden zwei Umzugskisten mit sorgsam in Zeitungspapier eingeschlagenen Dingen – vielleicht mal Teil des ersten eigenen Hausstands der nächsten Generation. Wegzuwerfen gab es auch wieder einiges (ich möchte gerne wissen, wer derart viele leere Schraubgläser für aufhebenswert hielt). Ich genoss es, dass ich während des gesamten Räumens, Sortierens und Hin- und Herlaufens die Balkontür offen lassen konnte.

Abendessen machte ich: Aus dem kleinen Kopf Weißkraut aus Ernteanteil wurden Krautfleckerl nach Österreich vegetarisch (sechste Auflage schon!), diesmal nach Langem mit selbst gemachten Fleckerl. Allerdings hätte ich mal besser meinen eigenen Notizen vertraut, die die „2-3 Esslöffel Wasser“ für den Nudelteig eingeklammert hatten. So vertraute ich dem eigentlichen Rezept – und bekam (wahrscheinlich wieder) zu weichen Nudelteig. Auch wenn ich Mehl nachknetete, war der Teig zu klebrig für die Nudelmaschine, ich walkte ihn mit dem Nudelholz auf viel Mehl aus. (Diesmal strich ich die Wasserzugabe im Kochbuch mit Kuli energisch durch).

Abendunterhaltung: Hail Caesar auf 3sat – ich schmiss mich auch bei der synchronisierten Fassung weg. Ich mag den Blödsinn der Brüder Coen schon arg gern, vor allem mit George Clooney als Volltrottel.

§

Das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo war in meiner Kindheit und Jugend sehr dominant. Ich entnehme den Medien, dass es als Serie neu verfilmt wurde und derzeit gezeigt wird. Ich bin ziemlich sicher, dass ich es damals las, wohl auf selbst hatte, erinnere mich allerdings nur an wenige Fragmente der Lektüre. Till Raether ist etwa in meinem Alter und lebte als Kind und Jugendlicher an genau den Orten, an denen die Handlung spielt. Er schrieb vergangenes Jahr auf, was eine erneute Lektüre mit ihm machte – und weckte viele Erinnerungen bei mir, obwohl ein Aufwachsen in Westberlin und Ingolstadt sehr, sehr unterschiedlich ist:
„Die große Schwester – Wiederbegegnung mit ‚Wir Kinder vom Bahnhof Zoo'“.

Unter anderem hatte ich vergessen, wie zentral damals die Angst vor den Abrutschen der Kinder in Drogensucht war, das Mitzählen von Drogentoten auf den Titelseiten der Zeitungen. Und wie noch selbstverständlicher Rassismus.

§

Zufall, dass ich auch gestern über eine eigene alte Bloggeschichte stolperte, die mich selbst ans Erinnern erinnerte – an meine Vergangenheit als Handleserin:
„Handlinien“.

Journal Freitag, 19. Februar 2021 – Von Bauchweh bis Freitagabend-Tomahawk

Samstag, 20. Februar 2021

Eigentlich gut aufgestanden, doch als es an den täglichen Bank- und Seitstütz ging, wehrte sich alles in mir (mache ich immer ungern, aber mei). Jetzt erst registrierte ich: Zu den Rückenschmerzen war auch noch Bauweh gekommen, der gesamte Rumpf zwischen Hals, Armen, Beinen fühlte sich wund an. Ein Tag Pause würde meine Muskulatur sehr wahrscheinlich nicht schockschrumpfen lassen, also keine Stützerei.

Das blöde Bauchweh hielt an, vermieste mir den Fußweg in die Arbeit (mild, leichtes Regentröpfeln), im Büro hielt ich mich an Kräutertee fest. Irgendwann im Lauf des Vormittags konnte ich nicht mehr einschätzen, ob das noch Bauchweh oder eher Hungerzwicken war und aß ein paar getrocknete Aprikosen. Zu Mittag traute ich mich an die mitgebrachte rote Paprika (guilty pleasure im Februar, ich weiß) und ein Töpfchen Linsensalat – schien beides dem Bauch gut zu tun.

Pünktlicher Feierabend, ich hatte Einkäufe zu tätigen. Dazu nahm ich eine mittel-leere U-Bahn zum Odeonsplatz (dort Demo mit Abstand gegen Rassismus, gestern jährte sich der rassistische Terroranschlag in Hanau mit neun Toten), spazierte zum Hofbräuhausmühlenladen und besorgte Mehle für Brot. Fürs Abendessen kaufte ich am Viktualienmarkt in der Metzgerzeile (die heißt wirklich so) ein mächtiges Tomahawk-Steak fürs Abendessen.

Kurz vorm Wohnhaus kam mir ein unbekannter Mann entgegen, der mich schon von Weitem anlächelte und dann herzlich grüßte – mit FFP2-Maske schaue ich offensichtlich irgendeiner anderen Frau ähnlich. (Habe natürlich herzlich zurückgegrüßt, ich will ja nicht den Ruf der anderen schädigen.)

Daheim setzte ich erst mal Vorteige fürs Brotbacken am Samstag an, dann war noch Zeit für eine Runde Yoga – wieder anstrengend, nach dem Schweiß der Vortage hatte ich mit etwas Entspannendem zur Abwechslung gerechnet.

Herr Kaltmamsell war von seiner Arbeitswoche fix und fertig (sonst murmelt er in dieser Situation immer das „Die übermenschlichen Anstrengungen der letzten Tage“ aus Schtonk vor sich hin – jetzt war er bereits jenseits), ich reichte Negronis an. Während er dann das Tomahawk-Steak briet (er musste den hübschen Knochen absäbeln, damit das Teil in unsere größte Pfanne passte), bereitete ich das zweite Gericht mit den Bio-Avocados aus Málaga zu: Salat mit Grapefruit, den ORF-Anweisungen von Katharina Seiser nach nur mit Salz, Pfeffer, Olivenöl – plus Kresse aus Ernteanteil. (Ich hatte auch gleich die von ihr gezeigte Schälmethode angewendet, funktioniert tatsächlich bei reifen Avocados, wenn auch nicht immer am Stück.)

Dazu gab’s einen Hipster-Wein aus der Bodega Winery On, die nach eigenen Aussagen „Creations“ anbieten, nicht etwa Wein (hatte jemand schon „Trauben-Konzepte“?).

Ich hatte das Etikett bei unserem montäglichen Einkauf im Mitte Meer gesehen und im Sinne der Wein-nach-Etikett-Käuferin Frau Brüllen eine Flasche Demuerte mitgenommen. Yecla, so fand ich heraus, ist das kleinste und nördlichste Weinanbaugebiet der spanischen Provinz Múrcia. Der Wein ist eine Cuvée mit 50% der autochtonen Traube Monastrell und erwies sich als gefälliger Spanier mit schönen Beeren und sanften Tanninen. Wir genossen sowohl ihn also auch Fleisch (nein, nicht mal wir schafften das Monster ganz) und Salat.

Nachtrag: Als Abendunterhaltung füllte ich eine weitere Lücke meiner Filmbildung und guckte den Bruce-Lee-Film Enter the Dragon von 1973, deutsch Der Mann mit der Todeskralle – ausgesprochen unterhaltsam, filmerisch durchaus kreativ, ich hatte deutlich Schlimmeres befürchtet.

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Der beste Twitter-Thread zur Rover-Landung auf dem Mars stammt von der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG.

(Traurigster Cartoon zum Vorgänger-Rover Spirit von xkcd.)

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Gestern gelernt: Die bildliche Darstellung von Eisbergen auf Stockfotos ist komplett falsch.
Korrekte Bezeichnung wäre also statt „nur die Spitze des Eisbergs“ „nur die Seite des Eisbergs“?

Nachtrag 2: Jemand bietet einen Test an – zeichnen Sie hier eine beliebige Eisbergform, wir zeigen Ihnen, wie sie schwimmen wird.

Journal Donnerstag, 18. Februar 2021 – Pandemie killt Oscar-Vorbereitung

Freitag, 19. Februar 2021

Kurz nach fünf von lautem Gespräch unter meinem Schlafzimmerfenster geweckt worden – trotz Ohrstöpsel.

Das Vogelgezwitscher wird ein wenig dichter, aber immer noch hörte ich nur eine Amsel. Dafür sah ich auf dem Weg in die Arbeit (mild!) eine erste Krokusknospe.

Morgens von Arbeitgeber organisierte Teilnahme an einer Studie, die großflächig IgG Antikörper gegen SARS-CoV-2 testet: Abgabe von Blut und einem ausgefüllten Fragebogen.

Mittags gab es ein Stückchen Gurke, Tomaten, Käse und ein Laugenzöpferl, nachmittags eine Orange und Nüsse.

In vor-pandemischen Zeiten waren diese Wochen vor der Oscar-Verleihung meist die, in denen ich viel ins Kino ging, um möglichst viele nominierte (und für mich interessante) Filme zu sehen. Die Academy Awards 2021 wurden auf April verschoben, die Nominierungen werden erst am 15. März bekannt gegeben – und die Filme laufen statt in den geschlossenen Kinos auf Streaming-Plattformen im Fernsehen. Allerdings auf lauter verschiedenen, was meine ohnehin hohe Schwelle für eine Mitgliedschaft weiter erhöht. Ich werde dieses Kino- und Oscarjahr wohl komplett auslassen.

Ohne erkennbaren Anlass fühlte ich mich im Büro gereizt, war über den Feierabend froh.

Auf dem Heimweg war es so mild, dass ich selbst bei meinen empfindlichen Öhrchen keine Mütze brauchte. Im Vollcorner einige Einkäufe, daheim frischte ich meine Sauerteige für wochenendliches Brotbacken auf.

Die Yoga-Einheit entspannte mich nicht ausreichend, ich griff zu Drogen und machte uns Martinis – schon besser.

Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil geholt, den Rosenkohl darin garte er mit Chillibutter (das Rezept geht seit Wochen durch mein Internet): Schmeckte sehr gut, ich kann mir aber vorstellen, dass die Zubereitung mit dem Blumenkohl des Originalrezepts noch besser schmeckt. Nur das Schüsselchen Rosekohl war uns allerdigs zu wenig, es brauchte Eiscreme und Schokolade zum Sattwerden.

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Das Techniktagebuch gibt es nun seit sieben Jahren, es steht wieder gesamt zum Download bereit:
„Absolut reibungsloses Nichtfunktionieren: Sieben Jahre Techniktagebuch“.

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Stimmungsaufheller gefällig?

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https://youtu.be/_zdv23bAINM

via @gerdbrunzema

Journal Mittwoch. 17. Februar 2021 – Fastenzeit ohne Fasten-Attraktion

Donnerstag, 18. Februar 2021

Nachdem während der Faschingstage nichts vom Fasching zu sehen war, fühlt sich der Aschermittwoch auch nicht nach Bußtag an. Ebenfalls auffallend abwesend in diesem Seuchenjahr II: Das Thema Fasten, das seit einigen Jahren ein Synonym für Verzicht in den Wochen vor Ostern geworden ist. Nur wenige scheint es nach den Monaten des erzwungenen Verzichts auf so viel Lebensverschönerndes zu drängen, sich das Leben durch freiwilligen Verzicht auf Genüsse schwerer zu machen. Auffallend ja auch der Mangel an Essays von Fasten-Fans, wie Bewusstsein-schaffend die vielen Verzichte der Pandemie-Zeit bislang wirkten, sei es das Party-Fasten, das Theater-Fasten, das Reise-Fasten, das Büro-Fasten, das Restaurant-Fasten oder das Konzert-Fasten.

Ich wachte nach gutem Schlaf kurz vor Weckerklingeln auf, recht frisch.

Der Fußweg in die Arbeit war mild, der Tag zeigte viel Wolkendrama mit überwiegend Grau.

In der Arbeit ging’s rund, um überhaupt zu einer Mittagspause zu kommen, musste ich energisch Telefone auf Anrufbeantworter schalten und die Bürotür schließen.

Über den Vormittag spürte ich den langsam aufsteigenden Muskelkater in Po und hinterem Oberschenkel – wie prognostiziert, aber bei Weitem nicht so schlimm wie befürchtet.

Mittags gab es Hüttenkäse und Granatapfel, nachmittags Nüsse und getrocknete Aprikosen (Eisen!).

Ich sah an der gemeinsam genutzten Einkaufslisten-App, dass Herr Kaltmamsell alles besorgt hatte, nach Feierabend ging ich also direkt nach Hause.

Während Herr Kaltmamsell das erste Gericht aus den direkt gelieferten Bio-Avocados zubereitete, machte ich Yoga.

Nachtmahl dann die beste Guacamole, die ich kenne. Wenn ich mich recht erinnere, war Guacamole das erste, was Herr Kaltmamsell mir je servierte, damals bei dem legendären Poker-Abend vor 28 Jahren – zuvor wusste ich nicht, dass sie stückig gehört und Knoblauch nichts darin zu suchen hat. (Mein Guacamolero!) Dazu teilten wir uns eine Omelett-gefüllte Weizen-Tortilla.

Früh ins Bett, um in Peter Ustinovs Krumnagel zu lesen – arg ausufernd geschrieben, aber mit genügend Tempo gelesen durchaus unterhaltend.

Journal Dienstag, 16. Februar 2021 – Umzugs-vorbereitendes Räumen, nahöstlicher Abend

Mittwoch, 17. Februar 2021

Gut geschlafen, früher als gewollt aufgewacht. Das verschaffte mir aber wieder Gemütlichkeit: Ich hatte Sport vor. Halbes Stündchen Crosstrainer, ein paar Reha-Übungen, dann wagte ich mich mal wieder an ein halbstündiges Rundum-Kraftprogramm mit Hanteln bei Fitnessblender. Ich konnte es bis zuletzt durchturnen, hatte mit Rumpfkraft gar kein Problem, musste aber bei Squats und Ausfallschritten ein wenig langsamer machen. Das wird sehr wahrscheinlich einen monumentalen Muskelkater ergeben.

Besuch! Ich wusste schon gar nicht mehr wie das ist! Na gut, es war eine Wohnungsbesichtigung unserer potenziellen Wunsch-Nachmieter (Freunde, deswegen große Freude über das kurze Wiedersehen – natürlich vollmaskiert).

Gestern ließ ich das Frühstück aus und aß gleich zu Mittag: Kartoffelsuppe vom Vorabend.

Zeitunglesen, dann drängte es mich zu weiterer Umzugs-vorbereitenden Räumerei. Ich entdeckte, dass ich auch lang nach Start dieses Blogs weiter in meinem Tagebuch geschrieben hatte – keinerlei Erinnerung daran. Alte Tagebücher wurden weiter aufbewahrt, alte Taschenkalender 1991-2010 warf ich weg (ich bin recht spät auf elektronischen Kalender umgestiegen).

Weiteres Räumen im Keller. Das Resultat waren zwei Hand voll Wegzuwerfendes, aber auch eine sortierte Kiste mit Renovier- und Umzugsmaterial, darunter zahlreiche Glühbirnenfassungen mit Lüsterklemmen, inklusive altmodischer Glühbirnen, essenziell für die Übergangstage zwischen den Wohnungen.

Die Post brachte einen Tag vor angekündigtem Termin und mit erstaunlich wenig Verpackung ein Kistlein mit Bio-Avocados, das ich bei Crowdfarming bestellt hatte.

Zwei, drei waren essreif, der Rest braucht noch – also genau richtig. Als Nachmittagssnack gab es aber Granatapfelkerne und ein köstliches geschenktes Punschkrapferl.

Internet- und Buchlesen, Telefonate mit meinen Eltern, die ich am Wochenende besuchen möchte.

Eine Yoga-Runde, bevor ich uns das Abendessen holte (Wetter gestern: grau, manchmal ein wenig Regen, sehr mild). Das Servus Habibi ist nicht nur derzeit Foodie-Stadtgespräch, sondern auch gleich ums Eck (mit nahöstlicher Küche im südlichen Bahnhofsviertel praktisch eine Eule in Athen), außerdem sah die Speisekarte verlockend aus.

Ich bestellte erst vor Ort, musste dann natürlich ein wenig warten (und bekam zu meiner Bestellung Getränke geschenkt).

Wir hatten Dukkah Chicken (oben) und Einmal satt bitte! – schmeckte ganz hervorragend und frisch. Die arabischen Brotfladen dazu sind eh ein Renner, es gibt inzwischen in unserem Viertel zahlreiche darauf spezialisierte Kleinst-Bäckereien.

Journal Sonntag, 14. Februar – Leuchtende Theresienwiese

Montag, 15. Februar 2021

Gut geschlafen, dass kann so bleiben.

Das Wetter hielt sich auch gestern an die Vorhersage und war strahlend sonnig.

Fürs Techniktagebuch schrieb ich auf, wie ich vergangenes Jahr an der Studie „Wohnqualität im Sommer“ teilnenommen hatte:
„Datenerhebungsmaschinchen für Hitzeprofil“.

Dann Sportprogramm: Die halbe Stunde Crosstrainer strampelte ich mit Sonnenaussicht.

Das Unscharfe ist die beschlagene Innenscheibe: Die hölzernde und ziemlich bröslige Wand zwischen Wintergarten und Balkon wird bei der Grundsanierung erneuert werden, die Heizung aus der Küche in den Wintergarten verlegt (in dem derzeit nur Geschirrschränke und der Crosstrainer stehen), es entsteht ein wirklich bewohnbarer Raum.

Anschließend zwischen Bücherkisten Krafttraining mit Schwerpunkt Reha-Übungen, die kabellosen Kopfhörer verhalfen mir jetzt auch hier zu Musikuntermalung.

Raus zum Semmelholen, es war zu meiner Freude milder geworden. Zum Frühstück gab’s den Hühnersuppenrest vom Vortag und eine Semmel.

Die Sonne und gestiegene Temperaturen lockten, ich machte mich auf an die frische Luft. Ziel war erst mal die Theresienwiese, doch der Weg, auf dem ich sie kreuzen wollte, war verstellt: Polizeiwagen, Krankenwagen, geparkte Autos – die Beschallung verriet mir, dass gerade eine Demo von Coronaleugnern stattfand.

Ich machte eine Umweg, um über die Theresienwiese hinauf in den Bavariapark und von dort über die Fußgängerstege zum Westpark zu spazieren. Eine Sonnenbrille wäre schlau gewesen, der Schnee und glänzende Eisflächen blendeten mich.

Eigentlich hatte ich Lust auf Tempo, doch die Hüfte bremste mich bei zu schnellem Schritt mit Schmerzen. Derzeit kann ich mir nicht recht vorstellen, dass ich sechs Monate nach OP, also in sechs Wochen, wieder mit Joggen anfangen kann (laut Standard-Zeitplan). Gleicher Weg zurück, nur querte ich die Theresienwiese nicht, sondern ging drumrum. Die Demo war schon nicht mehr zu sehen.

Es war genug Wäsche angefallen, dass sich mal wieder Bügeln lohnte. Ich zog dafür in mein Schlafzimmer, denn das Wohnzimmer steht bereits zu voll mit Kisten.

Umzugsvorbereitung: Ich kruschte in unserem Kammerl und im Keller (der zum Glück zu klein ist für einen echten und verhängnisvollen Lagerraum). Erste größere Wegwürfe und Fahrplan für weiteres Vorgehen, im Keller stand noch ein große Kiste Renovierungsmaterialien und -rest vom Einzug vor 21 Jahren.

Als Snack aß ich eine weitere Semmel, außerdem Orange und Mandarine.

Zeit für die Wiederholung der Yoga-Einheit vom Vortag.

Das Abendessen hatte wieder Herr Kaltmamsell zubereitet: Ein Salat nach einem Ottolenghi-Rezept mit marinierten Kichererbsen (anders als im Rezept selbstgekocht, weil wir keine vorgekochten hatten, dafür getrocknete), gerösteten Erdnüssen, gebratenen Zwiebeln, frischen Gurken, Frühlingszwiebeln, Radieserln – zufällig vegan.

Schmeckte ausgezeichnet (allerdings nicht so deutlich nach Kichererbsen, wie es der Koch gewünscht hätte).

§

Eine Twitterin erzählt in einem Thread über ihren „leichten“ Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Ja, es gibt auch Erkrankte, die von ihrem Verlauf sagen, er sei „überhaupt nicht schlimm“ gewesen und darunter ein paar, die daraus schließen, jeder und jede mit schlimmeren Beschwerden stelle sich nur an (darunter der brasilianische Regierungschef). Doch die allerallermeisten „leicht“ erkrankten sagen anschließend übereinstimmend „Das willst du echt nicht haben“ und betonen, dass die Beschwerden der Pandemie-Einschränkungen weitaus weniger schlimm sind als Covid-19.

§

Striptease seit 2020.
via @DonnerBella

§

Bislang fand ich Ergometer mit Online-Anfeuerung ausgesprochen unattraktiv (u.a. weil Cardio im Sitzen). Saturday Night Live hat das vielleicht geändert:
„Introducing Pelotaunt. The only exercise bike that provides you with personalized at-home negative reinforcement and relentless criticism.“

Journal Samstag, 13. Februar 2021 – Klirrende Sonne und Hühnersuppe

Sonntag, 14. Februar 2021

Wohlig lang ausgeschlafen, zum Dämmern eines weiteren klaren Wintersonnentags aufgewacht.

Bettwäsche gewaschen.

Als Nachtisch fürs Abendessen machte ich die Coffee Caramel Panna Cotta von David Lebovitz (mit entkoffeiniertem Espresso, damit sie mich nicht wachhielt).

Allerdings mit meiner Karamell-Standardmethode (für die beschriebende bin ich replizierbar zu blöd, auch wenn sie wie hier so liebevoll und detailliert erklärt wird: bei mir klumpt der Zucker, während ein Teil bereits schwarz geschmolzen ist, bleiben weiße ungeschmolzene Stücke).

Gelang nicht wirklich, ich hätte vielleicht nach Gelatine-Zugabe bis zum völligen Abkühlen rühren müssen. (Nein, mit der Abwandlung der Karamellmethode hatte das sicher nichts zu tun, und sonst hatte ich mich ans Rezept gehalten.) Abends stellte sich allerdings heraus, dass sie trotzdem super schmeckte: Unten Espressocreme, oben Sahnekaramell. Hätte ich absichtlich nie hinbekommen.

Dabei über Spotify Musik von Pink gehört, um die mal kennenzulernen – bei der ersten Werbeunterbrechung laut aufgelacht: Auch bei Radiowerbung gilt offensichtlich, dass jeder Schwurbel-Werbetext ohne Produktnennung dann doch auf Autowerbung hinaus läuft, wie im Fernsehen. (Es erinnere mich an Zeiten, als für Produkt-Raten bei Schwurbel-Werbung der Joker Parfums waren.)

Frühstück kurz nach eins: Käsebrot und Joghurt mit Mango und Mandarinen (die trotz Beschilderung sich als doch keine herausstellten, sondern irgendeine kernlose Kreuzung).

Hühnersuppe aufgesetzt: Die gesammelten Gemüsereste und Parmesanrinde aus der Gefriere im Kichererbsen-Sackerl, um sie besser entfernen zu können, das alte Huhn (weil dunkelgelbes Fett – ich konnte mir vormachen, dass das wirklich die klassische Legehenne war, die nach Ablauf ihrer Legezeit noch für eine Suppe diente) halbiert, damit es im Topf weniger Platz wegnahm und ich weniger Wasser brauchte, ansonsten Zwiebel, Lorbeerblatt, Wacholderbeeren, Pfefferkörner, ein Stück Ingwer, weil noch da, eine große Karotte, kein Salz, damit die Salze aus dem Suppenhuhn ins Wasser gezogen wurden, Osmose FTW!

Während die Suppe köchelte, wollte ich Sonnenluft schnappen und ging raus. Ich marschierte über der Südfriedhof, den Westermühlbach entlang Richtung Isar, aber die Uferwege waren schwarz vor Menschen. Also bog ich ins Schlachthofviertel. Von dort nahm ich dann doch nicht die große Runde über die Theresienwiese, weil zum einen Hüfte und Rücken protestierten, zum anderen war es bei aller Sonne dann doch scheißkalt – zu kalt für einen eher drögen Weg, auf dem ich dennoch ständig auf die Straße ausweichen musste, um Abstand zu Paaren oder Gruppen zu halten.

Daheim werkelte Herr Kaltmamsell im Wohnzimmer: Er packte Bücher in der Aufteilung, in der sie in der neuen Wohnung in mehreren Räumen stehen werden (und an der er seit Wochen mit Zollstock, Block und Stift tüftelt), baute Regale ab, markierte diese und die Bückerkisten mit Farbcodierung fürs Umzugsunternehmen. Ich dankte ihm mal wieder für das Übernehmen dieses Jobs, setzte mich mit Füßehoch aufs Bett und las Wochenend-SZ.

Als Herr Kaltmamsell Feierabend machte, nutzte ich das Wohnzimmer für eine Runde Yoga.

Zur Hühnersuppe kochte ich Suppennudeln und öffnete eine Flasche spanischen Rosé, der gut passte.


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