Essen & Trinken

Journal Donnerstag, 6. Mai 2021 – Beifang aus dem Internetz

Freitag, 7. Mai 2021

Trotz gutem Schlaf morgens schwer aus dem Bett gekommen.

Nachdem mein Vater eine Lösung für das Spiegelproblem im Bad gefunden hatte (den Spiegel, den ich als ideal passend ansehe, besitze ich bereits aus der alten Wohnung, doch er ist brutal schwer und auf der unpassenden Seite mit einer Aufhäng-Vorrichtung ausgestattet) und mich auf einen Bestellknopf bei Amazon für eine Spiegelleuchte geschubst, war ich endlich ausreichend motiviert, nach einem letzten Regal fürs Bad zu suchen. Das ist jetzt auch unterwegs, beim nächsten Einsatz meines Handwerkervaters kann das Bad fertiggemacht werden.

Düsterer Tag. In die Arbeit kam ich noch trocken, doch dann regnete es immer wieder.

Zu Mittag gab es Vollkornbutterbrot (zwei Scheiben waren zu wenig, merken), Apfel, eine Banane – die erste seit einem Jahr, weil sie mir damals plötzlich nicht mehr schmeckten. Vielleicht ist ledigliche meine Toleranz weiter Richtung unreif gerutscht; sie liegt derzeit bei kurz nach raue Zähne und damit weit vor Sommersprossen.

Der Tag wurde immer düsterer, für den kalten Heimweg brauchte ich den Not-Regenschirm aus der Schreibtisch-Schublade. Es regnete so ausdauernd, wie es der Boden eigentlich noch ein paar Wochen bräuchte.

Daheim nochmal die Runde Yoga vom Vortag, diesmal ohne Ablenkung durch Elternsprechtag. Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell Teile des eben geholten Ernteanteils: Rote Bete, Kartoffeln, Lauch wurden Ofengemüse, dazu gab es Sauerrahm/Joghurt mit Ernteanteil-Schnittlauch.

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Die britische Tageszeitung The Guardian wird 200 Jahre alt. Eine gute Gelegenheit an eine Werbung aus dem Jahr 1986 zu erinnern, die verantwortungsvolle Berichterstattung visualisiert (manipulative Berichterstattung zeigt wider besseres Wissen nur eine der Perspektiven).

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https://youtu.be/_SsccRkLLzU

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Israel kämpft mit dem immer tieferen Graben zwischen der ultra-orthodoxen Bevölkerung und der säkularen Mehrheit. Die Massenpanik, die am Berg Meron zu 45 Toten geführt hat (sehr gute Seite Drei in der Süddeutschen zu den Hintergründen, gegen €), ist Anlass für diesen aufschlussreichen Kommentar in der Jerusalem Post:
„Meron tragedy underscores dangerous divisions in Israel – opinion“.
via @LilaR

Haredim (ultra-Orthodox), who believe in the literal truth of ancient Jewish teachings and truly desire religion to dominate their lives, cannot be expected to respect secular culture. And increasingly many make no pretense about viewing secular culture (from Ancient Greece to the Enlightenment to contemporary empiricism and liberal democracy) as an “empty cart” worthy mostly of disdain.
Secular people, meanwhile, cannot truly be expected to respect the haredi way. Liberals among them face the classic paradox of how to confront illiberalism.

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Noch nie drüber nachgedacht – aber im Moment der Bekanntschaft sofort fasziniert: Gewolltes Nichtwissen. Zwei Max-Planck-Direktoren haben es in den Fokus der Wissenschaft gerückt.
„Nichtwissen mit Bedacht“.

Hier auch ein Interview mit den beiden, Ralph Herwtig, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und Christoph Engel, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern:
„‚Gewolltes Nichtwissen kann als kulturelle Fähigkeit verstanden werden'“.

Ralph Hertwig: Wir unterscheiden mindestens sechs Funktionen von gewolltem Nichtwissen. Eine wichtige Funktion ist die Emotionsregulierung. Bestimmte Dinge nicht zu wissen, kann uns helfen, negative Emotionen zu vermeiden. So treffen manche Menschen zum Beispiel bewusst die Entscheidung, ihre Stasi-Akten nicht einzusehen, weil sie befürchten, Dinge zu lesen, die sie extrem traurig oder auch zornig machen würden. Beispielsweise, dass jemand, der ihnen nahesteht, mit der Stasi zusammengearbeitet hat. Eine zweite Funktion ist das Aufrechterhalten von Spannung und Überraschung: Bei einem Krimi möchten wir nicht vorab wissen, wie er ausgeht. Eine weitere Funktion betrifft den Erwerb neuer Fertigkeiten. Wenn ich mich als Anfänger ständig mit Fortgeschrittenen vergleiche, die besser sind als ich, kann das demotivierend wirken. Gewolltes Nichtwissen kann aber auch strategisch eingesetzt werden. Für jemanden, der eine Leitungsfunktion in der Politik oder Wirtschaft hat, kann es strategisch sehr wichtig sein, wahrheitsgemäß sagen zu können: „Von diesen Vorgängen habe ich nichts gewusst“. So wie Franz Beckenbauer, der im Zuge der Sommermärchen-Affäre sagte: „Ich habe immer blind unterschrieben“. Darüber hinaus kann gewolltes Nichtwissen Menschen vor bestimmten Vorurteilen schützen und so zu besseren Entscheidungen führen. Außerdem können wir gewolltes Nichtwissen als Strategie zum Informationsmanagement einsetzen. Diese Strategie hilft uns zum Beispiel mit der Informationsflut in den digitalen Medien umzugehen.

Konkretes Anwendungsbeispiel (ohne zu einem Ergebnis zu kommen):
„Harry Potter und gewolltes Nichtwissen in der Wohlfahrtsökonomie“.

Journal Mittwoch, 5. Mai 2021 – Feierabend-Highlight Supermarkt

Donnerstag, 6. Mai 2021

Mittelgute Nacht, ich bekam genügend Schlaf.

Zu Regen aufgewacht, es blieb ein regnerischer Tag – aber für uns Bäuerinnen (Genossenschaftsgärtnerinnen) mit zu wenig Regen. Der Weg in die Arbeit war genau die eklige Mischung aus Kälte, Regen und Wind, für die ich als Lohn zumindest ordentlich Wasser auf die Beete haben möchte.

Mittags eine Breze, Quark mit Orange (mag ich derzeit besonders gerne: in eine Schüssel das Töpfchen halbfetten Quark stürzen, drüber die leicht angesuppten Stücke zweier supersüßer und saftiger Spätorangen, die ich vorgeschnitten im Schraubglas dabei habe – hat was von Käsesahnetorte).

Schon seit dem Vortag freute ich mich auf den geplanten Einkaufsabstecher in den Supermarkt. Mich hatte nämlich ungeheure Lust auf abgepackte Vollkornbrotscheiben mit dick Butter ergriffen, und dieses Vollkornbrot wollte ich kaufen (plus ein paar weiterer Lebensmittel, wenn ich schon da war). Kennengelernt hatte ich dieses Vollkornbrot in Kindheit und Jugend durch die Brigitte-Diät, und wie bei einigen Lebensmitteln, die viele Jahre auf dem Diätplan standen, dauerte es lange, bis ich, von den Diätfesseln befreit, herausfand, was davon mir eigentlich schmeckte und was nicht. Magerquark: bäh; Salat und rohes Gemüse: köstlich; Knäckebrot: echt nicht; Vollkornbrot und Pumpernickel: großartig – aber bitte nicht Brigitte-Diät-kaloriensparend mit Tomatenmark bestrichen, sondern mit Messerrücken-dick Butter. Hatte ich seit Jahrzehnten nicht mehr gekauft, zuletzt in der Rehaklinik gegessen und davor bei den Oldenburger Freundinnen, wo es herrlich malzig-schwarzen, säuerlichen Pumpernickel auf dem Markt gibt.
Zudem kaufe ich ohnehin besonders gerne Lebensmittel ein, praktisch überall – ich freute mich also auf ein ganz besonderes Highlight nach Feierabend. (Hey, ich war seit fast acht Monaten nicht mehr auswärts Essen oder Trinken, das muss dafür herhalten!) Im Edeka auf der Theresienhöhe entschied ich mich im großen Angebot für Pumpernickelscheiben.

Beim Heimkommen musste ich leise sein: Herr Kaltmamsell hatte Elternsprechtag. Im Wohnzimmer machte ich leise eine gute halbe Stunde Yoga (ok) und lauschte nebenher: In der Lehrerrolle habe ich Herrn Kaltmamsell ja schon von den Kulissen aus erlebt (nicht beim eigentlichen Unterrichten, sondern auf Schulveranstaltungen) und mich über die komplette Persönlichkeitsveränderung amüsiert (-> Greatest Showman), jetzt hörte ich einen erwachsen souveränen und aufmerksamen Gesprächsführer (der sonst von sich behauptet, er könne nicht mal Smalltalk).

Zum Nachtmahl holte ich Pizza aus einer neuen Quelle: Mit anderthalb Jahren Verzögerung hatte vor ein paar Wochen das Strada del Goethe aufgemacht, an der Ankündigung war ich zwei Jahre lang auf dem Weg zum Bahnhof vorbei gelaufen.

Für mich Pizza Napoletana (mit zu vielen Sardellen, deshalb zu salzig).

Herr Kaltmamsell hatte Capricciosa.

Ja, ich habe meine ganz geschafft (recht gut, aber der Rand war zu breit, bei aller hohen Teigqualität), war dann aber so voll, dass ich danach keine Süßigkeiten mehr geschafft habe (Diättrick?).

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Meks Tagebuch hinterher gelesen:

Wie Liebe aussehen kann.

Vom Texten mit Posthörnern und Hüftschwung (letzter Absatz).

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Nachtrag: Ach für andere war gestern der Supermarktbesuch ein Highlight, bitte lesen Sie bei Anne Schüssler.

Journal Freitag, 30. April 2021 – Wieder ein Wochenabschluss

Samstag, 1. Mai 2021

Wieder reichlich Schlaf, darin Träume mit Jane-Austen-Setting, aber FFP2-Masken – ich bin stolz auf mein Traumzentrum, gut gemacht! (Da bitte: Ich finde nicht alles schlecht an mir.)

Das Draußen in verschiedenen Grau-Schattierungen mit blauen Flecken am Himmel. Beim Hofgang am frühen Nachmittag erlebte ich sogar richtigen Sonnenschein.

Viel und intensive Arbeit in der Arbeit, gestern stand mir zum Glück die dafür nötige Konzentration zur Verfügung. Mittags aß ich ein Restl Apfelkompott mit Hüttenkäse und zwei wunderbare späte Tarocco-Orangen.

Bei Feierabend war der Himmel wieder düster, ich fing auf dem Heimweg Zierapfel- und Zierkirschblüten ein.

Ein paar Wochenendeinkäufe im Drogeriemarkt (Herr Kaltmamsell hatte die Lebensmittel übernommen). Zu Hause zog ich mich für Yoga um – doch die halbe Stunde bestand bis auf zwei Dehnung ausschließlich aus Atmen im Schneidersitz, Einatmen, Ausatmen durch die Nase in verschiedener Länge. Ich stand bald auf, um im Filmchen am Rechner vorzuspringen, denn Atmen hatte ich bereits den ganzen Tag über gemacht, dafür brauchte ich nicht meine kostbare Sporteinheit. (Allerdings hätte ich bei einem 30-Tage-Programm namens „Breath“ darauf gefasst sein können, dass solche eine Folge dabei sein könnte.) Durchaus Respekt für alle, die damit etwas anfangen können. Ich halt nicht.

Telefonat mit meinen Eltern: Sie kommen am Samstag, um mit Schrankaufbau und Lampenmontage zu helfen, ich freue mich auf das Wiedersehen.

Herr Kaltmamsell servierte ein typisches Freitagabendessen: Fleisch aus Pfanne, Spinat und Kartoffeln aus Ernteanteil. Ich machte uns als Aperitiv Negronis, zum Essen gab es mallorquinischen Rotwein.

Draußen regnete es ein bisschen, viel zu wenig. Zumindest machte das den Himmel schön dramatisch, derzeit bleibt es wundervoll lange hell.

Ich freue mich schon sehr auf die Nutzung des Küchebalkons. Der Blick von dort fühlt sich ungeheuer großstädtisch an.

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https://youtu.be/vf5CMRLqdYw

Journal Donnerstag, 29. April 2021 – Arbeitswirbel, GLS-Unbillen

Freitag, 30. April 2021

Das Wetter war wie angekündigt trübe geworden, aber nicht kalt, aus dunklen Wolken gab’s den ganzen Tag immer mal wieder ein paar Tropfen – es ist schon wieder viel zu trocken.

Aufregung in der Arbeit, weil ich befürchtete, einen mittelgroben Fehler gemacht zu haben (und, viel erschreckender, keine Erinnerung daran hatte).
Nein hatte ich nicht, doch ich entdeckte Ungereimtheiten an einer eh schon wackligen Ecke meines Jobs – auf die ich keinen Einfluss habe und die jederzeit zu weiteren Situationen wie der gestrigen führen können. Ich werde an diesem Monatsende besonders lang auf meinen Gehaltzettel schauen müssen, um mich an die Prioritäten meines Jobs zu erinnern (Lebensunterhalt).

Der bestellte Balkonteppich war dem Paketdienst GLS zur Lieferung übergeben worden. Schlimme Erinnerungen an die Odyssee eines Paars Schuhe aus England vor gut einem Jahr wurden wach, nämlich:
– keine Ankündigung Lieferzeitraum
– keine Nachricht über Abgabe in einem „Paket-Shop“
– vergebliches Rumtelefonieren, um Rücksendung noch zu verhindern
– 23 Euro für zweite Lieferung bezahlt – mit einem anderem Paketservice.
Wegen dieser schlimmen Erfahrung guckte ich zweimal am Tag auf die GLS-Website mit der Paketverfolgung – aber leider zur falschen halben Stunde: Am frühen Morgen las ich noch „Paket ist im Paketzentrum eingetroffen“, als ich um 11 Uhr nachsah, hieß es bereits für 10 Uhr „Empfänger nicht angetroffen“, 15 Minuten später „im GLS PaketShop zugestellt“. Nachricht oder Ankündigung hatte ich zu keinem dieser Schritte erhalten (ich hätte also wieder nicht erfahren, dass ich die Lieferung selbst abholen muss), und Herr Kaltmamsell war den ganzen Tag zu Hause gewesen – ich gehe sehr von direktem Abladen im Shop aus, ohne Umweg über die Lieferadresse. Im konkreten Fall hatte ich keine Lust auf Gezeter und Forderung einer nochmaligen Lieferung. Aber ich werde künftig sehr darauf achten, eine Lieferung durch GLS zu untersagen.
Die Shop-Adresse war ein Friseurladen, wir holten den Teppich zu zweit ab – ich musste warten, bis der Kunde fertiggeschnitten war. Ich zahle wirklich lieber höhere Lieferkosten als nach Feierabend schwere Dinge durchs Viertel zu schleppen.

Heftiger Arbeitstag. Ich werde immer leicht panisch, wenn ich nach 9 Arbeitsstunden noch Jobs erledigen muss, die intensive Konzentration erfordern – die habe ich dann nämlich nicht mehr und arbeite sehr wahrscheinlich fehlerhaft. Aber manchmal müssen Dinge halt unbedingt noch erledigt werden.

Mittags gab es Orangen mit Quark, nachmittags eine Hand voll Nüsse.

Herr Kaltmamsell empfahl, trotz Missmut meine Runde Yoga zu machen; mit dem Gedanken „ich musste heute schon so viel machen, wozu ich wirklich keine Lust hatte, dann schaffe ich das auch“ brachte ich mich dazu. War eine gute Idee, die Bewegung und das Dehnen taten gut.

Aus frisch geholtem Ernteanteil machte ich Salat, nämlich aus Kopfsalat, Radieserln, Schnittlauch, außerdem gekochten Eiern und ein wenig Ricotta Salata – mit klassischer Vinaigrette.

Nachtisch Schokolade.

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Ein Bild, das mehr als viele Worte sagt: Frau Mutti musste zur Überwachung eine Nacht ins Krankenhaus und erlebte die Auswirkungen der Pandemie aufs Gesundheitswesen.

Journal Montag, 26. April 2021 – Alltäglicher Alltag

Dienstag, 27. April 2021

Ich würde ja rumwinseln, dass dieser Corona-April endlos erscheint, aber danach kommt auch bloß ein Corona-Mai, ich müsste also durchwinseln.
(Jede Covid-19-Infektion ist eine Chance für das Virus zu mutieren – unter diesem Aspekt machen mich die Wellen in Brasilien und Indien mutlos. Die PANdemie ist erst rum, wenn sie weltweit rum ist.)

Schon auch traurig über das zweite Jahr ohne Oscarverleihung – diesmal inklusive Trauer darüber, dass ich mangels Kino das vergangene Filmjahr fast komplett verpasst habe.

Nochmal ein sonniger Frühlingstag, beim Weg in die Arbeit sah ich, wie die Bäume immer deutlicher ergrünen.

Der Sonntagssport hatte einen interessanten Muskelkater zwischen den Schulterblättern hinterlassen – ein deutlich anderer Schmerz als das Beengtheitsgefühl, das ich seit Monaten um die Muskeln des Brustkrobs habe.

Premiere Gleitsichtbrille im Büro: Ich musste mich immer wieder davon abhalten, die Brille fürs Papierlesen/Korrekturlesen abzusetzen – war jetzt nicht mehr nötig. Noch wackeln aber obere Teile des Bildschirms.

Mittags gab’s Karottensalat, als Nachmittagssnack Mohnrolle.

Wirklich warm war es weiterhin nicht (14-16 Grad), für mich waren Ledermantel und dicke Strümpfe draußen genau richtig. Ich begegnete aber mehrfach Menschen in Hochsommer-Outfits inklusive Badelatschen – anderes Temperaturempfinden.

Auf dem Heimweg machte ich einen Abstecher in den Vollcorner: Herr Kaltmamsell hatte zum Abendbrot Reiberdatschi vorgeschlagen (statt dem Kaiserschmarrn, den das Apfelkompott im Ernteanteil des Kartoffelkombinats inspiriert hatte), dafür brauchten wir mehr Bratöl.

Zu Hause eine Runde Yoga, dann Häuslichkeiten, bis es die ersten selbst gemachten Reiberdatschi unserer gemeinsamen Jahre gab – selbst habe ich noch nie welche gemacht. Sie waren sehr gut, wenn auch völlig anders als die, mit denen ich aufgewachsen bin, unter anderem wegen der enthaltenen Zwiebel, und das Apfelkompott stellte sich als gewürztes Dessert heraus (köstlich) statt dem erwarteten schlichten Mus. Das angebliche Vier-Personen-Rezept machte uns zu zweit nicht satt (zweieinhalb Reiberdatschi für jede/n), es gab noch Käse und Schokolade.

Meine persönliche Inneneinrichterin hatte vorgeschlagen, den Balkon mit einem Balkonteppich auszustatten und einen Tipp geschickt, wie das aussehen könnte (ich hatte mir mal wieder überhaupt nichts unter ihrem Vorschlag vorstellen können). So wird das vermutlich aussehen, ich bestellte gleich mal.

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@AnaMardoll macht sich auf Twitter auf die Suche nach eindeutigen Kennzeichen für weibliches Geschlecht – bei Cartoon-Figuren. Eindeutiges Ergebnis: Lidschatten.

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Gestern gelernt, auch auf Twitter: Das Spiel Verfang heißt auf Englisch game of chase – oder gibt’s da auch so viele regionale Unterschiede wie im Deutschen?

Journal Freitag, 23. April 2021 – Flashbacks zu Griechenland 1984

Samstag, 24. April 2021

Das sonnige Draußen roch gewaltig nach Frühling.

Ich nahm früh das Rad in die Arbeit, erledigte im Büro noch ein paar Sachen und radelte dann zu einem weiteren Einsatz als Schöffin zum Justizzentrum am Stiglmaierplatz. Morgens war es noch kalt, doch gerade die Kombination aus kühler Luft, strahlender Sonne und Frühlingsgerüchen rief – wie fast immer – Erinnerungen an die Studienfahrt nach Griechenland zu Schulzeiten (1984) hervor: Auch nach 37 Jahren gehört das zusammen, war wohl eines der einschneidensten Erlebnisse meines Lebens.

Frühlingslandschaft bei Delphi.

Vor dem Museum in Delphi. Ich bin die dritte von links, 16-jährig – im damals sehr modernen Trenchcoat und mit den lang erbettelten Puma-Lederturnschuhen, die ich Idiotin dann im Athener Hotelzimmer unterm Bett vergaß. Links von mir die beste Fußballerin des Jahrgangs (zugegeben: eine von zweien), der Pulli an der Mitschülerin rechts von mir war sicher selbstgestrickt, der Regenüberwurf der Mitschülerin ganz rechts war ein K-Way („Kawai“ ausgesprochen), damals Synonym für Regenüberwurf (und furchtbar teuer).

Wie wenige Fotos wir damals machten!

Am Gericht ging es eher schnell, schon um halb elf waren wir fertig. Fürs Zurückradeln ins Büro brauchte ich nicht mal mehr Handschuhe.

Mittags gab es ein Laugenzöpferl sowie eine Orange mit Hüttenkäse.

Die Freude über die Freigabe des Impfstoffs AstraZeneca für Verimpfung in Hausarztpraxen hielt nicht lang: Die Praxen wissen von keiner Lieferung.

Die Ärzte werden jede Woche darüber informiert, welchen Impfstoff sie in der kommenden Woche erhalten können. Für nächste Woche wird den Hausärzten gar kein Astrazeneca-Impfstoff angeboten, sondern ein anderes Vakzin.

Nun: Ich stehe sein Januar auf der offiziellen bayernweiten Liste der Impfwilligen, jetzt auch auf der meiner Hausärztin – da ich nicht zur Gruppe besonders Gefährdeter gehöre, würde ich alles Weitere als Drängeln empfinden.

Daheim traf ich Vorbereitungen fürs Abendessen, die Zutaten hatte Herr Kaltmamsell besorgt: Bei offener Tür zum Küchenbalkon und ohne künstliches Licht (immer noch eine Sensation in der Küche) hobelte ich Gurken in den Kartoffelsalat und würzte das Hackfleisch für die Fleischpflanzerl (Ziebel und Knoblauch angebraten, Petersilie gehackt, Eier, Semmelbrösel, etwas Tomatenmark, Salz, Pfeffer).

Nochmal die Yoga-Einheit vom Vortag, diesmal tat sie richtig gut und nahm mir ein wenig von der ekligen Gereiztheit und schlechter Laune, die mich schon wieder plagten.

Fleischpflanzerl gebraten, dazu gab es Gin Tonic. Abendessen in letzter Sonne, die immer noch ungehindert von Laub über fast ihren ganzen Tageslauf ins Wohnzimmer scheint.

Helen Slavin, The Extra Large Medium ausgelesen. Auch wenn der Schluss die Schwachstelle des Romans ist, gefiel er mir insgesamt sehr gut. Erzählt wird die Geschichte von Annie, die tote Menschen sieht (sie tragen immer schokoladenbraune Kleidung), von klein auf. Anfangs war ich irritiert über die Parallele zu Hilary Mantels Roman Beyond Black und brauchte eine Weile, bis diese Geschichte ihren eigenen Charakter entwickeln konnte – und den hat sie.

Annie erzählt rückblickend und mit viel Galgenhumor ihr Leben, aber ohne reflektierende Distanz. Dazwischen gibt es kurze Kapitel aus der Sicht von Verwandten u.a. Mutter, Tante, Onkel, Stiefvater. Annie ergibt sich in ihr Schicksal und versucht sich mit ihrer Gabe nützlich zu machen, also die Botschaften der Toten an die Hinterlassenen zu überbringen – meist völlige Petitessen der Größenordnung, wo der Schlüssel zum Gartenhäuschen liegt. Sie hat ohnehin keine Chance auf ein auch nur halbwegs konventionelles Leben, die Toten lassen sie nicht in Ruhe (hier liegt eine Parallele zu Mantels Roman), sie schlägt sich irgendwie durch. Eingewebt ist dann auch noch eine Kriminalgeschichte, die zu dem etwas ungeschickten Schluss führt.

Vieles ist nicht auserzählt, das mag ich, ich fühlte mich als Leserin ernst genommen. Räume zum Beispiel werden durch den Eindruck vermittelt, den sie auf die Erzählerin erzeugen, nicht durch Möbelbeschreibung. Oder einschneidende Erlebnisse, die uns zunächst durch die traumatischen Auswirkungen erzählt werden, bevor wir Fragmente bekommen, aus denen sich der eigentliche Vorfall zusammensetzen lässt.

Journal Montag, 19. April 2021 – Neue München-Doku und Sellerie-Sensation

Dienstag, 20. April 2021

Das war fast regulärer Nachtschlaf – ich genieße ihn, solange er andauert.

Etwas hektischer Morgen mit Geschirrspülmaschine-Ausräumen, getrocknete Wäsche Verräumen plus Kleinigkeiten, damit der Putzmann seinen Job erledigen konnte.

Das Wetter blieb grau und kalt, möglicherweise war es das eine oder andere Grad wärmer als am Sonntag (Handschuhe weiterhin ratsam).

Highlight des Fußwegs in die Arbeit: Das Eichhörnchen auf dem zusammengeklappten Außenmobiliar des Westend-Griechen, von Tischrand zu Stuhlrand und über die vertrocknete Weihnachtsdeko hüpfend.

Nachdem mein Interesse mangels Umsetzmöglichkeiten erst mal wieder eingeschlafen war, nehme ich seit dem Schrankbau wieder Wohnungseinrichtungen wahr im Sinne von: Wär das was? Und schon bekommen große Videokonferenzen mit 80 Prozent Home-Office-Teilnehmenden einen ganz anderen Schwerpunkt.

Zu Mittag gab es eine Käsesemmel und einen Apfel. Das Wetter wurde immer unwirtlicher, als es auf den Feierabend zuging, begann es heftig zu regnen. Ich hatte gar keine Lust auf öffentliche Verkehrsmittel mit Infektionsrisiko (auch gestern war sehr viel Betrieb auf Straßen und in Büros) und griff beherzt zu meinem Not-Regenschirm. Trotz Waagrecht-Regen wurde ich auf dem Heimweg gar nicht so nass.

Beim Heimkommen erwartete mich eine wunderschöne Überraschung: Eine Blogleserin hatte mir einen Blumenstrauß geschickt.

Eine Runde Yoga, während Herr Kaltmamsell das Abendessen zubereitete: Eine Ernteanteil-Sellerieknolle nach Hasselback-Art aus dem Ofen, Ursprungrezept aus dem Guardian, ich war bei Petra auf die deutsche Version gestoßen.

Ich fand das Gericht (zufällig vegan) sensationell: Die Kombination Sellerie, Miso, Zwiebelsalätchen und Tahini auf Teigfladen schmeckte großartig.

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Gestern Abend im Bayerischen Fernsehen, noch eine Weile in der BR-Mediathek: Die Doku
„Münchens große Straßen“.

Es geht um die Nymphenburger Straße, die Schillerstraße (seltsamerweise hauptsächlich mit Bildern aus der Goethe- und Landwehrstraße, dafür kamen die legendären Elektronikläden der Schillerstraße nicht vor), Rosenheimer Straße, Dachauer Straße, Ludwig- und Theatinerstraße. Darin auch zu sehen: Ein Freund von mir.

Für mich immer noch nicht selbstverständlich und ausgesprochen erfreulich: Die (für München durchaus repräsentative) Vielfalt der auftretenden Menschen – darunter viele deutlich unbayerische Namen, und die beiden Wirtinnen vom Schillerbräu werden unmarkiert als „Ehepaar Höfler“ bezeichnet.

(Ein wenig verwundert hat mich der wiederholte Einsatz von Musik aus La La Land – subtiles München-Bashing?)


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