Essen & Trinken

Journal Sonntag, 22. September 2019 – Elterngrillen mit Spanienurlaubsbildern

Montag, 23. September 2019

Ausschlafen dauerte bis fast acht Uhr. Nach dem Bloggen war gerade noch Zeit für Duschen und Ankleiden, dann bereits Aufbruch zum Bahnhof: Wir waren bei meinen Eltern eingeladen. Ein Fußweg zum Zug war auch gestern unmöglich: Trachtenumzug (Super-Cosplay!) anlässlich Oktoberfest. Wir mussten die U-Bahn nehmen.

Unterwegs zeigte sich das Draußen in 70er Kodachrome – praktisch natürlicher instagram-Filter.

In Ingolstadt trafen wir uns bei meinen Eltern mit der Bruderfamilie. Meine Eltern grillten heftig auf; wir aßen auf der Terrasse in milden Temperaturen unter meist bewölktem Himmel: Zucchini, Auberginen, Maiskolben, Tomaten, Calamari, Garnelen, Lammkoteletts, Schweinebauch, Salsicce. Dazu Gespräche über Fridays for Future – kann es sein, dass Greta Thunberg unter den Gegnern des Klima-Aktivismus‘ deutlich wichtiger genommen wird als unter Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten?

Danach bekamen wir die Bilder des kürzlichen Spanienurlaubs der Bruderfamilie (von Laptop auf riesigen Elternfernseher): Paris, Feriensiedlung bei Madrid, Madrid, Sevilla, andalusischer Strand, Granada, noch ein Strandtag in Frankreich. Sie sahen nach viel Spaß aus, ich freute mich, einen Teil der spanischen Vaterfamilie zumindest auf Fotos zu sehen.

Kaffeeundkuchen mit der Linzertorte, die ich mitgebracht hatte, Aufbruch zurück zum Bahnhof. In München ging es durch nicht zu schlimme Oktoberfest-Cosplayer heim. Arbeitstag vorbereiten, Wohnung putzbar aufräumen, im Bett fing ich Isa Bogdans neuen Roman Laufen an.

Journal Samstag, 21. September 2019 – Die Sprache des Körpers und Bogenhausener Italien

Sonntag, 22. September 2019

Vorsichtige Versuche in der Disziplin „Hören auf den eigenen Körper“. Sie wissen: Wir haben ein fundamentales Kommunikationsproblem, mein Körper und ich – ich bestehe aber darauf, dass er angefangen hat. Sich außerdem furchtbar undeutlich ausdrückt und meinen Vorschlag ablehnt, das ganze schriftlich zu machen.

Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, ihm mal zuzuhören, zumindest was das akute Problem betrifft. So richtig zum Problem wurde es ja vor viereinhalb Jahren: Ich hatte beim Laufen Hüftschmerzen (ein paar Jahre davor auch schon, aber da waren sie von selbst wieder weggegangen). Doch zwei Orthopäden sagten: An der Hüfte ist nichts. Also schob ich das Problem auf den alten Bandscheibenvorfall.

Jetzt bin ich bereit, meinen Körper und sein damaliges Signal wieder ernst zu nehmen: Es ist die Hüfte, zefix. Wenn ich ihn richtig verstehe, sagt mir mein Körper: Es ist nichts kaputt, nur irgendwas fürchtlich verklemmt – so sehr, dass mittlerweile das gesamte Bewegungssystem in Mitleidenschaft gezogen ist.

Und damit gehe ich in den kommenden Wochen zu Anfasserinnen mit so unterschiedlichen Ausbildungshintergründen, dass ich sie als „Anfasserinnen“ zusammenfasse. Wenn das nichts bringt, kann ich mich diesen (scheinbaren?) Körpersignalen ja wieder verschließen.

Gestern wollte ich eigentlich Schwimmen gehen. Doch so wie mein Körper mir vergangene Woche signalisiert hatte, dass er keine weite Strecken mehr gehen wollte, meinte er gestern, dass er für eine Schwimmrunde zu erschöpft war. (Die nächtliche Migräne-Attacke nach nur einem wirklich kleinen Glas Rotwein mag das unterstützt haben.) Vielleicht brauche ich wirklich mal eine echte Sportpause. Eine, die nicht durch einen Atemwegsinfekt erzwungen ist (während dem sich ein Körper ja auch nicht so richtig erholt, oder?). Auch wenn sich das wie eine Kapitulation anfühlt. Ich misstraue solchen Körpersignalen nach Ruhebedürfnis zutiefst, weil ich immer meine angeborene Faulheit und Trägkeit dahinter vermute, die es seit Kindertagen zu bekämpfen gilt – damals durch meine Eltern, seit ein paar Jahrzehnten durch mich.

Mittlerweile kann ich mir vorstellen: Wenn ich wirklich jemals wieder Wandern, Tanzen, vielleicht sogar Joggen will, braucht es erst mal eine Zäsur.

Jede pickt sich ja aus ärztlichen Anweisungen diejenige, die ihr ohnehin am nächsten kommt. Bewegung ist gut? Super, mache ich. Und überhöre vielleicht, dass bei akuten Beschwerden Bewegung nicht so gut ist?

§

Gestern brach das Oktoberfest aus. Und ich fand auf Twitter endlich ein Framing, mit dem auch ich drüber hinweg komme.

Oktoberfest-Cosplayer.

§

Herr Kaltmamsell machte sich vormittags nach Augsburg auf einen Krankenbesuch auf (und musste zum Bahnhof die U-Bahn nehmen, weil der Fußweg durch den Einzug der Wiesnwirte blockiert war). Ich spazierte/hinkte nach Wäschewaschen und -aufhängen zum Semmelholen.

Ein prachtvoller Sonnentag, der über den Nachmittag auch nochmal mild wurde.

Nach dem mittäglichen Frühstück setzte ich mich vor den Balkon und las Zoë Becks Brixton Hill.

Danach knapp zwei Stunden Bügeln, jetzt lag der Wäscheberg wieder auf Normalnull.

Abends war ich in Bogenhausen mit einer Freundin beim feinen Italiener verabredet: Martinelli. Ich radelte mit offener Jacke durch goldenes Sonnenlicht die Isar entlang und hinauf zum Effnerplatz, dann rüber nach Bogenhausen (und kam so ja doch hin und zurück zu einer guten Stunde Radeln, die andere bereits als sportliche Bewegung ansehen würden).

Auf der Max-Joseph-Brücke. Ich vermisse die Isar ohne meine Laufrunden schon sehr.

Weiß die Kunstwelt, dass wir diese Skulptur in München liebevoll „Strickliesl“ nennen, und gibt es bereits Forschung zu Volksbenamsung von Kunst im öffentlichen Raum?

Im italienischen Restaurant aßen wir ein ausgesprochen köstliches Menü und wurde ungemein freundlich und herzlich umsorgt. Die angebotene Weinbegleitung (große Empfehlung der Freundin) versagte ich mir aus Angst vor Migräne – doch zu meiner großen Freude bot mir die Wirtin eine alkoholfreie Begleitung an: Ich bekam als Aperitiv Pfirsichpüree mit Bitter Lemon (statt Bellini), dann Apfelsäfte (von reinsortig Elstar über einen roten Apfelsaft bis zu einer Mischung mit Minze, alle aus Südtirol von Kohl), einmal Crodino, außerdem ein Ginger Ale mit Holunder.

Ein kaltes herbstliches Gemüsesüppchen mit Gemüsesorbet.

Lachsforelle mit Mango, Cocos, Zwiebel.

Carpaccio vom Wagyu-Rind mit Parmesancreme.

Spaghetti mit sensationeller Tomatensoße.

Seeteufel, Garnele, Pilznocke.

Obstsalat mit Basilikum-Sorbet.

Fürs Heimradeln noch vor Mitternacht knöpfte ich zwar meine Jeansjacke zu, brauchte aber weder das eingesteckte Halstuch noch die Handschuhe.

Sonst halte ich mich beim Radeln ja mit passiv-aggressiver Engstirnigkeit an die Verkehrsregeln, doch auf der anderen Seite der Kennedybrücke wusste ich wirklich nicht, wie ich regelgerecht an der Isar gen Süden hätte radeln können: Einen Radweg gibt es nur nach Norden oder in den Englischen Garten, zum Radweg auf der richtigen Straßenseite hätte ich zweimal zwei Autospuren mit Grünstreifen dazwischen überwinden müssen. Bei kürzeren Strecken schiebe ich mein Rad in solchen Situationen, diesmal gab ich auf und radelte auf dem linken Fahrradweg einige Minuten bis zur nächsten Ampel, die mich auf die korrekte Seite brachte. An dieser Stelle (wie an vielen anderen komplexeren Knotenpunkten) hat schlicht niemand für den Fahrradverkehr mitgedacht.

Journal Freitag, 20. September 2019 – Radeln kurz vor Handschuh

Samstag, 21. September 2019

Nein, ich war leider nicht auf der Klimademo: Längeres Gehen und längeres Stehen sind derzeit einfach nicht drin (oder versuche ich mich rauszureden?).

Wieder gut geschlafen – und schon stelle ich eine Kausalität zum Aufgeben der Fußmärsche her. Doch wieder war es nicht genug Schlaf, ich freute mich sehr aufs Wochenende.

Sonniger Tag, doch fürs morgentlichen Radeln in die Arbeit hätte ich fast nach Handschuhen gekramt.

Mittags Tomaten und Paprika aus Ernteanteil mit Manouri, doch das hielt nicht mal bis halb drei vor: Ich hatte richtig Hunger und aß den ersten Ernteanteilapfel der Saison, ein wenig Nüsse und Schokolade. Über Twitter und instagram verfolgte ich aus dem Augenwinkel die Klimademos in ganz Deutschland und in der Welt.

Früher Feierabend, ich freute mich über das Ende der Arbeitswoche. Auf dem Heimweg Stopp beim Edeka für Süßigkeiten und Backzutaten: Ich wollte eine Linzertorte für den sonntäglichen Besuch bei Elterns backen.

Daheim stellte ich allerdings fest, dass ich irrtümlich von Eiern als Grundvorrat ausgegangen war, der bei Aufbrauchen automatisch nachgekauft wird: Es waren keine im Haus, ich musste nochmal los. Zurück zuhause stimmte ich die Backschritte mit Herrn Kaltmamsell ab, so dass ich den Kuchen in den Ofen schieben konnte, gleich nachdem er ihn nicht mehr fürs Nachtmahl brauchte.

Zum Abendessen gab es nämlich Lammkoteletts am Stück mit Brokkoli und Mangold (eigentlich dem Grün der Roten Bete, aber das ist botanisch das Gleiche) aus Ernteanteil.

Danach noch große Mengen Pralinen und Schokolade.

§

Vielen Dank an Christian für seine Bitte, elterlichen Unwillen gegen strukturelle Missstände an Schulen nicht auf Lehrerinnen und Lehrer zu zielen, verbunden mit Erklärung von Hintergründen. Anlass sind die vielfältigen Schimpfereien von Eltern im Internet über die Einkaufslisten zu Schulanfang.
„19.9.2019 – gelbe oder rote Mappe?“

Er als Lehrerinpartner, ich als Lehrerpartnerin – wir sind nach vielen Jahren geteilten Alltags mindestens so sachkompetent wie die Zahnarztgemahlin, die Werbung für Zahnpasta macht.
Und sowohl Christian als auch ich arbeiten in Unternehmens- und Büroumgebungen, die als durchschnittlich, wenn nicht gar Norm gelten und können vergleichen. Ich zum Beispiel komme schlecht darüber hinweg, dass der Herr an meiner Seite keinen Freizeitausgleich für Geschäftsreisen bekommt (also Begleitung von Exkursionen/Kursfahrten auch abends, nachts, in Ferien oder an Wochenenden – in Bayern bekommen Teizeitkräfte dafür zumindest Vollzeitgehalt), dass bei seinen Fortbildungen die Anreise meist nicht gezahlt wird, dass er seine Arbeitsmaterialien, seine Büroausstattung, Geräte und seine Kommunikationskosten aus eigener Tasche zahlen muss (und lediglich von der Steuer absetzen kann), Support für seine Computerausstattung selbst organisieren und zahlen.1 Nein, ich finde dass die Unkündbarkeit des Beamtentums diese Umstände nicht aufwiegt – zumal eben diese Umstände ja auch für angestellte Lehrerinnen und Lehrer gelten.

  1. Er weist darauf hin, dass er sich zumindest Kopierpapier aus der Schule mitnimmt. []

Journal Mittwoch, 18. September 2019 – Herr Kaltmamsell hat Geburtstag

Donnerstag, 19. September 2019

Dann doch vor dem Weckerklingeln sechs Stunden am Stück geschlafen. Das war wundervoll, reichte aber nicht: Sonst bin ich ja unerträglich morgenmunter, gestern hätte ich beim Anziehen viel darum gegeben, ins Bett zurück zu dürfen.

Aber erst mal musste Herr Kaltmamsell geherzt, geküsst und beglückwünscht werden: Er hatte Geburtstag.

Draußen wieder Sonne, ich kleidete mich noch mal in sommerliches Weiß. Beim Parken des Fahrrads fragte mich eine andere Radlerin durchaus entgeistert, ob mir nicht kalt sei. Da ich eine zugeknöpfte Jeansjacke über langärmligem Shirt, eine über-knie-lange Hose und Halbschuhe trug und wir noch weit von Frost entfernt sind, konnte nur der sommerliche Stil Auslöser ihrer Frage gewesen sein.

Umtriebiger Arbeitstag, mittags Brotreste und Käse, ein paar Trauben. Eine meiner keinen Internetfreundinnen hatte entdeckt, dass auf der Plattform der VG Wort die Ausschüttungsbriefe für 2018 bereit standen: Ich werde mein Blogheinzelmännchen wieder zu einem sehr großzügigen Essen einladen können.

Nach Feierabend war ich mit Herr Kaltmamsell vorm Dallmayr verabredet: Wir wollten ein Gutscheingeschenk für ein Geburtstagsfestmahl aus Feinkost einlösen.

Aber erst mal Abenteuer: Ich parkte mein Fahrrad hinterm Rathaus erstmals im einzigen zweigeschoßigen Fahrradständer, den ich in München kenne – oben! Das ging erstaunlich leicht, brauchte nur ein wenig Überwindung (man muss die Halterung erst mal zwei Meter rausziehen und runterklappen, allerdings ohne Kraftaufwand, dann das Fahrrad einstellen und samt Halterung wieder ein- und hochschieben).

Da ein Dallmayr-Einkauf bislang immer eine Plastikschalen und -dosen-Schlacht gewesen war, hatte Herr Kaltmamsell zumindest für die Teilchen unter Aspik unsere eigene Plastikdose dabei, die gerne akzeptiert wurde. Für die Feinkostsalätchen nahmen wir die des Hauses, doch uns wurde ausführlich erkärt, dieser Kunststoff bestehe aus Milchsäure uns sei wirklich echt ehrlich kompostierbar (es wird sich wohl um diesen Biokunststoff handeln). Die Dallmayr-Papiertüten wurden uns an jeder Station angeboten (wenn ich mir das Straßenbild ansehe, sind sie wohl in München immer noch begehrt), doch wir hatten ja unsere Rucksäcke dabei.

In erster Linie ging es aber auch gestern um Leckereien. Wir sahen uns erst mal gründlich um, nach abgeschlossenem Umbau hatte ich noch nicht ausführlich beim Dallmayr eingekauft. Alles sehr schön, auch wenn ich das Wasserbassin vermisste. Erst kauften wir Häppchen und Feinkost, dann Prager Schinken (frisch vom Bein geschnitten), Lachstartar und Foie gras (letzteres für eine spätere Mahlzeit), italienisches Brot.

Damit spazierten wir durch die sinkende Sonne nach Hause – und feierten Herrn Kaltmamsell.

(Hier die Tafel von der anderen Seite.)

Früh ins Bett, wir waren beide sehr müde.

§

Die grausame Vergangenheit Europas im 20. Jahrhundert ist nicht nur in den regelmäßigen Bombenfunden bei Bauarbeiten gegenwärtig.

„Joachim Kozlowski birgt die Toten des Zweiten Weltkrieges“.

via @claudine

Besonders interessant fand ich die Details, die die Auswirkung der neuzeitlichen Kriegsführung auf den Umgang mit Gefallenen beleuchten – auch das änderte sich durch den industriellen Krieg:

(In Brandenburg) fanden die größten Schlachten auf deutschem Boden statt. Als endlich Frieden war, hatte die DDR kein Interesse an den Toten dieses Krieges, insbesondere, wenn sie der Wehrmacht angehörten. Oft blieben sie, wo sie gefallen waren. Anders als im Westen, wo die meisten Toten inzwischen geborgen und auf zentralen Grabanlagen umgebettet wurden.

Die ersten dieser Anlagen wurden bald nach dem Ersten Weltkrieg eingerichtet. Damals war der Ruf der Hinterbliebenen immer lauter geworden, die toten Väter, Söhne, Brüder mögen endlich heimgeholt werden. Aber angesichts von etwa zwei Millionen Gefallenen sah sich das ruinierte Deutsche Reich 1919 außer Stande, diese Aufgabe zu leisten. Und selbst wenn, von Granaten zerrissene Körper sollten zu Hause niemandem zugemutet werden.

Also wurde beschlossen, Kriegsopfer bleiben in den Ländern, in denen sie zu Tode kamen. Internationale Abkommen sichern ihnen ein dauerndes Ruherecht. Die Pflege der Soldatenfriedhöfe im Ausland übernahm der Volksbund in Zusammenarbeit mit örtlichen Helfern. Heute, 100 Jahre und einen weiteren Weltkrieg später, pflegt er die Gräber von 2,8 Millionen Menschen in 46 Staaten.

Leider muss der Artikel auch darauf eingehen, wie dieses Gedenken von Rechtsextremen verdreht und missbraucht wird.

§

Viel gelernt aus dem Twitterthread, der so beginnt:

Sometimes other white folks ask me the best way to be less of a Clueless White Person without demanding people of color expend effort teaching them, and I have a suggestion that will absolutely work. You won’t wanna do it, but I’m going to tell you anyway.

Besonders ertappt fühlte ich mich bei

In theory, being a woman should make it hard for me to speak up, but I was lucky; I missed that conditioning. My upbringing was largely free of sexism. So I have a very „white dude“ tendency to talk over people, and it takes effort to just listen. But it’s so, so worth it.

Journal Freitag, 13. September 2019 – Radeln unter Vollmond

Samstag, 14. September 2019

Die Nacht wieder auf der Seite Höllenritt, Erleichterung und zerstückelten Schlaf brachte die wieder aus Handtüchern und Kissen gebaute Stufe unter die Unterschenkel. Ich bin jetzt auf der Jagd nach einer der empfohlenen Anfasserinnen und arbeite die Liste ab (man ruft in der Branche vielleicht nicht gern zurück?).

Schon am Vorabend hatte ich mit Herrn Kaltmamsell nachgedacht, wie sich der angekündigte Spätsommerabend am Freitag würde nutzen lassen: Mir waren als Möglichkeiten eingefallen Schnitzelgarten, Grieche mit lauschigem Innenhof in Untersendling (beim Vorbeigehen entdeckt und gemerkt), Romans in Neuhausen mit seinem bezaubernden Außenbereich. Gestern Morgen wusste ich, was ich mir wünschte: Romans. Vormittags sicherte ich mir telefonisch einen Tisch.

Wie schon am Morgen zuvor war keine Zeitung geliefert worden, ich lieh mir für meine Mittagslektüre das Abteilungsexemplar aus.

Aus Logistikgründen trug ich ein ärmelloses Kleid: Ich hatte es vor Wochen schon einmal getragen, wollte es so nicht einwintern (Körperabrieb vergrößert angeblich die Mottengefahr). Nur so angetragen wollte ich es aber nicht bereits waschen und bügeln (Faulheit). Also war ich sehr dankbar, dass die Temperaturen eine letzte Möglichkeit boten. Danach kann das Kleid in die Wäsche, alle reinen Sommersachen sind dannn frisch gewaschen und können in ein paar Wochen in die Winterkiste verräumt werden.

Von draußen kam sonniger Sommergeruch durchs Bürofenster und machte mich regelrecht ekstatisch. Mittags stellte sich die kleine der beiden grünen Paprikas aus Ernteanteil als Chilli heraus – zum Glück nicht allzu scharf. Dazu Brot, Joghurt mit Latwerge.

Auf dem Heimweg ging ich bei der Bank vorbei. (Übrigens hat sich die Steuergeschichte mit der angeforderten „Einnahmenüberschussrechnung“ geklärt: Herr Kaltmamsell hatte sich am Montag im Servicecenter des Finanzamts – jahaha, das gibt es – beraten lassen und weiß jetzt Bescheid. Auch ohne Verbiegen hätten wir dieses Jahr eigentlich weniger Steuern zahlen müssen. Dieses Jahr gehen noch ein paar zusätzliche Euros staatlicher Fördergelder auf uns, nächstes Jahr machen wir dann alles korrekt.)

In der Schillerstraße holte ich das Paket mit den in England bestellten Stiefeln ab. In diesem Computerschrauberladen (für diese Sorte Laden war die Gegend einst berühmt) und auf der Schillerstraße selbst hatte ich mein Wohnviertel wieder arg lieb: So viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Herkünfte, im Laden versuchte mir der eindeutig nicht hiesige Ansprechpartner (hallo? das war ein osnabrücker Zungenschlag!) gleich noch seine Computerdienste anzutragen („Wenn’Se mal irgendwelche Probleme haben…!“), an der einen Ecke wurde salaamt, an der nächsten merhabat, die vergangenen Jahre haben die Menschenmischung nochmal deutlich verändert. Ich muss mich anstrengen nachzuvollziehen, dass der Geschäftsführer eines anrainenden Hotels berichtet, so manche seiner Gäste (selbst von ganz woanders) fühlten sich dadurch verunsichert und bedroht – wenn ich ihnen nicht unterstellen will, dass sie bereits eine andere als ihre eigene weiße Hautfarbe als Bedrohung empfinden.

Daheim schnell ein wenig frisch gemacht, mit Herrn Kaltmamsell aufs Fahrrad gesetzt und Richtung Neuhausen aufgebrochen. Überall sahen wir, wie die Eichkätzchen gerade sehr wichtig unterwegs sind und Wintervorräte sammeln. Die Hackerbrücke war voll besetzt.

Eiin wundervoller Abend im Romans. Wir saßen so lauschig wie erhofft im schön möblierten Außengarten unter Kastanien und Schirmen. Ich hatte eigens eine frühe Uhrzeit gewählt, damit wir auch jetzt Mitte September noch das Abendlicht erlebten (das wären im Juli anderthalb Stunden später gewesen).

Als Vorspeise aß Herr Kaltmamsell Makrelentartar, ich eine Erbsen-Fenchel-Suppe.

Als Hauptgericht sieht man (mit etwas Anstrengung) auf meinem Teller eine Wolfsbarsch-Roulade in Salatblatt gegart, rechts einen gefüllten Artischockenboden, darüber Tomaten und Vongole, auf dem Teller oben Kaninchenkeule auf gegrillter Polenta mit Pfifferlingen und Kartoffel-Erbsenpüree. Schmeckte alles sehr gut, wenn uns auch die Teller zu unitalienisch überladen waren (das wären in Italien jeweils mehrere Gänge gewesen) – mindestens zwei Bestandteile hätte man in beiden Fällen weglassen können. Dazu hatte ich uns eine Flasche schlichten sardischen Vermentino bestellt.

Zum wiederholten Mal schaffte ich meine Portion nicht, ich fand auch keinen Dessertmagen sondern bestellte zum Abschluss nur Cynar. Auf meine Bitte ließ sich Herr Kaltmamsell einen Espresso kommen, damit ich daran riechen konnte.

Wundervolles Heimradeln unter klarem Nachthimmel mit Vollmond.

§

1. Es gibt einen Facebook-Kanal „Savage Paramedics“ – das finde ich bereits großartig.

2. Sie haben eine „Tetris Challenge“ ausgerufen. Hier gibt’s Bilder vom ausgepackten und sortierten Inhalt von Rettungs-, Polizei- und Feuerwehrwagen, inklusive Personal. Noch großartiger!

via Techniktagebuch-Redaktionschat

Journal Mittwoch, 11. September 2019 – Nochmal nackte Beine

Donnerstag, 12. September 2019

Bis vier tief und fest durchgeschlafen – doch nach dem Klogang wegen Schmerzen nicht mehr schlafen können. Ich hielt mich am ersten Teil fest.

Nochmal nackte Beine und Rock, es war ein milder Tag angekündigt. Ich fror nicht auf dem Humpelweg in die Arbeit.

Mittags frische Feigen mit Dickmilch und eine Scheibe selbst gebackenes Brot.

Der September zeigte, was er lichtmäßig drauf hat und beleuchtet mir den Heimweg. In einem kleinen Westend-Feinkostladen kaufte ich Nektarinen, Rosé-Trauben und eingelegte Oliven.

Hopfen als Fassadengrün bis zum Balkon im zweiten Stock.

Herr Kaltmamsell machte auf meine Bitte Polenta mit Spinat und Champignons nach diesem Rezept.

Schmeckte sehr gut – und ich freute mich, mal mit einem Foodblog Bekanntschaft zu machen, das bis an die Grenze der Satire einen Blogpost mit sinnlosen Fotos (in diesem Fall dasselbe Motiv aus neun ähnlichen Perspektiven) und albernem Text in die Länge zieht – bis endlich das Rezept kommt (es gibt allerdings ganz am Anfang einen Knopf „Springe zum Rezept“). Herr Kaltmamsell bereitete die Polenta mit Milch und Butter zu, der Spinat und die Pilze passten ganz hervorragend dazu.

§

Die Schriftstellerin und frühere DDR-Spitzensportlerin Ines Geipel floh 1989 über Ungarn nach Westdeutschland. Sie macht sich große Sorgen über die Entwicklung in Ostdeutschland. Die Neue Zürcher Zeitung hat sie interviewt:
„‚Die AfD schafft es, dass sich der Osten ein weiteres Mal abhandenkommt‘, sagt die Autorin Ines Geipel“.

via @ankegroener

§

Der große Lebensfotograf Robert Frank ist tot. Möglicherweise haben er und die Fotografien seiner Art auch Literatur verändert: Seither werden Anblicke und Augenblicke in Romanen oft beschrieben, wie sie auf seinen Fotos gestgehalten, ge-frame-t sind. (Nur so eine Idee, ich müsste nach Beispielen suchen.) Im New Yorker schreibt Peter Schjeldahl:
„The Shock of Robert Frank’s ‚The Americans'“.

Journal Montag, 9. September 2019 – Gehetzter Wochenanfang

Dienstag, 10. September 2019

Sehr schlechte Nacht, ich fand keine Haltung, in der Hüfte, Knie, Schienbein nicht schmerzten. Erleichterung, als endlich der Wecker klingelte.

Draußen regnete es weiter, allerdings nachlassend. Ich eierte zu Fuß unterm Schirm in die Arbeit. Dort dichtes Programm inklusive Querschlägern, ich kam nicht mal zu einer richtigen Mittagspause (Tomaten, Gurke und eine Scheibe Brot).

Früher Aufbruch wegen Termins beim MRT. Dort keine Neuigkeiten, die Verschlechterung meiner Beschwerden lassen sich nicht mit einer Verschlimmerung des Bandscheibenvorfalls erklären.

Auf dem Heimweg brauchte ich keinen Schirm mehr, es kam sogar die Sonne heraus. In Absprache mit Herrn Kaltmamsell besorgte ich zum Nachtmahl einen Runde Käse beim Vollcorner. „Ein bisschen“ habe ich bei Käse einfach nicht im Programm.

Daheim öffnete ich dazu eine Flasche Grassl Sankt Laurent Alte Reben 2015; besondere Weine brauchen als besonderen Anlass, dass man genau darauf Lust hat.

§

Der WDR berichtet über einen unangekündigten Besuch von Kanzlerin Merkel in einem persischen Restaurant in Chemnitz, dessen Besitzer von Nazis überfallen worden war. Ich war berührt von seinem Appell an Einwanderer, Chemnitz nicht zu verlassen, die Stadt nicht den Nazis zu überlassen.

§

Es wird einen weiteren Terminator-Film geben – mit Linda Hamilton! Ich werde nie vergessen, wie ich seinerzeit 1991 mit meinem besuchenden Bruder in Swansea Terminator 2 – Judgement Day sah – und den Mund nicht mehr zubekam, weil ich noch nie solch eine Frauenfigur gesehen hatte (allerdings hatte ich auch keine Erfahrung mit Action-Filmen).

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https://youtu.be/oxy8udgWRmo

Die New York Times hat Hamilton daheim in New Orleans besucht:
„Linda Hamilton Fled Hollywood, but ‘Terminator’ Still Found Her“.

Hamilton trained in the desert with Green Berets, while doctors put her on a regimen of supplements and bioidentical hormones to build muscle. “I had a true village of experts trying to get the most out of this body,” she said, though vanity wasn’t the mission. “I don’t think there’s going to be one person who comes up to me who says, ‘You look so great for your age.’ I threw that into the Mississippi River, because that’s not what this is about. I want people to see me and go, ‘Oh my God, she got so old!’”


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