Essen & Trinken

Journal Freitag, 26. November 2021 – Erster Schnee und feines französisches Essen

Samstag, 27. November 2021

Er war für genau diesen Freitag in München angekündigt, der erste Schnee der Saison. Und doch sank mein Herz, als ich beim Aufbrechen in die Arbeit in die erste Dämmerung rausschaute.

Auf dem Weg in die Arbeit versuchte ich durchaus, den ästhetischen Reiz in den Vordergrund zu schieben, während die nassen Flocken mich einweißelten.

Kinder auf dem Schulweg formten Schneebälle aus allem, was sie zusammenkratzen konnten.

Über den Tag immer neuer Schneefall.

Tumultöser Arbeitsvormittag, aufgehellt durch Amüsement über einen gedanklichen Aussetzer von mir, der zu (unkritischer) Verzögerung und Mehrarbeit führte – manche meiner Dummheiten kann ich zum Glück niedlich finden.

Mittags Quittenkompott und Orangen mit Hüttenkäse. Und eine gar nicht lustige Geschichte in der Süddeutschen.

Nachmittags gab es eine lange geplante Kollegenverabschiedung – halt im kalten Freien und in Kurzform.

Pünktlicher Feierabend, denn ich war abends mit Herrn Kaltmamsell verabredet und hatte vorher Pläne: Ich traf mich mit ihm am Marienplatz; gemeinsam gingen wir zu Grüne Erde, um den wunderschönen Stuhl Asenio probezusitzen. Wenig überraschend sitzt es sich ganz hervorragend darauf. Derzeitige Idee ist, zwei davon für uns zu kaufen, die wir ja hauptsächlich am (noch zu besorgenden) Tisch sitzen, und vier andere Stühle dazuzustellen, vielleicht sogar ganz unterschiedliche.

Beim Eataly kaufte ich Pannettone, am Viktualienmarkt einen Adventkranz, Herr Kaltmamsell hatte sich dieses Jahr einen gewünscht.

Daheim kurzes Feinmachen, dann brachen wir auf ins Lehel: Eine glaubwürdige Quelle hatte dort ein winziges Restaurant empfohlen, das Louis. Diese Winzigkeit (es passten gerade mal zehn Gäste mit Abstand hinein), 2G-Zugang und vorheriger Selbsttest von uns beiden ließen mich das Risiko als niedrig genug einschätzen.

Zum Menü bat ich um eine Weinempfehlung in Rot aus der dicken Weinkarte: Darin kannte ich einiges, doch ich wollte gerne etwas Neues lernen. Koch und Wirt Stefan Schütz (das einzige sonstige Personal ist seine Frau, die den Service übernimmt) holte für uns einen Burgunder – kenne ich überhaupt nicht, machte mich neugierig: Ein Hospices de Beaune Corton 1996 Gand Cru. War tatsächlich sehr interessant und gefiel uns, erst im Nachhinein fiel mir ein, dass man solch einem Kaliber an Wein vermutlich besser viel mehr Zeit und Luft gibt, ihn nach dem Öffnen über mehrere Tage trinkt.

Zu essen gab es:

Terrine von Gänseleber mit getoasteter Brioche.

Bouillon von Artischocken mit Safran und Jakobsmuscheln.

Seeteufel mit Fenchel-Zucchinigemüse.

Limousin Lammrücken mit Auberginenmousse und Kräutern.

Apfeltarte mit Calvadosschaum für mich, Käseteller für Herrn Kaltmamsell (mit einem Glas Süßwein).

Satt und zufrieden nahmen wir die (schön leere) U-Bahn heim.

Tagesabschluss war die Nachricht von der Corona-Erkrankung einer (geimpften) Freundin wenige Tage vor ihrem Booster-Termin, die beruflich seit Monaten in Hochrisiko-Umgebung gezwungen ist.

Journal Mittwoch, 24. November 2021 – Es wird saukalt

Donnerstag, 25. November 2021

Nachtschlaf gut genug, dass er erholte.

Eisiger Nebel auf dem Weg in die Arbeit, ich ging extra zackig.

Mittelturbulenter Vormittag in der Arbeit, ich schaffte einiges weg.

Mittagessen: Sehr viel adoptierte Orange, Pumpernickel mit Butter.

Den ganzen Tag fror ich im Büro, versicherte mich aber im Team, dass das nicht an Hormonen oder gar Impfreaktion liegt: Andere froren auch, es war einfach kalt (wäre ja auch nicht zu vertreten, wenn die weitgehend leeren Büros so stark geheizt würden wie bei Vollbesetzung). Wenn ich die Glutattacken doch ein wenig steuern könnte.

Saukalter Heimweg (werde Mütze und Handschuhe upgraden müssen) mit Umweg über Geschenkekauf; Montagabend hatte ich mir den bald angekündigten Schneefall noch nicht vorstellen können, im schneidenden Wind gestern auf der Theresienwiese sehr wohl.

Zum Abendessen hatten wir frei, der Ernteanteil war weggegessen. Wir bestellten bei Servus Habibi, ich ging nochmal raus in die Kälte zum Abholen.

Es lohnte sich, ich genoss die Portion “Einmal Alles” sehr. Es passte nicht mehr viel Nachtischschokolade hinterher.

Früh ins Bett zum Lesen. Galbraiths Lethal White ist nach Langem mal wieder ein Buch, auf dessen Lektüre ich mich den ganzen Tag über so richtig freue. Das sagt nicht unbedingt etwas über die literarische Qualität aus, sicher etwas über die handwerkliche, am meisten aber über meinen persönlichen Geschmack: J.K. Rowling, die ja hinter dem Pseudonym steht, erschafft halt eine sehr lebendige Welt abseits von Klischees, ich folgte ihr sehr gern ins London kurz vor den Olympischen Spielen 2012.

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Der aktuelle Guardian-Newsletter, den ich als Online-Abonnentin bekomme, beginnt mit

The most exciting thing you’ll hear in a science laboratory is not ‘Eureka!’ but ‘that’s funny…’ So said Isaac Asimov.

(Der aufregendste Moment in der wissenschaftlichen Forschung ist nicht, wenn man “Ich hab’s!” hört, sondern “Komisch…”.)

Das gefiel mir so gut, dass ich umgehend misstrauisch wurde, ob das überhaupt von Asimov stammt. Recherche-Ergebnis: Ein bisschen / ungefähr / es ist kompliziert.

Der Gedanke beschäftigte mich den ganzen Tag. Es ist genau dieses Stolpern in Denkmustern und Erwartungen, das zu den spannendsten Überlegungen und Untersuchungen führt. Weswegen ich z.B. nichts gegen vereinzelte Hässlichkeit im öffentlichen Raum habe. Und weswegen ich es liebe, durch Überraschung auf meine Vorurteile hingewiesen zu werden. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass genau dieses Stolpern und Ausgebremstwerden auch Abwehr auslöst statt Neugier.

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Endlich eine Erklärung für meine Lyrik-Dyslexie seit Kindertagen.

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Die weise, großartige Kabarettistin Martina Schwarzmann packt im Interview “Meisterstunde” über ihre Kunst aus. (Ich hoffe SO, dass ich sie im nächsten Wellental mal live sehen kann.)
“Die Kabarettistin Martina Schwarzmann über ihre Bühnenpräsenz: ‘Ich bin immer mehr zu der geworden, die ich eh schon bin'”.«

via @giardino

Das mag ich sehr gern: Sachen sagen, ohne dass ich sie gesagt habe. Ich lasse in dem Moment einen logischen Schritt aus, den aber jeder im Kopf mitgeht. Die Lücke ist dadurch gar keine, weil sie jeder selbst ausfüllt.

Die Website “Meisterstunde” ist ohnehin eine Entdeckung, z.b.
“Tänzer Alan Brooks über seine Arbeit an Schulen: ‘Es zählt, dass du es versuchst'”.

Journal Dienstag, 23. November 2021 – Unangenehmer Ärztintermin

Mittwoch, 24. November 2021

Eher unruhige Nacht (also auch diesmal kein Impfwunder für mich), morgens schmerzte der Impfarm ordentlich. Das Kreuzweh links hatte aber sehr wahrscheinlich nichts damit zu tun.

Aus organisatorischen Gründen fuhr ich mit dem Rad in die Arbeit, Gelegenheit, nach zwei Jahren Hüft-bedingter Pause meine schwarzen, hochschaftigen Stiefel mit hohem Absatz zu tragen, mit denen ich nicht weit gehen kann. Über den Tag festgestellt, dass sie sich hinderlich anfühlten, vielleicht ist meine Zeit hoher Absätze wirklich vorbei – es macht mir einfach zu viel Spaß, schnell und kraftvoll zu gehen.

Im Büro erst mal den vorherigen halben Nachmittag nachgeholt, dann Online-Schulung (mit nur einem Augen und hauptsächlich über Zuhören, weil ich einiges sonst im Blick behalten musste).

Tagsüber fühlte ich mich müde und zerschlagen – aber nicht mehr als sonst nach einer unguten Nacht, eher nicht Impfreaktion.

Die Mittagspause nutzte und verlängerte ich für einen Arzttermin (deshalb Fahrrad). Ein unangenehmes Erlebnis: Die Terminvereinbarung vor sechs Wochen (! obwohl ich dort bereits Patientin bin, obwohl es an dieser Fachrichtung in München wirklich nicht an Praxen mangelt und obwohl ich mit einer eher akuten Überweisung kam) war ein Kuddelmuddel, und als ich eintraf, wusste von dem letztendlich für gestern vereinbarten Termin niemand etwas – fischte ihn dann aber doch uneingetragen aus der E-Mail-Korrespondenz. Das Personal trug bis auf Ärztin keine Masken (nein, ein 100×50 cm Stück Plexiglas auf der Empfangstheke ist kein Infektionsschutz für alle und die gesamte Praxis), das Wartezimmer war ohne Abstandsmöglichkeit voll, ich quetschte mich stehend in eine Ecke. Und dann war nicht mal der Grund der Überweisung richtig gelesen worden – nach seltsamen ersten Fragen und abwegigen Untersuchungsankündigungen der Ärztin sagte ich ihn nochmal selbst und erklärte von vorne, warum ich hier war. Da gehe ich nicht mehr hin.
Ich kam raus mit einer handfesten Information, die ich aber wahrscheinlich erst nach der vierten Corona-Welle angehen kann. (Hiermit bemerke ich, dass ich nicht mehr in “nach der Pandemie” denke.)

Zurück am Schreibtisch war ich erst kurz vor zwei, jetzt gab’s neben Weiterarbeit als Mittagessen ein Stück selbstgebackenes Brot und ein Glas Granatapfelkerne mit Mango vermischt (gute Kombi!).

Die Impfarmschmerzen wurden immer weniger. Auf der Heimfahrt Abstecher zum Vollcorner.

Zu Hause wartete die erste Orangenlieferung von meinem adoptierten Baum.

Orangen in einer Kiste

Spielanleitung: Bitte alle Orangen ansehen und die mit weichen Stellen möglichst schnell essen. Ich schälte und schnippelte also gleich mal welche für die nächste Brotzeit, stellte beim ersten Naschen fest, dass sie eher sauer sind – wie halt um diese frühe Erntezeit typisch. Richtig süße Orangen erwarte ich aus Spanien nicht vor Februar.

Nochmal die Runde Yoga-Rumpfstärkung vom Montag. Das Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell: Aus Ernteanteil-Kartoffeln und -Chinakohl wurde eine Art Lompemois1, dazu hatte ich beim Vollcorner geräucherte Forelle besorgt, die sich als beste jemals herausstellte. Nachtisch Spekulatius und Schokolade.

  1. Von jemandem aus Hessen erklären lassen. []

Journal Sonntag, 21. November 2021 – Isarlauf im Sonnenschein, Erinnerung an polnische Oma

Montag, 22. November 2021

Zerstückelt, aber immer wieder gut geschlafen.

Morgens erst mal Brotteig geknetet, Spülmaschine ausgeräumt, Weihnachtsstollen gepuderzuckert und in Alufolie eingeschlagen, oben auf die Küchenschränke verräumt.

Lustiges Wetter zu Tagesanfang: Erst klarer Himmel, dann eine Stunde Nebel, dann wieder klar.

Neben Bloggen die verschiedenen Handgriffe des Brotbackens, das Resultat sah dann ganz anders aus als auf dem Foto.

Ich hatte eh eine Laufrunde an der Isar geplant, der wolkenlose Sonnenschein machte sie besonders attraktiv.

Über den Südfriedhof ging ich zügig zum Aufwärmen an die Wittelsbacherbrücke, lief Richtung Flaucher los. Wieder zeigte sich wie schon auf meinen früher fast einsamen Wanderungen: In der Corona-Zeit haben viele Menschen die Wege an der Isar für sich entdeckt. Selbst auf meinen Schleichpfaden hintenrum, auch abseits der Hauptwege, herrschte dichter Verkehr von Joggerinnen, Spaziergängern, Familien, Kinderwagenschiebegruppen, Hundegassigeher*innen. Abstandhalten erforderte immer wieder Anstrengung.

Auch auf dem Flauchersteg Hochbetrieb (mindestens ein Nackerter auf den Kiesbänken, brrr), auf dem Isarkanal sah ich Kanuten und Stehpaddler. Laufen ging sehr gut, Ziepen spürte ich nur nach einer Weile in den Waden.

Unter der Brudermühlbrücke.

Ganz schnelles Foto auf Schleichpfad ohne andere Menschen.

Am Schleusenwärterhäusl bei Maria Einsiedel.

Nach dieser Aufnahme von der Großhesseloher Brücke herunter schaltete sich das Smartphone aus, dem Akku war schnell zu kalt geworden. Also keine weiteren Fotos mehr und, viel schlimmer, keine gezählten Schritte. Oder auch nur die Zeit, ich schätze mal, dass ich 75 Minuten joggte. Zurück nahm ich die U-Bahn von Thalkirchen – auf die ich 15 Minuten warten musste (Bauarbeiten am Wochenende, die hatte ich schon wieder vergessen), die dann auch deutlich dichter besetzt war, als ich es an Sonntagen kenne. Hätte ich das gewusst, hätte ich anders geplant.

Zum Frühstück Granatapfelkerne, gebackene Quitte, Banane mit Joghurt, ein paar Träubchen als Beilage.

Während ich geduscht hatte, war das Wetter umgeschlagen, der eben noch strahlende Himmel plötzlich bedeckt und grau. Nachmittag mit Zeitunglesen im Sessel, als Snack gab es eine Scheibe vom Selbstgebackenen: ok, aber nicht mein Lieblingsbrot. (Und es schmeckte mir immer noch besser als jedes gekaufte Roggenbrot der vergangenen Jahre, selbst von wirklich guten Bäckern.)

Fürs Abendessen war ich zuständig. Wir arbeiten ja immer noch den Topf Salbei ab, den ich anlässlich des Kürbis-Herbstsalats gekauft hatte. Heute mit Hilfe einer klassischen englischen sage and onion-Füllung für Brathuhn. Im glückliches Hermannsdorfer Hähnchen steckten noch einige Federkiel-Wurzeln vom Rupfen, die ich sorgfältig entfernte – und die einen Erinnungsflash an meine polnische Oma selig auslösten: Wenn sie Gans briet – und ihre Gänsebraten waren legendär, möglicherweise wegen des Gasofens, aus dem sie kamen -, suchte sie die rohe (immer polnische!) Gans vorher gewissenhaft ab nach Federkielen. Ich sah sie vor mir in einer Kittelschirze (tut mir leid, Duden, Ihre Schreibung ist unkorrekt), die dauergewellten grauen Locken der Blumenkohl-Frisur mit Haarklammern aus der Stirn gesteckt, weit unten auf der Nase ihre Brille (die sie immer nur wenn nötig aufsetzte, also zum Nähen, Lesen der Fernsehzeitschrift Gong und für fieselige Küchendinge – niemals hätte sie sich draußen damit blicken lassen), vor ihr die Gans und in der rechten Hand die Pinzette, mit der sie nachrupfte.

Das Hähnchen geriet sehr gut, wir aßen beide je fast eine Hälfte. Nachtisch Schokolade.

Im Bett las ich William Kotzwinkle, The Fan Man aus: Ja, ein wirklich lustiger Aberwitz von 1974, ein innerer Monolog eines völlig verpeilten Typen in Hippie-Jargon, doch dass weibliche Wesen ständig, aber nur in Form von zu fickenden 15-jährigen Mädchen vorkamen, und selbst die meist nur in Form von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, fand ich bei der Lektüre dann doch zunehmend eklig und abstoßend.

Corona eskaliert hierzulande weiter. Es bremst die Pandemie zwar auch nicht (wieder ein neuer Rekord bei der Inzidenz in Deutschland: 372,7), aber ich würde wirklich gerne von irgendwem aus der Politik das Geständnis hören: “Das haben wir unterschätzt.” Gäbe mir ein bisschen Hoffnung auf künftige Besserung.

Journal Samstag, 20. November 2021 – Schwimmen und Stollen

Sonntag, 21. November 2021

Ausgeschlafen. Am erholsamsten fühlten sich die anderthalb Stunden nach dem letzten Aufwachen um halb sechs an.

Vorm Fenster schritt der Herbst voran.

So sieht der Corona-Selbsttest aus, den mein Arbeitgeber stellt (Klappkarte statt Plastikdose).

Auch wenn das Selbsttesten keine 100-prozentige Sicherheit bietet (hier ein Negativ-Beispiel, in dem die Impfung allerdings vor schweren Verläufen schützte), wagte ich mich zum Schwimmen ins Dantebad (2G, Freibad). Auch wenn das Wetter grau war, hatte ich Lust auf Radeln.

Schönes Schwimmen (super Maskendisziplin auch in der Gruppenumkleide – nur halt nicht beim Personal), nur manchmal etwas beeinträchtigt durch eine Gruppe, die lediglich hin und wieder eine Runde schwamm, dazwischen ratschend den Beckenrand für Wenden blockierte. Meine 3000 Meter waren kein Problem, ich probierte sogar die eine oder andere Bahn Brustschwimmen – dabei hatte ich den Eindruck, dass der kräftige Beinschlag ein wenig ums künstliche Hüftgelenk rumpelte, aber schmerzhaft war nichts.

Direkt nach Hause geradelt, weil nichts einzukaufen war.

Das Grau riss sogar ein wenig auf.

Herr Kaltmamsell machte uns Frühstück (für ihn: spätes Mittagessen): Vier-Töpfe Eggs florentine. Er war sehr geknickt, dass ihm die Hollandaise missglückt war (Suppe), schmeckte trotzdem.

Schon beim Heimradeln hatte ein diesmal besonders heftiger Chlorschnupfen eingesetzt (die letzten Male hatte ich ihn nur ein bisschen gespürt) mit geschwollenen Schleimhäuten, Niesen, laufender Nase. Beim Schlafengehen brauchte ich sogar einen Stoß Nasenspray, um frei atmen zu können.

Nach dem Frühstück setzte ich Sauerteig fürs Brotbacken am Sonntagmorgen an, es sollte Graubrot geben, nach diesem Rezept, denn das Ergebnis hatte sehr attraktiv ausgesehen.

Vor allem aber buk ich die erste Charge Weihnachtsstollen nach Bäcker Süpke. Die Geh- und Backzeit nutzte ich zum Bügeln – war eigentlich für Sonntag geplant, doch ich Füchsin erleichterte mir die Last mit Vorarbeiten. Dachte ich, denn tatsächlich war beim Rausholen der Stollen aus dem Ofen alles weggebügelt.

Das Ganze machte ich mit Musik auf den Ohren, wieder mit dem Bruderfamilien-Mix auf Spotify. Und so holte ich ein bisschen die Musik der vergangenen 20 Jahre nach: Die Namen der Bands und Interpret*innen kannte ich alle, jetzt weiß ich auch, wie sich die Musik dazu anhört, z.B. Coldplay, Black Eyed Peas, Nelly Furtado, Soundgarden. Spannend fand ich, welche davon gefällig kommerziell klangen und welche gar nicht – in meiner Wahrnehmung waren alle ähnlich populär (gewesen?).

Bis zum Abendessen las ich Internet – und adoptierte bei Crowdfarming einen Avocadobaum (Lieferung Januar).

Als Aperitif gab es Whiskey Sour mit Saft von Meyer Lemon – das wird mein 4.-Welle-Drink (2. Welle war Russian Mule, 3. Welle am ehesten Maibowle). Herr Kaltmamsell hatte dafür sogar Zuckersirup gekauft, eigentlich hatten wir uns den verkniffen aus Sorge, ihn nie aufzubrauchen. (Ja, kann man selbst machen, habe ich einmal auch vor Jahrzehnten – doch der schimmelte vor lauter Seltenverwendung.)

Zum Nachtmahl gab es ein Curry. Ich hatte mir eines gewünscht, und da der Ernteanteil eine Sellerieknolle und Kartoffeln enthalten hatte, hatte Herr Kaltmamsell eines mit Sellerie und Kartoffeln erfunden. Schmeckte wunderbar, ohne Kartoffeln wäre es vielleicht sogar besser gewesen. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett, weil wir beide sehr müde waren.

§

Es ist ja nicht nur so, dass wir uns mit einer viel zu niedrigen Impfquote diese heftige vierte Welle als Land eingefangen haben, in dem der weltweit führende Corona-Experte forscht und in dem der weltweit wirksamste Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt wurde. Aus Deutschland stammt ja auch der erste Corona-PCR-Test, der uns verhältnismäßig milde durch die erste Welle gebracht hat. Dieser Artikel zeichnet die Entwicklung nach und die Rolle, die dabei Victor Corman spielte (sehr gründlich und sehr spannend – auch die Mechanismen internationaler Zusammenarbeit in der Virologie):
“‘Der Corman-Drosten-Test war eine Meisterleistung'”.

Journal Freitag, 19. November 2021 – Klare blaue Stunde, Wochenendfeiern

Samstag, 20. November 2021

Nacht war ok (nur dreimal aufgewacht, immer wieder nach nicht zu großer Pause eingeschlafen), hätte aber länger dauern dürfen: Der Wecker riss mich in große Vorfreude auf Ausschlafen am Wochenende. Geschäftiger Start: Spülmaschine ausgeräumt, Wäsche aufgehängt.

Auf dem Weg in die Arbeit querte im Westend vor mir ein rotes Eichhörnchen die Straße (bisschen dünn für so kurz vor Winter): Dieser Lächel-Auslöser funktionierte, noch ist nicht alles verloren.

Arbeit in der Arbeit, aber ich hatte ziemlich unangenehme Schmerzen an operierter Hüfte: Dumpfer, heißer Ruheschmerz im Sitzen wie im Stehen. (Der natürlich auch von der krummen Lendenwirbelsäule samt verrutschten Bandscheiben kommen kann, das Rumpeln in der LWS ist ja schon lange schmerzhaft.) Ich nahm nach Langem mal wieder eine Ibu, eine Stunde später waren die Schmerzen deutlich milder.

Frischer Haarschnitt festgehalten, damit ich ihn beim nächsten Friseurbesuch mit “so wie letztes Mal” vorzeigen kann (der Haarschneider weiß das ja nicht mehr).

Mittags gab es Pumpernickel mit Butter, Granatapfelkerne mit Joghurt.

Zäher Nachmittag, ich machte wirklich früh Feierabend. So kam ich in den Genuss des letzten Tageslichts, das auf dem Heimweg wunderschön und klar war, herbstliche hellblaue Stunde mit leuchtenden Farben.

Einkäufe im Vollcorner (Obst), daheim machte ich mich erst mal an den Teig für den ersten Gang des Abendessens: Ligurische Focaccia. Während der Teig ruhte, gönnte ich mir eine Runde Yoga. Dann Fertigstellung der Focaccia, als Füllung verwendete ich den jungen Ziegenkäse aus Crowdfarming gewürfelt, der sich als hervorragende Wahl erwies.

Dazu öffneten wir einen Weißwein, den Besuch uns aus Luxembuerg mitgebracht hatte: Fru Georges Schiltz Terraphon, von einem Weinberg, der nicht an der Mosel liegt, wie sonst fast alle Luxemburger Weine, sondern am Fluss Sauer.

In der Nase erst ein wenig Hefe, dann Aprikosenkompott, dann die Überraschung beim ersten Schluck: Der Wein ist lieblich! Damit ist er bei uns schon richtig, wir mögen beide durchaus auch nicht-trockene Weine. In diesem konkreten Fall war es für mich lediglich das Fehlen jeglicher Säure, das den Wein zumindest nicht zu meinem bevorzugten Begleiter zum Essen machte.

Zum Hauptgang servierte Herr Kaltmamsell ein ganz hervorragendes Entrecôte, dazu hatte er den Kerbel aus Ernteanteil zu Pesto verarbeitet.

Die deutsche Politik ist endlich über die Corona-Lage wirklich erschrocken. Jetzt werden milde Maßnahmen beschlossen (Zugangsbeschränkungen für Ungeimpfte, Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen), die vor zwei Monaten die jetzige Situation verhindern hätten können, so viel zu spät aber erst für die fünfte Welle relevant sind.

§

Die LGTBQ+-Community in Polen sieht sich immer schlimmerer Unterdrückung ausgesetzt: Sie wird von der Regierungspartei als “Feinde der Familie” diffamiert, ein neues Gesetz soll ihr sogar Demos verbieten.

Dagegen kämpft unter anderem, kreativ und mit Humor, das “Homokomando”, ein schwuler Sportklub. Sein Ziel: LGTBQ+ sichtbar machen.
“The street fitness movement defying Poland’s conservative mainstream”.

via @kscheib

Homokomando was founded in July 2019 with the specific goal of holding physical training sessions in public spaces for Poland’s LGBTQ+ individuals. Groups meet on a regular basis to work out together in major cities like Warsaw, Gdańsk, and Gdynia. Last August, Marcin Jaworek joined the Warsaw group, which always trains with a visible rainbow flag.

Journal Sonntag, 14. November 2021 – Lamm-Quitten nach Müllunglück

Montag, 15. November 2021

Wirklich lang geschlafen (also bis ACHT!). Das war dem späten Zu-Bett-Gehen eigentlich angemessen, doch meist klappt das nicht.

Vormittags buk ich Raumduft Gewürzkuchen, der Jahreszeit angemessen.

Ich hatte Lust auf Bewegung, doch das Wetter war ausgesprochen unfreundlich: Regnerisch und kalt. Also packte ich Sportsachen und ging im Verein ein Stündchen auf den Crosstrainer, interessante Musik aus dem Familienmix der Bruderfamilie auf den Ohren. Die Sporthalle unter mir war leer und bot keine interessanten Einblicke, ich hatte trotzdem Spaß und schwitzte ordentlich.

Zurück daheim ausführliche Körperpflege, dann entkernte ich für Frühstück und Montagsbrotzeit zwei Granatäpfel. Als ich den Müllbeutel mit unter anderem den Abfällen des Granatapfels zum Wegwerfen aus dem Eimer hob – riss er. Das ist mir original noch nie passiert.

Was für eine Sauerei. Ich hätte gerne ein paar Minuten durchdringend gebrüllt. Hatte ich erwähnt, wie unpraktisch dieser klein gemusterte Küchenboden ist? Spätestens gestern hätte ich es beim Auffegen des verstreuten Kaffeesatzes von einer Woche gemerkt. Es hat gute Gründe, dass Großdieselschiffsmotoren in hellen Farben lackiert sind (ich habe sogar welche in Weiß gesehen, und eine große Kreuzfahrt-Reederei bestellt sie immer in Kanarienvogel-Gelb): Man sieht Leckagen sofort und kann so die Ursache gleich beheben. Küchenböden seien hiermit die Schiffsmotor-Lackierung der Wohnung!
(Später beim Kochen lustiges Suchen eines Würfelchens Zwiebel, das mir vom Schneidebrett gesprungen und auf dem Boden sofort unsichtbar geworden war. GRRRRR!)

Oder ich mache ein Food-Blog-Stöckchen daraus, wie ein Kommentar auf instagram vorschlug? Leert eure Müllbeutel auf den Boden und machte ein Foto davon? Neue Karriere als Müllfluencerin?

Nach einer halben Stunde Fegen und Putzen inklusive Fege- und Putzgeräteputzen setzte ich mich um drei endlich zum Frühstücken. Es gab eine Semmel vom Vortag mit Ziegenkäse und Quittengelee, außerdem Granatapfel mit Joghurt und Mohn.

Das Tageslicht gab bereits wenig später auf und entschied sich für Abenddämmerung. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen gesellige Frühstücke dauerten, bis es dunkel wurde. Das war aber anders.

Ich hatte Rote Bete aus Ernteanteil gekocht, jetzt machte ich daraus einen Salat mit Joghurt, Kreuzkümmel und frischem Koriander: Brotzeit für mindestens Montag. Außerdem kuvertierte ich den Gewürzkuchen. Herr Kaltmamsell kam von einem Kinobesuch heim.

Eigentlich hatte ich geplant zu bügeln, der Berg ist über die vergangenen Wochen ganz schön gewachsen. Aber dann wäre ich nicht zum Lesen der Wochenendzeitung gekommen, bevor ich mit dem Kochen des Abendessens beginnen wollte. Ich setzte Prioritäten: Bügeln verschoben, Zeitung gelesen.

Ans Kochen machte ich mich zusammen mit Herrn Kaltmamsell: Es sollte Lammhack mit Quitten nach Ottolenghi geben, diesmal habe ich das Rezept aufgeschrieben.

Im Original werden Quittenhälften mit dem Lammhack gefüllt, doch es ist sehr mühsam, die harten Quittenhälften auszuhöhlen, und es bringt geschmacklich nichts. So schmeckte es auch gestern ausgezeichnet. Nachtisch Gewürzkuchen.

Beim Internetlesen ließen wir im Fernsehen Black Panther laufen, die Afro-Hightech-Ästhetik des Films haut mich immer noch um.

§

In puncto Impfpflicht war ich bislang unschlüssig, konnte Nutzen und Schaden nicht einordnen. Mai Thi Nguyen-Kim hat mich davon überzeugt, dass sie deutlich mehr bringen würde.

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https://youtu.be/KEggd1S9_9Y

“Torwarte nützen nix, denn bei 99% der Tore war ein Torwart da,” nehme ich mir als Beispiel mit für die Irrationalität von “Impfen nützt nichts, denn man kann sich trotzdem infizieren”.


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