Essen & Trinken

Journal Dienstag, 8. September 2026 – Hitzeabschluss im Melina

Mittwoch, 9. September 2026

Mehrfach unterbrochene Nacht, es war wieder viel Brüllens im Nußbaumpark, aber dazwischen schlief ich gut.

Angekündigt war der letzte Hitzetag. Ich schlüpfte nochmal in die alte Sommer-Tunika aus der Zeit früherer Körperformen mit zwei Kleidergrößen mehr – und hatte dann doch den Verdacht, dass es nicht oversized aussieht, sondern einfach zu groß. Wird aussortiert.

Die Luft auf dem Marsch in die Arbeit war mild.

Stand des Oktoberfestes, jetzt ist Karussellaufbau.

Nochmal ein Sommerferienblick auf die Gollierstraße.

Eng getakteter Arbeitsvormittag, bald hatte ich Stress-und-Ärger-Kopfweh. Ging mit Ibu weg.

Mittags brauchte ich dringend meinen Marsch um die Blöcke. Es war mittlerweile tatsächlich warm an der Grenze zu heiß.

Brotzeit am Schreibtisch: Feigen, Birne, Quark mit Zwetschgenröster (Hälfte des letzten Glases, das Herr Kaltmamsell aus der letztjährigen Ernte gekocht hatte).

Highlight des Nachmittags: Kaffee mit Kollegin. Jetzt drangen die unangenehm hohen Temperaturen bereits bis ins Büro, für den einen Tag hatte man wohl die Kühldecken nicht extra angeworfen.

Abendprogramm: Mit Herrn Kaltmamsell nutzte ich den angekündigt letzten Sommertag für einen noch offenen Punkt auf unserer Sommerunternehmungsliste: Abendessen im Melina (war die vorhergehenden drei Wochen geschlossen gewesen). In jahrzeitlich viel zu heißer Luft spazierten wir zu unserem reservierten Tisch.

Einmal kalte und warme Vorspeisen für zwei, ich hatte auch große Lust auf Wein und bestellte Roditis. Sehr zufriedenstellendes Abendessen. Nachtisch aufs Haus ein wenig griechischer Joghurt mit Honig und Walnüssen. Wir spazierten durch die anhaltende Hitze langsam heim, dort noch Schokolade.

Auch beim Zu-Bett-Gehen war es draußen noch deutlich wärmer als drinnen, die Fenster blieben zu.

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Herr Southpark schwimmt viel und reichte in seinem aktuellen Blogpost eine Schwimmstil-Bezeichnung an, die mir bislang fehlte:
“Rücken-Ruderboot”
Den Stil kenne ich von Schwimmbahnen (und fürchte ihn, vor allem beim Überholen), bislang war mir aber kein Wort dafür eingefallen.

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Die Anstalt erklärt nochmal, warum Wohnen in so vielen Teilen Deutschlands unbezahlbar ist.

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https://youtu.be/Q3rJzvt2Hh0?si=XozfEHG-88OGxj2O

Journal Sonntag, 6. September 2026 – Freibadende

Montag, 7. September 2026

Weniger lang geschlafen als nötig gewesen wäre, das aber gut.

Aufgestanden zu Sonne, aber kühler Luft. Angekündigt war allerdings nochmal Wärme, also stellte ich mich nicht nur auf Schwumm im Dantebad ein, sondern auch auf ein letztes Auskosten der Freibadwiese mit Sonnenbad.

Nach Langem hatte ich mal wieder Lust auf Radeln, das Draußen wirkte sonntäglich ruhig genug für minimales LALÜ-Risiko. Ich nahm die schönere Strecke über Hackerbrücke, Nymphenburger Straße, Gern, genoss das Radeln tatsächlich.

Die spärlich bestückten Radlständer vorm Dantebad täuschten: Hochbetrieb in der Sammelumkleide, Hochbetrieb auf den Schwimmbahnen. Im Becken wurde es zwar mit der Zeit etwas ruhiger, aber nicht ruhig genug für gedankenverlorenes Schwimmen: Dafür waren zu viele schwer einschätzbare Co-Schwimmende in stark schwankender Geschwindigkeit unterwegs. Doch ich hatte mir 3.300 Meter vorgenommen, um möglichst viel Sonnenglitzer mitzunehmen, also wurden 3.300 Meter durchgezogen. Mein zwickendes Kreuz hatte ich wieder vorsorglich mit Ibu ruhig gestellt, wieder funktionierte das.

Die Perspektive amüsiert mich immer wieder.

Auch das geplante Sonnenbad funktionierte auf wiederergrünten Grashalmen zwischen hauptsächlich nackter Erde, die Temperatur war genau richtig für Genießen der wärmenden Sonne.

Ab Mittag schaute ich von allen Medien weg, wirklich allen: Das Ergebnis der Landtagswahl Sachsen-Anhalt und wie viele Wähler*innen dort die Welt brennen sehen möchten, würde ich abends auch noch erfahren, aber mittlerweile ekelten mich zum wahrscheinlichen durchschlagenden AfD-Sieg sachliche Lagebefunde und Futur-Zwei-Essays genauso an wie geifernde Apokalyptik.

Zurück radelte ich auf derselben hübschen Route, allerdings in konsequenter roten Welle für den Fahrradverkehr von Stopp an Kreuzung zu Stopp an Kreuzung. Zumindest komplett ohne von einem LALÜ! vom Radl gefegt zu werden!

Frühstück kurz vor halb drei: Zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Brot aus der Gefriere, eine mit Butter und Tomate, eine mit Butter und Orangenmarmelade.

Ausführliche Zeitungslektüre auf dem Balkon, dann ging ich endlich den Bügelberg an, der sich seit unserem England-Urlaub angehäuft hatte. Der Spaß daran war übersichtlich, aber ich freute mich am begleitenden Musikhören.

Weitere Häuslichkeiten, eine Runde Yoga. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den wirklich reichlichen Ernteanteil-Spinat als persischen Spinatjoghurt.

Wieder ganz hervorragend. Herr Kaltmamsell recherchierte dem Rezept ein wenig hinterher und fand unter anderem heraus, dass es eigentlich mit Safran gewürzt wird statt mit Kurkuma – klingt gleich viel persischer. Nächstes Mal.

Nachtisch erstmal Zwetschgendatschi (am Samstag bei Frau Schwieger mitbekommen) mit Sahne, dann Schokolade.

Die Aussicht auf eine weitere Arbeitswoche war ausgesprochen niederschlagend, sie würde mindestens zwei besonders bedrückende Faktoren enthalten. Aber irgendwie muss ja die Miete reinkommen.

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Ausführliches Feature über eine Gegend, neben der ich groß geworden bin, die wir auch in der Schule durchgenommen haben – und die jetzt eine ganz neue Bedeutung bekommt: Das Donaumoos.1
“Alle wollen sie Moor”.

  1. Nein, es geht nicht um die dortigen Dorfdiscos als Drogenumschlagplatz. Auch nicht um die Landstraßen, die so schnurgerade sind, das in jeder noch so kleinen Kurve ein Marterl steht, weil sich dort garantiert jemand derrennt hat. []

Journal Freitag, 4. September 2026 – Griechischer Abend daheim

Samstag, 5. September 2026

Die Nacht war ok, dennoch drückte mich am Morgen und Vormittag Müdigkeit gen Boden.

Die Luft draußen unter Wolken mild, wie schon am Abend zuvor roch sie herrlich nach Sommerabschied, aber noch fast ohne Herbst.

Nach der Zeitung sah ich erst gar nicht: Am Donnerstag hatte mich der Abo-Service der Süddeutschen mit der Information kontaktiert, dass ihr für die Zustellung ins Haus “kein Haustürschlüssel mehr zur Verfügung” stehe. Da sich am Schloss nichts geändert hat, wurde der Schlüssel wohl einfach verschmissen. Man bat mich für einen neuen Schlüssel um Kontakt zur Hausverwaltung. Mal wieder stehe ich vor der Entscheidung, ganz auf das (deutlich günstigere) Digital-Abo zu wechseln. Die Papier-Ausgabe leistete ich mir ja vor allem, um in der Mittagspause im Büro ein deutlich sichtbares Signal für *Bitte nicht stören, ich habe Pause* auf dem Schreibtisch zu haben, beim Online-Lesen im Urlaub vermisste ich eigentlich nichts. Ich verschob die Entscheidung und gab erstmal den Kontakt zur Hausverwaltung weiter (die seit ein paar Monaten eine in Stuttgart ist).

Im Büro einige Stunden hochkonzentrierte Termin- und Reiseplanung. Im Verlauf zeichnete sich bereits ab, dass ein dringender Spezialwunsch auf einem Irrtum basierte, aber dann plane ich halt nochmal neu, kriege ich ja alles bezahlt.

Mittagscappuccino aus der in-house Cafeteria, weil ich die eigentliche Mittagszeit für Einkäufe nutzte: Ich hatte mir fürs Abendessen von Herrn Kaltmamsell Lamm mit Kritharaki gewünscht, im unweit gelegenen großen Griechenladen Omilos besorgte ich dafür Käse Kefalotiri und dazu griechischen Weißwein.

Wie angekündigt war es unter jetzt wolkenlosem Himmel heiß geworden; auf dem Hinweg wärmte ich mich noch gerne in der Sonne von der Kühlschrankkälte des Büros, zurück war ich bereits um den kräftigen Wind froh.

Zu Mittag gabe es vom vorabendlichen Bulgursalat sowie zwei mehlige Plattpfirsiche.

Halbwegs geordneter Arbeitsnachmittag, freitäglich pünktlicher Feierabend. Meinen Heimweg legte ich nochmal über den Stachus: Die Fotoautomatenfirma hatte mich freundlicherweise informiert, dass zumindest eines der beiden Geräte wieder benutzbar war.

Auf dem Weg nutzte ich Schatten, es war zwar nicht extrem, aber doch unangenehm heiß – ich genoss vor allem das Sommerlicht.

Fotoautomatenerfolg!

Im Bodyshop fragte ich nach Resten des diesjährigen Sommer-Specials “White Tea and Elderflower”, dessen Duft mir besonders gut gefallen hatte: Vom Duschgel hatte ich noch reichlich, doch die Körpercreme dazu würde nicht bis Ende Duschgel reichen, und ich mische ungern Düfte. Leider gab es keine Creme mehr, ich werde halt die fast neutral riechende Oliven-Creme kombinieren.

Zu Hause duftete es bereits wundervoll nach Abendessen, ich stellte den Wein kalt. Eine längere Runde Yoga geturnt, meine aktuell verschärften Kreuzschmerzen rechts überging ich einfach.

Jetzt aber Wochenend-Alkohol!

Herr Kaltmamsell hatte unter Verwendung eines neu eingetroffenen Birnenschnapps einen Daiquiry geschüttelt – gut!

Zum Essen öffnete ich einen kretischen Vidiano Zacharioudakis 2022 (ausgesucht, weil autochthone kretische Rebsorte), der uns gleich mit ganz eigenen Noten begeisterte: Kräuter und Mineralisches in der Nase, Röstaromen im Mund. Ich will herausfinden, in welchem griechischen Lokal in München man Weine ernst nimmt und ich mehr probieren kann (sollten Sie eines wissen, freue ich mich über Tipps an die Kontaktadresse links).

Zum Festhalten: So weit südlich geht derzeit schon wieder die Sonne unter – im Höchstsommer verschwindet sie erst nach Wanderung über das Gebäude rechts.

Herr Kaltmamsell hatte das Giouvetsi im Schnellkochttopf gemacht, es wurde mit würziger Sauce und zartem Lamm hervorragend.

Nachtisch zu viel Schokolade.

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Erst hielt ich überhaupt für einen Scherz, dass Wolfgang Herrndorfs Blog Arbeit und Struktur verfilmt werden soll. Als dann noch jemand erwähnte, Herrndorf werde von Sandra Hüller gespielt, schmiss ich mich weg vor Lachen – das konnte nur Satire Marke Postillon sein.
Seit gestern lache ich nicht mehr.
“Biopic ‘Arbeit und Struktur’
Sandra Hüller spielt Wolfgang Herrndorf”

(Dabei hätte ich Hüller ja eher als Kathrin Passig gesehen EMOJI MIT SCHRÄG RAUSGESTRECKTER ZUNGE UND VERDREHTEN AUGEN)

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Solche Überriech-Wesen wie ich wussten es schon immer, mussten aber durch Rüffel lernen, dass “alt” immer als Herabsetzung ankommt, und behielten fortan ihre Wahrnehmung bei sich.
“Do people really smell different as they get older? The truth behind ‘old person smell’”.

Baby-Fans schwärmen doch auch vom Baby-Geruch: Wenn Menschen am Lebensanfang erkennbar so riechen, dazwischen vom Raubtierkäfig-Odeur einiger Teeanger die Rede ist – liegt doch nur nahe, dass man auch alten Menschen die Lebensphase anriecht.

Experts say that we do smell different as we age. “It’s one of the most universal, least talked-about parts of being human,” says Dr Roya Javid, a dermatologist in Monterey, California. “It’s just biology, unfolding on schedule, the same way we grow taller, then our hair goes gray. Every single person on the planet goes through these same transitions.”

(…)

“Our skin is coated in a thin layer of natural oils called skin lipids. They keep skin soft, waterproof and protected,” she says. Those lipids are made up of fatty acids, and as we age, the fatty acids change in composition. At the same time, the skin’s ability to fight off every day wear-and-tear slows down. The oils are more exposed, and when they break down through oxidation, they release 2-nonenal.

Deshalb irritierte mich während des Studiums sehr, dass ich an einer jungen Kommilitonin Altmenschengeruch wahrnahm. Später erfuhr ich, dass sie wegen eines Herzleidens Medikamente nahm, die man üblicherweise erst im hohen Alter benötigt; leider erreichte sie dieses erst gar nicht, sondern starb früh.

Journal Mittwoch, 2. September 2026 – Existenzlinderungen

Donnerstag, 3. September 2026

Gute Nacht, wenige Minuten vor Weckerklingeln aufgewacht, dennoch war ich am Vormittag bleiern müde.

Wolkenloser Morgen, doch bald zog der Himmel zu.

Emsiger Vormittag, ich freute mich über den Marsch in kühler, frischer Luft auf einen Mittagscappuccino.

Mittagessen einmal durch den Obstkorb: Banane, Feigen, Flachpfirsiche, Mangos. Und ein paar Nüsse als Substanz in der Hoffnung, dass die Sättigung anhält. Funktionierte ganz gut, ich bekam erst nach Stunden wieder Hunger. Nachmittag dennoch mit immer weiter sinkender Stimmung.

Auf dem Heimweg Phantasien von Selbstauflösung, einfach ins Nichts, in Luft (die habe ich seit Kindertagen). Was gemeinerweise halt nicht geht.

Einkäufe beim Vollcorner. Zu Hause nur kurzes Auspacken und Waschmaschinefüllen, fürs Abendessen war ich mit Herrn Kaltmamsell aushäusig verabredet: Wir fuhren mit der Tram zum Müller’schen Volksbad in die Rustikeria.

Zu meiner Erleichterung bekamen wir auch ohne Reservierung einen Platz (ich hätte aber einen Plan B gehabt).

Es gab Drinks (ich erinnerte mich, dass ich hier die alkoholfreien besonders mochte) und schwer auszusprechende Schiacciata.

Für mich mit Grillgemüse und Mozzarella, ganz hervorragend. Das und die Erzählungen von Herrn Kaltmamsells Überlegungen zu seinen kürzlichen Lektüren (Ilias, Odyssee, Terry Pratchett) versöhnten mich ein wenig mit dem Existierenmüssen.

Dazu Aussicht.

Tram nach Hause, dort zum Nachtisch Schokolade.

Ins Bett mit Laufplänen für den nächsten Morgen: Wenn ich nach Lerchenschwumm um kurz vor halb zehn in die Arbeit kommen kann, geht doch noch eine Laufrunde spät genug für genügend Morgenlicht. Mal sehen, wann mich das an den Schreibtisch lässt, derzeit dürfte morgens nichts anbrennen.

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Die Recherchen der Tagesschau-Redaktion ergeben: Bundeskanzler (!) Friedrich Merz hat hauptsächlich Schmarrn geredet:
“Das Interview mit Merz im Faktencheck”.

Das Schlimme ist: Ich vermute bei Merz weniger Manipulationsabsicht als echte Unkenntnis. Mein Bild von ihm: Er liest so gut wie keine Unterlagen und Informationen aus erster Hand, sondern verlässt sich auf das vage Reporting seiner Entourage. Doch wenn es stimmt (leider lässt sich das belegen), dass Wahlentscheidungen und politische Ansichten mehrheitlich eh nicht auf Fakten fußen, macht Merz ja auch nichts falsch.

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Der ADFC führt wieder seinen Fahrradklima-Test durch, “Wie fahrradfreundlich ist dein Ort?”: Je mehr Radler*innen daran teilnehmen, desto aussagekräftiger, diesmal mit Extra-Befragung von Jugendlichen – vielleicht mögen Sie auch?

Journal Montag, 31. August 2026 – Rückkehr der rohen Karotte

Dienstag, 1. September 2026

Wow, welch turbulente Nacht. Diesmal brauchte ich nicht mal äußere Einflüsse: Wüste Träume und die Samba im Bauch, die Radieserln, Frühlingszwiebeln und Schnittlauch aus Okroschka tanzten, reichten völlig. Als der Wecker klingelte, war ich einerseits froh um das Ende der Nacht, andererseits völlig benommen.

Ich stand zu nassen Straßen auf, aber zu milder Luft.

Unerwartet zackiger Arbeitsvormittag. Ich schaffte es dennoch mittags auf einen Marsch um die Blöcke, jetzt war die leicht windige Luft unter wenigen Schäfchenwolken am blauen Himmel perfekt für tiefes Durchschnaufen.

Zu Mittag gab es nochmal rohe Karotte (RISIKO!), dann restliches Wassermelönchen und Skyjolei. Wieder kein Bauchweh von der rohen Karotte – vielleicht war das nur eine mehrjährige Phase? Es würde mich sehr freuen, denn ich esse sie wirklich gerne.

Highlight des Arbeitstags: Neue Kopfhörer. Ich benutzte immer noch die allerersten, die noch vor Corona bei der Umstellung auf Computer-Telefonie verteilt wurden (und habe das Naturell von Schlachtrössern, die jedes Equipment bis zum letzten Hansaplast-Flicken benutzen – wobei ich darauf echt nicht stolz bin, sondern mich immer mehr wie eine Plastiktüten-bügelnde Greisin fühle). Jetzt bröselte der Schaumstoff am einzigen Hörer, und nachdem meine Recherchen ergeben hatten, dass der Schaumstoff-Überzieher nicht auswechselbar war (geplante Obsoleszenz!), bestellte ich halt neue Kopfhörer. Seit gestern telefoniere und höre ich STEREO! Mal sehen, ob die bis zur Rente halten – oder ich irgendwann noch KABELLOSE erlebe.

Währenddessen verfolgte Herr Kaltmamsell das angekündigte DHL-Auto, das meinen Pulli nochmal geladen hatte, zum Teil auch in Echt und zu Fuß. Mit Erfolg, er passte den Wagen vor unserem Haus ab! Und jetzt weiß ein weiterer Paketbote, dass es an unserem Eingang Klingeln an ZWEI Seiten der Tür gibt.

Nach Feierabend genoss ich die wunderbare Spätsommerluft und die Sonne. Auf dem Weg nach Hause stockte ich bei Aldi unsere Schokoladenvorräte auf. Gründlich.

Daheim eine angenehme Runde Yoga, langsam löste sich meine zur Faust geballte Hüftgegend.

Lesen auf dem Balkon bis zum Abendessen: In der Münchner Stadtbibliothel war ein bestelltes Buch verfügbar (Lukas Rietzschel, Sanditz), wie praktisch, dass ich gerade ein Literatur-Magazin las, das ich zwischen zwei Texten einfach unterbrechen konnte.

Fürs Nachtmahl war Herr Kaltmamsell wieder einer Bitte von mir gefolgt und hatte ein Rindergulasch im Schnellkochtopf zubereitet.

Ganz hervorragend!

Nachtisch sehr viel Schokolade.

Im Bett Start der neuen Lektüre; Sanditz überraschte mich mit einem nicht-realistisch erzählten Beginn.

Journal Sonntag, 30. August 2026 – Nymphendrama am Feigenbäumchen

Montag, 31. August 2026

Geben Sie zu: Die Überschrift ist der Knaller, oder?

Ganz wunderbar und lang geschlafen, ach war das schön.

Der Morgen sonnig und sehr frisch, doch da jetzt jede Gelegenheit die letzte für diesen Sommer sein könnte, setzte ich mich für meinen Morgenkaffee auf den Balkon.

In Socken und Wolljacke war mir auch warm genug.

Ausführliches Bloggen, am Vorabend hatte ich lediglich die Bilder vom Handy überspielt und benamst.

Am Vortag hatte ich an der reifsten Feige des rechten meiner beiden Topffeigenbäumchen (nur das trägt Früchte) mindestens ein Dutzend kleiner schwarzer Insekten entdeckt.

Jetzt machte ich davon Fotos, schickte sie meiner gründaumigen Mutter und fragte sie und mein Mastodon um Rat. Dadurch bekam ich den Tipp, dass es sich um die Nymphen von Baumwanzen handelt, die uns seit einigen Jahren eh ziemlich unangenehm belästigen. Sind wohl sehr widerstandsfähig, auch gegen Pestizide, deshalb der Rat: Töten! Ich legte ein Blatt Küchenkrepp bereit, und ab dann wurden sie bei Sicht zerquetscht (gruslige Erinnerungen an Kartoffelkäfereier-Zerquetschen in meiner Kindheit).

Plan für die Nutzung des schönen, aber nicht heißen Wetters: Laufrunde, ich wollte mal wieder den Hofgarten und den nördlichen Englischen Garten an der Isar sehen.

So oft wie heuer trug ich die kurze Laufhose noch nie (und schere mich wirklich nahezu gar nichts darum, dass man darin die altersgemäße Gewebestruktur meiner Oberschenkel sieht).

Wetter wirklich nahezu perfekt, in der Sonne um die Mittagszeit einen Tick zu warm, doch es ging ein angenehmer Wind. Mein Körper freute sich über die Unternehmung allerdings nicht so sehr wie mein Gemüt: Die ganze Mitte fühlte sich eng geballt wie eine Faust an, Hüften, LWS, Sitzbeinhöcker hielten die Luft an und ließen sie nicht mehr raus.

Da waren sie schon, die Verräterinnen des Sommers: Herbstzeitlose, und nicht zu knapp.

Doch sonst sagten die Farben der Uferauen noch unmissverständlich: Sommer.

Gut 110 Minuten gingen auch mit geballter Hüfte, mind over matter, wenn ich doch nur an Wochenenden dazu komme.

In der Tram nach Hause mehr Sommer: Eisbachschwimmer*innen (wer in Badekleidung ist, muss auf dieser Strecke keine Fahrkarte vorzeigen, manchmal habe ich München schon sehr lieb).

Zu Mittag aß ich gegen zwei selbstgebackenes Brot, einmal mit Butter und Schinken, einmal mit Butter und Tomate. Dann noch eine Textil-Mango.

Gemächlicher Nachmittag mit Siesta und Lesen auf dem Balkon.

Bei der erneuten Nymphenjagd an der Topffeige neben dem Balkontisch passierte Herrn Kaltmamsell ein Ungeschick mit weitreichenden Räum- und Reinigungsfolgen – wie bereits am Vorabend, als ein solches den Beginn unseres Abendessens verzögert hatte. Wieder waren wir beide sehr froh, dass es ihm passiert war und nicht mir, denn der Herr hat die charakterliche Größe, tatsächlich einfach nur zu Räumen und Reinigen, ohne zu zürnen, zu zetern und sich selbst zu beschimpfen – anders als andere Haushaltsangehörige.

Eine Einheit Yoga, meine Hüftregion immer noch geballt.

Herr Kaltmamsell servierte einen weiteren Punkt von der Sommerliste: Okroschka (mit Räuchertofu), sehr, sehr gut.

Nachtisch eine Sensation aus dem Kartoffelkombinat: Wassermelone. Nicht unsere erste, aber ich bin immer noch total geflasht. Weiterer Nachtisch Süßigkeiten.

Wohnungsräumen für den Putzmann-Einsatz am Montag und für meine Arbeitswoche, früh ins Bett zum Lesen.

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Für mich sehr bewegend:
“Wie die erste Bar Mizwa in Ermreuth nach 110 Jahren gelingt”.

Journal Samstag, 29. August 2026 – Wie man einmal am Viktualienmarkt richtig nett zu mir war / Wandern von Gauting über Starnberg nach Possenhofen

Sonntag, 30. August 2026

Okaye Nacht, aber müde aufgestanden – zumindest zum versprochenen wolkenlosen Sonnenschein mit kühler Luft, zu kühl für Morgenkaffee auf dem Balkon. Was wiederum wunderbar zu meinen Wanderplänen passte (Herr Kaltmamsell musste wegen doofer körperlicher Unpässlichkeit passen).

Erstmal kümmerte ich mich ums Brotbacken. Der Teig fürs Roggenmischbrot 70/30 entwickelte mords Aktivität, ich befürchtete bereits Übergare und Flachbrote mit Wasserrand.

Ging im Ofen aber nochmal auf –

und erwies sich beim Anschnitt am Abend als sogar besonders fluffig.

Vor Aufbruch zum Wandern ging ich auf eine kurze Einkaufsrunde zum Viktualienmarkt: Ich wünschte mir nach dem Wandern zum Abendessen eine Brettlbrotzeit, dann halt daheim, und für Exotisches wie Presssack zwingt mich das Metzgersterben der vergangenen Jahre in der Innenstadt zur Metzgerzeile.

Aufstieg ans Sendlinger Tor.

In der Metzgerzeile konnte ich meine Einkaufsliste leerkaufen, und wenn ich schonmal da war, schaute ich auch nach einem Gartenblumenstrauß.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich kein gutes Verhältnis zum Münchner Viktualienmarkt habe: In meinen ersten München-Jahren hat man mich einmal zu oft ‘pratzelt (Hochdeutsch: übers Ohr gehauen), und in den vergangenen Jahren gibt es immer weniger interessante Stände, der Markt wird wie seine internationalen Pendants Boqueria in Barcelona und Borough Market in London von der Quelle für gute und saisonale Zutaten immer mehr zur Snackeria für Touristen. Und das zu den legendär absurden Preisen, die auf dem Viktualienmarkt aufgerufen werden (gestern kam ich an Renekloden mit Preisschild 16,99 Euro fürs Kilo vorbei).

Doch ich fand das Standl einer lokalen Gärtnerei (auf der Freifläche ohne hölzerne Hütten – dorthin gehe ich eh noch am ehesten auf der Suche nach saisonalem Obst und Gemüse), daran viele Kübel mit frischen Astern in Rosa- und Lilatönen, hier stellte ich mich hinter die eh nur zwei Kunden vor mir. Und bekam ein so charmantes Viktualienmarkt-Erlebnis wie noch nie. Nach mir kam erstmal niemand, Herr Standler und Frau Standlerin konzentrierten sich ganz auf mich.

Gebunden war erst ein Asternstrauß, weil ich doppelt so viele wollte, band mir Frau Standlerin meinen frisch: “I tua Eana des ganze Grüne glei weg, des is doch sonst immer so a Sauerei in da Küch.” Und wir plauderten, über ihre Freude, hier mit ihrem Onkel zu arbeiten, über die schönen Astern, die dieses Jahr wegen der Hitze nicht so hoch wuchsen wie sonst, über Anbau und Wetter. Während mein Asternstrauß sorgfältig und mit Hingabe gebunden wurde, kam eine greise Kundin hinzu und schaltete sich ein, fragte nach Details der Standl-Arbeit seit Jahrzehnten, bekam gutmütge Antworten, es wurde mit einem Passanten über die Schönheit von Standler*innen und Kundschaft gescherzt.

Resultat: Ich bekam einen mächtigen, wunderschönen Strauß Astern, in den Herr Standler noch eine Karotte steckte, ein paar beim Binden abgefallene Asternköpfe (“Kenna’S in ara Schale tua.”) eigens in Zeitung eingewickelt und den Abschiedsgruß “Beehren’S uns bald wieder!”, der von Herzen klang. Ich war völlig verwirrt. (Und plane tatsächlich einen baldigen gezielten Einkauf dort.)

Als Wanderziel wünschte ich mir die Strecke Gauting-Starnberg, die ich noch nicht aus dem Hochsommer kannte, mit Erweiterung Prinzenweg nach Possenhofen. Zur passenden S-Bahn nach Gauting schaffte ich es nach Abladen meiner Einkäufe nur durch zackigen Marsch; die paar Minuten Verpätung kamen mir grad recht. Merke: Wenn in der MVG-App “München Hauptbahnhof, Gleis 2” angegeben ist, handelt es sich um den S-Bahnhof im Untergeschoß; die Gleise des südlichen Flügels Holzkirchner Bahnhof starten bei Nummer 5.

Das Wanderwetter war perfekt mit Sonne und lediglich milder Temperatur. Dennoch suchte ich auch gut sonnengecremt den Schatten. Der Körper beschwerdefrei, die Landschaft sonnenbunt. Dennoch dauerte es diesmal sehr lange, bis mir das Wandern half runterzukommen, eigentlich spürte ich erst in der letzten Stunde ab Starnberg die ersehnte Leichtig- und Fröhlichkeit.

Dieser GPS-Track führt ja erstmal eine ganze Weile durch Gauting selbst, hat mir ganz bezaubernde Schleichwege verraten.

Man kreuzt ein paarmal die Würm auf Holzbruckerln. Auf einem blieb ich stehen und suchte in der Würm nach Fischen (erfolgreich), als eine andere Bruckerl-Guckerin mir zurief: “Da sitzt ein Eisvogel!” Ich folgte ihrer ausgestreckten Hand und sah ihn von einem Ast auffliegen. Wie wunderbar! Ich dankte herzlich – so macht man das nämlich, man gibt besondere Sichtungen weiter (ich war verunsichert gewesen, weil ich schon mehrfach irritierte Blicke darauf geerntet hatte).

Reismühle

Verzauberter Weg entlang der Würm. Ich sah eine Weile einer Wasseramsel zu, die an einem bemoosten Ast herumpickte, dabei entzückend knickste.

Weg von der Würm Richtung Leutstetten, erster Blick auf den Starnberger See, einst Würmsee.

Nach gut zwei Stunden erstes Ausruhen auf einem Bankerl an der Villa rustica; Appetit hatte ich noch keinen. Über den Wiesen hörte ich erst und sah dann zwei Bussarde Thermik-kreisen.

Unterführung nach Perchta, am Uferweg nach Starnberg.

Hier war reger Besucherverkehr, aber noch weit vor Überlaufenheit. Dennoch bekam ich für meinen verspäteten Mittagscappuccino keinen Platz am Tisch (zugegeben: weil ich mich nirgends dazusetzen wollte).

Hoch zum Prinzenweg, Blick zurück auf Starnberger See im Sommerlicht.

Brotzeitblick, kurz nach drei setzte ich mich zur großen Pause. Die geschenkte Karotte hatte ich gleich eingesteckt; eigentlich vertrage ich seit einiger Zeit rohe Karotten nicht und bekomme Bauchweg davon, doch in meinem Grant beschloss ich, es einfach nochmal zu probieren. Wenn ich davon Bauchweh bekam, geschah es mir gerade recht, und der Hunger wäre trotzdem weg, und wenn nicht – umso besser. Ich greife vor: kein Bauchweh, ich könnte es also mal wieder versuchen. Außerdem aß ich mitgebrachte Mango mit Sojajoghurt.

Prinzenweg

Nach den Birkengeschwistern, die mir vor vielen Jahren beim ersten Vorbeiwandern von der Maisinger Schlucht aufgefallen waren, hielt ich gezielt Ausschau: Sie wirkten sehr krank, wie so viele Birken dieses Jahr. Dabei wirkte die Landschaft, durch die ich gestern wanderte, gar nicht ausgedörrt.

Nach knapp fünf Stunden Wanderung kam ich am S-Bahnhof Possenhofen an. Einige durchgesagte Zug-Ausfälle (Weiche, Stellwerk, Diesdas), doch nach einer halben Stunde Warten fuhr mich eine zurück nach München. Ich fühlte mich gut durchbewegt und angemessen körpermüde.

Zu Hause Räumen, Körperpflege, bis Herr Kaltmamsell von letzten Einkäufen zurück kam. Wir einigten uns als Alkohol des Abends auf Cuba libre, der mich wieder beim ersten Schluck in mein Jugend-Spanien beamte.

Den Abendessenstisch deckte ich mit einem Teller verschiedener Käsen, einem Teller Pressack rot und weiß, Schweinskopfsülze, schwarzgeräuchertem Schinken, frischem Brot, Butter, Tomaten. Sehr gutes German Abendbrot.

Abendunterhaltung: Die Dolly-Parton Doku “Everybody’s Darling” in der arte-Mediathek.