Essen & Trinken

Journal Montag, 24. Juni 2019 – Gerichtssaal statt Freibad

Dienstag, 25. Juni 2019

Den gestrigen Urlaubstag hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Es war ein heißer Tag angekündigt (nachdem ich am Vortag im elterlichen Garten schlagartige Hitze erlebt hatte, zweifelte ich trotz kühlem Morgen – zu kühl für Balkonkaffee – nicht daran), ich wollte im Schyrenbad eine Schwimmrunde absolvieren, mich ein Stündchen sonnen und Musik hören, dann in einem Café am Beginn der Rosenheimer Straße, das beim Vorbeiradeln interessant ausgesehen hatte, frühstücken.

Früh aufgestanden war ich, um Herrn Kaltmamsell vor seinem ersten Arbeitstag nach Ferien guten Milchkaffee zu servieren und mir von ihm den Rücken sonnencremen zu lassen. Bis dahin lief alles nach Plan, auch gemütliches Bloggen, Duschen, Schwimmzeug anziehen und packen hatte ich schon getan, war bereit zum Aufbruch – als das Telefon in meiner Hosentasche vibrierte: Anruf des Amtsgerichts, ihnen war ein Schöffe ausgefallen, ob ich als Hilfsschöffin einspringen könne.

Konnte ich wegen Urlaubs problemlos. Da ich in der Nähe wohne, konnte ich sogar mein Eintreffen in 30 bis 40 Minuten zusagen. Ich zog mich flugs um, schminkte mich, legte Ohrringe an, die ungewaschenen Haare würden wir halt alle aushalten müssen, und radelte an den Stiglmaierplatz zum Amtsgericht. Am Eingang hatte die Anruferin meine Ladung hinterlegt, so kam ich nach Vorzeigen meines Peronalausweises (angestrengter Blick zweier Polizeibeamten, die nicht auf meinen Standardwitz „echt fälschungssicherer Name, was?“ reagierten) ins Gebäude und zum Gerichtssaal. Seit dem Anruf waren tatsächlich nicht mal 30 Minuten vergangen.

Beim Kennenlernen des Falls wähnte ich mich endgültig im Königlich Bayerischen Amtsgericht, an das ich auch vorher hin und wieder hatte denken müssen:1 Er hatte sich auf dem Oktoberfest zwischen zwei Kellnern und einem Gast zugetragen. Diesmal lernte ich unter anderem, dass das Oktoberfest auch in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und in der Verhandlung „Wiesn“ heißt (die Anklageschrift konnte ich diesmal mitnehmen und archivieren, auch sie erinnerte mich in ihrer völlig alltagsfremden Verquastheit an das Königlich Bayerische Amtsgericht).

Die Verhandlung wurde aus Gründen für 45 Minuten unterbrochen, in denen ich mich mit dem anderen Schöffen in der Kantine ein wenig über unsere bisherigen Erfahrungen austauschte – sehr interessant.

Noch vor ein Uhr waren wir fertig, ich überlegte, wo ich jetzt was essen wollte. Es war tatsächlich sehr heiß geworden, zum Schwimmen war es mir zu spät. Ich begann Hunger zu spüren, nach Hause wollte ich nicht, weil dort noch der Putzmann werkelte. Meine Wahl fiel auf den Liebling Café Puck, innen war es angenehm kühl. Die Kellnerin begrüßte mich wiedererkennend, ich hatte mehr Lust auf Salat denn auf Frühstück.

Zeitung gelesen, Wasser getrunken, den schönen Café-Raum genossen.

Mein Rad stelle ich anschließend in Wohnungsnähe ab, ging für Besorgungen in die Fußgängerzone. Einen Städteführer Utrecht für die Reise ab Dienstag bekam ich auf die Schnelle nicht, hätte ich besser planen müssen. Aber beim Blättern in verschiedenen Niederlande-Reiseführer las ich, glaube ich, schon mal das Wichtigste.
Abends sah ich auf Twitter, dass die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit ohnehin nicht in den Reiseführern steht. (Ich werde selbstverständlich fürs Techniktagebuch berichten.)

Daheim erneute Sorge um meinen Rechner: Morgens hatte ich ihn ausgeschaltet vorgefunden, obwohl ich ihn am Vorabend sicher nicht ausgeschaltet hatte. Zudem musste ich den An-Knopf mehrfach lange drücken, bis der Rechner hochfuhr. Jetzt zeigte er mir beim Aufklappen einen schwarzen Bildschirm mit der Meldung in vielen Sprachen, der Rechner müsse wegen „eines Problems“ neugestartet werden. Das wurde er, bevor ich diese Meldung irgendwie sichern konnte, und sei es durch abfotografieren – sie hatte so gar nicht nach Apple ausgesehen. Ein Back-up mit Time Machine hatte ich gerade erst gemacht, dennoch ist mir ausgesprochen unwohl.

Ich begann das Packen für Utrecht (angekündigt ist Hochsommerhitze), unter anderem auf Verdacht Tampons: Ich bin in Tag 47 meines Zyklus‘, hege aber diesmal keine Hoffnung auf Menopause, weil ich seit zwei Wochen wieder höchst unangenehme prämenstruelle Brustschmerzen habe (oder könnte sowas nach Menopause plötzlich Dauereinrichtung bleiben?!).

Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag auf eigenen Wunsch in der Küche verbracht und dort erst eine Blumenkohllasagne zubereitet:

Gerösteter Blumenkohlhack.

Blumenkohllasagne.

Außerdem stundenlang Kirschen aus dem Elterngarten entkernt und zwei Cherry Pies gebacken. Davon gab es ein Stück zum Nachtisch.

Wir konnten Fenster und Türen schon um neun wieder öffnen; da die Hitze noch nicht alle Mauern und Häuser getränkt hatte, sanken die Temperaturen am Abend merklich.

  1. Jaha, ich weiß: Diese Assoziation macht mich älter als es meine grauen Haare je könnten. []

Journal Sonntag, 23. Juni 2019 – Grillen bei Elterns

Montag, 24. Juni 2019

Gestern hatten meine Eltern zum Grillen eingeladen (genauer: Sie hatten schon lange darauf hingewiesen, dass wir gerne mal zum Grillen kommen könnten und ich hatte den gestrigen Sonntag ausgesucht), auch die lieben Schwiegers waren angekündigt.

Ich schlief wohlig aus, blickte beim Hochziehen der Rollläden am Schlafzimmer auf nassen Boden und wolkigen Himmel. Für einen Morgenkaffee auf dem Balkon war es deutlich zu kühl. Doch die Wettervorhersage hatte für den nördlicheren Teil Bayerns Sonne und Hitze angekündigt, also kleidete ich mich (zu Herrn Kaltmamsells Verwunderung) entsprechend. Das vage geplante Krafttraining ließ ich bleiben und brachte dadurch Ruhe in die Stunden vor Abfahrt um elf. Statt dessen Wäschewaschen, Körperpflege, Internetlesen.

Der elterliche Garten empfing uns mit Sonne und Rosenpracht.

Die Eltern reichten ein Glas Sekt mit selbst gemachtem Limoncello – eine gefährlich gut schmeckende Kombination.

Bald glühte die Grillkohle, es wurde gegrillt und serviert.

Garnelen mit Knoblauchmajo, Lammkoteletts, dazu eingelegte Auberginen, mit Zwiebeln angemachte geröstete Paprika, Kartoffelsalat, Knoblauchbrot (die letzteren beiden rührte ich aus Furcht vor Überfressung nicht an).

Schweinebauch, Entrecote, Hähnchenflügel – alles köstlich.

Die Kirschen waren reif, ich half beim Pflücken, hier im Baum mit den gelben Kirschen.

(Foto: Papa)
Mein Vater erntete währenddessen im Baum mit den roten. Dieses Jahr hängen die Früchte in unglaublich dichten Büscheln im Baum, sind aber sehr klein (und schmecken, wie wir abends feststellten, nicht so gut wie sonst).

Im Verlauf des Nachmittags, es war schlagartig heiß geworden, kam die Bruderfamilie vorbei, großes Hallo. Meine Mutter hatte eine aufwändige Erdbeertorte vorbereitet, mit einzeln gebackenen Rührteigböden, gehackten Mandeln, Erdbeersahnecreme.

Diesem Prachtstück war nur mit einem elektrischen Messer beizukommen, es schmeckte großartig.

Wir nahmen einen Zug kurz nach sechs zurück nach München – wie viele, viele andere Menschen auch. Ich saß mittelunbequem auf dem Boden in der Tür (Stufe für Füße!), die eine Stunde Fahrt ging das schon. Allerdings begannen jetzt die Stellen zu jucken und schmerzen, an denen mich am Vortag beim Spaziergang die Schnacken erwischt hatten, Stich für Stich.

Hopfencheck in der Holledau.

Dazu Zeitungslektüre: Alex Rühle hatte in der Wochenend-SZ einen ausgezeichneten ganzseitigen Beitrag zur Debatte um das andauernde Primat von Autos in der Verkehrsplanung deutscher Städte abgegeben, leider nur gegen 1,99 Euro zu lesen. Unter anderem spielt er durch, wie es wäre, gäbe es heutzutage als Transportmittel nur Bahn, Schiff, Fahrrad, und man wollte private Autos neu einführen: Bekäme man nie durch, weil komplett bescheuert. Und es war der erste Artikel, den ich in deutscher Sprache gesehen habe, der endlich mal bei Schwärmen vom Modell Kopenhagen die enorme Besteuerung des Neuwagenkaufs erwähnt.

Daheim bügelte ich noch schnell das frisch Gewaschene des Wochenendes weg, dann Tagesschau und Internetlesen mit Kirschen.

§

In ihrer Reihe „Nerds retten die Welt“ hat Sibylle Berg mit Wilhelm Heitmeyer gesprochen, Forschungs­professor, Gründer und ehemaliger Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewalt­forschung der Universität Bielefeld.

Heitmeyer hat seit 1987 empirische Untersuchungen zu rechts­extremistischen Orientierungen veröffentlicht und wurde seither dafür angefeindet.

Haben Ihre vor dreissig Jahren begonnenen Studien zu irgendeiner Reaktion der Regierung geführt?

In der Regel kann ich sagen, dass die Reich­weite von Wissenschaft doch sehr gering ist. Das gilt vor allem für missliebige Themen, die zeigen, was schiefläuft. Das liegt zum grössten Teil daran, dass alles, was eine Regierung tut, als Erfolg dargestellt werden muss. Da waren meine Forschungen, insbesondere bei konservativen Parteien, immer störend. Also, am besten: ignorieren, zurück­weisen und diffamieren. Damit haben wir reichliche Erfahrungen gemacht.
(…)
Ich kann nicht verhehlen, dass es auch zermürbend sein kann, dass die inzwischen jahrzehnte­langen, empirisch belegten Warnungen vor den politischen Entwicklungen nach rechts in ihren unterschiedlichen brutalen Formen bis hinein in die vornehme «rohe Bürgerlichkeit» immer wieder aggressiv als «Nestbeschmutzung» der deutschen Gesellschaft zurück­gewiesen werden.

Der Sozialforscher beschreibt die menschenfeindlichen Einstellungen in unserer heutige Gesellschaft mit einem Zwiebelmodell.

Die äussere, grösste Schale stellen Bevölkerungs­gruppen mit gruppen­bezogener Menschen­feindlichkeit in ihren Einstellungen dar. Diese liefern Legitimationen für den «autoritären National­radikalismus» wie die AfD. Auch diese liefern wiederum Legitimationen für die system­feindlichen Milieus wie die Parteien Die Rechte, NPD etc., die bereits mit Gewalt hantieren. Dann gibt es die neonazistischen Unter­stützungs­netzwerke wie die gewalt­tätigen «Kameradschaften», die nahe an rechts­terroristischen Zellen platziert sind.

Die neue, größte Gefahr laut Heitmeyer:

Vor allem der «autoritäre National­radikalismus» ist es, der auf der Erfolgsspur wandelt, weil er die «rohe Bürgerlichkeit» hinter sich versammelt und – das ist wichtig und soll hier absichtsvoll insistierend wiederholt werden – auf die zentralen Institutionen dieser Gesellschaft zielt, also Schulen, Parlamente, Justiz, auch Theater, Gedenk­stätten, politische Bildung und Erinnerungs­kultur, Polizei, Medien etc. Das Ziel ist es, sie zu destabilisieren, um mit Hilfe eines autoritären Kontroll­paradigmas gegen die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie vorzugehen.

Einfache Gegengifte gibt es nicht mehr.

§

Ein weiterer Grund, warum ich Freunde und Familie in den USA leider nicht besuchen kann: Der US-amerikanische Journalist Seth Harp wollte bei seiner Wiedereinreise in Austin nicht preisgeben, worüber er gerade recherchiert – und wurde deshalb von der Grenzpolizei total auseinandergenommen.
„I’m a Journalist but I Didn’t Fully Realize the Terrible Power of U.S. Border Officials Until They Violated My Rights and Privacy“.

(Lesen Sie gerne mal die Posten eines Einreiseantrags in die USA durch, vor allem die Verzichtserklärung am Ende. Zwar bin ich alt genug, mich an die Schikanen bei einer Einreise in die DDR zu erinnern, aber selbst die verlangten keine Offenlegung von Aliassen/Pseudonymen.)

Journal Donnerstag, 20. Juni 2019 – Fronleichnam mit Erkältung und Gewitter

Freitag, 21. Juni 2019

Nach unruhiger Nacht früh und mittelerkältet aufgewacht. Bockig an meinen Schwimmplänen festgehalten, auf dem Balkon unter Wolken aber in milden Temperaturen Morgenkaffee getrunken. Für den abendlichen Nachtisch bereitete ich Orangenflan zu. Auf die Idee war ich gekommen, weil wir eine Menge Eier geschenkt bekommen hatten, die weg sollten – allerdings nicht in der Weise, wie es mein weiter Kaftanärmel tat: Er wischte die Schachtel auf den Boden, fünf Eier kaputt. Nach kurzem Nachdenken beschloss ich, dass wir einen wirklich sauberen Küchenboden haben, rettete davon so viel zerschlagenes Ei wie möglich und verwendete es: Grausen tut es Herrn Kaltmamsell und mich eh nicht so schnell, und das Ei würde ja gekocht.

Dummerweise wurde es eher frischer, also blies ich traurig das Schwimmen ab: Ohne Erkältung wäre ein Freibadschwumm bei unter 20 Grad keinen zweiten Gedanken wert gewesen, doch mit eindeutig verrotzten Atemwegen nur bescheuert. Statt dessen absolvierte ich zumindest eine Runde Ganzkörper-Krafttraining, wieder ungewohnt anstrengend.

Herr Kaltmamsell war bis zum frühen Nachmittag unterwegs, ich holte mir beim Bäcker frische Semmeln zum Frühstück, las Internet. Ein Nachbar oder eine Nachbarin spielte Klavier – das war schön. Doch eine (andere?) Nachbarin oder ein Nachbar nutzte den Feiertag, um Löcher in Wände zu bohren – nicht so schön.

Nachmittags legte ich mich zu einer Siesta ins Bett, wurde nach ausreichend Schlaf von einem heftigen Gewitter mit Regenstürzen geweckt. Also wieder Planänderung: Wenn ich schon zu keinem Draußensport kam, hatte ich abends zu einem Biergarten spazieren wollen. Es regnete über eine Stunde ausgiebig.

Der Spaziergang wurde also deutlich kleiner, ich ging mit Herrn Kaltmamsell nochmal auf eine hoffentlich heilende Max’s Beef Noodle-Suppe. Zum Nachtisch gab es daheim Orangenflan.

(Der Karamel war mir ob des Eier-Desasters ein wenig dunkel geraten.)

Ich holte ein paar Teile der Verleihung der Grimme Online Awards vom Vorabend nach. Zum einen musste ich dringend Hazel Brugger fangirlen, zum anderen die Verleihung an die TINCON gucken (große Gratulation an Tanja und Johnny Häusler!) sowie die an Krieg und Freitag. Sie können gerne direkt bei dem Preis fürs Techniktagebuch einsteigen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/9ZGGG7qnL8c?t=7645

(Hintergrundinfo: Der Wikipediaeintrag übers Techniktagebuch war seinerzeit umstritten – Relevanz! -, zum Glück für den Laudator gibt es ihn heute.)

Hier noch ein schönes offizielles Foto der Techniktagebuch-Abordnung.

§

HAHAHAHA!

via @Hystri_cidae

In den Replies der Link zum Hintergrundartikel:
„Williams Obstetrics and Male Chauvinism“.

§

Schweizer Frauenstreik – hier eine ganz persönliche Geschichte (von einer weiteren Ur-Bloggerin – die ich allerdings noch nie persönlich getroffen habe: Tanja, das kann nicht so weitergehen):
„Frauenstreik 2019: Tagebuch 14.06.“

Darin viele Details, die mir neu waren, vom Sticker „Ich arbeite, damit meine Freundin streiken kann“ bis zu “Soli-Männern” mit Kinderprogramm.

Journal Mittwoch, 19. Juni 2019 – Chinesische Sommernacht

Donnerstag, 20. Juni 2019

Mit einseitigem starken Kopfweh aufgewacht und bereits Migräne befürchtet. Doch Ibu half, also keine Migräne.

Unter bedecktem Himmel roch das Draußen auf meinem Weg in die Arbeit frisch und zu einer langen Wanderung einladend.

Auf dem Platz vorm Verkehrsmuseum war das Wahrzeichen Riesenschnecke in einem Zelt verschwunden. Den Grund hatte ich am Vortag in der Süddeutschen gelesen: Das Kunstwerk muss überholt werden.

Die Mauersegler flogen ganz tief. Im Westend blieb ich mehrfach stehen um zuzusehen, wie sie um Dächer und durch die Straßen flitzten, hin und wieder kurz an (die Nester unter?) Regenrinnen tippten.

In der Arbeit setzte mein Endspurt vor vier Wochen Abwesenheit ein, ich versuchte, die Unzahl kleiner Zuständigkeiten einer Assistenz zu verteilen oder während meiner Abwesenheit unnötig zu machen. Aber auf ambulante Querschüsse wegen Unstrukturiertheit oder Unvorhersehbarkeit kann ich natürlich nur reagieren, wenn ich da bin. Den Freitag kann ich noch nutzen, dann wird mir das alles hoffentlich möglichst schnell egal.

Lichtblick dazwischen: Die VG Wort begleicht Nachzahlungen aus den Jahren 2009 bis 2017 (Verlagsanteil) – das ist erkleckliches und unerwartetes Zusatzgeld.

Schon am Vormittag war der Tag entgegen der Vorhersagen sonnig und heiß geworden. Dummerweise begannen nachmittags meine Nebenhöhlen zu brennen, mit sinkendem Herzen (aber ich will doch endlich Sport!) registrierte ich die nächste Erkältung im Anmarsch.

Nach Feierabend besorgte ich noch Obst und Geld, daheim stieg ich mit Herrn Kaltmamsell aufs Rad zu einer Einladung in Giesing: Es wurde sensationell chinesisch gekocht.

Das hier waren lediglich die Vorspeisen, danach kamen noch warme Gerichte dazu – zu den unten abgebildeten zwei weitere.

Wir saßen in einem herrlichen Garten, identifizierten Vogelstimmen, beobachteten den Wandel des Abendlichts, lernten viele neue Geschmäcker kennen (Chrysantemenblätter! frittiertes Gluten!), plauderten über Schule, Tipps für chinesische Restaurant, Good Omens, lauschten dem Rauschen der Stadt und dem Gitarrenspiel des großen Sohns – und freuten uns insgesamt über das Internet, das nicht nur unsere Gastgeber in einem Online-Spiel zusammengebracht hatte,1 sondern auch uns an diesen Tisch.

Im letzten Abendlicht radelten wir den Nockherberg wieder hinunter nach Hause – durch eine Sommernacht mit Mauerkneipen, aus denen Licht strömte und gesellige Menschenmengen drumrum beleuchtete, mit Treffen an der Isar und in den umgebenden Auen, mit Fröhlichkeit auf den Wegen und Straßen vor jeder Bar, vor jedem Restaurant, sonnenbraune Beine in Sandalen, sanfte Nacken über ausgeleierten T-Shirts, über allem der Duft der Lindenblüten, alles Grün der Stadt schien aus Linden zu bestehen – eine Sommernacht, die für Legenden taugte.

Und wenn ich das richtig sehe, bekam das Techniktagebuch in dieser Nacht einen Grimme Online Award. Hier ein Foto der Gründerinnen und von Redaktionsmitgliedern auf der Bühne. (HAMMER!)

§

Ärztin Natalie Grams wurde vom Homöopathiemittelhersteller Hevert abgemahnt, weil sie darauf hinweist, dass Homöopathie keine Wirkung hat, die über die Placebowirkung hinaus geht. Dabei sollte man nicht vergessen: Placebowirkung ist deutlich höher als keine Wirkung und gut nachzuweisen. So funktioniert sie:
„Placebos“.

Auch das ist wichtig: Wenn Placebos das Wohlbefinden bessern, beispielsweise bei einer Erkältung, mag dies an einem oft übersehenen Aspekt liegen: Viele Erkrankungen klingen von selbst ab.

(Nebenbei: Vorbildlich auf dieser Website Gute Pillen, schlechte Pillen: Die Erklärung zu Interessenskonflikten.)

  1. Mag wirklich kein Magazin eine Geschichte über all die ganz normalen Menschen machen, die sich seit 20 Jahren im Internet bewegen, bevor es 2.0 hieß, und die sich mit anderen Menschen auf der ganzen Welt verbanden, bevor der Begriff „social“ dafür geprägt wurde? Unter anderem um endlich mit dem Stereotyp aufzuräumen, dass Internetnutzung irgendwas mit Jugend zu tun hat, aber auch um zu erzählen, was das Internet mal sein konnte und warum wir wirklich glaubten, dass die Welt damit zu einer besseren würde. []

Journal Dienstag, 18. Juni 2019 – Rückkehr des Twitterhirten

Mittwoch, 19. Juni 2019

Wecker auf früh, weil ich endlich mal wieder Krafttraining treiben wollte, Bauch und Rücken.
Boah, so sehr hatte ich mich noch nie bei diesem Programm anstrengen müssen, ich kann doch nicht innerhalb von zwei Wochen völlig außer Form geraten sein?

Arbeitsweg in herrlichem Sommermorgen. Seit vergangener Woche blühen die Linden, an der Theresienwiese umdufteten sie mich vierreihig in mächtigen Schwaden.

In der Arbeit Besprechungstag.

Mittagessen war eine Schüssel Tomaten nur mit Salz (köstlich! die Saison hat definitiv begonnen), dazu ein Laugenzöpferl. Nachmittagssnack Aprikosen mit Dickmilch.

Heimweg über den Bavariapark. Es war ziemlich heiß geworden, aber noch gut erträglich.

Da Herr Kaltmamsell gesundheitlich fast wiederhergestellt war und immer noch Ferien hat, bot ich dem Kochfreund am Montagabend an, mir Gerichte zu wünschen. Nämlich:
– Lasagne
– panierte Koteletts
– Panisse
– Parmigiana

Gestern servierte er also Parmigiana – nach dem Rezept von Rachel Roddy aus dem Guardian, mit dem er sehr haderte (Mengenangaben, Größenangaben, kein Salz). Er änderte nach Kocherfahrung, es schmeckte sehr gut.

Abendunterhaltung Internetlesen. Große Freude, dass @herdyshepherd1 nach einem Jahr Pause wieder twittert.

Dann wiederum: All diese unbekannten Männer, die mir auf instagram folgen wollen, englischer Name, oft mit vielen Zahlen dran, auf dem Profilbild gerne mit kleinem Kind, mal auf privat gestellt, mal mit vielen Fotos von sich, mal ohne eigene Inhalte – was ist das für ein Muster? Ich blocke sie einfach, würde aber gerne das Modell dahinter verstehen.

Früh ins Bett, um weiter in Granta ausgewählte Texte aus 40 Jahren zu lesen.

Journal Sonntag, 16. Juni 2019 – Drinnenschwimmen

Montag, 17. Juni 2019

Früh munter aufgewacht. Die Nacht war ein wenig durchwachsen gewesen, unter anderem, weil mich ein sehr lautes Gewitter geweckt hatte.

Das Wetter kühl und wolkig, kein Balkonkaffeewetter. Ich verlegte meine geplante Schwimmrunde (nach zwei! Wochen! ohne Sport!) ins Olympiabad – vielleicht das letzte Mal ins Übungsbecken, Ende Juni soll die große Halle nach der Renovierung wieder nutzbar sein. Das hieß aber, dass ich bis zur Öffnung um 10 Uhr warten musste, ich wusch Bettwäsche und Handtücher.

Schwimmbahnen angenehm dünn belegt, dennoch fühlten sich die 3000 Meter mühsam an (so ganz frei sind meine Bronchien noch nicht).

Beim Heimradeln schien ein wenig die Sonne, schon wurde es deutlich wärmer. Unterwegs Semmelholen.

Nach dem Frühstück setzte ich mich mit Jacke auf den Balkon und las das SZ-Magazin: Zum 50. Geburtstag des Internets wurden 50 Menschen vorgestellt, die es geprägt hatten, eher aus zweiter und dritter Reihe. Und ich merkte schon beim Durchblättern: Die Hälfte waren Frauen. Ja, so ist das Internet – aber wer hatte das dem sonst extrem männlich geprägten SZ-Magazin verraten? Auch sonst hätte ich interessant gefunden, nach welchen Kriterien diese Menschen ausgewählt worden waren, von den wenigsten hatte ich schon mal gehört.

Sommerzeit ist Bügelzeit; auch an diesem Wochenende hatte sich genug für anderthalb Stunden gesammelt. Anschließend noch mehr Häuslichkeit: Ich bereitete Kartoffelsalat für Montag zu.

Für ganz besondere Speisen und Getränke ist bekanntlich dann die richtige Gelegenheit gekommen, wenn man Lust darauf hat. Gestern hatte ich Lust auf den Luxemburger Cremant Rosé Alice Hartmann, den Joël für uns ergattert hatte.

Er schmeckte sensationell.

Zum Abendbrot machte Herr Kaltmamsell selbst erfundenen Colcannon Pie, ich dazu eine kleine Schüssel grünen Salat, den die Nachbarin zum Dank fürs Blumengießen vom Bauern mitgebracht hatte. Die Blätter selbst schmeckten schon mal sehr gut, das Zitronen-Joghurt-Dressing auch.

Sommersonntagabend im Hause Kaltmamsell.

Abendunterhaltung war die letzte Folge Neo Magazin Royale vor der Sommerpause mit einer großartigen Nummer über den Schwachsinn des Prinzips und Geschäfts mit Homöopathie und einem interessanten Interview mit Rezo.

Journal Mittwoch, 12. Juni 2019 – Nifftenkochkurs

Donnerstag, 13. Juni 2019

Zu Weihnachten hatte ich den Nifften einen ganz privaten Kochkurs geschenkt: Zum einen wollte ich ihnen die Möglichkeit geben, etwas fürs Leben nach dem Elternhaus zu lernen. Zum anderen bin ich ja mit einen erfahrenen Koch und Kochlehrer befreundet: Der war zu meiner großen Freude so nett, sich für einen Tag Kochkurs bei uns daheim buchen zu lassen (was er sonst grundsätzlich nicht macht: beruflich in anderer Leute Privatküche kochen).1

Meine Idee: Die Bruderfamilie würde am frühen Nachmittag nach München kommen, die Nifften sollten sich mit dem Kochlehrer zum Einkaufen treffen (Warenkunde!) und mit den Einkäufen in unserer Küche verschwinden. Die Eltern würden sich am Nachmittag anderweitig vergnügen, zum Abendessen würden wir dann alle bei uns zusammenkommen und die Ergebnisse des Kochens verspeisen.

Wenig überraschend war es nicht einfach einen Termin zu finden, er fiel auf gestern. Der Koch hatte sich zuvor schon mit den Nifften abgesprochen, kennengelernt hatte sich die vier auf unserem großen Fest. Es traf sich gut, dass die Nifften seit Weihnachten vegetarisch essen: Die Bedingung des Kochs war „kein Fleisch, kein Fisch“ gewesen. Teil des Geschenks war bereits zu Weihnachten ein Grundlagen-Kochbuch des Kochs, für den gestrigen Kurs hatte ich drei Schürzen besorgt: So mit Material und Kenntnissen ausgestattet sollten die drei im Anschluss praktisch auszugsreif sein.

Zum Abendessen waren wir um sieben bestellt. Ich verabredete mich nach der Arbeit mit Bruder und Schwägerin um sechs auf einen Aperitif im Stadtcafé (Herr Kaltmamsell war leider noch schlimmer krank, hielt sich beim Essen tapfer, aber nur mit Mühe aufrecht).

Die Synagoge auf dem Jakobsplatz spiegelt das gestrige gemischtwolkige Wetter mit frischen Temperaturen.

Bei uns daheim wurden wir der Küche fern gehalten, durften aber Geschirr zum Tischdecken rausholen. Eingekauft hatten die vier auf dem Viktualienmarkt und beim Eataly, die erste Vorspeise gab’s zu Prosecco.

Bruschetta mit frischen Shiitake-Pilzen, angemacht mit Zitronensaft und Dill: Wunderbar pilzig allein schon der Duft, ich nahm mir mal wieder vor, mehr mit Pilzen zu kochen.

Salat aus verschiedenen Tomaten, Gurke, Melone, Bundbasilikum (Empfehlung des Kochs: Im Bund angebotener Basilikum schmeckt intensiver als der im Topf verkaufte) mit Mozzarella. Dressing aus aufgefangenem Saft der Bestandteile und etwas Olivenöl sowie Salz und rosa Pfeffer. Sehr köstlich. (Dazu ein schlichter Bio-Soave.)

Als Hauptgang gab es einen Risotto mit frischen Erbsen und Brennnesseln, dazu aus dem Ofen Zucchini, bunte Bete, grünen Spargel und Mangold. Sehr parmesanig-reichhaltiger Reis, die Brennnesseln darin waren mir neu, überzeugten mich aber sofort. Die Nifften hatten unter anderem gelernt, aus allen Gemüseabschnitten und -resten der Vorbereitung die Brühe für den Risotto zu kochen.

Aufwendiger Nachtisch: Mandel-Eiweiß-Törtchen mit Himbeeren, dazu Apfelsaft-Sabayon (da der Koch hessisch geprägt ist, natürlich Ssábayoh ausgesprochen). Gebacken in den geerbten galicischen Weißweinschalen – einen nützlicheren (und dekorativeren) Einsatz hatten sie noch nie. Und dann schmeckte das auch noch hervorragend.

Wir saßen noch bis spät in die Nacht zusammen (minus armem kranken Herr Kaltmamsell), die Nifften bekamen die Rezepte des Abends als Seminarmappen mit. Hoffnungsglitzern in den Augen der Eltern, dass ihre drei jugendlichen Kinder sich künftig um die Bereitstellung der Familienmahlzeiten drängeln werden.

§

Emma Thompson kommt Ende August mit dem Film Late Show aus der Feder von Mit-Schauspielerin Mindy Kaling in die Kinos, und ich kann es kaum erwarten.

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https://youtu.be/SqgKDsUg898

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https://youtu.be/XE7OVnets4g

  1. Hm – übers Internet verbandelte Fotografin macht für mich Ausnahme für Privatfeier, befreundeter Koch macht für mich Ausnahme beim Kochkurs: Vielleicht bin ich dann doch beim „Da gehst‘ zum Harry beim Elektro Müller, sogst‘ eam an schena Gruß vo mir, dann kriegst‘ Prozente“ meines Handwerker-Vaters angekommen. []

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