Essen & Trinken

Journal Montag, 19. August 2019 – Zug statt Flug ist anstrengend

Dienstag, 20. August 2019

Unruhige Nacht, in den frühen Morgenstunden gewitterte es heftig.

Auf dem Weg in die Arbeit brauchte ich zunächst einen Schirm, aber es war mild.

Dichter Arbeitstag, danach musste ich zum Bahnhof. Zu unseren Zugtickets nach Luxemburg hatte ich am Wochenende nämlich eine Nachricht bekommen: „Es liegen Fahrplanaenderungen zu Ihrer Verbindung vor“. Hinter dem Link standen für die Rückfahrt zwei zusätzliche Umstiege in Frankreich, wir hätten also von Luxemburg bis Saarbrücken bereits dreimal umsteigen müssen. Dazu suchte ich nach einer Alternative. Obwohl im Reisezentrum am Hauptbahnhof viel los war, musste ich nicht lange warten: Es waren zwischen 15 und 17 Schalter geöffnet, und das Wartenummernsystem ist wirklich praktisch (auch wenn die beiden freundlichen Herren an der Infotheke es während meiner Wartezeit ca. 15 Menschen erklären mussten). Ergebnis: Es gibt einen Schienenersatzverkehr statt der lustigen Zusatzumstiege, der halt nicht in der Online-Verbindungssuche aufgeführt war, wir müssen lediglich 15 Minuten früher abfahren.
(Aber: Wenn ich nicht zufällig in Fußweite zum Bahnhof wohnte, wäre das ein ziemliches Gefuchtel geworden. Es ist anstrengend den Eindruck abzuschütteln, man werde in fast jedem Detail für die Entscheidung Zug statt Flug bestraft.)

Anschließend holte ich in der Lebensmittelabteilung vom Hertie noch Obst und Gemüse für Bürobrotzeit sowie eine geschnittene Ananas und Schlagsahne zum Nachtisch.

Herr Kaltmamsell kochte uns zum Abendbrot Ernteanteilgemüse (Karotten, Lauch, Kartoffeln), ich bereitete eine Einbrenn für Geschmack dazu, das Ganze gab es mit Ernteanteilpetersilie vermischt.

§

Ein weiteres noch aufzuarbeitendes Kapitel der DDR- und Wiedervereinigungsgeschichte: Vertragsarbeiter. Erst kürzlich erzählte mir eine ehemalige Werkskrankenschwester aus Erfurt, wie komplett unvorbereitet und verschreckt sie die Menschen aus Mosambik erlebte. Von Vertragsarbeitern aus Vietnam und ihren Nachkommen in Deutschland hatte ich schon hin und wieder gelesen, gestern brachte mir Twitter den Link zu einem Artikel über Mosambiker:
„Die Ungehörten: DDR-Gastarbeiter aus Mosambik über Lohnbetrug und Rassismus“.

via @beck_zoe

„Ich bin mit leeren Taschen nach Hause gekommen. Man hatte gesagt, mein Geld ist in Mosambik“, so Macau. In seiner Heimat hieß es wiederum, das Geld sei in Deutschland geblieben. Es stellte sich schnell heraus, dass das Einkommen der Gastarbeiter mit den Staatsschulden von Mosambik an die DDR verrechnet wurde.

§

Ein wenig John Oliver:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/TATSAHJKRd8

Journal Freitag, 16. August 2019 – Gebrückt mit Gymnastik und orientalischen Gewürzen

Samstag, 17. August 2019

Unruhige Nacht, in den frühen Morgenstunden machten rechtes Knie und Schienbein Schmerzrabatz. Beim Morgenkaffee nahm ich 600er Ibu – und stellte im Lauf des Vormittags und Tags fest, dass ich das vielleicht schon früher hätte tun sollen: Der Schmerz verschwand fast völlig und ich wude beweglicher – da wurde vielleicht doch eine Entzündung mitbekämpft.

Ich hatte an diesem Brückentag frei und freute mich sehr darüber. Bloggen, duschen, dann bügelte ich in 45 Minuten Bügelwäsche weg, damit sie erst gar nicht zum Berg werden konnte. Abstecher zur Reinigung, vielleicht reicht der Sommer noch für diesen Rock.

Am donnerstäglichen Feiertag hätte ich meinen regulären Nach-Reha-Termin gehabt, ich ließ ihn auf den gestrigen Freitagvormittag verschieben und spazierte durch einen sonnigen, milden Tag zum Heimeranplatz. Da mein Geräteprogramm beim ersten Durchgang deutlich länger gedauert hatte als die vorgesehenen 60 Minuten, trat ich den gestrigen Termin lieber früher an. Ich kam dennoch vor der Gruppengymnastik nicht ganz durch, auch ohne Umherirren zwischen Maschinen und Terminal brauchte ich 85 Minuten für das Programm. Gruppengymnastik mit Pezziball, danach absolvierte ich die eine nicht geschaffte Übung im Geräteraum.

Da ich noch Obst und selbst gebackenes Brot daheim hatte, entschied ich mich gegen ein aushäusiges Frühstück. Es gab Honigbrot mit salziger Butter, dann Pfirsich, Birne, Maracuja mit Joghurt und eine große Tasse Milchkaffee.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Zeitunglesen auf dem Balkon, schaffte die sommerlich dünne Freitagszeitung, das eher uninteressante Magazin und zwei liegen gebliebene Wochenendausgaben.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell und Freunden aus Regensburg zum Essen verabredet. Sie hatten das Spice Bazaar hinter der Oper vorgeschlagen, das sich als freundlich und angenehm herausstellte.

Geschmorte Aubergine mit Granatapfel als Vorspeise (und als Aperitif ein Pimm’s mit orientalischer Note).

Geschmorte Lammschulter als Hauptgericht, dazu ein Glas Nero d’Avola.

Machte Lust auf einen weiteren Besuch, zu dem wir beschlossen uns nur durch Vorspeisen zu essen.

Wir saßen lange zusammen, mit Herrn Kaltmamsell spazierte ich durch die Nachtfrische nach Hause.

Journal Mittwoch, 14. August 2019 – Anfassen, Lasagne, Brot

Donnerstag, 15. August 2019

Immer noch eher kühl, doch trocken und sonnig. Ich radelte besonders früh in die Arbeit, weil ich schon um 16 Uhr einen Termin bei meiner Anfasserin hatte, von der ich mich eine Wiederholung des Wunders durch Faszienmassage erhoffte.

Und Wunder werden langsam nötig: Ich hinkte wieder den ganzen Tag vor Hüftschmerz. Die Anfasserin ließ sich erst mal die Lage schildert, empfahl neben Faszienrolle auch einen solchen Ball für die Fußsohlen. Werde ich besorgen. Ihre Massage umfasste auch innere Hüftmuskulatur, in der es die eine oder andere Stelle zu lösen gab. Insgesamt war das Anfassen allerdings lange nicht so schmerzhaft wie das in Bad Steben – mag daran liegen, dass damals in der Reha bereits einiges gelockert worden war. Ich bin gespannt auf die nächsten Termine.

Heimkommen immer noch früher als sonst, ich hatte Vorteig für Roggenschrotbrot angesetzt. Während der endgültige Teig ging, machte ich mit Herrn Kaltmamsell Nudeln: Ich hatte mir klassische Lasagne gewünscht, und weil genügend Zeit war, stellten wir die Nudelplatten dafür selbst her. Basis für die Lasagne war ein grobes Rezept unbekannter Herkunft, das Herr Kaltmamsell als mindestens zehn Jahre alte Datei auf seinem Rechner gefunden hatte.

Die Menge Nudeln (400 gr Mehl, 4 Eier) war doppelt zu viel, aus dem Rest machte Herr Kaltmamsell flugs Tortellini mit Feta-Minze-Füllung und fror sie ein. Die Lasagne wurde sehr gut, am ehesten noch müsste man die sehr große Menge Bechamel reduzieren.

Zuletzt war der Ofen dann vom Brot belegt, das gut geriet (eines ein wenig schepps, weil ungeschickt aufs Blech gekippt).

§

Welche Auswirkungen die Treuhand bis heute auf die ostdeutsche Wirtschaftsstruktur hat, erkärt bei Krautreporter Christian Gesellmann:
„Die Treuhand, verständlich erklärt“.

via @holgi

Das mit der Treuhand ist doch schon fast 30 Jahre her, spielt das heute noch eine Rolle?

Ja, auf jeden Fall. Ostdeutsche Kommunen haben im Durchschnitt gerade einmal die Hälfte der Steuereinnahmen (pro Kopf) im Vergleich zu westdeutschen Kommunen. Das steht im Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit. Denn die wichtigste Einnahmequelle für Städte und Gemeinden sind die Gewerbesteuern, die Unternehmen zahlen. Dadurch, dass die meisten Betriebe im Osten nicht den Menschen vor Ort gehören, sondern häufig immer noch die verlängerte Werkbank westdeutscher Betriebe sind, zahlen sie auch den Großteil ihrer Steuern nicht im Osten.

Vor allem aber: Der Artikel erklärt von vorne, warum die Treuhand eingerichtet wurde, was ihre Aufgabe war, wie die wirtschaftliche Ausgangslage aussah. Weitere Themen: Auswirkungen der Währungsumstellung, Rolle der Banken (unabhängig von der Treuhand), namentlich bekannte Betrüger.

Fazit:

Die Treuhand hat letztlich genau das umgesetzt, was ihre Aufgabe war. Als Anstalt kann man ihr eigentlich gar keinen Vorwurf machen, im Gegenteil: Die absolute Mehrheit der Mitarbeiter hätte eher einen Orden verdient für die unglaubliche Belastung, der sie sich ausgesetzt haben.

Aber jetzt kommt das Aber …

Ehrlich: Selbst mich als Ossi, für den das Thema Treuhand wirklich nicht neu ist, hat es bei dieser Recherche manchmal gefröstelt, wie eiskalt die Regierung von Helmut Kohl das Projekt Wiedervereinigung durchgezogen hat. Ich finde aber auch, man darf nicht vergessen, dass die Ostdeutschen diesen Weg auch so wollten, sie haben die CDU gewählt und nicht die Bürgerrechtler, die die Wende gebracht haben und eine ganz andere Vorstellung davon hatten, wie die Wirtschaft privatisiert werden sollte. Die Bürger wollten die D-Mark, keine Anteilsscheine an etwas, von dem niemand wusste, was es einmal wert sein sollte. Und sie wollten die Westprodukte. Und das alles sofort.

Der Artikel geht Schritt für Schritt durch das Thema – könnte 1:1 als Schulbuchtext übernommen werden (kommt das Kapitel im bayerischen… ja was: Geschichts-? Sozialkundeunterricht? überhaupt vor?).

§

Svenja Beller skizzierte schon vergangenes Jahr im Freitag die Entwicklung des westlichen Reisens durch die Jahrhunderte, vom Pilgern über die Bildungstour Vermögender bis zum Konsumreisen, wie nach dem Zweiten Weltkrieg Tourismus eine Industrie wurde – und wo wir jetzt gelandet sind:
„Sonne fürs Ego“.

via @miriam_vollmer

„Die Dritte Welt wird zur Spielwiese der Selbsterfahrung. Einheimische sind zur Kulisse degradiert“, schreibt Spreitzhofer. Der Autor Philipp Mattheis nennt Backpacker in seinem Buch Banana Pancake Trail die „Glückskinder des Westens auf ihrer Stippvisite in die Armut“. Auf ihrem Ausbruch aus der Leistungsgesellschaft bedienen sie sich an der fremden Kultur, als wären sie in einem Supermarkt.

Inzwischen scheinen die einst geschmähten Pauschaltouristen in ihren Ressorts den bereisten Urlaubsländern mehr zu nutzen, mehr Wertschöpfung zu bieten, als individuell durchtrampelnde Rucksacktragende.

Und dann natürlich:

Wie schädlich der Tourismus für das Klima ist, belegt die Studie „The carbon footprint of global tourism“, die eine Gruppe australischer Forscher im Mai im Magazin Nature veröffentlichte. Demnach ist der Tourismus für acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Ergebnis schockierte die Forscher selbst, sie gingen von einem viermal geringeren Wert aus. Den größten Anteil an den CO2-Ausstößen hat mit einem Viertel wenig überraschend der Luftverkehr. Und die Emissionen werden entgegen aller Klimaschutzvereinbarungen weiter steigen, denn die Tourismusbranche wächst, und zwar weitaus schneller als der Rest der Weltwirtschaft. Allein im Beobachtungszeitraum der Studie zwischen 2009 und 2013 wuchsen die vom Tourismus verursachten Emissionen von 3,9 auf 4,5 Gigatonnen.

(Mal wieder zur Sicherheit: Mich selbst schließe ich immer in den Kreis der Übeltäterinnen ein.)

Journal Dienstag, 13. August 2019 – Rucksack fürs Feuerwehrfangirl

Mittwoch, 14. August 2019

Immer noch grau und kühl, ich kapitulierte und zog Jeans und feste Schuhe an – Sommer aus. Sogar für den Heimweg brauchte ich eine Jacke. Dennoch war ich guter Laune, denn Montagabend war mein bestellter Rucksack eingetroffen: Ich hatte schon lange gemerkt, dass es meinem Kreuz nicht gut tat, eine schwere Kuriertasche zu tragen, auch nicht quer getragen. Da meine derzeitige Arbeitstasche ohnehin bereits unschön abgestoßen ist, sollte ihr Nachfolger also ein Rucksack werden: Bequem, mit breiten gepolsterten Trägern, groß genug für Brotzeit und ein paar Einkäufe. Ein wenig Spaß sollte er mir aber auch bereiten.

(Fotograf: Herr Kaltmamsell)

Es wurde also ein Rucksack aus altem Feuerwehrschlauch.

Dieser erste Praxiseinsatz verlief schon mal positiv: Er saß gut und war bequem, die Fächereinteilung gefiel mir, und die Obsteinkäufe auf dem Heimweg fasste er locker, ohne aus der Form zu geraten. Bei Hitze wird mir darin allerdings drunter zu warm werden.

Herr Kaltmamsell ist ein begeisterter Aufbraucher. Als ich also anregte, das Abendessen um das Glas vom lieben Bruder geriebenen Meerrettich zu bauen, das noch im Kühlschrank stand, plante er gekochtes Rindfleisch mit Meerrettichsoße, dazu neue Kartoffeln aus Ernteanteil. Die Nachbarin hatte sich fürs Blumengießen mit einem heimischen Salat bedankt, den gab’s auch.

Im Fernsehen lief Das Haus am See, von dem ich trotz Starbesetzung noch nie gehört hatte und dessen Beschreibung sich interessant las. Ich wurde tatsächlich in die Handlung gezogen (Sandra Bullock!) und hätte ihn gern ganz gesehen, doch als mich zum dritten Mal eine Werbeunterbrechung völlig rauswarf (die ersten beiden hatte ich zum Aufräumen und für Abendtoilette genutzt), machte ich den Ferneseher aus und las den Rest der Handlung bei Wikipedia.

Im Bett zu Regenrauschen Colson Whitehead, Sag Harbor ausgelesen.

Journal Montag, 12. August 2019 – Regenkühler Arbeitstag

Dienstag, 13. August 2019

Am Sonntag Fenster geschlossen gehalten, damit die Hitze nicht reinkommt. Gestern geschlossene Fenster, damit die Kälte nicht reinkommt. August, du hast einen sitzen.

Weg in die Arbeit in kühlem Regen. Er machte keinen Spaß, ich hätte eine Jacke vertragen. Es regnete den Tag über immer wieder.

Als Mittagessen hatte ich zwei kleine vegetarische Pork Pies dabei, die Herr Kaltmamsell ausprobiert hatte, Füllung auf Linsenbasis, dazu Tomaten aus Ernteanteil. Die Pies schmeckten gut! Nachmittagssnack waren zwei große Nektarinen.

Zu Feierabend war es gerade trocken. Ich spazierte heim über den Hertie am Hauptbahnhof: Stopp in der Unterwäscheabteilung, mir waren in den vergangenen Wochen einige funktionale Unterhosen kaputtgegangen. Mir war insgesamt wacklig und schwindlig, ich hatte das Bedürfnis nach etwas Tröstendem. Da es kühl geworden war und erst mal so bleiben soll, ging ich beim Lindor-Laden unterm Stachus vorbei. Den meide ich im Sommer, weil die Schokokugeln dann zu weich werden, aber jetzt stellte ich eine große Tüte verschiedenster Sorten zusammen.

Daheim erwartete mich Herr Kaltmamsell mit spanischer Hausmannskost: Der Ernteanteil hatte Pisto hergegeben.

(Die spanischen Glasteller sind das Originalste auf dem Tisch!) Zukaufen musste er grüne Paprika, Herr Kaltmamsell hatte türkische spitze verwendet – die sich als scharf herausstellten. Das machte das Pisto zu einem völlig anderen Gericht, schmeckte aber immer noch ausgezeichnet. Zum Nachtisch große Mengen Lindor.

Früh ins Bett zum Lesen.

Na gut, ich gebe es zu: Es kränkt mich, dass dieses Jahr die körperliche Alterung so massiv über mich hereinbricht. Noch vergangenen Herbst wanderte ich sechs Tage durch den Westerwald, jetzt kostet jeder Meter Gehen Schmerzen. Meine Füße sehe auch zehn Jahre älter aus als vor einem Jahr.

§

Immer mehr verstehe ich, woher Verschwörungstheoretiker ihre abstrusen Konstrukte haben, z.B. die von inszenierten Unruhen und Massenmorden: Weil sie selbst auf solche Ideen kommen und sie versuchen umzusetzen. Die New York Times beschreibt am Beispiel Schweden:
„The Global Machine Behind the Rise of Far-Right Nationalism“.

Fueled by an immigration backlash — Sweden has accepted more refugees per capita than any other European country — right-wing populism has taken hold, reflected most prominently in the steady ascent of a political party with neo-Nazi roots, the Sweden Democrats. In elections last year, they captured nearly 18 percent of the vote.

To dig beneath the surface of what is happening in Sweden, though, is to uncover the workings of an international disinformation machine, devoted to the cultivation, provocation and amplification of far-right, anti-immigrant passions and political forces. Indeed, that machine, most influentially rooted in Vladimir V. Putin’s Russia and the American far right, underscores a fundamental irony of this political moment: the globalization of nationalism.

(…)

The distorted view of Sweden pumped out by this disinformation machine has been used, in turn, by anti-immigrant parties in Britain, Germany, Italy and elsewhere to stir xenophobia and gin up votes, according to the Institute for Strategic Dialogue, a London-based nonprofit that tracks the online spread of far-right extremism.

“I’d put Sweden up there with the anti-Soros campaign,” said Chloe Colliver, a researcher for the institute, referring to anti-Semitic attacks on George Soros, the billionaire benefactor of liberal causes. “It’s become an enduring centerpiece of the far-right conversation.”

(Nebenbei taucht eine Funktionsbezeichnung auf, die ja wohl einen traumhaften Eintrag bei „Berufsziele“ hergibt: „disinformation specialist at the Swedish Defense University“.)

§

Für den kurzen Lacher zwischendurch.

Journal Samstag, 10. August 2019 – Warme Regenwanderung am Ammersee

Sonntag, 11. August 2019

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass das gestern für mich ein idealtypischer Sommersamstag war: Morgenkaffee auf dem Balkon, kleine Einkaufsrunde, Wandertour mit abschließendem Wirtshausessen, nach Rückkehr Eis von der Eisdiele zum Nachtisch. Dass es regnete, mich beim Wandern Schmerzen plagten – machte nichts.

Ich stand nach Ausschlafen zu bedecktem Himmel auf, doch die Hitze des Freitags wärmte noch die Luft – also Balkonkaffee. Nach langem Bloggen machte ich mich wanderfertig, ging aber erst mal auf eine Erledigungsrunde. Inzwischen hatte der angekündigte Regen eingesetzt, für meinen Gang zu Reinigung und Basitsch brauchte ich einen Schirm.

Daheim Frühstück: Ich mischte zwei Pfirsiche und eine reife Maracuja mit Joghurt und war völlig begeistert von der Obstkombination – bis mir einfiel, dass das ja seit Jahrzehnten ein Klassiker im Saft-, Joghurt-, Eisteeangebot ist. Kein Zufall also.

Ich hatte eine 18-Kilometer-Wanderrunde am Ammersee ausgesucht. Die Anfahrt nach Herrsching war ein wenig umständlicher als sonst: Die S-Bahn-Stammstrecke war wegen Bauarbeiten gesperrt (wann, wenn nicht an einem Wochenende in den Sommerferien soll das auch gemacht werden, da stört’s am wenigsten), wir mussten erst mal mit einem Zug nach Pasing fahren.

Von Herrsching aus hoch Richtung Andechs, dann gingen wir eine ganze Zeit die Erlinger Höhe entlang. Es setzte Regen ein, doch wir hatten ja unsere superduper Wanderjacken dabei.

Für eine Pause nach zweieinhalb Stunden fanden wir einen weichen und trockenen Platz unter einer riesigen Tanne: Es gab Breze und reife grüne Pflaumen.

Der ohnehin nie starke Regen versiegte. Kurz darauf riss der Himmel auf, die Sonne kam heraus – und es wurde sofort heiß. Leider hatten die Schmerzen in meiner Hüfte und im Bein dazu geführt, dass ich mittlerweile völlig verkrampft ging. Melancholische Gedanken ließen mich froh über die bereits erlebten Wanderurlaube in England, Spanien, Irland, an der Mosel und im Westerwald sein – das ginge jetzt nicht mehr.

Erling. Auf dem Rückweg kamen wir an dem Gelände der riesigen Tank- und Betriebshallenanlage vorbei, die ich auf dem Hinweg von oben gesehen hatte: Die Andechser Molkerei – klar, irgendwo müssen die Andechser Molkereiprodukte ja herkommen.

Wir stiegen ganz hoch bis zum Kloster Andechs, kehrten aber nicht ein (der eine bisherige Besuch hatte nicht die besten Erinnerungen hinterlassen).

Durchs Kiental zurück nach Herrsching.

Kulinarisches Gegenprogramm zum Vorabend: Wir kehrten im Gasthof zur Post ein, Spareribs aus dem Smoker für den Herrn, Spanferkelbrust für mich (die ich nur zur Hälfte schaffte, tse).

Wieder mit einmal Umsteigen fuhren wir zurück nach München, auf dem Weg nach Hause gab es Eis.

Daheim Auspacken und Ausruhen. Beim müden Rumschalten am Fernseher stolperten wir in der Reihe alpha-retro über eine Reisesendung von 1982, Walter Sedlmayr in Portugal:
„Einmal Portugal und zurück“.

Wir blieben daran hängen, weil der Hintergrund des launigen Tonfalls überraschend reflektiert war: Nelkenrevolution, möglicher EU-(damals noch EG-)Beitritt, vor allem aber der touristische Blick und seine Filter- und Verfremdungsgefahr. Die scheinbare Komödie zeigte mehr Respekt vor Land, Leuten und ihre Selbstbestimmung, als ich es von vielen Auslandsjournal-Berichten der Zeit kenne.

Dazu kam die Thematisierung des Filmens selbst: Kamera- und Tonleute waren präsent, mal kicherte der Kameramann über einen pathetischen Text, mal sah man den Tonmann, der sich eben gezeigten Wein einschenkte. Rechts und links böse Witze über den Bayerischen Rundfunk. Und die klassisch romantisierenden Takes von Land und Leuten wurden als gestellt ironisiert: „Jetzt noch alter Mann auf Pferdewagen bitte, sag dem Mann Bescheid, er kann losfahren, wir wären so weit.“

Scheint leider nicht in der Mediathek vorgehalten, wir müssen wohl auf nächsten Samstag warten, wenn ab 20.15 Uhr Walter Sedlmayr nach Österreich und Spanien reist, am 24. August nach Frankreich und Israel.

Journal Freitag, 9. August 2019 – Gemüstag, mit Stern im Tian

Samstag, 10. August 2019

Am Vorabend war es mir zu spät dafür gewesen, jetzt stellte sich Herr Kaltmamsell in aller Herrgottfrüh in die Küche und schnippelte meine Brotzeit nach Wunsch: Fenchel aus Ernteanteil, grüne lange Paprika vom Verdi (leicht scharf), Salzzitronen, Pfeffer, Salz, Rapsöl.

Schmeckte hervorragend – ich beginne Menschen zu verstehen, die Salzzitrone erst mal an alles tun.

Vier Monate im Jahr muss ich ja wegen Oktoberfest einen Umweg um die Theresienwiese machen. Das bringt mich um den weiten Blick, den ich sonst so genieße, hat aber einen enormen Vorteil: Ich gehe an der Feuerwache 3 – Westend vorbei, meine innere Achtjährige bekommt immer wieder etwas geboten. In den vergangenen Tagen stand mehrfach ein Feuerwehrauto vor dem Gebäude, die eine oder andere Klappe geöffnet, Feuerwehrmänner taten Dinge daran. Am Donnerstagabend saß eine Gruppe Feuerwehrler davor in der Abendsonne, Tore zum spannenden Gebäudeinneren offen. Und gestern war gerade ein Leiterwagen vor dem Gebäude in Betrieb, ein Feuerwehrmann mit Helm fuhr im Korb hoch, ein anderer saß unten in der Steuerkanzel und betätigte die Leiter. Ein entgegenkommender Herr, der auch fasziniert nach oben guckte, und ich lächelten einander dämlich vor Begeisterung an.

Der Tag war schnell und überraschend heiß geworden. Auf dem deshalb langsamen Heimweg ging ich bei Bank und Obsthändler vorbei, wir haben jetzt die reichste Obstsaison.

Am Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell verabredet: Ich hatte einen Tisch im mittlerweile sternbekrönten Tian am Viktualienmarkt reserviert.

An die Einrichtung des Restaurants musste ich mich erst mal gewöhnen, diese Polster-und-Bronze-Opulenz kommt bei mir als eher unangenehm neureich an.

Wir entschieden uns für alle sieben Gänge, doch gestern hätte mich die sonst so geschätzte Weinbegleitung überfordert – allein schon die Menge von insgesamt einer Flasche. Also bekam ich die Weinkarte. Die eher übersichtliche Karte war stark österreichisch ausgerichtet und hier auf Gols am Neusiedlersee. Ich hatte noch nie eine Weinkarte in der Hand (besser: vorm Körper – sie war so groß, dass ich mich dahinter hätte umziehen können), in der ich so viele Winzer und Lagen kannte und sogar schon probiert hatte. Ich entschied uns1 gegen einen Orange Wine, da Herr Sommelier bei allen seinen Vorschlägen eine mostige Note zugeben musste, die ich nicht mag. Wir ließen uns einen katalanischen Enric Soler Improvisació empfehlen, der uns sehr gut schmeckte, aber, wie sich herausstellte, sich mit den Gerichten nichts zu sagen hatte.

Der erste Gruß aus der Küche stand schon in einer Vase auf dem Tisch, dunkelgrüne Teigstangen mit Majonese und Blütenblättern. Dazu gab es Champagner De Sousa: Weiß für ihn, rosé für mich.

Der zweite Küchengruß: ein Maissüppchen, sehr angenehm.

Der erste richtige Gang: „Kohlrabi: Radieschen, Buttermilch“. Der Kohlrabi war laut Erklärung die beige Puddingscheibe, darin Tomaten, darüber Radieschen, dazu Schnittlauch-Buttermilch-Soße geträufelt. Nur: Nach Kohlrabi schmeckte hier nichts, Geschmack kam von den Tomaten und Radieserln. Der Pudding schmeckte generisch umami und war cremig, während ich mit Kohlrabi Frische und Knackigkeit verbinde (ich erinnere mich mit Speichelfluss an den kleinen, Frischkäse-gefüllten im Berliner Cordobar).

„Vichyssoise: Queller, Burrata“ war eine ansprechende Kombination, aus dem kalten Klassiker war die Kartoffel deutlich zu schmecken.

„Junger Lauch: Spargel, Pfifferlinge“. Intensiv schmeckten hier die Pfifferlinge, unterstrichen durch Estragon. Der Spargel ging unter, der Lauch brachte Röstaromen mit.

Die „Alternative Ratatouille: Paprika, Tomate, Aubergine“ von der Karte wurde uns als „unsere Interpretation“ vorgestellt. Interessant war hier der klare Tomatensaft, schön herzhaft, auch die sauer eingelegten Einzeltomaten. Und was unter der schimmernden Kuppel hervor kam, schmeckte wie eine sehr, sehr stark eingeschmurgelte Ratatouille. Wie schon beim Kohlrabigang fragte ich mich, was wohl das Ziel einer Küche ist, die ihre Zutaten hinter der Zubereitung versteckt. Artistik? Aber die Frage mag mal wieder vor allem meine persönlichen Vorlieben verraten.

Zur Entschädigung gab es deutlich nach sich schmeckend „Spitzkohl: Pasta, Kümmel“. Wir hatten Krautfleckerl erwartet, deren zentrale Zutaten hier aufgezählt waren, bekamen aber Krautkrapfen. (Die Servicekraft – eine von fünfen, die uns umsorgten – verstand nicht, wovon wir sprachen, das Gericht ist vielleicht zu regional).

Der Käsegang war ein geschmolzener: „Cathare von Maître Anthony: Olive, Zwiebel, Rucola“, sehr gut, vor allem durch die geschmorten roten Paprika.

Dazwischen gab es einen Melonen-Shot mit Ingwerschaum, schön saisonal und wohltuend.

Den Nachtisch mochte ich sehr, weil er sich auf Schokolade, Himbeere, Rose konzentrierte. Die winzigen Küchlein waren aus Mandelteig.

Zum Abschluss ließ ich mir einen Espresso bringen (anständig), dazu gab es Zitronen-Madeleines.

Draußen traf uns mit Wucht eine schwüle Nacht, wir spazierten über den emsigen Gärtnerplatz und durch viele Wochenendeinläuter auf allen Draußensitzplätzen nach Hause.

§

Frau Klugscheißer erzählt am eigenen Beispiel, wie gerade starke Menschen durch traumatische Erlebnisse nachhaltig aus der Bahn geworfen werden können. Und wie sie zurück finden.
„Trauma my ass!“.

§

Für Hispanohablantes:
„Esta jienense puede leer su agenda telefónica gracias a los dibujos de su nieto“.

(Ja, das ist die Schlagzeile. Zu den Merkwürdigkeiten spanischer Kultur gehört, dass die Schlagzeile, wie wir sie kennen, nicht gebräuchlich ist – am ehesten noch auf den Titelseiten von Klatschmagazinen -, sondern als Überschrift etwas dient, was bei uns der Vorspann wäre.)

Zusammenfassung: Die 74-jährige Encarna Alés telefoniert gerne. Weil sie nicht lesen kann, hat ihr Enkel ihr ein Telefonbuch mit Symbolen statt Buchstaben gemalt, das er kontinuierlich aktualisiert. Kürzlich twitterte er Fotos von ein paar Seiten daraus – die Tweets gingen viral.

Darin ist so viel bemerkenswert (neben den seltsamen Überschriftgepflogenheiten):
– Der Spanier hispanifiziert Fremdwörter bis heute völlig ungerührt, retweeten heißt „retuitear“ wie in „Ha sido retuiteado más de 15.000 veces en un día.“.
– Es gibt bis heute ganze Generationen von Analphabeten in Spanien. Das war bei meiner spanischen Yaya so (die jetzt 105 Jahre alt wäre), aber eben auch bei der beschriebenen Encarna Alés. „Encarna Alés tuvo que dejar el colegio para trabajar con ocho años“ – sie musste mit acht Jahren die Schule verlassen um zu arbeiten. War halt so.
– Ihren Namen kann Frau Alés aber schreiben: Das hat ihr Vater ihr beigebracht, damit sie bei der Heirat nicht mit einem Daumenabdruck unterschreiben musste.

  1. Herr Kaltmamsell hat zum Glück noch nie protestiert []

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen