Essen & Trinken

Journal Freitag, 24. September 2021 – Sonniger Wochenabschluss, Doraden

Samstag, 25. September 2021

Wieder Blumengießen unter dem Sternbild des Orion, es war ein herrlich klarer Morgen, noch weit von Frost entfernt.

Aber dennoch auf dem Weg in die Arbeit trotz Sonne ganz schön kalt.

Kaiser-Ludwig-Platz vor der Wahl – CSU und SPD hatten hier auf den Plakaten durchgewechselt. Der Text, nehme ich an, richtet sich an die Wahlberechtigten, die Olaf Scholz vergeblich auf ihrem Wahlzettel suchen und sich wundern.

Im Büro hatte ich erst mal Lust auf eine heiße Tasse Schwarztee, auch ein Herbstzeichen. Den English Classic vom Tee-Handelskontor Bremen hatte ich gar nicht so aromatisch in Erinnerung, die frisch aufgebrühte Tasse duftete mich blumig an.

Mittags Apfel, Feigen, Nektarine mit Quark.

Wundervolles Licht draußen, der September spielte nochmal Sommer. Das dichte Laub glänzte, gelb Blätter nur bei genauem Hinschauen zu entdecken. (Die Miniermotten-gelichteten Kastanien zählen nicht).

Meine Güte: Ich stelle mich inzwischen derart peinlich an, wenn ich mal beruflich unter Druck gerate! Gestern spang ich als Urlaubsvertretung ein, eigentlich war ich lediglich als Ansprechpartner für einen Termin nächste Woche vorgesehen. Doch um 15.01 Uhr, eine Minute nach Feierabend der zu vertretenden Person, musste der Termin komplett umorganisiert werden – und ich panikte total. Zum Glück habe ich genug Erfahrung in solchen Dingen, die sich automatisch zuschaltet, doch erst als ein paar Stunden später alles geklärt war und ich von daheim aus die letzte Mail dazu absendete, beruhigte ich mich langsam.

Auf dem Heimweg besorgte ich beim Verdi das Abendessen: Wir planten Fisch, und zwar Doraden.

Davor war noch Zeit für eine längere Yoga-Einheit, die eine Möglichkeit für unterstützten Fersensitz enthielt: mit Blackroll unterm Po, in meinem Fall hochkant.

Aperitif sollte Manhattans sein, doch überraschend war kein roter Wermuth im Haus – wurde aus Manhattan perfect halt Manhattan dry.

Ich koche so selten für uns, dass mir einige essenzielle Fertigkeiten fehlen. Zum Beispiel beim energischen Anbraten die Küchentür zu schließen: Jetzt weiß ich, wie der Feuermelder im Flur klingt.

Nach Anbraten kamen die Fische in den Ofen und garten bei 180 Grad 15 Minuten fertig – sie gelangen hervorragend. Serviert wurde mit Ernteanteil-Mangold und mit Couscous von Herrn Kaltmamsell, im Glas der Kleine Bruder vom Weingut Schmalzried, den wir im Berliner Wein-Lobbyisten kennengelernt hatten. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen lief dazu der immer wieder erfreuliche Men in Black – der ja wohl unmöglich schon 24 Jahre alt sein kann!

§

In meiner beruflichen Welt ist das schon lange Forschungsergebnis, doch erst langsam werden auch Appelle an die Politik daraus:
Hört auf, bestehende Gebäude (und Straßen) abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen, das ist extrem klimaschädlich! Denn: Die Herstellung von Zement für die Bauwirtschaft ist für acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Hier ein aktueller BBC-Artikel:
„Climate change: Construction companies told to stop knocking down buildings“.

§

Traurige Nachricht aus dem Müncher Tierpark Hellabrunn: Die vierköpfige Erdmännchen-Gruppe ist tot.
„Trauer in Hellabrunn: Unfall auf der Erdmännchen-Anlage“.

§

S’Buberl, s’Mäderl – und alles dazwischen – werden bald mit der Schule fertig (oder sind es gerade) und möchten erst mal was G’scheits lernen?
Wie wär’s mit Gärtner*in? Und das auch noch beim unglaublich rührigen und aufregenden Kartoffelkombinat?
Wir suchen gerade.
(Zudem suchen wir Gärtner*in und helfende Hände.)

Journal Montag, 20. September 2021 – Nachdenken über globalisierte Landwirtschaft

Dienstag, 21. September 2021

Wieder eine gute Nacht, möge das so bleiben.

Der Herbst macht Ernst: Beim Verlassen des Hauses in die Arbeit war es noch so düster, dass die (meisten) Fahrräder das Licht anhatten. Ich versuche mittlerweile, so früh von zu Hause loszukommen, dass ich den Horden von radlenden Schulkindern auf den Gehwegen zuvorkomme. Dass Kinder die Gehwege zum Radeln nutzen dürfen, ist ja nachvollziehbar, dass Fußgängerinnen dafür auf die Straße ausweichen müssen, kann der Verkehrssicherheit nicht dienen.

Im Büro ging’s erst mal rund, manchmal liefert ausgerechnet ein freier Freitag reichlich Nachzuarbeitendes. Dazu ambulante Querschüsse, war aber alles zu machen. Ein IT-Problem führte zu einem überraschenden und erfreulichen Kontakt.

Zu Mittag gab’s einen Apfel und ein Butterbrot mit Selbstgebackenem aus der Gefriere.

Der Tag wurde ein wenig sonniger, doch ich hatte die herbstliche Temperatur unterschätzt: Mein leichtes Jäckchen wärmte nicht genug. Musste ich auf dem Heimweg halt schneller gehen. Ein paar Einkäufe im Edeka, gutes Obst gab’s leider keines.

Zu Hause zog ich mich gleich mal um und turnte nochmal die anstrengende Yoga-Runde vom Vorabend.

Zum Abendbrot hatte Herr Kaltmamsell mir wieder einen Wunsch erfüllt und Ernteanteil-Zucchini zu Marinierten Zucchini auf Ricotta mit Haselnüssen und Minze verarbeitet.

Danach viele Süßigkeiten: Pralinen, Lebkuchenherzenbrezensterne, Kekse, Schokokuss. Das war zu viel, ich hatte Bauchweh.

§

Schlaglicht auf die Auswirkungen globalisierter Lebensmittelproduktion in Zeiten der Klimakrise.
„Hartweizen verzweifelt gesucht: Teigwarenherstellern fehlt Hartweizengrieß“.

via @TexasJim

Dürre und Hitze in den USA und Kanada, Überschwemmungen in Frankreich und zu viel Regen in Mitteleuropa haben die Erntemengen in wichtigen Anbauregionen dramatisch schrumpfen lassen. Kanada ist in normalen Jahren der wichtigste Exporteur für Hartweizen, mit 3,5 Mio. t wird dort in diesem Jahr gerade nur halb so viel Hartweizen geerntet wie im Vorjahr (minus 46,1 %).

Ich bin sehr gespannt, ob sich das auf die heimische Landwirtschaft auswirken wird. Nein, nicht wirklich gespannt: Bis sich landwirtschaftspolitisch etwas bewegt, ist eh alles zu spät.

Hier in der Gegend dominiert weiterhin der lukrative Mais (Futter für Massentierhaltung, Grundlage für Biogas – „Heute hat der Maisanbau einen Anteil von fast 20 Prozent an der gesamten Ackerfläche Deutschlands.“), Getreide ist nur noch vereinzelt zu sehen.

§

MizThreefivesix schreibt über Odalisken:
„Prachtvolles Nichtstun“.

Journal Samstag, 18. September 2021 – Geburtstag in Riedenburg mit Falknerei und Altmühltal-Panoramawanderung

Sonntag, 19. September 2021

Recht gut geschlafen, früh aufgestanden zum Bloggen (mühsam, weil wacklige Internet-Verbindung). Herrn Kaltmamsell geherzt, beglückwünscht und beschenkt: Er hatte gestern Geburtstag. Vorm Fenster hing so früh am Morgen noch Nebel.

Es roch draußen ganz besonders, vielleicht habe ich das noch nie gerochen.

Das Frühstück, das sich Herr Kaltmamsell vom Buffet zusammenstellte, sah ausgezeichnet aus: Schinken, Käse und Backwerk kamen ganz offensichtlich nicht aus dem Supermarkt, sondern vom Metzger und Bäcker, auch die Obstauswahl sah beeindruckend aus. Ich blieb mangels Appetit bei einer Tasse Schwarztee (Kaffe gab’s nur in Form von gutem deutschen Filterkaffee), nutzte das stabilere Internet im Frühstücksraum zum Fertigstellen und Posten des Blogeintrags.

Schon um zehn hatte sich der Nebel gelichtet, wir zogen hinauf zur Rosenburg und der dortigen Falknerei.

Blick vom Aufstieg zurück nach Riedenburg, rechts ein typisches Jurahaus.

In der Wirtschaft der Rosenburg gab’s erst mal Cappuccino, jetzt fühlte auch ich mich befrühstückt. Um 11 Uhr die Flugvorführung, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte – das letzte Mal, rechnete ich mit Herrn Kaltmamsell, war über 20 Jahre her. Wir saßen direkt an der Wiese, auf der die Falkner standen.

Immer noch war die Vorführung großartig: Erklärungen zur Falknerei, zu den Greifvögeln, alles live illustriert von den vier Falknern mit den Vögeln der Falknerei: Ein Uhu war der erste, dann kamen Falken, Milane, verschiedene Seeadler, schließlich meine Lieblinge, die Geier (vor allem Gänsegeier). Dass die Vögel zum Faustappell sehr niedrig einflogen, wusste ich noch – und tatsächlich musste ich nach einem Einflug des Europäischen Seeadlers erst mal meine Haare richten.

Wir stiegen wieder hinunter nach Riedenburg, auf dem anderen Ufer der Altmühl startete die Panorama-Wanderung, die ich ausgesucht hatte und durch die uns Herr Kaltmamsell navigierte.

Nach einer schönen ersten Stunde einen Waldrand entlang wurde es eine Stunde lang eher langweilig: Wir gingen einen Weg, der eindeutig für Maschinen angelegt war und nicht zum Wandern. Danach wurde es aber wieder schön.

Nach drei Stunden machten wir auf dem Teufelsfelsen Pause.

(Foto: Herr Kaltmamsell)
Hier fand ich eine Schaukel – Schaukeln ist toll!

(Foto: Herr Kaltmamsell)
Und wir bekamen unverhofft eine weitere Flugvorführung. Ich aß gerade einen Apfel, als diese Gruppe um einen Falkner mit einem Bussard auftauchte. Der Falkner erklärte viel, ließ den Vogel mehrfach losfliegen und trainierte ihn mit einem Federspiel.

Schöner Abstieg, immer wieder Aussichtspunkte über die Altmühl und Riedenburg, und wir sahen eine kleine Blindschleiche auf dem Weg.

Das „Schwammerl“.

Für die 17 Kilometer hatten wir gemütliche fünf Stunden gebraucht.

In Riedenburg kaufte ich noch in der Konditorei Pralinen ein, bevor wir uns im Pensionszimmer ein wenig ausruhten.

Fürs Abendessen konnten wir leider nicht wieder das hervorragende Restaurant unserer Unterkunft nutzen: Geschlossene Gesellschaft, eine Hochzeitsgesellschaft belegte das Lokal. Wir gingen statt dessen in ein Wirtshaus am Marktplatz.

Ochsenbackerl für das Geburtstagskind, Ripperl für mich, Riedenburger Bier für uns beide. Zum Nachtisch gab es zurück im Zimmer die örtlichen Pralinen.

Mittlerweile war das Pensions-WLAN ganz abgekackt, ich kam nur noch über einen Hotspot meines Smartphones ins Internet, um den Bogpost vorzubereiten. (Mobilfunk LTE volle Kanne – ein Glück.)

Journal Freitag, 17. September 2021 – Wahlhilfeschulung und Ausflug ins Altmühltal

Samstag, 18. September 2021

Gut geschlafen, aber schon um halb sieben aufgewacht.

Ein Lichtblick: Die Zeitung war da!

Ich hatte mir den Tag freigenommen und las nach kurzem Bloggen erst mal die Twitter-Timeline der Nacht nach und die Zeitung. Außerdem hatte ich Zeit für eine ausgiebige und anstrengende Runde Krafttraining.

Eigentlicher Anlass des freien Tages aber war die Wahlhilfeschulung gewesen; es hatte auch Online-Termine gegeben, ich hatte mich dennoch für eine Präsenzschulung Auffrischung für Schriftführende im Wahllokal angemeldet. Vorher packte ich noch meine Tasche für den Ausflug, den ich mit Herrn Kaltmamsell nachmittags antreten würde, nach der Schulung würde es schnell gehen müssen.

Ich radelte unter grauem Himmel raus nach Obersendling, wo in einer schwer zu findenden Etage in einem von zahlreichen Gebäuden eines Industriezentrums ein Konferenzzentrum mit dem Schulungsraum lag. Den Ort kannte ich zum Glück von der letzten Schulung Anfang 2020, ich musste diesmal weniger suchen.

Ausblick aus Schulungsraum.

Wieder war ich sehr beeindruckt von der Vorbereitung des Münchner Wahlamts: Jetzt gibt es auch kleine Filmchen, auf denen Schriftführende zum Beispiel die Bedienung des Wahlkoffers nachschlagen können. Falls Sie Interesse am Schulungsmaterial haben: Hier alles online. Zackig und wohldurchdacht führten eine Trainerin und ein Trainer durch die Infos, unter anderem lernte ich, dass es durchaus Unterschiede zwischen den gesetzlichen Regelungen von Kommunal- und von Bundestagswahl gibt, z.B. bei der Wertung eines Stimmzettels als gültig oder ungültig.

Heimradeln in immer größeren sonnigen Abschnitten, zu Hause stellte ich nur das Rad unter und griff nach meiner Reisetasche: Wir fuhren ins ins Altmühltal, genauer nach Riedenburg.

Ein überfüllter Zug brachte uns bis Ingolstadt Nord, ich aß zwei Äpfel. Von dort nahmen wir den Regionalbus, der uns eine Stunde über die Dörfer nach Riedenburg fuhr. Die Busfahrt entwickelte sich gleich mal zu einem Urlaubserlebnis – von Reisen in entfernte Kontinente bringen Backpacker doch auch immer tolle Geschichten von Fahrten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln mit, das liefern auch die auf dem eigenen Kontinent.

Uns fuhr ein eher junger Busfahrer mit Hipsterbart und Trucker-Kappe – den Typus kenne ich aus Stadtbussen gar nicht hinterm Steuer. Er grüßte uns beim Einsteigen herzlich und kam offensichtlich aus der Gegend: Unterwegs grüßte er nämlich alle Naslang Bekannte: In einem Neubaugebiet hinter Kösching war es eine junge Familie vor Einfamilienhaus, die kurz freundlich angehupt wurde und achthändig winkte, später ein Radler neben der Landstraße, auch ein Traktorfahrer auf einem Feld war unter denen, die einen herzlichen Huper bekamen und ebenso herzlich zurückwinkten. Wie in England wurde beim Aussteigen gedankt und gegrüßt.

Wir kamen durch neue Einfamilienhaussiedlungen, deren zahlreiche Baustellen die entschlossene fortschreitende Bodenversiegelung in Oberbayern dokumentierten (Hochwasserschutz? Welcher Hochwasserschutz?), durch den Speckgürtel der Audi-Gegend Ingolstadt, dann aber auch durch alte und durchaus lebendige Dörfer nördlich des Donautals – die mir aus meiner Zeitungszeit vor 30 Jahren noch gut bekannt waren.

Sandersdorf

Die Rosenburg über Riedenburg, eines unserer Ziele am Samstag.

Wir waren zweieinhalb Stunden von Tür zu Tür unterwegs; mit dem Auto wäre das wahrscheinlich höchstens eine Stunde schneller gegangen, da wir erst mal aus der Münchner Stadtmitte raus hätten müssen.

In Riedenburg bezogen wir unser Zimmer und schauten uns dann ein bisschen im Ort um; ich kam auch an der Lokalredaktion vorbei, in der ich während meines Studiums als Urlaubsvertretung gejobbt hatte.

Unsere Unterkunft hatte ich nach dem Restaurant darin ausgesucht: Forsts Landhaus. Wir setzten uns als erste Gäste zum Abendessen, denn wir hatten großen Hunger. Und aßen ausgezeichnet. Als Apertitif nahmen wir Sekt mit hausgemachtem Quittensaft, Gruß aus der Küche war ein wenig Schweinebauch in japanischer Sauce mit Rote-Bete-Salat. Die Wirtin empfahl uns zu unserer Essenswahl einen deutschen Rotwein: einen württemberger Konvent Dürrenzimmern Lemberger-Merlot, den ich blind nie als deutschen Wein eingeordnet hätte und der uns sehr gut schmeckte (kräftig und nelkig).

Meine Vorspeise war Makrele mit Linsen und Avocado-Creme.

Herr Kaltmamsell hatte Pfifferling-Terrine.

Als Hauptspeise hatten wir beide Jura-Lamm ausgesucht, dass mit Zucchini, Pilzen und gebratener Polenta serviert wurde.

Mein Nachtisch: Cassis-Parfait in Schokomarzipan-Mantel.

Herr Kaltmamsell bekam Mango-Mousse mit gebackenen Pfirsichen.

Wir hatten sehr gemütlich über mehrere Stunden gegessen und waren jetzt sehr satt – und froh, dass wir nur zwei Stockwerke bis ins Bett gehen mussten.

§

Schafbäurin Helen Rebanks zeigt ihren Vormittag auf dem Hof (Schafbauer James Rebanks ist auf Lesereise in Norwegen) als Story auf instagram.

So gefallen mir die Stories auf instagram am besten, ein Mix aus Filmchen und Bildern, manchmal erklärende Untertitel. Womit ich leider weiterhin nichts anfangen kann: Minutenlanges Sprechen in die Kamera (ich bin fast nie in einer Situation, in der ich den Ton anmachen kann, und selbst dann gleicht das Podcasts – für die ich nur alle paar Wochen eine Gelegenheit finde), reihenweise Re-Posten der Twitter-, Tiktok- und instagram-Posts von Leuten, denen ich nicht folge (ich nehme an, das hat die Hinweis-Funktion, die früher Blog-Einträge hatten). Das heißt natürlich nicht, dass man die Stories-Funktion nicht so verwenden soll – ich begrüße grundsätzlich, dass alle Web-Funktionen für alles verwendet werden. Es heißt nur, dass ich bedaure, keinen Zugang zu den enthaltenen Informationen zu haben, vor allem zu den in die Kamera geredeten.

Journal Mittwoch, 15. September 2021 – Crosstrainer aushäusig

Donnerstag, 16. September 2021

Gute Nacht, ein bisschen zu früh zu Ende.

Der Morgen war zwar bedeckt, aber immer noch mild: Ich zog ohne Jacke los in die Arbeit.

Am Vormittag immer wieder bewusst die ratzekurzen Haare genossen und dass mir nichts mehr in die Stirn hängt.

Mittags kurz raus zum Discounter für Einkäufe (Obst, Brotzeit, Süßigkeiten). Mittagessen waren die Nudeln in gehaltvoller Sauce vom Vorabend. Meine Zeitung war wieder nicht geliefert worden, das Abteilungs-Exemplar hatte sich schon jemand anders geschnappt – dann las ich halt überm Mittagessen zur Abwechslung die FAZ (auch wenn mich der Verzicht auf Lokalnachrichten schmerzte – ich werde beim Süddeutschen-Abonnentenservice ein bisschen böse werden müssen, wenn mir die bezahlte Zeitung über Wochen einfach nicht geliefert wird; reine Meldung der Nichtlieferung hat nicht geholfen).

Nach Feierabend zog ich mich um und marschierte zum Sportverein: Endlich mal wieder ein Stündchen Crosstainer, der heimische ist ja dauerhaft kaputt. Ich schwitzte ordentlich, kam aber nicht zur Ruhe – ich hatte meine Kopfhörer vergessen, die Halle unter den Ausdauergeräten war menschenleer ohne Training, ich konnte meinen Geist nur an den verschiedenen Anzeigen der Trainingsintensität festhalten.

Unter düsterem Himmel ging ich heim, duschte, stellte das Abendessen fertig.

Das Linsenpüree mit Croutons schmeckte gut, aber nicht spanisch (obwohl nach spanischem Rezept aus dem Internet zubereitet). Vielleicht braucht es deutlich mehr Knoblauch und Olivenöl.

Zu heftigem Regen ins Bett.

§

Hotel Matze als Youtube-Film: Paartherapie mit Hazel und Thomas, also mit Hazel Brugger und ihrem Mann Thomas Spitzer.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/bvN4uOsWUtU

Auch als Podcast wie gewohnt.

Fand ich wirklich spannend. Unter anderem überraschte mich, wie Thomas Hazel beschreibt, nämlich ausgesprochen kompetitiv.
Klasse auch, dass Hazel sich ein wenig in die Karten schauen lässt, wie ihre Comedy funktioniert – was so leichthin und lakonisch wirkt, ist natürlich exakt berechnet und durchgeplant.

Journal Dienstag, 14. September 2021 – Schwindel, aber Haarekurz

Mittwoch, 15. September 2021

Sie sind ja wirklich ganz zauberhaft: Vielen Dank für die Glückwünsche zum Bloggeburtstag!

Guter Nachtschlaf, der allerdings schon vor fünf endete. Jetzt steht auch wieder Herr Kaltmamsell um sechs mit verschwommenen Gesichtszügen in der Tür, gestern begann der Unterricht im Schuljahr 2021/2022. Beim Verlassen der Wohnung nahm er meine Hand: Ob ich ihn vielleicht in die Schule bringen könne? (Diese Situation ist für Lehrerinnen und Lehrer ja doppelt hart.) Mit etwas mehr Vorlauf hätte ich mir freinehmen können, das machen wir beim nächsten ersten Schultag nach Sommerferien.

Ein weiterer schöner Spätsommertag, es war sehr warm und leicht diesig. Ich ging nochmal in Sommerkleid und Sandalen in die Arbeit.

Allerdings fühlte ich mich gar nicht gut: Lange nicht mehr erlittenes Feature Schwindel. Gestern musste ich mich beim Arbeiten im Stehen immer wieder am höhenverstellbaren Schreibtisch festhalten, um nicht umzufallen.

Mittags gab es ein Stück Weißbrot und eine Honigmelone (nach sechs Wochen Nachreifen ganz ok). Nachmittags gesellte sich zum Schwindel eine Kreislauf-Attacke mit Schweißausbruch und Heißhunger, die mich über Honigwaffeln, Duplo und schwarze Schokolade in meiner Notfall-Schublade herfallen ließ. Hätte ich nach der Arbeit nicht den lang ersehnten Friseurtermin gehabt, hätte ich mich krank gemeldet.

So aber eierte ich nach Feierabend zum Stiglmaierplatz (die Schreibweise muss ich übrigens je-des-mal nachschauen) und ließ mir die Haare endlich wieder wirklich kurz schneiden. Gesprächsthema dazu die deutsche Parteienlandschaft: Es war hochinteressant, mal eine ganz andere Einordnung zu hören.

Daheim setzte ich umgehend Linsen auf für das Abendessen am Mittwoch: Puré de lentejas, spanisches Linsenpüree – ich versuche eines der wenigen Gerichte nachzubauen, die bei meiner spanischen Yaya wirklich schmeckten.

Als gestriges Nachtmahl hingegen servierte Herr Kaltmamsell das erste Gericht aus Rachel Roddys An A to Z of Pasta: Conchiglioni stuffed with spinach and ricotta, also große Muschelnudeln gefüllt mit Ricotta und Spinat, im Ofen mit Tomatensauce, Bechamel und vielerlei Käse überbacken.

Schmeckte ganz hervorragend und gehaltvoll, ich aß reichlich davon. Es passte nicht mal mehr Nachtisch dahinter.

Endlich mal wieder ein neues Buch angefangen, im Urlaub war ich vor lauter Rumlaufen, Internetlesen und -schreiben fast nicht zum Bücherlesen gekommen: Kännchen-Bloggerin Vanessa Giese hat beim Insel-Verlag einen Roman über die Luftfahrtpionierin Katharina Paulus veröffentlicht, Die Frau, die den Himmel eroberte; den lud ich mir aufs Lesegerät.

§

Aufschlussreiches Interview mit einem Sozialwissenschaftler zur Ideologie der Taliban:
„Adam Baczko: ‚Die Taliban sind keine totalitäre Bewegung'“.

Die Taliban streben eine konservative Revolution an. Für die Sozialisten des zwanzigsten Jahrhunderts ist eine konservative Revolution ein Widerspruch. Aber die Taliban sind der Beweis dafür, dass es möglich ist. Sie reden ständig davon, zu den alten Zeiten zurückzukehren, die alte Ordnung wiederherzustellen, den Eigentümern ihre Rechte zurückzugeben, den Familienvätern die Autorität im Haus wiederzugeben. Es ist ein Diskurs der Rückkehr zu einer afghanischen Geschichte, die durch ausländische Interventionen unterbrochen worden sei. Es geht darum, die große Zerrüttung des Bürgerkriegs zu beseitigen. Dies ist offensichtlich eine erfundene und umgeschriebene Geschichte. Doch hinter dem Wunsch, wieder eine Kontinuität mit der Vergangenheit herzustellen, verbirgt dieser konservative Diskurs etwas Revolutionäres, denn die Taliban sind bereit, die Eliten und das Legitimationssystem in Afghanistan zu stürzen, um ihre mythische Vergangenheit aufleben zu lassen.

Ich fühle mich sehr an die Sehnsüchte in Großbritannien erinnert, die zum Brexit führten.

§

Sie wohnen in/um München und kommen wegen Lieferschwierigkeiten nicht an ein neues Rad? Wir wär’s mit einem gebrauchten neuen Rad? Nächsten Freitag und Samstag ist wieder Radlflohmarkt der Stadt München.

§

Regelmäßig mache ich mich über die gewollt originellen Abkürzungen für Forschungsprojekte lustig. Gestern musste ich aber gestehen: Um die Abkürzung des Zentrums für Brandforschung kommt man praktisch nicht rum.

Journal Samstag, 11. September 2021 – An der Isar entlang von Freising nach Moosburg

Sonntag, 12. September 2021

Wir wollten nochmal wandern. Auf der Bahnfahrt in den Bayerischen Wald waren wir auf die Idee gekommen, die Isar, die wir eine Weile sahen, entlang zu gehen: Eine Fortsetzung der Isarwanderung von Ismaning nach Freising vor vier Jahren.

Nach Ausschlafen bis acht und gemütlichem Morgen brachen wir gegen elf zum Bahnhof auf. Das Wetter war als durchwachsen angekündigt, wir packten Regenjacken ein (der Sonntag mit sicherem Sonnenschein passte uns nicht so gut). Ziemlich voll besetzte Regionalbahn nach Freising, die Bayern-Cosplayer darin deuteten bereits an: In Freising ist Volksfest (ohne infektionsträchtige Bierzelte und deshalb in „Familienpark“ umbenannt).

Auf der Wanderung bekamen wir einige Tiere zu sehen: Schon auf der Hinfahrt sah ich ein Reh vor einem Maisfeld und den ersten Falken. Die Wanderung bot dann Schwalben, Eichelhäher, endlich mal einen Grünspecht, Gänsesäger, Graureiher, Libellen, Schmetterlinge, Kormorane, auf der Heimfahrt saß ein Kaninchen im Feld. Blöderweise hatte ich die unangenehmen Tiere schon wieder vergessen: Stechmücken. Wieder hatte ich nur an Sonnenschutz gedacht und nicht an mein Mückenspray. Direkt am Fluss war das gar nicht schlimm, doch sobald wir uns in die Nähe von stehenden Gewässern begaben, von Pfütze bis Tümpel, also zu den Mücken-Brutplätzen, versuchten die Viecher mich zu fressen. Zum Glück schützten mich lange Hosenbeine und kurze Ärmel, doch ich ärgerte mich sehr über meine Dummheit. Zumindest habe ich das Fenistil für die Folgen bereits daheim.

Um Abwechslung in die Strecke zu bringen, hatte Herr Kaltmamsell eine alternative Route über Dörfer nördlich der Isar als Alternative herausgesucht. Dahin bogen wir bald Richtung Marzling ab und genossen Ausblicke übers Isartal, musste aber feststellen, dass es sich um eine Radwanderroute hauptsächlich auf Landstraße handelte. Da geht sich’s nicht schön, nach wenigen Kilometern kehrten wir an den Uferweg der Isar zurück (ebenfalls Radwanderweg, doch es waren nicht viele unterwegs). Was es dort nicht gab, waren Bankerl zum Pausenmachen. Wir ruhten uns auf einem als „Picknickplatz“ deklarierten Baumstamm aus, ich aß Äpfel.

Das Wetter hielt, wir gingen meist in Sonnenlicht, das von Bäumen gefiltert wurde. Der Auwald war wildromantisch, wir sahen viele zerbrochene und umgestürzte Weiden.

In Moosburg hatte ich zum Einkehren einen Gasthof in der Nähe des Bahnhofs ausgesucht. Auf dem Weg dorthin von der Isar kreuzten wir die Stadt einmal, stellten fest, dass auch hier Volksfest war und dass das ein ganz bezauberndes Städtchen ist, einen eigenen Besuch wert. Hier erwischte uns auf den letzten Metern doch noch ein Regenschauer, jetzt aber wirklich verschmerzbar. Für die rund 20 Kilometer waren wir gut fünf Stunden unterwegs – und beide erstaunlich erschöpft. Allerdings hatten wir auch beide bereits beim Start gemerkt, dass wir unterdurchschnittlich fit und von der Woche müde waren.

Zur abschließenden Brotzeit gab es Kässpatzen für Herrn Kaltmamsell, den größten Teil eines Brotzeittellers für mich, außerdem den Beilagensalat meines Begleiters.

Die Bahn zurück nach München war wieder gut gefüllt, auf dem Heimweg holten wir uns noch zum Nachtisch ein Eis beim Nachbarschafts-Eisdieler.

Isar bei Freising.

Marzling

Aussicht übers Isartal.

Idyllischer als die im Verlauf der Wanderung immer breitere Isar war die ein Stück parallel fließende Moosach:

Aber an der Isar ging es sich auch schön.

Einkehren in Moosach:

§

20 Jahre war es gestern her, dass Terroristen vier Passagierflugzeuge als Massenmordwaffen verwendeten, zwei davon ins World Trade Center in New York flogen, eines ins Pentagon; das vierte – das hatte ich fast schon vergessen – wurde von eingreifenden Passagieren zum Absturz gebracht, ohne dass es mehr zerstören konnte (das hatte mich seinerzeit fast am meisten bewegt). Gestern fragte ich Herrn Kaltmamsell zum ersten Mal, wie er dieses Ereignis erlebt hatte – unsere Berufsleben waren damals sehr weit voneinander entfernt.

Immer noch ist die Brutalität der Tat so unfassbar, dass ich mich ihr nur anhand von Details nähern kann. Esquire schreibt über den Umgang mit Fotos des Ereignisses, genauer: mit den Fotos von den Menschen, die sich zwischen Einschlag der Flugzeuge und Zusammenbruch der Wolkenkratzer in den Tod stürzten.
„The Falling Man“.

Lange waren sich nämlich die Redaktionen einig gewesen, dass man diese Bilder nicht zeigen würde. Und alle Stellen, dass man diesen Aspekt ausblenden würde – bis hin zur Unmöglichkeit, die Zahl der so ums Leben gekommen Menschen zu erfassen. Das ändert sich wohl gerade.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen