Essen & Trinken

Journal Samstag, 15. Dezember 2018 – Kälte, Chai, Schneeflocken, Schäuferl und die heilsame Wirkung einer Freundesrunde

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ausgeschlafen.

Nachdem ich für weitere Weihnachtsbäckerei drei Packungen Mandeln blanchiert und geschält hatte, war es halb zehn und unter Schneehimmel immer noch so dunkel, dass man überall in der Wohnung Lampenlicht brauchte. Es sah nicht danach aus, als würde es noch spürbar heller (sind wir im Berliner Winter oder was?), ich machte mich auf zum Laufen.

U-Bahn zur Universität, von dort durch den Englischen Garten an die Isar. Es fühlte sich saukalt an, obwohl die Apothekenthermometer Temperaturen nur wenig unter dem Gefrierpunkt anzeigten. Dass das stimmte, merkte ich beim Laufen: Erst wenn’s deutlich unter Null kalt wird, schmerzen meine Bronchien.

Diese Kiesbänke liegen in dem niedrigen Wasserstand nun schon seit so vielen Monaten frei, dass sie zuwachsen.

Das Laufen ging gut, mich plagten keine Schmerzen. Allerdings hatte ich gestern einen sehr dummen Tag: Manchmal ist man physisch einfach nicht gut in Form, manchmal geht es mir so halt auch mit dem Hirn. So sah ich am Boden der klaren, niedrigen Isar einen Gullideckel und brauchte peinlich viele Momente, bis ich vom Grübeln, welche Funktion ein Gulli in einem Flussbett haben könnte, auf die Idee kam, dass jemand halt einen Gullideckel in die Isar geworfen hat. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie ich es überhaupt durchs Abitur geschafft habe.

Auf dem Heimweg beim Umsteigen am U-Bahnhof Giselastraße Semmeln zum Frühstück gekauft.

Kuriosität: Auf beiden U-Bahn-Fahrten hin und zurück wurde meine Fahrkarte kontrolliert – vom selben jungen Mann. Beim zweiten Mal grüßte ich ihn lachend und er winkte freundlich sofort ab, als ich wieder nach meiner Tageskarte kramte: „Hab‘ ich schon gesehen.“

Zum Frühstück kochte ich aus dem Chai-Gewürz, das mir eine liebe Kollegin mitgebracht hatte, Chai. Meine wiederholte Frage nach Mengen und Zubereitungsart hatte sie hartnäckig lediglich mit: „Boil it!“ beantwortet. Ich recherchierte natürlich (so kann ich nicht arbeiten! ich brauche präzise Angaben!) und stieß auf diesen schönen Blogpost:
„How to Make [the best] Chai [ever]“.

Autorin Tanvi gibt nicht nur ihr Familienrezept weiter, sondern erzählt auch die Ursprünge von Chai (die Briten waren’s mal wieder) sowie ein bisschen wissenschaftlichen Geschmackshintergrund.

Das war schon mal nicht schlecht, das nächste Mal nehme ich aber auf die 200 ml Wasser und 200 ml Milch nur einen Teelöffel Tee und nur einen gestrichenen Teelöffel Gewürz. Die zwei Teelöffel Zucker können so bleiben. Boil it!

Kleine Einkaufsrunde. Fast hätte ich auch eine Plätzchendose gekauft, die ich vergangene Woche im Vorbeigehen gesehen hatte. Aber bei näherer Begutachtung war sie mir doch zu windig und schlecht verarbeitet für 20 Euro.

Daheim Weihnachtsbäckerei: Schneeflocken nach Frau Mutti.

Eine sehr kuriose Teigkonsistenz durch Stärke/Puderzucker, an die ich mich erst gewöhnen musste.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell bei lieben Freunden eingeladen: Es gab direkt importiertes fränkisches Schäuferl, zubereitet vom fränkischen Gastgeber. Außerdem war uns die Verkostung einer Wermuth-Entdeckung angekündigt worden, worauf ich sofort beschloss, meine eigene Wermuth-Entdeckung vom Meatingroom-Abendessen mitzubringen – zum Danebenprobieren. Zum Besorgen war ich ja am Freitagabend eigens nach Haidhausen gefahren.

Allerdings stolrperte ich dann über meine Tagesdummheit. Zum einen kamen wir gehörig zu spät zum Essen – ich hatte uns in die falsche U-Bahn gesetzt (weil ich nur einmal auf die Anzeige der nächsten U-Bahnen geschaut hatte und die einfahrende U-Bahn selbst nicht gecheckt) und das erst auf weit fortgeschrittener Fahrt gemerkt. Zum anderen stellte ich fest, dass die angekündigte Wermuth-Entdeckung mit meiner identisch war. Die lieben Freunde wären keine lieben Freunde, wenn sie mir das eine oder das andere irgendwie übel genommen hätten, außerdem war die Tischrunde solch eine fröhliche, dass ich schnell vergaß, mich über mich zu ärgern.

Wir bekamen nach wundervoller Maronisuppe sensationelles Schäuferl – die Kruste habe ich auch in Restaurants noch nie so perfekt rösch gegessen. Dazu vielfältigste Gespräche, in denen ich unter anderem Unangenehmes über die Münchner Ausländerbehörden erfuhr, einen Briten als neuen deutschen Landsmann begrüßte, Gepflogenheiten griechischer Expats in München zu Ostern lernte, große Lust auf Silvester in Athen bekam (zu Mitternacht tuten alle Schiffe in Priäus!), wir uns Gedanken über den Einfluss von Herkunft auf individuellen Charakter machten. (Ich möchte die Antwort auf Frage 394. ergänzen: den von P (griechisch).)

§

Sehr bewegt hat mich diese Geschichte auf Zeit onlie über ein muslimisches Seelsorgetelefon.
„Bin ich reif für die Ehe? Ist der Islam zu groß für mich? Was trieb meine Schwester zum IS?“

via Readonmydear

§

Ein flammender, fachlich fundierter und sehr unterhaltsam zu lesender Text der Juramama:
„Raus aus meinem Uterus. Der § 219a und seine Freunde.“

Man stelle sich mal ein staatliches Programm vor, das an die verpflichtende Konfliktberatung für ungewollt Schwangere ein Antragsrecht auf finanzielle Absicherung knüpfen würde. Ein Programm, dass diese Frauen mit 1500 Euro monatlich bei der Kinderaufzucht staatlich unterstützt, wenn sie das Kind nach einer Beratung dann tatsächlich bekommen. Freilich zusätzlich zum rentenrelevanten Erwerbseinkommen.

(…)

Es gibt kein einziges Gesetz in Deutschland, das exklusiv in den Körper von Männern eingreift.

Kein Gesetz „schützt“ den Mann vor etwas, zu dem sein männlicher Körper biologisch exklusiv in der Lage ist. Kein Gesetz knüpft eine Entscheidung über etwas, was nur ein männlicher Körper kann, an Strafbarkeiten oder Beratungen.

Inklusive Ausflug in die Rechtsgeschichte der Abtreibung, eng verbunden mit der Rechtsgeschichte unehelicher Schwangerschaften und Kinder.

via @widenka

Der Fairness halber weise ich auf eine argumentative Unsauberkeit hin: Bloß weil etwas nachweisbar bis vor Kurzem nicht bedacht wurde (ab wann ist die befruchtete Eizelle ein Mensch?), muss es nicht irrelevant sein. Auf die Antwort müssen wir uns als Gesellschaft halt einigen.

§

In der Reihe „Militärs mit Humor“ (ahem…): der diesjährige Weihnachtsgruß der niederländischen Marine (bis zum Schluss gucken).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/xwlSSYaghoA

via @AugenGeradeaus (eh klar)

Journal Samstag, 8. Dezember 2018 – Walnüsseknacken

Sonntag, 9. Dezember 2018

Bei Sonnenaufgang zeigte sich blauer Himmel überm Wind, ich freute mich auf einen Lauf an der Isar – der dann auch ziemlich windig war.

Nach dem Duschen radelte ich mit Rückenwind in die Maxvorstadt, um bestellte Bücher abzuholen, mit Gegenwind und schwerer Tasche zurück.

Frühstück, Umstellen des Blogs auf die neue WordPress-Version. Ich sehe es ja durchaus als Sport für die geistige Beweglichkeit an, mich hin und wieder an neue CMS-Oberflächen zu gewöhnen, doch das Schreiben im HTML-Modus ist jetzt schon deutlich mühseliger: Ich muss wirklich jeden Tag manuell eintippen (Bilder! Links!). Mal sehen, wann ich einknicke und zum Schreiben und Bauen der Posts auf die Layoutansicht wechsle. (Allerdings hakt bei mir in der Layoutansicht das Linkeinbinden in der „Optionen“-Ansicht.)

Plätzchen gebacken, zumindest die ersten Schritte (Kekse gebacken, Füllung gerührt, die zum Füllen allerdings erst fest werden musste). Klassische Ausstecherl habe ich schon so lange nicht mehr gemacht, dass ich ein Highlight vergessen hatte: Restteig naschen!

Und dann nahm ich mir den Korb mit den Walnüssen aus Schwägerins Garten vor, hörte dabei Musik.

Das waren dann doch zwei Stunden Knackens.

Herr Kaltmamsell war unterwegs, ich machte mir zum Abendbrot Ofengemüse aus Restkartoffeln, Karotten, Rosenkohl, Lauch aus Ernteanteil, außerdem gab’s Mutters Plätzchen.

§

Passt zu Geschichten, die mir persönlich erzählt wurden:
„Schülerinnen wird vom Informatikstudium abgeraten“.

Ja, es geht um Österreich – aber Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, dass das in Deutschland anders ist.

§

Und weil wir gerade dabei sind: Für die FAZ schreibt Julia Bähr in der Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind“:
„Woran man Sexismus erkennt“.

§

Niemand schreibt so schön über CDU/CSU und Angela Merkel wie Mely Kiyak für die Zeit:
„Sie steht noch einmal auf und winkt“.

§

„‚Letzte-Hilfe-Kurs‘ Wie Angehörige lernen, Menschen in den Tod zu begleiten“.
via @claudine

Journal Freitag, 30. November 2018 – Besuch aus Oldenburg und Meyer Lemon Bars

Samstag, 1. Dezember 2018

Ziemlich unruhige Nacht: Da der Donnerstag wirklich unglücklich für ein Fehlen in der Arbeit gewesen war, hielt mich die Sorge um all die aufgelaufenen Jobs wach.

Im Büro nahm ich mir dann auch nicht mal Zeit fürs Teekochen, sondern machte mich umgehend an eben diese Jobs.

Die Lage beruhigte sich, ich konnte wie geplant früher gehen – denn ich erwartete Besuch aus Oldenburg auf der Durchreise. Das Wetter entschied sich dazu, genau jetzt den angekündigten Regen zu starten, doch der Oldenburger Besuch war ganz Anderes gewohnt und brauchte für den Spaziergang durch Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel nicht mal eine Kapuze. They make them fierce, them women up North!

Zum Abendessen kochten Herr Kaltmamsell und ich Currys, er ein Chicken Tikka Masala und Naan, ich Palak Paneer.

Aus den beim Vollcorner entdeckten Meyer-Zitronen hatte ich zum Nachtisch Lemon Bars gemacht. Sie schmeckten schön nach den besonderen Zitronen, aber ich glaube nicht, dass das meine Lieblingsverwendung wird. Als nächstes plane ich Lemon Curd mit ihnen.

Wunderschöner Abend mit dem Besuch, den ich nach langer Pause zum dritten Mal in drei Monaten sah – daran könnte ich mich sehr gewöhnen.

Journal Dienstag, 27. November 2018 – Schneebavaria und geschwungene Nudeln

Mittwoch, 28. November 2018

Verschlafen: Ich hatte vergessen, den Wecker zu stellen – um viertel nach sechs wunderte sich Herr Kaltmamsell genug darüber, dass sein Morgenkaffee ausblieb, um mal nach mir zu sehen, und weckte mich.

Es schneite nass.

Zum ersten Mal in der Saison: Die Bavaria im Schnee. Freundlicherweise hat man mir fürs Foto einen dekorativen Vordergrund augeschüttet und die Baggerschaufel draufgelegt. (Das ist nämlich das Einzige, was ich je übers Fotografieren gelernt habe, von einer Freundin, die zu Studienzeiten Fotografieren systematisch in Kursen und aus Büchern lernte: Immer einen Vordergrund suchen. Heute weiß ich, was ich wirklich können müsste, um die Fotos zu schießen, die ich gerne aufnehmen würde: Mich unsichtbar zu machen.)

Auf meinem Heimweg hatte es aufgehört zu schneien. Ich machte einen Umweg über die Blumenstraße, um im dortigen Kräuter- und Gewürzladen gemahlenen Kardamom zu bekommen – Herr Kaltmamsell, der sich beim Einkaufen viel Mühe gibt, hatte keinen gefunden.

Aushäusiges Abendessen. Auf meiner Einkaufsrunde am Samstag war mir an der Sonnenstraße kurz vor dem Sendlinger Tor aus einer Ladentür ein ganz kleines Kind entgegengestolpert, schnell eingefangen von einer alten Dame. Ich hob den Blick und sah im Schaufenster einen Mann mit Kochkappe Nudeln wirbeln, chinesische Nudeln. Eine spätere Recherche ergab: Wo ich seit vielen Jahren einen Running Sushi kannte, ist jetzt Max’s Beef Noodles.

Wir wurde von einem freundlichen und sehr eleganten älteren Herrn bedient, die Suppe war für das Schmuddelwetter genau das Richtige (ich beim Essen). Als Beilage hatte ich (offensichtlich geprügelten) Gurkensalat bestellt, sehr gut. Und wir guckten eine Weile Nudelschwingshow.

§

„The trouble with talking“.
Im Merkur von Kathrin Passig ein kleiner Steinbruch an Argumenten, nicht nur zur Wertigkeit von mündlicher Kommunikation vs. schriftlicher, sondern auch zur (nicht haltbaren) Unterscheidung zwischen zwischenmenschlichem Austausch offline und online. Unter anderem mit Beobachtungen wie:

Naturgemäß kommt die Verteidigung der Mündlichkeit vor allem aus Gruppen, die durch physische Anwesenheit Vorteile genießen, also von Personen mit unproblematischen Körpern, die redegeübt und sozialkompetent sind und es sich leisten können, zur richtigen Zeit lange genug am richtigen Ort zu sein.

§

Es gibt Themen, die ich mich inzwischen schäme anzusprechen: Zum Beispiel Antisemitismus. Vor lauter Scham und Fassungslosigkeit ertappe ich mich dabei, wie ich beim Anblick von Artikeln über Antisemitismus am liebsten wegsähe; Scham weil ich offensichtlich nicht genug getan habe, ihn zu verhindern. Das wäre natürlich das Allerschlimmste, denn als Nächstes sähe ich dann bei antisemitischen Äußerungen und Handlungen weg – wie es die Mehrheit im Deutschland der 30er tat. Also: Tief Luft geholt und besonders genau hingesehen, nämlich auf die Umfrage von CNN, treffend betitelt mit:
„A shadow over Europe.
CNN poll reveals depth of anti-Semitism in Europe“.

Ausschnitte:

A third of Europeans in the poll said they knew just a little or nothing at all about the Holocaust, the mass murder of some six million Jews in lands controlled by Adolf Hitler’s Nazi regime in the 1930s and 1940s.

More than a quarter of Europeans polled believe Jews have too much influence in business and finance. Nearly one in four said Jews have too much influence in conflict and wars across the world.
One in five said they have too much influence in the media and the same number believe they have too much influence in politics.

(…)

Nearly one in five said anti-Semitism in their countries was a response to the everyday behavior of Jewish people.

§

Ein Lied über einen weißen Schmetterling, die Königin aller Schmetterlinge.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/UoBGR8ZTi2o

(Mehr über Lole y Manuel.)

Journal Samstag, 24. November 2018 – Chinesisches Schwiegerfamilienessen

Sonntag, 25. November 2018

Ausgeschlafen, zu Nieselregen und mit bösem Kopfweh aufgewacht. Ibu half nur temporär.

Für gestern Mittag hatte Herr Kaltmamsell seine Eltern und Tante/Onkel zum Essen eingeladen, Chinesisches mit Soja, ich übernahm die Besorgung von begleitendem Wein und ein paar Kleinigkeiten.

Den Wein (ich hatte mir zum Chinesischen einen Riesling vorgestellt) bekam ich nicht beim kleinen Weinhändler an belebter Innenstadtstraße, den ich angesteuert hatte – weil der erst um 11 Uhr aufmachte. Also weißt‘, München: Ja, ich bin als Frühhaufsteherin eher die Minderheit. Und ja, du bildest dir etwas auf dein bissl Italienischsein ein, das zu Arbeitszeiten eher ab 9 Uhr denn ab 8 Uhr führt. Und kleine Läden dürfen in der Innenstadt meinetwegen am Samstag etwas später öffnen, deshalb hatte ich ja 10 Uhr einkalkuliert – ABER ELF? ERNSTHAFT?

Auf dem Viktualienmarkt ließ ich mir eine reife Mango aussuchen, den Wein suchte ich im Biosupermarkt eigenmächtig aus: rheinhessischen Riesling Spätlese vom vertrauten Weingut Keth, der sollte auch Szechuanpfeffer etwas entgegenzusetzen haben.

Ich kaufe zwar nur ein- bis zweimal im Jahr bei ihr Blumen, doch die Blumenstandlerin am Sendlinger Tor gab vor, mich wiederzuerkennen. Beim Einwickeln der Amaryllis (zack, Ohrwurm) meinte sie nur kurz: „Wasser wissn’S ja.“ Ich riet: „Wenig, richtig?“ und traf. Nur so viel – die Standlerin hielt Daumen und Zeigefinger etwa sieben Zentimeter weit auseinander – in die Vase, wenn’s mit der Zeit weniger wird, macht’s auch nichts.

Während meiner Einkaufsrunde war der Niesel zu größeren Tropfen angewachsen, die ein paar Stunden blieben – immer noch viel zu wenig.

Daheim wirblete Herr Kaltmamsell in der Küche, ich baute und deckte den Tisch, räumte die Wohnung auf (Einsatz der uralten Kulturtechniken Bügelwäscheverstecken und Krams-in-Schubladen-stecken).

Tischdeko kann ich nicht.
Herr Kaltmamsell hatte sich als Motto des Menüs Variationen von Soja gesetzt. Es gab also eine selbst erfundene Udon-Suppe, die neben viel Gemüse und etwas Rind auch gepressten, gebratenen Seidentofu (köstlich!) enthielt. Zum Hauptgang servierte er Auberginen mit Sojahack (auf der Basis von fish fragant aubergine) sowie Soja in würziger Soße („pock-marked old woman’s tofu, vegetarian version“ aus Fuchsia Dunlop, Every Grain of Rice).

Als Nachtisch hatte Herr Kaltmamsell den bewährten Kokospudding mit Mango gekocht, allerdings mit braunem Zucker (keine gute Idee, macht eine unangenehme Farbe) und deutlich weniger Tapioka – selbst dann wurde der Pudding fester als gewünscht.

Dazu angenehmste Geselligkeit. Den weiteren Nachmittag und Abend verbrachten wir mit Aufräumen, Abspülen, Internetlesen (ich), Lehrerarbeit (er) und abschließendem Resteessen. Erst am späten Nachmittag war ich die blöden Kopfschmerzen los.

§

Erschütternde Nachrichten aus Spanien:
Der Gemeinderat des spanischen Orts Betanzos, der Tortilla-Hauptstadt, hat für den alljährlichen Tortilla-Wettbewerb die Verwendung von Zwiebeln untersagt.
Tortilla ohne Zwiebeln? Untergang der Zivilisation!

Werde ich also in künftigen Onlineprofilen „cebollista“ hinterlegen. (Gnihi, auf Spanisch klingt das immer gleich nach politischem Aktivismus – ich grinse noch heute über das spanische Wort für Surfer, „surfista“.)

§

Carolin Emcke für die Süddeutsche:
„Das Brexit-Chaos liefert die besten Argumente für Europa“.

Kaum jemand hat in der jüngeren Geschichte mehr für Europa geleistet als diejenigen, die Europa für überflüssig erklären wollten. All die Nationalisten, die gegen multilaterale Vereinbarungen zu Felde zogen, haben eindrücklich vorgeführt, dass es den autonomen Nationalstaat längst nicht mehr gibt. Es gibt ein Europa, das so eng miteinander verflochten ist, dass es nur transnational denken und handeln kann. Kontrolle gibt es im Zeitalter der Globalisierung nicht allein, sondern nur mit anderen Staaten zusammen.

(Wäre ich nicht eh schon ein Emcke-Fangirl gewesen, hätte mich der Einstieg dieses Artikels dazu gemacht: Sie kennt Gilbert & Sullivan-Operetten!)

Journal Donnerstag, 22. November 2018 – Pizzarezepte beruflich

Freitag, 23. November 2018

Mit Wärmflasche im Bett ließen sich die Frierattacken auf kleine Fröstelwellen einschränken, ich schlief halbwegs gut. Dennoch war ich beim Weckerklingeln komplett erschlagen, verbrachte die erste Stunde am Tag (neben Bloggen und Milchkaffee) mit der Überlegung, wie krank man eigentlich für eine Krankmeldung sein muss, wenn man weder Schmerzen hat noch fiebert, rotzt, hustet oder sich übergibt.

Dichter Arbeitstag, mittags machte ich mir aus Radicchio (Einkauf vom Vorabend) Salat. Zu meinem Tätigkeiten gestern gehörte das Überprüfen eines Pizzarezepts, das erheiterte mich.

Termin bei meiner Hausärztin besorgt: wegen Weihnachtsferien und großer Beliebtheit gab es erst einen Mitte Januar. Ich werde mich nach einer neuen umsehen müssen – gerne wieder in der Nähe, lieber ohne „Naturheilverfahren“ (oder geht eine Arztpraxis ohne dieses Angebot inzwischen pleite?). Denn eine Hausärztin ist für mich jemand, zu der ich auch ohne akute schlimme Beschwerden schnell gehen kann, bevor ich mir einen Facharzttermin in zwei Monaten hole.

Es war weiter kalt (aber noch über Null), grau und viel zu trocken.

Abendessen: Hokaido-Spalten (Einkauf vom Vorabend) aus dem Ofen mit Butter, Süßigkeiten.

Mal wieder eine Runde Spenden an geschätzte kostenlose Online-Dienste und -Medien überwiesen, u.a. an netzpolitik.org, deren Einnahmen bedrohlich zurückgehen – ohne dass die Qualität der Arbeit sinkt.

Früh mit Buch ins Bett, My name is Lucy Barton von Elitabeth Strout gefiel mir sofort.

Journal Dienstag, 20. November 2018 – Offene Bremen-Rechnung

Mittwoch, 21. November 2018

Ein halbes Stündchen länger geschlafen: Ich hatte beschlossen, dass es reicht, eine halbe Stunde vor offiziellem Veranstaltungsbeginn an meinem Arbeitsplatz zu sein. (Reichte natürlich locker.) Zumal ich in der Vornacht wegen Schmerzen und unerklärlichem Frieren sehr schlecht eingeschlafen war.

Weiterhin trübes, kaltes Wetter in Bremen.

Stadtgraben und Herbst strengten sich trotzdem an.

Zwei wichtige Ansichten des postmodernen CongressCentrums schulde ich Ihnen noch:

Die von außen.

Und den Teppich.

Ich konnte früher Feierabend machen als befürchtet, kaufte im Bahnhof noch Tee im Bremer Teekontor (sonst hole ich ihn in der Münchner Filiale am Stachus – aber in Bremen selbst gekauft ist er halt doch nochmal was Anderes) (ich will nichts hören).

Mein Nachtmahl nahm ich in einem von der Zimmerwirtin empfohlenen Lokal ein: Die bestellten Gnocchi mit Kürbis kamen verdächtig schnell auf den Tisch und waren… übersichtlich portioniert, schmeckten aber in Ordnung. Vom frittierten Ruccola hatte ich noch mehrere Stunden etwas.

Was ich in Bremen machen möchte, wenn ich mal bei Nicht-Winter und hell hier bin:
– Herausfinden, was die vielen im Dunklen so aufregend aussehenden alten Türme eigentlich sind
– den riesigen Weinkeller unter der gesamten Innenstadt besichtigen (von dem mir ein Vertreter von Bremen Tourismus erzählt hatte)
– Tee trinken
– in mindestens zehn der geschätzt 20 interessanten Goldschmieden schauen, an denen ich schon vorbeigelaufen bin
– Hachez leerkaufen
– Fotos von all der schönen Typo machen (z.B. Bankhaus Carl F. Plump & Co)
– in dem Kunsthandwerkladen ums Eck von der Ferienwohnung einkaufen
– durch jede Gasse des Schnoorviertels spazieren

§

Ich mag Museumsshops sehr; selbst wenn ich bereits komplett vollgeguckt bin, bleibt immer ein bisschen Aufmerksamkeit für einen Abstecher dorthin. Doch habe ich mich bislang tatsächlich nie gefragt, wer die Entscheidung trifft, was zum Verkaufsobjekt wird:
„Museums don’t just want gift shops to make money — they want them to shape our understanding of art“.

via @Hystri_cidae

Contributing up to as much as a quarter of museum revenue, gift shops can be crucial to a museum’s bottom line, but their contributions aren’t only economic. These unique retail spaces help educate visitors, build the museum’s brand, and work to highlight — and sometimes even influence — the aspects of art the institution views as important.

Because basically, stores are like the ultimate cheat sheet — the more you see a piece of art referenced, the more important it probably is. Some visitors even “begin with the shop in order to find out what is important to see in the museum!” says Sharon Macdonald, director of the Center for Anthropological Research on Museums and Heritage and professor of social anthropology at the Humboldt University of Berlin.


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