Essen & Trinken

Journal Donnerstag, 19. Juli 2018 – Pizzaabend

Freitag, 20. Juli 2018

Diesmal wieder zu Fuß in die Arbeit, durch einen Sommertag, der ganz schön heiß wurde.

Eingang eines Wohnhauses auf der Theresienhöhe.

Abends hatte ich mir Pizzaessen gewünscht, wir versuchten es nochmal im viel gerühmten Kettenableger L’Osteria im Künstlerhaus (vorheriger Versuch an Überfüllung gescheitert – nach der telefonischen Weigerung, für zwei Personen zu reservieren). Tatsächlich bekamen wir im großen Raum drinnen einen Tisch, weil die meisten Gäste (viele Familien, Touristen, junges Volk) draußen in der prallen Sonne saßen.

Franchise-Getrubel wie beim Burger-Brater Hans im Glück, Nebenerwebsbedienungen; die fünf Menschen hinter der Theke (ich saß mit Blick dorthin) waren mit den Getränkebestellungen der Massen so überfordert, dass mindestens drei von ihnen meist tatenlos herumstanden. (Jajaja, ich weiß wie schwierig es für die Münchner Gastronomie ist, gutes Personal zu bekommen.)

Die riesige Pizza (ich schaffte drei Viertel) war wirklich in Ordnung, aber den nervenaufreibenden Trubel der Ess-Halle nicht wert.

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Sehen wir uns am Sonntag auf der Demo „Ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst“? Selbst mir als Nicht-Demogängerin wird immer klarer, dass wir uns sichtbar machen müssen, wir, denen Hass und Hetze kein geeignetes Mittel für die Lösung gesellschaftlicher Probleme erscheint, die wir für eine zukunftsfähige Gesellschaft ganz andere Arbeitsfelder definieren als die derzeitige bayerische Staatsregierung.

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1997 (das ist gerade mal 20 Jahre her) zeigte der Fotograf Chris Leslie in Sarajevo Kindern aus dem Waisenhaus Bjelave, wie man mit Fotoapparaten umgeht, und schickte sie hinaus in die vom Krieg zerstörte Stadt. Heuer kehrte er zurück um herauszufinden, was aus den Kindern geworden ist – und zeigt im Guardian das Ergebnis sowie die Bilder, die sie damals aufgenommen haben.
„War-torn Sarajevo’s camera kids, then and now – a photo essay“.

via @jk_rowling

Sehr berührend. Ich frage mich, wie Kinderfotografen München 1945 abgebildet hätten oder Madrid 1939.
Was mir aber auch zeigt, welche Bedeutung Autor/Autorin bei dokumentarischer Fotografie für mich haben – die mir bei Fotokunst egal sind. Wer berichtet, berichtet sich selbst immer mit – das sollte transparent sein.

Puh, der jugoslawische Bürgerkrieg ist auch so eine europäische Bürde, die noch Jahrzehnte der Aufarbeitung brauchen wird.

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Sascha Lobo macht sich Gedanken über die Wirkung von Berichterstattung über Donald Trump, die ihn wie einen gewöhnlichen Politiker behandelt:
„Berichterstattung und Haltung kann man nicht trennen“.

Meine Wahrnehmung ist: Trump erbricht sich und das Gros der Berichterstattung tut, als könne man das Ergebnis in Form einer Restaurantkritik besprechen.

(…)

Trump hackt die Nachrichten, und die Nachrichten lassen sich hacken. Noch immer. Von der mäßigenden Sprache bürgerlicher Medien bis zur hyperritualisierten Form der Meinungspräsentation – alles in klassischen Nachrichten, vor allem im bildgewaltigen Fernsehen, schreit: „Es folgt eine legitime normale politische Äußerung“. Auch, wenn genau das nicht der Fall ist.

Mir ist aufgefallen, dass die Süddeutsche inzwischen die reine Sachlichkeit aufgegeben hat, mit der sie anfangs Trumps Äußerungen und Handlungen berichtete, im Tonfall, als sei das alles völlig normal – und was mich damals mit Respekt erfüllte, denn dafür musste die Redaktion ganz offensichtlich jede Sachkenntnis und menschliche Reaktion zur Seite schieben. Jetzt ist das anders, vor allem die Überschriften verraten, wie wenig normal oder auch nur anständig das Verhalten Trumps ist.

Das mag auf den ersten Blick der immer wieder geforderten Neutralität von Berichterstattung widersprechen. Doch:

Man kann also Trumps Äußerungen zitieren, aber als SZ drüberschreiben:
„Wie Trump die Nachkriegsordnung auf den Kopf stellt“.

Journal Sonntag, 15. Juli 2018 – Mühsame Freizeit

Montag, 16. Juli 2018

Mit matschigem Kopf zu früh aufgewacht (die zwei Halbe Bier in den zwei Maß Radler vom Vorabend könnten schon wieder zu viel Wagnis gewesen sein), auf den Balkon gesetzt (!). Nach dem Bloggen fand ich mich in einem Dilemma, das ich bis zum kotzenden Überdruss kenne: Ein sonniger Sommertag, der mich um Nutzung anbrüllte, ich wusste schier nicht wohin mit all den Möglichkeiten. Schwimmen, dann ein bisschen sonnen, liegen gebliebene Zeitungen auflesen, endlich mal wieder ins Kino (Ocean’s 8 und Lady Bird sehen sich nicht von allein!), Bügeln, wenn ich schon Hefe gekauft habe, sollte ich sie auch verwenden. Nur: Matschiger Kopf, keine Lust auf Sport. Dann wieder: Wann, wenn nicht heute, danach kommen fünf Arbeitstage, und das Wetter ist nächsten Sonntag vielleicht nicht schön.

Es dauerte eine Weile, bis ich mich zu Folgendem durchrang: Ich lese doch so gerne und bedauere oft den Mangel an Gelegenheit, ein Buch stundenlang durchzufressen. Was, wenn ich so tue, als folgten auf diesen Sonntag fünf weitere freie Tage und ich hätte wirklich frei verwendbare Zeit? Und holte mir schnell mal ein solches Fressbuch auf das Kindle?
Es wurde dann Robert Galbraith, The Cuckoo’s Calling, ich wollte seit Langem einen Nicht-Potter von Rowling lesen.

Nach Duschen, Frühstück und Bügeln setzte ich mich also wieder auf den Balkon, las erst mal Zeitung und beobachtete die Vögel um den Meisenknödel. Möglicherweise haben wir nicht nur Buntspechte als Besuch, sondern auch einen Mittelspecht – allerdings konnten Herr Kaltmamsell und ich bis zum Abend trotz aller Recherche nicht entscheiden, ob es sich nicht doch nur um einen jungen Buntspecht handelte: Dieses Spechtvolk hat die angeblich identifizierenden roten Flecken auf dem Gefieder mal hier, mal da, mal dort.

Nachmittags spazierte ich Pokémon fangend zu einer Eisdiele und holte mir ein Schälchen mit den Sorten Italienischer Käsekuchen (gut) und Rose-Hibiskus (na ja). Für die Chronik: Wir sind im Glockenbachviertel bei 1,70 Euro für eine nicht sehr große Kugel Eis.

Auch gestern gewitterte es kurz.

Bis zum Abendessen (Herr Kaltmamsell servierte gefüllte Hühnerbrust aus dem Bauerngockel, der außerdem zu Paprika-Hühnerschenkeln und Suppe verarbeitet wird) las ich wieder und genoss es.

Schon den ganzen Nachmittag hatte es vereinzelt Hupkonzerte gegeben, ich verliere den Überblick, welche Nationalmannschaften in welcher Sportart gerade gewinnen. Ab Einbruch der Dunkelheit wurde kontinuierlich gehupt: Jemand hatte die Männerfußball-WM gewonnen, ich war überrascht von der Menge französischer Einwanderer in München. Aber vielleicht haben ja auch die Münchner mit kroatischen Vorfahren gehupt, in den vergangenen Wochen hatte ich den Eindruck, deren Fußball-Enthusiasmus ist nicht an Turniererfolg gekoppelt.

Journal Samstag, 14. Juli 2018 – Superpünktliches Sommerwetter

Sonntag, 15. Juli 2018

Kein Migränepreis für die Pink Gin&Tonics! (Ja, es war mehr als einer.)
Geplant hatte ich Schwimmen, doch der Morgen und der Vormittag waren bewölkt. Umgeplant auf Laufen, der Sonntagvormittag sollte sonniger und Freibad-freundlicher werden.

Nach Thalkirchen geradelt, von dort losgelaufen nach Pullach.

Nun war es doch sonnig geworden.

Nachmittags Siesta, ein paar Einkäufe (es scheint nicht trivial zu sein, eine Seifenschale zu bekommen, in der die Seife nicht schwimmt), Zeitungslektüre. Für letzteres brauchte ich bald Licht, denn es braute sich das angekündigte Gewitter zusammen.

Abends war ich im Biergarten Aumeister verabredet, und das Wettertiming dafür war perfekt. Als es losgewitterte und regnete, hatte ich noch eine gute Stunde Zeit, bis ich losradeln musste. Als sich dieser Zeitpunkt näherte, wurde ich langsam unruhig, denn es regnete weiter energisch. Fertig zum Aufbruch, das Fahrrad in der Hand, stand ich am Fenster – und tatsächlich: Der Regen beruhigte sich bis zum Tröpfeln. Auf dem Regenradar hatte ich gesehen, dass keine Wolken hinterher kamen, also fuhr ich los und bekam nur noch wenige Tropfen ab.

Je weiter ich erst an der Isar, dann im Englischen Garten nach Norden kam, desto trockener wurde der Boden: Hier hatte es deutlich weniger geregnet als bei mir in der Innenstadt. Und so mussten die Freundin und ich auch kaum den Tisch und die Bänke wischen, auf denen wir uns niederließen; wir hatten einen sehr schönen Abend miteinander. Unter anderem ist die Freundin in einer Gegend aufgewachsen, in der die Wertewelt von Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter bis in die 1990er durchaus noch lebendig war.

Unterm Sternenhimmel radelte ich zurück, auf den unbeleuchteten Wegen im nördlichen Englischen Garten verließ ich mich auf meinen Orientierungssinn und meine kräftige Fahrradleuchte. Das klappte gut, auch wenn ich nicht die sensationellen Aussichten dieser Fahrt vor zwei Jahren bekam. Nur einmal verlor ich die Orientierung kurz hinter der Hirschau, doch zur Not gibt es ja immer irgendwann Schilder.

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Was Landwirte (wie jede andere Berufsgruppe) besonders schätzen: Ratschläge und Belehrungen von wohlmeinenden Außenstehenden. Bauer Willi spielt einige davon durch:
„Es geht auch ohne Bauern“.

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Eine ganz andere Landschaft: Fotos von Marmorsteinbrüchen, Drohnen ermöglichen auch hier neue Perspektiven.
„Luca Locatelli Captures Italy’s Luminous Marble Quarries“.

Journal Freitag, 13. Juli 2018 – Abschied von der Theresienwiese

Samstag, 14. Juli 2018

Das war’s dann also mit der Theresienwiese bis November.
Wir werden’s hoffentlich alle überleben, die Wiesnwirte werden sich danach ein weiteres Gebäude mit Grund in der Ludwigsvorstadt leisten können.

In der Arbeit viel Automatentätigkeit, die besser maschinell erledigt würde. Wird sie aber nicht, und ich kann daran nichts ändern. Mache ich auch gar nicht so ungern, denn diese Tätigkeit beansprucht so wenig Gehirnleistung, dass ich dabei an Anderes und Angenehmeres denken kann – bis ich mal wieder zusammenschrecke, weil ich nicht weiß, was ich in den vorhergehenden 15 Minuten gemacht habe. Und dann überprüfe ich vorsichtshalber alles nochmal.

Nach Feierabend nahm ich eine U-Bahn zum Odeonsplatz, ich wollte den völlig überarbeiteten Herrn Kaltmamsell mit Köstlichkeiten vom Dallmayr verwöhnen. Das Einkaufen war nicht so schön wie erhofft, da ein großer Teil der Erdgeschoß-Räumlichkeiten gerade renoviert wird und nur eine kleine Theke im Obergeschoß Feinkostsalätchen, kalte Zwischengänge unter Aspik, warme Gerichte zum Mitnehmen anbietet. Auf dem Heimweg besorgte ich an einem Obststandl noch Pfirsiche und Erdbeeren, ich wollte Pink Gin&Tonic anbieten können (nach einer Woche Migränevorsichtspause endlich wieder Alkohol auch für mich!). Zu Hause stellte ich nach dem Auspacken fest, dass wir kein Tonic Water hatten, der eigentlich zu verwöhnende Herr Kaltmamsell ging nochmal aus dem Haus.

Dieser Freitagabend kam keine Stunde zu spät.

Bewegungsapp: Die Health App meines iphones scheint fast alles zu tun, was ich brauche, ich bin Hande für ihren Hinweis sehr dankbar. Nach Einführung der App hatte ich vor Jahren das eine oder andere Mal draufgeschaut, sie auch für das mi-Band geöffnet, doch es erschienen dort nie eigene Daten. Ich schloss daraus, ohne es je zu verifizieren, dass sie ein externes Gerät wie die Apple Watch zur Datenerhebung benötigte. Jetzt sehe ich, ich dass das nicht so ist, dass sie Bewegungsarten identifiziert und ich Sporteinheiten hinzufügen kann. Was im Vergleich zu Moves fehlt, sind Streckenabbildung und ein paar statstische Größen (Durchschnittsgeschwindigkeit und Umrechung in eine Einheit wie Kalorien, die alle Bewegungen summierbar macht), aber das ist insgesamt am nächsten an meiner Moves-Nutzung als alle anderen Apps.

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To whom it may concern: Stan Lee says hi on twitter. (Hintergrund.)

Journal Mittwoch, 11. Juli 2018 – Ein überraschend guter Karottensalat

Donnerstag, 12. Juli 2018

Die Gesangszeit der Singvögel ist schon seit einiger Zeit vorbei, der einzige Ruf, den ich beim Aufstehen höre und das recht penetrant, ist der des Buchfinken.

Morgens war es bedeckt und überraschend kühl, über den Tag kam aber immer mehr die Sonne heraus.

Mein Mittagessen war der am Vorabend zubereitete Karottensalat, der sensationell gut schmeckte. Ich hatte ihn aus der Lameng gemacht, deshalb notiere ich das hier mal lieber, damit ich ihn wiederholen kann:

1 Pfund junge Karotten in Stücke schneiden, in möglichst wenig Salzwasser ca. 10 Minuten kochen.
Abgießen und abkühlen lassen. Mit
3 Essl. Zitronensaft,
3 Essl. gehackten Korianderblättern
1 Essl. Laoganma Crispy Chilli Oil (letztjähriger Tipp von Misses Delicious – HAMMER, zu praktisch allem)
1-2 Essl. Olivenöl mit Peperoncino
Salz vermischen.
Ziehen lassen.

Nach Feierabend Termin zur Fußpflege, zum ersten Mal bei dieser Dame auch zur Gesichtsbehandlung. Auf dem Fußweg dorthin hatte ich mich verkalkuliert: Die Sandstraße (neben Amtsgericht) war nach dem Urteil im NSU-Prozess immer noch gesperrt: Demos, viel, viel Polizei, viele Ü-Wagen. Ich musste einen Umweg machen und kam fast ins Rennen, um pünktlich zu sein.

Die Kosmetikerin (in erster Linie wollte ich ein paar Milien entfernen lassen) befasste sich eingehend mit meiner Gesichtshaut. Ihr abschließendes Urteil: Passt alles, Haut ist in sehr guten Zustand und altersgemäß, braucht höchstens etwas mehr Feuchtigkeit um die Augen. Meine absichtlich reduzierte Pflege (Waschen mit Seife, danach nur Gesichtswasser und Augencreme, zum Abschminken verwende ich meine Körperbutter) scheint genau das Richtige für meine Haut zu sein – für völlig normale Haut, mit der ich möglicherweise ein exotischer Einzelfall bin, wenn ich Werbung, Produktauswahl und Selbstberichte als Indizien nehme.
(Und ich habe jetzt schön blau lackierte Zehennägel.)

Daheim hatte Herr Kaltmamsell den irischen Black Pudding verwertet: Es gab Blätterteigdinge damit sowie Crumpets und gebratene Auberginenscheiben.

Journal Sonntag, 1. Juli 2018 – Beerensonntag

Montag, 2. Juli 2018

Nach guter Nacht früh augewacht und aufgestanden. Am Vorabend hatte ich Joghurt angesetzt, gestern Morgen stellte ich fest, dass er misslungen war: Ich sah nur flockige Suppe. Nachdem ich sie durch ein Tuch abtropfen ließ, hatte ich eine Hand voll eher Quark, das war zumindest essbar.

Wolkenlose Sonne, doch für Morgenkaffe auf dem Balkon war es definitiv zu kühl. Ich plante einen Isarlauf, doch erst, wenn es ein wenig wärmer geworden war.

Die Waschmaschine lief mit meiner Bettwäsche, ich nahm mich der geschenkten Beeren der Nachbarin an. Johannisbeeren mögen sowohl Herr Kaltmamsell als auch ich nur als Gelee (vielleicht noch als Sirup). Da ich gestern fürs Entsaften keine Zeit hatte, streifte ich die Beeren nur von den Rispen und fror sie ein.

Dabei entdeckte ich einen blinden Passagier.

Auch um halb elf war es noch deutlich unter 20 Grad kühl, aber jetzt wollte ich los: Mit dem Rad zum Friedensengel, Rad abgestellt, isarabwärts gelaufen. Ging gut, die Sommerfarben blau und grün machten mich ganz trunken.

Der Friedensengel (!) unterm Europaplatz (!) schien mir gestern bereits genervt vom Maximilianeum weg zu schaun.

Zum Frühstück gab’s Quiche vom Vorabend, dann kümmerte ich mich um die Stachelbeeren.

Stachelbeeren hatte ich schon so lange nicht mehr gegessen, dass ich mich nicht mehr an das letzte Mal erinnern konnte. In meiner Kindheit gab es sie im Garten von Elternfreunden, ich aß sie direkt vom Busch, genauer: Ich zuzelte die Schale aus, die ich wegwarf, weil sie mir zu sauer war.

Den größten Teil der Beeren verarbeitete ich zu einem English Gooseberry Cobbler aus dem Sommerkochbuch von Delia Smith.

Der Teig war nicht ganz durchgebacken, obwohl oben bereits sehr braun – beim nächsten Mal würde ich an Temperatur (niedriger), Backort (nicht wie angewiesen oben im Ofen), Backzeit (länger) schrauben. Nur dass es sehr wahrscheinlich kein nächstes Mal gibt, denn, wie soll ich sagen: Vielleicht mag ich Stachelbeeren dann doch nicht. Es hatte gute Gründe, dass ich sie als Kind auszuzelte, sie sind mir zu sauer, dagegen kommt keine Menge Zucker an.

Die restlichen Stachelbeeren kochte ich zu Kompott, mit Zucker, Vanilleschote und einem Schuss Brandy, ein wenig mit Stärke angedickt. Zu meiner Überraschung schmeckte mir das sehr gut. Ich weiß also, was ich mit weiteren geschenkten Stachelbeeren machen würde.

Herr Kaltmamsell musste heftigst arbeiten, er entschuldigte sich mehrfach, dass er mich mit den Beeren allein ließ. No na, das kommt ja wirklich selten vor, noch dazu kochte er unser Abendessen: Ich hatte ihm diesen Link geschickt mit der Bitte „Kochst du das für mich?“. Und das machte er. Köstlich, die Zitronenpolenta ist eine ganz ausgezeichnete Idee.

Abends klärten sich noch Details meiner Übernachtungen in Klagenfurt, jetzt kann ich mich unbelastet freuen. (Allerdings muss mir noch einfallen, was ich drei Stunden lang mit Koffer zwischen Ankunft und Wohnungsbezug in Klagenfurt anstelle.)

§

Die New York Times erklärt Bayern zum Texas Deutschlands. Danke CSU.
„Bavaria: Affluent, Picturesque — and Angry“.

Bavaria may seem an unlikely home for populism. Nearly a third of Germany’s blue-chip listed companies are based here, unemployment is below 3 percent and economic growth has exceeded that of other German regions for the past eight years.

A melting pot of Slavic and southern European influences for centuries, Bavaria has also been more successful than many other German regions at integrating newcomers. Munich, for example, is far more multicultural than Berlin.

As Wolfgang Jirschik, mayor of Baierbrunn, a small village in the Isar valley near Munich put it: “There is no need to make Bavaria great again. It is already pretty great.”

(…)

“This is not about economics,” said Gerald Knaus, the director of the European Stability Initiative, a Berlin-based think tank. “It is about identity and a very successful populist P.R. machine that is rewriting recent history.”

In the fall of 2015, Bavaria was on the front line of Germany’s migrant crisis, processing tens of thousands of newcomers a day along its 500-mile border with Austria and earning worldwide praise for the humanity and efficiency with which bureaucracy and volunteers worked hand in hand to meet the challenge.

Refugees were welcomed with applause at train stations. Sport halls were transformed into makeshift camps. Soup kitchens were manned by local residents.

But three years later, the mood has shifted, particularly in areas close to the border where the far-right Alternative for Germany, or AfD, has made the most of its gains.

(…)

“Bavarian nationalism has been a tolerated form of nationalism since 1945,” said Klaus Reichhold, who runs a cultural institute in Munich and has written about Bavarian folklore. “You could always bypass the German taboo on nationalism by being Bavarian.”

Letzteres finde ich eine besonders interessante Beobachtung.
Allerdings lässt dieser NYT-Artikel die jüngsten Umfragergebnisse unerwähnt, nach denen 39% der befragten Wählerinnen und Wähler in Bayern die CSU als derzeit größtes Problem ansehen.

§

Ein Twitterfaden erzählt ein Kapitel englischer gay history. Es beginnt mit einem Dachbodenfund.

via @spreeblick

§

Diversity-Coach Robin DiAngelo erzählt von ihren Erlebnissen:
„How White People Handle Diversity Training in the Workplace“.

Confronted with their own shortcomings, white employees often shut down the dialogue—or frame themselves as victims.

Sie nennt einige Beispiele und folgert:

White fragility functions as a form of bullying: “I am going to make it so miserable for you to confront me — no matter how diplomatically you try to do so — that you will simply back off, give up, and never raise the issue again.” White fragility keeps people of color in line and “in their place.” In this way, it is a powerful form of white racial control.

Ich musste fast lachen, weil ich diese Mechanismen bei jedem der wenigen Male erlebt habe, wenn ich mich traute, jemanden auf rassistische Aussagen oder auf rassistisches Verhalten hinzuweisen – ohne dabei auch nur einmal das Wort selbst zu verwenden: Heftigstes Verteidigungsgefuchtel mit teilweise superrassistischen Argumenten, warum er/sie auf keinen Fall jemals rassistisch sein könne – von der Behauptung, Andersfarbigkeit gar nicht wahrzunehmen, bis zu Kompliment-Absicht.

Journal Samstag, 30. Juni 2018 – Sommerfreibadsamstag und Beifang aus dem Internetz

Sonntag, 1. Juli 2018

Jajaja: Alkohol wieder mit Migräne bezahlt. Sie schlug erst um 5 Uhr morgens zu, Triptan half schnell und ließ mich schlafen.

Nachdem der erste Balkonkaffee schon im April passiert war, dauerte es zwei Monate bis gestern zum zweiten: Morgens war es dafür einfach immer zu kühl gewesen.

Eigentlich hatte ich ordentlich Muskelkater in Bizeps, Trizeps und Brustmuskulatur von Freitagmorgen. Aber ich hatte mich halt schon so aufs Schwimmen gefreut und das Wetter war mild und sonnig – also ging ich auch zum Schwimmen (Rücken eingecremt von Herrn Kaltmamsell).

Ich spazierte durchs Glockenbachviertel Richtung Schyrenbad und stellte fest, dass Tag der Hofflohmärkte war, schon um halb elf sehr gut besucht.

Im Freibad selbst war’s eher ruhig, ich zog meine Bahnen bis 3.000 Meter im Sonnenschein gemütlich (nur einmal verschluckt wegen eines Langstreckenertrinkers auf der Nebenbahn, nur einmal Fußtritt in den Oberarm von der Nebenbahn, nur einmal kurz Krampf in der linken Wade).

In der Umkleide trocknete und sonnencremte ich mich, wechselte den Bikini. Das Wärmen und Sonnen mit Musik in den Ohren auf der Liegewiese funktionierte allerdings nicht ganz, da immer wieder große Wolken die Sonne verschatteten.

Auf dem Rückweg (Hofflohmärkte in vollem Schwung) kehrte ich in einen Supermarkt ein, um die Zutaten fürs Abendessen zu besorgen: Herr Kaltmamsell verbrachte den Samstag auf Geschäftsreise, endlich durfte ich mal wieder kochen: Ich plante eine bewährte Ricotta-Tomaten-Quiche mit grünem Salat.

Daheim erst mal Frühstück, dazu Lektüre des freitäglichen SZ-Magazins (übrigens schon wieder ein Männerheft – vielleicht sollte es einfach parallel ein SZ-Frauenmagazin geben?). Sehr berührt hat mich das Portrait von Michael Mronz (€), des Witwers von Guido Westerwelle.

Duschen, körperpflegen, anziehen, Quicheteig zubereiten, dann noch eine Runde Lebensmitteleinkäufe.

Während ich in der Küche werkelte, klingelte es an der Tür: Die Nachbarin fragte, ob wir Beeren aus ihrem Schrebergarten brauchen könnten, sie verreise für ein paar Tage und könne sie nicht verwerten. Aber gerne! Und so kamen wir zu je einer großen Schüssel rote Johanninbeeren und Stachelbeeren. Mal sehen, was aus ihnen wird.

(Jaha, Glasteller.) Das Abendessen wurde gut, wenn auch die Quiche-Füllung stabiler hätte sein können. Den passenden Weißwein dazu verkniff ich mir.

§

Nochmal zurück zu belegbaren Problemen in unserer Gesellschaft, diesmal Wohnungsbau. Christian Holl schreibt fürs Stadtbaumagazin Marlowes:
„Neues vom Herz, der miesen Gegend“.

via @MaikNovotny

Langfristige Stabilität heißt aber nicht nur, Boden zu sichern, es hieße auch, sich nach Bauherren und Anbietern umzusehen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit die Gemeinwohlorientierung, die das Baugesetzbuch vorsieht, auch einlösen. Dort heißt es im ersten Paragrafen unter anderem: „Die Bauleitpläne sollen (…) eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse der Bevölkerung gewährleisten.“ Die Kommunen müssen gestärkt werden, Genossenschaften, Stiftungen, Vereine, Akteure wie das Mietshäusersyndikat sind mehr zu fördern, neben der Konzeptvergabe gilt es, Instrumente so zu nutzen, dass die Gemeinwohlorientierung auch überprüft werden kann. Eine auf viele kleinere Eigentümer gestützte Struktur ist zudem weniger anfällig gegenüber Marktschwankungen und den unkalkulierbaren Unternehmensentscheidungen – den Markt entsprechend zu diversifizieren hieße auch, die Praxis der Kreditvergabe anzupassen. Die Realität ist freilich die, dass Großinvestoren steuerlich bevorzugt werden – warum eigentlich, Herr Seehofer?

§

Antje Schrupp notiert:
„Zehn Fragen und Antworten über Frauen und Politik“.

Ich picke mir daraus diese Antwort auf eine Frage, die auch ich immer noch und ständig höre – selbst von Frauen, die selbst Opfer dieses Systemfehlers sind.

Halten Sie in dem Zusammenhang eine Frauenquote für sinnvoll? Oder sollte nicht in erster Linie die Kompetenz eine Rolle spielen? Ist so eine Quote in der Wirtschaft anders zu beurteilen?

Die Gegenüberstellung von „Kompetenz“ versus „Quote“ ist falsch, weil ohne Quote ja systematisch weniger kompetente Männer bevorzugt werden, allein weil sie Männer sind und besser zum „System“ passen. Eine Quote würde also meiner Ansicht nach eher mehr als weniger Kompetenz in die Parlamente bringen. Trotzdem glaube ich nicht, dass dadurch das grundsätzliche Problem gelöst würde, weil eine Quote dazu tendiert, diejenigen Frauen in Ämter zu bringen, die am wenigsten verändern wollen. Manchmal fordere ich deshalb halb im Scherz eine „Feministinnenquote“.

§

Das US-amerikanische Frauenfitness-Magazin Self erscheint mit dem sehr dicken Modell Tess Holliday als Cover, begleitet von der Schlagzeile: “Tess Holliday’s Health Is None of Your Business.” Body positivity-Aktivistin Lesley Kinzel schreibt auf, warum das wirklich ein großer Schritt ist:

„In A World Of Watered-Down ‘Body Positivity,’ The Tess Holliday Self Cover Is A Radical Choice“.

Fat bodies are, after all, still perceived as public property ― reach a certain stage of fatness and you will rapidly learn that people feel entitled if not compelled to tell you what you are doing wrong, even if you are total strangers, because being that fat evidently means you cannot be trusted with your own body and are in need of outsiders to instruct you on the finer points of body-having.

§

Gut formulierte Loblieder auf den Lokaljournalismus möchte ich immer mitsingen und verlinken. Doch nach dem Mord an fünf Angestellten der Lokalzeitung Capital Gazette im US-amerikanischen Annapolis haben sie ein ganz neues Gewicht:
„The Capital Gazette Shooting and the True Value of Local Newspapers“.

§

Schöne Bilderserie des Blog-Urgesteins Camp Catatonia:
„Über Zwei- und Dreiräder in Beijing“.


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