Essen & Trinken

Journal Dienstag, 26. Oktober 2021 – Familienmusik

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Vor Weckerklingeln schlagartig glockenwach, dennoch frisch.

Früh los in die Arbeit, ich brauchte Mütze und Handschuhe. In der Arbeit viel solche – eine Besprechung, an der ich nur zu meiner Information teilnahm, nutzte ich für manuelle Tätigkeiten parallel.

Mittagessen: Apfel, Breze, Rest des Chinakohlsalats vom Vorabend. Nachmittags ein großes Stück schwarze Schokolade.

Nachmittags weiter viel Arbeit. Ich machte aber rechtzeitig Schluss, um zur geplanten Zeit mein Sportzeug zu greifen und zum Verein zu marschieren. Mittlerweile ist dort die Renovierung so weit fortgeschritten, dass man den Haupteingang nutzen kann; mal sehen, ob wie angekündigt bis Mitte November die Frauenumkleiden fertig renoviert sind, derzeit nutzen Mädchen und Frauen eine abgetrennte Hälfte der bereits renovierten Herrenumkleide.

Dann das Ereignis des Tages: Ellipsentrainer mit Musik aus dem Spotify-“Family Mix” der Bruderfamilie auf den Ohren, Modus “Gute Laune”. Er startete mit “5 Letras” von Alexis y Fido, das ich nicht kannte (ich kenn ja nix) und das derart perfekt zum Tempo meines Aufwärmens passte, dass ich mit Grinsen losstrampelte – das ich auch so schnell nicht verlor. Ich werde mehr Gelegenheiten für Musikhören finden müssen.

Zu Hause schnelles Duschen, denn ich wollte mit Herrn Kaltmamsell nochmal raus: Der Ernteanteil war weggegessen, deshalb planten wir als Nachtmahl aushäusige Pizza (nach dem weiteren gescheiterten Versuch daheim wünschte ich mir sehr eine gute richtige). Das klappte aber nicht: Alle angesteuerten Pizzerien (sowiel alle sonstigen Lokale unterwegs) waren gesteckt voll, ohne Reservierung bekommt man also in der Innenstadt nicht mal mehr eine Pizza (vor allem nicht, wenn die Anzahl der Tische wegen Pandemie-Vorschriften reduziert ist).

Wir kehrten mit knurrenden Mägen zurück, Herr Kaltmamsell kochte uns schnell ein paar Nudeln, zum Sattwerden gab es Süßigkeiten.

§

Schafzüchter und Landwirt der Herzen, James Rebanks,1 hat aktuelle Gedanken zur Zukunft der britischen Landwirtschaft aufgeschrieben. (COP26 ist die UN-Klimakonferenz in Glasgow.)
“Boris Johnson is no green superhero”.

Auch wenn James Rebanks ja gerade betont, dass die Reform der Landwirtschaft entlang der lokalen Gegebenheiten verlaufen muss und dass es kein globales Patentrezept gibt, scheinen mir seine Vorschläge für UK auf einige Regionen der deutschen Landwirtschaft übertragbar.

What we actually need is thoughtful reform of our whole model of food production so farming is more mixed (including livestock and cover crops), more rotational, and with landscape design which is sensitive to the habitats and processes that British flora and fauna need. We need to gradually regulate out of existence some of the worst fossil-fuel-reliant forms of farming and raise the cost of fossil fuels in agriculture. We need to grapple with the power of the cartel of supermarkets. We need to rebuild local food systems, such as local abattoirs and food markets.

There is no such thing as an ideal global diet, Britain has a temperate climate and is brilliant at growing grass and grazing livestock. We can also change our diets to eat more British fruit and vegetables from local small-scale horticulture, as this has a small land-use and is super productive. But when we do these tricky but essential things, we then need to protect a more progressive British system from being undercut by more ecologically destructive systems overseas.

(…)

We need to believe in farmers more, to help them to provide the complex mix of things we really need. The bad news is that the great and the good who attend events like COP26 seem almost completely disinterested in bottom-up changes, lost in a world of virtuous slogans and simplistic ideas. Or, worse, believe in solutions that are already alienating rural and farming people and creating a culture war.

Environmentalism has gone mainstream. That ought to be good news. But in reality, it is being mugged, used, abused and exploited wherever you look. The sad thing is that we have never needed good leadership so badly — yet all we get is a sinister clown blurting out ‘Bring Back Beaver’.

  1. Großartig, wie er am Montag twitterte, dass er mindestens eine weitere Belted Galloway-Kuh haben will und ihm sofort von einer Landwirtin welche per Filmchen angeboten wurden. Und wie sich die Töchter sofort auf seine Seite schlugen. []

Journal Sonntag, 24. Oktober 2021 – Herbstpracht und Entenbraten

Montag, 25. Oktober 2021

Nicht lang genug geschlafen, am Morgen war ich aber munter genug.

Frostiger Morgenblick aus dem Elternhausfenster.

Über meinem Morgen-Cappuccino (meine Mutter hatte extra für mich Frischmilch besorgt, der Espresso kam aus dem Nespresso-Maschinchen) plauderte ich mit meinen Eltern, die auch schon wach waren und ihren gewohnten Filterkaffee tranken.

Strammer Marsch durch die Kälte zum Bahnhof, sonnige Herbstpracht vor den Zugfenstern, ich kam am späten Vormittag heim nach München.

Zu Hause machte ich für Herrn Kaltmamsell und mich nochmal Milchkaffee, trank ihn beim nachgeholten Bloggen. Ich erledigte Häuslichkeiten in Form von Wäschewaschen, Pullis Flicken, Maniküre, dann gab es zum Frühstück die Semmeln, die ich vom Bahnhof mitgebracht hatte.

Draußen strahlte weiter energisch die Sonne, dennoch legt ich mich hin zu einer Siesta und holte eine Stunde Schlaf nach. Das wundervolle Wetter zog mich aber doch noch nach draußen. Ich sah nach dem Verlauf des Herbst auf dem Südfriedhof und an der Isar.

Auf dem Südfriedhof kam ich am markanten Grab des Botanikers Philipp Franz von Siebold vorbei, über den Croco kürzlich geboggt hatte.

An der Isar war erwartungsgemäß mords was los.

Ich spazierte zur Brudermühlbrücke und kreuzte darüber die Isar. Blöderweise machte mein Kreislauf Sperenzchen, ich musste mich eine Weile auf eine Bank setzen, während mir der Schweiß aus den Haaren lief. Daheim legte ich mich erst mal flach.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell richtiges Sonntagsessen: Er hatte am Viktualienmarkt eine prächtige Ente gekauft, die klassisch im Ofen gebraten wurde, dazu Kartoffelknödel (Fertigteig) und Karottengemüse aus Ernteanteil. Sehr gut! Dazu teilten wir uns den restlichen Rotwein vom Freitagabend, Nachtisch Süßigkeiten.

Beim anschließenden Räumen und Internetlesen lief nach Langem mal wieder Tatort, weil ich Gutes über die Folge “Blind Date” gelesen hatte, doch die doofen Dialoge vor allem im Erzählstrang Privates der Ermittelnden ließen mich bald weghören.

§

Kathryn Jezer-Morton forscht seit Jahren für ihre Doktorarbeit über Mutterschaft im Web 2.0, also wie Mütter sich in Social Media darstellen. Anne Helen Petersen interviewt sie dazu:
“The Ideological Battlefield of the ‘Mamasphere'”.

Wie nach Mama-Bloggen (Alltag, Gemeinschaft, Care-Work) weiße Online-Mutterschaft auf instagram alles verändert hat (es gibt keine helfenden Nachbarinnen mehr, keine Care-Work – und wer nimmt eigentlich all die wunderschönen Fotos von Mutter-Kind-Idylle auf?) – bis hin zum jetzigen Zeitpunkt, an dem Momfluencerinnen ihren Content immer stärker an den Erfolgs-Algorithmen von instagram ausrichten. Dadurch wird die Darstellung von Mutterschaft so richtig verquast.

Interviewing momfluencers has changed my perspective on their work completely. Without exception, the momfluencers I’ve spoken to are very deliberate in how they post, and they speak about it as work that they undertake strategically, as professionals. Representing motherhood puts you in a double-bind because audiences expect you to be “authentic” because you’re representing this foundational — even sacred — social relationship between mothers and children, but at the same time, you’re under enormous pressure both from brand partners and the audience to look a certain way.

Journal Freitag, 22. Oktober 2021 – Wochenabschluss mit dritter Hose

Samstag, 23. Oktober 2021

Nachts zweimal aus dem Schlaf gerissen worden durch laute Stimmen auf der Straße, aber schnell wieder eingeschlafen.

Weckerklingeln zu Regenrauschen – dem ich zur Einordnung ein paar Sekunden zuhören musste, das Blätterrauschen vom Park klingt sehr ähnlich.

Also unterm Schirm in die Arbeit, zum Glück wehte ihn kein Sturm fort – ich denke bei jedem Schirmaufspannen hier an die Oldenburger Freundin, an der Küste aufgewachsen, die erzählte, ihren ersten Schirm habe sie als Studentin in München besessen und benutzt.

Im Büro Emsigkeiten. Erleichterung über die Meldung der Facharztpraxis: Sie hatten meinen Termin storniert, weil die Ärztin nicht da sein würde. (Als nächstes lernen wir, dass man dann bei der Stornierung gleich eine Alternative anbietet?) Ich konnte den Termin verlegen.

Bauchweh, mal oben, mal unten. Praktisch, wenn ich wenigstens weiß, warum ich nix essen mag. Tat ich mittags vernünftigerweise halt doch: Grüne Paprika (Ernteanteil – und es war sehr spannend, ob es sich bei den spitzen, mittelgroßen grünen Dingern um Chillis oder Paprika handeln würde, beide wurden laut dem Newsletter Kartoffeldruck letzte Woche leergeerntet; es waren nicht-scharfe), Pumpernickel mit Butter, einen Apfel (Ernteanteil), eine Birne. Das Bauchweh blieb unverändert.

Ordentlich Arbeit. Gegen halb vier war mir neben den Bauchschmerzen derart schwindelig, dass ich meine Pläne für nach Feierabend wackeln (haha) sah. Da traf es sich, dass sich der geplante Feierabend eh nach hinten verschob, es fiel Dringendes an. Gegen halb sechs machte ich Schluss, der Schwindel hatte sich gefangen.

Draußen war es kalt, doch ich ging durch wunderschönes Herbstlicht. Ich spazierte runter in die Fraunhoferstraße und zu Oxfam, um nach gebrauchter Kleidung zu sehen; tatsächlich fand ich eine blaue Hose, die passte – jetzt habe ich drei! Ums Eck beim Kräutersepp in der Blumenstraße besorgte ich noch Kräutertees fürs Büro.

Daheim nahm ich Hern Kaltmamsell in die Arme und startete den gemeinsamen Abend zur Feier des Arbeitswochenabschlusses: Heizung auf, Kerzen an, Anstoßen mit Kir Royal.

Nachtmahl war Herrmannsdorfer Rib-Eye-Steak mit Ofenkürbis und Salat, das Gemüse aus Ernteanteil. Dazu ein Glas südafrikanischen Owl Post Pinotage. Nachtisch Süßigkeiten (es wären auch Griechischer Joghurt mit Quitten in Sirup sowie Eiscreme im Angebot gewesen, doch wir hatten mehr Lust auf Schokoladen).

Sehr früh ins Bett, weil wir beide von der Woche erschöpft waren.

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Vanessa Giese schreibt ja nicht nur Romane, sondern berät auch Unternehmen. Und nimmt in ihrem Berufs-Blog auseinander, warum eine beliebte Forderung in komplizierten Situationen (nicht nur von Management, sondern gerne auch von Bürgerinnen und Bürgern) Unsinn ist:
“‘Einfach mal machen!’ – warum diese Management-Forderung nicht funktioniert”.

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Für den dringend nötigen Lacher zwischendurch (Ton an).

Eleanor Morton nailed it again (leider mag ich nur ihre Nummern mit schottischem Akzent):
“1918 woman thinks Spanish Flu is a hoax”.

Journal Donnerstag, 21. Oktober 2021 – Sturmtanz der bunten Blätter

Freitag, 22. Oktober 2021

Vor Weckerklingeln aufgewacht, frisch und ausgeschlafen. Von draußen kam es immer noch so warm herein, dass ich beim Morgenkaffee die Fenster offenließ.

Auf der Theresienwiese wird übrigens seit dieser Woche das Tollwood aufgebaut; auch das bekomme ich ohne Oktoberfestsperrung zum erstem Mal schrittweise mit – sonst standen die Zelte bereits, wenn man die Theresienwiese wieder kreuzen durfte.

Der am Mittwoch vom Zeitungskasten angekündigte Sturm stellte sich erst ein, als ich schon im Büro saß; für den Weg dorthin hatte ich vorsichtshalber einen Schirm mitgenommen, doch aus der allgemeinen Düsternis fielen nur wenige Tropfen.

Vorm Bürofenster dann großes Herbsttheater: Der Wind riss bunte Blätter von den wogenden Bäumen und warf sie mit beiden Händen vor graubuntem Himmel hinauf bis in den 15. Stock des benachbarten Hochhauses.

Später sah ich aus dem Augenwinkel, wie eine energische Böe in die Bäume des Innenhofs fuhr, auf einen Schlag gut die Hälfte der gelben Blätter mitnahm und durch die Luft überm Hof wirbelte. Am Ende des Tages (jetzt aber mal wirklich und wörtlich) waren die morgens noch bunten Laubbäume fast kahl. Dazwischen vereinzelt Bäume mit dichtem grünen Laub, die ihren Herbst noch gesamt vor sich haben.

Der Sturm war so heftig, dass er sogar einen offiziellen Namen bekam: Ignatz. (Bayerische Koseform: Natzi. Aber das wussten Sie sicher.)

Rumtelefonieren wegen eines dringenden Facharzttermins, den ich vor zwei Wochen online gebucht hatte, Bestätigungsmail erhalten. Am Mittwoch hatte ich unerwartet per Mail eine “Bestätigung Terminstornierung” im Postfach. Also E-Mail-Antwort und Telefonversuche, noch erfolglos.

Mittags ein Glas Birchermuesli mit Joghurt.

Körperlichkeiten: Nachmittags erst Bauchweh, dann Schwindel – ja mei. Der Sturm legte sich, der Wind hatte aber auch die Wärme mitgenommen.

Nach Feierabend ging ich über Einkäufe nach Hause: Lebensmittel beim Vollcorner, Lidstrich im Drogeriemarkt, Obst am Standl.

Herr Kaltmamsell hatte wieder den Ernteanteil geholt. Darin war auch ein dicker Radicchio, der wurde mit Balsamico-Dressing Abendessen. Dazu das Pizzabrot, das ich Mittwochabend aus dem restlichen Weizensauerteig gebacken hatte.

Nachtisch Süßigkeiten.

So viel haben wir aber nur ausnahmsweise im Haus. Ich aß von Mini-Kit-Kats, Schoko-Schoküssen, Schokonüssen, Schokolade mit Nüssen.

§

Die Pandemie ist noch nicht vorbei, auch nicht in Europa.
“Ärzte in Rumänien beschreiben Corona-Lage als ‘apokalyptisch'”.

Journal Mittwoch, 20. Oktober 2021 – Baumfasching und Pizza-Wahn

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Der Tag daheim hatte mir sehr gut getan, ich wachte frisch und fit auf. Im Osten stand am sternenklaren Himmel der Vollmond.

Draußen weiter warm, an einem Zeitungskasten auf dem Weg in die Arbeit sah ich groß “ERST FÖHN, DANN STURM” als Ankündigung fürs Wetter in München. (Ich liebe die Zeitungskästen sehr.)

Der Herbst kommt in seine bunteste Phase, und die Ahörner sind ja wohl eindeutig die Drag Queens unter den Bäumen.

Anglerstraße im Westend.

Im Büro erst mal ein paar Stunden Chop chop1 – auch wenn nichts angestanden war, zeigt mir ein Tag ungeplanter Abwesenheit, dass ich beruflich nicht nichts tue.

Mittagessen war die zweite Hälfte Rote-Bete-Salat, die vom Montag übriggeblieben war (hatte ich zum Glück in den Bürokühlschrank gestellt).

Nachmittags weiter sonnig und warm, mein Kreislauf machte ganz früh Feierabend. Dennoch blieb ich bei meinem Plan, nach Feierabend eine Runde Crosstrainer-Sport zu treiben.

Auf dem Weg in den Verein mehr Baumfasching.

Fröhliches Strampeln mit Filmmusik auf den Ohren, in der Halle unter mir Boxtraining (mittelinteressant, Hollywoodfilme haben falsche Erwartungen aufgebaut). Allerdings schubberte ich mir an den Griffen den Crosstrainers an beiden Daumen außen die Haut auf – brauche ich so Fitnessstudio-Handschuhe? Dabei habe ich ja schon vor Jahren gelernt, den Holm für die Arme nicht mit dem Daumen zu umschließen, weil ich sonst innerhalb kurzer Zeit eine Blase auf der Innenseite bekomme.

Daheim machte ich mich gleich an die Zubereitung des Abendbrots: Alle paar Jahre reitet mich der Vielleicht-kann-man-Pizzeria-Pizza-auch-daheim-machen-Wahn. Diesmal Richtung Weizensauerteig und zu diesem Rezept.

Hübsche Pizza, guter Geschmack – aber hatte nichts zu tun mit Pizzeria-Pizza. Nachtisch Schokolade, diesmal ohne Überfressen.

§

Großartige Nachricht: Es gibt das Schmock wieder.

Es waren ja sehr bittere Gründe gewesen, warum der Wirt vor fünf Jahren hingeschmissen hatten. Jetzt betreibt er die Gastronomie des neuen Volkstheaters – ein cleverer Schutz vor den Attacken, “Unter den Fittichen des Münchner Volkstheaters” (relativer Schutz, Antisemitismus wird sich bedrückenderweise nie ganz aussperren lassen).
Der Ton ist zum Glück gleich geblieben: “Mit frisch ondulierten Schläfenlocken freuen wir uns Euch begrüßen und verwöhnen zu dürfen.”

  1. “Chop chop” verwende ich innerlich und im Austausch mit Hern Kaltmamsell regelmäßig, irgendwie aus dem Englischen übernommen, jetzt endlich mal nachgesehen, woher das eigentlich kommt. Hat für mich neben Geschwindigkeit auch die Note von Strukturiertheit. []

Journal Montag, 18. Oktober 2021 – Körperform

Dienstag, 19. Oktober 2021

Schon beim nächtlichen Klogang war mir aufgefallen: Draußen dicker Nebel. Beim Weckerklingeln war er dann schon nicht mehr ganz so dicht, doch auf dem Weg in die Arbeit sah ich von der Mitte der Theresienwiese aus weder Bavaria noch St. Paul am Rand.

Ich hatte durch heißes Waschen und durch Trocknen im Wäschetrockner versucht, wenigstens einen von meinen Winterröcken passend zu machen, setzte meine Hoffnung auf das Material aus fast 100 Prozent Baumwolle – vergeblich. Denn: Mein Appetitmangel seit Frühjahr hat mittlerweile fast meine gesamte Garderobe um ein bis zwei Konfektionsnummern zu groß werden lassen. Die wenigsten Stück fallen wirklich ganz runter, aber das allermeiste sieht albern aus – als trüge ich die Kleidung meiner großen Schwester. Nach all den Jahren, in denen ich ohnehin mit dem Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Körperform haderte, muss ich mich jetzt auf ganz neue und unerwartete Weise mit dieser bescheuerten Kausalität auseinandersetzen.

Da Jeans, die lediglich ein Gürtel über den Hüften hält, an mir überraschenderweise gar nicht lässig aussehen, kaufte ich mir im Sommerurlaub schnell zwei passende Hosen, eine schwarz, eine rot, mit denen ich mich seither durchschlage. Ich sehe nämlich überhaupt nicht ein, mich komplett neu einzukleiden, weil
a) habe ich reichlich Kleidung, dankeschön,
b) scheue ich den finanziellen Aufwand,
c) ist das ja eh bloß eine vorübergehende Phase und ich würde in absehbarer Zeit nicht mehr in all die neue Kleidung passen.
Am absurdesten fühlt sich die Schere zwischen diesem mir fremden Körper und meiner Kleidung übrigens bei Unterwäsche und Schwimmkleidung an.

Ebenfalls unangenehm: Von allen möglichen und unmöglichen Seiten darauf angesprochen zu werden – natürlich praktisch immer voraussetzend, dass es sich um Diät-Erfolg und Absicht handelt. Denn It is a truth universally acknowledged: Dünner ist besser. Immer.
Wie schlimm muss das erst für eine sein, die durch böse Krankheit dünn geworden ist. (Wobei ich mich durchaus bei Erleichterung ertappe, dass die unbeabsichtigte Veränderung der Körperform in diese Richtung gegangen ist und nicht ins Dickerwerden. Mich sogar dabei ertappe, wie ich mich jetzt normaler fühle, wenigstens vorübergehend – auch bescheuert, aber ich kann halt nicht nicht Produkt dieser Gesellschaft sein.)

Muss ich halt mit sehr übersichtlichem Bestand durch den Winter kommen. Unter weiten Oberteilen sieht man zumindest nicht, wie zu groß der BH ist. Ich hatte schließlich auch schon Zeiten, in denen große Teile meiner Garderobe kniffen.

Arbeit gestern vielfältig, ich war auch ziemlich viel zu Fuß unterwegs. Draußen verschwand der Nebel am frühen Nachmittag.

Mittags gab es den am Vorabend zubereiteten Rote-Bete-Salat mit Granatapfel und Joghurt. Ich schaffte aber nur die Hälfte, mein Bauch fühlte sich komisch.

Mein Arbeitgeber bot wieder eine Grippeimpfung an, ich nahm sie gestern gerne – weniger wegen meiner selbst, sondern vor allem um das Epidemie-Risiko zu vermindern.

Der Arbeitstag wurde länger, als ich über einen Supermarkt-Stop heimging (Süßigkeiten!), dämmerte es schon sehr.

Aufgehender Mond über der Theresienwiese. Sah in Echt viel größer aus – Sie kennen das.

Zu Hause verarbeitete ich Ernteanteil-Weißkraut zu Krautsalat – allerdings nur zwei Drittel des Krautkopfes, das andere Drittel verwendete Herr Kaltmamsell für Okonomiyaki.

Köstlich! Nachtisch war Apfelkuchen und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Bald schloss ich das Fenster, denn es war klar, dass die Gruppe junger Leute, die da direkt vor meinem Schlafzimmerfenster vor einem wild geparkten Auto stand und einen mords Spaß hatte, das vorerst weiter tun würde.

§

Tanzt!

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/XCdsIkQqAmE

via @klugscheisser

§

Adele hat ein neues… Album? veröffentlicht. (Wie sagt man heute zu einer Sammlung von Musik einer Künstlerin, die neu herauskommt? Platte, LP, CD gibt es ja nicht mehr.) Viel interessanter finde ich, dass die Dame für British Vogue das hier aufgenommen hat:
“Adele Eats Spotted Dick, Cockles & 10 Other British Dishes”.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/zDdAPHuRGN0

Come for the food, stay for the dropped aiches and t’s. (“Spo’ ‘ed dick?”)

Journal Samstag, 16. Oktober 2021 – Wanderspaziergang bei Fürstenfeldbruck

Sonntag, 17. Oktober 2021

Eher unruhige Nacht, das war halt viel Alkohol gewesen.

Nachmittags war ich mit Herr Kaltmamsell zum Wandern/Spazierengehen verabredet (wir haben irgendwann festgelegt, dass der Unterschied im Rucksack mit u.a. Brotzeit besteht, und gestern hatten wir nur Wasserflaschen dabei, keinen Rucksack), den Vormittag nutzte ich zum Backen und Einkaufen.

Sonntagskuchen sollte dieser Italienische Apfelkuchen mit Ricotta und Olivenöl werden, die Äpfel dafür aus Ernteanteil.

Er ließ sich einfach zubereiten – fiel aber nach dem Backen zusammen und wurde sulzig.

Ich vermute als Ursache, dass der Teig zu dünnflüssig war: Das Rezept hatte den “Saft einer Zitrone” verlangt, und das ist eine ähnlich unpräzise Angabe wie der berüchtigte Bund Petersilie; meine Zitrone war sehr groß gewesen, doch ich hatte angenommen, dass das Rezept schon darauf hinweisen würde, wenn die Saftmenge relevant wäre.

Einkaufen: Bereits in Wanderkleidung ging ich in Sonne und milder Luft in den Gärtnereiladen am Viktualienmarkt, um einen Untersetzer für eine der vom Balkon geholten Pflanzenkübel zu besorgen. Der Markt und die Fußgängerzone waren sehr belebt, vor allem mit Touristen – vorm Alten Peter stand eine 30 Meter lange Schlange an. Unterwegs besorgte ich Frühstückssemmeln, die gab es dann auch zum Frühstück plus ein Stück warmen Kuchen (schmeckte gut!).

Für unseren Wanderspaziergang hatte Herr Kaltmamsell eine Strecke ausgesucht, die er zum Teil beim kürzlichen Wandertag mit einer Schulklasse gegangen war: S-Bahnhof Fürstenfeldbruck Richtung Osten. Da wir uns beide eher müde und unfit fühlten, schlug er eine kleine Runde vor, doch ich bat darum, im herrlichen Sonnenschein in noch vorwiegend grüner Landschaft Bilder für den anstehenden Winter zu sammeln. Wir gingen also eine größere Runde über Emmering, Eichenau, Biburg.

In der Sonne war es schön warm, doch auf den Anhöhen ging ein scharfer Wind.

Nach gut drei Stunden und etwa 14 Kilometern nahmen wir die S-Bahn zurück.

Während Herr Kaltmamsell daheim das Abendessen zubereitete (Spaghettikürbis aus Ernteanteil als Auflauf – ich fürchte, Spaghettikürbis hat nichts zu bieten außer der lustigen Textur und schmeckt einfach nur wässrig), baute ich für einen angenehmen Sonntag vor: Ich packte schon mal den gewaltigen Berg Bügelwäsche an, der noch hauptsächlich aus Sommerkleidung bestand. Nach einer Stunde war fast die Hälfte weggeschafft, bleibt nur noch etwa eine weitere Stunde für Sonntag.

Der Kürbisauflauf mit Hackfleischsauce und viel Käse war dann ok, der Kürbis verschwand. Etwas interessanter schmeckte die zweite Variante (links), die Herr Kaltmamsell nur mit Ei und Käse zubereitet hatte, weil darin der Kürbis noch erlebbar war.

Dazu im Glas eine Traminer Spätlese aus Sachsen von Steffen Loose, Teil eines Probierpakets, das uns die Empfängerin eines Großteils unserer ausgemusterten Bücher zugeschickt hatte.

Blumig in der Nase, Geschmack dann auch rass, die Süße brauchte zum Einbinden ein wenig Luft.

Eingeschlafen im Mondlicht, das durchs Fenster auf mein Bett schien.

§

Jamie Lee Curtis kommt nochmal als queen of scream ins Kino, mit Halloween Kills. Obwohl ich eigentlich alles mit dieser wundervollen Schauspielerin angucke, kann ich halt Horrofilme gar nicht. Zumindest profitiere ich von der Vermarktung des Films, die den wundervollen Menschen zeigt. Zum Beispiel mit diesem Interview/Portrait im Guardian:
“Jamie Lee Curtis: ‘My biggest roles were to do with my body, my physicality, my sexuality’”.

Über ihre Unterstützung der #Metoo-Frauen:

“I think others will be empowered to speak up because of those brave women putting themselves on the line. See, I don’t risk anything by supporting them. I really don’t. What, they’re gonna fire me from Halloween? I’m an old lady. What are they gonna do to me? But those women did have something to lose. That is courage. They have existed throughout history – and, obviously, this is way too little, way too late – but things are changing, for sure.”

Über ihre Karriere heißt es:

The problem is that Curtis started out playing the clever girl in a genre that was considered dumb, so when she starred in genuinely stupid pictures, the disparity between her and the material was startling.


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