Essen & Trinken

Journal Mittwoch, 23. Dezember 2020 – Vorweihnachtliches Putzen, Sporteln, Telefonieren

Donnerstag, 24. Dezember 2020

Ausgeschlafen bis fast sieben.

Putzrunde, da unsere Putzmänner drei Wochen pausieren, zum Glück diesmal halbwegs frohen Muts mit tanzbarer Musik auf den Ohren. Durch die Monate Pandemie-bedingten Selberputzens im Frühjahr weiß ich, welche Bereiche sie beim Staubwischen auslassen (alles, wofür man auf eine Leiter steigen müsste), auf diese konzentrierte ich mich. Plus Küche und Bad, Herr Kaltmamsell übernahm das ungeliebte Staubsaugen.

Draußen war es so mild, dass ich die ganzen anderthalb Putzstunden die Balkontür offenlassen konnte.

Es ist ja ein gut erforschter Umstand, dass nach Kauf eines Netzes mit Bio-Organgen umgehend die Absprache unter den Früchten beginnt, welche der Orangen über Nacht schimmlig wird. Ich war also überrascht dass vom 2,5-Kilo-Netz, das Herr Kaltmamsell am Montag mitgebracht hatte, auch gestern keine schimmlig war. Von den vier verbleibenden schälte ich mir zwei zum Porridge und entdeckte: Eine war INNEN schwarzschimmlig! Respekt, Bio-Orangen, Respekt.

Frühstück trotzdem Porridge mit Orangen, Joghurt und Ahornsirup.

Völlig überraschend bekam ich die Nachricht, dass eine verschollene und aus Gründen für tot gehaltene Freundin wieder aufgetaucht ist, lebendig. Das muss ich erst mal verarbeiten und hoffe auf direkten Kontakt. (Nachtrag für längstjährige Mitlesende: Es handelt sich um die Freundin mit dem Mahlzeit-Maschinchen.)

Am frühen Nachmittag fuhr ich zum letzten Reha-Sport vor Weihnachten. Ich ging zu Fuß bis zum Odenonsplatz in der Hoffnung, unterwegs an einem Obst-Standl Trauben zu bekommen, aber: An keinem der passierten vier Stellen, an denen ich Standl gewohnt bin, standen sie. Sie hätten auch kein Geschäft gemacht: Bei geschlossenen Läden war die Fußgängerzone leer, Schlangen gab es nur vor Corona-Tests und Schnelltests.

Im Fotoautomaten des U-Bahnhofs Odeonsplatz wollte ich das letzte Automatenfoto des Jahres aufnehmen (hier die Erklärung), ich trug seit Wochen passendes Kleingeld bei mir. Doch wie schon mehrmals fraß der Automat eine Münze ungezählt, behauptete, das sei zu wenig für ein Foto. Und dann gab der Automat das eingeworfene Geld nicht mehr her, es half kein Drücken des Wiederausgabeknopfs. Zum zweiten Mal in der jahrelangen Aktion rief ich die Servicenummer an, die im Automaten verzeichnet ist – und während ich beim ersten Mal nur eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter hinterlassen konnte, meldete sich diesmal eine freundliche Stimme. Wir vereinbarten eine Rückzahlung per Paypal, ich gab die dafür nötigen Infos durch. Mal sehen, ob ich mich dieses Jahr nochmal zu einem Automatenbesuch aufraffe.

Sportrunde im Rehasportzentrum, anstrengend aber wohltuend. Meine LWS-Muskulatur zwickt immer wieder und lässt das Becken unrund laufen, das Nacken-Schulter-Problem will sich ebenfalls nicht bessern, Altern ist nichts für Memmen.

Jeder Epoche ihren Superhelden.

Zu Hause als Snack ein Resterl Bohnennudeln vom Vorabend.

Anruf des spanischen Onkels (älterer Bruder meines Vaters), die gute Seele meldet sich jedes Jahr. Mit meinem schwindenden Spanisch kämpfte ich mich durch einen Austausch von Herzlichkeiten und Informationen, erfuhr unter anderem, dass in Madrid die Restaurants geöffnet sind, mit begrenzter Tischzahl, mein Onkel sagte aber, sie seien fast leer.

Zum Nachtmahl servierte ich, was ich mir sonst gern als Abendessen ohne Herrn Kaltmamsell mache: Spinatsuppe aus gefrorenem Rahmspinat mit verlorenen Eiern.

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Große Freude über das gestrige SZ-Magazin: Z.B. ein Interview mit George Clooney, dieser coolen Socke, der sehr schwer nicht zu mögen ist in seinem glaubwürdigen Understatement. Und dann der herrliche Abschluss:

Aber Ihnen ist auch klar, dass ein Film, den Sie drehen, doppelt so erfolgreich ist, wenn Sie auch die Hauptrolle spielen.
Mag sein, aber ganz ehrlich: Als ich das Drehbuch zu The Midnight Sky gelesen habe, dachte ich, das kann ich nicht Brad Pitt oder Matt Damon anbieten. Die sehen einfach nicht alt genug aus für die Rolle.

Hahaha, buuuuuurn!

Sehr gefiel mir der Text von Alena Schröder, warum sie als Andenken an ihren Vater seine Stofftaschentücher behalten hat. (Folgerichtig kostenlos zu lesen.)
„Was mich die Stofftaschentücher meines Vaters lehren“.

Auch lesenswert: Ein Interview mit Luise F. Pusch über das Deutsche als Männersprache – es freut mich sehr, dass sie derzeit Aufmerksamkeit von großen Medien bekommen (auch eine coole Socke).

Und dann sah ich in einer Anzeige (!) ein Sofa, das mir ausgesprochen gefiel. Es passt zu keinem Einrichtungsgegenstand, den wir derzeit besitzen, aber möglicherweise ist mir das mangels Geschmack völlig egal. Darf ich vorstellen: Bubble 2, Dunkelgrün finde ich am passendsten. Stelle ich mir großartig in der neuen Wohnung vor (Vertrag ist immer noch nicht da, der zuständige Herr entschuldigte sich wegen Überarbeitung).

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Maik und Pierre – wen Glumm so trifft, wenn er mal wen trifft.

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Vorbildlicher Aushang einer Hausarztpraxis in Neu-Ulm, der über die Covid-19-Impfung informiert.

Journal Samstag, 19. Dezember 2020 – Schabernack #Verwaltungsweihnachtslieder

Sonntag, 20. Dezember 2020

Ausschlafen dauerte bis sieben.

Noch vor Einschalten der Cafetera knetete ich Teig fürs Roggenschrotbrot, um genügen Zeit für die hier besonders lange Stockgare zu haben.

Dann aber Morgenkaffee und Bloggen, das Tageslicht erhellte mühsam einen Hochnebel-hellgrauen Himmel. Als Sport gönnte ich mir nach dem Pflichtteil Bank- und Seitstütz längeres Crosstrainer-Strampeln. Dabei hörte ich einen schon länger vorgemerkten Podcast: Der nordenglische Landwirt James Rebanks in der Sendung von Jeremy Paxman.

Jeremy enjoys a robust encounter with the farmer and writer James Rebanks (who puts up with no bull) about the coming revolution in the English countryside.

Vergnüglich und lehrreich anzuhören. Paxmans Fragen bringen James Rebanks dazu darzulegen, dass eine zukunftsträchtige Form der Landwirtschaft nicht ohne Veränderung anderer gesellschaftlicher Parameter geht – wie alle, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, war er schnell auf die Vernetzung mit und Abhängigkeiten von scheinbar fernen Faktoren gestoßen. Nicht nur deshalb empfehle ich diese 28 Minuten.

Brot gebacken, es gelang sehr gut.

Zum Frühstück holte ich die Kerne aus einem riesigen, reifen Granatapfel, gab davon Herrn Kaltmamsell ab, aß meine plus einer Mandarine und einer Birne mit Joghurt.

Zeitungslektüre im Sessel am Fenster. Ich schwankte, ob ich noch an die frische Luft wollte – war dann aber neugierig auf den Hofgarten und Monopteros.

Die geschlossenen Geschäfte in der Innenstadt hatten die samstägliche Besetzung der U-Bahn ausgedünnt, ich stieg am Odeonsplatz aus.

Doch der Englische Garten, stellte ich fest, war nicht Innenstadt: Statt immer wieder Ahnung von blauem Himmel gab es hier dickeren, unangenehm kalten Nebel.

Ich beendete meinen Spaziergang bald, weil ich dafür nicht warm genug angezogen war, und steuerte den U-Bahnhof Universität an.

Daheim wärmte ich mich mit Tee auf, aß frisch gebackenes Brot, das jetzt genug für einen Anschnitt abgekühlt war. Aufs Bett mit Füßehoch, restliche Zeitungslektüre. Außerdem folgte ich einem weiteren eingemerkten Link zu einem neuen Online-Format auf YouTube vom ZDF: Inside PolitiX. Daraus sah ich mir an: „Wirecard und Guttenberg: Brauchen wir Lobbyismus – oder muss das weg?“ Gut gemacht!

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https://youtu.be/6BPQR082yhA

Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell den Schweinehals, den er über die vergangenen Tage gepökelt hatte: Gekocht mit Karotten und Kartoffeln aus Ernteanteil, zudem mit Püree aus getrockneten Erbsen.

Im Fernsehen ließen wir dazu Notting Hill laufen, der sich zum Glück ganz gut gehalten hat.

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Große Erheiterung gestern auf Twitter: #Verwaltungsweihnachtslieder. Ein paar Lieblinge:

Journal Dienstag, 15. Dezember 2020 – Geschenkeeinpacken 2020

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Morgens die Zeit vor der Arbeit nicht mit Sport oder Zeitunglesen verbracht, sondern mit dem Einpacken von Weihnachtsgeschenken. Langjährige Mitlesende wissen: Ein empfindliches Unternehmen, gefährlich vor allem für meine Ausgeglichenheit, denn Geschenkeeinpacken ist Basteln, und Basteln kann ich nicht. Doch es war eine gute Idee, die gelassenen Morgenstunden dafür zu nutzen, vor allem mit der Selbsterlaubnis, nicht fertigwerden zu müssen. So ließ ich zwei Geschenke übrig für nach Feierabend.

Ich ging zu Fuß in die Arbeit unter gemischtwolkigem Himmel und in mittelmilder Luft – genoss das sehr und freute mich ungemein, dass Fußweg in die Arbeit wieder eine Option ist.

Viel manuelle Arbeit, gegen den Hunger Mango mit Joghurt und ein Stück Brot.

Vom Büro fuhr ich direkt zum Reha-Sport. Zwei Drittel meines Programms absolviert, dann hatte ich meinen letzten Physio-Termin (der ganz ausgezeichnet war, diesmal hatte ich den Eindruck, dass sich wirklich um mein ganz konkretens Hüftgelenk gekümmert wurde), bevor ich fröhlich und munter mein Reha-Programm abschloss.

Daheim war ich sehr hungrig, aß Käse und Sauerteigcracker.

Abschluss des Geschenkeinpackens, dieses Jahr tat es wirklich gar nicht weh.

Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell die zweite Hälfte der mächtigen Sellerieknolle aus Ernteanteil: In Scheiben gebacken aus dem Ofen mit einem Saucenklassiker, den er unbedingt mal ausprobieren wollte, nämlich der Sauce Café de Paris. Vom Sellerie war ich begeistert, mit der Fischnote der Sauce wurde ich vorerst nicht warm. Aber ich freute mich über diese neue Bekanntschaft.

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Schon mal über die Gestaltung von Türklinken nachgedacht?
„Points of contact – a short history of door handles“.

via @Hystri_cidae

So sieht die im Artikel erwähnte Bauhaus-Klinke aus, das ist die von Ludwig Wittgenstein entworfene (es gibt wohl wirklich noch Publikationen mit Rauslinkverbot).

Das ist ein faszinierendes Thema. Allein der Kulturunterschied in Europa: Dreh-Knauf (z.B. in Großbritannien) versus Klinke (z.B. Deutschland). Ich finde ganz erstaunlich, wie viele unpraktische bis unangenehme Türklinken es gibt, zum Beispiel viel zu dünne Stangen, die dann am End‘ auch noch mit Ringen verziert sind. Dann wieder auffallend funktionale Türklingen, deren Sondereinsatz sofort offensichtlich wird, z.B. überlange Klinken in Krankenhäusern, die eine Betätigung mit dem Ellbogen ermöglichen.

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Wie Contact Tracing funktioniert.

Journal Sonntag, 13. Dezember 2020 – Keine Familienweihnacht, dafür Familien-Hauskonzert

Montag, 14. Dezember 2020

Lang geschlafen, bis acht!

Mit Herrn Kaltmamsell Lebensmittel-Bevorratung geplant. Wir sind seit vielen Jahren als Innenstadtbewohner ohne Auto gewohnt, immer für konkreten Einsatz einzukaufen, und das fast jeden Tag frisch. Ausgangsbasis für die Essensplanung ist der Ernteanteil, Grundvorrat sind Milch, Butter, Tomatendosen, ansonsten wird nachgekauft, was gerade leer wird (z.B. Senf, Tomatenmark), auf der Basis einer geteilten Einkaufszettel-App. So kann es zwar sein, dass von einer Lebensmittelgruppe, z.B. getrockneten Hülsenfrüchten, sehr viel Verschiedenes im Schrank steht; es kommt aber zu keiner Häufung des gleichen Lebensmittels auf Basis der Fehlannahme, es könnte eventuell fehlen.

Jetzt aber wollen wir aus Corona-Gründen so selten einkaufen wie möglich, zudem fällt für drei Wochen der Ernteanteil weg (Winterpause). Wir müssen also die Art Überlegungen anstellen, die heutzutage eigentlich die Norm sind, weil der größte Teil der Bevölkerung alle ein bis zwei Wochen zu einem Großsupermarkt fährt und einen Kofferraum voll Lebensmittel einkauft. Eine komplette Umstellung.

Ich musste bis mittags rumtrödeln, noch eine Tasse Tee trinken, Twitter leer lesen, bis ich die Energie für Sport aufbrachte. Dann aber mit Musik auf den Ohren Crosstrainer und ausführliche Gymnastik.

Zum Frühstück gab’s Käse mit einer Scheibe Brot, Mince Pies.

Jede Art von weihnachtlicher Feier mit Familie oder Familienteilen abgesagt, das Infektionsrisiko ist derzeit einfach zu groß. Ich werde nur einen kurzen Abstecher in hoffentlich leerer Bahn in meine Geburtsstadt machen, um Geschenke auszutauschen. Parallel dazu erfuhr ich Details der strengeren Ausgangsbeschränkungen, die jetzt doch schon ab kommenden Mittwoch gelten sollen (immer noch kein „Lock-down“: man darf das Haus beliebig oft verlassen, nicht mal die Schulen sind geschlossen).

Obwohl das Wetter wieder düster und nass war, wollte ich eine Runde raus. Ich ging die Lindwurmstraße runter und bog in fremde Gassen ein. In der Adlzreiter-Straße, in der ich noch nie war, stieß ich auf dieses Schild.

Es war ein wenig milder geworden, aber immer noch Handschuh-kalt.

Daheim schnell aufs Bett und Rechner aufgeklappt: Live auf instagram gab es eine Kultursendung der Bruderfamilie, eine knappe halbe Stunde vor allem Musik, aber auch Albernheit. Alle fünf sind Bomben-musikalisch und hatten ein zackiges Programm zusammengestellt: Spanisches Weihnachtslied (mehrstimmig), Literaturtipp, Andachtsjodler, Interview mit dem Erzengel Raphael („Wie ist es denn gerade so im Himmel?“) (der Erzengel trug zu Miniflügeln Birkenstock-Pantoffel), das gecrasht wurde von einem recht billig eingekleideten Bischof Nikolaus, dann Speed-Metal-Version von „Jingle Bells“ (Schlagzeug Bruder, E-Gitarre Neffe 2), A-capella-Version von „Last Christmas“ (wieder fünfstimmig), „Nachrichten zum Nachdenken“ (ernsthafte Erinnerung an Flüchtlinge auf Lesbos, auch an benachteiligte Kunstschaffende), alpenländisch Winterliches wieder fünfstimmig – dazwischen wurden instagram-Kommentare von Zuschauerinnen und Zuschauern vorgelesen. Rundum hinreißend!

Zum Nachmittagssnack aß ich alles Obst, das da war (Mandarinen, Orangen). In der Küche bahnte sich das Abendessen an.

Wirsinggemüse (Ernteanteil) mit Würschtln, dazu Kartoffelpü (Ernteanteil). Ich steuerte die Einbrenn für den Wirsing bei. Gutes Abendessen.

Zur Unterhaltung sahen wir aus der Mediathek eine Eichhörnchen-Doku auf arte an.

§

Eine Liebesgeschichte, wie nur Corona sie schreiben konnte, von Laury Penny.
„My Highly Unexpected Heterosexual Pandemic Zoom Wedding“.

Journal Samstag, 12. Dezember 2020 – #12von12

Sonntag, 13. Dezember 2020

Gestern kein gezieltes Fotografieren für das allmonatliche #12von12: Ich wollte erst beim Fotosichten entscheiden, ob ich 12 zusammenkriegen würde, die den Tag dokumentieren könnten. Klappte ganz knapp, richtig gute Bilder sind diesmal nicht dabei.

Ausgeschlafen, aber nur bis sieben. Das reichte, um mich zu erfrischen.

1 – Erster Morgenkaffee aus dem Maxvorstädter Espressopulver: Schmeckte sehr gut, genau so schokoladig-nussig, wie ich es erbeten hatte.

2 – Aus Gründen messe ich seit ein paar Monaten allmorgendlich meinen Blutdruck.
Gemütliches Bloggen und Twitterlesen bei nur langsam wachsender Tageshelle, es blieb grau und regnerisch. Nach Katzenwäsche zog ich mich um für etwas sportliche Bewegung. Erst mal Bankstütz, Seitstütz, dann auf den Crosstrainer.

3 – Links eine überwinternde Balkonpflanze. Im Anschluss ans Strampeln ein paar wenige Reha-Übungen.

4 – Gewicht auf den hinteren Fuß auf rutschiger Unterlage. Die Übung besteht darin, den Fuß ein wenig nach außen zu drehen (von 12 Uhr auf 11 Uhr) und wieder zurück (3×30 Mal auf beiden Seiten). Damit, so hatte mir der Trainer in der Reha-Klinik erklärt, werde ein kleiner Muskel trainiert, den wir für ganz viele Alltagsbewegungen brauchen.

5 – Zum Frühstück gab’s zwei Scheiben Geiersthaler Sonne, die mir besonders gut gelungen war.

Nach ein wenig Zeitunglesen wollte ich dringend nach draußen. Es sprühregnete zwar immer wieder, manchmal war aber sogar blauer Himmel zu erahnen. Ich spazierte auf den Alten Südfriedhof.

6 – Große Eichhörnchenparty, aber wenige Menschen.

7 – Meistersinger und Damenschuhmachermeister. Der Hans-Moser-Film dazu schreibt sich praktisch von selbst.

Kurz vor der ehemaligen Aussegnungshalle traf ich zwei Bloggerinnen/Twitterinnen (nein, wir sind noch nicht in diesem Alter; das sind wir erst, wenn wir bei zufälligen Begegnungen auf dem Friedhof Gießkannen in der Hand haben): @dyfustic kannte ich schon lange auch persönlich, @deuxcvsix traf ich zum ersten Mal in Echt. Beiden hatten Kameras mit SONNE Objektiven dabei, sie waren auf Fotopirsch. Wir fachsimpelten über Vögelchen (Berichte von Eisvogel-Sichtungen an der Isar!) und Eichhörnchen.

8 – Blick von der Wittelsbacherbrücke auf eine sehr niedrig stehende Isar, es ist weiterhin viel zu trocken.

Gehen ging sehr gut, deutlich über eine Stunde lang. (Und schon fasziniere ich Isarjoggen ab April.)

Kurz vorm Heimkommen sah ich im Nußbaumpark ein winziges Vögelchen in annähernd Kohlmeisenfarben, das mir neu war.

9 – Genau hier hatte es eben gerade von Beeren genascht, echt ehrlich! (Aus mir wird sowas von nie eine Tierfotografin.) Daheim schlug ich nach, was das wohl gerade war: Ich hatte mein erstes Wintergoldhähnchen gesehen!

Als ich heimkam, war mein Mantel schwer vom aufgesaugten Nieselregen.
Nachmittagssnack: Ein Stück Käse, Mandarinen, Trauben. Ich holte die jüngste Folge Kroymann in der ARD-Mediathek nach. Zeitunglesen, Twitterlesen.

10 – Die Vorschläge sind durchgehend großartig. (Ich würde ja einen Aufsatz zu diesem Straßenschild beitragen.)

11 – Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag mit Weihnachtsbäckerei verbracht, allerdings englischer. Dieses Mince-Pie-Rezept hatte er bereits seit Monaten ausprobieren wollen, doch ich hatte ihn im Sommer daran gehindert. (Also bitte: Als nächstes dann Zimtsternebacken in Mai?) Jetzt war endlich die richtige Jahreszeit dafür. Leider hatte ich vergessen, dass meine Muffin-Bleche (für billigstes Geld als Studentin in Wales gekauft, lange bevor Muffins hierzulande echten Kuchen auf Partys und als Bürokuchen fast komplett verdrängten) auch bei noch so gutem Buttern das Backgut nicht mehr hergaben. Nutzung nur mit Backpapier. Herr Kaltmamsell war auch insgesamt mit dem Teig nicht zufrieden. Die beiden Mince Pies, die ich später als Dessert aß, schmeckten aber hervorragend.

Fürs Abendessen wiederum sorgte ich.

12 – Ich machte nochmal spanische Empanada, diesmal allerdings mit Hefeteig und weitgehend freihändig. Teig wurde ein Hefeteig mit ordentlich Olivenöl drin (gut zu verarbeiten, ging allerdings wegen des Öls wenig auf), in die Füllung kam neben der Basis aus Zwiebel, Knoblauch, roter Paprika, Tomate (tomate frito baue ich mit verdünntem Tomatenmark nach), geräuchertem Paprikapulver diesmal Thunfisch.

Schmeckte ganz hervorragend. (Vorher gab’s Cocktails Sir Walter, vor allem weil eine Zitrone ohne Schale wegmusste.)

Abendunterhaltung war ein Weihnachtsfilm. Ich hatte mich auf der Suche nach einem Ersatz für Love Actually (ich ertrage seit einigen Jahren die fast durchwegs unguten und destruktiven Liebesbeziehungen darin nicht mehr) an The Long Kiss Goodnight mit Geena Davis erinnert, auf Deutsch Tödliche Weihnacht. Herr Kaltmamsell hatte den Film unsynchronisiert auf Vimeo gefunden, außerdem zu meiner Überraschung erzählt, dass er den noch nie gesehen habe.

Hatte sich ganz gut gehalten, allein die Stimme von Geena Davis ist die Originalversion wert.

§

Ich fand alle Teile der kleinen Serie #FrageinenJuden von Marina Weisband und Eliyah Havemann bereichernd. Im vorerst letzten, fünften Teil unterhalten sich die beiden über Antisemitismus. Spannend ist schon mal ihr Versuch, die Frage zu benantworten: „Warum werden Juden gehasst?“ Während Marinas Ansätze psychologisch, soziologisch, historisch sind (Diaspora, feste kulturelle Identität, Geldverleihen etc.), weigert sich Eliyah, die Frage überhaupt zu beantworten: Seiner Ansicht nach braucht Hass keinen Grund.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/svaTlmcom10

(Nicht die Kommentare lesen. Außer Sie brauchen Argumente/Beispiele für strukturellen oder konkreten Antisemitismus.)

Journal Freitag, 11. Dezember 2020 – Fahle Wintersonne, Start ins Wochenende

Samstag, 12. Dezember 2020

Aufgewacht kurz nach fünf – war aber in Ordnung. Mehr Zeit für Milchkaffee und Bloggen vor dem Frühsport.

Wieder profitierte ich von der schwachen Nutzung der Rehasport-Einrichtung gleich nach Öffnung um sieben, hatte Spaß mit den neuen Übungen. Z.B. rückwärts Liegen auf Pilatesrolle, Durchmesser 20 cm, langsames Heben des angewinkelten Beins und anderen Arms: Bei der Einweisung am Dienstag war ich bereits beim Versuch lachend von der Rolle gekippt – gestern machte ich innerhalb der drei Sätze den Fortschritt von Anfängerversion mit Stabilisierung durch abgelegten zweiten Arm über Stabilisieurng mit Fingerspitzen zu Endversion komplett ohne Stabilisierung. Schau an, auch Stabi-Übungen kann ich ja doch.

Auf der Rückfahrt nach einigem Zögern doch die Titelgeschichte des SZ-Magazins gelesen – ich war mir nicht sicher gewesen, ob ich sie mir antun wollte (€).
„Über Bord“.
Die aufwändig recherchierte und detaillierte Geschichte eines Bootsunglücks vor der griechischen Küste am 28. Oktober 2015. Nicola Meier hat dafür mit Überlebenden gesprochen, mit Helferinnen und Helfern, mit Hinterbliebenen. Das Besondere: Eine der Insassinnen des Boots, Amel Alzakout, hatte eine wasserdichte kleine Filmkamera dabei, die sie eingeschaltet um ihr Handgelenk band – einer der Gründe, warum gerade dieses Unglück, nur eines von so, so vielen, dokumentiert ist.

Wie erwartet musste ich weinen und verbrachte die nächste Zeit mit zugeschnürter Kehle.

Packen für die Arbeit. Vermelde: Feuerwear-Rucksack hat die gründliche Innendusche hervorragend überstanden – man möchte meinen, das Material sei Wasser gewohnt.

Busfahrt und Büroarbeit beschienen von fahler Wintersonne. Werkeln unter Hochdruck, vier Stunden sind halt nicht viel. Dazwischen zwei Brezen und vorgeschnippeltes Obst: Mandarinen, Mango, Trauben.

Ich spazierte ungehetzt heim. Als ich am Bavariapark das (wie alle Museen wegen Pandemie geschlossene) Verkehrsmuseum passierte, sah ich durch die Verglasung eine Frau eine schwarze Dampflokomotive abstauben, mit Leiter und einem sehr langstieligen Staubwedel.

Abstecher zu Freunden, deren Betrieb Corona-bedingt seit November geschlossen ist, keine Wiedereröffnung in Sicht. Die Infektions- (Donnerstag fast 30.000) und Todeszahlen (fast 600) in Deutschland haben neue Spitzenwerte erreicht, die meisten Länder haben härtere Beschränkungen beschlossen – doch noch scheuen sie sich, diese sofort und nicht erst nach Weihnachten umzusetzen. Ich erkläre mir das in erster Linie mit mangelndem Vertrauen, dass die Bevölkerung sie mittragen würde.

Daheim machte ich mich ans Brotbacken der am Vortrag angesetzten Geiersthaler Sonne (Herr Kaltmamsell hatte nochmal Buttermilch gekauft).

Sie geriet sehr gut. (Anschnitt erst zum Samstagsfrühstück.)

Gegen den Nachmittagshunger ein kleiner saisonaler Snack (gebacken von Mutter und Schwiegermutter, ich habe dieses Jahr ausgesetzt).

Füßehoch auf meinem Bett. Auf einen Tipp hin sah ich mir in der BR-Mediathek einen 20-Minüter von 1958 an:
„Verborgenes München“.

Eine kuriose Sammlung von untouristischen Details. Was mir neben den lang verschwundenen Orten (Am Gries sah mal so aus? In Schwabing gab es „Lauben und Gärten“?) auffiel: Die fetten Hunde. Es sind viele Hunde zu sehen, und alle sind unglaublich fett. Ich glaube, man hat erst in den jüngsten Jahrzehnten gemerkt, dass auch Hunde, die in der Stadt leben, bewegt werden müssen und nicht durchgehend gefüttert werden sollten, sondern nur ein bis zwei Mal am Tag. (Der Hund meiner Oma, Lulu, betont auf der ersten Silbe, hatte in meiner Kindheit immer einen gefüllten Fressnapf.)

Zum festlichen Freitagabendessen (Wochenende!) servierte Herr Kaltmamsell Puten-Cordonbleu mit Feldsalat. Sehr gut, doch laut Herrn Kaltmamsell läuft es auf eine Testreihe Cordon bleu heraus – vielleicht mit der Erkenntnis, dass man es daheim nie so gut hinkriegt wie eine Wirtshausküche.

Journal Dienstag, 8. Dezember 2020 – Wie meine Mutter einmal Würschtlstand spielte

Mittwoch, 9. Dezember 2020

Gebloggt, Twitter gelesen, Bank- und Seitstütz, Duschen und Anziehen.

Ich hatte noch Zeit für Zeitungslektüre, bevor ich zu Fuß in die Arbeit aufbrach, erst gedankenlos zackig, dann langsamer.

Viel Arbeit in der Arbeit – nein, ich könnte meinen Job wirklich nicht in vier Stunden täglich erledigen (Überraschung). Ich packte abschließend meinen Arbeitsrechner ein, am Mittwoch muss ich wegen Bürobelegung daheim arbeiten – wofür ich mir die von meinen Jobs zusammenschieben musste, die sich auch ohne Anwesenheit vor Ort erledigen lassen.

U-Bahn nach Hause, sie war schön leer.

Trainingstermin im Reha-Sport, mein Programm sollte überarbeitet werden. Ich hatte bereits auf einen Hinweis der Trainerinnen und Trainer gewartet, wie ich es im Vorjahr vom Reha-Sport gewohnt war, doch es stellte sich heraus, dass ich das selbst im Blick behalten und aktiv werden musste. Einen Termin dafür hatte ich erst am späten Nachmittag bekommen, das bedeutete: volle U-Bahn, voller Trainingsraum.

Über meinem Gemüt düstere Wolken:
1. Es ist Dezember.
2. Es ist Corona (München riss gestern die 7-Tage-Inzidenz von 200).
3. Ich habe wieder stärkere Schmerzen (eigentlich langsam ansteigend seit Sonntag, aber ich hatte es einfach mal wieder mit Augenzukneifen, Ohrenzuhalten, und LALALALA!-Brüllen versucht – funktioniert bei anderen unangenehmen Umständen ja auch, einer Pandemie zum Beispiel hahaha).

Der Trainer ging auf meine Schmerzen ein: Da es beim Dehnen des Hüftbeugers im gedehnten Muskel brennt statt gut zu tun, ich neben dem Schmerz von Leiste bis ins Schienbein auch welche um die Hüfte habe, tippte er auf eine Kombination aus Hüfte und LWS. Wie gehabt also. Doch er unterhielt mich, indem er mir lustige neue Übungen beibrachte, unter anderem mit Pilates-Rolle längs liegend unterm Rücken, eine mit Füßen in Schlingen, und auf dem Wackelbrett darf ich jetzt mit Schwingstab hantieren – ich stelle mich angemessen blöd an, ist also genau das Richtige.

Zum Abendessen spielten wir Christkindlmarkt. Herr Kaltmamsell hatte mir schon vor Tagen angeboten, als Imitation Glühwein zu machen, doch das Wichtigste auf dem Glühmarkt ist natürlich die Bratwurst (dicht gefolgt von Pommes, die ich eigentlich nur hier begehre – und im Schnitzelgarten zum Cordon bleu). Also bastelte er uns gestern Rengschburger spezial, ich machte dazu Jagatee.

Danach gab es für ihn und mich noch je ein Paar Schweinsbratwürstl und große Mengen Plätzchen.

Ich erinnerte mich daran, wie ich als kleines Kind (Kindergartenalter) mal sehr krank im Bett lag, vielleicht war das sogar die erste meiner beiden Lungenentzündungen. Und wie meine Mutter den geliebten Besuch am Würschtlstand vom Pfafflinger am freitäglichen Wochenmarkt nachspielte, den ich ja krank im Bett verpasste. Wochenmarktbesuch im Wohnblockviertel (der Markt zog sich die Ingolstädter Liebigstraße entlang) hieß nämlich, dass meine Mutter mich am Würstelstand ganz vorne parkte, wo der alte Pfafflinger (in meiner Erinnerung war der weißhaarige Herr mit den immer lachenden Augen immer schon alt) mich mit heißen Würschtln aus seinem Kessel versorgte (die heilige Dreieinigkeit des Wurstkessels war Wienerl, Weißwürscht und Bauernwürscht, ich glaube, für Kinder wurden nur Wienerl als angemessen angesehen). Und während sie mich dort gut versorgt und behütet wusste, erledigte meine Mutter ihre Markteinkäufe. Jetzt lag ich krank und schwach im Bett, meine Mutter erhitzte die Würschtl selbst (wenn ich mich recht entsinne, waren heiße Würschtl per Definition etwas, was man am Würschtlstand und im Stehen aß, nie daheim), stellte den Topf neben mein Bettchen und spielte den alten Pfafflinger. <3 <3 <3

Gestern war ich so erledigt, körperlich und gemüt-lich, dass ich schon um neun ins Bett kippte. Dort las ich Eva Meijer, Hanni Ehlers (Übers.), Das Vogelhaus aus, die Fiktionalisierung des Lebens von Len Howard (1894-1973), die mit Gartenvögeln zusammenlebte und ihr Verhalten analysierte. Die Vogelbeschreibungen fand ich wirklich faszinierend, doch war ich unversehens schon wieder in eine Schilderung des Alltagslebens Englands ab Erstem Weltkrieg in der Upper Middle Class geraten (Lens Eltern sind wohlhabend und müssen für ihren Lebensunterhalt nicht arbeiten, sie setzt sich mit ihrer Erbschaft auf dem Land zur Ruhe, um Vögelchen zu beobachten).

§

Corona-adäquate Weihnachtsmusik.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/g-HMqaqRR7I

(Hier reimt sich „curve“ auf „love“ – interessant für Linguistinnen?)

§

Comedian @vinn_ayy stellt sich vor, die Erde würde sich um Mitgliedschaft in der Galaxie-Vereinigung bewerben – unsere Chancen stehen nicht gut.


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