Wandern

Journal Samstag, 8. Mai 2021 – Anwandern von Pasing nach Gauting

Sonntag, 9. Mai 2021

Gut und lang geschlafen, zu überzeugendem Sonnenschein aufgewacht (und einer sehr lauten Mönchsgrasmücke).

Ich holte aus dem Keller die Wanderstiefel, auch die letztes Jahr schweren Herzens wegen Hüftweh eingelagerten Wanderhosen – die ich nicht nur sofort fand (->System in der scheinbaren Unordnung), sondern die auch noch problemlos passten (ich glaube aber, dass nicht-dünne Menschen da eine größere Toleranzspanne haben, bei dünnen kneift oder schlackert schneller was).

Wieder ging ich zum Corona-Schnelltest in die Sendlinger Straße (letzte Woche ausgefallen wegen Feiertag), beim Verlassen des Hauses sah ich eine singende Grasmücke im Baum. In den 15 Minuten Warten auf Testergebnis hollte ich Frühstückssemmeln und Wanderbrotzeit beim Zöttl am Alten Peter.

Daheim bemerkte ich, dass meine ledernen Wanderstiefel nach über anderthalb Jahren ohne Nutzung dringend gefettet werden mussten – das holte ich schnell nach. Zum Frühstück gab es ein Laufenzöpferl und eine Seele mit Butter und Orangenmarmelade.

Es war schon Mittag, als wir eine Bahn nach Pasing nahmen (wochenends ist die S-Bahn wegen Stammstreckensperrung kompliziert); bei unserem letzten Spaziergang dort die Würm entlang hatten wir gesehen, dass es einen Radweg nach Starnberg gibt, ebenfalls die Würm entlang, dessen Länge auf den Schildern mit 21 Kilometern angeben war: Den wollten wir als erste Wanderung nach Hüft-OP und als erste Wanderung der Saison gehen, so richtig mit Rucksack.

Die Strecke war auch sehr schön, Herr Kaltmamsell fand immer wieder per Karte bachnahe Pfade als Wander-Alternativen zu den Radl-Abschnitten, die Hauptstraßen entlanggingen. Es waren deutlich weniger Menschen unterwegs als bei unserem Würm-Spaziergang vor ein paar Wochen. Kurz hinter Pasing sah ich die ersten Mauersegler des Jahres, an der Würm gab es unter anderem immer wieder Kanadagänse, manche mit ultraniedlichen Küken.

Die Würm wurde von großen und kleinen Anwohnenden bespielt: Ab Planegg sahen wir auffallend viele Kinder in kleinen Gruppen, die am Ufer und im seichten Wasser des Bachs spielten, als Spielzeug reichten Äste oder Plastiktüten, ab frühem Grundschulalter sogar ohne Erwachsenenaufsicht (draußen unbeaufsichtigt spielende Kinder hatte ich schon sehr lange nicht mehr gesehen), Jugendliche saßen zu zweit, zu dritt im Ufergras und plauderten, einzelne sahen mit mächtigen Kopfhörern über den Ohren ins glitzernde Wasser – ich stelle es mir großartig vor, diesen bezaubernden Bach als Teil des Großwerdens zu haben.

Bis Starnberg kamen wir aber nicht: Nach fast vier Stunden mit einer Pause sahen wir ein Schild, auf dem die Reststrecke nach Starnberg mit zwölf Kilometern angegeben wurde – das hätte ich allen Ernstes nicht geschafft. Auch wenn ich bislang post-operativ maximal zweieinhalb Stunden am Stück gegangen war, überraschte mich, dass ich nicht einfach wie früher weitere Stunden leicht abwanderte. (Will heißen: Geschafft hätte ich das schon irgendwie, wäre aber auf unangenehme Weise fix und fertig gewesen.) Der Bewegungstracker meines Smartphones hatte bis dahin ja auch nicht die rechnerischen neun, sondern 16 Kilometer Wanderung gemessen.

In Gauting beendeten wir also die Wanderung und gingen zum S-Bahnhof. Das letzte Stück Gauting-Starnberg sehen wir uns dann mal als Spaziergang an, laut Karte muss es besonders schön sein.

Daheim versorgte ich erst mal eine Blase an der Innenseite der linke großen Zehe (?) und machte ich mich dann an die Anfertigung von Zitronenschnecken (nächstes Mal höchstens 200 ml Buttermilch, ich kippte sehr viel Mehl nach, bis ich keinen Rührteig mehr in der Schüssel hatte, sondern Knetteig), stellte sie backfertig in der Backform in den Kühlschrank, gebacken werden sie erst Sonntagmorgen. Zum Abendessen gab es wie geplant die Reste vom Freitagabend, auch aufgewärmt sehr gut.

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Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim (wohlgemerkt: keine Politikerin, keine feministische Aktivistin, einfach eine Wissenschaftsjournalistin) wird so massiv angefeindet und bedroht, dass sie nicht mehr ohne Schutzmaßnahmen das Haus verlässt. Darüber und über Faktenleugner ein Interview mit ihr in der Zeit:
“‘Wissenschaft ist keine Demokratie'”.

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In Arztpraxen bleibt Impfstoff übrig, gleichzeitig suchen manche verzweifelt nach einer möglichst schnellen Impfgelegenheit: Diese Online-Plattform möchte beides unkompliziert und unbürokratisch zusammenbringen.
sofort-impfen.de

Journal Samstag, 10. August 2019 – Warme Regenwanderung am Ammersee

Sonntag, 11. August 2019

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass das gestern für mich ein idealtypischer Sommersamstag war: Morgenkaffee auf dem Balkon, kleine Einkaufsrunde, Wandertour mit abschließendem Wirtshausessen, nach Rückkehr Eis von der Eisdiele zum Nachtisch. Dass es regnete, mich beim Wandern Schmerzen plagten – machte nichts.

Ich stand nach Ausschlafen zu bedecktem Himmel auf, doch die Hitze des Freitags wärmte noch die Luft – also Balkonkaffee. Nach langem Bloggen machte ich mich wanderfertig, ging aber erst mal auf eine Erledigungsrunde. Inzwischen hatte der angekündigte Regen eingesetzt, für meinen Gang zu Reinigung und Basitsch brauchte ich einen Schirm.

Daheim Frühstück: Ich mischte zwei Pfirsiche und eine reife Maracuja mit Joghurt und war völlig begeistert von der Obstkombination – bis mir einfiel, dass das ja seit Jahrzehnten ein Klassiker im Saft-, Joghurt-, Eisteeangebot ist. Kein Zufall also.

Ich hatte eine 18-Kilometer-Wanderrunde am Ammersee ausgesucht. Die Anfahrt nach Herrsching war ein wenig umständlicher als sonst: Die S-Bahn-Stammstrecke war wegen Bauarbeiten gesperrt (wann, wenn nicht an einem Wochenende in den Sommerferien soll das auch gemacht werden, da stört’s am wenigsten), wir mussten erst mal mit einem Zug nach Pasing fahren.

Von Herrsching aus hoch Richtung Andechs, dann gingen wir eine ganze Zeit die Erlinger Höhe entlang. Es setzte Regen ein, doch wir hatten ja unsere superduper Wanderjacken dabei.

Für eine Pause nach zweieinhalb Stunden fanden wir einen weichen und trockenen Platz unter einer riesigen Tanne: Es gab Breze und reife grüne Pflaumen.

Der ohnehin nie starke Regen versiegte. Kurz darauf riss der Himmel auf, die Sonne kam heraus – und es wurde sofort heiß. Leider hatten die Schmerzen in meiner Hüfte und im Bein dazu geführt, dass ich mittlerweile völlig verkrampft ging. Melancholische Gedanken ließen mich froh über die bereits erlebten Wanderurlaube in England, Spanien, Irland, an der Mosel und im Westerwald sein – das ginge jetzt nicht mehr.

Erling. Auf dem Rückweg kamen wir an dem Gelände der riesigen Tank- und Betriebshallenanlage vorbei, die ich auf dem Hinweg von oben gesehen hatte: Die Andechser Molkerei – klar, irgendwo müssen die Andechser Molkereiprodukte ja herkommen.

Wir stiegen ganz hoch bis zum Kloster Andechs, kehrten aber nicht ein (der eine bisherige Besuch hatte nicht die besten Erinnerungen hinterlassen).

Durchs Kiental zurück nach Herrsching.

Kulinarisches Gegenprogramm zum Vorabend: Wir kehrten im Gasthof zur Post ein, Spareribs aus dem Smoker für den Herrn, Spanferkelbrust für mich (die ich nur zur Hälfte schaffte, tse).

Wieder mit einmal Umsteigen fuhren wir zurück nach München, auf dem Weg nach Hause gab es Eis.

Daheim Auspacken und Ausruhen. Beim müden Rumschalten am Fernseher stolperten wir in der Reihe alpha-retro über eine Reisesendung von 1982, Walter Sedlmayr in Portugal:
“Einmal Portugal und zurück”.

Wir blieben daran hängen, weil der Hintergrund des launigen Tonfalls überraschend reflektiert war: Nelkenrevolution, möglicher EU-(damals noch EG-)Beitritt, vor allem aber der touristische Blick und seine Filter- und Verfremdungsgefahr. Die scheinbare Komödie zeigte mehr Respekt vor Land, Leuten und ihre Selbstbestimmung, als ich es von vielen Auslandsjournal-Berichten der Zeit kenne.

Dazu kam die Thematisierung des Filmens selbst: Kamera- und Tonleute waren präsent, mal kicherte der Kameramann über einen pathetischen Text, mal sah man den Tonmann, der sich eben gezeigten Wein einschenkte. Rechts und links böse Witze über den Bayerischen Rundfunk. Und die klassisch romantisierenden Takes von Land und Leuten wurden als gestellt ironisiert: “Jetzt noch alter Mann auf Pferdewagen bitte, sag dem Mann Bescheid, er kann losfahren, wir wären so weit.”

Scheint leider nicht in der Mediathek vorgehalten, wir müssen wohl auf nächsten Samstag warten, wenn ab 20.15 Uhr Walter Sedlmayr nach Österreich und Spanien reist, am 24. August nach Frankreich und Israel.

Journal Samstag, 6. April 2019 – Wandern am Starnberger See um Berg

Sonntag, 7. April 2019

Von langer Hand hatte Herr Kaltmamsell einen Wochenendtag von Arbeit freigeschaufelt, damit wir endlich mal wieder wandern konnten. Ich bat um den Samstag, denn an Samstagen ist erfahrungsgemäß deutlich weniger auf den von München gut erreichbaren Wanderstrecken los als an Sonntagen. (Die Größe meiner Erleichterung, dass die Wanderhose mindestens so bequem saß wie vor einem halben Jahr, war mir peinlich, aber halt unausrottbar.)

Ich hatte länglich geschlafen, was auch deshalb gut war, weil mich Beinschmerzen lang nicht hatten einschlafen lassen. Benebelt fühlte ich mich dennoch.

Kurz vor zwölf nahmen wir eine S-Bahn hinaus nach Starnberg: Ich hatte eine Runde um Berg herausgesucht. Seit Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter hatte ich mir die Gegend ansehen wollten. Wegbeschreibung gab es keine, doch die GPS-Karte auf dem Smartphone reichte – wir waren ja nicht in Wildnis unterwegs.

In der Bahn frühstückten wir Laugenzopf und Nussschnecke, bei Ankunft war das Wetter sonnig, auch wenn über dem See Dunst hing. Mir fiel auf, dass ich noch nie am Bahnhof den Weg links um den See eingeschlagen hatte.

Wir kamen an vielen hübschen Häusern vorbei, an schönen Ortsnamen wie Percha und Leoni. Letzteres ist bereits ein Ortsteil von Berg; da der Name für die Gegend doch recht ungewöhnlich ist, recherchierte Herr Kaltmamsell dessen Ursprung. Und siehe da: Anfang des 19. Jahrhunderts hieß die Siedlung noch Assenbuch. An einer Stelle, an der das Ufer im Bogen in den See ragte (der damals noch Würmsee hieß), ließ Staatsrat Franz von Krenner ab 1810 eine Villa errichten, die er nach seinem frühen Tod dem verehrten Bassisten der königlichen Hofoper Giuseppe Leoni vermachte. Leoni baute die Villa in eine Pension mit Gasthaus um.

Leoni stellte sich als talentierter Gastwirt heraus und seine Frau Rosina war eine bemerkenswerte Köchin, der ihr Mann wohl die hohe Kunst der italienischen Küche beigebracht hatte. Bald kamen viele Gäste aus der Residenzstadt München angereist um am Starnberger See zu speisen.

Durch den technischen Fortschritt der Zeit (Kutschen erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 4 Stundenkilometern!) war der Ort ja von München aus mittlerweile in gerade mal fünf Stunden zu erreichen.

Es verging nicht viel Zeit bis man im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr in die Assenhausener Puech oder nach Assenbuch fuhr um erstklassig zu essen, sondern nach „Leonihausen“ oder einfach und kurz „Zum Leoni“. Beide Namen waren eine Ehrerbietung an das Wirtepaar und das hervorragende Essen, welches serviert wurde. Der Name „Zum Leoni“ setzte sich in den Köpfen der Gäste und der Einheimischen derart fest, dass der Ort viele Jahre später auch offiziell in Leoni umbenannt wurde. So wurde aus der Assenhausener Puech und Assenbuch Leoni.

Orte, die nach Wirtschaften benannt sind – das gefällt mir, siehe Münchner Stachus.

Essen planten wir erst am Schluss unserer Runde, am Ufer bis Leoni waren wir vor allem mit schönen Ausblicken und Mückenschwärmen beschäftigt. Wir erinnerten einander mehrfach daran, dass im derzeitigen Insektensterben jeder Mückenschwarm Grund zur Freude ist, mussten uns aber schon mit Anstrengung und viel Gefuchtel zu dieser Freude zwingen.

Wir wanderten vergnügt, besichtigten die Votivkapelle und die Stelle, an der König Ludwig II. 1886 tot aufgefunden wurde, den mächtigen Bismarckturm (?!) überm See, spazierten gemütlich durch Dörfer, grüßten Pferde, Laufenten, Stare, Spatzen, Reiher und viele, viele blühende Bäume. Die Temperaturen waren hoch genug für kurze Ärmel, nur auf windigen Anhöhen griff ich zur Jacke. Selbst lief ich locker und nur am Ende mit Schmerzen, Herrn Kaltmamsell, der nicht ganz so gut im Training ist wie ich, schnaufte an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mehr.

Vergangenes Jahr hatte ich daran gedacht, dieses Jahr schon wieder nicht: Auch im April erzeugt Sonne Sonnenbrand. Ungecremt leuchtete die Haut abends im Ausschnitt rot.

Querfeldein-Radelnde kamen uns nur selten ins Gehege, das lag aber sehr wahrscheinlich an der Jahreszeit: Im Sommer würde ich die größten Teile der Runde eher nicht gehen wollen, sie sehen nach Radlerrennbahn aus.

Für die abschließende Brotzeit steuerten wir nach gemessenen 24 Kilometern und fünf Stunden Gehzeit mit zwei Pausen in Starnberg den Tutzinger Hof an, den wir in sehr guter Erinnerung hatten und den wir ob seiner vielfältigen Speisenkarte von vegan bis fleischig deftig und ob seiner aufmerksamen Umkümmerung wieder empfehlen können.

ÖPNV-Starren.

Mückenschwärme bedeuten wohl auch: Festmahl für die Spinnen in Leoni.

Votivkapelle St. Ludwig

Bismarckturm in Assenhausen. Jetzt weiß ich also, dass Bismarck in München eine riesige Fangemeinde hatte, zu der unter anderem Franz von Lenbach gehörte.

Pause in einer Kapelle hinter Aufhausen. Ihre Schradligkeit und Vernachlässigung erzählte mir mehr von Volksfrömmigkeit im Lauf der Zeiten, als es jede der vielen prächtig aufgerüschten Kapellen im Oberbayern könnten.

Klosteranlage Aufkirchen.

Oskar Maria Graf-Denkmal vor der Oskar Maria Graf-Volksschule in Aufkirchen.

Auf dem Borttzeitbrettl für zwei war die Sensation der Obatzte, den ich hiermit zum besten (für meinen Geschmack) jemals erkläre: Grob stückig ganz offensichtlich selbst gebatzt, frisch und fast schon leicht, fein abgeschmeckt. Neuigkeit seit unserem letzten Besuch hier: für jeden ein Minilaib frisch gebackenes Sauerteigbrot.

Am Nebentisch ein höchstwahrscheinlich erstes Date. Beide Parteien ausgesprochen wohlwollend auf der Suche nach einem gemeinsamen Thema. Begeisterte Erzählungen von Vorlieben bei Film und Fernsehen – die das Gegenüber jeweils nicht kannte, dennoch versuchte, die Begeisterung ernst zu nehmen und nachzuvollziehen. Austausch von Koordinaten wie Herkunft und Berufsweg. Ich habe sowas ja nie gemacht, nehme aber an, solche Dates sind immer so anstrengend?

Gemütliche Rückfahrt mit der S-Bahn und schönen Anblicken vor dem Fenster, daheim Wäscheaufhängen, Ansetzen von Brotteig, Internetlesen.

Journal Mittwoch, 15. August 2018 – Mariä-Himmelfahrts-Wandern von Kirchseeon nach Aying

Donnerstag, 16. August 2018

Ausgeschlafen bis halb acht, dennoch müde.
Vormittags verschickten wir den ersten Termineinmerker für das große Fest nächstes Jahr an die E-Mail-Kontakte – ich freute mich, wie wenig Bounces dabei waren.

Beim Wimmer holte ich Semmeln für ein mittägliches Frühstück, bevor wir den lange geplanten Wandertag antraten – das Wetter war mit gemischten Wolken und mit Temperaturen in den mittleren Zwanzigern genau richtig dafür.

Wir fuhren mit der S-Bahn nach Kirchseeon, um nach Aying zu gehen (haben wir schon einige Male gemacht).

Aufregendes beim Warten auf die U-Bahn am Sendlinger Tor; der Bahnhof wird ja derzeit und noch eine ganze Weile renoviert: Markierungen der Risse und Löcher auf der Wand gegenüber dem Bahnsteig.

Doch zurück zur eigentlichen Wanderung. Neu war diesmal, dass auf dem einstigen Wanderweg sehr viele Radler unterwegs waren, die Beschilderung ist inzwischen sogar ausschließlich auf Radler ausgelegt. Etwa die Hälfte der Fahrzeuge war motorisiert. Hoffentlich gibt es irgendwann überhaupt noch echte Wanderwege.

Besondere Vorkommnisse: In einem Waldstück blieb Herr Kaltmamsell vor mir abrupt stehen und deutete vor sich: “Die bewegt sich noch!” Eine Kröte lag da auf dem matschigen, moorigen Weg in einer Fahrradspur auf dem Rücken: Wir drehten sie mit einem Stecken um, gossen Wasser dabenen. Sie bewegte sich ein wenig, sah aber immer noch seltsam verknotet aus. Ich hob sie auf die Seite neben dem Weg, damit sie nicht überfahren wurde – und war erstaunt, wie weich sie sich anfühlte.

Besonders fit waren auch wir gestern nicht. Meine Schmerzen hielten sich zwar in Grenzen, doch meine Beine waren sehr schwer und ich atmete nicht so leicht wie sonst.

Unser Ziel nach fast fünf Stunden: Aying.

Der Biergarten in Aying ist von einer so entwaffnenden Idyllizität, dass ihr auch noch so viele Radlwanderer in voller Kunststoffmontur nichts anhaben können.

Das Bier war hervorragend und stand auf Bierfilzln für Geisteswissenschaftlerinnen.

Herr Kaltmamsell bestellte nur ein wenig Leberkäs mit Spiegelei und Kartoffelsalat (gilt in Bayern als Snack), um mir bei meinem Brotzeitbrettl helfen zu können (geht in Bayern mit all dem Käse und Gemüse als vegetarische Mahlzeit durch).

Ich teilte allerdings nicht nur mit ihm, sondern auch mit einer besonders emsigen Wespe.

An einem Nebentisch größere Kinder, die mir aus dem Augenwinkel auffielen, weil sie nicht mit Messer und Gabel umgehen konnten, sondern beides geradezu körperverletzlich mit der Faust bedienten. Ganz im Gegensatz zu dem ziemlich kleinen Kind an einem anderen Nachbartisch, das vergnügt und manierlich seinen Kaiserschmarrn mit Apfelmus gabelte. (Keine Zivilisationsuntergangszenarien hier: Auch in meiner Kindheit gab es Kinder, die nicht mit Besteck essen konnten.)

Auf dem Weg zum Ayinger Bahnhof entdeckten wir noch ein Marterl – ich liebe diese bayerischen Totengedenken mit Geschichte.

Zurück in München am heimischen U-Bahnhof noch schnell einen Pokémon-Raid mitgenommen, am nächtlichen Vergnügen im Nussbaumpark vorbeispaziert: Es gab gerade sehr schöne Live-Musik.

Das wildesten Erlebnis des Tages hatten wir dann direkt vor unserer Haustür: Ein Sperber kam unter einem parkenden Auto hervor, wo er gerade eine Maus geschlagen hatte. Er flog damit auf eine Brüstung um einen der Bauarbeitercontainer der benachbarten Baustelle und begann zu fressen.

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George Monbiot schreibt im Guardian darüber, wie er ein Foto vom Strand in Brighton aus dem Jahr 1976 sah und höchst verblüfft bemerkte, wie wenige Menschen darauf dick waren. Er macht sich auf die Suche nach den Gründen – und widerlegt die meisten bisherigen Erklärungen.
“We’re in a new age of obesity. How did it happen? You’d be surprised”.

via @vinoroma

Journal Sonntag, 15. April 2018 – Von See zu See gewandert

Montag, 16. April 2018

Gestern war wieder Wandern geplant. Zur Auswahl standen der Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe im Chiemgau – wenn die Obstbäume blühten – und die Strecke zwischen Starnberger See (Tutzing) und Ammersee (Herrsching). Die Webcam Ratzinger Höhe zeigte, dass die Bäume noch nicht blühten. Also nahmen wir kurz vor Mittag einen Zug nach Tutzing (Frühstück auf der Fahrt) und gingen unter trübem Himmel und bei milden Temperaturen über Gut Kerschlach und Andechs nach Herrsching. Es war eine schöne Wanderung.

Die dominanten Blumen waren wie am Wochenende davor Buschwindröschen und Veilchen, aber schon viele Schlüsselblumen. Die Schlehen warfen immer wieder einen weißen Blütenhauch ins Zartgrün der Büsche.

Wir sahen ein Reh, viele Pferde und einen (mutmaßlichen) Storch im Flug – aber das beste waren die beiden Schwalben, die bei unserer Rast in Gut Kerschlach vorbeiflogen.

Bis Gut Kerschlach waren wir auf eher abseitigen Wegen unterwegs, aber dort erwartete uns die geballte Macht der Radausflügler: zu 90 Prozent auf eigens für Ausflüge hochgezüchteten Geräten von Renn- über Trekking- bis Mountainbikes, die letzten beiden Sorten mit und ohne Elektromotor. Nur etwa 10 Prozent der Fahrräder hätte auch meine Oma als solche erkannt. Und diese 90 Prozent Radlerinnen und Radler waren bis unter die Kiemen mit eigens dafür hochgezüchteter Funktionskleidung ausgestattet – ich weiß jetzt, dass Klickschuhe das Sommerpendant des lustigen Gangs in Skischuhen erzeugen. Und ich freue mich schon auch, dass die Motoren an den Rädern dafür sorgen, dass auch nicht so körpertüchtige Menschen in den Genuss des Radelns auf hügeligen Waldwegen kommen – doch die Folge ist halt eine noch höhere Radlerdichte auf diesen Waldwegen: Gemütliches und gedankenverlorenes Wandern mit Ausschau nach Blumen und Vögeln wird immer weniger möglich, weil jederzeit Radler angerauscht kommen können.

Ehemaliges Warnamt Kerschlach.

Bild: Herr Kaltmamsell
Wir sahen viel Windbruch, fast aller bereits geschnitten, gestapelt, sortiert. Dieser Nadelbaum nicht – morsch, wie ich beim Nachgucken feststellte – und er hatte ein riesiges Stück Waldboden mitgenommen. (Entstehen so Hobbithöhlen?)

Sumpfdotterblumen.

Einkehrschwung in Herrsching im legendären Seehof: Ochsenbackerl für den Mitwanderer, Saibling für mich – beides sehr gut. (Und trotz großer Lust auf ein Radler vorsichtshalber wieder kein Alkohol.)

Unterm Strich waren das dann 26 Kilometer und fünfeinhalb Stunden Wanderung. Danach waren wir ordentlich fertig, in München ließen wir uns vom Bahnhof mit der Tram heimbringen.

Die Heimfahrt dauert länger als geplant, da von Herrsching aus keine S-Bahn fuhr : 45 Minuten Schienenersatzverkehr nach Gilching und dann nochmal 45 Minuten S-Bahn nach Münchens Mitte. Schuld war das hier:

Derzeit wird am Bahnhof Gilching der Bahnsteig erneuert – kann mir jemand erklären, was diese Maschine dabei tut?

Daheim Räumen und Vorbereitung der Arbeitswoche; dem Wochenende hätte ein weiterer Tag gut getan.

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Diversität ist ein besonderes und interessantes Thema in einem Staat, der sich über Homogenität definiert: Japan. Mokoto Rich erklärt das anhand eines Beispiels:
“In Homogeneous Japan, an African-Born University President”.

via @ruhepuls

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Mode! Ein hier lang vernachlässigtes Thema. Charmantes Feature im New Yorker über den sehr alten römischen Hersteller “Gammarelli – Sartoria per ecclesiastici”.
“Where the Pope Gets His Socks”.

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Wenn ich als eines meiner Interessen Sport angebe, betone ich gerne überheblich: “Machen, nicht gucken.” Vielleicht stimmt das nicht ganz.
“The Dizzying Patterns of Movement at Athletic Events Captured in Composite Photographs by Pelle Cass”.
via @dtfdpr

Journal Mittwoch, 1. November 2017 – Abwandern

Donnerstag, 2. November 2017

Letztes Ferienausschlafen, nach Kaffee und Bloggen eine Runde Krafttraining. Als ich hantelhebend aus dem Fenster sah, fiel mein Blick auf zwei Elstern – die hatten wir bislang noch nie in der Nähe. Ich mag Elstern und weiß, dass sie unter den ohnehin schlauen Krähenvögeln die schlauesten sind, aber ich weiß auch, dass sie sehr, sehr laut sind. Deshalb haben sie mir vor dem eigenen Fenster bislang auch kein bisschen gefehlt.

Eine Stunde früher als angekündigt kam Herr Kaltmamsell vom Rollenspielen zurück, unversehrt. Wie vereinbart brachen wir mittags zu einer letzten Wanderrunde auf: Wir nahmen die S-Bahn nach Wolfratshausen, wanderten an der Loisach entlang nach Icking und den Hochweg zurück nach Wolfratshausen.

In Wolfratshausen kehrten wir in der letzten Abenddämmerung beim Humplbräu ein.

Ende meiner Allerheiligenferien.

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Stirling-Architekturpreis für den Hastings Pier und damit den Mut des Weglassens:
“Walking tall: Hastings pier wins the Stirling architecture prize”.

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Die New York Times über Sade Adu:
“Sade’s Quiet Storm of Cool”.

Ich freute mich über die Erinnerung an Sades personifizierte Eleganz – sogar in den Cowboystiefeln, die sie beim SNL-Auftritt trägt, und die mich immer an meine damalige Freundin G. erinnern. Sie und Alison Moyet waren die Frauen, die ich in meiner 80er-Jugend am schönsten fand – sie sahen einfach so sehr wie sie selbst aus. (Nicht meine Style-Vorbilder, gekleidet habe ich mich ganz anders – ich sah ja auch ganz anders aus.)

Journal Sonntag, 9. April 2017 – Im Frühsommer von Herrsching nach Tutzing

Montag, 10. April 2017

Inneres Handgemenge, weil ich die ganze Woche keinerlei Sport getrieben hatte und mir die geplante Wanderung erst mal zu sportlicher Bewegung zurechtdefinieren musste.
Wie bringe ich mir bloß bei, dass 13 Krafttraining-freie Tage mich nicht automatisch in die Geriatrie bringen?

Am gestrigen Frühsommersonntag gingen wir wieder vom Ammersee (Herrsching) zum Starnberger See nach Tutzing. Es war sehr sonnig und in der Sonne sehr warm, am Ammersee lagen Bikiniträgerinnen im Kies, es spazierten kurze Hosen und Flipflops an uns vorbei.

Nach einer Stunde am Ufer bogen wir in den Wald nach Andechs, vorbei am verschwundenen Dorf Ramsee.

Von und zum Kloster Andechs zog sich ein dichter Strom Ausflügler – wir hatten eh nicht vorgehabt, dort einzukehren.

Diesmal hatte ich zum Glück daran gedacht, dass ein Laub- oder Mischwald derzeit noch keinen Schatten spendet, mich sonnengecremt und einen Hut mitgenommen.

Die vielen Blumen an der Strecke waren eine Freude. Dieser Fleck Veilchen hatte mich laut angeduftet. Buschwindröschen und Leberblumen standen in voller Pracht, Seidelbast, Sauerklee, Schlüsselblumen blühten höchst dekorativ.

Diese Sumpfdotterblume überraschte mich aber – die kenne ich sonst nur vom Sommer.

Auf diese Allee nach Tutzing rein und mit Blick auf den See hatte ich mich schon gefreut.

Nach gut sechs Stunden und 28 Kilometern waren wir trotz einer langen Pause im Gut Kerschlach (im Café ging es genau so zu, wie man es an solch einem Sonnensonntag erwarten konnte) ziemlich erledigt.

Ist das auch eine Taubnessel, was da zwischen den alten Alleebuchen stand?

Wir hatten viele verschiedene Schmetterling gesehen (Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Aurorafalter, Kohlweißling, Dukatenfalter) und Hummeln – leider keine Bienen -, Meisen und Rotkehlchen, Bussarde, eine Dohle, Eichelhäher. Die Schwalben sind allerdings noch nicht da.

Auf den Wegen begegneten uns viele Mountainbiker, einige davon elektromotorisiert, mehr als Wanderer. Auch diese Strecke ist mittlerweile als Radwanderweg ausgeschildert. Im aktuellen Süddeutschen Magazin erklärt der Marburger Natursoziologe Rainer Brämer, was einen guten Wanderweg ausmacht (sehr interessantes Interview) und erwähnt dabei, dass der Wandertrend in Deutschland seit einigen Jahren wieder rückläufig sei. Vielleicht nutzen die Leute inzwischen die Wege mit ihren High-Tech-Radeln lieber als Sportgerät denn als Aussichtsweg. Ist für Wanderer auf den selben Wegen halt ein bissl anstrengend, ich werde mehr nach abseitigen Wegen recherchieren müssen.