Wandern

Journal Samstag, 14. Mai 2022 – Isar-/Loisachtalwandern in Maien-Idyll

Sonntag, 15. Mai 2022

Bis fast acht geschlafen, und das auch mit nur wenigen Unterbrechungen – super.

Draußen entwickelte sich wunderbares Wetter – auch das super, weil Herr Kaltmamsell den Tag für eine Wanderung hatte freinehmen können.

Erst mal gemütliches Bloggen und Morgenkaffee, Wäschewaschen, Telefonat mit meiner Mutter.

Ich ging eine schnelle Runde Einkaufen (u.a. Spargel und Erdbeeren für Sonntag, Brotzeit), dann zogen wir los. Eigentlich hatten wir mal wieder vom Starnberger See an den Ammersee wandern wollen, doch wegen Stammstreckensperrung der S-Bahn hätten sich An- und Abreise sehr kompliziert gestaltet. Statt dessen fuhren wir unkompliziert und direkt ab Hauptbahnhof Richtung Wolfratshausen, Wanderung am und im Loisach-/Isartal. Hier waren wir schon oft (zum Beispiel hier beschrieben), diesmal hatte Herr Kaltmamsell eine Erweiterungsschleife um die Loisachmünundung und in der Pupplinger Au recherchiert.

Gegen Sonne und Stechmücken hatte ich mich kräftig gecremt und besprüht, roch wie ein Drogeriemarkt nach Besuch einer Elefantenherde.

Schon die S-Bahnfahrt durch Sonnen-beschienene Maienlandschaft war herrlich. Rapsgelb bekam ich allerdings erst kurz vor Icking zu sehen.

Das Wegstück von Icking durch den Wald ist inzwischen ausgebaut und befestigt: In den Corona-Jahren waren wohl mangels entfernterer Ausflugsziele so viele Menschen durchgekommen, dass das nötig geworden war. Gesten begegneten wir nur sehr wenigen Wanderern oder Radler*innen, vielleicht haben wir jetzt die Wanderwege im S-Bahnbereich wieder mehr für uns.

Ich hatte mich für kurze Wanderhosen und Ärmel entschieden, das stellte sich als genau richtig heraus.

Schlederloh.

Blick auf die Loisachmündung in Frühlingsfarben, hier verlief das letzte Stück unseres Wegs.

Es wurde bereits an vielen Stellen das erste Heu gemacht (hier im Bild der Kreiselheuer, in meinem Hirn spielten Haindling “Mo mah du”).

Vor Dorfen.

Hinter Dorfen, kurz vor der Abzweigung nach links Richtung Wolfratshausen.

Über Wolfratshausen machten wir um halb drei Brotzeit: Ich aß Apfel und Nussschnecke.

Die Loisach in Wolfratshausen. Diese gingen wir wieder ein Stück entlang, doch an der Stelle, an der wir sie sonst zurück kreuzten, gingen wir Richtung Osten und Pupplinger Au / Isartal. Dieser neue Abschnitt stellte sich als besonders reizvoll heraus.

Der Weg mäanderte schmal durch den Auwald und den Bärlauch, links erzähte das Wasser Geschichten, mal mit Gluckern, mal mit Rauschen. Auf dem Weg sahen wir zweimal kleine Blindschleichen, im Wasser Fische.

An der Floßlände Angermeier kreuzten wir die Isar.

Brückenmadonna von Anton Ferstl. Selbst bei solch einer behutsamen Modernisierung griffen die Bürger*innen 1990 umgehend zu den Mistgabeln: Alles was nicht nach Dorfkirche-mit-Zwiebelturm-Holzschnitzerei aussieht, wird hierzulande erbittert bekämpft. (Allerdings nehme ich sehr an, dass auch ein Matthias Grünewald zu Lebzeiten auf solche Reaktionen stieß und fuchteln musste: “KUNST kommt nicht von ‘gefallen’!”)

Vor solchem Uferabbruch warnten Schilder, sie sind typisch für diese Flusslandschaft.

Auf dieser Isarseite gingen wir zurück Richtung Icking.

Weitere Abwechslung in der Landschaft.

Kurz vorm Ickinger Wehr. Vor Rückenkraulen wird gewarnt.

Aus dem Ickinger Wehr.

In Icking gibt es nur ein Wirtshaus. In dem kehrten wir ein.

Wurstsalat und Schweinsbraten (wenn die Wirtshausküchen halt lieber gleich auf Versuche in Kruste verzichten würden, statt unkaubares Hartleder zu produzieren). Ich hatte wieder keine Lust, auf der Rückfahrt dumpf im Kopf zu sein und trank lieber zwei alkoholfreie Weißbiere (Elektrolyte!).

In München holten wir uns auf dem Heimweg vom Bahnhof Nachtisch bei der Nachbarschafts-Eisdiele. Die Streckenlänge (ca. 16 Kilometer in knapp fünf Stunden mit zwei Pausen) war genau richtig gewesen, weder Herr Kaltmamsell und ich hatten auf den letzten Metern Beschwerden.

Journal Sonntag, 10. April 2022 – Palmsonntag mit Schnee und entlang der Würm

Montag, 11. April 2022

Zwischen den Unterbrechungen gut und tief geschlafen, bis fast sieben.

Gemütlicher Morgen, zu unserer Wanderung wollten wir erst am späten Vormittag aufbrechen. Also hatte ich vorher noch Zeit für eine Runde Yoga. Doch als sich abzeichnete, dass es erst mal wieder ausführlich ums Schnaufen gehen würde, ließ ich das Video weiterlaufen, Adriene vor sich hin schaufen, und machte meine Bankstütz- und Seitstützübungen. Erst als sie nach zehn Minuten vom Schnaufen zu table top position wechselte, stieg ich wieder ein.

Das Wetter draußen hatte sich nicht an die Abmachung gehalten, es war genauso wechselhaft wie am Samstag. Egal, ich zog mich warm an mit einer Strumpfhose unter der Wanderhose und meinem dicksten Pulli unter der Wanderjacke, Mütze und Handschuhe eh.

Plan war, die Würm entlang von Pasing Richtung Starnberg zu gehen, so weit wir halt Lust hatten – Einzugsbereich MVV, also mit reichlich Möglichkeiten zur Rückfahrt. Brotzeit besorgten wir erst in Pasing, denn der Bäcker unterm Stachus war geschlossen. Wir zogen strammen Schrittes los, sahen viel Frühling, an der Würm Kanadagänse (LAUT!), Bachstelzen, Rotkehlchen, Buchfinken, Grasmücken, Stock- und Mandarinenten, Amseln,  Meisen, hörten unter anderem Wacholderdrosseln. Der seltsame Zweig oben auf dem kahlen Baum, der von der Weite wie ein Vogel ausgesehen hatte, stellte sich von Nahem tatsächlich als Vogel heraus: ein Turmfalke.

Es war nicht viel los, eine positive Folge der düsteren Wolken und regelmäßigen leichten Graupelschauer, die sich mit sonnigen Abschnitten abwechselten. Ich hatte diese Strecke ausgesucht, weil die Wege zum großen Teil gut befestigt sind und ich nach den Niederschlägen der letzten Wochen Matsch befürchtet hatte. Die Sorge war unberechtigt: Es hatte nicht genug für Matsch geregnet, leider.

Nach zwei Stunden machten wir Pause, es gab Nussschnecke und Apfel, außerdem heißen Tee aus der Thermoskanne.

Maibaumwerkstatt der Feuerwehr Gräfelfing, nicht im Bild die Bewachung (-> Maibaumstehlen).

In Gauting, nach gut drei Stunden Fußmarsch, machten wir Schluss. Herr Kaltmamsell fühlte sich nicht wirklich fit (morgens hatten wir uns beide auf Corona gestestet, aber es gibt ja auch noch andere Infekte), der nächste S-Bahn-Halt lag fast zwei Stunden entfernt. Also spazierten wir zum Gautinger Bahnhof und fuhren zurück.

Daheim holte ich über einer Tasse Tee das Süddeutsche Magazin vom Freitag nach, las unter anderem den Artikel von Catrin Lorch über ihr Handweben (€). Handwerklich Hergestelltes kostet Zeit, hohe Fertigkeit, Erfahrung – und doch empfinden viele den Endpreis als Abzocke. Lorchs Artikel liefert mir einen argumentativen Schlüssel:

Der kalifornische Handweber Travis Meinolf hat in einem Interview einmal die Rechnung umgedreht und vorgeschlagen, dass Kunden ihm für einen Schal, den er in dreitägiger Arbeit herstellt, doch bitte bezahlen mögen, was sie selbst in drei Tagen verdienen.

Abendessen war wieder der asturischer Bohneneintopf Fabada vom Vorabend – ist, wie fast alle Eintöpfe, schlecht in kleinen Mengen zu kochen. Am meisten genoss ich darin die weißen Bohnen.

§

Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin Hanna Engelmeier über ihr instagram-Gucken:
“Andere Leben als meines”.

Bei meinen Exerzitien in Fremdscham und Anteilnahme denke ich regelmäßig an den Aufsatz, den ich eines Tages über diese Storys schreiben möchte, und bastele an dem Argument, dass hier ein neuer Werkbegriff her muss, einer, bei dem Autorinnenschaft nicht mit dem Ziel der Erschaffung bleibender Artefakte, sondern dem Aufrechterhalten beständiger Aufmerksamkeit für das eigene Tun verknüpft ist.

§

Auf Empfehlung sah ich gestern eine 3sat-Doku über den Schauspieler Christoph Waltz – und empfehle sie hiermit weiter (noch bis 16.4. in der Mediathek).
“Christoph Waltz – Der Charme des Bösen”.

Waltz äußert sich ausschließlich über seinen Beruf und seine Karriere, aber das höchst interessant. Immer wieder betont er, dass er nie besser sein kann als das Drehbuch, und dass sein Job ist, die Tätigkeiten von Drehbuch, Regie (Kamera, Schnitt) zu komplettieren, damit ein Film daraus werden kann. Auch die (bescheuerte) Frage, wie viel von ihm als Person in seinen Rollen stecke, beantwortet er damit: Sein Beruf sei, eine Rolle zu spielen; die Rolle müsse gut geschrieben sein und er die richtige Besetzung dafür – dann werde das Ergebnis gut. Das freute mich vor allem vor dem Hintergrund meiner regelmäßigen Verwunderung, wenn Schauspieler*innen fachlich zu den Inhalten ihrer Rollen interviewt werden, wenn zum Beispiel eine Schauspielerin, die gerade die Leiterin einer Jugendpsychiatrie gespielt hat, zum Stand der deutschen Jugendpsyche befragt wird – und auch noch antwortet. Die Frau ist keine Psychaterin, sie ist Schauspielerin!

§

Eine sehr schöne, ungewöhnliche Tango-Filmszene.

Journal Samstag, 29. Januar 2022 – Auf dem Tegernseer Höhenweg in die Sonne

Sonntag, 30. Januar 2022

Eine besonders schlechte Nacht mit Aufwachen zu jeder Stunde und sehr unangenehmen Nebenhöhlenschmerzen.

Um sechs erklärte ich diese Nacht für beendet. Entsprechend erledigt hing ich über Bloggen und Mogenkaffee. Dann doch die bunte Sonderangebots-Sommerhose aus einem offenen Tab bestellt, Futter für die Illusion, den Winter verkürzen zu können.

Herr Kaltmamsell hatte dieses Wochenende frei. Und er war eisern entschlossen, es für eine Wanderung mit mir zu nutzen, Winter und Wetter egal. Das überraschte mich, ich kenne ihn eigentlich nicht so kompromisslos wanderbegeistert, doch ich erfüllte ihm gern den Wunsch. Als Strecke hatte ich eine am Tegernsee recherchiert, von der mir eine Freundin als Winterwanderung um Weihnachten erzählt hatte, nämlich den Tegernseer Höhenweg. Auf das abschließende Übersetzen per Schiff oder Ruderfähre mussten wir allerdings verzichten, da es derzeit auf dem Tegernsee gar keinen Schiffsverkehr gibt.

Ich packte einen Rucksack mit Getränken, Brotzeit holten wir uns am Bahnhof – an einem der wenigen dort verbliebenen Brotzeitstände, denn am Münchner Hauptbahnhof ist inzwischen fast alles außer dem Gleisbereich Baustelle.

Im Zug nach Tegernsee ein verräterisches Verbotsschild am Gepäckfach über den Sitzen:

Gestern allerdings sah ich nur einmal Mensch mit Snowboard auf der Hinfahrt, einen mit Ski zurückzu (der lustige Skistiefel-Gang! als Choreografin würde es mich drängen, einen Tanz daraus zu machen – ähnlich der Taucherflossen-Nummer in Mama mia). Alle anderen Passagiere sahen nach Wandern oder Spazierengehen aus. (Maskendisziplin 1A.)

Die Wettervorhersage hatte für Nachmittag Sonne angekündigt, und so war es dann auch: Wir wanderten unter düsterem Himmel los ins immer Sonnigere. Der Weg war gut ausgeschildert, ließ sich auf sulzigem Schnee in festen Wanderschuhen gut gehen (umfasste allerdings ein paar sehr steile Abstiege), wir begegneten nur wenigen anderen Menschen, Richtung Rottach-Egern immer weniger, und wir hatten immer wieder wundervolle Aussicht.

Blick rüber nach Bad Wiessee. Ich erkannte die Reha-Klinik, in der ich Ende 2019 nach meiner Hüft-TEP so schnelle Heilungsfortschritte machte.

Rottach-Egern mit Wallberg.

Nach zwei Dritteln machten wir kurz vor zwei Brotzeit auf einem Bankerl an der Rottach: eine mächtige Nussschnecke, dazu Kräutertee aus der Thermoskanne – sie hatte ihn wirklich heiß gehalten.

Jetzt wurde es herrlich sonnig und warm, schlagartig waren alle Wege und Bänke voller Menschen.

Blick vom Strandbad Point nach Rottach.

Kloster Tegernsee.

Tegernseer Rathaus.

Zurück nahmen wir einen Zug kurz vor vier (sie gehen zwischen Tegernsee und München zweimal in der Stunde – wirklich bequem). Das waren 14 Kilometer in knapp vier Stunden gewesen. Was ich Herrn Kaltmamsell bis zur Rückfahrt verheimlicht hatte: Beim Gehen schmerzte seit dem Aufstehen am Morgen meine einst kaputte Hüfte mit überraschender Heftigkeit. Ich wollte die Tour trotzdem probieren, und es ging dann auch gut, wirkliche Schmerzen hatte ich immer nur nach Aufstehen vom Sitzen.

Auf der Rückfahrt nutzte ich die Gelegenheit, mal ein Foto von der Großhesseloher Brücke aus auf Gleishöhe aufzunehmen statt beim Joggen ein Stockwerk tiefer.

In München kauften wir auf dem Weg nach Hause noch Zutaten fürs Abendessen. Ich fühlte mich nach der schlechten Nacht unverhältnismäßig erledigt, legte erst mal die Füße hoch.

Herr Kaltmamsell kümmerte sich auch gestern ums Nachtmahl und servierte aus Ernteanteil den letzten Lager-Knollensellerie und Gelbe Bete mit Zwiebeln vom Blech, ich rührte dazu Schnittlauchjoghurt und Tahini-Sauce (mit Meyerzitronensaft) an. Davor gab es Gin Tonic.

Nachtisch große Mengen Süßigkeiten.

Ich gab meiner Erschöpfung nach und war schon um halb zehn im Bett. Draußen hatten Sturm und Regen eingesetzt, wir hatten den richtigen Wochenendtag zum Wandern gewählt.

Journal Sonntag, 31. November 2021 – Isarhochweg über Wolfratshausen

Montag, 1. November 2021

Schon am Samstag hatte mich Twitter verwirrt: Leute führten einander ihre Halloween-Kostümierung und -Deko vor, berichteten von Verhaltensanweisungen zum Trick-or-Treat ihrer Kinder, zeigten die Süßigkeiten für die ab jetzt klingelnden Nachbarschaftskinder. Gestern Morgen fragte ich dann doch mal explizit, ob Halloween nicht die Nacht auf 1. November, also auf Montag sei? Und erfuhr, dass das inzwischen nicht mehr so eng gesehen wird, vor allem in Bundesländern, die nicht wie Bayern praktischerweise den 1. November als Feiertag haben. Halloween ist jetzt also grob die Zeit vor Allerheiligen.

Am Vorabend hatte sich der Plan geformt, den mit herrlichem Wetter angekündigten Sonntag für eine kleine Wanderung zu nutzen: Rundwanderweg Isarhochufer Icking-Wolfratshausen. Ich freute mich bei jedem nächtlichen Aufwachen an der Aussicht darauf.

Nach Korrektur aller Uhren im Haus (jetzt haben wir wieder Normal-, genannt Winterzeit), Bloggen und Morgenkaffee war ich früh startklar, doch weil am Zielort noch 3 Grad angezeigt wurde, wartete ich bis zehn.

Herrliche Aussichten schon auf der S-Bahn-Fahrt nach Icking. Beim Ankommen zeigte sich, dass außer mir noch ein paar andere Menschen genau diese Route gehen wollten. Auch sonst war überraschend viel los auf den Wegen – vermutlich haben einige sonst weiter reisende Leute in den pandemischen Ausgangsbeschränkungen die Wanderungen und Spaziergänge für sich entdeckt, die davor eher eine Sache von Öffi-Langweilerinnen wie mir waren. Das gönne ich selbstverständlich jedem und jeder, doch es verhinderte schön entspanntes Wandern mit gelassenen Sensoren in die Umgebung, das mich zur Ruhe gebracht hätte. Ich genoss die wundervollen Ausblicke und das herrliche Licht durchaus, absolvierte aber eher eine Sporteinheit. Die ohnehin kürzer geriet als erwartet, schon nach drei Stunden war ich trotz ausgiebiger Frühstückspause zurück am Ickinger S-Bahnhof.

Erster Abschnitt hinter Icking.

Hoch nach Schlederloh.

Schlederloh.

Zusammenfluss von Loisach und Isar.

Blick zurück über Dorfen.

Abstieg nach Wolfratshausen.

Wolfratshausen.

Frühstückspause im Riemerschmidpark mit Aussicht, Apfel und Pumpernickel. Zurück entlang der Isar, mit gelegentlichem Ausweichen in die Büsche bei entgegenkommenden Fahrrädern.

In Icking wartete ich dann ziemlich lang auf die Rückfahrt, es gab Probleme auf der S-Bahn-Stammstrecke. Aber ich hatte für genau diesen Fall neben Wasser auch große Teile der Wochenend-Süddeutschen dabei und las halt 40 Minuten in der Sonne. (Eine der weniger thematisierten Alterserscheinungen: Alte Leute wie ich, meiner Beobachtung nach vor allem Frauen, sind für immer mehr Fälle ausgerüstet unterwegs. Vielleicht erinnern Sie sich an die Erfrischungstücher Ihrer Oma, an ihre Hustenbonbons, Taschentücher, zusammengefalteten Plastik-Kopftücher, Nagelfeile, Pflaster und viele andere praktischen Utensilien, die sie scheinbar jederzeit aus ihrer Handtasche zauberte. Stück für Stück werde ich so eine Oma, auch ohne Enkelkinder.)

Den Rest der Zeitung las ich daheim im Sessel mit Ausblick durch die großen Wohnzimmerfenster auf den sonnigen, bunten Nußbaumpark.

Ansetzen des Feiertag-Kuchens: Zur Rückkehr von Herrn Kaltmamsell sollte es am Montag Zitronenschnecken geben. Allerdings stellte ich den Hefeteig wie immer her, mir wollte kein technischer Nutzen eines Vorab-Rührens der Butter oder eines Verklepperns der Eier einfallen.

Abendessen war eine Portion scharfe Sahnelinsen vom Vortag mit Bauernwurscht, zum Nachtisch gab es Eierlikör und Schokolade.

Schon am Vorabend hatte ich Gabriele Tergit, Effingers ausgelesen (hatte mir sehr gut gefallen, mal sehen, ob ich Lust auf Ausführlicheres habe), gestern fing ich die Graphic Novel Parallel von Matthias Lehmann an.

§

Fakten und Zusammenhänge sind wichtig, Christina Berndt fasst für die Süddeutsche zusammen:
“Weshalb die Zahl der Impfdurchbrüche steigt”.

Journal Samstag, 24. Juli 2021 – Abenteuerwandern von Tutzing nach Herrsching

Sonntag, 25. Juli 2021

Endlich mal wieder Balkonkaffee.

Gestern war ein Wandertag geplant, nach drei Jahren mal wieder von Tutzing am Starnberger See nach Herrsching am Ammersee. Der Tag war zum Großteil als sonnig und heiß angekündigt, also wählte ich eine kurze Wanderhose und ein Trägertopp, cremte mich entsprechend sorgfältig mit hochfaktorischem Sonnenschutz ein.

Was ich nicht im Blick hatte: Mückenschutz. Auf den bisherigen Wanderungen waren Stechmücken nicht mal in Erscheinung getreten, ich hatte das unter Artensterben verbucht. Gestern aber hatte es direkt vor unserer Ankunft in Tutzing gegen elf einen Regenguss gegeben, der Boden war ohnhehin nass – und schon nach wenigen Metern bemerkte ich mein Versäumnis. Die folgenden sechs eigentlich schönen Wanderstunden verbrachte ich mit wedelnder und schlagender Steckmücken-Abwehr, beim zwanzigsten erfolgreichen Mückenmord auf Schultern, Armen, Hals, Ohren, Gesicht, Beinen hörte ich auf zu zählen, und das waren nur die, die ich erwischt hatte. Gerne hätte ich öfter Blümchen genauer angesehen, Ausblicke genossen, doch bei jedem Stehenbleiben hatte ich die Biester in Dreier- bis Fünfer-Formation auf der Haut. So stelle ich mir August in Schweden vor. Da die Stiche bei mir meist erst nach 24 Stunden richtig zu jucken beginnen, sehe ich mich die Nacht auf Montag bereits in Ganzkörper-Fenistil verbringen. (Herr Kaltmamsell war zum einen bekleideter, zum anderen interessieren sich Moskitos generell wenig für ihn.)

Die schönen Abenteuer der Wanderung: Reichlich Tiersichtungen. Beim Deixelfurter See sahen wir weit vor uns auf dem Weg etwas sitzen, was ich zunächst für eine junge Katze hielt; als es über den Weg sprang, wurde klar: ein Wiesel oder Iltis. Auf den ersten Metern im Wald hatte Herr Kaltmamsell bereits einen Grasfrosch entdeckt, dem wir eine Weile zusahen. Später kamen dazu: Eine mächtige Schnecke auf einem Zweig, freilaufende Schweine, Kühe auf Weiden und im Stall, Eichelhäher, viele Schwalben, mindestens ein Bussard.

Zauberhafter Start der Wanderung: Himbeerweg in Tutzing.

Über Tutzing offensichtlich arg steiniger Boden.

Diesmal fanden wir endlich den Weg um den Deixlfurter See und seine Nachbarseen, oft nur durch schmale Stege getrennt; bei den letzten Versuchen hatten wir den schmalen Zugang verpasst. Doch die letzten zehn Minuten war das ein fast nicht sichtbarer Pfad durch Schilf und Gestrüpp – meine nackten Beine bekamen ordentlich Brennnessel ab, die ich noch nachts im Bett spürte. (Herr Kaltmamsell setzte fest, dass wir das Stück künftig wieder auslassen würden: “Wo kein Weg ist, soll man nicht gehen.”)

Verkehrsgesperrte Straße hoch zum ehemaligen Warnamt X Kerschlach.

In Gut Kerschlach kurz vor zwei machten wir die erste Rast: Ich bekam mit, dass das Café Tagesbar seit Februar nach Umgestaltung von neuen Pächtern bewirtschaftet wird. Wir tranken einen guten Cappuccino.

Dieses Blümchenfoto kostete mich wahrscheinlich zwei weitere Mückenstiche.

Kloster Andechs erreichten wir gegen vier. Da wir auf der beliebten Wanderung bis dahin fast keine anderen Wanderer und vor allem fast keine Radler*innen angetroffen hatten, hoffte ich auch hier auf deutlich weniger Menschen als sonst – präpandemisch wäre an einem schönen Sommerwochenende vor lauter Reisebussen und ihren Inhalten kein Durchkommen gewesen. So war es dann auch, wir setzten uns auf der funktionalen überdachten Freifläche zu einem Radler und zur zweiten Rast.

Neue Abenteuer, als wir das letzte Stück am Ufer des Ammersees entlang gingen. Am Ende dieser knappen Stunde standen wir unerwartet vor Wasser: Der vertraute Uferweg war fast knietief geflutet. Uns kam eine ebenso überraschte Radlfamilie entgegen, die die Schuhe ausgezogen hatte und Rad schiebend watete. Also Wanderstiefel und Socken in die Hände und los. Das kühle Wasser fühlte sich sehr angenehm an, doch meine Prinzessinenfüßchen hatten mit dem steinigen Boden zu kämpfen. Anschließend im Gras Socken und Schuhe wieder angezogen – doch nach der nächsten Biegung stellte sich heraus, dass das voreilig gewesen war: Noch ein überflutetes Stück. Diesmal stand das Wasser aber nur knöcheltief, ich ging einfach mit Stiefeln durch, sie hatten sich ja schon mehrfach als wasserfest erwiesen.

Foto: Herr Kaltmamsell. Diesen Übergang auf Steinen (deutlich vor den überfluteten Passagen) kannten wir.

Einkehrschwung in Herrsching beim Andechser Hof. Appetit hatte ich zwar immer noch nicht, doch die vernünftig bestellten Nudeln mit Pfifferlingrahm schmeckten dann doch.

Wir beendeten die Wanderung, wie wir sie begonnen hatten: mit Regen. Schon beim Warten auf die S-Bahn sahen wir Blitze über den Hügeln, auf der Fahrt wurde der Regen immer stärker, bei jedem Halt kamen mehr nasse Wanderer und Radlerinnen hereingeflohen. In München gönnten wir uns für das letzte Stück vom Bahnhof nach Hause eine Straßenbahn, wurden aber auf den wenigen Metern im Freien recht nass. Da wir eh heimkamen, zogen wir die Wanderjacken gar nicht erst aus dem Rucksack.

Wohlige Dusche und Eincremen mit kühlendem Gurken-Minz-Gel.

Journal Sonntag, 27. Juni 2021 – Sonnige Wanderung von Kirchseeon nach Aying

Montag, 28. Juni 2021

Bis sieben geschlafen, das machte die unruhige Phase mittendrin wieder wett.

Der Himmel war morgens bedeckt, die Temperatur perfekt für das gestrige Vorhaben: Wandern von Kirchseeon nach Aying.

Während Herr Kaltmamsell den Vormittag noch zum Arbeiten nutzte, trank ich meinen Morgenkaffee auf dem Balkon und bloggte.

Foto: Herr Kaltmamsell.

Sogar für eine Runde Yoga war noch Zeit, bevor ich mich wanderfertig machte. Zum Frühstück gab’s ein Stück Mangold-Coca vom Vorabend und eine Banane.

Mittlerweile war es auch sonnig geworden.

Die S-Bahn-Fahrt nach Kirchseeon wurde zu einem kleinen Abenteuer: Im U-Bahnhof Stachus lasen wir die Anzeige, dass unsere S6 Richtung Ebersberg erst ab Ostbahnhof fahren würde. Kein Problem, an den Ostbahnhof fahren reichlich Bahnen. Dort war die gewünschte S6 auch für in wenigen Minuten angezeigt. Doch eine Durchsage schickte uns an ein entferntes Gleis (“heute abweichend”). Mit zahlreichen anderen Passagieren hasteten wir also an dieses Gleis – und standen eine Weile ratlos herum, denn es kam keine S-Bahn, auf der Anzeige stand lediglich eine Regionalbahn. Ich lief zurück zum vorherigen Gleis und erfuhr vom Durchsage-Herrn (Kabuff mit Gegensprechanlage), dass die nächste S6 nun doch am angekündigten Gleis abfahren würde, es aber an dem entlegenen Gleis keine Lautsprecher für Durchsagen gebe. Also rannte ich zurück dorthin und machte die Durchsage persönlich. Und zwar mehrmals bei an verschiedenen Stellen des Bahnsteigs, damit auch alle die Info mitbekamen. Ab dann verlief die Fahrt aber reibungslos.

Das Wandern war sehr schön, auch wenn ich die Strecke schattiger in Erinnerung hatte. Es war erfreulich wenig los, und mit den Radler*innen arrangierten wir uns größtenteils gut.

Bei Deinhofen wurde schon geerntet (was nur?). In dieser Gegend ließen wir auch mehrfach schicke Traktoren mit Anhänger vorbei, Landwirtschaft kennt halt kein Wochenende.

Teich mit Seerosen und deutlich hörbaren Fröschen. Wer hat bloß festgelegt, dass die im Deutschen “quak” sagen? Das ist sehr weit weg vom tatsächlichen “räbb”.

Villa am Rand von Moosach, die ich jedesmal bewundere und im Geiste mit Schriftstellerinnen und Malern im 19. Jahrhundert bevölkere.

Problematisch war auch dieses Mal wieder der Abschnitt zwischen Oberseeon (gleich hinterm Steinsee, an dem gestern eine Menge Badevolk war) und Schlacht: Wir haben immer noch keinen wirklich guten Weg gefunden (der in der ursprünglichen Wanderbeschreibung existiert nicht mehr), diesmal kamen wir südlich von Schlacht aus dem Wald auf eine Landstraße, die wir ein ganzes Stück entlang gehen mussten. In Schlacht rasteten wir.

Mit dieser Aussicht.

Aber wie’s halt ist, wenn man Pause beschließt, “sobald die nächste Bank kommt”: Es kommt keine. Diese war die erste 20 Minuten nach Pausenbeschluss.

Bei Kastenseeon hatte ich 2013 meine ersten Belted Galloways gesehen. Mittlerweile scheint dieser Hof einen ganzen Rinderzoo zu haben, selbst ich Laie konnte fünf Rassen unterscheiden.

Ich bin eine lästige Wanderbegleitung: Nicht nur bleibe ich ständig stehen um zu fotografieren, sondern auch, um Beeren zu naschen (gestern erwischte ich eine reife Walderdbeere) und an Rosen zu schnuppern. Doch gestern war ich um letzteres froh: Die obige Rose roch exakt wie das allererste Parfum, das ich je besaß, ein Fläschchen Rosenparfum, das mir meine Oma schenkte. Ich war noch so klein, dass ich nie auf die Idee kam, mich damit zu betupfen (das taten nur Große), schraubte aber immer wieder das Fläschchen auf, um an dem wundervollen Duft zu schnuppern.

Das Familienbad Kastenseeoner See war sehr voll – zumindest die Liegewiesen, im See selbst sah ich nur wenige Köpfe. Bei Lindach blieben wir länger stehen: Über einer Wiese, die gerade gemäht wurde, kreisten fünf mächtige Greifvögel.

Nach knapp fünf Stunden ohne große Mühe erreichten wir Aying, schön wie immer. Nach den derzeit üblichen Pandemie-Formalien ließen wir uns im Biergarten nieder und bestellten die Brotzeitteller.

Übersichtlicher als früher (siehe hier unten, Pressack traut sich wohl niemand mehr), dafür ohne Überfressung zu schaffen. Dazu für mich eine Apfelschorle und eine Halbe Dunkles Bier.

Rückreise mit der S-Bahn ohne Abenteuer, ich freute mich darauf, die sommerliche Wandermischung aus Schweiß, Dreck und Sonnencreme abzuduschen.

§

Nicht nur die bayerischen schönen Landschaften ächzen unter rücksichtslosem Inland-Tourismus (von dem auf der gestrigen Wanderung zahlreiche selbstgemachte Schilder zeugten, mit denen Anwohner wildes Parken, Müllhaufen und scheißende Hunde fernzuhalten versuchten, an Stalleingängen sah ich rot-weißes Absperrband – was IST mit den Leuten?!). Mein favorite shepherd James Rebanks schreibt im Guardian über die Zustände im englischen Lake District:
“Camper vans, crowds, hanging dog poo bags: can the British countryside cope this summer?”

Like many who live in tourist honeypots, we have long bemoaned the impact of visitors. We grumble about their driving, their parking, and their aimless milling about in inconvenient places. During lockdown, people felt that they had got their community back. No procession of tourists past their front door with Alpine walking sticks and enough mountaineering kit for an assault on Everest. No folks peering into their home. No camper vans blocking their drive, or knocking their wing mirrors off in the narrow lanes. No noisy crowds on the village green, eating ice-creams. No idiots jostling elderly residents with their backpacks in the post office. No dog mess hanging from trees in “recyclable” plastic bags, waiting for the dog-poo fairies to bin it. No one urinating on their drive late at night, heading back to B&Bs from the pub. And no dickheads using satnav to climb mountains, then having to call out (and risk the lives of) mountain rescue volunteers when they get stuck on rocky crags in the freezing rain wearing only T-shirts and trainers. There was a sense of relief to be done with all those hassles for a while.

(…)

Places of beauty are always “contested”; they have layers of use and meaning to a whole range of people. With so many demands on a landscape, perhaps we need to think more creatively about how to manage those tensions. Charging for entry and using technologies such as number-plate recognition could make things easier; we could use the proceeds to help manage the area, supporting local communities and traditional farming, repairing footpaths, and undertaking ambitious environmental restoration projects.

Als Nutzerin von teilweise spektakulär angelegten und ehrenamtlich gepflegten Wanderstrecken in ganz Europa hätte ich überhaupt nichts gegen eine Gebühr (siehe Kurtaxe?).

Journal Pfingstsonntag, 23. Mai 2021 – Würmspaziergang Gauting nach Starnberg

Montag, 24. Mai 2021

Ausgeschlafen, zu Regen aufgewacht.

Meine persönliche Innenausstatterin, Mutter, hatte mir aktuelle Ausgaben der Zeitschrift Schöner Wohnen zur Inspiration mitgebracht, die sah ich durch (ewige Liebe für deren Podcast-Titel Sofa So Good, genau mein Humor). Das mit der Inspiration funktioniert manchmal tatsächlich: Die haben ihren Holzschemel ins Bad gestellt? Gute Idee, der steht hier eh etwas heimatlos rum, brauche ich mich nicht immer auf den kalten Badewannenrand setzen.

Die großen Einrichtungsideen, die hier präsentiert werden, scheitern aber fast durchgehend an meinen superspießigen Praxis-Einwänden. Beispiel freistehende Badewannen: Sehe ich seit vielen Jahren in den örtlichen Bädergeschäften, schauen sensationell toll aus. Und doch frage ich mich halt: Wo lege ich da meine Seife ab? (Nachfrage bei Twitter ergab: Hocker danebenstellen.) Und mein Badetuch? Wie dusche ich mich abschließend ab, ohne das Bad unter Wasser zu setzen? Oder die echte Wohnung in Stockholm, von einer Frau bewohnt, die von 350 qm Wohnfläche (Familienhaus) auf 49 qm (Single-Innenstadtwohnung) reduzierte: Die Kleidungsnische mit den sieben Kleidern und den fünf Blazern ist ja nett (gelernt: “begehbarer Kleiderschrank” heißt es, wenn um die Kleiderstange kein Schrank ist), aber wo ist die restliche Kleidung? Die Unterwäsche, die Socken, die Pullis, die Sportkleidung, die Schlafanzüge? Wenn ich vor einem Fotoshooting 80 Prozent meines Zeugs aus der Wohnung entfernte und ins Treppenhaus stellte, könnte ich wahrscheinlich auch ästhetische Aufnahmen machen.

Spannend finde ich auch immer die Ausstattungsideen für Miniwohnungen – aber der Schreiner-Maßeinbau für das 29-qm-Apartment in Berlin Schöneberg kostet sicher so viel, dass das drei Jahre die Mietdifferenz zu einer 50-qm-Wohnung begleicht.

Allerdings höre ich mich bei diesem Thema an wie meine Mutter, die beim Anblick von Haute-Couture-Modeschauen kritisierte: “Das kann doch niemand tragen!” Die Einrichtungsideen in Einrichtungszeitschriften sind wahrscheinlich ebenso wenig fürs echte Leben gedacht wie Haute Couture, sondern einfach Kunst.

Plan war gestern, mit Herrn Kaltmamsell den Rest der Würm-Wanderung Pasing-Starnberg zu spazieren, also zwölf Kilometer von Gauting nach Starnberg. Die Wetterradare sagten Regen-Ende für Mittag voraus, also planten wir entsprechend.

Zum Frühstück gab es den Rest Linsen vom Vorabend, außerdem Erdbeeren und Orange mit Schafjoghurt. Um halb zwölf regnete es noch heftig, unterbrochen von einem Hagelschauer. Doch um halb eins war Ruhe, und von der S-Bahn nach Gauting aus sahen wir bereits bayerisch blau-weißen Himmel. Ich mag es, wenn das Wetter sich so angenehm an die Vorhersage hält.

Erste Sensation beim Verlassen der Ortsgrenze Gauting: Auf einem entsprechenden Sportplatz trainierten Buben Baseball, an verschiedenen Stationen und so richtig wie im Fernsehen (Nachrecherche ergab: Das waren die Gauting Indians). (AbEr DIe dEUtScHe lEiTKuLtUr!) (Spass.)

Das Würmtal und vor allem die Würm selbst sind wirklich ungemein malerisch. Wir versuchten so oft wie möglich direkt am Bach zu gehen, egal wie matschig. Herr Kaltmamsell lotste uns aber auch den Schlossberg hinauf: Mühsam, denn Mountainbike-Reifen hatten den Pfad in einen einzigen Morast verwandelt.

Immer wieder kamen wir durch sonnige Abschnitte mit Wiesen und energischem Grillenzirpen, im letzten Drittel genossen wir herrliche Ausblicke. Weitere Attraktion: Die Villa Rustica bei Leutstetten, Fundamente eines römischen Gutshofs, der etwa im 2. Jahrhundert n.Chr. aufgegeben wurde. Schön auch der Abschnitt über Holzplankenwege durchs Leutstettener Moos. Am Himmel Mauersegler und Schwalben.

Viele, viele Radler*innen, der Weg ist aber auch als Radwanderweg markiert. Ein Wanderurlaub im Naturpark Bayerischer Wald wurde vor allem deshalb attraktiv, weil dort Radeln wohl nur auf eigens gekennzeichneten Wegen erlaubt ist. Wenn sich daran gehalten wird (lassen Sie mir vorerst meine Illusionen, die allen sonstigen Erfahrungen widersprechen), könnte dort gedankenversunkenes Wandern ohne ständiges Lauschen auf Fahrradgeräusche und Blicke über die Schulter möglich sein.

Die Starnberger Uferpromenade war gut besucht, inklusive der jetzt wieder geöffneten Außenbereiche von Cafés und Restaurants.

Crossover Hipster-Holdrio. Die Wirtschaft sah dann tatsächlich exakt so aus und hörte sich so an, wie das Design des Schildes verhieß: Biergarten ausgestattet mit Sperrmüll, Motown-Musikbeschallung, Speisen und Getränke aus Streetfood-Wagen. Alles in der Typografie und der Beschriftungstechnik angelegt.

Einbettl.

Zurück daheim begrüßten uns die Rosentagsrosen als Leuchtobjekt.

Ich füllte eine Waschmaschinenladung und gönnte mir eine Yoga-Folge mit viel angenehmem Dehnen (die neuartigen Rückenschmerzen der vergangenen Monate wollen aber einfach nicht weggehen, ich werde dann doch Physiotherapie bemühen müssen), Herr Kaltmamsell übernahm die Küche.

Es gab nochmal Maibowle, als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell englischen Hackbraten mit Kartoffel-Weißkraut-Stampf. Nachtisch reichlich Schokolade.