Journal Sonntag, 6. August 2023 – Ruhetag mit Sturm und Regen, aber gutem Essen

Montag, 7. August 2023 um 6:31

So früh eingeschlafen, dass ich das 22-Uhr-Läuten nicht mehr gehört hatte, so lang geschlafen (wenn auch etwas unruhig), dass ich das 7-Uhr-Läuten nicht hörte.

Draußen weiter grau und kalt, hin und wieder Regen, manchmal heftiger Wind. Nach Bloggen und Nachlesen der Mastodon-Timeline machte ich mich fertig zum Isarlauf, die Aussicht auf Regen trübte die Vorfreude nicht. Aber am 6. August gegen die Kälte in Laufshirt und Regenjacke raus zu müssen, war schon bitter.

Den größten Teil meiner Strecke Thalkirchen-Pullach und zurück lief ich dann mit der eingerollten Regenjacke um den Bauch gebunden, doch in der ersten Hälfte war ich in einem Nieselabschnitt für sie dankbar.

Die Anfahrt per U-Bahn funktionierte halbwegs (seit Jahren und bis auf Weiteres ist das durch die U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor wochenends unterschiedlich): Sie ging vom Goetheplatz zum Tierpark, allerdings nur alle 15 Minuten, ich wartete eine ganze Weile – die ich zu Mobilisierung und Aufwärm-Dehnen nutzte. Der Lauf selbst war schön: Ich kam zwar erst nach einer halben Stunde in einen ruhigen Rhythmus, doch den Rückweg flog ich geradezu. Manchmal sah ich Sonne durch die Bäume, auf den Wegen (trotz der Regenfälle überraschend wenig matschig) war nicht viel los.

Niesel-Attacke an der Floßlände beim Hinterbrühler See.

Wasserstand von Isar und Isarwerkkanal von der Großhesseloher Brücke aus gesehen recht hoch.

Und das ist die Baustelle am Wehr, in der Teile der 1938 zerstörten Hauptsynagoge gefunden wurden.

Hochsommerlich zugewachsener Blick aufs Isartal und nach Pullach.

Ich blieb trocken, auch der Wind wehte nur mäßig. Dennoch hörte ich auf dem Isarhochufer hinter mir einen großen Ast abbrechen und herabrauschen; ich lief schnell weg, wollte wirklich nicht die eine doofe Joggerin sein, die alle Warnungen überhörte und vom Wald erschlagen wurde. Unsommerlich roch es bereits intensiv nach Pilzen.

Nach 95 Minuten Lauf (wieder 15 Minuten zu viel, lieber wäre mir zweimal die Woche eine Stunde, aber der Aufwand) besorgte ich Frühstückssemmeln und Brot für den Abend beim Bäcker Wünsche überm U-Bahnhof Thalkirchen, wartete damit zehn Minuten auf die U-Bahn heim – und nutzte auch diesmal die Zeit zum Dehnen.

Frühstück um dreiviertel zwei, von links gegessen: Rest Schnippselsalat, eine Körnersemmel mit Ernteanteil-Tomate und dick Butter (Hammer!), Käsekuchen, Obst. Plus noch ein kleines Stück Käsekuchen und mehr Plattpfirsiche.

So richtig brutaler Regen mit Sturm kam erst um halb drei, diese Regengüsse wiederholten sich über den ganzen Nachmittag. Ich las Wochenend-Süddeutsche, Internet, Roman.

Abends noch eine Runde Yoga-Gymnastik, eine Adriene-Folge 6 (Kennerinnen wissen sofort: core work), sehr anstrengend. Dabei umflog mich eine klassische Stubenfliege, setzte sich ständig kitzelnd auf meine nackte Haut, nervte arttypisch. Doch mir wurde klar: Das war seit Jahren zum ersten Mal wieder so eine klassische nervige und früher omnipräsente Stubenfliege im Wohnzimmer, keine Schmeißfliege, keine riesige Brummfliege – mir wurde mal wieder recht apokalyptisch.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil Antipasti gebraten/gekocht.

Zucchini, Auberginen, dazwischen erstmals Cardy: Herr Kaltmamsell hatte das Gemüse anweisungsgemäß nur abgerieben, deshalb kaute er sich recht fasrig, schmeckte aber ganz hervorragend. Die nächste Lieferung würden wir aber schälen.

Nachtisch Käsekuchen und Erdnusseis.

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Seit ein paar Wochen jede 20-Uhr-Tagesschau so: Hier in Europa Überschwemmung, da Waldbrand, da Bergrutsch, dort verheerende Sturmschäden – ist das unser neues Normal?

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Bild ohne Foto:
Im Schwimmbecken des Dantebads sah ich auf dem Boden meiner Bahn, im südlichen Drittel, einen satt-grünen Blätterhaufen, hauptsächlich aus Ahornblättern. Er bewegte sich leicht mit dem Wasser, etwas Abstand zwischen den einzelnen Blättern, als höbe ihn ein sanfter Windhauch. Wenn ich in einem der kurzen Sonnenabschnitte darüber hinweg schwamm, leuchtete er dabei unverschämt lebendig und mit schmerzhaft scharfen Kanten.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 5. August 2023 – #WMDEDGT

Sonntag, 6. August 2023 um 9:19

Am fünften jedes Monats fragt Frau Brüllen den Freundeskreis Tagebuchbloggen “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”, kurz #WMDEDGT, die Antworten sind diesmal hier gesammelt.

Dass das Samstagswetter schlecht sein würde, war schon lang angekündigt, und es hatte diesmal das Briefing gründlich gelesen. Aber ich hatte mich darauf eingestellt und entsprechend geplant: Fester Termin war ab 13 Uhr Wahlhilfeschulung für Schriftführer*innen zur bayerischen Landtags- und Bezirkswahl am 8. Oktober, der Rest also drumrum.

Ich wachte nach guten Nachtschlaf zum 7-Uhr-Läuten von St. Matthäus auf. Dass Herr Kaltmamsell, der neben mir eingeschlafen war, dort nicht mehr lag, hatte ich schon beim nächtlichen Klogang bemerkt. Er saß in seinem Zimmer vorm Rechner und erklärte, dass er schlecht geschlafen habe, wach gelegen, und dass er deshalb in sein Bett gewechselt sei.

In meinen Morgen-Kaftan geschlüpft, Milchkaffee für zwei zubereitet. Zum Bloggen getrunken, dann ein Glas Wasser, dann eine große Tasse Schwarztee mit Milch.

Verhältnismäßig früh machte ich mich fertig fürs Schwimmen, von dort würde ich direkt zur Schulung fahren. Weil Scheißwetter mit Tram.

Ich duschte, schlüpfte gleich in den Schwimm-Bikini. Drüber langärmlige Bluse, Jeansjacke, an die Füße dicke Turnschuhe weil brrrrr. Schon auf dem Weg zur Tram-20-Haltestelle am Stachus brauchte ich meinen Schirm.

Sehr verständnisvolle Streetart in der Unterfühurung Olympiapark West (meine Tram-Haltestelle) zum Dantebad. Mal wieder geht mein größter Respekt an all die Leute, die Sport aus reiner Vernunft treiben, obwohl sie keine Lust drauf haben und er ihnen keine Freude bereitet.

Die Freude bekam ich mal wieder nach schnellem Ausziehen, Nassmachen unter der Dusche und Gleiten ins Wasserbecken: Fast niemand auf den Schwimmbahnen, ich konnte gedankenverloren unter wechselnd grauem Himmel und mit vereinzelten Regentropfen meine Meter machen. Ich beließ es bei 2.700, denn der Blick auf die Uhr und detailliertes Nachrechenen meines Zeitplans ließen mich Eile befürchten, sollte ich die gewohnten 3.000 Meter ausschwimmen. Wobei ich ja eh viel lieber zweimal die Woche nur 2.000 Meter schwömme statt einmal 3.000, aber der Zeitaufwand.

Duschen mit Haarewaschen und Abseifen gegen den Chlorgeruch, in der Frauen-Sammelumkleide cremte ich mich ein, trank meine Wasserflasche leer, schminkte mich und föhnte meine Haare trocken.

Mit der Tram voller Touristen (an der Dachauer Straße liegen zahlreiche Hotels) fuhr ich in leichtem Niesel zum Stiglmaierplatz. Den Schulungsort AWA Außenwirtschaftsakademie fand ich am Anfang der Seidlstraße, jetzt hatte ich noch Zeit für einen schnellen Einkauf beim Rewe in der Hopfenpost gegenüber.

Es folgten dreieinhalb Stunden Schulung mit zehn weiteren Teilnehmenden – diesmal leider nicht so durchdacht, souverän und auf den Punkt, wie ich alle vorherigen Wahlhilfeschulungen erlebt hatte (werde die Details im Feedback-Formular hinterlegen, die es nach jeder solchen Schulung gibt). Übrigens bin ich jetzt die nervige Alte, die in diesem Fall der Neuling-Nachbarin die fehlenden Informationen souffliert (“Und dieser Knopf auf dem Bildschirm hilft Ihnen…” / “Wenn der Wahlvorstand versucht XY, müssen Sie ihn darauf hinweisen, dass…” / “Mit der Tab-Taste geht’s schneller.” etc.). In der Schulungspause frühstückte ich einen Eiweißriegel und ein paar Mirabellen.

Zentrales Element war auch in dieser Schulung (wie in denen für alle Funktionen im Wahllokal) die Auszählübung mit Beurteilung von Gültigkeit der Stimmzettel, die nicht regel-konform ausgefüllt waren.

Wir überzogen ein wenig, ich stand erst um dreiviertel fünf wieder auf der Seidlstraße. Auf dem Heimweg merkte ich: Es ging mir gut, richtig gut. Das ist so selten, dass ich
a) es im Blog festhalte,
b) sofort davon ausgehe, dass etwas Stimmungstrübendes eintreten wird.
Und ich fühle mich darin bestätigt, dass mein Befinden in erster Linie Biochemie ist und wenig mit äußeren Umständen zu tun hat.

Zu Hause leerte ich erstmal meinen Sport-Rucksack, trug dann meinen Teil zum Abendessen bei: Israelischen Schnippselsalat aus Tomaten, Gurke, Gemüsezwiebel aus Ernteanteil, zugekaufter grüner Paprika und Petersilie.

Dann war noch Zeit für eine Folge Yoga-Gymnastik, bevor ich den Wein des Abends öffnete:

Claus Preisinger KalkundKiesel aus dem Burgenland, ein roter Gemischter Satz, spontanvergoren, ungeschwefelt und ungefiltert. Der Geschmack überraschte mich – und gefiel mir sehr gut: voll obstig ohne süß, Rumtopf ohne Rum. Ich verwende “obstig” statt “fruchtig”, weil ich immer wieder darauf bestehe, dass ich fruchtige Noten in Rotwein nicht mag, das hier ist also was Anderes. Wenn Sie es zum ersten Mal mit einem Naturwein versuchen wollen, empfehle ich diesen zum Einstieg.
Wir schmeckten beide nach, wozu der wohl passen könnte – und landeten bei Milchreis und Kaiserschmarrn, vielleicht Blauschimmelkäse.

Herr Kaltmamsell leitete mir eine Dankes-Mail weiter: Auf unserer Wanderung in den westenglischen Cotswolds hatten wir von einem Hotelier-Paar in unserer Unterkunft gehört, wie sehr sie deutschen Senf vermissten, vor allem den scharfen, und dass der seit einer Weile nicht mehr zu bekommen sei. Da wir uns mit diesen beiden ohnehin besonders gut verstanden hatten, war mir beim Weiterwandern die Idee gekommen, ihnen aus Deutschland ein Paketchen mit verschiedenen Senfen zu schicken (Develey aus München in Klassisch und Extrascharf, ostdeutschen Bautz’ner als weiteres Beispiel), auch wenn ich bereits wusste, dass die Post-Brexit-Zollformalien das anstrengend machen würden. Doch Herr Kaltmamsell hatte die Idee nach unserer Rückkehr aufgegriffen und all die Anstrengungen unternommen, das Päckchen gefüllt, formalisiert und abgeschickt. Sehen Sie, das ist das übliche Muster: Ich habe viele liebevolle Ideen, kriege aber fast nie den Arsch zur Umsetzung hoch – dazu braucht es andere.

Nachtmahl gab es zu jetzt wieder heftigem Regenrauschen. Als Vorspeise hatten wir die restlichen Oldenburger Salzgürkchen gegessen.

Herr Kaltmamsell hatte zum Schnippselsalat zweierlei Käse gebraten (Halloumi und Rougette Grillkäse), alles schmeckte hervorragend. Zum Nachtisch probierte ich endlich den Buddenbohm’schen Käsekuchen und freute mich daran.

Früh ins Bett zum Lesen: Jetzt, wo Bov Bjergs neuer Roman auf mich wartet, möchte ich meine aktuelle Lektüre Julie Orringer, Transatlantic so schnell wie möglich weglesen.

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Was mir aus gegebenem Anlass auffiel: “Digital detox” setzt einen Tox voraus, den ich bei mir in fast 30 Online-Jahren noch nie diagnostiziert habe.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 4. August 2023 – Kulinarische Vignetten zum Wochenabschluss

Samstag, 5. August 2023 um 8:47

Nach gutem Schlaf aufgewacht zu einem grauen Regentag.
Diesen Sommer wird vor meinem Schlafzimmer kein Pop-up-Biergarten im Park bespielt, es gibt keine abendlichen Konzerte: Mein Nachtschlaf freut sich.

Für den Marsch in die Arbeit trug ich geschlossene Schuhe und Jeansjacke, zumindest konnte ich in dieser Regenpause auf einen Schirm verzichten.

Der Vormittag im Büro wurde emisger als vorhergesehen, doch fast alles produktiv und befriedigend.

Im weiterhin Kühlen ging ich auf einen Mittagscappuccino: inklusive Marsch dorthin sehr wohltuend.

Westend-Königin.

Mittagessen war dann am Schreibtisch: Birchermuesli mit Joghurt, außerdem Mirabellen und ein gigantischer Pfirsich.

Gemächlicher Nachmittag, an dem ich einiges sortieren und ordnen konnte. Das Draußen blieb grau und drohte immer wieder mit Regen. In Jeansjacke ging ich über Lidl-Einkäufe (gutes saisonales Obst) heim.

Dort machte ich mich wie geplant sofort ans Backen des Buddenbohm’schen Käsekuchens. Der ist mittlerweile die Standard-Variante, wenn ich einen leichten und fluffigen haben möchte, ich hinterlegte meine nur leicht angepasste Version in meinem Rezeptblog für kompakteres Ablesen.

Schöne Überraschung aus dem Briefkasten: Der Verlag hatte mir Bov Bjergs neuen Roman Der Vorweiner als Leseexemplar zukommen lassen.

Wir sind uns ja wohl einig: Buch mit Gürteltier drauf gutes Buch, siehe:

Eine Runde Yoga-Gymnastik: Diesmal war ich sogar stolz auf mich, denn als ich sah, dass das eine eher anstrengende und längere Folge war, verließ mich eigentlich die Lust darauf.

Aber jetzt: Wochenende! Ich öffnete die Flasche Pittnauer Rosé Dogma, Herr Kaltmamsell hatte am Vortag Oldenburger Salzgürkchen gemacht (kleinere Exemplare waren laut seiner Aussage nicht zu bekommen).

Als Nachtmahl hatte der Herr um den Fenchel aus Ernteanteil mediterranes Fischgemüse sehr frei nach diesem Rezept gekocht – unter anderem halt ohne den Fisch (auch ohne die Anchovis), dafür mit Couscous serviert – versehentlich vegan.

Schmeckte wunderbar, vor allem die schwarzen Oliven bereiteten mir Freude, und der Wein passte perfekt dazu.

Der Käsekuchen war wohl geraten, hier bereits zusammengefallen und fast abgekühlt.

Für Nachtisch war er aber noch zu frisch, es gab statt dessen Schokolade.

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Novemberregen fasst mal wieder etwas in Worte, was bei mir bislang nur ein wortloses Sehnen war, in diesem Fall zum Ziel eines idealen Haarschnitts:

Sie sollen nach dem Waschen einfach so trocknen, dass es höchst absichtsvoll wirkt.

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Randgruppeninteressen: Auf Mastodon entspann sich zwischen den seit Jahrzehnten üblichen Verdächtigen eine Unterhaltung über französische/italienische/spanische Filme der 1960er, und @goncourt schrieb:

Was mich an solchen Filmen aus dieser Zeit immer rührt: Die ganzen Neubauten, die heute so schrammelig wirken, sind in diesen Filmen noch wirklich neu und wie eine Abkehr vom pittoresken Italien. Deswegen wirken sie so wahnsinnig modern und aufbrechend.

Woraufhin @hrcz diesen großartigen Filmvorspann verlinkte:

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https://youtu.be/1pPLNaLyc58

Die Buchstaben-Animation! Der alte Schang Gabeng!
(In so einem Stadtviertel in Provinz-Format – Ingolstadt halt – bin ich groß geworden.)

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Politiker*innen im Wahlkampf, ein Beispiel. Alle Beteiligten wussten um die Anwesenheit von Fotografen. Der eine inszenierte sich so, der andere so.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 3. August 2023 – Café vs. Bar

Freitag, 4. August 2023 um 6:40

Gut geschlafen, aber nicht genug: Eine Stunde vor Weckerklingeln aufgewacht.

Vormittag mit starkem Wind, der die losen Kabel von Außenjalousienarbeiten heftig gegen mein Bürofenster wummte, aber auch wunderbar sonnig.

Auf meinen Mittags-Cappuccino ging ich in ein neu eröffnetes Tagescafé im Westend, das diese Woche nur an wenigen ausgesuchten Tagen und Stunden geöffnet ist, die ich gezielt abgepasst hatte: DUUO.

Was mir mal wieder auffiel: Man ist in hiesigen Cafés weiterhin nicht auf Kundschaft eingerichtet, die nur schnell einen Kaffee, Espresso, Cappuccino trinken möchte wie ich. Sondern auf Leute, die sich an einen Tisch setzte, bedient werden, denen serviert wird, die auch zum Bezahlen nochmal die Bedienung rufen. Die Entsprechung zur italienischen Bar, wo das geht (auch in spanischen Bares, und in Paris vergangenes Jahr nuzten die Einheimischen die Nachbarschafts-Bars zumindest morgens dafür), sind am ehesten die “Speciality Coffee”-Läden, die außer Kaffee höchstens noch ein paar süße Teilchen anbieten. Und Firmen-Cafeterien. Europa der kulturellen Unterschiede? Bitteschön.

Später gab’s am Schreibtisch zu Mittag eine Scheibe selbstgebackenes Brot (auch an Tag 3 noch gut), viele gute italienische Aprikosen und Pfirsiche.

Mein beruflicher Erfolg des Tages, aka vielleicht bin ich mein Gehalt ja doch wert: Leute miteinander verbunden, die zum selben Thema durch die Gegend arbeiteten und nichts voneinander wussten. Zweimal. (Nein, steht nicht in meinem Aufgabenprofil, war reine G’schaftlhuberei auf der Basis von acht Jahren Zugehörigkeit zu meinem Arbeitgeber.)

Nach Feierabend fuhr ich in den Münchner Osten: Ich wollte den großartigen burgenländischen Rosé Pittnauer Dogma nachkaufen, und der wird zwar auch beim Ösiwein verkauft, wo allerdings fast nie geöffnet ist. Auf der Website des Weinguts hatte ich gelesen, dass auch die Weinhandlung Weinfurore am Leuchtenbergring den Wein führt, also fuhr ich mit der S-Bahn an den Leuchtenbergring. In dem schönen, großen und auf österreichische Weine spezialisierten Laden gab es nur noch eine Flasche des Wunschweins (sie bestellen nach), also sah ich mich noch ein wenig um und ergänzte zum Probieren einen ebenfalls burgenländischen Preisinger roten Kalkundkiesel – einen roten Gemischten Satz.

Vom Marienplatz spazierte ich zu Fuß heim, in herrlich sonnigem und mildem Wetter: Seit ein paar Wochen bekommen wir den Sommer nur stundenweise.

Zurück daheim Yoga-Gymnastik, dann servierte Herr Kaltmamsell zum Nachtmahl Spaghetti mit Zucchini aus eben geholtem Ernteanteil. Nachtisch Mirabellen (YAY! danke, Herr Kaltmamsell) und Schokolade.

“Entsetzen und Schockstarre” waren die ersten Wörter der 20-Uhr-Tagesschau, ich erschrak heftig – UND DANN GING’S UM SCHEISS FUSSBALL?!

Früh ins Bett, um im nächsten Roman weiterzulesen: Julie Orringer, Transatlantic. Gab’s nicht in der Stadtbücherei, dieses e-Buch kaufte ich also nach Langem mal wieder. Nach Südstaaten-Klischees bekam ich jetzt Marseille 1940 und einen US-amerikanischen jungen Mann, der verfolgten Künstlern zur Flucht verhelfen soll.

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Dank dem Invite-Code von der fabelhaften @GywerMelanie habe ich jetzt auch ein Konto bei Bluesky (für den Fall, dass das das neue Twitter wird): Auch dort findet man mich unter Kaltmamsell.

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Fotografie schön und lustig:
“Lights as fungi, beautiful series by Norwegian photographer Rune Guneriussen.”

Hier die ganze Serie von Guneriussen über viele Jahre.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 2. August 2023 – Nochmal Madam Chutney und Delia Owens, Where the crawdads sing

Donnerstag, 3. August 2023 um 6:31

Gut geschlafen, kurz vor Weckerklingeln erfrischt aufgewacht -> arbeitsfähig.

Blauer Himmel auf meinem Weg ins Büro; ich hatte mich in Sandalen getraut, trug aber Pulli.

Vormittag mit zackigem Abarbeiten inklusive viel Telefonieren, ging in der gestrigen Emsigkeit ohne große Überwindungsenergie. Der Himmel war düster geworden.

Als meine Gelüste auf Mittagscappuccino wuchsen, regnete es mal wieder gründlich. Statt ins Westend ging ich fröstelnd nur hinüber in die Nachbar-Cafeteria. Zu Mittag gab es eine Scheibe selbst gebackenes Brot (auch am zweiten Tag noch saftig, Qualitätsbeweis für Weizenmischbrot), italienische Aprikosen von Eataly (riesige Exemplare, was mich misstrauisch machte, doch sie waren herrlich saftig und aromatisch – habe ich also dieses Jahr wunschgemäß doch noch gute Aprikosen bekommen), Hüttenkäse.

Gemächlicher Arbeitsnachmittag, alles gut überblickbar.

Nach Hause ging ich auf direktem Weg, jetzt in Sonnenschein und milder Luft – gestern war sehr seltsames Wetter. Vor der Abendverabredung turnte ich noch Yoga-Gymnastik, dann spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell nochmal zu Madam Chutney am Viktualienmarkt: Dort trafen wir uns mit Besuch aus Goslar, der zum Arbeiten in der Stadt war.

Diesmal gab es (von links im Uhrzeigersinn): Pav Bhaji (Milchbrötchen mit Gemüse), Paneer Kati Roll (mit Frischkäse gefülltes Brot), scharfes Auberginen-Curry und Palak Paneer – alles ganz ausgezeichnet.

Was es allerdings auch wieder war: Voll und sehr laut, zum Austausch von Neuigkeiten mussten wir uns mit viel “WAS?” dazwischen nahezu anschreien.

Als wir mit vollen Bäuchen zurück auf die Frauenstraße traten, gab’s die nächste Wetter-Überraschung: Es war mit der Dämmerung sehr warm geworden. Durch fast breiige Luft spazierten Herr Kaltmamsell und ich über den nächtlich belebten Marienplatz heim.

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Dienstagabend hatte ich Delia Owens, Where the crawdads sing ausgelesen – das mich ein wenig ratlos zurückließ. Was mich Reviews und Rezensionen in Feuilletons recherchieren ließ, bevor ich meine eigenen Gedanken niederschreib, das kommt sonst nie vor.

Einerseits hatte ich das spannende Buch weggefressen. In zunächst zwei Zeitebenen wird die Geschichte von Kya erzählt: Als kleines Mädchen noch vor Schulalter Mitte der 1950er von Eltern und Geschwistern in einer Holzhütte in den Südstaaten-Sümpfen verlassen, schlägt sie sich durch Tier- und Pflanzenbeobachtung bis ins Erwachsenenalter lebend durch (starke Wolfskind-Assoziationen – ein hochromantischer Topos, der mich zu Kinderzeiten fasziniert hatte). Doch das erste Kapitel beginnt 1969 mit dem Fund einer Leiche am Fuß eines Aussichtsturms in dieser Gegend: Der junge Mann Chase ist anscheinend zu Tode gestürzt. In abwechselnden Kapiteln nähern diese beiden Zeitebenen sich an, bis sie zusammenkommen, bis Kya beschuldigt wird, Chase umgebracht zu haben (das ist kein Spoiler, der Verdacht fällt schon sehr früh auf sie). Hier entsteht eine klassische Krimi-Spannung, die auch mein Lesetempo antrieb: War sie’s? Oder jemand anderes? Ich mochte viele der detaillierten und atmosphärischen Naturbeschreibungen, die Autorin Owens ist Biologin im Rentenalter und schrieb vorher nur Sachbücher, Where the crawdads sing ist ihr erster Roman. Und die Hauptfigur Kya interessierte mich, ich bewunderte ihre Beobachtungsgabe und ihre Fertigkeiten.

Warum also die gemischten Gefühle? Bei einigen Aspekten reichte meine suspension of disbelief einfach nicht aus: Die Kya-Kapitel sind meist personal aus ihrer Perspektive geschrieben, und ich traue weder einem Kind noch einer Jugendlichen die unterstellte Selbstreflexion von Gefühlen und Beziehungen zu, die sich manchmal wie aus einer Therapie-Sitzung lasen. Zudem glaubte ich einige Entwicklungsschritte schlicht nicht: Mal speist sich die Handlung aus Kyas Unwissen über die Welt, weil sie aus ihrem Marschland nie herauskam und keinen Zugang zu Medien hat; mal speist es sich aus wundersam aus Biologie-Büchern angeeignetem Weltwissen (das sie unter anderem zur souveränen Beauftragung von Renovierungsarbeiten und Kücheneinrichtung befähigt).

Und sehr wahrscheinlich bin ich über meine vielen Lese-Jahre auch überempfindlich geworden für die lauten Kitsch-Noten, die dieser Roman enthält.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 1. August 2023 – Krank gemeldet

Mittwoch, 2. August 2023 um 6:20

“Mir geht’s nicht gut, ich arbeite heute lieber von daheim aus – da kann ich mich dazwischen immer wieder ein bisschen hinlegen.” Höre ich inzwischen regelmäßig und sehe das als die destruktive, dunkle Seite der neuen Angestellten-Arbeitswelt mit Aufhebung des Büro-Zwangs.

Mir ging’s gestern, wie sich schon am Montag abgezeichnet hatte, auch nicht gut, mein Körper signalisierte klar, dass er sich nach dem Weckerklingeln und Aufstehen wieder hinlegen wollte. Das bedeutete für mich: Krankmeldung. (Zumal ich ohnehin meinen Arbeitsrechner nicht daheim hatte, aber das gab nicht den Ausschlag.)

Draußen regnete es ausdauernd: Ich war schon zu Regenrauschen aufgewacht, über den Vormittag machte es nur hin und wieder Pause.

Was auch im Krankenstand geht: Brotbacken. Ich hatte ein Rezept gesucht, das möglichst viel altes Anstellgut verwendet – es geht mir gegen den Strich, die Reste nach dem Auffrischen einfach wegzuwerfen. Gestern testete ich Auffrischbrot “Jule”.

Bei mir waren es 180 Gramm Anstellgut, zur einen Hälfte Weizen-, zur anderen Roggen-, zudem gab ich einen zusätzlichen Esslöffel Weizenvollkornmehl zum Teig, weil er mit dem zusätzlichen Anstellgut zu sehr klebte. Zusätzliches Wasser brauchte ich also im Gesamtteig nicht. Gebacken habe ich das Brot gleich, also ohne kalte Gare über Nacht.

Beim Kippen in den Eisentopf mit Deckel (bevorzugte Backmethode bei kleinen Teigmengen, macht Dampfstoß unnötig, weil der Laib in eigenem Dampf backt) landete der Teigling nicht mittig – sieht man dem Ergebnis nicht mal an, der Laib wurde halt länglich statt rund.

Zwischen Dösen und Handgriffen am Brot sah ich eine Arte-Doku an, die ich mir vor vielen Wochen eingemerkt hatte:
Casa Susanna.

In den 1950er und 1960er-Jahren wurde die Casa Susanna, ein kleines Haus im US-Bundesstaat New York, zum heimlichen Treffpunkt eines Crossdresser-Netzwerks. Zehn Jahre lang schossen die Männer bei diesen Treffen persönliche Erinnerungsfotos.
Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte dieser Menschen, deren Transidentität damals noch ein gesellschaftliches Tabu war.

Schön gemacht und bewegend, die Erzählungen der Betroffenen machen klar, wie existenziell das Thema für sie war und ist.

Gegen halb zwei bekam ich Appetit, aß morgens eingeweichte Haferflocken mit Sojajoghurt, einem Pfirsich, einer Nektarine.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Ruhen, las dabei Zeitung, schlief auch ein wenig. Das Wetter blieb sehr durchmischt, doch gegen fünf hatte ich das Bedürfnis nach frischer Luft und ging raus. Dass das Daheimbleiben und Ruhen besser gewesen war, merkte ich schnell: Hatte ich mich vorher noch darüber gefreut, dass nach der am Morgen keine Ibu mehr nötig gewesen war, meldeten sich jetzt bei dem Bisschen Bewegung sofort heftige Nebenhöhlenschmerzen. Und ich hatte mich zu sehr auf den Regenradar verlassen und keinen Schirm mitgenommen – nach nur 15 Minuten Spaziergang trieb mich der Regen in einen Hauseingang. Und hörte erstmal nicht mehr auf, ich las auf meinem Handy Roman weiter. Als ich endlich trockenen Haupts weitergehen konnte, kaufte ich nur noch schnell beim Eataly Obst und ging heim. Zumindest hatte mir die Draußen-Runde zu Mauersegler-Sichtungen verholfen, noch waren sie da.

Nachtmahl auch gestern kalt: Es gab restlichen Schweinsbraten als Tellersülze, dazu Ruccola-Salat und das frische Brot.

Gutes Brot, sehr brauchbares Rezept, wird eingemerkt.

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Als ich mir seinerzeit wünschte, Mitglied einer örtlichen Gemüseanbau-Gemeinschaft zu werden (für Selbstanbau im Schrebergarten bin ich viel zu faul, außerdem sah ich eine Gemeinschaft mit fachkundigem Hintergrund auch als wirtschaftlicher und umweltfreundlicher an), stellte ich mir vor, dass dort gemeinsam beschlossen wird, welches Gemüse es geben soll. So weit weg war ich von Fachkunde.

Im Kartoffelkombinat weiß ich schon lang, dass es weit wichtigere Kritereien für die Anbauplanung gibt als persönliche Gelüste; das wurde mir spätestens angesichts der ersten Excel-Tapete klar, mit der ich mir vor vielen Jahren bei einer Info-Veranstaltung die Anbauplanung des Folgejahrs erklären ließ. Jetzt, wo wir 3.000 Haushalte mit unsere eigenen Gärtnerei in Spielberg versorgen, ist die Anbauplanung eine echte Wissenschaft. Wenn Sie sich dafür interessieren, empfehle ich diesen 13-minütigen Film, in dem Benny und Sophie, zwei von den Gärtnern und Gärtinnen des Kartoffelkombinats, die Anbauplanung für das laufende Jahr erläutern.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/ZXmmh-H5hx4

(Das diesjährige Gemüseexperiment Cardy ist diese Woche Ernteanteil, und gestern ging ein Filmchen online, in dem Sophie erklärt wie man den zubereitet. Gegessen habe ich ihn schon mal: Im edlen Restaurant Ederer.)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 31. Juli 2023 – Aufziehende Krankmeldung

Dienstag, 1. August 2023 um 8:18

Hatte der Juli immer schon 31 Tage? (Bitte nicht antworten.)
Nach Einschlaf-Schwierigkeiten hatte ich besonders tief und gut geschlafen.

Draußen Mischung aus Sonne und Grau, ich wagte mich nochmal in Sandalen auf den Arbeitsweg.

Sommerferien in der Gollierstraße.

Emsiges Arbeiten mit Online-Besprechungen. Mittags schaffte ich es auf einen Cappuccino zu Nachbars.

Als Brotzeit gab es Mango mit Sojajoghurt, Pfirsich, Nekatarine.

Weiter emsiges Arbeiten ohne Querschläge und Störungen. Doch über den Tag fühlte ich mich immer erkälteter und kränker: Tobende Nebenhöhlen, laufende Nase, Frösteln, verschwindende Stimme. Ich kündigte meiner Arbeitsumgebung vorsichtshalber eine mögliche Krankmeldung am Dienstag an. Und machte recht pünktlich Feierabend, um meinen trotz Ibu schmerzenden Kopf heimzuschaffen.

Dort hatte ich Lust auf ein wenig Yoga-Gymnastik, ich fing Adrienes 30-Tage-Programm “Move” nochmal von vorne an – tat gut.

Zum Nachtmahl gab’s Reste – superluxuriöse solche: Kalter Braten, Käse, Zucchini-Sellerie-Salat, harte Eier. Nachtisch Schokolade.

Oktoberfestflucht gebucht: Ich werde erst ein paar Tage im Frankenwald wandern, dann ein paar Tage Berlinurlaub machen – und dafür sogar meinen Jahresurlaub 2023 anpacken! In den Norden Frankens komme ich einfach per Nahverkehr mit meinem Deutschlandticket, doch beim Recherchieren der Zugverbindung nach Berlin stieß ich auf Seltsamkeiten: Aus Login-Schwierigkeiten recherchierte ich meine Fahrt sowohl auf der Website als auch in der Smartphone-App, natürlich mit denselben Einstellungen – und bekam in der App einen 15 Prozent höheren Gesamtpreis für Hin- und Rückfahrt angezeigt. Dann halt auf der Website gebucht, 115 Euro für München-Berlin hin und zurück per ICE inklusive Platzreservierung finde ich wirklich fair.

Früh mit noch mehr Ibu ins Bett.

Sonntagabend hatte ich auf Arte große Teile meines Film-Lieblings O Brother, Where Art Thou gesehen und bemerkt: Ich kann Schauspieler*innen erst ernst nehmen, wenn sie glaubwürdig (und laut Anweisung)
– saublöd schauen
– schlecht schauspielen
spielen können.

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Eine absurd schöne Filmsequenz mit Gene Kelly.

https://youtu.be/_YLVmvWdkS4

via @goncourt

die Kaltmamsell