Journal Samstag, 12. November 2022 – Nebelfilter und Black Panther: Wakanda Forever

Sonntag, 13. November 2022 um 8:55

Gut und ausgeschlafen, früh munter gewesen. Als ich die Augen aufschlug, sah ich draußen Nebel – und freute mich auf eine durch Nebel malerisch gezeichtene Laufstrecke.

#ungestellt – Herr Kaltmamsell besuchte vormittags Familie, nachmittags waren wir im Kino verabredet, also bereitete er das Nachtmahl morgens gleich ofenfertig vor: Lasagne.

Fortsetzung meiner Tüchtigkeit: Weitere Gardinen gewaschen. Das Aufhängen wurde ein Kampf: Die Maler haben vor unserem Einzug die Vorhangschienen so zugepinselt, dass die Vorhanggleiter unmöglich gleiten können. Bis abends hatte ich so lange verzweifelt daran herumgezerrt, dass zahlreiche Stoffschlaufen gerissen waren und ich komplett von vorne anfangen muss. (Erst mal schief hängen gelassen, weil frustriert.)

Als ich nach zehn zum Laufen aufbrach, war der Nebel in der Innnstadt fast weg. Die Herbstkälte blieb aber, deshalb erster Lauf in Winterhose und mit Mütze.

Ich nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz und lief über Hofgarten, Monopteros und Chinesischen Turm zur Isar.

Der Chinesische Turm bekommt ein neues Dach.

Ab dem Föhringer Wehr bekam ich dann aber doch noch meinen Nebelfilter.

90 Minuten problemloses Traben. Vom Tivoli nahm ich eine Tram zurück. Ich stieg eine Station früher aus, um beim Bäcker Wimmer Semmeln zu holen.

Daheim gab es sie zum Frühstück um halb zwei, dazu eine große Portion Granatapfelkerne. Ich beobachtete auf unserem Balkon eine Blaumeise beim energischen Bad in der Vogeltränke (die Schale war danach fast leer), so ein Anblick macht praktisch alles gut.

Mit Herrn Kaltmamsell war ich nachmittags am Cinema verabredet, ich marschierte zu Fuß hin. Wir entdeckten, dass das Kino neu bestuhlt war – schön und bequem. Ich rechnete nach: Meine Güte, in dieses Kino gehe ich seit über 30 Jahren, die ersten Male bereits zu Studienzeiten, angefahren aus Augsburg. Es ist bis heute mein liebstes Kino in München – und sei es, weil sie vor der Vorstellung bis heute mit ihrer Soundtechnik angeben (hieß mal THX, ich habe den Anschluss verloren, welche Bezeichnung die aktuelle hat).

Wir sahen Black Panther: Wakanda Forever. Vergnügliche zweieinhalb Stunden, doch das world building des ersten Black Panther ist halt nicht zu wiederholen, die Beschreibung dieses wundervollen geheimen Reichs Wakanda mit all seiner Technik, seiner Kultur, seiner Ästhetik. Das Drehbuch war bei dieser Fortsetzung sogar ausgesprochen unterdurchschnittlich: Ja, man stand vor dem Problem, nach dem Tod des Hauptdarstellers Chadwick Boseman erst mal ohne die Figur des Black Panther weitermachen zu müssen. Doch das Ergebnis enthielt so viel Überflüssiges respektive Vergeudetes: Aus the scientist und mit Agent Ross (Morgan Freeman) hätte man entweder wirklich etwas machen müssen oder sie besser gleich weglassen. Ich hatte auch keine rechte Freude an noch einem Fantasievolk, hätte viel lieber mehr über Wakanda erfahren. Alles Geschmackssache, der Film wird sehr positiv besprochen.

Kommentaren auf Twitter/Mastodon entnehme ich, dass die deutsche Übersetzung zu so grusligen Ausdrücken wie “Wakanda über alles” greift – das ist durch die deutsche Geschichte eigentlich so schwer belastet, dass ich mich wundere.

Nach Hause nahmen wir die U-Bahn, um schnell den Ofen anschalten zu können.

Zur Lasagne (klassisch mit Hackfleisch und gut) gab es einen weiteren Rotwein aus Navarra: Einen Tempranillo Viña Zorzal 2020, der ok schmeckte.

Zum Nachtisch hatte ich beim Heimkommen Apple Crumble aus Ernteanteil-Äpfeln fertiggestellt und nach der Lasagne in den Ofen geschoben, servierte ihn mit flüssiger Sahne.

Im Fernsehen ließen wir E.T. laufen. Den habe ich wahrscheinlich nur das eine Mal 1982 im Kino gesehen – was habe ich geheult, als E.T. starb!

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 11. November 2022 – Filmdreh an der Theresienwiese

Samstag, 12. November 2022 um 8:04

Das Weckerklingeln kam mir gestern zu früh, löste Vorfreude aufs wochenendliche Ausschlafen aus.

Nochmal ein herrlich klarer Morgen, doch ich hätte eine Mütze vertragen.

An der Theresienwiese wird seit einigen Tagen gedreht, ich war ein paar Morgen an einer lange Reihe blauer Kleinlaster mit der Aufschrift “Filmbau” vorbeigekommen. Gestern sah ich sie näher an und entdeckte, dass laut Schildern nicht nur “Zoe”, “Franz” und “Vater Renald” eine Garderobe haben, sondern auch “Toter”.

“Tote brauchen keine Umkleide” wird hiermit von der Liste der Titel für den Roman, den ich niemals schreiben werde, gestrichen. Auch bei uns am Nußbaumpark hatte ich diese Woche immer wieder die markanten blauen Kleinlaster “Filmbau” gesehen – kann jemand von Ihnen mit den Namen an der Garderobe etwas anfangen?

Die Oktoberfestreste auf der Theresienwiese verschwinden nach und nach, nur noch zwei Festzelt-Gerippe stehen. (Dafür sind die Zelte fürs Tollwood längst aufgebaut.) Vielleicht kann ich schon nächste Woche meinen Arbeitsweg wieder auf Luftlinie ausrichten.

Ruhige und geordnete Arbeit in der Arbeit. Mittags spazierte ich zu einem Cappuccino. Weil ich eh wieder Espresso für daheim brauchte, ging ich zur Rösterei Emilio am Anfang der Gollierstraße.

Doch, das ist derzeit mein Lieblingscappuccino in München.

Zurück im Büro gab es als Mittagessen Apfel, Pumpernickel mit Butter, Granatapfelkerne mit Joghurt.

Freitäglich pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg erledigte ich kurze Besorgungen, für daheim hatte ich mir Tüchtigkeit vorgenommen (Herr Kaltmamsell war aushäusig verabredet), fühlte mich auch bei Ankunft danach: Gardinen waschen und aufhängen, Streusel für Apple Crumble vorbereiten, Granatäpfel entkernen, Wasserfilter tauschen. Dazwischen baute ich eine Runde Yoga ein, wie immer konzentrierte sich Tag 6 des 30-Tage-Programms von Adriene auf die Bauchmuskeln (mit durchaus spannenden Übungen).

Zum Nachtmahl machte ich mir den Ernteanteil-Salat mit Tahini-Dressing an, dann gab es noch reichlich Käse, ein paar Nüsschen und Schokolade. Ich hörte vor Bauchdrücken oder Übelkeit auf, der Erfolg des Tages.

Nicht immer nur Verschlechterungen berichten: Meinem zwickenden Kreuz geht es erheblich besser. Weil die Besserung deutlich merkbar nach der Schwimmrunde vor zwei Wochen einsetzte, beschließe ich mal kurz Kausalität: Kraulschwimmen tut meiner LWS gut.

§

Nein, ich glaube nicht, dass der neue Alleineingentümer “Twitter nicht verstanden” hat. Es ist ihm einfach egal, was Twitter bislang war; er macht es jetzt zu dem, was er will. In einer Mitarbeiterversammlung hat er gestern Fragen des Teams beantwortet, aus denen zumindest ungefähr hervorgeht, was das ist (eine Content-Verkaufsplattform mit angeschlossener Bank – halt nicht mehr “social”, also für zwischenmenschlichen Austausch).
The Verge veröffentlicht den Wortlaut der Mitarbeiterversammlung (eine Kommunikationsabteilung, die Inhalte professionell und im Sinn des Unternehmens vermittelt, gibt es ja nicht mehr bei Twitter).
“Inside Elon Musk’s first meeting with Twitter employees”.

§

Frau… Mutti hat sich vor anderthalb Jahren mit Corona infiziert und ist nicht mehr gesund geworden. Hier fasst sie zusammen, wie es ihr gerade geht:
“Long COVID”.

§

Ein weiteres Portrait von Jamie Lee Curtis – immer lesenswert, dieses in der New York Times.
“Under the Skin of Jamie Lee Curtis”.

Es freut mich sehr dem Artikel zu entnehmen, dass Everything Everywhere All at Once als Award-Favorit gehandelt wird – und verstehe immer noch nicht, warum das deutschsprachige Feuilleton so lauwarm darauf reagiert hat.

Curtis had a lot of input into Deirdre’s distinctive look, which includes red rectangular eyeglasses, a mustard turtleneck and a potbelly that many assumed to be a prosthetic but is actually the actress’s own. Showcasing that figure onscreen was the natural result of her let-it-all-hang-out mantra. “I said I would like to not be sucking my stomach in for the entire movie, because I’m a 64-year-old woman,” Curtis told me, slapping her belly with panache.

HAHAHAHAHA!

§

Der John Lewis-Werbespot 2022 ist da – die Weihnachtszeit hat offiziell begonnen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/1z0jfP2gCIs

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 10. November 2022 – Zeugen, die nicht kommen

Freitag, 11. November 2022 um 6:06

Wieder eine gute Nacht, auch ohne Erkältungslikör.

In die Arbeit nahm ich wieder das Rad, mir stand ein weiterer Verhandlungstag als Schöffin am Amtsgericht bevor. Um halb acht war die Luft geradezu lau.

Als ich um neun nach Erledigung des Dringlichsten wieder zum Rad ging, war es deutlich kälter geworden, erst jetzt brauchte ich Mütze und Handschuhe wirklich.

Die Verhandlung selbst verlief dann nur mäßig ergiebig: Keiner der drei geladenen Zeugen war erschienen. Zwei konnten telefonisch an ihre Ladung erinnert werden (Ja, schon bekommen. Halt vergessen.) und kamen verspätet. Erst wurde gewartet, dann ein anderer Punkt vorgezogen, jetzt waren die beiden eingetroffen und wurden befragt (sowie durchaus ermahnt, dass eine Ladung zur Zeugenaussage ernst gemeint ist). Den dritten Zeugen verschob die Richterin nach Hin und Her aus Gründen auf den nächsten Verhandlungstag. So waren wir schon vor zwölf für diesen Tag durch, der nächste Verhandlungstermin in zwei Wochen wird allerdings dadurch voraussichtlich sehr lang.

Ich radelte durch den Sonnenschein ins Büro, hielt kurz am Bäcker, um mir ein Laugenzöpferl zu kaufen. Das gab es als Mittagessen, dann vorbereitete Grapefruit mit Granatapfelkernen.

Ruhiger Nachmittag. Nach Feierabend radelte ich über Supermarkteinkäufe nach Hause. Dort eine Runde Yoga; wenn mir Adriene zu viel bewegungslos plapperte (oder nach einem angesagten tiefen Einatmen mehrere Sätze lang nicht zu Ausatmen anleitete, macht mich ein bisschen wahnsinnig), dachte ich mir halt selbst Bewegung aus – inzwischen kenne ich ein paar Möglichkeiten.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Bratkartoffeln (Ernteanteil) mit Spiegelei, den gestern mitgebrachten Salat habe ich mir für Freitagabend erbeten, wenn er aushäusig sein wird. Dann gab es noch Nüsse, wir teilten uns einen kleinen Christmas Pudding aus der Produktion vergangenen Sonntag, und Schokolade war ja auch noch da.

Derzeit versuche ich mal wieder (wie alle paar Jahre), das Nagelhautfieseln zu lassen, nachdem ich meine Hände derart zugerichtet hatte, dass sie Halloween-tauglich waren (saisonal kann ich). Diesmal versuche ich mir das Lassen dadurch attraktiv zu machen, dass ich so rausfinden kann, wie sich bestimmte Stellen um meine Nägel entwickeln, wie sie ungefieselt überhaupt aussehen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 9. November 2022 – #Lindwurmessen in Shisha-Wölkchen

Donnerstag, 10. November 2022 um 6:14

Gleich mal mit einem Highlight in den Tag gestartet: Eine Stunde zu früh aufgestanden. Ich wachte kurz vor Weckerklingeln auf – wie ich mit Blick aufs Zifferblatt meines Weckers dachte, der nur zu dem Zweck auf dem Nachtkastl steht, dass ich mit einem Blick die Uhrzeit sehen kann, die Weckfunktion geht nämlich seit vielen Jahren nicht mehr. Munter zog ich meine warmen Schlumpfklamotten an und ging in die Küche, um die auf Abschluss bei Weckerklingeln programmierte Waschmaschine zu checken: Laut Anzeige war sie aber erst in einer Stunde durch. Blick auf die Küchenuhr: 4:43 Uhr, ich war eine Stunde zu früh dran. Kurz überlegte ich, ob ich meine verfrühte Wachheit für irgendwas nutzen konnte, entschied mich dann aber doch für eine Rückkehr ins Bett. Ich schlief auch fast wieder ein.

Gefährlich: Dass ich die jüngsten drei Nächte überdurchschnittlich gut geschlafen habe (inklusive großem Genuss des Einschlafens, “ohhh, ist das schön hier im Bett, ohhh, ist das schön einzuschlafen!”), führe ich in erster Linie auf den Erkältungslikör zurück – und war gleich mal versucht, ihn weiterzunehmen. Tue ich als Streberin natürlich nicht, die Beipackzettel nicht nur liest, sondern auch ernst nimmt. Aber ich merke mir hier gleich mal die enthaltenen Wirkstoffe Doxylamin und Dextromethorphan als Schlafmittel für Ernstfälle.

Angenehmer Weg in die Arbeit.

Die Erkältung trieb gestern Schabernack mit den Druckverhältnissen in meinen oberen Atemwegen: Mal fiel mir das rechte Auge schier raus, dann wieder hörte ich auf dem linken Ohr fast nichts, bevor die rechte Kieferhöhle tobte. Abends stellte sich heraus, dass ich wahrscheinlich Herrn Kaltmamsell angesteckt habe.

Mittags gab es Pumpernickel mit Butter und Granatapfelkerne.

Ich machte recht pünktlich Feierabend, denn ich hatte einen weiteren kosmetischen Termin: Pediküre. Eine professionelle Fußpflege kann halt Dinge, die ich selber nicht kann.

Daheim holte ich lediglich Herrn Kaltmamsell ab: Es ging wieder zum #Lindwurmessen.1 Wieder mogelten wir ein wenig: Vorige Woche hatten wir auf dem Weg zur vermeintlich nächsten Station entdeckt, dass wir ein Lokal übersehen hatten – waren dann erst mal nicht sicher, ob es dort etwas zu essen gab, außerdem zu unflexibel zum Umplanen gewesen. Dieses Lokal, Sava, wurde es dann gestern, denn der Check auf der Website hatte ergeben: Ja, hier gab es sogar einiges zu essen.

Gleichzeitig handelte es sich um ein Shisha-Lokal, aber ein elegantes und hochklassiges. Diese Mischung war mir neu, ich fand sie sehr spannend. Um uns herum wurde ruhig Shisha gedampft, von jungen Männern, jungen Frauen, allein oder unter Freundinnen. Die Bilder an der Wand waren Bildschirme; als wir ankamen, lief auf allen Kaminfeuer.

Wir bestellten hausgemachte Limonaden, Ingwer und Maracuja – ganz frisch und sehr gut.

Außerdem von der Pinsa-Karte eine Diavolo für Herrn Kaltmamsell und eine Orientale mit Sucuk und Feta für mich, ich orientierte mich am Crossover-Thema des Lokals. Beide schmeckten sehr gut. Auch die Musik hier hielt sich ans Crossover-Thema: orientalischer Reggaeton. Wir wurden herzlich und freundlich bedient und fühlten uns wohl.

Zurück daheim gab es noch Süßigkeiten zum Nachtisch.

§

Wie Maximilian Buddenbohm, bei dem ich den Link zu weiteren Gedanken über Twitter gefunden habe, so treffend schrieb:

Wir sind nicht durch damit, lange nicht, die Retrospektive etwa dauert sicher noch etwas, das will alles verwunden sein.

“Zeit der Veränderung”.

§

Wie sehr sich die Informations- und die Online-Welt in den vergangenen Jahren verändert und entwickelt hat, sieht man an zwei Blogposts, die 2009 erklärten, was Twitter für sie bedeutet, und es gegen die damaligen Doof-Finder verteidigten:

– Thomas aka Formschub schrieb: “5857 Zeichen sind eigentlich 5717 zu viel.”

– Anke Gröner schrieb: “How Twitter Changed the Way I Live”.

(Wie schön ich es finde, dass beide weiterhin bloggen, weiterhin Teil meines Webs sind – sodass ich von Thomas an diese Posts erinnert werden konnte.)

§

Jetzt aber auch mal was zu Mastodon, und zwar ein Hintergrundbericht von einer Instanz:
“Über das Betreiben einer Mastodon-Instanz”.

via @KathrinPassig (erste Verlinkung zu Mastodon)

  1. Wir futtern uns nacheinander durch alle Lokale an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof, dann an der Nordseite wieder zurück. []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 8. November 2022 – Neue Einblicke als Schöffin

Mittwoch, 9. November 2022 um 6:19

Wieder gut geschlafen, diese Erkältung wird derart niedergenesen!

Ich radelte in die Arbeit, und das sehr früh: Gestern hatte ich meinen ersten Einsatz als Schöffin seit Februar und wollte mir vorher noch eine Stunde im Büro sichern. Der Morgen war kühl, aber mit Mütze und Handschuhen in der Morgensonne sehr schön.

Um neun machte ich mich von der Arbeit mit dem Radl auf den Weg, kam nach verhältnismäßig wenigen Risiko-Situationen ans Justizzentrum Nymphenburger Straße.

Es gab keinerlei Corona-Maßnahmen mehr im Gebäude. Im Verhandlungsraum standen noch die festen Plexiglas-Trennwände um die Anklagebank, die Wände auf dem Richtertisch schoben wir zur Seite. Irritierend für mich hörte ich Baugeräusche von unten: wie die Alien-Botschaft in Contact.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/MM9Xzsf4M2o?t=220

Es ging um ein Verkehrsdelikt, für die Klärung des Verlaufs waren Ansichten von Straßen und Wegen im Osten Münchens wichtig. Ich lernte, dass das ausgedruckte Anschauungsmaterial, um das wir uns immer wieder am Richtertisch scharten, nicht alles Google-Satellitenaufnahmen waren: Das LKA arbeitet auch mit eigenen Drohnen, um einen Überblick aufzunehmen.

Erste Male als Schöffin gestern für mich:
1. Es wurde ein Schusswaffengutachten vorgetragen. Das war offensichtlich auch für die anderen Anwesenden etwas Besonderes – zum Glück wird in Deutschland echt selten geschossen. Ich lernte, was man herausfinden kann und was nicht, mit welchen Methoden (wenig überraschend ist die Realität sehr weit entfernt von CSI oder Bones).
2. Eine Sexworkerin (Escort) sagte als Zeugin aus.

Neue Wendungen für mich unter anderem: “Besis” für Beweissicherungsbeamten und “mit Blau und Horn” (Sie kommen selbst drauf), beides aus dem Munde einer als Zeugin aussagenden Bereitsschaftspolizistin. Und ich lernte einen bislang noch nicht angetroffenen Typus Verteidiger kennen.

Es war auch meine erste Verhandlung mit mehreren Verhandlungstagen, allerdings änderte die Richterin die ursprünglich angesetzten Tage, um einen bestimmten Zeugen unterzubringen, der noch um Urlaub ist. Gestern ging’s bis kurz nach zwei, bis dahin hatte es nur zwei kurze Pausen gegeben, in denen ich Wasser trinken konnte.

Zurück im Büro gab’s gegen das Magenknurren zwei große Bananen. Dann war noch Zeit für Wegarbeiten.

Nach Feierabend daheim eine Einheit Yoga mit Adriene, diesmal mit deutlich weniger Geschnatter, wie schön. Herr Kaltmamsell servierte zum Abendessen einen sahnigen, käsigen Kartoffel-Blumenkohl-Auflauf, das Gemüse kam aus Ernteanteil. Nachtisch BrezenSterneHerzen-Lebkuchen und Schokolade.

Zu den vielen Erkältungsdetails, die ich nach Jahren ohne solche vergessen hatte: Wunde Nasenränder vom vielen Schneuzen. Doch der Infekt wird deutlich besser, den habe ich bald überstanden.

§

Mir ist schon klar, dass das die Allerwenigsten interessiert – aber hier, in diesem kleinen, komplett irrelevanten, dafür aber selbst gehosteten Blog geht es nunmal um meine Interessen. Und mit denen schmerzt das Herz auch weiterhin beim Anblick des kaputtgehenden Twitter. Diesmal ein Blick auf die technische Seite. Die Technology Review skizziert:
“Here’s how a Twitter engineer says it will break in the coming weeks”.

Twitter’s remaining engineers have largely been tasked with keeping the site stable over the last few days, since the new CEO decided to get rid of a significant chunk of the staff maintaining its code base. As the company tries to return to some semblance of normalcy, more of their time will be spent addressing Musk’s (often taxing) whims for new products and features, rather than keeping what’s already there running.

(…)

Getting answers will be harder externally as well. The communications team has been cut down from between 80 and 100 to just two people, according to one former team member who MIT Technology Review spoke to. “There’s too much for them to do, and they don’t speak enough languages to deal with the press as they need to,” says the engineer.

§

Aber so lange es noch da ist: Twitter mit einer Integrationsprüfung für Zuwanderer von Tiktok. (Es handelt sich um eine Dornbirner Rap-Mannschaft.)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 7. November 2022 – Montag mit Vollmond hinter fast kahlen Bäumen

Dienstag, 8. November 2022 um 6:17

Guter und tiefer Nachtschlaf dank ein wenig Nasenspray und einem Stamperl Erkältungslikör von Wick. Ich stand sehr munter und mit Energie auf, rotzte halt rum. Über den Tag hielt ich mich von Menschen fern, und wenn das nicht mit großem Abstand ging, trug ich Maske: Auch eine schlichte Erkältung möchte ich nicht weitergeben. Zudem teste ich mich noch ein paar Tage auf Corona, damit sich das nicht unbemerkt hinter Schnupfensymptomen einschleicht.

Sonniger Morgen: Ich brauchte weder Mütze noch Handschuhe, genoss den Fußmarsch ins Büro.

Der Vormittag war gefüllt mit emsiger Arbeit nahezu ohne Hässlichkeiten. Mittags ging ich auf einen Cappuccino ins Westend raus in die lockende Sonne.

Schöner Laden (die Einrichtung konnte man kaufen), an den meisten Tischen wurde gearbeitet. Der Cappuccino war mir aber zu stark.

Zurück im Büro gab’s am Schreibtisch ein großes Glas vorgeschnittene Mango/Orange/Mandarine sowie Hüttenkäse.

Emsiger Nachmittag ohne große Ereignisse, ich kam gut voran. Als ich nach Feierabend über den Heimeranplatz kam, strahlte mich ein enormer Vollmond durch die großen Bäume an, nur noch wenige verbliebene Blätter warfen Schatten. Mal wieder versuchte ich vergeblich, ihn zu fotografieren.

Unterwegs ein paar Einkäufe im Drogeriemarkt und im Vollcorner.

Daheim eine weitere Folge Yoga mit Adriene: wenig Bewegung, viel Geplapper – ich hoffe, dass das nicht so bleibt in diesem 30-Tage-Programm.

Zum Nachtmahl sevierte Herr Kaltmamsell den Rest vom Sonntagsessen: Kalbsrahmgulasch mit Spätzle. Danach Schokolade.

Es sind anscheinend Robin-Hood-Tage im Fernsehen: Samstagabend guckte ich in die Verfilmung von 2018, ein Computerspiel als Film, vor allem hinsichtlich des Anspruchs an Action und historische Genauigkeit, Herr Kaltmamsell wies auf die für Computerspiele typische Kameraeinstellung hin. Gestern Abend ließen wir die Verfilmung von 1938 mit Erol Flynn laufen, deutlich charmanter, halt ein Musical ohne Gesang (so bunt! und Robin Hood hat Glitzer am Hemdchen über den grünen Strumpfhosen!). Die Musik kannte ich gut, weil sie einen Oscar bekommen hat und auf den Sammelkassetten Oscar-gekrönter Filmmusik war, die mir Frank im Studium aufgenommen hat – aaaah, Erich Korngold.

Hatte ich vergessen am Wochenende festzuhalten: Sonntagmorgen habe ich die Heizung erstmals in dieser Saison aufgedreht.

§

Neues zum kaputtgehenden Twitter.
1. Der Lacher: Elon Musk hat versehentlich zu viele Leute entlassen.
2. Die Bundesregierung hat eine Instanz bei Mastodon eingerichtet, genauer der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), und zwar für Bundesbehören, hier die bereits vertretenen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 6. November 2022 – Sonntagsruhe

Montag, 7. November 2022 um 6:19

Symbolbild Nacht, Anblick beim Aufwachen. Meine ganz oberen Atemwege wehrten sich mit beeindruckender Schleimproduktion gegen den Infekt (*pottpottpott*, gut gemacht), ich wachte immer wieder vom Blubbern in der Nase auf. Gegen die infektkalten Füße hatte ich mir die erste Wärmflasche der Saison mit ins Bett genommen, sie hatte funktioniert. Coronatest negativ.

Das Wetter hatte Regnen eingestellt. Dennoch war ich vernünftig genug, meine ursprünglichen Jogging-Pläne zu verwerfen und nur einen längeren Spaziergang anzupeilen. Ich fühlte mich nicht wirklich krank, nur Hirn-benommen wie nach einem großen Glas Rotwein. Vormittags war mir dann aber doch nach Ibu, meine Nebenhöhlen taten, was sie bei jedem Atemwegsinfekt sehr schnell tun: weh.

Das Wetter wurde wirklich freundlich, ich ging raus. Hatte ich eigentlich schon Samstag tun wollen: Die restliche Lindwurmstraße nach Westen abgehen und Fotos der verbleibenden Lokale in die eine Richtung aufnehmen – um nachsehen zu können. Es bleiben tatsächlich nur noch sechs.

Ich hatte Lust auf mehr Spazierengehen und erweiterte die Runde zum Westpark.

Die Plätze des Freiluftcafés Gans am Wasser waren dicht besetzt.

Auf der Theresienwiese sah ich einen ADAC-Rettungshubschrauber landen, der aber von den bereitstehenden Krankenwagen nicht entladen wurde, sondern gleich wieder abhob. Was das wohl bedeutete?

Nach zwei Stunden Spaziergang kam ich zurück, jetzt gab es Frühstück: Apfel, Feldsalat aus Ernteanteil und Marmeladesemmeln.

Ruhiger Nachmittag mit Lesen und einer weiteren Einrichtungsidee: Fürs bislang absichtlich nackte Westfenster des Wohnzimmers holte ich vorhandene weiße lange Stores aus dem Keller und umrahmte das Fenster damit; wenn im Winter die Sonne hier durch die kahlen Bäume reinknallt, muss ich vielleicht nicht gleich mit den hässlichen Rollläden ganz dicht machen, sondern kann damit durch Zuziehen etwas filtern. Und es sieht gut aus, Herr Kaltmamsell bekam den Auftrag, Gardinengleiter zu besorgen.

Nach Einbruch der Dunkelheit machte ich Yoga, wieder eine Runde mit viel Erklärungen und langsamen Bewegungen – auch beim Halten von Positionen, deshalb durchaus anstrengend.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell mir einen weiteren Wunsch erfüllt: Es gab sonntagsfestliches Kalbsrahmgulasch mit Spätzle. Der Mann hatte praktisch den ganzen Sonntag in der Küche verbracht, erst mit der Erstellung von Christmas Pudding und Christmas Cake (müssen ja noch bis Weihnachten reifen und gegossen werden), dann fürs Abendessen.

Früh ins Bett zum Lesen. Den aktuellen Irving The Last Chairlift lese ich bereits nach 10 Prozent in doppelten Tempo, also indem ich weite Passagen lediglich überfliege: Diesmal versteigt sich Irving in einen irrelevanten Detailreichtum und in so ausschweifende (und dabei komplett vorhersehbare) Schilderungen, dass sowas wie ein Lektorat unmöglich dran gewesen sein kann.

die Kaltmamsell