Journal Donnerstag, 16. Dezember 2021 – Verschattete Weihnachtsdämmerung

Freitag, 17. Dezember 2021 um 6:37

Wieder gut geschlafen, hätte nur mehr sein dürfen.

Diesmal wieder Fußweg zur Arbeit. Das Draußen war immer noch nass, und wenn auch diesseits des Gefrierpunkts insgesamt sehr ungemütlich.

In der Arbeit wieder erst mal zügig die Aufträge abgearbeitet, die sich aus Schriftverkehr in der Nacht ergaben (noch gibt es eine Lücke zwischen 1.30 Uhr und 6.30 Uhr, ich bin sehr gespannt darauf, sie beim Schließen zu beobachten – etwa dieselbe Spannung, mit der ich das Schmelzen der Gletscher beobachte).

Eine Menge Arbeit, ich war wie vorhergesehen viel auf den Beinen und trug vorausschauend Turnschuhe. Unvorhergesehen stellte sich heraus, dass ein Projekt deutlich aufwändiger ist als erhofft, es wird mich noch bis Weihnachten beschäftigen – und in einem weiteren Schritt nach Weihnachten.

Mittags aß ich Pumpernickel mit Butter, einen Apfel.

Nach eher spätem Feierabend marschierte ich auf direktem Weg nach Hause.

Tollwood-Kunst “Als Zeichen der Hoffnung” auf der Theresienwiese.

Zu Hause mal kein Yoga, statt dessen testete ich das Rezept für den prospektiven veganen Weihnachtsnachtisch: Schoko-Mousse aus Seidentofu, ergänzt um geriebene Orangenschale.

Zum Abendessen machte ich den Feldsalat aus eben geholtem Ernteanteil an (klassische Zitronensaft-Kürbiskernöl-Vinaigrette), außerdem gab es Käse mit Quittengelee. Als Dessert probierten wir die Mousse: Ich war sehr zufrieden (der Tofu sorgt für eine leicht säuerliche Note, die ich mag), werde für den Weihnachtseinsatz aber stärker süßen und nur Schale einer halben Orange verwenden.

In den Corona-Nachrichten derzeit deutschlandweit langsam sinkende Inzidenzen auf sehr hohem Niveau, aber hohe Todesrate (mein erster Gedanke beim Lesen der 15 Todesfälle in München an einem Tag – was sehr viel ist: Ah, dann gibt es also wieder freie Intensivbetten), und der sprunghafte Anteil der Omikron-Variante. Auch bis zum Boostern geimpfte müssen weiter vorsichtig sein.

Gemüt gestern auch deshalb ziemlich verschattet, ich zog mich bald ins Bett zurück, um nochmal in Robert Galbraith, Lethal Withe zu fliehen.

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Fühle mich verstanden.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 15. Dezember 2021 – Wirkung einer Gerichtsverhandlung

Donnerstag, 16. Dezember 2021 um 6:40

Gut geschlafen.

Mit dem Radl statt zu Fuß durch feuchte, aber milde Luft in die Arbeit, weil ich am frühen Vormittag einen Einsatz als Schöffin hatte. Ich hatte daran gedacht, nach der wochenlangen Radlpause die Reifen vorher aufzupumpen.

Der Heimeranplatz verändert sich gerade sehr: Nachdem fast zwei Jahre lang die Baustelle des neuen Eckgebäudes nur in die Tiefe ging, wächst seit einigen Wochen auch etwas in die Höhe.

Im Büro konnte ich noch einiges schnell wegarbeiten, was über Nacht (nein, es war keine andere Zeitzone im Spiel) angefallen war, dann radelte ich schon wieder los an den Stiglmaierplatz – in fast durchgehender grüner Welle und mit den stramm aufgepumpten Reifen fühlte es sich wie Fliegen an.

Meine Ladung hatte als Corona-Maßnahme wieder das Registrierungsformular umfasst, das ich bei meinen letzten Einsätzen am Eingang des Justizzentrums hatte abgeben müssen und das ich wieder brav ausgefüllt hatte. Doch vor Ort wollte es niemand sehen, statt dessen musste ich 3G nachweisen, bekam einen Stempel auf meine Ladung.

Verhandelt wurde Betrug, sechs Fälle, mittelhoher Schaden, einschlägige Vorstrafen, diese aber alle per Strafbefehl erteilt (also ohne Gerichtsverhandlung). Die junge Angeklagte ließ zwar ein Geständnis übermitteln, äußerte sich aber selbst nicht. Die Lage war sehr undurchsichtig, in der Verhandlung ließ sich ohne Antworten auf sehr viele offene Fragen nicht herausfinden, was da eigentlich passiert war und warum.

Erst als der Pflichverteidiger (der offensichtlich auch nicht an sie rangekommen war) im Schlussplädoyer um Argumente rang, die der Angeklagten Haft ersparen würden, sah ich ihr die Erkenntnis an, dass das hier wirklich ernst war. Wieder erlebte ich die Wirkung einer Gerichtsverhandlung – in der halt Dinge geschehen, die sonst nicht geschehen würden.

Das Justizzentrum aus dem Jahr 1974 gibt es nur noch zwei Jahre, dann wird umgezogen an den Leonrodplatz; auf meinem Weg zum Dantebad komme ich an der Baustelle vorbei. Ich habe das Bedürfnis, die Stilreinheit des alten Betongebäudes festzuhalten. (Diese Fasertapete!)

Über die besonders lange Beratung zum Urteil wurde es Mittag, ich kam erst kurz vor eins zurück ins Büro. Und da ich erst mal Dringendstes wegschaffen musste, gab es Mittagessen erst kurz vor zwei: Vanillepudding mit Quark, Granatapfelkerne.

Emsiger Nachmittag, an dessen Ende ich wieder so erledigt war, dass ich mich schier nicht zum Heimgehen aufraffen konnte. Beim Heimradeln machte ich einen Abstecher zu einem selten besuchten großen Edeka, um auch dort Whiskey Canadian Club zu suchen (brauchen wir für Manhattans), den wir an den bisherigen Verkaufsstellen nicht mehr finden – vergeblich.

Zu Hause eine Runde Yoga, wieder ging mir Adrienes Besinnlichkeits-Gequassel auf die Nerven – vielleicht ist meine Hypersensibilität eine Spätfolge der Zum-Nachdenken-bringen-Sequenzen am Anfang gymnasialer Religionsstunden. Ich werde mal wieder ein paar Einheiten Mady brauchen.

Zum Abendessen hatte Herr Kaltmamsell köstliches Sushi bestellt, er kam mit viel grob-stückigem Gurken-Apfel-Salat. Nachtisch Dessert aus dem Kühlregal: Ich hatte nach Gläsern mit weiter Öffnung für den Inhalt einer Nachfüllpackung Körpercreme gesucht.

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Ein beunruhigender Artikel von Sabine Seifert in der taz:
“Kuraufenthalte von Kindern:
Wir Verschickungskinder”.

Millionen Mädchen und Jungen mussten bis Ende der 1990er allein auf Kur fahren. In den Heimen haben sie teils traumatische Erfahrungen gemacht.

Mein Bruder war bei seiner Kur an der Nordsee Anfang der 1980er neun oder zehn und kam mit einer schiefen Nase zurück.

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Hier wird nachgeladen! (Ton an.)

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 14. Dezember 2021 – Arbeitstag mit amüsantem Einkaufsende

Mittwoch, 15. Dezember 2021 um 6:32

Besser geschlafen.

Erblauender Himmel. Auf dem Weg in die Arbeit freute ich mich an den Rauchsäulen aus dem Kaminen der Häuser um die Theresienwiese, drehte mich immer wieder zu ihnen um. Am Vormittag zog kalter Nebel durch, mittags schien wieder die Sonne.

Zu Mittag gab es Grünkohleintopf vom Vorabend, mikrowellenerwärmt.

Arbeit gestern sogar mit Echt-Menschkontakt. Nachmittags Online-Schulung – das wird die nächsten Wochen wohl öfter so sein. Ich mag mich gar nicht an Zeiten zurückerinnern, in denen Schulungen in Software, also Anwendungen, in Präsenz unterrichtet wurde, in eigenen Schulungsräumen, zu denen man anreisen musste, mit eigenen Schulungsrechnern – fühlt sich jetzt geradezu bescheuert an.

Für nach der Arbeit hatte ich mir eine Besorgung in einer Parfümerie in der Nähe des Marienplatzes vorgenommen, um etwas länger als nur die gute halbe Stunde Heimweg an die frische Luft zu kommen. Diese frische Luft enthielt zu meiner Überraschung leichten Regen, obwohl ich am Nachthimmel über der Schwanthalerstraße Sterne und den Mond sah. Bei meiner Besorgung war ich erst verdattert, dann amüsiert, wie die Angestellte mir für meinen sehr gezielten Einkauf alle Sonderaktionen nacheinander herunterleierte: Nein, ich hatte keine Kundenkarte und wollte auch keine. Nein, ich wollte nicht nochwas kaufen, um über den Betrag zu kommen, bei dem ich kostenlos eine Creme in Weihnachtsdesign mit besonders schöner Schachtel bekam. Nein, ich wollte keine Pröbchen anderer Produkte. Nein, ich wollte auch kein Kärtchen, mit dem ich beim nächsten Einkauf bis Ende Januar zehn Prozent Rabatt bekam. Auch sowas kann Online-Kauf sehr attraktiv machen.

Zu Hause eine lange Einheit Yoga – deren Tonspur mich ziemlich gereizt machte, weil das Thema “Self Love” hieß, das meiner Erfahrung nach immer Bullshit enthält und das in Kombination mit einigen Yoga-Positionen, die ich nicht schaffte (z.B. Halbmond) zu exakt dem Gegenteil führte.

Herr Kaltmamsell servierte als Nachtmahl (Ernteanteil war bereits weggegessen) Nudeln mit Gemüse, und zwar Nudeln aus roten Linsen mit zugekauften Zucchini und Pilzen – gut! Zum Nachtisch Weihnachtssüßigkeiten.

Nach ausführlicher Abstimmung mit Herrn Kaltmamsell und einigem Ausmessen kaufte ich einen Esstisch, der meiner Meinung nach besonders gut zu den schönen Stühlen passt, ausziehbar für mindestens acht Personen. Die Lieferzeit war mit 12 bis 14 Wochen angegeben – er kommt also rechtzeitig für eine Dinnerparty im nächsten Wellental!

die Kaltmamsell

Journal Montag, 13. Dezember 2021 – Weihnachtsvorbereitungen in nassem Nebel

Dienstag, 14. Dezember 2021 um 6:37

Ich war zu Regenrauschen eingeschlafen, der Wecker klingelte zu Regenrauschen (dazwischen weniger guter Schlaf mit einer längeren Wälz-Pause). Mit verklebten Augen aufgewacht, sie brannten auch den Tag über – zu viel Schneesonne erwischt? Ich sollte mir wahrscheinlich wirklich bei solchen Lichtverhältnissen das Tragen einer Sonnenbrille angewöhnen. (Die ich gar nicht mehr habe, die Gläser meiner alten taugen nicht mehr – hiermit Selbsterinnerung, beim Stamm-Optiker neue reinmachen zu lassen.)

Mein Weg in die Arbeit fiel in eine Regenpause, es war einfach nur so greislich und nass. Ich war müde und fühlte mich verkatert – dabei gab’s am Vortag keinen Tropfen Alkohol.

Mittagessen: Pumpernickel mit Butter (das Ende meiner Freude daran ist nicht abzusehen) und Granatapfelkerne.

Die Verkaterung entwickelte sich über den Vormittag zu einem richtigen Krankheitsgefühl mit böse schmerzenden Nebenhöhlen (Heimgehen war wegen der Putzleute zu Hause nicht attraktiv), der Feierabend war sehr willkommen.

Ich verließ das Büro zu Blade Runner-Ansicht (gleich darauf flog von rechts ein Auto ins Bild): Über den Nachmittag war es neblig geworden.

Das Draußen tat mir gut, ich ging wie geplant über Einkäufe für die Woche beim Vollcorner heim.

Zu Hause turnte ich nochmal die Yoga-Einheit vom Sonntag, nach einem Bürotag bin ich deutlich unfitter (und sind meine Füße immer kurz vorm Krampfen) als nach einem Tag daheim.

Zum Abendessen hatte Herr Kalmtmamsell einen Eintopf aus restlichem Ernteanteil zubereitet: Grünkohl, Pastinaken, Kartoffel. Dazu kamen weiße Bohnen und Bauernwurscht.

Nachtisch reichlich Mutters Plätzchen.

Ich recherchierte fürs Weihnachtmenü – neben dem Blaukraut und einem veganen Nachtisch, der bereits feststeht, darf ich eine vegane Alternative zur Gans mitbringen. Das machte sehr viel Spaß, vor allem weil ich dabei ständig an geliebte Menschen dachte. Doch mir ist bewusst, wie wenig selbstverständlich das ist: Ich kenne zu viele Menschen, für die die Vorstellung eines Familientreffens zu Weihnachten Horror bedeutet, weil ihre Familien so schlimm sind. Für die werde ich mitfeiern.

Herr Kaltmamsell schrieb Weihnachtskarten in die halbe Welt. Der Mann hat aber auch eine wunderschöne Handschrift! In jeder Gruppe, auch unter Kolleg*innen, gibt es ja den einen oder öfter die eine, die deshalb immer alles schreiben muss, wenn etwas von Hand zu schreiben ist – ich habe in der Arbeit bei Geschenken zu runden Geburtstagen und Abschiedgeschenken schnell herausgefunden, wer das ist. Und Herr Kaltmamsell war das immer in seinen Arbeitsumgebungen. Zumindest bislang, bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, wie deutlich Handschrift tatsächlich aus dem Arbeitsalltag verschwindet.

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In einem Zeit-Interview weist Rechtsextremismusforscher Miro Dittrich darauf hin:
“Querdenker:
‘Man macht dieselben Fehler wie bei Pegida'”.

Miro Dittrich: Das Gewaltpotenzial dieser Szene war immer da, aber es wird konkreter. Hätte man diesen Leuten früher zugehört, hätte man schnell festgestellt, dass es bei ihren Forderungen nicht um Corona-Maßnahmen, sondern um einen Umsturz des Systems geht. Es war immer klar, wo das enden muss. Denn die Demonstrationen mussten ja scheitern.

ZEIT ONLINE: Warum?

Dittrich: Weil das, wogegen sie demonstrieren, frei erfunden ist. Es gibt ja keine Corona-Diktatur.

Das ist genau der Punkt, der mich schon zu Beginn der Proteste 2020 ratlos machte: Es wurde gegen etwas protestiert, das selbst erfunden war. Wie will man da diskutieren, zueinander finden?

Sozialpsychologin Pia Lamberty zeigt auf: Die Politik muss konsequent gegenhalten. Jedes Gewährenlassen oder Kompromissbereitschaft beweisen den verfassungsfeindlichen Störern, dass Gewalt und Randale der richtige Weg waren und dass sie im Recht sind.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 12. Dezember 2021 – Adventspaziergang und #12von12

Montag, 13. Dezember 2021 um 6:25

Dieses Jahr konnte es trotz vierter Welle den Familien-Adventspaziergang mit jahrzehntelanger Geschichte geben: Alle geimpft, bis auf die jüngsten auch geboostert. Ein wundervoller Tag für #12von12.

Nach mittelguter Nacht (Chlorschnupfen) machte ich mich Winterspaziergang-fertig – nach vielen Jahren mal wieder mit Schnee!

1 – #609060

Herr Kaltmamsell und ich gingen in fahlem Winterlicht mit u.a. Geschenken und Christstollen zum Bahnhof und nahmen einen Zug nach Ingolstadt.

2 – Holledau.

In Ingolstadt ließen wir uns am Bahnhof abholen – schwer bepackt wie wir waren. Wir fuhren zum Haus der Bruderfamilie und nach Klärung der verschiedenen Verabredungszeiten (im Angebot waren 10.30 Uhr und 11 Uhr, manche Menschen mussten sehr, sehr schnell duschen) weiter zum Schambachtal. Zu aller Freude war es sonnig geworden.

3 – Spaziergangstart mit letzten Nebelfetzen.

Schneestapfen, während ich endlich mal wieder ein paar Neuigkeiten aus dem Leben zu selten gesehender Familie erfuhr.

4 – Wald.

5 – Einbiegen auf die Zielgerade ins Schambachtal.

Nach etwa einer Stunde Spaziergang kehrten wir im Gasthaus Zur Linde ein (gründlicher Check von 2G – topp!) und aßen wirklich gut: Die Speisenauswahl war mit Entschuldigung wegen Personalmangel beschränkt, aber auch für die vegetarische Fraktion der Familie gab es ein Angebot, einfach veganisierbar. Ich aß ein Schäuferl (wie immer, wenn man mir eines anbietet), das eine rösche Kruste und bissfestes Fleisch hatte. Dazu zwei alkoholfreie Weizen, ich war sehr durstig. Allgemeine Zufriedenheit mit dem Essen. (Wenn Sie mal dort sind: Beachten Sie im großen Gastraum die Schnitzereien der Holzdecke, darin sind vier Burgen/Schlösser der Umgebung eingearbeitet.)

Zurück gingen wir einen direkteren Weg im Schambachtal selbst.

6 – Schambach 1.

7 – Heilig Kreuz.

8 – Schambach 2, im Hintergrund ein Ausguck zum Biberbeobachten.

Wir fuhren zu meinen Eltern, die Tafel für den Adventkaffee war bereits gedeckt.

9 – Kaffeetafel mit Adventskranz.

Es gab Glühwein, Tee, Kaffee, Plätzchen, Mohnstollen, Christstollen – ich hielt mich an Tee, weil ich noch so voll vom Mittagessen war. Mehr Spaß und Gespräche, die Pandemie ist leider nicht die einzige Sorge. Gute Nachricht: Die zu kleinen Stiefel, die ich gebraucht gekauft hatte, fanden erfreute Abnehmerinnen. Auch die Salzmandeln hatte ich mitgebracht und verteilte sie, umgekehrt packte meine Mutter mir eine große Dose Plätzchen – ideales Timing, den die Plätzchendose von Frau Schwieger ist bereits leergegessen. Außerdem hatte sie die Ingolstädter Metzgerei-Spezialität Bauernwürscht für uns besorgt.

Rückfahrt in früher Nacht.

10 – Herr Kaltmamsell in Regionalexpress.

In München verschoben wir bereits verschobene Erledigungen, lieber machte ich noch eine Runde Yoga.

11 – Heimisches Yogastudio (mit neuer Stehlampe) (und immer noch fehlendem fünften Bücherschrank).

Als Abendessen wärmte Herr Kaltmamsell restliche Sellerie-Lasagne auf, Nachtisch war ein wenig Hutzelbrot.

12 – Granatapfelentkernen für die Montagsbrotzeit.

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Auf den Zugfahrten hatte ich die Wochenend-Süddeutsche gelesen und war besonders angetan vom Buch zwei: Boris Herrman schreibt ausführlich über einen wenig bekannten Dienst für Bundestagsabgeordnete, nämlich die Kunstsammlung des Deutschen Bundestags, aus der jeder und jede Bundestagsabgeordnete ihre Büros dekorieren können. Eine ganz wundervolle Geschichte – in der Online-Version, wie ich gerade entdecke, mit noch viel mehr Fotos bebildert als der Print-Artikel (Nachtrag: Nur für Online-Abonent*innen).
“Die hohe Kunst der Politik”.

Herrmann begleitet unter anderem Mareike Wulf in die Sammlung, eine frisch gewählte CDU-Politikerin aus Niedersachsen.

Bis zum Beweis des Gegenteils ist der Deutsche Bundestag das einzige Parlament der Welt, das sich auf dem Kunstmarkt als regelmäßiger Sammler betätigt. Seit 1976 gibt es dafür einen eigenen Haushaltstitel. Im aktuellen Bundeshaushalt sind 275 000 Euro zum „Erwerb zeitgenössischer Kunstwerke“ veranschlagt.

Je nachdem, ob man die Serien und Repros mitzählt, haben sich so über die Jahrzehnte zwischen 4000 und 5000 Arbeiten angesammelt: Ölgemälde, Aquarelle und Lithografien, Stiche, Skulpturen und Holzschnitte, Radierungen, Fotos und Graphic Novels, Werke von Moritz Götze, Günther Uecker und Bernhard Heisig, von Brigitte Waldach, Anna Franziska Schwarzbach und Andy Warhol, von Georg Baselitz, Neo Rauch und Emil Schumacher, von Sibylle Bergemann, Harald Metzkes und Christo. All das und noch vieles mehr können die Mitglieder des Deutschen Bundestags in der Artothek ausleihen, um damit ihre Arbeitsräume zu schmücken.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 11. Dezember 2021 – Schlechte Laune trotz Emsigkeit

Sonntag, 12. Dezember 2021 um 7:38

Verkatert mit Kopfweh aufgewacht. Außerdem schlecht gelaunt. Draußen schneite es ein wenig auf die nassen Straßen.

Plan war Schwimmen, also hatte ich einen Corona-Testtermin an einer nahegelegenen Station. Diesmal mochte ich auch den Sport dazu und nahm eine Tram zum Dantebad. Wieder waren die Bahnen gut beschwommen, die Dantebad-Community (dass man sich hier kennt, merke ich immer wieder) ist also a) impf-vernünftig und b) schwimm-sehnsüchtig genug für die Mühen der zusätzlichen Testerei. Beim Schwimmen schneite es auf den ersten Bahnen, ich spürte das Kitzeln der kalten Schneeflocken auf Armen und Schultern. Ohne große Beschwerden absolvierte ich meine 3.000 Meter, das nahm mir aber nicht die schlechte Laune – ich habe gerade wieder den inneren Negativ-Coach am Start (der mich unter anderem auf die schlechte Zeit für die Strecke hinwies).

Auf dem Heimweg zog ich von der Tram-Station Stachus aus zu einer weihnachtlichen Einkaufsrunde los: Geschenkpapier, Weihnachtskarten – aber ein als ganz sicher geglaubtes Geschenk bekam ich nicht, ich musste später improvisieren. Auch unweihnachtliche Frühstückssemmeln kaufte ich, die gab’s daheim zum Frühstück um zwei.

Es kündigte sich sehr bald ein monumentaler Chlorschnupfen an: Ich griff daheim zur Nasenspülung mit Salzwasser, brauchte dennoch vor dem Schlagengehen Spray. (Nasenklammer habe ich sogar irgendwo, aber ich fand sie bei einem Test sehr unangenehm beim Schwimmen.)

Nachmittags im Düstern packte ich die Familiengeschenke ein, die ich schon habe und am Samstag zum diesjährigen Adventspaziergang mitnehmen kann.

Die bei Sellpy gekauften Schuhe stellten sich als viel zu klein heraus: Von dem (edlen und exklusiven) Hersteller Tracey Neuls besitze ich bereits drei Paar, glaubte deshalb, blind die bisher perfekt passende Größe 41 kaufen zu können. Doch das ist niemals ein 41er, das ist Größe 40 (ergab auch Anlegen der Sohle an ein vorhandenes, passendes Paar) – ich nehme an, man hat sich beim Prägen der Größe auf die Ledersohle vertan. Und ich nehme an, dass sie deshalb weiterverkauft wurden, die Schuhe sind praktisch ungetragen – aber dann hätte man sie halt nicht als 41 anbieten dürfen. Ähnlich verhielt es sich mit der zweiten Lieferung von Sellpy-Kleidung, die gestern eintraf: Ein Oberteil war mit Konfekionsgröße 40 angeboten worden, die überraschenden tatsächlichen Maße und ein Blick aufs Etikett zeigten, dass damit die italienische Größe 40 gemeint war – deutsche Größe 34. Da Sellpy anders als ebay nur eine Konfektionsgröße und sonst keine Maße angibt, sind solche Fehler halt gleich ein K.o. Hob meine Laune auch nicht.

Am Nikolaustag war eine weitere Crowdfarming-Lieferung eingetroffen: Andalusische Mandeln von meinem adoptierten Baum, zwei Kilo im Jutesackerl.

Ich begann eine Versuchsreihe mit dem Ziel, die Salzmandeln zu bekommen, die ich in Spanien so liebe. Mit diesem Rezept wurden sie nicht salzig genug; ich schob sie nochmal zehn Minuten in den Ofen, um ihnen zumindest Röstgeschmack zu geben. Mit diesem Rezept wurden sie besser. Ich hatte ins Wasser auch einen Teelöffel flüssiges Raucharoma gegeben, das ich aber kaum schmeckte.

Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmahl die mächtige Sellerieknolle aus Ernteanteil als Sellerie-Lasagne. Als Aperitif gab es den 4.-Welle-Drink Whiskey Sour mit Meyer-Zitronensaft. Und zum Nachtisch wieder große Mengen Weihnachtssüßigkeiten.

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Gestern fand ich endlich Zeit, die Doku über die Entwicklung des Impfstoffs von BioNTech in der arte-Mediathek anzusehen:
“Mit Lichtgeschwindigkeit zum Impfstoff
Das Projekt BioNTech”.

“Lichtgeschwindigkeit”, weil das Projekt “Light speed” genannt wurde: Şahin erzählte, wie er Anfang 2020 der Belegschaft klar machte, dass in jedem Bereich mit der größtmöglichen Geschwindigkeit gearbeitet werden musste, also mit Lichtgeschwindigkeit – nicht um die ersten auf dem Markt zu sein, sondern weil alle Modellierungen eine Pandemie von verheerenden Ausmaßen ankündigten, die nur durch wirksame Impfung gestoppt werden konnte.

Die Interviews zeigen die geistige Brillanz von Özlem Türeci und Uğur Şahin, die zusammen mit ihrer Nüchternheit, vor allem aber gepaart mit moralischen Werten und Idealismus besticht. (Und ich fragte mich mal wieder, ob vor allem der letzte Teil dieser Haltung, der die beiden ja auch als Paar zusammengebracht hat, anerziehbar ist, oder schlicht angeboren wird.)

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Eine alberne Frage auf Twitter erinnerte mich gestern an dieses Lied, ihren Sänger und an diese Zeit.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/fFDzwByMCbk

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 10. Dezember 2021 – Winterkälte, Anstoßen auf Regierungswechsel

Samstag, 11. Dezember 2021 um 7:38

Durchgeschlafen – gut. Nur bis halb fünf – nicht so gut. Nach dem Aufstehen schloss ich das Schlafzimmerfenster zu einer sternenklaren Nacht.

Auf meinem Fußweg in die Arbeit war der Himmel dann bereits mittelblau und kündigte einen sonnigen Tag an, entsprechend klirrte die Kälte und knusperte der eisige Untergrund unter meinen Schuhen. Die Sonne schien dann leider nur bis kurz vor Mittag.

Als Mittagessen gab’s Birnen (reife, holzige Biobirnen) und Hüttenkäse. Emsiger Nachmittag mit teils interessanten Querschüssen. Ich war zu sehr pünktlichem Feierabend gezwungen, weil der Büro-Strom abgedreht werden musste.

Beim Aufbrechen checkte ich die Einkaufsliste. Herr Kaltmamsell hatte Parmesan stehenlassen, also ging ich auf dem Heimweg in mittlerem, nassen Schneefall beim Vollcorner vorbei und kaufte auch weiteren Käse. Für Obst (Granatäpfel, Maracuja) machte ich noch einen Abstecher zum Süpermarket Verdi.

Beim Heimkommen und nach Ablegen meiner schneenassen Kleidung große Freude: Die beiden Esszimmer-Stühle waren geliefert worden (außerdem die eine oder andere Geschenk-Bestellung).

Eine Folge Adriene-Yoga – die ich nicht übersprungen hatte, obwohl die Vorschau in erster Linie angeleitetes Schnaufen zeigte. Adriene thematisierte darin vor allem, wie wichtig auch die entspannenderen Einheiten bei täglichem Yoga seien, ok ok ok.

Mir war schon wieder kalt trotz Zusatzpulli und Wollsocken, zur Feier des Wochenendes drehte ich die Heizungen hoch und schmolz dann halt eine Schneise in den vorletzten Gletscher. Weitergefeiert wurde mit Cremant: Jetzt stieß ich mit Herrn Kaltmamsell darauf an, dass wir Seehofer für immer und durch den Regierungswechsel Andi Scheuer (SCHEUER!) zumindest vorläufig los sind.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ernteanteil-Rosenkohl aus dem Ofen (mit ein wenig Parmesan überstreut) und herrliches Entrecôte. Dazu gab es spanischen Rotwein Prometus aus Castilla y León. Nachtisch viel Weihnachtsgebäck.

Deutlich nach neun klingelte dann nochmal ein Bote mit Lieferung – bekam ordentlich Trinkgeld (allein schon dafür, dass er tatsächlich geklingelt und geliefert hatte, statt das Paket direkt in einen Lieferdienst-Shop zu bringen).

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Nochmal Armut, hier Erinnerungen von Ella Anschein.

https://youtu.be/dITWLkHd01g

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Der Virologe Christian Drosten in einem Tagesthemen-Interview über den Stand der Erkenntnisse zur Omikron-Variante:
“‘Wir brauchen jetzt schnelle Entscheidungen'”.

Neben allen Unsicherheiten steht fest: Impfen ist immer noch das wichtigste Mittel für den Weg aus der Pandemie.

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Hach die freundlichen Schweizer!

Als Gegenstück fallen mir übrigens nicht Berlinerinnen ein, sondern kastilische Kellner bis in die 1990er: Steinerne Miene, Sprechen nie leiser als Ruf-Lautstärke, Kommunikation mit der Kundschaft hauptsächlich über kurzen Blickkontakt, die Geschwindigkeit der Erfassung von Bestellwillen sowie des Servierens legten telepathische Fähigkeiten nahe.
(Einschränkung bis in die 90er, weil inzwischen auch in Spanien sehr viele Einwander*innen in der Gastro arbeiten, die diese Eingeborenenkultur durch Freundlichkeit total kaputt gemacht haben.)

die Kaltmamsell