Journal Donnerstag, 6. November 2025 – Spontan abwesend

Freitag, 7. November 2025 um 6:04

Der ausschweifende Abend in der Brasserie Colette hatte einen Preis: Ich musste mich krank melden, oder wie es mir bei Job-Antritt vor gut zehn Jahren mit der Erklärung “Datenschutz!” beigebracht wurde, spontan abwesend melden.

Zumindest hatte ich vorm Bett sensationellen Sonnenschein bis um drei.

Zumindest war ich für meinen ersehnten Friseur-Termin am Abend genügend wiederhergestellt. Und konnte mitbekommen, wie zapfig kalt es geworden ist.

Zumindest konnte ich zum Abendessen das Saftgulasch genießen, das Herr Kaltmamsell mit Ernteanteil-Zwiebeln zubereitet hatte.

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Kaugummi revisited: Frau Brüllen hatte als Kind wirklich, wirklich abgefahrene Ideen.

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Die Blog-Serie “Meisterstunde” wurde nach drei Jahren Pause wiederaufgenommen:
“Künstlerin Ayaka Terajima über ihre Arbeit: ‘Das Warum ist wichtiger als das Was'”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 5. November 2025 – Kaugummi-Erinnerungen

Donnerstag, 6. November 2025 um 8:56

Etwas zerhackte Nacht, doch bei Weckerklingeln war ich munter.

Nochmal aufgestanden zu sternenklarem Himmel, der blau und nahezu wolkenlos tagte.

Auf dem Weg in die Arbeit kurzer Stopp in einem Kiosk, um Kaugummi zu besorgen (EIN EURO NEUNZIG FÜR EIN KLEINES PACKERL KAUGUMMI?!): Meine Recherchen zu “salziger Geschmack im Mund” (selbstverständlich habe ich recherchiert) ergaben neben mangelnder Zahnhygiene (nein) als mögliche Ursache Flüssigkeitsmangel im Mund, und da ich wirklich, wirklich viel trinke, ging ich dem Tipp nach, durch Kaugummikauen die Speichelbildung anzuregen. (Meine Recherchen zu überempfindlichen Zähnen ergaben lediglich die erwarteten Tipps sanftes Zähneputzen, Fluoridierung, Saures vermeiden.)

Emsiger Vormittag, ich lernte bei einem Briefing, das ich gab, mindestens so viel wie die Gebriefte.

Erkenntnis während der vormittäglichen Arbeit: Bei meinem Gefuchtel “WAS MEINT IHR, WENN IHR ‘KI’ SAGT?” habe ich fast vergessen, dass weiterhin ebenso vage “Digitalisierung” rumfliegt, und meist ist nicht mal klar: Irgendwas mit Computern? Irgendwas mit Internet?
*weint*

Mittagscappucino im Westend inklusive Marsch durch die Sonne, herrlitsch.

Zu Mittag gab es dann eine Birne (wunderbar nachgereift) sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt. Außerdem kaute ich über den Tag drei Kaugummis, das erst Mal seit Jahrzehnten. Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, kratzte an Assoziationsfetzen zusammen:
– Die Wrigley’s Kaugummstreifen in Silberpapier (samt zugehöriger Werbung mit flotten jungen Menschen, die überdimensionierte Kaugummi-Packungen im Freien herumtrugen) mit unterschiedlichem Minzgeschmack der weißen und der grünen Packung. Mit denen man aber keine Blasen machen konnte.
– Die Kaugummi-Kugeln aus dem Automaten, gern uralt und knallhart – blasentauglich.
– Die Revolution der Hubba Bubba-Kaugummis: völlig andere Textur, völlig anderer Geschmack, sensationelle Blasen.
– Erwachsene und Feuilleton-Artikel, die sich über das Kaugummikauen als schlechtes Benehmen echauffierten (daran merkt man, dass ich nur 22 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs geboren wurde).
– Dass Kaugummi auf Spanisch chicle heißt (im Urlaub lag die Süßigkeitenschwelle niedriger).
– Wie ich nie recht wusste, wann ein Kaugummi fertiggekaut war.
– Dass ich durch Kaugummikauen Hunger bekam, obwohl die Brigitte-Diät das Gegenteil behauptete und Kaugummi gegen Hunger empfahl (heute argwöhne ich, dass dort in der Diät-Redaktion Leute saßen, die ihre Tricks aus den Nachkriegs-Hungerwintern zweitverwerteten).
– Dass mich seit Jahrzehnten nicht nach Kaugummi verlangt hatte.

Für den Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell zu edlem Ausgehen verabredet, und zwar in der Brasserie Colette. Fast direkter Heimweg, ich holte lediglich eine Bestellung (Nicky-Hausanzug) in einer Tchibo-Filiale ab. Zum wiederholten Mal musste ich beim Suchen im Hinterkammerl helfen, erst hieß es, es sei nichts für mich eingetroffen.

Daheim noch hastige Häuslichkeiten, dann spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell in die Klenzestraße. Wieder aßen wir ganz ausgezeichnet, wieder wurden wir bezaubernd umsorgt – und wieder von Personal, das uns neu war: Ich habe hier eigenartigerweise noch niemandem im Service zweimal angetroffen. Wir bestellten wie geplant beide das große saisonale Menü Tim Raue inklusive Weinbegleitung (auf die ich mich besonders freute).

Als ersten Gang gab es Schneekrabbe mit herrlicher Majo drin, hübschen Chips drauf und einer Maronen-Brühe drumrum, die überraschend gut passte. Begleitet wurde der Gang von einem Glas Pouilly-Fumé León Domaine Jonathan Didier Pabiot, der wieder ganz anders schmeckte als meine bisherigen – ich bekomme französische Weine einfach nicht zu greifen. Passte hervorragend zur Schneekrabbe.

Als nächstes stand Kalbsbries auf der Karte und auf unserem Tisch, mit Lorbeer-Majonese und Johannisbeer-Chutney. Zum Frittierten passte besonders gut der Riesling aus dem Elsass Domaine Ostertag “Les Jardins”.

Das Éclair mit Trüffel und Entenleber wollte ein wenig zu viel mit darin auch noch Camembert, Rettich und Pilzen. Der Chardonnay Montagny konnte aber gut gegenhalten.

Sehr schön dann wieder der Sauerbraten aus Wagyu mit Roter Bete. Er wurde begleitet von meinem Wein-Liebling des Abends: Châteauneuf du Pape La Bastide Saint Dominique – mein erster bewusster Châteauneuf du Pape, und ich mochte die Aromenvielfalt und Würze so sehr, dass mir auch die fruchtige Note gefiel, bei der ich sonst abwinke.

Der Nachtisch war ein Knaller: Tarte mit Pinienkernen unter Quitteneis, umgeben von Milchschaum, Quittenstücken, Balsamico-Kügelchen, Kräuteröl – vor allem das Eis begeisterte mich. Dazu gab es überraschenderweise einen französischen und roten Süßwein Banyuls, den ich sehr mochte.

Beim abendlichen Zähneputzen am fünften Abend in Folge zur Fluoridierung Elmex Gelee verwendet (sonst seit Jahrzehnten einmal die Woche) – bislang ohne Wirkung. Das lasse ich jetzt lieber wieder, zuviel Fluor ist ja auch nix.

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Aus einem Interview wusste ich, dass Tom Hanks in New York routinemäßig Öffis nutzt, hier ein unaufdringliches Foto davon.

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TANZ! Ilia Malinin setzt weiter die Standards im Eiskunstlauf. (Der Kommentator hält sich gar nicht erst mit Facherklärungen auf, sondern spuckt lediglich vereinzelt Superlative aus.)

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https://youtu.be/hsdRrqHOuWM?si=LGmOWMsdRaJrTsxt

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 4. Oktober 2025 – Dantebad-Magie

Mittwoch, 5. November 2025 um 6:24

Beim Fensterschließen nach guter Nacht und Aufwachen kurz vor Wecker sah ich den Morgenstern am wolkenlosen Himmel leuchten.

Auf dem Weg in die Arbeit sah ich Reif auf Autodächern und hoffte, dass die Kiste Granatäpfel auf unserem Küchenbalkon geschützt genug vor Frost war.

Ich revidiere meine Prognose der Theresienwiesenbefreiung: 2024 war erst in der letzten Novemberwoche beim ersten Schneefall ein Querkreuzen möglich, das wird dieses Jahr wohl auch wieder so sein.

Beim Einbiegen ins Tor des Firmenhauses hörte ich lauten und wiederholten Falkenruf: Ich sah auf und entdeckte, dass er im Flug gegen die Attacken einer Krähe protestierte.

In einer Online-Besprechung startete ich vormittags ein neues Buch für meine Besprechungsmitschriften.

Mittagscappuccino in der hauseigenen Cafeteria zwischen zwei Terminen, doch das Wetter war so herrlich, dass ich mir zusätzlich Zeit nahm für eine sonnige Spazierrunde um den Block – die ich sehr genoss.

Mittagessen Granatapfelkerne (SAUER! AUA! so schlimm war das noch nie), Äpfelchen, Avocado.

Ich hatte Schwimmzeug dabei, auch diese Woche wollte ich einmal Nacharbeitsschwimmen im Dantebad. Wieder dehnte ich ab Mittag sooft ich daran dachte Beinrückseiten und Füße.

Pünktlicher Feierabend, U-Bahnen (überraschend voll) zum Westfriedhof, Spaziergang zum Dantebad.

Wieder bekam ich eine wundervolle Schwimmrunde geschenkt, komplett krampffreie 3.000 Meter gefühlt elegantes Gleiten, zunächst in Dämmerung, dann mit Vollmond über dem einem Ende des Beckens und Abendpink über dem anderen Ende. Die Bahnen waren gut beschwommen, aber man vertrug sich gut. Und das alles in einem beleuchteten 50-Meter-Becken mit Unterwasserlicht und Leuchten von oben unter Sternenhimmel, magisch und luxuriös (ich hatte mich darauf verlassen, dass ich ein Foto zum Verlinken finden würde – das kommt dem ein wenig nahe).

Mit den wundervollen Herbstansichten der vergangenen Schwümme im Dantebad und den Eindrücken von @Schwimmbadtourist kann ich mir immer konkreter einen Spielfilm vorstellen, der nur in Schwimmbädern spielt. Handlung müsste, wie bei meinen Romanideen, halt jemand zuliefern.

Daheim wirbelte ich ein wenig Häuslichkeiten, dann servierte Herr Kaltmamsell mein Wunsch-Abendessen:

(Ernteanteil-)Kürbis-Polenta. Köstlich.
Nachtisch Weihnachtsgebäck und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen (nach wieder schmerzhaftem Zähneputzen, und dazu konstant leicht salziger Geschmack im Mund, was soll das?).

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Claus von Wagner anlässlich des Bayerischen Kabarettpreises über die Vergeblichkeit von politischer Satire (mit sehr schönem Abschluss für unpolitische Menschen):

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https://www.youtube.com/watch?v=slZU40d6VXo

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Stimmungsaufheller mit Emma Thompson in der Graham Norton Show (und Hugh Grant, beide erzählen unter anderem, wie sie ihn in Sense and Sensibility in der berühmten Heiratsantragsszene an die Wand gespielt hat).

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https://www.youtube.com/watch?v=whG_fH2MRRg

die Kaltmamsell

Journal Montag, 3. November 2025 – Nicht weiter erwähnenswerter Wochenstart

Dienstag, 4. November 2025 um 6:13

Vom Wecker aus tiefem Schlaf gerissen worden – der eigentlich die ganze Nacht gut war, ich scheine derzeit einfach mehr zu brauchen.

Der Regen hatte aufgehört, ich kam trocken in die Arbeit (erster Einsatz Handschuhe, waren eine gute Idee).

Das wege Haus an der Ligsalzstraße wurde über die vergangene Woche zur Baustelle, es scheint weiterzugehen. Der Kran füllt allerdings die gesamte Straßenbreite, sie ist komplett gesperrt.

Ein Montag ohne Tsunami aus dem Postfach, Erleichterung. Ich konnte also geordnet Dinge abarbeiten, auch die, die nach und nach reinkamen.

Draußen wurde der Himmel blauer, ein freundlicher Tag.

Noch vor Aufbruch zum Mittagscappuccino im Westend hatte ich die drei belastendsten Knoten auf meiner Jobliste gelöst, meine Stimmung hellte sich ruckartig auf.

Herr Kaltmamsell meldete sich vom Monstertöten zurück und war daheim, ich freute mich sehr auf den gemeinsamen Abend.

Zu Mittag gab es Äpfelchen, Roggenvollkornbrot, Granatapfelkerne. Letztere ein wenig problematisch, weil ich gerade (wie schon mehrfach in den vergangenen Jahrzehnten) eine Sauer-Hypersensiblitäts-Phase habe inklusive superempfindlichen Zahnhälsen, die das Zähneputzen vor allem abends zur Qual machen (zefix).

Erste Male, gestern hörte ich mich sagen: “Ich spüre einen gewissen inneren Widerstand, mich da reinzudenken.” Auf meine alten Tage werde ich doch wohl nicht widerspenstig werden. (Bislang war ich nur auf Lacher aus.)

Nach Feierabend spazierte ich in letzter Abenddämmerung nach Hause, wieder war ich froh über meine Handschuhe. Unterwegs Einkäufe im Vollcorner für die nächsten Tage.

Daheim herzte und küsste ich den wiedergekehrten Herrn Kaltmamsell. Dann Yoga, das sehr gut tat. Weitere vier kleine Granatäpfel entkernt, Herr Kaltmamsell sicherte mir Unterstützung beim Verzehr vor.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Grünkohl zu Chips, außerdem gab es polnische Schinkenkrakauer (Direktimport unserer Putzhilfe), Käse und Roggenvollkornbrot. Nachtisch Kekse und Schokolade. Dazu ließ ich mir erste Einblicke ins Monstertöten von Herrn Kaltmamsells Wochenende geben, er hatte im Rollenspiel viel Zeit auf Malta verbracht.

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Wibke Ladwig bekam mit über 50 die Diagnose Diabetes – und zwar Typ 1, die Autoimmunerkrankung, meist genetisch bedingt (von der auch ich angenommen hatte, man habe sie immer ab Kindheit). In ihrem Blog blickt sie auf die neun Wochen seither zurück, es geht los mit
“Mein neues Leben mit Diabetes (1): Ab in die Notaufnahme”.

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Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.
“Es gibt irreversible Klima-Kipppunkte: Das Korallensterben ist als erster nun eingetreten”.

Als Kipppunkt gilt ein Schwellenwert, dessen Überschreiten dazu führt, dass ein Teil des Erdsystems in einen neuen – unumkehrbaren – Zustand kippt. Dazu gehören der Verlust des arktischen Meereises, das Abschmelzen der grönländischen und antarktischen Eisschilde, der Verlust des Amazonas-Regenwalds, das Auftauen von Permafrost – und eben das Korallensterben.

„Die Welt ist in eine neue Realität eingetreten“, schreiben die Forschenden. Aber ist sie das? Der Kipppunkt ist vermeldet, aber eine globale Empörung bleibt aus. Von den Korallen hängen rund ein Viertel der marinen Biodiversität und etwa eine Milliarde Menschen ab. Um die Tragweite mal ganz deutlich zu machen – für die Älteren: Schockschwerenot! Für die Jüngeren: Das crazy.

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Roslía kenne ich von einer Nifften-Playlist, dort aber mit Party-Musik.
Bin völlig umgehauen, dass sie auch sowas macht.

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https://www.youtube.com/watch?v=WasTzxpDVGg

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 2. November 2025 – Manche Fotomotive gibt’s nur im Regen

Montag, 3. November 2025 um 6:20

Lang geschlafen – das war schön, denn nachts war ich oft aufgewacht, allerdings immer gleich wieder eingeschlafen.

Draußen hörte ich Regen, wie angekündigt.

Gemütliches Bloggen, Kaffeetrinken, Wäschewaschen. Ich plante eine Laufrunde: Laut Vorhersage würde es eh den ganzen Tag durchregnen, es war also egal, wann ich dazu das Haus verließ – ich würde nass werden.

Ich kleidete mich Regenlauf-tauglich und nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz.

Manche schöne Fotomotive gibt’s halt nur mit Regen.

Diesmal kein Pfützenspringen: Nach einem Fehltritt gleich am Anfang (Pfütze versteckt unter Laub) waren Schuhe, Socken, Füße nass – jetzt war’s wurscht, ich konnte durch die nächsten einfach quer durch patschen. Versuchte allerdings, Wassertiefen über Knöchel zu vermeiden.

Es regnete mal mehr, mal weniger, aber nie so stark, dass der Schutz meiner Brille durch den Schirm der Mütze überwunden wurde und ich nichts mehr sah.

Dreimal Menschliches:

1) Vor mir joggte langsam ein Frau, die immer wieder anhielt, sich die Seite hielt. Sogar langsamer als ich (zur Erinnerung: ich bin die langsamste Joggerin an der Isar und sorge mich immer, wenn ich jemanden überholen muss). Nach blitzschnellem inneren Hin und Her (Scheu vor Übergriffigkeit versus Hilfsbereitschaft) sprach ich sie beim Passieren vorsichtig an: “Alles ok?” Sie wehrte glaubhaft ab und machte nicht den Eindruck, sich belästigt zu fühlen

2) Der barhäuptige, patschnass geregnete Jogger, der mir mit strahlendem Lächeln entgegenkam, beide Daumen reckte: “Großartig!”

3) Die Frau in kompletter Regenkleidung, die ich schon von Weitem mit dem Rücken zu mir auf dem Weg kauern sah, die Arme ausgebreitet. Beim Näherkommen sah ich, dass ihr Blick und wohl auch die Arme einem mittelgroßen Hund galten, der etwa 20 Meter vor ihr stand und sie regungslos anblickte. Als ich an ihr vorbeilief, erhob sie sich gerade und erklärte: “Der hat heute wirklich keinen Bock. Das hat er mir sehr klar gemacht.” Ich lachte auf. (Bedürfnisorientierte Hundehaltung?)

Der Körper machte super mit (ich behalte das mit dem vorbereitenden Faszienrollen mal bei, vielleicht gibt es einen Zusammenhang), ich gönnte mir zwei Stunden Lauf.

Heimfahrt mit der Tram, ich begann zu frösteln. Daheim ausgiebige heiße Dusche.

Zum Frühstück gab es um zwei ein Äpfelchen, dann restlichen Zuckerhut in Joghurtdressing mit reichlich Granatapfelkernen, abschließend ein Honigbrot.

Nach einem komplexeren Lochzunähen (für das ich inzwischen nicht mehr die richtige Brille habe – ich dachte an meine polnische Oma mit Näh-Brille auf der Nasenspitze, die mich bat, mit meinen “jungen Augen” Faden für sie in die Nadel zu fädeln), machte ich mich an die geplante Erledigung Bügeln, dabei hörte ich Holger Kleins Interview mit Sepp Stückl, dem Gründer der Münchner Schwuhplattler an (vielen Dank für den Tipp in den Kommentaren!): Unter anderem ein Stück Zeitgeschichte über das Coming Out auf dem Land in den 1990ern (Stückl kommt aus Uffing am Staffelsee):
“Sepp Stückl: Ein Schwuhplattler über Toleranz und Tradition”.

Es wurde früh dunkel bei immer noch pritschelndem Regen.

Eine Folge Yoga (ich merkte den Zwei-Stunden-Lauf an sehr mangelnder Geschmeidigkeit), zum Abendessen machte ich mir restliche Pasta e lenticchie warm, mit Gemüsebrühe verlängert. Nachtisch Schokolade.

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Vielleicht gibt es neben Introvertierten und Extrovertierten noch eine Menschengruppe, die keiner dieser Neigungen zuzurechnen ist:
“Oft ist in der Psychologie von Introvertierten und Extrovertierten die Rede. Psychiater Rami Kaminski will einen dritten Typus identifiziert haben.”

Man könnte diese Leute als freiwillige Außenseiter bezeichnen: Sie hegen eine tiefe Skepsis gegen Gruppenbildungen jeglicher Art und halten sich davon fern.

Auch wenn ich erstmal skeptisch war und Kaminski vor allem mediale Aufmerksamkeit als Ziel unterstellte, lasen sich die konkreten Menschen, deren Verhalten er beschreibt, tatsächlich zuordenbar.

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“Manfred Rebhandl über das leere Haus seiner Eltern. Eine Erinnerung”.

Zwar gibt es kein Haus, zu dem ich solch einen Bezug habe (in dem eisern erarbeiteten Eigenheim meiner Eltern, das sie fast so wie beschrieben pflegen und versorgen, lebte ich nur drei Jahre vor meinem Auszug in die eigene Wohnung), doch ich kann alles nachfühlen.

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Margaret Atwood geht es gut, sie ist streitbar wie eh und je – ein schönes Interview mit ihr im Guardian:
“‘It is the scariest of times’: Margaret Atwood on defying Trump, banned books – and her score-settling memoir”.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 1. November 2025 – Abschluss der Wandersaison in neuen Stiefeln von Starnberg über Andechs nach Herrsching

Sonntag, 2. November 2025 um 9:05

Nach guter Nacht von heller werdendem Himmel geweckt, das war besonders schön.

Die drei Zehen junger Knoblauch vom Abendessen brachten sich mit einem Geschmack in Erinnerung, der auf tödlichen Atem hinwies.

Herbstlicher Küchenblick.

Reichlich Zeit für Wäschewaschen und Bloggen vor Aufbruch zur Wanderung. Die Anreise nach Starnberg (ich wollte von dort über Andechs nach Herrsching am Ammersee gehen), soviel hatte ich bereits recherchiert, würde durch Bauarbeiten kompliziert, aber wann sollen sie das machen, wenn nicht an einem Feiertagswochenende.

Nach dem Umsteigen in Pasing hatte ich einen bequemen Sitz, mit genügend Lesestoff bekümmerte mich die verspätete Abfahrt nicht.

In Starnberg hatte ich einen Cappuccino am netten italienischen Kiosk rechts geplant, doch bei Ankunft war mir überhaupt nicht danach. Schade. Steuerte ich also gleich die Masinger Schlucht an.

Neben Abschluss der Wandersaison (und Vergnügen) war ja Zweck der längeren Strecke, die neue Wanderschuhe in den Praxiseinsatz zu bringen. Das war dann seltsam: Schon beim Reinschlüpfen fühlten sich die Stiefel zu klein an, die linke kleine Zehe drückte, bis ins erste Viertel meiner Route mehrmaliges Ausziehen, Sockenrichten, Anziehen, Umschnüren, weil sich immer irgendwas nicht richtig anfühlte – dabei war ich doch schon einen Tag lang in den Stiefeln herumgelaufen. Ich kam zu dem Schluss, dass ich gestern einfach keine Wanderfüße hatte. Und als ich abends schmerzende Stellen untersuchte, nahm ich mir fürs nächste Mal eine andere Verteilung der Schnürfestigkeiten vor (z.B. Schaft lockerer).

Dazu litt ich unter Schwindel – ich hatte die drei mächtigen Zehen Knoblauch vom Vorabend im Verdacht, große Mengen Knoblauch senken meinen Blutdruck massiv. Doch die abwechslungsreiche Strecke bot so viele schöne Ansichten, nach dem Maisinger See auch nur wenig gestört von Mountainbiker*innen, dass ich die Wanderung genießen konnte.

Es blieb sonnig und so mild, dass ich über Mittag eine Stunde lang nur in T-Shirt unterwegs war. Erst auf dem letzten Drittel zog der Himmel zu, am Ammersee wurde es schwül.

Landmarke an dem Wegstück in Starnberg, auf die ich mich immer freue (und auf den Zustand gespannt bin).

Werden und Vergehen – mit Überraschung bei Letzterem.

Maisinger Schlucht.

Maisinger See.

Hinter Aschering Richtung Andechs.

Mittagspause nach knapp drei Stunden: Es gab Äpfel und Roggenvollkornbrot vom Bäcker Wimmer.

Kloster Andechs wie erwartet am Feiertag gut besucht (aber kein Vergleich zu einem Feiertag im Sommer). Von dort stocherte ich in verschiedene Wege: Ich wollte nicht über die kürzeste Strecke durchs Kiental nach Herrsching, sondern noch eine schöne Stunde am Seeufer entlangwandern. Die gewohnte Route fand ich nicht (ich war so überheblich gewesen, keinen GPS-Track runterzuladen – das würde ich doch wohl sehen), kam aber auf einem anderen schönen Weg ans Seeufer.

Und bekam bei einem vergeblichen Versuch einen neuen Blick auf den Turm der Klosterkirche.

Am Ammersee wurde mit Alpenblick gechillt.

In Herrsching dito, aber mit einem Aperitif in der Hand, angeboten von einigen urigen Strandbars.

Am Bahnhof Herrsching hatte der Bewegungs-Tracker meines Handys 22 Kilometer in sechs Stunden gemessen. Und ich hatte gut daran getan, früh aufzubrechen: Um halb fünf wurde es bereits grenzwertig dämmrig zum Wandern.

Die Rückfahrt ebenfalls mit Umsteigen in Pasing und Verzögerungen. Auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause wurde ich angetröpfelt.

Zum Abendessen kochte ich mir Pasta e lenticchie (Linsen!) aus der Lameng, der Ernteanteil lieferte dafür ein paar Karotten und eine halbe Zwiebel.

Während das garte, entkernte ich vier Granatäpfel: Erst hatte Crowdfarming von meinem adoptierten Granatapfelbaum gemeldet, die Ernte davon sei dieses Jahr zu schlecht, ein anderer Landwirt übernehme die Lieferung (sowas passiert in echter Landwirtschaft, und im Gegensatz zu einem Supermarkt bin ich flexibel). Dann war mein Versuch gescheitert, die Lieferung zu terminieren: Hinter dem Link stand die Information, es gebe dieses Jahr gar nichts, ich bekäme den bereits bezahlten Betrag gutgeschrieben. Doch vor zehn Tagen wurde ich nochmal aufgefordert, meine Granatapfellieferung festzulegen – und jetzt gab es nur noch einen Termin für beide 2,5-Kilo-Kisten. Die kamen am Freitag, und nun muss ich fünf Kilo Granatäpfel wegbekommen. Da ich gleichzeitig erstmals sehr viel Crowdfarming-Werbung auf instagram sehe, vermute ich eine grundlegende Änderung im Hintergrund, die ziemlich viel durcheinanderbringt – und das Wohlwollen selbst überzeugter Kundinnen wie mir ganz schön belastet. (Die ich weiterhin bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf Crowdfarming als Quelle hinweise, erst kürzlich jemanden, die Mangos liebt, aber Bedenken wegen der langen Transportwege äußerte. Und die genausowenig wie ich seinerzeit wusste, dass Mangos auch in Europa angebaut werden, gerade Saison haben, und unter anderem wegen billiger Konkurrenz aus Südamerika nicht in unseren Supermärkten auftauchen.)

Sehr gutes Abendessen, ich kann’s doch noch. So gut, dass ich mich nur durch dringliche Ermahnung (du willst doch noch Granatapfel und Schokolade, und dann geht’s dir nicht mehr gut!) von einem dritten Teller voll abhalten konnte. Der Rest war als Sonntagabendessen geplant, darauf freute ich mich schon.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Vielleicht nur interessant für Menschen, die so positiv phasziniert sind von Hazel Brugger wie ich (umschrieb sie ihr Fangirltum): In seiner Show “Missverstehen Sie mich richtig” spricht Gregor Gysi mit ihr auf der Bühne.

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https://www.youtube.com/watch?v=cLjpUvSb3hE

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 31. Oktober2025 – Nebliger Oktoberabschluss

Samstag, 1. November 2025 um 7:33

Aufgestanden zu echtem Nebel!

Leider empfand ich kein echtes Freitagsgefühl, weil Herr Kaltmamsell abends nicht daheim sein würde und ich das Wochenende nicht mit mir feiern konnte.

Noch geschätzt zwei Wochen bis zur Befreiung der Theresienwiese von Oktoberfest, die ersten Zelte des Winter-Tollwoods sind bereits aufgebaut.
Der Nebel wurde auf dem Weg in die Arbeit und in den ersten Stunden dort erstmal dicker.

Heftige Nebenhöhlenschmerzen links, heftiges Niesen – aber ich ging davon aus, dass das trotz massiver Erkältungswelle in meinem Umfeld die einzigen Symptome bleiben würden, wie die vorhergehenden Male auch.

Erst als ich raus auf meinen Mittagscappuccino ging, ahnte ich hinterm Nebel blauen Himmel, nach Einkäufen auf derselben Runde (eine Knolle junger Knoblauch im Gemüseladen 3 Euro, ich muss es ja haben) wurde es tatsächlich sonnig.

Zu Mittag gab es einen Apfel aus Ernteanteil und einen vom Bodensee – immer wieder aufregend, wie verschieden das für mich deutscheste aller Öbste schmeckt. Außerdem eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Überraschend emsiger Nachmittag, nicht ganz so pünktlicher Feierabend wie geplant.

Nach Hause ging ich auf direktem Weg in schöner Abenddämmerung und guter Luft. Ich hoffte auf Einhalten der Wettervorhersage mit einem trockenen, warmen Samstag: Mein Plan war eine erste Wanderung mit den neuen Wanderstiefeln.

Ein 31. Oktober an einem Freitag hat möglicherweise positive Folgen: Das Feiern von Halloween erstreckt sich nicht auf mehrere Tage wie in den vergangenen Jahren (weil, wie ich mir erklären ließ, ein Abend mit anschließendem Ausschlafen dabei sein soll), sondern bleibt beim Tag selbst. Im Stadtbild (da war es wieder) gestern also durchaus ein paar Halloween-typische Verkleidungen.

Zu Hause Häuslichkeiten. Unter anderem machte ich mir selbst die Freude, den Balkon gleich einzuwintern, Herr Kaltmamsell half mir beim Möbeltragen: Balkonteppich von einer Seite gesaugt, ins Wohnzimmer getragen, von der anderen Seite gesaugt, Balkon gesaugt. Jetzt hatte ich am Wochenende nur noch Bügeln als Job.

Herr Kaltmamsell verabschiedete sich wie immer über ein Allerheiligenferien-Wochenende zum Monstertöten (Call of Cthulhu-Rollenspiel), und ich so.

Fingernägelschneiden. Genervt, dass das nach gefühlt drei Tagen schon wieder nötig war, knipste ich zu kurz und bezahlte mit Wundheitsgefühl.

Fürs Nachtmahl brauchte ich die meisten Ernteanteil-Karotten als Ofenfritten auf (seit ich sie roh nicht mehr vertrage, Bauchweh, stellen größere Mengen im Ernteanteil eine Herausforderung dar). Während des Garens turnte ich Yoga: Eine Entspannungsfolge, die kam mir bei meiner gestrigen Grundgereiztheit sehr entgegen.

Zu den beiden großen Tellern Karottenfritten gab es Knoblauch-Joghurt aus der 3-Euro-Knolle, der wirklich gut schmeckte und passte. Auf Alkohol hatte ich allein keine Lust. Nachtisch reichlich Schokolade.

Da ich im Fernsehen nichts zum Nebenherlaufenlassen fand, ging ich besonders früh ins Bett zum Lesen: Vicki Baums Hotel Shanghai nahm mich mit ins China Anfang des 19. Jahrhunderts.

die Kaltmamsell