Journal Samstag, 20. September 2025 – Start der Oktoberfestflucht nach England

Sonntag, 21. September 2025 um 8:38

Noch ein Glück (!) sah ich beim Check meines Zugtickets auf dem Handy am Abend zuvor die Warnung “Keine Livedaten verfügbar” und recherchierte meine Verbindung München-Paris: Der Zug ging 20 Minuten früher, als bei der Buchung Anfang Mai eingetragen wurde, statt um 3:31 Uhr um 3:10 Uhr. Ich stellte den Wecker also noch früher.

Herr Kaltmamsell stand extra auf, um mich zu verabschieden.

Es wurde dann halt ein Reisetag, an dem ich nicht viel zu tun hatte außer mich fahren zu lassen und umzusteigen.

Ähnlich benommen wie nach dem wenigen Schlaf für die Oscarnacht saß ich im ICE von München nach Stuttgart. Dabei gelernt: Morgens um halb vier ist es in einem ICE keineswegs still. Wenn nämlich erst das eine Quartett Partygängerinnen (die in Augsburg ausstiegen), dann ein anderes Großraumwagen-beschallend die Begegnungen der Nacht bekakeln müssen, „weißt was ich mein?“. Ich döste dennoch ein wenig.

Stuttgart hat sich auf die Jahrzehnte ohne Bahnhof mittlerweile ganz gut eingerichtet (Auge, München!), für meine Stunde Wartezeit auf den Zug nach Frankreich konnte ich mir den Morgen-Cappuccino bei verschiedenen Anbietern aussuchen, die ihre Stände mangels Bahnhof zwischen den Gleisenden haben. Und SO WACH UND MUNTER hat mich noch nie im Leben ein Morgenkaffee gemacht.

Im TGV saß ich diesmal oben, sah einen wunderschönen Frühherbstmorgen anbrechen.

Wir kamen pünktlich in einem verregneten, aber milden Paris an, ich eilte die 200 gut ausgeschilderten Meter vom Gare de’l Est zum Gare du Nord und zum Eurostar-Terminal. Schnell verstand ich, warum eigentlich auf einen früheren Check-in gedrängt wird: Gestern kam noch ein medizinischer Notfall hinzu, Sanitäter*innen kümmerten sich um einen Passagier an der Passkontrolle, aber das ist schon ein besonders großes Durcheinander mit vielen Kontrollschritten. Das Personal war gefasst, aber es macht halt einen Unterschied zu den Flughafenkontrollen, dass hier alle ihr Gepäck dabei haben. Zudem stellte sich der Wartebereich hinter den Kontrollen als ausgesprochen gemütlich und von viel interessanter Gastro versorgt heraus: Es lohnt sich also doppelt, mehr Zeit für Umsteigen einzukalkulieren.

Wie schon im TGV döste ich auch im Eurostar immer wieder, schlief sogar ein, las dazwischen die Wochenend-Süddeutsche: Anders als befürchtet wurde mir nie langweilig. Brotzeit machte ich gleich nach der Abfahrt in Paris kurz nach elf, denn ich hatte großen Hunger: Apfel, Nüsse, Trockenfeigen.

Pünktliche Ankunft in London St. Pancras. Mittlerweile hatte ich mir eine ganze Reihe Apps aufs Handy geladen, mit denen ich mich per U-Bahn zum Bahnhof Waterloo lotsten ließ (und einfach irgendein Tagesticket dafür kaufte) und mir einen Zug nach Winchester vorschlagen, Ticketkauf am Bahnhofsautomaten (fast 40 Pfund Superspar-Tarif für die einstündige Fahrt). Unterwegs sah ich neben den Gleisen einen mächtigen Fasan, Ankunft in Winchestert pünktlich und in milder Luft, geschafft!

Die kleinen Nickerchen im Zug hatten außerdem dazu geführt, dass ich mich nahezu frisch und keineswegs übernächtigt fühlte. Wie Sie alle, alle beteuert haben, war die Anreise also gar nicht so schlimm, ich hätte vorher gar nicht zetern müssen, warum Heldinnentum (denn so fühlte es sich an) bitteschön so anstrengend sein muss.

Schon in den Reiseunterlagen hatte mich das überrascht: Meine erste Unterkunft in Winchester war ein Ketten-Premier-Inn im Industriegebiet. Von diesem Veranstalter war ich von den bisherigen beiden Wanderungen eher positive Übernachtungsüberraschungen gewohnt gewesen. Erst mal egal, ich rollte mit dem schweren Koffer eine halbe Stunde zu Fuß dorthin, brauchte dringend Bewegung. (Außerdem versuche ich um die Umstände des Tarifrecherchierens und Bezahlens im Öffentlichen Nahverkehr rumzukommen – das Deutschlandticket hat mich derart verwöhnt!)

Joah, halt ein nicht mehr taufrisches Kettenhotel. Die Fenster meines Zimmers lassen sich nicht öffnen, ABER! Echtes Fernsehen! Auf den Reisen der jüngeren Vergangenheit war der Fernsehbildschirm immer auf Streaming ausgelegt gewesen. Ich lernte gleich mal (Werbung im Ausland ist SO aufschlussreich): Hier nimmt man gegen Reizdarm Silizium-Gel statt Bakterien! Ebenfalls aus Chronistinnenpflicht festgehalten sei hiermit: Langsame Interet-Verbindung – aber für Geld könnte ich eine schnellere kaufen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Hotel zuletzt versucht hat, für Internet-Zugang Geld zu verlangen, weiß aber noch gut, dass die kleinen, privat geführten Hotels, Pensionen, B&Bs deutlich früher kostenlosen Zugang anboten als die Konzerne.

Wie geplant suchte ich nach dem nächstgelegenen Supermarkt: Wie man in einem Industriegebiet erwarten kann, gab es ums Eck einen riesigen Tesco’s. Dessen Zugang natürlich nur auf Autos ausgelegt war, ich bewegte mich sehr vorsichtig dorthin. Auf meinem Einkaufszettel standen ganz oben Äpfel als Wanderbrotzeit (gleich darunter Schokolade für abendlichen Nachtisch): Ich musste eine bestürzend lange Weile suchen, bis ich unter all den Äpfeln aus Südafrika, Neuseeland, Frankreich (immerhin) heimische Mini-Äpfelchen fand – die müssten doch hier auch gerade Saison haben? Zwar sah ich mich nicht gründlich um, doch ein erster Eindruck war, dass die Verschiebung des Gewichts von unverarbeiteten zu verarbeiteten Lebensmitteln noch weiter fortgeschritten ist. (Es gab ein Kühlregal “butter and ingredients”.)

Bei meiner Rückkehr entdeckte ich, dass ich, Schraddelhotel hin oder her, die besten Nachbarn hatte: FEUERWEHR!

(Auf den Backsteinen steht in Metallbuchstaben “City of Winchester Fire Station”.)

Obwohl mir klar war, dass hier nicht selbst gekocht wird, hatte ich im Hotel fürs Abendessen reserviert. Das hungrige Warten darauf wurde mir lang (die eine zusätzliche Stunde Zeitverschiebung), ich legte eine Runde Yoga-Gymnastik ein, dafür war der Hotelzimmerteppich griffig genug.

Dann aß ich im Hotelrestaurant mit Käse überbackene Hähnchenbrust mit Pommes und Salaten (mei), zum Nachtisch einen sehr guten Sticky Toffee Pudding mit Custard.

Auf dem Hotelzimmer gab es noch Schokolade.

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Das Loblied auf RSS-Feeds und Feedreader wird viel zu selten gesungen – ohne könnte ich nicht so viele Blogs lesen und auf dem Schirm behalten, wie ich will (ich lese und sammle seit Tod des Google Readers mit Feedly, auch wenn die ständig wegzuklickenden Overlays den Eindruck erwecken, dass es mittlerweile für anderes gedacht ist – story of my online life). Mit diesem ungefähr nützlichsten Feature des Webs ist halt kein Geld zu machen.

Gestern kam ich endlich dazu, den eingemerkten Fachartikel von Nico darüber zulesen, der die Entstehung von RSS erklärt, ein paar technische Hintergründe und warum es ohne RSS keinen Siegeszug von Podcasts gegeben hätte. Ich empfehle Lektüre (wunderbarer Untertitel des Blogs: “Der Markt regelt einen Scheiß.”) und RSS:
“RSS”

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Schöne alte Frauen, Teil viele: Maren Kroymann im Urlaub.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 19. September 2025 – Kurz vor Oktoberfestflucht

Freitag, 19. September 2025 um 20:34

Diesmal ausnahmsweise am selben Tag veröffentlicht: Mein Zug geht morgens um halb vier vom Münchner Hauptbahnhof (wie damals in den Sommerferien, wenn wir nach Spanien fuhren).

Mittelunruhige Nacht – der Alkohol. In den frühen Morgenstunden musste ich wieder das Fenster schließen gegen Gebrüll draußen.

Es wurde hell zum angekündigten strahlenden Sonnentag, der Weg in die Arbeit wäre ohne dichten Oktoberfestverkehr herrlich gewesen. Ich freute mich an dem Umstand, dass das meine letzte Begegnung damit war.

Leicht verkatert und zittrig im Büro letzte Jobs abgeschlossen, mich von den wichtigsten Schnittstellen verabschiedet. Auf einen letzten Mittagscappuccino vor Urlaub ging ich auch, auf sonnigen milden Wegen und in herrlicher Luft im Westend.

Weiteres Wegarbeiten, bis ich neu ankommendes bereits an meine Vertretung schob. Sehr erschöpft.

Zu Mittag gab es Äpfel, Nüsse, Hüttenkäse.

Schreibtisch aufgeräumt, außerdem die Schubladen meines Containers unterm Schreibtisch – zumindest das vorderste Stück, das man sieht, wenn man ein bisschen aufzieht (sehr wahrscheinlich wird der Arbeitsplatz in meiner Abwesenheit genutzt), Abschiedsmail an Chefin, OOO hatte ich bereits geschrieben und terminiert.

JETZT informierte mich Eurostar per E-Mail, dass ich über eine Stunde vor Abfahrt am Zug sein muss – ich komme aber fahrplanmäßig erst eine Stunde vorher am Nachbarbahnhof an. Aufregungskurve stieg steil. Ich recherchierte kurz: Notfalls nehme ich den nächsten Eurostar und zahle doppelt, Problemlösung durch Bewerfen mit Geld.

Extra früher Feierabend schon um zwei, denn ich wollte unbedingt noch nach Ingolstadt und dort meine Mutter im Krankenhaus besuchen. Dorthin fuhr ich in einem vollen und bis Ankunft dann doch verspäteten Regionalzug.

Der Hopfen ist in der Holledau immer nicht ganz geerntet, sieht teilweise sogar schon gammlig aus – konnte er nicht verkauft werden und bleibt einfach hängen?

Am Ingolstädter Nordbahnhof traf ich mich mit meinem Bruder, die kleine Klinik liegt nur 100 Meter entfernt. Große Erleichterung und Freude über den guten Zustand meiner Mutter und die angenehme Atmosphäre im Krankenhaus – ich kann in diesem Punkt mit leichtem Herzen reisen.

Rückfahrt in herrlich goldenem Abendlicht. Vom Münchner Hautpbahnhof nach Hause kreuzte ich bereits große Mengen Oktoberfest-Tourist*innen.

Zu Hause werkelte Herr Kaltmamsell in der Küche, ich schloss mein Packen ab (bis auf Kulturbeutel und Kofferschließen). Als Nachtmahl servierte er eine Auswahl meiner kulinarischen Lieblinge: Gebratene Auberginen, panierte Jalapeños, Belugalinsen, gebackenen Camembert – ein Festmahl. Nachtisch Schokolade.

Eigentlich ein sinkendes Gefühl bei der Aussicht auf 12 bis 14 Stunden Bahnreise mit viermal Umsteigen. Dann wiederum versuche ich das als nützlichen Zwang zum Nichtstun aufzufassen, denn: Ich war seit über einem Jahr nicht mehr krank, also wirklich gar nicht, und bräuchte vielleicht doch mal wieder dieses Ausgebremtsein.

Anders als Theresa Bäuerlein fand ich Krankheit allerdings schon immer sehr unangenehm: Bei mir ist sie nämlich immer mit körperlichen Beschwerden, Schmerzen, Leiden verbunden. Ich kann mich nicht erinnern, sie je genossen zu haben, ich wollte immer, dass sie so bald wie möglich aufhörte.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 18. September 2025 – Sommerabend mit geteilten Tellern

Freitag, 19. September 2025 um 6:44

Gut geschlafen, erst eine Stunde vor Weckerklingeln in Unruhe geraten.

Nach dem Aufstehen Herrn Kaltmamsell zum Geburtstag geherzt und geküsst, Geschenk hatte ich nur ein kleines, nahezu symbolisches.

Schöner Marsch in die Arbeit.

Anspannung am Schreibtisch: Ich war für gestern und heute bei einem Dienst eingesprungen – und hatte auf die Bitte vor ein paar Wochen nicht ehrlich mit “das passt mir eigentlich gar nicht” reagiert, weil ich a) meinen Grund, Unruhe kurz vor Urlaub, für nicht valide hielt, b) die Überheblichkeit, mehr abzukönnen als andere, in diesem Leben wahrscheinlich nicht wegkriege. Selber schuld, musste ich halt leiden. Zudem war am Vortag noch ein unerwarteter Job reingekommen, den ich unterbringen musste.

Emsiger und ein wenig durcheinanderer Vormittag. Ich ging früh raus für Äpfeleinfkauf am Markt und meinen Mittagscappuccino: Jacke braucht ich schon keine mehr, das Wetter war sensationell herrlich. Es sind in München vier Spätsommertage angekündigt, für meine FÜNFUNDREISSIG KILOMETER! in England hingegen 15 Grad und 50 Prozent Regenwahrscheinlichkeit (allerdings ohne Oktoberfest, YAY!)

Zu Mittag gab es einen eben gekauften Apfel Elstar vom Bodensee (köstlich!), eine Banane, Hüttenkäse. Der Nachmittag wurde sehr anstrengend, vor allem wegen des unerwarteten Jobs, der höchste Konzentration erforderte.

Nach Feierabend, es war richtig warm geworden, kam ich gerade rechtzeitig heim, um Herrn Kaltmamsell für unsere Abendverabredung abzuholen: Ich hatte im Vorbeigehen am Platz Am Glockenbach ein Restaurant entdeckt, das attraktiv aussah, Avin, deren Website “wine & modern tapas” ankündigte und bei näherem Blick mit “tapas” sharing plates meinte. Das suchte sich Herr Kaltmamsell aus den drei Lokalen aus, die ich ihm für eine Geburtstagseinladung anbot.

Wir spazierten über den Alten Südfriedhof hin.

Engel mit besonders schöner Abendbeleuchtung.

Im Avin setzten wir uns trotz schönem Außenbereich nach innen: Ich wollte den Gastraum auskosten – direkt am Fenster bekamen wir aber auch den Sommerabend mit Glockenbachviertel-Passant*innen mit (viele Hunde).

Und wir aßen besonders gut, begleitet von spannenden Weinen – so habe ich es ja am liebsten. Herr Kaltmamsell und ich entschieden uns für das gemeinsame Menü “Waitor’s Choice” und bekamen sieben Gerichte in vier Gängen.

Unten Tatar vom Rind, Senfsaat, Gochujang, Chimichurri.
Oben (als “singnature dish” vorgestellt) Lauch im Ganzen, Kaffee Miso, Sesam.

Im Glas dazu ein Grüner Veltliner Salzl aus dem Burgenland, ungewöhnlich frisch und dennoch aromenreich.

Unten Zander mit Passionsfrucht in Beurre Blanc, darüber Rettich – das Sößchen schmeckte sensationell.
Oben Tomaten mit Miso-Dressing.

Wein dazu: Ein interessanter Weißburgunder aus der Pfalz: Aus den Lagen von Christmann.

Unten Ochsenbackerl (zum Löffeln zart) auf Selleriepüree.
Oben Spitzkohl mit Misobutter, Haselnuss, Petersilie – ein weiterer Knaller-Teller.

Dazu ein Merlot, der sich als mein bislang interessantester herausstellte: aus dem Burgenland von Michael Wenzel.

Zum Abschluss ein Tiramisu, dessen leicht säuerlicher Creme ich einen Anteil Frischkäse zur Mascarpone unterstellte (gut!), begleitet von einem Riesling mit Restsüße.

Unser Ausblick.

Schöner Spaziergang nach Hause, alle Außentische der Gastronomie besetzt, Sommerabendatmosphäre.

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Felix Schwenzel fasst seine ersten 50 Tage Abnehmen mit Semaglutid zusammen:
“se­maglut­id tag 51”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 17. September 2025 – Der Preis der Schnelligkeit

Donnerstag, 18. September 2025 um 6:31

Diesmal nach Aufwachen um vier nicht mehr richtig eingeschlafen, müde aufgestanden.

Erstes Lächeln des Tages (nach dem Anlächeln von Herrn Kaltmamsell zum Guten-Morgen-Kuss) gleich beim Verlassen des Hauses: Ein rotes, ballettös-schlankes Eichhörnchen schritt gerade über den Weg, stob dann vor einem ums Eck biegenden Handwerker auf die Brüstung zum Nachbargrundstück und diese entlang. Ich wiederhole: Sollte eine Eichhörnchen-Begegnung bei mir kein Lächeln mehr auslösen, bringen Sie mich bitte zu einer Ärztin oder einem Arzt.

Ausgesprochen frischer Weg in die Arbeit durch immer dichtere Oktoberfest-Symptome.

Dieser Teil “Tracht” hat es schon mal nicht auf die Theresienwiese geschafft, aufgegeben knapp 100 Meter vorm Ziel.

Im Büro erstmal über Nacht eingetroffene Dringlichkeiten erledigt, dann konnte ich geordnet weitermachen – und unter anderem einen Irrtum korrigieren, der mir erst in dieser Ruhephase bewusst geworden war. Es ist ja durchaus praktisch, schnell im Kopf zu sein. Doch so wie mir meine physische Schnelligkeit blaue Flecken einträgt (weil ich innerlich bereits woanders bin als mein Körper), verstolpere ich mich manchmal auch in intellektuellen Prozessen, weil
Aufgabenstellung – Geschwindigkeitsunschärfe – Ergebnis.
Und sich danach manchmal herausstellt, dass ich im Mittelteil über ein relevantes Detail hinweggeditscht war.

Der Himmel wurde wieder blau-weiß-bunt, auf dem Marsch zu meinem Mittagscappuccino im Westend bekam ich kühle, angenehme Luft zu schnaufen.

Mittagesse wurden Bananen, gelbe Kiwis, zwei Hände voll Nüsse.

Nachmittags erste Urlaubsübergabe: Ich habe ein gutes Jahr nach Umstrukturierung wieder so etwas wie eine Vertretung, dieser Urlaub ist der erste Härtetest.

Nach Feierabend ging ich in schönem, aber eher kühlem Wetter nach Hause, nur ein kurzer Abstecher in einen Obst- und Gemüseladen. An der Heimeranstraße sah ich vor mir eine Krähe laufen, deren Gang mich zum Lächeln brachte: Wie auf einem Laufsteg setzte sie die Füße voreinander, dadurch wackelte ihr Schwanz herzallerliebst.

Daheim Wäscheaufhängen, eine Runde Yoga-Gymnastik, dann begann ich für meinen Wanderurlaub zu packen: Donnerstag und Freitag habe ich nach Feierabend Pläne, und ich wollte wirklich nicht bei meiner ohnehin großen Nervosität unter Druck geraten. Ein paar Pack-Entscheidungen ließ ich aber noch offen.

Nachtmahl war bereits Herr Kaltmamsell am Kochen: Er wollte unbedingt das typisch Yorkshire Gericht tripe and onion ausprobieren, Kutteln in Sauce. Als Gemüse-Ergänzung hatte ich eine große Schüssel Blattsalat mit roter Paprika in Knoblauch-Vinaigrette angemacht.

Tripe and onion schmeckte wie erwartet nicht sehr intensiv, aber dennoch ungewöhnlich – gut! Und der Salat: Ich kann ja echt nicht viel richtig gut, genau genommen nichts – aber Salat kann ich wirklich. (Wie er mir am besten schmeckt.)

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre ein hoffentlich spannender Verschling-Roman (außerdem habe ich schon lange keine französische Belletristik gelesen sowie bislang eher negative Vorbehalte): Hervé Le Tellier, Romy und Jürgen Ritte (Übers.), Die Anomalie – ging gut los!

Erfreuliches: Ein Tröt erinnerte mich gestern an etwas.

Aber sowas von! eduroam ist ein WLAN-Netz von Bildungs- und Forschungsanstalten im weitesten Sinn in über 100 Nationen. Meinen Zugang habe ich über meinen Arbeitgeber bekommen, der ja ebenfalls mit Forschung zu tun hat. Und so bemerke ich zum Beispiel unterwegs und auf Reisen an meinem Handy, dass ich mich wahrscheinlich in der Nähe eines Uni-Gebäudes befinde, weil mein Handy über ein WLAN online geht. Diese große Verfügbarkeit von Internet-Zugang ist sehr, sehr super.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 16. September 2025 – Noch ein Arbeitstag

Mittwoch, 17. September 2025 um 6:26

Beim Aufwachen nahm ich besorgt die Schmerzen an der rechten wundgescheuerten Achillessehne wahr. Sonst lösen die seit Jahren allzeit präsenten Detailschmerzen meines Körpers ja eher Genervtheit aus (was erlaube), doch für diesen Wanderurlaub brauche ich echt alle Mann (Körperteile) funktionsfähig an Bord (FÜNFUNDREISSIG KILOMETER!).1

Der Tag begann grau und kühl, Herr Kaltmamsell verabschiedete sich zu unchristlich früher Stunde ins neue Schuljahr. Auf meinem Weg in die Arbeit musste ich um die Theresienwiese bereits Slalom um Oktoberfestmobiliar laufen.

Am Schreibtisch wieder Überfall aus dem E-Mail-Postfach.

Analysieren, Sortieren und Wirbeln, während es draußen langsam heller wurde, ich sogar blauen Himmel und Sonnenschein bekam. In dem marschierte ich zu einem Mittagscappuccino im Westend.

Später gab’s am Schreibtisch zu Mittag Feigen (nur mittelgut, weil eher trocken) sowie Quark mit Joghurt.

Anstrengender Arbeitsnachmittag, aber bei gekipptem Fenster mit wohtemperierter frischer Luft, und aus dem Augenwinkel sah ich Sonne und blauen Himmel.

Nach Feierabend marschierte ich zu weiteren Wanderurlaubs-Einkäufen in die Innenstadt: Ich besorgte eine zweite Fleece-Jacke (meine eine alte, gammlige wird für sieben Tage Wanderung nicht reichen) und dann beim Sport Schuster doch zwei Paar Wandersocken – bei sieben Tagen Wandern in Folge stoße ich mit meinem Bestand an doppelt zu tragenden alten Baumwollsocken an Grenzen.

Zu Hause begann ich mit dem Rauslegen von zu packendem für den Urlaub. Eine Runde Yoga-Gymnastik, dann servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl.

Es gab aus dem Kühlschrank-Bestand Forellen-Kaviar dazu Mini-Blini, Chicoree, Tomaten-Frischkäse, Eier etc. Gut! Dazu bekam ich Informationen zur Struktur von Herrn Kaltmamsells kommendem Arbeitsjahr.

Nachtisch Schokolade, Abendunterhaltung die Schlussfolge Mad Men der zweiten Staffel. Im Bett las ich Jens Notroff, Staub, Steine, Scherben aus, ein wirklich empfehlenswerter und gut lesbarer kurzer Einblick in Stand und Praxis der Archäologie.

§

Robert Redford ist gestorben. Der schönste Mann mit Sommersprossen, den ich je gesehen habe (der zweitschönste lebt in Kastilien und das hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte).2 Ich mochte Peter Bradshaws Blick auf seine Karriere im Guardian:
“Robert Redford: the incandescently handsome star who changed Hollywood forever”.

  1. Ich höre erst auf damit zu nerven, wenn ich sie hinter mir habe. []
  2. Und die Referenz für mein Argument gegen Verjüngungsversuche durch drastische Operationen: Will ich altern wie Costa Cordalis oder Robert Redford? []
die Kaltmamsell

Journal Montag, 15. September 2025 – Sonnentag mit viel Himmel

Dienstag, 16. September 2025 um 6:22

Eigentlich war ich recht gefasst mit Blick auf die letzten fünf Arbeitstage vor Urlaub, Unruhe sah ich eher außerhalb der Arbeitszeiten voraus. Schöner Marsch in die Arbeit in milder, Luft, es waren bis zu 23 Grad angekündigt.

Doch dann fuhr ich meinen Rechner hoch und sah ins Postfach.

Als ich nach anderthalb Stunden Wirbeln wieder zu mir kam, überlegte ich, ob es statt Wirbeln eventuell auch geordnetes Abarbeiten über den Tag getan hätte: Nein, nicht wirklich. Wenn andere zwei Tage arbeiten und sich daraus Aufträge an mich ergeben, sind sie am dritten Tag bereits dringend geworden. Außerdem geht es dabei oft um zu organisierende Besprechungstermine, deren Beteiligte sehr viele Termine haben – ich muss also so schnell wie möglich Lücken nutzen, bevor eine andere es tut.
(Doch nein: Das wird mich weiterhin nicht dazu bringen, ebenfalls am Wochenende zu arbeiten.)

So ging’s allerdings lustig weiter, es war viel Wirbelns. Mittagscappuccino nur schnell in der neuen Inhouse-Cafeteria. Das Personal dort spricht Italienisch, ich lernte gestern das italienische Wort “Buttabreze”. In der vorherigen Inkarnation der Cafeteria herrschte Kroatisch, mein einziges Wort Kroatisch: Buttabrece.

Dennoch riss ich mich los für eine Runde um den Block, das Wetter war gar zu schön – und wie sich draußen herausstellte, auch kurzärmlig mild.

Abschluss der Runde: Obsteinkäufe. Zu Mittag gab es also nach einer Scheibe Brot Kiwi und Feigen.

Es wurde nachmittags überraschend windig. Und ich nach einigen Stunde Weiterackern sehr erschöpft. Das ist wohl diese Urlaubsreife, von der man immer wieder hört? (FÜNFUNDREISSIG KILOMETER!)

Heimweg über einige Einkäufe. Es war sommerlich und überraschend warm (die Marien-Apotheke am Heimeranplatz zeigte 26 Grad im Schatten an), ich kam ins Schwitzen.

Zu Hause nahm ich mir aber die Zeit für eine sportliche Runde Yoga-Gymnastik. Und für ein Telefonat mit meiner Mutter – Sie dürfen gerne einen Daumen drücken, dass am Mittwoch im Krankenhaus alles glatt geht.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Fenchel im Ofen mit einer Bröselkruste überbacken:

Deutlich schmackhafter, als ich mir das vorgestellt hatte.

Haushaltliches statt Mad Men, im Bett mehr Spannendes zu zeitgenössischer Archäologie von Jens Notroff.

Gestern erreichte mich die Einladung des Münchner Wahlamts zur Wahlhilfe bei der Kommunalwahl 2026. Da ich die zweitägige Anstrengung des Wahlhelfens 2020 noch sehr lebhaft in Erinnerung habe (damals im März erschwert am Wahltag in den Anfängen der Corona-Pandemie durch zahlreiche Abmeldungen unter Wahlhelfenden), zögere ich mit meiner Anmeldung.

§

Apropos Kommunalwahl: Haltern am See hat leider doch künftig keine Bürgermeisterin, die aus dem Blog kam, Vanessa Giese. Auch wenn über 30 Prozent der Stimmen “aus dem Stand für eine ‘zugezogene’, fraktionslose(!) Frau(!!) in so einem Ort ein phantastisches Ergebnis” ist.

Vanessa berichtete gestern in ihrem Blog:
“Der Tag nach der Wahl”.

§

Die Entstehung dieses Texts durfte ich mitverfolgen:
“Ich bin ein Teilchen: Zu einer Theorie der Quantendidaktik”.

Eine zeitgemäße Didaktik kann sich nicht den Erkenntnissen der Quantenwissenschaft verschließen. Sie öffnet uns vor allem bei zwei Dingen die Augen, bei der Quantenverschränkung und der Quantenunbestimmtheit.

Meine Anregung, den Grundgedanken zum Sachbuch-Bestseller 2026 auszuarbeiten, lief ins Leere.

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Als Fangirl bin ich total voreingenommen, empfehle dennoch dieses Interview mit Dunja Hayali:
“Dunja Hayali über Gesprächskultur
‘Sie können gerne eine andere Meinung haben'”.

(OBWOHL SIE GEGEN EIN TEMPOLIMIT IST!)

Was sie antreibt:

Verstehen wollen, ohne Verständnis zu haben.

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Heute als Abschluss nichts Launiges, sondern eine Faust in den Bauch.

Maximilian Buddenbohm macht sich die Mühe festzuhalten, welch elende Anblicke ihn als Bewohner der Hamburger Bahnhofsnähe treffen. Es ist ein Hinsehen in Wörtern, das Gegenteil von gleichgültigem Wegsehen, und meiner Überzeugung nach im Gegensatz zu einem Foto ohne entwürdigenden Voyeurismus. Ich bin ihm dankbar, denn selbst schrecke ich immer wieder vor solchem Hinsehen in Wörtern zurück, will lieber, dass ich das gar nicht gesehen habe – und es dadurch aus der Wirklichkeit entferne. (Selbst wenn ich deutlich weniger Schlimmes um meine Wohnung im südlichen Münchner Bahnhofsviertel sehe. Doch Spritzensetzen gibt es inzwischen immer offener und an unerwarteten Orten.)
“Noch drei unliebsame Bilder”.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 14. September 2025 – Letzter Regenlauf vor Urlaub

Montag, 15. September 2025 um 6:24

Nach guter Nacht vom 7-Uhr-Läuten des Kirchturms St. Matthäus aufgewacht, seine Glockentöne begleitet von Regenrauschen.

Nach einer Weile hörte der Regen auf.

Nach dem Bloggen bat ich Herrn Kaltmamsell um Unterstützung bei einer weiteren Vorbereitung meiner South-Downs-Wanderung: Karten-App der Wander-Agentur auf dem Handy installieren (erst jetzt, weil zeitlich begrenzte kostenlose Test-Anwendung), inklusive Back-up mit einem weiteren GPS-Track. Die Agentur hatte in den Unterlagen eine Anleitung zur Karten-App geschickt, doch es würde wie immer Komplikationen geben – und ich erhoffte mir von Herrn Kaltmamsell nicht nur fachlichen Beistand, sondern auch die Sicherheit, dass nicht einfach ich mich blöd anstellte.

So war es dann auch: Das Anlegen eines Kontos und der Download der Wanderroute erforderten einiges unangekündigtes Rumgeklicke und boten Anwender-feindliche Überraschungen. Aber zu zweit schaffte ich es, bekam auch in meiner gewohnten Karten-App das Doppel der Route.

Wie schon vor einem Jahr bei der Mallorca-Reise gestaltet sich die Reisevorbereitung so aufregend, dass ich die eigentliche Wanderung als Erleichterung und Entspannung vor Augen habe (wobei: FÜNFUNDDREISSIG KILOMETER!).

Letzter Isarlauf vor Urlaub: Ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen.

Genug Zeit für ein U-Bahn-Spiegelselfie.

Die um den Bauch gewickelte leichte Regenjacke brauchte ich bald: Als trockener Abschnitt wurden mir lediglich die ersten 25 Minuten geschenkt; dann setzte Regen ein und blieb in unterschiedlichen Stärken bis zum Ende meiner Runde. Ein weiterer Eintrag in der langen Liste meiner Regenläufe 2025. Weil es nicht kalt war, litt ich nicht darunter – na gut, gegen Ende war mir schon sehr bewusst, wie viel mehr Spaß das Laufen (Körper gestern 1A, praktisch keine Beschwerden) (Kreuz ist halt immer) ohne Regen und nasse Kleidung bereiten würde.

Zwischen Waldwirtschaft und Pullach (im Bild) pritschelte es ganz schön, und das auch noch in der unangenehmsten Form: inlusive Windböen.

Nasse Heimkehr, die eingeweichte Haut der Füße nutzte ich gleich mal für Fußpflege: Nägel und Hornhaut wurden wanderfreundlich gekürzt, geschliffen, gefeilt. Den restlichen Körper wärmte ich in einem Vollbad und säuberte ihn darin. (Meine aufgescheuerten Achillessehnen werden doch bis in einer Woche, also bis Wanderstart heilen? Oder? ODER?)

Frühstück um zwei: Eine dicke Scheibe Brot mit Butter und Zuckerrübensirup, außerdem Mango mit Joghurt.

Ausführliches Telefonat mit meinem Bruder: Ich lernte unter anderem übers Kajakfahren (wie niedlich eingetuppert in ihre Kajaks die Leute auf den Fotos vom Kurs aussehen, die er mir gleich danach schickte!), über Berlin, über Basketball.

Sonntagstüchtigkeit: Bügeln, die Sommerkleidung ist jetzt bereit für ihren Einsatz 2026 (schnüff).

Kurzer Sonnengenuss auf dem Balkon.

Yoga-Gymnastik gestern zackig, und dann auch noch mit Balance – es war viel Wackelns.

Zum Nachtmahl zauberte Herr Kaltmamsell aus den kleinen Ernteanteil-Zucchini ein köstliches Pasta-Gericht (geraspelt mit viel Butter und Spaghetti, der Ernteanteil-Oregano passte gut). Nachtisch viel Schokolade. Abendunterhaltung Mad Men.

An diesem Wochenende habe ich alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte – ein ordentliches Gefühl. Auch mal festhalten!

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Berit Glanz ordnet in einem Essay den Aktivismus des ermordeten Rechtsextremen Charlie Kirk in größeren Online-Zusammenhang ein und beschreibt eine unheilvolle Parallel-Welt.

Diese Internet- und Memekultur mit ihren vielen Symbolen um und nach der Tat müssen die Ermittlungen (und die Berichterstattung) dekodieren und auf dem Schirm behalten:
“Brainrot Morde oder wie man einen Abgrund überwindet”.

die Kaltmamsell