Isarjogger

Sonntag, 30. Oktober 2005 um 12:09

Wunderschön bunt sind die vielen Laubbäume der Isarauen in München. Morgens um halb neun legt saftiger Nebel Weichzeichner darüber.

Um jede Biegung ein neues, kitschiges Panorama.

Die Haubentaucher schaukeln noch schlafend in ruhiger Strömung, die Stockenten sind bereits hörbar wach.

Viele Isarjogger unterwegs, in sehr unterschiedlichem Tempo. Manche davon mit ausgesprochen inspirierendem Laufstil:
– Dem seine Gelenke müssen ja wohl mit Gummibändern ausgestattet sein, sonst könnten seine Beine nicht so schlenkern.
– Dieser Gugelhupf kennt sonst sicher nur Gewichteheben: Heftig schnaufend mit schweren Bewegungen wirkt er wie eine Dampfmaschine.
– Oh je, so wie die aussieht, fühle ich mich: Jeder ihrer langsamen Schritte löst ein kleines Beben am Boden aus, alles an ihr wabbelt und wackelt im Rhythmus ihres Stampfens.
– Hoppla, der singt ja gar nicht den Refrain seiner Walkman-Musik mit, sondern ruft seinen großen weißen Hund.

Ein Angler in voller Montur aus grünem Gummi überholt mich auf dem Fahrrad, seine Angelausstattung auf Fahrradkorb und Tragetaschen verteilt.

Beobachtung: Wenn der Isarjogger als Pärchen auftritt, trägt das Männchen immer lange Leggins, die engen Hosen des Weibchens reichen allerdings oft nur übers Knie.

Eines der Pärchen ist ein sehr hochgewachsener Er und eine deutlich niedrigere Sie, die einige Meter hinter ihm in eleganten Trippelschritten läuft. Er wendet sich immer wieder nach ihr um, sie fordert ihn zweimal auf: „Lauf doch einfach weiter.“ Er grummelt jeweils Unverständliches, bis sie wütend ausbricht: „Weil ich nicht schneller KANN, verdammt noch mal. Lauf einfach so schnell wie DU kannst und lass mich.“ Ah, schlagartig fällt mir ein, warum ich am liebsten allein laufe, Ski fahre, Schlittschuh laufe, radle.

Möglicherweise habe ich endlich einen Sport-BH gefunden, der die mehreren Pfund Bindgewebe halbwegs zufriedenstellend an meinen Rippen fixiert, ohne dass seine Träger mir blutige Striemen in den Trapezmuskel schneiden.

Mittlerweile habe ich meinen Bergwander-Grüßreflex unter Kontrolle: Isarjogger sind einsame Wölfe, sehen betont beiläufig aneinander vorbei; Grüßen ist komplett indiskutabel.
Als Alternative grüße ich Hundegassiführerinnen: Das geht.
Versuche mich am gezielten Anlächeln hübscher Joggerinnen. Heute zweimal mit Zurücklächeln belohnt worden.

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Isarjogger“

  1. Lyssa meint:

    Hundgassiführerinnen freuen sich sogar sehr darüber. Sonst werden sie ja nur mit kritischen bis verächtlichen Blicken bedacht.

  2. albertsen meint:

    Haha, Bergwanderergrüßreflex ist gut. Ich grüß jetzt nur noch, wenn ich mich auf Bergpfaden bewege, auf denen ich weniger oft als alle fünf Minuten jemanden treffe (also überall, wo es keine Seilbahn gibt, und/oder abseits vom Tegernsee).

  3. RB meint:

    Kann man erfahren, um welchen Sport-BH es sich handelt?

    RB :-)

  4. die Kaltmamsell meint:

    Der Brustpanzer ist ein „Shockabsorber“, Level 4, von Berlei.

  5. Lila meint:

    Danke! Ich wollte das naemlich auch gerade fragen ;-)))

  6. Isabo meint:

    Und ich wollte gerade den „Shock Absorber“ empfehlen. Der ist nämlich super.

  7. RB meint:

    Danke. Hoert sich ja vielversprechend an :-).


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