Archiv für Oktober 2005

You know you’re a bookish, geekish sort when…

Sonntag, 23. Oktober 2005

Anke Gröner weist auf einen schönen Thread bei Salon hin.

You know you’re a bookish, geekish sort when…

…your first thought, upon walking out of a building into an unexpected rain storm, is NOT „How can I protect my hair/clothes/shoes,“ but is in fact, „How can I protect my book??“
(Selbstverständlich, JEDER würde das tun.)

…the first thing you do when you visit anyone’s place is walk over to the nearest bookcases to have a look at their books.
(Habe ich mir abzugewöhnen versucht, vor allem bei Leuten, die mein Verhältnis zu Büchern und Lesen kennen – die fühlen sich dann immer gleich auf dem Prüfstand, auch wenn mich ganz echt ehrlich in erster Linie die Neugier treibt.)

…when you must re-read the same book roughly once a year.
(Kann es sein, dass ich Friedrich Torbergs Tante Jolesch hier schon seit Monaten nicht erwähnt habe? Schande über mich.)

… you don’t run to make it into the subway car or bus (when you really might have made it) because you think, „More reading time while I wait for the next one.“
(Und wenn du nach dem Aussteigen nicht gleich heim gehst, sondern dich erst noch mal ins Wartehäuschen setzt, weil du die letzte drei Seiten bis zum Ende des Buches erst fertiglesen musst.)

… you boggle at people who say, „Yeah, I used to read a lot, but don’t have time anymore,“ but they still have time to eat and sleep.
(Ewiger Diskussionspunkt mit meiner Mutter, die genau das immer behauptet hat. Aber in einer blitzblank aufgeräumten Wohnung lebt. Falsche Prioritäten, eindeutig.)

…asked about what you’re most looking forward to upon your impending graduation, you reply, „I’ll get to read books of my own choice again!“
(Ha! Was musste ich entgeisterte Blicke ertragen, wenn ich das nach meiner Magisterprüfung in Englischer Literatur sagte! Ich bin sofort im Anschluss an die letzte mündliche Prüfung mit einer Freundin zwei Wochen aufs winterliche Malta geflogen, einen Stapel Bücher im Gepäck, der all die Lernwochen durch als Verheißung auf meinem Schreibtisch gestanden hatte. Glücklicherweise war dann auch noch das Wetter schlecht!)

…you bring 5 books on your honeymoon–and read them all!
(Ich bin mit einem waschechten Geek und Bücherwurm verheiratet. Wir hatten zwar nie Flitterwochen, doch vor jedem gemeinsamen Urlaub steht die Debatte, wer welche Bücher mitnimmt. Gemeinsamer Urlaub heißt: Viel Zeit zu lesen und einander zu erzählen, was man gerade gelesen hat.)

…you’re genuinely shocked to hear a stranger on a train tell you he hasn’t read a book of any sort in 5 years.
(Ich hatte mal einen 18-jährigen und gar nicht dummen Lehrling, der mir treuherzig erzählte, dass er in seinem Leben erst ein Buch gelesen hat. Als ich mich wieder gefangen hatte, empfahl ich ihm Harry Potter.)

…when you own more dictionaries than shoes.
(Unfair! Ich nutze auch die Lexika / Wörterbücher des Mitbewohners, die ich mir sonst selbst kaufen würde. Aber es sind halt nicht meine. Deshalb liegen Schuhpaare – inklusive Schlappen – und Lexika – vielbändige nur einmal gezählt – ungefähr gleichauf bei 25.)

…you define the time when you knew you were really, truly married as the time when you finally merged your book collections.
(Exakt. Und wie wunderbar harmonisch und konstruktiv die Erarbeitung eines gemeinsamen Ordnungssystems war! An diesem Punkt begann mein Verdacht, wir könnten füreinander geschaffen sein.)

…you then judge the compatibility of yourself and your spouse by the number of boxes of doubles you had to put away when that happened.
(Put away? PUT AWAY? Nix, die Doppel stehen nebeneinander im Regal.)

You know you’re in it for real when you get rid of all the doubles.
(Klar, und als nächstes nehme ich seinen Namen an. Entschuldigung?! Tut mir leid, Selbstauslöschung habe ich nicht im Programm.)

…you buy books you doubt you’ll ever get the chance to read because you may not be able to find them again ever if you do get the time.
(Ständig. Wie kaufen andere Leute Bücher?)

…you have at least two sets of your favorite book series: one with the great, pristine covers that you keep so that they will look beautiful on the shelf, and another set with the ratty covers, which are your actual reading copies.
(Hey, ich habe als Literaturwissenschaftlerin gearbeitet. Also besitze ich einige John Irvings in zwei Ausgaben: Eine mit meinen vielen Bleistiftnotizen, eine schöne zum – zum – zum eine schöne haben.)

…you stall leaving work so you don’t have to ride the train home with a coworker and lose valuable reading time.
(Hahaha, ertappt! Aber sagen Sie’s nicht weiter.)

…your significant other mutters about life in prison not being much of a deterrent to you since you’d be quite content sitting in your cell reading all day.
(Hat zwar noch niemand zu mir gesagt, selbst hatte ich diesen Gedanken aber bereits. Sofort ein schlechtes Gewissen gehabt, auf mehreren Ebenen.)

…you think books are romantic gifts!
(Ähm, sind sie nicht?)

Menschen gibt’s

Sonntag, 23. Oktober 2005

Jemand, der sich für einen Waldspaziergang mit einem Seil ausrüstet – kundig zur Acht geknotet und mit einem Karabiner an der Hose befestigt -, ist schon mal ziemlich beeindruckend.
Wenn dieser jemand 12 Jahre alt ist, kommt das doppelt so cool.
Handelt es sich noch dazu um ein 12-jähriges Mädchen, spillerig, mit langem honigblonden Zopf und großem Pippi-Langstrumpf-Mund, ist die Lässigkeit nicht mehr zu toppen.

Ich durfte mit ihr experimentieren, wie sich das Schwimmverhalten von Sachen auf einem Bach mit Wasserfall je nach Form und Beschaffenheit verändert (festgestellt, dass alle losen Gegenstände eine starke Tendenz haben, sich bei der nächstbesten Gelegenheit am Rand anzulagern).
Sie hat mir vorgeführt, wie verschieden es klingt, wenn unterschiedlich große Steine in einen See plumpsen.
Das mitgeführte Seil, so lernte ich, kann man an Bäumen und Gerüsten befestigen und damit viel leichter raufklettern.

Doch flache Steine übers Wasser hüpfen zu lassen, hat auch sie nicht geschafft mir beizubringen. Es tat mir leid, sie zu enttäuschen, ich durfte mich aber dazusetzen und einfach genießen, ihren Schleuderkünsten zuzusehen.

Kleiner Pflegehinweis

Freitag, 21. Oktober 2005

Meine Damen: Wenn jemand aus einer Entfernung von eineinhalb Metern einen Tipp abgibt, welches Parfum Sie benutzen, ist es Zeit, die täglich applizierte Menge zu halbieren. Und dann nochmal zu halbieren. Und von dieser Menge bloß die Hälfte. Oder besser erst Mal ein paar Wochen gar kein Parfum zu verwenden, um den eigenen Geruchssinn neu zu kalibrieren.

(Ich schwöre, auch eine ganze Stunde nach dem Termin hängt der Parfumdunst der konkreten Dame noch in meinen Kleidern, unglaublich.)

Das Leben fremder Leute

Freitag, 21. Oktober 2005

Bloglesen bedeutet auch: Um 9.58 Uhr im Büro spontan begeistert die Fäuste zu ballen und ganz allein „You did it!“ zu flüstern, weil eine Frau auf der anderen Seite des Atlantik, die man noch nie gesehen hat und mit der man noch nicht mal je ein persönliches Wort gewechselt hat, ihr tagelang zerschossenes Blog wieder in Ordnung gekriegt hat.
Schon a bissl seltsam.

Die Medusen

Donnerstag, 20. Oktober 2005

Daphne Merkin lässt sich in der New York Times darüber aus, warum Amerikaner vermutlich nie etwas mit der Schönheit hässlicher Frauen werden anfangen können:
The Unfairest of Them All

Und jetzt fügen Sie hier bitte selbsttätig eine kluge Abhandlung darüber ein, wie schade es ist, dass die zeitgenössische Halbbildung von mens sana in corpore sano gehört hat (und Fitnessstudios damit Höchstgewinne beschert), aber nichts von Kalokagathia.

Boy, boy, crazy boy…

Mittwoch, 19. Oktober 2005

Das habe ich nun davon, dass ich Samstagnacht auf Arte in die Dokumentation stolperte, wie Leonard Bernstein seine West Side Story einspielte: Ich hab sie seither als Musik im Kopf. Zum Beispiel „I feel pretty“ in genau dem langsamen Schunkeltempo, das Bernstein betonte (damit beginnt der zweite Akt, und die Regisseure, so erklärte er, hätten immer Angst, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu verlieren, wenn sie es nicht superschmissig und viel zu schnell angingen).

Die Aufnahme ist von 1984, oh mein Gott bin ich alt. Das war doch erst eben, dass ich mir mit Freundinnen das Maul darüber verriss, wie man nur die West Side Story mit Opernsängern aufnehmen kann. Wir waren natürlich alle vom Film-Soundtrack geprägt. Den hatten meine Eltern in ihrem schmalen Plattenschrank, und ich liebte die Musik.
Ich weiß noch, dass meine Mutter mir die Handlung der West Side Story erzählte. Damals gab’s ja noch keine Möglichkeit, Fernsehen aufzuzeichnen, und so hat sie mir so manchen berühmten Film selbst erzählt, manchmal auch das Fernsehprogramm des vorhergehenden Spätabends (ich musste um acht ins Bett). Versteckte Kamera (zunächst aus Amerika importiert) oder Klimbim hatte ich nie selbst gesehen, kannte aber den Inhalt.

„I want to be in America“ – oh doch, der Dokumentation sind die 80er sehr anzusehen: Die Schulterpolster, in Stiefel gesteckte Overallbeine, die Frisuren! Sehr schön, wie Kiri Te Kanawa sich einfach nicht einkriegt, dass sie echt ehrlich mit Bernstein höchstpersönlich die West Side Story aufnimmt. Die völlig wahnwitzigen Rhythmen („Cool“), gegenläufige Instrumentallinien („A Boy like that“) – beim Zusehen bekam ich richtig Lust, mal die Partitur mitzulesen.

„Something’s coming“ – Josef Caracas* macht eine sehr schlechte Figur. Alle anderen Musiker sprechen begeistern über die Feinheiten der Musik und welche persönliche Verbindung sie dazu haben. Carreras jammert nur über die Schwierigkeiten und seine Angst, die Aufnahme zu versauen. Wie ein Chorbub muss er sich von Bernstein anpflaumen lassen, bitteschön nicht ständig in die Noten sondern zu ihm vor zu schauen.

„A Boy Like That“ – Tatiana Troyanos’ Stimme und Singweise hätte auch in eine Bühnenproduktion gepasst, handfest und erdig.

Ich lass mir die Musik noch in paar Tage durchs Hirn spuken. Mal sehen, ob dann der Soundtrack immer noch die einzige Version ist, die sich für mich richtig anhört.

*Eine Freundin von mir arbeitete einige Jahre als Musikalienhändlerin und hatte regelmäßig von wundersamen Namens- und Titelverdrehungen zu berichten („Ich suche Mozarts ‚Atatürk’.“) Gegenstück: Placebo Domingo.

Das habe ich jetzt grade nicht im Ernst gedacht, oder?

Mittwoch, 19. Oktober 2005

Jahrelang war ich Patientin beim Orthopäden P., der eine vorbildlich organisierte Praxis und damit kurze Wartezeiten hat, von dem ich mich sehr gut behandelt fühlte und dessen Praxis praktischerweise (daher der Name, sonst wär’s ja eine Unpraxis) nur fünf Gehminuten von meiner Wohnung entfernt liegt.

Da ich seit einigen Jahren in einer anderen Stadt arbeite, hatte ich mir einen Orthopäden in der Arbeitsstadt gesucht, doch der kann mir jetzt frühestens in vier Wochen einen Termin geben.
Und eben wurde mir klar, dass ich mich seit einigen schmerzhaften Tagen davor drücke, einen Termin bei Dr. P. zu holen, weil ich, seit er mich das letzte Mal gesehen hat, vier Kleidergrößen zugenommen habe und mich vor ihm in Grund und Boden schäme. Schnell über mich den Kopf geschüttelt (autsch!) und angerufen, einen arbeitskompatiblen Termin am Montag vereinbart.

(Vielleicht erinnert er sich ja nicht mehr an mich. Hoffentlich.)


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