Archiv für April 2007

Die Strafe für Spätlaufen

Montag, 23. April 2007

Dieses Wochenende aus Gründen erst sonntags und erst um die Mittagszeit die Isar hinauf und dann hinab gejoggt. Festgestellt, dass ich mich dadurch in einer völlig anderen Welt bewegte. Zu Beginn meiner Strecke überholte mich eine joggende Blondine mittleren Alters, einen mittelgroßen Hund an der Leine, die sich und den Wauzi anfeuerte, in dem sie militärisch rhythmisch „Ja! Ja! Gassi gehen! Gassi gehen! Ja! Ja! Gassi gehen! Gassi gehen!“ vor sich hin keuchte. Glücklicherweise wollte Wauzi dringend einen Baum beschnuppern, so dass ich sie hinter mir ließ.

Wege, Stege und Steigen waren bei diesem Sommerwetter natürlich dicht bevölkert, vor allem Radlanfänger im Kindergartenalter sowie vielköpfige Cliquen mit Grillausrüstung bepackt formten meine Route zu Mäandern. Zwischen Tierpark und Großhesseloher Brücke dominierten Geschwader von Bergradlern, die mich mehrfach zum Ausweichen ins Gebüsch zwangen. Aber, wie erwähnt, an einem Sonntag bei diesem Wetter und um diese Uhrzeit musste ich damit rechnen.

Wirklich irritiert war ich durch die Störung meiner sonst genüsslich weit schweifenden Blicke über die Isarauen und die Kiesbänke: Vor allem letztere waren nahezu gänzlich bedeckt von Sonnenbadern – und zwar nackten Sonnenbadern aller Formate, aller, aller Formate. Theoretisch wusste ich, dass die Isar in München sogar berüchtigt ist als Habitat für diese Population, praktisch nahm mir der Anblick einigen Spaß. Ich beschränkte mich beim Gucken also auf die Blümchen, Vogerl und Mäuslein am Wegesrand.

Eheleben – ein Schlaglicht

Sonntag, 22. April 2007

Hier läuft im Moment ein Mann in edlem bordeauxfarbenen Morgenmantel durch die Zimmer, an den Füßen weiße Birkenstockschlappen, dazu farblich passend Ipod-Ohrstöpsel eingehängt, aus denen ein altes amerikanisches Hörspiel dringt, und gießt die Zimmer- sowie Balkonpflanzen.

Theresienwiesen-Flohmarkt 2007

Samstag, 21. April 2007

Dieses Jahr leider weder Bild noch Bericht (außer dass ich festhalten kann, dass das Wetter schon wieder strahlend war): Eine Migräne-Attacke hat meine Teilnahme verhindert, habe es eben erst nach 16 Stunden Schlaf aus dem Bett geschafft. Mist.

Fragebogen Filme

Freitag, 20. April 2007

1. Name a movie you have seen more than 10 times
Vermutlich die Sissi-Trilogie, möglicherweise aber keinen einzigen; an Lieblingsfilme denke ich zwar sehr oft, muss ich aber nicht immer wieder ansehen.

2. Name a movie you’ve seen multiple times in the theater
Henry V.

3. Name an actor who would make you more inclined to see a movie
Alan Rickman, Jodie Foster, George Clooney, Martina Gedeck.

4. Name an actor who would make you less likely to see a movie
Mel Gibson, Steven Segal, Hannelore Elsner (wegen ihr wäre ich fast nicht in Alles auf Zucker gegangen).

5. Name a movie you can and do quote from.
Sehr viele. Sogar aus Filmen, die ich gar nicht gesehen habe, weil ich von Menschen umgeben bin, die daraus zitieren. Ich fürchte, es gehört sogar zu meinen Exzentrismen, dass ich kontinuierlich Filmzitate einflechte, markiert oder unmarkiert. Muss man mögen.
Wo anfangen? Nehme ich was Ausgefallenes: Die oberen Zehntausend.

6. Name a movie musical in which you know all of the lyrics to all of the songs
The Sound of music (mit ein bissl Lalala-Überbrückung)

7. Name a movie you have been known to sing along with
Gilt Dances with Wolves, in dem ich beim zweiten Mal allein im Kino saß und den Soundtrack lauthals mitsang?

8. Name a movie you would recommend everyone see
Lady Eve. Erst kürzlich entdeckt, ein Drehbuchjuwel.

9. Name a movie you own
Im Sinne von „alle Rechte daran haben“? Keinen. Auf Video, DVD? Viele, zum Beispiel Funny Bones.

10. Name an actor who launched his/her entertainment career in another medium but who has surprised you with his/her acting chops
Uma Thurman

11. Have you ever seen a movie in a drive-in?
Nein. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das bedaure.

12. Ever made out in a movie?
Es gibt wohl wenig, was ein Date schneller aus dem Rennen schießen würde, als zu versuchen, mich vom Film da vorne auf der Leinwand abzulenken. (Will heißen: Nein.)

13. Name a movie you keep meaning to see but you just haven’t gotten around to yet
Unzählige. Othello, der von Orson Wells

14. Ever walked out of a movie?
Ja, irgendeiner der Dirty Dancing-Nachfolger.

15. Name a movie that made you cry in the theater
Ich hole mir aus fast jedem Film eine Szene, in der ich ordentlich heulen kann.

16. Popcorn?
Ich habe das sogar mal ausprobiert, nach einem langen Arbeitstag mit mords Hunger, als ich die Umsitzenden nicht mit den üblen Gerüchen von Tacos belästigen wollte. Nee, brauchts nicht. Und Popcorn-Krachmachern sollte man ohnehin in die oberste Schicht Valium mischen, damit sie noch während der Werbung wegschlafen und mit Krachmachen aufhören.

17. How often do you go to the movies
Etwa 20 Mal im Jahr.

18. What’s the last movie you saw in the theater?
Prairie Home Companion. Keine Ahnung, was das sollte (und ich gehöre zu den wenigen hierzulande, die die Radioshow sogar kennen).

19. What’s your favorite/preferred genre of movie?
Drama, Tanzfilme, Special-Effects-Filme. Dazwischen gerne auch mal usbekische Autorenfilme mit Untertiteln.

20. What’s the first movie you remember seeing in the theater?
Disneys Schneewittchen, aber meine Eltern bestreiten, den mit mir im Kino gesehen zu haben.

21. What movie do you wish you had never seen?
Kenneth Branaghs Frankenstein. Da wünsche ich mir aber eher, er hätte ihn nie gemacht.

22. What is the weirdest movie you enjoyed?
Dead Again. Nicht eigentlich „weird“, aber sicher kein Glanzlicht der Filmgeschichte. Ich liebe ihn trotzdem.

23. What is the scariest movie you’ve seen?
Ich bin sehr sehr leicht durch Filme zu erschrecken, habe diese Sorte deshalb aufgegeben. Der letzte war, glaube ich, Silence of the Lambs, weil ich den un-be-dingt sehen wollte. Ich habe mir aber jemanden mitgenommen, der den Film bereits einige Male gesehen hatte und mir immer Bescheid gab, wenn ich besser wieder die Augen zumachen sollte.
Pulp Fiction stellte sich ja dann doch nicht als grusliger Film heraus, für mich allerdings erst nach einem Drittel.

24. What is the funniest film you have ever seen?
Zu sehr abhängig von Tagesform. Ich tausche die Frage gegen eine nach dem liebsten Komödienregisseur: Billy Wilder und Blake Edwards.

via glam

Unkraut im Wörtergarten

Donnerstag, 19. April 2007

Wenn es um politische Aussagen geht, muss die herkömmliche Sprachliebhaberin ohnehin einige Wahrnehmungsfilter einbauen: Da wird geschwurbelt und gebläht, als gäbe es Zeilengeld. Die Ursache ist einfach gefunden: Die meisten Politiker mischen Bürokratendeutsch („bei der Ermittlung des Handlungsbedarfs zur Durchführung der baulichen Maßnahmen an der Umgehungsstraße besteht noch Klärungsbedarf“ – Bauausschüsse züchten ganze Ranken von Sprachblüten) mit PR-Absichten. Eigentlich hielt ich mich für abgestumpft.

Doch beim morgendlichen Radiohören durchlöcherte ein Interview meine Filter: „Dann muss man in einen neue Standortsuche hineingehen.“ Mein Gott, warum nicht einfach „dann muss man einen neuen Standort suchen“!?

Und jetzt habe ich da eine Idee:
Warum steckt Herr Schäuble seine irrationalen Mutterinstinkte zum Staatsschutz nicht in dieses Feld? Wir setzen die Unschuldsvermutung außer Kraft, dass jeder Deutschsprecher sich an die Regeln hält und dass der Staat ihm das Gegenteil erst mal beweisen muss. Statt dessen sehen wir jeden Sprachnutzer als potenziellen Regelverletzer, wenn nicht sogar Regelzerstörer an, scannen (aus Kapazitätsgründen natürlich nur stichpunktartig) seinen Sprachausstoß auf verdächtige Muster, nehmen ihn bei einer Verdichtung von Verdachtsmomenten fest und lassen ihn dann anhand von schriftlichen Aufsätzen (Erlebnisaufsatz / Bericht / Sachbeschreibung) sowie mündlichen Vorträgen seine Regeltreue beweisen. Der bereits eingerichtete Lauschangriff hätte endlich nachvollziehbaren Nutzen, und ich bin sicher, dass die Erfolgsquote erheblich höher wäre als beim bisherigen Einsatz.

(Nein, wir Sprachfiesler sind wirklich keine sympathischen Menschen.)

Sportliche Globalisierung

Mittwoch, 18. April 2007

Da rege ich mich regelmäßig über das bayrische Marketing-Denglisch in München auf (siehe Kihwischl), und dann gerate ich in eine Aerobicstunde, in der der Vorturner auf Spanisch „vamonos“ und „otra vez“ ruft, eine neue Schrittfolge mit italienischem „attenzione!“ ankündigt und mit „uno, due, tre“ einzählt, an entsprechender Stelle englisch „from the top!“ anweist sowie „one more time!“, dazwischen deutsch „marschieren Marsch!“ kommandiert. Der aber insgesamt und eigentlich einen Akzent hat, bei dem ich nach jedem Satz ein „voll krass ey!” erwarten würde.

Nächtlicher Wildwechsel

Montag, 16. April 2007

Samstagnacht nach einem ausgiebigen und entspannten Mahl mit Blick auf eine barocke Klosterfassade und sternenfunkelnden Himmel zur Wohnung kommen, immer wieder beide Lungenflügel voll laue Luft atmen.

Vor dem Haus wackelt hastig ein quecksilberglänzender Klumpen aus der Parkanlage über die Straße: Wenn er seine Stacheln komplett eingefahren hat, ist ein Igel schier nicht zu erkennen. Ich gehe ihm auf die Wiese vor dem Haus hinterher, bis er mich bemerkt, die Stacheln aufstellt und mich anfunkelt. Ich versuche ihn mit angetrunkenen Gurrlauten (lecker „Alte Reben“) zu besänftigen, aber ein Münchner Stadtigel lässt sich nicht so leicht einlullen.
Als ich daheim gleich vom Balkon aus nach ihm schaue, ist er bereits über alle Berge. Beete.


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