Nähkästchen, innen

Donnerstag, 12. Juni 2008 um 10:47

Ein bisschen habe ich während meines Zeitungsvolontariats Korrekturzeichen gelernt, aber weder systematisch noch umfassend. Das nutzt mir heute durchaus, zum Beispiel gerade heute, da ich die (Papier-)Fahnen eines Buches mit Schlusskorrekturen bekommen habe und solche Zeichen deuten muss. Eigene Korrekturen gebe ich mittlerweile allerdings ausschließlich digital weiter, also in den Word-Dateien oder PDFs (auch wenn ich zum Korrekturelesen und Redigieren meist Ausdrucke verwende). In Dateien braucht es keine Korrekturzeichen, man streicht und ersetzt sichtbar, verschiebt, formatiert um.

Ein Detail, das ich mir in der Zeitungszeit angeeigent habe, setze ich allerdings auch digital ein: Ein ehrwürdiger Kollege aus dem Korrektorat (Oma Krawuttke erzählt von Kriech: Jaaa, lieber Kinderlein, da hatte jeeeede Zeitung noch ein eigenes Korrektorat. MIT Menschen drin!) schrieb eigene Bemerkungen, die nicht einzuarbeitender Text waren, immer in doppelte Klammern an den Rand. Das mache ich heute in digitalen Notizen auch. Beispiel:

Trauern Grafiker eigentlich den Zeiten der Korrekturzeichen auf Papier nach? Oder bedeuten Textänderungen im PDF für sie eine Arbeitserleichterung?

Dieser Eintrag ist Teil der Kampagne „Rettet die Irrelevanz“.

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Nähkästchen, innen“

  1. mariong meint:

    ich finde es immer hilfreich, wenn man grundlegende Techniken in der vordigitalen Welt gelernt hat, z.B. kopfrechnen, steno (ja sogar steno) zum Beispiel.
    Korrekturzeichen kenne ich gar nicht, klingt aber gut.
    Als Zeitungsleserin wünsche ich mir manchmal 1 menschlichen Korrekturleser zurück, es geht auf keine Kuhhaut, welche Fehler man da täglich findet, besonders auch inhaltliche oder stilistische Art. Aber kein Wunder, sollen doch die Journalisten alles sein: Hort der öffentlichen Meinung und Bildung, Rebellen und Aufklärer, Marketingspezialisten und Diplomaten und nebenbei Fotografen, Setzer, Drucker und Lektoren in 1 Person; bei den Regionalblättern vermutlich noch ehren-/nebenamtlich für 1 Euro die Seite.

  2. cdv! meint:

    Da ich in meinem Zeitungsvolontariat zunächst noch an der Schreibmaschine (!) klappern mußte, kenne ich die Korrekturzeichen auch noch, verwende sie aber schon lange nicht mehr. Ohnehin macht es immer nur dann Sinn, wenn alle anderen Mitarbeiter sie auch kennen. Und da wird es dann schon eng. Nützlich seither immer noch: Schreibmaschinenkurs (10-Finger-System), schon mit 15 Jahren absolviert.

  3. Barbara meint:

    Ich korrigiere und redigiere berufshalber ziemlich häufig und tue das nach wie vor am liebsten auf Papier mit all den guten alten Korrekturzeichen, die ich zu Oma Krawuttkes Zeiten gelernt habe. Versuche, auf elektronischem Weg zu korrigieren, führen zu heftigem Unwohlsein – interessanterweise nicht nur bei mir, sondern auch bei den jungen, korrekturzeichenfrei aufgewachsenen Kollegen. Die Kommentar- und Korrekturfunktionen der üblichen Software werden als sehr viel unübersichtlicher empfunden als die Randnotizen auf Papier. Der entscheidende Vorteil der Korrekturzeichen ist aber, dass sie ein – zumindest für Eingeweihte – eindeutiger, unmissverständlicher Code sind und damit die Arbeit erleichtern und beschleunigen.

  4. Brigitte Novacek meint:

    Mir persönlich ist das egal. Pdf mit Kommentaren ist okay, Korrekturzeichen sind okay und Anleitungen per Telefon (in der zweiten Spalte, dritte Zeile von unten…) auch. Wir sind ja flexibel.
    Bei Redakteuren, die ihre Texte im Adler- oder noch schlimmer Palästinensersystem verfassen, wird mir aber nach wie vor übel. So ein 10-Finger-Tippkurs an der Volkshochschule dauert vielleicht 10 Wochen und erleichtert das Leben nachhaltig. Steno hab ich allerdings nie wieder gebraucht. Müsste mal testen, ob ich eigentlich noch Noten lesen kann.

  5. Mareike meint:

    Was ist denn das Palästinensersystem??

  6. croco meint:

    Hier und da ein Anschlag?

  7. walküre meint:

    *lol*

  8. KochSchlampe meint:

    Ich habe morgen meinen letzten Arbeitstag in einem mittelständischen Verlag und ich kann nur sagen: da werden noch alle Korrekturen per Hand auf dem Papier angebracht. Und das ist auch sinnvoll – fast alle sehen die Fehler besser, wenn der Text ausgedruckt vor ihnen liegt und auch die Grafikerinnen schienen mit den Papierkorrekturen besser klar zu kommen als mit den kurzen Experimenten in elektronischer Form. Aber das kann auch schlicht mangelnde Gewöhnung gewesen sein.
    Und: in dem Verlag wird jeder Text mindestens 2-3x auf Fehler durchgelesen.

  9. Ulrike meint:

    So sehr ich das elektronische Medium auch liebe, Fehler lassen sich in gedruckten Texten leichter erkennen.

  10. andreaffm meint:

    Korrektur gelesen wird in unserer kleinen Wochenzeitung vom Rande des großen Flughafens natürlich immer noch. Von einer netten Dame, die die Fahnen ausgedruckt bekommt. Die Korrekturen gibt sie dann allerdings direkt in die Datei ein und stellt den Artikel dann auf grün. Das bedeutet im Farbmarkierungssystem “Imprimatur”, die letzte Stufe und Zeichen, daß er druckreif ist.
    Für inhaltliches kommt sie direkt bei mir vorbei und fragt nach. Wir sind ja eine kleine Zeitung.

  11. Simone meint:

    Ich bin Redakteurin in einem mittelständischem Verlag und kann mich den Worten von KochSchlampe anschließen: Korrekturen finden bei uns ausschließlich per Hand auf Papier statt. Jedes Buch wird bei uns mindestens einmal komplett auf Papier gelesen. Überschriften, Anlesetexte, Bildunterschriften, Kolumnentitel etc. mehrmals.

  12. arboretum meint:

    Falls Sie sich irgendwann einmal noch mehr Korrekturzeichen beibringen wollen, finden Sie sie übrigens alle vorne im Abschnitt “Textkorrektur” im Duden.

  13. die Kaltmamsell meint:

    Oh ja, arboretum, da spicke ich hin und wieder – und anhand des Duden-Kapitels trainiere ich auch meine Praktikanten.

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