Archiv für August 2010

Sixtus und Lobo – viel später

Dienstag, 31. August 2010

Die nützlichste Erklärbärsendung des Internets nach dem Elektrischen Reporter wurde eingestellt, Millionen Zuseher trauerten Sixtus vs. Lobo hinterher. Damals. Zeit, sich zu fragen, was aus den damals so umschwärmten Protagonisten wurde:

Sixtus vs. Lobo – Was wurde eigentlich aus Sixtus und Lobo?

Bilder zu Rezepten, Rest des Wochenendes

Montag, 30. August 2010

Bei meinen Eltern ließ ich mich mit Selbstergarteltem verwöhnen. So gibt es jetzt ein Bild zum Rezept Pisto:

Frisch geerntete breite Bohnen, gute Kartoffeln, Olivenöl und Knoblauch ergeben eines meiner ewigen Lieblingsgerichte. Allein der Duft der kochenden Bohnen! Jetzt auch mit Bild.

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Der Sonntagmorgen erinnerte an Migräne, ganz von Ferne: Kopfweh, leichte Übelkeit, Schlafzwang, kein Ausgang möglich. Nun gut, dann buk ich den Zwetschgendatschi halt erst am späten Vormittag. Die Zwetschgen hatte ich am Vortag in meiner Geburtsstadt gekauft, im zum Haus meiner Eltern nächst gelegenen Supermarkt (die elterlichen Zwetschgen brauchen noch zwei Wochen Reifen). Es gab nur riesige ungarische, die nicht sehr reif wirkten, doch ich hatte mir für das Wochenende nunmal Zwetschgendatschibacken in den Kopf gesetzt. (Rührend: Vor dem Supermarkt verteilten echte MarxistenLeninisten Flugblätter – habe ich ja seit vielen Jahren nicht mehr erlebt.)

Der Datschi wurde ein rechter Murks: Die Zwetschgen waren zu wenig und sehr sauer, der Hefeteig viel zu dick, wenn auch für sich ok. Ich beschloss eine Umbenennung in Zwetschgen-Focaccia und gab dem Mitbewohner recht, der da sagte: „Sauer gibt es nicht. Es gibt nur zu wenig Zucker.“

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Nach Mittag war ich fit genug, doch noch an die Isar zum Laufen zu gehen und nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen. Kurz vor Pullach wollte mich ein Regenguss nässen, doch das dichte Blätterdach fing ihn fast völlig auf.

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Abends Männer im Wasser im Kino ums Eck angesehen. Sehr niedlicher Film, gut gemacht unter Umgehung von Kitsch- und Konfliktausbreitung. Ich hätte ihn gerne auf Schwedisch gesehen, entdeckte leider kein Angebot in München. Es sollte viel mehr männliches Synchronschwimmen als Breitensport geben.

Barthelmarkt in Oberstimm

Sonntag, 29. August 2010

Seit über 20 Jahren verpasse ich den Barthelmarkt in Oberstimm: Jahr für Jahr wurde ich erst daran erinnert, wenn meine Eltern erzählten, dass sie am Wochenende davor auf selbigem gewesen waren. Das Besondere an diesem Markt mit Volksfest: die Pferde. An sich handelt es sich nämlich um einen Pferde- und Viehmarkt. In meiner Kindheit war ich ein paar Mal dort, immer eindringlich gewarnt, den netten Pferdehändlern bloß nicht die Hand zu geben, denn mit einem Handschlag werde ein Kauf besiegelt. Selbstverständlich übertrieben die Warner schon damals; die Ingol-urban legends um arglose Marktbesucher, möglichst von weit her, die auf diese Weise unvermutet in den Besitz eines Esels oder Maultiers gekommen seien, sind unzählig.

Dieses Jahr erinnerte mich meine Mutter rechtzeitig daran, dass am letzten Wochenende im August Barthelmarkt ist. Schon der orientierende Blick auf die Website machte mir klar, dass Pferde und Vieh mittlerweile eine verschwindende Rolle spielen, dass es sich heute in erster Linie um eine ganz normale Dult mit bierseligem Volksfest handelt, inklusive Trachtenverkleidung der Besucher. Ist ja auch nachvollziehbar: Auf dem Barthelmarkt wurden Arbeitstiere für die Landwirtschaft gehandelt, die Arbeit machen schon lange Maschinen. Und anderes Nutzvieh wird längst in großem Stil auf den großen Viehbörsen gehandelt. Um überhaupt noch einen Viehmarkt zu haben, so hieß es, locken die Veranstalter Händler mittlerweile mit Prämien.

Vierbeiner sahen wir also am Samstag nur wenige. Zumal, das hatte ich vergessen, der eigentliche Rossmarkt nur am Montagmorgen stattfindet. Ich musste mich mit Spuren zufrieden geben. Zum Beispiel mit Pferden in Wurstform.

Rosswürscht gehörten in meiner Kindheit fest zum Christkindlmarkt und zum Barthelmarkt. Nach einem sehr unglücklichen Ausflug in den Reitsport, zu dem ich achtjährig meine Eltern überredet hatte, aß ich sie noch viel lieber als ohnehin schon. Die gestrigen Würste waren allerdings recht fad. Für einen Test des zweiten Anbieters auf dem Markt reichte leider mein Hunger nicht. Denn, und das hatte ich bereits völlig vergessen: Eine traditionelle Speise auf den Volksfesten der Region ist Emmentalter Käse („Kas“, gesprochen mit einem breiten A wie in „na“ für nein). Man ordert ihn an den traditionellen Wurst- und Fischsemmelständen nach Gewicht (z.B. „a hoib Pfund“) und bekommt ihn dann frisch von einem riesigen Laib gesäbelt. Vor dem Einpacken in Wachspapier wird man gefragt: „Soitz un Pfeffa?“ Was man besser bejaht, denn der Käse selbst ist ausgesprochen mild, fast geschmacksneutral.

So einen Kas holten uns meine Eltern, damit und mit der zugehörigen Riesenbrezel setzten wir uns in eines der noch recht leeren Bierzelte und bestellten zwei Mass dazu.

Die erwähnten Fischsemmeln gibt es immer noch, und immer noch traditionell mit Hering oder Lachsersatz (wenn Sie sich gefragt haben, wo diese Speise Ihrer Kindheit abgeblieben ist: hier) und viel milder Zwiebel.

Weitere Viehspuren entdeckten wir an den beiden letzten verbliebenen Ständen, die auf dem Barthelmarkt Stallbedarf verkauften. Zum Beispiel Ausstattung für Viehtränken.

Dass wir den Aufmarsch zum samstäglichen Pferderennen verpasst hatten, sahen wir auf dem Rückweg an den Straßen Oberstimms.

Wo die Viehhaltung selbst wohl auch nur Vergangenheit ist.

Hier eine nette Reportage über den letztjährigen Viehmarkt aus der Lokalzeitung. (Mit dem Autor, damals „Fahnderl“ genannt, habe ich Abitur gemacht. Dessen Eltern mit meiner Mutter in der Katholischen Arbeiterjugend gewesen waren. Ja mei.)

Und die Woche sonst so?

Sonntag, 29. August 2010

Sehr dichtes Arbeiten, Dienstagabend kam mir der Brighton-Urlaub bereits Jahre zurück vor. Darin aber auch sehr erfreuliches Arbeiten enthalten, zum Beispiel ein halbtägiger Workshop mit exzellent vorbereiteten Dienstleistern und ausschließlich richtig kompetenten Kollegen ohne Befindlichkeiten aus dem ganzen Großkonzern – es ist unglaublich, wie schnell man sehr große Dinge wuppen kann, wenn alle Beteiligten inhaltlich denken und am gleichen Strang ziehen.

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Größter Erfolg dieser vergangenen Woche: den seit Jahren verschobenen Mantelkauf erledigt. Ich wollte immer noch einen Redingote, und zwar deutlich über Knie lang. Da ich gehört hatte, der Hersteller Max Mara gelte als Spezialist für hochwertige Mäntel, war mein Plan, erst mal dort nachzufragen. Sollte es auch hier keinen solchen geben, wollte ich mir einen schneidern lassen. Doch an einem schwülen Augustabend wurde ich in der Theatinerstraße fündig: Das hier ist nun mein Mantel für die nächsten zehn bis zwanzig Winter. Von hinten ist er sogar noch schöner. (Bild von Mantel an mir gibt’s im Winter.) Nein, ich habe noch nie so viel Geld für ein Kleidungsstück ausgegeben. Doch auf zwanzig Jahre heruntergebrochen, sollte es sich rechnen.

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Zum ersten Mal ein Feierabendbier im wunderschönen Schwabinger Kaisergarten eingenommen. Wenn mich Auswärtige auf die Münchner „Schickis“ ansprachen, musste ich bislang immer abwinken: Sicher gebe es sie, aber ich sei ihnen noch nie in größerer Formation begegnet; ganz offensichtlich hielten sie sich an anderen Orten auf als ich. Seit jenem Abend vermute ich, wo. Zumindest feierabendbiergärtlich. Doch man sitzt dort wirklich so schön, dass ich erst nach einem weiteren Besuch ein Verurteil fällen möchte.

Lieblingstweets jüngster Vergangenheit

Mittwoch, 25. August 2010

Journal Montag, 23. August 2010

Dienstag, 24. August 2010

Wie soll er schon gewesen sein, der erste Arbeitstag nach einer intensiv wundervollen Urlaubswoche? Zumindest fiel mir die Konzentration leichter als in der Woche davor. Aber den ganzen Tag von Kopfweh geärgert, das ich aufs schwülwolkige Wetter schob.

Ich schleimte mich bei Kollegen und Kolleginnen mit einer großen Schachtel Fudge ein. Zur Brotzeit hatte ich Tomaten aus Elterns Garten dabei.

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Ganz ruhig Mama

Malte Welding erinnert sich in der Berliner Zeitung an den Tod seiner Mutter und eine Therapeutensitzung mit alten Familienfotos

via Anke Gröner

Wie klar mir ist, dass mir das noch bevor steht. So höllenschmerzlich klar, dass ich manchmal die jetzigen Momente mit meinen ausgesprochen lebendigen Eltern gar nicht genieße.
Wenn ich mir dazu etwas wünschen könnte, dann, dass ich dannerzeit nicht vor den Gefühlen wegrenne, die das Erleben des elterlichen Sterbens auslösen wird. Sondern dabei bleibe und fühle, alles. Weil mir alles andere bis ans Ende meines Lebens leid täte.

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Feierabendliches Gewichteheben klappte nach einer Woche Pause unverändert gut.

Daheim erfreulicher Besuch aus Hamburg.

Journal Sonntag, 22. August 2010

Montag, 23. August 2010

Meine Mutter hat wieder Kleinigkeiten an der Wohnung verändert – Blumentöpfe zusammengestellt, an den wenigen Vorhängen herumgezupft. Und jede Veränderung bewirkt Wunder, sieht erheblich besser aus als vorher. Sollte ich jemals wieder eine neue Wohnung beziehen, lasse ich sie allen Ernstes von meiner Mutter einrichten.

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Isarlauf in der Sonne.

Begegnung mit einer amerikanische Familie auf Rädern in heftigem Zwist – Dialoge wie frisch aus einer Vorabendserie. Da sie dabei immer wieder anhielten und ziemlich laut waren, machten sie mich und weitere Spaziergänger, Radler, Jogger zu Zuhörern. Der Vater radelte vorneweg, die Mutter rief ihm hinterher: „You always blame anybody else! You have to start taking over responsibility for your own life!“
Tochter (ca 12 Jahre) moserte Richtung Mutter: „He wants to have a happy familiy and then he behaves this way.“
Ich war kurz davor ihnen zuzurufen: „Get a room!“

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Zum Frühstück gab es unter anderem den Orangen-Curd aus Brighton – köstlich.

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Mal wieder ein Automatenfoto, möglicherweise zum ersten Mal im Sommerkleid.

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Obwohl mich der Mitbewohner auf meinen Wunsch wiederholt daran erinnerte, dass ich noch mitten in einem freien Tag steckte und erst am nächsten wieder in die Arbeit muss, verflog meine Urlaubsruhe minütlich. Ich musste mit Rotwein gegenhalten. Er passte gut zu den Bohnen aus Elterns Garten mit Kartoffeln, Nudeln, Petersilie, Chilli.

Tatort.