Archiv für November 2010

Essen ist mein Leibgericht

Mittwoch, 24. November 2010

Essen gehört zu den allerschönsten Dingen in meinem Leben. Das konnte weder eine Mutter mit Schlankheits- und Diätwahn zerstören noch meine milde Selbstbildstörung, ebenso wenig konnten das die Nahrungsmittelindustrie oder Ernährungsextremisten.

Da ich praktisch alles gerne esse, alles vertrage und mir alles zur Verfügung steht, brauche ich mir keine Gedanken über Nährstoffe zu machen – ich bin ganz sicher bestens versorgt. Aus ethischen Gesichtspunkten bevorzuge ich regionale und saisonale Produkte aus nachhaltiger Herstellung, fast ausschließlich unverarbeitet, zudem Fleisch von Tieren, die ein angenehmes Leben hatten.

Mit dieser Haltung befinde ich mich in bester Gesellschaft, das weiß ich aus der regelmäßigen Lektüre zahlreicher Foodblogs (einige davon habe ich bei delicious gesammelt).

Aber welche Menge an Spinnern das Internet zu diesem Thema bereit hält! Ein paar Hundert davon lernte Foodbloggerin Tasha kennen, als sie darlegte, warum sie sich nicht weiter vegan ernähren wird: A Vegan no More. Der Text ist lang, aber sehr lesenwert. Inklusive dem Folgeposting. (via missesdelicious‘ Gezwitscher)

Eher zufällig probierte ich dann gestern Abend ein neues veganes Restaurant ganz in der Nähe meiner Wohnung aus: Max Pett. Ich mag nämlich auch vegane Küche sehr gerne, die ich als geschmacksintensiv und originell kennengelernt habe. Gestern gab es eine Rote-Bete-Kokos-Suppe, köstlich mit Kümmel und Kreuzkümmel abgeschmeckt. Auch der Wintersalat mit Nüssen, Ofenkürbis und Sojahackbällchen war sehr gut, der Begleiter von seinen Mangoldrouladen mit Nuss-Pilz-Tofu-Füllung und Kartoffelpü sehr angetan.

Weihnachtsstollen 2010

Dienstag, 23. November 2010

Auch dieses Jahr hat das Rezept von Bäcker Süpke geklappt.

Meine Rezeptvariante finden Sie hier.

Veränderungen

Montag, 22. November 2010

Ausgerechnet ein Berufskommunikator hat den echten Menschen hinter der Kaltmamsell so gründlich geoutet, dass meine berufliche und meine private Existenz jetzt von Suchmaschinen zusammengeworfen werden.
Mal sehen, wie das hier wird, wenn alles mit meinem Arbeitgeber und meinem Job dort in Verbindung gebracht werden kann.

Habe also einen schmerzlich großen Teil des Wochenendes damit verbracht, sieben Jahre Blogeinträge daraufhin durchzugehen, was im Zusammenhang mit meinem Job missverständlich sein oder gegen mich verwendet werden könnte.

(Und ich hatte mich schon gewundert, warum mir auf Twitter von ntv bis Bild auf einmal Online-Medien folgen.)

Die neuesten Lieblingstweets

Freitag, 19. November 2010

Diesmal gibt es eine Sonderkategorie an Lieblingstweets. In meinem Twitter wird ja gerne gekalauert. Manchmal kalauern Twitterer auch zum selben Thema, letzte Woche zu #einbuchstabendanebentiere (Sie werden es gleich kapieren). Dabei kamen Unmengen an größtartigem Blödsinn heraus. Meine Beispiele hier sind eher zufällig, denn ich kam mit dem Abspeichern sehr bald nicht mehr hinterher.
Die gesamte Pracht können Sie lesen, wenn Sie bei Twitter nach dem Begriff #einbuchstabendanebentiere suchen.

Angst an den Kammerspielen

Donnerstag, 18. November 2010

Huiuiui, gutes Theater kann ganz schön mitnehmen.

Sie haben an den Münchner Kammerspielen aus Stefan Zweigs Novelle „Angst“1 ein Theaterstück gemacht, umgeschrieben von Koen Tachelet, Uraufführung war Anfang November. Und was für eine Aufführung! Auf der Bühne steht nicht viel, braucht es auch nicht. Eine Hand voll Schauspieler und Schauspielerinnen erzählt von Irene, die wegen einer Affäre mit einem jungen Mann erpresst wird – indem sie mal in dritter Person von sich und den anderen berichten, dann wieder Szenen spielen.

Hauptdarstellerin Elsie de Brauw trägt das Stück. Es ist ungeheuer, wie diese wunderschöne Frau im Lauf des Stücks zerfällt. Ohne dass die Maske nachhelfen müsste oder Verkleidung steht am Ende der 100 Minuten Spielzeit ein Mensch mit völlig anderem Gesicht auf der Bühne. Allein um diese Meisterin immer wieder von einer Sekunde auf die andere von verzweifelter Selbstzerfleischung in glücklichen Familiensonnenschein fallen zu sehen und umgekehrt, möchte ich das Stück nochmal sehen.

Als Katja Bürkle das erste Mal auf die Bühne kam, rollte ich wiederum innerlich mit den Augen: Dieses Prollig-Burschige hatte sie 2008 schon für Hass nach dem Film von Mathieu Kassovitz verwendet und in der jetzigen Spielzeit für die Stella in Endstation Sehnsucht – ich fürchtete, dass sie nichts anderes kann. Was es allerdings rätselhaft gemacht hätte, wie sie es ins Ensemble der Kammerspiele geschafft hat. Doch natürlich kann sie auch anders: Sie spielte eine Doppelrolle und trat in Angst auch als betulich geduckmäusertes Dienstmädchen auf.

Aber zurück zu Elsie de Brauw als Irene: Sie machte auch mit dem Text Unerhörtes, arbeitete sich an ihm ab, verkörperte ihn, wies Wörter mit Abscheu zurück, verschlang andere, tanzte Sätze. Einen besondereren Effekt hatte ihr leicht holländischer Akzent: Er nahm dem Text Alltag und Selbstverständlichkeit.

Mich wundert ohnehin, dass ich Akzente oder Dialekte meiner Erinnerung nach nie als Spielmittel erlebt habe. Einen riesigen, dicken Mann gegen den Strich als Biff in Tod eines Handlungsreisenden besetzen oder die Iphigenie mit einem Mann – das ja. Dabei wäre eine Blanche in Endstation Sehnsucht durchaus auf Schwäbisch möglich.

  1. Oder gilt eine Novelle doch als eigenständiges Werk und müsste kursiv geschrieben werden? []

Sibylle Berg, Der Mann schläft

Mittwoch, 17. November 2010

Die Misanthropin, die als Erzählerin im Zentrum von Sibylle Bergs Der Mann schläft von 2010 steht, hat mich meist an Else Buschheuer erinnerte, manchmal auch an Frau Modeste, hin und wieder an Frau Gaga. So sehr war noch keine meiner Buchlektüren von Blogleserei beeinflusst. Else Buchheuer äußert ihre Unbehagen den Menschen gegenüber inzwischen hauptsächlich bei Twitter (z.B. „merke: auf die einleitungsfrage‚ darf ich offen zu Ihnen sein?‘ stets frenetisch den kopf schütteln!“). Frau Modeste ist den Menschen erheblich zugetaner, leidet aber doch hin und wieder an den Durchschnittsexemplaren der Gattung. Gaga wiederum hat kürzlich einige anerzogene Hemmung fallengelassen und zugegeben, wie sehr sie oft menschliche Kontakte als Belästigung empfindet.

Die Erzählerin ist eine nicht mehr junge Frau, die bis in ihr Innerstes am liebsten für sich ist. Die Grundtriebe nötigen sie dazu, ihre Wohnung hin und wieder zu verlassen und mit Menschen in Kontakt zu treten, doch selbst diese Interaktionen kosten sie immer mehr Energie. Das macht die Fassungslosigkeit nachvollziehbar, mit der diese Frau eines Tages vor der Entdeckung steht, dass es einen Menschen gibt, der sie überhaupt nicht stört, in dessen Anwesenheit sie sich sogar wohler fühlt als in dessen Abwesenheit, um den sie sich sorgt, den sie auch ohne erotisches Begehren physisch herbeisehnt.

Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge, die einander kapitelweise abwechseln: Der eine beginnt vor vier Jahren und erzählt die Zeit, in der die Ich diesen Mann kennenlernte und ein Leben mit ihm begann. Der zweite spielt in der Gegenwart auf einer Insel vor Hongkong, auf der sich die Frau jetzt ohne den Mann befindet. Die Vergangenheit erzählt sie bis heran an die Gegenwart, in den letzten Kapiteln decken sich die Stränge. Im Zentrum stehen die Liebe und der unerträgliche Schmerz der Erzählerin, erzeugt durch die Lücke, die die Abwesenheit des Mannes hinterlassen hat.

Wieder wünschte ich, ich hätte den Klappentext nicht gelesen: Er nimmt als Tatsache vorweg, was der Roman zumindest im ersten Drittel lediglich als Möglichkeit durchscheinen lässt, nämlich was mit dem titelgebenden Mann, der schläft, los ist. Kann sich eine Autorin dagegen nicht wehren? Hat man ihr erklärt, das Buch werde sich nicht verkaufen, wenn dem Klappentext diese Schlüsselinformation fehlt? Zum wiederholten Mal nehme ich mir vor, Klappentexte erst nach der Lektüre eines Romans zu lesen.

Die Erzählerin drückt sich ausgesprochen manieriert aus – sie scheint nicht nur der Menschen, sondern auch ihrer heimeligsten Wörter überdrüssig. Manchmal treibt sie das bis hart an die Grenze des Hinnehmbaren, zum Beispiel wenn sie einen fehlgeschlagenen Morgengruß mit „versuche ich ihr die Tageszeit zuzuraunen“ ausdrückt.

Fast keine der Personen hat einen Namen, sie sind „der Mann“, „der Masseur“, „die schwierige Bekannte“, „der unsichtbare Herr“, „die Prostituierte“. Ausnahmen sind ein Mädchen namens Kim und ein Cafébesitzer Jack. Die Geschichte all dieser Menschen sind Teil des Romans, mal mehr, mal weniger konventionell erzählt.

Eigentümlich ist der Roman, doch ist er surreal oder bloß nicht-realistisch? Viele Details sind bizarr, zum Beispiel spielen selbst gebaute Archen / Raumschiffe und Ritualmorde eine Rolle. Und die Wahrnehmung der Erzählerin entzieht sich gerne mal normaler Überprüfbarkeit – wenn sie zum Beispiel beiläufig berichtet, dass sie durch ein Fenster einen aus der Schule heimkehrenden Buben beobachtet, der seine Großmutter umarmt und ihr dann ein Beil in den Kopf schlägt. Andere Details wieder widersetzen sich einfach den Erwartungen an realistisches Erzählen: Geld kommt im ganzen Roman nicht vor, nie wird etwas bezahlt, und die materielle Grundlage für einen monatelangen Aufenthalt auf einer asiatischen Ferieninsel ist kein Thema.

Dann wiederum liefert die Geschichte die realistischste Beschreibung von Liebe, die ich je gelesen habe. So kam ich ja auch auf das Buch: über ein Interview mit Sibylle Berg. Die Klischeeliebe der Filme, der Musiktexte, der Werbung will uns nur Dinge und Dienstleitungen verkaufen, so erzählt es auch der Roman – es ist völlig hirnrissig, sich zur Sehnsucht nach dieser Klebrigkeit manipulieren zu lassen. Die Liebe in Der Mann schläft, die einfach dafür sorgt, dass es jemandem dauerhaft besser geht, kommt in der Literatur kaum vor (obwohl sie durchaus romantisch im kulturhistorischen Sinn ist und irrational). Vielen Dank den Vorspeisenplattenkommantatorinnen und -kommentatiren für den Lesetipp.

(Auch beim Common Reader.)

Beifang aus dem Internet

Dienstag, 16. November 2010

Bei so vielen Bildern mussten ja auch Perlen dabei sein: Hier sind wunderschöne-Streetview-Aufnahmen gesammelt.
Google Streetview-Bilder

Deutscher Qualitätsjournalismus: Wenn die Gegendarstellung informativer und unterhaltsamer ist als der ursprüngliche Artikel.
Die Gegendarstellung zu einem Focus-Artikel.
Niggemeier: Schlag den Raab

Der Elektrische Reporter spielt derzeit in seinem Labor: Lawblog-TV, Hyperland, Erklärbärigkeiten.


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