Archiv für August 2012

Auszeitjournal Freitag, 24. August 2012 – Aufstand der Maschinen

Samstag, 25. August 2012

Nach dem Morgenkaffee ins Hüpfstudio geradelt, zur Lieblingsstunde Stepaerobic. Der Vorturner nahm uns mit einer anspruchsvollen Choreografie richtig ran – ein Heidenspaß.

Ein wenig Strampeln auf dem Crosstrainer, nach dem Duschen ein medizinischer Termin, zu Hause Frühstück.

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Am Vortag war ich benachrichtigt worden, mein Rechner sei repariert. Ich holte ihn ab und freute mich ganz arg. Wieder bestätigte mich das Personal übrigens darin, meinen alten Rechner zu behalten: „Wenn er Ihnen reicht, ist das doch wunderbar!“ So hatte ich bei den kühlen Temperaturen das Haus verlassen:

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Nur hatte ich vergessen, dass ein Maschinenschaden selten allein kommt. Ich ließ gerade mal wieder die Spülmaschinenreinigung durchlaufen, als ich in der Küche einen hübschen Wasserteppisch mit Schaumbelag entdeckte, der eindeutig aus der rumpelnden Spülmaschine kam. (Der Spülvorgang direkt davor war problemlos gewesen.)

In Panik vor einem Wasserschaden nahmen der Mitbewohner und ich die Einbauküchenzeile so weit wie möglich auseinander. Wir hatten sie vor 13 Jahren von den Vormietern übernommen, und einiges weist darauf hin, dass diese sie selbst gebastelt hatten. Dennoch fanden wir verhältnismäßig schnell heraus, wie die 15 cm hohen Bodenleisten zu entfernen waren. Zum Glück blieb die Wassermenge überschaubar und war gut aufzuwischen – zusammen mit dem Dreck von mindestens 13 Jahren, in dem die größte Überraschung eine Müslischüssel mit Loch im Boden war, die ich zuletzt vor etwa zehn Jahren vermisst hatte, damals noch ohne Loch im Boden. Mangels anderer Möglichkeiten nehme ich an, die Schüssel hat es auf demselben Weg dorthin geschafft, wie das Sofa in Douglas Adams‘ Dirk Gently’s Holistic Detective Agency um die Ecke im Treppenhaus zu tragen war.

Ein erneutes Anschalten der Spülmaschine unter unseren beobachtenden vier Augen machte nirgendwo Lecks sichtbar. Ich nehme an, wir werden damit noch eine Weile Spaß haben.

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Erholung von diesem Schrecken war der Abend, den ich mit dem Mitbewohner im Broeding verbrachte. Diesmal sah ich mir den Innenhof wenigstens an, in dem man bei schönem Wetter auch draußen essen kann. Nur dass bei unserer Ankunft die ersten Regentropfen fielen.

Weinentdeckung zum Menü: Ein frischer Chardonnay von Ebner-Ebenauer aus dem Weinviertel, Black Edition (leider nicht direkt verlinkbar, die eigentlich hübsche Website ist eine einzige Flash-Krankheit).

Zwischenspiel: Buben in Röcken

Freitag, 24. August 2012

Was, wenn kleine Buben Röcke und Kleider tragen wollen? Ein mutiger Vater stellt sich hinter seinen Sohn – im Rock.

Vor zwei Jahren ging ja schon eine Geschichte durch mein Internet, über einen US-amerikanischen kleinen Buben, der an Halloween als Prinzessin gehen wollte.

Let’s face it: While little girls are free to dress as pirates, „Star Wars“ characters and male superheroes, our sons risk getting labeled as effeminate if they show a preference for pink, fairies or rainbows. Parents may preach egalitarian principles, but boys still don’t have cultural permission to wear what they want or what they think looks beautiful, even on Halloween.

Letztes Jahr gab es eine ähnliche Geschichte in der Los Angeles Times:

The little girls, however, have a problem with it. „Boys can’t be princesses,“ they tell Luc, designating him a „wizard“ instead.

Das ist bemerkenswert und traurig. Da hatte meine Mutter in meiner Kindheit auf jeden Hinweis, ein Mädchen tue dies oder jenes nicht, reflexartig mit „Warum nicht?“ protestiert. Doch als ich sie auf den Bubenwunsch ansprach Kleider zu tragen und fragte, ob sie ihre Enkel darin unterstützen würde, wehrte sie leidenschaftlich ab: Nein, das würde sie nicht unterstützen, sie würde versuchen, es ihnen auszureden.

Warum ist das ein so viel größerer Schritt als Mädchen in Hosen? Meine Mutter erzählt doch kopfschüttelnd von ihrer Schulzeit, als Schülerinnen in Hosen nicht ins Gebäude gelassen wurden! Meine sträflich verkürzte Erklärung: Männerkleidung ist nicht markierte Kleidung, das Normale. Frauenkleidung ist die Abweichung von der Norm, die auffällige Kleidung. Frauen wird zugestanden, sich neutral zu kleiden (also ohne weibliche Markierung) und weiblich.

Und: Mädchen-artiges wird minderwertig eingeschätzt. Ein Bub mit Neigung zu gesellschaftlich Mädchentypischem wird auch deshalb scheel angesehen, weil er sich scheinbar erniedrigt. In ihrem Buch The Loudest Duck erwähnt Laura Liswood eine Studie des American Council of Education, die Geschlechtererwartungen untersuchte:

A group of 11-year-old girls were asked, „What would it be like if you came back tomorrow as a boy?“ The girls responded that they would climb trees, get dirty, and play late. A group of 11-year-old boys were similarly asked, „What would happen if you came back tomorrow as a girl?“ The boys‘ reaction? Nearly suicidal. Some said that they would jump off a bridge, wouldn’t wake up the next day in hopes of ignoring reality, or wouldn’t go out of the house. The boys reacted with mortification and horror at the thought of having to live life as a girl.

Dazu auch Dr. Mutti: Tomboy and Drag Princess (Dank an @mmiedl für den Hinweis). Sie zitiert unter anderem einen aktuellen Artikel aus dem New York Times Magazine: What’s So Bad About a Boy Who Wants to Wear a Dress?.

Girls gain status by moving into “boy” space, while boys are tainted by the slightest whiff of femininity. “There’s a lot more privilege to being a man in our society,” says Diane Ehrensaft, a psychologist at the University of California, San Francisco, who supports allowing children to be what she calls gender creative. “When a boy wants to act like a girl, it subconsciously shakes our foundation, because why would someone want to be the lesser gender?” Boys are up to seven times as likely as girls to be referred to gender clinics for psychological evaluations. Sometimes the boys’ violation is as mild as wanting a Barbie for Christmas.

Wir haben hier ein ernsthaftes Problem. Mir fiel sofort ein, wie meine Schwägerin weiß um die Nase wurde, als seinerzeit ihr zweijähriger Erstgeborener sie beim Nägellackieren beobachtete und darum bat, seine ebenfalls lackiert zu bekommen. Das sollte er nun wirklich dürfen.

Dazu passen exzellent Antje Schrupps Ausführungen, warum die pinken Ü-Eier eine Ausgrenzung von Buben darstellen: „Beim pinken Überraschungsei geht es nicht um Mädchen, sondern um Jungen“

Die wirklichen Adressaten sind die Jungen. Die rosa Überraschungseier sind für sie sozusagen ein überdimensioniertes Stoppschild, das sagt: Achtung, Mädchenkram, Finger weg!

Auszeitjournal Donnerstag, 23. August 2012 – Freibadabschied?

Freitag, 24. August 2012

Es tut mir immer noch leid und es war insgesamt unelegant. Aber ich habe es geschafft, ein Geschenk nicht anzunehmen, weil ich es wirklich, wirklich nicht wollte. Obwohl es von meinem Bruder war, der sich sicher ganz liebe Gedanken beim Aussuchen gemacht hat. Obwohl die Schwägerin eigens zur Übergabe vorbei kam.

Doch bunt eingewickelt war Spielzeug fürs Schwimmbad: Hand-Paddles und Flossen. Also genau das Zeugs, über das ich mich seit zwei Jahren aufrege, weil ich mich auf den Schwimmbahnen vor damit ausgestatteten Schwimmerinnen fürchte (die Teile haben scharfe Kanten), das ich als reinen Erfolg der Sportmarketings ansehe, endlich auch den ausstattungsarmen Schwimmern Dinge anzudrehen, und das mit meinem Schwimmen überhaupt nichts zu tun haben. Unelegant war meine Ablehnung, weil ich völlig überfordert war: Statt zu sagen, dass ich das nicht will, meinte ich, das würde ich aber allerhöchstens in einem See benutzen, sicher nicht im Schwimmbad, und lästerte über Schwimmflügerlschwimmer. Die Schwägerin musste erst selbst (wirklich) freundlich anbieten: „Soll ich’s lieber wieder mitnehmen?“, damit ich mich überwinden konnte, sie genau darum zu bitten.

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Vormittagstermin beim Arzt. Ein nächtliches Gewitter hatte die Temperaturen deutlich gesenkt, statt im Trägerkleid ging ich so aus dem Haus.

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Isarabwärts radelte ich von Giesing nach Schwabing – wunderbares Gefühl genug Zeit zu haben, den schönsten Weg dorthin zu wählen statt dem schnellsten. In der dortigen Muckibude nach zwei Wochen Pause Gewichte gehoben, in nahe gelegenen Supermarkt und Obstladen eingekauft. Daheim Frühstück in Form von Pfirsichen und Blaubeeren mit Hüttenkäse und Joghurt (dass ich immer weniger verstehe, warum Menschen fruchtaromatisierte Milchprodukte kaufen, erwähnte ich?), Packen fürs Freibad.

In mittlerweile strahlender Sonne radelte ich zum Schyrenbad und verbrachte dort ein paar Stunden (so braun war ich zuletzt vor 20 Jahren in Wales).

Kurz nach fünf zogen dicke Wolken auf, die sich zwei Stunden später in einem stark kühlenden Gewitter entluden. Wenn ich mir die Wettervorhersagen ansehe, könnte das der letzte Freibadbesuch der Saison gewesen sein.

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Nachdem ich am Wochenende von meinem Marmorkuchenrezept vorgeschwärmt bekam, buk ich ihn nach Langem mal wieder selbst.

Zum Nachtmahl riesige Mengen Salat aus der Ökokiste, dazu Andechser Grillkäse, der mir derzeit noch besser schmeckt als Halloumi (Käse mit Käse überbacken!).

Auszeitjournal Mittwoch, 22. August 2012 –
45 going on 52

Donnerstag, 23. August 2012

Vielen und herzlichen Dank für die guten Wünsche!

Jetzt habe ich also tatsächlich mit dem 45. Geburtstag das Lebensalter erreicht, nach dem ich mich seit etwa zehn Jahren fühle. Das ist zum einen seltsam, zum anderen funktioniert damit mein Trick nicht mehr, durch Angabe eine höheren Alters so zu tun als wirkte ich jünger. Probiere ich es also die nächsten Jahre mit 52 als Anwort auf die Frage nach meinem Alter?

Das Erreichen meines gefühlten Alters machte diesen Geburtstag zu etwas Besonderem. Ich merkte in den Wochen davor nichts von der Bedrückung, die seit 15 Jahren mein nahender Geburtstag als Schatten voraus wirft. Und die dazu führte dass ich ihn meist völlig ignorierte, über die Jahre auch Freunde und Familie zum Ignorieren erzog. Im Gegenteil: Es formierte sich der Wunsch, diesen Geburtstag zu feiern, mein ureigenes Alter. Ich wünschte mir, ihn mit meiner Familie zu feiern, also mit Eltern und Bruderfamilie, zudem war italienische Verwandtschaft angekündigt. Und zwar mit einem Essen in einer Münchner Kochwerkstatt, zubereitet von einem lieben Freund, der sowas beruflich macht und bei dieser Gelegenheit endlich mal die ganze Bagage kennenlernen würde. Ich war bereits am Detailplanen, als ich erfuhr, dass mein Wunsch nicht umzusetzen war: Die italienische Verwandtschaft sollte erst am späten Abend meines Geburtstags an einem entlegenen Flughafen eintreffen und musste von meinen Eltern dort abgeholt werden. Eigentlich nur logisch: Wenn ich meine Familie über Jahre energisch dazu bringe, meinen Geburtstag zu ignorieren, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn sie das letztendlich wirklich tut. Doch meine Enttäuschung war so überraschend heftig, dass ich den Mitbewohner bat mir zu helfen, den Tag irgendwie anders zu einem besonderen zu machen. Die Alternativen, die er vorschlug, waren ein Ausflug nach Bayrisch Zell (danke für den Tipp, barbara!) oder ein ungewöhliches Picknick. Wir schwankten bis zum letzten Moment. Ausschlag gab das Wetter: Große Hitze mit Gewittergefahr war wirklich nichts für eine Wanderung im Voralpenland. Ich wünschte mir also ein Edelpicknick im Freibad Maria Einsiedel.

Während ich mich über den ersten Schwung Geburtstagsglückwünsche in der Mailbox und auf Twitter freute, holte der Mitbewohner Köstliches vom Dallmayr. So zog ich hinaus in die bereits morgens deutliche Hitze.

(Nicht lachen! Von unzähligen Oscarverleihungsfotos auf dem roten Teppich weiß ich, dass man sich mit Schlitz im Kleid unbedingt so verdrehen muss.)

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Das Wetter war ein Traum (bis zum Nachmittag durch einige Wolkenschatten gut erträglich), die Speisen waren ein Genuss.

Vielleicht wird’s ja doch noch. Vielleicht schaffe ich es, diesem Lebensjahr magische Kraft zuzuschreiben. Dass es mich heimbringt, erträglich macht, meine Energie statt in Zerrissenheit in Schöpfendes lenkt.

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Und nun ein kleiner Service für meine Leser und Leserinnen, die sich über Hitze in ihrer Wohnung wundern, wo sie doch den ganzen Tag über offene Fenster für „frischen Durchzug“ sorgen: Dieser Durchzug erhitzt ihre Wohnung, denn er hat exakt die Temperatur, die es außen hat. Das, was Sie als „frisch“ empfinden, ist die Luftbewegung, die Sie auch mit einem Ventilator in der Sauna erzeugen können. (Wenn Sie überzeugt sind, dass ein Ventilator in einer Sauna die reale Temperatur senkt, lesen Sie bitte nicht weiter, sondern nehmen Sie einfach ein, was Ihr Homöopath Ihnen gegen Hitze empfiehlt.)

Hitzeschutz geht so:
1. Fenster zu, solange es draußen heiß ist. Das machen Sie doch umgekehrt bei Kälte auch, nicht wahr? Weil im Winter bei offenem Fenster die niedrige Außentemperatur die Innentemperatur senkt. Können Sie sich irgendeinen physikalischen Grund vorstellen, warum hohe Außentemperaturen bei offenem Fenster die Innentemperatur ebenfalls senken?
Sobald nachts die Außentemperatur unter der Innentemperatur liegt: Fenster öffnen.
2. Sonne raus. Vorhänge, Fensterläden, Jalousien, Rolläden – was auch immer Sie zur Verfügung haben: Nutzen Sie es. Besonders wirksam sind feuchte Tücher oder Handtücher von innen in die Fenster geklemmt (Verdunstungskälte, Sie erinnern sich?). Scheint die Sonne in Ihre Wohnung, bringen ihre Strahlen mit dem Licht die Hitze. Ebenfalls ein physikalisches Gesetz.
Und falls Sie mir gar nicht glauben wollen („Aber ein bisschen frischer Durchzug!“ „Aber die schöne Sonne!“), schauen Sie einfach mal in Gegenden Europas, die Jahrhunderte lang gelernt haben, Hitze aus Häusern zu halten.

Gern geschehen.

Auszeitjournal Dienstag, 21. August 2012 – Grafikkarten, Ferien

Mittwoch, 22. August 2012

Klar war es die Grafikkarte. Wenige Sekunden, nachdem der eisern duzende Michael an der Problemtheke des Apple Schtore (ich siezte den grauhaarigen Herrn ein paar Mal erfolglos zurück, dann vermied ich jede direkte Ansprache) sein Analysegerät in mein MacBook Pro von 2007 gesteckt hatte, bestätigte er das Ergebnis meiner und des Mitbewohners Recherchen: Das Gerät gehört zu der Reihe, die zwischen Mai 2007 und September 2008 mit mangelhaften Grafikchips des Zulieferers Nvidia ausgeliefert worden war. Doch wie beobachtete Herr Apfelschrauber punktgenau: „2007 ist vorbei.“

Zumindest ist der Rechner noch zu reparieren – wäre die Karte nächstes Jahr kaputt gegangen, hätte es vermutlich kein Ersatzteil mehr gegeben. Herr Apfelschrauber beschrieb mir sogar, wie ich den schlechten Lötzinn, auf dessen Konto der Ausfall geht, selbst im Backofen zurückkleben könnte („Und wenn’s nicht klappt: Kaputt ist er so auch.“). Doch bei den Eingeweiden der Hardware hört mein Mut auf. Geld für einen neuen Rechner habe ich nicht eingeplant, zudem war ich ansonsten mit der alten Schachtel sehr zufrieden, also entschied ich mich schnell für den Einbau einer neuen Hauptplatine zu – *TUSCH!* – 461,72 Euro. Verzeichne ich es halt als Geburtstagsgeschenk an mich selbst. (Hey, sonst hätte ich mir am Ende goldgeschmiedete Ohrringe oder ähnlichen Blödsinn gekauft. Schluchz.)

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Es war schlau gewesen, dass ich schon um acht meine Isarrunde gedreht hatte (traumhafte Isarauen, leichte Füße), es wurde schnell heiß. So verließ ich später das Haus.

Auf dem Weg vom Apple Schtore nach Hause drückte mich nicht nur die ungeplante Ausgabe nieder, sondern auch die Sonne. Und wieder stellte ich fest: Wenn ich es nicht vor der großen Hitze zum Baden schaffe, bin ich nicht mehr aus der kühlen Wohnung zu kriegen. Tut mir leid, wundervoller Hochsommertag.

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In genau diesem Zuhause, von dem man immer so viel hört, ließ ich mich von diesen sieben Minuten Alan Rickman aufmuntern (via @DonDahlmann):

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Die beiden mächtigen, alten Kastanien vor Wohnzimmerfenster und Balkon sind von den Miniermotten so zerfressen kahl (habe dieses Jahr noch nirgends schlimmere gesehen), dass sie keinen Schatten mehr spenden. Ich muss die Sonne durch heruntergelassene Jalousien davon abhalten, das Zimmer aufzuheizen.

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Auf diesen Film freue ich mich schon mal (am Anfang gleich die Wellküren!):

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via Frau Julie

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Bei Sonnenuntergang Spaziergang zu den diesmonatigen Gastgebern unserer Leserunde. Die „renaturierte“ Isar (ich habe immer noch Schwierigkeiten mit dem Begriff – übrigens kam ich beim Bachmannpreislesen im ORF-Studio einmal neben einer Frau zu sitzen, die erzählte, dass sie diesen Umbau mitgeplant habe; wir waren gerade dabei, uns zum Begriff „Renaturierung“ in die Haare zu kriegen, als die Lesungen fortgesetzt wurden und wir still sein mussten) wird von den jungen Leuten (TM) sehr angenommen.

An diesem herrlichen Hochsommerabend saßen wir auf einem geräumigen Innenhofbalkon zusammen, umgeben von Tomatenpflanzen und Verbene, in einer Wohnung zum Hof übte ein Streichquartett gar nicht mal so schlechter Hausmusiker. Die Meinungen zu J.R. Moehringers The Tender Bar waren geteilt; Einigkeit herrschte über erzähltechnische Mängel (u.a.: Er hätte vielleicht doch besser einen Roman geschrieben; die deutsche Übersetzung wird zwar als solcher verkauft, das Original trägt aber den korrekteren Untertitel „a memoir“ / Der letzte Teil zu 9/11 ist nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich) und über die Freude an der Vielzahl interessanter Details und Personen. Und uns fiel auf, wie lange und intensiv wir uns über diese Autobiografie unterhielten – offensichtlich hatte sie Spuren hinterlassen.

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Als wir auf dem nächtlichen Rückweg wieder über die Reichenbachbrücke gingen, waren die Isarufer vollends verzaubert von unzähligen müßigen Menschen, die sich unterhielten, tranken, leise lachten, mit den Füßen im Wasser plätscherten. Wir genossen lange diesen Anblick und schlenderten dann weiter. Mir wurde bewusst, dass ich jetzt, zwei Monate nach meinem letzten Arbeitstag, endlich ein Feriengefühl spürte. Ein ruhiges Fließenlassen, ein Wahrnehmen ohne Hast und Verarbeitungsdruck, eine Planlosigkeit mit vielen Möglichkeiten. Ich gab der Lust auf einen Highball auf dem Balkon nach, keine anstehenden Pflichten und Termine bremsten mich. Sie werden jetzt vielleicht sagen, dass man das doch in jedem Urlaub haben kann. Leider war ich zuletzt in einem Zustand so vollständiger inneren Verpflichtung und Terminierung, der auch in jede Minute eines Urlaubs hinein reichte, dass mir kein Fließen mehr möglich erschien.

So saß ich bei Kerzenschein mit dem Mitbewohner auf dem Balkon in der städtischen Nachthitze, plauderte weiter über das Buch, stellte fest, dass ich Dorothy L. Sayers mit Dorothy Parker verwechselt hatte, trank Highballs, bis deutlich nach Mitternacht ein kühlender Wind aufkam.

Auszeitjournal Montag, 20. August 2012 – Glühende Rückreise

Dienstag, 21. August 2012

Bereits als wir kurz nach acht unser Hotel am Mehringdamm verließen (ich sah wieder so aus), glühte Berlin. Die spannende Frage war also, ob die Kühlung des ICE funktionieren würde und wie gut (viele Reisende haben sich ja für Bahnfahrten Zwiebelbekleidung angewöhnt und tragen die Hälfte ihrer gesamten Reisekleidung am Körper, um sich auf jede Innentemperatur einstellen zu können). Die Auflösung: Kühlung funktionierte, in Hochsommerkleidung schwitzte ich nur leicht. Ein bisschen Spaß hatten wir trotzdem: In beiden ICE mussten die Zugrestaurants wegen Ausfall der Kühlung geschlossen werden. ABER: Wir waren auf die Minute pünktlich.

Ich las The Tender Bar von J.R. Moehringer zu Ende. Eine auf jeden Fall überwiegend fesselnde Lebensgeschichte, doch so ganz weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll: Die Mischung aus Mimimi und Macho befremdete mich. Mal sehen, was Dienstagabend meine Leserunde dazu sagt, für die ich das Buch gelesen hatte. Übrigens als E-Book: Ich schätze es immer mehr, dass ich nach der Lektüre eines Buches kein weiteres Ding in der Wohnung habe. Und werde wahrscheinlich bald den Dienst 1 Dollar Scan nutzen (via @kathrinpassig), der jedes Buch digitalisiert, auch als E-Book.

Die Hitze in München brüllte nicht ganz so, war aber dennoch laut genug, dass ich (während die erste Waschmaschine lief) meine Einkäufe in der Goethestraße fürs Abendessen schleichend erledigte. Sie ergaben ein kleines mediterranes Crossover zum Nachtmahl: Hummus, Tsatsiki, Fladenbrot, Tomaten, Käse, Weißwein.

Als ich nachts um elf die Fenster öffnete, war es draußen immer noch wärmer als in der Wohnung.

Auszeitjournal Freitag, Samstag, Sonntag, 17. bis 19. August – Kreuzberg, Rudel

Montag, 20. August 2012

An den vergangenen Tagen machten mir andere Tätigkeiten mehr Spaß als Bloggen, deshalb erst jetzt eine Zusammenfassung.

Freitag sahen der Mitbewohner und ich uns in Teilen Kreuzbergs um (bitte um Verzeihung, wenn ich die Abgrenzung der einzelnen Stadtteile nicht einhalte). Da es vormittags noch ausgesprochen frisch war, machte ich mich so auf den Weg.

Wir starteten unseren Rundgang mit dem Türkenmarkt am Maybachufer. Wie erhofft traf ich auf einen Markt, wie ich ihn in München nicht mal ansatzweise kenne: Nicht nur Obst, Gemüse, orientalische Feinkost, sondern auch Stoffe, Kurzwaren, Backwerk, frische Kräuter, Fisch, Schuhe, Fleisch, Haushaltsgeräte – ich war begeistert von dieser Mischung aus Wochenmarkt und Dult.

Den Landwehrkanal hatte mir im Winter vor zwei Jahren creezy nahegebracht; es war sehr angenehm, in der langsam auch wärmenden Sonne sommers daran entlang zu schlendern.

Auf dem Weg zur Oranienstraße stolperten wir in den Prinzessinnengarten. Erneute Begeisterung, diesmal über die Idee, eine Brache mit ungeheurer Ausdauer in Gemüsegärten zu verwandeln, und über ihre Umsetzung.

Die Pflanze im Vordergrund trägt Artischocken!

Zu Mittag wünschte sich der Mitbewohner Chinesisches in der Mingh Dynastie, Brückenstraße gegenüber der Chinesischen Botschaft. Es gab Auberginen mit Hackfleisch aus dem Tontopf (köstlich), „Duft-Wurst“ mit Zuckerschoten (vorzüglich, wenn auch deutlich weniger exotisch als erwartet), gedämpften Rinderpansen mit schwarzen Bohnen (der Pansen für meinen europäischen Geschmack reichlich bissfest – da das bei meinen beiden vorherigen Bestellungen in chinesischen Restaurants in Deutschland und England ebenso war, nehme ich an, dass das so gehört).

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Abends begann ein zweitägiges Treffen mit drei Bloggerinnen aus verschiedenen Teilen der Republik, im Weiteren „Rudel“ genannt. Es war so großartig, Frauen, deren Texte ich seit Jahren lese, deren Lebenswege ich so lange verfolge, zwei Tage am Stück zu erleben. Zu beobachten, ob sie ihren Kaffee als Espresso oder Soja-Latte trinken. An welchen Stellen sie lachen. Wie sie gehen. Und wie ungeheuer viel sie wissen und können neben den Fragmenten, die sie auf ihren Blogs, auf Twitter sichtbar machen (eine Folge ist, dass ich mit einer langen Linkliste und zahlreichen neuen Apps auf dem Smartphone heimkam). Dass sie sich aus ganzem Herzen einander zuwenden und unterstützen. Es war ungeheuer flauschig. (Außerdem habe ich erlebt, wie gestandene Frauen den Ausdruck „Alta“ treffsicher einsetzen.)

Den ersten Abend verbrachten wir mit gemeinsamem Trinken, Kochen, Essen.

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Am Samstagmorgen verschaffte mir ein Teil des Rudels mein erstes Erlebnis in Bikram-Yoga. Die Trainerin wies mich gewissenhaft ein und betonte, Ziel dieser Kennenlernstunde sei lediglich, die gesamten 90 Minuten im Raum zu bleiben. Ich ahnte nicht, wie schwer allein schon dieses Ziel zu erreichen war: Nach 20 Minuten begann in der feuchten Hitze mein Kreislauf zu protestieren, und zwar schon bald in einer Deutlichkeit, die ich zuletzt mit 16 erlebt hatte. Kurz darauf war mir schwindelig und übel, und obwohl ich mich setzte und nur noch wenige Übungen mitmachte, donnerte mein Puls mit einer Vehemenz gegen meine Schädeldecke, dass ich eigentlich lieber sterben wollte. Im Raum zu bleiben, war nicht wirklich schwierig – ich war mir eher nicht sicher, ob ich es je wieder hinaus schaffen würde. Was mich noch mehr beeindruckte: Sonst bekomme ich als recht gut trainierter Mensch meinen Puls nach 90 Minuten selbst heftigem Ausdauertraining innerhalb weniger Minuten auf Ruhe; diesmal dauerte es fast eine halbe Stunde, bis das Herzschlagdonnern gegen die Schädeldecke aufhörte. Ohne mich in irgend einer Weise mit medizinischen Hintergründen befasst zu haben: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gute Zeichen sind.

Meine Bikram-Initiatorin kümmerte sich sehr um mich, lud mich auch auf mein erstes Kokoswasser ein: Überraschend unsüß, dafür frisch und völlig frei von der leicht seifigen Note, die Kokosprodukte meist haben.

Yoga allerdings interessiert mich jetzt. Um herauszufinden, ob das etwas für mich ist, werde ich mich darum bemühen, eine Stunde bei normaler Temperatur mitzumachen.

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Das Gesamtrudel traf sich zu Morgenkaffee und Picknickeinkauf in Friedrichshain bei Proviant. Diese Ecke sieht genau so aus, wie ich mir vor 20 Jahren das wilde Berlin vorstellte (niedelich!), entsprechend hoch war die Touristendichte. Das Proviant stellte sich als ganz hinreißendes Feinkostgeschäft heraus, das uns ein atemberaubendes Picknick zusammenstellte: Pestos und Sößchen, Butter, Salamis, Käse, verschiedene Oliven, Antipasti, das Brot gleich in Scheiben geschnitten. Frisches holten wir uns zusätzlich am Markt auf dem Boxhagener Platz. Mit all diesen Köstlichkeiten ließen wir uns nachmittags im Treptower Park nieder – und schlemmten, bis die Sonne schräg stand.

Wandschmuck im Proviant.

Abschluss des Parknachmittags wurde der Besuch des Sowjetischen Ehrenmals – wie so viele totalitäre Monumentalistik gleichzeitig beeindruckend und gruslig (ich fühlte mich arg an das Valle de los caídos erinnert).

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War der Samstag schon hochsommerlich warm gewesen, versprach der Sonntag echte Brüllehitze. Der Plan deshalb: Besuch des Badeschiffs, und zwar ganz früh am Morgen vor dem Ansturm der Massen, gleich bei Öffnung um acht.

Auf dem Weg dorthin (als ich am Vorabend ins Hotelbett gestiegen war, hatte der Mitbewohner bereits geschlafen, als ich das Hotel verließ, schlief er noch – das hatte ich auch noch nie) stellte ich fest, dass Berlin wirklich rund um die Uhr belebt ist: Bereits um 7.30 Uhr saßen Menschen Zeitung lesend in den Straßencafés am Mehringdamm.

Das Badeschiff war sensationell: In einem poolblauen Becken auf der Spree zu schwimmen, gegenüber die Halle, in der das Blogmich 2005 stattgefunden hatte (mittlerweile schick renoviert), die Spree runter Monumentalkunst. Wir schwammen und sonnten uns und schwammen wieder – großartig.

Frühstück gab es am nördlichen Prenzlauer Berg, bevor der erste Teil des Rudels sich verabschieden musste. Der Rest spazierte in immer heftigerer Hitze über den Flohmarkt auf dem Arkonaplatz. Und verschaffte mir ein weiteres BOAH-Erlebnis: Cappuccino bei Bonanza. Es ist wirklich keine Modeerscheinung, dass sich Menschentrauben vor einem kleinen Laden bilden, der eigentlich nur Kaffee verkauft (in einer Kiste werden ein paar süße Teilchen dazu angeboten). Der Cappuccino war so kräftig, aromatisch, mild und rund (inklusive einer leichten Rumnote), dass ich mir sofort ein Pfund der Kaffeebohnen holte, mit denen er zubereitet war.

Schon gestern Abend war ich traurig darüber, wieder nur über Twitter mitzubekommen, wie es dem Rudel gerade geht, nicht mehr per Blick ins Gesicht.


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