Wochenendreport: Brot, Rohre, Tanz, Bikinis

Montag, 22. Juli 2013 um 8:15

Am Samstag das Weißbrot aus Lutz Geißlers Brotbackbuch gebacken, über das ich noch ausführlich schreiben werde (Zusammenfassung vorab: große Empfehlung!). Genauer: Ich habe es fertiggebacken, denn den Sauerteig dafür hatte ich schon Mittwochmorgen angesetzt, am Freitag musste der Mitbewohner einspringen und nachmittags im richtigen zeitlichen Abstand zum Backtermin am Samstagmorgen den Vorteig anrühren.

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Das Brot wurde traumhaft, und ich habe Vieles beim Befolgen der Anweisungen gelernt, unter anderem: Aha, das war zu viel Kraft beim Langformen des Laibes, die gespannte Oberfläche riss. Aber auch: Macht nichts, der Laib wird dadurch lediglich ein bisschen schepps.

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Unsere Küche ist verstopft. Ganz problemlos lief das Wasser in der Spüle noch nie ab, und wenn die dorthin angeschlossene Waschmaschine und die Geschirrspülmaschine abpumpten, stieg das schmutzige Wasser erst mal ins Spülbecken, um erst dann langsam abzufließen. Seit vor ein paar Jahren der liefernde Fachmann eine neue Waschmaschine anschraubte, war das Problem sogar noch größer: Nach Nutzen der Geschirrspülmaschine stand übel riechendes Wasser in der Waschmaschine, wir mussten es händisch abpumpen lassen. Vor zwei Wochen wollte ich den Missstand endlich angehen (hey, auch bei Computer-Bugs halte ich mit Workarounds Jahre durch), erst mal setzte ich die Chemie von Rohrfrei ein. Ergebnis: Jetzt läuft das Wasser praktisch gar nicht mehr ab. Ich bechere es aus der Spüle in eine Schüssel, die wir ins Klo entlehren. Um ein Auseinanderschrauben und Reinigen der Rohre komme ich nun wirklich nicht mehr herum, und mir graut ganz fürchterlich. So fürchterlich, dass ich das Ganze seit über zehn Tagen vor mir her schiebe.

Was ein Glück, dass auch im Bad das Wasser nicht recht abfließen will: Rohrfrei und Pömpeln bringt immer nur die eine oder andere Woche Erleichterung. Da konnte ich doch mal gründlich rangehen und für das Küchenschlamassel üben.

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Ich ruinierte dabei auch nur die oberste Rohrschraube (ging so schwer auf, dass sie beim Öffnen mit Zange zerbrach), doch die ließ sich leicht ersetzen (deshalb sind wir Innenstadtbewohnerinnen für klassische Kaufhäuser mit Vollsortiment dankbar). Die Rohre enthielten erstaunlich wenig Schmodder (hier wohnt halt niemand mit langen Haaren), was allerdings bedeutet: Das Ablaufproblem des Bads steckt viel weiter hinten im Rohr. Wir werden dann doch jemand kommen lassen müssen.

Nachdem ich sichergestellt habe, dass das nicht auch in der Küche das Problem ist.

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Eine Runde Krafttraining im Rest Morgenkühle des Fitnessstudios (auch dort glaubt die Mehrheit der Mitglieder, dass ein Öffnen der Fenster hinaus in heiße Außenluft die Innentemperatur absenkt). Ich finde langsam Spaß am selbstständigen Langhantel- und Kurzhanteltraining, kombiniere es aber mit Balanceübungen am Boden und mit Maschinen.

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Sommer ist Bügelzeit, und da ich den Sonntag frei haben wollte, bügelte ich den mittelhohen Berg am Samstag weg und hörte dabei Press doch selber, Frau Dokta von Dr. Josephine Chaos, gelesen von Annette Friers.

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Da ich Frau Friers sehr mag und mich für Bücher von Bloggerinnen interessiere (haben mittlerweile eine eigene Ecke in unserer Bibliothek), schien mir das die ideale Kombination. Für einen Nachmittag im Freibad und als Ablenkung zum Bügeln ist das Hörbuch auch gut geeignet. Die betonte Launigkeit des gerne gelesenen Blogs (aus dem ich über die Jahre mehr über Geburtsheilkunde gelernt habe als bereits aus John Irvings The Cider House Rules) verträgt die Übertragung in ein Buch nicht gut, doch Annette Friers liest mit Leidenschaft und in verschiedenen Akzenten – das ist durchaus lustig. Am Ende der gut drei Stunden Hörbuch war ich dennoch ein wenig genervt von den ständigen atemlosen Übertreibungen und klischeehaften Vergleichen.

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Am Sonntag war der diesjährige Kocherlball angesetzt, und da das Wetter in die vierte Woche wundervollen Sommer geht, würde er zweifelsohne stattfinden. Nach ein paar Jahren Pause ging ich mal wieder mit dem Mitbewohner hin. Aus Erfahrung wussten wir, dass sich die Tanzfläche nach der ersten Stunde etwas leert, und da wir vor allem tanzen wollten, schlenderten wir erst um 8 Uhr ein – als zahlreiche Frühaufsteherinnen schon wieder auf dem Heimweg waren.

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Mittlerweile liegt die Verkleidungsquote bei deutlich über 70 Prozent. Davon haben sich 98 Prozent für ein Oktoberfestkostüm entschieden, unter ein Prozent für etwas zum Thema „Kocherl“, ob liebevoll historisch oder nur eine improvisierte Dienstmädchenhaube aus Tortenspitze. Ein Paar hatte seine Mittelaltermarktgewandung gewählt, sehr erfrischend.

Musikalisch wird keineswegs getümelt, die Tänze sind praktisch international: Wir tanzten diesmal neben dem Boarischen auch einen Italiener und eine böhmische Polka. Und eine der beiden Musiken, die zum Tanz aufspielten, verabschiedete sich mit einem kurzen Pasodoble samt „Olé!“.

Anderthalb Stunden drehten wir uns zu Volkstänzen (unser Zwiefachenkurs nützte uns nur bei einem solchen, der nämlich einen schnell lernbaren Text zum Mitsingen hatte – die Taktwechsel des zweiten, rein instrumentalen, brachten wir nicht hin) und schwitzten in der kräftigen Morgensonne. Beim BR gibt’s Bilder, hier die Fotogalerie der Stadt München.

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So sehen übrigens Haferlschua aus, die als Kleidungsstück getragen wurden (nicht als Verkleidungsbestandteil). An Tanzmeister Magnus Kaindl.

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Den Nachmittag verbrachte ich im knackvollen Freibad Maria Einsiedel (aka Einzelbad), den Lärm der Menschenmassen durch Kopfhörermusik aus dem Smartphone übertönt.

Die vielen Freibadbesuche letztes Jahr und einige heuer haben mein Verhältnis zu Bikinibekleidung immer entspannter werden lassen. Am Samstag hatte ich mir im Schlussverkauf, Verzeihung: im Sales, sogar einen richtigen, neuen Bikini gekauft, der etwas albern ist (Rüscherl!) und mir ganz ausgezeichnet steht. Gestern im Einzelbad betrachtete ich wieder interessiert die höchst unterschiedlichen Körperformen in Bikinis und ihre Bekleidungswahl. Einen Stiltipp glaube ich allerdings bei aller Freude an Vielfalt geben zu können: Sie werden immer dann am besten im Bikini aussehen, wenn Sie die wirklich passende Größe tragen.

die Kaltmamsell

24 Kommentare zu „Wochenendreport: Brot, Rohre, Tanz, Bikinis“

  1. Helga meint:

    Der Bikini-Rat gilt für alle Kleidungsstücke. Und wird zu häufig nicht beherzigt.

  2. trippmadam meint:

    Verstopftes Rohr: probieren Sie es mal mit einer Spirale (gibt’s im Kaufhaus oder im Baumarkt). Schrauben Sie den Abfluss so nahe an der Wand auf, wie es geht (Vorsicht, die Einzelteile in der Reihenfolge des Abschraubens auf den Boden legen, dann geht das Zusammenbauen leichter). Dann führen Sie die Spirale so weit in das Rohr ein, bis Sie Widerstand spüren. Das ist der Anfang der Verstopfung (Allerdings kann das Abflussrohr in Altbauten komische Kurven haben, eventuell kann es auch sein, dass Sie in erst einmal in einer Kurve hängen bleiben. Dann einfach um 20 cm zurückziehen und ganz vorsichtig mit der Spirale wieder vortasten. Stellen Sie sich vor, Sie hielten die Zügel eines nervösen Pferds.) Jetzt stochern und kurbeln Sie mit etwas mehr Druck so lange, bis sich etwas löst. Das kann dauern, aber nicht aufgeben, zwischendrin spazieren gehen oder Kaffee trinken, dann wieder anfangen (ich habe mal Sylvester/Neujahr so verbracht). Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich etwas löst, spülen Sie mit etwas Wasser nach. Wenn das anfängt abzulaufen, weiterstochern, wieder Wasser nachgießen. Irgendwann gibt die Verstopfung nach. Wenn nicht, bleibt wohl nur der Fachmann.

  3. u_blues meint:

    Ihr Outfit ist toll – mir gefällt das Kleid, es steht Ihnen hervorragend! Gibt es das noch irgendwo zu kaufen? Es sieht so schön sommerlich-fröhlich-luftig-angenehm aus.

  4. Julia meint:

    Oh Gott, jetzt wird auch schon der Kocherl-Ball von all den Adabeis in ihren Mini-Dirndln gesprengt, die vermutlich alle keine Ahnung haben, wieso sie das in der Früh eigentlich machen. *augenroll* Umso besser, wenn Sie (trotzdem) Spaß hatten. Den Bikini-Rat mag ich generell für Sommermode noch etwas erweitern: ggf. sorgen eine Handbreit Stoff nicht für mehr Hitze unterm Gewand, aber doch für ein bisserl mehr Ästhetik. Und wer offene Schuhe trägt, möge sich bitte, bitte mal 5 min täglich dem Thema Fußpflege widmen.

  5. waltraut meint:

    Ich habe bei Ihnen schon bessere Bloggerinnen-Tips gelesen als diese gynäkologische „Launigkeit“. Und heisst es nicht KocherL-Ball?

  6. die Kaltmamsell meint:

    Das war aber vor sieben Jahren auch schon so, Julia, am Kocherlball damals habe ich zum ersten Mal Flipflops zu Lederhosen gesehen. Und dieses Jahr bot die Fußballerdisko P1 sogar ein Warm-up an: http://www.p1-club.de/club/event/id__991/

    Danke, waltraut, ist verbessert.

  7. Karl meint:

    Nach dem Lesen Ihrer unsympathischen Besserwisser-Tweets und dieses ebenfalls mit „Alle andren dümmer als ich“-Blog-Beitrags kann ich mir die Genugtuung bestens erklären, die ich empfinde: Frau Frier. Ohne S.

  8. die Kaltmamsell meint:

    Danke, Karl, freut mich, wenn’s Ihnen jetzt besser geht.

  9. Sebastian meint:

    Auch wenn ich nicht so streng denke wie Karl, denke ich auch nicht so streng wie Julia. Ich finde, dass man den Kocherlball allen lassen sollte, die dazu bereit sind, sonntagfrühmorgens zum Tanz in den englischen Garten zu gehen und ihre Freude zu haben.

    Im Zweifel sind die nachtdurchfeiernden Mädels im Minidirndl eher das heutige Abbild der ursprünglichen Kocherlballklientel zurechnen als die Bildungsbürger im feinen Gwand – die nach der Tradition da nix zu suchen hatten, weil das war fürs Personal und nicht die Herrschaften.

    Oder soll das auch wieder so sein?

  10. Trolleira meint:

    Da musste ich jetzt aber doch lachen zu Bikini in passender Grösse – also passend ist jedenfalls relativ, siehe jeder Strand in Brasilien! Ach, warum sind wir Deutschen immer nur so unnachsichtig? Leben und leben lassen…

  11. trippmadam meint:

    Gott im Himmel! Jetzt lassen Sie die Kaltmamsell doch ein bisschen spötteln… Das ist der Lauf der Welt, einmal kriegen es die einen ab, einmal die anderen.

  12. Christine meint:

    Meine seltsame(?) Logik: Da gehe ich lieber nackt als im Bikini. Also entweder gehe ich klassisch im Badeanzug/Tankini ins Frei- oder Hallenbad. Oder ich gehe nackt in eine Saunalandschaft/FKK Bereich.

  13. die Kaltmamsell meint:

    Das überrascht mich, Trolleira. Wie passt das mit dem Umstand zusammen, dass Brasilien die weltweit höchste Quote an kosmetischen Operationen hat?

  14. Sebastian meint:

    „Sie werden immer dann am besten im Bikini aussehen, wenn Sie die wirklich passende Größe tragen.“

    Immer? Ich auch?

  15. die Kaltmamsell meint:

    Aber ja doch, Sebastian, probier mal einen Bikini Größe 46 gegen einen Größe 40 an und schau, welcher besser aussieht.

  16. Sebastian meint:

    Also bitte, als wenn ich je 46 gebraucht hätte!

  17. barbara meint:

    Das Kleid ist ein Unikat und Frau Kaltmamsell hat es sich im MoMa gemopst.
    Da der link nicht will: Sleeping Gypsy (Henri Rousseau) googlen.
    Schönes Kleid, steht Ihnen prima.

  18. Petra S. meint:

    @Barbara – genau – witzig. Mir kam das Kleid gleich so bekannt vor.

    @Kaltmamsell Habe ich nicht auch hier den Spruch gelesen „Dress the figure you have Not the one you remember“ . Derzeit gerne und oft von mir zitiert – auch in Selbstgesprächen.

  19. Sebastian meint:

    Genau @barbara. Und grade gelernt, dass La Bohémienne Die Zigeunerin heißt.

  20. u_blues meint:

    Toll, das mit dem Kleid :-D
    Und ich habe wieder was gelernt, diesmal über französische Malerei. Schon ein Ding, dieses Internet.

  21. Trulla meint:

    Ich hatte die Fotos Ihrer Tagesoutfits schon sehr vermisst, umso größer die Freude heute. Ihr sehr eigener Stil könnte nur noch dadurch getoppt werden, dass Sie uns auch den Anblick Ihres wirklich schönen Gesichts öfter gönnen würden.

  22. Trolleira meint:

    @Kaltmamsell: Mir hat mal jemand hier folgendes gesagt: „Die Brasilianer legen extrem viel Wert auf das Aussehen, aber sie verzeihen auch viel!“ Und mit passend ist relativ meinte ich, hier in Brasilien wird normalerweise der Bikini viel zu klein getragen!

  23. mariong meint:

    ganz off topic:
    liebe kaltmamsell, wussten Sie, dass, wenn ich küchentechnisch mal wieder gar nicht weiter weiß, bei Ihnen immer das passende Rezept finden kann?
    Vielen Dank.
    am heißesten Sommertag, wie immer, darf ich eine kleine Geburtstagsfeier ausrichten. ich habe möglichst wenig lust, den backofen laufen zu lassen und überhaupt. aber hier finde ich immer was, z.B. die weltbeste Philadelphiatorte (mach ich in Gläser!) und ….

    DANKE

  24. die Kaltmamsell meint:

    Das freut mich ungeheuer, mariong!

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