Journal Mittwoch, 27. August 2014 – Bankgeschäfte

Donnerstag, 28. August 2014 um 6:37

Strampeln auf Crosstrainer mit Blick auf mottenzerfressene Kastanie und Regenschauer.

In einer Regenpause zur Arbeit geradelt.

Durch einen Anruf herausgefunden, dass man auch heute noch manche Bankgeschäfte nicht online tätigen kann. Ich zum Beispiel wollte die Höhe meines Überweisungslimits verändern. (Mit der Bezahlung der neuen Küche tätige ich die weitaus höchste Geldausgabe meines Lebens.) Doch man beschied mir, dazu müsse ich persönlich in meine Geschäfsstelle kommen. Da ich in den vergangenen 16 Monaten zweimal meine Kontokarte verloren habe, bin ich zwar geradezu ein regelmäßiger Gast in meiner Sparkassenfiliale geworden (in den zehn Jahren davor war ich auch gerade mal auf zwei Besuche gekommen). Doch die Öffnungszeiten liegen halt innerhalb meiner Arbeitszeit. Kurzerhand verschob ich meine Mittagspause und radelte am frühen Nachmittag unter regendrohenden Wolken rüber zur Bank.

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Es amüsiert mich (grimmig), dass ich in meinem Job unter anderem damit mein Geld verdiene, Geschirr zu spülen sowie Küche und Konferenzraum zu reinigen – um davon Putzkräfte zu bezahlen, die meine Wohnung sauber machen.
Wobei ich mich wegen des derzeit großen Gehaltsunterschieds momentan nicht mal daran beteilige, sondern Mitbewohner diesen Posten des gemeinsamen Haushalte allein begleicht. (Und mehr Miete zahlt. Das ist mir sehr bewusst. Und unangenehm.)

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Street life: Hong Kong in the 1950s as seen through a teenage photographer’s lens

In a city where traditional photo printing has declined, Ho advised people never to dump their old film.

„There could be something you have missed, like somebody in the background who is more interesting than those in the centre. Those are like jokes of God. You can resurrect them,“ he said.

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Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden: Je imkompetenter jemand ist, desto stärker überschätzt sie oder er die eigenen Fähigkeiten. Doch dagegen gibt es nach Meinung von Florian Aigner ein Mittel: Bildung.
„Ahnungslos und stolz darauf“.

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In der Septemberausgabe des New Yorker steht ein Portrait meiner gestern erwähnten Lieblingsaltphilologin Mary Beard:
„The Troll Slayer“.

Auch wenn ich als kreischendes Fangirl keine belastbare Referenz bin: Lesen Sie das Portrait und freuen Sie sich daran, dass es so jemanden gibt.
Nicht nur wird ihre Forschung in der Altphilologie vorgestellt oder ihre Präsenz damit in populären Kanälen direkt dafür verantwortlich gemacht, dass Altphilologie an britischen Universitäten wächst und blüht. Sondern, wie der Titel des Portraits andeutet, sie wird auch als beispielhafte Kämpferin gegen unflätige Angriffe im Internet geschildert:

There is an injunction among users of social media that one should not pay attention to online detractors. There is even a Twitter account, @AvoidComments, which issues monitory statements: “You wouldn’t listen to someone named Bonerman26 in real life. Don’t read the comments.” Beard argues, instead, that comments sections expose attitudes that have long remained concealed in places like locker rooms and bars. Bonerman26 exists; his vileness should be contended with. In this spirit, she posted the image of herself-as-genitalia on her blog—it was surely the first time that the T.L.S. site might have needed a Not Safe for Work warning—and suggested possible responses for her supporters to take, such as flooding the offending message board with Latin poetry. The story made international news, and the message board soon shut down.

Unter anderem. Lesen Sie den langen Text bis zum Ende und zu der klugen Schlussfolgerung von Autorin Rebecca Mead.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 27. August 2014 – Bankgeschäfte“

  1. Angelika Dommer meint:

    Es amüsiert mich (grimmig), dass ich in meinem Job unter anderem damit mein Geld verdiene, Geschirr zu spülen sowie Küche und Konferenzraum zu reinigen – um davon Putzkräfte zu bezahlen, die meine Wohnung sauber machen.

    Klingt doch irgendwie irrational, oder gar absurd? Konträr wäre besser, schicken sie die Putzkraft in ihre Firma und machen ihre Wohnung selbst sauber.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Die Firma hat durchaus eine (hervorragende) Putzkraft, Andrea Dommer, aber die kommt halt nur einmal die Woche.
    Ebenso wie unsere Putzleute daheim – da müssen wir ja auch dazwischen selbst spülen und räumen.

  3. Sabine meint:

    Hurra, noch ein Artikel zum ausgesprochen würdevollen troll slaying von Mary Beard. Ich hab das heute früh schon im Guardian gelesen und war darüber so glücklich, dass ich gleich wieder eingeschlafen bin.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Habe ich dir eigentlich jemals explizit gedankt, Sabine, dass du mich mit Mary Beard bekannt gemacht hast? War seinerzeit eine Aktion irgendwo: Welche Blogs können Sie empfehlen? Du empfahlst ihr Blog.
    Danke!
    (Hier für alle anderen der Artikel im Guardian: http://www.theguardian.com/books/2014/aug/27/mary-beard-befriends-twitter-trolls-online-abuse)

  5. Sabine meint:

    Bitte!

    (Ich imaginiere das gerade wie die Toransagen in der Allianz Arena, mit donnerndem Widerhall von zigtausend Fans).

    Ich habe sogar mal ein Buch von Mary Beard (bzw ihrem Verlag) gekriegt, weil ein Blogkommentar von mir drin abgedruckt wurde. Da bin ich ja schon sehr stolz drauf.

  6. Trippmadam meint:

    „Ahnungslos und stolz darauf“: Anfang oder Mitte der Neunziger soll es mal eine Studie gegeben haben, in der es um die Englischkenntnisse zukünftiger Führungskräfte ging. Verglichen wurden Männer und Frauen, und die Studie kam zu dem Ergebnis, dass es um die Englischkenntnisse der Männer besser bestellt sei. Das Ergebnis verwunderte mich nur so lange, bis ich las, wie es zustande gekommen war: man hatte nämlich die TeilnehmerInnen befragt, wie sie denn ihre Kenntnisse einschätzten. Die Männer schätzten sich fast durchweg besser ein als die Frauen.

  7. Georg meint:

    Je imkompetenter jemand ist, desto stärker überschätzt sie oder er die eigenen Fähigkeiten. Doch dagegen gibt es nach Meinung von Florian Aigner ein Mittel: Bildung

    Aber wenn „die“ doch überzeugt sind, schon alles zu wissen…

  8. Sebastian meint:

    Bei den Putzvergleich musste ich erst an die mehreren Mütter denken, von denen ich mit einem hilflosen Schulterzucken gehört habe, dass ihr Beitrag zum Einkommen in der Familie für die Kinderbetreuung in ihrer Arbeitszeit drauf geht. Was natürlich auch eine unsinniger Vergleich ist, auch im Vergleich mit dem Putzvergleich weil… ja… das mit dem Büroputzen war ja nicht der Plan.

    Aber gibt es auch eigentlich Väter, die so was sagen?

    Zumindest gibt es Köche, die auch essen gehen von ihrem Geld. Was natürlich auch wieder ein unsinniger… Ach, Du solltest einfach nicht Tellerwäscherin sein. Dann wird’s wieder sinnig.

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