Journal Donnerstag, 10. September 2015 – Wieder überfordert

Freitag, 11. September 2015 um 7:14

Ich fürchte, ich bin sehr leicht zu überfordern.

Abends ging ich Pizzaessen. Nachdem ich die vergangene Woche über in Ermangelung eines Mitessers vor allem damit beschäftigt gewesen war, den Ernteanteil zu verarbeiten, bemerkte ich meine Unlust auf den halben Salatkopf und die restlichen Radieserln im Kühlschrank (Tomaten, Karotten und ein paar Radieserln hatte ich schon zur Brotzeit gehabt). Ich hatte Lust auf Pizza und bestellte zu einem Glas Vermentino eine Pizza bianca quatro formaggi.

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Ich genoss sie sehr: Frisches Weißbrot mit einem Pfund gemischtem Käse überbacken – was kann daran schlecht sein?

An den Nebentisch setzte sich ein nicht mehr junger Mann, seine Tasche und seinen Anorak hatte er auf dem Stuhl gegenüber abgelegt. Er bestellte in gutem Englisch mit Akzent eine Pizza, nachdem er mit Verweis auf meine gefragt hatte, ob diese der servierte “style” sei, dazu ein Glas Wasser. Er aß die Pizza und ließ wie so viele (völlig unbegreiflicherweise) einige Stücke Rand übrig. Ich hatte gerade gezahlt und war am Aufstehen, als der Mann der Bedienung eine Hand voll Münzen hinhielt: Das sei alles, was er zahlen könne. Na, also das sei aber nicht genug!, rief die Bedienung, da müsse sie ihren Chef holen.

Ich war peinlichst berührt und machte mich davon. Hielt aber in der Tür nochmal inne, ob ich am Ende schon wieder vor einer Gelegenheit weglief, in der ich einem Bedürftigen helfen könnte. Doch dann fiel mir ein: Er hatte etwa 4 Euro in Münzen in der Hand gehabt (jahrelanges Sammeln von Kleingeld als Urlaubskasse übt den Blick). Dafür hätte der Mann im Supermarkt um die Ecke Brot und Käse bekommen, einen Apfel dazu, und sich satt essen können. Er war sehr wahrscheinlich einfach nur ein Lump, und die Bedienung tat mir leid.

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Gernstls Zeitreisen im BR angesehen – ja, die Musik hatte ich letzte Woche richtig als Sigi Schwab1 identifiziert, sie gehört für mich sehr in die 80er Jahre, auf deren Spuren Gernstl ja war. Diesmal stieß er unter anderem in Hamburg auf öffentliches Yogaturnen und versuchte wie immer ein bisschen über die Menschen herauszufinden.
“Des heißt, ihr wollt die Welt verbessern?”
“Ja.”
“Gut!”
(Erst kürzlich wieder “Weltverbesserer” abfällig gemeint gelesen. Irritiert mich ähnlich wie der Versuch, “Gutmensch” als Beschimpfung einzusetzen. Sowohl Weltverbesserung als auch ein guter Mensch zu sein gehören zu meinen ständig verpassten Zielen.)

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Der Postillon:
“München: Zeltstadt auf Theresienwiese soll 6 Millionen Realitäts­flüchtlingen Asyl bieten”.

In Integration brauchen die aber alle höllenmäßig Nachhilfe. Ich glaube, ich werde dann doch im direkten Kontakt aktiv und biete Integrationskurse zu diesen Themen an:
Auf welchen Möbeln sitzt man bei uns, worauf steht man?
Wie viel Rausch wird als angemessen angesehen?
Welche Notdurftorte werden akzeptiert?
Welche Dinge darf man aus Jux kaputt machen?
In welchem Rahmen drückt man sexuelle Avancen aus?
(Das Thema Bekleidung meide ich lieber, da gehöre ich selbst zur nicht-integrierten Minderheit.)

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Königin Elisabeth II. amtiert seit vorgestern länger als Königin Viktoria. Die Fugly-Damen blicken anhand ihrer Outfits zurück.
“Well Reigned, Queen Elizabeth II”.

Please enjoy A Brief and Recentish History of Royal Lids, and of course, all hail Our Lady of Hattitude. Seriously.

Ich finde ja, Frau Windsor sah als junge Frau großartig aus, das mittlere Alter stand ihr dann nicht so, aber seit etwa 20 Jahren wird sie immer schöner.

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https://youtu.be/87YgZmbB7a4

via @kinderdok

§

Tennis interessiert mich schon lange nicht mehr, aber ich verliebe mich gerade immer mehr in Serena Willams rein.
“Serena Williams Gives The Best Answer To A Reporter Who Asks Why She Isn’t Smiling”.

  1. Unter anderem Ferienhausnachbar meines Englischprofessors selig. []
die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 10. September 2015 – Wieder überfordert“

  1. Dentaku meint:

    Oh, die Zeitreisesendung ist ja toll.

  2. KochSchlampe meint:

    Zu den Integrationsbemühungen fällt mir ein Radiobeitrag des SRF ein. Es wurde darum gebeten, dass es weniger Geld- oder Sachspenden gibt und mehr Zeitspenden. Denn was wirklich notwendig sei, wären Schweizer, die den Flüchtlingen zeigen, wie das Leben in der Schweiz geht. Von allgemeinen, häufig ungeschriebenen Etiketten im Umgang zu Hilfe bei der Navigation der Behörden bis hin zu: wo kann man gut und dennoch günstig einkaufen.
    Das Ziel war/ist eine möglichst schnelle Integration und Unabhängigkeit der neu angekommenen.

  3. Frau Klugscheisser meint:

    Typischer Kommentar eines Nichtlesers und SChnellschlussziehers da oben ;-)
    Ansonsten: ich fand den Artikel unter Berücksichtigung aktueller Ereignisse in München ziemlich daneben (und damit meine ich nicht das Oktoberfest). Seltsam, denn im Grunde habe ich schon eine Ader für dunklen Humor. Nur halt nicht wenn ich das Leid vieler Flüchtender mit dem angeblichen Leid des Wiesntourismus in Beziehung sehe.

  4. Suzie meint:

    Ich finde das mit der Wiesn lustig. Wir Deutschen sind doch dauer-betroffen. Einmal mehr lachen, auch wenn einem zum weinen ist, finde ich immer noch einen guten Ansatz. Außerdem wird doch nun eher die Wiesn aufs Korn genommen & deren Besucher. Ich bin übrigens ein Wiesn-Fan. Habe 5 Jahre in München gelebt und versuche jedes Jahr, einen Tag Wiesn mitzunehmen.
    Und hier in Sachsen in Sachen Aufklärung zum Oktoberfest unterwegs, da es alle prollig/dümmlich/peinlich finden. Lustigerweise nur die, die noch nie selber da waren.

  5. Frau Miest meint:

    Die Einschätzung zum Aussehen von Elisabeth II. ist genau meine. Auch weil meine Großmutter schon ihr Leben lang und noch immer wie ihr Zwilling aussieht.

  6. Gaga Nielsen meint:

    “Arschloch”
    <3
    (sehr super Cover d. Ärzte m. Vertrauens)

  7. vered meint:

    Gelesen: Ich genoss sie sehr: Frisches Weißbrot mit einem Pfund gemischtem Käse überbacken – was kann daran schlecht sein? Und gedacht: Die Menge. Geht´s noch?

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