Journal Dienstag, 29. August 2017 – Spanienurlaub 9, Muros im Regen

Mittwoch, 30. August 2017 um 12:26

Ein Regentag – wie angekündigt. Als Pensionszimmerbewohner in einem Badeort mussten wir uns etwas einfallen lassen, denn zumindest für die Zimmerräumzeit ab 12 Uhr mussten wir unser Zimmer verlassen. Zum Glück war es mit etwa 20 Grad nicht kalt – ich habe nämlich nur Sandalen dabei, die einzigen geschlossenen Schuhe sind meine Wanderstiefel.

Frühstückskaffee wieder ums Eck, ungewöhnlicherweise hatte ich Appetit, und zwar auf ein süßes Teil. Ich fragte die Kellnerin also, welche bollos es gebe und unterbrach ihre Aufzählung sofort bei „… palmera“: Bitte genau das – ich mag diese Riesen-Schweinsohren aus Blätterteig besonders gern. Ich blieb mit Herrn Kaltmamsell länger als sonst sitzen und las Internet, es galt ja Zeit tot zu schlagen.

Wir beschlossen einen weiteren Fußmarsch in den Nachbarort Muros, diesmal aber entlang der Küstenstraße. In Muros planten wir Café-Hopping, ich kaufte mir dafür gleich mal eine Zeitung, diesmal das Regionalblatt La Voz de Galicia. Die Küstenstraße entpuppte sich als schöne Überraschung, da sie fast durchgehend von einem Fußweg gesäumt ist. Will heißen: Laufstrecke gefunden!

Mittlerweile regnete es stärker, wir suchten in Muros sofort Zuflucht in einem Café – in dem wir vom fröhlichen Kellner mit „princesa y príncipe“ angeredet wurden.

Später spazierten wir im Regen durch Muros mit seinen malerischen Winkeln und Ecken.

Wir stießen auf das alte und unerwartet große Waschhaus von Muros. Es sah aus, als sei es erst vor wenigen Jahrzehnten noch modernisiert worden.

Auch auf dem Rückweg durch den Wald entdeckte ich im Dorf Campo de Cortes das alte Waschhaus:

Auch an diesem Ort war klar, dass er noch vor wenigen Jahrzehnten genutzt worden war – wie auch die zahlreichen Waschhäuschen, die wir auf unserer Wanderung gesehen hatten. Ich erinnere mich noch aus meinen Kindheitsurlauben in Nordkastilien, dass die Bäuerinnen im Heimatdorf meiner Yaya mit der Wäsche an den río gingen, die Weißwäsche einseiften und auf Steinen mit Stöcken sauber schlugen, sie mit dem Wasser des Bachs klar spülten und auf den Stoppeln der abgeernteten Weizenfelder zum Trocknen auslegten.

Schlichtes Abendessen im Campingplatz-Café ums Eck.

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Zum 50. Geburtstag hatte ich mir ja Menopause gewünscht, und eine selige Woche lang sah es aus, als hätte das geklappt. Bis sich am Zyklustag 46 dann doch die Gebärmutter meldete, aber holla. Nun, wenigstens nicht auf der Wanderung, meine immer superstarke Blutung hätte mich in ernste logistische Schwierigkeiten gebracht. (Wie viel Energie ich seit 37 Jahren an diese Logistik verschwende! Ich hab’s so satt!)

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Ergebnis meiner Zeitungslektüren: Das beherrschende innenpolitische Thema (neben dem Terroranschlag in Barcelona) ist die anstehende nochmalige und verfassungswidrige Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens. Kommentatoren sowohl im El País als auch in La Voz de Galicia nehmen die Demo zum Gedenken an die Terroropfer am Samstag in Barcelona auf: Dort waren wohl katalanische Nationalisten als Gegendemonstranten aufgetreten – und hatten laut La Voz de Galicia das wahre Gesicht der Unabhängigkeitsbewegung gezeigt: Hass.
„El terror desnuda al independentismo“.

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In Deutschland tauchen Wahlplakate mit Symbolen auf, die eine lange antisemitische Tradition haben. Marina Weisband erläutert, wie irrelevant es ist, ob sie genau so gemeint sind:
„Über strukturellen Antiseminitismus“.

Bilder sind eben nicht unschuldig.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Dienstag, 29. August 2017 – Spanienurlaub 9, Muros im Regen“

  1. Hauptschulblues meint:

    Danke für den Hinweis zu Marina Weisband. Für Hauptschulblues haben die Plakate faschistischen Charakter.

  2. Croco meint:

    Dass es sich um Waschhäuschen handelt, darauf wäre ich nie im Leben gekommen. Auf den Fotos sehe ich jetzt keinen Bach oder Kanal. Was da eine andere Wasserquelle?
    Menopause ist übrigens ein Superwunsch.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Auf dem zweiten Bild von oben, Croco, sieht man links oben plätscherndes Wasser, dass per Rohr in die mittlere Rinne zwischen den Waschplätzen geleitet wurde. Die Rinne hatte Löchlein über jedem Waschplatz, diese Becken wiederum hatten größere Ablauflöcher.
    Beim unteren Waschhaus stehe ich bei unteren Bild direkt über dem Wasserzufluss – gestern nicht besonders viel.
    Ich gäbe viel darum, würde mir eine ehemalige Benutzerin vorführen, wie ganz genau die Waschplätze einst genutzt wurden. Oben zum Beispiel schließt sich den Einzelwaschplätzen ein größeres Becken an: Welche Funktion hatte das?

  4. berit meint:

    Die Diskussion um das Wahlplakat finde ich interessant. Ich wäre nie im Lebe von den genannten Bildern auf Antisemitismus gekommen.

    Fehlt mir da mit meinen 32 Jahren das Wissen um das genannte Zitat? Ist das ein Problem des Alters oder fehlenden Hintergrundwissens? Die Schlange ist für mich zB einfach Teil des Äskulapstab. Von dort auf eine Judenkarikatur zu springen, halte ich einfach für einen zu großen Schritt.

  5. Mareike meint:

    … sehr spannender und wichtiger Text von Frau Weisband! Vielen Dank für den Link!

  6. obadoba meint:

    Bei mir hat sich die Menopause leider auch noch nicht eingestellt und weil ich mir vor dem Sch… nichts verderben lassen will, habe ich im Rucksack immer das Notfall-Päckchen dabei: 4-8 Tampons, ein paar Blätter Feuchtpapier, etwas Klopapier und mehrere Brotzeittütchen. Damit lässt sich auch ein angehender Blutsturz weitgehend problemlos überstehen – ohne blutige Hinterlassenschaften in der Landschaft. Oder auf/in der Kleidung.

  7. Susann meint:

    Gott, diese elende Bluterei. Ich rechne fpr mich persönlich noch mit so 15 Jahren. *würg

  8. iv meint:

    Danke für den Link zu Marina Weisband. @berit: unter anderem deswegen braucht man historische (Bild-)Wissenschaften.


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