Archiv für August 2018

Journal Samstag, 25. August 2018 – Family Raid

Sonntag, 26. August 2018

Anlass des Besuchs bei der Familie in Ingolstadt war das neue Hallenbad. Seit seiner Eröffnung im April 2016 war geplant, dass ich es mal mit der vereinsschwimmenden Bruderfamilie ausprobieren würde. Es brauchte dann doch etwas länger, bis das tatsächlich passierte.

Der gestrige Samstag war regnerisch und kalt – wie praktisch, dass das neue Hallenbad auch während der Freibad-Saison geöffnet ist (im Gegensatz zu seinem inzwischen abgerissenen Vorgänger Hallenbad Mitte, in dem ich in Kindheit und Jugend am häufigsten schwamm).

Herr Kaltmamsell begleitete mich, mein Bruder holte mich mit den beiden Neffen am Hauptbahnhof ab.

Neues Hallenbad von außen. Hier stand zuvor das Eisstadion meiner Kindheit und Jugend. Rechts in dem Festungsbau waren die Umkleiden und der Kiosk gewesen; hier hatte ich Skiwasser kennengelernt.

Neues Hallenbad von innen. Es stellte sich als schönes und funktionales Sportbad heraus, mit Kinder-/Lernbecken in einer angrenzenden Extrahalle und Panoramafenstern auf einen Sportplatz und in den Park, der die Ingolstädter Altstadt umgibt. Es wurde allgemein geschwommen, der Hubboden war gesenkt und ermöglichte 50-Meter-Bahnen.

Der anschließende Programmpunkt: Die Pokémon-Arenen der Innenstadt zu dritt abklappern (die Neffen spielen nicht), Raids kämpfen, Arenen besetzen, schöne Geschenke einsammeln. Und das machten wir auch systematisch. Bei dieser Gelegenheit zeigte mir mein Bruder die jüngsten baulichen Veränderungen der Stadt. Was sich nicht verändert hatte: Die Ingolstädter Innenstadt ist ungenutzt und einsam, eingekauft wird in der Mall Westpark mit seinen unendlichen Parkplätzen und Kettengeschäft-Preisen. Selbst am früher (TM) umsatzstärksten Samstagmittag nach Schließung des Wochenmarkts auf dem Theaterplatz verloren sich nur ein paar Spaziergängerinnen und Spaziergänger in den Gassen, in der Fußgängerzone saßen zumindest ein paar Leute in Cafés. Die Gastronomie richtet sich zu einem großen Teil an den Büroangestellten im Viertel aus und öffnet nur wochentags tagsüber. Zumindest sah ich nicht mehr so viele mit Brettern vernagelte aufgegebene Geschäftsfronten wie noch vor ein paar Jahren.

Aber auch in Ingolstadt gibt es ambitionierte Spezialhändler: Der Besitzer dieses Legoladens (gegenüber Poppenbräu) hat die Alte Anatomie nachgebaut und ins Schaufenster gestellt.

In einer größeren Gruppe standen wir unterm Regenschirm beim früheren McDonalds (dieser damals sensationelle erste McDonalds der Stadt ist ebenfalls mittlerweile eingestellt – dafür hat im Gebäude des Schuh Reindl, wo ich die meisten meiner Kinderschuhe bekam, ein neumodischer Franchise-Burgerbrater aufgemacht): In einem Pokémon-Raid gab es ein legendäres Monster zu fangen. Ein paar Menschen waren bereits am selben Ort wie wir gestanden, sie kündigten eine weitere Gruppe an, die sich bald einfand. Den Raid gewann ich mit, damit auch viele Punkte, doch das Tier selbst ging mir durch die Lappen.

In freier Wildbahn: Pokémonfänger am Münzbergtor.

Über das prächtig erhaltene Scheinergymnasium gingen wir zurück zum Parkplatz (den heute niemand mehr „Alter Volkfestplatz“ nennt, weil niemand mehr gewärtig hat, dass das Volksfest einst hier stattfand).

Bei Bruderfamilie daheim war der Grill bereits angefeuert. Es regnete zwar weiterhin, doch die liebe Schwägerin erklärte „Trotz-Grillen“. Meine Eltern waren ebenfalls dazugekommen, wir saßen drinnen, von draußen wurden gegrillte Paprika, Champignons, Auberginen, Zucchini angereicht, Ćevapčići (gefüllt und ungefüllt), Lammkotelett, Schweinebauch, Putenschnitzel, Hähnchenkeulen, Fladenbrot. Es war ein großes und sehr fröhliches Schlemmen, zum Nachtisch gab es Apfelstrudel und Eis.

Geplant war gewesen, dass ich anschließend bei meinen Eltern Zwetschgen ernten würde, doch mein guter Vater war dann doch selbst auf die Leiter gestiegen und hatten seiner Tochter einen Korb voll gebrockt. Ich ließ mich also mit Herrn Kaltmamsell gleich zum Nordbahnhof bringen, daheim in München nahm ich mir die Zwetschgen vor.

Sie werden wie meist zu Latwerge und Datschi, gestern entsteinte ich die ersten fünf Kilo (bei weitem nicht so wurmig wie angekündigt), um sie mit Gewürzen und Zuckern über Nacht safteln zu lassen.

Am Rechner noch ein nächtlicher Schreck: Ich hatte mir durch einen unvorsichtigen Klick (als Mac-Userin bin ich nicht so risikobewusst) die Schadsoftware Mac Mechanic eingefangen. Herr Kaltmamsell recherchierte schnell Hintergründe und Beseitigungsmethoden, bislang sieht es so aus, als sei ich das Zeug losgeworden.

Journal Freitag, 24. August 2018 – 15. Bloggeburtstag

Samstag, 25. August 2018

Der Abschied des Sommers gestaltete sich sozialverträglich.

Erst zum Feierabend wurde die Regenfront aktiv – allerdings exakt zu meinem Feierabend. Als ich aus dem Werkstor trat, wehte mir kräftiger Winde den Regen so böse entgegen, dass ich zurück flüchtete und erst mal abwartete. Ich wollte für eine Erledigung zum Stiglmaierplatz laufen und hatte mich schon auf den Fußmarsch gefreut; jetzt sah es so aus, als müsste ich die U-Bahn nehmen. Doch da ich aus Wetterrichtung hellen Himmel sah, wartete ich ein wenig – und wurde mit Abklingen des Regens belohnt. Ich ging los, nach wenigen weiteren Minuten versiegten die Tropfen. Der Marsch in frischer, aber nicht kalter Luft wurde herrlich.

Zum Nachtmahl gab es Salat aus Ernteanteil (schlichtes Dressing aus Reisessig und Sonnenblumenöl – den Kick gab ein Schuss Sesamöl) und Halloumi. Negroni als Aperitif, ein Glas spanischen Weißwein dazu.

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Gestern wurde die Vorspeisenplatte 15 Jahre alt. Ich kann mich kaum mehr an die Kaltmamsell erinnern, die damals anfing, ins Internet zu schreiben. Doch einige Verbindungen und Freundschaften, die ich in den ersten Monaten meines Bloggens schloss, leben bis heute. Bislang hat noch jedes Jahr weitere Verbindungen und Freundschaften gebracht. Und bis heute finden sich Menschen, die lesen und ansehen mögen, was ich hier zeige, die mich freundlich und zugewandt bereichern. Ich danke Ihnen allen von Herzen, dass Sie mein persönliches Internet so erfreulich, menschlich und rosenduftend halten, wie ich es kennenlernen durfte. Bleiben Sie mir gewogen.

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Eigentlich habe mich nie besonders für Steve Jobs interessiert, und Geniekult stößt mich ab. Dieses Profil seiner ältesten Tochter (deren Autobiografie dieser Tage auf den Markt kommt) in der New York Times ist dennoch lesenswert:
„In ‘Small Fry,’ Steve Jobs Comes Across as a Jerk. His Daughter Forgives Him. Should We?“

Der Text ist nämlich aus journalistischer und erzähltechnischer Perspektive interessant. Zum einen schreibt Autorin Nellie Bowles sehr respektvoll, ohne unkritisch zu sein. Zum anderen thematisiert sie auf berührende Weise, was so ein Profil mit dem profilierten Menschen machen kann.

Ms. Brennan-Jobs said she was nervous about how she would be described physically in a profile, and so I asked her to use her own words. “My face is uneven,” she said. “I have small eyes. I wish I had dimples, but I don’t. I think right now I look jowly.”

I interjected to say she had delicate features, and freckles, and was about 5 foot 2, with slightly reddish brown hair.

“My nose,” Ms. Brennan-Jobs replied, “is not particularly delicate.”

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„Inside the World’s Only Sourdough Library“.

via Katharina Seiser auf Facebook

De Smedt’s process of collecting sourdoughs—whether in Greece, Mexico, America, or Japan—sounds as delicate as transporting a kidney. “It’s a very strict protocol,” he says, meant to prevent contamination and changes in temperature that could affect the starter. The library provides a special box with components that need to be frozen before the starter is poured in. Then, it’s airmailed to Belgium. The original baker also needs to donate yearly supplies of flour to the library to maintain the starter.

(…)

The library also has a website called “The Quest for Sourdough,” where bakers worldwide can register their starters and the ingredients used to make them, which include everything from rye flour to juice. Another feature showcases the flavor profiles of the library’s collection: whether a starter will produce a bread that is sour, umami, or even sweet.

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Mir ist schon klar, dass ich durchs Bloglesen wahrscheinlich überdurchschnittlich viel über Autismus und über/von Autistinnen und Autisten weiß. Doch umso mehr zucke ich jedes Mal zusammen, wenn jemand leichthin in meiner Gegenwart ein Verhalten oder Menschen als „autistisch“ bezeichnet, und sie damit beleidigen will. Zum einen ist das diskriminierend, zum anderen zeugt es immer von Unkenntnis über das Thema. Wenn irgend möglich erhebe ich Einspruch, und sei es nur durch ein schnelles: „Ich fürchte, Autismus ist nicht, was Sie glauben, dass es ist.“ oder „Bitte sei vorsichtiger mit dieser Bezeichnung.“

Wie bei jedem Thema sollten in erster Linie die Betroffenen gehört werden. Hier schreibt die Schriftstellerin Katherine May:
„Autism from the inside
Too many depictions of autistic people rely on tired clichés. The neurotypical world needs to take note of our own voices“.

It’s hard to imagine any other situation in which a group of educated, liberal adults would conjure a marginalised group as a shorthand for awful. Imagine describing an organisation as institutionally black, institutionally female or institutionally Muslim. Yet, somehow, intelligent people can drop ‘autistic’ into conversation whenever they want to draw a contrast between the unfeeling, insensitive, uncreative parts of this world, and their bright, emotional, magnificent selves.

Interessanterweise kommt auch Mark Haddons Roman The Curious Incident of the Dog in the Night-Time nicht gut weg.

the qualities routinely assigned to autistic people – lack of empathy, unworldliness, humourlessness, the inability to love – are the exact inverse of the qualities that a neurotypical society most prizes.

Mays zentrales Argument:

The sociologist Damian Milton at the University of Kent argues that mindblindness goes both ways. If we see social situations as dynamically constructed between the participants, rather than defined by static, universal rules, it is impossible for one person to have a social ‘deficit’; the failure lies in the mutual creation of a social reality. Therefore, when communication fails between autistic and nonautistic people, we must surely consider whether the mindblindness is mutual.

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Die erste Frau, die durchs Ziel des damals rein männlichen Boston Marathon rannte, ist nicht die, die ein Jahr später Schlagzeilen machte: Bobbi Gibb.

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https://youtu.be/2LjGKwedIIU

via @Cynx

Journal Donnerstag, 23. August 2018 – Kleine Abschiede

Freitag, 24. August 2018

Diesmal absichtlich bis sechs geschlafen: Ich war nachts so oft wach geworden, hatte so schlimm geträumt (aber keine Migräne!), dass ich die Sportpläne verworfen und die Weckzeit vorgestellt hatte.

Die Wetterprognosen blieben hartnäckig dabei: Abends sollte der Sommer enden. Ich nahm ein wenig Abschied.

Zum Beispiel vom Arbeitsweg in goldenem Morgenlicht.

Nach Feierabend war ich in Neuhausen verabredet. Ich ging zu Fuß unter böse dräuenden Wolken.

Von der Donnersbergerbrücke aus bot die Innenstadtsilhouette einen apokalyptischen Anblick. Es regnete allerdings nur wenige Tropfen.

Abendessen im Ruffini, das ich viel öfter besuchen sollte. Auch hier ließ ich den Sommer los und bestellte die herbstliche Kombination aus Polenta, Radicchio, Kürbis.

Nach Hause ging ich noch ein großes Stück zu Fuß, um die laue Nachtluft auszukosten.

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Noch ein bisschen Hausnummernschildliebe von gestern:

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Die Geschichte des weltweit bisher verheerendsten Hacks – sehr detailliert, spannend wie ein Krimi und durchaus beunruhigend. (Vor KI, maschinellem Lernen und autonomen Systemen habe ich weiterhin deutlich weniger Angst als vor bösen Menschen.)
„The Untold Story of NotPetya, the Most Devastating Cyberattack in History“.

via @hatr

Maersk’s 150 or so domain controllers were programmed to sync their data with one another, so that, in theory, any of them could function as a backup for all the others. But that decentralized backup strategy hadn’t accounted for one scenario: where every domain controller is wiped simultaneously. “If we can’t recover our domain controllers,” a Maersk IT staffer remembers thinking, “we can’t recover anything.”

After a frantic search that entailed calling hundreds of IT admins in data centers around the world, Maersk’s desperate administrators finally found one lone surviving domain controller in a remote office—in Ghana. At some point before NotPetya struck, a blackout had knocked the Ghanaian machine offline, and the computer remained disconnected from the network. It thus contained the singular known copy of the company’s domain controller data left untouched by the malware—all thanks to a power outage. “There were a lot of joyous whoops in the office when we found it,” a Maersk administrator says.

Journal Mittwoch, 22. August 2018 – Griechischer und goldener Abend

Donnerstag, 23. August 2018

Verschlafen. In meinem Fall heißt das zum Glück nie, dass ich erst am Vormittag aufwache. Gestern hatte ich vor der Arbeit Gymnastik treiben wollen und den Wecker entsprechend früh gestellt – dachte ich. Tatsächlich hatte ich ihn gar nicht aktiviert und erwachte erst kurz nach sechs. Nun, dann halt ein ganz gewöhnlicher sportfreier Morgen mit Bloggen und Milchkaffee.

Spätsommermorgenlicht auf St. Paul. Da für Donnerstagabend/Freitag das Ende des Sommerwetters angekündigt wird, hatte ich das Bedürfnis, es festzuhalten.

Den vielleicht letzten Sommerabend kostete ich mit Herrn Kaltmamsell auf der Terasse des griechischem Lokals Melina Merkouri aus, früher Molos. Zu einem netten Rosé Kir Yanni ”Akakies“ aßen wir:

Bretonische Artischocke mit zwei köstlichen Dips (Kümmeljoghurt und Kapernvinaigrette) und gebratene Sardinen als Vorspeise. Ich war über die Artischocken im August auf der Tageskarte misstrauisch gewesen, doch der freundliche Kellner erklärte, dass sie in der Bretagne schon ab Mai geerntet würden.

Dorade und Bifteki als Hauptspeise, gut.

Bevor ich meinen erbetenen Kaffee heleniko bekam, gab es noch einen Nachtisch aufs Haus: Dicken Joghurt mit Honig und Nüssen.

Die Tische waren bei unserer frühen Ankunft bereits gut und sehr gemischt besetzt, am Ende unserer Mahlzeit voll.

Heimweg in warmer Luft und wunderschönem Licht.

§

Was unterscheidet echte Medizin von unechter Medizin? Wenn Leute wie ich mit Wissenschaftlichkeit und Evidenz argumentieren, zeigt sich im Gespräch mit Anhängern dessen, was sie „Alternativmedizin“ nennen (und ich gar keine Medizin) eine grundsätzlich andere Definition von Wissenschaft.

Interessant und wegen seiner Differenziertheit hilfreich ist da der Text von Joseph Kuhn:
„Der wissenschaftliche Konsens“.

Unter anderem habe ich daraus einen Einblick in die wissenschaftliche Methodik der Psychologie bekommen (die ich ehrlich gesagt grundsätzlich angezweifelt hatte). Unterschiedliche Wissenschaften haben unterschiedliche Grundkonzepte, Methoden und Wahrheitsansprüche. Doch innerhalb des Fachs ist ein wissenschaftlicher Konsens Bedingung für Forschung.

Im „Denkkollektiv“ einigen sich Wissenschaftler nicht frei von aller Realität auf einen beliebigen Konsens, der dann als wissenschaftliche Tatsache verkauft wird, sondern sie prüfen mit den ihnen historisch jeweils verfügbaren Möglichkeiten, wie etwas zu erklären und zu beschreiben ist.

Und Erklärungen, die sich außerhalb des wissenschaftlichen Konsens‘ der Medizin bewegen, die zum Beispiel Kausalität nach Anekdoten und Gefühl zuschreiben („bei meinem Hund hat’s gewirkt“) statt sie replizierbar und doppelblind zu belegen – sind halt keine Medizin.

§

Großbritannien: Menschen, die im Krankenhausbett wohnen, weil sich keine behindertengerechte Unterkunft findet, oder mit einer leeren Flasche schlafen, weil sie das Klo in ihrer Wohnung nicht allein erreichen können.

„‚I never feel safe‘: meet the people at the very sharpest end of the housing crisis – disabled millennials“.

Finding decent accommodation is hard enough for ‘generation rent’ millennials – but for young disabled people a nightmare shortage of accessible housing is ruining lives and career prospects.

Journal Dienstag, 21. August 2018 – Kürzere Tage

Mittwoch, 22. August 2018

Inzwischen kann ich es nicht mehr verdrängen: Die Tage werden seit ein paar Wochen deutlich kürzer. Vor diesen paar Wochen konnte ich noch um 5:30 Uhr in der aufgehenden Sonne genug zum Joggen an der Isar sehen, jetzt gibt es beim Weckerklingeln um 6 Uhr das erste Hell am Himmel. Und bereits um 20:30 Uhr ist es dunkel genug, um Fledermäuse zu sehen.

Aber sommerlich und heiß war es auch gestern, wenn auch nicht erschlagend brüllend heiß.

Nach der Arbeit spazierte ich durchs Westend über die Hackerbrücke zum Haareschneiden, daheim bekam ich aufgetauten Gazpacho (immer noch köstlich) und ein Garnelen-Curry.

§

Eher für mich zum Festhalten – zu meinem Erstaunen war mir Kathrin Passigs historische Zusammenfassung der Automatischen Literaturkritik bislang entgangen:
„Überwiegend ernst gemeint“.

Darin unter anderem: Viel nützliches Hintergrundmaterial über Checklisten.

1000 Fragen 201-220

Dienstag, 21. August 2018

201. Wie gut kennst du deine Nachbarn?
Wenig. Ich wohne dort seit fast 20 Jahren und habe den begründeten Verdacht, dass ich noch nicht mal alle Nachbarn gesehen habe.

202. Hast du oft Glück?
Wahrscheinlich schon – aber ist das nicht eine Frage der Perspektive und der Gewichtung?

203. Von welcher Freundin unterscheidest du dich am meisten?
Das weiß ich nicht.

204. Was machst du anders als deine Eltern?
Keine Kinder, Mietwohung statt Eigenheim, für Hilfe und Annehmlichkeiten zahlen, statt durch Selbermachen Geld zu sparen.

205. Was gibt dir neue Energie?
Guter und tiefer Nachtschlaf.

206. Warst du in der Pubertät glücklich?
Oh nein, sehr unglücklich. Manchmal habe ich den Verdacht, dass ich aus dem pubertären Selbsthass und Lebensüberdruss nie rausgekommen bin.

207. Wann hast du zuletzt eine Nacht durchgemacht?
Ich kann mich nicht erinnern. Weiß aber sicher, dass ich das mindestens schon einmal gemacht habe. War nicht schön.

208. Womit beschäftigst du dich am liebsten in deinen Tagträumen?
Mit dem Haus am Brunswick Square in Brighton, das mir mein verschwundener leiblicher polnischer Großvater vermacht hat.
Der nämlich unter anderem Namen als Künstler in Großbritannien untergetaucht war, durch Heirat zu einem Vermögen gekommen, kurz vor seinem Tod von Reue über die verlassenen Töchter erfasst wurde und Vermögen sowie Besitz als Erbe unter seinen Enkelinnen und seinem Enkel aufteilte. Außer mir bevorzugten alle Geld, nur ich war außer mir vor Glück, dass dieses Haus am Brunswick Square zur Erbmasse gehörte.
Für mich ließ ich die Prachtwohnung im ersten Obergeschoß ausbauen, Souterrain, Erdgeschoß und die anderen Stockwerke vermiete ich zu Sonderkonditionen an Menschen, die sich solch eine Wohnlage nie leisten könnten.
Meine Wohnung kenne ich bereits in vielen Details: Dunkler Holzboden, eingebaute Bücherregale, Lesebereich vor den großen Fenstern nach vorne raus, Schlafzimmer und Wohnküche nach hinten, Bad fensterlos dazwischen. Wie auch außerhalb meiner Träume baue ich darin allerdings nichts um; inzwischen sitze ich in meinen Tagträumen meist in einem der Lesesessel am Fenster und schaue auf die Hunde auf der Rasenfläche oder aufs Meer.

209. Blickst du oft um?
Nein.

210. Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?
Dass der fröhliche, kreative und energiegeladene Eindruck, den ich erwecke, falsch ist.

211. Worüber hast du mit deinem Partner immer wieder Streit?
Auch wenn es nach 25 Jahren Partnerschaft immer weniger glaubwürdig oder gesund klingt: Wir streiten nicht. Angespannte Stimmung entsteht zwischen uns in den seltenen Fällen, dass wir beide gleichzeitig zickig sind. Und ich dann in seiner Hörweite über Computerverhalten schimpfe.

212. Worauf freust du dich jeden Tag?
Guten Milchkaffee am Morgen.

213. Welche Freundschaft von früher fehlt dir?
Die mit Martin. Die mit Frank.

214. Wie gehst du mit Stress um?
Hibbeln, Jammern, Selbsthass.

215. Gibst du dich gelegentlich anders, als du in Wirklichkeit bist?
Nein. We are what we pretend to be.

216. In welchem Punkten gleichst du deinem Vater?
Eigenbrötlertum bei äußerer Geselligkeit und Jovialität.

217. Kann man Glück erzwingen?
Wahrscheinlich mit Drogen.

218. Welcher Streittyp bist du?
Der, der viel Energie in ein Umgehen des Streits investiert, kurz und unsachlich ausbricht und sich dann komplett zurückzieht.

219. Bist du morgens gleich nach dem Aufwachen richtig munter?
Ja. Ich bin der wandelnde Albtraum jedes Morgenmuffels.

220. Wie klingt dein Lachen?
Undamenhaft.

Quelle: Flow-Magazin.

Zu den Fragen 181-200.
Zu den Fragen 221-240.

Journal Montag, 20. August 2018 – Ich genieße den Sommer

Dienstag, 21. August 2018

Noch ein Sommertag – ich genieße den Sommer immer noch, doch das könnte an meinem angenehmen temperierten Büro (Jalousien und geschlossene Fenster plus Kühlung und Frischluft durch die offene Tür aus dem Atrium) und an der gut temperierbaren Altbauwohnung liegen.

Als ich nach Feierabend vors Bürogebäude trat, war ich über die hohen Temperaturen überrascht, genoss aber die Brise. Mein Kreislauf hatte andere Ansichten, mir wurde schwindlig und ich ging sehr gemütlich mit kurzen Erledigungen heim.

Dort erwarteten mich zum Abendessen Maistortillas gefüllt mit Ernteanteilgemüse.

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Das mit den attraktiven Frauen geht mir weiter im Kopf herum. Ich erinnerte mich, dass es dazu ein passendes männliches Gegenstück gibt: Die (seltenen) Herren, die den Grad ihrer Aufmerksamkeit für Frauen, mit denen sie zu tun haben, direkt an deren Attraktivität koppeln. Im Berufsleben (das ich direkt nach dem Abitur mit 19 in einem Zeitungs- und Rundfunkvolontariat startete) fielen mir diese Männer schnell auf – und im Vergleich dazu diejenigen, deren Aufmerksamkeit offensichtlich von anderen Eigenschaften angezogen wurde, die ich der Einfachheit halber „Inhalt“ nenne. Instinktiv suchte ich die Nähe von Letzteren.

Im erwachseneren Berufsleben musste ich aber regelmäßig auch mit Ersteren umgehen und sie dazu bringen, sich mit mir und meinen Anliegen zu beschäftigen – ohne dass sie ihre Augen an mir weiden oder mit mir flirten konnten. (Das ist vermutlich die Situation, in der sich attraktive Frauen beim Altern erstmals wiederfinden.)

Mein Erfolg war durchwachsen: Manchen musste ich während der ganzen Dauer der Zusammenarbeit hinterherrennen, wenige schalteten um, behandelten mich irgendwie als Mann ehrenhalber und wurden verlässliche Verbündete.

§

Eine Türschwelle in Kreuzberg birgt Verlorenes aus vielen Jahrzehnten.

via @annmeiritz

§

„Black Hair for Non-Black Artists: a Cheat Sheet Thread.“

via @ruhepuls

Ich blieb auch deswegen an den Details hängen, weil ich erst durch Viola Davis und kürzlich den Roman Americanah gelernt habe, wie wichtig das Thema für People of Colour mit krausem Haar ist.


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