Archiv für August 2018

Lieblingstweets August 2018

Freitag, 31. August 2018

Fette Ernte. Und ich habe offensichtlich meinen Frieden mit der Erweiterung auf 280 Zeichen geschlossen – vielleicht wegen der guten Kurzgeschichten.

Ausnahmsweise mit Link zum Tweet, weil in den Replies noch viel mehr solche Fotos stecken.

Journal Donnerstag, 30. August 2018 – Zur Familienhochzeit nach Berlin

Freitag, 31. August 2018

Aufgewacht zu Regenrauschen. Wie hatten eine gemütliche Zugverbindung nach Berlin gebucht, die Zeit für Ausschlafen, gemütlichen Morgenkaffee, gemütliches Kofferpacken ließ. Der kräftige Regen war zwar auch bei den lediglich 15 Fußminuten zum Bahnhof doof, aber trocknet ja wieder.

Bahnfahren ist toll. Wenn man wie wir nicht auf Anschlusszüge angewiesen ist. Auf den ersten paar Kilometern holte sich unser ICE gut 20 Minuten Verspätung (noch im Bahnhof Warten auf zugebrachte Reisende, später Check eines möglichen Triebwerkschadens) – für die Reisenden mit Umstieg in Nürnberg saudoof. Doch bis zu unserer Ankunft in Berlin war alles bis auf fünf Minuten wieder reingefahren, wir kamen in den angekündigten viereinhalb Stunden von München Hauptbahnhof bis Berlin Hauptbahnhof – gemütlich lesend und brotzeitend, mit der ein oder anderen Greifvogel- und Rehsichtung vorm Fenster.

Neil Geimans American Gods ausgelesen, mir gefiel der Roman gut. Schon das Set-up als Hintergrund mochte ich: Die vielen Einwandererkulturen brachten alle ihre Götter mit in die USA, durch Glauben, Gedanken, seit vielen Jahrhunderten. Natürlich wurden sie durch die neue Umgebung verändert. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Mann, der gerade eine Gefängnisstrafe abgesessen hat, Shadow. Er muss erfahren, dass seine Pläne für die Zeit nach der Inhaftierung nichtig sind: Seine Frau ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, ebenso der Freund, bei dem er einen Arbeitsplatz hatte. Statt dessen wirbt ihn ein seltsamer alter Mann als Faktotum an – der seine Namen und seine Vergangenheit kennt und sich Wednesday (*zwinker*) nennt. So gerät Shadow in die Welt der amerikanischen Götter. Mir gefiel gut, dass Realitätsebenen unzuverlässig sind, ohne dass das Ganze magic realism wird, ich mochte die Reisen durch verschiedene US-Landschaften und -Kulturen, und ich wurde immer wieder durch Wendungen überrascht – bis zum Schluss.

In Berlin war das Wetter bedeckt, aber trocken. Da wir Bedürfnis nach Luft und Bewegung hatten, gingen wir die knappe Stunde zu Fuß ins Hotel. Ich hatte in einem Haus auf meiner Wunschliste gebucht (die ich bestücke, wenn ich von interessanten Hotels lese, und mir für besondere Urlaube leiste), im ehemaligen Stadtbad Oderberger – die Schwimmhalle ist wieder in Betrieb.

Es stellte sich als wirklich besonderes und wunderschön renoviertes Hotel heraus.

Und zum erstes Mal im Leben beanspruchte ich in einem Hotel Zimmerservice: Ich ließ mir Bügelbrett und Bügeleisen bringen, weil die Festkleidung trotz aller Packungssorgfalt verknittert eingetroffen war. Und wenn ich schon mal dabei war, glättete ich auch die andere, nicht festliche Kleidung.

Über die Whatsapp-Gruppe der Familienenkel (Familienseite des Herrn Kaltmamsell) waren über die beiden Tage davor bereits Fotos von Unternehmungen mit der angereisten amerikanischen Verwandtschaft zu sehen gewesen. Wir schließen uns dem nach der Hochzeit am Freitag an, gestern Abend gingen wir noch zu zweit aus: Ich zeigte Herrn Kaltmamsell das Jolesch. (Auf dem Weg zur U-Bahn wurden wir nochmal angeregnet.)

Wie aßen Menü mit Weinbegleitung. Ich lernte, dass man Wassermelone lieber nicht braten sollte (wird zäh), und entdeckte einen sehr interessanten österreichischen Sauvignon Blanc: Der Weixelbaum Wahre Werte war der animalischste Sauvignon Blanc, den ich je im Glas hatte, die Würzigkeit hatte schon was von gekochtem Rosenkohl.

Zurück im Hotel sahen wir uns noch eine Weile um.

Riesige Außenbeschriftung an der Seite des Gebäudes.

An der Wand einer Sitzecke.

§

Die Ausschreitungen in Chemnitz sind lediglich ein Symptom. Den Hass, die Missgunst, die Aggression gab es schon vorher, sie suchten sich lediglich andere Ziele. Hier zwei Innensichten, die die Wurzeln und die Mechanismen dahinter in DDR-Vergangenheit sehen:

Rüdiger Jope, ein ehemaliger Pastor schreibt:
“Krawalle in Chemnitz: Was ist bloß los im Osten?”

Und Anke Gröner veröffentlicht in ihrem Blog die Zuschrift ihrer Leserin Beatrix:
“Leserinnenpost”.

Wir scheint es selbstverständlich, dass 40 Jahre unterschiedlicher Umgang mit der eigenen Vergangenheit als Drittes Reich eine grundsätzlich verschiedene politische Kultur hervorbringen: Im Westen 40 Jahre Ringen um Aufarbeitung, Streiten um Schuld (persönlich, kollektiv), um Verantwortung, um Vergebung, um Ursachen, um Konsequenzen, um Identifikation mit dieser Zeit vs. Distanzierung – immer und immer wieder um jedes Detail, und das vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Im Osten komplette Auslagerung der Geschehnisse und Greuel an Andere-die-nicht-wir-waren und Erklärung als abgeschlossen per Dekret. Das macht was mit Gesellschaft und Einzelnen. Dass all das Streiten und Befassen im Westen nicht gegen eine neue rechtsradikale Welle immunisierte, erwies sich allerdings immer wieder, siehe Republikaner, siehe NPD, siehe AfD heute.

Journal Mittwoch, 29. August 2018 – Out of Büro

Donnerstag, 30. August 2018

Dann halt wieder wegen Schmerzen eine unruhige Nacht, aber tagsüber gings.

Der Morgenhimmel, unter dem ich ins Büro ging, war wundervoll, der Arbeitstag voll, aber endlich: Von Donnerstag bis Dienstag habe ich Urlaub und reise zu einer Familienhochzeit nach Berlin.

Ich nahm nach Hause wieder den Weg über Bavariapark und Theresienwiese.

“Phantasie” von Carl Ebbinghaus (1872-1950).

Eine weitere der vier Allegorien von Carl Ebbinghaus im Park – zu der ich auf die Schnelle nichts finden konnte.

Herr Kaltmamsell hatte aus Wegzuessendem das Abendbrot bereitet (Kartoffel-Karotten-Auflauf überbacken), wir ließen uns nochmal auf dem Balkon nieder.

Nach Sonnenuntergang kam heftiger Wind auf und brachte herbstliche Gerüche. Es gewitterte.

§

Wichtig: Es gibt ein anderes Chemnitz:
“Nach den Krawallen
Das andere Chemnitz”.

Ja: Die Gefahr von Rechts wurde systematisch verdrängt – aber es wäre schädlich, all diejenigen vor den Kopf zu stoßen, die schon immer dagegen angegangen sind. Und die sich mit sowas auseinandersetzen müssen (ich stelle mir das – zum Glück – vergeblich in München vor):

Doch auch wenn es bergauf geht, ist es nicht immer einfach. Weil vor allem alternative Künstler im Lokomov auftreten, wurde es mehrfach angegriffen. Beim ersten Mal flog ein Pflasterstein durchs Fenster. Nach der Aufführung eines Theaterstücks über den NSU zündeten Unbekannte vor dem Schaufenster einen Sprengsatz. Einige Monate später wurde das Café nachts beschossen.

§

Ist dann auch schon wieder 30 Jahre her: Der schräg-charmante Film Out of Rosenheim von Percy Adlon. Im Guardian erinnern sich er und die Hauptdarstellerin CCH Pounder.
“How we made: Bagdad Café”.

via @ineshaufler

Journal Dienstag, 28. August 2018 – Länger werdende Schatten

Mittwoch, 29. August 2018

Endlich hatte ich wieder Lust auf eine Runde Krafttraining vor der Arbeit – tat gut.

Zu Fuß ins Büro in milder Luft, es wurde ein schöner, sonniger Tag.

Feierabend nach viel Arbeit. Ich hatte Lust auf einen Umweg durch den Bavariapark, genoss das Licht (für 18 Uhr schon sehr golden) und die Luft, die von vollen Obstbäumen kündete, von Äpfeln, Zwetschgen, Birnen, von Nachmittagen am Baggersee, an denen die Schatten immer früher lang wurden, man immer früher heimradelte, weil es kühl wurde. In diesem Jahr spüre ich sehr deutlich den Übergang von Hochsommer zu Spätsommer mit Herbsttönen – schön.

Westend-Lieblingshaus von einer anderen Seite.

Blick auf die Theresienwiese vom Fuß der Bavaria aus.

Ich holte Herrn Kaltmamsell zu einem Abendessen im Schnitzelgarten ab, zur Tagesschau waren wir schon wieder zu Hause.

§

Ich bin höchst irritiert über die Wortwahl der traditionellen Medien bei der Berichterstattung über die rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz. Die Protestierenden gegen die Nazis werden als “links” oder “links orientiert” zusammengefasst – ist alles außer Nazis links? Ich befürchte, dass genau so die Mitte verprellt wird, die empört und angeekelt über Nazis ist, aber sich wirklich nicht als links bezeichnet sehen möchte. Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach hat das ausgeführt:
“Rechte und linke Demonstranten”.

Und die Tagesschau um acht behauptete, die Nazis in Chemnitz seien von “Ausländerfeindlichkeit” motiviert gewesen – haben sie ihre Opfer etwa erst nach ihrem Pass gefragt? Wie überhaupt die Opfer in den Medien als “Einwanderer”, oder “Immigranten” bezeichnet wurden. Nein, das korrekte Wort ist “Rassismus”: Die Rechtsradikalen haben sich auf Menschen gestürzt, die in ihren Augen nicht-deutsch aussahen.

1000 Fragen 221-240

Dienstag, 28. August 2018

Diese Antworten sind mir bisher am schwersten gefallen (die meisten zumindest).

221. Gibt es Freundschaft auf den ersten Blick?
Oh ja!

222. Gönnst du dir selbst regelmässig eine Pause?
Wovon? Von der Arbeit? Ja.
Vom Leben? Das wäre schön.

223. Bist du jemals verliebt gewesen, ohne es zu wollen?
Sogar meistens.

224. Steckst du Menschen in Schubladen?
Ja – doch ich halte Typisierung für einen grundmenschlichen Wahrnehmungsmechanismus. (Wunderbar fiktionalisiert in dieser ikonischen Szene aus Up in the air.) Was ich von mir und eigentlich von allen verlange: Dabei nicht stehen zu bleiben, die Einordnungen zu hinterfragen, offen zu sein für Alternativen.

225. Welches Geräusch magst du?
Pappelrauschen.

226. Wann warst du am glücklichsten?
Mir fallen keine Kriterien ein, mit denen ich das messen könnte. Ich erinnere mich an gleißende Enthusiasmusspitzen, doch die hätte ich nie als Glück bezeichnet. Und doch ist Glück für mich kein Zustand, sondern ein Moment.

227. Mit wem bist du gern zusammen?
Wieder Herr Kaltmamsell.

228. Willst du immer alles erklären?
Meistens.

229. Wann hast du zuletzt deine Angst überwunden?
Überwunden? Eher erfolgreich weggedrückt. In den letzten Jahren bekomme ich immer Herzrasen und Angst, wenn ich mich beruflich in einer größeren Runde zu Wort melde, vor allem mit Widerspruch. Bislang mache ich es noch trotzdem.

230. Was war deine größte Jugendsünde?
Dass ich so grässlich zu meinem kleinen Bruder war.

231. Was willst du einfach nicht einsehen?
Unter anderem: Dass Frauen und Mädchen selbst schuld sein sollen, wenn sie sexuell belästigt werden.

232. Welche Anekdote über dich hörst du noch häufig?
Keine.

233. Welchen Tag in deinem Leben würdest du gern noch einmal erleben?
Keinen.

234. Hättest du lieber mehr Zeit oder mehr Geld?
Zeit.

235. Würdest du gern in die Zukunft schauen können?
Nein.

236. Kannst du gut deine Grenzen definieren?
Ich bin gut darin, bei Menschen den Charakterzug potenzielle Grenzüberschreitung blitzschnell zu erspüren. Diese Menschen meide ich.
(Bin aber nicht sicher, ob das die Frage beantwortet. Klare Worte “Bis hierher und nicht weiter!” kann ich nämlich nicht.)

237. Bist du jemals in eine gefährliche Situation geraten?
Zählen schwere Krankheiten? Die zweite Lungenentzündung mit 13 war wohl gefährlich.

238. Hast du einen Tick?
Haaredrehen, Nagelhaut fieseln.

239. Ist Glück ein Ziel oder eine Momentaufnahme?
Ein Moment.

240. Mit wem würdest du deine letzten Minuten verbringen wollen.
Herrn Kaltmamsell. Wenn’s irgenwie geht.

Quelle: Flow-Magazin.

Zu den Fragen 201-220.
Zu den Fragen 241-260.

Journal Montag, 27. August 2018 – Morgenkälte, Abendschwüle und Beifang aus dem Internetz

Dienstag, 28. August 2018

Endlich mal wieder richtig gut geschlafen (hochdosiert Ibu vorm Zu-Bett-Gehen gegen Mentruationskrämpfe), hätte ruhig länger sein dürfen.

Zum Morgenkaffee musste ich inzwischen wieder das Licht anschalten, wenn auch nur für die ersten 15 Minuten. Dennoch mit nackten Beinen und ohne Jacke aus dem Haus gegangen: Laut Wettervorhersagen wird in den nächsten Tagen nochmal ein bisschen Sommer nachgeschoben, der Gedanke musste zum Wärmen reichen.

Auf dem Heimweg war es dann auch überraschend schwülwarm. Ein wenig Lebensmitteleinkäufe, ein wenig Bank.

8 – 9 – 10

Abend allein daheim, Herr Kaltmamsell besuchte einen Freund. Ich machte mir Ernteanteilsalat sowie Nudeln mit Ernteanteil-Zucchini und Karottengrün-Pesto, das Herr Kaltmamsell im Kühlschrank hinterlassen hatte. Alles sehr köstlich, ich freute mich über die Idee eines Tahini-Dressings.

§

Mir wird ganz kalt:
“Studien zeigen: Schon Mädchen glauben, dass sexuelle Belästigung ganz normal ist”.

Es macht etwas mit dem eigenen Selbstbewusstsein, wenn du immer und immer wieder über Jahre und von allen möglichen Personen – seien es Fremde oder Menschen, die dir näher stehen – auf deine Sexualität und deinen Körper reduziert wirst. Man vergisst, dass man ja so viel mehr ist als diese äußere Hülle. Unsere sexualisierte und herablassende Kultur gegenüber Frauen verursacht kollektive Schäden am Selbstwertgefühl von Frauen und Mädchen – und das hat Folgen für das, was sie für sich selbst und gesellschaftlich erreichen können. Denn wenn ich mich wieder einmal darüber ärgere, dass ich als Schlampe bezeichnet wurde, wenn ich jemanden in der S-Bahn wegschubsen muss, weil er zu nah kam, wenn ich beim Joggen im Park Angst habe, dann kann ich mich in diesem Moment nicht auf das einlassen, was mir wichtig ist: einen schönen Gedanken, eine kluge Idee, einen Traum. Sexuelle Belästigung raubt Lebenszeit.

(…)

Eine Studie der American Association of University Women (AAUW) hat aber gezeigt, dass schon Kinder beginnen die frauenfeindlichen Mythen unserer Kultur zu verinnerlichen. Sie geben sich selbst die Schuld oder den Mädchen, die belästigt werden.

(…)

Hinzu kommt, dass die Kinder und Teenager nur selten mit erwachsenen Vertrauenspersonen darüber reden. Nur 12 Prozent der Mädchen und 5 Prozent der Jungen wandten sich an Lehrerin oder Lehrer, 27 Prozent sprachen mit Familienmitgliedern (Eltern oder Geschwister) und 23 Prozent mit Freundinnen oder Freunden darüber. 50 Prozent der Befragten sagten jedoch, dass sie nach dem Vorfall überhaupt nichts unternommen haben.

Ich wiederhole: Redet nicht nur mit den Mädchen, wie sie sich schützen können – erzieht vor allem eure Buben! Denn, nein: Die Welt ist nicht halt so.
Sexuelle Beleästigung wird nie davon weggehen, dass Mädchen und Frauen nicht allein auf die Straße gehen, nachts daheim bleiben, sich verhüllen, brav und folgsam sind oder Selbstverteidigungskurse besuchen.
Sexuelle Belästigung hört erst auf, wenn Buben und Männer nicht mehr belästigen!

§

Wir Fußvolk sammeln Lieblingstweets, Katrin Scheib sammelt Lieblingsthreads.
“Die besten Threads aus dem August”.

§

Sprachforschung! Bitte helfen Sie, regionale Rede zu erforschen und nehmen Sie an dieser Umfrage der Uni Marburg teil.

§

Die Zeit schreibt über Siegmund Jähn, den ersten Deutschen im All:
“Warum ist dieser Mann kein Held?”

Es geht ziemlich ans Eingemachte der deutschen Wiedervereinigungsgeschichte.

Journal Sonntag, 26. August 2018 – Kalter Isarlauf und Häusliches

Montag, 27. August 2018

Ausgeschlafen (bis halb! acht!), Latwerge in den Ofen geschoben, gemütlich gebloggt und Kaffee getrunken.

Den Ofen in Betrieb wollte ich nicht ganz allein lassen, deshalb ließ ich erst Herrn Kaltmamsell seine Lauf- und Pokémonrunde abschließen, bis ich nach sechswöchiger Pause zu einem Isarlauf aufbrach.

Draußen war es bei einigen Wolken zapfig kalt. Also nahm ich nicht das Rad (beim Laufen wird mir schnell warm, selbst gestern bei 13 Grad reichten kurze Ärmel, doch damit hätte ich auf dem Fahrrad ordentlich gefroren – wenn ich einen Pulli angezogen hätte: Wohin damit beim Laufen, doch wohl nicht um den Bauch gebunden? Mein Leben ist kompliziert!), sondern fuhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dafür bezahlte ich teuer: Ich hatte vergessen, dass am Wochenende und vor allem in den Ferien Renovierungs- und Umbauarbeiten vorangetrieben werden. So stand ich am U-Bahnsteig, von dem aber nur alle 10-15 Minuten eine Pendelbahn zum Goetheplatz oder Odeonsplatz fuhr. Ich hätte ja auf Fußweg zum Odeonsplatz umgeplant – doch ich hatte doch schon abgestempelt. Vom Tivoli zurück eine andere Baustelle: Bis Mariannenplatz keine Tram, sondern Bus, dessen Haltestelle ich erst mal suchen musste. Auf die Anschlusstram hätte ich fast zehn Minuten warten müssen; da ich verschwitzt bereits zu frösteln begann, ging ich zum Warmhalten zwei Haltestellen zu Fuß.

Der Lauf war schön und leicht, ich sah Schwalben (hurra!), aber auch die ersten Herbstzeitlosen.

Daheim setzte ich noch ungeduscht Hefeteig für Zwetschgendatschi an (mit der seit einem Monat abgelaufenen Frischhefe aus dem Kühlschrank, die völlig ok aussah und roch und die den Teig problemlose antrieb), füllte Latwerge in frisch steriliserte Gläser.

Nach dem Duschen entsteinte ich die restlichen Zwetschgen (in dieser Portion waren deutlich mehr wurmige als am Vorabend), rollte den Datschiteig auf einem Blech aus und belegte ihn, schob ihn in den Ofen. Es war jetzt kurz nach drei und eh schon sehr spät für Frühstück, doch ich wollte mir möglichst viel Kapazität für den Datschi aufheben, also aß ich nur einen Becher Hüttenkäse.

Um beim Datschiessen wirklich frei zu haben, bügelte ich vorher den Dreiwochenberg Wäsche weg (die dunkle Seite des Sommers). So wurde es fünf, bis ich zu meinem Datschi kam.

Jetzt hatte ich frei, las noch restliche Wochenendzeitung und in Gaimans American Gods.

Abends mal wieder einen Tatort laufen lassen: Die Albernheit der Weimar-Fälle liegt mir deutlich mehr als die aus Münster, Drehbuch und Dialoge um Nora Tschirner und Christian Ulmen unterhielten mich sehr gut. Lieblingsszene: Der klugscheißerische Lessing (Ulmen) klugscheißt, der Täter müsse ein Mann gewesen sein, denn eine Frau habe niemals die Leiche rauf zur Gefrieranlage schleppen können, “Das schaff ja nicht mal ich”. Schnitt. Während im Vordergrund eine Hauptfigur herumräumt, sieht man, wie ganz hinten Kommissarin Dorn (Tschirner) ihren Kollegen auf dem Rücken zur Gefrieranlage schleppt.

Eher blöd: Am Samstag hatte ich mir irgendwas im linken Schulterblatt verzogen und konnte mich schlecht drehen, dazu kam gestern das Kreuz – ich bewegte mich wie eine 95-Jährige. Am wenigsten Beschwerden habe ich weiterhin beim Sport selbst. Dazu heftige Menstruationsschmerzen (hallo Menopause! ich wär’ so weit!)

§

Beim Bügeln hörte ich eine Folge von Holger Kleins Bayern-Podcast, und zwar sein Gespräch mit Tanzmeisterin Katharina Mayer. Die Frau drischt ihn mit ihrem Enthusiasmus geradezu nieder, erzählt aber viel Interessantes zu bayerischer Volksmusik (das Wichtigste am Tanz) und zu bayerischem Volkstanz (der sich natürlich immer weiter entwickelt), auch Hintergründe für das Wiedererwachen des Volkstanzes in München.

Ich habe Katharina Mayer mehrfach als Tanzmeisterin beim Volkstanz im Erkerzimmer des Hofbräuhauses und beim Kocherlball erlebt (wie ich jetzt weiß, auch ihren ersten Einsatz, als der ehrwürdige und inzwischen verstorbene Willi Poneder noch Tanzmeister war) und freute mich, sie ein wenig kennenzulernen. Auch von ihr übrigens der Hinweis, dass bayerische Tracht traditionell etwas sehr Individuelles ist (die Frauen am Dorf haben sich ein Nicht-Arbeitsgewand für Feste halt aus dem genäht, was da war, und wenn’s der günstig ergatterte Blümchen-Vorhangstoff war) und die uniforme Kleidung der Trachtenvereine ein Kunstkonstrukt.

Fester Vorsatz, mal wieder auf einen Volkstanz zu gehen.

§

Die Nachrufe der New York Times sind legendär – die Auswahl der Nachberufenen allerdings sehr von ihrer Zeit geprägt. Wer kein weißer Mann gewesen war, wurde fast nie eines Nachrufs auf den Seiten der New York Times für würdig befunden. Das Blatt macht sich jetzt daran, die Lücken nach und nach zu füllen.
“Overlooked”.

Obituary writing is more about life than death: the last word, a testament to a human contribution.

Yet who gets remembered — and how — inherently involves judgment. To look back at the obituary archives can, therefore, be a stark lesson in how society valued various achievements and achievers.

Since 1851, The New York Times has published thousands of obituaries: of heads of state, opera singers, the inventor of Stove Top stuffing and the namer of the Slinky. The vast majority chronicled the lives of men, mostly white ones.

Charlotte Brontë wrote “Jane Eyre”; Emily Warren Roebling oversaw construction of the Brooklyn Bridge when her husband fell ill; Madhubala transfixed Bollywood; Ida B. Wells campaigned against lynching. Yet all of their deaths went unremarked in our pages, until now.