Journal SonntagSamstag, 13. Juli 2019 – Wanderung im Grünen Band und Erich Ludwig

Sonntag, 14. Juli 2019 um 9:33

Ein Wandertag mit Herrn Kaltmamsell, ordentlich Wetter, Tieren und kräftigem Abendessen.

Ich war früh aufgewacht, zum Frühstück hatte ich bereits Hunger auf Muesli. Mit Herrn Kaltmamsell war ich um 10 Uhr verabredet, in Wanderkleidung. Im einzigen Café am Ort, das am Samstag so früh schon öffnete, bekam ich meinen Morgenkaffee.

Für die Wanderung hatte ich meine Wasserflaschen extra leer mitgenommen: Ich wollte sie an den Heilquellen im Kurpark füllen. Am Vorabend hatten wir sie verkostet und festgestellt, dass das Wasser der „Wiesen-Quelle“, ein „Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat-Säuerling“ leicht moussierte und säuerlich erfrischend schmeckte.

(Bild von mir: Herr Kaltmamsell)

Unterwegs schmeckte das Wasser allerdings in erster Linie rostig und eher nicht gut.

Als Wanderung hatte ich uns die gut 18 Kilometer „Frankenwald Steigla Grenzer-Weg“ ausgesucht: Sie führt durch das „Grüne Band“, einen Biotopverbund entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

Wir waren noch keine Stunde unterwegs, als heftiger Regen einsetzte – na gut, dafür hatten wir ja unsere superduper Wanderjacken dabei, und es war nicht kalt. In einer Senke blieb ich stehen, weil ich mir meines Blicks nur auf den Meter Weg vor mir bewusst geworden war. Ich wies Herrn Kaltmamsell darauf hin, dass wir nicht vergessen durften zu gucken, denn – eigentlich hatte ich sagen wollen, dass wir sonst am End‘ solch interessante Tiere wie einen Fuchs gar nicht sehen, sagte es aber nicht, denn 50 Meter vor mir auf der Wiese stand im Regen ein mächtiger Storch. Als auch Herr Kaltmamsell ihn sah, erhob er sich in die Luft: Eindeutig ein Schwarzstorch. Ich setzte nochmal zu meiner Aussage über möglicherweise übersehene Füchse an, als Herr Kaltmamsell hinter mich zeigte, wo gerade ein junger Fuchs gemächlich dieselbe Wiese kreuzte. Wir sahen ihm zu, bis er auf der gegenüberliegenden Seite im Wald verschwand.

Weitere Tiersichtungen auf der Wanderung: Ein mächtiger Greifvogel im tiefen Flug, Falke, Distelfink, Goldammer, Pferde, Ziegen, Hühner, Gänse, auf einer Wiese ein Alpaka, das von einer Frau mit Rufen irgendwohin getrieben wurde.

Der Regen dauerte zum Glück nicht lange. Unsere Wanderhosen waren zwar nass, trockneten aber schnell wieder, meine nassen Füße in den Joggingschuhen störten mich nicht (ich hatte Herrn Kaltmamsell nicht um den Transport meiner sperrigen Wanderstiefel bitten wollen).

Andere (Bundes-)Länder, andere Schilder.

Es regnete nochmal heftig – aber da machten wir zufällig gerade in dieser Schutzhütte Rast mit Nüsschen und Fruchtgummi. Dann halt ein bisschen länger als geplant, nämlich bis der Regen wieder aufgehört hatte.

Bereits auf der Thüringer Seite.

Gefräßiger Baum direkt vor Schlegel.

Schlegel.

Ex-Grenze.

Ich naschte wilde Himbeeren und fand auch wunderbare Walderdbeeren – von beidem versuchte mich Herr Kaltmamsell mit spitzen „Fuchsbandwurm!“-Rufen fernzuhalten. Vergeblich.

Nach 20 Kilometern in sechs Stunden mit einer langen Pause war ich sehr erschöpft, ich ließ mich in der Klinik sogar vom Aufzug in den vierten Stock fahren, in dem mein Zimmer liegt. Das wäre vergangenen Herbst noch eine ganz normale Tagesetappe einer Wanderwoche gewesen – ich kann doch nicht derart ruckartig gealtern sein!

Nach kurzem Frischmachen spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell in eine Traditionswirtschaft am Ort, die Samstagabend Schäufele anbietet.

Ich war sehr hungrig, neben dem Schäufele (war ok, aber ich bin seit einem legendären Schäufele vom befreundeten Franken in München verdorben für alle anderen), schmeckten mir sogar die Knödel (Kartoffelknödel, die hier Klöß heißen, sind eigentlich nicht so das meine), vor allem aber genoss ich das Bier, unfiltriertes der Hofer Brauerei Scherdel.

Auf instagram hatte mich @frau_enness darauf hingewiesen, dass es in der Gegend noch mehr Wanderkarten im Stil der in Bad Steben entdeckten gibt.

Dahinter steckt wohl Lithograf Erich Ludwig (1921-1992).

Gestern entdeckte ich weitere Spuren von ihm in Bad Steben:

Am Rathaus.

An einer Schmiede.

Den Stil ordne ich als Laiin dem Typ Genossenschaftsbau zu (für den ich ein besonderes Faible habe) – ungewöhnlich finde ich lediglich, dass es hier eine Signatur gibt.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal SonntagSamstag, 13. Juli 2019 – Wanderung im Grünen Band und Erich Ludwig“

  1. Elbwiese meint:

    Freue mich sehr, daß Sie das außergewöhnliche Glück hatten, einen Schwarzstorch zu sehen. Falls Sie Lust haben, in Schwarzstorchgeschichten (und mehr) einzutauchen: https://blackstorknotes.blogspot.com/

  2. lihabiboun meint:

    … muss es nicht heißen: Journal Samstag, 13. Juli …?

  3. die Kaltmamsell meint:

    Aber ja, lihabiboun, danke für den Hinweis!

  4. Juliane meint:

    „Ruckartig altern“ – das hab ich auch!

  5. Chris Kurbjuhn meint:

    Sollten Sie mal nach Nürnberg kommen, lohnt ein Besuch der Schäufelewärtschaft (http://www.schaeufele.de/das-gasthaus.html). Dort habe ich das beste Schäufele meines Lebens gegessen.

  6. Stephanie meint:

    Ist das vielleicht schon länger her? Dieses Lokal serviert bei weitem nicht die besten Schäufele Nürnbergs. Ich empfehle den Palmengarten. Anders als der Name suggeriert, handelt es sich um eine urige, dunkle Kneipe mit kurzer Speisekarte nebst wenigen Tagesgerichten. Sehr bodenständig, sehr schmackhaft.

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