Journal Freitag, 2. August 2019 – Weitere Kreise der Traurigkeit

Samstag, 3. August 2019 um 8:03

Der seltsame Moment, wenn scheinbar völlig getrennte Lebensbereiche zusammenfinden: Die geschätzte Carolin Emcke schreibt in der Süddeutschen über die geschätzte Marie Sophie Hingst.
„Licht und Dunkel“.

Eigenartiger Trost, dass Emcke von Sophies Tod berührt war. Dass sie die Last der Öffentlichkeit bei den Trauernden erkennt.
Doch als mir klar wurde, dass hier eine Meisterin der in Worte gefassten Gedanken einen Nachruf auf eine schreibt, die Worte so sehr liebte – musste ich wieder weinen. (Ich bekomme vom Weinen Kopfweh. Das ist schlecht gelöst.)

Immer noch leichtes Zwicken in den Waden: Beim donnerstäglichen Schwimmen immer wieder Krampfansätze – trotz geballtem Magensium (-citrat UND -oxid) davor.

Auf dem Weg in die Arbeit sah ich nochmal Mauersegler am Himmel, ab jetzt ist jeder zusätzliche Tag mit ihnen ein Geschenk.

Mittags für einen Arzttermin ans Sendlinger Tor geradelt. Die Sonne schien unter blauem Himmel, Sommergefühle. Termin für kleinen operativen Eingriff im Herbst vereinbart.

Auf der Rückfahrt weit vor mir ein Eichhörnchen waghalsig eine verkehrsreiche Straße überhuschen sehen. Nichts bringt mich so zuverlässig zum Lächeln wie ein überraschender Eichhörnchenanblick.

Bis zum Nachmittag fühlte ich mich verweint und erschöpft, dann ging’s langsam. Ich machte früh Feierabend.

Daheim stellte ich mich erst mal in die Küche und bereitete Nachtisch für ein Freundestreffen bei meinen Eltern am Samstag zu: Mousse au chocolat nach bewährtem Rezept.

Fürs Abendessen sorgte Herr Kaltmamsell: Ich hatte mir Fleisch gewünscht, er hatte eine halbe glückliche Kuh besorgt.

Dazu der liebste Südafrikaner im Glas: Owl Post.
Ritual vor dem Zu-Bett-Gehen: Nach Fledermäusen Ausschau halten. Gestern mussten wir nicht lange warten.

§

Ausführliche Geschichte vom NDR über Entwicklung, Auswirkungen und Hintergründe:
„Klima kippt – Kreuzfahrt boomt.“

Mit dem Zuckerl, dass ein Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff fast immer auch zwei Flüge umfasst: Hin- und Rückreise zum und vom Hafen.

Anbieter und Kunden scheinen sich einig zu sein: der letzte Eisbär und der letzte Pinguin werden nicht zugrunde gehen, bevor jeder Deutsche sich persönlich im Rahmen einer Kreuzfahrt von ihm verabschiedet hat.

§

Was Einstellung zur Klimakatastrophe mit dem Verhältnis zu Individualismus zu tun hat – ein interessanter Twitter-Thread.

die Kaltmamsell

20 Kommentare zu „Journal Freitag, 2. August 2019 – Weitere Kreise der Traurigkeit“

  1. Eva meint:

    Ich denke taeglich an Sie, und auch an sie. May she rest in peace. Ich schicke Ihnen viele gute Gedanken und wuensche ein erholsames Wochenende.

  2. Elisabeth Martin meint:

    Ein Dankeschön für den Link zu Carolin Erncke. Sie fasst klug zusammen, was mich trauern lässt.

  3. TomInMuc meint:

    Und ich bin mittags draußen beim „Hans im Glück“ gesessen und sah Sie konzentrierten Blickes an mir vorbei radeln. :-)

  4. lihabiboun meint:

    Danke für den link zu Emcke. War an mir vorbeigegangen.

  5. MissJanet meint:

    Ach, mein Bruder macht immer Kreuzfahrten. Und regt sich auf, dass die ganzen Städte, die das Schiff anläuft, immer so überfüllt sind.
    Ich weiß nicht mal, was ich sagen soll, Kreuzfahrten SIND billiger als im Hotel zu urlauben, es gibt jede Menge Essen und der Gast wird rund um die Uhr verwöhnt, sieht fremde Länder und muß sich dazu kaum bewegen. Das will er halt haben. Von der schlimmen Umweltsauerei mal abgesehen,kann ich mir das nicht mal vorstellen, ohne mich zu gruseln, aber was weiß ich schon.

  6. Hauptschulblues meint:

    „sieht fremde Länder und muß sich dazu kaum bewegen“:
    Sieht eben nichts! Oberflächliche Stundeneindrücke irgendwelcher Hafenstädte ohne das Hintergrundwissen dazu.
    Die kalifornische Verwandtschaft von H. fliegt und schippert und die Erde, was das Zeug hält. Und wenn sie zu bestimmten Hafenstädten befragt werden: „–??–„

  7. PaulineM meint:

    Danke für den Emcke Artikel.

  8. Verena Reisdorf meint:

    Ein wahrhaftes Dilemma. Öffentliche Lügen rechtfertigen sicherlich öffentliches Entlarven derselben. Etwas das m. E. eine der Aufgaben des Journalismus ist. Wer will/kann/darf es sich anmaßen darüber zu befinden, wer aufgrund seiner psychischen Verfassung zu verschonen ist? Das erzeugt Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung. Eine verzwickte Lage. Der Emcke Artikel bringt das gut auf den Punkt.

  9. Sabine meint:

    Die großen Zeitungen, die sonst so informiert über Klimawandel schreiben, haben ja alle auch Kreuzfahrten in den Leserangeboten. Muss man nicht verstehen.

  10. Sandra meint:

    @H.: nicht jeder Mensch ist der Typ, der seinen Urlaubsort „studiert“. Einige tauchen einfach nur ein in die Atmosphäre dort, befinden den Ort als schön oder nicht und reisen wieder ab. So schalten einige vom Alltag ab.

  11. MissJanet meint:

    Hauptschulabschluß:
    Mein Bruder ist ein lieber, mitfühlender Mensch. Er arbeitet schwer und hat das starke Bedürfnis, sich im Urlaub zu verwöhnen und sich bedienen zu lassen. Kultur oder Lebensart in den Ländern, die er bereist, interessieren ihn nicht weiter. Das Schiff ist seine Wohlfühloase.
    Mein Bruder findet meine Urlaube übrigens idiotisch. Weil ich immer an die gleiche Stelle fahre, an den Atlantik in Frankreich, und auch noch in ein Freilufthotel, ohne irgendwelchen Komfort, kein Essen mitbuche und mich einfach unter die Leute mische. Ich möchte im Urlaub wirklich niemandem zur Last fallen, keinerlei Ansprüchen an Auftreten und Kleidung gerecht werden und meine Ruhe haben.
    Und keine „Meeresheuschrecke“ sein, die eine Schneise der Zerstörung hinter sich lassend überall einfällt.
    So unterschiedlich sind die Menschen halt.

  12. Vera S. meint:

    Auch ich bin traurig.
    Vera

    https://trauer.tagesspiegel.de/traueranzeige/marie-sophie-hingst/anzeigen

  13. Der alte Nörgler meint:

    Zum Thema Kreuzfahrtschiffe:
    Gemäß Umweltbundesamt gibt es weltweit circa 6.500 Passagierschiffe; davon etwa 300 Kreuzfahrtschiffe.

    Frage vom alten Nörgler an die FFF- und Greta-Jünger: Muss man die abschaffen damit die Umwelt überlebt?

    Sollte Ihre Antwort „Ja“ lauten:
    Es gibt, ebenfalls gem. Umweltbundesamt, circa 40.000 (!) Handelsschiffe auf den Weltmeeren, die ebenfalls Schweröl zur Propulsion benutzen. Was macht man dann mit denen? Als Gedächtnisstütze: Diese transportieren auch die Sachen, die man über seine „Alexa“ bestellt hat…

  14. MissJanet meint:

    Ist das jetzt Mansplaining oder nicht?
    „Greta-Jünger“? Yo! Mansplaining.

    In den Kommentaren geht es primär um Urlaubsqualität.
    Mit Alexa hat das nix zu tun.

  15. Der alte Nörgler meint:

    @MissJanet:
    Wer keine Argumente mehr hat schreit laut „Mansplaining“ und alles ist gut, oder was verstehe ich als alter, weißer Nörgelmann da wieder nicht richtig?

    Es geht bei meinem Post grundsätzlich um die Wirksamkeit einer vielumstrittenen Maßnahme bezüglich der schwer gescholtenen Kreuzfahrtindustrie. Aber es gilt halt wohl auch hier die Devise der jungen Umweltschutzpersonen, die da wohl lautet: „Impact einer möglichen Umsetzung ist mir egal, Hauptsache ich bin auf der guten Seiten.“

    Übrigens: Wie heißt denn „Jünger“ genderneutral, wenn Sie sich daran schon so ergötzen? Doch nicht Jünger*innen, oder?

  16. Anne meint:

    Vielleicht ist ja auch ein Punkt, dass eigentlich sonnenklar ist, dass eine Kreuzfahrt die Umwelt schwer belastet? Wer das nicht sieht, muss blind sein. Es ist einfach pure Dekadenz, eine solche Vergnügungsreise anzutreten.
    Die Handelsschiffe sind natürlich schlimm(er), aber wer blickt da schon durch, wie man sich als Einzelperson verhalten muss, damit dieser Handelsschiffverkehr reduziert werden kann? Wieso ist der schädliche Schiffsverkehr von Seiten der Politik noch nicht reduziert worden? Wer hat dazu bitte fundiertes Wissen und kann sich entsprechend im Alltag verhalten?
    Man kann dagegen mit Bestimmtheit sagen, dass es sehr schöne Alternativen zum Kreuzfahrturlaub gibt, da schreit die Entscheidung für eine Kreuzfahrt eben „Nach-mir-die-Sintflut“

  17. Hiwwelhubber meint:

    Gegen Deine wiederholten Krämpfe: Chinunsulfat, vulgo: Limptar.

    Leider teuer und nur auf Privatrezept… aber effizient.
    Eine einwerfen, wenn man merkt dass es kommen wird…

    Viel Erfolg
    wünscht der HH.

  18. MissJanet meint:

    @ der alte Nörgler:
    Was für eine unsinnige Antwort. Der Begriff „Greta-Jünger“ kam von Ihnen, wertet Greta ab und auch die Menschen, die sich mit dem, was sie sagt, identifizieren können. Greta ist jung, weiblich und hat eine Meinung – alte Männer können das nicht wertschätzen, ernstnehmen oder einfach nur unkommentiert hinnehmen. Sie sind hier ein klassisches Beispiel. Ihr Versuch, dies dadurch zu vernebeln, dass Sie sich über geschlechtsspezifische Sprache lustig machen, ist… eher ermüdend.
    Ich habe jetzt genug davon.

  19. Der alte Nörgler meint:

    @Miss Janet: „Wertet Greta ab“?
    Was ist denn so wertvoll an ihr? Dass sie das sagt, was 1980 schon die ersten Grünen sagten und bis heute zig-tausendmal wiederholten: „Es muss was geschehen!“ und dann warten alle, dass endlich was geschieht? Und nein: Eine FFF-Demo oder das Posten und Tweeten von Apellen und Slogans sind kein Handeln, sondern nur nachdrückliche Forderungen, dass mal was geschieht.

    In Sibirien brennen derzeit Waldflächen in der Größe eines Fünftels Österreichs. Die Bewohner dort können vor lauter Rauch seit Tagen nicht aus ihren Häusern. Die Regierung löscht nur da, wo sie vom Gesetz her dazu verpflichtet ist. Riesige Flächen werden zerstört und der Ascheflug gefährdet den Permafrost. Ganz zu schweigen von Brasilien, die unter der neuen (Faschisten-)Regierung die Abholzung des Regenwaldes forcieren. Zu den derzeitigen Zuständen in den USA sage ich schon gar nichts mehr. Und wir weinen über eventuelle Ultrafeinstaubbelastungsgrenzwertüberschreitungen – ein feines Wort.

    Ihr Frust, dass wir alten weißen Männer das Sagen haben, kann ich verstehen (warum werden die eigentlich immer wieder gewählt und von wem?). Wäre ich nicht eben so einer, wäre ich auch sauer, dass ich keinen Einfluss auf das Weltgeschehen hätte. Leider habe ich auch nur wieder zwei weiße, junge Männer als Nachfahren und kann denen leider nur meine Erfahrungen und Praktiken beibringen, wie sie es zu etwas bringen. Da muss mal was geschehen!

    Aber Sie haben recht: „This discussion is like a broken pencil: Pointless.“

  20. die Kaltmamsell meint:

    Ich bitte Sie alle, über die Argumente zu diskutieren, die hier im Blog thematisiert werden und nicht Diskussionen von irgendwo sonst in dieses Blog zu tragen.
    Wer mag, kann unter Strohmann-Argument nachschlagen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument

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