Journal Sonntag, 8. September 2019 – Drinnentag bei Regen mit Brotbacken und Sport

Montag, 9. September 2019 um 6:07

Ausgeschlafen. Der Blick nach draußen fiel auf Regen, der den ganzen Tag in verschiedenen Stärken anhielt. Ich tat keinen einzigen Schritt vor die Tür.

Nach dem Bloggen machte ich mich ans Brotbacken: Häusemer Bauerekrume, die Vorteige hatte ich Samstagabend angesetzt. Im Gegensatz zum Kuchen von Samstag klappte diesmal alles hervorragend, der Anschnitt abends nach dem Abkühlen ergab: Gelungen!

Zwischen den Schritten der Broterstellung (Falten, Formen, Ofen anschalten, Brot einschießen, Temeratur senken) bewegte ich mich sportlich. Plan war: Faszienrolle, ein Stündchen auf dem Crosstrainer, halbe Stunde Bauch- und Rückenkräftigung mit Fitnessblender. Aber dann hatte ich auf dem Crosstrainer so viel Spaß durch die Musik auf den Ohren, dass ich nach einer Stunde nicht aufhören wollte. Ich sprang immer wieder vom Gerät, wenn die Ofentemperatur verändert werden musste, und strampelte, bis das Brot fertiggebacken war. Danach nur noch ein paar Bauchübungen auf dem Boden.

Nach dem Duschen musste ich bei der Kleidungswahl eingestehen: Herbst.

Also Strumpfhosen und lange Ärmel.

Zum Frühstück (Risotto vom Samstag, Pfirsiche und Banane mit Joghurt, Kirschkuchenfragmente) las ich die Wochenend-Süddeutsche.

Familientelefonat, alle wieder da, Bruderfamilie einen großartigen Urlaub in Spanien gehabt habend.

Eine Runde Bügeln, dabei hörte ich Holger Kleins WRINT: Holgi hat sich mit Benjamin Hammer unterhalten, dem ARD-Korrespondenten in Tel Aviv.
„Israel“.

Hammer spricht über das Leben in Tel Aviv, den täglichen Raketenbeschuss in Israel aus dem Gazastreifen, über das Leben der palästinensischen Zivilbevölkerung, die politische Lage und ihre Hintergründe, aber auch über seinen Kampf um ausgeglichene Berichterstattung in einer extrem polarisierten Wahrnehmung und als Subjekt in ständiger Selbstüberprüfung.
(Endlich schob ich auch mal ein wenig Geld zu WRINT rüber.)

Zum Nachtmahl gab es von Herrn Kaltmamsell hergestellten Kochkäs, auf luxemburger Art (mit Gürkchen und Senf) serviert.

Außerdem Linsen-Mangold-Gemüse.

§

Ich kenne nicht nur eine Wissenschaftsjournalistin, die sich die Zähne am Thema Quantenphysik ausgebissen hat – spätestens in der letzten Abstimmmungsrunde mit Quantenphysikern und -physikerinnen, die ihr Fachgebiet nicht akkurat genug dargestellt sehen. Umso mehr Hochachtung vor Anja Conzett, die das für republik.ch durchgestanden hat. („Wer behauptet, Quantenphysik verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden,“ soll Richard Feynman gesagt haben. Vielleicht hilft das.)
„Die Physiker“.

Ein verschlafenes Nest in den Pyrenäen ist der Treffpunkt für eine Gruppe hoch spezialisierter Physiker. Verhandelt wird eine Realität jenseits dessen, was der Mensch erfahren kann – mit dem Potenzial, die Welt zu verändern.

Und das geht dann so:

Wenn ein Laie auf einen Physiker trifft, kann das so ausgehen:

«Woran arbeitest du genau?»

«Ich beschäftige mich mit Tensor­netzwerken. Konkret versuche ich, durch Matrix­multiplikationen riesige Quanten­zustände effizient darzustellen.»

«Kannst du mir das noch mal erklären, aber so, als wäre ich sechs Jahre alt?»

«Äh … das habe ich gerade versucht?»

Kopfschmerzen und Inferioritäts­gefühle sind natürliche Begleit­erscheinungen, wenn man sich als Normal­sterblicher unter Quanten­physiker wagt. Doch Durchhalten lohnt sich.

§

Verkehrte Welt, in der die Konservativen am meisten das Ende der Freiheit fürchten. Thomas Assheuer macht sich in der Zeit dazu grundsätzliche Gedanken:
„Der Teufel trägt Öko“.

Auch ein psychologisches Moment befeuert den Alarmismus des Konservativen: Im grünen Politiker begegnet er seinem verdrängten Erbe, er begegnet Überzeugungen, die er früher selbst vertreten hat. Früher, als Konservative noch von Schöpfung sprachen und nicht von Ressourcen. Von der Weisheit des göttlichen Weltbaumeisters und der Unantastbarkeit seines Werks. Von Maß und Mitte, von Verzicht und Selbstbescheidung, kurz: von der Limitierung der Freiheit.

(…)

Man darf sich nichts vormachen. Der Zwang, alles Staatshandeln auf die Stabilisierung des Erdsystems auszurichten, beleidigt die Freiheit, die sich, was denn sonst, ihre Ziele gefälligst selbst aussuchen und sie frei wählen will. Es kränkt die liberale Autonomie, wenn sie nur noch über die Mittel entscheiden darf, nur noch darüber, wie sie ihr ökologisches Hauptziel erreicht. Verbunden übrigens mit der Drohung, dass bei Zuwiderhandeln die künftigen Freiheitseinschränkungen noch viel massiver ausfallen, während es eine Rückkehr zu einer unzweideutig natürlichen Natur nicht mehr geben wird.

Allerdings wies @mspro auf Twitter zurecht darauf hin: „konservativismus war nie eine kohärente ideologie, sondern immer nur verteidigung des status quo.“

die Kaltmamsell

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