Journal Dienstag, 12. November 2019 – Arbeiten bis zum Welthass

Mittwoch, 13. November 2019 um 7:06

Einen langen Brief aus der Schweiz bekommen, über den ich mich sehr freute.

Zu leichtem Regen in die Arbeit geradelt.

Wieder mal Nachdenken, wie ein Erwerbsarbeitstag verlaufen sein muss, damit ich nicht völlig fertig und mit Hass auf die Welt rauskomme, also viele Aufgaben oder wenige, anspruchsvolle oder mechanische? Bis jetzt steht leider nur fest: Er muss nach höchstens sieben Stunden brutto enden. Und ich merke, dass ich mich an gutem Gehalt festhalten kann.

Im Moment kommt im Büro auch noch Hochdruck dazu, in einem Tätigkeitsbereich, den ich ungern mache, außerdem einige Dinge, die gleichzeitig fertigwerden müssten plus neue Themen und Besprechungen. Wenn ich nach neuneinhalb bis zehn Stunden aus dem Büro komme, hasse ich das Leben und die Welt gründlich.

Symptomatisch: Gestern Abend suchte ich im Fernsehen nach The Good Doctor, weil ich dachte es sei schon Mittwoch.

Mittags rote Paprika, selbst gebackenes Brot, ein Stückchen Käse.

Ich hatte an diesem einzigen Feierabend der Woche ohne Termine eigentlich eine Einkaufsrunde geplant, doch dafür war es gestern zu spät (die Läden, die ich im Sinn hatte, schließen um 18 Uhr). Zumindest stieg ich daheim gleich mal auf den Crosstrainer für meine genehmigten 20 Minuten. Danach Dehnen und Igelball-Massage.

Nach dem Abendessen (Kürbiscurry-Rest vom Vorabend) zog Herr Kaltmamsell die aktuelle Folge Last Week Tonight aus dem Rechner: „SLAPP Suits“. Mag in den USA die Meinungsfreiheit rechtlich noch so viel weiter gefasst sein als hierzulande: Mit hanebüchenen Klagen, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind, aber Energie binden und ordentlich Geld kosten, können Angegriffene in zahlreichen US-Bundesstaaten wirkungsvoll Angst vor öffentlicher Kritik erzeugen. Also genau die Taktik, die zum Beispiel in Deutschland mit Unterlassungsklagen gegen queer.de angwendet wird. (Halten Sie durch bis zur großartigen Musical-Nummer am Ende.)

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https://youtu.be/UN8bJb8biZU

Danach schaffte ich noch ein Entspannungsbad.

§

Hinreißende Unterhaltung gestern auf Twitter:

Mein Favorit wahrscheinlich sind „burutçun“:

Mein Klassiker ist meines bayerisch-spanischen Vaters „Trummhahn“ für Truthahn (viel besser als das Original).
(Und wenn wir meinen Konsonantenhäufungs-ungeschickten Vater aufziehen, er solle doch mal Zwetschge sagen, wackelt er inzwischen immer ganz bedrohlich mit seinen Augenbrauen <3 <3 <3)

die Kaltmamsell

17 Kommentare zu „Journal Dienstag, 12. November 2019 – Arbeiten bis zum Welthass“

  1. Hauptschulblues meint:

    Geht Teilzeitarbeit?
    H. hat viele Jahre lang Stunden reduziert – Du kennst es ja von Herrn Kaltmamsell: Wochenenden, Abende durcharbeiten, Termine mit der Partnerin bis ins Detail abstimmen …
    Es bringt Lebensqualität, und das Geld reicht, auch in der Rente.

  2. Sonni meint:

    Migrantisch ist einfach die herrlichste Sprache der Welt! <3

    Ich bin nicht bei Twitter, mag aber auch was beisteuern:

    An schönen neuen Wörtern gab es hier u.a. Lebensgefahr für Lebensgefährte ;-D

    'Schneeweißchen' und 'Dornröschen' waren die Endgegner beim Vorlesen. Ach, es war eine schöne Zeit :-)

  3. Frau Klugscheisser meint:

    Lange Zeit sagte ich „ohneärmelig“ statt ärmellos, die Großtante sprach von Seiboad statt Sideboard und die Oma von Teschiadl statt T-Shirt. Mein Migrationshintergrund war, vom Bayrischen in’s Schwäbische ausgewandert. Falls das auch zählt, hätte ich noch einen vom rheinischen Lebenspartner, der in Bayern lebte und der Oma immer die Klumperl statt der Glubberl reichte.

    Wenn ich an meine Arbeitsumstände denke, hat mir damals der Teilzeitvertrag sehr geholfen. Das war mir mehr wert als die Folge eines reduzierten Rentenanspruchs. Insofern kann ich das Gefühl der Erschöpfung gut nachvollziehen, geht aber leider nicht in jeder Branche und Position.

  4. Bobbie meint:

    Kaltmamsell, das kenne ich zu gut. Nach zehn Stunden Arbeit platt und Ruhe haben wollen, auch um nicht meine miese Laune an der Mitwelt rauszulassen. Halte auch am sicheren(?) und nicht zu schlechten Gehalt fest. Dabei liebe ich durchaus meine Arbeit. Es ist nur nicht skalierbar. H.: Das mit Teilzeit war leider bei mir nicht zielführend. Gerade in der Arbeit mit Menschen uferte das bei mir fast in einen Volljob aus mit halb soviel Kohle. Deshalb seit Jahren wieder voll arbeitend. Auf Dauer keine Lösung. Danke für die Denkanstösse mal wieder K. und H. Twitter hat mich zum Schmunzeln gebracht. Eben kommt mir noch in puncto Arbeit der Gedanke wieweit es eine Rolle für die Beziehung zum Partner spielt, sorry ich denke laut, dass man irgendwie auch unter Druck steht einen in etwa gleichwertigen Job zu haben? Ich möchte eigentlich nicht so gern von meinem Partner „abhängig“ sein und ihm auch beruflich auf Augenhöhe begegnen.

  5. FrauC meint:

    Übergestern statt vorgestern.

  6. maik meint:

    Ein gutes Beispiel sind Friseurläden. Zwar nicht unbedingt nur Wortneuschöpfungen wie Hair Update oder so, sondern Wortschöpfungen allgemein. Läden mit Namen wie HairPort, Hairlich oder Haargenau findet man ja in jeder größeren Stadt. Auch wenn die Grenze zur Peinlichkeit arg schmal ist.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Sie meinen, dass die lustigen Friseurnamen daher kommen, dass sie alle von Nicht-Muttersprachlern erfunden wurden, maik? Das würde tatsächlich einiges erklären.

  8. Marieke meint:

    Das sagt unser 6-jähriger auch immer und mitnöhmen statt mitnehmen. Ich finds total süß, berichtige es aber trotzdem immer.

  9. Sandra meint:

    Meine italienische Oma kam aus einem Dorf im Friaul und sprach dort nur Dialekt. Als sie nach Hessen kam, betrieb sie mit meinem deutschen Opa einen Zeitschriftenladen. Dort musste sie natürlich Deutsch sprechen und lernen, was aber in diesem Ort auch nur südhessisches Gebabbel war. Daraus ergab sich ein Mischmasch sondergleichen.
    So vertauschte sie dann auch noch Wortteile und das auf Hessisch. Deshalb werden wir unseren Beagle, sofern wir mal einen haben werden, auf jeden Fall Eisebieschel taufen, denn das war für meine Oma das Wort Bügeleisen, was man auf hessisch Biescheleise nennt oder halt verdreht, Eisebieschel. Das finde ich schon echt ulkig.

  10. Hauptschulblues meint:

    H. sagte zum Hubschrauber „Schraubhuber“, sein Bruder zu demselben „Himmibulldog“, seine Schwester nannte Ameisen „Eimucksn“. Alle drei unter fünf Jahren.

  11. maik meint:

    Lustige Friseurnamen sind „in“. Keine Ahnung, wer damit begonnen hat ;-)

  12. Sigourney meint:

    Teilzeit funktioniert in meiner Erfahrung (90%) nur mit ganzen freien Tagen, nicht mit kürzeren Arbeitszeiten pro Tag. Die funktionieren nur, wenn man sich ganz hart nicht verschiebbare Termine nach der Arbeit setzt, sonst wird es nix. Aber die freien Tage sind auch ganz prima und bei so etwas wie 90% (jeden 2. Freitag frei) ist man noch genug anwesend, das wird von den Kollegen/innen nicht wirklich als Teilzeit wahrgenommen.

  13. Sabine meint:

    Der migrantische Mann einer Freundin hat sich mal am Telefon mit „hässliche Grütze – und sehr, sehr!“ verabschiedet. Und vorgeschlagen, zum Abendessen Pelzkartoffeln zu kochen.

  14. Verena meint:

    Einer meiner Favoriten von einem Freund mit Migrationserfahrung: Berufsantworter.
    Vielen Dank auch bei dieser Gelegenheit von einer ansonsten stillen Leserin für die immer interessanten Einblicke, Gedanken und Denkanstöße, geschätzte Kaltmamsell!
    Herzlich,
    Verena

  15. Trulla meint:

    Teilzeit wäre doch den Versuch wert. Ich selbst hatte, schon vor über 40 Jahren, bevor ich mich ganz der gewachsenen Familie widmete, die 4-Tage Woche (Freitags frei) für mich erbeten, mein Arbeitgeber war ein großes Unternehmen und ich hatte, damals sicher nicht ganz unwesentlich, einen gewachsenen guten Stand bei meinen Vorgesetzten. Es war sehr entspannend, tatsächlich auch effektiver für alle Seiten, als wenn ich täglich reduziert hätte. Der Aufwand des Arbeitsweges entfiel und die innerbetriebliche Teilhabe z.B. an Meetings war in der Regel nicht beeinträchtigt.
    Zu Hause konnte ich schon viele meiner zeitfressenden Arbeiten (z.B. Bügeln) erledigen, so dass der gemeinsame Freizeit/Freiheitsgewinn enorm war.
    Ich gebe auch gern zu, dass sich mein beruflicher Ehrgeiz nur in den Grenzen einer guten work life balance bewegte.

  16. Maria meint:

    Meine Favoriten sind die Worte der polnischen Tante meines Mannes: „Eier-rührt-euch“ und „Sahne-schlag-mich“

  17. AnGarasu meint:

    SchwiMu sagt immer „Rasenabzug“ zur Dunstabzugshaube, weil ihr der Name zu lang ist und sie ein Geräusch wie ein Rasenmäher macht. Seitdem benutzt die ganze Familie nur noch den Rasenabzug.

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