Journal Mittwoch, 18. Dezember 2019 – Mediterraner Dezembertag

Donnerstag, 19. Dezember 2019 um 7:27

Ein wunderbarer mediterraner Dezembertag, ich fühlte mich an die Dezember erinnert, die ich in Rom und Tel Aviv erlebte: Viel Sonne, offene Jacken, entspannte Gesichter sogar in der belebten Fußgängerzone, draußen in den verbliebenen Straßencafés viele Stühle besetzt.

Ich stellte den Wecker nur auf eine halbe Stunde mehr Schlaf, damit ich Herrn Kaltmamsell Morgenkaffee bringen konnte. Es war wieder eine unruhige Nacht gewesen. An sich hatte ich eine Runde Schwimmen im fast fertigen Olympiabad geplant, doch als ich den Sportrucksack dafür packte, wollte ich doch nicht so viel Zeit für Sport aufwenden: Ich schwenkte um auf 30 Minuten Crosstrainer mit Musik auf den Ohren. Dort sonniger Ausblick inlusive Kohlmeisen, Kleiber, Amsel, Rotschwanz, Eichhörnchen. Ein wenig Gymnastik und Dehnen hinterher.

U-Bahn nach Schwabing, dort holte ich bei Dr. Orth 1 diesmal den Ausdruck der richtigen Röntgenaufnahme ab. In der herrlichen Sonne wäre ich gerne zu Fuß die ganze Leopoldstraße spaziert, doch ich wusste, dass mir gestern noch einige Fußwege bevorstanden, also ging ich schonend nur ein kleines Stück und fuhr nochmal U-Bahn. Nämlich zum Frühstück ins Café Puck.

Cappuccino und Apfelschorle mit Käsefrühstück, das ich gestern nicht ganz schaffte (dafür muss ich halt doch vorher 3000 Meter geschwommen sein).

Nach gründlichem Lesen der gestrigen Süddeutschen ging ich von dort langsam zu einem weiteren Weihnachtsgeschenkkauf, nahm dann die U-Bahn zum Marienplatz. Mehr Weihnachtsgeschenke.

Daheim setzte ich Vorteig fürs donnerstägliche Brotbacken an und fragte meine Mutter telefonisch nach ihrem Rezept für Almendrados – die will ich zu einer Weihnachtsparty am Freitagabend mitbringen. (Typisch spanisches Rezept: Vier Zutaten, simple Zubereitung – wenn’s wie gewünscht klappt, verblogge ich es gleich.)

Weitere Einkaufsrunde für Weihnachtsgeschenke, dieses Jahre bekomme ich fast alles offline. Unterwegs traf mich eine Schabernack-Idee zur Begleitung eines der Geschenke – mal sehen, ob ich die Zeit und Mühe aufbringe.

Daheim ein Kilo Mandeln geschlält, zum Trocknen und Rösten in den Ofen geschoben. Währenddessen die heurigen Quitten in Earl-Grey-Sirup gekocht – es kann ja wohl nicht angehen, dass ich kein Kompott zu meinem Porridge habe. Sie werden allerdings viel zu Beißen bieten: Ich habe selten derart holzige Quitten erlebt.

Herr Kaltmamsell war zum Abendessen aushäusig verabredet, ich brauchte ein Resterl gefrorene Erbsen für eine Frittata auf, dazu ein Resterl gefrorenen Blattspinat. Nachtisch: Schokolade und Plätzchen. Auf arte lief Das brandneue Testament – Anklänge an die episodische Erzählstruktur, naive Mädchenniedlichkeit und Groteske der Fabelhaften Welt der Amélie unübersehbar, dennoch amüsant.

§

Der Bestatter Grieneisen hat den Berliner Inklusionspreis bekommen:
„Beim Bestatter lebt die Inklusion“.

via @Christiane

Man muss es ernsthaft versuchen, dann ist es ganz leicht“, sagt Gerhard Bajzek von Grieneisen.

(Sagt er als Tipp für die berichterstattende taz.)

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Gary Larson ist zurück!
„Far Side creator Gary Larson launches website with promise of new work“.

Das hier ist die Website, The far side.

§

Ist ja nicht so, als nähme sich Margarete Stokowski in ihren Kolumnen nur Sexismus und Frauenfeindlichkeit vor. Sie kümmert sich auch um die richtig schlimmen Dinge, zum Beispiel Spargelliebe oder jetzt die eigentümlichen Schwerpunkte deutschen Weihnachsliedguts.
„O du schmerzliche“.

Die polnische Version endet damit, dass dem Baby gesagt wird: Schlaf gut, du wunderschönste Rose, lieblichste Lilie, du sanftes Sternchen, du schönste Sonne! Die deutsche Version enthält kein einziges Kosewort und endet mit: „Wir hüten deinen Schlaf und sind ganz leise.“ Elternliebe, so herzlich wie eine Hausordnung.

Genau das war mir schon als Kind aufgefallen, und zwar im Abgleich mit spanischen Weihnachtsliedern. Elternliebe kommt darin nicht so richtig vor, höchstens Mutterliebe, aber ein deutsches Pendant zu diesem ist nirgendwo in Sicht: „Canta, ríe, bebe – que hoy es Nochebuena“, also „Sing, lach und trink, weil heute Heilige Nacht ist“.

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https://youtu.be/Y84-hxPXy1c

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 18. Dezember 2019 – Mediterraner Dezembertag“

  1. Lisa meint:

    Letzte Woche war ich dann auch endlich mal im Café Puck zum Frühstück – auf einen Lachsbagel – auch sehr zu empfehlen!! :)

  2. Feathers McGraw meint:

    Es gibt da auch einen Twitterer der ständig den Kulturkampf zwischen seinem Heimatort und seiner Arbeits/Wahlheimat beschwört, als seien da kulturell Welten dazwischen: Laut Google Maps sind es etwas unter 200 KM. Ich fand ihn, nachdem ich das wusste, erst kurz lustig und dann hauptsächlich ermüdend. Den Text von Frau Stokowski finde ich zwar trotzdem noch hauptsächlich witzig, aber den kulturellen Unterschied zwischen Polen und Deutschland finde ich eigentlich verhältnismäßig vernachlässigenswert. Ich bin halt auch grade nach einigen Jahren im Ausland grade wieder in den Schoß Europas zurückgekehrt und finde den ganzen Kontinent gerade furchtbar heimelig und freue mich noch jedesmal wenn ich jemand auf der Straße Deutsch sprechen höre. Es erinnert halt alles ein bisschen an die Derry Girls „Protestants love soup“: Fundamentale kulturelle Unterschiede gibt es halt in meiner Erfahrung deutlich seltener als man so vermuten würde, viele Klischees lösen sich bei näherer Betrachtung meistens relativ schnell auf.

  3. Berit meint:

    Der Bestatter würde mich im Detail interessieren, anscheinend geht die Kalkulation der Preise hier nicht über die Mitarbeiter und es klappt trotzdem.


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