Journal Freitag, 20. März 2020 – Weitere Ausgangsbeschränkung und Hoffnung auf schlechtes Wetter als Rettung

Samstag, 21. März 2020 um 8:10

Guter Schlaf mit nur der einen üblichen Klo-Unterbrechung – so schön! Der Wecker klingelte mich in die komplette Orientierungslosigkeit, ich freute mich sehr aufs Ausschlafen am Wochenende.

Gestern Morgen wieder Rumpfübugen, Dehnen, Yoga – bei Letzterem überschätzte ich die Besserung der wehen Hüfte in einem Ausfallschritt und jaulte so laut auf (Tonfall Hund, dem auf Schwanz getreten wurde), dass Herr Kaltmamsell besorgt herbeieilte.

Radfahrt in die Arbeit durch Frühlingstemperaturen und -düfte, um die Theresienwiese auffallend viele Jogger und Joggerinnen, gerne auch in Kinderbegleitung.

Angebot eines Paars ausgemusterter Unterarm-Gehilfen, das ich gerne und dankbar annahm für die Zeit, in der die Wirkung der Kortisonspritze nachlässt und ich sie brauchen könnte.

Spannung vor der Pressekonferenz des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (der seit Wochen positiv überrascht): Wie ich erwartet hatte, wurde das öffentliche Leben weiter runtergefahren, es gibt eine vorläufige Ausgangsbeschränkung. (Ich verlinke die offizielle Meldung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, damit jeder/jede selbst im Original nachschauen kann – zur Verminderung von Spekulationen.) Jetzt setzte ich große Hoffnungen auf das angekündigte schlechte Wetter mit Kälte in den kommenden Tagen – was vielleicht auch endlich die daheim hält, die ich gestern in Parks und auf der Theresienwiese in Gruppen spielen sah (mindestens zwei Gruppen davon Cricket – eigentlich ja sehr charmant).

Im Büro wachsende Leere, auch ich wurde für mögliches Home-Office ausgestattet. Aber noch gelte ich als Notbesetzung: Bevor die Ausgangssperre nicht streng wird, gehe ich täglich in mein Büro. Da sich immer mehr erweist, dass menschlicher Kontakt der Corona-Übertragungsweg Nr. 1 ist, sollte ich dort mangels menschlichem Umgang von der Seuchenverbreitung ausgenommen sein (Gespräche mit den wenigen Kolleginnen und Kollegen vor Ort funktionierten gut mit zwei Meter Abstand). Mittags Hüttenkäse und Quark mit Orange.

Friseurtermin nächste Woche per SMS abgesagt – verbunden mit der dringenden Bitte, den Preis als Ausfallhonorar bezahlen zu dürfen. Ich hoffe, es findet sich ein Weg.

Telefonat mit meiner Mutter, bei meinen Eltern alles in Ordnung. Wir beschlossen, nach Ende der Pandemie zu dritt zum medizinischen Ersatzteiltausch einzuchecken: zweimal Hüfte, einmal Knie. (Es gibt doch wohl Familienzimmer im Klinikum Garmisch?)

Feierabend wegen einiger Querschläger nicht so früh wie geplant. Nachdem ich erfahren hatte, dass in meinem Lieblingssüpermarket Verdi in den Tagen zuvor sehr viel los war, ging ich dort nicht Einkaufen, sondern fuhr direkt heim.

Herr Kaltmamsell wies mich darauf hin, dass die Kastanien vorm Balkon bereits Pfötchen geben: Das ist eine Überraschung, den die Knospen waren noch gar nicht so groß.

(Bild: Herr Kaltmamsell)

Herr Kaltmamsell bereitete ein „Drei-Untersetzer-Nachtmahl“:

Entrecôte, Rahmpilze mit Kerbel (Ernteanteil), Perldinkel (Ernteanteil). Ich servierte dazu Riesling Winzersekt.

§

Nochmal zurück in ein Gericht, bitte nicht über all der Corona-Sorge die anderen wichtigen Dinge vergessen. Zum Beispiel das erste wegweisende Urteil im Cum-Ex-Prozess, gut erklärt in der Zeit:
„Triumph der Justiz“.

Damit ist ein jahrelanger Grundsatzstreit um die Frage entschieden, ob Cum-Ex nicht nur aus moralischer, sondern auch aus juristischer Sicht zu verurteilen ist. Bei den komplizierten Aktiengeschäften entstand dem Staat ein Schaden von mehreren Milliarden Euro. Die Steuerräuber und ihre Anwälte aber vertraten die Auffassung, die Beteiligten seien bloß durch eine Gesetzeslücke geschlüpft, die der Staat zu schließen über Jahre versäumt hatte. Klar, das sei schon ausgebufft gewesen – und doof für die Allgemeinheit. Aber durch eine Gesetzeslücke zu schlüpfen, sei eben keine Straftat.

(…)

Am Ende aber hat sich die Justiz nicht im Klein-Klein verheddert, sondern die Komplexität reduziert und auf ihren Kern gebracht: Wenn man eine Steuer nur einmal bezahlt, aber mehrfach zurückfordert, war das schon immer verboten und ist deshalb strafbar.

§

Aufheiterung!

Hier ein Twitter-Thread mit ganz vielen Aufnahmen von niedlichen Füchsen.
https://twitter.com/SaraReneeRyan/status/1240038311382704130

Frau Mutti begleitet ihre Asylenten durch den Tag.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Freitag, 20. März 2020 – Weitere Ausgangsbeschränkung und Hoffnung auf schlechtes Wetter als Rettung“

  1. Sandra meint:

    Ja, Söder hat mich auch positiv überrascht. Muss ich zugeben.

    Wegen Ihres Homeoffice: Sie telefonieren doch auch viel, richtig? Machen Sie das jetzt auch von zu Hause? Wie hat man Sie dahingehend ausgestattet?
    Bei meiner Arbeit ist HO nicht üblich. Daher sitze ich jetzt mit einem auf die Schnelle gekauften Prepaidhandy vorm Laptop. Geht auch, aber wirkt nicht sehr professionell (egal, Hauptsache zu Hause). Habe mir noch ein Headset vom Computerspielen angeschlossen, damit mir nicht ständig das leichte Handy aus der Hand fällt und ich besser höre und über das Mikro besser gehört werde.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Noch gehe ich weiterhin ins Büro, Sandra. Sollte das nicht mehr funktionieren, könnte ich eine Telefon-Umleitung auf mein Privat-Handy versuchen, kann dann aber nirgendwohin verbinden. Aber damit befasse ich mich, wenn es so weit ist, vielleicht nehme ich dann ja doch einfach Urlaub.

  3. Sandra meint:

    Ja, verbinden kann ich auch nicht. Es wird aber auch mehr zu mir verbunden und das geht wiederum meist (um 2 Ecken schafft unsere veraltete Telefonanlage nicht immer). Beim Privathandy waren die Bedenken unseres ITlers, dass man dann ja ständig die SIM-Karte wechseln müsse und das Material am Handy irgendwann ausnudelt. Deshalb dann das Prepaidhandy.
    Ja, an Urlaub hab ich natürlich auch gedacht, aber wie lange soll man den nehmen? Was, wenn es Ende April noch schlimmer ist? Dass ich mir diese Fragen nicht beantworten kann, hat mich dann dazu bewogen, erstmal keinen Urlaub zu nehmen.

  4. Nathalie meint:

    Auch bei uns werden Mahlzeiten über Untersetzer definiert. Mann beim Tischdecken: „Wieviele Untersetzer?“ „Drei.“ „Ohhhh.“ (erfreuter Unterton) – oder – „Wieviele Untersetzer?“ „Einer.“ „Ohhhh.“ (trauriger Unterton) ;-)

  5. studio glumm meint:

    Entrecote!

  6. Buchfink meint:

    Germeinsames Krankenzimmer bestellen ist möglich, wurde von mir vor ein paar Jahren im Klinikum Penzberg praktiziert. Gemeinsam mit einer Freundin, die beim gleichen Fußchirurgen am selben Tag eine OP geplant hatte, bezog ich ein 2-Bett-Zimmer. Die hatten dort viel Verständnis, dass man lieber mit jemand Vertrautem das Zimmer teilt als mit einem Fremdem.

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