Journal Mittwoch, 25. März 2020 – Pandemie-Folgen beim Einkaufen

Donnerstag, 26. März 2020 um 6:10

Gut geschlafen, interessant und erfreulich geträumt (neben mir saß auf einer Zugfahrt zufällig Benedict Cumberbatch und wir unterhielten uns freundlich über Mikrophontechnik – beim Aufwachen fiel mir auf, dass ich ihn schon länger nicht mehr in einer tragenden Rolle gesehen habe, vielleicht sind seine beiden kleinen Kinder gerade wichtiger).

Yogarunde sollte eine Art Krafttraining sein – dafür habe ich eigentlich ander Programme, die mir mehr Spaß dabei machen, aber einmal durchbewegt ist durchbewegt.

Radeln in die Arbeit mit tonnenschwerem Herzen, Sonne und Frost nahm ich nur am Rand wahr.

Viele irre Dinge in der Arbeit. Ich lerne.

Vormittags Nüsschen (die Cafeteria ist geschlossen, ohne Capuccino bekomme ich dann doch früher Hunger), mittags ein mächtiges Käsebrot aus selbst gebackenem Brot, das mich bis zum Feierabend sättigte.

Auf dem Heimweg kurzer Einkaufstopp im Vollcorner (ich versuche mich daran zu gewöhnen, dass man mich dort inzwischen kennt), an der Kasse bekam ich einen Zettel mit Infos über Maßnahmen wegen der „Aktuellen Situation“, u.a.: Mitarbeitende können sich ohne Lohnausfall freistellen lassen, leicht eingeschränkte Öffnungszeiten, das Rabattprogramm CarrotCard wird sofort eingestellt. Letzteres sagte mir die Kassiererin auch noch persönlich – man weiß, dass ich Karotten sammle, also die kleinen Karottenaufkleber fürs Bonushefterl. Das war das einzige Rabattprogramm an dem ich mich je beteiligte, einfach weil ich die Frage „Sammeln Sie Karotten?“ an der Kasse immer so charmant fand, zudem die Hefterl und die Einkleber mochte (und keinerlei Herausgabe persönlicher Daten involviert ist). Die gesammelten Punkte könnte ich noch einlösen, tue das aber selbstverständlich nicht.

Daheim servierte Herr Kaltmamsell gleich mal den ersten Gang des Abendbrots gegen den größten Hunger: Tomatensuppe. Dazu guckten wir in der ZDF-Videothek die Folge Anstalt vom Dienstagabend, zusammengeschnitten aus Übertragungen verschiedener Kabarattisten vom Home-Office aus. Highlight war für mich:
„Idil Baydar: Influenzarin Coroni“.

Zweiter Teil Nachtmahl war Birnentoast: Toast, Dosenbirne, mit Camembert überbacken, Preiselbeeren. Kenne ich aus meiner Kindheit, freute mich sehr.

Tagesschau natürlich weiterhin recht monothematisch und: Die bei der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts ohnehin übersetzende Gebärdendolmetscherin wird endlich professionell eingeblendet. Woran merkt man nämlich bisher, dass Material von Fernsehsendern eines andere Landes übernommen wurde? An der eingeblendeten Gebärdenversion, die trotz zahlreicher Aktionen und Petitionen im deutschen ÖR-Fernsehen nicht Standard ist. (Ist doch eigentlich peinlich, wenn selbst Al Jazeera inklusiver ist.)

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Pia Ziefle führt auch eine Art Corona-Tagebuch – für ihren Buchladen in Mössingen:
„Unser Shutdown“.

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Die Krankheit Covid-19 kann sehr schlimm sein, auch für die Familie. In der New York Times schildert Jessica Lustig, wie sie ihren erkrankten Mann pflegt:
„What I learned when my husband got sick with coronavirus“.

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 25. März 2020 – Pandemie-Folgen beim Einkaufen“

  1. Croco meint:

    Coroni ist ja allerliebst, obwohl sie natürlich eine Bitch ist.
    Schade, das schwere Herz, das kann ich Dir nicht nehmen.
    Einer Freundin habe ich vielen Jahren ein rotes Herz aus Plüsch mit Flügeln geschenkt. So eines schubse ich Dir jetzt rüber.

  2. Elfe meint:

    Beim Lesen zog sich mir innerlich alles zusammen, voller Angst, beim Einblick in – ja, was, die Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit. Dieses Aus-der-Zeit-Gefallen-Sein kenne ich vom Krankenhausaufenthalt der jüngsten Tochter, die zu früh geboren wurde. In den Corona-Updates unserer Stadt werden immer die Fallzahlen genannt, inzwischen nicht mehr so ausführlich wie am Anfang, sondern nur noch die blanken Zahlen, und dann der Hinweis, alle Erkrankten zeigten milde Symptome und könnten in häuslicher Quarantäne bleiben. Ob T auch dazu gezählt würde?
    Das liest und sagt sich so leicht, aber ich finde Jessica Lustigs Bericht beängstigend.
    Wir könnten zum Beispiel nicht einfach den Westflügel oder ein Stockwerk zur Quarantänezone erklären, alle teilen sich ein Bad und Klo.
    Es braucht wahrscheinlich noch mehr Erfahrungsberichte von Pflegenden und Überlebenden außerhalb der Kliniken, um den Zweifler*innen und Sorglosen die Augen zu öffnen.

  3. Annie meint:

    Sehr gruselig dieser Erfahrungsbericht, das macht wirklich Angst, bisher haben wir da etwas, vielleicht leichtfertig, gedacht, wenn es einer hat (2 Erwachsene, 4 Kinder), bekommen wir es sowieso alle. Und dabei statistisch einer mit Krankenhaus-Aufenthalt, wobei ich seit einer anderen 1:10000 (oder noch deutlich mehr) Erfahrung mit Statistik abgeschlossen habe, und tatsächlich ist die Sorglosigkeit, dass es nur andere trifft, seitdem auch vorbei. Wieviel schlimmer auch solch ein zuhause zu kurierender Verlauf ist, als in der Vorstellung, war nicht angenehm zu lesen. Und ohne das Ende zu erfahren.

    Und unabhängig wünsche ich alles Gute! Danke für die vielen interessanten Lesetipps – auch wenn ich vieles davon viel lieber nicht gewusst / gelesen hätte.

  4. Die M. meint:

    @Annie: „wobei ich seit einer anderen 1:10000 (oder noch deutlich mehr) Erfahrung mit Statistik abgeschlossen habe“ –> So verständlich! Fühle mit Ihnen.

  5. Simone meint:

    Ein erschütternder Erfahrungsbericht. Nein, so schlimm erwischt es nicht alle, aber was, wenn? Und die Frage der Autorin, wer kümmert sich im schlimmsten Fall um die Kinder, die treibt mich auch gerade um.

    Birnentoast klingt nach einer guten Idee, das probier ich mal, danke.

  6. mo112 meint:

    Tatsächlich bin auch ich im Traum bereits mit Mr. Cumberbatch Zug gefahren und kann bestätigen, dass er ein angenehmer Reisebegleiter ist.

  7. Joe meint:

    Ich kenne persönlich eine junge erkrankte Frau in Barcelona. Ist kein Spaß, definitiv härter als Grippe.

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