Journal Dienstag, 12. Mai 2020 – Eisheilige

Mittwoch, 13. Mai 2020 um 5:59

Vor Wecker wach geworden, weil ich wieder dachte, er würde klingeln. Die Extrazeit hängte ich ans Crosstrainerstrampeln an.

Es war saukalt geworden, dieses Jahr sind die Eisheiligen wirklich zu Besuch gekommen. Ich radelte in Janker und Handschuhen in die Arbeit.

Mittags gab es die Tellersulz, die Herr Kaltmamsell aus dem restlichen Braten vom Sonntag gemacht hatte – obwohl es ein kleiner Braten gewesen war (und der sicher nicht aus einer Industrieschlachterei), reichte er für drei Mahlzeiten für zwei. In der Arbeit war es wieder sehr voll, ich verschanzte mich in meinem Büro. Premiere: Zum ersten Mal musste ich eine Aufgabe abgeben, weil ich dafür einige Stunden hätte herumlaufen müssen. Das kann ich derzeit nicht.

Späterer Feierabend als geplant, und das, wo ich den wichtigen Job hatte, Würschtl für den abendlichen Erbseneintopf mitzubringen. Ich kaufte sie auf dem Heimweg beim Vollcorner. Der Eintopf schmeckte sehr gut.

Als Abendunterhaltung ließen wir die Verfilmung von Nigel Slaters Toast von 2010 laufen, die überraschend langweilig geraten ist.

In puncto Pandemie habe ich mittlerweile die Phase Abstumpfung erreicht: Es liegt komplett außerhalb meiner Hand, wenn blühende Hirnlosigkeit die zweite Corona-Infektionswelle zerstörerisch hoch werden lässt. Dann kann ich sie auch ignorieren und mich darauf konzentrieren, auf meine liebsten Menschen zu achten. Denn weil die Beschränkungen des öffentlichen Lebens in den vergangenen Wochen in Deutschland erfolgreich waren, wird ihnen jetzt von vielen ihre Notwendigkeit abgesprochen. Wie titelte ich am 13. März? „Wenn es im Nachhinein aussieht, als hätten wir überreagiert, haben wir alles richtig gemacht.“ Während ich früher Katastrophenfilme für unrealistisch hielt, weil so viele Leute sich unvernünftig verhielten, halte ich sie jetzt für unrealistisch, weil sich darin so viele Leute vernünftig verhalten.

§

Ärzte ohne Grenzen schickt erstmals ein Team in die USA:
„Doctors Without Borders dispatches team to the Navajo Nation“.

Navajo Nation, home to roughly 170,000 people, now has more coronavirus cases per capita than any state in America. Due to a shortage in nursing and specialized medical staff, the most critical patients have to be airlifted to hospitals outside of the reservation. On top of that, Navajo people carry a high rate of diabetes and hypertension, rendering them more susceptible to infection. And as of early May, the region has a higher coronavirus death rate than that of 46 states.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Dienstag, 12. Mai 2020 – Eisheilige“

  1. Simone meint:

    „Es liegt komplett außerhalb meiner Hand, wenn blühende Hirnlosigkeit die zweite Corona-Infektionswelle zerstörerisch hoch werden lässt. Dann kann ich sie auch ignorieren und mich darauf konzentrieren, auf meine liebsten Menschen zu achten.“
    Da kann ich nur zustimmen; auch ich bin kurz vor der Resignation wenn ich sehe, wie Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Nazis gemeinsam demonstrieren gegen Maßnahmen, die uns wahrscheinlich bisher den Ar* gerettet haben. Auf sich und die liebsten Menschen zu achten wird nur nicht gerade leichter, wenn sich alle anderen verhalten, als wäre nix.

  2. Hauptschulblues meint:

    „Es liegt komplett außerhalb meiner Hand, wenn blühende Hirnlosigkeit die zweite Corona-Infektionswelle zerstörerisch hoch werden lässt.“
    Ja. H. verzweifelt langsam.

  3. Alexandra meint:

    Ich denke, gut für das eigene Immunsystem zu sorgen war noch nie verkehrt. Und die Liebsten dazu anhalten, dasselbe zu tun. Natürlich.

    Ansonsten bleibt nur hoffen.

  4. Andrea Stock meint:

    Ich kann mich nur Ihnen, liebe Frau Kaltmamsell und meinen 3 Vorkommentatoren anschließen. Hoffen wir, dass es gut ausgeht.

  5. Susann meint:

    Nun, 14 Tage nach den ersten Schulöffnungen haben sich die Verdoppelungszeiträume weiterhin verlängert. Fast ein Monat nach Ostern auch. Die Intensivkapazitäten liegen bei 40%.
    D. h. wir sind ein Stück weg von irgendwelchen dramatischen Ereignissen und ich hoffe sehr, dass mein Optimismus nicht unbegründet ist.
    Ich habe im Übrigen wenig Verständnis dafür, dass man sich mit 2999 anderen auf den Marienplatz stellt. Aber die Zahlen des Raums München werden ja zeigen, ob derlei Gruppenkuscheln irgendeine Auswirkung auf die Infektionszahlen hat.


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