Journal Mittwoch, 13. Mai 2020 – Ärgernisse, dreifach

Donnerstag, 14. Mai 2020 um 5:51

Ich hätte gerne noch länger so gut geschlafen.

Frühsport einmal durch alle Übungen nach ärztlichem Rat – fast, denn der rechte Hüftbeuger verhinderte energisch den Käfer (sonst gilt ja: Übungen mit Tiernamen sind die besten Übungen).

Arbeit in der Arbeit.

Corona-Frise, voll erblüht.

Mittags nochmal Tellersulz mit Brot, nachmittags Orange und Apfel. Es regnete immer wieder, auch zum Feierabend. Schließlich entschied ich mich dann doch für eine U-Bahn-Fahrt in die Innenstadt: Ich wollte eine Yogamatte kaufen, denn die weiche Turnmatte erschwert das Gleichgewichthalten unnötig. (Als Zentrumsbewohnerin einer Großstadt halte ich wiederum einen Internetkauf für unnötig, die Zustellfirmen drehen derzeit eh schon am Rad.) Das war dann doch ein größeres Abenteuer: Ich fing am Stachus an mit Karstadt Sport – die einzige dünne Matte war mir zu schwer, denn ich möchte dereinst, also post-OP, schon auch mal die Chance haben, einen Yoga-Kurs zu belegen (um mich von einer Fachkraft korrigieren zu lassen und dann wieder daheim weiter zu turnen), und ich will meine Matte dafür nicht mit einer Sackkarre transportieren müssen. Sport Scheck war wie bislang jedesmal eine Enttäuschung: Gar keine Matten – und niemand, den ich hätte fragen können. Dafür war Sport Schuster wie bislang jedesmal überzeugend: Auswahl, Beratung, ich habe jetzt eine Yogamatte.

Herr Kaltmamsell hatte zum Nachtmahl Dampfnudeln gemacht – auf seine Art, also mit kusprigem Boden. Sie schmeckten hervorragend mit Vanillesoße.

Telefonat mit meiner Mutter. Zum meiner großen Beruhigung sind meine Eltern weiterhin vernünftig: Sie verschob unseren Besuch bei Ihnen am Sonntag um eine Woche, weil das Wetter in vier Tagen nicht gut genug sein wird, dass wir in sicherem Abstand voneinander draußen in ihrem Garten sitzen können.

Meine Superheldinnenfähigkeit ist ja eigentlich, immer etwas zum Freuen zu finden, selbst im schwärzesten Schlick (der mich in den vergangenen Monaten erleichternderweise in Ruhe lässt), Sie müssen sich das wie ein Glühwürmchen über einem zähen Teersee vorstellen (GLÜHWÜRMCHEN!), aber. Derzeit weiß ich nicht, was mir mehr schlechte Laune macht (schlechte Laune ≠ schwarzer Schlick): Die Einschränkungen durch die Pandemie (kein Ausgehen, kein Schwimmen, kein Kino, keine Geselligkeiten, umständlicher Elternbesuch, Draußenbewegung nur als eine Abfolge von Hakenschlagen) oder die Einschränkungen durch kaputte Hüfte (kein Joggen, kein Wandern, kein Krafttraining, kein längeres Gehen) oder die Bestürzung durch unvernünftige Forderungen in der Bevölkerung nach Ignorieren der Pandemie.

§

Gestern las ich mal wieder eine Folge NDR-Podcast mit Prof. Christian Drosten nach.
„Coronavirus-Update Folge 40“.

Unter andere über Aerosol-Komponenten, deren Infektiosität laut Drosten mittlerweile nachgewiesen ist.

Fast die Hälfte der Übertragung ist Aerosol, fast die andere Hälfte der Übertragung ist Tröpfchen und vielleicht zehn Prozent der Übertragung ist Schmierinfektion oder Kontaktinfektion. Wenn man sagt, irgendetwas klebt an den Händen. Und demgegenüber muss man Alltagsempfehlungen stellen.

Also vor allem in Innenbereichen ABSTAND zefix.

Wichtig zur Einordnung von Aussagen auch:

Ich bin Virologe und würde mich nie zu einem bakteriologischen Thema äußern. Und das ist ja für den normalen Zuschauer fast dasselbe, Viren und Bakterien, für einen Wissenschaftler aber nicht. Es geht sogar viel weiter. Ich würde mich auch nicht trauen, mich innerhalb der Virologie in dieser Breite und in dieser Meinungsstärke zu einem anderen Virus als dem Virus, an dem ich hier arbeite, zu äußern. Man kann die Literatur und die Fachkenntnis in diesem Gebiet nicht kennen, wenn man nicht absoluter Spezialist ist. Das ist der einzige Grund, warum ich als Person überhaupt in der Öffentlichkeit stehe. Nicht weil ich besonders schlau bin oder weil ich besonders gut reden kann oder irgendetwas, sondern weil ich als Spezialist an genau diesen Viren arbeite.

§

Schöner Twitterfaden über Privatbibliotheken – echte und falsche.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 13. Mai 2020 – Ärgernisse, dreifach“

  1. Sabine meint:

    Der Herr Drosten kann aber schon besonders gut reden. Neben der erstklassigen Wissenschaftsvermittlung und der Nachdenklichkeit ist seine mühelose Fähigkeit, klar und ohne jedes Stocken zu sprechen eine der Hauptattraktionen des Podcasts. Sicher wird der NDR noch etwas schneiden, aber ich bezweifle stark, dass es eine digitale Dose mit Dr Drostens gesammelten Ähs gibt. Das Transkript ist der O-Ton.

    Die Aussicht auf eine Spinnerdemo mit 10.000 Teilnehmern, wie für den Samstag hier erwartet, löst bei mir Angst aus. Vielleicht nochmal schnell Nudeln, Mehl und Klopapier kaufen?

  2. Frau Klugscheisser meint:

    Da fehlt aber noch das Bild der Bibliothek im Hause Kaltmamsell!

    Zum Käfer: den kann ich immer noch nicht richtig machen, weil die lange (chronische?) Entzündung des Hüftbeugers (Iliopsoas) sein Tribut fordert. Auch das Anheben des Beins ist stark beeinträchtigt. Möglicherweise habe ich den – wohl noch im entzündeten Zustand – überstrapaziert und jetzt muss er für lange Zeit komplett zur Ruhe kommen (atropieren). Das ist übrigens einer der wichtigsten Muskeln beim Tanzen. Diese schönen Stangenübungen, bei denen das gestreckte Bein gehoben wird, sind inzwischen für mich aber in unerreichbare Ferne gerückt, s. Bsp:

    https://www.youtube.com/watch?v=m4A6PLeGIB4

  3. Ulla meint:

    Neue Methode für Hüft OP. Empfehle es wenigstens anzuschauen. BR Fernsehen heute Abendschau,ggf. Mediathek.

  4. Simone meint:

    Die Corona – Frise ist doch gar nicht so übel?


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