Journal Montag, 18. Mai 2020 – URLAUB mit Ausflug und Freundestreffen

Dienstag, 19. Mai 2020 um 8:41

Viele Träume, noch beim Träumen fiel mir auf, dass in allen Corona vorkam.

Als Sport gab es dieses Mal nach Kräftigung eine halbe Stunde Dicken-Yoga mit Jessamyn Stanley. Mich interessierte, ob diese Vorturnerin mehr auf Bewegungseinschränkungen eingehen würde – tat sie.

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https://youtu.be/DkgJ82UVQ7c

Spaß scheiterte auch hier an meiner kaputten Hüfte. Und ich wünsche mir mehr Ruhe, als aus dieser Anleitung bei mir ankam. Aber ich lernte, dass Yoga-Blöcke eine gute Idee sein könnten.

Nach dem Duschen und Anziehen hatte ich Hunger – obwohl es noch nicht mal elf war. Also gab es ein Tomatenbrot und eine Zitronenschnecke, bevor ich meine Ausflugspläne umsetzte: Ich wollte nach der Isar südlich von Thalkirchen sehen, also nach einer meiner beiden häufigsten früheren Laufstrecken. Dazu radelte ich die Isar entlang bis zur Großhesseloher Brücke – gemütlich, um möglichst viel zu sehen und zu riechen. Das war schon mal wundervoll.

Die Isarauen füllten sich schon mittags – wie ich im Lauf des Ausflugs merkte, hatte ich die Menschendichte an einem sonnigen Arbeitsmontag unterschätzt.

Auf der Brücke Maria Einsiedel stieg ich ab um zu gucken.

Lange beobachtete eine kapitale Forelle in der Sonne (ist auch im Bild versteckt), um dann zu sehen, dass sie sechs ebenso kapitale Kumpels im Schatten der Brücke hatte.

Am Fuß der Großhesseloher Brücke stellte ich mein Rad ab, um zu Fuß nach Pullach zu spazieren – das, so überlegte ich, sollte auch mit kaputter Hüfte möglich sein. War es auch, aber sehr, sehr anstrengend, auf dem Hinweg war ich kurz davor umzudrehen. Statt dessen setzte ich mich immer wieder auf Bänke und machte Pause. Nehmen wir’s als Übung fürs hohe Alter.

Auf der Brücke sah ich einen Turmfalken, der gerade zur Landung oben an den Gleisen ansetzte und dessen Flügel- und Schwanzfedermusterung ich im Gegenlicht bewundern konnte. Der Wasserstand der Isar trotz der regnerischen beiden Wochen extrem niedrig.

An der Waldwirtschaft war der Parkplatz voller Autos, daneben parkten große Mengen Fahrräder. Hatte sich halb München für die Wiedereröffnung der Biergärten frei genommen?

Die kahlgestürmten Flächen am Isarhochufer, die ein Jahr zuvor noch so erbärmlich ausgesehen hatten, waren bereits gnädig zugewachsen – aber offensichtlich nicht aufgeforstet. Gerade als ich das Telefon für die Aufnahme oben hob, sah ich aus dem Augenwinkel einen Fuchs von unten kommen. Wir blickten einander kurz in die Augen, er verschwand sofort.

Lange nicht mehr gesehen: Den Ausblick aufs Isartal und aufs Pullacher Wasserkraftwerk.

Die freundliche Radlerin, mit der ich beim Gucken ein paar Smalltalk-Sätze wechselte (Wetter, Wasserstand, Ausblick) stellte sich als Seelenfängerin heraus: Unvermittelt kramte sie nach einer Broschüre, die sie mir hinhielt – darin fände ich ich Antworten auf „die Probleme des Lebens“. Ein, zwei, drei war sie bei „unsere Basis ist die Bibel“ und ich musste ein bisschen mit ihr streiten. Streit regt mich leider immer fürchterlich auf, mein Ausflug war mir erst mal verdorben. Jetzt erwies sich als Glück, dass ich für die lächerliche Strecke von nicht mal fünf Kilometer mehrere Sitzpausen auf Bankerln brauchte, hier konnte ich mich nämlich beruhigen.

Ich hatte das Draußen sehr vermisst.

Zurück am Fuß der Großhesseloher Brücke freute ich mich am Spaß von Kindern, die in den Isarkanal sprangen. Auch in der Isar selbst wurde gebadet.

Zurück radelte ich über den Flaucher. Jetzt am Nachmittag war auf der Flaucherbrücke vor geparkten Rädern fast kein Durchkommen, alle Kiesbänke waren mit Familien und Nacktsonnerinnen wie -sonnern besetzt.

Im Glockenbachviertel kurzer Einkaufsabstecher für Obst und für Blumen.

Daheim stürzte ich erst mal mehrere Gläser Wasser herunter: Ich hatte geplant, in Pullach einzukehren und etwas zu trinken, deshalb keine Wasserflasche mitgenommen, doch da ich es nicht so weit geschafft hatte, war ich sehr durstig. Ein Apfel zur Brotzeit.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell nach drei Monaten zum ersten Mal wieder physisch mit Freunden verabredet. Es gab keine Umarmung, wir saßen schön verabstandet in einem Innenhof, aßen Leckereien von Obatztem über Heringsalat bis Oliven und direkt-importierten Ulmer Seelen, tranken Wein, sahen und hörten über uns viele Mauersegler, tauschten uns über vielfältige Pandemiefolgen und sonstige Gesundheit aus. Ich genoss es sehr.

§

Eine weitere verbloggte Corona-Chronik, diese ohne Erkrankung, von Novemberregen, die seit gestern wieder im Büro arbeitet:
„Meine Corona-Chronik“.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Montag, 18. Mai 2020 – URLAUB mit Ausflug und Freundestreffen“

  1. Nadja meint:

    Ein kleiner Yoga-Tipp: Amber Karnes geht oft auf körperliche Einschränkungen ein, ich habe viel von ihr gelernt. Sie hat auch ein tolles „Chair Yoga Program“: bodypositiveyoga.com Und ist einfach eine sehr coole Frau!

  2. Alexandra meint:

    Danke für die Isarbilder!

  3. Nina meint:

    Klötze, Gurt, Decken und Polster sind eine super Idee für Yoga, generell, aber umso mehr, wenn man irgendeine Art von körperlicher Einschränkung hat (was die meisten Menschen in irgendeiner Form haben). An dieser Stelle auch noch mal die Empfehlung für Iyengar Yoga! Leider kenne ich da keinen heißen Tipp für eine Online-Anleitung.

  4. Hauptschulblues meint:

    So ein schöner Bericht über den Ausflug. So viel Stimmung, die herüber kommt.

  5. Liv meint:

    Danke für den Foto-Ausflug! Die unschöne Gesprächsentwicklung kam mir vorhin grad wieder in den Sinn, als mir die „Countess of Grantham“ begegnete.
    Auch bei uns wird in der Natur missioniert, nur eben schriftlich, indem Faltblätter mit Bekehrungsgedöns mit Steinen beschwert an neuralgischen Punkten entlang des Waldwegs deponiert werden. Littering, aber etwas weniger emotional für mich.


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