Journal Dienstag, 30. Juni 2020 – Daheimarbeit und Bankerl

Mittwoch, 1. Juli 2020 um 5:56

Damit der nächste Lieferversuch unserer Balkonbank nicht wieder an „Ach, DIENSTAG?!“ oder „Oh, DIESE WOCHE?!“ scheitert, und weil es derzeit ohnehin arg voll im Büro-Stockwerk wurde, hatte ich Arbeiten von daheim angemeldet – mit leicht schlechtem Gewissen, ob ich wirklich genug zu tun habe, was sich auch daheim, also nur mit Rechner und aus der Ferne, erledigen lässt. Eine völlig unbegründete Sorge.

Die Zeit fürs Radeln in die Arbeit hängte ich wieder an meine Crosstrainer-Einheit an, gestern strampelte ich fröhlich auf Hochtouren.

Die Bank wurde dann sogar fünf Minuten vor „zwischen 9 und 12 Uhr“ geliefert, sah noch hochwertiger als auf dem Foto, sehr nach erwachsener Parkbank, und duftete das Wohnzimmer voller gepflegter Holzgerüche.

Der Vormittag war ausgesprochen anstrengend, denn ich hatte mein Arbeitstelefon auf mein privates Handy umgeleitet, eine wenig komfortable Telefoniertart, und das war sehr geschäftig. Außerdem rief man mich parallel intern über MS Teams an. Und das Arbeiten am Bildschirm eines kleinen Laptops war auch ziemlich ungemütlich (vor allem beim Hantieren mit großflächigen Excel-Listen), ganz abgesehen vom Fehlen eines höhenverstellbaren Tischs – ich musste halt bei zu großen Schmerzen durch die Wohnung wandern.

Mittags bereitete ich mir den Kohlrabi aus Schwägeringarten zu (gedünstet mit Butter und Muskat), aß ihn mit einem Butterbrot (selbstgebacken aus Gefriere).

Beides sehr erfreulich.

Herr Kaltmamsell kam nachmittags heim, doch wir trauten uns nicht, die Bank sofort auf den Balkon zu stellen: Laut Herrn Kaltmamsells Erfahrung müsse man die sicher erst noch einlassen/wachsen/vorbehandeln. Lektüre der beigelegten Pflegeanweisung ergab aber: nein. Dort empfahl man Abstauben wegen möglicher Holzstaubreste, das war’s.

Emsiger Arbeitsnachmittag, ich schaffte alles, was ich mir vorgenommen hatte. Nach Feierabend trugen wir die Bank auf den Balkon, sie passte perfekt. Ich setzte mich drauf (sehr bequem, selbst ohne die Polster, die erst noch kommen) und stillte meinen Hunger mit dem restlichen Kirsch-Pie, bevor ich mich zum ersehnten Fußpflege-Termin aufmachte.

Der Spaziergang durch die sonnige Wärme war wundervoll, und dann bekam ich die Füße schön.

St. Paul in Sommerlicht.

Frisch geschönte Füße. (Metallic, meinte Frau Kosmetik, also Metallic hätten die jungen Frauen dieses Jahr überhaupt nicht.)

Daheim servierte Herr Kaltmamsell zum Nachtmahl gedämpften Brokkoli aus Ernteanteil mit Gurken-Kokos-Raita, sehr gut.

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Auf Twitter erzählt @cihansugur von seiner Mutter, die 30 Jahre Bandarbeiterin in der Fleischindustrie in NRW war. Bitte vergessen Sie mir nicht die vielen, vielen Menschen, die so oder ähnlich ihren Lebensunterhalt bestreiten, ohne die sehr viele Bereiche unseres Alltags nicht funktionieren würden und an denen alle Überlegungen zur Zukunft der Arbeitswelt meilenweit vorbeidenken.

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Und dann deckt @KarlreMarks einen Aspekt des Zeitreisens ab, der im Handbuch für Zeitreisende fehlt: Buchungs-Hickhack in der unzuverlässigen Reise-Industrie.

via @Hystr_cidae

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Dienstag, 30. Juni 2020 – Daheimarbeit und Bankerl“

  1. Friederike meint:

    Danke für den wunderbaren Zeitreise-Thread!
    Und natürlich: viele gemütliche Stunden auf der schönen neuen Balkonbank!!

  2. Ulrike meint:

    Tolle Balkonbank.

    Und liebgewonnene Büroausstattung wie höhenverstellbarer Schreibtisch, großer Monitor und anderes haben mir in der SITUATION jedwede Lust auf Heimarbeit für immer verleidet.


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