Journal Dienstag, 29. Dezember 2020 – Der Arnulfsteg

Mittwoch, 30. Dezember 2020 um 6:23

Heute vor zehn Jahren mit Photobooth (Laptop-Kamera) aufgenommen:

Mein letzter Versuch, längere als sehr kurze Haare zu haben (wodurch ich endgültig lernte, dass ich mich damit nicht identifiziere), offensichtlich bemühte ich mich damals noch um weihnachtliche Deko.

Sehr gut geschlafen, die Vornacht ist ausgeglichen.

Als Sport war Yoga dran. Ich bewegte mich nochmal durch Folge 1 von „Home“, ums zu lernen und meine heilende Hüfte langsam einzugewöhnen. Für die bewegungseingeschränkte rechte Hüfte setzte ich mich auf ein dickes Buch als Yogablock-Ersatz.

Einkaufsrunde beim Vollcorner: Die Liste fürs Abendessen war umfangreich, außerdem ein paar Vorräte. Der Weg war in sonnigem, kühlen Wetter ein Genuss.

Zum Frühstück gab es Spinat-Pie vom Vorabend, den letzten Rest Brot vom Hl.-Abend-Schinken (!), ein Stück frisch gekauftes Weißbrot.

Der Draußenplan für gestern: Raus an den neuen Arnulfsteg mit der Tram. Zur Eröffnung hatte es Corona-bedingt kein Tschingderassabum gegeben, wir Münchnerinnen und Münchner gucken einfach so nach und nach vorbei.

Auf der Nordseite eine Schnecke für Radler, ich glaubte einige freudige HUI!s zu hören.

Arnulfsteg von der Seite.

Von innen.

Hinweis auf die voraussichtliche Nutzung im Sommer, eine Erleichterung für die Hackerbrücke.

Mit diesen Aussichten.

Zum südlichen Weiterspazieren im Westend ist keine Querung der Landsberger Straße möglich (Fahrradwege, vier Autospuren, Tram-Trasse), doch ich entnahm der gestrigen Süddeutschen, dass ein Übergang zumindest geplant ist.

Was mir bei meinen Wegen durch die Stadt auffällt: Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr fühlen sich nicht so besonders ruhig an wie in den Jahren zuvor. Schließlich sind die Läden und Restaurants seit Wochen geschlossen, und das bereits zum zweiten Mal im Jahr. Die daraus resultierende Ruhe und diesmal beabsichtige Menschenleere ist also vertraut und eher bedrohlich.

Daheim Zeitungs- und Internetlektüre, bevor ich das Abendessen zubereitete: Unsichtbaren Salat von Katha Seiser (Schnittlauch diesmal nicht vergessen, sondern gestern in zwei Lebensmittelgeschäften nicht erhältlich).

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Journal Dienstag, 29. Dezember 2020 – Der Arnulfsteg“

  1. Gaga Nielsen meint:

    Was mich sehr interessiert: manchmal dürfen wir Fotos von der kindlichen, jugendlichen Kaltmamsell und aus Studentenzeiten sehen, da sind die Haare fast immer lang (was ich als sehr attraktiv in Erinnerung habe). War damals auch keine Identifikation mit den längeren Haaren da, und wenn doch, wann und wodurch kam die veränderte Haltung dazu?

  2. Thea meint:

    Kurz ist viel besser.
    Unsichtbarer Salat: Gibt es hier morgen. Demeter-Schnittlauch frisch im Biomarkt gefunden.
    Ihnen und dem Herrn Lehrer wünsche ich einen genussvollen Übergang ins Jahr 2021.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Die langen Haare im Kindesalter, Gaga Nielsem, waren fremd- also elternbestimmt. Auf meinen Wunsch gab es da auch mal kurze Haare:

    Kurz nach dem Abitur (1986) bis ins Studium hatte ich bis 1991 sehr kurze Haare – 80er-Mecki.

    Der Punkt ist: Ich hatte immer sehr schönes, weil dickes und dichtes Haar in einem kräftigen Braun mit rötlichen Lichtern. Deshalb fühlte ich mich (wie bei so mancher anderer Veranlagung) lange Zeit verpflichtet, „etwas draus zu machen“. Es dauerte (wie bei so mancher anderer Veranlagung) eine ganze Weile, bis ich herausfand, was ich unabhängig davon gerne an mir mag. Das musste ich genauso lernen wie umgekehrt den Menschen ihre geliebten langen Haare zuzugestehen, auch wenn diese dünn sind und in meinen Augen unvorteilhaft aussehen.

  4. Gaga Nielsen meint:

    interessant! Bei mir wars genau umgekehrt: die Eltern (besonders mein Vater) wollten mir schon als Kleinkind immer „praktische“, „flotte“ Kurzhaarschnitte verpassen, was auch funktioniert hat, so lange ich nicht rebelliert habe. Tatsächlich wollte ich viel lieber lange Haare wie Katja Ebstein oder Daliah Lavi oder Peggy March haben. Mein Vater hat mir dann als Kompromiss einen Mireille Mathieu-Topfschnitt angedient, weil ich die Lieder von ihr auch gerne hörte, obwohl ich doch viel lieber wie Katja Ebstein aussehen wollte!!! Als ich selbst bestimmen durfte, wurden sie mit jedem Lebensjahr länger.

    Einmal gabs in den Siebzigern die Dauerwellenmode, die ich mitmachte, da waren die Haare dann nur schulterlang, und in den Achtziger experimentierte ich mit selbst rasiertem side cut und verschiedenen asymmetrischen, punkig gemeinten Frisuren, eine Seite lang, die andere rasiert, wasserstoffblond, blauschwarz, etc. p.p.

    Als ich mal mit 20 stoppelkurze Haare hatte, inspiriert von afrikanischen Köpfen und dazu einen Herrenanzug trug, sprach mich an einer Ampel eine Omi von hinten an: „junger Mann, können Sie mir mal über die Straße helfen?“ Sie sah mich nur von hinten, ich war schon halb über die Kreuzung. Ich drehte um, und half ihr natürlich. Aber das machte mir klar, dass mein grobmotorischer Gang in Kombi mit den kurzen Haaren ein männlicheres Gesamtpaket ergibt, als mir lieb war. Ich fand auch, dass kurze Haare noch mehr Aufwand beim sonstigen Styling und Make up erfordern, wenn man nicht wie eine Kampflesbe wirken will. Was ich nicht wollte.

    Zusätzlich hatte ich einen rebellischen Impuls gegen das stetige Ideal meiner Familie, dass Dinge, so auch Kleidung und Frisuren und überhaupt alles, vor allem „praktisch“ sein müssten. Das war mir als Schöngeist schon früh befremdlich.

    Richtig heiß fand ich allerdings als Kind und Jugendliche und bis heute den Look von Heidi Stroh, einer Schauspielerin mit wasserstoffblonden superkurzen Haaren. Sie trug allerdings immer sixtiesmäßiges starkes Augen-Make up und große Creolen, das sah dann mehr nach weißer Afrikanerin aus. Hätte ich die Nerven und Lust, mich jeden Tag (noch) zeitaufwändiger zu stylen, könnte ich mir eine Kurzhaarfrisur wie Pink sie hat, vorstellen. Aber da ist so viel Styling damit verbunden, huiuiui…. also sind kurze Haare nach meinem sehr speziellen Geschmack keineswegs „praktisch“. Ich mag übrigens auch das Gefühl, dass Haare über meinen Ohren sind, ich finde es irgendwie zugig, wenn sie nackig sind :-)

    P.S. ich ging auch nie gern zum Friseur, weil das Ergebnis immer trutschig ausgesehen hat und ich keine fremden Hände am Kopf mag. Der letzte Friseurbesuch war ca. 2005 bei Udo Walz (Gott hab ihn selig), aber da war ich nur neugierhalber als Begleitung einer Freundin von auswärts, die sich mal von ihm verwöhnen lassen wollte. War ein bemerkenswertes (hochaufwändiges) Schauspiel. Und gar nicht mal so teuer wie erwartet.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Wie spannend, Gaga Nielsen! Durch einen Mireille Mathieu-Topfschnitt musste ich auch, rites de passage. Im persönlichen Styling lag meiner schöngeistigen Mutter aber nichts ferner als „praktisch“.

    Ich überlege, ob ich mich in meinen Aussehenswünschen je an einem Vorbild orientierte. Meinen Lidstrich schaute ich einer schönen (kurzhaarigen) Schülerin ein paar Klassen über mir ab, aber die Frauen, die ich schön fand, waren sehr unterschiedlich (Sade, Alison Moyet, Audrey Hepburn) – aber allesamt sehr weit von meinem Gegebenheiten entfernt. Ich orientierte mich lieber an historischen Epochen oder Filmen.

    Für einen jungen Mann wurde ich als Studentin auch gehalten. Da ich aber ohnehin den Verdacht hatte, dass meine Physis mit den entsprechenden Chromosomen einen sehr attraktiveren Mann ergeben hätte, fand ich das in Ordnung.

  6. Gaga Nielsen meint:

    Übrigens war mein kindliches Ideal nicht, möglichst prinzessinnenhaft zu sein, sondern seventies-mäßig cool, modern und lässig. Gerne hätte mich meine Familie auch in Jugendjahren in Kleidern und Röcken gesehen, die habe ich ab dem ca. 11. Lebensjahr strikt verweigert. Ein braves, unauffälliges Mädchen wollten sie haben. Ich wollte aber ein auffälliges, gar nicht braves Mädchen sein. Mit ca. Ende Zwanzig habe ich mich dann kleidungstechnisch emanzipiert und mich vorsichtig (kurzen) Röcken und Kleidern angenähert. Aber Role Model waren immer schnelle, moderne Frauen mit eher ungestylten, wehenden, langen Haaren und Hosen und gefährlichem Augen Make up. Auf dem Rollfeld Richtung Flieger! Mit meinen Billig-Fake-Petra-Barbies von Woolworth habe ich am liebsten Stewardess auf dem Sprung in die weite Welt gespielt. Niemals nicht Puppenmutti! Babypuppen waren langweilig, die wollten, dass man mit ihnen Mama spielt. Barbies waren schon groß und durften alles und selber bestimmen! Auch konträr: meine Verwandtschaft hätte mir nie eine Abspeck-Diät verordnet, da ich nach deren Meinung immer zu dünn war, daher hätten sie mich sehr gerne mit schwerer Kost gemästet, irgendwann passt aber halt nix mehr rein!

    Audrey Hepburn hatte auch entzückende Kurzhaarfrisuren, aber wann war sie eigentlich nicht entzückend. Die Frisur, die sie entstellt hätte, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Jean Seberg hatte natürlich auch einen entzückenden Kurzhaarschnitt in Perfektion (muss man bestimmt alle 4 Wochen nachschneiden lassen).

    Es gab mal hier ein Kaltmamsellfoto von ca. 2019, wo der Seberg-Haarschnitt zu sehen war, diesen Cut fand ich mit großem Abstand am gelungensten von allen Kurzhaarfrisuren, die ich über die Jahre hier studieren durfte. Verrückterweise ist der Pixie von Seberg im Biopic mit Kristen Stewart total verschnitten und verunglückt, die Frisur stimmt sowas von überhaupt nicht in dem Film, viel zu lang, viel zu bauschig und noch dazu komplett falsch gefärbt, mit Gelbstich und dunklem Haaransatz! Geht mal gar nicht!

  7. die Kaltmamsell meint:

    Wie praktisch wäre es, Gaga Nielsen, gäbe es eine Tauschbörse für Kinder – so etwa wenn sie fünf sind und sich ihre Persönlichkeit bereits zeigt. Dann könnte man die für Elternwünsche passenden zuordnen.

    Mir war als Kind Kleidung egal, solange sie mich nicht am (eher bewegungsbetonten) Spielen hinderte. Ein Grund, warum ich das kindliche Kurzhaarfoto oben mag: Es war völlig in Ordnung, mich in Blümchenbluse und -röckchen zu stecken, ich setzte mich ja doch so hin, wie’s bequem war (was mir allerdigs irgendwann aberzogen wurde, sonst würde ich vielleicht bis heute niemals hüftschädlich die Knie übereinander schlagen).

    Den Gaga’schen Charakterkopf kann ich mir sehr gut mit kurzen Haaren vorstellen, vielleicht sogar mit einem spanischen Kringel zwischen Ohr und Wange. Aber dann würde nichts mehr wehen, das kann ich als Priorität gut nachvollziehen. Sean Seberg hatte ich meinem Friseur schon mal genannt, doch er kannte sie nicht. Pixie Cut allerdings schon, so kamen wir zusammen. Der wird es sicher auch wieder werden – ich genieße es, dass mir kurze, aber schnell wachsende Haare die Möglichkeit bieten, oft zu variieren (außerdem möchte ich meinen Friseur durch neue Herausforderungen bei Laune halten).

    Auf Gofug habe ich schon viele aktuelle Hollywood-Schönheiten mal mit kurzen Haaren gesehen (fast immer wegen einer Rolle) – und muss gestehen, dass mir fast alle so besser gefielen als mit langen.

  8. Gaga Nielsen meint:

    „Spanischer Kringel“ ist mir bislang als „Herrenwinker“ geläufig! Aber da muss ja jeden Tag gekringelt werden und wer soll das nachschneiden?!??? Ich hab ja ne Haarschneideschere, aber das ist mir zu kompliziert. Wird also nix. Aber für eine Postkartenchallenge würde ich die Frisur direkt mal ausprobieren (also als Fake)!

    Das nicht vorschriftsmäßige damenhafte Sitzen und vor allem Gehen wurde bei mir auch sehr schlecht benotet. Also irgendeinen kleinen gemeinsamen Nenner gibt es bei unseren Sechziger- und Siebziger-Jahre-Eltern doch, auch wenn wir als Babies vertauscht worden sein sollten!

  9. Simone meint:

    Hier auch kurze Haare seit fast 25 Jahren. Als Kind mochte ich meine langen dicken Haare, die allerdings auch immer nur Haare waren ohne Frisur. Passte zum Aufwachsen unter Jungs und zur wenig prinzessinenhaften Kleidung. Zwischendurch waren die Haare auch mal kurz, dann doch wieder lang. Später bei der Arbeit störten mich die langen Haare, so dass ich sie immer zusammenband. Und nur für’s Wochenende war mir der Aufwand mit den langen Haaren zu groß, also ließ ich mir einen kinnlangen Bob schneiden. Optisch gefiel mir das gut, auch mit der Naturwelle. Praktisch war’s leider nicht, die Haare fielen am Schreibtisch immer noch ins Gesicht und zusammenbinden ging nicht mehr. Also ab damit, und so ist es dann auch geblieben: ein kurzer Pixie mit sehr kurzen Seiten/ Nacken. Finde ich besonders mit ein bisschen Schminke und/oder Schmuck auch gar nicht unweiblich. Einziger Nachteil ist das regelmäßige Nachschneiden – gerade jetzt im Lockdown ein Problem. Aber ich habe da noch eine Haarschneidemaschine, falls es ganz schlimm wird

    Kommen Sie gut und gesund ins neue Jahr!

  10. Croco meint:

    Kindertauschbörse.
    Ich glaube, ich wäre umgetauscht worden.
    Ich hatte lange das Gefühl, eigentlich vor jeder ernsten Ansprache, dass sie mir jetzt sagen, dass ich adoptiert bin.
    Meine Haare machen, was sie wollen. Ein Friseur muss mit und nicht gegen sie arbeiten. Ich hatte sie schon hüftlang und auch zwei Mal Glatze.
    Die war mir aber zu kalt. Aber ansosnten hatte ich immer die Frisur zum aktuellen Gemütszustand. Es gibt keine Frisur, die immer passt.

Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen