Archiv für Januar 2021

Journal Mittwoch, 20. Januar 2021 – Gegen Rückenzwicken

Donnerstag, 21. Januar 2021

Der zerstückelte Nachtschlaf endete kurz nach fünf, als mich ein Rumpeln im Müllkammerl unter meinem Schlafzimmer weckte.

Weg in die Arbeit unter leuchtend blauem Morgenhimmel mit rosa Rand. Es hatte weiter getaut, was viele Wege frei, manche sogar trocken machte, doch die vorher nicht geräumten, festgetretenen Abschnitte waren superglatt und rutschig.

In der Arbeit viel Sekretariats-Jonglieren. Mittags Käse mit Birne, dazu eine Breze, ein Apfel, nachmittags Hüttenkäse.

Ein sonniger Tag, mittags drehte ich eine Runde im Hof mit milder Luft. Zu Feierabend packte ich Rechner und ein wenig Zeug ein, da ich am Donnerstag daheim arbeiten würde – ein bisschen Kontakte reduzieren.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Supermarkt. Ich kam nicht an den Blumen vorbei (sehr wahrscheinlich Ausbeuterblumen, ich weiß) und nahm gelbe Rosen mit, außerdem kaufte ich von unserer Liste, was ich fand.

Daheim gönnte ich mir wieder Yoga, allerdings nicht das Programm von Adriene: Da es weiterhin in meinem Rücken zwickt und zwackt, erinnerte ich mich an ein Rücken-Special von Mady. Das funktionierte viel besser als vor der Hüft-OP und tat sehr gut.

Abendessen: schlechte Pizza. Zumindest war das die Ansage von Herrn Kaltmamsell. Es hilft zu wissen, dass Herr Kaltmamsell sehr gerne Pizza isst, auch kalt, sogar sagt: „Schlechte Pizza ist immer noch besser als keine Pizza.“ (Das geht mir nicht so.) Zu der Ansage kam es, weil er Pizza von einer Pizzeria holen wollte, bei der wir siet vielen Jahren keine gute bekommen hatten. Im vorletzten Moment bot er mir noch an, auf Vietnamesisch zu wechseln, doch ich kniff nicht.

War dann auch gar nicht schlimm. Sicher keine gute, aber auch keine grauslige Pizza (Rätsel: woraus war der Teig gemacht, der etwas von durchweichtem Knäckebrot hatte?). Herr Kaltmamsell war ganz konsequent pervers und holte eine Pizza Hawaii, ich hatte eine mit Parmesan und Rucola.

Im Fernsehen ließen wir auf arte einen Wes-Anderson-Film laufen, den wir noch nicht gesehen hatten: Die Tiefseetaucher. Sehr schön Wes Anderson (Willem Dafoe schwäbisch synchronisiert, warum nicht; ansonsten typisch: die Schauspieler*innen lächeln praktisch nie), leider war ich zu müde, um ihn ganz zu sehen.

Journal Dienstag, 19. Januar 2021 – Coronagestrüpp

Mittwoch, 20. Januar 2021

Besser geschlafen!

Nach Duschen und Haarewaschen legte ich den Scheitel des wuchernden Haupthaars auf die andere Seite – in der Hoffnung, damit einen Inspector-Columbo-Look zu erzielen, etwa so.

So sehe ich mich.

So sehen Sie mich.

Doch Scheitel rechts bringt lediglich meine inneren 1980er zum Vorschein und damit eine Frisurenmischung aus Princess Di und Miranda Priestly.

Auf dem Weg in die Arbeit war der Boden jetzt wieder frostig, es krachte und knirschte unter meinen alten Schneestiefeln (die sich nach nur ca. 15 Jahren und einmal Reparieren beim Schuster auflösen: Das Kunstfell zerschleißt und löst sich vom Sohlenteil).

Morgenrosa über Theresienwiese mit Bavaria und Corona-Drive-in-Teststation.

Am Schlittenhügel auf der Westseite der Theresienwiese sah ich schon im fahlen ersten Licht vor acht ein Kind in rotem Schneeanzug Schlittenfahren.

Der Tag wurde grau und windig, am Nachmittag setzte Regen ein.

Mittags Karottensalat mit viel Koriander, ein Apfel. Nachmittagssnack Quark.

Auf meinem Heimweg regnete es leicht, aber ich hatte keine Lust auf Regenschirm und ließ statt dessen Mütze und Mantel durchfeuchten.

Daheim die ersehnte Yoga-Runde, die mich wieder zu einem halbwegs pünktlichen Feierabend gebracht hatte.

Nachtmahl aus der Küche von Herrn Kaltmamsell: Sellerieschnitzel, eines davon gefüllt mit Schinken und Käse – sehr gutes Winteressen.

Abendunterhaltung war eine Zufallsentdeckung vor ein paar Wochen: Die Ärzteserie Atlanta Medical (im Original The Resident). Ich mag ja eigentlich Ärzteserien, interessiere mich allerdings vor allem für den medizinischen Teil und weniger für das Privatleben der Mediziner*innen, deshalb bin ich im Grunde immer noch auf der Suche nach einem Ersatz für Emergency Room. In Atlanta Medical (derzeit in Wiederholung auf Sixx) geht es zwar für meinen Geschmack auch zu viel um das Privatleben des Personals, aber auch reichlich um Medizin; der Schwerpunkt scheint aber (ich kenne ja nur die ersten sechs Folgen) der Wirtschaftsaspekt am US-amerikanischen Krankenhauswesen zu sein – ohne dass ich mir ausgerechnet davon Realismus erwarte, auch hier sieht man die Ärzt*innen nie Papierkram machen, schon gar nicht stundenlang. Vieles daran ist sehr spezifisch US-amerikanisch, vielleicht aber durch die Wende in der deutschen Gesundheitspolitik zur Profitorientierung schlicht unsere gar nicht so ferne Zukunft.

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Bis vor ein paar Jahren wäre das mein Traum gewesen, seither wurde es immer mehr ein Albtraum: Umberto Eco sucht ein Buch in seiner Bibliothek.

Bücher und Bibliotheken finde ich weiterhin großartig, aber ich will sie nicht mehr besitzen oder gar darin wohnen – sondern halt Zugang dazu haben. Allerdings arbeite ich ja auch nicht wissenschaftlich.

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Ja, wir1 beschäftigen uns immer noch mit der Shanty-Sensation des Monats. Hier der Ursprung und die Geschichte des Wellerman:
„The true story behind the viral TikTok sea shanty hit“.
(Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich: Wer mir einen Artikel mit „The true story behind…“ verkaufen möchte, muss schon ein sehr attraktives Thema haben, dass ich ihn trotzdem lese.)

  1. Whatever that means to you – ich bin bereits völlig Adriene-veryogat. []

Journal Montag, 18. Januar 2021 – Angetaut

Dienstag, 19. Januar 2021

Nächte gibt’s derzeit halt nur zerhackt, was soll’s.

Schon beim Lüften des Schlafzimmers merkte ich, dass es ein paar Grad milder geworden war. Entsprechend matschte und suppte es unter meinen Schuhen auf dem Weg in die Arbeit.

Bavariapark und Verkehrsmuseum immer noch von Schnee verschönt.

Der Bürotag glich bis nachmittags einem Wirbelsturm, dann beruhigte sich die Lage. Zum späten Mittagessen gab es Radicchio aus Ernteanteil mit roter Paprika und Balsamico-Dressing, dann Grapefruit und Orange mit Joghurt.

Auf dem Heimweg war es immer noch nicht frostig, aber auch nicht zu warm. Auf die Yoga-Runde daheim hatte ich mich schon gefreut, sie war mittelfordernd (immer wieder lustig, wie weit meine eigene Biegsamkeit von der der Vorturnerin abweicht und Work-arounds erfordert – und Adriene ist wirklich kein atemberaubender Schlangenmensch) und tat gut.

Für die Brotzeit am nächsten Tag verarbeitete ich Ernteanteil-Karotten zu Salat mit Koriander. Beim Suchen im Küchenschrank nach dem Crispy Chilli Oil entdeckte ich, dass das Glas ganz hinten umgefallen und zum Teil ausgelaufen war – eine ordentliche Sauerei. Ich räumte also das Schrankfach aus und putzte.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Chorizo und Spiegeleier gebraten, serviert mit selbstgebackenem Brot.

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Geheimnis gelüftet: Wie Spitzenpolitiker Körpersprache für Reden trainieren.

Journal Sonntag, 17. Januar 2021 – Schneetag drinnen

Montag, 18. Januar 2021

Zerstückelte Nacht, dennoch fühlte ich beim Aufwachen kurz vor sieben erfrischt.

Ich meldete mich online zur Covid-19-Impfung an, für Bayern geht das auf dieser Website. Dazu muss man sich erst mal registrieren, dann mit diesen Daten einloggen, Online-Formular ausfüllen (der Risikofaktor Bluthochdruck verbirgt sich hinter dem Fachbegriff „arterielle Hypertension“ – ich hatte den Verdacht, das sollte ein aktives Verstecken sein, weil der wohl auf viele zutrifft), abschicken.
Bestätigungsmail: „Ihre Anmeldung zur COVID-19 Impfung wurde erfolgreich entgegengenommen.“
Jetzt heißt es warten, bis ich in ein paar Monaten dran bin. Doch sehr wahrscheinlich komme ich durch aktive Anmeldung schneller an eine Impfung als durch Warten, dass man mich findet.

Sport war gestern eine Stunde Reha-Kraftsport. Ich hoffe, es wirft mich nicht in der Heilung zurück, wenn ich ihn nur einmal die Woche schaffe.

Draußen schneite es ein wenig, eigentlich den ganzen Tag über.

Gegen Mittag machte ich einen vereinbarten Abstecher zu den Mietern unserer künftigten Wohnung, um ein paar Wände auszumessen (einmal für den Schreiner, der den Einbauschrank anfertigen soll, zum anderen für Herrn Kaltmamsells Buchregalplanung). Der Ausblick aus meinem künftigen Schlafzimmer:

Zum Frühstück gab’s Brot aus eigener Fertigung (auch am Tag nach Backen sehr gut) mit Butter und Schinken, eine Schüssel Granatapfelkerne.

Einen unangenehmen Brief geschrieben, um den ich mich seit Wochen drücke (es geht um die Einforderung einer ausstehenden Rückzahlung). Ehrlich gesagt seit Monaten. Wenn das nicht funktioniert, muss ich mich nach professioneller Unterstützung umsehen.

Im Sessel die Wochenend-Zeitung gelesen, immer wieder raus in den Schnee geschaut. Ich beschloss, dass mir das so gefiel: aus dem gemütlichen Drinnen rauszuschaun. Und nach Langem mal einen Tag nicht rauszugehen.

Statt dessen bügelte ich ein Stündchen, mehr hatte sich in den vergangenen Wochen nicht gesammelt. Dabei hörte ich ein Stück Podcast Plötzlich Bäcker von Lutz Geißler mit Holger Klein, es ging um „Faule Brote für faule Bäcker“.

Im bereits Dunkeln gönnte ich mir eine Runde Yoga, die Einheit 8 bestand aus purer Sanftheit (mache ich nicht ein zweites Mal, hebe ich mir für Bedarf nach Entspannung auf).

Als Nachmittagssnack ein Schüsselchen Zwetschgen – ohne Teig, ganzganz ausnahmsweise warfen wir gestern ein Lebensmittel weg.

Ich las weiter in Bernardine Evaristo, Girl, Woman, Other, das mir sehr viel Vergnügen bereitet. Passend dazu stand anlässlich des Erscheinens der deutschen Übersetzung im jüngsten SZ-Magazin ein Interview mit ihr (€):
„‚Ältere Frauen sind viel interessanter als junge Leute'“.
Unglücklich gewählte Überschrift, dass ist sicher nicht die zentrale Aussage des Interviews: Evaristo geht es viel mehr um das Sichtbarmachen nicht-weißer Menschen in der britischen Gesellschaft – wie sie schon nach der Auszeichnung mit dem Booker Price 2019 betonte.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die spanischen Wurstwaren aufgebraucht, die ich vor Monaten gekauft hatte und dann im Kühlschrank vergessen: Es gab Kutteln auf Madrider Art (Callos a la Madrileña).

§

Antje Schrupp dröselt auf, wie wir so tief ins Pandemie-Schlamassel geraten konnten:
„Warum Corona tödlicher ist als Ebola“.

Bei einem Virus wie Corona haben Chefs ein persönliches Interesse, ihre 100 Mitarbeiter:innen ins Büro zu holen. Denn selbst wenn dort Corona zirkuliert und sich die Hälfte der Leute ansteckt, stirbt statistisch nur einer oder zwei. Ein Risiko, das viele bereit sind, einzugehen. Würde es sich hingegen um Ebola handeln, müsste der Arbeitgeber damit rechnen, dass im Fall eines Ausbruchs die Hälfte der Belegschaft hinterher tot wäre – dieses Risiko wird er nicht eingehen, nicht nur aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus reinem betrieblichem Eigeninteresse. Wäre Corona Ebola, wären längst alle im Homeoffice, die das nur irgend könnten.

(…)

In Europa herrscht eine Art Common Sense darüber, dass es falsch ist, moralische Ansprüche an Menschen (also zum Beispiel auch sich selbst) zu stellen, dass es in ethischer Hinsicht völlig okay ist, egoistisch zu handeln, solange man nichts Illegales tut. Aus diesem illusionären Traum wurden wir nun von Corona unsanft geweckt. Corona hat uns gezeigt, dass unsere Kultur, in der es als moralisch legitim gilt, in erster Linie die eigenen Interessen zu verfolgen, solange es im Rahmen einer formal-demokratischen Rechtsstaatlichkeit geschieht, nicht in der Lage ist, externe Herausforderungen zu bewältigen.

Journal Samstag, 16. Januar 2021 – Hefeteig-Fiasko und Winterspaziergang

Sonntag, 17. Januar 2021

Ausgeschlafen, nach einem Aufwachen um fünf aber nur bröckerlweise.

Den Vormittag im Haushaltswirbel verbracht:
– Zwei Maschinen Wäsche waschen, in Aufhängen und Trockner sortiert, entsprechend verarbeitet.
Abend-Brot in allerlei Einzelschritten gebacken.
– Zwetschgendatschi aus dem letzten Tiefkühl-Paket elterlicher Zwetschgen zubereitet.
– Bank- und Seitstütz, eine Runde Cardio auf dem Crosstrainer mit Blick in einen hellen Wintertag, an dem ganz selten die eine oder andere deko-hübsche Schneeflocke trudelte.

Das Brot geriet hervorragend.

Der Zwetschgendatschi aber nicht: Seltener Fall von komplett totem Hefeteig (Hefe war frisch und hatte im Brot gewirkt, Milch nicht zu heiß). Er hatte sich auch nach 90 Minuten Gehen im Warmen nicht einen Millimeter bewegt, und während ich mich selbst in diesem Fall sonst auf eine Reaktion im Backofen verlassen konnte, blieb der Teig auch nach 40 Minuten bei 180 Grad flach. (Jajaja, der Bäckervater von Novemberregen lehrt, dass man dem Hefeteig einfach genug Zeit lassen müsse, irgendwann werde er sich schon rühren. Doch ich hatte nicht unendlich Zeit, weil ich mit Herrn Kaltmamsell zum Spazierengehen verabredet war.)

Diesmal stimmte nicht mal „schmeckte trotzdem“: Der Teig hatte die Konsistenz einer dicken gekochten Lasagneplatte, und das war unter Zwetschgen schon arg seltsam. Im schlechten Sinn.

Zum Frühstück aß ich Birchermuesli mit Joghurt und zwei echten Mandarinen (köstlich, aber voller Kerne).

Für einen Spaziergang nahm ich Herrn Kaltmamsell mit zu der Strecke überm Isartal, die ich schon mal nach Weihnachten gegangen war. Wir ließen uns von einer (entspannend leeren) S-Bahn durch die Sonne nach Großhesselohe fahren und gingen los.

Am Isarfräulein.

Anders als bei meinem letzten Spaziergang stiegen wir in Pullach eine Treppe hinunter zur Isar (zum Glück mit Geländer zum Festhalten, sie war durch Schnee und Eis sehr rutschig) und spazierten auf dem Damm zwischen Isarwerkkanal und Isar zurück.

Burg Schwaneck.

Wir sahen einen Bussard im schrägen Sonnenlicht auf einer Nadelbaumspitze landen, nach einer Umschau nochmal auffliegen, wieder landen – ganz schön beeindruckend.

Auf der Rückfahrt trug ich wie schon auf der Hinfahrt erstmals eine FFP2-Maske (beide Bestellungen sind mittlerweile eingetroffen, ich kann den Anbieter Siegmund Care empfehlen). Bloß: Das ist schon eine ganz andere Nummer als die leichten OP-Masken, die ich in der Arbeit oder auf meinen Wegen durch die Innenstadt fast nicht spürte. Damit sie ordnungsgemäß abschließen kann, sind die Bänder der Maske eng und drücken hinter den Ohren, durch den deutlich dickeren Stoff fällt das Atmen schwer – ich fühlte mich sehr unwohl und bekam Kopfschmerzen. Mal wieder höchsten Respekt vor dem medizinischen Personal, das seine ohnehin anstrengenden Arbeitstage dadurch erschwert. Allerdings werde ich wohl für längeres Tragen ein Band über den Hinterkopf verwenden, das sollte bequemer sein.

Ich freute mich wieder an der Temperatur: Beim Spazierengehen war mir in ganz normaler Winterkleidung (gefütterte Stiefel, Jeans, T-Shirt und Wollpulli, Mantel, Schal, Mütze, Fäustlinge) wohlig warm. Daheim begann ich trotz Heizung zu frieren und musste mir heißen Tee kochen. Wie praktisch, dass das Gewebe um die lange OP-Narbe immer wieder heiß wird und ich meine rechte Hand daran wärmen kann.

Im Abendlicht aß ich Zwetschgen…dings, kein echter Genuss, aber sättigend.

Gestern fand der erste CDU-Parteitag im Internet statt. Meine Twitter-Timeline schien ihn zu einem großen Teil zu verfolgen – was mich überraschte. Ich bilde mir ein, dass Nicht-CDU-Wähler die Bestimmung eines neuen Parteivorsitzenden bislang nicht in allen Details so mitnahm (es wurde Armin Laschet).

Herr Kaltmamsell sorgte fürs Nachtmahl, es gab aus Ernteanteil Rote-Bete-Suppe, dazu frisches Brot und aufgetauten Weihnachtsschinken. Dazu die letzte Flasche Gut Oggau Atansius 2013.

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Nach dieser Berechnung (via Crocodylus) und Berücksichtigung meines Bluthochdrucks ist das meine Aussicht auf Covid-19-Impfung.

Damit kann ich gut leben.

Journal Freitag, 15. Janaur 2021 – Ende der ersten vollen Arbeitswoche

Samstag, 16. Januar 2021

Wieder ein recht eisig-rutschiger Arbeitsweg, ich bewunderte vor allem die Radlfahrerinnen und Radler.

Eisiger und schöner Nebel über der Theresienwiese, dann wurde es sonnig, blieb allerdings kalt.

In der Arbeit nützlich gewesen, das ist ein gutes Gefühl. Vormittags eine Butterbreze, mittags eine Breze, Joghurt mit Orangen, nachmittags Kekse.

Auch der Heimweg war eisig, doch wieder litt ich nicht unter der Kälte. Zu Hause setze ich zwei Sauerteige fürs samstägliche Brotbacken an, es wird Abend-Brot aus dem Plötzblog geben. Weizen- und Roggensauerteig hatte ich Donnerstagabend aufgefrischt. Dazu bin ich in letzter Teig übergegangen: Die Sauerteige nicht alle paar Tage zu füttern und dann wegen seltener Verwendung große Mengen wegzuwerfen, sondern sie vor ihrem Einsatz aufzufrischen – das verbraucht weniger Mehl (macht sie aber wahrscheinlich auch weniger triebstark).

Meine erste Ganztages-Fünftagewoche seit Ende September war gut erträglich, aber vor allem in diesen Pandemiezeiten kein wirklich schönes Leben. Auf jeden Fall werde ich versuchen, den einen oder anderen Tag die Woche von daheim zu arbeiten, irgendwie meine damit kompatiblen Tätigkeiten dafür zu sammeln – das sind mir im Büro dann doch zu viele Kontakte.

Zur Feier des Wochenendes gab’s Prosecco zu lustiger Unterhaltung mit Herr Kaltmamsell, als Thekenersatz in der Küche an die Arbeitsfläche gelehnt (ergab sich so).

Das Nachtmahl, wieder von Herrn Kaltmamsell serviert: Kalbsleber mit Apfel und Zwiebel, Bratkartoffeln, dabei Zwiebeln und Kartoffeln aus Ernteanteil.

§

Ein Podcast über seltene und sehr seltene Tiere (in idealer Länge von sechseinhalb Minuten), in dieser Folge:
„Kreaturen Podcast – Folge 16: Die Bayerische Kurzohrmaus mit Kathrin Passig“.

Bereits in der ersten Minute rief ich zweimal „NEIN!“, denn 1. wurde diese Maus vom Leiter der Vogelwarte Garmisch entdeckt, die es also wirklich gibt (mein seinerzeitiger Standardscherz beim Melden am dauerklingelnden Stationärtelefon von Kolleg*innen: „Vogelwarte Garmisch.“ BRÜLLER!), 2. wurde auf dem Fundort des Viecherls das Klinikum Garmisch gebaut, dem ich mein neues Hüftgelenk verdanke. Möglicherweise ist die Bayerische Kurzohrmaus mein Patronus.

Journal Donnerstag, 14. Januar 2021 – China Miéville, The City and the City

Freitag, 15. Januar 2021

Die Nacht war wieder ein bisschen besser, ich arbeite mich an Normal heran.

Temperatur knapp über Null, dennoch vorsichtiger Arbeitsweg, weil genau bei diesem Wetter der Boden gerne mal mit Glätte überrascht. Abkürzung des letzten Wegstücks durch die U-Bahn-Unterführung Heimeranplatz.

Nachdem schon seit Wochen auf den Werbeflächen unten an den Gleisen nur Eigenanzeigen der Stadtwerke zu sehen waren (die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG gehört zu den Stadtwerken), gibt jetzt auch niemand mehr Geld aus für die Großflächenplakate in den Gängen. Wieder ein bisschen apokalyptisch.

Der Tag blieb sehr düster, es regnete, wurde kälter und schneite einmal gründlich.

Aus dem Augenwinkel sah ich durchs Fenster immer wieder einen großen Krähenschwarm, der ein wenig murmurierte, sich dann wieder auf einem riesigen malerischen winterkahlen Baum niederließ.

In der Arbeit fühlte ich mich sehr wie eine siegreiche Kriegerin, als ich auf einer völlig überlasteten Website etwas Berufliches bestellte – mich Web-Oma konnte kein zerschossenes Layout abschrecken. Gleich drauf hätte ich mich für eine kleine Änderung in ein unbekanntes CMS eindenken müssen: Ich suchte statt dessen nach einer HTML-Ansicht, darin ging’s schnell und verlässlich. WIR HABEN UNSERE ERSTEN BLOGS JA NOCH MIT BINDFADEN UND HAMMER GEBAUT!

Mittags gab es ein Butterbrot und eine Kiwi, nachmittags eine Scheibe trocken Brot.

Heimweg über eine festgetretene Schneedecke, die an vielen Stellen verdächtig glänzte: Ich ging wieder vorsichtig und mit stabil angespanntem Rumpf. Einkaufsabstecher zum Vollcorner, ich arbeitete unsere Liste ab.

Herr Kaltmamsell hatte den ersten Ernteanteil des Jahres abgeholt. Nach einer Runde Yoga war daraus das Abendbrot Radicchio als Salat mit Balsamicodressing, außerdem Käse, Brot.

§

China Miéville, The City and the City hatte ich am Wochenende ausgelesen. Ein Krimi in einen utopischen Set-up: Er spielt in einer Stadt, die aus zweien besteht, Besźel und Ul Qoma. Geografisch sind sie an exakt derselben Stelle, exisiteren aber in parallelen Wahrnehmungswelten. Die Menschen haben von klein auf gelernt, die jeweils andere Stadt zu ignorieren, to unsee, selbst wenn sie die Straße oder den Park mir ihr teilen. Sprache und Kultur sind so unterschiedlich, dass es Spezialitätenrestaurants der einen Stadt als exotische Ausgehmöglichkeit in der anderen gibt. Um von der einen in die andere Stadt zu kommen, muss man durch ein riesiges Amt, die Visumsmodalitäten sind streng und komplex – um am Ende das Amt geografisch am selben Ort zu verlassen. Die Einhaltung dieser Wahrnehmungsfarce überwacht eine Institution, die über beiden Polizeien und Regierungen steht: Breach. Einwanderer dürfen die Städte erst nach wochenlanger Schulung betreten, selbst Touristen müssen belegen, dass sie über die Grundzüge Bescheid wissen.

Die Krimihandlung beginnt, als in Besźel eine Leiche aus Ul Qoma auftaucht. Der Inspector Tyador Borlú übernimmt die Ermittlungen, muss dazu aber auch mit seinem Gegenstück in Ul Qoma zusammenarbeiten, mit Senior Detective Dhatt. Ihre Recherchen entlarven einige Schwachstellen des Systems.

Ich fand das Set-up so attraktiv, dass ich den Roman unbedingt lesen wollte. Allerdings stellte ich im Lauf der Lektüre fest, dass ich mich immer weniger hineinfallen lassen konnte – anders als in andere utopische Realitäten. Je weiter ich las, desto häufiger stolperte ich über die schiere Hanebüchenheit dieses unsee, des eisernen Ignorierens der eigenen Wahrnehmung. Auch bekam ich zu wenige Hinweise, wodurch sich die Menschen der einen von denen der anderen Stadt unterschieden, sodass ihre Zugehörigkeit jederzeit eindeutig war. Ich konnte mir die erfundene Welt immer weniger statt immer besser vorstellen. Dewegen war ich schlussendlich enttäuscht: Das Konstrukt hielt der Nutzung durch die Krimihandlung nicht stand.

Interessant ist der Grundgedanke des Romans weiterhin. Für mich rief er von Anfang an: „ALLEGORIE!“ Am ehesten eine Allegorie auf Rassismus, genauer: auf Segregation. In einer segregierten Gesellschaft, zum Beispiel der in den USA der jüngeren Vergangenheit, teilten sich die weiße und die nicht-weiße Bevölkerung den geografischen Raum, es gab wie im Roman getrennte und gemeinschaftlich genutzte Bereiche. Gleichzeitig lebten sie in verschiedenen Welten, ignorierten einander. (Unterschied zu The City and the City: Die nicht-weiße Bevölkerung schwebte in ständiger Gefahr von Gewalt durch Weiße.)

§

Das Jahr ist noch jung, doch ist es nicht nur sofort stürmisch in Negativ-Konkurrenz zu 2020 getreten, sondern hat bereits einen musikalischen Internet-Star (vor zwei Wochen schon mal vorgestellt). Sollten Sie diesem Ohrwurm bislang entkommen sein, klicken Sie NICHT hierauf. Sollten Sie den Wellerman ohnehin seit Tagen vor sich hin summen, ist’s eh schon wurscht. (Inklusive historischem Hintergrund.)

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https://youtu.be/auI9Cx8SGX4

Ach, wenn wir schon dabei sind: Sieben Minuten Rechercheergebnisse zu #SEASHANTYTOK und der Geschichte von Sea Shantys.

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https://youtu.be/huwJ4a8FpTo


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