Journal Donnerstag, 11. Februar 2021 – Beifang aus dem Internetz

Freitag, 12. Februar 2021 um 6:48

Diesmal wieder eine Nacht mit Schlafpause: Um halb vier war ich eine Zeit lang einfach WACH. Ich las Buch.

Morgens mittlere Schneelandschaft (keine 10 cm), aber scharfer kalter Wind – nur erhöhtes Schritttempo wärmte mich genügend auf dem Weg in die Arbeit. Intensives Morgenrot, es wurde ein sonniger Tag.

Zum Mittagessen gab es die zweite Hälfte der Cornish Pasty, nachmittags Hüttenkäse.

Berufliches: Nachdem mir regelmäßig Leute sagen, ich hörte mich beim Melden am Telefon wie ein Anrufbeantworter an (Erbe meiner kurzen Zeit vor vielen Jahren beim Rundfunk?), versuche ich seit einigen Tagen Versprecher, Gluckser, blöde Tonalität einzubauen. Bislang kein weiteres „Oh, ich dachte das ist der Anrufbeantworter“.

Auf dem Heimweg wollte ich unsere Einkaufsliste im Vollcorner abarbeiten – wollte, denn als ich die Waren bereits aufs Kassenband gelegt hatte, stellte ich fest, dass ich meinen Geldbeutel am Vorabend in der Jacke fürs Abendessenholen gelassen und somit daheim vergessen hatte. Ich hielt den Kassierer gerade noch rechtzeitig vom Einscannen ab und erklärte die Situation. Der Herr war so freundlich anzubieten, nach Einkauf den Gesamtbetrag zu speichern, damit ich die Geldbörse holen und später zahlen könne – doch ich war 20 Fußminuten von daheim entfernt und wollte nicht hin und her laufen. Statt dessen bat ich um Entschuldigung – und räumte die Ware Teil für Teil zurück. Zum Glück erheiterte mich mein Missgeschick lediglich, es war ja auch nichts Dringendes dabei.

Daheim Feierabend-Yoga zwischen immer größeren Stapeln Bücherkisten, dann machte ich aus dem Chinakohl aus Ernteanteil Salat mit Joghurtdressing. Nachtisch Süßigkeiten.

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MÖÖÖÖÖÖÖschonwiedereinVideovonMaiLab… Ja mei, wenn sie halt so gut wie keine andere wirklich wichtige Themen erklärt. Diesmal: „7 kritische Fragen zur Impfung“.

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https://youtu.be/a_NpJU12_LA

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Da schau her: Tiktok wird auch für politische Inhalte genutzt, zum Beispiel für aktuelle Proteste von Landwirten in Indien.
Eigentlich keine Überraschung: Jede Online-Plattform wird früher oder später für alles genutzt, was sie ermöglicht – wenn die Betreibenden keinen Riegel vorschieben. Mal sehen, wie Tiktok das handhabt, das chinesische Unternehmen war bislang ziemlich restriktiv.

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Apropos Tiktok: Wie man Mülltüten richtig verwendet. (Hätte ich mir auch von den Putzkolleginnen im Büro abschauen können – die machen das exakt so. Einfach mal den Expertinnen vertrauen!)

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Der Originalartikel im SZ-Magazin vor einer Woche „‚Wir sind schon da'“ ist nur gegen Abo zu lesen:

185 lesbische, schwule, bisexuelle, queere, nicht-binäre und trans* Schauspieler*innen outen sich – und fordern mehr Anerkennung in Theater, Film und Fernsehen. Mit der Initiative #actout und einem gemeinsamen Manifest wollen sie eine Debatte anstoßen.

Ich war erschrocken, unter welchen Repressalien schwule und lesbische Schauspieler*innen auch heute noch gestellt werden und konnte ihre Beschwerde nachvollziehen, dass ein offen schwuler Schauspieler plötzlich keine Hetero-Rollen mehr angeboten bekommt: Es sei doch genau ihr Job als Schauspieler, jemanden darzustellen, der nicht sie selbst seien! (Ich erinnere mich noch an meine Schwärmerei für Rupert Everett als Marlow in Shakespeare in Love, gegen die eine Freundin damals „der ist aber schwul“ einwandte. Was hatte das mit irgendwas zu tun? Wären wir sonst in absehbarer Zeit ein Paar geworden?)

Die Zeit hat nachgefragt: „Warum erfordert dieses Bekenntnis immer noch so viel Mut?“
„Endlich!“

Der Artikel nimmt sich die ganze Kette der Produktion vor: Casting, Filmemacherin, Produzent, Schauspielschule – und spricht dabei (wie das SZ-Magazin) auch die einseitige und stereotype Film-Darstellung von nicht-heterosexuellen Menschen und Beziehungen an.

[Dominik] Graf stellt fest: „Es gibt keinen bekennenden schwulen Kommissar im deutschen Fernsehen.“ Und er erinnert sich: „Zu mir hat mal ein Fernsehredakteur gesagt, dass ein homosexueller Mann kein Held sein könne. Und das ist gar nicht so lange her.“

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Rylyn Clark aus Massachusetts ist sehr wahrscheinlich das Niedlichste, das Sie heute zu sehen oder hören bekommen. (Das Video ist von vergangenem Jahr, da war er vier Jahre alt.)

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 11. Februar 2021 – Beifang aus dem Internetz“

  1. Trulla meint:

    Dominik Graf irrt nicht nur, sondern zeigt mit seiner Behauptung, vermutlich unbeabsichtigt, den Stellenwert von Frauen auf. Kein bekennender schwuler Kommissar im deutschen Fernsehen? Was ist mit Ulrike Folkerts? Sie hat nie ein Geheimnis um ihre sexuelle Präferenz gemacht und ist inzwischen die dienstälteste Kommissar“in“.
    Abgesehen davon, dass das jetzige öffentliche Bekenntnis die Gesellschaft wieder ein Stückchen voranbringen soll/wird, interessiert es mich eigentlich überhaupt nicht. Besser als Sie, Frau Kaltmamsell, hätte ich es auch nicht ausdrücken können:
    „Wären wir sonst in absehbarer Zeit ein Paar geworden?“

  2. Alexandra meint:

    Danke für das Sonnenlicht im letzten Link!

  3. die Kaltmamsell meint:

    Auch Sie, Trulla, verwechseln Rolle mit Person: Im Tatort ist Ulrike Folkerts keineswegs eine lesbische Komissarin, Graf hat Recht. Und für mich als homosexuelle Frau wäre es sehr verletzend, dass Sie das „eigentlich überhaupt nicht interessiert“: Als nicht betroffene Norm-Hete können Sie sich leisten, so die Ausgrenzung und Diskriminierung von LGBTQ-Menschen auszublenden. (Siehe auch „farbenblind“.)

  4. Nina meint:

    Es ging aber doch in Dominik Grafs Aussage in dem Zeit-Artikel explizit um schwule Kommissare. Dass es da außer dem Berliner Kommissar Karow, der immerhin schon Sex mit Männern haben durfte, keinen offen schwulen Kommissar geben darf, liegt sicher an der gesellschaftlichen Konnotation, mit der Schwulsein immer noch belegt ist: Schwule gelten halt gemeinhin als soft, feminin, keine richtigen Männer. Das macht es offenbar in den Augen der meisten Produzenten schlecht vereinbar mit harten Kommissaren. Anders als Lesben, die wiederum als hart, maskulin, tough gelten. Die perfekte Kommissarin also. Aber Ulrike Folkerts kriegt halt auch sonst kaum Rollen mehr. Und das ist ja genau das Argument des SZ-Artikels.

    Und übrigens es ist ein heterosexuelles Privileg, sich nicht dafür zu interessieren. Die, die davon betroffen sind, müssen sich nämlich zwangsweise dafür interessieren und können sich nicht auf ein „Spielt doch keine Rolle“ zurückziehen. Besser als aktives Desinteresse wäre aktive Allyship. Meine 5 Cent (selbst queer).

  5. Nina meint:

    Oh richtig, das habe ich in meinem Kommentar oben prompt selbst auch verwechselt…

  6. Christine meint:

    Mein Nachname ist so kurz und dumpf im Klang, dass ich mich am Telefon immer mit einem langen Sermon melde, bevor ich den Namen sage, damit das Gegenüber darauf vorbereitet ist. Wenn ich nur den Nachnamen sagen würde, wäre er akustisch nicht zu verstehen.
    Mein Vater hat den AB damals unabsichtlich so besprochen, dass es sich anhörte, als sei er selbst am Apparat. Das war immer sehr befremdlich un verwirrend.

    Es ist schon seltsam, was es mit einem macht, wenn der Star, den man eigentlich recht sexy findet und dem man nie begegnen wird, sich als homosexuell herausstellt. Ich denke dann „Oh, schade“
    Aber genau das denke ich auch, wenn sich herausstellt, dass der hübsche neue Kollege glücklich verheiratet ist.

  7. Trulla meint:

    Nur zum Textverständnis: ich habe deutlich gesagt, dass dieses öffentliche Bekenntnis die Gesellschaft wieder ein Stück voranbringen wird.
    Das ist gut so.

    Mein Nichtinteresse an der sexuellen Präferenz zielte darauf ab, dass mich im Film nur die Rolle und nicht die private Veranlagung interessiert.

    Mehr nicht.

    Eine Verletzung homosexueller Frauen oder Männer liegt mir sehr fern

  8. Chris Kurbjuhn meint:

    Eins der grundlegenden Problem ist, dass die meisten TV-Redakteure die Zuschauer für so doof halten, dass sie Rolle und Person nicht auseinanderhalten können. Sehr viele Programmgestallter stecken in einer Blase aus unangebrachter Publikumsverachtung fest.

  9. poupou meint:

    @Chris Meiner Erfahrung nach speist sich diese Publikumsverachtung aus den Zuschauermarktanteilen. Jedenfalls im Privatsektor das Maß aller Dinge bei der Programmgestaltung. Und trotzdem habe ich seit einiger Zeit den Eindruck, dass z.B. Showteilnehmer bei RTL oder ProSieben mittlerweile deutlich diverser gecastet sind als noch vor einigen Jahren und vor allem auch im vergleich zu den ÖR-Sendern.

  10. Chris Kurbjuhn meint:

    @poupou I beg to differ. Sie schauen eben nicht auf die Marktanteile, sonst wäre ihnen z.B. aufgefallen dass ein Film wie „Brokeback Mountain“ 178 Mio Dollar eingespielt hat und auch bei der umpfzichsten Wiederholung ganz stattliche Quoten holt. Derartige Erfolge werden aber gern als „Ausnahmen, die die Regel bestätigen“ abgetan. Die Triebfeder der meisten mir bekannten Redakteure ist „absichern für den Fall, dass es schiefgeht“. Und daher gilt z.B. ein schwuler TV-Kommissar in den Redaktionsstuben immer noch als „gewagt“ und „riskant“. Es ist wirklich unfassbar dämlich.

  11. trolleira meint:

    Ahhhhh so süss der Kleine und der Song. Kommt grad zur rechten Zeit. Vielleicht sollte man wirklich öfter mal mehr positiv denken….

  12. Lempel meint:

    Es gibt abgesehen vom Tatort auch kaum andere Figuren beispielsweise in Nebenrollen, die neben ihrer Rolle als Nachbar, Bürokollege oder Kumpel etc. wie selbstverständlich in einer homosexuellen Beziehung dargestellt werden. Mir fällt als einzige Ausnahme das Nachbar-Paar im wunderbaren Kinderfilm „Rico und Oscar“ ein. Die beiden sind aber halt auch im Roman schon so angelegt.

  13. Ka meint:

    Ich wünsche mir als nächsten einen schwulen James Bond der nebenbei gentlemanlike Männer erobert.

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