Journal Donnerstag, 20. Mai 2021 – Fortschritte in der Frauen-Beachtung

Freitag, 21. Mai 2021 um 7:19

Beim Lesen eines Newsletters wurde mir mal wieder bewusst, dass es in der Inklusion von Frauen als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft tatsächlich Fortschritt gibt. Meiner Überzeugung nach haben #Aufschrei und #metoo als Beschleuniger gewirkt. Zunächst konnte ich mich darüber freuen, dass in geschriebenen Kolumnen von Männern, ob Print oder online, immer häufiger auch leicht sexistische Impulse gerahmt wurden von “früher hätte man gesagt” oder “aber das darf man heute ja nicht mehr schreiben” – weil das für mich der Beweis war: Sie merken es selber, zuvor hätten sie das unmarkiert geschrieben, weil es gesellschaftlich akzeptiert war.

Kurzer Einschub: Meinen größten feministischen Erfolg feierte ich ja bereits als Schülerin. Eine feministische Mutter und starkes Gerechtigkeitsbedürfnis hatten mich von klein auf für diskriminierende Geschlechterstereotypen sensiblisiert, und im Schulunterricht prangerte ich sie energisch an. Ein Biolehrer zum Beispiel, der eine Unterrichtseinheit zu Lebensmittelgiften einleitete mit “Das wird jetzt vor allem für die Mädchen als künftige Hausfrauen interessant” (frühe 1980er) erntete garantiert meinen Protest. Ich mache mir keine Illusion, dass das von meinen Klassenkameradinnen und -kameraden aus anderen Gründe begrüßt wurde denn als willkommene Ablenkung vom Unterricht – ABER! Eines Tages, meiner Erinnerung nach in der Oberstufe, äußerte eine Lehrkraft mal wieder Sexistisches,1 und die halbe Klasse drehte sich umgehend zu mir um, feixend. Zwar ging es ihr auch weiterhin in erster Linie um eine Ablenkung vom Unterricht, doch über die Jahre hatten die Buben und Mädchen offensichtlich begriffen, was die Kriterien für Sexismus waren.

Zurück zum derzeitigen Fortschritt: Mittlerweile lese ich immer häufiger in Kolumnen etablierter Herren die explizite Einbeziehung von Frauen. Es scheint ihnen beim Schreiben aufzufallen, dass sie schon wieder nur an Männer gedacht haben und sie überlegen, ob es nicht auch Frauen-Beispiele gibt – wenig überraschend gibt es die. Oder es fällt ihnen auf, dass das beschriebene Gesellschaftsphänomen gar nicht für die gesamte Gesellschaft gilt, sondern in allererster Linie für den männlichen Teil davon. Aktuelles Beispiel im SZ-Abo-Brief von Kurt Kister:

Wer viele Konflikte ausgetragen hat, wird sich entweder, wie Joe Kaeser oder Joschka Fischer, für den tollsten Hecht im Fluss halten. (Hechtinnen dieser Art gibt es auch, wenn auch deutlich seltener, mir fallen spontan zwei Alicen ein.)

Bei vielen jüngeren Männern, scheint mir, ist der Umweg über aktive Reflexion schon nicht mehr nötig: Sie wissen um die männliche Prägung von Standards und schauen von Vornherein nach Frauen aus. Zum Beispiel James Rebanks, in dessen empfehlenswertem Sachbuch English Pastoral auffallend viele Expertinnen zitiert werden.

§

Morgens widerstand ich dem Bedürfnis die Heizung aufzudrehen, machte mir statt dessen nach dem Morgenkaffee eine große Tasse heißen Tee und schlüpfte in eine Wolljacke (über zwei Lagen Nicki-Hausanzug und zu dicken Wollsocken).

Sport bestand gestern aus 20 Minuten Rumhüpfen zu Musik und einem halben Stündchen Kraftübungen für Oberkörper und Rumpf (während draußen die nächsten Regenschauer runtergingen). Dann war mir wenigstens ein bisschen warm.

Was ich nach Aufstehen und Anziehen gleich wieder zunichte machte, indem ich ins kalte Draußen ging: Es regnete gerade nicht, ich brachte mein Rad zum Radlschrauber, der bis Mittwoch in Urlaub gewesen war. (Vorsichtiges Nachfragen nach Verfügbarkeit eines neuen Fahrrads, denn der Radl-Boom, den die Pandemie-Einschränkungen ausgelöst haben, hat bis jetzt den Markt leergefegt. “Langsam kummt wieda was nei.” Pressiert ja nicht.) Ich spazierte zum Mehlkauf in den Hofbräuhausmühlenladen, auf dem Rückweg besorgte ich Erdbeeren am Standl vorm Kaufhof am Marienplatz. Temperatur mittags um zwölf in der Sendlinger Straße: 11 Grad.

Bis die Touristen zurückkommen, müssen wir Einheimischen die Touristenfotos halt selber machen.

Kurzes Abladen daheim, dann die nächste Runde Lebensmittel, vor allem Vorräte, beim Basitsch, wieder kam ich trocken davon.

Frühstück kurz nach eins: Eine dicke Scheibe selbst gebackenes Kartoffelbrot mit Kochkäs, eine Schüssel Orange, Apfel, Erdbeeren.

Die Lärmkulisse im Haus belegt, dass in der alten Wohnung immer noch kaputt gemacht wird, noch nicht aufgebaut (Blick durch zufällig offenstehende Wohnungstür ergab am Samstag: neu verlegte Kabel noch nicht verputzt, Heizkörper gibt es auch noch nicht wieder).

Ich verbrachte den Nachmittag mit Zeitunglesen, Internetlesen, Buchlesen, lackierte meine Fingernägel farbig. (Herr Kaltmamsell hätte Zeit für eine gemeinsame Unternehmung gehabt, doch ich hatte gestern keine Lust auf einen Museumsbesuch, der endlich wieder möglich ist, und fürs Draußen war das Wetter zu schlecht.)

Abendessen: Ich machte aus Ernteanteil Salat mit sehr jungen Mairübchen und ihrem frischen Grün, darin auch ein wenig Ricotta Salata, Herr Kaltmamsell hatte von den Schwiegers einen besonders guten Himbeeressig mitgebracht, der darin hervorragend schmeckte. Zum Nachtisch viele Erdbeeren.

§

Erinnern sich an den Ingenieur, der seinen Garten in einen Eichhörnchen-Hindernisparcour umbaute? Es gibt jetzt einen zweiten Teil – you ain’t seen nothing yet.

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https://youtu.be/DTvS9lvRxZ8

  1. Die Geschichte wäre besser, erinnerte ich mich noch an die konkrete Aussage – aber ich weiß sie nicht mehr. []
die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 20. Mai 2021 – Fortschritte in der Frauen-Beachtung“

  1. Sabine Kerschbaumer meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  2. Die Toni meint:

    In internen Meetings (Baubranche, weitgehend männlich geprägt) verweise ich gerne auf meine unter dem Tisch geführte “Me-too-Liste”. Augenzwinkernd natürlich, ABER anscheinend zeigt es Wirkung. Genauso augenzwinkernd sagen die Kollegen gerne mal, was sie sich jetzt verkneifen, “um nicht auf ‘die Liste’ zu kommen” oder sie gendern und fragen nach Pluspunkten. Ganz egal, wie sie das wirklich finden, es dient ganz offensichtlich der Bewusstwerdung.
    Und ja, das sind vor allem die Kollegen meines Alters (50+); die Jüngeren haben oft ohnehin schon eine ganz andere Einstellung. Und ich beobachte bei den jüngeren Kolleginnen ein ganz erfrischendes Selbstbewusstsein, das hatte ich in diesem Alter nicht.

  3. Neeva meint:

    Die Verfügbarkeit von Rädern ist gerade ein einziges Drama. Der Angetraute hat sich nach vielem Hin- und Her für ein Rennrad einer bestimmten Firma entschieden. Auch weil das in zwei Monaten lieferbar sein sollte. (Statt acht oder zwölf Monate. Hier Witz über DDR-Lieferzeiten und Trabis einfügen.)
    Die Firma stellte ihre neuen Modelle vor, der Mann bestellte Hals über Kopf am gleichen Tag, am nächsten Tag waren von vier Modellen sämtliche Größen ausverkauft.
    Die Nichtverfügbarkeit von Werkstattterminen für Fahrräder hat bei mir auch zu Emanzipationsfortschritten geführt. Jetzt kann ich auch mit den zarten Systemverwalterinnenhändchen einen platten Schlauch wechseln und andere Reifen aufziehen. Als nächstes gucke ich auf Youtube, wie Bremsbeläge zu wechseln sind…

  4. Joel meint:

    Ja das Update von Eichhörnchen Hindernisslauf ist großartig.

    Wenn ihnen Touristen so sehr fehlen, wird es Zeit fass ich bald in München vorbeischaue. ;-)

  5. Croco meint:

    Danke für die Echhörnchen.
    Wir hatten großes Vergnügen daran.

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