Journal Freitag, 4. Juni 2021 – St. Brück mit Fröschequaken und vergessener Musik

Samstag, 5. Juni 2021 um 8:24

Letztlich war ich doch nicht traurig, dass ich keinen Termin mehr im Schyrenbad bekommen hatte: Es war beim frühen Aufwachen deutlich kühler und bewölkter als am Vortag, es wäre also eh keine Traumrunde im Sonnenlicht durch glitzerndes Wasser geworden.

Das änderte sich allerdings nochmal, als ich statt dessen zu einer Wiederholung der donnerstäglichen Laufrunde aufs Rad stieg: Jetzt war es eindeutig warm und sonnig genug für genüssliches Freibadschwimmen. Doch auch mein Lauf war schön, auf nur spärlich bemenschten Wegen kam ich zur Ruhe.

Unter der Kennedybrücke. Das Schild „Fußgängerweg“ ist verschwunden – das ohnehin ignoriert wurde.

In der Baumschule des Englischen Gartens ein geradezu biblischer Anblick: Ein grün gekleideter Gärtner mit Bart und Strohhut hatte eine Schüssel umgebunden, aus der er mit weiter Handbewegung säte.

Lärm am Spielplatz St.-Emmeram-Brücke: Vom dortigen Teich klang lautes Froschquaken. In der Luft immer wieder Pappelsamen, die sich in Windwirbeln am Boden zu Formationstanz sammelten. Auf dem Rückweg über der Isar ein startender Kormoran.

Daheim blieb ich erst mal in der verschwitzten Laufkleidung: Ich putzte endlich den Küchenbalkon (Ausräumen, Saugen, Wischen mit Schwamm, Säubern der Balkonmöbel, Zurückräumen), denn am Samstag kommen meine Eltern mit einer Pflanze, die sich am vorhandenen Rankgitter hochhangeln soll.

Ums Semmelholen hatte ich Herrn Kaltmamsell gebeten, da in meiner Laufkleidung nicht mal Platz für eine Bankkarte war (das Täschchen hinten an der Laufhose ist so winzig, dass ich selbst meinen vier-schlüssligen Bund reinzwingen muss, mein Handy trug ich beim Laufen in der Hand) und er eh einkaufen gehen wollte.

Frühstück war dann ein monumentaler Laugenzopf mit Butter und gekochtem Schinken, zudem ein Stück Kirschkuchen.

Die Schreinerei, die meinen sensationellen Einbauschrank entworfen und gebaut hat, beeindruckte mich nochmal: Die gestern eingetroffene Rechnung entsprach auf den Cent dem Kostenvoranschlag. (Immer noch knapp drei Monatsgehälter, aber sonst kommt doch bei Handwerkerrechnungen immer noch irgendwas dazu – ohne Gemeinheit, einfach weil nicht alles vorhersehbar ist. Anscheinend außer man ist ein echter, echter Profi.)

Den Nachmittag verbrachte ich Zeitung lesend auf dem großen Balkon, bis der Himmel bedrohlich zuzog und grollte, ein Wind aufkam. Dazu hörte ich Musik, die ich durchs CD-Aufräumen wiedergefunden hatte, das Album Luminitza des Bălănescu Quartets, das mir vor langer Zeit eine Freundin geschenkt hatte, die wie ich die Musik von Michael Nyman mochte (ja, da gibt’s welche – das ist zum Beispiel die zum Film Gattaca). Ich freute mich über die Wiederentdeckung.

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https://youtu.be/TlfsKqHgY6Y

Die Infektionszahlen sinken weiter in München, in Bayern und mit wenigen Ausnahmen auch deutschlandweit. Ich vertraue den Zahlen erst ab Ende nächster Woche, wenn die Feiertags-Verzerrung hinter uns und die Pfingstreisenden zurück sind. Zumindest traute ich mich, für ein Mitsommernachtsessen einen potenziellen schönen Außentisch in einem Restaurant zu reservieren.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Chinakohl-Lachs-Nudeln mit dem Chinakohl aus Ernteanteil. Als Aperitif machte ich Negronis, zu dem Nudeln gab es ein Glas Riesling. Nachtisch wunderbare Erdbeeren.

Abendunterhaltung war die erste Folge der schwedischen Krimiserie Huss aus der ZDF-Mediathek. Gefiel mir ganz gut, ich mochte Setting, Struktur, auch zu weiten Teilen die Figuren. Aber ich bin halt keine Serien-Guckerin: Aha, jetzt habe ich die Serie kennengelernt – mehr interessiert mich nicht. (Dass mich eine Serie wie Beforeigners wirklich fängt, ist die große Ausnahme.)

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Freitag, 4. Juni 2021 – St. Brück mit Fröschequaken und vergessener Musik“

  1. Christine meint:

    Vielleicht gefällt Ihnen aber die Serie „Doc Martin“ (NUR im englischen Original, wegen toller Stimme von Martin Clunes und super feinem Witz, der die Synchro nicht überlebt).
    Keine Ahnung, warum die deutschen Sender alles synchronisieren müssen, aber man kann die DVDs günstig bestellen, wenn man UK-Import nimmt, ohne deutsche Tonspur. Zum Einhören dann Englisch mit Englischen Untertiteln, dann kriegt man auch die kleinsten Witze mit.

  2. Croco meint:

    Der Preis überrascht mich jetzt nicht mehr. Da ich Herrn croco voller Begeisterung den Schrank zeigte, wär ja was für uns, schätzte er den Preis ungefähr so hoch ein. Schreiners Sohn eben.
    HUSS ist klasse! Bin jetzt mit der 5. Folge durch. Nach der ersten habe ich eine Pause gemacht, weil ich auch so dachte: kennste eine, kennste alle.
    Dann hat es mich doch interessiert, was wirklich passiert war beim EU-Gipfel in Oslo. Ja, alle lügen.
    Und der Englische Garten hat eine Baumschulen, wie nett.

  3. hafensonne meint:

    Bei uns hier im Norden sinken die Zahlen auch in nahezu beängstigender Geschwindigkeit, obwohl es hier vor zwei (?) Wochen ein Fußballspiel mit 7500 Zuschauer:innen im Stadion ohne Mase und Abstand gegeben hat mit anschließenden Krawallen weiterer tausender Menschen ebenfalls ohne alles. Seltsam, aber da wir durchgeimpft sind, ficht mich das alles etwas weniger an.

    Ich habe es ja nicht so mit dem Laufen, und seit ich Fuß hatte, fällt es eh ganz aus, aber ich freue mich für Sie, dass es wieder geht, es scheint Ihnen ja sehr wichtig zu sein. Und immer wieder tolle Bilder! Danke dafür.

  4. Croco meint:

    Der EU-Gipfel war in Göteborg.

  5. Chris Kurbjuhn meint:

    Noch eine Serien-Empfehlung: „Wild Bill“ (6 Folgen, ZDF-Mediathek, noch bis Ende Juni, 6 Folgen) Technokratischer amerikanischer Super-Bulle wird – aus Gründen, die Stück für Stück enthüllt werden – Polizeichef in der englischen Provinz und schlägt sich mit bizarren Fällen, widerspenstigen Kollegen und Vorgesetzt und seiner Tochter herum.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Diese Empfehlung trifft tatsächlich, Chris Kurbjuhn, ich fand die sechs Folgen letzten August ausgesprochen großartig – um festzustellen, dass es keine Fortsetzung gibt: Was ich mag, verkauft sich offensichtlich nicht.

  7. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ha -Beforeigners – ganz großes Kino!
    Damit habe ich Herrn Irgendwas ist immer gekriegt, der nach Babylon-Berlin keinerlei Krimi mehr sehen mochte.
    Wir freuen uns auf Staffel 2.

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